Wenn blinder Hass auf Liebe stößt

20. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Römer 12, Vers 21

Dieser Vers war doch eben erst Jahreslosung, schießt es mir durch den Kopf. Schnell google ich danach und merke: mein »eben erst« ist schon wieder sieben Jahre her. Die Zeit vergeht, und in den vergangenen sieben Jahren hat sich einiges in der Welt verändert. Und doch ist gerade diese Zeile des Römerbriefes in ihrer biblischen Zeitlosigkeit noch aktueller und zeitloser geworden, als sie es 2011 war.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Gut und böse – schwarz und weiß – sind oftmals schwer zu trennen. Dennoch nehmen der Hass und die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft stetig zu. Wir lesen die Zeilen aus Chemnitz, verfolgen die politischen Veränderungen im Land und hören von immer mehr Menschen, bei denen christliche Nächstenliebe an der Grenze endet. Populismus mit scheinbar einfachen Lösungen breitet sich aus. Die Falle der Banalität schnappt zu.

Umso entscheidender ist es doch, dass gerade wir als Christen uns nicht ebenfalls einfangen lassen, sondern das Böse mit Gutem überwinden. Dass wir in Offenheit und Nächstenliebe zeigen, was es heißt, sich eben nicht den platten Parolen hinzugeben. Mit offenem Herzen und der Vernunft des Glaubens durch das Leben zu schreiten, fällt wahrhaftig nicht immer leicht. Aber von der Leichtigkeit des christlichen Glaubens steht in der Mahnung des Paulus an die Gemeinde im 12. Kapitel des Römerbriefes auch nichts geschrieben. Christus nachzufolgen und Gott zu dienen kann, besonders im säkularen Raum, wie wir es alle allzu gut wissen, nicht immer einfach sein. Gerade das Böse mit Gutem zu überwinden scheint häufig, als müsse man gegen einen Orkan anpusten.

Und obgleich viel Ausdauer und ein kräftiges Lungenvolumen von Nöten sind, kann jede und jeder für sich immer wieder aufs Neue dagegen angehen. Denn wenn auf ein Scheltwort ein Wort der Versöhnung folgt, wenn blinder Hass auf Liebe stößt und wenn Gewalt Friedfertigkeit begegnet, so überwinden wir das Böse mit Gutem. Jeden Tag aufs Neue. Heute, morgen und auch noch in sieben Jahren.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

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