Ich fürchte dich, aber ich fürchte mich nicht vor dir

27. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

Psalm 130, Vers 4

Da sitze ich und fürchte mich. Fürchte mich, Fehler zu machen. Davor, was die anderen wohl sagen werden. Ich fürchte mich vor Schmerzen und Krankheit. Auch vor manchen Menschen. Wenn ich in unser Land oder die Welt schaue, überkommt mich manchmal Furcht. Und in einigen Nächten schon lehrten mich die Traumbilder das Fürchten. Hier sitze ich und fürchte mich vor so vielem – und es kann mehr werden, je mehr ich darüber nachdenke.

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

Doch vor dir, Gott, fürchte ich mich nicht! Wie könnte ich? Du bist kein böser Wolf, kein Nachtmahr, kein Albtraum. Du bist nicht Krieg und Zerstörung, nicht Krankheit und Schmerz. Bist nicht furchteinflößend, polternd, schimpfend. Du bist nicht ungerecht und unbarmherzig. Nein, so bist du nicht! Denn du bist Gott. Schöpfer von Himmel und Erde. Bist wie Vater und Mutter zusammen. Hältst die Welt und mich in deinen Händen. Du hast Grauen und Tod bezwungen. Ich habe wohl gehört, dass man dich fürchten solle. Doch dies kann keine ängstliche Furcht sein. So habe ich dich nicht kennengelernt. Ehrfürchtig bin ich dir gegenüber. Wie groß du bist als Gott und wie nah du mir kommst als Mensch! Staunend stehe ich in deiner Welt.

Ehrfurcht ist ein gutes Wort dafür. Denn du vermagst es, mich aus dem Loch von Angst und Furcht zu befreien. Du schenkst Leben in dieser Welt und darum immer wieder neue Zuversicht. Wie Sonnenstrahlen durch dunkle Wolken brechen deine Worte in meinen Alltag. Und ich habe erlebt, wie dein guter Geist das bewirkt, was wir Menschen Vergebung nennen.

So sitze ich hier und will mich nicht fürchten.

Ich möchte mir etwas von dir, Gott, wünschen: Schenke uns doch mehr Furchtlosigkeit, weniger Angst, mehr bessere Träume und erholsamen Schlaf. Schenke uns Zeit zum Zuhören und Widersprechen, zum Trösten und einfach da sein. Bewirke Wunder und lass’ Kranke gesund werden. Schenke unserer Welt mehr von deiner Vergebung, damit unsere Ehrfurcht für dich wachse.

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

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