Der König der Welt – auch ohne eine Krone

3. November 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, dem sei Ehre und ewige Macht.

1. Timotheus 6,15.16

Es war einmal ein König. Er lebte zusammen mit seinen Menschen. Gemeinsam zogen sie durch die Lande und durchs Leben. Wer es nicht wusste, sah dem König seine Krone nicht an. Er trug sie selten. Sicher war sie eingestaubt. Er hätte seine Frau, den guten Geist, bitten können, die Krone zu putzen. Doch wozu? Sie hatte Wichtigeres zu tun! Irgendwo musste jemand getröstet werden oder es war ein Geistesblitz vonnöten.

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

Irgendwann hatten die Menschen begonnen, einen Palast zu bauen. Er hatte sie machen lassen. Etwas unwohl war ihm geworden, als sie dafür Schmuck und Geld sammelten. Doch er freute sich auch über ihre Kunstfertigkeit. Denn die Geschichten, die sie sich immer am Feuer erzählt hatten, malten sie nun an die Wände seines Hauses.

Als alles fertig war, packten die Menschen ihre Sachen und machten sich auf ins Weite.

Er sollte in seinem Palast bleiben, damit sie immer wieder zurückkommen könnten. Er glaubte ihnen. Obwohl er gern weiter bei ihnen geblieben wäre. Die Zeiten verstrichen. Ab und zu kam eine Postkarte: Wo seine Menschen überall waren! Sie tauchten in die Tiefsee und flogen ins Weltall. Sie ersannen ein Netz, das die ganze Welt in Sekundenschnelle verband. Ab da bekam er manchmal E-Mails. Doch die Nachrichten wurden weniger. Er sehnte sich nach ihnen. Da fragte er seine Frau, den guten Geist, um Rat. So kam es, dass er eines Nachts in einer Futterkrippe lag. Nun ging er wieder mit seinen Menschen durchs Leben. Er ging mit ihnen durch Krankheit und Freude. Bis in den Tod sogar und durch ihn hindurch. Das ist das Größte. Darum ist er auch der König der Welt, obwohl man es nicht sofort sieht.

Manche mögen das für ein Märchen halten, doch es gibt diesen König. Seine Frau, der gute Geist, wirkt bei den Weinenden und Lachenden überall. Und ihr einziger Sohn, der so viele Brüder und Schwestern hat, geht weiter durchs Leben. Denn weil sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.

Felicitas Kühn, Pfarrerin in Kölleda

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