Trost für junge Seelen
21. Oktober 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Warme Farben, Blumen auf dem Tisch – im neuen Schulseelsorgeraum der Grundschule »Hans Christian Andersen« sollen sich die Schülerinnen und Schüler wohlfühlen. Religionslehrerin Ulrike Taggeselle richtete den Raum mit vielen Helfern ein. Im neuen Umfeld spricht sie mit Theresa und Armin aus der 3. Klasse. Foto: Günter Bauer
Die mitteldeutsche Landeskirche qualifiziert Schulseelsorger.
Wenn Menschen nicht mehr ein noch aus wissen, Ängste und Sorgen haben, dann brauchen sie jemanden, an den sie sich vertraulich wenden können, der zuhört, Rat erteilt oder einfach Trost spendet. Auch Kinder und Jugendliche haben mitunter solche Probleme.
Doch wo finden sie einen Ansprechpartner?
Die Mädchen und Jungen aus der Grundschule »Hans Christian Andersen« in Halle wissen, wo sie Hilfe bekommen. Dort bietet Religionslehrerin Ulrike Taggeselle bereits seit über einem Jahr Schulseelsorge an. Ihre Offerte richtet sich an alle – Kinder und Lehrer.
Selbst Eltern haben sie schon in Anspruch genommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder kirchlich gebunden sind oder den Religionsunterricht besuchen.
»Ich gehe nicht zu Religion, habe aber trotzdem schon mal einen Zettel in den Seelsorge-Briefkasten gesteckt«, erzählt Theresa. Sie habe ein Problem mit einer Freundin gehabt. Das Gespräch mit der Schulseelsorgerin habe ihr sehr geholfen, meint das Mädchen. Damit man ungestört miteinander reden kann, hat Ulrike Taggeselle mit vielen Helfern einen Schulseelsorgeraum eingerichtet.
»Ein solches Schulseelsorgezentrum wie in der halleschen Grundschule ist einmalig«, sagt Pfarrerin Margret Ritzmann von der Projektstelle Schulseelsorge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) im thüringischen Neudietendorf.
Die Schulseelsorge sei erst im Aufbau.
»Wichtig beim Aufbau eines Schulseelsorgeangebots ist immer auch die Vernetzung innerhalb der Schule und möglichst auch mit kirchlichen Angeboten«, betont die Theologin. Weil man festgestellt habe, wie wichtig solche Hilfe gerade auch für Kinder und Jugendliche ist, bietet das Pädagogisch Theologische Institut der EKM seit zwei Jahren Qualifizierungskurse an.
Es gibt zum einen Kurse für Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Gegenwärtig nehmen zwölf Pädagogen aus der EKM aus allen Schulformen an einem über 20 Tage laufenden Lehrgang teil. Auch Ulrike Taggeselle hatte solch einen Kurs vor zwei Jahren belegt.
Zum anderen gibt es auch Qualifizierungsangebote in Sachen Kinder- und Jugend-Seelsorge für Pfarrer und Mitarbeiter der Kirchengemeinden. Alle Lehrgänge finden in Kooperation mit dem Seelsorgeseminar Weimar statt.
Margret Ritzmann, deren Stelle im kommenden Jahr ausläuft, hofft, dass die Landeskirche diesen Seelsorgebereich auch weiterhin unterstützt.
»Eigentlich stehen alle Religionslehrer auch als Seelsorger zur Verfügung. Viele machen das auch schon, gerade wenn es um sensible, altersspezifische Problemlagen geht«, erklärt Sören Brenner, Schulbeauftragter für die Regionen Halle-Saalkreis, Eisleben, Merseburg-Querfurt, Naumburg-Zeitz und Wittenberg.
Nach der Schulseelsorge-Qualifizierung hätten bereits mehrere Kollegen signalisiert, ähnlich feste Angebote bereitzuhalten wie Ulrike Taggeselle, jeweils immer mit einem eigenen, den Gegebenheiten vor Ort entsprechenden Konzept.
Claudia Crodel
Dieses Kapital kommt aus dem Herzen
21. Oktober 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Dieses Gebot ist uns gegeben: Alle, die Gott lieben, sollen auch ihre Geschwister lieben.
1. Johannes 4, Vers 21

Da ist diese merkwürdige Frau. Sie ist weise. Kann mehr sehen als andere. Viele Leute kommen zu ihr, um sich beraten zu lassen. Es ist ihr Job. Sie hört zu, sie hört in sich hinein und dann rät sie etwas. Sie begleitet, geht solidarisch ein Stück des Weges mit. Manchmal findet sie das heilende Wort. Das ist eine hohe Form der Mitmenschlichkeit.
Nur: mit ihren Nachbarn ist sie verkracht. Mit der Telekom liegt sie im Rechtsstreit wegen einer Rechnung. Im Ort geht sie nicht mehr einkaufen, weil »die nur Stroh im Kopf haben«. Viele frühere Freunde heben mittlerweile die Hände und winken ab. Nein, eine Freundschaft ist das gewiss nicht mehr.

Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der EKM
Ganz anders diese Frau nebenan. Sie ist eine wundervolle Mutter. Hat prachtvolle vier Söhne großgezogen. Selbst der Älteste kommt manchmal nach Hause, um sich bei ihr auszuweinen. Bei der kann man das.
Ihren Mann hat sie all die Jahre treu begleitet. All seine Alleingänge toleriert, seinen Missmut ertragen. Und seinen Geiz geschickt umschifft. Sie will es sich abtrainieren, vorwurfsvoll zu sein, sagt sie.
Auch dienstlich läuft es: Die Familienfirma hat einen guten Ruf, die Rechnungen werden pünktlich bezahlt. Ihre Art, die Dinge zu hegen und zu pflegen, sieht man nicht zuletzt in ihrem Garten. Da blüht es, die Kräuter wachsen üppig. Sie gibt gern.
Und am Sonntag predigt der Pfarrer von dem Gebot, Gott zu lieben. Bei ihm klingt es ein bisschen theoretisch. Aber sie mag es. Lädt ihn anschließend zum Mittagessen ein. Für sie geht es um mehr als unser Kleinklein. Der Horizont ist so weit. Und wir sind immer auf dem Weg.
Wohin?
Zu einer Weisheit des Herzens. Denn letztlich geht es nur um diese Fähigkeit: das Herz offen halten zu können. Trotz allem.
»Ich habe keine Angst vor der Liebe«, sagt sie lachend bei Tisch. Und die Jungen nicken. Was für ein Kapital, das sie ihnen da mitgibt!
Ulrike Greim
Zehn Jahre Krieg
21. Oktober 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Im Oktober 2001 wurden mit Unterstützung von US-Truppen die Taliban aus Kabul vertrieben. Der Afghanistan-Krieg hatte begonnen. Heute, zehn Jahre später, erscheint die Bilanz dieses Militäreinsatzes als desaströs.
Mehr als 100.000 Soldaten sind heute dort im Einsatz. Die meisten davon Amerikaner. Aber auch rund 5.000 Bundeswehrangehörige. Über 2.700 Soldaten sind getötet worden, darunter 53 deutsche, dazu drei deutsche Polizisten.
Über die Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt es nur Schätzungen. Sie schwanken zwischen 2.700 und 4.000 Toten pro Kriegsjahr. Schätzungsweise 140 Milliarden US-Dollar kostet der Einsatz jährlich. Die Bundesrepublik gab 2010 etwa 935 Millionen Euro dafür aus.
Immerhin, die Taliban regieren das Land nicht mehr. Doch die Sicherheitslage hat sich nach Ansicht von Experten eher verschlechtert. Dieses Land durch Truppeneinsatz zu befrieden, hat sich als Irrtum erwiesen.
Das Fatale ist: Die NATO-Soldaten und ihre Verbündeten sind mittlerweile selbst Teil des Problems geworden. Sie haben neue Anlässe für neue Konflikte geschaffen. Auch das erschwert nun den bis 2014 geplanten Abzug aller ausländischen Truppen.
Operation gescheitert – dieses Eingeständnis könnte endlich zur Erkenntnis führen, dass Militäreinsätze allenfalls für einen Moment Schlimmeres verhindern können, doch nie langfristig befrieden. Das kann nur aus dem Inneren des Landes geschehen. Für die Unterstützung von Kräften in Afghanistan, die zivile Konfliktlösungen anstreben, wären die Militärmilliarden allemal sinnvoller ausgegeben worden.
Gelegentlich wurden all jene in den Kirchen, die dafür stritten, als blauäugig belächelt. Angesichts der Kriegsbilanz aber haben sie sich als die eigentlichen Realisten erwiesen.
Tomas Gärtner
Mit zweierlei Maß gemessen
20. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Kleine Geheimnisse machen schnell die Runde. Der Buschfunk funktioniert vorzüglich, wenn etwas vertraulich bleiben soll. In manchen Familien oder Arbeitsstellen wissen es dann sofort alle.Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Lukas 12, Vers 48
Ganz Schlaue machen sich das zunutze und bringen auf diesem Weg sogar gezielt Informationen in Umlauf.
Zugegeben: Viele bewahren auch sehr sorgsam, was ihnen anvertraut wurde, und der kleine Klatsch bedeutet nicht sofort Intrige und Geheimnisverrat. Dennoch: Wie vertrauenswürdig sind wir?
Anvertraut ist uns viel mehr.
Traditionen und eine reiche Kultur sind uns überliefert. Das Geschenk der Demokratie haben wir uns erkämpft. Den Reichtum des westlichen Europa haben wir, anders als die restlichen ehemals sozialistischen Staaten, geerbt. Unsere Orte sind eingebettet in eine Natur, die uns das Staunen lehren kann.
Ob ideell oder materiell – wir sind unvorstellbar reich, verglichen mit ungezählten Menschen neben uns und sämtlichen Generationen vor uns.
Dieser Reichtum ist zumeist nicht unser Verdienst. Er ist uns anvertraut. Wir können und sollen ihn hüten, damit andere Völker und kommende Generationen auch etwas davon haben.
Ein Anrecht auf Besitzstandswahrung haben wir nicht, eher eine Pflicht zum Teilen und Weitergeben. Wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern, erinnert Jesus.
Wir werden tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen. Die Starken sind zuerst in der Pflicht.
Das gilt auch für die Demokratie.
Am Sonntag trauert Norwegen um die Opfer. Die Anschläge galten auch der liberalen und offenen Gesellschaft. Freiheit ist ein kostbares Gut. Wir tun gut daran, die Demokratie bei uns zu stärken und zu pflegen. Je stärker sie bei uns ist, desto mehr Rückenwind bekommen Menschen in anderen Ländern, die Menschenrechte und Freiheit einfordern.
Uns ist tatsächlich viel anvertraut. Rechtfertigen wir es!
Margot Runge
Begreifen und lernen
18. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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In Erfurt wird am Sonntag die Evangelische Regelschule eröffnet.

Mathematik begreifen – Schulleiterin Rosemarie Lühmann erläutert, wie man mit dem Montessori-Material arbeitet. (Foto: Dietlind Steinhöfel)
Wenige Tage vor dem Beginn des Schuljahres herrscht bereits munteres Treiben in der obersten Etage im Haus am Breitstrom in Erfurt, in einem der Gebäude des Evangelischen Ratsgymnasiums. Regale werden zusammengeschraubt, Stühle gerückt und Pakete mit Unterrichtsmaterial ausgepackt.
Aber nicht für die Gymnasiasten wird hier gewerkelt, sondern für die ersten Schüler der neuen evangelischen Regelschule, die im Haus ein Domizil gefunden hat.
Kirchenrat Marco Eberl, der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung der EKM, freut sich mit Schulleiterin Rosemarie Lühmann, dass diese Schule nun die pädagogische Landschaft der Landeshauptstadt vervollständigt.
Immerhin hat Erfurt 17 evangelische Kindergärten, eine Grundschule startete 2009. Das Ratsgymnasium öffnete schon 1992 seine Pforten.
Nach dem neuen Thüringer Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft ist die Neugründung kein einfaches Unterfangen. In den ersten drei Jahren erhalten nun auch kirchliche Träger keine staatlichen Zuschüsse mehr.
Die Wartezeit kann zwar verkürzt werden, was nach Aussagen der Schulstiftung auch beantragt wurde, doch fest einplanen kann man das nicht.
Im ersten Jahr, so Eberl, müssen 100 000 Euro von der Stiftung aufgebracht werden. »Ich bin froh über die großzügige Unterstützung des Kirchenkreises Erfurt, der sich mit 50 000 Euro beteiligt.«
Schon über ein Jahrzehnt gab es auch im Kirchenkreis den Wunsch nach einer Regelschule. »Jetzt sind wir als Kirche mit der Bildung dort angekommen, wo wir sein sollen, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird«, sagt Marco Eberl.
In der mitteldeutschen Kirche (EKM) ist die Erfurter die siebente Regel- bzw. Sekundarschule, wie diese Schulform in Sachsen-Anhalt heißt. Im Norden der EKM gibt es bereits vier Sekundarschulen.
Die Nachfrage nach Schulen in evangelischer Trägerschaft sei gewachsen, so Eberl. Inzwischen gäbe es neben Initiativen von Eltern und Kirchengemeinden auch Anfragen von Kommunen.
»Aber wir gründen Schulen mit Augenmaß«, betont der Stiftungsvorsitzende. »Jede Schulgründung muss in der gleichen Qualität möglich sein. Es kommt drauf an, dass wir die bestehenden Schulen weiterentwickeln und nur Neugründungen zulassen, wenn es nicht zu Lasten der bestehenden geht.«
Bisher sei man ohne Darlehen ausgekommen. Das solle auch so bleiben.
Die Evangelische Regelschule Erfurt wird sich stark an der Reformpädagogik orientieren. Das zeigt schon die Wahl der Schulleiterin. Die 50-jährige Rosemarie Lühmann hat eine Montessori-Ausbildung in München und Dublin absolviert und unter anderem an der Montessori-Integrationsschule in Erfurt gearbeitet.
Anne Veit (34), pädagogische Referentin der Schulstiftung, erläutert das Konzept: »Bis zur achten Klasse werden keine Noten gegeben. zudem sollen die Klassen alters- und fächerübergreifend unterrichtet werden.«
Am 22. August werden erst einmal 16 Jungen und Mädchen einer fünften Klasse zwei Räume beziehen. Fünf Lehrkräfte stehen für die gebundene Ganztagsschule zur Verfügung. »Wir werden ganz individuell auf die Kinder eingehen«, verspricht die Schulleiterin.
Dafür habe man sehr gute didaktische Materialien, wo zum Beispiel Mathematik im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden kann. Im zukünftigen Klassenraum im Haus am Breitstrom demonstriert sie das mit großer Freude.
Zudem sollen sich die Schüler den Lehrstoff möglichst selbst erarbeiten. Die Schulleiterin freut sich, dass sie nun viel selbst gestalten kann.
Die Stiftung schafft die Rahmenbedingungen. Die Pädagogen vor Ort können ihre Visionen und pädagogischen Konzepte umsetzen – natürlich im Rahmen des Schulgesetzes.
Hier, so Anne Veit, schöpfe man die Möglichkeiten voll aus.
Trotz des Schulgeldes von 95 Euro im Monat ist die evangelische Regelschule für alle Kinder offen. Es gäbe immer die Möglichkeit zur Minderung des Schulgeldes. »Bisher haben wir noch keinen Fall, wo ein Kind aus finanziellen Gründen nicht aufgenommen werden konnte«, betont Marco Eberl.
Dietlind Steinhöfel
Schuleröffnungsgottesdienst, Predigerkirche: 21. August, 14 Uhr,
mit Propst Reinhard Werneburg
Fürbittengebet für Japan
21. März 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Fürbitt-Vorschlag „Japan“ für den Sonntag „Reminiscere“ vom Kirchenamt der EKD
Der Gottesdienst am kommenden Sonntag wird in vielen Gemeinden auch im Zeichen der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe in Japan stehen. Dieser zweite Sonntag der Passionszeit heißt „Reminiscere“. Er ist benannt nach einem Vers aus Psalm 25: „Gedenke (lat. Reminiscere) Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind“ (Psalm 25,6). Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Fürbitte für Japan formuliert, die sie den Gemeinden gerne anbietet:
Du Gott des Lebens,
in unserem Erschrecken und mit unseren Sorgen wenden wir uns zu dir.
Bilder der Todesflut und der Zerstörung gehen uns nach,
Ängste vor einer atomaren Verseuchung treiben uns um.
Wo warst Du, Gott, als das Chaos in Deine gute Schöpfung einbrach?
Du Gott des Lebens,
wir bitten dich für alle vom Unglück betroffenen Menschen,
denen der Boden unter den Füßen wegbrach,
die mit knapper Not davonkamen,
deren Zukunft ungewiss ist.
Wir bitten dich für die, die ihrer Heimat beraubt wurden,
die verzweifelt nach ihren Familien und ihren Freunden suchen,
die um ihre Lieben trauern.
Gib ihnen Kraft für die naheliegenden Aufgaben,
und lass sie an ihrem Schicksal nicht verzagen.
Du Gott des Lebens,
wir kommen heute zu dir mit unserer Sorge
angesichts zerstörter Atomreaktoren.
Wir bitten für alle, die zu retten und zu helfen versuchen:
Schenke ihnen Geistesgegenwart und Kraft.
Stehe den Verantwortlichen bei,
dass sie die richtigen Entscheidungen treffen
und die Risiken recht einschätzen.
Hilf, dass die Gefährdeten Schutz finden
und dass die tödliche Strahlung eingedämmt werden kann.
Du Gott des Lebens,
dir vertrauen wir uns an.
Du hast das Leben erschaffen und den Tod besiegt.
Auf dich hoffen wir in unserer Sorge
und unserer Angst.
Erhöre unser Rufen
und nimm unser Bitten barmherzig an.
Katastrophehilfe für Japan
21. März 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Brief der Diakonie Katastrophenhilfe vom 17. März 2011
Liebe Gemeinden der evangelischen Landes- und Freikirchen,
wir sind mit Ihnen tief bewegt von den schrecklichen Bildern von Tod und Zerstörung nach dem verheerenden Erdbeben und nachfolgendem Tsunami in Japan. Und wir teilen die Fassungslosigkeit und das Grauen angesichts der offensichtlichen Unmöglichkeit, die entfesselten Kräfte in den Kernkraftwerken zu bändigen. Wir beten zu Gott, er möge die furchtbare Bedrohung durch eine Nuklearkatastrophe vom japanischen Volk abwenden. Das flehentliche Eintreten vor Gott ist z.Zt. unsere wichtigste Möglichkeit, den Menschen in Japan Beistand zu leisten. Diese Möglichkeit sollten wir als Christen und Christinnen nicht geringer schätzen als materielle oder personelle Hilfe – auch wenn sie in der Öffentlichkeit kaum noch Konjunktur hat!
Wir sind tief beeindruckt vom Willen unserer Bevölkerung, der japanischen Bevölkerung in der Stunde der Not beizustehen. Das Mitleid und die Bereitschaft, sich zu engagieren, sind weit größer als wir erwartet haben. Das kann uns alle mit Freude, Dankbarkeit und Stolz erfüllen.
Aber es stellt unsere eigene Verantwortung als Diakonie Katastrophenhilfe auf eine Probe: Umfang und Ende dieser doppelten Katastrophe, die über Japan hereingebrochen ist, sind noch nicht absehbar. Nicht absehbar ist darum gegenwärtig, wie viel Hilfe in Japan wirklich benötigt wird, wie viel die japanische Regierung und Zivilgesellschaft davon selbst leisten kann und wie viel sie von der Gebergemeinschaft weltweit erbitten wird. Kein Land ist so gut auf Katastrophenschutz und – hilfe spezialisiert und dafür gerüstet, wie Japan. Nur wenige Länder verfügen über so viel eigene Mittel und leichte Kreditzugänge. Gegenwärtig ist für uns darum noch nicht absehbar, wie viele unserer Kollekten- und Spendenmittel tatsächlich in der Katastrophenregion gebraucht werden. .
Um verantwortlich und korrekt mit Ihren Kollekten und Spenden umgehen zu können, bitten wir Sie darum, Ihre Spende und Kollekte ab sofort auf das Konto der Diakonie Katastrophenhilfe mit dem Stichwort ‚Allgemeiner Katastrophenfonds‘ einzuzahlen. Aus diesem Fonds finanzieren wir jede Hilfe, die wir in Japan mit Partnern unseres Vertrauens zugunsten der betroffenen Bevölkerung leisten können. .Dessen können Sie gewiss sein! Dazu stehen wir nicht zuletzt über das weltweite Netzwerk der Kirchen ACT in Kontakt mit Vertretern der ev. Kirchen in Japan.
Sollte Hilfsbereitschaft aber größer sein als der Hilfsbedarf, dann können wir damit auch Menschen in anderen Krisenregionen helfen, die weniger im Licht der Öffentlichkeit stehen, aber ebenso hilfsbedürftig sind und dringend auf unsere Unterstützung hoffen.
So helfen Sie uns, so korrekt und verantwortungsbewusst mit Ihren Kollekten umzugehen , wie Sie es von uns gewohnt sind und von uns erwarten dürfen,
Danke für Ihre Hilfe, Danke für Ihr Vertrauen!
Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel
Vorstand Diakonie Katastrophenhilfe
Stuttgart, den 17.3.2011
Diakonie Mitteldeutschland
Spendenkonto: 800 8000
BLZ: 520 604 10 (Ev. Kreditgenossenschaft)
Spendenstichwort: Allgemeiner Katastrophenfonds
Gemeindebriefpreis ausgeschrieben – Visitenkarte der Gemeinde
24. Februar 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Evangelischer Presseverband und mitteldeutsche Landeskirche haben einen Gemeindebriefpreis ausgelobt. Hier kommen die Teilnahmebedingungen.
Sie sind die Visitenkarten der Kirchengemeinden und die heimlichen Riesen in der evangelischen Medienlandschaft: die Gemeindebriefe. In den meisten Gemeinden der mitteldeutschen Kirche und Anhalts gibt es inzwischen Publikationen, die regelmäßig über das gemeindliche Leben informieren.
Nach jüngsten Untersuchungen erreicht das Medium Gemeindebrief mehr als zwei Drittel aller evangelischen Haushalte. Die Machart ist dabei sehr verschieden und reicht von einfachen Informa tionsblättern bis zu aufwendig gestalteten Heften. Doch unabhängig von der gegenwärtigen Gestaltung gibt es zumeist noch »Luft nach oben«.
Der Evangelische Presseverband in Mitteldeutschland, Herausgeber der Kirchenzeitung »Glaube+Heimat«, und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) haben deshalb einen Gemeindebriefpreis ausgelobt. Anders als bei herkömmlichen Wettbewerben soll nicht einfach der schönste oder beste Gemeindebrief prämiert werden. Ausgezeichnet werden vielmehr Veränderung und Weiterentwicklung des Gemeindebriefkonzeptes. Es ist also ein echter Innovationspreis.
Dem entsprechen auch die Kriterien: Neben der Gestaltung (Layout und Bilder), Übersichtlichkeit (Struktur und Orientierung) sowie Themenauswahl und Darstellungsformen sollen auch andere Aspekte zugrundegelegt werden:
- Wie werden die unterschiedlichen Generationen angesprochen?
- Wie wird gemeindliches Leben nach außen vermittelt?
- Welche Anstrengungen hat die Gemeindebriefredaktion unternommen, zu ökologischen Lösungen zu kommen (Papier und Verbreitung)?
- Mit welcher Sorgfalt geht die Redaktion an die Arbeit?
Schließlich ist der Gemeindebrief auch eine Art »Liebesbrief an die Gemeinde«.
Alle diese Kriterien sollen bei der Auswahl und Prämierung eine Rolle spielen.
Als Preisgelder winken 1.500 Euro für den Sieger, 1.000 Euro für den Zweit- und 500 Euro für den Drittplatzierten. Die Schirmherrschaft des Gemeindebriefpreises hat der EKM-Gemeindedezernent, Oberkirchenrat Christoph Hartmann, übernommen. Einsendeschluss für teilnehmende Redaktionen ist der 31. Oktober 2011.
Eine namhaft besetzte Jury, zu der unter anderem die Erlanger Publizistikprofesssorin Johanna Haberer gehört, wird die Gemeindebriefe und die vorgelegten Gemeindebriefkonzepte analysieren, vergleichen und die überzeugendste Weiterentwicklung auszeichnen. Eingereicht werden soll je ein Exemplar des Gemeindebriefes vor der Überarbeitung und ein Heft nach der Umstellung, sodass die Veränderung deutlich wird.
Auch Gemeindebriefredaktionen, die bereits im vergangenen Jahr 2010 mit einer Weiterentwicklung begonnen haben, können sich mit ihrem Konzept am Gemeindebriefpreis beteiligen. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass und wie sich die Hefte entwickelt haben. »Glaube+Heimat« wird in den nächsten Monaten regelmäßig Beiträge zu Fragen von Struktur, Layout, Bild- und Textsprache sowie weiteren Aspekten rund um den Gemeindebrief veröffentlichen.
Außerdem soll ein Seminartag für Gemeindebriefredaktionen in Erfurt und Magdeburg angeboten werden. Auch hier ist das Ziel, den Redakteuren bzw. Redaktionsteams das nötige Handwerkszeug zu vermitteln, damit die Gemeindebriefe informativer und übersichtlicher werden, eben eine Visitenkarte der Gemeinde.
Martin Hanusch
Einsendungen richten Sie bitte an den:
Wartburg Verlag,
Redaktion Glaube+Heimat,
Lisztstraße 2a, 99423 Weimar.
»Nicht irgendeine Kirche«
19. März 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Luther-Freunde wollen zehn Millionen Euro für Schloss und Schlosskirche in Wittenberg sammeln

Die Schloßkirche in Wittenberg, Foto: Wikipedia
Rund zehn Millionen Euro will der am Reformationstag 2009 in Wittenberg gegründete »Freundeskreis Luther« für die Sanierung von Schloss und Schlosskirche der Lutherstadt sammeln. Das gab der Vorsitzende des Vereins, der Bielefelder Unternehmer August Oetker, am 16. März in Berlin bekannt. Zum Freundeskreis gehören zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter der durch sein Engagement für die Dresdener Frauenkirche bekannt gewordene Trompeter Ludwig Güttler und Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck, die auch Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags im vergangenen Jahr in Bremen war. »Die Schlosskirche ist nicht irgendeine Kirche, sondern die Kirche, von der die Reformation ausging«, begründete Oetker das Engagement des Vereins.
Derzeit befinden sich Schloss und Schlosskirche im Besitz der Stadt Wittenberg beziehungsweise des Landes Sachsen-Anhalt. Nach einer auch mit Bundes-, Landes- und EU-Mitteln finanzierten Sanierung, die nach Angaben des Direktors der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, »30 Millionen Euro plus X« kosten wird, sollen die Gebäude in den Besitz der EKD übergehen. Im Schloss könnte ein kirchliches Besucherzentrum entstehen, außerdem sollen dort das Wittenberger Predigerseminar, das Zentrum für Evangelische Predigtkultur sowie eine Forschungsbibliothek zur Reformationsgeschichte untergebracht werden. »Wir erleben derzeit die Entdeckung Wittenbergs durch die EKD«, sagte Rhein. Es bleibe eine gewaltige bauliche Aufgabe, Schloss und Schlosskirche pünktlich zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 fertigzustellen.
Auch der ehemalige ungarische Botschafter in der Bundesrepublik, Gergely Pröhle, erinnerte an die Rolle der Wittenberger Schlosskirche in der Reformation. Eine gemeinschaftliche Spendensammlung zu ihrem Erhalt könne dazu beitragen, dass sich Lutheraner überall auf der Welt wieder ihrer Ursprünge besinnen. Konkrete Pläne für die Umsetzung der Spendensammlung hat der »Freundeskreis Luther« nach Angaben Oetkers derzeit allerdings noch nicht.
Benjamin Lasssiwe
Wenn die Masken fallen
11. Februar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Foto: Sorina Bindea, sxc.hu
Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Psalm 31, Vers 4
Wikinger sind in diesem Jahr stark im Kurs. Piraten immer noch. Auch Rotkäppchen und Löwenkönige … An diesem Wochenende ist Karneval, Fasching oder Fastnacht – je nach Tradition. Gehen Sie hin? Oder lässt sie dieses Thema kalt? In unserem 600-Einwohner-Dorf wird die fünfte Jahreszeit ganz groß geschrieben. An zwei Sitzungsabenden treten unter der Aufsicht des Elferrates mehrere Büttenredner auf. Kinder und Mädchen tanzen, und selbst die Männer machen Ballett. Immer eingeführt von der Prinzengarde und begleitet von Live-Musik. Schätzungsweise 30 Prozent aller Dorfbewohner sind für diese Tage aktiv. Mit viel Enthusiasmus und Aufwand an Zeit, Geld und Disziplin wird der Karneval geplant und gefeiert. Und »am Aschermittwoch …« – Sie kennen den Spruch.
An diesem Wochenende wird unser Posaunenchor nicht proben und im Gottesdienst … nun gut, die da kommen, sind am Sonntagmorgen wieder fit. Prinz Karneval hat offenbar eine wesentlich größere Gemeinde als unsere schöne Dorfkirche. Aber er hat ja auch ganz andere Grundsätze! Positiv gesehen: ein Hoch für Freude und Frohsinn. Kritisch betrachtet: eine Parade der unterdrückten Lebenswünsche. Der Aschermittwoch aber holt die ganze Gesandtschaft wieder in den Alltag zurück. Der Rausch ist verflogen. Mancher streut sich Asche aufs Haupt. Der Alltag hat uns wieder mit den gleichen Perspektiven und Stolpersteinen wie eine Woche zuvor.
Weder die Kraft der Wikinger noch die Verschlagenheit eines Piraten, auch nicht die Fürsorge eines Rotkäppchens stehen uns mehr zur Verfügung. Alles wieder auf Null. Da bin ich doch froh, dass ich mich nicht bloßgestellt fühlen muss, wenn die Masken fallen und der Alltag ruft. Denn mein Lebensanker ist mein Gott, der mein Fels und meine Burg ist, der mich leitet und führt – auch im Karneval und vor allem nach der Maskerade.
Gerhard Richter, Pfarrer in Bibra









