Künftig ohne Kastanien?
28. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland
Neugestaltung des Schlossplatzes in Wittenberg wirft Fragen auf

Blick auf den Schlossplatz der Lutherstadt Wittenberg. Kurz vor Redaktionsschluss am Dienstag erfuhr die Redaktion, dass die erste Kastanie bereits gefällt wurde. Foto: Achim Kuhn
Die jüngste Grabung steht im Zusammenhang mit geplanten baulichen Aktivitäten in Wittenberg bis zum Reformationsjubiläum 2017. Laut Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) belaufe sich das Investitionsvolumen auf etwa 50 Millionen Euro. Davon müssen die EU-Mittel bis 2015 verbaut sein. Was die Sanierung des Schlossensembles und dessen künftige Nutzung betrifft, so sei im Erdgeschoss ein Empfang für die Schlosskirche vorgesehen, in der ersten Etage eine reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek.
Und in einen noch zu errichtenden Südflügel wird das Evangelische Predigerseminar einziehen. Im Gegenzug erhält die Stiftung Luthergedenkstätten mit dem Augusteum als bisherigem Sitz des Seminars dringend benötigte Flächen etwa für eigene Sonderausstellungen. Die Baulast trage sie schon.
Vorigen Monat hatte das Land Sachsen-Anhalt eine Million Euro für Planungsarbeiten und die Grabungen für dieses Jahr bereitgestellt. Seit dem 28. Juni koordiniert die sachsen-anhaltische Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) die Untersuchungen. Bereits Anfang Juli, so Saleg-Mann Frank Herfurth, waren etwa 2000 Tonnen Aushub abtransportiert worden, inzwischen dürfte es erheblich mehr sein. Nun ist klar, dass, wo gehobelt wird, Späne fallen.
Im Fall des Schlossplatzes werden es allerdings ganze Bäume sein. Konkret handelt es sich um stattliche Kastanien, die der Zukunft im Weg stehen. Die Bäume spenden nicht nur Schatten und prägen das Bild des Platzes zum Teil seit fast 150 Jahren. Sie bieten auch Lebensraum. Buchfinken sind es gegenwärtig, deren Drang zur Arterhaltung zumindest eine Galgenfrist für zwei der fünf grünen Riesen zur Folge hat: Solange die Piepmätze brüten, darf nicht gefällt werden. Nicht gegraben werde auch an zwei weiteren Kastanien, deren Wurzeln über Versorgungsleitungen liegen.
Bäume in die Planung einbeziehen und nicht fällen
Mit ihrem »Talk am Turm« wollten Akademiedirektor Friedrich Kramer und die für Umweltmanagement zuständige Studienleiterin Siegrun Höh-ne den zahlreich erschienenen Besuchern die Möglichkeit geben, sich Informationen aus erster Hand zu holen. Denn genau daran hat es dem Anschein nach in der Vergangenheit gehapert.
Von einem Kommunikationsdesaster sprach ein Besucher. Wichtig sei nicht, was er (Naumann) gesagt habe, sondern was bei den Menschen ankommt. Nicht zerstreuen ließen sich Zweifel an der Notwendigkeit des Anbaus, zumal die Direktorin des Predigerseminars, Hanna Kasparick, einräumte, dass ihre Einrichtung im Augusteum gut aufgehoben sei.
Allerdings gehe es um eine »Gesamtlösung für Wittenberg, wo alle gewinnen«. Inwieweit die Natur dabei verliert (und mit ihr der Mensch?), ließ sich erahnen, als Siegrun Höhne vom Wert der Bäume sprach. Abgesehen vom emotionalen Wert haben sie auch einen messbaren: Je nach Art und Alter speichern sie pro Jahr einige Tausend Tonnen Kohlendioxid und filtern ebenso viel Staub aus der Luft. Höhne, die sich grundsätzlich darüber freue, dass der »hässliche Schlossplatz ästhetisch gestaltet werden soll«, bat die Verantwortlichen, entweder einen Teil des Altbaumbestandes in die Bauplanungen mit einzubeziehen. Oder, falls dies nicht geht, Neupflanzungen wegen des Klimaschutzes im Stadtgebiet vorzunehmen.
Nach dem jetzigen Stand sind offensichtlich 23 Ersatzbäume vorgesehen. Das ist, nicht nur nach Höhnes Auffassung, zu wenig.
Corinna Nitz
Und großes Staunen erfüllt die Seele
23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Psalm 48,11
Zum Gotteslob in seiner ganzen Größe sind wir gerufen. Einzustimmen in den Lobpreis bis an der Welt Enden. Haben Sie das in diesem Sommer vielleicht auch schon an einem besonderen Ort getan? Auf dem Gipfel eines Berges, wo man sich dem Himmel ein Stück näher fühlt, die Wolken zu fassen sind und die sonst so großen Dinge klein erscheinen.
Oder standen Sie am Meeresufer mit dem Blick über die Weiten des Wassers und am Horizont das scheinbare Ende, Weitblick ohne Ablenkung, und der Wind bläst einem ins Gesicht. Die Gedanken werden frei. Unser menschliches Auge scheint die Grenzen der Erde zu erfassen und großes Staunen erfüllt die Seele.
Gott, du erfüllst das All. Wo ich sitze oder stehe, wo ich liege oder gehe, bist du, Gott, bei mir, wo auch immer ich bin. Auf dem Gipfel der Berge oder am Rand des großen Meeres. Ich brauche solche Momente in den Engen des Alltags, in den Engen meiner Gedanken.

Claudia Kuhn
Und dann trete ich ein in einen großen Dom, einen Ort, an dem meine Gebete zu dir aufsteigen können. Einen Ort, an dem schon Menschen über Generationen deine Nähe gesucht haben und suchen und wo Himmel und Erde sich berühren. Einen Ort, wo dein Wort erklingt und mir deine Größe und Gerechtigkeit immer wieder aufs Neue vor Augen führt und eine große Sehnsucht wach wird nach deiner Gerechtigkeit in einer Welt voller Grenzen, voller Enge, voller Kleinheiten.
Die Sehnsucht, einen Weg mit Ihm zu gehen, sich von Ihm begeistern zu lassen oder wie es der Psalm 48 am Ende ausdrückt: Ziehet um Zion herum und umschreitet es, zählt seine Türme; habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt: Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.
Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg
Niedrige Schwellen
23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Baureferentin Elke Bergt und der Architekt Bernward Paulick besprechen das Mühlhäuser Bauvorhaben. Foto: Christine Bose
Das Mühlhäuser Gotteshaus St. Martini wird Jugendkirche
Das Thema ist bundesweit aktuell: Kirchen stehen leer; nach einer künftigen Nutzung wird gesucht. »Bei uns in Mühlhausen ist es umgekehrt, wir haben eine gut funktionierende Jugendkirche, das heißt regelmäßige Veranstaltungen für junge evangelische Christen und für alle interessierten Jugendlichen, in der St.-Martini-Kirche. Von der Ausstattung her war es bisher ein Provisorium«, erläutern Elke Bergt, Baureferentin des Kirchenkreises, und Architekt Bernward Paulick von der Bauhütte Volkenroda. Es gibt Angebote und Gottesdienste, doch nur zu festgesetzten Zeiten.
Seit fast zwei Jahren war mit den jungen Frauen und Männern um Micha Hofmann, Referent für Jugendarbeit im Kirchenkreis, über ein Konzept diskutiert worden. Die Frühjahrssynode fasste 2010 einen Beschluss: St. Martini, das an der größten Kreuzung der Kreisstadt gelegene Gotteshaus, wird unter Beachtung
des Denkmalschutzes zur Jugendkirche umgebaut. Zusätzlich zu den Jugendgottesdiensten soll sie dann täglich nachmittags und abends als Begegnungsstätte geöffnet sein. Der Nutzungsvertrag wurde zwischen der Kirchengemeinde St. Georgii/St. Martini und dem Evangelischen Kirchenkreis Mühlhausen als Träger geschlossen.
Die Gemeindeglieder sehen das Projekt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, konstatiert Ortspfarrer Marc Pokoj. Zwar bleibe die Kirche Eigentum der Gemeinde, aber das Gemeindeleben wird sich nun in St. Georgii abspielen. Da gäbe es schon Abschiedsschmerz für jene, die in St. Martini getauft und konfirmiert wurden. »Es können natürlich weiterhin Taufen oder Trauungen in der Jugendkirche gefeiert werden«, informiert der Pfarrer. Die Kirche bleibe sakraler Raum. Insgesamt erführe das Projekt von den Gemeindegliedern jedoch Zustimmung. Seit der Reformation sind Georgii und Martini eine Gemeinde. In den 1970er Jahren war die Stelle für einige Zeit mit zwei Pfarren besetzt. Nun gebe es schon lange nur noch eine Stelle. Zwei Kirchen zu unterhalten sei zudem nicht sinnvoll.
Die Jugendkirche wird aus Eigenmitteln des Kirchenkreises, Mitteln der Landeskirche und der Union Evangelischer Kirchen ermöglicht. Ohne Gestaltung der Außenanlagen belaufen sich die Kosten auf rund 654000 Euro. Für Architekt Paulick ist die Tatsache, dass sich junge Menschen ein eigenes Kirchengebäude wünschen, ein Grund, hoch motiviert ans Werk zu gehen. Das sei schließlich etwas anderes, als einen Sakralbau umzugestalten, den die Auftraggeber später zur Fremdnutzung anbieten. Das künftige Aussehen im Innenraum charakterisiert er als die Form eines ungeschliffenen Diamanten. Die Jugend nennt es cool. Auf dem Computerbildschirm hat St. Martini, die Neue, schon Gestalt angenommen. Von allen Seiten soll der Blick hinführen zum später runden Altar und den Chorraum als Mittelpunkt. Viel Platz wird im dann doppelt so großen Chorbereich sein für Theateraufführungen, Jugendband und eine Videoleinwand.
Die meisten Bänke ziehen um in die evangelische Kirche Windeberg. Neue, große Seitenfenster bringen viel Licht hinein, denn eine Kirchenseite erhält eine verglaste Lounge mit Sitzgruppen. Sehen und gesehen werden, rausschauen und von draußen sehen, was drin passiert, Lust auf Glauben wecken, Öffnung der Kirche für alle – optisch und symbolisch – ist das Anliegen.
Das Gebäude soll behindertengerecht, also schwellenarm, auch im übertragenen Sinne, zu erreichen sein. Eine Teeküche, Sanitäranlagen sind geplant; in der zweiten Ebene Sitznischen sowie ein großer Raum für Gruppenveranstaltungen und Rückzugsort. Auf der Orgelempore, der dritten Ebene, wird ein zwei Meter breiter und 14 Meter langer Steg der Technik-Installation dienen. Für Wärme sorgt in Zukunft eine Fußbodenheizung. Umgebaut wird abschnittsweise, der erste Bauabschnitt beginnt in diesem Jahr. Hierfür ist die Finanzierung von 224000 Euro abgesichert. Zum Landesjugendtreffen 2011 soll das Erdgeschoss funktionsfähig sein.
Christine Bose
Vom Zins, der Zukunft schafft
23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Burkhard Dube
Sachstand: Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt der Finanzausgleich West-Ost aktuell
West-Geld bedeutet für die Ost-Kirche noch immer Überlebenshilfe. Doch was im Osten viel ist, ist für den Westen wenig. Das könnte schon morgen ganz anders sein.
Wenn Sie Menschen in einem Saal mit 52 Betten am Morgen gemeinsam aufstehen lassen, dann kann es eng werden«, sagt Werner Braune. »Zumal dann, wenn sie mehrfach behindert sind und es für alle nur vier Waschbecken und fünf Toiletten gibt.« Woran sich der langjährige Diakoniechef erinnert, gehörte zum Alltag der Diakonie in der DDR. Zumindest bis Anfang der 1970er Jahre. Dass damals Abhilfe geschaffen werden konnte, lag vor allem an einem Sonderbauprogramm, mit dem zahlreiche diakonische Einrichtungen von Arnstadt bis Schwerin durch westliche Finanzhilfen saniert oder erneuert werden konnten.
Vier Milliarden Deutsche Mark sind in den 40 Jahren DDR für Kirche und Diakonie in der DDR von den westdeutschen Partnerkirchen zur Verfügung gestellt worden – rund 100 Millionen DM im Jahr. In welchem Maße damit die kirchlichen Haushalte im Osten unterstützt wurden, war sicherlich zwischen den damals acht evangelischen Landeskirchen unterschiedlich. Genaue Zahlen kennt ohnehin keiner, denn ein Teil dieser Finanzhilfe erfolgte über die Partnerbeziehungen zwischen Ost und West.
Alles in allem haben sie Leben und Überleben ermöglicht. Sei es durch die Einfuhr von Autos über GENEX oder die Bruderhilfe, die für kirchliche Mitarbeiter das schmale Gehalt aufbesserte. »Ohne die West-Hilfe hätten wir keinen einzigen Röntgenapparat gehabt«, sagt der heutige EKD-Finanzchef Thomas Begrich, der zehn Jahre Verwaltungsleiter am evangelischen Johanniter-Krankenhaus in Genthin und von 1990 bis 2003 Finanzdezernent im damaligen Magdeburger Konsistorium war. In dieser Zeit hat er nicht nur maßgeblich an den kirchlichen Strukturreformen, sondern auch am Plan für den Finanzausgleich zwischen den Kirchen in Ost und West mitgearbeitet.
Natürlich hat sich nach der Wiedervereinigung die Situation grundlegend geändert – nicht dagegen die Finanzhilfe. 143 Millionen Euro beträgt der kirchliche Finanztransfer von West nach Ost. Das sind nach Angaben von Finanzchef Begrich rund zehn Prozent der Mittel, die den ostdeutschen Kirchen alljährlich insgesamt zur Verfügung stehen – durch Kirchensteuer, Staatsleistungen, Kollekten, Spenden oder Mieteinnahmen.
Gemessen an den gesamten Haushaltsmitteln der EKD und ihrer Gliedkirchen, die Begrich auf zehn Milliarden Euro veranschlagt, sind das nicht einmal 1,5 Prozent. Aber schon ein Vergleich der Kirchensteuereinnahmen macht deutlich, dass sich die Finanzsituation der Kirchen in Ost und West auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer erheblich unterscheidet. So stammen zwar 43 Prozent aller kirchlichen Einnahmen aus der Kirchensteuer, also 4,3 Milliarden Euro. Davon nehmen allerdings die ostdeutschen Kirchen gerade mal sieben Prozent, also rund 300 Millionen Euro ein. Die verbleibenden vier Milliarden Euro erhalten die westdeutschen Kirchen.
»Die 143 Millionen, die die West-Kirchen für den Osten bereitstellen, bringen die nicht um, retten aber die Kirchen im Osten für die Gesellschaft«, sagt Thomas Begrich. Für ihn ist es müßig zu fragen, warum es den Ausgleich noch geben muss, ob das durch die DDR bedingt ist oder nicht. Wichtig sei vielmehr »so zu leben, dass wir vom Finanzausgleich unabhängig« werden. Nicht wenige wünschen sich das, könnte doch manche Entscheidung im Osten unabhängiger vom Westen getroffen werden.
Auch darum wäre es für Finanzchef Begrich »richtig unvernünftig«, den ostdeutschen Kirchen mehr Geld zu geben, weil es der Entwicklung eigener Ideen im Wege stünde. Daran hat es aber in den vergangenen 20 Jahren in den Kirchen im Osten mit der inzwischen von acht auf sechs reduzierten Zahl an Landeskirchen nicht gefehlt. Es gibt einfachere Strukturen oder die Verlagerung der Verantwortung von Pfarrern auf Laien. Und dieser Prozess muss sicherlich weitergehen. Denn noch ist die Pfarrerdichte, gemessen an den Kirchenmitgliedern, im Osten doppelt so hoch wie im Westen.
Als Beispiel nennt Begrich den Kirchenkreis Egeln, den er jüngst besuchte. Und dabei nicht schlecht staunte. Gut 150 Laien gibt es dort, die den Gottesdienst gestalten nach einer Agenda, die sie selbst entworfen haben. So hat sich hier wie auch anderswo wahrgemacht, was der Finanzer gern den Kirchen Ost ins Stammbuch schreibt: Ihr müsst den Finanzausgleich den West-Kirchen verzinsen, indem ihr ihnen zeigt, wie man unter den veränderten Bedingungen einer kleiner werdenden Kirche gute Arbeit macht. Denn eines Tages werden auch sie solche Konzepte brauchen, die ihr schon heute entwickelt habt.
Bettina Röder
»buch_haltung« aus vier Jahrhunderten
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Neue Literatur über Halle und die Marienbibliothek können Besucher erwerben - am Besten nach einer der montäglichen Führungen. Foto: Frieder Weigmann
Halle: Kabinettausstellung gewährt Einblicke in älteste evangelische Kirchenbibliothek
Was kennzeichnet eigentlich laut Ausstellungstext die »Lebenswelt einer evangelischen Kirchenbibliothek«? Zumal, wenn es die älteste historisch-wissenschaftliche Kirchenbibliothek in Deutschland ist, 1552 in Halle gegründet? Erst einmal handelt es sich um eine ziemliche leblose Sammlung von mehrheitlich sehr alten und meist wertvollen Büchern. Natürlich hat jedes Buch eine Geschichte, die mal durch den Inhalt lebendig wird, manchmal aber mehr noch durch frühere Eigentümer, Gebrauchsspuren oder Randnotizen. Jedes Buch, jede Handschrift, Urkunde oder jedes Register gibt Einblicke und entfaltet eine eigene Lebenswelt. Und mit der Aufbewahrung, Sammlung und Ordnung der Bestände – in der Marienbibliothek in Halle sind es reichlich 30000 Bände – entsteht so eine eigene Lebenswelt, die eine mehr als 450 Jahre alte Kirchenbibliothek von jedem anderen Ort der Buchsammlung unterscheidet.
»buch_haltung« heißt die kleine Kabinettausstellung, die Shirley Brückner zusammengestellt hat. Die junge Historikerin ist seit gut einem halben Jahr Bibliothekarin in der Marienbibliothek. Sie bietet inzwischen immer montags um 18 Uhr Führungen durch die Kirchenbibliothek an. »Früher gab es die Führungen einmal im Monat. Das ließ sich aber schwer kommunizieren. Wöchentliche Führungen lassen sich leichter weitersagen«, sagt Brückner. Zwar gibt es deshalb noch keine Besucheranstürme, dennoch ist die Bibliothekarin mit der Resonanz zufrieden. Mit der Ausstellung setzt sie den Anfangspunkt für künftige thematische Ausstellungen, die sich aus den verschiedenen Sammlungen im Bestand erarbeiten lassen. Künftig soll Besuchern also regelmäßig mehr als der häufig nachgefragte Taufeintrag von Georg Friedrich Händel im Kirchenregister der Marktgemeinde gezeigt werden. Unter Familienforschern ist die umfangreiche Kirchenbuchsammlung aus der Region schon lange ein Geheimtipp. »Familienforschung als Schwerpunkt wird dieser Bibliothek aber überhaupt nicht gerecht.« Jetzt will Shirley Brückner stärker ein wissenschaftliches und historisch interessiertes Publikum ansprechen. Einige Sammlungen, die vor Jahren in die Marienbibliothek aufgenommen wurden, sind noch gar nicht richtig erschlossen. Andere Bestände wurden in den letzten Jahren in die elektronische Datenbank der Uni-Bibliotheken aufgenommen. Auch hier gibt es noch viel zu tun.
Die Ausstellung »buch_haltung« gibt unter dem doppeldeutigen Titel nicht nur Einblick in die Bibliothekskultur, sondern knüpft auch an die Anfänge des Schreibens überhaupt an: die ersten Schriftzeugnisse früher Zivilisationen waren Abrechnungen und kaufmännische Listen. Deshalb zeigt die Kabinettausstellung, die noch bis 31. Oktober zu sehen ist, auch Kataloge, Register, Verzeichnisse und Listen aus vier Jahrhunderten kirchlicher Verwaltung.
Frieder Weigmann
Ein geschenkter Urlaubstag
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Kerstin Rickes nimmt ihre beiden Töchter nach einem erlebnisreichen Ferientag am Bus wieder in Empfang. Foto: Ingried Ehrhardt
Kinder aus dem Kreis Hildburghausen besuchten den Freizeitpark in Heroldsbach
Die Freundinnen Vanessa (10) und Vezire (11) sind im Gegensatz zu den jüngeren Ausflüglern kein bisschen müde, als sie auf dem Parkplatz im südthüringischen Städtchen Hildburghausen aus dem Bus steigen. Fröhlich plappern sie drauflos, was das für ein toller Ferientag im Freizeit- und Erlebnispark Schloss Thurn in Heroldsbach war. Auf Karussells sind sie gefahren, Ritterspiele haben sie gesehen, auch eine Westernshow. Aber das Größte, das war die Fahrt auf der Wildwasserbahn. »Am liebsten wären wir gar nicht mehr aus dem Boot geklettert«, schwärmt Vanessa. »Na ja, dafür hat uns für die Achterbahn der Mut gefehlt«, gesteht Vezire.
25 Kinder steigen an jenem Juni-Montagabend glücklich, zufrieden und manche auch erschöpft aus dem Reisebus. Die meisten werden von ihren Müttern in Empfang genommen. Natürlich sind die neugierig. Die Mütter wissen den geschenkten Urlaubstag der Diakonie Mitteldeutschland sehr wohl zu schätzen. »Nur gut, dass es dieses Projekt gibt«, gesteht eine Alleinerziehende aus Poppenhausen. Sie lebt von ALG II. Ihre beiden Jungs haben den Tagesausflug mitgemacht. Die Tochter sei noch zu klein. »So einen Ausflug könnte ich nie bezahlen. Es ist doch nicht nur der Eintritt, wir müssten was essen, dann wollen die Kinder Eis, was trinken.« Die Frau ist glücklich, dass es ihren Söhnen gefallen hat. Es werde für die beiden wohl der erlebnisreichste Tag in den Ferien bleiben, erklärt sie offen. Was könne sie den Jungs schon bieten? Ein Schwimmbadbesuch gehöre schon zum Besonderen.
Kerstin Rickes und ihre Töchter leben ebenfalls von ALG II. Für die kleine Lisa-Marie (7) und ihre Schwester Julia (12) ging ein wunderschöner Tag zu Ende. Dass es noch ein Abschiedsgeschenk, ein neues Buch nach Wahl aus der großen Bücherkiste gibt, macht den Tag perfekt. Das Lesegeschenk stammt von der Kultur-
stiftung »Selbst.Los!«. Auch Kerstin Rickes aus Hildburghausen ist alleinerziehend. Ihr Ziel ist es, eine Arbeit zu finden, von der sie und ihre Kinder leben können. Deshalb besucht sie, die sich ehrenamtlich in der »Tafel« engagiert, derzeit einen Lehrgang, der sie befähigt, demente oder behinderte Menschen zu betreuen. Dieser nimmt noch einen Teil der Sommerferien ein. »Ich bin froh, dass meine Töchter die Fahrt in den Freizeitpark hatten«, erklärt sie dankbar.
Auch für Tina Lenk, Diplom-Sozialpädagogin und Kirchenkreissozialarbeiterin der Kreisdiakoniestelle Hildburghausen/Eisfeld, endet ein ereignisreicher, glücklicher Tag. Sie war die Organisatorin des Tagesausfluges für diese Kinder, die von Armut betroffen sind. Gemeinsam mit vier Frauen oblag ihr auch die Betreuung und Verantwortung für die 25 Steppkes aus Hildburghausen und Umgebung. Tina Lenk kennt aus der täglichen Arbeit die Probleme und Nöte Alleinerziehender. Auch deshalb sei es so wichtig, dass sich das Diakoniewerk der Superintendenturen Sonneberg, Hildburghausen, Eisfeld als Träger der Kreisdiakoniestelle weiter engagiere und solche Projekte wie »einen Urlaubstag schenken« verwirkliche. Dass der bayerische Freizeitpark Schloss Thurn den südthüringischen Kindern den Eintritt und das Mittagessen sponserte, das sei nicht nur eine überraschende, sondern obendrein eine ganz tolle Geste des Unternehmens gewesen, freut sich Tina Lenk.
Ingrid Ehrhardt
Aufstehen gegen Rechts-Rock
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller
Trotz brütender Hitze beteiligten sich viele Bürgerinnen und Bürger am 10. Juli in Gera an den friedlichen Protesten gegen die NPD-Propagandaveranstaltung »Rock für Deutschland«. Ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzten die Kirchen mit einem ökumenischen Friedensgebet. Die Kirche St. Trinitatis, nur etwa 400 Meter vom Veranstaltungsort der Neonazis entfernt, war bereits bis auf den letzten Platz besetzt, als die Glocken noch zum Friedensgebet riefen. 350 Menschen fanden sich in dem Gotteshaus ein, viele nahmen mit einem Stehplatz vorlieb oder setzten sich im Mittelgang auf den Fußboden. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) und Bürgermeister Norbert Hein (CDU).
Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof im Propstsprengel Eisenach-Erfurt, erklärte: »Wir müssen erschrecken, wenn mit Musik zu Rassismus und Gewalt eingeladen wird. Aber wir dürfen uns nicht lähmen lassen.« Angesichts von 149 Opfern rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung, davon die Hälfte in den sogenannten neuen Bundesländern, forderte er auf: Der Anstand gebiete es, dagegen den Aufstand anzusagen. Die Freiheit sei ein hohes Gut, »sie bedarf unserer Aufmerksamkeit und Pflege«. Es brauche Vorbilder, wie sie zum Beispiel die junge deutsche Fußballnationalmannschaft verkörpere – mit einem gemeinsamen Traum, einem gemeinsamen Weg und einem gemeinsamen Ziel.
»Rechtsrock ist keine musikalische Kunstrichtung. Es ist kriminelle Energie, gepaart mit Hass und Gewalt«, äußerte Stadtjugendpfarrer Michael Kleim.
Die Kirchen hatten sich in Gera in die vielfältigen Aktionen des Runden Tisches und von Bürgerbündnissen eingebracht. An 15 Veranstaltungsorten versammelten sich Bürger, um gegen das NPD-Konzert zu demonstrieren. Auf der Heinrichsbrücke, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, wurde der Straßenbahnverkehr mit einer Sitzblockade unterbrochen. Nur unter Geleitschutz der Polizei konnten die Rechtsextremen durch einen abgeriegelten Korridor auf der Brücke zu ihrem Veranstaltungsort gelangen. »Ihr habt den Krieg verlor’n«, skandierten Gegendemonstranten, als Teilnehmer zum NPD-Propagandafestival zur Spielwiese liefen.
Dass die Erben der »Kriegsverlierer« von 1945 zum achten Mal Gera auserkoren hatten, um ihre Ideologie wiederauferstehen zu lassen, wollten zahlreiche Menschen nicht hinnehmen. So viele wie noch nie demonstrierten gegen die rechte Veranstaltung. Die Kirche spricht von bis zu 2000 Teilnehmern an den verschiedenen Aktionen. Beim NPD-Fest hatten sich Polizeiangaben zufolge rund 1200 Personen aus Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen versammelt. Im Vorjahr hatte die NPD noch 4000 Leute mobilisieren können.
Uwe Müller
Zwei Seiten
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Asif Akbar, sxc.hu
Jede Medaille hat zwei Seiten. Das gilt auch in Sachen Religionsfreiheit. Sie meint nicht nur die Freiheit, eine oder keine Religion zu haben. Religionsfreiheit meint auch, sein Glaubensbekenntnis frei wählen, wechseln und ohne Diskriminierung leben zu können.
Dass es mit diesem verbrieften Menschenrecht in vielen Staaten der Welt nicht zum Besten steht, dringt immer stärker in das öffentliche Bewusstsein. Als zumindest zahlenmäßig am meisten von Verfolgung betroffene Gruppe gelten dabei die Christen. Rasch sind dann auch die Feinde der Religionsfreiheit vor allem im Lager der fern- und nahöstlichen islamischen Staaten oder etwa in der Türkei ausgemacht.
Doch jede Medaille hat zwei Seiten: Natürlich ist die brutale Unterdrückung und Verfolgung Andersgläubiger aus religiösem und oder politischem Eifer nicht zu tolerieren. Und es ist gut, dass dies immer mehr Konsens auch der politisch Handelnden in Deutschland wird. Doch es gibt auch eine subtile Art der Diskriminierung religiöser Äußerungen.
Denn schnell fühlen sich Mehrheiten gestört und verunsichert durch die Andersartigkeit von Minderheiten – und reagieren entsprechend. Und damit ist das Thema plötzlich auch in Europa und selbst in Deutschland ganz aktuell. Wie lange mussten (und müssen gelegentlich noch immer) im mehrheitlich volkskirchlich organisierten Deutschland protestantische Freikirchen gegen den Ruch der Sekte kämpfen? Und wie schwer tun wir uns heute damit zu akzeptieren, dass hierzulande eine wachsende Gruppe von Menschen sich zu dem uns fremden Islam bekennt? Wie laut erschallt der Ruf nach Verboten – seien es Minarette oder Kopftücher?
Dass es auch eine gefährliche und menschenfeindliche Ausprägung des Islam gibt, ist dabei unbestritten. Doch die ebenso schnelle wie verständliche Forderung: »Erst wenn es in der Türkei gestattet ist, Kirchen zu bauen, dürfen hier Moscheen entstehen«, klingt sehr nach dem alttestamentlichen »Auge um Auge«. Jesus lehrt anderes.
Harald Krille
Weltumspannende Gemeinschaft
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Vom 20. bis 27. Juli wird in Stuttagart die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes sein
Unterschiedliche Erwartungen haben die Delegierten im Reisegepäck. Das ist bei den sechs Christen aus Mitteldeutschland so und erst recht bei den internationalen Gästen, die nach Stuttgart fahren.
Dass der Lutherische Weltbund (LWB) eine weltumspannende Organisation darstellt, ist Steffen Binder aus Naumburg erst so richtig bei der Vorbereitung auf die vom 20. bis 27. Juli stattfindende Vollversammlung des LWB in Stuttgart klar geworden. »Bis dahin hatte ich den Namen vielleicht einmal gehört«, sagt Binder. Aber nun habe er die Existenz der weltweiten Gemeinschaft lutherischer Christen als eine Bereicherung wahrgenommen. Der Synodale ist einer der sechs Delegierten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), der in Stuttgart dabei ist. Binder kommt aus der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen, die vor ihrer Vereinigung mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen eine unierte Kirche war. Im Gegensatz zur thüringischen Landeskirche gehörte sie nicht zum LWB. Mit der Vereinigung beider Kirchen am 1. Januar 2009 wurde die EKM Mitglied des LWB.
»Es ist eine große Freude, dass wir aufgenommen sind«, sagt Oberkirchenrätin Marita Krüger, Pröpstin in Meiningen. Sie arbeitet seit vielen Jahren für Thüringen im Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) und ist vertraut mit der Arbeit der internationalen Organisation.
Im LWB sind 140 Kirchen mit rund 70 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen, die in der Tradition Martin Luthers stehen. Die Vollversammlung, die in der Regel alle sechs Jahre stattfindet, ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB. Sie ist gesetzgebendes Organ, beschließt die Verfassung des LWB, bestimmt die Strategie der Arbeit und wählt den Präsidenten bzw. die Präsidentin sowie die Mitglieder des Rates.
Das Motto in Stuttgart lautet »Unser täglich Brot gib uns heute«. Der Anstoß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, sei von den Kirchen in Nordamerika gekommen, erklärt Krüger. Mit der Finanzkrise hätten die amerikanischen Kirchen plötzlich feststellen müssen, dass sie kein Geld mehr haben. »Für uns als einladende Kirche ist das Thema auch eine Herausforderung«, gibt die Pröpstin zu bedenken.
»Das Thema wird in verschiedenen Konkretionen behandelt.« Die Eisenacher Superintendentin Martina Berlich, ebenfalls Delegierte für die Vollversammlung, sieht thematische Parallelen zu Thüringen, wo die heilige Elisabeth vor den Mahlzeiten immer gefragt habe, woher das Essen kommt. War es erpresst, hat sie gefastet. »Diese Frage müssten wir eigentlich weltweit stellen«, mahnt Berlich. So dürfte es Christen in Deutschland beispielsweise nicht gleichgültig sein, unter welchen Bedingungen Kleidung und andere Güter entstanden sind, die sie konsumieren.
Die Delegierten fahren mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stuttgart. Die Eisenacher Superintendentin wünscht sich eine starke Verbindung zu den lutherischen Christen in aller Welt. Im Blick auf Resolutionen, die bei der Versammlung verfasst werden, sagt sie: »Es kommt darauf an, dass die Texte kurz, griffig und aussagefähig sind und in den Gemeinden eine Umsetzung finden.«
Neben den spannenden Themen gebe es auch viel Geschäftliches zu verhandeln, sagt Marita Krüger. Die Wahlen, so ihre Erfahrung, seien zeitaufwändig. Da heiße es Quoten einzuhalten, also auf das richtige Verhältnis von ordinierten Amtsträgern und Laien, Männern und Frauen zu achten sowie die verschiedenen Regionen zu berücksichtigen.
Auf der Vollversammlung soll auch ein Dokument verabschiedet werden, das die Mennoniten für die Verfolgung im 16. Jahrhundert um Vergebung bittet. Die evangelische Glaubensgemeinschaft ist aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit hervorgegangen. Die Gemeinden praktizieren die Taufe von mündigen Christen, also statt der Kinder- die Erwachsenentaufe. Sie hoffe, so Krüger, dass das Papier, welches den Dialog und die Versöhnung mit den Mennoniten anstrebt, angenommen wird.
Das Treffen in Stuttgart dürfe nicht ohne greifbare Ergebnisse ablaufen und es müsse etwas Handfestes entstehen, mahnt Steffen Binder. Für ihn als Architekten sei das in seinem Beruf selbstverständlich. »Bei der Kirche ist das ja nicht immer so«, weiß er aus Erfahrung. Nachdrücklich betont er: »Es muss etwas dabei herauskommen.«
Sabine Kuschel
Der Meininger Orgelsommer lädt wieder ein
9. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Mit einem Konzert des Ungarn István Ella wurde am vergangenen Mittwoch der Meininger Orgelsommer eröffnet.
Ob der große Barockkomponist selbst ertönte oder Kompositionen zu dessen Namen erklangen, im Konzert des Ungarn István Ella, mit dem am vergangenen Mittwoch der Meininger Orgelsommer eröffnet wurde, drehte sich alles um »Bach«. Nach dem äußerst erfolgreich verlaufenen ersten Orgelsommer im Jahr 2009 wird die Konzertreihe an der Reger-Orgel der Meininger Stadtkirche eine weitere Auflage erfahren. Bis zum Abschlusskonzert am 1. September wird nun an jedem Mittwoch um 20 Uhr das große symphonische Instrument in festlichen Konzerten erklingen.
Meiningens Stadtkantor Sebastian Fuhrmann ist es wieder gelungen, international anerkannte Musiker für diese Reihe zu gewinnen. Am 14. Juli sind Alena-Maria Stolle (Sopran) und Jürgen Natter (Orgel) zu hören. Am 21. Juli ist Hartmut Meinhardt, Bad Salzungen, zu Gast und die Angebote im Juli beschließen am 28. Anna Gann (Sopran), Gunter Sieberth (Oboe) und Sebastian Fuhrmann (Orgel). Die weiteren Konzerte werden jeweils aktuell in der Rubrik »Termine« angezeigt.
Die Stadtkirche erlebte als ältestes Gotteshaus der Stadt viele bauliche Veränderungen. Im Zusammenhang mit dem letzten großen Umbau zwischen 1884 und 1889 erhielt sie eine Orgel der Firma Martin Schlimbach & Sohn aus Würzburg. In seiner Zeit als Hofkapellmeister in Meiningen komponierte Max Reger unter deren Eindruck bedeutende Werke für dieses Instrument. Durch Eberhard Friedrich Walcker aus Ludwigsburg wurde es 1932 nach den Vorgaben des längst verstorbenen Komponisten erweitert. Besonders das von ihm gewünschte Schwellwerk eröffnet dem Organisten besondere Gestaltungsmöglichkeiten und eine enorme Klangentfaltung.
In den letzten Kriegstagen wurde das wertvolle Instrument schwer beschädigt. Die notwendigen Reparaturarbeiten konnten danach aber nie umfassend ausgeführt werden. Unter der engagierten Mithilfe vieler und mit einem großen Kraftakt der Kirchengemeinde konnte schließlich im Mai 1994 die Wiedereinweihung der Reger-Orgel gefeiert werden.
Uta Schäfer




