Von Polen bis nach Santiago

Beim Pilgertreffen in Magdeburg ging es um die Wege in der Oderregion

Die Entwicklung der Jakobs-Pilgerwege östlich und westlich der Oder stand im Mittelpunkt des Pilgertreffens 2012 der Sankt-Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt am 10. März in Magdeburg. Als Referenten hatte der Präsident der Gesellschaft, der Hettstedter Pfarrer Sebastian Bartsch, Professor Ulrich Knefelkamp eingeladen. Der Historiker leitet an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder seit 2005 ein Projekt, das die Erforschung und Revitalisierung der historischen Jakobswege in der Oderregion sowie die Vernetzung regionaler Akteure zum Ziel hat.

Foto: Jürgen Lukaschek

Foto: Jürgen Lukaschek

In seinem Vortrag blickte Knefelkamp in die über tausendjährige Geschichte des Pilgerns zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im Norden Spaniens, die immer eine Bewegung innerhalb Europas war, bevor das Interesse am Pilgern mit Ausgang des Mittelalters stetig abnahm. Dass das Interesse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Jakobsweg wieder stieg, hat mehrere Auslöser: 1987 wurde dieser Weg zur ersten Kulturstraße Europas ernannt und 1993 setzte die Unesco ihn auf die Weltkulturerbeliste.

»Das hat in Europa viele Impulse gegeben«, so Knefelkamp. Ein deutscher Impuls war Hape Kerkelings Buch »Ich bin dann mal weg« über seine Erfahrungen als Jakobspilger. Insgesamt ist die Zahl der Pilger in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Hunderttausende lassen sich in jedem Jahr an der Kathedrale in Santiago registrieren – auf dem ersten Platz liegen die Spanier, gefolgt von Deutschen, Franzosen und Italienern.

Ulrich Knefelkamp verwies in seinem Vortrag auf das europäische Kulturerbe, welches die Pilgerwege darstellten, und darauf, dass sie eine Region bekannter machen und touristische Impulse auslösen können. Er verschwieg auch nicht die Schwierig»Wer pilgert, kommt auch ins Gespräch über Europa«

keiten, bis die wiederbelebten Wegverläufe beschildert, mit Informationstafeln versehen und an andere Pilgerwege angeschlossen sind. 2010 gründete sich die Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion, bei der viele Fäden für Erforschung, Betreuung und Widerbelebung der Wege in Brandenburg und Westpolen (Stettiner und Lebuser Jakobsweg) zusammenlaufen: interdisziplinär und grenzüberschreitend.

In der Diskussion verwies Christfried Boelter vom Referat Offene Kirchen beim Gemeindedienst der mitteldeutschen Kirche darauf, wie wichtig es sei, die verschiedenen Wege – Jakobsweg, Lutherweg, Elisabethpfade – miteinander zu vernetzen. Zudem seien geistliche Stationen unterwegs nötig. Kirchengemeinden sollten motiviert werden, ihre Kirchen für Pilger offen zu halten.

Dazu will auch die 2005 gegründete Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt beitragen, die heute 42 Mitglieder zählt. Sie lädt in diesem Jahr wieder zum Samstagspilgern auf dem 370 Kilometer langen Jakobsweg ein, der von der brandenburgischen zur thüringischen Grenze führt. Doch Pfarrer Bartsch wirbt nicht nur für das Mitpilgern. Er ermutigt ebenfalls dazu, dass die Orte mit Jakobustradition diese wiederentdecken, auch wenn sie nicht am Jakobsweg liegen.

Der katholische Pfarrer Willi Kraning, der im Vorstand der Sankt-Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt mitarbeitet und regelmäßig pilgert, erinnerte an eine besondere Pilgerschaft. Sie verbindet Magdeburg und Gniezno (Gnesen) in Polen miteinander. Im Jahr 1000 pilgerte Otto III. dorthin zum Grab seines Freundes, des Heiligen Adalbert. Für Kraning steht nicht nur deshalb fest: »Wer pilgert, kommt auch ins Gespräch über Europa.«

Angela Stoye

www.jakobswege-viadrina.de
www.jakobusweg-sachsen-anhalt.de

Unser tägliches Brot

19. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Container voller Lebensmittel hinter einem Supermarkt. Beutel mit verfaulten Äpfeln im Hausmüll. Pausenbrot im Abfallbehälter neben der Schulbushaltestelle. Wer kennt nicht solche Bilder! Dass jeder Bundesbürger im Schnitt 81,6 Kilogramm Lebensmittel im Wert von 235 Euro in die Tonne wirft, hat jetzt eine Studie der Universität Stuttgart ermittelt. Hochgerechnet, so heißt es, seien das 21,6 Milliarden Euro.

Es ist gut zu hören, dass die ­Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hier eingreifen will. Doch eine Informationskampagne und eine Internet-Plattform sind keine Allheilmittel. Appelle verhallen allzuoft in unserer Wegwerfgesellschaft. Viele Ältere haben es noch mit der Muttermilch eingesogen: Brot wirft man nicht weg. Die Großeltern haben von mageren Zeiten erzählt und schlechte Stellen am Apfel ausgeschnitten. Die frischen gab es erst, wenn die anderen gegessen waren. »Unser tägliches Brot gib uns heute«, hatte damals eine sehr direkte Bedeutung.

Dass Lebensmittel heute relativ billig sind, kann nicht der einzige Grund für die Verschwendung sein. Auch das Überangebot in den Supermärkten an frischen Lebensmitteln verführt dazu, mehr zu kaufen, als man braucht, oder Ware liegen zu lassen, die vielleicht nicht »wie gemalt« aussieht. Die Verschwendung in den Industrieländern kostet nicht nur Geld, sie geht vor allem zu Lasten der armen Länder.

Das evangelische Hilfswerk »Brot für die Welt« gibt jedoch auch zu bedenken, dass weniger Wegwerfen nicht automatisch zu weniger Hunger in der Welt führt. Zusätzlich müsste die Nachfrage besser gesteuert und gerechtere Besitzverhältnisse in diesen Ländern geschaffen werden.

Es sind viele Schritte zu tun – kleine von jedem Einzelnen, große von Politik und Wirtschaft. Als Christen haben wir eine besondere Verantwortung im Umgang mit dem täglichen Brot, das wir erbitten.

Dietlind Steinhöfel

Zwischen Verzweiflung und Hoffnung

19. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Evangelisches Gesangbuch 98,1

Das Wochenlied für den Sonntag Lätare ist eines meiner Lieblingslieder. Es spricht mit klaren Worten. Vor meinen Augen erscheint ein Bild. Ich sehe Farben: braun getrocknete Blätter, einen grauen Himmel und schwarze Erde. Ich stehe auf dem Friedhof.

Die Gräber sind mit Tannenzweigen bedeckt. Ein paar Steckblumen geben ein Zeichen der Liebe. Ich spüre, wie mein Herz schwer wird. Tod und Leben, Trauer und Freude, Verzweiflung und Hoffnung.

Die Melodie dieses Liedes erklingt in meinem Ohr. Ein trauriger Klang vermischt sich mit überraschend fröhlichen Akkorden. Die Melodie bewegt sich nach oben und senkt sich gleich wieder wie eine Verbeugung. Sie bewegt sich vorwärts und bleibt im Fluss. Ich spüre, wie mein Herz sich an die Bewegung anschließt. Ich gehe mit.

Auf dem halben Weg durch die Passionszeit liegt der Sonntag Lätare. Er hat seinen Namen aus der Bibel: »Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich alle« (Jesaja 66,10). Wir werden an diesem Sonntag daran erinnert, dass wir auf Ostern zugehen. »Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.« Wir bewegen uns mit Jesus auf einem Weg der Hoffnung, und wir können uns freuen, denn Jesus wird sterben wie ein Weizenkorn und wird auferstehen am dritten Tag!

Sarah Herzer, Kantorin an der Schlosskirche und am Predigerseminar in Wittenberg

Sarah Herzer, Kantorin an der Schlosskirche und am Predigerseminar in Wittenberg

Dieses Lied macht uns Hoffnung und gibt uns Trost auf unserem Lebensweg! Im englischen Originaltext heißt es in der letzten Strophe: »Wenn wir trauern oder Schmerz empfinden, kann deine Berührung uns wieder ins Leben rufen.« Wieder erscheint vor meinen Augen ein Bild. Ich stehe auf dem Friedhof. Alles blüht und lebt. Die Grabsteine glitzern im Sonnenschein. Du lebst, so lebe auch ich!

Sarah Herzer
Kantorin an der Schlosskirche und am Predigerseminar in Wittenberg

Mit einer großen Portion Offenheit

Ingrid Sobottka-Wermke ist neue Superintendentin des Kirchenkreises Naumburg-Zeitz

Noch plagt die neue Naumburger Superintendentin ein kleines Handicap. Ingrid Sobottka-Wermke hat gerade ein Fuß-Operation hinter sich und hinkt noch etwas. Das sei zwar kein Drama, findet sie, »aber ich bin dadurch schon ein bisschen eingeschränkt «. Denn eigentlich hat die 53-Jährige mit den kurzen Haaren und dem gewinnenden Lächeln ein anderes Lebenstempo und ein eher überschäumendes Temperament. Möglicherweise ist die erzwungene Entschleunigung jedoch ganz nützlich. »Ich muss hier erst die gelebten Situationen kennenlernen«, sagt sie.

Freut sich auf neue Aufgaben: Ingrid Sobottka-Wermke. Foto: Martin Hanusch

Freut sich auf neue Aufgaben: Ingrid Sobottka-Wermke. Foto: Martin Hanusch

Viel Zeit für die Umstellung bleibt indes nicht. Am 1. März hat Ingrid Sobottka-Wermke, die im Oktober als Superintendentin gewählt worden ist, ihren Dienst angetreten und schon die ersten Termine hinter sich. Am Anfang werde es für sie vor allem darum gehen, die Mitarbeiter und Gemeinden kennenzulernen sowie den Kontakt nach außen zu suchen. Denn die Umstellung von Winsen/Luhe, wo sie fast zehn Jahre Superintendentin war, nach Naumburg ist beträchtlich.

Das weiß die 53-jährige Theologin, die aus der Nähe von Hameln stammt und auf dem elterlichen Hof früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Nach dem Studium an der Freien Universität in Berlin und in Göttingen übernimmt sie 1990 ihre erste Pfarrstelle im niedersächsischen Peine.

Der Umzug nach Naumburg ist für Ingrid Sobottka-Wermke aber auch eine Art Familienzusammenführung. Ihr Mann, Michael Wermke, hat kurz nach ihrem Amtsantritt in Winsen eine Professur für Religionspädagogik an der Universität in Jena übernommen. Durch den Wechsel in den Kirchenkreis Naumburg-Zeitz rücken die beiden nun auch räumlich wieder zusammen. Die drei Kinder gehen inzwischen eigene Wege. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Theologin auf die Stelle beworben hat.

Der Naumburger Dom und die schönen Kirchen in der Region haben es ihr schon früh angetan. Zudem habe sie nach knapp zehn Jahren in Winsen eine neue Herausforderung gesucht, erzählt sie.

Jetzt freut sie sich auf eine neue Aufgabe und ist gespannt darauf, wie sich das kirchliche Leben hier gestaltet. Künftig wird sie für 20 Pfarrerinnen und Pfarrer in 76 Gemeinden und insgesamt gut 20 000 Mitgliedern zuständig sein (zum Vergleich: in Winsen waren es 45 000 Gemeindeglieder in 16 Gemeinden). Angesichts einer Kirchenmitgliedschaft von zehn bis 20 Prozent gelte es, neue Zugänge zum Glauben zu schaffen, ist die Superintendentin überzeugt.

Ein paar Ideen, eine große Portion Offenheit und Leitungserfahrung bringt Ingrid Sobottka-Wermke dazu mit. Patentrezepte hat sie freilich keine im Gepäck. Aber sie möchte die Kirche gerne »von unten bauen« und als »Begegnungsraum « über den Sonntag hinaus etablieren. In den zahlreichen Kirchengebäuden sieht sie gute Anknüpfungspunkte, die auch Identität stiften.

»Dazu müssen wir möglichst viele Wege suchen, um nahe bei den Menschen zu sein.« Wenn ihr Fuß verheilt ist, will sie mit ganzer Kraft ihren Beitrag dazu leisten.

Martin Hanusch

Der Einführungsgottesdienst am 11. März in der Naumburger Wenzelskirche beginnt um 17 Uhr.

Ins gebührende Licht gerückt

Landeskirche Anhalts hat ihre »heiligen Geräte« inventarisiert

Dieser kleine Kelch und dieser Teller aus vorreformatorischer Zeit stehen für das gemeinsame Abendmahl«, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig am 29. Februar in Dessau-Roßlau. In der Georgenkirche stellte die Landeskirche das Ergebnis der Erfassung aller »vasa sacra« – der heiligen Geräte – in Anhalt vor.

Die Abendmahlskelche und -kannen, Patenen, Oblatendosen, Taufkannen und -becken und andere Gegenstände  seien »ein wichtiges Kontinuum für unsere Gemeinden«, so der Kirchenpräsident. Die zum Teil über Jahrhunderte hinweg benutzten Geräte seien »erst durch die systematische Erfassung ins gebührende Licht gerückt«.

Kirchenpräsident Joachim Liebig, Pfarrer Martin Günther und der Ingenieur Dieter Maess (von li.), der die liturgischen Geräte erfasst hat, lesen eine Widmung auf einer Abendmahlskanne. Fotos: Lutz Sebastian

Kirchenpräsident Joachim Liebig, Pfarrer Martin Günther und der Ingenieur Dieter Maess (von li.), der die liturgischen Geräte erfasst hat, lesen eine Widmung auf einer Abendmahlskanne. Fotos: Lutz Sebastian

Als erste evangelische Landeskirche in Deutschland hat die Landeskirche Anhalts sämtliche Abendmahls- und Taufgeräte in ihren Gemeinden erfassen lassen. Beginnend im Jahr 2009 wurden 1535 Objekte in 200 Kirchen, 144 Gemeinden und 47 Pfarrämtern aufgenommen. Erfasst wurden das Material, die Datierung, Maße, Inschriften, Marken und Stempel sowie das Gewicht und der Hersteller der Geräte. Mit dieser ehrenamtlichen Aufgabe hatte die Landeskirche den Bauingenieur Dieter Maess beauftragt, der jetzt im Ruhestand ist und zuvor unter anderem als Kultur- und Schuldezernent im Landkreis Bitterfeld tätig war.

So manchen Rat für seine anspruchvolle Aufgabe holte er sich bei der Fachreferentin für kirchliches Kunstgut in der mitteldeutschen Kirche, Bettina Seyderhelm (Magdeburg).

Unterstützt wurde und wird Maess seit einem Jahr von Karin Utikal, die im Landeskirchenamt Anhalts im Rahmen einer vom Arbeitsamt geförderten Projektstelle alle Daten in eine Datenbank eingibt, die per Intranet genutzt werden kann. Gegenwärtig erfolgt die Übernahme in eine neue Datenbank, die auch Fachleuten zu Forschungszwecken offen stehen soll. So lassen sich, wo sie fehlen, vielleicht noch Lebensdaten von Silberschmieden und Kunsthandwerkern ermitteln. Die Pfarrämter haben für jedes Stück ihres Inventars ein Objektblatt mit Beschreibung und Foto erhalten.

Dieter Maess hat viele vorreformatorische Kelchen und Patenen vorgefunden sowie sehr schöne klassizistische und barocke Kelche. Besonders bemerkenswert findet er den Bestand an Messingtaufschalen aus dem 17. Jahrhundert, so genannte Beckenschlägerschalen. Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende fast industrielle Produktion der »vasa sacra« wurde ab 1960 wieder von in Handarbeit hergestellten Stücken abgelöst.

Auch dieser Teller ist seit langem im Gebrauch einer Kirchengemeinde.

Auch dieser Teller ist seit langem im Gebrauch einer Kirchengemeinde.

Ein Beispiel dafür hat Martin Günther mit in die Georgenkirche gebracht: ein Köfferchen, welches alle Geräte enthält, die für ein Abendmahl am Krankenbett benötigt werden. Sie sind aus Messing gefertigt und von zeitloser Schönheit. »Abendmahls- und Taufgeräte sind von großem kunsthistorischen Wert und doch selbstverständlicher Teil unseres kirchlichen Lebens«, sagte der Pfarrer der Kirchengemeinden St. Georg und Jakobus-Paulus.

»Sie sind wie ein Kuss Gottes, mit dem wir bei den ganz zentralen Handlungen Taufe und Abendmahl in Berührung kommen.«

Angela Stoye

Gutscheine gegen bare Wünsche

14. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kirchenkreise Henneberger Land und Meiningen setzten mit Tausch-Aktion ein Zeichen

Als Qurbani Rahim am vergangenen Sonnabend zum Treffpunkt an den Einkaufsmarkt an der Zella-Mehliser Stadtgrenze kommt, hat er seine Frau Mansura Heidary und seinen siebenjährigen Sohn Ali im Heim in Zella-Mehlis zurückgelassen. Ziel des Flüchtlings aus Afghanistan wie auch anderer Asylsuchender aus der Stadt und dem benachbarten Suhl ist eine eigens für diesen Tag initiierte Hilfsaktion.

Die Kirchenkreise Henneberger Land und Meiningen sowie die Gemeinden in Suhl und Zella-Mehlis haben erstmals in Südthüringen zu einer Gutschein-Umtausch aufgerufen. Denn auch hier ist es noch gängige Praxis, die Leistungsvergütung an Asylbewerber und Flüchtlinge über Gutscheine zu gewähren.

Qurbani Rahim aus Afghanistan und Familie Müller aus Suhl begegneten sich hier nicht zum ersten Mal. Foto: Karl-Heinz Frank/frankphoto.de

Qurbani Rahim aus Afghanistan und Familie Müller aus Suhl begegneten sich hier nicht zum ersten Mal. Foto: Karl-Heinz Frank/frankphoto.de

In Zella-Mehlis beispielsweise dürfen diese Einkaufs-Gutscheine dann nur in zwei, in Suhl in fünf Lebensmittelmärkten eingelöst werden. Außer etwas Taschengeld haben die Betroffenen kaum Bares zur Verfügung, kleinste Wünsche – vor allem der Kinder nach Spielsachen, einem Kinobesuch oder einem Eis – bleiben notgedrungen unerfüllt. In anderen Landkreisen und kreisfreien Städten wird das bereits anders gehandhabt. Unter der Vermittlung von Diakon Adelino Massuvira João gehen an diesem Tag Bürger von Suhl und Zella-Mehlis mit Asylsuchenden gemeinsam zum Einkauf, und sie tauschen dabei deren Gutscheine gegen Bares.

»Wir haben als christliche Gemeinde zu dieser Aktion aufgerufen, weil wir es skandalös finden, dass Menschen, die hier Schutz suchen, zusätzlich beschämt werden«, spricht der Suhler Superintendent Martin Herzfeld allen, die dazu gekommen sind, aus dem Herzen.

Superintendentin Beate Marwede vom Kirchenkreis Meiningen erzählt, dass die Idee zur Aktion bei einer Kanzelrede in Zella-Mehlis geboren wurde – angeregt unter anderem durch den Erfolg, den die Nordelbische Kirche bei der Abschaffung der Gutscheinverrechnung in Hamburg errang.

Qurbani Rahim tauscht an diesem Tag in Zella-Mehlis Gutscheine zwischen 50 Cent und 20 Euro bei Robert Müller gegen Bargeld. Der beteiligt sich zusammen mit seiner Frau Jana und den Töchtern Luise und Sophia an dieser Aktion. Nicht nur die Männer kennen sich, auch beide Familien sind sich in der Kirchengemeinde schon begegnet. So erst kürzlich, als sich Qurbani Rahim mit seiner Familie dort taufen ließ. Die Müllers wissen, dass Bargeld den Rahims ein ganzes Stück weiterbringt – bei Busfahrten zum Sprachkurs oder zur Schule beispielsweise.

Qurbani und 13 weiteren Asylsuchenden und deren Familien aus Zella-Mehlis und Suhl konnte mit dieser Aktion sehr konkret geholfen werden. Nicht minder wichtig aber auch: Die Initiatoren haben auf diese Weise die diskriminierende Praxis der Leistungsgewährung für Asylbewerber nun auch in Südthüringen öffentlichkeitswirksam in den Fokus gerückt und die Bürger dort für das Thema sensibilisiert.

Hannelore Frank

Regenschirme als Friedens-Zeichen

Zum Tod des amerikanischen Malers Matt Lamb, der die Kirche in Bergern ausmalte

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Matt Lamb

Der amerikanische Künstler Matt Lamb, der 2008 die Kirche »Zum Kripplein Christi« in Bergern (Kirchenkreis Weimar) ausgemalt hat, ist am 18. Februar im Alter von 79 Jahren in Chicago einer Lungenkrankheit erlegen. In Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001 hatte er die weltweite Aktion »The Lamb Umbrella for Piece« (Der Lamb-Regenschirm für den Frieden) ins Leben gerufen, in deren Rahmen mehr als 400000 Kinder Schirme bemalten. Eine Schirm-Ausstellung wurde unter anderem im Deutschen Bundestag vorgestellt.

Der Maler sei davon überzeugt gewesen, dass Kunst die Welt verändern könne, heißt es auf seiner Website. »Er war ein einzigartiger Mensch, der unermüdlich darin war, die Botschaft von Hoffnung, Verständnis und Liebe auf der ganzen Welt zu verbreiten«, sagte die Vorsitzende der Deutschen Matt Lamb Gesellschaft Silvia Schmidt.

Vor 27 Jahren war bei Lamb fälschlicherweise eine tödliche Krankheit festgestellt worden. Diese Fehldiagnose veränderte sein Leben. Er verkaufte sein erfolgreiches Bestattungsunternehmen, begann zu malen und engagierte sich seitdem für Frieden, Verständnis und Toleranz. Heute hängen seine oft großflächigen bunten Werke in mehr als 1000 Museen. In der Fachwerkkirche von Bergern malte er auf 130 Quadratmetern ­großformatige, farbenprächtige Bilder, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen.

Michael von Hintzenstern

Dass wir auch gerne vergeben

11. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

appletree2

Du schöner Lebensbaum des Paradieses, gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Evangelisches Gesangbuch 96,1

In Grimms Märchen von der weißen Schlange bringt der goldene Apfel vom Baum des Lebens einem Menschenpaar Glück und Zufriedenheit. Für Adam und Eva hingegen hat der Genuss der Frucht vom »verbotenen« Baum der Erkenntnis fatale Folgen: den Ausschluss aus dem Paradies.

Nur noch in Visionen (Jesaja 11, Offenbarung 2,7) wird die Sehnsucht wachgehalten, bis ein wunderbares Ereignis alles verändert: Der Tod, der Sünde Sold, wird überwunden durch den einen Menschen, Jesus Christus! So darf ich mich freuen am neu grünenden Baum im wieder aufgeschlossenen Garten Eden: an den Blättern und Zweigen seines ewigen Wortes, an den Früchten seiner Heilstaten und Wunder, an Stamm, Wurzeln und Krone seines ­Heiligen Geistes vom Himmel.

Gottfried Steffen, Kantor i. R. in Sömmerda

Gottfried Steffen, Kantor i. R. in Sömmerda

Ein ungarisches Lied aus dem 17. Jahrhundert findet bewegende Worte für die Qualen des Opferlammes. Es ist das Verdienst des 2002 verstorbenen ehemaligen Frankfurter Propstes und Autors vieler neuer Kirchenlieder, Dieter Trautwein, unter Beibehaltung der sapphischen Strophenform, den Inhalt so ins Heute transformiert zu haben, dass uns am Sonntag Okuli die Augen geöffnet werden für die Passion als Erlösungsweg.

Seit dem Sündenfall leben wir nicht mehr in ­Einklang mit der Natur. Vielmehr leidet diese unter unseren Ansprüchen und Eingriffen. Das Gebet des Dichters um Wandel von Grund auf (EG 96,3) soll auch mein Gebet sein und alle Menschen der Welt müssten es beten. Weil darin auch ein Aufruf zu ­erkennen ist, sich vom verschwenderischen ­Lebensstil abzukehren.

Außerdem wird darin die Gewissheit deutlich, dass bei aller Schwere vormals erlittenen Unrechts Beziehungen geheilt werden können durch die Vergebung, wie sie Jesus praktiziert hat. So kann ich dieses Lied singen, mit allen Heiligen im Chor und im Hinblick auf Ostern, mit Aussicht auf Frieden und immerwährende Freude.

Gottfried Steffen
Kantor i. R. in Sömmerda

Gezielte Hilfe für Betroffene

10. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Thema: Seit einem Jahr betreut die mobile Beratung »ezra« Opfer rechter Gewalt in Thüringen

Die Zahl rechter Übergriffe in Thüringen und Sachsen-Anhalt ist nach wie vor erschreckend hoch. Neben der Opferberatung setzt die Kirche aber auch auf die Auseinandersetzung mit dem Alltagsrassismus.

Die Beratungsstelle in Neudietendorf bei Erfurt ist Anlaufpunkt für traumatisierte Opfer rechter Übergriffe. Foto: Michael Reichel/dpa

Die Beratungsstelle in Neudietendorf bei Erfurt ist Anlaufpunkt für traumatisierte Opfer rechter Übergriffe. Foto: Michael Reichel/dpa

Am Anfang kriegten wir so Anrufe wie ›Muss denn die Kirche so was machen?!‹«, erinnert sich Jürgen Wollmann. Der Sozialpädagoge mit dem Bürstenhaarschnitt und den wachen Augen leitet die mobile Beratung »ezra« (hebr. Beistand, Hilfe) im thüringischen Neudietendorf, die vor einem Jahr ihre Arbeit aufnahm. Vier Leute kümmern sich um die Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Und die war auch im letzten Jahr wieder erschreckend hoch, wie die Zahlen belegen, die bundesweit in diesen Tagen veröffentlicht werden: Allein in Thüringen gab es 49 einschlägige Gewalttaten. Im Jahr zuvor waren es ähnlich viele.

Besonders bewegt hat Wollmann dabei der Fall einer Frau aus Erfurt. Die russlanddeutsche Jüdin und ihr achtjähriger Sohn wurden von einer Nachbarin wiederholt angepöbelt. Doch der reichte das offenbar eines Tages nicht mehr, so dass sie das Kind im Treppenhaus zu Boden schubste und die Mutter mit »Scheiß-Ausländerin, Scheiß-Jüdin« beschimpfte und schlug, woraufhin das Kind einen Schock erlitt und die Mutter drei Wochen arbeitsunfähig war.

»Wir versuchen, mit den Betroffenen möglichst rasch nach der Gewalttat Kontakt aufzunehmen«, meint Wollmann. Ezra recherchiere dazu flächendeckend und arbeite eng mit MOBIT, der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen, zusammen. »Die meisten Betroffenen rufen uns nicht von selbst an.«

Denn viele seien traumatisiert und erwarteten keine Hilfe, zumal ihnen die eigene Umgebung auch oft einrede, dass sie »selbst schuld« seien. »Dagegen arbeiten wir an«, meint Wollmann dazu. Die Betreuung durch »ezra« gehe so lange und so weit, wie die Betroffenen das wünschten. Dazu gehöre auch die Begleitung bei Gerichtsverfahren oder bei Behördengängen und das Vermitteln von Anwälten und Therapeuten.

Das tut auch die mobile Beratung in Sachsen-Anhalt. Im vergangenen Jahr registrierte man dort die erschreckende Zahl von 132 einschlägigen Gewalttaten – ebenso viele wie 2010, wie zahlreiche Nachmeldungen ergaben. Trauriger Spitzenreiter dabei: die Landeshauptstadt Magdeburg. Vermehrt würden dabei politisch Aktive vor, während oder nach Protestaktionen gezielt angegriffen, meinte Sissi Sauermann, die Sprecherin der Opferberatung. Die Neonazis agieren dabei meist in Gruppen, aus dem Hinterhalt und mit großer Brutalität, wie ein Blick auf die Chronik der Opferberatung zeigt.

Christian Liebchen, kommissarischer Leiter der EKM-Arbeitsgemeinschaft »Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus«, möchte diese Gewalt keinesfalls verharmlosen, sagt jedoch: »Wie wir in unseren Gemeinden mit dem Alltagsrassismus umgehen, ist hoch spannend.« Er plädiert vehement dafür, in der aktuellen Debatte den Schwerpunkt zu verlagern: Der ›Nationalsozialistische Untergrund‹ betrifft uns nicht so sehr wie Thilo Sarrazins rassistische Thesen«, spitzt er zu. »Das wird aber von den Pfarrern vor Ort bisher sehr unterschiedlich erkannt.«

Bei Stammtischparolen einzuschreiten, ist auch Jürgen Wollmann wichtig. Doch darüber hinaus ermuntert er dazu, viel öfter die Perspektive tatsächlicher oder potenzieller Opfer rechtsextremer Gewalt einzunehmen. »Integrationsprobleme müssen wir offen diskutieren, aber mit dem Ziel, dass Fremde uns danach nicht mehr fremd sind«, fügt er hinzu.

Und noch etwas macht ihm Sorgen: Die Arbeit der Opferberatung sei zwar momentan durch Mittel des Freistaates und der Bundesregierung finanziell gesichert, aber: »Wie es 2014 weitergeht, ist noch völlig unklar, da die entsprechenden Programme dann auslaufen«, meint Wollmann. Hier werde dringend Kontinuität gebraucht.

Rainer Borsdorf

Kleinlich

9. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Gauck

Es ist ein unrühmliches Schauspiel, das die einstige DDR-Bürgerbewegung derzeit bietet. Zwei Wochen vor der Wahl Joachim Gaucks zum neuen Bundespräsidenten streiten die Helden von einst über die Rolle des designierten Bundespräsidenten während der friedlichen Revolution. Da wird ihm vorgeworfen, er sei gar kein Bürgerrechtler gewesen, außerdem habe er sich erst spät der Opposition angeschlossen. Ist es nur Neid oder gekränkte Eitelkeit, die aus den Vorwürfen sprechen?

Niemand will den Präsidentschaftskandidaten zur Lichtgestalt verklären. Auch ist Bürgerrechtler kein geschützter Begriff oder ein Beruf, den jemand ausübt, sondern eine bestimmte Haltung. Und hier kann man dem früheren Rostocker Pastor gewiss keine Vorwürfe machen. Er hat nie einen Zweifel aufkommen lassen, wofür er steht.

Im Übrigen reihen sich die Anwürfe in eine Kette von Äußerungen ein, die die Rolle der Kirche in der DDR umdeuten wollen. »Mit Kerzen und Gebeten hätte sich die DDR-Regierung nicht fortjagen lassen«, meinte zuletzt selbst Roland Jahn, heute Herr der Stasi-Akten. Angesichts solcher Tendenzen müssen die Kirchen und ihre damaligen Protagonisten aufpassen, nicht in ein falsches Licht gerückt zu werden. Sicherlich ist der Herbst 1989 auf der Straße entschieden worden. Aber mit ihren offenen Gotteshäusern ist die evangelische Kirche »das Basislager der friedlichen Revolution gewesen«, wie es der Grünen-Politiker Werner Schulz treffend formuliert hat.

Ohne die evangelische Kirche wäre der Umbruch ganz sicher nicht so verlaufen, wie er verlaufen ist. Es waren mutige Männer und Frauen der Kirche, die die Türen weit geöffnet und einen neuen Geist hereingelassen haben. In diese Reihe der Wegbereiter der protestantischen Revolution gehört letztlich auch Joachim Gauck. Ihm das abzusprechen und seine Verdienste kleinzureden, zeugt von wenig Größe. Auf dieses Niveau sollten sich frühere Bürgerrechtler, egal wie sie zu Gauck stehen, nicht herab begeben.

Martin Hanusch

Mit alten Handys Gutes tun

In der mitteldeutschen Kirche (EKM) läuft derzeit die Hilfsaktion »Arbeitslose Handys für arbeitslose Menschen«. Martin Hanusch sprach dazu mit Walter Jungbauer, Fundraising-Beauftragter der EKM.

Mitteldeutschland-11

Herr Jungbauer, die EKM will mit alten Handys Gutes tun. Wie soll das gehen?
Jungbauer:Für jedes gebrauchte und funktionsfähige Handy mit Akku und Ladegerät erhalten wir von unserem Kooperationspartner flip4new mindestens 0,50 Euro. Je aktueller das Handy ist, desto mehr bekommen wir – da können es auch 10 Euro, 20 Euro oder mehr sein.

Dieses Geld kommt dem EKM-Arbeitslosenfonds »1+1« zugute. Aus ihm werden Projekte der Diakonie Mitteldeutschland und der EKM gefördert, mit denen arbeitslose Menschen die Chance erhalten, wieder dauerhaft Arbeit zu finden. Und: Jeder Euro, der in den Fonds fließt, wird bis zu einem Maximalbetrag von 40000 Euro von der EKM verdoppelt.

Die Kirche wirbt dafür im Internet, auch in Glaube+Heimat gab es eine Beilage. Trotzdem ist die Resonanz bisher eher dürftig. Woran liegt das?
Jungbauer: Viele Kirchenmitglieder wissen noch nichts von der Aktion, obwohl in den Medien darüber berichtet wurde und alle Kirchenkreise Aktions-Material erhalten haben. Unglücklich war zudem, dass zeitgleich mit unserer Aktion auch die Telekom mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eine ähnliche Sammelaktion gestartet hat; und die Telekom hat eine größere Werbemacht als die EKM.

Aus manchen Rückmeldungen habe ich auch herausgehört, dass Sorge um die auf dem Handy enthaltenen Daten besteht. Diese Sorge ist aber unbegründet, da flip4new versehentlich noch gespeicherte Daten löscht.

Sind andere Anbieter besser oder schneller als die EKM mit ihrer Aktion? Warum sollen die Leute ihre Handys lieber bei der Kirche abgeben?
Jungbauer: Wer die DUH unterstützen will, kann sein Handy der Telekom geben. Wenn jemand aber dazu beitragen will, Arbeitslosen auf dem Gebiet der EKM eine Chance zu geben, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, dann ist das Handy besser bei der EKM aufgehoben.

Wohin können sich Leserinnen und Leser wenden, die ihre alten Handys loswerden möchten?
Jungbauer: Im Landeskirchenamt gibt es Umschläge für den kostenfreien Versand und Sammelkartons. Eine Mail an <fundraising@ekmd.de> oder ein Anruf unter (0361) 51800513 und ich schicke das Material gerne und unentgeltlich zu. Die Leser können ihr Alt-Handy dann im Umschlag selber kostenfrei an flip4new schicken oder gemeinsam mit anderen in ihrer Kirchengemeinde oder Einrichtung einen Sammelkarton aufstellen, den flip4new nach Ende der Aktion kostenfrei abholt.

Und wer kein altes Handy hat, kann den Arbeitslosenfonds gerne auch mit einer Geld-Spende unterstützen:
Konto 108088888 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft eG (BLZ 52060410), Stichwort: »1+1«

Das »Kirchenparlament« wird gewählt

DE-Synode061117synode162

Wahlkonvente entscheiden über die Mitglieder der Landessynode

In den fünf Kirchenkreisen der Landeskirche Anhalts werden in den kommenden Tagen die Mitglieder der neuen Landessynode gewählt. Dazu finden Wahlkonvente statt, bei denen Vertreter der Kirchengemeinden sowie Pfarrerinnen und Pfarrer über die vorgeschlagenen Kandidaten für die 23. Legislaturperiode abstimmen. Im Rahmen der Wahlversammlungen wird auch jeweils ein Gottesdienst gefeiert.

Den Auftakt machte der Kirchenkreis Ballenstedt, dessen Wahlkonvent am 29. Februar in der Ballenstedter Schlosskirche zusammentrat. Am 3. März werden in der Bernburger Martinskirche und im Wolfgangstift in Köthen die Synodalen für die Kirchenkreise Bernburg beziehungsweise Köthen gewählt. Am Sonntag schließlich entscheiden die Kirchenkreise Dessau und Zerbst, wer sie künftig im »Parlament« der Landeskirche vertreten wird. Versammlungsorte der Wahlkonvente sind die Auferstehungskirche in Dessau-Roßlau und die Trinitatiskirche in Zerbst.

DE-Synode061117synode042

Zwei Drittel sollen Nichttheologen sein

Die Landessynode ist das »Kirchenparlament« und neben dem Landeskirchenrat sowie der Kirchenleitung eines der drei landeskirchlichen Leitungsgremien. Die Synode kann im Rahmen der Kirchenverfassung über alle Angelegenheiten der Landeskirche beraten und beschließen.

Die anhaltische Landessynode besteht aus 33 gewählten Mitgliedern, sechs weitere Synodale werden von der Kirchenleitung berufen. Sie setzt sich sowohl aus ehrenamtlichen Vertretern der Kirchengemeinden wie auch aus haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitenden zusammen. Zwei Drittel der Synodalen sollten Nichttheologen, ein Drittel Theologen sein. Die neue Landessynode kommt am 27. April zu ihrer konstituierenden Tagung in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau zusammen. In der Regel finden Synodaltagungen zweimal jährlich statt, dazwischen arbeitet die Synode in Ausschüssen.

Bei der letzten Tagung der 22. Legislaturperiode im November vergangenen Jahres in Bernburg hatte Präses Alwin Fürle nach 17 Jahren seine Tätigkeit als oberster Vertreter der Landessynode beendet. »Wir tragen eine hohe Verantwortung für die Menschen, die zu dieser Kirche gehören, und sicher auch für die darum herum«, hatte der frühere Ärztliche Direktor am Bernburger Klinikum in seiner Bilanz gesagt. Aufgabe sei es, Menschen für Christus zu gewinnen.

»Es bleibt also auch für die nächste Synode noch viel zu tun.«

(mkz)

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