Unterm Strich

19. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich verrechnet. Mindestens 12 Millio­nen Euro Defizit für das Reformationsjubiläum. Offiziell ist die Rede vom »erhöhten Zuschussbedarf«. Dahinter verbergen sich Fehlkalkulationen für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg und die Ticketverkäufe bei den Kirchentagen auf dem Weg. Die vorgesehenen 30 Millionen Euro reichen nicht aus.

Die Mehrkosten will die EKD alleine tragen, hieß es. Im Klartext bedeutet das, dass die 20 Landeskirchen, die zur EKD gehören, über die Finanzumlage nun im Nachgang die Mehrkosten übernehmen. Das hätte nicht sein müssen. Die kritischen Stimmen aus Mitteldeutschland im Vorfeld zu Konzept und Umsetzung etwa der Kirchentage auf dem Weg hat man ignoriert. Das Endergebnis ist bekannt.

Kein Wunder, dass im Nachgang bei der Synode in Bonn auf eine Bilanz der gastgebenden mitteldeutschen Landeskirchen verzichtet wurde. Vermutlich hätte man, anders als die Reformationsbotschafterin, die Finger in die Wunde gelegt. Geradezu kontraproduktiv war es, für die Kirchentage Eintritt zu verlangen, während man sich in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bemühte, alle Kirchengebäude im Reformationsjahr – kostenfrei – zu öffnen.

In der Erfolgsbilanz werden vor allem die großen Kaffeetafeln auf den Marktplätzen der Kirchentagsorte hervorgehoben. Hier sei Kirche erkennbar und mitten unter den Menschen gewesen. So war es. Die Arbeit wurde – umsonst und draußen – hauptsächlich von Ehrenamtlichen organisiert, ohne »erhöhten Zuschussbedarf«.

Wenn dieses Jahr etwas gezeigt hat, dann dies: Gespräche über Gott und die Welt gelingen eher auf öffentlichen Plätzen als hinter Bezahlschranken. Das war schon vor 500 Jahren so. Eine Binsenweisheit.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Das ist meine Hoffnung: Gottes Gnade hat das letzte Wort

18. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

2. Korinther 5, Vers 10

Es gibt so Tage, aus denen könnte man bequem zwei machen. Alles rauscht an mir vorbei, und ich habe kaum Gelegenheit innezuhalten und mich zu fragen, ob das, was ich da gerade tue, wirklich gut ist – gut für mich und gut für andere. Manchmal holt mich das ein paar Tage später wieder ein, wenn mich jemand anspricht und fragt, warum ich neulich so schroff war. Dann bin ich oft überrascht und auch ein wenig erschrocken über mich selbst.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Dass das an einem hektischen Tag passieren kann, ist mir schon klar, und es ärgert mich nichts so sehr wie der Umstand, dass ich es offenbar selbst nicht mal gemerkt habe. Und dann frage ich mich, wie viele Menschen ich an diesem hektischen Tag wohl noch vor den Kopf gestoßen oder ihnen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet habe, die sie verdienen. Ich nehme mir viel zu oft viel zu wenig Zeit, um zurückzuschauen auf das, was ich so den Tag über getan habe. Abends lege ich dann alles in mein abendliches Vaterunser. Dennoch bleibt das Gefühl, dass da zu viel unter meinen persönlichen Teppich gekehrt wird. Abhaken und weitermachen lautet die Devise.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. – Was im ersten Moment wie eine Drohung klingt, birgt für mich auch eine Hoffnung. Die Hoffnung, dass nichts vergessen ist. Dass ich irgendwann vor meinem Herrn stehe und wir gemeinsam auf all das schauen, was in diesen hektischen Zeiten meines Lebens untergegangen und zu kurz gekommen ist. Ich glaube, es gibt dann einiges zu beweinen, sicher etwas zu lachen, viel zu bereuen und manches zu wundern.

Ich habe keine Angst vor diesem jüngsten Tag, weil ich glaube und hoffe, dass das Wort der Gnade das letzte Wort ist, das über mich gesprochen wird. Dieser Glaube gibt mir die Kraft in hektischen Zeiten. Wenigstens die Kraft für ein Stoßgebet und das Vertrauen darauf, dass es gehört wird. Um dann in knappen Worten all meine Schuld aussprechen zu dürfen und darauf zu vertrauen, dass irgendwann Zeit ist, zu trauern und zu bereuen und offenbar zu werden.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

»Der Engel schwieg«

17. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Volkstrauertag: Über die Gegenwart des Leids in der Sprache wird der Autor am Sonntag bei einer Gedenkveranstaltung in Wittenberg sprechen.

Zwanzig Jahre nach Kriegsende präsentierte Heinrich Böll mit »Heimat und keine« überschriebene Reflexionen zur Präsenz der Zerstörung in einem Land, das sich den Neuaufbau auf die Fahnen geschrieben hatte: »Menschen sind wohl nur da halbwegs zu Hause, wo sie Wohnung und Arbeit finden, Freunde und Nachbarn gewinnen. Die Geschichte des Ortes, an dem einer wohnt, ist gegeben, die Geschichte der Person ergibt sich aus unzähligen Einzelheiten und Erlebnissen, die unbeschreiblich und unwiederbringlich sind.«

Köln war für Böll – im Dezember 2017 wäre er 100 Jahre alt geworden – Heimat in doppeltem Sinn: als Vorkriegs- und Nachkriegsstadt. Beide waren für ihn »Gegenstand der Erinnerung – und der Sentimentalität natürlich«. So hatte sich in sein Gedächtnis auch die Stille eingebrannt, die wie der Staub »unermesslich« über der Zerstörungslandschaft lag. 1950 hätte Böll eigentlich einen Roman veröffentlichen wollen, in dem er sich mit dem Krieg auseinandersetzte. »Der Engel schwieg« erschien dann aber erst 1992 postum. Der Verlag hielt ihn zu Beginn der 1950er-Jahre für nicht (mehr) angemessen. Nicht der Krieg selbst war Gegenstand dieses am 8. Mai 1945 einsetzenden und mit Rückblenden arbeitenden Romans, sondern das Geschehen »zeigt nur«, wie es der Autor selbst beschreibt, »die Menschen dieser Zeit, ihren Hunger«.

Foto: epd-bild

Foto: epd-bild

Berichtet wird »von einer Liebesgeschichte, klar und spröde, die der Phrasenlosigkeit der ›heimkehrenden‹ Generation entspricht, die weiß, daß es keine Heimat auf dieser Welt gibt«. Zu Beginn begegnet der Protagonist einem Engel. Der Ausdruck der Plastik war »milde und schmerzlich lächelnd«. Mit Entfernung des auf ihr liegenden Staubes verschwand die ursprüngliche Aura und damit alle Lebendigkeit. Das Schweigen des Engels, der eine Lilie in der Hand trägt, dominiert die Erzählstränge, ja, es wird am Ende noch dadurch potenziert, dass ein anderer schweigender Engel, machtlos mit dem Gesicht nach unten, während einer Beerdigung in den Friedhofsschlamm gedrückt wird, sein Schwert liegt zerbrochen neben ihm. Böll beschreibt die Unfähigkeit, erlebtes Grauen, aber auch die Einsicht in individuelle und kollektive Schuld zur Sprache zu bringen. Das Leid ist allzu übermächtig. Es gibt keine »Stunde Null«. Stattdessen dominieren eben nicht nur die Brüche, sondern auch die Kontinuitäten.

Aber die Beschwörung der Sprachlosigkeit behielt in der Literatur nach ’45 nicht das letzte Wort. Mit Energie schob sich die Einsicht in den Vordergrund, dass nur die Artikulation und die gemeinsame Kommunikation es möglich machten, sich des Gewesenen zu erinnern, um gerade auch als Gesellschaft wieder handlungsfähig zu werden.

Martin Walser, der den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 beobachtete, formulierte noch 2004 nachdrücklich: »Wenn ich mit Sprache zu tun habe, bin ich beschäftigt mit der Verwaltung des Nichts. Meine Arbeit: Etwas so schön zu sagen, wie es nicht ist.« Wenn Walser Sprache als »Bewegung schlechthin« begreift, nimmt er die zentrale theologisch-philosophische Einsicht auf, dass sich in der Äußerung ein realitätsveränderndes Ereignis vollzieht. Wer also Erinnerung ausdrückt, gestaltet die Gegenwart. Trifft dies zu, wird der Zustand des Schweigens als besonders schmerzhaft und lähmend erfahren.

Gerade Schriftsteller sind es, die es, allein schon aus Gründen ihrer Profession, nicht ertragen, sprachlos bleiben zu müssen. Nicht von ungefähr sind Publikationsverbote ein bewährtes Repressionsmittel. In seltener Intensität hat auch Ingeborg Bachmann mit dem Schweigen gerungen, das in den 1950er-Jahren nicht nur lähmend über den Menschen lag, sondern auch von ihnen ausging. »Schweigt mit mir, wie alle Glocken schweigen!« – mit diesem Aufruf lässt sie in »Die gestundete Zeit« ihr Gedicht »Psalm« beginnen, das dann schließlich auf die verstörende Bitte zuläuft: »In die Mulde meiner Stummheit / leg ein Wort / und zieh Wälder groß zu beiden Seiten, / daß mein Mund / ganz im Schatten liegt.«

Alf Christophersen

Der Autor ist promovierter Theologe und Studienleiter der Ev. Akademie Sachsen-Anhalt.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Erlebnis für Auge und Hand

14. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Neue Paramente für Erfurts Augustinerklosterkirche entstanden an der Burg Giebichenstein

Die neuen Paramente auf dem Altar und der Kanzel der Augustinerklosterkirche in Erfurt strahlen mit den Farben der prächtigen Fenster um die Wette. Sie leuchten rot, in verschiedenen Schattierungen, die man aus der Ferne als Faltenwurf wahrnimmt. Tritt man näher und berührt den Stoff, dann kann man Vieles ertasten: erhabene feste Stoffe, weiche Wolle, straffe Webfäden. Ein Erlebnis für die Wahrnehmung mit Auge und Hand.

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Zum Reformationstag wurden die ersten neuen Paramente an die Augustinerkirche in Erfurt übergeben. Studentinnen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben sie gemeinsam mit Professor Ulrich Reimkasten gestaltet. »Nachdem 2014 die restaurierten mittelalterlichen Fenster in der Kirche eingebaut wurden, entstand die Idee eines neuen Schmuckes des Altares und damit der Wunsch nach neuen Paramenten«, erklärt Augustinerpfarrerin Irene Mildenberger.

Die Idee, gemeinsam mit der Burg Giebichenstein zu arbeiten, wurde geboren und vom Freundeskreis des Augustinerklosters unterstützt – ideell und finanziell.

Die beiden roten Paramente tragen den Titel »Anfang« und schmückten beim Gottesdienst am 31. Oktober zum ersten Mal die Kirche.

»Wir wollten mit den Paramenten Kraft ausdrücken. Die Kraft der eigenen Überzeugung«, erklärt Margarita Wenzel. Sie und ihre Mitstreiterinnen haben sich lange und intensiv mit der Geschichte des Ortes und der Bedeutung liturgischer Farben auseinandergesetzt. »Rot, das ist der Glaube, der Heilige Geist, das Bekenntnis. Wir wollten der Haltung und dem Stadtpunkt Martin Luthers und dem gesprochenen Wort damit Ausdruck verleihen«, ergänzt Kommilitonin Inka Schottdorf.

70 Prozent der Garne färbten die Studenten selbst

Dazu beschäftigten sich die Studenten mit Klanggrafiken und ließen sich von diesen inspirieren. Solche Klanggrafik wurde interpretiert und malerisch so lang weiter ausgeformt, bis sich schließlich eine ganz eigene Bildsprache fand. Vom malerischen Entwurf wurde das Bild in der Technik der Jacquardweberei umgesetzt.

Eine extreme Farbenkraft sollte die Textilien prägen. Dafür haben die Studentinnen im Laufe der Arbeit fast 70 Prozent der Garne, die sie benutzten, selbst gefärbt. Alpaca-Mohair-Wolle oder Viskose-Seide sind nur ein Teil all der verschiedenen Garne, die hier zum Einsatz kamen. Flauschig, fest, hoch und tief, zeichnen sie sich als zusammengewobenes Textil ab.

Professor Ulrich Reimkasten spricht von einer großen Ehre, ein solches Projekt umsetzen zu dürfen. »Zur Ehre kam aber auch Angst, etwas zu schaffen, was der Kraft und Qualität des Ortes und der Fenster in der Kirche nicht entspricht«, erläutert er. Er hat die Hoffnung, dass mit den neuen Paramenten der religiöse Charakter des Ortes bei den vielen Besuchern, die das Augustiner­kloster vorrangig aus touristischem Interesse besuchen, noch stärkeren Eindruck macht. »Über die ästhetische Begeisterung soll die Begeisterung für die religiöse Bedeutung des Ortes geweckt werden«, so Reimkasten. Er sieht die Paramente als Antwort auf die Bildgewaltigkeit und Farbigkeit der Fenster der Augustinerkirche.

Kunsthochschule entwirft weitere Altarbehänge

Pünktlich zum Reformationsjubiläum haben die neuen rotfarbenen Paramente den Anfang gemacht und schmücken nun den Altar der Klosterkirche. Im Laufe des Kirchenjahres werden drei weitere Paramente in den Farben Weiß, Grün und Violett dazu kommen. Die Entwürfe existieren bereits.

Diana Steinbauer

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Eine evangelische Maria

14. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Kirche in Ebenheim bekommt den Namen der Mutter Christi

Das Gotteshaus in Ebenheim (Kirchenkreis Gotha) hat 500 Jahre nach der Reformation und 416 Jahre nach der Kirchweihe endlich einen Namen bekommen: Marienkirche. Und das Bemerkenswerte daran: Die Kirchengemeinde des Dorfes entschied sich in dieser Zeit nicht für eine typisch reformatorische, sondern für eine rein christliche Namensgebung. »Das«, so befand die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Ilse Junkermann, »ist ein wunderbarer Beitrag für die Ökumene, weil es das Verbindende und nicht das Trennende sucht.«

Maria, eine zentrale Gestalt der katholischen Kirche, finde auch bei den evangelischen Christen Verehrung, machte die Landesbischöfin in ihrer Predigt zur Namenswidmung deutlich. Luther habe die Mutter Christi hochgeschätzt. Doch in der Reformation verlor Maria an Aufmerksamkeit. Lediglich in der Weihnachtszeit spiele sie eine Rolle. Doch die Ebenheimer, so Ilse Junkermann, wollen »die ganze Maria und sie wollen sie übers Jahr und nicht nur eine kurze Spanne.«

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Verbunden mit der Namenswidmung war die Enthüllung des Marien­fensters, das Pater Meinrad aus der Abtei Münsterschwarzach im fränkischen Schwarzach am Main geschaffen hatte. Es zeigt Maria auf der Hochzeit zu Kana, die mit dem Zeigefinger auf ihren Sohn weist, der ebenfalls Gast der Gesellschaft ist. Ihr zu Füßen stehen jene Weinkrüge, deren Wasser Jesus zu Wein verwandelte. Pater Meinrad hat dafür und für den Hintergrund leuchtende Farben verwendet, die im Ostfenster im Sonnenaufgang besonders zu Geltung kommen. Die Figur Marias hingegen hielt er in Glasfarbe, durchscheinend und klar. »Es ist eine evangelische Maria«, bekannte der Pater aus Münsterschwarzach.

Pfarrer Christian Schaube erinnerte daran, dass Pater Meinrad beim ersten Kontakt mit ihm Meister Eckehart zitiert habe. Jedes Menschen Seele ist Maria, so soll der Mystiker gesagt haben. Für den Gemeindepfarrer ist klar, mit der Namensgebung geht eine intensive Beschäftigung mit der biblischen Gestalt der Maria einher. Sinnbildlich stehe dafür das Fenster, das den Kirchenraum prägt.

Die Landesbischöfin erklärte in ihrer Predigt, der Bezug zur Hochzeit von Kana im Marienfenster mache deutlich, dass Jesus nicht nur einfach Wasser in Wein wandelte, sondern in eben jenen Wein, der Durst nach Leben zu löschen vermag. Ebenso vermittle das Bild das grenzenlose Vertrauen, das die Mutter in den Sohn hat.

Warum die Kirche in Ebenheim so lange ohne Namen blieb, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Warum aber sich die Kirchengemeinde für Marienkirche entschied, ist nachvollziehbar. Auf den drei Bronzeglocken im Kirchturm wird die Mutter Jesu erwähnt. »Was also lag näher, als sich auch im Reformationsjahr für diesen Namen zu entscheiden«, bekannte Pfarrer Schaube. Das sah auch Superintendent Friedemann Witting so. Er hatte zur Namenswidmung nach Ebenheim die neue Altarbibel mit-
gebracht.

Mit der Marienkirche in Ebenheim gibt es im Landkreis Gotha nun vier Gotteshäuser, die den Namen der Mutter Jesu tragen, weitere stehen in Crawinkel, Ingersleben und Mechterstädt.

Klaus-Dieter Simmen

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Schwere Technik am Kirchturm im Einsatz

14. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Mit großem Interesse verfolgten die Bewohner von Elsdorf bei Köthen am 2. November das Aufsetzen der neuen Turmspitze auf ihren Kirchturm. Der Aktion vorausgegangen waren die Sanierung des oberen Turmabschnitts und die Wiederherstellung der Spitze. Diese musste in den 1980er-Jahren wegen erheblicher Schäden entfernt werden. Das Architekturbüro Bräunig aus Halle plante die Arbeiten, die Firma Secon-Bau aus Edderitz bei Köthen setzte sie um. Neben Eigen- und Spendenmitteln der Kirchengemeinde stellte Lotto-Toto Sachsen-Anhalt für das Vorhaben 41 000 Euro zur Verfügung. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gab 4 000 Euro, die Landeskirche Anhalts 58 000 Euro. Insgesamt kosteten die Arbeiten 188 677 Euro. Für den Erhalt der 1893 erbauten Kirche sind weitere Arbeiten am Mauerwerk und den Seitendächern erforderlich.

Foto: Heiko Rebsch

Foto: Heiko Rebsch

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wir müssen reden

13. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Über die »Ehe für alle« gibt es in der Landeskirche Gesprächsbedarf

Die Ehe ist ein weltlich Ding – und birgt doch eine geistliche Dimension, ganz besonders die im Sommer vom Bundestag beschlossene »Ehe für alle«. Eine kirchliche »Ehe für alle« wollte die Jugend der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bereits im Frühjahr auf den Weg bringen. Doch dazu kam es nicht. Die Synodalen baten stattdessen um Geduld und beauftragten den Landeskirchenrat, ein Format zu finden, um weiter über die Gleichstellung der Ehe zu sprechen.

Dieser Prozess ist nun in Gang gesetzt, sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann. Auch der Ausschuss für Theologie und Gemeindeaufbau müsse sich damit beschäftigen, ob dem veränderten staatlichen Gesetz ein verändertes kirchliches Handeln folgt oder nicht. Aktuell liegt die Entscheidung über die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares bei Pfarrer und Gemeinde.

Kern der Debatte ist für Junkermann die unterschiedliche Schriftauslegung und der Umgang damit. Die »Ehe für alle« kann zu einer schweren Gewissensbelastung werden, wenn auch für eine Minderheit. Darf sich eine Mehrheit darüber hinwegsetzen? Wieweit können sich Christen belasten, wo müssen sie akzeptieren, unterschiedlicher Meinung zu sein? Auch die Frage, warum Trauung und »Gottesdienst anlässlich der Eheschließung« unterschieden werden, will die EKM diskutieren.

Die Landesbischöfin betonte: »Ich bin froh, dass es die Segnungen gibt. Ich bin auch froh, dass die rechtliche Gleichstellung in unserer Gesellschaft möglich ist.« Ordnung gibt der Freiheit Raum, zitierte die Bischöfin Martin Luther. Alles andere sei Willkür. »Aber wir sollten andere ernst nehmen, deren Gewissen belastet ist, und das nicht per Mehrheitsbeschluss übergehen«, sagte Junkermann. Die Bischöfin hat die Sorgen jener im Blick, die die Gefahr einer Kirchenspaltung sehen.

Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts, begrüßte die ordnende, rechtliche Klarstellung durch die »Ehe für alle«. Für die Kirche sei es aber nicht nötig, alle staatlichen Beschlüsse geistlich nachzuvollziehen.

Ob homosexuelle Paare gesegnet werden, entscheiden in Anhalt Gemeinde und Pfarrer gemeinsam. Sind sie dazu nicht bereit, ist der Oberpfarrer aufgefordert, eine Lösung zu finden. »Wir hatten bisher, soweit ich sehen kann, einen einzigen Fall. Und da gab es keinen Konflikt«, sagte Liebig. Als Kirchenpräsident sei er sehr zufrieden mit der derzeitigen Situation. Der für Anhalt gefundene Modus trage das neue Gesetz mit. Deshalb rechne er nicht damit, dass sich die Synode in absehbarer Zeit mit dem Thema befassen muss.

In seiner Zeit als Gemeindepfarrer hat Liebig auch Anfragen homosexueller Paare bekommen: »Ich habe das nicht machen können.« Aber es gehöre zur innerkirchlichen Toleranz und Einheit, anders getroffene Entscheidungen von Kirchenältesten und Pfarrern zu akzeptieren. Es sei verheerend, diese Grundsatzfrage als Mittel zur Kirchenspaltung zu verwenden: »Das ist furchtbar. Das ist entsetzlich. Und das darf auf keinen Fall passieren.«

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


»Ist eine gescheiterte Ehe Sünde?«

13. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Wenn eine Beziehung vor der Wahl zwischen weiteren Verletzungen oder dem Scheitern steht

Die Ehe ist für mich eine besondere Form der Verlässlichkeit, um die Liebe zu vertiefen und Momente des Glücks, der Geborgenheit und des schöpferischen Miteinanders zu schützen. Die Ehe ist ein Wert, der tief in unserer Gesellschaft verankert und durch Gottes Gebote geschützt ist. Sie wiederum bewahrt uns Werte wie Verlässlichkeit und Treue. Es ist gut, dass wir diese Form haben und dass wir bestrebt sind, sie nicht leichtfertig aufzugeben.

Aber das Leben lässt sich manchmal nicht schützen. Es kommt vor, dass das, was als Schutz für die Liebe gedacht war, zum Ort für Verletzungen wird. Dass Leben gerade dort besonders beschädigt wird, wo es sich entfalten sollte.

Natürlich: Solche Erfahrungen gibt es in jeder Beziehung, in jeder Ehe. Zum Glück sind es oft nur Momente oder Phasen, die vorübergehen. Was aber ist, wenn sie bleiben? Wenn sie chronisch werden und Menschen auf Dauer kaputtmachen?

Ich spreche als einer, der das durchlebt und durchlitten hat. Zweimal. Mein Buch »Mit Scheitern leben lernen« ist aus der Auseinandersetzung mit der ersten Trennung entstanden. Bei einer Lesung wurde ich gefragt: »Ist eine gescheiterte Ehe Sünde?« »Natürlich!«, habe ich geantwortet. Die Frage ist nur, was die größere Sünde ist: Eine Beziehung zu beenden oder in einer nicht funktionierenden Partnerschaft zugrunde zu gehen. Manchmal gibt es nur zwei schlechte Wege: Bleiben und sich arrangieren. Oder auseinandergehen.

Reiner Knieling: Mit Scheitern leben lernen. Erfahrungen – Verheißungen – Hilfestellungen. Neukirchener Verlag

Reiner Knieling: Mit Scheitern leben lernen. Erfahrungen – Verheißungen – Hilfestellungen. Neukirchener Verlag

Wie gehen wir mit diesem Konflikt um? Gottes Gebote, gesellschaftliche Werte, eigene Ideale sind gut. Aber ein Teil unserer Wirklichkeit will dem einfach nicht entsprechen. Viele versuchen, die Wirklichkeit so gut es geht zu verdrängen. Sie wollen den Schein wahren und es vor anderen geheim halten, um den Konflikt mit den eigenen Werten oder Gottes Geboten nicht spüren zu müssen. Doch irgendwann wird das anstrengend. Es entsteht eine Doppelmoral und andere spüren die Unehrlichkeit. Manche werden sogar krank dabei.

Andere versuchen, die Werte und Ideale zu reduzieren und der Wirklichkeit anzupassen. Damit geht aber das Korrektiv verloren und die Spannung, die das Leben interessant macht. Die Welt wird nicht besser, wenn die Gebote soweit relativiert werden, dass sie unserem durchschnittlichen Leben entsprechen, nur damit wir das Gefühl nicht aushalten müssen, zu versagen. Wenn wir ehrlich sind, spüren wir, dass wir uns durch diese Relativierung am Ende selbst betrügen.

Es gibt einen dritten Weg, diese Spannung zwischen Werten und Wirklichkeit nicht aufzulösen, sondern produktiv damit umzugehen. Dieser dritte Weg ist, dass ich mich mit meiner ganzen Wirklichkeit auf Gott ausrichte. Als einer, der seinen Werten treu sein will, es aber nicht kann. Für mich waren in den brüchigen Zeiten meines Lebens die Gebete der Bibel eine entscheidende Hilfe. Sie gaben mir Worte, mit denen ich mein Erleben und Gott in Beziehung setzen konnte. Sie halfen mir, mich nicht nur mit den angenehmen Seiten, sondern auch mit den anderen Facetten auf Gott auszurichten: mit dem eigenartigen Gemisch aus Schmerz, Trauer, Wut, aber auch mit der Erleichterung und Zukunftshoffnung.

Ein Beispiel dafür sind die Psalm-Übertragungen von Pierre Stutz:

Zerschlagen die Hoffnung miteinander
ein Stück Weg zu gehen
hart anzunehmen
dass Berührung nicht mehr möglich ist
traurig die Erfahrung einander zu bekämpfen
(Pierre Stutz, aus: Du hast mir Raum geschaffen, 29, nach Psalm 18,29-30)

Ich verstecke mich vor mir
schwer fällt es mir
der Wahrheit ins Gesicht zu schauen
die Angst vor Veränderung ist zu groß
Ich halte Ausschau nach Menschen
die mir entgegenkommen
mir weiten Raum
für meine schwachen Seiten zugestehen
Doch sie sind nicht da
so wenig wie ich da bin
um mir Versagen einzugestehen
Du lass mich diese Nacht
Dein Entgegenkommen erfahren
(Pierre Stutz, aus: Du hast mir Raum geschaffen, 30 und 14, nach Psalm 19,13 und 4,2)

Ich habe Gottes Entgegenkommen in verschiedenen Momenten erlebt. In einem Traum, der mir Geborgenheit schenkte, als meine Familie gerade auseinanderbrach. In der Umarmung eines Freundes, die ich fast bis heute spüre. Auch in der theologischen Entdeckung, dass Gottes größter Liebes­beweis das Leben ist – wie es die Auferweckung Jesu zeigt.

Menschen hatten ihn geopfert und Gott hat nicht etwa mit Gegengewalt geantwortet. Er hätte allen Grund dazu gehabt. Gott jedoch antwortete vielmehr mit Leben und Liebe. Jesus macht den Jüngern keinen Vorwurf, dass sie ihn verlassen hatten und nicht treu waren. Auch sie wollten ihren Werten treu bleiben, konnten es aber nicht. Sie erlebten, wie ihre ganze brüchige Wirklichkeit bei Gott ihren Platz fand. Sie erlebten, wie ihre Herzen mit Geistkraft erfüllt wurden und Gottes Liebe einsickerte.

Auch ich merkte: Ich bin einer, in den das Leben und die Liebe dort einsickern, wo Dinge zerbrechen oder zu Ende gehen. Dort, wo menschliche Liebe an ihre Grenzen kommt, auch innerhalb einer Ehe. Wo Verletzungen und Abbrüche nicht mehr zu vermeiden sind, gießt Gott seine Lebensliebe aus. Das ist die Botschaft von Kreuz und Auferstehung. Und das ist die Erfahrung, die viele Menschen verbindet.

Reiner Knieling

Der Autor ist promovierter Theologe und Leiter des Gemeindekollegs der VELKD in Neudietendorf

Reiner Knieling: Mit Scheitern leben lernen. Erfahrungen – Verheißungen – Hilfestellungen. Neukirchener Verlag, 128 S., ISBN 978-3-7615-5462-3, 6,99 Euro

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir?

11. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.

2. Korinther 6, Vers 2

Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht du? Bei diesen Fragen denkst du wahrscheinlich sofort an Sänger Rio Reiser (»Wann?«), aber ich meine damit die Zeit der Gnade. Schau dich doch mal um. Schau in die Gesichter der Menschen um dich herum. Sieh dir all die lachenden, all die traurigen, all die müden und all die unsicheren Gesichter an.

In jedem entdeckst du etwas dir sehr wohl Bekanntes. Hinter jedem dieser Gesichter steckt eine Geschichte. Du kennst sie vielleicht nicht und weißt nicht, warum sie traurig, fröhlich, müde und unsicher sind. Aber du erinnerst dich sehr gut an Situationen, in denen es dir auch so ging. Du weißt noch genau, wie es war, so zu fühlen, und du weißt vielleicht auch, was du damals gebraucht hättest.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

»Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils«, schreibt der Apostel Paulus an die Korinther. Darum ist es Zeit: Schau nicht einfach nur stumm in die Gesichter der Menschen um dich. Sondern lache mit den Lachenden, tröste die Traurigen, setze dich zu den Müden und bestärke die Unsicheren. Du kannst das, weil Gottes Gnade für dich etwas Greifbares ist. Gott greift dir unter die Arme und richtet dich immer wieder auf. Du kannst das, weil der Tag des Heils für dich wirklich ist. Gott macht dich wirklich heil. Sodass du selbst zum Aufrichtenden und zum Heilenden werden kannst.

Nicht morgen oder irgendwann, sondern jetzt. Du bist berufen, die Frohe Botschaft der Gnade und des Heils weiterzutragen. Das braucht nicht immer große Worte oder Taten. Es braucht auch keine spezielle Ausbildung. Ein aufmunternder Blick, ein kleines Lächeln oder ein angebotener Sitzplatz können für den anderen schon eine ganze Welt verändern.

Die Zeit der Gnade und der Tag des Heils sind schwer erklärbar, aber sie sind spürbar. Du kannst sie spürbar werden lassen. Immer wieder neu und immer wieder anders. »Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir?«, sang Rio Reiser und ich glaube er hat recht.

Und was glaubst du?

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz


Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Sonntag ist Sonntag

10. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Das Leben könnte so einfach sein. Der Sonntag ist arbeitsfrei. Sonntags arbeiten nur diejenigen, deren Leistung unverzichtbar ist. Also Menschen in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Polizei, bei den Ver- und Entsorgungsunternehmen, bei der Bahn, in Betrieben mit kontinuierlichen Produktionsprozessen. Und, ja bitte! Künstler und Beschäftigte in der Gastronomie sowie natürlich die Pfarrer. Denn deren Arbeit macht für die vielen anderen den arbeitsfreien Sonntag erst richtig zum Sonntag.

Die Länder haben indes mit ihren Ladenöffnungsgesetzen Regelungen geschaffen, wonach auch die Geschäfte – ausnahmsweise – sonntags öffnen dürfen. Die Händler, vorwiegend die großen Ketten und Einkaufszentren, schöpfen diese Möglichkeiten zumeist voll aus. Und nun sorgen Handelsriesen wie Aldi und Rewe für einen Paukenschlag im Zusammenhang mit dem Fakt, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt: Obwohl die meisten Ladenöffnungsgesetze unter diesem besonderen Umstand eine Öffnung erlauben würden, bleiben die Filialen mit Rücksicht auf das Familienleben der Beschäftigten geschlossen.

Bravo! Die Entscheidung könnte ein Zeichen setzen hin zum Verzicht auf noch mehr verkaufsoffene Sonntage, die in der Diskussion sind. Kirchen und Gewerkschaften sollten sich dieses Statement der Handelsriesen gut merken für die nächsten Verteidigungsrunden des arbeitsfreien Sonntags. Denn nicht nur Heiligabend freuen sich die Beschäftigten – zumeist Mütter und Hausfrauen – über Zeit, die sie mit ihrer Familie verbringen können.

Und was die Versorgung zu Weihnachten 2017 angeht: Es muss in Deutschland niemand darben, wenn die Läden drei Tage lang zu haben. Nur ein bisschen vorausschauend einkaufen.

Renate Wähnelt

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »