Höhepunkte beim Kirchentag in Dessau-Roßlau

24. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Dessau-Roßlau (G+H) – Der Kirchentag auf dem Weg mit rund 200 Angeboten steht unter dem Motto »Forschen. Lieben. Wollen. Tun.« Dabei werden sich in einem Anhaltdorf auch Kirche, Stadt und Umland präsentieren.

  • Anhalt-DessauEin Höhepunkt am 26. Mai ist die Aufführung des Trinitatis-Oratoriums von Sebastian Saß mit der Kantorei Bernburg, den Amici Carminis und der Anhaltischen Philharmonie in der Johanniskirche (19.30 Uhr).
  • Am 27. Mai hält der frühere sachsen-anhaltische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz eine Bibelarbeit unter dem Thema »Jesus sieht Zachäus« (Hochschule Anhalt, Audimax, 9.30 Uhr).
  • Das »Das Geheimnis der Wartburg« wird am Sonnabend beim Kindermusical in der Marienkirche gelüftet (11 Uhr).
  • Zur Podiumsdiskussion »Was bedeutet Religion in meinen Leben?« (27. Mai, Hochschule Anhalt, Audimax, 15 Uhr) kommen der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, Oberbürgermeister Peter Kuras und die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke. Es moderiert Kirchenpräsident Joachim Liebig.
  • Ein großes Festkonzert »Preisen. Singen. Jubilieren« mit der Anhaltischen Philharmonie, Chören des Anhaltischen Theaters und dem Lutherchor erklingt am Sonnabend auf der Hauptbühne (19.30 Uhr).

Von Wecker bis Hasenscheisse

24. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Hochkarätig: Kulturprogramm der Kirchentage auf dem Weg
und in Wittenberg


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Dies werden viele Interessierte denken, die sich durch das vielfältige Programm der Kirchentage auf dem Weg und des Deutschen Evangelischen Kirchentages arbeiten.

Da ist zunächst das Konzert »Live 17« zu nennen, mit dem der Kirchentag in Wittenberg am Sonntag auf der Festwiese ausklingt (28. Mai, 16.30 bis 19 Uhr). »Vom Liedermacher bis zur Rockband, von Indie-Pop bis zu karibischem Gute-Laune-Sound ist für alle Musikbegeisterten etwas dabei«, freut sich Christof Vetter vom Verein »r2017«. Da ist an erster Stelle Konstantin Wecker zu nennen, der wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag in der Lutherstadt gastiert. Er gilt neben Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt als einer der großen deutschen Liedermacher. Neben ihm und seiner Band sind Judy Bailey, »Bell Book + Candle« und »City« zu erleben. Bailey, die auf Barbados aufgewachsen ist und in Deutschland lebt, steht für einen Musikstil, der neben Pop- und Rockelementen auch Einflüsse von Reggae und afrikanischer Musik aufweist. Sie trat bereits bei vielen christlichen Großveranstaltungen auf. »Bell Book + Candle« gründeten sich 1994 in Berlin, besonders im Osten bekannt ist die Kultband »City«.

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis  19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

Zum Ausklang des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Wittenberg gibt es am Sonntag, 28. Mai, von 16.30 bis 19 Uhr ein Konzert auf der Festwiese. Unter dem Motto »Poesie und Widerstand« wird es von Konstantin Wecker (unser Bild) sowie einer Reihe weiterer namhafter Musiker gestaltet. – Foto: Thomas Karsten

In Jena wird der Frage nachgegangen, was den politischen Widerstand in Ost und West mit heutigem Oppositionsgeist verbindet. Bands aus der DDR, der alten BRD und dem Deutschland von heute stellen sich dabei der Aufgabe, aus ihren gesellschaftlichen Realitäten heraus musikalische Antworten zu liefern. Zu erleben sind »Airtremp« (Jena), »Hasenscheisse« (Potsdam) und »Kai & Funky« von »Ton Steine Scherben« sowie der Berliner Sänger und Kabarettist Gymmick (26. Mai, 19 bis 23 Uhr, Bühne auf dem Markt).

Zwölf filmmusikreife Choralfantasien werden unter dem Titel »Lutheran Symphonics« von der Staatskapelle Weimar und dem Kammerchor der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in der Klassikerstadt dargeboten (25. Mai, 20 Uhr, Weimarhalle). Der Komponist und Posaunenprofessor Christian Sprenger hat hierfür bekannten Kirchenliedern wie »Ein feste Burg ist unser Gott«, »Verleih uns Frieden« oder »Lobe den Herren« ein episches, symphonisches Gewand gegeben. Zu den »nicht alltäglichen Konzertformen« zählt eine elektroakustische Konzert-Installation, die Studierende aus der Kompositionsklasse von Prof. Robin Minard auf dem Herderplatz präsentieren (27. Mai, 20 bis 23 Uhr). Diese beschäftigt sich mit dem Begriff Raum und seinen verschiedenen Bedeutungen für den heutigen Menschen in einer beschleunigten und hochgradig synchronisierten Welt.

»Woran glaubst du?« fragen Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in einem Projekt in Halle, das auf dem Markt, im Dom und in der Moritzburg veranstaltet wird (27. Mai, 10.30 bis 12.30 Uhr). Neben Performances gibt es hier Mitmach-Angebote sowie Holy Hip-Hop: Graffiti, Breakdance, Rap und Beats.

Michael von Hintzenstern

Gute Nachrichten und ein Halleluja

24. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Programmhöhepunkte in Erfurt, Jena/Weimar, Magdeburg und Halle-Eisleben


Kirche-vO-ErfurtErfurt (G+H) – Ein buntes Glaubensfest inmitten der historischen Altstadt:

  • Eingeläutet werden die Veranstaltungen am Christi Himmelfahrtstag mit der Gloriosa. Sie ruft zum Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf den Domplatz
  • Konzert: »Nerly BigBand goes Gospel«, 25. Mai, 20 Uhr, Domplatz
  • Den Guss einer Glocke kann man am 25. Mai erleben, ab 14 Uhr Präparieren der Gussform, ab 17 Uhr Schmelzen der Glockenbronze. Guss: 21.30 Uhr bis 22 Uhr, Domplatz
  • »Geblitzt! Mit Luther von Stotternheim nach Erfurt«. Laufend, pilgernd oder radelnd von Stotternheim zum Augustinerkloster. 26. Mai, 11.30 Uhr, Stotternheim
  • Zum internationalen Festmahl »Erfurt tafelt« sind die Besucher am 26. Mai eingeladen: 16.30 Uhr, Domplatz

Kirche-vO-Jena-WeimarJena/Weimar (G+H) – Die Gretchenfrage wird in Jena und Weimar bewegt.

  • Am 25. Mai findet in Weimar ab 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Markt statt. Anschließend gibt es ein Fest in der Innenstadt.
  • Zum Fulldome Gottesdienst im Planetarium Jena sind Besucher am 26. Mai ab 22 Uhr eingeladen.
  • Am 26. Mai findet um 18 Uhr ein Abendgottesdienst in der Jenaer Stadtkirche St. Michael mit Texten und Liedern des 2015 verstorbenen Jenaer Theologen und Dichters Klaus-Peter Hertzsch statt.
  • Zum Thementag »Scham, Gewalt, Liebe« am 26. Mai sind in der Weimarhalle in Weimar verschiedene Veranstaltungen von 11 Uhr bis 22.30 Uhr vorgesehen.
  • Unter dem Motto »Grenzenlos frei« steht das Konzert am 27. Mai um 19 Uhr auf dem Markt in Jena.

Kirche-vO-MagdeburgMagdeburg (G+H) – Wer sich zum Besuch des Kirchentages auf dem Weg in Magdeburg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« entschließt, kann aus rund 400 Angeboten wählen. Bei vielen spielen die Themen Elbe, Frieden sowie Medien einst und heute eine große Rolle.

  • So wird am 26. Mai (18.30 Uhr) in die Wallo­nerkirche zu einem Twittergottesdienst eingeladen, an dem auch Landesbischöfin Ilse Junkermann teilnimmt.
  • Am Freitagabend ist das Elbufer am Petriförder der Treffpunkt. Um 20 Uhr starten die rudernden und paddelnden Flussfahrerinnen und Flussfahrer ihre Prozession. Um 21 Uhr beginnt am Petriförder die Welturaufführung des Stückes »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Licht- und Soundeffekten, Chören und die Schiffsprozession auf der Elbe. Rund 200 Mitwirkende erzählen die Geschichte Magdeburgs als ein Zentrum der Reformation.
  • »Treffpunkt Hafen« heißt es am 27. Juni von 10 bis 22 Uhr am Wissenschaftshafen mit zahlreichen Angeboten zum Zuhören, Zusehen und Mitmachen. Im Podium »Fluss und Mensch« (14 Uhr) geht es um die Nutzung der Elbe als Transportweg, in einer Lesung um »Die Elbe – Europas Geschichte im Fluss« (17.30 Uhr). Auch das Musikprogramm ist passend zum Ort gewählt.
  • Einer der Höhepunkte im Zentrum Kinder, Familie, Jugend und Sport im Rotehornpark ist am Sonnabend das Konzert »HalloGrüßGottGutenTag« des Liedermachers Gerhard Schöne (11 Uhr). Im Park und in der Stadthalle gibt es am Freitag und Sonnabend knapp 130 Angebote.
  • Als Einziger hat der Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg am 27. Mai ab 11 Uhr einen Thementag »Männer« mit zahlreichen Workshops im Programm. Treffpunkte sind die katholische Petrikirche und das Petri-Gemeindehaus daneben. Mit dazu gehört ein außergewöhnliches Konzert von Lutz Krajenski und den Hannover Harmonists (14.30 Uhr).

Kirche-vO-HalleHalle/Eisleben (G+H) – Zum Kirchentag auf dem Weg tun sich Halle und Eisleben unter dem Motto »Zwei Städte für ein Halleluja« zusammen. Hier steht die Musik im Mittelpunkt, und zwar in all ihren Ausprägungen. Die Top 5 der Veranstaltungen und ein Extra-Tipp:

  • Eröffnungsgottesdienst mit Nicklas Baines, Bischof von Leeds, Stadtsingechor sowie Bigband und Jugendchor der Paulusgemeinde am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf dem Marktplatz Halle
  • Sola scriptura et musica: Johannesevangelium trifft auf Klavierimpro am 27. Mai, 10 Uhr, in der Petri-Pauli-Kirche in Lutherstadt Eisleben
  • Gospelworkshop und Abschlusskonzert: Chris Lass mit Band und Laiensänger proben für und feiern ein gemeinsames Open-Air-Konzert, 27. Mai, 10.30 Uhr in der Georgenkirche Halle (Workshop) und 20 Uhr Marktplatz (Konzert)
  • »Luthers Kampf gegen die Juden«, Vortrag mit Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, 27. Mai, 16 Uhr, in St. Andreas zu Eisleben
  • »luthERleuchtet«, audiovisuelle Performance von und mit Lichtkünstler Ingo Bracke, 27. Mai, 22 Uhr, Marktkirche Halle

Teil des Kirchentags auf dem Weg ist zudem die Kirchennacht am 26. Mai. Auf einer Gesamtstrecke von 50 Kilometern schlängeln sich 81 Gottes- und Gemeindehäuser den Lutherweg entlang. Am nördlichen Rand der Weinregion Saale-Unstrut verbindet das »Band der offenen Kirchen« Eisleben mit Halle und in Nord-Süd-Richtung den Petersberg mit Merseburg. Bei der flächenmäßig größten zusammenhängenden Kirchennacht Deutschlands werden bis zu 10 000 Besucher erwartet. Beginn ist in Halle um 19 Uhr. Außerhalb der Saalestadt öffnen bereits um 18 Uhr die Türen der Gotteshäuser. Auf dem Programm stehen 57 Konzerte, Führungen, Ausstellungen, Lichtinstallationen, Vorträge oder Lesungen. Erstmalig wird eine Fahrradrundfahrt angeboten. Um 18 Uhr startet auf dem Eislebener Marktplatz eine 30 Kilometer lange Tour zu den Kirchen rund um den Süßen See.

Unter Gottes freiem Himmel

24. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Wittenberg: So wird das Festwochenende zum Abschluss der Kirchentage

Am Sonntag feiern Menschen aus aller Welt den Festgottesdienst des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags vor den Toren Wittenbergs auf den Elbwiesen bei Pratau. Für viele ist es der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Dazu werden die Besucher der sechs regionalen Kirchentage auf dem Weg in Mitteldeutschland und des zentralen Protestantentreffens in Berlin zum Ausgangspunkt der Reformation in der Lutherstadt erwartet.

Bereits am Samstagabend gibt es einen Predigt-Slam auf der Bühne vor der Schlosskirche (18.30 Uhr), um 21 Uhr beginnt das Programm auf den Elbwiesen südlich der Altstadt mit der »Nacht der Lichter«. Das Gebet zum Sonnenuntergang feiern die Besucher mit der Gemeinschaft von Taizé. Wer möchte, kann im Anschluss auf der Wiese unter freiem Himmel übernachten. Zelte und Gepäckstücke sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Der Sonntag beginnt um 4.30 Uhr mit einer Andacht zum Sonnenaufgang (5.19 Uhr). Für 12 Uhr ist der Abendmahlsgottesdienst unter dem Titel »Von Angesicht zu Angesicht« angesetzt. Im Mittelpunkt steht die Bibelstelle 1. Korinther 13. Predigen wird der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba.

Im Anschluss (13.30 Uhr) werden Grußworte von Politikern wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sowie kirchlicherseits von Magdeburgs Bischof Gerhard Feige erwartet, der auch den Vorsitz der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz innehat.

Zu einem Reformationspicknick ab 14.30 Uhr laden rund 600 Gemeinden ein. Nach 16.30 Uhr mündet das gemeinsame Essen und Trinken in das Konzert »Live 17« mit Künstlern wie Konstantin Wecker, »Bell Book and Candle«, Judy Bailey und CITY.

Sonderzüge mit einem Fassungsvermögen von je 900 Passagieren fahren aus Berlin, Leipzig und Magdeburg im 10- bis 15-Minuten-Takt. Für Reisebusse, Pkw und Fahrräder sind Parkplätze mit einem Shuttle-Service zur Festwiese geschaffen. Im Falle eines schweren Unwetters würde das Festprogramm abgesagt.

Die Kirchenzeitung finden Sie im Bugenhagenhaus hinter der Stadtkirche St. Marien oder im Mediencafé in der Neustraße 10 gegenüber der Geschäftsstelle vom Trägerverein r2017.

(epd/G+H)

Mit Herzblut bei der Sache

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Reformationsjubiläum: Mancher fragt sich, ob die Beteiligung für Anhalt nicht eine Nummer zu groß ist. Zwar ist manches offen, aber dass etliche Hürden genommen sind, macht Mut.

Wenn am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg die Weltausstellung Reformation eröffnet wird, ist die Landeskirche Anhalts mit ihrem Übersee-Container-Projekt mitten im Geschehen. Im Vorfeld tauchte mehrfach die Frage auf, ob die kleinste Landeskirche in der EKD die Anforderungen des Reformationssommers überhaupt bewältigen könne. »Das ist sicher eine Bürde für unsere Landeskirche«, sagt Andreas Janßen, Leiter der anhaltischen Arbeitsstelle »Luther 2017«, »aber keine untragbare Last.« Anhalt habe sich durch seine Vorbereitung auf das Jubiläum 2017 in der EKD »ein Standing geschaffen, das uns als Kirche zurzeit nicht in Frage stellt«. Anhalt sei im Gespräch, werde aber manchmal sehr kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf den Europäischen Stationenweg am 18. Mai in Bernburg sagte Janßen, dass sich das Programm mit dem großer Städte messen könne. »Man merkt sehr deutlich, dass der Kirchenkreis über die Erfahrungen aus zwei anhaltischen Kirchentagen verfügt.«

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

Für den Kirchentag auf dem Weg in Dessau sei es schwierig gewesen, Gastgeber für das Anhalt-Mahl zu finden. Deshalb habe es lange Zeit auf der Kippe gestanden. Aber: »Bei der letzten Infoveranstaltung wurden wir dann plötzlich so überrannt, dass wir Bierzeltgarnituren nachordern mussten.« Solche Begebenheiten machten Mut und ließen hoffen, dass der gesamte Kirchentag die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Zudem sei die Programmvielfalt nur möglich, weil Haupt- und Ehrenamtliche unermüdlich daran mitgearbeitet hätten. »Darin steckt viel anhaltisches Herzblut.« Grundsätzlich sei zum Thema »Ehrenamt« zu sagen, dass es immer schwieriger werde, die benötigten Helfer zu finden. »Wir merken, dass die Kirchengemeinden mit ihren älter werdenden Gemeindegliedern an ihre Grenzen stoßen.« Darin, dass nicht nur Anhalt, sondern auch dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Helfer fehlten, sieht Janßen ein gesellschaftliches Problem, »dass uns in den nächsten Jahren noch zu beschäftigen hat«.

Die Vorbereitung der Weltausstellung Reformation vom 20. Mai bis 10. September stelle Anhalt jeden Tag vor neue Herausforderungen. Viele habe man vor einigen Monaten nicht absehen können.

Zum Beispiel den Standortwechsel der drei Übersee-Container, die nun im Luthergarten in der Nähe des Wittenberger Altstadtbahnhofes zu finden seien. »Der Standortwechsel führte dazu, dass wir einen neuen umfangreichen Bauantrag bei der Stadt Wittenberg stellen mussten, der mit Kosten verbunden ist.« Zudem habe sich herausgestellt, dass Verabredungen, die zu Beginn der zweijährigen Vorbereitung auf die Weltausstellung getroffen wurden, nicht mehr einzuhalten seien. So habe der Café-Betreiber auf dem Container-Sonnendeck abgesagt. Mit der Bernburger Kanzlerstiftung sei aber eine Alternative gefunden worden. Zudem habe ein Gewerbetreibender, der die Übersee-Container nach der Weltausstellung kaufen wollte, abgesagt. Sollten die Container nicht bis September verkauft werden, müssten sie nach Dessau zurück. Das sei mit hohen Kosten verbunden. Auch die Suche nach Sponsoren und Teamern für das Containerprojekt verlaufe nicht ohne Probleme. Gut ist, dass der obere der drei Container (die beiden unteren enthalten eine Ausstellung) fast durchgehend an Interessenten habe vermietet werden können. So sei vom 20. Mai bis Mitte Juni die Landeskirche Baden zu Gast, danach die Kirche der Pfalz. Von Juli bis September kommen unter anderen anhaltische Städte und die Tourismusregion Harz.

»Die Präsenz Anhalts in Wittenberg«, so Andreas Janßen, »wird sicherlich an manchen Stellen zur Herausforderung.« Trotzdem gibt er sich optimistisch. »Ich kann nicht im Geringsten sagen, wie dieser Sommer zu Ende gehen wird. Ich weiß aber, dass es immer einen Weg gibt.«

Angela Stoye

»Luther! 95 Schätze – 95 Menschen«

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Die dritte Nationale Sonderausstellung zum 500. Reformationsjubiläum zeigt in Wittenberg die Entwicklung von Martin Luder zum Reformator Luther und seine Wirkung auf Menschen.

Was haben Steve Jobs, Astrid Lindgren und Axel Springer gemeinsam? Alle drei standen in der Nachfolge eines Mannes. Alle drei trugen zur Verbreitung seiner Botschaft bei. Jener Mann ist Martin Luther (1483–1546), im 16. Jahrhundert Mönch, aus heutiger Sicht Reformator.

Intensiv liefen die Vorbereitungen seit Oktober 2014, erzählt Benjamin Hasselhorn. Der Theologe und Historiker ist einer der vier Kuratoren, die in den vergangenen Jahren nach interessanten Figuren aus dem 16. bis 21. Jahrhundert forschten, die in irgendeiner Beziehung zu Luther stehen – und sei es als seine Kritiker. Zu jedem dieser Menschen suchten die Wissenschaftler dann nach einem Gegenstand, der mit der Person verbunden ist, aber zugleich zeigt, was der Mensch mit Martin Luther zu tun hat.

In Anlehnung an die 95 Thesen, die Martin Luther 1517 gegen die Missstände in der katholischen Kirche veröffentlicht hat, gibt es in der Wittenberger Sonderausstellung nun 95 Menschen zu entdecken. Sie sind die Ergebnisse harter Recherche, aber auch »schöne Zufallsfunde«, wie Hasselhorn sie nennt. Unter ihnen sind natürlich solche, die man erwartet wie den Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Oder den Bürgerrechtler Martin Luther King, der 1966 in Chicago Thesen anschlug und sich damit in Kontinuität zu seinem Namenspatron setzte. Zu den eher unerwarteten Menschen zählen womöglich der dänische Filmemacher Lars von Trier oder der norwegische Maler Edvard Munch.

Medieninstallation: Nikolaus Kopernikus erforschte, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Foto: Thomas Bruns

Medieninstallation: Nikolaus Kopernikus erforschte, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Foto: Thomas Bruns

»Zu jeder Person gibt es mindestens ein Exponat«, sagt Hasselhorn. Einen Film, ein Kleidungsstück, Audio­mitschnitte, Manuskripte. Unterteilt sind die »95 Menschen« in drei Kapitel, der »Dreiteilung menschlicher Existenz« folgend, die Luther in seiner berühmten Freiheitsschrift aufgestellt hat: der inwendige, auf sich bezogene Mensch, der äußere, wirkende Mensch und der soziale Mensch unter Menschen.

In zwei weiteren Kapiteln geht es um den Reformator selbst. »Wir erzählen anhand von 95 Schätzen aus Luthers Umfeld seinen Weg in die Welt und zur Reformation«, erklärt der Kurator. »So umrunden wir in der Ausstellung ein Mal sein Leben.«

Stefan Rhein, der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, ist besonders stolz auf einen Brief Luthers vom 31. Oktober 1517, dem heutigen Reformationstag. Diese Leihgabe aus dem Stockholmer Archiv soll der als Luder Geborene zum ersten Mal mit »Luther« unterschrieben haben. »Der 31. Oktober ist also nicht nur ein weltgeschichtliches Ereignis, für Luther selbst war dieser Tag auch ein biografischer Bruch«, sagt Rhein. Den Namen leitete er von dem griechischen Eleutherios, der Freie, ab. »Das zeigt auch, dass Luther die Wichtigkeit dieses Tages erkannt hat«, so Rhein. Im historischen Teil der Ausstellung, in dem Besucher dem Menschen Martin nahekommen sollen, sei dieser Brief ein zentraler Beleg für Luthers Verwandlung vom Mönch zum Reformator.

Und was erfährt man in der Ausstellung nun über Lindgren, Jobs und Springer? Der Zeitungsverleger soll stets ein Büchlein mit Sprüchen seines Vorbildes bei sich gehabt haben und ein Luther-Porträt in seinem Büro. Beim Apple-Gründer und Lutheraner Jobs war die Erfindung des Mac eine Revolutionierung unseres (Arbeits-)Lebens. Sozusagen eine technische Reformation. Und die schwedische Kinderbuchautorin Lindgren »setzt in ihren Büchern dem lutherisch geprägten ländlichen Schweden ein Denkmal«, sagt Kurator Hasselhorn.

Christina Özlem Geisler (epd)

Die Ausstellung ist bis 5. November im Augusteum des Lutherhauses zu sehen.

www.3xhammer.de

Ideen aus den Kirchenkreisen

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Bugenhagenhaus: EKM auf der »Weltausstellung Reformation«

Mit Ausstellungen, Vorträgen und Filmvorführungen ist auch die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands auf der »Weltausstellung Reformation« präsent. Vom
20. Mai bis 10. September sind Kirchenkreise und Werke der EKM Teil des Reformationssommers, sagte Adelheid Ebel vom EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum in Wittenberg. Im Bugenhagenhaus neben der Stadtkirche stellt sich die Landeskirche vor.

»Die Idee eines Ausstellungsorts für die EKM geht auf Propst Siegfried Kasparick zurück«, erinnert Adelheid Ebel an den im vergangenen Jahr verstorbenen Ökumene- und Reformationsbeauftragten der mitteldeutschen Landeskirche. Gemeinsam mit Christiane Schulz, Leiterin der landeskirchlichen Geschäftsstelle für die Lutherdekade, hat Adelheid Ebel diese Idee umgesetzt. Das Programm ist angelehnt an die 16 Themenwochen der »Weltausstellung Reformation«, die mittwochs beginnen und bis Montag dauern; dienstags ist die Weltausstellung geschlossen.

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Den Auftakt in der Festwoche vom 20. bis 29. Mai macht die von Landesbischöfin Ilse Junkermann zum Reformationsjubiläum angestoßene Initiative »Offene Kirche« sowie das Querdenker-Projekt von Kirche und Internationaler Bauausstellung in Thüringen. In der sich anschließenden Europa-Woche rücken die Beziehungen der EKM zu ihren europäischen Partnern in den Fokus. In der Ökumene-Woche ab 7. Juni präsentiert sich das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zen­trum, und der Kirchenkreis Bad Liebenwerda wird schildern, wie Ökumene im Elbe-Elster-Land gelebt wird. Mitte August heißt die Themenwoche »Bibel und Bild«: Dann werden im Bugenhagenhaus der Kirchenkreis Weimar mit seiner Kinderbibel, die Kunstgutbeauftragte der EKM und die Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen das Programm gestalten. In den Blick genommen werden dabei Kinderbilder des Reformationszeitalters.

Auch die Evangelischen Frauen, die Evangelische Erwachsenenbildung, die Schulstiftung, viele Kirchenkreise aus Nord und Süd sowie die Erprobungsräume stellen sich im Verlauf der Weltausstellung im Bugenhagenhaus vor. »Die vielen Ideen zeugen von der Fülle unserer Landeskirche«, freut sich Adelheid Ebel über die Vielfalt der kommenden Wochen.

Katja Schmidtke

Große Bühne für die Reformation

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Drei, zwei, eins und … los! Jetzt heißt es »Bühne frei« für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg.

Noch in der letzten Woche brauchte man viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, was hinter den Bauzäunen entsteht. Aus Holz und Stahl und Lehm wuchsen in der Lutherstadt Pavillons und Bühnen. Für mehr als 100 Veranstaltungen pro Woche sollen sie vom 20. Mai bis 10. September Platz bieten für Gottesdienste und Podiumsdiskussionen, Workshops, Klassik- und Popkonzerte. Zum Startschuss der Weltausstellung anlässlich des 500. Reformationsjubiläums will die Wittenberger Altstadt von sieben Themengebieten umgeben sein, den »Toren der Freiheit«.

Eine Freiluftausstellung entlang der Altstadtgrenzen Wittenbergs lenkt ab dem 20. Mai den Blick auf die historischen Ereignisse und ihre Folgen bis in die Gegenwart. Bei der Weltausstellung Reformation dienen sieben »Tore der Freiheit« bis Mitte September als Präsentationsfläche für mehr als 80 Aussteller. Kirchen und Organisationen aus aller Welt fragen dabei nach den Herausforderungen unserer Zeit und laden zum Informieren, Mitdiskutieren und Feiern ein. Illu: r2017/G+H

Eine Freiluftausstellung entlang der Altstadtgrenzen Wittenbergs lenkt ab dem 20. Mai den Blick auf die historischen Ereignisse und ihre Folgen bis in die Gegenwart. Bei der Weltausstellung Reformation dienen sieben »Tore der Freiheit« bis Mitte September als Präsentationsfläche für mehr als 80 Aussteller. Kirchen und Organisationen aus aller Welt fragen dabei nach den Herausforderungen unserer Zeit und laden zum Informieren, Mitdiskutieren und Feiern ein. Illu: r2017/G+H

Wer am Hauptbahnhof mit dem Rundgang durch die ehemaligen Wallanlagen um die Lutherstadt startet, kann sich von der größten erklimmbaren Bibel der Welt aus einen Überblick verschaffen. Die Treppe im Turminneren bringt die Gäste im Zickzack dem Himmel näher und soll ihnen einen Perspektivwechsel ermöglichen. Auch der Platz für den Truck des Europäischen Stationenweges ist im Willkommensbereich vorgesehen. Er zeigt Reformationsgeschichten, die er aus verschiedenen Ländern mit nach Wittenberg bringt.

Daneben schicken alle Stationen der vergangenen Monate Städtebanner nach Sachsen-Anhalt. Von ihnen wird der Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt flankiert.

Zu den Themen Spiritualität, Jugend, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Globalisierung, Kultur sowie Ökumene und Religion haben Institutionen aus Politik und Gesellschaft verschiedene Orte zum Innehalten, Lernen und zum Austausch geschaffen, zum Beispiel das »House of One« als interreligiöses Begegnungszentrum oder die Stege am Bunkerberg neben dem Lutherhaus zur Selbsterfahrung und Meditation.

Auch Landeskirchen aus dem Verbund der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tragen mit eigenen Projekten zur Weltausstellung bei. So lassen die Bayern im Torraum Ökumene einen Garten entstehen, der aus jedem Jahrhundert seit Martin Luther einen Reformator der bayerischen Kirchengeschichte vorstellt. Hannover schafft einen »Erlebnis-Raum«, in dem sich Besucher mit der Bedeutung der Taufe auseinandersetzen und an ihr eigenes Christwerden erinnern lassen können.

Einen weiteren Erlebnisraum bietet die Landeskirche Hessen und Nassau rund um das Thema »Segen«. Neben ihrer preisgekrönten »LichtKirche«, die für Trauungen und Taufen gebucht werden kann, soll im Torraum Globalisierung der Segens-Roboter »BlessU-2« zur Diskussion anregen.

Dienstags ist Ruhetag auf der Welt­ausstellung, was aber keine Langeweile bedeutet. Vier Besuchermagnete der Lutherstadt werden durchgehend geöffnet sein: das Riesenrad »Zwischen Himmel und Erde« in den südlichen Wallanlagen dreht sich für Aussichts- und Gesprächssuchende gleichermaßen, denn auf Wunsch steigt ein Seelsorger mit in die Gondel. Yadegar Asisis Panorama »Luther 1517« lädt zu einem Rundgang durch das damalige Wittenberg ein. Und auch die beiden Kunstausstellungen (»Luther! 95 Schätze – 95 Menschen« mit der Mitmachausstellung »Der Mönch war’s!« sowie »Luther und die Avantgarde«) am Ost- und Westende der Altstadt haben Dauerbetrieb.

Christina Özlem Geisler (epd)

Vertrautheit trotz Barrieren

21. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Am Tansaniasonntag, 21. Mai, ist die Kollekte für die Republik in Ostafrika bestimmt. In Mühlhausen pflegt man seit Langem gute Kontakte dorthin.

Die deutschen Jugendlichen sind konzentriert bei der Sache. Schnellstmöglich wollen sie den Tanz lernen, den ihre Gäste aus ihrem Heimatland mitgebracht haben. »Zeigt uns die Schritte«, bitten sie auf Englisch. »Schritte? Welche Schritte? Wir zählen nicht, wir tanzen«, kommt es von den Tansaniern zurück. Und, auch wenn es die Deutschen nicht für möglich gehalten hätten, so ohne »Gebrauchsanweisung«, kurz darauf tanzen alle unbeschwert und harmonisch miteinander. Es sollen noch viele derartige Momente folgen in den 15 gemeinsamen Tagen, Augenblicke, in denen sich Hemmungen, Barrieren in Sprache und Kultur, in Luft auflösen. Der Besuch von sieben jungen Menschen und ihrem Jugendpfarrer aus Tandala in Tansania ist das Ergebnis eines lang geplanten Austausches mit dem Kirchenkreis Mühlhausen.

Die Anfänge liegen 30 Jahre zurück, als der heutige Referent für Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, Micha Hofmann, bei der Diakonen-Ausbildung in der Evangelischen Stiftung Neinstedt zwei Tansanier kennenlernte. »Wir besuchen euch mal«, sagte man sich zum Abschied, wohl wissend, dass die politischen Umstände dies damals unmöglich machten. 1991 folgte der erste Besuch in dem ostafrikanischen Land. Der Kontakt blieb über die Jahre bestehen – und der gemeinsame Traum, einen Jugendbegegnungsaustausch ins Leben zu rufen.

2016 ein erneuter Besuch in Tansania, am Palmsonntag dieses Jahres schließlich landeten sieben Tansanier im Alter von 18 bis 25 Jahren und ihr Betreuer, um die folgenden gut zwei Wochen mit sieben gleichaltrigen Deutschen in Mitteldeutschland zu verbringen.

Miteinander essen, reden und beten: Die gemeinsame Zeit beim Jugendbegegnungsaustausch machte schnell aus Fremden Freunde. Foto: Micha Hofmann

Miteinander essen, reden und beten: Die gemeinsame Zeit beim Jugendbegegnungsaustausch machte schnell aus Fremden Freunde. Foto: Micha Hofmann

»Es war für uns alle überwältigend, wie schnell die anfängliche Scheu und Unsicherheit verflogen waren, wir locker und offen miteinander umgingen. Schon als wir uns am ersten Abend zum Feedback um den Altar versammelten, fühlte es sich so an, als ob wir schon eine Woche zusammen wären«, erzählt Teilnehmer Benedikt Nitsch. Und das, obwohl neben der Sprachbarriere – die Verständigung lief auf Englisch, mit Gesten, Händen und Füßen – kulturelle Unterschiede offenkundig wurden.

Da war zum Beispiel die Geschichte eines Tansaniers, Anfang 20, der Labortechniker werden will, auch das Zeug dazu hat, in seiner Heimat aber als Eierverkäufer arbeitet, um seiner jüngeren Schwester die Schulausbildung mit zu finanzieren. Oder die einer jungen Näherin, zweifache Mutter, die das Schicksal vieler junger Tansanierinnen teilt, vom Mann verlassen im gesellschaftlichen Ansehen weit unten zu stehen. »Es sind nicht nur Annehmlichkeiten wie fließendes warmes Wasser, die nach solchen Begegnungen das eigene Leben in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen«, sagt Teilnehmerin Elisabeth Dauphin. Und auch zum Nachdenken über die Art, den christlichen Glauben zu leben, regten die Begegnungen an.

Vieles wurde angestoßen, in den Teilnehmern beider Seiten bewegt. »Nun besteht die Herausforderung, dass es im Alltag nicht gleich wieder flöten geht. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir den Kontakt weiter pflegen«, sagt Benedikt Nitsch.

Nachhaltig soll der Austausch sein: Ein Gegenbesuch ist bereits geplant und zwei der deutschen Teilnehmerinnen werden sich sogar für ein freiwilliges soziales Jahr in Tansania beim Leipziger Missionswerk bewerben.

Anke Pfannstiel

www.lmw-mission.de

Prost, Martin!

21. Mai 2017 von redaktionguh  
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Längst ist Martin Luther zur Marke geworden. Nicht nur als »markiger Typ mit markigen Sprüchen«, sondern auch als farbiger Lutherzwerg beziehungsweise als der Renner: Luther-Playmobil – mit Ersatzteiloption.

Was ist das Verramschen dessen, was uns wichtig, vielleicht gar noch heilig ist? Ein Christusfest soll gefeiert werden? Dies feiern wir doch ohnehin zu Weihnachten und zu Ostern. Ein zündender oder das Volk bewegender Gedanke ist wahrlich bisher nicht zu erkennen, so gut gemeint das alles sein mag.

Mag sein, dass nun unsere Urenkel lernen, dass das Jubiläum von 2017 die Selbstabschaffung des Protestantismus beschleunigt hätte. So schwarz zu sehen, besteht jedoch kein Anlass, schaut man sich die redliche Bemühung an, das Jubiläum zur Selbstbesinnung zu nutzen, den Finger auf die Wunden unserer Welt zu legen und zugleich auch unser Halleluja zu singen. Das Trutzige »ein gute Wehr und Waffen« ist uns sicher nicht erst seit Aleppo vergangen. Und der ökumenische Impuls ist bei allen Vorbereitungen erkennbar.
Luther war ein begeisterter Biertrinker und davon überzeugt: wenn er mit seinem Freunde Philippus in Wittenberg abends sein Wittenbergisch Bier getrunken habe, dann sei doch das Evangelium von allein in die ganze Welt gelaufen. Also: Prost, du wunderbarer Tischgeselle Martin Luther. Doch ein Bibelwort auf einem Bierdeckel ist wohl nicht der richtige Umgang mit dem, was uns im Innersten berührt und zum Äußersten befähigt.

Wenn wir das Evangelium hören und an uns heran- und in uns hineinlassen, dann ist das Wort von Martin Niemöller noch nicht ganz vergessen: »Was würde Jesus dazu sagen?«

Friedrich Schorlemmer

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