Die Zukunft ist sein Land

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Bei uns liegt er in der Schublade an der Garderobe, unser Gemeindebrief. Eine unverzichtbare Informationsquelle. Fast jede Kirchengemeinde hat einen. Die Reichweite beträgt weit über 80 Prozent. Etwa 650 000 Gemeindeglieder kommen theoretisch in den Genuss ihres Kirchenblättchens. Das ist eine unglaubliche Quote, die keine andere kirchliche Publikation erreicht. Die ehrenamtlichen Redaktionsteams in den Kirchengemeinden machen ihre wichtige Arbeit effektiv und nahezu geräuschlos.

Vor drei Jahren haben wir im Rahmen der EKM-Erprobungsräume mit der Entwicklung eines Gemeindebriefportals im Internet begonnen. Die Idee, Kirchenzeitung und Gemeindebriefe zusammenzubringen, hatte vor einigen Jahren Ralf-Uwe Beck, der Pressesprecher der EKM. Dank der Weitsicht der Landessynode, die damals die Projektfinanzierung beschlossen hat, kann das Redaktionsportal jetzt an den Start gehen.

Vier Gemeindebrief-Redaktionen aus Elbingerode, Naumburg, Kapellendorf und Erfurt haben ihre erste Pilot-Ausgabe im Portal erstellt. Am Sonnabend werden sie die Ergebnisse bei einem Fachtag im Landeskirchenamt vorstellen. Dazu haben sich über 100 Interessierte aus unserem Verbreitungsgebiet angemeldet. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Deshalb wollen wir im neuen Jahr für alle, die nicht dabei sein können, einen weiteren Fachtag anbieten.

Als Kirchenzeitung unterstützen wir die Gemeindebrief-Redaktionen. Auch »Glaube+Heimat« soll demnächst im Portal entstehen. Die Inhalte stehen dann sowohl gedruckt als auch im Internet zur Verfügung. Das ist neu und aufregend. Wir sind zuversichtlich: Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Fürbitten mit der Zwiebelmarktkönigin

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Mit Lisa Hoehnke (Foto) wirkte zum ersten Mal eine Zwiebelmarktkönigin beim mittlerweile 19. Zwiebelmarkt- Gottesdienst von Falk-Verein und Kirchengemeinde auf der Bühne am Herderplatz mit. Die 25-Jährige engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde in Weimar-Nord. Sie hat in Jena Sozialwesen studiert und arbeitet derzeit in einem Weimarer Cafe. Der Freiluft-Gottesdienst konnte bei strahlendem Sonnenschein gefeiert werden. Die Predigt hielt Stadtkirchen-Pfarrer Sebastian Kircheis. Für die Musik sorgten der Posaunenchor der Kreuzkirche unter der Leitung von Brigitte Kliegel und der Gospelchor »Jakob Singers«. Moderiert wurde der Gottesdienst vom MDR-Journalisten und Falk-Vereins-Vorsitzenden Paul Andreas Freyer. Die Kollekte ist für das Projekt »Tafel plus« gedacht.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Sie werden ein Fleisch sein

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Lebendspende: Auf ihren Garten sind Silke und Uwe Alberti zu Recht stolz. Hinter ihrem Haus in Apolda steigt er an. Gerade im goldenen Herbst ein Refugium mit Gewächshaus, bewachsenem Spalier, Sitzecke und Pavillon.

Das Ehepaar trinkt Espresso und genießt die Abendsonne. Als sie am 12. April 2010 die Haustüre abschließen, um nach Jena in die Universitätsklinik zu fahren, war nicht klar, ob sie diese Idylle jemals wieder gemeinsam erleben können.

Uwe hat eine Autoimmunerkrankung. Der Fachbegriff Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) kommt ihm locker über die Lippen. Eine Verengung der Gallengänge, so dass die Galle aus der Leber nicht mehr abfließen kann. Die Leber entzündet sich. Als Uwe Alberti zum ersten Mal mit 40 Fieber in die Notaufnahme muss, schreibt der Arzt auf die Einwilligungserklärung: »Die Untersuchung kann zum Tod führen.« Fünf Monate mit Fieber­schüben, Blutvergiftung, Gelbsucht, Antibiotika-Behandlung, Schmerzen und Schwächeanfällen folgen.

Dann ist klar: Besserung oder überhaupt ein Weiterleben ist nur mit einer gesunden Spenderleber möglich. Damit ist der selbstständige Fernsehtechniker-Meister einer von 3 000 Patienten, die auf eine der verfügbaren knapp 500 Spenderlebern warten. Zwischenzeitlich stabilisiert sich sein Gesundheitszustand wieder. Das ist ein Nachteil, denn auf der Rangliste der Bedürftigen rutscht er damit wieder weit nach hinten. Nur wer die nächsten 72 Stunden nicht überleben würde hat die Chance, eher dranzukommen. Die Wartezeit beträgt im Schnitt drei Jahre. Für viele kommt die Nachricht zu spät.

Freuen sich des Lebens: Ehepaar Alberti genießt die Zeit zu zweit. »Ohne Silkes Spende würde ich heute nicht mehr leben«, ist sich Uwe Alberti sicher. Foto: Willi Wild

Freuen sich des Lebens: Ehepaar Alberti genießt die Zeit zu zweit. »Ohne Silkes Spende würde ich heute nicht mehr leben«, ist sich Uwe Alberti sicher. Foto: Willi Wild

Für Silke Alberti beginnt eine stressige Zeit. Tagsüber arbeitet sie in ihrem Floristikgeschäft, abends fährt sie nach Jena und verbringt die Zeit am Krankenbett ihres Mannes. Heute sagt sie, dass es auch ein Stück weit Selbstschutz gewesen sei, als sie sich entschließt: Ich spende Uwe einen Teil meiner Leber. Der lehnt zunächst ab. »Es ist doch verrückt, einen gesunden Menschen zu zerschneiden, nur damit es mir wieder besser geht«, meint er.

Als dann aber die Untersuchungen ergeben haben, dass die Voraussetzungen für eine Lebendspende gegeben sind, und Silke unbeirrt bleibt, willigt er ein.

Rückblickend sagt sie: »Mir war damals klar: das klappt. Da war ein absolutes Gottvertrauen.« Bei Uwe überwiegt die Skepsis: »Ich habe in mancher Nacht meine Todesanzeige vorgestaltet, weil ich dachte, das überlebe ich nicht«.

Vor dem OP-Termin regelt Uwe alles, als gäbe es kein Danach. Er beteiligt einen Mitarbeiter an der Firma, macht ein Testament und bestellt die Zeitung ab. Für Silke kam das nicht infrage. Sie denkt bereits an die Zeit nach dem Eingriff.

Am 13. April ist es dann endlich so weit. Um 7 Uhr wird Silke in den Operationssaal geschoben, um 10 Uhr folgt Uwe. Um 17 Uhr, 10 Stunden später, legen die Ärzte das Operationsbesteck aus der Hand. Es ist geschafft. Nun beginnt die Zitterpartie und das bange Warten. Wird das Organ im Körper angenommen? Kann die Funktionalität hergestellt werden? Wie verkraftet Silke die Entnahme von zwei Drittel ihrer Leber? Die Sterblichkeitsrate in den ersten Wochen ist bei Transplantierten sehr hoch. Uwes Ziel war es, den 49. Geburtstag noch zu erleben.

11 Tage nach der OP ist es so weit. Seinen zweiten Geburtstagstermin hat er nun immer am 13. April.

»Der Pfarrer sagte bei unserer Trauung, ihr werdet ein Fleisch sein«, meint Uwe und lächelt dabei verschmitzt. »Bei uns stimmt das. Ich habe ein Stück Silke in mir.« Die Gebete und Unterstützung von Freunden aus der Kirchengemeinde haben beiden geholfen. Silke findet Halt in der Liturgie. Für Uwe muss es eine gute Predigt sein. Mittlerweile sind über acht Jahre seit der Operation vergangen. Beide müssen sich schonen und passen aufeinander auf.

Uwe ist aktiver Rentner und studiert seit zwei Jahren in Jena Astrophysik. Silke fertigt ihre kunstvollen Blumensträuße und -gebinde von Zuhause aus. »Wir leben heute viel ruhiger als früher und genießen die Zeit, die wir jetzt miteinander haben.« Für sie war die Spende selbstverständlich und nicht der Rede wert. Uwe sieht das anders: »Silkes Lebendspende schafft eine ewige Verbindung. Etwas Größeres kann ein Mensch nicht für einen anderen tun.«

Mit dieser Erfahrung wirbt Uwe Alberti leidenschaftlich und pausenlos für den Organspendeausweis. Silke lehnt den Ausweis ab. Für sie kommt eine generelle Bereitschaft zur Organspende überhaupt nicht in Frage. Sie will nicht ausgeschlachtet werden. Die Vorstellung, dass eine Klinik Geschäfte mit ihren Organen machen könnte, macht sie wütend. Uwe lässt sich davon nicht beirren: »Bitte füllen Sie den Ausweis aus, egal wie.«

Am Vorabend vor dem gemeinsamen Gang ins Krankenhaus haben Silke und Uwe Alberti in ihrem Garten noch eine Pfingstrose gepflanzt. In der chinesischen Gartenkunst symbolisiert die Päonie ein Liebespfand. »Die mickert so vor sich hin«, sagt Uwe und lacht dabei. »Die braucht Geduld und Pflege, wie wir«, meint die Floristmeisterin Silke.

Willi Wild

www.uwe-alberti.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wenn blinder Hass auf Liebe stößt

20. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Römer 12, Vers 21

Dieser Vers war doch eben erst Jahreslosung, schießt es mir durch den Kopf. Schnell google ich danach und merke: mein »eben erst« ist schon wieder sieben Jahre her. Die Zeit vergeht, und in den vergangenen sieben Jahren hat sich einiges in der Welt verändert. Und doch ist gerade diese Zeile des Römerbriefes in ihrer biblischen Zeitlosigkeit noch aktueller und zeitloser geworden, als sie es 2011 war.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Gut und böse – schwarz und weiß – sind oftmals schwer zu trennen. Dennoch nehmen der Hass und die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft stetig zu. Wir lesen die Zeilen aus Chemnitz, verfolgen die politischen Veränderungen im Land und hören von immer mehr Menschen, bei denen christliche Nächstenliebe an der Grenze endet. Populismus mit scheinbar einfachen Lösungen breitet sich aus. Die Falle der Banalität schnappt zu.

Umso entscheidender ist es doch, dass gerade wir als Christen uns nicht ebenfalls einfangen lassen, sondern das Böse mit Gutem überwinden. Dass wir in Offenheit und Nächstenliebe zeigen, was es heißt, sich eben nicht den platten Parolen hinzugeben. Mit offenem Herzen und der Vernunft des Glaubens durch das Leben zu schreiten, fällt wahrhaftig nicht immer leicht. Aber von der Leichtigkeit des christlichen Glaubens steht in der Mahnung des Paulus an die Gemeinde im 12. Kapitel des Römerbriefes auch nichts geschrieben. Christus nachzufolgen und Gott zu dienen kann, besonders im säkularen Raum, wie wir es alle allzu gut wissen, nicht immer einfach sein. Gerade das Böse mit Gutem zu überwinden scheint häufig, als müsse man gegen einen Orkan anpusten.

Und obgleich viel Ausdauer und ein kräftiges Lungenvolumen von Nöten sind, kann jede und jeder für sich immer wieder aufs Neue dagegen angehen. Denn wenn auf ein Scheltwort ein Wort der Versöhnung folgt, wenn blinder Hass auf Liebe stößt und wenn Gewalt Friedfertigkeit begegnet, so überwinden wir das Böse mit Gutem. Jeden Tag aufs Neue. Heute, morgen und auch noch in sieben Jahren.

Felix Kalbe, Theologiestudent und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Widerspruch ist (k)eine Lösung

19. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Organspende: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für die Widerspruchs­lösung bei der Organspende ausgesprochen. Danach solle jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, solange nicht dagegen widersprochen wird.

Knapp ein Drittel der Deutschen besitzt einen Organspendeausweis, aber mehr als 10 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Sie warten oft jahrelang auf eine Niere, eine Leber, ein Herz – viele vergeblich. 2017 sanken die Organspendezahlen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Bisher sind in Deutschland Organentnahmen nach dem Tod nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt. Gesundheitsminister Spahn schlug nun kürzlich die so genannte Widerspruchslösung vor. Danach soll jeder, der nicht ausdrücklich widerspricht, automatisch als Spender gelten. Bei der so genannten Widerspruchslösung wird aus meiner aktiven und freien Entscheidung zur Organspende ein Zwang. Das ist ein schwerer Eingriff in die persönliche Integrität und individuelle Gewissensfreiheit. Hinzu kommt, dass ein sterbender Mensch eine eigene Würde besitzt. Er kann sogar die Organspende verfügt haben, aber seine Würde darf nicht dadurch relativiert und verletzt werden, dass er am Ende seines Lebens als Materiallager für andere Menschen angesehen wird. Organspende muss Spende bleiben: eine aktive und freiwillige individuelle Entscheidung.

Das lange Warten: Mit einer Plakataktion warb die Stiftung »Fürs Leben« vor vier Jahren bundesweit für Organspenden. Das Plakatmotiv zeigt Michael Stapf (28), der damals bereits seit acht Jahren auf eine Niere wartete. Er wurde für die Aufnahmen im Krankenbett zum Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin gebracht. Foto: epd-bild

Das lange Warten: Mit einer Plakataktion warb die Stiftung »Fürs Leben« vor vier Jahren bundesweit für Organspenden. Das Plakatmotiv zeigt Michael Stapf (28), der damals bereits seit acht Jahren auf eine Niere wartete. Er wurde für die Aufnahmen im Krankenbett zum Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin gebracht. Foto: epd-bild

Um die Spendenbereitschaft zu erhöhen, ist es wirkungsvoller, endlich transparent mit dem Thema Organspende umzugehen. Vorbild ist für mich der alternative Organspendeausweis, den die Evangelischen Frauen in Deutschland entwickelt haben (www.organspende-entscheide-ich.de). Er berücksichtigt drei wesentliche Aspekte: Zum Ersten die Verfügung, eine Organentnahme nur unter Vollnarkose vorzunehmen. Denn auch ein so genannter hirntoter Mensch ist ein sterbender Mensch. Niemand kann sagen, ob und was er noch erlebt und fühlt.

Zum Zweiten sieht der alternative Organspendeausweis die Begleitung durch Angehörige oder andere nahestehende Personen vor. Eine solche ist wichtig, denn der Sterbende, auch der Hirntote, wird im Blick auf die mögliche Organentnahme weiter medizinisch behandelt und wirkt darum für Anwesende nicht als sterbend. Das erschwert den Abschied von ihm oder ihr. Zur Würde des Menschen gehört auch eine Würde des Sterbens, eine Würde, die im Abschiednehmen zum Ausdruck kommt.

Und zum Dritten unterscheidet der alternative Organspendeausweis zwischen Organspende und Gewebespende. Die Gewebespende kann auch noch Stunden nach dem Tod erfolgen; ein hirntoter Mensch muss für sie nicht wie bei der Organspende künstlich am Leben gehalten werden. Von dieser Praxis weiß die Öffentlichkeit noch zu wenig.

Organspende? Ja! Als eine Spende im Wortsinne, über die jeder Mensch individuell entscheidet. Dann können Organ- und Gewebespenden sogar einen Aspekt von Nächstenliebe abbilden. Sie zur Pflicht zu machen, verletzt dagegen das Selbstbestimmungsrecht und damit die Würde des Menschen. Und zudem brauchen wir mehr individuelle und soziale Aufmerksamkeit für die Frage: Wie gelingt es uns, angemessen und menschlich mit Leid umzugehen – ohne unnötiges Leiden zu fordern oder zu fördern?

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Aus »zeitzeichen – evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft«

www.zeitzeichen.net

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Paradies im Sperrgebiet

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Bad Colberg: Vor der Wende nur mit einer Sondererlaubnis erreichbar, zieht der Kurort im südlichen Thüringen heute zahlreiche Gäste an. Mit der restaurierten Kirche St. Katharina ist er nun um ein Glanzstück reicher.

Bad Colberg dürfte der unbekannteste Kurort Thüringens sein. Wer den ausgewiesenen Weg von der A 73 nimmt, kommt zunächst im Freistaat Bayern an und greift irritiert zur Landkarte. Der malerische Ort ist Coburg viel näher als Hildburghausen. Diese Halbinsellage im äußersten Süden prägte und ließ während der Zeit der innerdeutschen Teilung das Leben anders gehen und hinterließ Narben. Unmittelbar hinter einigen Häusern verlief die Selbstschussanlage der Grenze.

Wunderschön ist hier die Landschaft. Kurbetrieb gibt es seit 1910. Die moderne Terrassentherme der Median-Klinik mit ihren warmen Mineralquellen bietet Badefreude für jedermann. Einige der schmucken Fachwerkhäuser haben Ferienwohnungen, und das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg (2016 eröffnet) sorgt für überregionale Aufmerksamkeit.

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Seit dem vergangenen Wochenende hat sich nun ganz offiziell ein weiteres lohnendes Ziel hinzugesellt: die St. Katharina Kirche in Bad Colberg. Superintendent Johannes Haak nannte sie in seiner Festpredigt am 29. September zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten ein »Paradies von sieben mal neun Metern«. Aus der Wegkapelle, erstmalig 1528 erwähnt, wird im 17. und 18. Jahrhundert eine kleine Kirche, mal zu den Hennebergern gehörend, mal zu den Wettinern, aber immer wertgeschätztes Gotteshaus einer lebendigen Gemeinde.

Uwe Voit, Kirchenältester seit 2007, fasst es so zusammen: »Unsere Eigenständigkeit ist uns wichtig, damit wir über unser Gemeindeleben auch selbst bestimmen können.« 80 der 127 Einwohner gehören zur evangelischen Kirchengemeinde, Ort und Kirche sind eng verbunden und ehrenamtliche Arbeit ist selbstverständlich. Die permanente Mobilität erschwere jede Organisation, doch die Heimatverbundenheit bleibe. Die Kirmes wird beispielsweise mit allem Drum und Dran gefeiert, es gibt immer ein Krippenspiel, meist auch ein Osterspiel und Feiertage ohne Gottesdienst sind undenkbar.

Seit Pfarrerin Sylvia Graf von Heldburg her sieben Gemeinden zu versorgen hat, ist nur noch aller vier Wochen regulärer Gottesdienst. Dass die Kirche an den Wochenenden geöffnet und mit frischen Blumen geschmückt wird, ist Herzensangelegenheit von Marga Müller und Rosa Ameiß-Becker. »Wo Gottes Wort gepredigt wird, muss der Anblick auch würdig und passend sein«, so ihre Meinung.

Das Engagement der Gemeinde für ihre Kirche schätzt auch Ingo Kronacher vom Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld. Er half bei der Vorbereitung und Organisation der Kirchenrestaurierung. »Wenn Gemeinden sich kümmern, bin ich gern dabei und unterstütze.« Die ersten restauratorischen Untersuchungen liefen 2007 an, 2014 folgte die Fertigstellung der Bauhülle und zwei Jahre später die Innenrestaurierung, für die gut 27 000 Euro zusammengetragen werden mussten. Geholfen haben neben kirchlichen und staatlichen Stellen auch viele Einzelspender. Zu ihnen gehört jetzt auch Lothar Hoffmann. Der Tierarzt aus Heldburg überraschte die Gemeinde am Einweihungstag spontan mit 700 Euro. Er wolle damit als Jagdpächter den Colbergern für ihr Vertrauen danken und helfen, Kirchen als »Zeichen unseres Glaubens und unserer Lebensart« zu erhalten.

Uta Schäfer

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Synodenpräses: Kein Mangel an Kandidaten

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Dieter Lomberg über die bevorstehenden Bischofswahlen

Der Bischofswahlausschuss der EKM bekommt viel Arbeit. Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt wechselt als Landesbischöfin in die Nordkirche. Und in der EKM wird für Landesbischöfin Ilse Junkermann ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Dieter Lomberg, der Vorsitzende des Bischofswahlausschusses, antwortet auf die Fragen der Kirchenzeitung:

Mit Pröpstin Kühnbaum-Schmidt verliert die EKM eine profilierte Führungspersönlichkeit. Wie sieht der Zeitplan für die Wahl der Nachfolgerin, des Nachfolgers aus?
Lomberg:
Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt ist nicht nur eine profilierte, sondern auch eine prägende Persönlichkeit. Sie hat viele Anstöße zum Nachdenken gegeben, konstruktive Ideen eingebracht und Dinge kritisch und vor allem theologisch hinterfragt.

Es wird jetzt das in der EKM festgelegte Verfahren beginnen. Der Bischofswahlausschuss wird von mir einberufen, sich konstituieren, eine Findungsgruppe bilden und sich mit Kandidatinnen und Kandidaten befassen, die für das Amt geeignet sind. Am Ende steht dann die Wahl in der Synode. Wann das genau sein wird, kann ich noch nicht sagen.

Hat der Bischofswahlausschuss zur Kandidatensuche für die Nachfolge von Landesbischöfin Ilse Junkermann bereits getagt und gibt es schon Kandidaten?
Lomberg:
Zum Bischofswahlausschuss kann ich nur sagen, er macht seine Arbeit mit großem Engagement, großer Sorgfalt und nach den rechtlichen Vorgaben unseres kirchlichen Rechts.

Wie ist die Lage im Sprengel Halle-Wittenberg? Ist Propst Johann Schneider nach der gescheiterten Kandidatur in Oldenburg dort nun ein Kandidat auf Abruf?
Lomberg:
Er ist selbstverständlich kein Propst auf Abruf! Es ist immer eine Ehre, wenn eine Kirche jemanden für wert erachtet, für ein kirchenleitendes Amt zu kandidieren. Es gehören Mut und Gottvertrauen dazu, sich auf dieses Verfahren einzulassen.

Dieter Lomberg: Präses der Landessynode und Vorsitzender des Bischofswahlausschusses. Foto: Willi Wild

Dieter Lomberg: Präses der Landessynode und Vorsitzender des Bischofswahlausschusses. Foto: Willi Wild

Es spricht doch für die EKM, dass eine Pröpstin und ein Propst von den Wahlausschüssen anderer Kirchen für fähig gehalten wurden, das Amt einer Landesbischöfin bzw. eines Landesbischofs in ihrer Kirche gut ausfüllen zu können. Gott hat für Propst Schneider einen anderen Weg gewählt als für Pröpstin Kühnbaum-Schmidt. Anders als in den weltlichen Organisa­tionen und Unternehmen gibt es in der EKM keinen Grund, an der Loyalität zur Kirche und zum Amt zu zweifeln oder gar danach zu streben, ihn oder sie aus dem Amt zu drängen. Das wäre Unsinn.

Gehen der EKM langsam die Führungskräfte aus? Plädieren Sie eher für Lösungen von außen oder tendieren Sie mehr zu internen Kandidaten?
Lomberg:
Der EKM gehen weder schnell noch langsam die Führungskräfte aus! Wir haben viele Frauen und Männer, die sehr gut geeignet sind, Führungsämter in unserer Kirche zu übernehmen. Wir sehen sehr genau, wer sich für welches Amt wann eignen könnte und eignet. Deshalb gibt es keine pauschale Festlegung auf »außen oder innen« bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten. Wir fragen: was und wen will wann Gott in welchem Amt in unserer Kirche?

Kommen für die Ämter auch Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer infrage oder geht die Suche erst ab Superintendent los?
Lomberg:
Natürlich kommen für die Ämter auch Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer in Frage, wenn sie geeignet sind. Wir haben solche Personen durchaus, und in der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) hat es das auch schon gegeben, dass sie in Leitungsämter gewählt wurden. Ich erinnere an Bischof i. R. Axel Noack.

Ich zitiere einen Superintendenten: Die Anforderungen für die Kirchenleitungsebene seien so hoch, dass sie vermutlich nur von Jesus selbst erfüllt werden können. Warum ist das so?
Lomberg:
Wenn ein Superintendent das meint, frage ich mich, welches theologische Verständnis von den Ämtern der Kirchenleitung dahintersteht. Ich weiß nur aus der Bibel, dass Jesus eine Vielzahl von Menschen berufen hat. Sehen Sie sich die Geschichten dieser Menschen an, dann werden Sie feststellen: Gott beruft nicht die Befähigten, sondern befähigt die Berufenen! Nehmen Sie nur Noah, Mose, Petrus und Paulus. Die haben sicherlich nicht die hohen Anforderungen erfüllt, die sich der von Ihnen zitierte Super­intendent vorstellt, aber sie haben als Werkzeuge Gottes Großes geleistet.

Die Fragen stellte Willi Wild.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Eine geht, einer bleibt

EKM-Regionalbischöfe sind begehrt

Die Regionalbischöfin des Sprengels Meiningen-Suhl, Pröpstin Kristina Kühnbaum-Schmidt, ist neue Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche. Die 54-Jährige erhielt bereits im ersten Wahlgang die erforderlichen Stimmen der Landessynode. Kühnbaum-Schmidt wird ihr neues Amt am 1. April 2019 antreten. Sie wird am 10. Juni, Pfingstmontag, im Schweriner Dom in ihr Amt eingeführt. Nach der Abstimmung im Kirchenparlament sagte die Theologin, sie sei dankbar für das große Vertrauen und freue sich auf Schwerin. Schwerin ist Sitz der Landesbischöfin. Aufgabe der nächsten Monate werde sein, ihren Bischofsbezirk in Thüringen »gut und geordnet« zu hinterlassen. Ihren Dienst in der Nordkirche werde sie damit beginnen, erst einmal zuzuhören.

Der Regionalbischof des Sprengels Halle-Wittenberg, Propst Johann Schneider, unterlag im dritten Wahlgang bei der Bischofswahl in Oldenburg Oberkirchenrat Thomas Adomeit. Schneider bezeichnete seine Entscheidung, die Anfrage der Präsidentin der Oldenburger Synode positiv zu beantworten und für die Wahl des Bischofs zu kandidieren, als eine positive Erfahrung. Enttäuscht zeigte sich der Theologe über die seiner Meinung nach »ungleichen Bedingungen« für die beiden Kandidaten.
Nach dem Bekanntwerden seiner Kandidatur im August habe er viele Rückmeldungen aus der EKM bekommen, die einen möglichen Wechsel bedauerten. Umso erfreuter seien diese Menschen, dass er nicht gewählt wurde, so Schneider gegenüber der Kirchenzeitung. »Das erleichtert mir das Hierbleiben, stärkt meine innere Haltung und gibt mir Mut, meinen Dienst mit neuem Elan fortzusetzen.« Er habe viele Ideen, die er gerne mit Menschen guten Willens in der EKM teilen und umsetzen möchte.

(G+H/epd)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ein Weg, der sich lohnt

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Jubiläum: Pilgerroute auf den Spuren Luthers in Sachsen-Anhalt besteht seit zehn Jahren

Als sich der Landwirt Wolf von Bila aus Wohlsdorf bei Köthen am 25. August 2006 mit einer Idee an die Landeskirche Anhalts wandte, war nicht abzusehen, was daraus werden würde. Sein Vorschlag lautete, die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg durch einen Pilgerweg zu verbinden. Einen Monat später gab es das erste Planungstreffen in seinem Haus. Vertreter von Kirchen, Kommunen und Tourismusverbänden ließen sich von der Idee anstecken. Zwei Jahre später wurde der Lutherweg durch Sachsen-Anhalt eingeweiht. Er war der erste auf den Spuren des Reformators überhaupt. Heute ist er ein Wegenetz, das sich durch sechs Bundesländer zieht.

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Zum zehnjährigen Bestehen des Lutherweges Sachsen-Anhalt würdigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ihn als touristisches und spirituelles Projekt. »Die Idee, Luthers zahlreiche Wege nachzuzeichnen und Pilger ebenso wie Wanderer zu bedeutenden Orten der Reformation in Sachsen-Anhalt zu führen, ist aufgegangen«, sagte er einem Festakt am 4. Oktober in Kemberg bei Wittenberg. »Ich bin froh, dass der Lutherweg auch nach dem Reformationsjubiläum 2017 weiter besteht und bestehen wird. Vor diesem Hintergrund ist das zehnjährige Jubiläum ein wichtiger Zwischenschritt«, so Haseloff, der auch Schirmherr des Lutherweges in Sachsen-Anhalt ist.

Der Lutherweg Sachsen-Anhalt war am 28. März 2008 in Höhnstedt nahe der Lutherstadt Eisleben von Vertretern aus Kirche, Tourismus, Politik und von Verbänden eingeweiht worden. Er verbindet im Sinne seines Erfinders auf dem Rundkurs die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg. Im Norden verläuft er durch Anhalt, im Süden durch Halle an der Saale. 2017 wurde eine zusätzliche Strecke von Zerbst nach Magdeburg aufgenommen.

Hinter Eisleben führt der Weg, der insgesamt rund 460 Kilometer lang ist, nach Mansfeld-Lutherstadt und weiter in Richtung Thüringen. Nach und nach kamen weitere Lutherwege in Thüringen, Sachsen, Bayern, Hessen und zuletzt in Brandenburg dazu. Als Dachorganisation sichert die Deutsche Lutherweg-Gesellschaft die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Lutherwegen. Zugleich ist sie Trägerin der Koordinationsstelle für den Lutherweg Sachsen-Anhalt, die von Grit Gröbel geleitet wird.

Bei der Jubiläumsfeier erinnerte der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Pfarrer Ekkehard Steinhäuser, an einige Initiatoren des Lutherweges: an den oben genannten, 2012 verstorbenen Wolf von Bila oder den katholischen Pfarrer Willi Kraning. In einem Referat wies Steinhäuser darauf hin, dass Luther das Pilgern mit dem Ziel, dadurch Gottes Gnade zu erreichen, abgelehnt habe. Zugleich gebe es heute aber zahlreiche Gründe für ein »evangelisches Pilgern«, etwa das Erlebnis des gemeinschaftlichen Christseins. »Außerdem kann man beim Pilgern seinen Problemen nicht weglaufen, man ist sich selbst näher und kann auch Gott besser zuhören.«

Steinhäuser würdigte in einem Gespräch mit der Kirchenzeitung auch die Arbeit der ehrenamtlichen Weg-Pfleger, von denen bei der Feier in Kemberg einige ausgezeichnet wurden. Für die Zukunft des Weges wünscht er, dass es immer wieder und immer mehr Menschen gibt, die nach dem Pilgern mit dem Gefühl innerer Zufriedenheit nach Hause zurückkehren und sagen: Ja, das Pilgern tut gut.

(G+H)

www.lutherweg.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ein Retter seiner Heimatkirche

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Porträt: Er hat in vielen Kirchen als Künstler und Restaurator seine Spuren hinterlassen. Dafür wurde am 2. Oktober der Maler und Grafiker Gert Weber mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Unter dem Motto »Kultur verbindet!« überreichte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Vorabend des »Tages der Deutschen Einheit« im Schloss Bellevue die hohe Ehrung des Verdienstordens an 13 Frauen und 16 Männer aus Deutschland, Frankreich, Israel, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika. Er betonte ihre Verdienste und ihr kulturpolitisches Engagement.

Zu den Ausgezeichneten gehören der Komiker Otto Waalkes, der Fotograf Jim Rakete, der Maler Neo Rauch, der Sprecher Christian Brückner und der Filmkomponist Hans Zimmer (»König der Löwen«) ebenso wie die Regisseurin Caroline Link, die Sängerin und Musikproduzentin Annette Humpe, die Schauspielerin Julia Jentsch (»Hannah Arendt«) und die Bratschistin Tabea Zimmermann. Dass er einmal in einer Reihe mit all diesen Prominenten stehen würde, hätte er sich zu DDR-Zeiten nicht vorstellen können. Damals geriet er immer wieder in Konflikt mit dem »real existierenden Sozialismus« und wurde in seiner künstlerischen Entwicklung eingeschränkt. Er freut sich aber auch, dass unter den früheren Preisträgern Erich Loest und Reiner Kunze zu finden sind, denen er sich besonders verbunden fühlt.

Arbeit in luftiger Höhe: Mehr als zwei Jahrhunderte musste die barocke St.-Crucis-Kirche in Wölfis (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf) ohne ein Deckenbild auskommen. 2007 verhalf ihr Gert Weber mit dem »Kreuzweg« zu einem zum Patronat passenden Gemälde. Foto: privat

Arbeit in luftiger Höhe: Mehr als zwei Jahrhunderte musste die barocke St.-Crucis-Kirche in Wölfis (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf) ohne ein Deckenbild auskommen. 2007 verhalf ihr Gert Weber mit dem »Kreuzweg« zu einem zum Patronat passenden Gemälde. Foto: privat

Mit der Verleihung des Verdienstordens an Gert Weber (67) wird die von ihm initiierte und von 1986 bis 1991 durchgeführte Restaurierung der Dreifaltigkeitskirche in seinem Geburtsort Gräfenhain (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf) gewürdigt. »Seit den 1980er-Jahren engagiert er sich für dieses sakrale Kleinod, das heute eine der am besten erhaltenen barocken Dorfkirchen Thüringens ist«, heißt es in der Begründung.

Nachdem die Kirche 1991 wieder eingeweiht worden war, habe der engagierte Künstler damit begonnen, sich auch um die Instandsetzung der Orgel zu kümmern. »Sie ist fast 300 Jahre alt und eines der letzten und klangvollsten Originalinstrumente der Bachzeit.« Besonders verdient gemacht habe sich Gert Weber auch durch seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Holocaust: »Das Kunstmuseum der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat eine Dokumentation seiner Arbeiten in ihr internationales Archiv aufgenommen. Gerd Weber hält mit seiner Kunst die Erinnerung wach – an Licht- und Schattenseiten deutscher Vergangenheit«, führte der Bundespräsident weiter aus.

Ich kann mich noch an den jungen Künstler erinnern, der Mitte der 1970er-Jahre im Evangelischen Gemeindezentrum von Herrenhof ein Wandbild mit dem Fischzug des Petrus gestaltet hatte. Das war in jener Zeit, in der er besonders von dem in Friedrichroda lebenden Maler Werner Schubert-Deister (1921–1991) gefördert wurde, der ihm von 1974 bis 1976 das Rüstzeug für das externe Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig vermittelte. Die Mitarbeit im Atelier des Malers, der 1986 in die Bundesrepublik auswanderte, prägte sein künstlerisches Werk nachhaltig. Er war sein großer Lehrmeister!

Seine erste Ausstellung hatte Weber 1980 im Schloss Ehrenstein in Ohrdruf. Zu den frühen Arbeiten gehört ein Wandbild (Stahlrelief) im Anna-Luisen-Stift Bad Blankenburg (1980). Von 1982 bis 1984 arbeitete er am Bauernkriegs-Panoramagemälde von Werner Tübke in Bad Frankenhausen mit. 1984 erfolgte der Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler der DDR mit Ausstellungsverbot, welches 1986 durch den Einsatz namhafter Kollegen aufgehoben wurde. Erst mit der Wende fanden seine Werke ein größeres Publikum.

Neben zahlreichen Ölbildern, Grafiken und Zeichnungen schuf Weber auch die Deckenbilder in den Kirchen zu Reichensachsen (Hessen) und Wölfis (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf). Im letztgenannten Gotteshaus St. Crucis stellte er 2007 den Kreuzweg dar. Für zahlreiche neu gegossene Bronzeglocken gestaltete er Reliefs.

Webers Werke finden sich heute unter anderem im Deutschen Historischen Museum Berlin, im Dommuseum Fulda, in der Universität Leipzig, im Stadtmuseum Düsseldorf sowie in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Im Thüringer Landtag gestaltete er 2002 den »Raum der Stille« und in der Evangelischen Grundschule Gotha den Andachtsraum (2003).

Michael von Hintzenstern

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wir sind mehr

14. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Es war wieder mal so weit. Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit haben die Welt­erklärer hüben und drüben den Ist-Zustand der Gesellschaft aus ihrem Blickwinkel beschrieben. Der Osten habe bis heute Demokratiedefizite, heißt es auf der einen Seite. Das sei ein Stereotyp, resultierend aus der Ignoranz und Arroganz des Westens, auf der anderen.

Dazu gesellt sich immer wieder die Behauptung, der Osten sei die gottloseste Region der Welt. Eine Studie aus dem fernen Chicago sollte dazu 2012 den Beweis liefern. Der ehemalige Ministerpräsident von Bayern, Günther Beckstein, sprach jüngst an der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Westseite) davon, dass der Osten Deutschlands »weitgehend entchristlicht« sei. Woraus speist sich die Erkenntnis des früheren Synodalen und CVJM-Mitglieds? Woran will man eine gottlose, gottvolle oder bigotte Region erkennen?

Die Zahlen besagen anderes: Jeden Sonntag werden in unserem Verbreitungsgebiet weit über 1 000 evangelische Gottesdienste mit insgesamt durchschnittlich etwa 40 000 Besuchern gefeiert. Knapp 80 000 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in ihrer Kirchengemeinde vor Ort. Am Wochenende verbanden sich drei Kirchenkreise miteinander, um gemeinsam in Apolda ein friedliches Zeichen gegen Hass und für Feindesliebe zu setzen. Basis waren ein ökumenischer Gottesdienst und Andachten. Das war ein öffentliches Glaubensbekenntnis, wie es Christen bereits in Themar, Mattstedt, Köthen oder anderswo abgelegt haben. So etwas geschieht, Gott sei Dank, in Ost und West und nicht nur sonntags.

Ich bin froh, dass wir Christen im Osten immer noch mehr sind, als viele glauben. Und dass unser Herr auch über dem vermeintlich »kleinen Häuflein« seine schützenden und segnenden Hände hält.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »