Höhepunkte beim Kirchentag in Dessau-Roßlau

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Dessau-Roßlau (G+H) – Der Kirchentag auf dem Weg mit rund 200 Angeboten steht unter dem Motto »Forschen. Lieben. Wollen. Tun.« Dabei werden sich in einem Anhaltdorf auch Kirche, Stadt und Umland präsentieren.

  • Anhalt-DessauEin Höhepunkt am 26. Mai ist die Aufführung des Trinitatis-Oratoriums von Sebastian Saß mit der Kantorei Bernburg, den Amici Carminis und der Anhaltischen Philharmonie in der Johanniskirche (19.30 Uhr).
  • Am 27. Mai hält der frühere sachsen-anhaltische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz eine Bibelarbeit unter dem Thema »Jesus sieht Zachäus« (Hochschule Anhalt, Audimax, 9.30 Uhr).
  • Das »Das Geheimnis der Wartburg« wird am Sonnabend beim Kindermusical in der Marienkirche gelüftet (11 Uhr).
  • Zur Podiumsdiskussion »Was bedeutet Religion in meinen Leben?« (27. Mai, Hochschule Anhalt, Audimax, 15 Uhr) kommen der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, Oberbürgermeister Peter Kuras und die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke. Es moderiert Kirchenpräsident Joachim Liebig.
  • Ein großes Festkonzert »Preisen. Singen. Jubilieren« mit der Anhaltischen Philharmonie, Chören des Anhaltischen Theaters und dem Lutherchor erklingt am Sonnabend auf der Hauptbühne (19.30 Uhr).

Mit Herzblut bei der Sache

22. Mai 2017 von redaktionguh  
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Reformationsjubiläum: Mancher fragt sich, ob die Beteiligung für Anhalt nicht eine Nummer zu groß ist. Zwar ist manches offen, aber dass etliche Hürden genommen sind, macht Mut.

Wenn am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg die Weltausstellung Reformation eröffnet wird, ist die Landeskirche Anhalts mit ihrem Übersee-Container-Projekt mitten im Geschehen. Im Vorfeld tauchte mehrfach die Frage auf, ob die kleinste Landeskirche in der EKD die Anforderungen des Reformationssommers überhaupt bewältigen könne. »Das ist sicher eine Bürde für unsere Landeskirche«, sagt Andreas Janßen, Leiter der anhaltischen Arbeitsstelle »Luther 2017«, »aber keine untragbare Last.« Anhalt habe sich durch seine Vorbereitung auf das Jubiläum 2017 in der EKD »ein Standing geschaffen, das uns als Kirche zurzeit nicht in Frage stellt«. Anhalt sei im Gespräch, werde aber manchmal sehr kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf den Europäischen Stationenweg am 18. Mai in Bernburg sagte Janßen, dass sich das Programm mit dem großer Städte messen könne. »Man merkt sehr deutlich, dass der Kirchenkreis über die Erfahrungen aus zwei anhaltischen Kirchentagen verfügt.«

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

Für den Kirchentag auf dem Weg in Dessau sei es schwierig gewesen, Gastgeber für das Anhalt-Mahl zu finden. Deshalb habe es lange Zeit auf der Kippe gestanden. Aber: »Bei der letzten Infoveranstaltung wurden wir dann plötzlich so überrannt, dass wir Bierzeltgarnituren nachordern mussten.« Solche Begebenheiten machten Mut und ließen hoffen, dass der gesamte Kirchentag die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Zudem sei die Programmvielfalt nur möglich, weil Haupt- und Ehrenamtliche unermüdlich daran mitgearbeitet hätten. »Darin steckt viel anhaltisches Herzblut.« Grundsätzlich sei zum Thema »Ehrenamt« zu sagen, dass es immer schwieriger werde, die benötigten Helfer zu finden. »Wir merken, dass die Kirchengemeinden mit ihren älter werdenden Gemeindegliedern an ihre Grenzen stoßen.« Darin, dass nicht nur Anhalt, sondern auch dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Helfer fehlten, sieht Janßen ein gesellschaftliches Problem, »dass uns in den nächsten Jahren noch zu beschäftigen hat«.

Die Vorbereitung der Weltausstellung Reformation vom 20. Mai bis 10. September stelle Anhalt jeden Tag vor neue Herausforderungen. Viele habe man vor einigen Monaten nicht absehen können.

Zum Beispiel den Standortwechsel der drei Übersee-Container, die nun im Luthergarten in der Nähe des Wittenberger Altstadtbahnhofes zu finden seien. »Der Standortwechsel führte dazu, dass wir einen neuen umfangreichen Bauantrag bei der Stadt Wittenberg stellen mussten, der mit Kosten verbunden ist.« Zudem habe sich herausgestellt, dass Verabredungen, die zu Beginn der zweijährigen Vorbereitung auf die Weltausstellung getroffen wurden, nicht mehr einzuhalten seien. So habe der Café-Betreiber auf dem Container-Sonnendeck abgesagt. Mit der Bernburger Kanzlerstiftung sei aber eine Alternative gefunden worden. Zudem habe ein Gewerbetreibender, der die Übersee-Container nach der Weltausstellung kaufen wollte, abgesagt. Sollten die Container nicht bis September verkauft werden, müssten sie nach Dessau zurück. Das sei mit hohen Kosten verbunden. Auch die Suche nach Sponsoren und Teamern für das Containerprojekt verlaufe nicht ohne Probleme. Gut ist, dass der obere der drei Container (die beiden unteren enthalten eine Ausstellung) fast durchgehend an Interessenten habe vermietet werden können. So sei vom 20. Mai bis Mitte Juni die Landeskirche Baden zu Gast, danach die Kirche der Pfalz. Von Juli bis September kommen unter anderen anhaltische Städte und die Tourismusregion Harz.

»Die Präsenz Anhalts in Wittenberg«, so Andreas Janßen, »wird sicherlich an manchen Stellen zur Herausforderung.« Trotzdem gibt er sich optimistisch. »Ich kann nicht im Geringsten sagen, wie dieser Sommer zu Ende gehen wird. Ich weiß aber, dass es immer einen Weg gibt.«

Angela Stoye

Geschichtenmobil macht am 18. Mai in Bernburg Station

14. Mai 2017 von redaktionguh  
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Foto: Engelbert Pülicher

Foto: Engelbert Pülicher

Bernburg rüstet sich für die Ankunft des Geschichtenmobils, das seit November vorigen Jahres auf dem Europäischen Stationenweg unterwegs ist. Am 15. Mai wird dafür ein besonderes Tor – ein Salzstock aus dem Bergbau – aufgebaut. Am Abend des 17. Mai wird der Truck in Bernburg auf dem Karlsplatz eintreffen und die Ausstellung von Kirchenpräsident Joachim Liebig und Oberbürgermeister Henry Schütz eröffnet (18.30 Uhr). Am Donnerstag gibt es dann den ganzen Tag ein informatives und unterhaltsames Programm, bevor der Truck am Vormittag des 19. Mai nach Wittenberg weiterfährt. Bernburg ist die einzige Station, die der Truck in Anhalt anfährt.

Mit dabei sind dann auch Reformationsgeschichten aus der Region. Im Rahmen eines Wettbewerbs waren Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgerufen worden, ihre persönliche Geschichte einzusenden. Am 8. Mai tagte zur Kür der Gewinner im Büro des Kreisoberpfarrers die Jury des Wettbewerbes (von links): Pfarrer Sven Baier, die Leiterin der Musikschule, Antje Folkers, Martin Setz von der katholischen Gemeinde, Anja Senze Kanzler von Pfau’schen Stiftung, Bürgermeister Paul Koller, Professorin Elena Kashtanova von der Hochschule Anhalt und Angret Zahradnik, Schulleiterin i. R. des Campus Technicus. Die Namen der Gewinner werden am 18. Mai auf der Hauptbühne bekannt gegeben. Das Gesamtprogramm der Station Bernburg steht unter dem Motto »Salz der Erde – Leben mit Geschmack«.

www.landeskirche-anhalts.de

Eine Frage des Zeitgeistes?

9. Mai 2017 von redaktionguh  
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Die Landessynode hat auf ihrer Frühjahrstagung in Alexisbad eine Verfassungsänderung zur geschlechtergerechten Sprache abgelehnt. In der Neuformulierung der Verfassung sollte es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. An dieser Stelle kommen Christine Reizig als Befürworterin und Eckhart Hundertmarck als Gegner geschlechtergerechter Sprache zu Wort.

An der österreichischen Inntalautobahn bei Kufstein: Das Projekt der Künstlerin Ursula Beiler (Foto) war ein Beitrag eines Kunstwettbewerbs des Landes Tirol und zeitlich befristet. Inzwischen ist es abgebaut. Foto: Asfinag

An der österreichischen Inntalautobahn bei Kufstein: Das Projekt der Künstlerin Ursula Beiler (Foto) war ein Beitrag eines Kunstwettbewerbs des Landes Tirol und zeitlich befristet. Inzwischen ist es abgebaut. Foto: Asfinag

Pro

Christine Reizig, Dessau-Roßlau, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau

Das war keine Sternstunde meiner Kirche! Die Landeskirche Anhalts war eine der ersten, die Frauen ordiniert hat. Ende der 1950er-Jahre war sie eine Vorreiterin der Gleichberechtigung und Gleichachtung der Frauen. Ist das vorbei?

In den Verfassungstexten des Landes und des Bundes ist es selbstverständliche Norm, Männer und Frauen gleichberechtigt zu benennen. Ich dachte, diese Gesetzesänderung wäre an der Zeit und selbstverständlich. Weit gefehlt! Der Rechts- und Verfassungsausschuss hatte sich viele Stunden mit der Anpassung befasst und sich um ein gutes und schönes Deutsch bemüht. In zwei Lesungen wurde weiter daran gefeilt.

Nach der Ablehnung gibt es in der Verfassung weiterhin ausschließlich Männer – den Pfarrer, den Ältesten, den Kirchenpräsidenten, den Oberkirchenrat. Und ein Gemeindekirchenrat ist eine brüderliche Leitung, auch wenn die Pfarrerin und – Gott sei Dank – viele Schwestern ihr Engagement einbringen.

Sprache bildet unser Denken ab! Insofern ist die grundsätzliche Ablehnung der Verfassungsänderung ein Affront gegen viele Frauen, die sich in dieser Kirche haupt-, neben- und ehrenamtlich engagieren.

Nach Genesis 1,27 f repräsentieren nur Mann und Frau gemeinsam das Ebenbild Gottes und sind auf ein Miteinander hin geschaffen. Ich empfinde den Beschluss als beschämend für die Synode. Immerhin gab es auch 23 Stimmen für die Änderung, also haben sich mindestens 18 männliche Synodale für eine sprachliche Gleichberechtigung ausgesprochen.

In diesem Jahr sind in Anhalt Gemeindekirchenrats-, danach Synodalwahlen. Liebe Schwestern, ich ermuntere Sie ausdrücklich: Kandidieren Sie und lassen Sie sich wählen! Ein höherer Frauenanteil in kirchenleitenden Gremien tut unserer Kirche not!

Kontra

Eckhart Hundertmarck, Synodaler, Gernrode, Kirchenkreis Ballenstedt

Ein Verfassungstext sollte knapp, klar verständlich und eindeutig sein. Deshalb halte ich es für absolut unbefriedigend, wenn eine Änderung in »gerechte Sprache« nur dann inhaltlich dem gewünschten Ziel nahekommt, wenn sie zum Beispiel den Absatz eines Pararafen in folgender Form hervorbringt: »Kreisoberpfarrerinnen und Kreisoberpfarrer sind Beraterinnen und Seelsorgerinnen oder Berater und Seelsorger der Pfarrerinnen und Pfarrer und der anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter …«

Sprache entwickelt sich allmählich in einzelnen Begriffen (zum Beispiel Krankenschwester/Pfleger) oder auch Tendenzen (zum Beispiel Rückzug des Genitivs zugunsten des Dativs) und lässt sich nicht komplett querbeet im Ganzen durch Überstülpen eines Zeitgeistes erzwingen, dem ein Verfassungstext nicht nachlaufen sollte.

Der oben zitierte Absatz ist wenigstens sprachlich korrekt, wenn auch holprig. Für eine vertiefte Befassung mit der fortschreitenden Erfindung geschlechtsneutraler Zeichen mit – */…in,innen als schlichte Fortentwicklung dieses Zeitgeistes fehlt mir Zeit und Platz.

Nur kurz: Wehret den Anfängen, die Sprache wird so unsprechbar. Das gerne gebrachte Argument, Frauen fühlten sich von den bisherigen Texten nicht angenommen, wird meines Erachtens allein von der deutlich überwiegenden Anzahl weiblicher Gottesdienstbesucher und anderer kirchlicher Gruppen widerlegt.

Auch der Hinweis, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sei bei diesem Thema schon viel weiter, überzeugt nicht, wenn man sich die Alternativen in gerechter Sprache in dem von dieser Kirche herausgegebenen Liederbuch »freiTöne« näher ansieht.

Nach alldem halte ich eine aufgepfropfte »geschlechtergerechte« Sprache in Kirche (und Gesellschaft) nicht für zielführend.

Evangelium hat Vorrang

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Landessynode debattiert über Strukturreform und lehnt geschlechtergerechte Sprache ab

Überlegungen zur Einführung freikirchlicher Strukturen in der verfassten Evangelischen Landeskirche Anhalts hat Kirchenpräsident Joachim Liebig eine Absage erteilt. Das bestehende System sei gewachsen und werde auch weiterhin Bestand haben, sagte Liebig auf der Frühjahrssynode in Alexisbad im Harz. Trotzdem sei es notwendig, sich über die Strukturen Gedanken zu machen, fügte er hinzu.

Dazu hat die Kirchenleitung ein Impulspapier veröffentlicht. Der Kirchenpräsident betonte, dass den Überlegungen immer vorangestellt sein sollte, was der Verkündigung des Evangeliums diene. Nichtsdestotrotz sei eine unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt worden, die finanzielle Lage zu analysieren. Damit wolle man auch gegenüber dem Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland aussagefähig sein. Bei der Tagung nahmen die Diskussionen über die Zukunft der kleinsten Landeskirche in Deutschland breiten Raum ein. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Delegierten Vorstellungen und Thesen. Kirchenpräsident Liebig hob hervor, dass es schon einige schriftliche Rückläufe zum Impulspapier gebe. Allmählich komme die Diskussion darüber in Kreissynoden und Kirchengemeinden in Gang.

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Nachgedacht wird auch über eine Neuorientierung in der sozialen Arbeit. Der Vorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, warb für die Einführung einer hauptamtlichen Gemeindediakonie. Auf Gemeindeebene sei die soziale Arbeit zugunsten der professionellen Hilfe in staatlich finanzierten Einrichtungen zurückgetreten. Dabei sei aber deutlich geworden, dass es soziale Problemlagen gebe, die die institutionalisierte Diakonie nicht erfassen könne. Eine Gemeindesozialarbeit sollte dabei als »Scharnier« dienen, das die Kirchengemeinde und die eigenständigen diakonischen Träger miteinander verbindet, sagte Grüneberg.

Die Synode sprach sich zudem gegen eine Verfassungsänderung aus. Damit sollte eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. 25 Ja-Stimmen wären für eine Verfassungsänderung notwendig. Einige der Synodalen hielten die Änderungen für überflüssig, dem Zeitgeist geschuldet und die Hinzufügung der weiblichen Form für sprachlich ungelenk. In der Neuformulierung der Verfassung sollten es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Der stellvertretende Synodenpräses Wolfram Hädicke verteidigte die Änderungen: »Der Entwurf geht stärker darauf ein, dass Frauen verantwortlich mitarbeiten.« Die Ablehnung könnte als Signal missverstanden werden, dass die männerdominierte Landessynode die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen nicht schätze. Vor allem die vier Vertreterinnen im Kirchenparlament nahmen das Wahlergebnis mit Unverständnis zur Kenntnis.

In seinem Bericht über die Aktivitäten während des Reformationssommers räumte Pfarrer Andreas Janßen ein, dass bei den Vorbereitungen nicht alles rund laufe. Es mangele an ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Anmeldezahlen lägen hinter den Erwartungen zurück. »Der Reformationssommer ist eine Bürde für unsere kleine Landeskirche, aber er ist keine Last«, sagte Janßen. Er sehe auch eine Chance. Die Landeskirche werde in der Öffentlichkeit wahrgenommen, sei im Gespräch und werde auch kritisch hinterfragt.

Willi Wild/epd

Nicht mehr viel zu sehen

24. April 2017 von redaktionguh  
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Zukunft der Kirche: Warum eine Fusion gut überlegt sein will

Es war die erste große Kirchenfusion in Ostdeutschland. Und es war jene mit den am wenigsten gleichen Partnern: Zum 1. Januar 2004 fusionierte die 70 000 Gemeindeglieder zählende Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsOL) mit der rund eine Million Gemeindeglieder zählenden Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB).

Heute ist von der alten EKsOL nicht mehr sehr viel zu spüren. Zwar gibt es in Görlitz einen evangelischen Generalsuperintendenten. Doch während es in den ersten Jahren noch einen Sprengel Görlitz gab, in dem die Kirchenkreise der alten Landeskirche zusammengefasst waren, wurde dieser 2014 mit dem benachbarten Sprengel Cottbus der alten EKiBB fusioniert. Auch der Titel »Regionalbischof«, den der Generalsuperintendent von Görlitz in Erinnerung an die alte schlesische Kirche noch trug, wird heute nicht mehr verwendet. Positiv gesprochen, könnte man sagen: Die ehemalige EKsOL hat sich assimiliert. Sie ist voll und ganz in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) aufgegangen und ein gleichberechtigter, aktiver Teil der neuen Kirche. Was freilich auch bedeutet: Görlitz, Hoyerswerda oder Weißwasser sind in der Landeskirche nun genau so wichtig oder unwichtig wie Angermünde, Potsdam oder Frankfurt (Oder). Vielleicht noch etwas wichtiger, denn der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche macht seine Sache gut und vertritt die Interessen seines Sprengels mit Bravour. Doch er kann es eben nur in dem Maße tun, in dem es für einen einzelnen kirchlichen Mitarbeiter möglich ist.

Die Zeiten, in denen es in Görlitz ein Konsistorium mit Bischof gab, der als wichtiger Gesprächspartner von Politik und Gesellschaft eingeladen wurde, und den Blick auf die schlesische Oberlausitz lenkte, sind vorbei. Und die wenigen Male, bei denen sich Landessynode, Kirchenleitung und Bischof der EKBO öffentlich wahrnehmbar zu sächsischen Themen äußerten, muss man mit der Lupe suchen. Außer einem gemeinsamen Aufruf der für Sachsen zuständigen Bischöfe, zur Landtagswahl zu gehen, ist nicht sehr viel gewesen. Zudem gab es einen personellen Aderlass: Viele engagierte Görlitzer, die für die Selbstständigkeit ihrer Landeskirche kämpften, haben sich frustriert zurückgezogen. Als 2013 Zahlen vorgelegt wurden, hatte der damals noch selbstständige Sprengel Görlitz, verglichen mit 2003, rund ein Drittel seiner Gemeindeglieder verloren.

Was heißt das für Anhalt? Die kleine, engagierte Landeskirche sollte sich jede Überlegung in Richtung einer Fusion oder Konföderation sehr genau überlegen. Fusionen können sinnvoll sein, das zeigt die Neubildung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland oder der Nordkirche. Sie können aber auch dazu führen, dass von einem Partner nicht mehr viel zu sehen ist, wie sich am Beispiel der EKBO zeigt. Föderationen oder Kooperationen könnten in solch einem Fall der sinnvollere Weg sein. Doch wenn die Landeskirche Anhalts gewillt ist, den Gürtel enger zu schnallen, das überkommene Kirchenbeamtentum abzuschaffen und sich stärker an freikirchlichen Modellen des Kircheseins zu orientieren, hätte sie wohl auch als selbstständige Einheit eine gute Zukunft.

Benjamin Lassiwe

Mehr Platz, mehr Licht und neue Pläne

17. April 2017 von redaktionguh  
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Die Auferstehungskirche in Dessau ist für 250 000 Euro umgestaltet worden. Und die Gemeinde hat bereits weitere Umbau-Ideen.

Einmal links oder rechtsrum oder doch geradeaus? Die zweite oder dritte Tür links? Und wo noch mal war jetzt das Gemeindebüro? Die vergangenen sechs Monate waren für die beiden Pfarrerinnen, die Mitarbeiter und für die rund 800 Mitglieder der Auferstehungsgemeinde im Dessauer Stadtteil Siedlung keine leichte Zeit. Da konnte man schon einmal die Orientierung verlieren. Schließlich hat man es nicht alle Tage, dass eine Kirche einer Großbaustelle gleicht.

Seit dem vergangenen Oktober wurde am Ende der 1920er-Jahre errichteten Gotteshaus gehämmert, gebohrt, Betonwände herausgerissen, Glaswände eingesetzt und ein Anbau gezimmert. Am Palmsonntag konnte die umgebaute Kirche dann offiziell in Betrieb genommen werden. Ein lautes »Ah« und »Oh« schallte durchs Gotteshaus, als die Gäste des Festgottesdienstes erste Blicke in das neue Innenleben nach dem Umbau werfen konnten.

Wo früher ein langer dunkler Flur zum Altarraum führte, ist es jetzt lichtdurchflutet hell. Eine Glasfront lässt Sonne durch und weist den Weg. Dafür verschwanden der dunkle Flur und die angrenzenden Gemeinderäume. Als Winterkirche soll der Bereich hinter dem Haupteingang zukünftig genutzt werden. Das Gemeindebüro wurde in einen neuen Anbau an der Vorderfront der Kirche verlegt.

Für das Gemeindebüro wurde ein neuer Anbau geschaffen: Der Gemeindevorstand freut sich darüber mit Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch (2. v. l.) und Pfarrerin Ina Killyen (3. v. r.). Foto: Lutz Sebastian

Für das Gemeindebüro wurde ein neuer Anbau geschaffen: Der Gemeindevorstand freut sich darüber mit Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch (2. v. l.) und Pfarrerin Ina Killyen (3. v. r.). Foto: Lutz Sebastian

»Es hat sich definitiv gelohnt, diesen Weg zu gehen«, stellt Ina Killyen, eine der Gemeindepfarrerinnen, fest. Fünf Jahre ist es her, dass der hohe Grundwasserspiegel wieder einmal das Wasser in die Kellerräume der Gemeinde drückte. Wieder den Dreck beseitigen. Wieder die Räume sanieren. Die Kirchengemeinde war dessen müde.

Die Räume im Kellergeschoss wurden zunächst gesperrt. Doch im Erdgeschoss wurde es recht schnell eng. Ein regelrechtes Jonglieren, um alle Gemeindeaktivitäten unter ein Dach zu bekommen.

Ein Umbau musste her. »Wir haben viel diskutiert, geplant, wieder verworfen, neu diskutiert und geplant«, erinnert sich Ina Killyen an eine aufreibende Zeit. Es war der Denkmalschutz, der mehr als einmal einen Strich durch die Rechnung machte. Manche architektonischen Pläne waren danach noch nicht einmal das Papier wert, auf dem sie standen.

Die Wende leitete vor drei Jahren das Magdeburger Architekturbüro »Dr. Ribbert Saalmann Dehmel« ein. Die Architekten haben schon einige Kirchen umgebaut. Auch die Dessauer Auferstehungskirche gehört seit Kurzem zu diesem Portfolio. »Wir haben mit allen Beteiligten hart gerungen«, blickt der ausführende Architekt Friedhelm Ribbert zurück. Der Denkmalschutz gab grünes Licht. Der Bauausschuss der Gemeinde stimmte den Plänen zum Büroanbau und zur neuen Winterkirche zu. Damit konnten auch die nötigen Umbaukosten aufgetrieben werden. Aus Spenden, Eigenmitteln der Gemeinde, Zuschüssen der Landeskirche Anhalts und durch Fördermittel, unter anderem von Lotto Toto und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, wurden die nötigen 250 000 Euro zusammengetragen und innerhalb eines halben Jahres verbaut.

Doch ist das nur eine Etappe. Nach Möglichkeit innerhalb eines Jahres sollen die Außenhülle und das Dachgebälk der Kirche saniert, der Küchentrakt erneuert und hinter dem Altar mit einer Glasfront ein Durchbruch geschaffen werden. Dahinter befindet sich der »Garten Eden« der Gemeinde. »Wir würden vom Eingang über den Altar eine neue Sichtachse zum Kirchgarten freilegen«, erklärt Friedhelm Ribbert. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Insgesamt noch einmal rund 250 000 Euro würden die geplanten weiteren Maßnahmen kosten. Spendenaktionen und Fördermittelanträge laufen bereits.

Die Verschnaufpause zwischen den Baustellen will die Gemeinde intensiv auskosten. »Platzprobleme dürften jetzt der Vergangenheit angehören. Problemlos können mehrere Veranstaltungen parallel laufen«, freut sich die Dessauer Kreisoberpfarrerin und zweite Pfarrerin der Auferstehungsgemeinde, Annegret Friedrich-Berenbruch, über die neue Freiheit. Der Gemeindekalender für die nächsten Monate ist gut gefüllt.

Danny Gitter

Auf Dauer nicht mehr allein

10. April 2017 von redaktionguh  
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Die Kanzler von Pfau’sche Stiftung in Bernburg feiert am 9. April ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprach Angela Stoye mit dem Direktor der diakonischen Einrichtung, Andreas Schindler.

Herr Schindler, wenn Sie in die Chronik schauen und auf Ihre 25 Jahre an der Spitze der Stiftung: Welche schönen und welche schwierigen Phasen gab es?
Schindler:
Über 100 Jahre arbeiteten Diakonissen hier. Ich habe ihr Wirken zwar nicht erlebt, vermute aber, dass dies eine Zeit der Klarheit war, in der aus dem Glauben heraus für Menschen gearbeitet wurde. Dies wirkt heute noch nach, muss aber unsere Prägung erhalten. Das ist eine reizvolle Aufgabe. In den zweieinhalb Jahrzehnten, die ich hier bin, habe ich mich gefreut zu sehen, wie die Stiftung wuchs, wie andere Einrichtungen und Dienste hinzukamen. Schön war es zu erleben, wie wir von hilfesuchenden Menschen angenommen wurden.

Andreas Schindler. Foto: Stiftung

Andreas Schindler. Foto: Stiftung

Ich erinnere mich aber deutlich daran, dass der Prozess der Erweiterung und Veränderung von Unruhe geprägt war, zum Beispiel, wenn die Bezahlung von Rechnungen anstand und der Kontostand keine entsprechende Deckung versprach. Ich bin mir aber sicher, dass auch meine Vorgänger so etwas kannten, denn auch sie gingen in ihrer Zeit Risiken ein, um etwas voranzubringen.

Eine schwierige Phase waren sicher die 1950er-Jahre, als der Staat die Frage stellte, ob wir überhaupt eine kirchliche Einrichtung sind. Wenn diese rein politische Machtfrage nicht mit Hilfe des anhaltischen Landeskirchenrates positiv in unserem Sinne geklärt worden wäre, hätte unsere Stiftung kaum eine Zukunft gehabt.

Wie steht es um das Leitbild der Stiftung?
Schindler:
Unser Leitbild ist über zehn Jahre alt. Es ist mit Unterstützung des damaligen Landesdiakoniepfarrers Andreas Lischke in einem sehr guten gemeinsamen und offenen Prozess entstanden. Nun sollte es wieder auf den Prüfstand. In der Auseinandersetzung mit dem Text mussten wir feststellen, dass der Bekanntheitsgrad des Leitbildes unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung – trotz der immer wiederkehrenden Thematisierung – leider sehr gering geworden ist. Ein Grund ist sicher der deutlich steigende Anteil der Mitarbeiter, der keine christliche Prägung hat. Diese Gruppe muss zukünftig deutlicher angesprochen werden.

Deshalb haben wir 2016 den Prozess der Überprüfung des Leitbildes gestoppt und bereiten gerade einen neuen »Anlauf« vor. Inzwischen haben wir auch einen Leitspruch für unsere Stiftung: »Christus spricht: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe.« (Johannes 13,15) Dieser bildet nun den Ausgangspunkt für das neue Leitbild.

Was gehört heute zum Profil der Kanzlerstiftung?
Schindler:
Ich erwähnte oben die Auseinandersetzung aus den 1950er-Jahren über die Frage, ob die Kanzlerstiftung überhaupt eine kirchliche Stiftung ist. Diese Frage wurde nach 1990 erneut gestellt. Diesmal ging es aber nicht um Macht, sondern um rein juristische Themen, mit denen wir uns auseinanderzusetzen hatten. Wieder konnten wir mit Hilfe des anhaltischen Landeskirchenrates nachweisen, dass wir eine kirchliche Stiftung sind und unsere Satzung entsprechend anpassen.

Diese Auseinandersetzungen haben sich »eingebrannt«. So sind wir nach unserem Selbstverständnis eine Altenhilfeeinrichtung mit einem kirchlichen Profil. Die Verbundenheit mit den Kirchengemeinden ist groß und wird gelebt. Mitarbeiter der Stiftung sind in kirchliche Strukturen eingebunden. Die Zuwendung zum Nächsten gehört natürlich zu uns, aber auch das regelmäßige Hören auf Gottes Wort. Ebenso suchen wir das Miteinander mit anderen diakonischen Einrichtungen in unserer Region.

Zu den Veränderungen in jüngster Zeit gehörte die Aufgabe der Trägerschaft der Frauen- und Kinderschutzhäuser in Bernburg und Köthen. Warum?
Schindler:
Diese Arbeit hat die Stiftung durch schwierige Zeiten getragen. Allerdings wuchs in der Zeit die Erkenntnis, dass sich dieser Arbeitsbereich kaum mit den Altenhilfeangeboten der Stiftung vernetzen ließ. Es gab keine Synergien. Die Anforderungen standen zunehmend für sich. So hat sich die Stiftung – ohne wirtschaftliche Not – entschlossen, die beiden Häuser an einen Träger abzugeben, der eine größere Anzahl von Frauen- und Kinderschutzhäusern betreibt. Das war schmerzhaft, aber richtig, denn beide Häuser existieren heute weiter.

Wo sehen Sie die Stiftung in 50 Jahren?
Schindler:
Meine Phantasie reicht leider nicht aus, um auch nur zu ahnen, was am 200. Geburtstag unserer Stiftung am 9. April 2067 Realität sein wird. Also beschränke ich mich auf die nächsten zehn Jahre. Ich denke, dass die Stiftung in einem immer größeren Umfang gleichberechtigt mit anderen Anbietern kooperieren und gemeinsam Aufgaben lösen wird. Die Herausforderung, die sich aus einer immer stärker werdenden Spezialisierung und dem wachsenden Kostendruck ergeben, kann die Stiftung auf Dauer nicht mehr allein erfüllen. Auch kirchliche Stiftungen und Einrichtungen müssen sich auf dem sozialen Markt durchsetzen können. Dazu braucht es Kraft, die wir hoffentlich im Verbund mit anderen und mit Hilfe der Diakonie Mitteldeutschland erreichen können.

Vielleicht gibt es in einigen Jahren die Kanzler von Pfau’sche Stiftung noch als Einrichtung, die mit anderen soziale Arbeit gemeinsam betreibt. Die konkrete Hilfe läuft in einer eigenen Rechtsform, die im Verbund mit anderen Trägern gehalten wird. Die Kanzler von Pfau’sche Stiftung ist dann zum einen Mitträger dieser Arbeit und zum anderen eine Einrichtung, die gemeinsam mit Kirchengemeinden eine sehr eigene Form diakonischer Arbeit entwickelt und betreibt. In Letzterem könnte viel Zukunft für uns als kirchliche Stiftung liegen.

Diakonie in der Region Bernburg
Die Stiftung verdankt ihren Namen dem Kanzler des Herzogtums Anhalt- Bernburg, Wilhelm Ernst Carl von Pfau. Seine Witwe Jeanette von Pfau gründete 1867 die Stiftung und gab ihr – im Gedenken an ihren verstorbenen Mann – diesen Namen. Die Stiftung sollte sich um »Altersschwache und Sieche« bemühen. Heute ist die Kanzler von Pfau’sche Stiftung Trägerin diakonischer Aufgaben in Bernburg und der Region. Sie betreibt Begegnungsstätten, eine Tagespflege und drei ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienste, ist Trägerin von Einrichtungen des altersgerechten Wohnens, häuslicher und stationärer Pflege. Ein Ethikbeirat beschäftigt sich seit 2011 mit der immer wieder und gerade im Einzelfall schwierigen Frage, ob alles getan werden soll, was medizinisch machbar ist. Zudem gehört zur Stiftung die gemeinnützige Kanzler Pfau GmbH, die mit der Seniorenbetreuung Harz einen Pflegedienst betreibt, das Notfallseelsorge- Team im Salzlandkreis stellt und in Aschersleben und Bernburg eine Schuldner- und Insolvenzberatung anbietet. Insgesamt sind fast 400 Mitarbeiter beschäftigt. Damit ist die Stiftung einer der größten Arbeitgeber in Bernburg.

Cranach unter der Lupe

3. April 2017 von redaktionguh  
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Auch berühmte Gemälde brauchen gelegentlich eine Durchsicht: Die drei Bildtafeln von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren in der Dessauer Kirche St. Johannis werden alle zwei bis drei Jahre von einer Fachfrau unter die Lupe genommen. Von Gerüsten aus untersucht Angela Günther jeden Millimeter des Rahmens und der Bilder, die beinahe 500 Jahre alt sind. »Die Oberfläche wird kontrolliert, wenn nötig mit Fischleim gefestigt, dann ganz sanft abgesaugt und mit einem Pinsel abgestrichen«, sagt die Restauratorin. »Dadurch werden die Bilder nicht nur leicht gesäubert, man sieht auch, wo kleine Farbteile abgeplatzt sind oder die Farbe Blasen wirft. Dazu muss man ganz nahe an die Bilder herangehen.« Schadhafte Stellen werden auf Fotokopien eingezeichnet und in einem zweiten Schritt ausgebessert. Wo Farbe fehlt, wird vorsichtig retuschiert. »Die Maltechnik der Cranachs war so gut, dass wir hier nur wenige Farbschichten haben, die sich gegeneinander verschieben und dabei Risse und Abplatzungen verursachen.«

Foto: Johannes Killyen

Foto: Johannes Killyen

Von Dessau-Roßlau geht es nach »New Germany«

21. März 2017 von redaktionguh  
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Gastvikar Martin Büttner und seine Familie kehren nach anderthalb Jahren in Anhalt nach Südafrika zurück

Am 19. März geht für Martin Büttner ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende. Denn an dem Sonntag wird der 39-jährige Theologe in einem Gottesdienst aus seinem Gastvikariat in der Auferstehungsgemeinde in Dessau-Roßlau verabschiedet und kehrt wenig später mit seiner Familie in seine Heimat zurück. Das ist ein Weg von rund 9 600 Kilometern Luftlinie, denn Martin Büttner kommt aus Südafrika.

Dass er seit September 2015 mit seiner Familie in Dessau lebt, ist zum Teil Zufall, zum Teil nicht. Martin Büttner gehört der United Evangelical Lutheran Church in Southern Africa (UELCSA) an, einer Kirche, die aus der Arbeit verschiedener Missionsgesellschaften und einzelnen Siedlergemeinden entstanden ist. Sie ist ein Dachverband von drei kleinen Kirchen – zwei in Südafrika, eine in Namibia – und zählt heute insgesamt etwa 19 200 Mitglieder. Ihre Strukturen seien aber mit den landeskirchlichen Strukturen, wie es sie in Deutschland gibt, nur teilweise zu vergleichen, so Martin Büttner.

Martin Büttner lebt mit seiner Familie seit September 2015 in Dessau-Roßlau. Foto: Johannes Killyen

Martin Büttner lebt mit seiner Familie seit September 2015 in Dessau-Roßlau. Foto: Johannes Killyen

Seit Jahrzehnten ist es üblich, dass angehende Pfarrer aus dieser Kirche einen Teil ihres Vikariates in der Hannoverschen Landeskirche leisten können, wenn sie Deutsch sprechen. Als für Martin Büttner das Vikariat anstand, gab es zwei Interessenten für einen Platz. Es musste eine andere Stelle gesucht werden. So kam man dann auf die Landeskirche Anhalts. Dass er akzentfrei Deutsch spricht, verdankt er seiner Familie, die aus Deutschland stammt, aber schon lange in Südafrika lebt. Einer seiner Großväter war Handwerkermissionar. In der Gemeinde aktiv zu sein, war in der Familie selbstverständlich.

Martin Büttner ist gelernter Elektrotechniker, wollte aber in seinem weiteren Arbeitsleben mehr mit Menschen zu tun haben und orientierte sich um. In seinen neuen Beruf kam er über ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einer christlichen Jugendorganisation, auf die ein Theologiestudium in Stellenbosch, praktische Erfahrungen in Gemeinde- und Jugendarbeit und schließlich das Vikariat folgten.
»Ich bin beeindruckt davon, wie die Geschichte das Gemeindeleben hier prägt«, sagt Martin Büttner. »Die Geschichte der Reformation ist immer präsent – nicht nur wegen der großen Cranachgemälde in der Johanniskirche. Man kann sich einordnen und weiß: Ich bin ein Teil davon.« Für Südafrika sei ein 200-jähriges Kirchengebäude schon sehr alt. Hier seien 500-jährige und ältere Kirchen keine Seltenheit. Als positive Erfahrung nimmt er den kreativen Umgang der Landeskirche mit dem Rückgang der Gemeindegliederzahlen mit. »Anhalt macht sich sehr viele Gedanken, wie der Alltag in den Kirchengemeinden künftig gestaltet werden soll.«

Nach der Rückkehr nach Südafrika wird Martin Büttner sich auf das Zweite Theologische Examen vorbereiten. Danach zieht er mit seiner Familie – seine Frau Christine, die gelernte Krankenschwester und Hebamme ist, und den drei gemeinsamen Kindern – nach »New Germany«. Es ist die erste Siedlung des Berliner Missionswerkes in Südafrika. Und er leistet dort seinen Entsendungsdienst. Dass die Familie Büttner dem »alten« Deutschland verbunden bleiben wird, hat nicht nur mit den familiären Wurzeln und dem langen Aufenthalt in Anhalt zu tun. Mit zurück reist eine waschechte Dessauerin, denn die jüngste Tochter wurde hier geboren.

Angela Stoye

Gottesdienst am 19. März, 9.30 Uhr, in der Auferstehungskirche

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