Nur »katholischer Sauerteig«?

13. August 2018 von redaktionguh  
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Anhaltgeschichte(n): Vor 400 Jahren differenzierten sich im Christentum alternative Konzepte von Heiligkeit heraus. Anhalt ging einen Weg, der radikal mit der Tradition brach.

Schon im Winter 1521/22, während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, war sie zu Wittenberg erprobt worden, diese neue Art, Gottesdienst zu feiern: Andreas Karlstadt hatte mit dem Stadtrat eine »evangelische Messe« eingeführt. Erstmals war der Laienkelch gereicht worden; neben dem Verzicht auf einige andere Elemente hatten aber folgende Veränderungen besondere Aufmerksamkeit erweckt: Der Liturg war in ein Laiengewand gekleidet, er sprach den Einsetzungsbericht deutsch und zur Gemeinde gewandt, er verzichtete bei der Wandlung auf das Kreuzzeichnen sowie das Erheben, und die Kommunikanten nahmen Kelch und Hostie selbst in die Hand. Letzteres hatte zu unterschiedlichen Reaktionen geführt, die vor allem eines zeigten: Den Dingen eignete eine Aura, die anzog, aber auch Angst machte.

Religion hat es mit dem Paradox zu tun, das Jenseits im Diesseits zu verorten. Ihre Vorstellungen werden durch Texte, Rituale, Symbole und Dinge in der Welt anschaulich. So werden sie Teil sozialer Wirklichkeit und Glaubensgegenstand; so kommen sie aber auch mit dem profanen Leben in Berührung und müssen sich dessen Normen gegenüber behaupten. Die Konfessionen entwickelten hier unterschiedliche Strategien.

Widerstand: In der Stiftskirche in Hecklingen sollten die romanischen  Engelsreliefs im Zuge der zweiten Reformation entfernt werden. Die Bewohner wehrten sich erfolgreich dagegen. Foto: Jürgen Meusel

Widerstand: In der Stiftskirche in Hecklingen sollten die romanischen Engelsreliefs im Zuge der zweiten Reformation entfernt werden. Die Bewohner wehrten sich erfolgreich dagegen. Foto: Jürgen Meusel

Die Reformation, die sich im Reich seit den 1520er-Jahren durchsetzte, hatte zwar einerseits mit der Werkfrömmigkeit gebrochen und entsprechend viele alte Andachtsformen abgeschafft. Doch sie war auch dadurch geprägt, dass sie in der Messe vieles beibehielt. Luther hatte nämlich nach seiner Rückkehr die oben genannten Reformen allesamt zurücknehmen lassen. Sie waren aus seiner Sicht einem »fleischlichen Missverstehen« entsprungen, das nicht zur Abwertung der Dinge, sondern ihrer Überbewertung führe, indem man so sehr auf sie fokussierte. Und Luther blieb von einer leiblichen Realpräsenz Christi im Abendmahl überzeugt, die durch den Einsetzungsbericht bewirkt wurde und an die Elemente gebunden war.

Und so blieb die Liturgie der Evangelischen noch durch etwas geprägt, das seit dem Konzil von Trient zu dem Kennzeichen des Katholizismus werden sollte: Das Göttliche sollte durch Rituale, die dem Profanen besonders enthoben waren, präsent gemacht werden. Die heilswirkende Kraft der Messliturgie beruhte auf der durch den Liturgen objektivierten Präsenz Gottes in den eucharistischen Gaben. Und so setzten zum Beispiel die katholischen Reformer im Münsterland seit den 1590er-Jahren eine intensive Reform in Gang, der es gerade auf den äußerlich korrekten Vollzug des Kults und die Heiligung der Zeit wie der Orte (Kirche und Kirchhof) ankam. Die Sphäre des Göttlichen konstituierte sich hier durch Performanz und Präsenz.

In die, wenn man so will, entgegengesetzte Richtung liefen zur gleichen Zeit die Reformen in den anhaltischen Fürstentümern. Sie setzten auf Repräsentation und Innerlichkeit. Die Gegenwart Gottes wurde symbolisch verstanden: Der Gottessohn wurde im Abendmahl allein geistig gegenwärtig, und für die Aneignung der im Einsetzungsbericht verheißenen Gnade war die innere Haltung der Teilnehmer die wichtigste Bedingung. Alles, was noch den »katholischen Sauerteig« in sich trug, was also noch den Eindruck erwecken konnte, dass man Gott durch einen feierlichen Ritus quasi verobjektivieren könne, wurde seit 1596 entfernt – vom Hochaltar im Raum über die Messgewänder bis hin zur Hostie in der Kommunion.

Wie schon 1521 ging es um Entheiligung der alten Ordnung, und wieder war das Berühren der Dinge der neuralgische Punkt. Dem Einsetzungsbericht folgend wurde nun Brot gebrochen und den Kommunikanten gereicht. Aber noch immer hätten sich diese, so verlautete es, »vor [=für] vnrein, vnheilig, vnwerdig geachtet, das geheiligte brod mit ihren henden anzurühren«. Aus Sicht der Lutheraner würde so nämlich »das Sacrament … in Verachtung kom[m]en«. Ein Bürger in Jeßnitz nahm im Sommer 1600 am neuen Abendmahl teil, aber das »calvinische Brot« dann heimlich nach Hause in seine Küche, »um es dort … zu verspeisen«. Am profanen Ort zeigte sich, dass dieses Stück Brot, dieses Ding nicht mehr über jene Aura verfügte, die bis dato die Hostie ausgezeichnet hatte.

Wie andere »reformierte« Reichsstände scheiterten die Anhaltiner mit dem Versuch, ihr Territorium zu »reformieren«. Zu stark war der Widerstand. Zu radikal war wohl auch ihr Ansatz. Aber die Idee, Gott dort zu verorten, wo Menschen das Wort hören, die Zeichen sehen und darum glauben, diese Idee hat doch bestimmt etwas für sich.

Jan Brademann

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Die Arche mitten im Fläming

5. August 2018 von redaktionguh  
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Das Sola, das Sommerlager der Hoffnungsgemeinde Zieko, ist volljährig geworden. Zum 18. Mal wird in diesem Jahr die Botschaft der Bibel kind- und jugendgerecht umgesetzt.

Wenn man mit dem Fahrrad aus Richtung Zieko durch die Wälder und über die Wiesen des Flämings fährt, sieht man das Sommerlager, das Sola Zieko, schon von weitem. Ein großes und mehrere kleine Zelte stehen gruppiert um eine Konstruktion aus Brettern, Paletten, Zeltplanen und einem Mast in der Mitte. »Das ist die Arche«, erklärt Maria Köhn (18) aus Coswig. Denn das Thema des Sola lautet »Arche Noah – Aufbruch in eine neue Zeit«.

Die in diesem Jahr staubtrockene Wiese am Rande von Kiefernwäldern ist für zwei Wochen Heimat für das Sola. In diesem Jahr immerhin schon zum 18. Mal. Jeweils rund 70 Mädchen und Jungen sowie 30 Mitarbeiter bringen Leben in das Lager. Die erste Woche gehört traditionell den Teenagern ab 13 Jahren, die zweite Woche den Kindern zwischen acht und zwölf Jahren.

Gemeinschaft: Im großen Zelt finden die Jugendlichen nicht nur Schutz vor der Sonne, sondern auch ein Angebot aus Workshops wie zum Beispiel Improvisationstheater. Foto: Thorsten Keßler

Gemeinschaft: Im großen Zelt finden die Jugendlichen nicht nur Schutz vor der Sonne, sondern auch ein Angebot aus Workshops wie zum Beispiel Improvisationstheater. Foto: Thorsten Keßler

Maria Köhn fährt seit ihrem neunten Lebensjahr zum Sola. Anfangs als Teilnehmerin in der Kinderwoche, dann bei den Teens. Inzwischen bleibt sie zwei Wochen hier: Die erste Woche als Teilnehmerin, die zweite als Mitarbeiterin. So wie Maria sind viele Mitarbeiter in die Sola-Familie hinein gewachsen. Auch Frieder (18) aus der Nähe von Zerbst: »Das ist wie eine Familie. Wir wandern aus drei Richtungen hierhin und begrüßen bei der Ankunft die alten Freunde wieder«, sagt er und Maria ergänzt: »Die Gemeinschaft ist bombastisch!«

Die Gruppen sind als Familien organisiert. Passend zur Sola-Rahmenhandlung, denn Noah ruft seine drei Söhne zu sich. Nach dem Frühstück treffen sich die Familien zur Stillen Zeit, anschließend ist eine Bauzeit und dann gibt es Mittagessen. Bauzeit bedeutet, die Teenager helfen beim Bau der Arche mit und bereiten so die Kulisse für die zweite Sola-Woche mit vor.

Christliche Impulse gehören zum Tagesablauf. »Sie geben uns einen Input und Impuls«, erzählt Maria. Frieder berichtet von der freiwilligen Gebetszeit am Nachmittag: »Hier sind wir oft in mittelgroßer Runde.«

An eine Hitze wie in diesem Jahr kann sich beim Sola kaum jemand erinnern. Kopfbedeckung ist Pflicht. Viel Wasser trinken ebenfalls. Darauf haben die Mitarbeiter ein strenges Auge. Immer wieder schallt der Ruf »Kopftuch aufsetzen!« über den Platz. Auch der Tagesablauf wird den Temperaturen angepasst. Die Mittagsruhe um eine Stunde verlängert, damit Bauzeiten oder Workshops nicht in der prallen Sonne stattfinden müssen.

Noahs neue Arche: Aus Brettern, Paletten und Zeltplanen bauen die Jugend­lichen die Kulisse für die Zeltstadt und das diesjährige Thema.

Noahs neue Arche: Aus Brettern, Paletten und Zeltplanen bauen die Jugend­lichen die Kulisse für die Zeltstadt und das diesjährige Thema. Foto: Thorsten Keßler

Hammerschläge auf einen Blecheimer künden vom Ende der verlängerten Mittagspause. Treffpunkt Großzelt. Hier steht ein halbes Dutzend Workshops zur Auswahl. Im Schatten am Waldrand hat Toni Sommer (19) Kartons mit Werkzeug und Speckstein ausgepackt. Ein Dutzend Mädchen und Jungen feilt sich Ringe oder Anhänger. Im großen Gemeinschaftszelt haben sich einige Teilnehmer zu Karten- und Brettspielen zusammen gefunden. Dazwischen läuft der Improtheaterworkshop mit Ricardo Rose (27). Eine Hälfte der Teilnehmer stellt lebendige Statuen dar, die anderen müssen assoziieren, was die Szene darstellen könnte. Ebenfalls im Schatten ist der Wellness-Workshop mit Gurkenmasken und Olivenöl-Peeling. Einzig Alexander Kölling ist mit ein paar Jungen in der Sonne, dafür verspricht das Ergebnis Abkühlung. Aus Euro-Paletten, Spanngurten und Teichfolie entsteht ein Pool, Marke Eigenbau.

Die Sola-Mitarbeiter sind ehrenamtlich und mit viel Herz und Freude dabei. Ricardo Rose gehört auch zum Organisationsteam. Er bedauert, dass das Land Sachsen-Anhalt für das Sola keinen Bildungsurlaub genehmigt. »Beim Kinder-Sola haben wir in der Küche Muttis dabei, die sich extra Urlaub genommen haben.«

Ob mit oder ohne Bildungsurlaub und den Temperaturen zum Trotz bleibt das Sola eine Erfolgsgeschichte. Und das seit inzwischen 18 Jahren.

Thorsten Keßler

www.solazieko.de

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Anhalt bei der Burger Landesgartenschau

29. Juli 2018 von redaktionguh  
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Foto: Angela Stoye

Foto: Angela Stoye

Skulpturen von zwei der bekanntesten Menschen aus der Geschichte Anhalts stehen auf dem Gelände der Landesgartenschau (Laga) in Burg: Albrecht der Bär, der unter anderem das Fürstentum Anhalt gründete, und die Mitstifterin des Naumburger Domes, Uta von Ballenstedt. Vom 30. Juli bis 5. August präsentiert sich die Landeskirche Anhalts bei der Laga in Burg im Kirchen-Pavillon, täglich von 11 bis 17 Uhr.

Schwerpunkt sind die offenen Kirchen und die kirchlich-touristischen Möglichkeiten im über 800-jährigen Anhalt. Im Gottesdienst am 5. August, 12 Uhr, wird Oberkirchenrätin Ramona-Eva Möbius predigen. Die musikalische Ausgestaltung wird der Bläserkreis Anhalts unter Leitung von Landes­posaunenwart Steffen Bischoff übernehmen.

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Zu tiefem Dank verpflichtet

19. Juli 2018 von redaktionguh  
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Nachruf: Trauer um Andreas Schindler. Der Präses der Landessynode starb kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand plötzlich und unerwartet.

Von Kirchenpräsident Joachim Liebig

Völlig unerwartet trifft die Evangelische Landeskirche Anhalts am 12. Juli die Nachricht vom Tod ihres Präses Andreas Schindler. Im Alter von 64 Jahren erliegt er einem Schlaganfall.
Andreas Schindler wird 1953 in Köthen geboren und wächst in einem Pfarrhaus auf. Das Studium der Volkswirtschaft 1974 bis 1978 in Halle schließt er als Diplomökonom ab. 1978 bis 1986 ist Schindler Betriebsteilleiter und Werkleiter in einem volkseigenen Betrieb für technische Textilien in Quedlinburg und Halberstadt.

Andreas Schindler. Foto: Johannes Killyen

Andreas Schindler. Foto: Johannes Killyen

Bereits zu dieser Zeit ist er in Quedlinburg im Gemeindekirchenrat und in der Kreissynode tätig. 1986 wird er Dezernent im Landeskirchenrat der Evangelischen Landeskirche Anhalts, ab 1991 ist er Geschäftsführer der Kanzler von Pfau’schen Stiftung mit Sitz in Bernburg sowie bis zu seinem Tod deren Vorstandsvorsitzender und Stiftungsdirektor. Zugleich ist Schindler seit dem Jahr 2000 Vorsitzender der Kreissynode Bernburg, Mitglied der Anhaltischen Landessynode und der Kirchenleitung sowie seit 2006 Mitglied des Präsidiums der Landessynode. Andreas Schindler steht ihr als Präses im Ehrenamt seit 2012 vor und wurde erst im Mai für eine weitere Legislaturperiode gewählt. Er hinterlässt seine Ehefrau Ulrike Schindler, geborene Böttger, seine hochbetagte Mutter und zwei erwachsene Söhne.

In seinen haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Landeskirche zeichnete sich Andreas Schindler durch eine tiefe Verwurzelung in der Region Anhalt aus. Nachdem sich im Rahmen der friedlichen Revolution die Bedingungen für kirchliches Arbeiten völlig verändert hatten, war es für Andreas Schindler in seinen kirchlichen Verantwortungsbereichen von allergrößter Bedeutung, die Landeskirche für zukünftige Herausforderungen zu gestalten. Freundlich und zugewandt und dabei gleichzeitig zielgerichtet hat er die gegenwärtigen Veränderungsprozesse von Anfang an begleitet.

Sein weiteres zentrales Lebenswerk ist zweifellos die Kanzler von Pfau’sche Stiftung in Bernburg, die während seiner Dienstzeit an unterschiedlichen Standorten zu einer bedeutenden diakonischen Einrichtung in der Region wurde. Persönlich war mir Andreas Schindler vom Beginn meines Dienstes in Anhalt an freundschaftlich verbunden.

Gemeinsam hatten wir in den vergangenen Monaten seinen Übergang in den Ruhestand in den Blick genommen. Sein plötzlicher Tod macht alle Überlegungen zunichte. Die Evangelische Landeskirche Anhalts, die Kanzler von Pfau’sche Stiftung Bernburg und ich persönlich sind Andreas Schindler zu tiefem Dank verpflichtet. Unsere Fürbitte gilt seiner Frau, seiner Familie und allen, die um ihn trauern. In unserem gemeinsamen Glauben empfehlen wir ihn der Hand Gottes.

Trauerfeier für Andreas Schindler am 21. Juli, 9 Uhr, im Gemeindesaal der Kanzler von Pfau’schen Stiftung, Kustrenaer Straße 9, in Bernburg, anschließend Überführung nach Dessau zur Beisetzung

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Hoch geht’s!

17. Juli 2018 von redaktionguh  
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Kirchbau: Turmspitze in Polenzko aufgesetzt

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Balanceakt: Nach drei Monaten bekam Polenzko seine Kirchturmspitze zurück. Foto: Johannes Killyen

Drei Monate haben die Arbeiten gedauert. Seit dem 5. Juli ist der Kirchturm der »Weihnachtskirche« in Polenzko im Kirchenkreis Zerbst wieder komplett. Ein Kran setzte am Vormittag die Turmspitze wieder auf.

Ende März hatte die Sanierung der Kirche mit der Abnahme der Spitze begonnen, deren marodes Fachwerk erneuert wurde. Ebenso wurden die Gefache, also die Zwischenräume zwischen den Holzbalken, saniert. Die Spitze wurde mit Schiefer neu gedeckt, der Turm erhält in den nächsten Wochen eine neue Holzverschalung.

Der Turm der um 1200 erbauten Polenzkoer Kirche wurde erst 1884 aufgesetzt und hat seither gehalten. Zuletzt war er nicht mehr standsicher, weil Schädlinge die tragenden Balken zerfressen hatten. Die Schieflage durch nachgebende Balken war bereits sichtbar. Die Turmspitze musste abgenommen werden, um die Last von Fach- und Mauerwerk zu nehmen. Der erste Bauabschnitt der Kirchensanierung hat einen Umfang von rund 120 000 Euro. Das Geld bringen die Landeskirche Anhalts, die Stiftung Entschlossene Kirchen, Lotto Toto Sachsen-Anhalt sowie der Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf. Hinzu kommen Eigenmittel der Weinberggemeinde Garitz.

Die Dorfkirche in Polenzko gehört zur Weinberggemeinde Garitz und zur Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst. Als eine von mehreren Themenkirchen in der Region informiert sie während des gesamten Jahres über das Weihnachtsfest. Im Chorraum der Kirche stehen Deutschlands größte Krippenfiguren, die der inzwischen verstorbene Holzbildhauer Horst Sommer schuf.

(G+H)

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Lichtpunkte im Dunkeln: Nacht der offenen Kirchen in Köthen

8. Juli 2018 von redaktionguh  
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Vertraut und im Dunkeln geheimnisvoll: Zum siebenten Mal laden Köthener Christen zur Nacht der offenen Kirchen ein (hier eine Aufnahme der Agnuskirche aus dem vorigen Jahr). Alle Gotteshäuser sind am 7. Juli von 20 bis 23.45 Uhr geöffnet. Der gemeinsame Abschluss mit Gedanken und Segen zur Nacht sowie Glockengeläut ist um Mitternacht auf dem Marktplatz vorgesehen. Abwechselnd beginnt in den Kirchen zu jeder vollen Stunde ein Programm von zirka 45 Minuten: Barockmusik für Orgel und Trompete in St. Jakob (20 Uhr); Musik von Georg Friedrich Händel in St. Agnus (21 Uhr); »Dies domini« – Texte und Musik in der katholischen Kirche St. Maria (22 Uhr); Bilder, Musik und Mediation mit Helmut Hauskeller, Panflöte, in St. Jakob (23 Uhr). Davor oder danach ist Zeit für Begegnungen. Ein Getränkeangebot steht in den Kirchen bereit.

Foto: Heiko Rebsch

Foto: Heiko Rebsch

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Feiern ohne Frust

2. Juli 2018 von redaktionguh  
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Premiere: Erster Gottesdienst von Frauen für Frauen in Anhalt

Der Alltag vieler Frauen ist oft sehr voll, viele Dinge sind gleichzeitig zu bewältigen«, sagte Anke Zimmermann. Da sei es gut zu schauen, wo noch Raum bleibt, so die Pfarrerin aus Weißandt-Gölzau im Kirchenkreis Köthen, die seit anderthalb Jahren kommissarisch die Frauenarbeit in der Landeskirche Anhalts koordiniert. In den fünf Kirchenkreisen bilden ehrenamtliche Beauftragte für die Frauen- und Familienarbeit zusammen mit der landeskirchlichen Leiterin den entsprechenden Landesausschuss. Dieser hatte die Idee, am 24. Juni erstmals zu einem zentralen Gottesdienst von Frauen für Frauen nach Ballenstedt einzuladen. Ursprünglich sollte im Schlosspark gefeiert werden, aber wegen des Wetters am Sonntag wurde der Gottesdienst kurzerhand in die Schlosskirche verlegt. Rund 60 Frauen und einige Männer waren zum Mitfeiern gekommen. Unter dem Motto »Es ist noch Raum da« stand das Gleichnis vom großen Festmahl aus dem Lukas-Evangelium im Mittelpunkt.

In einem Anspiel im Gottesdienst ging es um die Lust und den Frust des Feierns. Der Tenor: Feiern soll nicht zum Leistungssport verkommen. Es sollte anders gefeiert werden, damit mehr Raum da ist für Freude, Gespräche und Lebendigkeit. In ihrer Predigt hob Gemeinde- und Bildungsdezernentin Ramona Eva Möbius hervor, dass Jesus genau das gewollt habe. Durch das Umdenken das Gastgebers in der Bibelgeschichte sei eine Wende eingetreten: Die leeren Plätze hätten sich mit Menschen gefüllt, die ohne die Absagen der ursprünglich Eingeladenen nie dabei gewesen wären. Möbius fragte auch nach dem Platz einer jeden in dieser Geschichte. Wie würde man sich selber bei Absagen verhalten? Sich ärgern? Runterschlucken oder nicht? Im Gleichnis habe der Gastgeber seinen Blick geweitet. Es gebe einen Ausblick darauf, wen Gott einlädt. »Jeder will Platz haben und nicht nur Zaungast sein«, so die Theologin. Die Geschichte mache Hoffnung, dass jeder seinen Platz hat bei Gott.

Kirchen-Kaffeekränzchen: Im Frauengottesdienst am Sonntag in der Ballenstedter Schlosskirche ging es darum, was gute Gastgeberinnen und eine gelungene Feier ausmachen. Foto: Jürgen Meusel

Kirchen-Kaffeekränzchen: Im Frauengottesdienst am Sonntag in der Ballenstedter Schlosskirche ging es darum, was gute Gastgeberinnen und eine gelungene Feier ausmachen. Foto: Jürgen Meusel

Im Gottesdienst verabschiedeten die Frauen vom Landesausschuss auch die Gemeindepädagogin Angela Hillig aus ihrer Mitte, die als Ruheständlerin gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard ins Erzgebirge umzieht (siehe G+H Nr. 19, S. 9). Die Gottesdienstkollekte ist für gemeinsame Projekte mit Frauen aus der Tschechoslowakisch-Hussitischen Kirche, einer Partnerkirche Anhalts, bestimmt, die 2017 auf 70 Jahre Frauenordination zurückblicken konnte.

Übrigens ist 2018 für die Frauenarbeit ein besonderes Jahr: Vor 100 Jahren wurde die konservative Evangelische Frauenarbeit in Deutschland mit dem Ziel gegründet, die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland – vor ebenfalls 100 Jahren – zu verhindern, was aber nicht gelang. Vor zehn Jahren wurde der Verband »Evangelische Frauen in Deutschland« gegründet.

In jedem Jahr wird am 1. Sonntag nach Trinitatis (oder einem späteren Sonntag) in den Landeskirchen der EKD offiziell ein Gottesdienst zum Frauensonntag gefeiert.

In Anhalt soll es, so Ramona Eva Möbius, künftig in jedem Jahr in wechselnden Orten einen Gottesdienst von Frauen für Frauen geben und damit eine Tradition begründet werden.

Angela Stoye

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Die Mischung macht es

24. Juni 2018 von redaktionguh  
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Vorgestellt: Eine kleine Gemeinde am Stadtrand von Zerbst schafft es, ihre Kirche baulich zu erhalten und mit Leben zu füllen.

Die Kirche ist top. Das Pfarrhaus ist frisch renoviert. Und was wir als kleine Gemeinde auf die Beine stellen, das ist schon aller Ehren wert.« Voller Stolz sind diese Worte von Matthias Gommlich, dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates von St. Marien Ankuhn in Zerbst. Sie beschreiben, was das Leben ausmacht in der gerade 230 Glieder zählenden Kirchgemeinde mit ihrer in den »Wurzeln« mehr als 800 Jahre alten Kirche.

Ankuhn, die 805 Jahre alte, einst eigenständige und im Jahr 1850 nach Zerbst eingemeindete Vorstadt, hat sich ihre landwirtschaftliche Prägung erhalten. Und vom Gefühl her ein bisschen auch ihre Eigenständigkeit. »Es liegt an uns, hier was zu machen«, meint Matthias Gommlich, weil es ja die Gemeinde Ankuhn im Sinne einer Ortschaft mit Bürgermeister und Rat nicht gebe.

Treffpunkt: Wer die Ankuhner Kirche besuchen möchte, kann sich die Marienserenade mit der Zerbster Kantorei am 24. Juni, 17 Uhr, vormerken. – Foto: Helmut Rohm

Treffpunkt: Wer die Ankuhner Kirche besuchen möchte, kann sich die Marienserenade mit der Zerbster Kantorei am 24. Juni, 17 Uhr, vormerken. – Foto: Helmut Rohm

Und sie machen: der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und sein alles in allem neun Mitglieder zählendes Gremium. Den Pfarrer Albrecht Lindemann einbezogen. 2017 wurden sie für sechs Jahre wieder gewählt. Neu ist die 28-jährige Andrea Thiem. »Wir sind eine gute Mischung«, sagen die »alten Hasen«. Matthias Gommlich ist seit zwölf Jahren im Amt. Sein Vorgänger Eberhard Ganzer gehört ebenfalls noch der Kirchengemeindeleitung an.

Gerade konnten sich die Ankuhner über 10 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz freuen. Damit ist – mit weiteren Fördermitteln und 7 500 Euro Eigenanteil – die Finanzierung komplett für Bauarbeiten, die im Herbst laufen sollen. Insgesamt 40 000 Euro fließen in die Putzsanierung der letzten vier Fächer der Ostfassade. »Dann haben wir die Kirche innen und außen einmal durchsaniert«, beschreibt Matthias Gommlich den guten Zustand des aus einem romanischen und einem gotischen Teil bestehenden Bauwerkes. Bei der Bombardierung von Zerbst am 16. April 1945 wurde auch diese Kirche schwer beschädigt und brannte aus. Die Kirchengemeinde sicherte die Ruine, der romanische Westteil wurde mit einem Ringanker stabilisiert. 1950 wurde ein Notdach auf den als Kirche dienenden Chorraum aufgesetzt.

»Seit 1991 bauen wir intensiv«, sagt Eberhard Ganzer. Erstes Projekt war der Einbau einer Glas-Stahl-Wand, die den bis dahin offenen Kirchenraum abschließt. Es seien immer der Gemeindekirchenrat und zum Teil die Pfarrer gewesen, die die Dinge »in Gang gebracht«, sich engagiert hätten. So auch die heutigen Mitglieder des Gemeindekirchenrates. Sie freuen sich über ihr komplett renoviertes Pfarrhaus, in dem, seit es nicht mehr als Pfarrwohnsitz gebraucht wurde, eine zusätzliche Wohnung ausgebaut und vermietet sowie ein Gemeinderaum neu hergerichtet wurde.

2013 feierte der »Stadtteil« Ankuhn sein 800-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde der Kircheninnenraum neu gemalert und die Elektroanlage in Ordnung gebracht. Jetzt »haben wir die Kirche vor dem weiteren Verfall bewahrt. So muss man ja mit Ruinen umgehen. Und es ist schön geworden«, betont Matthias Gommlich. »Die Kirche hat einen gewissen Charme«, ergänzt Bärbel Matzke.

Diesen haben viele Zerbster zum 800-jährigen Jubiläum überhaupt erst entdeckt. Inzwischen ist die Kirche auch sehr beliebt zum Heiraten. Dazu kommt ein vielseitiges Gemeinde­leben. Da sind das jährliche Gemeindefest, die Osternacht mit dem Osterfeuer, die Marienserenade, der zentrale Gottesdienst zu Himmelfahrt. Seit 2013 gibt es ein Sommerfest, das der Gemeindekirchenrat und junge Familien zusammen organisieren, und am vierten Advent einen kleinen Weihnachtsmarkt. Regelmäßig besuchen sich die Ankuhner und ihre Partnergemeinde in Donop in der Lippischen Landeskirche. Den Gemeinderaum nutzen sie im Winter für Vorträge und Diskussionen. Gottesdienst wird in St. Marien einmal im Monat gefeiert und natürlich zu den Festtagen.

Wenn Bärbel Matzke darauf verweist, dass das jährliche Krippenspiel inzwischen nicht mehr von Kindern, sondern von Erwachsenen aufgeführt wird, dann ist das ein Teil dessen, was sie auch sehen im Gemeindekirchenrat. »Der Anteil der Älteren steigt, vor allem derjenigen, die keine Kirchensteuer bezahlen. Und die Pfarrer werden immer weniger«, nennt Matthias Gommlich nur zwei Probleme, die sich auch auf das Gemeindeleben auswirken.

Die Ankuhner, so hat es den Eindruck, lassen sich davon bisher nicht verdrießen. Und übrigens: »Es sind auch schon wieder ein paar Kinder dabei beim Krippenspiel.«

Helmut Rohm

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»Plus+Punkt« für Anhalt

19. Juni 2018 von redaktionguh  
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Jugendkirche: Seit dem Start kamen 450 Teenager nach Großpaschleben

»Wir haben in Gottes Namen angefangen«, blickte Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius bei der jüngsten Tagung der Landessynode auf die Entwicklung der Jugendkirche »Plus+Punkt« zurück. 2013 habe es erste Überlegungen gegeben, im Dezember 2016 war das Projekt mit einem Gottesdienst und der Amtseinführung von Kreisjugendpfarrer Martin Olejnicki in der romanischen Dorfkirche von Großpaschleben bei Köthen gestartet. Damals habe es dort nur »vier Wände und vier Gemeindeglieder« und wenig Hoffnung für die baufällige Kirche gegeben. Von einladend und ausstrahlend keine Spur. »Was daraus in kurzer Zeit entstanden ist, gleicht einem Wunder.« Möbius dankte allen, die dazu ermutigt hatten, und auch der Landessynode, die das Projekt mitgetragen habe.

Sommer, Sonne, Strand? Beim Konfirmandentag im vorigen Jahr wurde in der Jugendkirche Urlaubsgefühl erzeugt – mit Hilfe vieler Tonnen Sand im Innenraum. – Foto: Heiko Rebsch

Sommer, Sonne, Strand? Beim Konfirmandentag im vorigen Jahr wurde in der Jugendkirche Urlaubsgefühl erzeugt – mit Hilfe vieler Tonnen Sand im Innenraum. – Foto: Heiko Rebsch

Landesjugendpfarrer Matthias Kopischke betonte vor der Synode, dass die Jugendkirche nicht auf Großpaschleben begrenzt bleiben soll. Das Projekt sei auch in den Gemeinden vorgestellt worden. Konfirmandentage und Jugendgottesdienste, die ein wichtiger Bestandteil der Arbeit seien, solle es auch in anderen Orten in der Landeskirche geben. »Jugendgruppen aus Dessau oder Ballenstedt können uns einladen«, unterstrich er. Als Beispiel nannte er den Konfirmandentag. Nach einem ersten derartigen Treffen mit rund einhundert Teilnehmern im vorigen Jahr in Großpaschleben soll es am 8. September 2018 wieder einen geben, dieses Mal aber im Christophorushaus in Wolfen-Nord.

Auch Martin Olejnicki, der zusammen mit dem Jugendreferenten Uwe Kretschmann in der und für die Jugendkirche arbeitet, verwies auf den erlebnispädagogischen Ansatz und darauf, wie wichtig es ist, mit den Angeboten hinauszugehen. In die Kirche kommen indes nicht ausschließlich Jugendliche aus den Kirchengemeinden. »Es kommen auch Ethiklehrer mit ihren Schulklassen«, so Olejnicki, um zu bestimmten Themen zu arbeiten. So bietet die Jugendkirche Module zu Themen wie »Wertvolles Leben«, »Grenzenlos frei«, »Endstation Friedhof« oder »Schein und Sein« an. »Die Jugendlichen«, so Pfarrer Olejnicki, »sind sehr sensibel dafür, was gerade in unserem Land passiert.« Bisher seien über 450 Teenager in den »Plus+Punkt« gekommen.

Mit Blick auf die eingangs erwähnte bauliche Situation in der romanischen Kirche gibt es in Großpaschleben noch einiges zu tun. Ramona Eva Möbius gab bei der Synodentagung bekannt, dass in einem ersten Bauabschnitt in diesem Jahr Toiletten und eine Küchenzeile in die Kirche eingebaut werden sollen. Die Landeskirche stelle dafür 70 000 Euro zur Verfügung. Irgendwann sollen Gruppenräume und Schlafplätze hinzukommen.

Für Landesjugendpfarrer Matthias Kopischke ist auch eine andere Art des Aufbaus wichtig: Kontaktpflege zu Nachbarn wie den Bewohnern des Heinrichshauses, Kindertagesstätten oder Senioren. Er hat festgestellt: »Es waren schon Menschen bei uns, die seit langem keinen Fuß mehr in die Kirche gesetzt haben.«

Angela Stoye

www.pluspunkt-anhalt.com

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Mächtig viel Gebläse

1. Juni 2018 von redaktionguh  
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Landesposaunenfest: Der Bläserchor Gernrode ist am Wochenende Gastgeber

Das war schon ein Erlebnis, wenn man an den berühmten irischen Cliffs of Moher den Choral ›Lobet den Herrn‹ spielt«, schwärmt Eckhart Rittweger – Kreiskirchenmusikwart, Kantor, Orgelsachverständiger und Leiter des Posaunenchores Gernrode, der am 2. und 3. Juni quasi Gastgeber des Landesposaunenfestes in Anhalt ist. »Die Landeskirche Anhalts unterhält eine Partnerschaft mit der Diözese Limerick der Church of Ireland, und wir waren dort mit Mitgliedern unseres Posaunenchores zu Gast«, erinnert sich Rittweger.

Vor dem Ansturm: Der Gernroder Posaunenchor unter der Leitung von Kirchenmusiker Eckart Rittweger (li.) vor der Stiftskirche. Auf dem Kirchengelände treffen sich am Sonntag rund 100 Bläser aus Anhalt. Foto: Jürgen Meusel

Vor dem Ansturm: Der Gernroder Posaunenchor unter der Leitung von Kirchenmusiker Eckart Rittweger (li.) vor der Stiftskirche. Auf dem Kirchengelände treffen sich am Sonntag rund 100 Bläser aus Anhalt. Foto: Jürgen Meusel

Den Chor gab es noch nicht, als der Kirchenmusiker vor 29 Jahren in Gernrode seinen Dienst antrat. »Oder besser, nicht mehr. Ein Katechet hatte ihn vorher geleitet. Ich dachte, einen Posaunenchor braucht die Gemeinde schon.« Er mit seiner Trompete traf auf einen Bekannten, der Trompete spielte, dann kam eine Posaune dazu. So blies er mit Bernd Petrasch und Steffen Ibe in Dreierbesetzung öffentlich. »Wir wuchsen immer mehr, so dass wir 1995 15 Bläser waren.«

Unterdessen wechselte die eine oder andere Position, doch mit 17 Mitstreitern zwischen 16 und 70 Jahren sowie drei potenziellen Kandidaten, die noch in der Ausbildung stecken, verfüge der Posaunenchor über eine solide Basis. Die Besetzung unterscheidet sich wenig von anderen Posaunenchören, doch die zwei Saxophone sind schon besonders. »Wir betreiben aktive Mitgliederwerbung, Steffen Ibe ist in die Schulen gegangen, um Jungbläser zu werben. Fünf junge Leute haben so Trompete gelernt und besuchten die Jungbläsertage.« Doch Rittweger weiß, »die haben wir nicht für uns selbst ausgebildet. Irgendwann sind sie weg aus der Region. Ich bin sicher, irgendwann blasen sie woanders, so dass unsere Mühen nicht umsonst waren.«

Unterwegs von Frose bis Güntersberge

Den Posaunenchor vernimmt man von Frose bis Günthersberge im gesamten Kirchenkreis Ballenstedt, bei Gottesdiensten, aber auch auf Weihnachtsmärkten, bei Gemeindefesten oder Konzerten wie der Volksliedserenade im Gernröder Stiftshof. Rittwegers Mitstreiter kommen nicht nur aus Gernrode, sondern auch aus Dankerode, Neudorf, Bad Suderode und Ballen-
stedt. »Trotzdem, wir sind etwas abgeschieden vom großen Geschehen. Da freut es uns natürlich, dass das Landesposaunenfest bei uns stattfindet. Wir rechnen mit so 100 Bläsern, da steckt musikalisch schon etwas dahinter.« So gibt es im benachbarten Ballenstedt zum Auftakt am Sonnabend ab 14 Uhr ein Open Air Konzert mit allen Bläsern, bevor dann in der Cyriakuskirche »Youth in Brass« und der Bläserkreis ein Konzert spielen. Am Sonntag erklingt dann vor dem Festgottesdienst um 10.30 Uhr ein einstündiger Morgenchoral. Da soll natürlich das Wetter »mitspielen«. Regen würde ziemlich stören – mit der Posaune in der einen Hand passt der Regenschirm schlecht in die andere. Und die Noten würden nass.

Doch der Posaunenchor Gernrode hat Erfahrung vom Posaunentag 2008 in Leipzig und 2016 in Dresden, wo zum Abschlussgottesdienst im Stadion allein 18 000 Bläser musizierten. »Das waren schon unsere größeren Auftritte, aber alle zwei Jahre reisen wir zur Familienbläserfreizeit, ob an der Nordsee oder im Süden, es gibt da immer ein Bläser- und Familienprogramm, dazu gestalten wir vor Ort dann einen Gottesdienst mit.« Das Jahr dazwischen wird für das intensive Proben genutzt.

An diesem Wochenende wird der Posaunenchor Gernrode kein Extra-Konzert geben. »Wir werden uns in die Gemeinschaft einfügen und als Gastgeber die eine oder andere organisatorische Aufgabe übernehmen. So wie wir in der Gemeinde zugreifen, wenn es was zu helfen gibt«, stellt Eckhart Rittweger klar.

Uwe Kraus

www.posaunenwerk-anhalt.de

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