Schwere Technik am Kirchturm im Einsatz

14. November 2017 von redaktionguh  
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Mit großem Interesse verfolgten die Bewohner von Elsdorf bei Köthen am 2. November das Aufsetzen der neuen Turmspitze auf ihren Kirchturm. Der Aktion vorausgegangen waren die Sanierung des oberen Turmabschnitts und die Wiederherstellung der Spitze. Diese musste in den 1980er-Jahren wegen erheblicher Schäden entfernt werden. Das Architekturbüro Bräunig aus Halle plante die Arbeiten, die Firma Secon-Bau aus Edderitz bei Köthen setzte sie um. Neben Eigen- und Spendenmitteln der Kirchengemeinde stellte Lotto-Toto Sachsen-Anhalt für das Vorhaben 41 000 Euro zur Verfügung. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gab 4 000 Euro, die Landeskirche Anhalts 58 000 Euro. Insgesamt kosteten die Arbeiten 188 677 Euro. Für den Erhalt der 1893 erbauten Kirche sind weitere Arbeiten am Mauerwerk und den Seitendächern erforderlich.

Foto: Heiko Rebsch

Foto: Heiko Rebsch

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Der wunderbare Klang der Orgel

6. November 2017 von redaktionguh  
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Kirchenmusikdirektorin Martina Apitz hat seit 34 Jahren in der Köthener Jakobsgemeinde ihr musikalisches Zuhause

Die Musik begleitet Martina Apitz schon immer. Sie ist Teil ihres Lebens. Mit 18 beginnt sie in Leipzig an der Musikhochschule zu studieren, Klavier und Orgel. Damit steht fest: Die Hallenserin will die Musik zu ihrem Beruf machen. Martina Apitz ist Kirchenmusikdirektorin in der Jakobsgemeinde Köthen. Aber wie wurde sie, was sie heute ist?

»Unsere Familie«, erzählt sie, »war immer schon sehr musikalisch.« Ihr Vater, sehr fromm, spielt Klavier, ihre Brüder Geige und Cello. »Ich wollte auch unbedingt ein Instrument spielen.« Und sie will schon als Kind mit in den Gottesdienst, »wegen der Lieder«, sagt sie und erinnert sich, dass sie noch gar nicht lesen konnte. Die Mutter glaubt deshalb, dass sie dafür noch zu klein sei. »Aber die Lieder haben mich schon immer fasziniert; die Predigt fand ich bestimmt langweilig.« Und sie mag das Orgelspiel. »Ich empfand das auch gar nicht als traurig.« Vielmehr beeindruckt der Klang des Instrumentes das Kind.

Der Vater fördert früh den Drang der Tochter, sich auf musikalischem Gebiet zu betätigen. In der Polytechnischen Oberschule »Hanns Eisler« singt sie im Chor, im Schulorchester übernimmt sie den Klavierpart. Seit der zweiten Klasse besucht sie zudem die Musikschule »Georg Friedrich Händel« in ihrer Heimatstadt. Martina Apitz erhält über die Begabtenförderung Unterricht an der Musikschule. Schon in der neunten Klasse absolviert sie die Aufnahmeprüfung im Fach Klavier für die Musikhochschule Leipzig.

Neben dem Klavier will sie unbedingt Orgel spielen. Der Kantor der Petruskirche zu Halle erteilt Orgelunterricht. Schon als Jugendliche orgelt sie in den Gottesdiensten und wird später als Hauptfächer Klavier und Orgel belegen.

Wirkt auch als Chorleiterin: Dieses Foto von Kirchenmusikerin Martina Apitz entstand in der Jakobskirche bei einer Probe für das Pop-Oratorium »Luther«. Sängerinnen und Sänger aus Köthen führten es Ende August zusammen mit vielen anderen Chören in Wittenberg auf. Foto: Heiko Rebsch

Wirkt auch als Chorleiterin: Dieses Foto von Kirchenmusikerin Martina Apitz entstand in der Jakobskirche bei einer Probe für das Pop-Oratorium »Luther«. Sängerinnen und Sänger aus Köthen führten es Ende August zusammen mit vielen anderen Chören in Wittenberg auf. Foto: Heiko Rebsch

Ihr Weg ist vorgezeichnet. »Die Professoren haben sehr darauf geachtet, dass jeder nach dem Studium auch eine Stelle bekommt.« Martina Apitz hat die Wahl: Bernburg, Gernrode oder Köthen. Drei Stellen in Anhalt, die für in Frage kämen. Sie entscheidet sich für Köthen. »Weil Köthen die mit Abstand schönste Orgel hatte.« Und wegen Bach, der in der Stadt einst als Hof-
kapellmeister arbeitete. Die Landeskirche Anhalt stellt sie in der Jakobsgemeinde als Organistin und Chorleiterin an. Die Probezeit beträgt ein Jahr. Kurz darauf bekommt die junge Frau ihr erstes Kind. Eine schwierige Situation.

Sie bleibt nicht zu Hause, geht wenig später wieder arbeiten, weil sie glaubt, die Skeptiker im Gemeindekirchenrat, die meinen, dass eine junge Mutter der Aufgabe nicht gewachsen sei, eines Besseren belehren zu müssen. Es gelingt ihr, Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bekommen. Auch als sie noch eine Tochter bekommt. Seit 34 Jahren wirkt sie mittlerweile in Köthen und ist ihrem Arbeitgeber sehr dankbar für das Vertrauen. Die Jakobskirche, berichtet sie, sei renoviert worden und darüber viel schöner geworden; die Pfarrer hätten gewechselt, Gemeindekirchenräte und die Mitglieder des Bachchores, den Martina Apitz leitet. Anfangs gehörten ihm knapp 30 Sängerinnen und Sänger an, heute über 50.

Neben dem Bachchor betreut sie die Chöre in Görzig und Wörbzig in der Stadt Südliches Anhalt, den Kinder- und Jugendchor in Köthen und die sangesfreudigen Mädchen und Jungen in der Kindertagesstätte »Guter Hirte«. »Ich mache lieber viel und das so effektiv wie möglich«, beschreibt sie. Auch um die Zeit der Menschen, mit denen sie arbeitet, nicht unnötig zu beanspruchen.

Und dann sitzt die Kirchenmusikdirektorin natürlich so oft wie möglich an der historischen Ladegast-Orgel aus dem Jahr 1872. Die Orgel von St. Jakob habe »einen gravitätischen, vollen, wandelbaren, wunderbaren und zu Herzen gehenden Klang«. Mittlerweile übernimmt sie auch den Orgeldienst in St. Agnus. Selbst bei ihr zu Hause, wo die 57-Jährige des Öfteren mit ihrem Mann, der Violine spielt, musiziert, steht eine Orgel mit zehn Registern.

Martina Apitz ist über die Jahre zu einer Expertin für Friedrich Ladegast und romantische Orgeln im Allgemeinen geworden. Sie schätzt den sich daraus ergebenden Austausch mit vielen Musikern in aller Welt. Und gleichermaßen die Möglichkeit, viele verschiedene Orgeln spielen zu können.

Sylke Hermann

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Nach 72 Jahren wie neu

30. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Kirche Thurland wieder in Dienst genommen

Im Oktober ist die Thurländer Kirche im Kirchenkreis Dessau nach Sanierung wieder in Dienst genommen worden: Damit sind 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Kriegsschäden beseitigt, teilte Pfarrerin Margareta Seifert mit.

Blick in den Innenraum. Foto: privat

Blick in den Innenraum. Foto: privat

Die Dorfkirche wurde 1756 gebaut. Im April 1945 – die Frontlinie befand sich in der Nähe der Mulde – brannte sie nach Beschuss völlig aus. In den 1950er Jahren wurde sie notdürftig instand gesetzt. Erst nach der Wende konnten die nun kleinere Turmspitze und das Kirchendach solide erneuert werden. Die provisorische Innendecke des Kirchenschiffs drohte herabzufallen.

Auch dank einer Förderung von fast 42 000 Euro durch das EU-Programm Leader zur Förderung des ländlichen Raumes konnte nun eine neue Holztonnendecke gebaut werden. Die Wände und Bänke im Kirchenschiff wurden neu bemalt und die Beleuchtung erneuert. Die Bauarbeiten kosteten insgesamt 115 000 Euro.

»Herzlichen Dank für die zahlreichen Geldspenden aus dem Ort von 13 622 Euro, die großzügige Unterstützung unserer Landeskirche und vor allem die Förderung durch das Leader-Programm und alle praktische Hilfe für die Erneuerung«, sagte Pfarrerin Seifert. Die Gemeinde freue sich, dass die Kirche mit der erneuerten Orgel wieder ein schöner Raum zur Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde und ihrer Gäste sei.

Thurland gehört heute zum Pfarramt Wolfen-Nord. Obwohl im Ort nur 85 evangelische Gemeindeglieder leben, ist die Gemeinde aktiv, spendenfreudig und junge Familien bringen ihre Kinder zur Taufe, so die Pfarrerin.

(G+H)

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Auf Umwegen zurück zur Martinskirche

23. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Bildnis hängt jahrelang unerkannt beim ehemaligen Museumschef

Nahaufnahme: Langer weißer Bart, tiefe Falten, finsterer Blick. Und dennoch fühlte sich Jürgen Weigelt, ehemals Museumsdirektor in Bernburg, nahezu magisch angezogen von diesem dunklen Gemälde. Er ersteigert es vor mehr als zehn Jahren auf einer Auktion, fasziniert von einem eigenständigen Stil. Und, ja, auch weil es signiert und datiert ist. Georg Tronnier, 1903. Weigelt hängt sich das Bild zu Hause in sein Herrenzimmer.

Lange Jahre geht er davon aus, es handele sich um ein Selbstporträt. Bis Zeit und Neugier reif für Recherchen sind. Im Künstlerlexikon findet er Tronniers Lebensdaten. Der Künstler wurde 1873 geboren; unmöglich, dass er sich 30 Jahre später als alten Mann selbst auf die Leinwand bannte. »Also telefonierte ich ein bisschen herum. Der Museumskollege aus Hannover gab den entscheidenden Hinweis, es handele sich um Conrad Wilhelm Hase.«

Das Porträt des Erbauers der Martinskirche übergibt Jürgen Weigelt (l.) an Pfarrer Karl-Heinz Schmidt. Foto: Ute Nicklisch

Das Porträt des Erbauers der Martinskirche übergibt Jürgen Weigelt (l.) an Pfarrer Karl-Heinz Schmidt. Foto: Ute Nicklisch

Jener Architekt Hase? Der königlich-hannoversche Baurat und Konsistorialbaumeister der Hannoverschen Landeskirche? Ja. Jürgen Weigelt muss schmunzeln. Ist das nun Zufall oder Fügung, fragt sich der Katholik. Und freut sich. Denn in seinem Herrenzimmer, das wird in diesem Augenblick klar, hängt seit mehr als zehn Jahren ein Porträt des Mannes, der die Gründerzeit in Bernburg entscheidend mitgestaltete – mit dem Bau der Martinskirche in der Bergstadt.

Conrad Wilhelm Hase (1819–1902) schuf rund 300 Bauwerke, darunter mehr als 100 Sakralbauten. Den Raum Hannover prägte er, sodass man statt Neugotik von »Hasik« sprach. Bis ins hohe Alter arbeitete der Architekt: Die Martinskirche in Bernburg wurde am 5. Oktober 1887 eingeweiht, nachdem im Lutherjahr 1883 erste Pläne zum Bau entstanden, erzählt der heutige Pfarrer Karl-Heinz Schmidt. Bernburg war damals eine wachsende Stadt, die Bindung an die Kirche selbstverständlich. Bis zu 12 000 Glieder zählte die Schlosskirchengemeinde – eine neue, zusätzliche Kirche wurde dringend gebraucht. Im September 1884 begannen die Bauarbeiten für die Martinskirche nach Plänen des Baurats Hase.

Ob sich damals kein anhaltischer Architekt fand und wer das Hase-Porträt 1903 posthum in Auftrag gab, das sind Fragen, die Pfarrer Schmidt noch nicht beantworten kann. Er hofft, dass es im Landeskirchenarchiv dazu Unterlagen gibt. Auch Jürgen Weigelt kann keine Angaben machen. »Bei Versteigerungen werden Provenienzen nicht bekannt gegeben«, sagt er. Dem Katholiken war jedoch klar, dass das Gemälde seinen Platz bei den evangelischen Brüdern und Schwestern finden soll. Es wird dieser Tage im Eingangsbereich der Kirche aufgehängt.

Pfarrer Schmidt hat recherchiert, dass zur Gründerzeit der Martinsgemeinde, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, rund 100 Paare getraut, 400 Menschen beerdigt und 400 Kinder getauft worden – jährlich. Heute sind es rund 20 Taufen im Jahr. Aber die neogotische Martinskirche erfährt seit zehn Jahren eine Renaissance. Mit dem Martinszentrum, das Kirche, Kita, Schule und Hort vereint, werden viele Räume zur Begegnung geschaffen.

Katja Schmidtke

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In seinem Element

16. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Küster Reinhard Beab kümmert sich in der Köthener Jakobsgemeinde um viele Kleinigkeiten

Reinhard Beab hat seinen Frühsport schon hinter sich, wenn er Köthen und die Jakobsgemeinde am Morgen erreicht. Reinhard Beab ist mit dem Rad unterwegs, jeden Tag, bei jedem Wetter. »Es gibt doch heute für alles einen Schutz«, sagt er. Im Winter Ohrenklappe und Handschuhe, bei Regen ein Cape. Nichts könnte ihn abhalten, sein geliebtes Rad zu nutzen. Das sei schon immer so gewesen. Damals, zur Schulzeit, seien ihm die Busse einfach zu voll gewesen und alles viel zu chaotisch. Deshalb bevorzugte er schon als Jugendlicher das Rad.

Heute ist Reinhard Beab 64 Jahre alt und noch immer passionierter Radfahrer. Rund zehn Kilometer liegen zwischen seinem Wohnort Wörbzig im südlichen Anhalt und der Bachstadt, wo er Kirchwart in der Jakobsgemeinde ist. Was ein Kirchwart tut, beschreibt er mit den Worten: »Man bereitet sämtliche Veranstaltungen vor.« Vor allem die Gottesdienste. Ein bisschen sei das so, als wäre er der Hausmeister der Kirchengemeinde. Eine Aufgabe, die er 2011 von seinem Vorgänger, der in den Ruhestand gegangen war, übernommen hat. Und die ihm viel Freude bereitet. Mit der Kirche ist Reinhard Beab verbunden. In seiner Heimat Wörbzig engagiert er sich seit 20 Jahren im Gemeindekirchenrat.

Nach dem Gottesdienst verkauft Küster Reinhard Beab in der Jakobskirche Köthen auch die aktuelle Ausgabe der Mitteldeutschen Kirchenzeitung. Foto: Heiko Rebsch

Nach dem Gottesdienst verkauft Küster Reinhard Beab in der Jakobskirche Köthen auch die aktuelle Ausgabe der Mitteldeutschen Kirchenzeitung. Foto: Heiko Rebsch

Wenn Reinhard Beab, der von Beruf Bauingenieur ist, etwas reparieren kann, ist er in seinem Element. Im Kindergarten zum Beispiel, dessen Träger die Jakobsgemeinde ist, gehe schließlich laufend etwas kaputt. Um das Pfarrhaus und den dazugehörigen Garten kümmert er sich auch. Ihm liegt viel daran, dass es ordentlich und aufgeräumt aussieht. »St. Jakob ist der Blickfang in der Stadt, ein besonders beeindruckendes Bauwerk«, findet er.

Zu den Gottesdiensten, die er als Kirchwart mit vorbereitet, ist er natürlich vor Ort. Zumal er anschließend »Glaube +Heimat« verkauft. Irgendwann, erinnert sich der Küster, sei der Pfarrer zu ihm gekommen und meinte, er könne doch nach dem sonntäglichen Gottesdienst die Kirchenzeitung der Landeskirche Anhalts und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland verkaufen. Das tut er seither. Und freut sich, ein Produkt anbieten zu können, das rege nachgefragt werde. Mittlerweile kennt er seine Interessenten. Manchmal gebe es sogar mehr potenzielle Käufer als Exemplare zur Verfügung stehen, berichtet Reinhard Beab.

Seine Arbeit gefällt ihm. Er ist dankbar, sie zu haben. Zumal er vor dieser Anstellung lange arbeitslos gewesen ist. »Es wird nie langweilig«, sagt er und denkt schon an den nächsten Gottesdienst und daran, dass die Mikrofone richtig eingestellt sind, die Kerzen angezündet werden und die Beleuchtung stimmt.

Sylke Hermann

Kirchenzeitung
Wenn auch Sie die Mitteldeutsche Kirchenzeitung nach dem Gottesdienst in Ihrer Gemeinde verkaufen möchten, wenden Sie sich bitte an Renate Wähnelt, Telefon (03 91) 54 42 84 40, oder per E-Mail <marketing@wartburgverlag.de>.

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Gemeindeleiter, Vermögensverwalter und Visionäre

9. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Wahlen: Mehr als 29 000 Menschen stimmen im Oktober über ihre Kirchenältesten ab

Nach sechs Jahren werden in diesem Herbst in der Landeskirche Anhalts die Gemeindekirchenräte neu gewählt. Rund 29 600 wahlberechtigte Frauen und Männer sind dazu aufgerufen, einen neuen Gemeindekirchenrat zu wählen. Zwischen dem 11. und
31. Oktober entscheiden sie für die nächsten sechs Jahre über die Zusammensetzung des Leitungsgremiums ihrer Kirchengemeinde. Das Motto der Gemeindekirchenratswahl lautet »Mit dem Kreuz ein Zeichen setzen«.

Die Kirchenältesten in den rund 140 Gemeinden der Landeskirche tragen gemeinsam mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer Verantwortung für die geistliche Leitung der Gemeinde und den Gottesdienst. Sie entscheiden gemeinsam über die Arbeit in der Kirchengemeinde, von der Krabbelgruppe bis zum Seniorenkreis, verwalten das Gemeindevermögen, entscheiden mit bei der Besetzung der Gemeindepfarrstellen, beschließen den jährlichen Haushaltsplan, klären Schwierigkeiten, etwa bei Beanstandungen in der Dienstpflicht von Mitarbeitern, und sind für alle Gemeindeglieder ansprechbar.
Anhalt-40-2017Bei der Gemeindekirchenratswahl können auch alle Jugendlichen ihre Stimme abgeben, die konfirmiert sind. Die Landeskirche hat 33 900 Mitglieder. Die meisten Wahlen finden am 15., 22. und 29. Oktober statt sowie am Reformationstag. Auch Briefwahl ist möglich. Kirchenpräsident Joachim Liebig wird zur Eröffnung der Wahl am 15. Oktober um 14 Uhr am Gottesdienst mit anschließender Wahl in der Kirche St. Christophorus Quellendorf teilnehmen. »Diese Wahl ist für uns von großer Bedeutung«, sagt der Kirchenpräsident. »Denn laut unserer Verfassung baut sich die Landeskirche auf den Gemeinden auf, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind. Es sind die Kirchen­ältesten in den Gemeinden, die die Mitglieder der Landessynode wählen. Und in der Landessynode – unserem ›Kirchenparlament‹ – wird dann über die Kirchenleitung und den Landeskirchenrat sowie über viele weitere wichtige Fragen entschieden.« Der ehrenamtliche Einsatz der Kirchenältesten – also der Mitglieder des Gemeindekirchenrates – könne gar nicht hoch genug geschätzt werden, betont Liebig. »Sie engagieren sich außerordentlich und tragen eine hohe Verantwortung für ihre Kirche.«

Bei der letzten Gemeindekirchenratswahl im Jahr 2011 wurden 934 Kirchenälteste gewählt, 539 von ihnen waren Frauen und 395 Männer. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 20 Prozent.

Mitglieder des Gemeindekirchenrats können sich aufgrund ihrer Interessen oder ihrer Berufe bestimmter Aufgaben besonders annehmen. Die Gemeinde und die Landeskirche lassen die Kirchenältesten mit diesen Aufgaben nicht allein: Sie haben die Möglichkeit, sich fortzubilden oder sich auszutauschen.

(G+H)

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Ausgezeichnet: Religion macht Geschichte

2. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Archiv der Landeskirche unterstützte Schüler bei Wettbewerb des Bundespräsidenten

Vier der diesjährigen Landessieger aus Sachsen-Anhalt im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten kommen aus Dessau und wurden vom Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts unterstützt.

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stand 2016/17 unter dem Motto »Gott und die Welt. Religion macht Geschichte«. Auf Initiative von Renate Schulze, Geschichtslehrerin im Philanthropinum, beteiligten sich sechs Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 a und 10 c daran.

»Als Frau Dr. Schulze auf uns zukam, zögerten Landeskirchenarchivar Günter Preckel und ich keine Sekunde«, sagt Jan Brademann vom Kirchenarchiv. Gemeinsam habe man ein Thema gesucht, das zum Motto passt, auf neue Erkenntnisse abzielt und dabei für Schüler zu bewältigen ist. Zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 haben die Kollegen des kirchlichen Archivs die Schüler intensiv betreut.

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

»Wir lasen uns gemeinsam ein, sichteten Quellen und überlegten eine passende Fragestellung. Regelmäßig kamen die drei Arbeitsgruppen zu uns ins Archiv. Dort arbeiteten sie sich durch Literatur und vor allem Quellen, wie Akten, Kirchenboten, Zeitungsartikel und manches mehr.«

Aus Scheu wird Faszination

Die anfängliche Scheu vor der merkwürdigen Sprache und der noch schwierigeren Schrift sei bald der Faszination gewichen. Religion war sehr präsent im Leben der Menschen, und die Kirche war aufs Engste mit Gesellschaft und Politik verwoben – im 17. wie auch noch im 20. Jahrhundert. Unter verschiedenen Perspektiven beleuchteten die jungen Leute aktuelle Fragen historisch: etwa die nach der Toleranz gegenüber Lutheranern im reformierten Anhalt-Dessau im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert; nach der vermögensrechtlichen Trennung von Staat und Kirche in der Weimarer Republik und nach dem Verhältnis von Religion und Politik in der Dessauer Paulusgemeinde zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Arbeiten von Kim Kamenik und Moritz Gärtner »Vom schwierigen Weg in ein säkulares Deutschland: Der Prozess der Evangelischen Landeskirche Anhalts gegen den Freistaat Anhalt 1924 bis 1930« sowie von Paula Eichler und Jasmin Sahit »Toleranz schafft eine Kirche – die Entstehung der Johanniskirche zu Dessau« wurden Landessieger in Sachsen-Anhalt. Die Preise wurden im September im Kulturhistorischen Museum Magdeburg von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verliehen.

Gottes Weg durch die Zeit

Aus Sicht eines Historikers sei der Wert dieses Wettbewerbs als sehr hoch einzuschätzen, so Jan Brademann. Der Wettbewerb helfe jungen Menschen, sich zu befähigen, sie umgebende Erinnerungsorte zu erschließen und mit Sinn zu versehen; sie lernen, einen kritischen Blick auf bestehende Geschichtsbilder zu entwickeln und schließlich üben sie, überhaupt Argumente aus Tatsachen zu entwickeln. »Für uns Christen ist die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte immer auch eine Möglichkeit, den Weg Gottes durch die Zeit nachzuvollziehen und so für die eigene Glaubenssuche Impulse zu bekommen«, so Brademann weiter.

Der Wettbewerb wird von der Körber-Stiftung ausgeschrieben, die 550 Geldpreise auf Landes- und Bundes­ebene auslobt, und fand zum 25. Mal statt. Bundesweit beteiligten sich dieses Mal 5 064 Kinder und Jugendliche, von Erstklässlern bis zu jungen Studierenden und Berufsschulabsolventen, mit insgesamt 1 639 Beiträgen. Die Vielfalt der Arbeiten und Projekte ist groß. Rund 700 Tutoren begleiteten die jungen Spurensucher bei ihrer Forschungsarbeit.

Die Landessieger haben jetzt noch Chancen auf eine Auszeichnung auf Bundesebene.

(G+H)

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Mit »Paulus« schließt sich der Kreis

25. September 2017 von redaktionguh  
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Jubiläum: Zum Reformationsfest 1917 gründete sich der Dessauer Lutherchor. Er gewährte Sängern und Zuhörern Zuflucht vor den Härten des Alltags.

Was vom Reformationsjubiläum 2017 in Dessau über dieses Jahr hinaus bleibt, wird die Geschichte zeigen. Das Reformationsjubiläum 1917 jedenfalls hat bis heute seine Spuren in der Stadt hinterlassen. Vor 100 Jahren gründete sich in der damaligen Residenzstadt des Herzogtums Anhalt ein Reformationschor, der seit 1946 über die Grenzen Dessaus hinaus als Lutherchor bekannt ist.

Als Reformationschor gegründet, als Lutherchor heute bekannt: Die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund beim Konzert in der Dessauer Johanniskirche. Foto: Doreen Ritzau

Als Reformationschor gegründet, als Lutherchor heute bekannt: Die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund beim Konzert in der Dessauer Johanniskirche. Foto: Doreen Ritzau

Mit aktuell 82 Sängerinnen und Sängern, vom jungen Erwachsenen bis zum Senior, ist er einer der größten Laienchöre der Stadt. Jeden Dienstagabend wird in der Petruskirche geprobt. Aktuell für die drei Jubiläumsaufführungen. Am 24. September, 17 Uhr, erklingt in der Dessauer Johanniskirche ein A-cappella-Konzert. Am 29. Oktober kommt um 10 Uhr im Festgottesdienst am selben Ort die Kantate »Schmücke dich, o liebe Seele« von Johann Sebastian Bach zu Aufführung. Passend zum Reformationstag erfüllt akustisch, um 17 Uhr, das Oratorium »Paulus« von Felix Mendelssohn Bartholdy die Räume der Johanniskirche. Damit schließt sich ein Kreis.

Denn mit »Paulus« von Mendelssohn Bartholdy hat vor 100 Jahren alles angefangen. Der Dessauer Landeskirchenmusikdirektor Gerhard Preitz suchte zum 400-jährigen Reformationsjubiläum 300 Sänger, die in einem Reformationschor den »Paulus« zum Besten gaben. 600 hatten sich beworben. »Das ist angesichts der damaligen Umstände erstaunlich«, resümiert Matthias Pfund, der aktuelle Landeskirchenmusikdirektor der Anhaltischen Landeskirche und Leiter des Lutherchors. 1917 war ein schweres Jahr. Der »Hurra-Patriotismus«, mit dem 1914 und 1915 unter jubelndem Beifall der Bevölkerung junge Männer verabschiedet wurden, um an den Fronten des Ersten Weltkrieges für das Kaiserreich zu kämpfen, wich einem ernüchternden Realismus. Der Kaiser und seine Untertanen standen kurz davor, den Krieg zu verlieren. Immer mehr Versehrte und Traumatisierte kehrten heim. Der Kriegsalltag war von harten Entbehrungen geprägt. Feierlaune mag bei den wenigsten aufgekommen sein.

Und doch war das bevorstehende Konzert zum 400-jährigen Reformationsjubiläum so etwas wie ein kleines Aufbäumen gegen die Umstände, ein Licht in der Tristesse, mag der Beobachter anno 2017 vermuten. So probten die Laiensänger intensiv für die öffentliche Aufführung des »Paulus« und sollten nach dem Konzert eigentlich wieder auseinandergehen. Doch die Mitstreiter fanden so viel Gefallen daran, dass das Jubiläum zwar verging, aber der Reformationschor blieb. Viele gesellschaftliche Umbrüche hat er in seinen 100 Jahren miterlebt.

Seine Funktion als Zufluchtsort vor den Härten des Alltags zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Stets war er seinen Mitstreitern und Zuhörern ein persönlicher Halt. Die unruhigen Zeiten in der jungen Demokratie der Weimarer Republik, inklusive Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise, ließ er bei Proben und Konzerten wenigstens für ein paar Stunden vergessen. In der NS-Zeit pausierte er von 1939 bis Kriegsende. 1946 wurde seine Neugründung, diesmal unter dem Namen »Lutherchor«, förmlich herbeigesehnt. Hier konnte man sich mittels der Musik gegen die Unfreiheit in der Sowjetzone und später der DDR ein wenig auflehnen.

Seit der Wende ist der Lutherchor »ein Brückenbauer zwischen der Kirche und der säkularen Gesellschaft«, wie Matthias Pfund betont. Was sich am besten beim jährlichen Weihnachtsoratorium beobachten lässt, wenn Nichtchristen und Christen in trauter Eintracht lauschen.

Danny Gitter

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Nach »Mach dich ran« geht es nun los

18. September 2017 von redaktionguh  
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Eichholz: Kirchensanierung startet nach dem Erntedank-Gottesdienst

Groß war die Freude in Eichholz über den Gewinn von 125  000 Euro Fördermitteln der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland in der MDR-Sendung »Mach dich ran« vor zwei Jahren; groß aber auch die Sorge, weitere 125 000 Euro an Eigenmitteln zusammenzubringen, um den Gewinn abzurufen. In diesem Herbst kann Pfarrer Albrecht Lindemann nun melden: »Es sieht gut aus, wir werden die Summe wohl zusammenbringen.«

Bereits nach dem Erntedankgottesdienst (1. Oktober, 14 Uhr) wird die Sanierung der baufälligen Feldsteinkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert beginnen. Zunächst wird eine Apsis neu gemauert, dann die aus dem 19. Jahrhundert stammende Erweiterung abgetragen und die Kirche auf ihr ursprüngliches, mittelalterliches Maß zurückgebaut. Anschließend werden das Dachtragwerk und die Decke des Kirchenschiffes abgerissen, Risse in der Fassade saniert, der Innenraum gestaltet sowie die Elektroinstallation, der Eingang und die Fenster erneuert. Die Sanierung der Kirche am Lutherweg wird durch das Zerbster Ingenieurbüro Götz geleitet. Die künstlerische Gestaltung hat Professor Johannes Schreiter übernommen.

Ein Luther aus Ton: Ulrich Schwarz und Harald Birck (r.) mit der Skulptur für Eichholz. Foto: Albrecht Lindemann

Ein Luther aus Ton: Ulrich Schwarz und Harald Birck (r.) mit der Skulptur für Eichholz. Foto: Albrecht Lindemann

Viel private Unterstützung gibt es für die Eichholzer Kirchengemeinde. Die von der Schönebecker Manufaktur von Heinrich Tognino gefertigten Stifte aus Eichholzer Kirchenholz fanden viele Abnehmer, jeder siebte Euro fließt in die Kirchensanierung, bislang kamen so 2 000 Euro Spenden zusammen. Kürzlich hat die Kirchengemeinde zudem eine Lutherskulptur des Berliner Künstlers Harald Birck geschenkt bekommen. Der Maler und Bildhauer fertigte 2010 für das Wittenberger Luther-Hotel eine 2,20 Meter große Figur des Reformators. Neben dieser Bronzestatue entstand eine Reihe von Bildern und Skulpturen, viel beachtet und beschrieben in einem Sammelband von Autoren wie Heinrich Bedford-Strohm, Margot Käßmann und Frank-Walter Steinmeier. Als spielerisch bezeichnet Birck seine Arbeitsweise bei der Suche nach dem eigenen Lutherbild, »mein Luther sollte ein Mensch werden: leidend, kraftvoll, stolz, sinnlich, verletzlich, handelnd, hadernd … eben lebendig«.

Der Dortmunder Unternehmer Ulrich Schwarz, der die Sanierung der Eichholzer Kirche anlässlich seines 65. Geburtstages bereits mit einer Spende von 10 000 Euro gefördert hatte, sah nun in Dortmund die Wanderausstellung »Bilder von Luther« von Birck, nahm kurzentschlossen Kontakt auf und erwarb die aus Ton gefertigte Plastik für Eichholz. »Meine Frau und ich fühlen uns Eichholz durch unsere Familie sehr verbunden«, begründet Ulrich Schwarz sein Engagement. »Wir genießen die Schönheit der Landschaft und die Gemeinschaft der Menschen. Gern tragen wir etwas bei«, so Schwarz.

»Als Kirchengemeinde sind wir für dieses Geschenk und die Unterstützung, die wir von vielen Seiten erfahren, sehr dankbar. Ob Martin Luther selbst hier war, wissen wir nicht«, sagt Maren Gabriel, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. »Reisende auf dem Lutherweg treffen zukünftig in unserer Kirche aber auf einen einmaligen Luther.«

(G+H)

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Der singende Küster

10. September 2017 von redaktionguh  
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Porträt: Thomas Nürnberg hält die Petruskapelle offen und regelmäßig Andachten

Der dänische Dichter Hans Christian Andersen war ebenso in Alexisbad wie Carl Maria von Weber oder Bach«, weiß Thomas Nürnberg, der fast täglich vom Heimatort Harzgerode in dessen Ortsteil fährt.

Den 48-Jährigen verbindet viel mit der Kapelle, die erst seit 2008 nach Petrus benannt ist. »Dessen Bild hängt heute über dem Altar«, erzählt Nürnberg. Das hatte Luise, die Tochter der Herzogin von Anhalt-Bernburg, Friederike von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, in Ballenstedt als Hochzeitsgeschenk erhalten. Sie war es auch, die im 1815 errichteten Teepavillon Gottesdienste ermöglichte. »Erst 1933 kaufte die Ortskirche Harzgerode den Pavillon«, sagt Thomas Nürnberg. Er kennt auch die traurige Geschichte der Kapelle in den vergangenen Jahrzehnten. Der Kurort, in dem Karl Friedrich Schinkel seine architektonischen Spuren hinterließ, begrüßte zur DDR-Zeiten besonders viele Urlauber von Staatssicherheit, Polizei und SED. »Keine typischen Gottesdienstbesucher«, meint Nürnberg lakonisch. So verfiel die kleine Kapelle, der Schwamm hatte Einzug gehalten, das Petrusbild befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Nach der Wende wurde alles aus Fördermitteln und Spenden saniert.

Offene Kirche: Thomas Nürnberg hält freitags in der Petruskapelle in Alexisbad musikalische Andachten. Foto: Uwe Kraus

Offene Kirche: Thomas Nürnberg hält freitags in der Petruskapelle in Alexisbad musikalische Andachten. Foto: Uwe Kraus

Da erfüllte Thomas Nürnberg bereits seine Aufgabe als ehrenamtlicher Küster. »Weil ich mit den Harzgeröder Pfarrerskindern befreundet war, hatte ich schon vorher in St. Marien mitgeholfen.« Er erinnert sich an den ruinösen Zustand dort, der mit Unterstützung der Partnergemeinde Hohenhausen aus Detmold-Lippe beseitigt wurde.

Und er erinnert sich daran, dass er mit acht Jahren begann, bei den Gottesdiensten die Liturgien zu singen. Der kleine Junge war Autodidakt, seine Tante holte ihn in die Volkstanzgruppe. »Später erhielt ich an der Musikschule Quedlinburg Gesangsunterricht und machte meinen Abschluss dort.« Er gewann einen Wettbewerb, hatte Glück und erhielt seine Vorimmatrikulation an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Doch davor hatte der Staat den Armeedienst gesetzt. Der fiel in die Wendezeit, die für ihn alles veränderte. Statt zum Studium ging er zurück in den Harz, arbeitete auf dem Friedhof, organisierte in Ballenstedt Konzerte und nimmt bis heute Gesangsunterricht.

In der als Teehäuschen für Herzog Alexius und Herzogin Marie Friederike von Anhalt-Bernburg errichteten Petruskapelle singt er nun jeden Donnerstag und hält freitags eine musikalische Andacht. Schließlich ist er ehrenamtlicher Lektor in der Landeskirche Anhalts. Die Touristen in den umliegenden Hotels werden dazu mit Handzetteln und Aufstellern eingeladen. Wenn Bariton Nürnberg die kleine Kapelle mit seiner Stimme erfüllt, dann erklingt ganz besondere Musik: Sie erinnert an die Geschichte Anhalts und des exponierten Ortes.

Carl Christian Agthes Musik erklingt, Werke von Mendelssohn Bartholdy und von Albrecht Lortzing, dessen »Undine« in Anhalt uraufgeführt wurde, werden ebenso gesungen wie das »Opferlied« oder »Adelaide«, die Ludwig van Beethoven nach Gedichten des anhaltischen Dichters Friedrich von Matthisson komponierte. Anhalt habe musikhistorisch einiges vorzuweisen, so Thomas Nürnberg, der den Besuchern die tiefe Verbundenheit der Komponisten mit der Region vermitteln möchte.

Er weiß, all das geht weit über das Gemäuer der Petruskapelle und die Ortsgrenzen von Alexisbad hinaus und gehört zur Historie Anhalts. Doch der ehemalige Teepavillon bietet seit 17 Jahren auch Platz für die evangelische Osternacht ebenso wie für die drei Gottesdienste zu Weihnachten und für die Lichterfeste. Thomas Nürnberg ist immer dabei und fühlt sich darum der Petruskapelle auch nach über einem Vierteljahrhundert eng verbunden.

Uwe Kraus

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