Luther für junge Leute heute
5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Tagung im Lutherpark Erfurt suchte nach neuen Zugängen zum Reformator.

Im Erfurter Augustinerkloster wandelten die Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums Eisenach auf Luthers Spuren. Die Büste des Reformators ertrug geduldig eine kleine Spaßeinlage. Foto: Susanne Kay
»Wir müssen uns noch um unser Symposium kümmern.« – Der Satz geistert in diesen Tagen immer wieder durch die Gänge der Tagungsstätte »Lutherpark« in Erfurt, wo die Projektwoche »Denkwege zu Luther« läuft. Aber nicht Wissenschaftler sind es, die sich damit gegenseitig an ihre Pflichten erinnern, sondern 17-jährige Schüler. »Die Jugendlichen stehen unter einem unheimlichen Leistungs- und Anpassungsdruck«, hat Pfarrerin Dorothea Höck beobachtet. Der komme teils von ehrgeizigen Eltern, teils aber auch von ihnen selbst.
Die Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Thüringen leitet gemeinsam mit ihrem Wittenberger Kollegen Carsten Passin die Projektwoche. Beide wollen die offenbar sehr auf Leistung und Erfolg eingeengte Lebenssicht der Jugendlichen hinterfragen – und zwar mit Zitaten von Luther sowie anderen Theologen und Philosophen. »Wir wollen damit Luther aufbereiten für junge Leute von heute. Das ist bundesweit ein einzigartiges Konzept«, ist sich Passin sicher, der als konfessionsloser Philosoph die »Sicht von außen« auf Luthers reformatorische Gedanken mitbringt.
Und dass die hochaktuell sind, zeige sich zum Beispiel bei der Frage »Warum wollen Menschen arbeiten?« Passin hat bei den Schülern festgestellt: »Da werden regelrechte Heilserwartungen geäußert.« Ähnlich sei dies auch bei der Frage nach dem Wohlstand: »Ohne den ist für viele das Leben gar nicht lebenswert.« Doch gerade das mache den Menschen erpressbar und anfällig für Druck, unterstreicht Dorothea Höck. »Die Frage ist doch: Lebst du oder wirst du gelebt?«
»Da werden regelrechte Heilserwartungen geäußert«
Doch den knapp 30 Schülern des Martin-Luther-Gymnasiums Eisenach wird in der Projektwoche weit mehr geboten als Philosophieren: Mit einer ganztägigen Exkursion ins Erfurter Augustinerkloster soll den Schülern die Lebenswelt Luthers auch ganz praktisch nahe gebracht werden. »Das erste Gebet fand damals 2 Uhr nachts statt, das letzte 21 Uhr abends«, schildert Klosterführer Helmut Finke das Mönchsleben im Orden der Augustiner-Eremiten, der für seine ausgesprochene Strenge bekannt war. »Beinahe sechs Monate im Jahr fasteten die Mönche.«
Und diese Mischung aus Disput und Lebenspraxis scheint anzukommen bei den Jugendlichen: »In der Schule bleibt kaum Zeit für tiefgründige, lehrplanfremde Themen«, meint Bernhard, einer der Gymnasiasten. Und Sarah ergänzt: »Wir sind hier sehr frei, ohne Verpflichtungen, merken aber auch: Ohne Engagement läuft nix.« Die Woche habe sie ins Nachdenken über sich selbst gebracht und helfe ihr dabei, ihren eigenen Lebensweg zu suchen und zu finden.
Positive Resonanz hat die Projektwoche, die es in abgewandelter Form seit 2005 gibt, inzwischen auch auf Seiten der Politik gefunden: Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt mit einem – wenn auch bescheidenen – Beitrag von vierzig Euro pro Schüler und Woche. »In Sachsen-Anhalt kämpfen wir noch darum«, unterstreicht Carsten Passin die Situation im benachbarten Bundesland. Und er weiß, warum sich das lohnt: »Nach einer Woche merkt man bei den Jugendlichen: Da ist innerlich was passiert.«
Rainer Borsdorf
»Es darf in der Kirche kein Klima des Vertuschens geben«
26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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EKM-Personaldezernent Christian Frühwald über den Umgang mit Missbrauchsfällen
Herr Frühwald, die katholische Kirche wird derzeit durch das Bekanntwerden immer neuer Missbrauchsfälle erschüttert. Sind Sie überrascht, wie viel da jetzt an die Öffentlichkeit gelangt?
Frühwald: Erst mal bin ich froh, dass es überhaupt ans Licht kommt. Bei aller ökumenischen Verbundenheit, darf es keine Räume in unserer Schwesterkirche geben, in denen dieses schwere Verbrechen geduldet wird. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen.
Zweitens zeigt die große Anzahl von Fällen, dass nicht nur Aufklärung, sondern vor allem eine offene Debatte in der Römisch-Katholischen Kirche Not tut. Die Ausbildung, die Rolle und die Lebensweise der Priester muss ebenso zur Diskussion gestellt werden wie das scheinbar in bestimmten katholischen Einrichtungen herrschende Klima der Angst, Fehler und Nöte zu offenbaren.
Gab oder gibt es aktuell in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Missbrauchsfälle? Wie viele sind Ihnen bekannt?
Frühwald: Es gab in der Vergangenheit vereinzelte Fälle in der EKM, allerdings sind mir aus den letzten sieben Jahren nur zwei bekannt. In diesen Fällen haben wir klar und konsequent gehandelt und die Täter aus dem kirchlichen Dienst entfernt. Häufiger sind leider in den letzten Jahren Straftaten im Kontext der Kinderpornografie entdeckt worden, die ich für genauso menschenverachtend und bestrafenswert halte.
Ist die evangelische Kirche eher vor sexuellen Übergriffen auf Schutzbefohlene gefeit?
Frühwald: Auch wir sind nur ein Querschnitt der Gesellschaft, das heißt es kann auch uns passieren. Gerade in den Bereichen, wo Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam leben und arbeiten, müssen wir aufmerksam sein und für Aufklärung und Stärkung der Kinder sorgen. Unsere Konferenz der Mitarbeitenden in der Jugendarbeit hat dazu gerade eine Handreichung beschlossen, die wir als Kirchenamt in den nächsten Monaten jetzt in Handlungen, also Fortbildungen und Schulungen umsetzen werden.
In der katholischen Kirche sind in der Vergangenheit die Fälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt worden. Jetzt versucht der Jesuitenorden dem Verdacht entgegenzuwirken, hier werde etwas vertuscht. Wie muss Kirche angemessen reagieren, wenn ein Verdacht aufkommt?
Frühwald: Da gibt es nur eine Antwort: in Klarheit und Konsequenz. Die Beschuldigten müssen sofort suspendiert werden, um auch sie und ihre Familien zu schützen. Denn auch in diesem Bereich gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis der Schuld. Es muss alles getan werden, um den Opfern den Raum zu eröffnen, den sie brauchen. Vor allem aber müssen kompetente und geschulte Juristen, wenn nötig sogar der Staatsanwalt, die Untersuchungen durchführen. Es darf kein Klima des Vertuschens durch die Führungskräfte erzeugt werden.
Die Opfer geraten bei der Diskussion schnell aus dem Blick. Was kann die Kirche für sie tun?
Frühwald: Wir müssen Ansprechpartner benennen. Mit unserer Gleichstellungsbeauftragten Katja Albrecht haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie öffnet Männern wie Frauen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können. Sie kann sie gezielt unterstützen, die Vorwürfe überprüfen zu lassen. Durch ihre Stellung außerhalb der kirchlichen Hierarchie ist diese Funktion der Gleichstellungsbeauftragten unersetzlich für ein offenes und vertrauensvolles Klima in unserer Kirche. Darüber hinaus müssen auch die Leitenden aus Kirchenamt und Bischofskonvent offen sein für Gespräche mit den Betroffenen. Ihre Geschichte und die Bearbeitung muss uns ein Anliegen sein und von uns unterstützt werden.
Die Fragen stellte Martin Hanusch.
Gläubige in Gefahr
26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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EKD ruft zur Fürbitte für verfolgte und bedrängte Christen im Irak auf

Fühlen sich jetzt endlich in Sicherheit: Zuhaira Aqarwi und ihre Tochter Rita Toshe aus Mossul. Foto: Viktoria Kühne
Der Grund für ihre Flucht ist durchaus nachvollziebar: Als Christin musste die alleinerziehende Mutter zuletzt um Leib und Leben fürchten. »Entführungen und Morde sind in Mossul an der Tagesordnung«, erzählt sie. Zuletzt habe die 13-jährige Tochter angesichts der Anschläge nicht mehr zur Schule gehen können. Es seien vor allem die Christen, die unter der Gewalt zu leiden haben, erklärt die 51-Jährige. Niemand wisse, woher der Terror komme, und eine staatliche Gewalt, die für Recht und Ordnung sorge, sei nicht vorhanden. »Das ganze Land ist unsicher geworden.«
Dass sie mit ihrer Tochter nach Deutschland kommen konnte, verdankt sie auch dem Einsatz der Kirchen. »Ohne die Unterstützung der evangelischen Kirche und von Nele Allenberg, juristische Referentin beim Bevollmächtigen in Berlin, hätten wir es nicht geschafft«, sagt Zuhaira Aqarwi. Dank ihrer Hilfe konnten die beiden Irakerinnen zunächst nach Jordanien fliehen und von dort aus nach Deutschland einreisen.
Doch dabei soll es nicht bleiben: Erstmals hat die EKD in diesem Jahr bundesweit zu einem »Tag der verfolgten Christen« aufgerufen. Am 28. Februar soll besonders an die bedrängten Gläubigen im Irak mit einer Fürbitte erinnert werden. Der Grund ist klar: In weiten Teilen des Iraks werden Christen aus ihren Häusern vertrieben und umgebracht, ihre Kirchen und Einrichtungen seien Zielscheiben von Anschlägen, so die EKD.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge wurden im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins über 700 Christen ermordet. Allein in der vergangenen Woche sind nach Angaben des katholischen Hilfswerkes »Kirche in Not« vier Christen in Mossul Anschlägen zum Opfer gefallen. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt. Der katholische Erzbischof Amil Shamaaoun Nona vermutet eine politische Gruppierung, »die einen Nutzen vom Verschwinden der Christen hat«.
Von den einst 1,5 Millionen Christen im Irak vor 2003 leben heute noch schätzungsweise 500.000 im Land. Die meisten haben es in Richtung Syrien oder Jordanien verlassen. Etliche Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr über das europäische Programm zur Neuansiedlung irakischer Flüchtlinge in die Bundesrepublik gelangt, so wie Zuhaira Aqwarwi und ihre Tochter.
Die beiden hoffen jetzt, hier eine neue Heimat und Anschluss an eine christliche Gemeinde zu finden. Sie gehören zwar zur orthodoxen Kirche, sind aber offen für andere Gemeinden. Die Mutter absolviert derzeit einen Deutschkurs, und ihre Tochter besucht eine Sekundarschule. Noch sei die Sprache das größte Hindernis. »Aber wenn ich Deutsch kann, will ich wieder arbeiten«, sagt Zuhaira Aqarwi, die bis 1997 als Maschinenbauingenieurin und Betriebsleiterin im Irak tätig war. Die Tochter soll nach Möglichkeit Medizin studieren und Ärztin werden. »Aber das Wichtigste ist«, sagt ihre Mutter, »dass die Angst endlich vorbei ist.«
(mh)
Ein Campus – drei Schulformen
18. Februar 2010 von redaktionguh
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Schulzentrum: In Mühlhausen wurde das bisher größte Schulbauprojekt der EKM verwirklicht

Ein Farbtupfer in der evangelischen Landschaft – und das nicht nur äußerlich – ist das neue Schulzentrum Mühlhausen, Fotos: Daniel Volkmann
Am Freitag, 19. Februar, wird Landesbischöfin Ilse Junkermann mit einem Festgottesdienst das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen eröffnen.
Da möchte man noch mal Schülerin sein! Großzügig, modern und farbenfroh präsentiert sich der neue Schulkomplex des Evangelischen Schulzentrums Mühlhausen. Auch wenn kurz vor dem Schluss der Winterferien noch in allen Ecken gewerkelt wird, ist der Eindruck überwältigend: breite Flure, behindertengerechte Zugänge, moderne Fachräume. Der Physiksaal hat eine digitale Tafel, der Chemieraum einen mobilen Abzug, den Schulleiter Reinhold Goldmann, selbst Chemielehrer, mit Freude vorführt. Gleich nebenan haben die Lehrerinnen und Lehrer geräumige Vorbereitungsräume.
Seit September 2008 wurde die 30 Jahre alte Typenschule saniert und erweitert. Damals begannen die Tiefbauarbeiten mit einigen Schwierigkeiten. Denn die Schule steht auf einem alten Steinbruch. Aus diesem, so erzählt Superintendent Andreas Piontek, sei die Mühlhäuser Divi-Blasii-Kirche gebaut. Den Bauleuten indes machte der Grund zu schaffen. Bis in eine Tiefe von 16 Metern musste mit Bohrpfählen gegründet werden. Auch die Architekten hatten keine leichte Aufgabe. Es galt, das Konzept eines modernen Schulzentrums im alten DDR-Plattenbau umzusetzen. So wurde ein neuer Flurbereich angebaut, von dem aus alle Klassenzimmer erreichbar sind. Diese selbst konnten dadurch vergrößert werden. Zudem wurde ein neuer Schuleingang geschaffen, der die Orientierung erleichert.
Auch die alte Sporthalle ist erweitert worden und hat nun mehrere Bereiche: Neben einer großen Halle mit gefedertem Fußboden, gepolsterten Wänden, extra Eingang und Sanitärbereich für Rollstuhlfahrer gibt es einen kleineren Gymnastikraum. Vorgebaut wurde eine Mensa, die auch als Aula genutzt werden kann – und am Freitag für den Festgottesdienst. An der Außenwand der Turnhalle ist ein Platz für eine Kletterwand vorbereitet.
8500 Quadratmeter Geschossfläche hat das Areal nach den Angaben des Weimarer Architekturbüros Nitschke und Donath. Die Baukosten beliefen sich auf rund 5,8 Millionen Euro, getragen vom Freistaat, der Landeskirche und dem Kirchenkreis Mühlhausen.

Grundschulleiterin Andrea Röth-Wenkel bei den letzten Handgriffen.
Die höheren Klassen waren bereits unter einem Dach. Neu ist der Zuzug der Grundschule. Dass es da zwischen älteren und jüngeren Schülern Probleme geben könnte, befürchtet die Schulleiterin der Grundschule, Andrea Röth-Wenkel, nicht. »Wir denken da positiv«, sagt sie. Die Ganztagsschule erfährt eine gute Betreuung durch die Lehrkräfte. Sie freut sich, dass nun auch das integrative Modell genehmigt wurde.
Die Bauarbeiten indes werden noch weitergehen. Wegen des strengen Winters konnte der Schulhof nicht fertiggestellt werden. Durch Grünstreifen, Belag- und Niveauwechsel sowie Fahrradständer und Sitzgruppen werden hier kleinere Bereiche entstehen. Neben dem Haupteingang zum Gelände ist ein Glockenturm geplant. Außerdem soll die Grundschule ein eigenes Gebäude bekommen. Zurzeit sind die Grundschüler im Obergeschoss untergebracht. Das bisherige Grundschulgebäude, eine alte Villa in der Nachbarschaft, beherbergt nun eine Lehrmittelbücherei und Kursräume.
»Alle drei Schularten wachsen fröhlich«, sagt Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Seit den Winterferien lernen im Schulzentrum 560 Schüler. Nächstes Schuljahr werden es 730 sein, 2013 etwa 900. Knapp 70 Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieher und Sonderpädagogen sind am Schulzentrum tätig. Das sind optimale personelle Voraussetzungen für das Schulkonzept, das jeden einzelnen Schüler im Blick haben will. Getragen wird die Schule durch die Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber auch der Kirchenkreis Mühlhausen, sagt Superintendent Piontek, unterstütze den allgemeinen Haushalt jährlich mit 135.000 Euro.
»Wir sind stolz, dass wir dieses Projekt umsetzen konnten. Es ist das größte Schulbauprojekt der Landeskirche und ein schönes Zeichen an der richtigen Stelle«, zieht Marco Eberl Bilanz. »Und es ist nicht nur eine schöne Hülle. Wir können erstmals unter diesem einen Schuldach unserer Vorstellungen von Durchlässigkeit des Schulsystems mit dem Ziel einer höheren Bildungsgerechtigkeit verwirklichen.« Es sei ein wunderbarer und lebensfroher Farbtupfer in der Kirchenlandschaft.
Auch Schulleiter Goldmann freut sich über den gemeinsamen Start nach den Winterferien: »Jetzt kann das Schulzentrum zusammenwachsen.«
Dietlind Steinhöfel
Festgottesdienst, 19. Februar, 11 Uhr
Ein verlängertes Traugespräch
11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kurse für Ehepaare, Verliebte und Verlobte – Arbeit an der Partnerschaft dauert lebenslang

Damit die Liebe erhalten bleibt, müssen beide Partner viel für ihre Beziehung tun. Foto: Bilderbox
Über den Schutzpatron der Liebenden gibt es keine belegten Lebensdaten. Der heilige Valentin soll im 3. oder 4. Jahrhundert gelebt und trotz Verbotes des römischen Kaisers Paare christlich getraut haben, was seine Hinrichtung zur Folge hatte. Zudem, so ist mancherorts zu erfahren, habe er in Beziehungskrisen geholfen. Beides jedenfalls wäre ein guter Grund, dass Christen am Valentinstag besondere Gottesdienste feiern.
Aber ein Tag im Jahr ist das eine, die Arbeit an der Beziehung das andere. Albrecht Schödl, Pfarrer am Christuspavillon in Volkenroda, und seine Frau Annett bieten deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal ein »Seminar für Verliebte« an, das mit einem Gottesdienst am Valentinstag endet. »Meine Frau und ich waren in den 1990er Jahren einmal in Friedrichroda zu einem solchen Seminar«, sagt der 37-Jährige. Mit anderen Paaren und auch mit der Partnerin ins Gespräch über das Leben im Alltag einer Zweierbeziehung zu kommen hätten sie als sehr positiv erlebt. »Ich verheirate Paare und führe viele Traugespräche«, so der promovierte Theologe. Ein Verliebten-Wochenende sei dann sozusagen ein verlängertes Traugespräch.
Eheseminare bietet auch das »Team.F – Neues Leben für Familien« an – deutschlandweit. In Thüringen sind Cornelia und Stephan Arnold aus Tabarz in dieser überkonfessionellen Laienbewegung aktiv. Die Hochbauingenieure halten ihre Seminare im Familienzentrum in Brotterode.
Das Team.F wurde 1987 in Lüdenscheid (Westfalen) gegründet. Im selben Jahr gab eines der Gründungsehepaare auf Einladung in Rudolstadt ein Ehe- und Kindererziehungsseminar. Arnolds gehörten zu den Teilnehmern. »Wir haben viel Hilfe erfahren«, erzählt Stephan Arnold, Vater von sechs Kindern. Das Ehepaar organisierte ein Jahr später selbst ein erstes Seminar. Inzwischen kommen zwölf bis 30 Paare pro Kurs, jeweils angeleitet durch andere Paare, die ihre Erfahrungen einbringen und innerhalb der Team-F-Arbeit geschult werden.
Die Vergebung spielt eine große Rolle
Allein in Sachsen-Anhalt engagieren sich zwölf ehrenamtliche Paare, informiert Ursula Drossel. Sie und ihr Mann sind für Sachsen und Sachsen-Anhalt zuständig. Mit 31 Jahren Eheerfahrung können sie viel weitergeben. Noch in DDR-Zeiten hatten die beiden gelernten Ökonomen an einem Seminar bei Berlin teilgenommen. »Da wurde unsere Ehe gerettet«, bekennt die 53-Jährige. Im Frühjahr 1989 hätten sie in Dresden den ersten eigenen Kurs organisiert. Sieben Jahre waren sie in Sachsen ehrenamtlich tätig, haben ihren Sommerurlaub geopfert, »weil wir merkten, das ist auch gut für andere«. Inzwischen sind Drossels bei Team.F angestellt und unterstützen die Ehrenamtlichen. Wichtig sei, dass diese einer christlichen Gemeinde angehören und dass der Ortspfarrer Bescheid wisse. Denn das Anliegen solle möglichst auch in die Gemeinden vor Ort getragen werden.
»Man soll sich ein Leben lang um seine Beziehung mühen«, betont Ursula Drossel. In den Seminaren geht es um Kommunikation, Konfliktlösung, geistliches Leben im Alltag, Sexualität. Vergebung spiele eine große Rolle und das Zeugnis des Glaubens. Aber auch Nichtgläubige können teilnehmen, wenn sie den Hintergrund tolerieren.
In Sachsen-Anhalt wird die Arbeit maßgeblich vom Ehepaar Schwengfelder geprägt. »Schwengfelders machen eine sehr gute Arbeit in Halle«, sagt Ursula Drossel. Eheabende seien ein Schwerpunkt. Zudem biete Thomas Schwengfelder im Juni am Bergwitzer See bei Wittenberg ein »romantisches Ehewochenende« in Zelten an.
Paarseminare sind eine wichtige Arbeit im Sinne des heiligen Valentins, ob die Legende nun stimmt oder nicht.
Dietlind Steinhöfel
Einsatz in der Flüchtlingsarbeit
5. Februar 2010 von redaktionguh
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Ökumene-Zentrum hat einen Preis ausgelobt
Eisenach/Magdeburg (mkz) – Das Magdeburger Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum hat einen Preis für Flüchtlingsarbeit ausgelobt. Ausgezeichnet werden sollen Kirchengemeinden, die Migranten beraten und begleiten, sich für ihre Integration in Kirchengemeinden und Kommunen engagieren sowie gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit eintreten, teilte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit.
Teilnehmen können Kirchengemeinden der EKM und Einrichtungen wie evangelische Kindergärten oder Schulen. Die eingereichten Projekte und Initiativen müssen noch im Jahr 2010 umgesetzt werden. Anlass für die Auslobung des Preises ist ein Aufruf der Landessynode vom vergangenen Jahr, sich stärker für die Integration von Flüchtlingen einzusetzen. Zudem hat die Konferenz Europäischer Kirchen 2010 als Jahr der Migration ausgerufen.
Bewerbungen sind an das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum zu senden (Leibnizstraße 4, 39104 Magdeburg). Einsendeschluss ist der 31. Oktober. Eine Jury wird über die Vergabe entscheiden (1. Preis 1000 Euro, 2. Preis 750 Euro, 3. Preis 500 Euro). Die Preisverleihung ist für den 10. Dezember, den Tag der Menschenrechte, vorgesehen.
Hilfe in der fremden Heimat
4. Februar 2010 von redaktionguh
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Sprache als Schlüssel zur Integration: Das Büro für ausländische Mitbürger in Erfurt bietet entsprechende Kurse an. Hier unterrichtet die ehrenamtliche Kursleiterin Gudrun Schönheinz (re.) vietnamesische Teilnehmer. Foto: Jens-Ulrich Koch
Büro für ausländische Mitbürger in Erfurt berät Zuwanderer und Flüchtlinge
Sie kommen aus Vietnam oder Kuba, aus Angola oder Afghanistan, der Türkei oder dem Irak: Flüchtlinge und Zuwanderer, die vorübergehend in Thüringen leben oder hier eine neue Heimat gefunden haben. Damit sie sich in der Fremde zurechtfinden, bietet die evangelische Kirche in Erfurt Hilfe an. Seit rund 20 Jahren besteht das »Büro für ausländische Mitbürger« inzwischen, seit genau zehn Jahren wird es vom Kirchenkreis Erfurt getragen.
»Es gibt Leute, die kommen nur einmal im Jahr zu uns, wenn sie ein Riesenproblem haben, zum Beispiel wenn die Abschiebung droht. Andere kommen fast täglich vorbei, und wir helfen beim Ausfüllen von Anträgen oder anderen kleinen Dingen«, erläutert Sozialwissenschaftler Ivo Schnipkoweit. Seit er und seine drei Kolleginnen vor kurzem mit der Beratungsstelle aus dem Erfurter Norden in die Altstadt umgezogen sind, sind sie noch besser zu erreichen. »Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun«, sagt Sozialarbeiterin Nguyen Thi Ung, selbst in Vietnam geboren.
So vielfältig wie die Probleme der ausländischen Hilfesuchenden sind, so vielfältig sind die Angebote des Büros. Das kann Unterstützung bei rechtlichen Fragen sein oder ein Deutschkurs, das kann psychosoziale Beratung sein oder Hilfe bei den Hausaufgaben von Kindern, das kann Beistand bei Behördengängen sein oder ein Tipp für Sport- oder Freizeitmöglichkeiten. Viele der Hilfen sind ohne Freiwillige nicht möglich: Sie betreuen die Kinder von Zuwanderern beim Lernen oder die Erwachsenen bei den ersten Schritten in die deutsche Sprache und Kultur.
Nach der Wende waren es vor allem die ehemaligen Vertragsarbeiter in der DDR, zum Beispiel aus Vietnam, die an die Türen des Büros klopften. Mitte der 1990er Jahre kamen dann Menschen vom Balkan, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen waren. Heute sind es auch Asylsuchende aus Ländern wie der Türkei, dem Irak oder Afghanistan. Und seit kurzem auch wieder Vietnamesen, die schon lange hier leben, aber wegen der Wirtschaftskrise zum ersten Mal keine Arbeit mehr haben.
»Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun«
Natürlich schicken auch mal Ämter Ratsuchende zum Büro, oder die Anlaufstelle wird über das Internet gefunden, aber in der Regel ist es Mund-zu-Mund-Propaganda: »Das spricht sich herum«, so Sozialarbeiterin Nguyen Thi Ung.
Schon jetzt kommen etliche der freiwilligen Helfer aus dem kirchlichen Bereich. Geplant ist, noch stärker mit Kirchengemeinden zusammenzuarbeiten und dort die Projekte vorzustellen. Und die Trägerschaft des Kirchenkreises hilft auch, wenn es darum geht, vom Land, Bund oder der EU Fördermittel einzuwerben. Bei solchen Verhandlungen hat das Wort des Kirchenkreises schon Gewicht, freut sich Schnipkoweit.
Das größte Problem sieht Nguyen Thi Ung bei vielen Zuwanderern, wenn sie älter werden. Dann kommen zu den Alltagssorgen oft auch psychische Probleme. »Viele werden einsam alt«, sagt sie und sorgt sich um eine gute Betreuung für diese Menschen. Ihr Kollege Ivo Schnipkoweit beklagt vor allem die oft mangelnde Weitsicht in der Politik. So hat sich die Bundesrepublik zwar bereit erklärt, 2.500 Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen, davon 75 in Thüringen und 35 in Erfurt. Sie sind seit einem halben Jahr hier, aber viele haben »noch nie einen Arzt besucht, und es gibt auch keinen arabischen Dolmetscher an der Schule«.
Beide freuen sich aber auch, wenn sich bei den von ihnen betreuten Zuwanderern Erfolge einstellen. Für Nguyen Thi Ung zum Beispiel, wenn sie bemerkt, wie jemand Stück für Stück besser Deutsch lernt. Und für Ivo Schnipkoweit, wenn Paten Migranten weitergeholfen haben: »Da entstehen Freundschaften fürs Leben.«
Markus Wetterauer
Energieschub für Ehrenamtliche
28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Vorgestellt: Die Resonanz auf das Projekt »Gemeindeagende« des Kirchenkreises Egeln ist groß
Dass Gottesdienste auch ohne Pfarrer möglich sind, macht der Kirchenkreis Egeln vor. Er hat eine Vorlage entwickelt, nach der auch Ehrenamtliche ohne großen Aufwand eine Gottesdienstfeier oder Andacht leiten können.

Lektoren sind heute aus den Gemeinden nicht mehr wegzudenken. Unsere Aufnahme ist während der Lektorentage im Jahr 2006 entstanden. Foto: Archiv
Ein Gottesdienst ohne Pfarrer oder Pfarrerin? Geht das? Ja, und das sogar sehr erfolgreich. Der Kirchenkreis Egeln macht es vor. Sein Projekt »Gemeindeagende« ist mittlerweile zum Aushängeschild geworden, das bereits prämiert wurde und in der Landeskirche schon einige Nachahmer gefunden hat. Für Superintendent Michael Wegner ein uneingeschränkt funktionierendes Mittel, eine »sakrale Präsenz in der Fläche« zu erreichen.
Die Gemeindeagende ist ein Buch, etwa 60 Seiten dick und die Grundlage für einen Gottesdienst, der von Ehrenamtlichen gestaltet und gehalten wird. In ihm finden sich unter anderem Gebete und Texte. Sie helfen, den Ablauf des Gottesdienstes variabel zu gestalten. Die Vorbereitungen sind also nicht kompliziert, denn im Mittelpunkt steht das gemeinsame Gebet und der Austausch – gern auch im Anschluss bei Kaffee und Kuchen.
»Es hat eine wirkliche Belebung stattgefunden«
»Es ist uns gelungen, unsere Kirchen wieder als Kommunikationszentren zu entwickeln«, sagt Wegner. »Denn wenn sich eine Kirchentür erst einmal geöffnet hat, gehen die Menschen hin-ein und sind voller Erwartungen.« Große logistische Vorbereitungen für das Sonntagsgebet sind nicht mehr nötig. »Sie brauchen jemanden, der aufschließt und die Kerzen anzündet«, sagt der 48-Jährige, der seit zehn Jahren Superintendent im Egelner Kirchenkreis ist.
Müssen denn keine Voraussetzungen erfüllt sein? Auf die Frage weiß Wegner eine schnelle Antwort. »Sie brauchen einen Menschen, der die Verantwortung für die Verkündung aus dem Herzen heraus übernimmt und Sie brauchen Menschen, die sonntags gern in die Kirche gehen.« Und so einfach es klingt, so beeindruckend ist die Resonanz. »Wir zählen pro Jahr etwa 1.000 Gottesdienste mehr als vergleichbare Kirchenkreise«, zieht Wegner Bilanz. »Es hat eine wirkliche Belebung der Dörfer stattgefunden. Darauf sind wir stolz.«
Da macht es auch keinen Unterschied, wie viele Gläubige den Weg in das Gotteshaus gefunden haben. »In der Gemeinde Peseckendorf bei Oschersleben im Bördekreis gibt eine sehr kleine Kirche und nur zwei Gemeindeglieder«, weiß Wegner. Trotzdem wird hier mit der Gemeindeagende gearbeitet. »Ich habe gehört, dass manchmal Familien mit dem Fahrrad nach Peseckendorf kommen und alle gemeinsam Gottesdienst feiern.«
Die Agende deckt die Sonntage von Ostern bis Pfingsten ab, eine Ausgabe für Trinitatis ist in Arbeit. Entstanden ist die Gemeindeagende im Jahr 2008 direkt im Kirchenkreis. Vorbild war die erfolgreiche Initiative »Global Worship«. Sie wurde von einer Koordinationsgruppe gesteuert und stieß im Pfarrkonvent nicht nur auf Zustimmung. Kritiker unterstellen dem Vorhaben immer wieder, es unterstütze das Phänomen »Kirche ohne Pfarrer«. »Klar ist, dass wir nicht auf einen Mangel reagieren«, sagt Wegner. Vielmehr sind es die Gemeindeglieder selbst, die sich die Idee immer mehr zu eigen machen. Es entwickelt sich eine wohltuende Dynamik, die eine deutliche Stärkung kleiner Gemeinden bedeutet. »Das, was sonntags in den Kirchen stattfindet, ist keineswegs kontraproduktiv. Wir erfüllen die Verkündigung mit Leben.«
»Gottesdienst ist die beste Mission«
Für diesen sichtbaren und fühlbaren Erfolg bekam der Kirchenkreis Egeln im September vergangenen Jahres den Publikumspreis der Zukunftswerkstatt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Kassel verliehen. Präses Katrin Göring-Eckardt lobte den »Energieschub für die Ehrenamtlichen«, der von diesem Projekt ausgeht. Superintendent Wegner beschreibt den Tag der Preisvergabe gern mit einem kräftigen Wort. »Es war der Knaller.« Für ihn Grund genug, Visionen zu entwickeln. »Ich wünsche mir eine weltweite Vernetzung, in der das Beten in der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht«, sagt er. »Denn eins ist unumstritten: Gottesdienst ist die beste Mission.«
Sabrina Gorges
Mehr weibliche Führungskräfte angemahnt
28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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»Forum Gleichstellungsarbeit« diskutierte in Halle über konkrete Schritte

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv
An der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) stehen Frauen: eine Bischöfin und eine Kirchenamtspräsidentin. Das spiegelt jedoch nicht die Situation in der Landeskirche wider. So werden im Landeskirchenamt lediglich zehn der 29 Referate von Frauen geleitet. Noch weniger weibliche Führungskräfte finden sich auf der mittleren Ebene. Nur acht Superintendentinnen werden in den 38 Kirchenkreisen gezählt. Thomas Claus vom Gender Institut Sachsen-Anhalt (GISA) aus Magdeburg stellte am 23. Januar beim »Forum Gleichstellungsarbeit« in Halle erste Ergebnisse einer Auswertung vor, welche die Geschlechtergerechtigkeit in der EKM untersucht.
Rund 30 Teilnehmerinnen – Männer eingeschossen – diskutierten das Thema. Die Studie habe bisher gezeigt, so Claus, dass zwar in der EKM die Geschlechtergerechtigkeit für richtig gehalten werde, doch es gebe keine strukturelle Verankerung. Gleichstellung müsse einmal durch Führungspersönlichkeiten und zum anderen durch das stetige Bewusstmachen vermittelt werden.
Silke Kösel vom Diakonischen Werk der EKD rollte das Thema biblisch-theologisch, historisch und strukturell auf. Frauen hätten zwar viel angestoßen, aber »Frauen in der Kirche hatten immer schon mehr Dienst als Einfluss«. Kirche und Diakonie bewegten sich gerade in der Gleichstellungsfrage zu langsam. »Wir sind keine Heißsporne des Wandels«, verwies die promovierte Theologin auf die Trägheit der Institutionen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion und den Arbeitsgruppen ging es um konkrete Schritte. Die Gleichstellungsarbeit müsse aus der »Frauenecke« raus, denn sie sei nicht nur eine Geschlechterfrage, sondern beträfe auch Menschen mit Behinderungen oder Migranten. Einig waren sich die Teilnehmerinnen, dass die Gleichstellungsarbeit nicht alleinige Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sein könne.
Katja Albrecht, die dieses Amt in der EKM innehat, war mit dem Ergebnis des Tages zufrieden. Die Teilnehmerinnen hätten sehr konzentriert gearbeitet und konkrete Ziele benannt, unter anderem: EKM-Verfassung in gerechter Sprache, Begleitung von Frauen in Führungsämtern, Fortführung des Mentorings. Katja Albrecht hofft, dass die Kreativität und die Energie dieses Forums in die EKM hineinwirkt. Sie wertete es als positives Zeichen, dass die Landeskirche eine Gender-Studie in Auftrag geben hat mit dem Ziel, den Frauenanteil unter den hauptamtlichen Mitarbeitern zu erhöhen. In der EKD sei solch eine Untersuchung bisher einmalig.
Dietlind Steinhöfel
Eine schlecht verheilte Wunde
21. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Interview: Bischöfin Ilse Junkermann über Missverständnisse in der Versöhnungsdebatte und einladende Gottesdienste
Ihre Äußerungen zur Versöhnung mit DDR-Tätern und zu Gottesdiensten mit geringen Teilnehmerzahlen haben Widerspruch provoziert. Dietlind Steinhöfel sprach mit Ilse Junkermann.

Hat keine Angst vor heißen Eisen: Landesbischöfin Ilse Junkermann (Foto: Heiko Kleinschmidt)
Frau Landesbischöfin, Ihr Aufruf zur Versöhnung zwischen Opfern und Tätern des DDR-Regimes hat hohe Wellen geschlagen. Hatten Sie mit diesen Reaktionen gerechnet?
Junkermann: Dass es Reaktionen gibt, darauf habe ich gehofft. Ich habe nicht damit gerechnet, so missverstanden zu werden, als ob ich sage: Versöhnung hieße, Schwamm drüber. Das bedauere ich außerordentlich. Denn mir steht klar vor Augen, dass gerade die Opfer noch weniger vergessen können, weil sie unter den Folgen bis heute leiden. Aber man kann nicht pauschal sagen: So geht es den Opfern und so den Tätern oder so sind die Opfer und so die Täter.
Mein Anliegen ist ein seelsorgerliches, zu schauen, wie es den konkreten einzelnen Menschen geht: die bespitzelt wurden, die im Gefängnis waren oder die in ganz unterschiedlicher Weise Täter waren.
Sie fassen gleich zum Anfang Ihrer Amtszeit ein so heißes Eisen an?
Junkermann: Versöhnung ist immer ein heißes Eisen, weil Menschen verletzt und Menschen schuldig geworden sind. Ich habe gemerkt, dass dieses Thema unter der Oberfläche schwelt. Es ist wie bei einer schlecht verheilten Wunde.
Ein Leser schrieb: »Wir sind schon weiter, als Frau Junkermann meint.« Sehen Sie das anders?
Junkermann: Ich dachte auch, dass alle schon weiter sind. Und dass ich deshalb nicht groß erläutern muss, was Versöhnung ist und wie Versöhnung geht. Ich habe mich sehr über diesen Leserbrief gefreut. Er zeigt, dass es einen Weg gibt und Versöhnung nicht unmöglich ist. Und dass dieser Weg schon gegangen wird. Das finde ich ermutigend.
Ich bin erschrocken, wie präsent die Verletzungen sind und wie offen die Frage ist, wohin damit. Ich sehe meine Aufgabe darin zu sagen: Wir sind als Christen so frei, Dinge anzusprechen, die weh tun. Wir haben von Gott den Auftrag, zur Versöhnung einzuladen. Dabei habe ich kein fertiges Konzept. Ich spreche in diesen Wochen Menschen an, die mir geschrieben haben – zustimmend wie ablehnend. Ich möchte sie einladen, bei einem Treffen gemeinsam zu überlegen: Wie können wir als Kirche solche Gesprächsräume eröffnen?
Das zweite Thema, das die Menschen unserer Landeskirche beschäftigt: Gottesdienst erst ab zehn Besuchern zu feiern. Muss man nicht unterscheiden zwischen Land und Stadt?
Junkermann: Ja, man muss immer unterscheiden. Deswegen habe ich es auch als Frage gestellt: zu überlegen, ob auf Dauer Gottesdienste mit weniger als zehn Menschen noch feierliche und festliche Gottesdienste sind. Und vor allem, ob sie einladend sind, ausdrücklich auch für Menschen, die bisher nicht kommen oder selten. Die treue Arbeit gerade in kleinen Gemeinden hat meinen uneingeschränkten Respekt.
Gleichzeitig möchte ich fragen, ob wir ab und zu über diese Realität hinauswachsen können. Ich möchte, dass wir darüber reden, auch wenn es schwerfällt. So werden wir offen für Ideen, die wir vielleicht noch nicht ausprobiert haben.
Die Gemeinde-Agende des Kirchenkreises Egeln hat den Publikumspreis beim EKD-Zukunftskongress bekommen, weil sie genau darauf reagiert: Wie können wir anders Gottesdienst feiern und wieder mehr Menschen gewinnen? Ich wünsche mir, dass Menschen sich sonntags austauschen: Wie sieht unser Gottesdienst im Alltag aus? Wie kann in unserem Dorf deutlich werden, dass wir einen Auftrag in der Welt haben? Wer braucht unsere Hilfe? Aber bei aller Diskussion gilt: Die Menschen, die sonntags kommen – und seien es nur vier –, sollen wirklich Trost und Zuspruch finden. Also Kirchen schließen, Menschen nach Hause schicken – das halte ich für ausgeschlossen.
Ist Regionalisierung eine Lösung?
Junkermann: Zu großen regionalen Gottesdiensten zu einem Thema, für Jugendliche oder für eine andere Zielgruppe einzuladen, ist wichtig. Aber es ist ebenso wichtig zu fragen, was Menschen an Heimat suchen und womit sie sich identifizieren. Nicht zuletzt zählen da auch die vielen mit viel Einsatz der Gemeindeglieder wunderbar hergerichteten Kirchenräume. Man muss jeweils vor Ort entscheiden, was geht, weil die Mentalität in den Regionen sehr unterschiedlich ist.
Eine letzte Frage: Wie stehen Sie zur Äußerung der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmnn zu Afghanistan?
Junkermann: Bischöfin Margot Käßmann hat den umstrittenen Satz »In Afghanistan ist nichts gut« in einer Predigt gesagt. Er muss im Zusammenhang der ganzen Predigt verstanden werden. Es geht um die Frage: Gerät der zivile Aufbau, der ja angestrebt wird, in Vergessenheit? Das ist auch, was die Bürger bewegt. Ich teile die Ansicht, dass Friedensarbeit wichtiger sein muss als militärisches Engagement.
Wir haben als Kirche den Auftrag, daran zu erinnern, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein soll. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir auch bei denen sind, die unter Einsatz ihres Lebens nach Afghanistan gehen, demokratisch beaufragt. Unsere Landessynode hat im November einen Klartext beschlossen: Truppenabzug sobald als möglich, Stärkung der Friedenshilfe, sodass sie Vorrang vor Militärischem hat, und die Diskussion darüber, damit Entscheidungen immer wieder überprüft werden. Das hat Bischöfin Käßmann angeregt, ganz wie es zu ihrem Auftrag gehört.




