Laurenz und Frohsina

20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Naturschutzbund zieht eine positive Bilanz beim »Lebensraum Kirchturm«.

Am 13. August sind vier Jungstörche nach Süden aufgebrochen. Die Altstörche bleiben in der Regel bis Ende August. Es ist die achte Brut, die im neuen Quartier auf der Kirche St. Laurentii in Schönebeck-Frohse (Kirchenkreis Egeln) herangewachsen ist. Die Kirche sei ab 2001 von Grund auf saniert worden, informiert Gemeindepfarrer Johannes Beyer, zuerst die Türme. Mit der Deckung des Kirchenschiffes im Jahr darauf wurde eine ­Unterlage für ein Storchennest aufgesetzt. Schon im selben Jahr nahm ein Storchenpaar die Wohnung an. In der nahen Elbe findet es reichlich Nahrung.

Damals war noch Pfarrer Johannes Schulz für die Kirche zuständig. Er und vor allem seiner Frau Agnes liegen die besonderen Kirchenbewohner am Herzen. Sie suchten sich Partner beim Naturschutzbund (Nabu) und beim Storchenhof Loburg.

Im Juni wurden die vier Jungstörche auf der Kirche St. Lautentii in Schönebeck-Frohse durch den Förster beringt (Foto: Agnes Schulz)

Im Juni wurden die vier Jungstörche auf der Kirche St. Lautentii in Schönebeck-Frohse durch den Förster beringt (Foto: Agnes Schulz)

Drei bis vier Jungstörche gibt es nun jedes Jahr. »Das ist für ganz Frohse eine tolle Sache«, schwärmt Agnes Schulz. Das Ehepaar, das inzwischen im Ruhestand ist, lebt weiterhin in Kirchennähe und fühlt sich für den »Lebensraum Kirchturm« zuständig. Zum Storchennest kam ein Kasten für Schleiereulen und ein »Mauerseglerhotel«, wo zehn Mauerseglerpaare Platz haben. Das allerdings wurde noch nicht angenommen. »Mauersegler mögen keine Holzkästen«, hat Agnes Schulz erfahren.

»Wir müssen noch Sand in die Kästen geben.« Auch an  Flugöffnungen für Fledermäuse wurde bei der Sanierung des Kirchturms gedacht. Das Engagement ist im März dieses Jahres mit der Nabu-Plakette »Lebensraum Kirchturm« für St. Laurentii belohnt worden.

In diesem Monat zog der Nabu eine positive Bilanz: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 400 Kirchen, die diese Plakette tragen. Zu den Spitzenreitern gehört Thüringen mit 49 ausgezeichneten Kirchen. Nur Baden-Württemberg mit 100 und Rheinland-Pfalz mit 67 sind besser. Die Kirche Brahmenau-Groitschen (Kirchenkreis Gera) war die erste im Freistaat Thüringen, die 2007 die Auszeichnung erhielt. In Sachsen-Anhalt tragen bislang elf Kirchen die Plakette.

Der Nabu hatte 2007 gemeinsam mit dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen die Aktion »Lebensraum Kirchturm« initiiert. Mit der Aktion soll über naturschutzfreundliche Sanierungen von Kirchtürmen informiert werden. Kirchtürme sind für Schleiereulen, Turmfalken ebenso für Fledermäuse Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen, die sie in den Städten kaum vorfinden. Durch Einfluglöcher und Nistkästen an Kirchtürmen ist jedoch auch hier ein gutes Zusammenleben von Mensch und Tier möglich. In Frohse hat das Storchenpaar inzwischen einen Namen: Laurenz und Frohsina.

(ds)

Residenzpflicht aufheben

Petra Albert

Petra Albert

Asylbewerber unterliegen einer Aufenthaltsbeschränkung. Sie dürfen den Landkreis, in dem sie gemeldet sind, oder die kreisfreie Stadt nicht verlassen. Thüringen will diese Residenzpflicht jetzt lockern. »Glaube + Heimat« sprach mit Petra Albert, der Migrationsbeauftragten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Frau Albert, womit wird die Residenzpflicht begründet und welche Einschränkungen bringt sie mit sich?
Albert: Residenzpflicht für Asylbewerber wird mit der Erreichbarkeit von Behörden und Gerichten im Asylverfahren begründet. Bewegungsfreiheit und Wohnsitz sind aber zwei verschiedene Dinge. Die Residenzpflicht bringt große Einschränkungen mit sich. Wenn ein Asylbewerber zum Beispiel aus Sonneberg eine Beratungsstelle in Erfurt aufsuchen möchte oder sich dort mit Freunden treffen will, muss er eine Erlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragen. Nach Aussage von Flüchtlingen entscheidet diese oft negativ. Viele Flüchtlinge leiden unter Einsamkeit, da sie Freunde oft nicht besuchen dürfen. Auch Ausflüge mit dem Kindergarten oder der Kirchengemeinde sind nicht ohne Weiteres möglich.

Die mitteldeutsche Landeskirche begrüßt die geplante Lockerung der Residenzpflicht in Thüringen. Was ändert sich für die Asylbewerber im Freistaat?
Albert: Die Landesregierung plant lediglich die Ausweitung auf die angrenzenden Landkreise und kreisfreien Städte. Den örtlichen Verhältnissen in Thüringen trägt sie damit nur bedingt Rechnung. Aufgrund der geringen Anzahl von Migranten ist die notwendige interkulturelle Infrastruktur nicht flächendeckend: also ein Netz an unabhängigen Beratungsstellen, interkulturell kompetente Fachärzte, auch muslimische Gebetsräume. Nach der Neuregelung werden zum Beispiel Asylbewerber aus Sonneberg weiterhin keine Beratungsstelle in Erfurt aufsuchen dürfen. Im Südthüringer Raum gibt es keine ausreichenden Angebote.

Wie ist die Lage in Sachsen-Anhalt?

Albert: In Sachsen-Anhalt sind aus der Politik gegenwärtig keine Bestrebungen zu einer Änderung der Residenzpflicht bekannt. Für Menschen, die mit einer Duldung hier leben, sind die Regelungen aber deutlich großzügiger als in Thüringen. Hier dürfen sich diese Menschen im gesamten Bundesland frei bewegen. Thüringen stellt die Bewegungsfreiheit von Menschen mit Duldung grundsätzlich mit der von Asylbewerbern gleich.

Die EKM fordert eine Abschaffung der Residenzpflicht. Was kann auf Landesebene, was muss bundesweit gelöst werden?
Albert: Die Regelungen zur Residenzpflicht finden sich in Bundesgesetzen. Darüber kann sich ein Bundesland nicht einfach hinwegsetzen. Wir bitten deshalb die Landesregierung, sich im Bundesrat für die Abschaffung einzusetzen. Brandenburg und Berlin haben eine entsprechende Initiative angekündigt. Allerdings kann man auf Landesebene sehr wohl einiges tun und die geplante Lockerung deutlich großzügiger gestalten.  Andere Bundesländer zeigen, dass dies geht.

»Bei Ihnen ist es schön«

Pfarrerin Christina Weigel

Pfarrerin Christina Weigel

Die dritte sachsen-anhaltische Landesgartenschau (Laga) in Aschersleben ist zur Hälfte um. Am 17. Juli waren 85 von 170 Tagen vergangen. Aus diesem Anlass sprach die Kirchenzeitung mit Pfarrerin Christina Weigel, der Verantwortlichen für den Kirchengarten und das kirchliche Programm der Schau.

Frau Weigel, wie ist die Stimmung im Kirchengarten?
Weigel
: Richtig gut. Es macht unheimlich Spaß zu zeigen, wie vielfältig, bunt und lebendig Kirche sein kann. Das lohnt sich. Es ist aber auch anstrengend. Denn noch immer wird deutlich, dass es Vorbehalte gegen Kirche gibt. Bemerke ich es, nehme ich mir die Zeit, das in Gesprächen auszuräumen.

Die Laga empfing am 27. Juli den 300000. Besucher. Profitiert davon auch der Kirchengarten?
Weigel:
Ja. Aber nicht nur, weil der Kirchengarten im Stadtpark an einem zentralen und sehr sinnlichen Platz liegt. Auch das Programm der evangelischen, katholischen und freien Gemeinden – »Leben teilen« – kommt offenbar gut an. Den Satz »Bei Ihnen ist es so schön« höre ich immer wieder. Auch die wechselnden Mitarbeitenden aus den Gemeinden, Werken und Einrichtungen, die hier einige Tage zubringen, schöpfen Kraft.

Welche Angebote nehmen Besucher besonders gut an?
Weigel:
Durch den Ressourcengarten mit den Getreide-, Gemüse- und Kräuterbeeten gehen den ganzen Tag Menschen. Viele hinterlassen Botschaften für seine Gestalterin, Christine von Mertens. Auch die ökologisch-faire Kaffeetafel mit Kaffee, Tee, Säften und Weinen ­sowie Kuchen nehmen Besucher gern an. Immer wieder verabreden sich welche, um hier in Ruhe zu ­sitzen und über Gesehenes und ­Erfahrenes nachzudenken.
Außerdem: Von den drei Andachten, die wir an jedem Gartenschautag anbieten, sind bisher ganz wenige ohne Zuhörer geblieben.

Kommen nur Gemeindeglieder? Oder auch andere Laga-Besucher?
Weigel:
Das lässt sich nur bei denen genau sagen, mit denen die Mitarbeiter oder ich ins Gespräch kommen. Insgeheim hatte ich auf mehr Anmeldungen von Gemeindegruppen gehofft – aber vielleicht entschließen sich bis zum Ende der Gartenschau am 10. Oktober noch welche.

Welche Angebote im Kirchengarten sollten sich mögliche Besucher bis Oktober vormerken?
Weigel:
Das Programm der zweiten Halbzeit ist noch so vielfältig, da fällt die Auswahl schwer. Auf jeden Fall lassen sich die beiden großen Gottesdienste in der Stephanikirche gut mit einem Besuch der Landesgartenschau verknüpfen – der zum Diakoniesonntag am 29. August und der »Ernten«-Gottesdienst zum Abschluss am 10. Oktober. Zur »Nacht der Sinne« der Laga am 14. August ist auch der Kirchengarten bis Mitternacht geöffnet. Und am 17. August erwarten wir Bischöfin Ilse Junkermann zum Gespräch über unser Motto »Leben teilen«.

Künftig ohne Kastanien?

Neugestaltung des Schlossplatzes in Wittenberg wirft Fragen auf

Blick auf den Schlossplatz der Lutherstadt Wittenberg. Kurz vor Redaktionsschluss am Dienstag erfuhr die Redaktion, dass die erste Kastanie bereits gefällt wurde. Foto: Achim Kuhn

Blick auf den Schlossplatz der Lutherstadt Wittenberg. Kurz vor Redaktionsschluss am Dienstag erfuhr die Redaktion, dass die erste Kastanie bereits gefällt wurde. Foto: Achim Kuhn

Auf eine Vervollständigung der bisherigen »Mosaiksteinchen« im Hinblick auf ernestinisches Schloss und askanische Burg hofft Andreas Hille bei Ausgrabungen auf dem Schlossplatz in Wittenberg. Bei einer Diskussionsrunde in der Evangelischen Akademie in der Lutherstadt begründete der Archäologe vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt seine Zuversicht unlängst damit, dass bei Bodenuntersuchungen in Wittenberg schon oft klein angefangen wurde und dann sei (Stichwort Anbau am Lutherhaus) »etwas Großes« rausgekommen.

Die jüngste Grabung steht im Zusammenhang mit geplanten baulichen Aktivitäten in Wittenberg bis zum Reformationsjubiläum 2017. Laut Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) belaufe sich das Investitionsvolumen auf etwa 50 Millionen Euro. Davon müssen die EU-Mittel bis 2015 verbaut sein. Was die Sanierung des Schlossensembles und dessen künftige Nutzung betrifft, so sei im Erdgeschoss ein Empfang für die Schlosskirche vorgesehen, in der ersten Etage eine reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek.

Und in einen noch zu errichtenden Südflügel wird das Evangelische Predigerseminar einziehen. Im Gegenzug erhält die Stiftung Luthergedenkstätten mit dem Augusteum als bisherigem Sitz des Seminars dringend benötigte Flächen etwa für eigene  Sonderausstellungen. Die Baulast trage sie schon.

Vorigen Monat hatte das Land Sachsen-Anhalt eine Million Euro für Planungsarbeiten und die Grabungen für dieses Jahr bereitgestellt. Seit dem 28. Juni koordiniert die sachsen-anhaltische Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) die Untersuchungen. Bereits Anfang Juli, so Saleg-Mann Frank Herfurth, waren etwa 2000 Tonnen Aushub abtransportiert worden, inzwischen dürfte es erheblich mehr sein. Nun ist klar, dass, wo gehobelt wird, Späne fallen.

Im Fall des Schlossplatzes werden es allerdings ganze Bäume sein. Konkret handelt es sich um stattliche Kastanien, die der Zukunft im Weg stehen. Die Bäume spenden nicht nur Schatten und prägen das Bild des Platzes zum Teil seit fast 150 Jahren. Sie bieten auch Lebensraum. Buchfinken sind es gegenwärtig, deren Drang zur Arterhaltung zumindest eine Galgenfrist für zwei der fünf grünen Riesen zur Folge hat: Solange die Piepmätze brüten, darf nicht gefällt werden. Nicht gegraben werde auch an zwei weiteren Kastanien, deren Wurzeln über Versorgungsleitungen liegen.

Bäume in die Planung einbeziehen und nicht fällen
Mit ihrem »Talk am Turm« wollten Akademiedirektor Friedrich Kramer und die für Umweltmanagement zuständige Studienleiterin Siegrun Höh-ne den zahlreich erschienenen Besuchern die Möglichkeit geben, sich Informationen aus erster Hand zu holen. Denn genau daran hat es dem Anschein nach in der Vergangenheit gehapert.

Von einem Kommunikationsdesaster sprach ein Besucher. Wichtig sei nicht, was er (Naumann) gesagt habe, sondern was bei den Menschen ankommt. Nicht zerstreuen ließen sich Zweifel an der Notwendigkeit des Anbaus, zumal die Direktorin des Predigerseminars, Hanna Kasparick, einräumte, dass ihre Einrichtung im Augusteum gut aufgehoben sei.

Allerdings gehe es um eine »Gesamtlösung für Wittenberg, wo alle gewinnen«. Inwieweit die Natur dabei verliert (und mit ihr der Mensch?), ließ sich erahnen, als Siegrun Höhne vom Wert der Bäume sprach. Abgesehen vom emotionalen Wert haben sie auch einen messbaren: Je nach Art und Alter speichern sie pro Jahr einige Tausend Tonnen Kohlendioxid und filtern ebenso viel Staub aus der Luft. Höhne, die sich grundsätzlich darüber freue, dass der »hässliche Schlossplatz ästhetisch gestaltet werden soll«, bat die Verantwortlichen, entweder einen Teil des Altbaumbestandes in die Bauplanungen mit einzubeziehen. Oder, falls dies nicht geht, Neupflanzungen wegen des Klimaschutzes im Stadtgebiet vorzunehmen.

Nach dem jetzigen Stand sind offensichtlich 23 Ersatzbäume vorgesehen. Das ist, nicht nur nach Höhnes Auffassung, zu wenig. 

Corinna Nitz

Aufstehen gegen Rechts-Rock

Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller

Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller

Zum Friedensgebet am 10. Juli war die Trinitatiskirche in Gera überfüllt

Trotz brütender Hitze beteiligten sich viele Bürgerinnen und Bürger am 10. Juli in Gera an den friedlichen Protesten gegen die NPD-Propagandaveranstaltung »Rock für Deutschland«. Ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzten die Kirchen mit einem ökumenischen Friedensgebet. Die Kirche St. Trinitatis, nur etwa 400 Meter vom Veranstaltungsort der Neonazis entfernt, war bereits bis auf den letzten Platz besetzt, als die Glocken noch zum Friedensgebet riefen. 350 Menschen fanden sich in dem Gotteshaus ein, viele nahmen mit einem Stehplatz vorlieb oder setzten sich im Mittelgang auf den Fußboden. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) und Bürgermeister Norbert Hein (CDU).

Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof im Propstsprengel Eisenach-Erfurt, erklärte: »Wir müssen erschrecken, wenn mit Musik zu Rassismus und Gewalt eingeladen wird. Aber wir dürfen uns nicht lähmen ­lassen.« Angesichts von 149 Opfern rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung, davon die Hälfte in den sogenannten neuen Bundes­ländern, forderte er auf: Der Anstand gebiete es, dagegen den Aufstand anzusagen. Die Freiheit sei ein hohes Gut, »sie bedarf unserer Aufmerksamkeit und Pflege«. Es brauche Vorbilder, wie sie zum Beispiel die junge deutsche Fußballnationalmannschaft verkörpere – mit einem gemeinsamen Traum, einem gemeinsamen Weg und einem gemeinsamen Ziel.

»Rechtsrock ist keine musikalische Kunstrichtung. Es ist kriminelle Energie, gepaart mit Hass und Gewalt«, äußerte Stadtjugendpfarrer Michael Kleim.

Die Kirchen hatten sich in Gera in die vielfältigen Aktionen des Runden Tisches und von Bürgerbündnissen eingebracht. An 15 Veranstaltungsorten versammelten sich Bürger, um gegen das NPD-Konzert zu demonstrieren. Auf der Heinrichsbrücke, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, wurde der Straßenbahnverkehr mit ­einer Sitzblockade unterbrochen. Nur unter Geleitschutz der Polizei konnten die Rechtsextremen durch einen abgeriegelten Korridor auf der Brücke zu ihrem Veranstaltungsort gelangen. »Ihr habt den Krieg verlor’n«, skandierten Gegendemonstranten, als Teilnehmer zum NPD-Propagandafestival zur Spielwiese liefen.

Dass die Erben der »Kriegsverlierer« von 1945 zum achten Mal Gera auserkoren hatten, um ihre Ideologie wiederauferstehen zu lassen, wollten zahlreiche Menschen nicht hinnehmen. So viele wie noch nie demonstrierten gegen die rechte Veranstaltung. Die Kirche spricht von bis zu 2000 Teilnehmern an den verschiedenen Aktionen. Beim NPD-Fest hatten sich Polizeiangaben zufolge rund 1200 Personen aus Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen versammelt. Im Vorjahr hatte die NPD noch 4000 Leute mobilisieren können.

Uwe Müller

Neue Lust aufs Land wecken

14. Juli 2010 von redaktionguh  
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Foto: Christa Richert, sxc.hu

Foto: Christa Richert, sxc.hu


Vertreter aus Mitteldeutschland sehen Nachholbedarf beim Thema Kirche auf dem Land.

»Endlich werden wir mal gehört.« Pfarrerin Anne-Katrin Kummer aus dem thüringischen Gefell zeigt sich sichtlich angetan vom Treffen der Landpfarrer in Hannover. Rund 70 Theologen aus der gesamten EKD trafen sich Ende Juni erstmals zu einem Konsultationstag. Aus der mitteldeutschen Kirche sind das Pfarrerehepaar Kummer aus Gefell (Kirchenkreis Schleiz) und Pfarrerin Magdalena Wohlfahrt aus Kirchheilingen (Kirchenkreis Mühlhausen) dabei gewesen. Die anhaltische Landeskirche hat Pfarrer Mathias Kipp aus Sandersleben (Kirchenkreis Bernburg) und Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter (Kirchenkreis Köthen) entsandt.

»Es ist gut, wenn sich der Blick auf die Landgemeinden richtet«, findet auch Magdalena Wohlfahrt. Allerdings hofft sie, dass bei künftigen Treffen mehr Zeit für den Erfahrungstausch bleibt. Ansonsten begrüßt die Pfarrerin den Ansatz, sich einem vernachlässigten Arbeitsfeld zuzuwenden. Ihr Kollege Wolfram Kummer aus Gefell geht sogar ein Stück weiter. Bei der Konsultation sei deutlich geworden, »dass die Landgemeinden nicht das Problem sind«. Hier werde das Geld eingenommen, das andernorts mit ausgegeben wird. Darüber hinaus habe sich bei dem Treffen gezeigt, dass die Situation im ländlichen Raum keineswegs einheitlich und miteinander vergleichbar sei. »Hier gibt es sehr große Unterschiede – nicht nur zwischen Ost und West«, so Kummer. Dennoch sieht auch er die Notwendigkeit, am Thema dranzubleiben.

»Tatsächlich müssen wir überlegen, wie kirchliche Arbeit auf dem Land strukturiert werden kann, um zukunftsfähig zu bleiben«, sagt Wolf von Nordheim, Referent im Reformbüro der EKD und selbst lange Landpfarrer. Heute ist der Theologe als Referent im Reformbüro für das Thema »Kirche auf dem Land« zuständig. Nach seiner Ansicht muss es darum gehen, die Auflösung von Kirchengemeinden zu vermeiden, »so lange es irgend geht«.

Eine dezidiert evangelische Antwort auf Überalterung und Abwanderung könnte sein: Gemeinde gebe es solange vor Ort, wie sich Christenmenschen finden, die das wollen. Das bedeute freilich auch eine Veränderung im Profil des Pfarramtes, eine Stärkung der Kernkompetenzen in Verkündigung und Seelsorge und eine stärkere Übernahme von Verantwortung in den Gemeinden. »Dann steht zum Beispiel die Frage, wie sich Gemeinde organisieren muss, wenn kein Hauptamtlicher mehr vor Ort ist.« Zugleich will von Nordheim aus dem allgemeinen Klagen heraus und zu positiven Ansätzen kommen, um wieder die Lust aufs Land zu wecken.

Für die Zukunft hat sich die EKD dabei einiges vorgenommen. Noch im Oktober soll sich nach dem Willen des Reformbüros eine Landkirchenkonferenz konstituieren – in Analogie zur seit Jahren bestehenden Citykirchenkonferenz – als Arbeits- und Austauschebene. Dieser Zusammenschluss könnte der Kirche auf dem Land »eine eigene Stimme geben«, hofft von Nordheim. Zudem ist eine Tagung geplant zur Präsenz in den ausgedünnten Räumen. Arbeitstitel: »Lagerfeuer, Leuchtfeuer, Herdfeuer.« Außerdem sei an Workshops gedacht, wo es um die spezielle Frage und »aufsuchende Analyse« von gelungenen Beispielen gehen soll, so der Referent im Reformbüro. Der Grund ist denkbar einfach. »Es gibt viele tolle Sachen und niemand erfährt davon.«

Martin Hanusch

Erholung, Spaß und Bildung

Gemeinsam mit den Kindern und ­Jugendlichen der evangelischen ­Nicolaigemeinde in Magdeburg spielten und sangen fünf Kinder der evangelischen Freizeiteinrichtung »Knast« am 20. Juni das Musical »Bileam und die Eselin« zum Sommerfest der ­Kirchengemeinde.	Foto: Viktoria Kühne

Gemeinsam mit den Kindern und ­Jugendlichen der evangelischen ­Nicolaigemeinde in Magdeburg spielten und sangen fünf Kinder der evangelischen Freizeiteinrichtung »Knast« am 20. Juni das Musical »Bileam und die Eselin« zum Sommerfest der ­Kirchengemeinde. Foto: Viktoria Kühne


Diakonie Mitteldeutschland startet erneut Spendenaktion für unbeschwerte Ferien.

Bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung lernen die Kinder, sich selbst zu akzeptieren, Regeln zu vereinbaren und sie auch zu halten. Das hat Karl-Michael Schmidt erfahren, der seit drei Jahren im Kinder- und Jugend-Freizeitzentrum (KJFE) »Knast« in Magdeburg arbeitet, einer Einrichtung des evangelischen Kirchenkreises. Die offene Jugendarbeit der Elbestadt profitiert von der Initiative der mitteldeutschen Diakonie »Kindern Urlaub schenken«. So könnten Tagesausflüge oder Paddeltouren organisiert werden. Beim Ausflug nach Potsdam zum Beispiel waren die Jugendlichen auch auf den Spuren Einsteins unterwegs, sagt der Gemeindepä­dagoge und Religionslehrer. Zu den ­Angeboten gehöre immer auch Bildungsarbeit.

Viele der Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen lernten zum ersten Mal kennen, dass man miteinander spielen kann und sich nicht nur verbal attackieren müsse, um sein Selbstbewusstsein zu stärken. Inzwischen arbeitet Schmidt auch mit ­Kantorin Hedwig Geske von der Magdeburger Nicolaigemeinde zusammen. Bei einem Musicalprojekt haben auch »seine« Kinder mitgespielt. »Ich möchte eine Brücke bauen zwischen KJFE und Kirchengemeinde«, sagt er.

Die Kreisdiakoniestelle im südthüringischen Hildburghausen-Eisfeld organisiert ebenfalls Freizeiten mit der Unterstützung der Diakonieaktion. Im letzten Jahr war es eine Kinder-Familien-Freizeit im Advent vor allem für Alleinerziehende. In diesem Jahr ist eine Tagesfreizeit für Kinder geplant, in der es in den Erlebnispark Schloss Thurn gehen soll. »Viele ­Eltern haben kein Geld für Eintrittskarten«, sagt Tina Lenk von der Kreisdiakoniestelle. Ehrenamtliche der Hildburghäuser Tafel unterstützen die Hauptamtlichen bei der Betreuung.

Zum fünften Mal ruft die Diakonie nun zur Spendenaktion »Kindern Urlaub schenken« auf. Seit 2006 ist das Volumen stetig gewachsen, informiert Fundraiser Andreas Hesse. Waren es im Jahr 2006 noch 5000 Euro Spenden für 60 Kinder, konnte 2007 schon 130 Kindern »Urlaub geschenkt« werden, 2008 waren es bereits 1000 Kinder. Im vergangenen Jahre kamen insgesamt 110.000 Euro zusammen. 2700 Kindern und Jugendliche konnten so einige unbeschwerte Ferientage genießen und lernten mitunter eine andere Welt kennen.

Der aktuelle Spendenstand für 2010 liegt derzeit bei 8.164,52 Euro. Schon mit 15 Euro könne ein Kind einen Tag lang Erholung, Bildung und Förderung ­geboten werden, informiert die Diakonie.

Dietlind Steinhöfel

Spendenkonto: 200 2000, BLZ 520 604 10, EKK, Kontoinhaber: Diakonie Mitteldeutschland, Kennwort: Urlaub schenken

»Es ist ein Prozess angestoßen, der jetzt diskutiert werden kann«

Foto:sxc.hu

Foto:sxc.hu


Der Konsultationstag am 12. Juni in Jena war ein erster Schritt zu einem gemeinsamen Finanzsystem der EKM.

Dass die Eigenverantwortung und der Verkündigungsdienst mit dem neuen Finanzsystem der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gestärkt werden sollen, stieß bei den meisten der rund 220 Teilnehmer des Konsultationstages am 12. Juni in Jena auf positive Resonanz. Von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde die Ausgewogenheit und die Transparenz der von einer Arbeitsgruppe (AG) erarbeitete Grobstruktur gelobt. Entsprechend konstruktiv war die Atmosphäre. In Detailfragen gab es dennoch kontroverse Diskussionen.

»Gemeinschaft verpflichtet«, hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrer Andacht zu Beginn des Tages betont. Und auch das Finanzgesetz der EKM gibt das Solidaritätsprinzip vor, zudem Subsidiarität, Transparenz und Zukunftsfähigkeit. Dabei soll es zwar ein Ausgleichen der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit geben, aber keine Gleichmacherei. »Die Eigenverantwortung und die Gesamtverantwortung müssen sich ergänzen«, heißt es im Finanzgesetz.

Ein wichtiger Punkt: Die Personalverantwortung im Verkündigungsdienst soll auf die Ebene der Kirchenkreise und -gemeinden gestellt werden. Hiefür wurde ein Stellenschlüssel erarbeitet, der nicht nur die absolute Gemeindegliederzahl in den Blick nimmt, sondern unter anderem auch den prozentualen Anteil evangelischer Christen an der Bevölkerung und die Einwohnerzahl der Gemeinden. Superintendent Martin Herzfeld aus Suhl findet diese Sichtweise interessant. So würden sowohl eher säkular geprägte Städte als auch volkskirchliche Strukturen berücksichtigt, sagte er gegenüber der Kirchenzeitung. Dass Personaldezernent Christian Frühwald davon sprach, nach dem vorgelegten Modell würden weniger Stellen im Verkündigungsdienst abgeschmolzen als es der Stellenplan der ehemaligen Landeskirchen vorsehe, rief positives Erstaunen hervor. Durch die Umstrukturierung gäbe es Einsparungen auf landeskirchlicher Ebene, so Frühwald.

Eine intensive Diskussion entspann sich um den Religionsunterricht. Hier soll der Pflichtstundenanteil für Pfarrer wegfallen und der ­Kirchenkreis Personalverantwortung übernehmen. Hanfried Victor, Schulbeauftragter im Thüringer Nord-West-Bereich, fürchtet, dass hier eingespart werden könnte, wenn der Kirchenkreis entscheide, was ihm wichtig ist. »Wir unterrichten bis zu 3500 Religionsschüler regelmäßig. Wie erreichen wir in dieser Kontinuität sonst so viele junge Menschen?« Der Stendaler Superintendent Michael Kleemann, Mitglied der AG, betonte, dass natürlich zwischen Landeskirche und Ministerien weiter verhandelt werden müsse.

Der Konsultationstag in Jena war ein erster Schritt hin zu einem gemeinsamen Finanzsystem. Stefan Große betonte zum Schluss noch einmal, dass nur eine Grobstruktur vorgelegt wurde. Die Vorlage soll nun zeitnah in die Gemeinden gehen, und die Arbeitsgruppe wird sich über ein geeignetes Stellungnahmeverfahren einigen. »Ich bin optimistisch«, sagte er gegenüber »Glaube+Heimat«. Auch der Geraer Propst Hans Mikosch zeigte sich zufrieden: »Es ist ein Prozess angestoßen, der jetzt diskutiert werden kann.«

Dietlind Steinhöfel

Kirche für junge Leute

Jugendliche kommen nach der Konfirmation nicht automatisch weiter zur ­Kirche. Angebote wie die »Jugendkirche« in Weimar haben eine wichtige Funktion. Am 4. Juni wurde Pfarrerin Dorothea Knetsch (links) als Jugendpfarrerin für dieses Projekt eingeführt. Foto: Maik Schuck

Jugendliche kommen nach der Konfirmation nicht automatisch weiter zur ­Kirche. Angebote wie die »Jugendkirche« in Weimar haben eine wichtige Funktion. Am 4. Juni wurde Pfarrerin Dorothea Knetsch (links) als Jugendpfarrerin für dieses Projekt eingeführt. Foto: Maik Schuck


Kirchengemeinden entwickeln Angebote für Konfirmierte.

»Für mich war die Konfirmation ziemlich toll, weil es ein schöner Gottesdienst war und man jetzt zu den Erwachsenen gehört«, sagt Sandra Märtin, die kürzlich in Weimar konfirmiert wurde. Wie sie empfinden viele Konfirmierte, sie sprechen von ihrer Konfirmation als einem schönen Fest, auch weil sie nun nicht mehr als Kinder angesehen werden. Dass sie mit der Konfirmation zum Beispiel ein Patenamt übernehmen kann, ist darüber hinaus für Debora Schurig, ebenfalls aus Weimar, wichtig. Für sie steht fest: »Ich werde auch weiter regelmäßig die Kirche besuchen, da mir in der Konfizeit erst richtig klar geworden ist, was sie bedeutet.« Nicht für alle jungen Leute ist es selbstverständlich, auch nach der Konfirmation den Kontakt zur Kirche zu halten.

Damit die Integration in die Gemeinde gelingt, sei es wichtig, dass Konfirmanden frühzeitig Kontakt zur Jungen Gemeinde (JG) haben, nicht erst nach der Konfirmation, betont Stephan Grötzsch, Pfarrer in Coswig im anhaltischen Kirchenkreis Zerbst. In Coswig gebe es deshalb monatlich ein gemeinsames Treffen von Konfirmanden und Junger Gemeinde, erzählt er. Ebenso würden Mitglieder der JG mit zu den Konfirmandenrüstzeiten fahren, sodass sie einander kennenlernen.

Auch in Zieko, ebenfalls in der Landeskirche Anhalts, treffen sich die Konfirmanden der 7. und 8. Klassen sowie Konfirmierte regelmäßig. Ein Angebot, das gut angenommen wird, sagt Pfarrer Dankmar Pahlings.
Neben den Begegnungen zwischen den noch nicht und den schon Konfirmierten sei es wichtig, dass sich die jungen Leute ausprobieren, dass sie mitgestalten und Verantwortung übernehmen, so die Erfahrung von Micha Hofmann, Kreisjugendreferent im Kirchenkreis Mühlhausen. Eine Möglichkeit dazu biete die Jugendleitercard, eine Fortbildung für die Arbeit in der Kinder- und Jugendarbeit. Zudem gibt es in Mühlhausen eine Jugendkirche, an deren Veranstaltungen die Jugendlichen mit beteiligt seien. So werde beispielsweise monatlich zu einem von ihnen vorbereiteten Jugendgottesdienst eingeladen.

Die Konfirmanden der Weimarer Kirchengemeinden werden jedes Jahr nach der Konfirmation zu einer Après-Konfiparty eingeladen, die in diesem Jahr am 4. Juni gefeiert wurde.  Auch Weimar hat eine Jugendkirche. Die Johanneskirche wurde für das Projekt umfunktioniert. Bisher werde einmal jährlich zur Jugendkirche eingeladen, zu der Lagerfeuer, gemeinsames Kochen und Kirchenschlaf angesagt seien, erläutert Dorothea Knetsch, die neue Kinder- und Jugendpfarrerin. Im Rahmen der Après-Konfiparty war sie in dieses Amt eingeführt worden. Sie sehe ihre Aufgabe darin, das Projekt Jugendkirche weiter voranzubringen.

Die Jugendkirche solle ein Treff für junge Leute mit verschiedenen Angeboten werden, jedoch nicht in Konkurrenz treten zu der bestehenden guten Jugendarbeit in den Weimarer Gemeinden, betont die Pfarrerin. Dieses Anliegen ist ganz in Deboras Sinn, denn sie wünscht sich, dass die JG in der Kirchengemeinde erhalten bleibt. Das findet auch Sandra Märtin. Sie sagt: »Ich finde es super, dass es so was wie die Junge Gemeinde gibt.«

Sabine Kuschel

»Jung, dynamisch und weiblich«

Foto: Mateusz Stachowski, sxc.hu

Foto: Mateusz Stachowski, sxc.hu


Erstmals Studie zu den evangelischen Schulen in Mitteldeutschland vorgestellt.

Der Wachstumstrend bei den evangelischen Schulen in Sachsen-Anhalt und Thüringen ist ungebrochen. Das geht aus einer Studie hervor, die am 7. Juni im Augustinerkloster Erfurt präsentiert wurde. Evangelische Schulen seien »jung, dynamisch und weiblich«, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung, Kirchenrat Marco Eberl, bei der Vorstellung der Studie.

Mit der Untersuchung der Jenaer Wissenschaftlerin Dorothy Bonchino-Demmler zu den allgemeinbildenden und berufsbildenden Einrichtungen in evangelischer Trägerschaft liegt jetzt erstmals umfassendes Material zu den betreffenden Schulen vor. Seit 1990 sei ihre Zahl auf dem Gebiet der EKM in mehreren Schüben auf heute 80 mit insgesamt rund 9.100 Schülerinnen und Schülern gestiegen, so Dorothy Bonchino-Demmler. Knapp die Hälfte der Kinder gehört nach der Studie keiner Kirche an. 42 Prozent sind evangelisch. An den Förderschulen sei sogar die Mehrheit von Lehrern und Schülern ohne kirchliche Bindungen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft die Zusammensetzung der Kollegien. Demnach sind von den rund 1000 Pädagoginnen und Pädagogen ein Großteil unter 40 Jahre alt. Im Förderschulbereich sind die Lehrkräfte im Durchschnitt zehn Jahre älter. Zudem überwiegen die Lehrerinnen an evangelischen Schulen ganz deutlich: 87 Prozent der Lehrkräfte sind weiblich. Dadurch fehle den Jungen hier häufig »ein männliches Vorbild«, erklärte die Wissenschaftlerin. Das Verhältnis sei vor allem an Grundschulen noch sehr unausgeglichen.

Bonchino-Demmler verwies unter dem Stichwort »Schule für alle« zudem kritisch auf den mittleren Leistungsbereich. Die Sekundarschulen rückten erst seit dem Jahr 2004 ins Blickfeld. »Wir sind hier bereits gut vorangekommen, während lange Zeit die Evangelische Regelschule in Mühlhausen die einzige Schule im Sekundarschulbereich war, sind nun mit den Neugründungen in Haldensleben, Gotha und Magdeburg bereits vier Schulen in Betrieb. Und weitere werden in diesem Sommer folgen.«

Kirchenrat Marco Eberl zeigte sich zufrieden über die erste Untersuchung, die in Kooperation mit der Professur für Religionspädagogik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) entstand. »Uns wurde ein Steilpass zugespielt, nun ist es an uns, den Ball aufzunehmen und die Erkenntnisse in der Schulentwicklung umzusetzen. Natürlich brauchen wir dabei wissenschaftliche Begleitung.«

Die Folgestudie, Bonchino-Demmlers Promotionsarbeit, wird sich deshalb qualitativ mit den Lehrkräften an evangelischen Schulen auseinandersetzen. Hier soll unter anderem das evangelische und reformpädagogische Profil der Schulen näher betrachtet werden.

(rk/mkz)

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