Starke Gemeinden sind Basis der Kirche

21. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Matthias Rein wird neuer Senior im Kirchenkreis Erfurt

Sportlich schlank, mit gewinnendem Lächeln, auskunftsfreudig und sehr gut vorbereitet – so präsentierte sich Matthias Rein den Synodalen des Kirchenkreises Erfurt bei der Wahl zum neuen Senior am 18. Februar. Im zweiten Wahlgang erreichte er, nach Rückzug seines im ersten Wahlgang unterlegenen Konkurrenten, deutlich mehr Stimmen als die ­erforderliche Zweidrittelmehrheit.

Geboren 1964 in Sanitz bei Rostock, zog es den Pfarrerssohn nach Abitur und Bausoldatenzeit zum Theologiestudium nach Halle. Er wollte authentische Lutherorte und die Frömmigkeit an diesen Orten ­kennenlernen. 1994 promovierte er mit einer Dissertation zum Johannesevangelium. Nach dem Vikariat in Halle wurde er Pastor der Landeskirche Mecklenburgs, übernahm eine kleine Dorfgemeinde nahe Schwerin. Weil seine Gemeinde einem Strukturwandel zum Opfer fiel, musste er sich beruflich neu orientieren.

Präses Falk Oesterheld (li.) gratuliert dem zukünftigen Senior des Kirchenkreises. Foto: Matthias Frank Schmidt

Präses Falk Oesterheld (li.) gratuliert dem zukünftigen Senior des Kirchenkreises. Foto: Matthias Frank Schmidt

In Pullach bei München wurde er Studienleiter am Theologischen Studienseminar der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland und 2009 dessen Rektor. Unter anderem gehörte die Weiterbildung kirchlicher Führungskräfte zu seinen Aufgaben, verbunden mit Kontaktpflege zu anderen Landeskirchen und theologischen Fakultäten. Für sein neues Amt als Senior bringt Rein ­somit einen breiten beruflichen Erfahrungshorizont mit. Dass er als Ostdeutscher im bayerischen Pullach offen aufgenommen worden sei, gehört zu seinen positiven Erfahrungen.

Ehrenamtlich engagiert sich Rein seit 1997 als Dozent im Kirchlichen Fernunterricht der EKM. Hier werden Prädikanten für den ehrenamtlichen Dienst ausgebildet – eine Aufgabe, die ihm liegt. Den Theologen bewegt deshalb, wie sich künftig die Zusammenarbeit von Pfarrern mit ordinierten Prädikanten gestalten lässt und was dies für die Ortsgemeinden bedeutet. Überhaupt beschäftigt ihn die künftige Gestalt der Kirche, besonders im Blick auf die Gemeinde vor Ort, die er gestärkt wissen will.

Das EKD-Impulspapier »Kirche der Freiheit« sieht er kritisch und fragt, welche Rolle die ­erfahrene Gemeinschaft der Glaubenden für die Existenz der Kirche spiele. Als Senior will er sich dem ökumenischen Gespräch stellen und auch den interreligiösen Kontakt suchen.

Der Präses der Kreissynode Erfurt, Falk Oesterheld, erwartet vom neuen Senior vor allem, dass er im Spannungsfeld von den Stadt- zu den Dorfkirchengemeinden den notwendigen Ausgleich herstellt. Seine hohe theologische Kompetenz, breite berufliche Erfahrung und sein aufgeschlossenes Wesen seien für sein neues Amt beste Voraussetzungen.

Matthias Rein wird bis zum Dienstbeginn am 1. September mit seiner Frau, einer promovierten Pfarrerin der EKM, nach Erfurt umziehen. Er freut sich auf die aus seiner Sicht attraktive Stadt und Lutherstätte. Den drei handballbegeisterten Söhnen im Alter von 16, 13 und 10 Jahren will der Umzug allerdings noch nicht so recht schmecken.

Inge Linck

Vorboten der 100 Originale?

Dauerausstellung auf dem Landgut Holzdorf zeigt 14 Repliken aus der Sammlung Otto Krebs

Das Plagiat ist die vielleicht aufrichtigste Form der Verehrung.« Mit diesem Zitat des Schriftstellers ­Alfred Polgar eröffnete Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht am 7. März eine Dauerausstellung auf dem Landgut Holzdorf, in der 14 Kopien aus der Gemäldesammlung des Mannheimer Industriellen Otto Krebs gezeigt werden, die einst hier ihren Standort hatte. Die unschätzbar wertvolle Kollektion, die nach 1945 als Beutekunst in die Sowjetunion verbracht wurde, galt lange Zeit als ­verschollen.

Es war eine Sensation, als sie nach 50 Jahren wieder auftauchte und 1995 in der Leningrader Eremitage im Rahmen der Ausstellung »Verschollene Meisterwerke deutscher Privatsammlungen« erstmals wieder der Fachwelt präsentiert wurde. Dabei waren 60 Gemälde aus der insgesamt 100 Bilder umfassenden Holzdorfer Sammlung zu sehen.

Da an eine Rückgabe der Kunstwerke vorerst nicht zu denken ist, wurde die Idee geboren, von Studenten der Petersburger Akademie für Angewandte Kunst unter der Leitung ihrer Professorin Tatjana Pozelujewa 20 Repliken anfertigen zu lassen. Dabei kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit mit Prof. Sabine Maier, die an der Erfurter Fachhochschule Konservierung und Restaurierung lehrt.

Die Initiative zu alledem ging vom Geschäftsführer des Landgutes, Norbert Hetterle, aus, dem es auch ­gelang, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Sparkasse Mittelthüringen und die Kreissparkasse Saale-Orla als Förderer zu gewinnen, die das Projekt mit insgesamt 50000 Euro unterstützten. So dankte die ­Ministerpräsidentin in ihrer launigen Festansprache nicht ohne Grund ­»allen Könnern und Gönnern«.

Schülerinnen der Erfurter Kunstschule ließen sich von den im Obergeschoss  des Landgutes Holzdorf ausgestellten Bildern inspirieren und fertigten sogleich Repliken der Repliken an. Foto: Maik Schuck

Schülerinnen der Erfurter Kunstschule ließen sich von den im Obergeschoss des Landgutes Holzdorf ausgestellten Bildern inspirieren und fertigten sogleich Repliken der Repliken an. Foto: Maik Schuck

Die bislang 14 kopierten Gemälde können an jedem ersten Sonntag des Monats von 14 bis 16 Uhr besichtigt werden. Sie hängen in den einstigen Schlafzimmern von Otto Krebs und seiner Lebensgefährtin, der Pianistin Frieda Kwast-Hodapp, im Obergeschoss des Herrenhauses. Bei aller technischen Meisterschaft, die den kopierenden Malern zu bescheinigen ist, fehlt ihnen die Aura des ursprünglichen Schöpfungsaktes. Das mag auch darin begründet liegen, dass es besonders schwierig ist, ein impressionistisches Bild mit seinen Lichtwirkungen und differenzierten Farbschichten »nachzugestalten«.

Zugänglich ist auch der Tresor, der von russischen Soldaten aufgeschweißt wurde. Er kann gemeinsam mit anderen Gegenständen aus der Blütezeit des Landgutes und der Besatzerzeit im Verwalterhaus betrachtet werden. Außerdem wird ein siebenminütiger Film über das Leben des Kunstmäzens und das Mustergut Holzdorf gezeigt.

»Damit kommen wir unserem Ziel, Holzdorf nicht nur zu einem diakonischen, sozial engagierten Zentrum auszubauen, sondern auch die kunsthistorische Tradition zu beleben, einen großen Schritt näher«, freut sich der Geschäftsführer.

Die gemeinnützige Gesellschaft »Diakonie Landgut Holzdorf« trägt heute die Verantwortung für das Anwesen, das 1999 von der Stadt Weimar an das damalige Diakonische Zentrum Sophienhaus Weimar übertragen wurde. Damals wurde vereinbart, das bedeutende Erbe des Ortes mit seinen kulturellen Zeugnissen aus der Sammlung von Otto Krebs ­lebendig zu halten.

Michael von Hintzenstern

Gutscheine gegen bare Wünsche

14. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Kirchenkreise Henneberger Land und Meiningen setzten mit Tausch-Aktion ein Zeichen

Als Qurbani Rahim am vergangenen Sonnabend zum Treffpunkt an den Einkaufsmarkt an der Zella-Mehliser Stadtgrenze kommt, hat er seine Frau Mansura Heidary und seinen siebenjährigen Sohn Ali im Heim in Zella-Mehlis zurückgelassen. Ziel des Flüchtlings aus Afghanistan wie auch anderer Asylsuchender aus der Stadt und dem benachbarten Suhl ist eine eigens für diesen Tag initiierte Hilfsaktion.

Die Kirchenkreise Henneberger Land und Meiningen sowie die Gemeinden in Suhl und Zella-Mehlis haben erstmals in Südthüringen zu einer Gutschein-Umtausch aufgerufen. Denn auch hier ist es noch gängige Praxis, die Leistungsvergütung an Asylbewerber und Flüchtlinge über Gutscheine zu gewähren.

Qurbani Rahim aus Afghanistan und Familie Müller aus Suhl begegneten sich hier nicht zum ersten Mal. Foto: Karl-Heinz Frank/frankphoto.de

Qurbani Rahim aus Afghanistan und Familie Müller aus Suhl begegneten sich hier nicht zum ersten Mal. Foto: Karl-Heinz Frank/frankphoto.de

In Zella-Mehlis beispielsweise dürfen diese Einkaufs-Gutscheine dann nur in zwei, in Suhl in fünf Lebensmittelmärkten eingelöst werden. Außer etwas Taschengeld haben die Betroffenen kaum Bares zur Verfügung, kleinste Wünsche – vor allem der Kinder nach Spielsachen, einem Kinobesuch oder einem Eis – bleiben notgedrungen unerfüllt. In anderen Landkreisen und kreisfreien Städten wird das bereits anders gehandhabt. Unter der Vermittlung von Diakon Adelino Massuvira João gehen an diesem Tag Bürger von Suhl und Zella-Mehlis mit Asylsuchenden gemeinsam zum Einkauf, und sie tauschen dabei deren Gutscheine gegen Bares.

»Wir haben als christliche Gemeinde zu dieser Aktion aufgerufen, weil wir es skandalös finden, dass Menschen, die hier Schutz suchen, zusätzlich beschämt werden«, spricht der Suhler Superintendent Martin Herzfeld allen, die dazu gekommen sind, aus dem Herzen.

Superintendentin Beate Marwede vom Kirchenkreis Meiningen erzählt, dass die Idee zur Aktion bei einer Kanzelrede in Zella-Mehlis geboren wurde – angeregt unter anderem durch den Erfolg, den die Nordelbische Kirche bei der Abschaffung der Gutscheinverrechnung in Hamburg errang.

Qurbani Rahim tauscht an diesem Tag in Zella-Mehlis Gutscheine zwischen 50 Cent und 20 Euro bei Robert Müller gegen Bargeld. Der beteiligt sich zusammen mit seiner Frau Jana und den Töchtern Luise und Sophia an dieser Aktion. Nicht nur die Männer kennen sich, auch beide Familien sind sich in der Kirchengemeinde schon begegnet. So erst kürzlich, als sich Qurbani Rahim mit seiner Familie dort taufen ließ. Die Müllers wissen, dass Bargeld den Rahims ein ganzes Stück weiterbringt – bei Busfahrten zum Sprachkurs oder zur Schule beispielsweise.

Qurbani und 13 weiteren Asylsuchenden und deren Familien aus Zella-Mehlis und Suhl konnte mit dieser Aktion sehr konkret geholfen werden. Nicht minder wichtig aber auch: Die Initiatoren haben auf diese Weise die diskriminierende Praxis der Leistungsgewährung für Asylbewerber nun auch in Südthüringen öffentlichkeitswirksam in den Fokus gerückt und die Bürger dort für das Thema sensibilisiert.

Hannelore Frank

Regenschirme als Friedens-Zeichen

Zum Tod des amerikanischen Malers Matt Lamb, der die Kirche in Bergern ausmalte

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Matt Lamb

Der amerikanische Künstler Matt Lamb, der 2008 die Kirche »Zum Kripplein Christi« in Bergern (Kirchenkreis Weimar) ausgemalt hat, ist am 18. Februar im Alter von 79 Jahren in Chicago einer Lungenkrankheit erlegen. In Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001 hatte er die weltweite Aktion »The Lamb Umbrella for Piece« (Der Lamb-Regenschirm für den Frieden) ins Leben gerufen, in deren Rahmen mehr als 400000 Kinder Schirme bemalten. Eine Schirm-Ausstellung wurde unter anderem im Deutschen Bundestag vorgestellt.

Der Maler sei davon überzeugt gewesen, dass Kunst die Welt verändern könne, heißt es auf seiner Website. »Er war ein einzigartiger Mensch, der unermüdlich darin war, die Botschaft von Hoffnung, Verständnis und Liebe auf der ganzen Welt zu verbreiten«, sagte die Vorsitzende der Deutschen Matt Lamb Gesellschaft Silvia Schmidt.

Vor 27 Jahren war bei Lamb fälschlicherweise eine tödliche Krankheit festgestellt worden. Diese Fehldiagnose veränderte sein Leben. Er verkaufte sein erfolgreiches Bestattungsunternehmen, begann zu malen und engagierte sich seitdem für Frieden, Verständnis und Toleranz. Heute hängen seine oft großflächigen bunten Werke in mehr als 1000 Museen. In der Fachwerkkirche von Bergern malte er auf 130 Quadratmetern ­großformatige, farbenprächtige Bilder, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen.

Michael von Hintzenstern

Der spukende Pfarrer zu Ruhla

5. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Eine Legende wird in der Winkelkirche zum Leben erweckt

Man mag es glauben oder nicht – in Ruhla spukt es. Davon waren die Menschen in dem Thüringer Bergstädtchen im 18. Jahrhundert überzeugt. Daran erinnern wollte die Theatergruppe »Kreuz AS« vom Albert-Schweitzer-Gym­nasium 2011 zum 350. Kirchenjubiläum der Winkelkirche St. Concordia mit der Geschichte vom legendären Pfarrer Feuchter. Gerhard Reuther, Pfarrer und Initiator der Kirchenreihe »Kultur im Winkel«, startete nun mit einem zweiten Programmabend und dieser Spukgeschichte die neue Kultursaison. Gespielt wurde in historischer Kulisse, vor dem ­Altar, unter dem tatsächlich besagter Geistliche begraben liegt.

»Wenn ich je eine andere heirate, so will ich das Reich Gottes nicht schauen!«, soll Pfarrer Johann Georg Feuchter am Sterbebett seiner Frau im Jahre 1751 geschworen haben. Doch er heiratete wieder, kein Jahr nach dem Tode der ersten Frau, und zwar die Tochter des Pfarrers zu Bornstedt. So steht es in der Kirchenchronik geschrieben. Als er am 26. Juni 1758 verstarb und als letzter Pfarrer unter dem Altar von St. Concordia begraben wurde, soll es alsbald im Pfarrhaus angefangen haben »zu spuken und zu wandern«.

Gymnasiasten spielen die Legende. Foto: Susanne Reinhardt

Gymnasiasten spielen die Legende. Foto: Susanne Reinhardt

Es hätte treppauf und treppab gepoltert, Stühle und Tische seien verrückt oder umgeworfen worden. Auch außerhaus habe es der »spukende Pfarrer« schlimm getrieben. In der Kirche und auf dem Gottesacker habe er die Leute erschreckt, sich als Geist auf die Karren und Rücken von Männern gehockt. Daraufhin habe die Gemeinde zwei Jesuiten kommen lassen, »welche im Beisein des Schultheißen und der Gemeindeältesten in der Kirche vor dem Altar den verstorbenen Pfarrherren zitieren und dann in einen Sack kriechen ließen«, berichtet die Legende.

Doch zuvor soll er auf der Brüstung der Empore, »drohend und zornig anzuschauen« erschienen sein. Der Schauer, der allen Anwesenden damals über den Rücken gelaufen sein mag, den durften die Besucher des Stückes selbst spüren. Der Gymnasiast Max Liebergeld sorgte in der Rolle des Gespenstes für viel Klamauk. Und manchmal höre er seinen Vorgänger noch heute im Pfarrhaus niesen, meint Reuther mit einem Augenzwinkern.

Susanne Reinhardt

Kirchenkreis Meiningen: Gemeinsam im Netz

1. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: MEV

Am 18. März erinnert ein Versöhnungsgottesdienst in Zella-Mehlis an die dunklen Seiten der Reformation. Die Pfarrei Unterkatz in der Rhön ist als sogenannte Urpfarrei schon bald nach der Christianisierung im ausgehenden 8. Jahrhundert entstanden. In Bibra probt der Posaunenchor immer freitags um 19 Uhr im Gemeinderaum des Dorfes. – Das alles und noch sehr viel mehr über das Gemeindeleben in Thüringens Süden erfahren Interessierte seit Kurzem auf der neuen Internetseite des Kirchenkreises Meiningen.

Schon länger habe es die Idee gegeben, die Aktivitäten in den 20 Kirchspielen in einer gemeinsamen Präsentation im Netz vorzustellen, erinnert sich Superintendentin Beate Marwede. Zwar waren einzelne Gemeinden wie Zella-Mehlis, Römhild oder Stepfershausen schon länger mit eigenen Seiten im Internet anzutreffen. Doch es fehlte ein übergreifendes Portal für den gesamten Kirchenkreis. »Diese Lücke möchten wir schließen.« Im vergangenen Jahr machte sich eine Arbeitsgemeinschaft daran, den Online-Auftritt vorzubereiten. Optisch orientiert er sich an der Internetseite der Landeskirche und erlaubt schnelles und schlüssiges Navigieren.

Unter den Rubriken »Aktuelles« und »Kalender« werden Besucher gleich auf der Startseite auf wichtige Termine und Ereignisse im Kirchenkreis aufmerksam gemacht. Über eine Landkarte ist jedes einzelne Pfarramt zu erreichen. Wie intensiv dieser ­Bereich für die eigene Darstellung ­genutzt wird, bleibt jeder Gemeinde selbst überlassen. Bildergalerien können eingestellt werden, Kontaktmöglichkeiten, Veranstaltungen in der ­Gemeinde, aber auch Wissenswertes über die Gotteshäuser und die Geschichte des Ortes.

Darüber hinaus bietet die Internetseite Informationen, die den Kirchenkreis betreffen. Die Rubrik »Glaube und Leben« zeigt beispielsweise Andachten und Predigten zum Nachlesen, gibt Rat zu den Lebensstationen von der Taufe bis zum Tod und erklärt »Kirchenlatein« von A bis Z. Schnell kann zur Kinder- und Jugendarbeit, zur ­Kirchenmusik oder zur Kreissynode gewechselt werden.

Als Chance versteht Superintendentin Marwede die neue Seite, an ­deren Feinheiten sicher künftig noch gearbeitet wird. »Wir sind jetzt am Ausprobieren.« Eine Kehrtwende in der Gemeindearbeit müssen Gläubige durch die neue Technik allerdings nicht befürchten: »Das, was wir machen, geht natürlich immer noch am besten im direkten Dabeisein!«

Susann Winkel

www.kirchenkreis-meiningen.de

»Und so verführt man das Volk«

25. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Luthers Erfurter Predigten sind erstmals in einem Buch veröffentlicht und kommentiert

Nicht nur für Erfurter ist das kleine Büchlein interessant, das der Tourismusverein Erfurt und das Evangelische Augustinerkloster herausgegeben haben: Vier Predigten Martin Luthers, die er auf Erfurter Kanzeln hielt, sind darin abgedruckt und im geschichtlichen Kontext kommentiert.

Den Auslegungen des Reformators voran sind historische und theologische Ausführungen gestellt. So beschreibt der Erfurter promovierte Historiker und Publizist Steffen Raßloff die heutige Landeshauptstadt zu der Zeit, da sie der junge Luther zum ersten Mal betrat: eine blühende Stadt, die Luther so beschreibt: »Erfurt steht am besten Orte, ist eine Schmalzgrube.

Da müsste eine Stadt stehen, wenn sie gleich wegbrennete.« Doch der Glanz Erfurts, so Raßloff, hat im späten 15. Jahrhundert erste Risse. Auch die Schwierigkeiten Luthers, die Erfurter Lehrer an der Universität für die reformatorische Idee zu gewinnen, wird beschrieben. Unter den Bürgern allerdings, so ist zu lesen, habe das »neue Gedankengut aus Wittenberg« rasch Fuß gefasst.

Der Kirchenhistoriker Andreas Lindner, Leiter des Martin-Luther-Instituts der Universität Erfurt, führt theologisch in die Predigten ein, bindet sie in den zeitgeschichtlichen Horizont und zeigt Parallelen zwischen den einzelnen Texten auf. Es seien wohl eher Mitschriften als eine Vorlage direkt aus der Feder des Reformators, schreibt der promovierte Theologe. »Die erste Predigt am 7. April 1521 hielt Luther in einer emotional sehr aufgewühlten Situation.«

Thueringen-09Luther spricht an diesem Tag in der Augustinerkirche von den »fremden und eigenen Werken«, wettert gegen die Forderungen der katholischen Kirche: »Und so verführt man das Volk mit dem Wahn, dass die Frömmigkeit und Seligwerdung in eigenen Werken besteht.« Überall ist sein Grundsatz »allein aus Gnade« gegenwärtig.

Dietlind Steinhöfel

Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt, Tourismusverein Erfurt, (Hg.): Reformation konkret – Luther auf Erfurter Kanzeln, ISBN 978-3-9814576-3-6, 9,90 Euro

Von der Kanzel in die Bütt

17. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Zum Karneval lässt Pfarrer Thomas Perlick seinem närrischen Talent freien Lauf

In den Karnevalswochen ist der Römhilder Pfarrer Thomas Perlick äußerst gefragt. Dann nämlich tut der redegewandte Kirchenmann seine vergnüglichen Beobachtungen über den Alltag im Grabfeld auch aus der Bütt kund. Foto: Susann Winkel

In den Karnevalswochen ist der Römhilder Pfarrer Thomas Perlick äußerst gefragt. Dann nämlich tut der redegewandte Kirchenmann seine vergnüglichen Beobachtungen über den Alltag im Grabfeld auch aus der Bütt kund. Foto: Susann Winkel

Bestens behütet mit großem schwarzen Zylinder sieht man Thomas Perlick in diesen Tagen häufig durch das Grabfeld eilen. Insbesondere zu später Stunde an den Samstagabenden. Das Ziel des Römhilder Pfarrers sind dann die Kulturhäuser in der Region und besonders oft das Vereinsheim der Römhilder Karnevals­gesellschaft.

Wenn die Narren tagen, dann darf der beredte Kirchenmann nicht fehlen. 13 Auftritte dürften es in dieser Saison sein, schätzt Thomas Perlick. In Römhild, Milz, Mendhausen und Dingsleben. An manchem Abend gleich mehrere. Dabei ging alles ganz beschaulich los.

Vor einigen Jahren stieg er zum ersten Mal in die große Tonne, ein Dankeschön für die Bewohner von Mendhausen, die mit großer Mühe den Kirchenweg ausgebaut hatten. »Ich war mir sehr unsicher, wie es ankommen würde. Es war ja eine Premiere«, erinnert sich der Pfarrer heute. Am Sonntagmorgen nach seinem Karnevals-Debüt stand eine Delegation des Römhilder Elferrates vor dem Pfarrhaus.

Empört, dass das eigene Kirchenoberhaupt in die Bütt des Nachbarortes gestiegen war, nicht aber in die seines Wohnortes. Kurzerhand gab es eine neue Rede, nun auf die Römhilder zugeschnitten. Und dann auch noch eine für die Milzer, die ebenso wenig auf Thomas Perlick verzichten wollten.

Das närrische Talent des Pfarrers hat sich längst herumgesprochen. Seine wortverspielten Büttenreden, in denen er mit schelmischem Augenzwinkern seine Erlebnisse in Römhild und Umgebung beschreibt, gehören zu den Höhepunkten der Sitzungen. Dabei vergisst Thomas Perlick nicht, sich selbst gehörig auf die Schippe zu nehmen. Etwa seine abenteuerliche Suche nach jenem merkwürdigen Ort »Dräch«, als er gerade wenige Wochen in seiner neuen Pfarrstelle war. Eine Frau aus Milz erbarmte sich schließlich: »Kamst zweimal durch Dräch, nur dass du’s weißt: Weil Dräch nämlich eigentlich Eicha heißt.«

Wie irritierend der Dialekt zuweilen für Zugezogene sein kann, erzählte der Pfarrer auch ein Jahr später in der Bütt. In der Zwischenzeit hatte er herausgefunden, dass »nachte« keine Tageszeit ist, sondern schlicht »gestern« heißt.

Seine Themen sammelt Thomas Perlick das ganze Jahr über. In dieser Saison wird es aus aktuellem Anlass um die Bildung der Großgemeinde »Stadt Römhild« gehen, aber auch um sein vorübergehendes Studentendasein an der Universität Jena, den Diebstahl seines Motorrades vor der Sülzdorfer Kirche und um den Empfang des heiklen Slusia-Preises, jener barbusigen Nixe, die alljährlich von der Stadt Schleusingen vergeben wird.

Dass es auch einzelne kritische Stimmen in der Gemeinde über seine närrischen Aktivitäten gibt, weiß Thomas Perlick: »Ich respektiere diese Meinung natürlich, teile sie aber nicht. Der Pfarrer gehört unter die Leute. Er begleitet ihr Leid an vielen Stationen ihres Lebens. Er sollte auch ihre Freude und ihre Unbeschwertheit teilen. Denn auch dazu sind wir in der Welt, dass wir das Leben feiern.« Ein Weg, den in Thüringen nur eine Handvoll Geistliche bestreitet.

Die Leute im Publikum hintersinnig unterhalten ohne jemanden verbal zu verletzen, ihnen auf Augenhöhe mit all seinen kleinen so menschlichen Fehlern begegnen – das möchte Thomas Perlick auch in diesem Jahr, wenn er sich wieder seinen schwarzen Zylinder aufsetzt. Übrigens erstmals als Mitglied der Römhilder Karnevalsgesellschaft. In den Verein eingetreten ist er im vergangenen Sommer zum Turmfest, nachdem die Karnevalisten ordentlich und unentgeltlich bei der Sanierung des Kirchturmes angepackt hatten. »Und die Moral von der Geschicht’: Ich lass so manches, aber die Bütt wohl nicht.«

Susann Winkel

Eine kleine Sammlung von Thomas ­Perlicks Büttenreden ist im Römhilder Pfarramt, Telefon (03 69 48) 8 02 64, für den Preis von 10 Euro erhältlich. Die Hälfte des Geldes ist für die Hungerhilfe Ostafrika bestimmt.

Möhra auf Zukunftskurs

9. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Das Pfarrhaus im Lutherstammort soll nicht verwaisen.
Eng beieinander: das Pfarrhaus und die Kirche in Möhra. Foto: Thomas Schäfer

Eng beieinander: das Pfarrhaus und die Kirche in Möhra. Foto: Thomas Schäfer

Hammerschläge hallen über Möhra an diesem sonnigen Wintertag. Es sind die typischen Arbeitsgeräusche von Zimmerleuten. Verborgen unter einer blauen Abdeckplane, wechseln sie an der Holzkonstruktion des denkmalgeschützten Pfarrhauses schadhafte Balken und Fachwerkteile aus. Für die Ohren von Johanna Hoßfeldt, Annelie Erbe, Otto Volk und Pfarrer Norbert Endter ist das wie schönste Musik: Endlich wird am Pfarrhaus gebaut.

Seit Juni 2009 stand das stattliche Gebäude leer, nachdem der ­lang­jährige Pfarrer Christoph-Martin Neumann in den Ruhestand gegangen war. Ein Jahr zuvor hatte die repräsentative Villa 100. Geburtstag gefeiert. Schönheitsreparaturen reichten hier nicht mehr aus. Beim genaueren Hinsehen kamen immer mehr höchst notwendige Erhaltungsarbeiten innen wie außen hinzu, die Pfarrwohnung war ohne umfangreiche Modernisierung nicht vermietbar.

»Wir wollen, dass Möhra Pfarrsitz bleibt.« Superintendent Ulrich Lieberknecht sagt dies mit aller Entschiedenheit, auch wenn er anmerkt, dass der Entschluss im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach nicht unumstritten ist und er Veränderungen in der Struktur einschließt. Doch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) habe das Bauvorhaben mit einem Gesamtvolumen von gut 478000 Euro zu ihrem Projekt gemacht und lasse die Kirchengemeinde nicht allein. Schließlich müssen die Möhraer einen Eigenanteil von mehr als 207000 Euro aufbringen.

Für eine Gemeinde mit knapp 1000 Einwohnern, von denen die Hälfte zur Kirchengemeinde gehört, ist das nicht zu bewältigen. Auch die Kommune Moorgrund zeigt mit knapp 91000 Euro ­finanziell mehr als Flagge, und über Städtebauförderung kommen noch einmal 180000 Euro hinzu.

»Wir haben oft gedacht, wir schaffen es nicht«, blicken die Kirchenältesten zurück. Otto Volk, der Nachbar von gegenüber, ging von Haus zu Haus, putzte Klinken und bat um Spenden. Johanna Hoßfeldt und Annelie Erbe beräumten in verantwortungsvoller Schwerstarbeit das Pfarrarchiv, und Pfarrer Endter schrieb unermüdlich Anträge und Bittbriefe. Er sei in diesen Jahren mehr als ein Vakanzverwalter gewesen, sind sich die Möhraer einig. Ihre Sorge, der Lutherstammort könnte womöglich zukünftig ohne Pfarrer sein, und ihr Engagement, dies zu verhindern, wurden ihm zur Herzensangelegenheit.

Gegenseitig habe man sich Mut gemacht. Nicht zuletzt sei natürlich die Unterstützung durch den Superintendenten und den Bürgermeister Udo Schilling wichtig gewesen.

Bis zum Jahresende sollen die Pfarrwohnung im Obergeschoss und das Amtszimmer sowie Gemeinderäume im Erdgeschoss bezugsfertig sein. »Dann wartet hier das schönste Pfarrhaus der EKM auf eine Pfarrersfamilie«, sagen die Kirchenältesten voller Stolz und Hoffnung.

Möhra sei zwar Provinz, aber eben auch ein höchst geschichtsträchtiger Ort, umgeben von wunderschöner Landschaft, und Heimat einer sehr lebendigen Gemeinde, die sogar einen evangelischen Kindergarten betreibt. Hier beginnt der Thüringer Lutherweg. Besucher aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, Dänemark oder den Niederlanden vermerkten im Gästebuch der imposanten Kirche, wie sehr es sie berühre, an authentischen Orten den Spuren Luthers zu folgen.

Lutherdekade – was für ein international beachtetes Signal wäre es gewesen, wenn im Stammort, in dem nach wie vor viele Blutsverwandte des Reformators wohnen, ein ruinöses Pfarrhaus eine traurige Botschaft erzählt hätte. Die Möhraer und viele andere haben A gesagt und das B werde folgen, sind sich die engagierten Frauen und Männer sicher. Und es wird ein Tag der Freude und Dankbarkeit sein, wenn aus ihrem Pfarrhaus einladendes Licht grüßt.

Uta Schäfer

Gewachsener Glaube

6. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der Richter Udo Pfeifer wirkt als Prädikant im Pfarramt Altengönna

Der Prädikant Udo Pfeiffer spricht die Gemeindeglieder direkt an. Unser Foto zeigt ihn bei der Predigt im Gemeinderaum von Altengönna. Der promovierte Jurist wurde am ­ersten Advent 2011 eingeführt. Er hielt vergangenes Wochenende weitere Gottesdienste in Closewitz und Lehesten. Foto: Jürgen Scheere

Der Prädikant Udo Pfeiffer spricht die Gemeindeglieder direkt an. Unser Foto zeigt ihn bei der Predigt im Gemeinderaum von Altengönna. Der promovierte Jurist wurde am ­ersten Advent 2011 eingeführt. Er hielt vergangenes Wochenende weitere Gottesdienste in Closewitz und Lehesten. Foto: Jürgen Scheere

Der christliche Glaube ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich bin vielmehr in einer – für die damalige DDR wohl typischen – atheistischen Familie aufgewachsen, in der Glaube und Kirche als etwas längst Vergangenes, Überholtes und vollends Weltfremdes betrachtet und vermittelt wurde«, erinnert sich der promovierte Jurist Udo Pfeifer (43), der als Richter am Amtsgericht Saalfeld tätig ist und darüber hinaus Bürger­liches, Handels-, Gesellschafts- und ­Zivilrecht an der Universität Jena und der Ostthüringer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Gera lehrt.

Der am ersten Advent 2011 von Propst Hans Mikosch in sein Amt eingeführte Prädikant, der in Cospeda wohnt, hält in der Regel an einem Sonntag pro Monat zwei Gottesdienste. Letztes Wochenende waren es sogar drei, die ihn nach Closewitz, Lehesten und Altengönna führten. Udo Pfeifer versteht es, die Besucher direkt anzusprechen und in ihrer Lebensrealität abzuholen. Ihn freut es dabei besonders, wenn er ihre positive Resonanz spürt.

Zur Kirchengemeinde Altengönna (Kirchenkreis Jena) gehören insgesamt sieben Orte, neben den bereits genannten sind dies ­Cospeda, wo Pfarrer Tilman Krause wohnt, Lützeroda, Vierzehnheiligen und Krippendorf. Dass hier die Mitarbeit ehrenamtlicher Helfer enorm wichtig ist, liegt auf der Hand.

Obwohl ihn schon als Jugendlichen Gotteshäuser fasziniert und die Lektüre der Bibel neugierig gemacht ­hätten, sei es ein langer Weg gewesen, bis er zum christlichen Glauben gefunden habe, erinnert sich der gebürtige Reichenbacher, der ab 1989 in Jena Rechtswissenschaften studierte. Als sich nach der politischen Wende 1990 viele Sinnfragen neu stellten, hätten ihn Gespräche und Begegnungen mit Christen nachhaltig geprägt.

Erste Kontakte zur Kirche ergaben sich ­dabei durch den ehrenamtlichen Organisten Ingo Reimann, der sich mit seinem Freundeskreis für die Rettung der Orgel in Krippendorf einsetzte. Damals habe sich sein Blick auf die ­Bibel gewandelt. »Waren es für mich als jungem Menschen allein interessante Geschichten, so wurde mir zunehmend klarer, dass mir diese Geschichten mehr zu sagen hatten und vor allem die Lebens-Antworten bereithielten, nach denen ich suchte.«

So war es eine logische Konsequenz, dass er sich 1998 taufen ließ und sogleich ins Gemeindeleben einbrachte. Vom gewachsenen Miteinander mag auch die 2007 erfolgte Wahl in den Gemeindekirchenrat zeugen. Von Pastorin Constanze Hartung (Nerkewitz) ermuntert, besuchte der Jurist 2007 bis 2010 den Kirchlichen Fernunterricht. 17 dicht gefüllte Wochenenden und 16 Hausarbeiten waren zu absolvieren. Der besondere Dank, dass dies gestemmt werden konnte, gebühre seiner Frau, betont der zweifache Familienvater.

Michael von Hintzenstern

Kurzweile auf der Kinderstation

3. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Religionslehrer entwickelten mit dem Kollegium an zwei Gothaer Schulen Schulseelsorgemodelle

Schulpfarrer Karsten Felzmann stellt in der Arnoldi-Schule Gotha seine Arbeit vor. Schwester Sylvia Heinemann (rechts) ist Pflegedienstleiterin im Helios-­Klinikum. Saskia Mühlebach (11. Klasse) und Anne Koca (12. Klasse, links) ­engagieren sich in der Arbeitsgemeinschaft »Kurzweile«. Foto: Helmut Fischer

Schulpfarrer Karsten Felzmann stellt in der Arnoldi-Schule Gotha seine Arbeit vor. Schwester Sylvia Heinemann (rechts) ist Pflegedienstleiterin im Helios-­Klinikum. Saskia Mühlebach (11. Klasse) und Anne Koca (12. Klasse, links) ­engagieren sich in der Arbeitsgemeinschaft »Kurzweile«. Foto: Helmut Fischer

Für Marion Kruspe ist es wichtig, dass das Schulklima stimmt. Die Schulleiterin der Herzog-Ernst-Ge­samtschule von Gotha, in der rund 800 Schülerinnen und Schüler lernen, freut sich deshalb über das Engagement von Schulpfarrer Uwe Thinius. Der Religionslehrer hat mit seinem Schulseelsorgeprojekt die richtige Richtung angegeben. Vor einigen Jahren, erzählt der 48-Jährige, sei die Situation schwierig gewesen. Es gab oft Streit und Beschimpfungen, verbale und körperliche Gewalt bis zum Mobbing unter den Schülern. Engagierte Lehrer gründeten 2008 zunächst einen Arbeitskreis.

Diese Beratungs­lehrer beschlossen bald, die Schüler selbst mit einzubeziehen, die Kommunikation zu fördern. Es galt, eine Schul- und Sprachkultur zu entwickeln und alle zu befähigen, Konflikte friedlich zu lösen.

Einmal im Monat treffen sich seither die Klassensprecher. Vier Beratungslehrer stehen zum Gespräch zur Verfügung, zudem zwei Vertrauenslehrer. So können sich Schüler in ­Konfliktsituationen an die Klassensprecher, den Schulpfarrer oder einen der Lehrer wenden.
Maximilian, Klassensprecher einer zehnten Klasse, hat die Veränderung im Laufe der Zeit erfahren und findet das Konzept gut. Auch die 14-jährige Theressa weiß die Zusammenarbeit zu schätzen: »Man kann die älteren Schüler um Rat fragen.«

Und Niklas aus der sechsten Klasse ergänzt: »Die Großen haben oft gute Ideen.« Das Schulseelsorgeprojekt könne vor allem deshalb so gut funktionieren, weil Uwe Thinius als Religionslehrer »richtig integriert und fester Bestandteil des Kollegiums ist«, meint die Schulleiterin. »Er bringt Sachverstand und viel Emotionalität mit. Seine Lösungen sind sehr hilfreich und er ist bei Schülern und Lehrern beliebt.«

Margret Ritzmann, beim Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zuständig für den Bereich Schulseelsorge, freut sich über die gute Entwicklung und solche engagierten Schulpfarrer. Seit 2008 konnte sie ­Weiter- und Fortbildungen anbieten, die nun Frucht tragen.

Und wie unterschiedlich Schulseelsorge funktionieren kann, ist an einer weiteren Schule in Gotha zu ­erfahren. Am Arnoldi-Gymnasium hat Pfarrer Karsten Felzmann einige Projekte angestoßen, die Lebensfragen bewältigen helfen. Es habe mit Religionsprojekten zu Lebensthemen begonnen. Oft sind Schüler noch dageblieben, um ihre Sorgen auszusprechen: der Tod der Oma, psychische Probleme oder einfach nur der Wunsch nach sozialem Engagement.

»Für mich ist Schulseelsorgearbeit ­bedürfnisorientiert und ressourcenorientiert«, sagt Felzmann. Da gäbe es neben dem kleinen Gespräch in der Pause längere Trauer- und Krisenbegleitung oder Lebensthemen im Religionsunterricht. Mit der Diakonieberatungsstelle wurden Module zur Lehrerfortbildung »Trauer am Lebensort Schule« erarbeitet. Das Interesse sei sehr groß gewesen, sagt Anngret Maneck von der Beratungsstelle.

Zudem sind zwei Arbeitsgemeinschaften (AG) gewachsen. Die »AG Taizé«, die sich zu Gebeten trifft und Gottesdienste in der Margarethen­kirche gestaltet, und die »AG Kurzweile«. Aus dem Wunsch nach sozialem ­Engagement entwickelte sich eine ­Zusammenarbeit mit dem Helios-­Klinikum. Die Schülerinnen besuchen dreimal pro Woche am Nachmittag kranke Kinder, lesen vor, spielen und basteln mit ihnen oder lassen die ­lustige Handpuppe sprechen. »Die Kinder warten schon darauf«, sagt Schwester Sylvia, Pflegedienstleiterin am Klinikum.

Aber auch die Schüler haben etwas davon, wie von Saskia zu erfahren ist. Die 16-Jährige hat schon viele Hobbys ausprobiert. Aber gegen die »AG Kurzweile« komme nichts an. »Die Zeit auf Station bringt einen auf den Boden zurück«, sagt sie. »Ich habe viel Spaß mit den Kindern.« Mitunter würden die kleinen Patienten den Schülerinnen auch häusliche Probleme mitteilen, hat Schwester Sylvia erfahren. Seelsorge also, die nicht in der Schule bleibt – die ausstrahlt in die Stadt und in die Kirchengemeinde.

Dietlind Steinhöfel

Schöne Grabsteine und ein seltenes Haus

29. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Das Tahara-Haus diente der rituellen Waschung des Verstorbenen. Fotos: Wolfgang Swietek

Das Tahara-Haus diente der rituellen Waschung des Verstorbenen. Fotos: Wolfgang Swietek

Das Tahara-Haus von Weitersroda ist ein Zeugnis des früheren jüdischen Lebens in der Region.

Die zahlreichen jüdischen Friedhöfe in Südthüringen sind steinerne Zeugnisse einstigen jüdischen Lebens in dieser Region. Der von Weitersroda (Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld) weist eine Besonderheit auf: Er besitzt noch ein gut erhaltenes Tahara-Haus, in dem die Vorbereitungen für die Beerdigung erfolgten. Das Gebäude besteht aus drei separaten Räumen – ein Raum zum Ankleiden, ein Raum zum Waschen des Leichnams und die eigentliche Feierhalle.

Im jüdischen Glauben gibt es strenge Regeln für rituellen Waschungen. Deshalb war vorgeschrieben, den Leichnam kurz vor der Beerdigung noch einmal zu reinigen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser gesonderte Raum auch zur Aufbewahrung des Leichnams bis zur Beerdigung ­genutzt.

Der Stadthistoriker von Hildburghausen, Karl-Heinz Roß, der sich seit den 1970er Jahren intensiv mit der Geschichte der Juden in Südthüringen beschäftigt, hat auch den jüdischen Friedhof Weitersroda akribisch dokumentiert. War man anfangs von 264 Bestattungen in Weitersroda ausgegangen, so belegen die neuen Dokumente, dass hier 554 Bestattungen (318 Erwachsene, 202 Kinder und 34 Früh- und Totgeburten) vorgenommen wurden. Nach einer neueren ­Dokumentation sind noch 233 Grabsteine erhalten. Der älteste stammt aus dem Jahr 1680, die meisten jedoch aus dem 19. Jahrhundert.

Die letzte Bestattung fand 1941 statt. Eine jüdische Gemeinde gab es im nahe gelegenen Hildburghausen allerdings nur bis 1938. Weitersroda selbst hatte nie eine eigene jüdische Gemeinde. Der Friedhof wurde Ende des 17. Jahrhunderts im Bereich des alten Tiergartens mit fürstlicher Erlaubnis angelegt. 1680 hatten die Juden von Weitersroda ein Grundstück zur Anlage einer Begräbnisstätte erhalten. Sie wurde bis 1885 auch von den in Simmershausen lebenden jüdischen Familien genutzt, danach brachten diese ihre Verstorbenen nach Gleicherwiesen.

Ältere Grabsteine in Weitersroda ­weisen eine reiche Ornamentik auf.

Ältere Grabsteine in Weitersroda ­weisen eine reiche Ornamentik auf.

Lange war es still geworden um diese Grabanlage. Am 10. November 1988 fand erstmals eine Gedenkfeier der evangelischen Kirchengemeinde auf dem jüdischen Friedhof zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der NS-Zeit statt. Im selben Jahr wurde von den Denkmalbehörden eine Unterschutzstellung des Friedhofes allerdings abgelehnt.

Seit Anfang der 1990er Jahre kümmern sich die Mitarbeiter des Städtischen Bauhofes der Stadt Hildburghausen um die Grabanlagen und führen dort Pflegearbeiten durch. Im Auftrag der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen hat der Hildburghäuser Architekt Frank Schneider ein umfassendes Sanierungskonzept erarbeitet, Stück für Stück wird das Tahara-Haus wieder instandgesetzt. Die Dachentwässerung konnte bereits saniert werden und der erste Bauabschnitt bei der Reparatur der Bauhülle wurde 2011 abgeschlossen. Die Anlage ist zum Einzeldenkmal erklärt worden und wird vom Freistaat Thüringen und der Denkmalpflege gefördert.

Wolfgang Swietek

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