Gottes Gartenhaus auf Reisen

18. September 2017 von redaktionguh  
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Bilanz: Kirche auf der Thüringer Landesgartenschau in Apolda

Ein frischer Septemberwind holt das erste Laub von den Bäumen. Auf den Wegen an der Herressener Promenade sind die Gärtner nun mit Rechen und großen Weidenkörben unterwegs. Auch in Gottes Gartenhaus kündigt sich der Herbst an: Die Rebe neben dem Altar trägt volle, weiße Trauben – fast wie gemalt.

Seit im April die 4. Thüringer Landesgartenschau in Apolda ihre Pforten öffnete, ist die kleine Lichtung zwischen Friedensteich und Herressener Bach für viele Besucher zu einem »Lieblingsort«, einer Insel der Ruhe geworden. Die Seiten im Gästebuch der Glaskirche sind gefüllt mit Dank –für die Möglichkeit zum Innehalten, für gute Gespräche, die kleine Auszeit vom Alltag.

Lichtzauber im Park: Auch am Abend war Gottes Gartenhaus für viele Gartenschau-Besucher ein Anziehungspunkt. Foto: Harald Krille

Lichtzauber im Park: Auch am Abend war Gottes Gartenhaus für viele Gartenschau-Besucher ein Anziehungspunkt. Foto: Harald Krille

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Apolda-Buttstädt hat gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen, der katholischen Kirchengemeinde, diakonischen Einrichtungen und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Unter dem Motto »ganz nah« wurden Vorträge, Konzerte, Theater, Musical und Meditation geboten. Dreimal täglich wird geläutet, zu Andachten und sonntags zum Gottesdienst. An den Hochbeeten vor Gottes Gartenhaus konnten die Besucher von Pfarrer Johannes Schmidt Wissenswertes über die biblische Pflanzenwelt erfahren und sehen, dass Gottes Geschichte mit den Menschen in einem Garten beginnt und in einem Garten endet.

Möglichkeit für eine kleine Auszeit vom Alltag

»Unsere Veranstaltungen waren durchweg sehr gut besucht«, berichtet Superintendentin Bärbel Hertel. Ende August zählte die Landesgartenschau den 300 000. Besucher und erreichte damit schon vor ihrem Ablauf das geplante Mindestziel der Organisatoren. »Es kam nicht selten vor, dass wir noch zusätzliche Stühle vor dem Gartenhaus aufstellen mussten«, erinnert sich Bärbel Hertel. »Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen.«

Das gute Gelingen sei auch den engagierten Gästebegleitern zu verdanken, sagt Bärbel Hertel. »Die Ehrenamtlichen sind hier mit viel Begeisterung und Einsatzbereitschaft im Dienst.« Einer von ihnen ist Ulrich Köstli. Der evangelische Christ ist eigens aus dem Erzgebirge angereist, um in Apolda mitzuhelfen. »Ich bin ein großer Gartenschau-Fan, ich helfe gern und finde es spannend, mit so vielen unterschiedlichen Menschen an Gottes Gartenhaus ins Gespräch zu kommen«, erzählt er. Vielleicht nimmt er bald einen der transparenten Plastikstühle aus dem Gartenhaus-Inventar mit nach Hause.

Gartenstühle als Andenken reserviert

Die Stühle hätten sich schon einige der Gästebegleiter als Andenken reservieren lassen, weiß Bärbel Hertel. Auch für die Gartenbänke, die Bibelpflanzen und Hochbeete werden Nachnutzer gesucht. Ein Interessent für den Kirchenpavillon sei schon gefunden, verrät die Superintendentin. »Sehr wahrscheinlich tritt unsere schöne Glaskirche bald eine Reise nach Süddeutschland an.«

Wenn nämlich am 24. September, nach 149 Tagen, die 4. Thüringer Landesgartenschau endet, muss der Standort wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Das 15 Hektar große, aufwendig sanierte Parkareal mit der denkmalgeschützten Herressener Promenade und den beiden Teichen, soll ab 2018 mit dem Abbau des umlaufenden Zauns wieder frei zugänglich sein. »Vielleicht kann das Steinfundament von Gottes Gartenhaus erhalten bleiben«, sagt Bärbel Hertel. »Für alle, die sich hier eingebracht haben, wäre das ein schöner Treffpunkt, ein Erinnerungsort.«

Beatrix Heinrichs

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Gottesdienst als Heimat

11. September 2017 von redaktionguh  
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Die Melodien und Rhythmen, die Intensität und Ernsthaftigkeit setzen sich dauerhaft im Gedächtnis fest, wenn man einmal Sonntagmorgen einen Gottesdienst eritreischer Christen besucht hat.

Es ist anders. Andächtiger, intensiver, aber auch ausgelassener feiern Eritreer Gottesdienst. Teame Beraki ist der Diakon der kleinen eritreischen Gemeinde. Aus seinem Heimatland ist er wegen des Militärdienstes geflohen. Für ihn als Christ war das keine Option. »Ich kann nicht zurück«, sagt er. Die deutsche Sprache fällt ihm noch schwer, vor allem was das theologische Vokabular angeht.

Sein Schicksal – die Flucht vor dem Militärdienst – teilt er mit einigen der anderen. Fünf oder sechs Eritreer sind noch minderjährig. Seit Anfang April treffen sie sich regelmäßig in Eisenachs Kirchen und Gemeinderäumen zum Gottesdienst. Den ersten Kontakt suchten sie in der zentralen Georgenkirche am Markt. Küster Andreas Börner lud sie für den nächsten Sonntag zum Gottesdienst ein. Doch da verstanden sie recht wenig und fragten nach der Möglichkeit, im Anschluss ihren eigenen Gottesdienst feiern zu können. Das war zunächst kein Problem. Doch mit dem Frühling kamen auch mehr Touristen, die das Gebet, den Tanz und den Gesang der dunkelhäutigen Männer und Frauen nicht für voll nahmen und trotzdem durch den Altarraum liefen. Danach begann für die Eritreer eine kleine Odyssee durch Eisenachs Kirchenräume.

Ins Gebet versunken: Eritreische Christen feiern ihre Gottesdienste in Eisenachs Kirchengemeinden. Unwissenheit und Vorurteile führen oft dazu, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe und der Kopftücher der Frauen für Muslime gehalten werden. Foto: Mirjam Petermann

Ins Gebet versunken: Eritreische Christen feiern ihre Gottesdienste in Eisenachs Kirchengemeinden. Unwissenheit und Vorurteile führen oft dazu, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe und der Kopftücher der Frauen für Muslime gehalten werden. Foto: Mirjam Petermann

Ihr nächster Treffpunkt wurde die weniger frequentierte Nikolaikirche, bis ein weiteres Problem zur Sprache kam: Eritreische Christen essen bis zum Gottesdienstende nichts. Wenn also ihr Gottesdienst frühestens 10.30 Uhr nach dem deutschen Gottesdienst beginnt und dieser zwei Stunden und länger dauert, war der Hunger groß und die Konzentration am Ende. Also wurden weitere Lösungen gesucht und über Umwege auch gefunden. Ein Andachtsraum im Schulgebäude des Diakonischen Bildungsinstituts, etwas außerhalb der Stadt. Ruhe und Zeit haben die 20 bis 25 eritreischen Christen hier, aber für ihre Vorstellungen eben keine »richtige« Kirche, sagt Andreas Börner.

Der Diakon ist die einzige Schnittstelle zwischen den Christen aus Eritrea und Eisenachs Kirchengemeinde. Teame Beraki sagt, »er ist ein guter Mann«. In der eigenen Gemeinde wird Börner als Eritrea-Beauftragter bezeichnet – ein Job für den eigentlich keine Kapazitäten da sind. Es ist für ihn unverständlich, dass die Geflüchteten weder auf staatlicher noch auf kirchlicher Seite für solche religiösen Angelegenheiten einen Ansprechpartner haben. »Wenn es Christen sind, muss sich die Kirche auch kümmern«, findet er. Die Kontaktaufnahme der Kirchengemeinde »läuft leider nicht so, wie ich es mir wünsche«, sagt er.

Woran das liegt, dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze für Pfarrer Stephan Köhler, stellvertretender Gemeindekirchenratsvorsitzender. Konkrete Wünsche um Kontakte über die kirchliche Verbundenheit hinaus habe er von anderen Geflüchteten schon vernommen, jedoch nicht von den Eritreern. »Ich habe nicht das Gefühl, dass weiterer Anschluss gesucht wird«, so Köhler. Für ihn liegt der Grund dafür in der geschlossenen Gemeinschaft, die sie bilden. »Es wird in den Gottesdiensten spürbar, dass es für sie ein Stück Zuhause ist«, sagt er. Dafür spreche auch die Regelmäßigkeit und große Zahl der Gottesdienstbesucher. Sein Ziel ist es, die Eritreer zu ökumenischen Veranstaltungen einzuladen und das Miteinander in ähnliche Bahnen wie mit der katholischen Kirche oder den Freikirchen der Stadt zu lenken.

Köhler bemerkt aber auch, dass die Kirchengemeinde dieses Jahr aufgrund des Reformationsjubiläums sehr beansprucht sei. Wegen der zahlreichen Besucher und Veranstaltungen sind kaum noch Reserven vorhanden. Das zeigt sich auch am Freundeskreis Asyl der Kirchengemeinde. Der befindet sich derzeit »in einer Umorientierungsphase und es gab längere Zeit keine Treffen«, so der bisherige ehrenamtliche Verantwortliche Stefan Brinkel. Seit dem 1. Juli gibt es eine Stelle für kirchliche Sozialarbeit im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen. Den Posten übernahm Maike Röder, bis dato Migrationsberaterin bei der Diakonie. Für sie könnte der Kontakt mit den Eritreern ein Bestandteil ihrer Arbeit werden. Inwieweit das ausbaufähig sei, müsse man schauen, so Röder.

Mirjam Petermann

Durchgehend geöffnet

4. September 2017 von redaktionguh  
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St. Nikolai in Glindenberg an der Elbe gehört seit drei Monaten zu den »Offenen Kirchen«

Ihre Kirche«, heißt es auf der Homepage der Glindenberger Kirchengemeinde. »Für Sie geöffnet« steht auf dem Schild, das am Hauptportal von St. Nikolai zum Besuch einlädt. Es ist ein warmes Willkommen, das offenbart: Dies ist Gottes Haus und die Öffnungszeiten bestimmt er.

Herzlich willkommen: Die Dorfkirche von Glindenberg im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt ist seit Ende Mai eine offene Kirche. Fotos: Ronald Floum

Herzlich willkommen: Die Dorfkirche von Glindenberg im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt ist seit Ende Mai eine offene Kirche. Fotos: Ronald Floum

Die Kirche in der Gemeinde im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt ist seit Ende Mai eine jener offenen Kirchen, für die Landesbischöfin Ilse Junkermann als größtes Vorhaben der EKM im Reformationsjahr wirbt. Dem Kirchenältesten Dieter Lomberg ist die Initiative nicht fremd: Als Präses der Landessynode nahm er viele Gedanken aus den EKM-Gremien auf. Sein Vorstoß kam in der Gemeinde gut an. »Ob wir es uns trauen können, die Kirche gar nicht mehr zu verschließen, war schon eine Frage«, blickt Dieter Lomberg zurück. Jeden Tag Aufsichtspersonal und Schließdienst zu organisieren – dafür fühlte sich die Gemeinde mit ihren 160 Gliedern nicht stark genug. Aber man entschloss sich, das Experiment zu wagen mit der Option, »zuzuschließen, falls es gar nicht geht«.

Es geht – das ist das Fazit der ersten drei Monate. Kein Dreck, kein Vandalismus, kein Diebstahl. Die Altarleuchter aus Metall wurden jedoch gegen Exem­plare aus Holz ausgetauscht; nicht minder schick, wie Lomberg versichert. Relativ schnell fanden sich Einträge im Gästebuch und wenn der Kirchenälteste alle paar Tage die Kirche besucht, fallen ihm die abgebrannten Teelichter auf. »Unsere Kirche liegt am Elberadweg, da machen Radtouristen Halt«, hat er beobachtet. Aber auch Einheimische kommen und Menschen, die die Region verlassen haben, aber für ein Klassentreffen zurückkommen oder zur Erinnerung an die Großmutter. Die Bläser nutzen die Kirche inzwischen zum inidviduellen Üben.

Dieter Lomberg will andere Gemeinden ermutigen, zumindest über die Öffnung nachzudenken. Eine pauschale Empfehlung spricht er nicht aus. »Das kann nur individuell entschieden werden«, sagt er. Die Initiative birgt für den Synodenpräses eine große Chance. »Kirchen sind geschützte Räume; Menschen dürfen sich hier angenommen fühlen, egal ob sie an Gott glauben. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich zu DDR-Zeiten viele verschiedene Menschen unter dem Dach der Kirche versammelt haben«, sagt Lomberg. Dass es ein Bedürfnis nach Religion gibt, lasse sich ablesen am Boom esoterischer und spiritueller Angebote. Da sei es gut, wenn die Kirche einlade. »Es ist ein Risiko, aber ein positives, wenn Menschen zu uns kommen, mit einem anderen Verständnis, auch mit Forderungen. Gott sagt: Kommt zu mir, und an uns gerichtet: Gehet hin!« Die offene Tür zeigt einen Weg.

Katja Schmidtke

Fallen lassen, gehalten werden

28. August 2017 von redaktionguh  
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Zentrum Taufe: Im Reformationsjahr kommen Tausende Gäste nach Eisleben, ein besonderer fehlt

Es ist ein ungewöhnlich stiller Moment in der Eisleber Petri-Pauli-Kirche. Nur wenige Besucher streifen durch den hellen Innenraum mit dem Wellenmuster im Fußboden und im Fensterglas, den Sitzbänken aus Obstbaumholz und dem im Boden eingelassenen Taufbrunnen. »Sonst ist hier viel mehr los«, sagt Pfarrerin Simone Carstens-Kant und lacht. Und schon steht eine Reisegruppe im Portal, Südkoreaner. Und eine Viertelstunde später Gäste aus dem sachsen-anhaltischen Finanzministerium. Sie wollten eigentlich nur in die Luther-Gedenkstätten – und bekamen dort den Tipp, Luthers Taufkirche zu besuchen. Während unter Christen vieler Konfessionen das »Zentrum Taufe« ein Begriff ist, müssen Touristen oft darauf aufmerksam gemacht werden.

Seit fünf Jahren gibt es das »Zentrum Taufe« in der völlig neu gestalteten Kirche. Mehr als eine Million Euro wurde investiert und eine Projektstelle für die besondere geistliche Arbeit geschaffen. Petri-Pauli ist weiterhin Gemeindekirche, Iris Hellmich ist Gemeindepfarrerin, während Simone Carstens-Kant vor allem für die thematische Arbeit rund um die Taufe zuständig ist.

So wichtig die Taufe als Eintritt in die christliche Gemeinschaft ist, so wenig wissen die Getauften oft über ihre eigene Taufe. In jüngster Zeit werden landauf, landab öfter Tauferinnerungsandachten gehalten. Auch das »Zen­trum Taufe« fügt sich in die Sehnsucht vieler Christen ein. Wenn bei Andachten den Gläubigen das Wasserkreuz auf die Stirn gezeichnet wird, fällt es selbst der Pfarrerin schwer, dieses besondere Gefühl zu beschreiben. Es gehe um Erinnerung, um Gemeinschaft und um Körperlichkeit – gerade in der wortbasierten evangelischen Kirche, gerade in der vernunftbetonten Zeit. »Das Wort ist wichtig, und das ist gut so. Aber wir sind arm an Zeichen«, sagt Carstens-Kant.

Der Taufbrunnen ist das Zentrum in der Eisleber Petri-Pauli-Kirche: Pfarrerin Simone Carstens-Kant berichtet, dass sich die meisten erwachsenen Täuflinge gegen das Taufbecken und für den Brunnen entscheiden und dann tatsächlich mit Hilfe zweier Begleiter in das Wasser, das übrigens Leitungswasser ist, eintauchen. Foto: Maik Schumann

Der Taufbrunnen ist das Zentrum in der Eisleber Petri-Pauli-Kirche: Pfarrerin Simone Carstens-Kant berichtet, dass sich die meisten erwachsenen Täuflinge gegen das Taufbecken und für den Brunnen entscheiden und dann tatsächlich mit Hilfe zweier Begleiter in das Wasser, das übrigens Leitungswasser ist, eintauchen. Foto: Maik Schumann

Im vergangenen Jahr kamen 42 000 Menschen ins »Zentrum Taufe«. In diesem Jahr sind es bereits 52 000 Besucher. »Und es werden bis Jahresende sicherlich mehr als 60 000 werden«, blickt Simone Carstens-Kant voraus. Auch über das Reformationsjubiläum hinaus würden die Menschen kommen, vor allem Christen aus Südkorea, den USA, aus Schweden, Norwegen, Polen oder Tschechien. Geschätzte drei Viertel aller Besucher sind Christen.

Um alle willkommen zu heißen, hält die Kirchengemeinde die Türen sonntags von 11.30 bis 16 Uhr und montags bis samstags 10 bis 18 Uhr offen, zwei Stunden länger als früher. Insgesamt 15 Ehrenamtliche kümmern sich darum.

Aber natürlich erinnern sich Menschen in Petri-Pauli nicht nur an ihre Taufe – regelmäßig lassen sie sich auch taufen. Säuglinge eher klassisch am Taufbecken, Erwachsene fast immer im Brunnen. Man gelangt über eine Treppe hinab, begleitet von Pfarrer und einem Assistenten, und taucht dann ein. Ein Zeichen: Man kann sich bei Gott fallen lassen, wird gehoben und ist geborgen.

Als Ministerpräsident Reiner Haseloff zum Sachsen-Anhalt-Tag das »Zentrum Taufe« besuchte, zeigte er sich tief beeindruckt und ermutigte die Gemeinde, für diese Taufen zu werben. »Wir finden es gut, wenn die Taufe heute ein besonderer Tag in einer Familie ist und so gefeiert wird. Aber gerade in unserer Diaspora-Lage ist es auch schön, wenn die Taufe in der Gemeinde stattfindet, zu der man gehört«, sagt Simone Carstens-Kant. Das konnte der Katholik Haseloff gut verstehen.

Über einen Gast würde sich Simone Carstens-Kant besonders freuen, bevor ihre Projektstelle zum 31. Juli 2018 ausläuft und in eine halbe Stelle umgewandelt wird. Gerade zum Reforma­tionsjubiläum vermisst die Pfarrerin die Aufmerksamkeit der EKD für die Taufe als Teil lutherischer Theologie. Zwei Mal hat sie dem Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm geschrieben und keine Antwort erhalten. Dabei, so erinnert Carstens-Kant, feiern wir 2017 nicht nur 500 Jahre Thesenanschlag, sondern auch zehn Jahre Taufanerkennung in elf christlichen Kirchen Deutschlands.

Katja Schmidtke

»Ich bin dann mal da«

20. August 2017 von redaktionguh  
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Mit ihrer Kofferraum-Kirche will Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner vom Kirchengemeindeverband Magdala auf die Leute zugehen, statt im Amtszimmer zu warten.

Ob Dorfkonsum, Bäckerladen, Gasthof oder Fleischerei – was früher selbstverständlich dazugehörte, existiert vielerorts auf dem Land nicht mehr. Diesem Trend, und nicht zuletzt auch Tief »Alfred« mit seinem Dauerregen zum Trotz, sitzt Jeannette Lorenz-Büttner an einem nasskalten Dienstag mitten im Hochsommer mit Campingmobiliar, Thermoskannen voller Kaffee, einem Kofferraum voller Infomaterial und einer Mini-Kirche aus Holz am Gemeindehaus in Oßmaritz bei Bucha. Und selbst der berühmte bunte Hund hätte seine Not, in puncto Auffälligkeit mit der Pfarrerin zu konkurrieren.

Dasein mitten im Ort; Präsenz zeigen, nicht nur zum Schein – das ist der bodenständige Ansatz, den Jeannette Lorenz-Büttner mit ihrem gleichwohl verrückt wirkenden Projekt verfolgt. Als Vikarin war sie vor drei Jahren mit ihrer »Kofferraum-Kirche« schon einmal durchs Jenaer Umland getourt. »Ich bin dann mal da«, hatte sie damals im Umkehrschluss zu Hape Kerkelings Bestseller »Ich bin dann mal weg« verkündet. Bäckerauto statt Jakobsweg sozusagen.

Kofferraum auf, Klappstühle und Kaffee raus: Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner vor Ort in Oßmaritz beim Gespräch mit Albrecht Rödiger. Foto: Constanze Alt

Kofferraum auf, Klappstühle und Kaffee raus: Pfarrerin Jeannette Lorenz-Büttner vor Ort in Oßmaritz beim Gespräch mit Albrecht Rödiger. Foto: Constanze Alt

Denn mit einem Bäckerauto, das in die einzelnen Orte kommt, vergleicht sich die Pfarrerin des Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeindeverbandes Magdala, dem 14 Dörfer angehören, gern. »Aber der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein«, hatte sich die 40-Jährige gedacht und ihren Sprechtag während der Sommerzeit vom Amtszimmer mitten ins Herz des jeweiligen Dorfes verlegt. »Ich wollte mich im Sommer raussetzen; wollte auf die Leute zugehen, anstatt im Amtszimmer zu warten, dass jemand kommt«, sagt sie. Gestartet war sie am 6. Juni in Göttern. Ebenfalls bei Regen.

Alles kann, nichts muss – nicht mehr und nicht weniger Anspruch stellt die blonde Pfarrerin an das Projekt »Kofferraum-Kirche«. Manchmal sitzt sie, die es durchaus gewohnt ist, Gottesdienste mit nur fünf Besuchern zu feiern, nahezu allein auf ihrem Campingstuhl mitten im Ort. Aber sie hat auch schon Kofferraum-Kirchen-Tage erlebt, »da kamen viele Familien mit Kindern und brachten Essen und Trinken mit«, freut sie sich.

Dass sie in Oßmaritz mit Albrecht Rödiger vom Ortschaftsrat Bucha allein sitzt, stört Jeannette Lorenz-Büttner nicht. Gleich zu Anfang sei sie mit einer Frau ihres Alters über den Gartenzaun hinweg ins Gespräch gekommen. Sie hat Kinder auf Fahrrädern gesehen und den Ort auf sich wirken lassen. Was sie sich und dem Ort schenken wollte, das war Zeit.

Wie jeder Beruf ist auch der des Pfarrers den Gesetzen einer sich mehr und mehr beschleunigenden Welt unterworfen. Auch und gerade in ländlichen Gegenden. »Ich halte Gottesdienst – und fahre wieder; ich besuche ein bestimmtes Gemeindemitglied – und fahre wieder«, beschreibt sie das übliche Prozedere. Es fehlt die Verwurzelung im Ort. »Manchmal wissen die Leute im Dorf gar nicht, dass ich die Pfarrerin bin«, hat Jeannette Lorenz-Büttner festgestellt.

Mit der Kofferraum-Kirche hingegen werde sozusagen die Komm-Struktur bedient: »Schon in der Ausbildung haben wir gelernt, mehr auf die Leute zuzugehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen nach wie vor Hemmungen haben, mit der Kirche in Berührung zu kommen«, sagt sie. Gerade hier im Osten, wo ganze Generationen mit dem Sozialismus und ohne Bezug zur Kirche aufgewachsen sind.

»Kirche findet immer da statt, wo Christen sind, unabhängig von der Kirche als Gebäude. Mir ist es wichtig, die Menschen zu erreichen«, insistiert die in Magdala lebende Pfarrerin. Und plötzlich taucht unter dem Dach des in unmittelbarer Nähe der Kirche gelegenen Buswartehäuschens, das – inklusive Campingmobiliar – kurzerhand als regensicherer Zufluchtsort bezogen wurde, ein junger Mann auf. Ganz außer Atem ist er. Ein schnell noch herbeigeeilter Christ?

»Wo komme ich hier auf dem kürzesten Weg nach Winzerla?«, will der offenbar verirrte Jogger wissen. Enttäuscht ist die Pfarrerin nicht, eher amüsiert: »Ich kriege was vom Ort mit, höre die Vögel zwitschern und nehme mir die Zeit, einfach hierzusitzen. Ich will nicht, dass die Christen sich allein gelassen fühlen. Ich will da sein.« Sie sitzt hier auch dem Zeitgeist zum Trotz.

Constanze Alt

Die weiteren Stationen (jeweils von 16 bis 19 Uhr): 29. 8. Zimmritz, 5. 9. Bucha am Gemeindehaus, 12. 9. Magdala am Stadtpark, 19. 9. Großkröbitz am Pfarrhaus, 26. 9. Nennsdorf und 17. 10. Rodias am Gemeindehaus.

Unterricht im Container

13. August 2017 von redaktionguh  
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Nächste Etappe: Noch zeigt sich das Gelände in der Franz-Mehring-Straße in Gera wüst und unwirklich. Zerfallene Industriebauten, unsanierte Gebäude und unebene Wege erinnern rein gar nicht an eine Schule. Doch es sprießt Hoffnung auf dem Gelände.

Mitten auf dem ehemaligen Schulhof einer Berufsschule stehen moderne Schulcontai­ner und davor wird eifrig gewerkelt. Es werden Versorgungsleitungen verlegt und ein abgestecktes Areal markiert den Platz, wo bald ein Holz-Pavillon entstehen wird.

»Für die Klassen 1 bis 3 genügten uns die Räumlichkeiten in der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Gera, der G 26, in Gera.

Doch mit Beginn des neues Schuljahres und der Schaffung einer vierten und fünften Klasse wird es dort leider zu klein«, beschreibt Nicole Scheffel-Türpisch, die Schulleiterin, die aktuelle Situation. »Es waren gute Jahre in der G26, wir haben uns hier gut aufgenommen gefühlt und gehen mit ein bisschen Wehmut.«

Hereinspaziert: Schulleiterin Nicole Scheffel-Türpisch von der Christlichen Gesamtschule in Gera lädt zum neuen Schuljahr ein. Foto: Wolfgang Hesse

Hereinspaziert: Schulleiterin Nicole Scheffel-Türpisch von der Christlichen Gesamtschule in Gera lädt zum neuen Schuljahr ein. Foto: Wolfgang Hesse

Mit dem ersten Schuljahr 2014/15 starteten 14 Schulanfänger an der christlichen Schule in Gera. Heute sind es 70 Schülerinnen und Schüler, die ab August in den Klassen 1 bis 5 lernen werden.

»Eigentlich wollten wir ab dem neuen Schuljahr in sanierte Schulräume einziehen, doch die Bausubstanz und die damit verbundenen Kosten sprachen dagegen«, sagt die Schulleiterin. »Unsere Hauptsponsoren die Friedhelm Loh Group und die Wertestarterstiftung haben uns eines Besseren belehrt. Ein Schulneubau ist allen Sanierungsarbeiten wirtschaftlich vorzuziehen.«

Etwa drei Jahre werden die »Schulpavillons«, wie die Schulleitung die neuen Räumlichkeiten liebevoll nennt, das Zuhause der Schüler sein. Ein Treppenmodul für eine mögliche Aufstockung zeigt, dass die Schule räumlich wachsen kann.

Helle Räume, ein breiter Gang und moderne Sanitäranlagen erinnern rein gar nicht an ein Provisorium. Auch Heizung und Computervernetzung sind vorhanden. »Anfangs zeigten sich die Eltern von der Containerschule wenig begeistert, doch wir konnten die Vorurteile mit der Vorstellung des großzügigen Raumkonzeptes und der Aussicht auf ein modernes Schulgebäude ausräumen«, erklärt Nicole Scheffel-Türpisch. Die Gymnasiallehrerin ist Gründungsmitglied im Förderverein und hat von Beginn an mitgeholfen, die Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Der Förderverein Christliche Schule ist seit dem Schulbeginn 2014/15 Träger der Einrichtung. In diesem Jahr soll diese Interimslösung durch die Überleitung in eine gGmbH beendet werden.

Nach drei erfolgreichen Unterrichtsjahren ist die Christliche Schule in Gera angekommen. Der Kirchenkreis Gera hat mit einer jährlichen Spende signifikant dazu beigetragen. Die große Nachfrage beweist, dass die christliche Ausrichtung der Schule in Gera gefragt ist. Auch die alternative Bildungsmethode, das Lernen mit sogenannten Lernleitern, wird begrüßt. Das bezeichnet das gemeinsame Lernen in unterschiedlichen Jahrgängen auf unterschiedlichem Niveau. »Wir können individuell auf die Begabungen eingehen und uns intensiver einzelnen Kindern widmen. Die Größeren helfen den Kleineren.« Eine Bewertung der Leistungen erfolgt einschließlich der 6. Klasse verbal, es wird auf Noten verzichtet. »Unsere Schüler erhalten unabhängig vom Elternhaus evangelischen Religionsunterricht. Wir leben das Kirchenjahr und vermitteln einen wertschätzenden Umgang miteinander. In unserer Schule und im Pädagogen-Team leben wir die Ökumene«, beschreibt Nicole Scheffel-Türpisch die weltanschauliche Ausrichtung. Sofern die Eltern die christliche Ausrichtung der Schule akzeptieren, ist jedes Kind im Unterricht gern gesehen.

Mit dem neuen Schuljahr sind noch einige bürokratische Hürden zu überwinden, um eine Gleichstellung gegenüber anderen staatlichen Schulen zu erreichen. Nicole Scheffel-Türpisch ist zuversichtlich: »Auch das werden wir schaffen.«

Wolfgang Hesse

Frischer Wind in der rauschenden Pappel

7. August 2017 von redaktionguh  
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Gemeinschaft im Grünen: Eisenacher Jugendhilfe organisiert ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche im Kleingarten

In der Kleingartenanlage »Rauschende Pappel« im Eisenacher Ortsteil Stregda hört man seit einigen Tagen nicht nur den Wind durch die Bäume rauschen, sondern auch Musik und Kinderlachen. Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft, Kulturen und Lebenslagen haben einen Schrebergarten zu ihrer eigenen grünen Oase erkoren.

Michele, Jessika und Samantha umringen Isabel Göring. Sie ist die Leiterin des Kinder- und Jugendzentrums Nordlicht innerhalb der Diako Kinder- und Jugendhilfe in Eisenach Nord, das die Mädchen mit etwa 60 weiteren Teenies besuchen. Jetzt in den Ferien können sie dort bereits frühstücken und den Tag verbringen.

Allerdings fehlte bisher die Möglichkeit, auch draußen im Grünen etwas zu unternehmen, vielleicht in einem Pool zu planschen oder eigenen Salat zu ernten. Denn dort, wo sich die Einrichtungen des Kindertreffs und des Jugendzentrums im Wohngebiet befinden, ist wenig Spielraum für solche Träume. »Isa«, wie die gelernte Kindergärtnerin aus Waltershausen von den Jugendlichen genannt wird, hatte deshalb schon immer den Wunsch gehegt, irgendwann einmal in der Nähe des Jugendclubs einen Garten nutzen zu können. »Die Kinder und Jugendlichen setzen sich überwiegend aus sozial benachteiligten Familien, Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf sowie mit Migrationshintergrund zusammen«, erklärt sie. Das Zusammentreffen verschiedener Kulturen, Religionen und Weltbilder sowie die Begegnung mit jungen Leuten mit geistigen Einschränkungen sei oft von Missverständnissen geprägt. Alle sollen nun mitmachen und vom neuen Gartenprojekt profitieren.

Feierliche Eröffnung: Michele, Jessika, Samantha und Anja vom Kinder- und Jugendtreff »Nordlicht« durchtrennen das gelbe Band. Foto: Susanne Reinhardt

Feierliche Eröffnung: Michele, Jessika, Samantha und Anja vom Kinder- und Jugendtreff »Nordlicht« durchtrennen das gelbe Band. Foto: Susanne Reinhardt

Unterstützung fanden die Ideengeber beim sich sozial engagierenden Eisenacher Rotary Club. Der Serviceclub übernimmt nämlich die Pacht, und brachte auch gleich noch eine Wasseruhr mit, damit der Verbrauch abgelesen werden kann und alles seine Ordnung hat. Der Garten selbst stand seit einiger Zeit leer. Er hatte einer älteren Dame gehört, berichtete Gartenvorstandsmitglied Thomas Prey, der Vater von Maximilian und Samantha ist, die gern im »Nordlicht« ihre Freizeit verbringen.

Im Herbst soll ein Teil der Wiese, auf der bisher nur ein alter Geräteschuppen und ein Obstbaum stehen, umgegraben werden. Darauf könnten Beete für Kräuter und Tomaten entstehen, für Spaghetti mit Tomatensoße, verstehe sich. Diese koche man dann gemeinsam und freue sich schon heute darauf. Der 17-jährige Martin aus der Wohngruppe freut sich ebenfalls. Er will Rasen mähen. Das mache ihm Spaß. Und das solle er dann auch dürfen, so die Betreuer. Ihnen gehe es vor allem darum, neben dem gemeinsamen Gärtnern einen wertschätzenden Umgang miteinander zu pflegen und die interkulturelle Kompetenz zu stärken.

Susanne Reinhardt

Bo(o)tschaft vom Himmelreich

31. Juli 2017 von redaktionguh  
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Raus aus der Kirche, in die Natur: Einen Gottesdienst der ungewöhnlichen Art haben rund 150 Menschen in Bodendorf gefeiert. Pfarrer Hans Heidenreich hielt seine Predigt von einem Boot aus.

Feierlich schallt die Glocke der Schlosskapelle von Bodendorf (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt) über das Wasser. Mit langsamen Ruderschlägen lässt sich Pfarrer Hans Heidenreich auf den Teich hinausfahren. Die Gemeinde wartet am Ufer. Darunter sind Menschen aus dem gesamten Landkreis Börde. Andere sind extra aus Magdeburg angereist.

»Jesus hat oft von einem Boot aus gepredigt. Denn das Wasser trägt den Schall«, erläutert Heidenreich. Aus dieser Überlegung heraus sei 1998 die Idee für den Bodendorfer Seegottesdienst entstanden. Am Wochenende fand bereits die 16. Auflage statt. Was als einmalige Veranstaltung gedacht war, ist zur Tradition geworden. »Durch das Ambiente kann man die Geschichten aus der Bibel besser verstehen. Das Erlebnis ist ein anderes«, so Heidenreich.

Begrüßt wurden die Gäste am Sonntag zunächst von Ingeborg Heidenreich. Sie hielt ihren Teil des Gottesdienstes an Land, während ihr Mann vom Boot aus predigte. Der Inhalt des Gottesdienstes war auf den Rahmen abgestimmt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Gleichnis vom Fischernetz aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 13. »Das Himmelreich ist gleich einem Netz, das ins Meer geworfen ist«, trug Hans Heidenreich vor. Beim Jüngsten Gericht werde dieses Netz eingeholt. Dann würden die Gottgefälligen von den Bösen getrennt.

Seegottesdienst: Pfarrer Hans Heidenreich predigt vom Boot aus. Tim Jüttner, der ältere Bruder des Täuflings Elisabeth Jüttner, hat ihn auf den Bodendorfer See gerudert. Foto: André Ziegenmeyer

Seegottesdienst: Pfarrer Hans Heidenreich predigt vom Boot aus. Tim Jüttner, der ältere Bruder des Täuflings Elisabeth Jüttner, hat ihn auf den Bodendorfer See gerudert. Foto: André Ziegenmeyer

Viele Menschen, so der Pfarrer, würden sich fragen, warum Gott angesichts des Geschehens auf Erden nicht eingreife. Ihnen könne das Gleichnis Kraft spenden. »Es wird eine Gerechtigkeit geben. Und niemand wird sich davor verbergen können. Hier auf Erden entscheide ich, wo ich die Ewigkeit verbringe.«

Im Mittelpunkt des Seegottesdienstes stand eine Doppeltaufe. Rahel Dierbach (8) aus Haldensleben und Elisabeth Jüttner (7) aus Süplingen wateten dafür mit Hans Heidenreich in den See hinaus. Dort ließen sie sich untertauchen. Die Entscheidung dafür hatten die beiden Mädchen eigenständig getroffen. Elisabeth Jüttner folgte damit dem Beispiel zweier ihrer größeren Brüder. Diese hatten sich bei vorangegangenen Seegottesdiensten taufen lassen. »Ab Ostern wuchs in Elisabeth der Gedanke. Wir haben erst einmal gewartet, ob das so bleibt. Dann haben wir Kontakt zu den Heidenreichs aufgenommen«, verrät Mutter Cornelia Jüttner.

»Rahel hat schon seit einem Jahr gedrängelt, dass sie sich taufen lassen will«, erzählt Vater Guido Dierbach. Auch sie folgte damit dem Weg ihrer Geschwister. Ihre älteste Schwester hatte sich im Fluss Ohre taufen lassen, die nächstjüngere in dem begehbaren Taufbecken in Martin Luthers Taufkirche in Eisleben (Zentrum Taufe). »Wir leben ihnen die christlichen Werte vor, aber die Kinder sollten selbst entscheiden«, so der Vater.

Musikalisch begleitet wurde der Seegottesdienst vom Süplinger Volkschor und der Hörsinger Bläservereinigung. Die Kollekte soll in die weitere Sanierung der Bodendorfer Schlosskapelle fließen.

André Ziegenmeyer

Wo Luther nicht war: Samswegen

24. Juli 2017 von redaktionguh  
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Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt wird zu Fuß erkundet

An Martin Luther kommt 2017 keiner vorbei. Selbst in den Regionen, die der Reformator nachweislich nicht besucht hat, wie dem heutigen Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt. Unter dem Motto »Wo Luther nicht war …« wird der Kirchenkreis seit Juni erwandert.

»Wir haben zwar keine Lutherstätten, aber doch immerhin Reformationsstätten«, sagt Superintendent Uwe Jauch augenzwinkernd, »deshalb musste Luther im Motto der Wanderungen auch vorkommen.« Ein augenzwinkernder Reformator ist deshalb auf dem extra für die Wanderungen gedruckten Andachtsheft abgebildet.

Zwischen der Landesgrenze zu Niedersachsen im Westen und der Elbe im Osten, Colbitz-Letzlinger Heide im Norden und der Autobahn 2 im Süden erstreckt sich der Kirchenkreis. Einmal im Monat lädt eine Kirchengemeinde ein, um ihren Gästen lokale Sehenswürdigkeiten zu zeigen, um bei einer Wanderung die Landschaft zu entdecken und um anschließend gemeinsam zu feiern und Gemeinschaft zu erleben.

Kirche in Colbitz: Wanderer und Radler erreichten am Nachmittag ihr Tagesziel. Foto: Thorsten Keßler

Kirche in Colbitz: Wanderer und Radler erreichten am Nachmittag ihr Tagesziel. Foto: Thorsten Keßler

Waren beim Auftakt entlang des alten Grenzweges in Beendorf schon rund 30 Gäste an die Westgrenze des Kirchenkreises gereist, so kamen am 15. Juli zur zweiten Etappe von Samswegen über Lindhorst nach Colbitz schon doppelt so viele an die Sankt-Sebastian-Kirche nach Samswegen.

Über so viel Zuspruch freut sich Gisela Neumann aus Lindhorst. Sie gehört zum siebenköpfigen Ausschuss »Kirchliches Leben«, der die Routen erarbeitet, Lieder und Gebete ausgesucht und daraus das Andachtsheft erstellt hat. »Die Wanderidee hat sich aus unseren Regionalgottesdiensten entwickelt, bei denen drei bis vier Orte gemeinsam feiern«, erzählt sie strahlend. »Mit den Wanderungen wollten wir den Gemeinschaftsgedanken auf den Kirchenkreis übertragen.«

Inzwischen verteilt Pfarrer Dieter Kerntopf aus Colbitz als Gastgeber der Tour die Andachtshefte unter den 60 Teilnehmenden. Weil Sankt Sebastian gerade renoviert wird, beginnt die Etappe vor der Kirche mit einem Lied, »Vertraut den neuen Wegen«. Dann machen sich die Wanderer, Fahrradfahrer und zwei Kremser auf den Weg.

Viele Wege führen durch den Lindhorst-Ramstedter Forst von Samswegen nach Colbitz. Wege, die für viele der Pilgernden auch wirklich neu sind, denn einige haben den Blick hinaus über den eigenen Kirchturm gewagt. Aus Groß Ammensleben, Beendorf, Flechtingen oder Wieglitz haben sich die Christen auch auf den Weg gemacht.

Die Idee, über die eigene Kirchengemeinde auf Kirchenkreisebene etwas zu initiieren, kommt gut an. »Die Gemeinschaft ist toll«, sagt Marita Pasemann aus Groß Ammensleben, und Hans-Helmut Huchel aus Wieglitz freut sich, »mit anderen ins Gespräch zu kommen und neue Leute und Regionen kennenzulernen«.

In Lindhorst, einen Kilometer vor Colbitz, begegnet einem dann übrigens doch noch Martin Luther. Direkt neben der Kirche wurde 1933 ein Lutherstein aufgestellt. Zum Gedenken an den 450. Geburtstag des Reformators. Auf unterschiedlichen Wegen und teils auf neuen Wegen landen Wanderer, Radfahrer und die beiden Kremser am Nachmittag an der Colbitzer Pauluskirche, wo Dieter Kerntopf persönlich am Grill steht und die Pilgernden versorgt.

Die Wanderungen durch den Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt sind bis in den Mai 2018 schon geplant. Danach gehe es weiter, freut sich Pfarrer Kerntopf. »Es gibt schon weitere Gemeinden, die die Wanderungen im nächsten Jahr fortsetzen wollen.« Eine Fortsetzung passt zu den vielen Feiern rund um das Reformationsjubiläum. Luthers Thesenanschlag war schließlich auch nur der Auftakt zu einer umfassenden Bewegung. Der nächste Weg, auf dem Luther nicht war, führt am 19. August aber erst einmal von Elbeu nach Wolmirstedt.

Thorsten Keßler

19. August, 15 Uhr, Kirche in Elbeu: Wanderung zur Katharinenkirche in Wolmirstedt

Pavillon auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen

19. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Landesgartenschau 2018: Unter dem Motto »Aus der Quelle erfrischt« feilen die Kirchen in und um Burg am Programm

Behütet durch Gottes Wort, und zwar im Wortsinn, können sich Besucher der Landesgartenschau 2018 (Laga) in Sachsen-Anhalt fühlen. So jedenfalls stellen sich die Planer den Beitrag der Kirchen zur Laga vor. »Unser Motto heißt ›Aus der Quelle erfrischt‹ und meint mit Quelle natürlich Gottes Wort. Wir wollen einen Pavillon bauen, dessen Dach an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. Es wird unterspannt mit einem Gewebe, auf dem Bibelverse stehen«, beschreibt Nicol Speer.

Nicol Speer organisiert die Aktivitäten der Kirchen auf der Landesgartenschau 2018 in Burg. – Foto: Renate Wähnelt

Nicol Speer organisiert die Aktivitäten der Kirchen auf der Landesgartenschau 2018 in Burg. – Foto: Renate Wähnelt

Die 41-Jährige hat bereits viel Erfahrung im Projektmanagement gesammelt und sucht immer wieder neue Aufgaben, bei denen sie Menschen kennenlernt. Jetzt hat sie ein Büro in der Superintendentur des Kirchenkreises Elbe-Fläming in Burg bezogen und kümmert sich um den Beitrag der Kirchen auf der Laga.

Die Gartenschau wird sich durch die Burger Altstadt ziehen. Bestandteil sind die Ihlegärten, ein Grünzug entlang des Flüsschens, für den keine Eintrittskarte nötig ist. Hier, auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen, wird der Kirchenpavillon stehen. Frei zugänglich. Nicol Speer freut sich über die Chance, Vorüberkommende so einfach ansprechen zu können.

Was genau in der Zeit vom 21. April bis 7. Oktober 2018 die Gäste hier erleben können, steht noch nicht fest. »Wir haben für jede Woche Verantwortliche definiert, die das Programm gestalten. Die Kolping-Familie ist mit der Planung schon fertig; die meisten sind noch längst nicht so weit«, erzählt die studierte Gymnasiallehrerin, der die Kommunikationsmöglichkeiten an einer Schule zu überschaubar waren.

So ist Nicol Speer fasziniert und begeistert, wie viele Menschen sie in Burg bereits um das Kirchen-Programm herum kennenlernte. Vor allem, weil sie hier eine große, bunte Ökumene erlebt. »Die Unterschiede werden als Bereicherung empfunden«, schwärmt sie. Und so sind sowohl die evangelischen Gemeinden als auch katholische dabei, der gastgebende Kirchenkreis und benachbarte aus der Altmark, katholisches Bistum, die Reformierte Gemeinde in Burg, die Neuapostolische und die Adventgemeinde. »Jeder trägt nach seinen Möglichkeiten etwas bei. Das ist ein ganz starkes Netzwerk«, freut sich Nicol Speer.

Fest steht bisher, dass es täglich um 12 Uhr eine Andacht gibt, sonntags einen Gottesdienst. Konzerte, Spielangebote für Kinder, Diskussionen – ein buntes Programm soll entstehen, das die Flaneure neugierig macht auf den Glauben. Was Nicol Speer und die Gemeinden vor Ort noch nicht wissen: Können sie die Kirchen in Burg offen halten? Die sind nur wenige Schritte von der Gartenschau entfernt. Es wäre schade, wenn Neugierige oder Stille Suchende vor verschlossener Tür stehen.

Renate Wähnelt

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