Mit Kerze, Kreuz und Bibel

15. Januar 2018 von redaktionguh  
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Hausandachten in Magdala verbinden Tradition und Moderne

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen«, so heißt es im Matthäus-Evangelium (18, 20). Genau hier, an diesem ursprünglichen Gedanken, möchte Jeannette Lorenz-Büttner mit ihren Hausandachten ansetzen. »Die ersten Christen hatten keine Kirchen; sie haben sich in privaten Häusern getroffen«, erklärt die Pfarrerin des Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeverbandes Magdala, dem 14 Dörfer angehören.

Gerade in der kalten Jahreszeit, in der es auch in vielen Kirchen kühl und ungemütlich ist und in der gerade ältere Menschen aus Angst zu stürzen oft ungern aus dem Haus gehen, möchte Jeannette Lorenz-Büttner auf diesem Wege die Menschen in ihrer Gemeinde erreichen. Das Angebot richtet sich zwar insbesondere an Senioren, allerdings nicht als alleinige Zielgruppe. Den Bedarf für eine Hausandacht kann jedes Gemeindemitglied anmelden. Ähnlich einer mobilen Friseurin bringt die Pfarrerin alles mit: die Kerze, das Kreuz und die Bibel. Gern können Nachbarn, Verwandte und Freunde kommen.

Schon zu zweit ist eine Andacht zu Hause mit Liturgie, Gesängen und Psalmgebet möglich. Ein Angebot für verschiedene Menschen, das durchaus noch ausbaufähig ist. Foto: africastudio-stock.adobe.com

Schon zu zweit ist eine Andacht zu Hause mit Liturgie, Gesängen und Psalmgebet möglich. Ein Angebot für verschiedene Menschen, das durchaus noch ausbaufähig ist. Foto: africastudio-stock.adobe.com

Die zu großen Gottesdienstformen gehörenden Elemente, wie Liturgie, Wechselgesang, Psalmgebet oder Choral werden in den Hausandachten auf ein passendes und angenehmes Maß reduziert. Die Andachten werden gemeinsam gelesen, es wird gesungen, aus der Bibel gelesen – mit kurzer freier Auslegung. »In vertrauter häuslicher Atmosphäre können wir Andacht feiern und danach bei einer Tasse Kaffee über Gott und die Welt reden«, sagt Jeannette Lorenz-Büttner und benennt einen weiteren Vorteil: »Die Sonntagsklöße können nebenbei kochen.«

Mit ihrem Angebot antwortet Lorenz-Büttner schließlich nicht zuletzt auch auf Transformationsprozesse, die für Gemeinden im ländlichen Raum, insbesondere im Osten Deutschlands, typisch sind. »Die Gemeinden verändern sich; dadurch brauchen wir neue Gottesdienstformen und -orte«, so ihre Bestandsaufnahme.

Die Kirchengemeinden altern, die Teilnehmerzahlen bei Gottesdiensten sinken. »In einer großen Kirche einen Gottesdienst mit weniger als zehn Leuten zu halten, fühlt sich peinlich an, und man muss überlegen, ob das noch Sinn ergibt«, weiß Pfarrerin Lorenz-Büttner. Das Format der Hausandacht scheint hier eine gute Alternative zu sein. Die Pfarrerin kommt an einem vorher im Gemeindeblatt bekanntgegebenen Termin in der Zeit von 9 bis 12 Uhr »auf Bestellung«. Ein Anruf genügt.

Aufdrängen möchte sich Pfarrerin Lorenz-Büttner nicht. Vielmehr möchte sie, dass sich die Menschen selbst auch kümmern und in einem sehr lutherischen Sinn Eigenverantwortung übernehmen, indem sie in sich hineinspüren und fragen, was sie für ihren Glauben brauchen. »Die Leute sollen auch selbst entscheiden können, was sie wollen«, findet sie, und verweist erneut auf Martin Luther und auf das Ende der Bevormundung.

»Ich stelle wirklich die große Gottesdienstform als die einzige Form in Frage«, sagt die 40-Jährige. Stattdessen befürwortet sie Gottesdienste in großen Kirchen mit großen Gruppen und Gottesdienste mit kleinen Gruppen im kleinen Rahmen. »Eine Andacht zu Hause bietet wirklich die Chance auf eine echte Glaubenserfahrung, weil gleichsam das Evangelium nach Hause kommt«, unterstreicht sie und fügt hinzu: »Ich sehe darin auch eine Chance für unser Kirchenleben.«

Die Idee, aller vier bis sechs Wochen einen Sonntag mit Hausandachten zu gestalten, ist auch ein Gegenentwurf zur bisherigen Praxis eines straffen, allsonntäglichen Gottesdienstplans, ungeachtet des tatsächlichen Bedarfs. Krampfhaft an alten Zeiten festhalten, das ist Jeannette Lorenz-Büttners Sache nicht. In einer marktwirtschaftlich geprägten Lebenswelt findet sich auch der Glaube in einer Marktsituation wieder und ist in der Moderne neben Yoga und Co. ein Weg zum Seelenheil unter vielen.

Constanze Alt

Der nächste Termin, für den Hausandachten angemeldet werden können, ist Sonntag, der 4. Februar. Kontakt (01 76) 72 76 81 50.

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Das Leben feiern

8. Januar 2018 von redaktionguh  
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Neu an der Spitze des Kirchen­kreises Altenburger Land: Am 15. Oktober wurde Pfarrerin Dr. Kristin Jahn als Superintendentin eingeführt. Sie wird das Amt für die nächsten zehn Jahre innehaben. Ilka Jost hat mit ihr gesprochen.

Frau Dr. Jahn, wenn Sie auf die ersten Wochen in Ihrem Amt zurückblicken: Welche Eindrücke haben Sie bisher bekommen?
Jahn:
Die ersten Wochen waren voller Termine und Gespräche. Ich hatte viele Begegnungen mit Menschen, die mit Herzblut und Engagement ihr Amt und Ehrenamt ausführen. Manche stehen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Andere sprühen über vor Visionen und Ideen, die nur auf den richtigen Gesprächspartner und das passende Gremium zur Umsetzung warten.

Voller Tatendrang: Die neue Superintendentin des Kirchenkreises Altenburger Land, Kristin Jahn, freut sich auf die Herausforderungen des neuen Amtes. Foto: Ilka Jost

Voller Tatendrang: Die neue Superintendentin des Kirchenkreises Altenburger Land, Kristin Jahn, freut sich auf die Herausforderungen des neuen Amtes. Foto: Ilka Jost

Ich bin immer noch beim Kennenlernen von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, Strukturen und bisherigen Standards. Ich hinterfrage Dinge, die bisher gelaufen sind, auf ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit. Je mehr man Einblick bekommt, desto klarer wird, was einem selbst wichtig ist.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich gesetzt und was hat Ihrer Meinung oberste Priorität?
Jahn:
Oberste Priorität hat die Verkündigung des Evangeliums. Das heißt Ermutigung, unseren Nächsten beizustehen. Dies ist der Auftrag für Haupt- und Ehrenamtliche, mit ihren Gaben für andere dazusein und das ist die große Herausforderung, der sich ganz viele Menschen stellen.

Ich möchte die Menschen inmitten ihrer Prozesse immer wieder ins Nachdenken führen, wer wir Christen sind, wo und für wen wir da sind und was unser Auftrag ist. Unser Auftrag ist nicht, Kirchen mit Gottesdiensten zu bestücken, sondern uns bewusst zu machen, dass wir im Gottesdienst unser gemeinsames Leben feiern. Damit das möglich ist, müssen wir im Vorfeld auch einander kennen und be-
gleiten.

Ihr Vorgänger Michael Wegner hat vieles auf den Weg gebracht. Wo möchten Sie ansetzen?
Jahn:
Eine wichtige Weichenstellung war die Schaffung eines ehrenamtlichen Stellenplanes. Dies möchte ich fortführen. Wichtig ist mir dabei eine fortlaufende Qualifizierung des Ehrenamts durch Weiterbildung.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um in Zeiten der fortschreitenden Säkularisierung die Kirche attraktiver und interessanter zu gestalten?
Jahn:
Ich glaube, ganz viele Menschen haben Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit. Ich finde, dass Kirche genau der Raum ist, wo diese Fragen einen Platz haben. Kirche im Altenburger Land ist Kirche für andere. Alles was wir tun, machen wir nicht, um unsere Strukturen zu erhalten, sondern die Strukturen dienen dazu, dass wir unserem Nächsten dienen können und offen sind für Fragen aus der Bevölkerung. Das heißt für mich, unserem Auftrag treu zu bleiben und für alle Menschen da zu sein, nicht nur für Christen. Jesus hat auch nicht gefragt, welcher Religionsgemeinschaft einer angehört. Er hat nach seinem Nächsten gefragt. Er hat keine heiligen Orte bespielt, sondern das Heil zum Ort gebracht.

Viele Gemeinden und Projekte im Altenburger Land lehnen sich daran an und arbeiten mit solch einer Offenheit für andere, z.B. die Kultur- und Bildungswerkstatt der Kirchengemeinde Nöbdenitz, das Familienzentrum in Altenburg oder die Arbeit der Diakonie, die nicht fragt, woher man kommt, sondern was der Mensch braucht.

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Das Kind liegt in der Krippe

1. Januar 2018 von redaktionguh  
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Aus aller Welt: Darstellungen im Collegium maius

Krippen stehen in vielen Wohnungen. Künstler verschiedener Generationen und Nationen haben das Weihnachtsgeschehen auch an andere Orte transportiert und facettenreich dargestellt.

Romantische Bergkulisse: Diese Prager Schneekrippe ist eines der Exponate der Erfurter Ausstellung. Foto: Andrea Terstappen

Romantische Bergkulisse: Diese Prager Schneekrippe ist eines der Exponate der Erfurter Ausstellung. Foto: Andrea Terstappen

Davon erzählt eine Ausstellung im Landeskirchenamt in Erfurt. Unter dem Titel »Es begab sich aber …« werden 30 Exponate aus Deutschland, Österreich, Afrika und Südkorea gezeigt. Angefangen von der Tiroler Schneekrippe über die »Heilige Nacht im Plattenbau« bis hin zum Afrikanischen Kreuzigungsberg. Zusammengestellt wurde diese Ausstellung von der Krippenbaumeisterin und Gemeindepädagogin im Kloster Volkenroda, Elke Möller.

Die heutigen Weihnachtskrippen gehen bereits auf das frühe Christentum zurück. Die ersten Darstellungen zeigten jedoch nur das Jesuskind und Ochs und Esel. Maria, Joseph und die Hirten kamen erst später hinzu.

Die Krippe wird zum Weihnachtsfest aufgestellt. Mancherorts beginnt die Aufstellung mit einzelnen Figuren und Szenen bereits zu Beginn der Adventszeit. Zur versammelten heiligen Familie mit den Engeln, Hirten und Tieren kommen am 6. Januar noch die Heiligen drei Könige hinzu. In der evangelischen Kirche endet die weihnachtliche Festzeit drei Wochen vor der Passionszeit mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias; dann ist der letzte Termin, die Krippe abzubauen.

(G+H)

Die Ausstellung ist bis zum 15. Januar 2018 von Montag bis Freitag, 8–16 Uhr, geöffnet.


Elf Millionen Hostien

60 Jahre Bäckerei bei Pfeiffers in Magdeburg

Zum Abendmahl in der Kirche bekommen die Gläubigen Brot und Wein gereicht. Anstelle des Brotes gibt es in der Regel eine Hostie. Sie werden in speziellen Bäckereien hergestellt. Eine davon gibt es in Magdeburg in den Pfeifferschen Stiftungen. Vor 60 Jahren begannen die Diakonissen in den Stiftungen mit dieser Arbeit. Seit zehn Jahren werden die Hostien von Menschen gebacken, die aus gesundheitlichen Gründen auf dem ersten Arbeitsmarkt chancenlos sind.

»Das Backen der Hostien in den Pfeifferschen Stiftungen hat eine lange Tradition und ist inzwischen ein gutes Symbol für die Integration von Menschen mit seelischen Erkrankungen in unser Gemeinwesen«, sagt Vorstandsvorsitzender Christoph Radbruch.

Sorgfalt ist gefragt bei der Herstellung der Hostien. Foto: Pfeiffersche Stiftungen

Sorgfalt ist gefragt bei der Herstellung der Hostien. Foto: Pfeiffersche Stiftungen

In großen Eisen wird der Hostienkuchen gebacken, das Rezept ist geheim. Eine dünne Platte mit 48 kreisrunden christlichen Motiven entsteht unter lautem Zischen. Wie eine riesige Backoblate, nur dünner. Aus diesem Hostienkuchen werden die Hostien ausgestanzt. Rund 100 000 der runden Plättchen backen die Mitarbeiter pro Jahr.

»Durch unser Krankheitsbild ist man froh, wenn man ein bisschen Vertrauen geschenkt bekommt und das möchte man natürlich dann auch ganz gern zurückgeben. Das heißt, die Qualität muss stimmen«, sagt Mario Ulbrich. Er ist verantwortlich für die Endkontrolle der kreisrunden Hostien von etwa 3,2 Zentimetern Durchmesser.

Vier Mitarbeiter arbeiten in der Hostienbäckerei. Nach der Kontrolle werden die Hostien zu 500 oder 1 000 Stück verpackt und nach Dänemark, Schweden, Frankreich und natürlich Sachsen-Anhalt geliefert. Bis heute wurden elf Millionen Hostien aus den Pfeifferschen Stiftungen europaweit verschickt.

Das Angebot reicht von glutenfreien Hostien über Doppelhostien, die für die Herrnhuter Brüdergemeinde hergestellt werden, bis hin zu Brothostien. Brothostien werden dicker und dunkler gebacken als die normalen Hostien.

(G+H)

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Singen hat mich jung gehalten

27. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Dienstältester Bass im Kirchenchor von Heilingen singt auch an diesem Weihnachtsfest

Zu Gast auf einem Bauernhof in Engerda (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld). Hier leben Wilhelm und Sigrid Luge. Das Besondere, Wilhelm Luge ist seit 70 Jahren Mitglied des Kirchenchores. Ein Urgestein, der viele Erinnerungen hat. Doch alles der Reihe nach.

Der heute 84-jährige Wilhelm Luge berichtet, dass alles im Jahr 1947 begonnen hat. »Damals waren wir mit der Schule fertig. Und irgendwie war ich richtig stolz. Ich durfte im Kirchenchor bei den ›Alten Herren‹ mitsingen.«

Leidenschaft ein Leben lang: Das Singen gehört für Wilhelm Luge einfach dazu. Auch am Weihnachtsfest. Foto: Andreas Abendroth

Leidenschaft ein Leben lang: Das Singen gehört für Wilhelm Luge einfach dazu. Auch am Weihnachtsfest. Foto: Andreas Abendroth

Es sollte eine Leidenschaft werden, die bis heute anhält. Damals hielt Lehrer Schumann – er leitete den Kirchenchor – zweimal die Woche eine Singstunde ab. Lieder wurden einstudiert, sonntags und zu den kirchlichen Feiertagen dann aufgeführt. 1949 kam mit Pfarrer Heinrich Martin Hoffmann ein neuer Pastor nach Engerda. »Die Pastorenfrau übernahm den Kirchenchor, leitete ihn und uns 42 Jahre lang«, erinnert sich Luge.

Ein Lächeln geht über das Gesicht des rüstigen Seniors, wenn er sich an die Singfreizeiten erinnert: »Die fanden unter der Leitung des Arnstädter Kirchenmusikdirektors Alwin Friedel statt. Da erklang am Abend im Schaalaer ›Schwarzenshof‹ so manches nicht kirchliche Lied.«

Neben der ehrenamtlichen Chorarbeit galt es aber auch, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im elterlichen Betrieb erhielt er eine landwirtschaftliche Ausbildung. »Als junger Mensch wurde ich Schäfer. Ich bin in den Beruf reingewachsen«, so Luge. »Mit 44 Jahren musste ich dann nochmals auf die Schulbank. Es war keine leichte Aufgabe für mich. Im Ergebnis hatte ich den Abschluss als, ›Facharbeiter für Schafzucht‹.«

Wilhelm Luge wurde die Aufsicht über 1 000 Mutterschafe übertragen. Er musste sich um die Zucht der Tiere kümmern. Auf Grund seiner Erfahrungen und seiner großen Erfolge bei der Schafzucht wurde ihm 1983 der Schäfermeister zuerkannt. Später wurde er noch Kreisschäfermeister. Luge berichtet von der Grünen Woche in Berlin, von Präsentationen seiner »Coburger Fuchsschafe«.« Von den Erfolgen als Schäfer und Schafzüchter zeugen heute noch Pokale, Staatsmedaillen und Preismünzen, die in einer Vitrine einen Ehrenplatz haben.

Neben dem Kirchenchor war Wilhelm Luge an der Gründung des Männerchores »Concordia« beteiligt. »Den habe ich 1951 mit ins Leben gerufen. 66 Jahre lang habe ich den ersten Bass gesungen.« Erinnerungen werden wach an unterschiedliche Auftritte. So an den Konzertausflug nach Pskow – die Partnergemeinde des ehemaligen Bezirkes Gera im heutigen Russland oder an die Verstärkung des Theaterchores in Bayreuth bei der Aufführung des Freischütz von Carl Maria von Weber und dem Auftritt im Kölner Dom. Etwas Wehmut kommt auf, wenn sich Luge an den Auftritt zur Landesgartenschau in Apolda in diesem Jahr erinnert: »Es war vorerst mein letzter Auftritt mit dem Männerchor. Das Singen macht mir immer noch richtig Spaß. Nur das Stehen fällt mir zunehmend schwerer.«

Doch ganz hat Wilhelm Luge dem Gesang nicht den Rücken gekehrt. Dem Kirchenchor – die Chöre aus Engerda und Heilingen sind mittlerweile vereint – bleibt er weiterhin erhalten. Seit 25 Jahren wird dieser von Pastorin Jutta Thiel geleitet. »Sie macht es sehr locker und richtig gut. Neben dem Gesang wird auch mal ein kirchlicher Witz erzählt.« In seinem Leben hat Wilhelm Luge viele Lieder einstudiert. »Die althergebrachten Melodien kann man über die vielen Jahrzehnte, lateinische Lieder bekomme ich auch noch gut hin. Nur mit den neuen englisch- oder französischsprachigen habe ich so meine Schwierigkeiten«, resümiert der Chorsänger.

Wilhelm Luge freut sich aufs Weihnachtsfest und auf die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste. Und vielleicht setzt er sich ganz in Familie auch noch einmal ans Klavier und spielt Weihnachtslieder.

Andreas Abendroth

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Mobilität von allen Seiten

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Interview: Torgaus Pfarrerin Christiane Schmidt über ein stürmisches Jahr 2017

Torgau war zu Luthers Zeiten politisches Machtzentrum und gilt damit als Amme der Reformation. So gab es in diesem Jahr auch in der sächsischen Stadt viele Veranstaltungen. Über das außergewöhnliche Jahr sprach Pfarrerin Christiane Schmidt mit Katja Schmidtke.

Welche Bilanz des Reformationsjahres ziehen Sie für Torgau?
Schmidt:
Es war ein stürmisches Jahr, in jeder Hinsicht. Die Andacht zur Kirchweih mussten wir in die Alte Superintendentur verlegen, weil das Landratsamt den Schlosshof wegen des Sturmtiefs gesperrt hatte. Auch inhaltlich ist viel passiert. Ich ziehe ein positives Fazit. Viele Anmeldungen von Reise- und Gemeindegruppen liegen vor, die durch unsere Kirchen geführt werden möchten oder bei Kantor Ekkehard Saretz eine musikalische Andacht feiern möchten. Wir feiern Gottesdienst mit vielen Gästen. Es hat sich viel getan in der Stadt: Die Lutherin-Stube ist neu, das Spalatin- und Johann-Walter-Museum hat eröffnet, im Schloss gibt es neue Dauer- und Sonderausstellungen. Wir haben wirklich keinen Grund zu meckern. Natürlich sind hier keine Massen von Menschen gekommen, das hätte uns auch wirklich überrascht.

Sie schauen also nicht neidisch nach Wittenberg?
Schmidt:
Nein, überhaupt nicht. Wir freuen uns über das, was hier passiert ist und haben keinen Anlass zu Konkurrenzdenken. Im Gegenteil, es bestehen sehr freundschaftliche Kontakte nach Wittenberg. Was uns eher zu schaffen macht, ist, dass wir wegen der unterschiedlichen Grenzen von Land und Landeskirche zwischen den Stühlen sitzen. Politisch gehören wir zu Dresden, kirchlich zu Magdeburg. Inzwischen ist der Beauftragte der evangelischen Landeskirchen beim Freistaat Sachsen öfter zu Gast.
Und wir blicken auf Kommendes: 2018 ist Torgau Ausrichter des Tages der Sachsen, 2019 feiern wir 475 Jahre Schlosskapelle und 2022 haben wir die Landesgartenschau in der Stadt.

Christiane Schmidt. Foto: Katja Schmidtke

Christiane Schmidt. Foto: Katja Schmidtke

Und was bleibt von 2017?
Schmidt:
Das Memorandum von Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff, aber auch die Podiumsdebatte Anfang Oktober mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und der Ostbeauftragten der Bundesregierung Iris Gleicke zeigen den Weg. Wir müssen uns fragen: Wie geht es weiter mit unserer Kirche nach 2017? Wie können wir bei den Menschen sein und was können wir leisten angesichts sinkender Mitarbeiterzahlen? Wir sind durch die Verhältnisse bei uns im Kirchenkreis zu diesen Fragen gezwungen. Sie führen uns aber zurück zu Luthers Prämissen. Wir dürfen uns trotz aller Jubiläen nicht mit Events verzetteln. Feste sind schön und gut, aber sie binden Kraft und Geld. Feste können andere besser ausrichten als wir. Wir müssen uns um den geistlichen Alltag kümmern, um das Leben in den Gemeinden, wir müssen ansprechbare Seelsorger sein. Gerade nach der Bundestagswahl. Die Ratlosigkeit angesichts der AfD-Wahlergebnisse ist groß. Da müssen wir miteinander ins Gespräch kommen.

Wie ist denn die Stimmung in der Torgauer Gemeinde?
Schmidt:
Es hat uns gut getan, dass in diesem Jahr so viele Menschen zu uns gekommen sind und mit uns Gottesdienst gefeiert haben. Ob es im Inneren etwas bewegt hat, das vermag ich nicht zu sagen. Von einem geistlichen Aufbruch zu reden, wäre wohl zu viel. Deutlich spüren die Menschen aber die Diskrepanz zwischen dem Jubiläum und den Stellenkürzungen vor Ort. Viele machen sich große Sorgen, wie es weitergeht.

Wie kann es denn weitergehen? Welche Ideen gibt es?
Schmidt:
Wir haben in der Region zwei Kolleginnen im Entsendungsdienst, die neue Wege beschreiten. Das ist sehr befruchtend, auch für mich selbst. Ich denke, künftig werden die Hauptamtlichen in einer Region enger zusammenarbeiten. Wir werden Teams bilden. Dennoch wird das bei einigen Gemeindegliedern das diffuse Gefühl verstärken, dass sich die Kirche aus der Fläche zurückzieht und der Pfarrer, die Pfarrerin nicht mehr zu sehen ist. Was soll ich sagen? Sicher ist nicht in jeder Kirche an jedem Sonntag Gottesdienst, aber bestimmt in der Nähe. Frau Gleicke mahnte bei unserem Diskussionsabend, dass es eine Bring- und Holschuld gebe. Kirche von morgen erfordert Mobilität von allen Seiten. Ich bin trotz aller Herausforderungen frohen Mutes und denke oft an Altbischof Noacks Worte: Wir (Hauptamtliche) müssen die Kirche nicht retten, das macht der liebe Gott schon selbst.

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Immer erreichbar

10. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Telefonseelsorge in Ostthüringen jetzt in Trägerschaft der Diakonie

Für viele ist Weihnachten ein Fest der Freude, für einen zunehmenden Kreis von Menschen ein Fest, das Angst macht – Angst, vor dem Alleinsein, vor dem Gefühl der Verlassenheit. Einsamkeit ist ein großes Thema in der Telefonseelsorge, das größte überhaupt. In unserer hoch entwickelten Gesellschaft gerät eine zunehmende Zahl von Mitbürgern durch fordernde Berufe, Partnerlosigkeit und den Verlust des Arbeitsplatzes in die Isolation. Vor allem an freien Tagen wird die ganze Tragweite emotional spürbar. Dann ist es gut, wenn jemand da ist, der zuhört und versteht.

Einsamkeit ist lebensbedrohend

»In der Telefonseelsorge können Menschen aussprechen, was sie sonst nicht sagen können«, erzählt Sophie Voss, Leiterin der Einrichtung. Neben Einsamkeit lösen vor allem körperliche und psychische Krankheiten, familiäre Konflikte und Pensionierung Ängste aus, dass die Betroffenen froh sind, die kostenlose Beratung anrufen zu können. »Das Suizidrisiko bei den Alleinlebenden ist viermal so hoch wie bei Menschen in Beziehung«, erklärt Voss die Situation. Nicht nur einmal konnten die Berater bei einem Telefonat so weit helfen und das Selbstvertrauen stärken, dass die Anrufer den Weg zurück ins Leben
fanden.

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

In der Telefonseelsorge, die in Trägerschaft der Diakonie agiert, beraten 40 Ehrenamtliche rund um die Uhr Anrufer, die in Not geraten sind. Oft hilft ihnen schon die Kontaktaufnahme, dass sich von der Seele reden der unterschiedlichsten Probleme. Am Telefon wird ihnen Aufmerksamkeit entgegengebracht, sie erfahren Beistand und können von einem anderen Standpunkt über die Frage nachdenken, wie sie aus der Situation herauskommen. Der Blick wird nach vorn gerichtet auf die Zukunft. Das ist oft mehr, als die Betroffenen erwarten.

Die Seelsorger am Telefon müssen emotional stabil sein, sich auf unterschiedlichste Menschen einlassen können und dürfen an ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Vorher werden sie für die Aufgabe geschult und durch regelmäßige Supervision geschützt. Die Telefonseelsorge verfügt über ein jahrelang gewachsenes Netz mit Fachleuten, die die Arbeit schätzen.

Sorgen kann man teilen

Für Sophie Voss ist die Einrichtung Herzenssache. Seit die Diakonie die Trägerschaft zum 1. Juli übernommen hat, leitet sie die Telefonseelsorge Ostthüringen mit Standorten in Jena und Gera. Während ihres Studiums in Rostock hat die diplomierte Theologin  sowohl eine kleine Mediatoren- als auch eine Notfallseelsorgerausbildung absolviert und behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Nach ihrer Ankunft in Jena vor acht Jahren kam noch eine Hospizbegleiterausbildung dazu. Schließlich engagierte sie sich für soziale Belange als Grünen-Stadträtin im Jenaer Parlament, war Sozialausschussvorsitzende. Von diesen Funktionen ist sie zurückgetreten, hat sich ganz und gar auf das Seelsorgerische konzentriert. »Ich wollte schon immer in diese Richtung. Hier wird Beistand geleistet aus christlicher Nächstenliebe. Ich bin davon ausgegangen, der Nestbereiter für Seelsorger zu sein«, antwortet Voss auf die Frage, warum sie sich für die Stelle beworben hat. Unterstützt von einer Mitarbeiterin organisiert sie die Weiterbildung für die Ehrenamtlichen, sorgt sich um deren Wohlbefinden, um die Raumausstattung und Finanzen. Um beide Standorte optimal zu betreuen, ist sie immer unterwegs, ihr Büro trägt sie auf dem Rücken. Neben der Hotline kümmert sich die Telefonseelsorge um tabuisierte Themen wie Suizid.

Text und Foto: Doris Weilandt

Telefonseelsorge (0 800) 111 0 111

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Mehr Ökumene wagen

4. Dezember 2017 von redaktionguh  
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500 Jahre nach der Reformation ist in Erfurt eine enge Zusammenarbeit zwischen Evangelischer Reglergemeinde und katholischen Augustinermönchen entstanden. Ein Jahr nach Projektbeginn ist Zeit für eine erste Bilanz.

Am Anfang hatte ich das Gefühl: das ist eine völlig absurde Idee«, gibt Bruder Jeremias zu. Er ist einer von inzwischen vier Augustinermönchen, die im Pfarrhaus der evangelischen Reglergemeinde in Erfurt wohnen. Doch nach einem Jahr läuft das Ökumene-Projekt zwischen Protestanten und Augustinern – von Kleinigkeiten abgesehen – ziemlich reibungslos.

Alles begann damit, dass die damals drei und inzwischen vier Mönche in ihrer neuen Wirkungsstätte Erfurt ein Dach über dem Kopf gesucht haben. Da bot sich das evangelische Pfarrhaus an, in dem eine Wohnung frei geworden war. Vor gut einem Jahr ging Pfarrerin Gabriele Lipski auf die Brüder zu, bot ihnen eine Zusammenarbeit an.

Katholische Messe in der evangelischen Reglerkirche: der Augustinermönch Bruder Matthias begrüßt Teilnehmer zum Gottesdienst. Foto: Markus Wetterauer

Katholische Messe in der evangelischen Reglerkirche: der Augustinermönch Bruder Matthias begrüßt Teilnehmer zum Gottesdienst. Foto: Markus Wetterauer

Bevor es los ging, mussten trotzdem einige Steine aus dem Weg geräumt werden. »Ist sich diese Gemeinde überhaupt bewusst, dass wir jeden Tag Messe feiern wollen und es damit in der Reglerkirche öfter katholische Gottesdienste gibt als evangelische?«, war eine der Fragen. Oder: Kann es in einer evangelischen Kirche ein Tabernakel geben, in dem die Hostien aufbewahrt werden? Und: Was ist mit dem Weihwasser? Die Fragen wurden geklärt, die Bischöfe auf beiden Seiten gaben ebenfalls grünes Licht, auch in den Gemeinden gab es nur vereinzelt Kritik.

Zum Auftakt der Kooperation beging man am 1. Advent vor einem Jahr einen gemeinsamen Gottesdienst – zum Türen öffnen, so Pfarrerin Lipski. Seitdem feiern die Mönche jeden Tag ihre Messe in der Reglerkirche. Das evangelische Mittagsgebet wird gemeinsam gestaltet. So gut wie jeden Monat gibt es eine gemeinsame Aktion: Das kann ein besonderer Gottesdienst sein wie am 2. Februar zu Mariä Lichtmess, ein Gemeindefest, eine gemeinsame Wallfahrt, oder in der Passionszeit die Aktion »In 40 Tagen durch die Bibel«.

Wichtig ist gegenseitige Offenheit. Freitags treffen sich alle Mitarbeiter zu einer gemeinsamen Teambesprechung. Die Mönche sind auch zu den Sitzungen des Gemeindekirchenrats eingeladen. »Der Gedanke dabei ist: Wir lassen euch reinschauen in alles, was wir tun, weil wir unseren Weg gemeinsam gehen«, erklärt Pfarrerin Lipski. Für Bruder Jeremias hilft die Offenheit, damit Reibereien aus dem Weg geräumt werden, bevor sie zu Problemen werden.

Reibereien gibt es zum Beispiel dann, »wenn man mal wieder nicht dran denkt, dass ja da noch jemand mit in der Kirche ist und es zu Termin-Überschneidungen kommt«, sagt Jeremias. Oder, wenn die andere Seite in der Sakristei was nicht wegräumt, wie Pfarrerin Lipski feststellt. Umgekehrt wird die Zusammenarbeit einfacher, weil sie freiwillig entstand. Es gab »keinen finanziellen Druck oder, weil keine Leute mehr zu uns gekommen sind, sondern, weil wir das wollten«, sagt Bruder Jeremias. Er und seine drei Mitbrüder Pius, Jakob und Matthias versuchen, möglichst viel gemeinsam mit den Protestanten zu machen und trotzdem »unsere Identität nicht zu kurz kommen zu lassen«. Ein Satz, den Lipski unterschreiben kann:

»Sie sind nicht evangelisch geworden und wir werden nicht katholisch, sondern es geht um versöhnte Verschiedenheit. Das Wichtige ist, dass wir mit Christus verbunden sind.«

Markus Wetterauer

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Seife der Hoffnung

27. November 2017 von redaktionguh  
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Träume, keine Schäume: Mit einem ungewöhlichen Projekt unterstützt die Kirchen­gemeinde Rüdersdorf eine Manufaktur in Syrien.

Syrien ist für kostbare Seifen in aller Welt bekannt und die Seifenmanufaktur hat eine lange Tradition. Avedis Titizian stellt seine Seife nach alten Rezepten aus reinem Lorbeer- und Olivenöl her. Sie ist frei von künstlichen Duft- und Farbstoffen und enthält keine tierischen Fette. Diese Seife gehört im Jahre 2017 zu den Aktionen innerhalb des Projektes »Hilfe für Nahost«. Seit 2014 hilft Pfarrer Christian Kurzke aus Rüdersdorf im Kirchenkreis Gera mit verschiedenen Aktionen den geflohenen Menschen, die direkt in den Gebieten Nordirak, Syrien und Libanon leben. Auf große Unterstützung konnte und kann der Organisator dabei von der Landeskirche, kirchlichen Organisationen und vielen privaten Spendern zählen. 2017 sind 80 000 Euro von der Landeskirche in das Programm von Christian Kurzke geflossen. Die Mittel wurden im Rahmen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der EKM (KED) vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum zur Verfügung gestellt. Diese Gelder gingen an die christlichen Organisationen CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) und an NESSL (The National Evangelical Synod of Syria and Lebanon). Damit werden Schülertransporte unterstützt. Diese bringen die Schüler aus entlegenen Dörfern zu den Bildungseinrichtungen der Hilfsorganisationen.

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Pfarrer Christian Kurzke zeigt stolz die 2017 zusammengekommene Spendensumme in Höhe von 130 000 Euro. »Unser Hilfsprojekt ist mittlerweile so bekannt, dass Spenden aus allen Teilen Deutschlands auf unserem Konto eintreffen«, sagt der Gemeindepfarrer. »Eine größere Summe ging an die Poliklinik einer Kirchengemeinde in Minyara im Nordlibanon und an die Frauenarbeit von Pfarrer Abuna Jihad Nassif aus Homs, den wir in diesem Jahr persönlich hier in Rüdersdorf begrüßen durften.«

Die Hilfe ist ganz konkret für Menschen vor Ort bestimmt, wie etwa für den Manufakturbetrieb von Avedis Titizian. Der 34-Jährige gehört zu den Kriegsflüchtlingen aus Kessab, am Fuße des Musa Dagh, unweit von Aleppo. Er ist armenischer Christ und zählt zu den Nachkommen, die den Genozid 1915 überlebten. Drei Monate plünderten dschihadistische Truppen im Frühjahr 2014 systematisch die Stadt Kessab, zerstörten Häuser und Kirchen, bevor sie vertrieben wurden. Nur wenige ehemalige Bewohner kehrten nach Kessab zurück. Zwei Drittel der vormals 6 000 Einwohner gingen ins Ausland.

Neuanfang mit Hilfe aus dem Kirchenkreis Gera

Avedis Titizian stand nach seiner Rückkehr vor dem Nichts. Seine Manufaktur gab es praktisch nicht mehr, alles war zerstört oder gestohlen und es gab keine Entschädigung vom syrischen Staat. »Mit dem Bisschen, was mir geblieben ist, habe ich wieder angefangen Seife herzustellen«, berichtet Avedis Titizian. Niemand im Bürgerkriegsland kann jedoch heute seine hochwertige Seife kaufen. Deshalb unterstützt die Hilfe für Nahost Avedis Titizian, seine Seife in Deutschland zu verkaufen. Für 500 Kilogramm Seife werden ca. 10 000 Euro an die Manufaktur zurückgehen. »Wir hatten hier 3 500 Stück Seife und in den ersten 14 Tagen haben wir über 2 000 Stück davon verkauft«, freut sich Pfarrer Christian Kurzke.

»Das gelingt uns nur durch ein feinmaschiges Vertriebsnetz und den Online-Netzwerken von Diakonie, Kirchen und Gemeinden.« Die komplette Logistik von Verpackung bis hin zum Versand liegt im Gemeindebüro Rüdersdorf. »Ohne die Hilfe der Konfirmanden, den Kindern vom Chor und deren Eltern könnte ich das alleine nicht stemmen«, bemerkt Christian Kurzke.

Die »Seife der Hoffnung« ist, wie alle Aktionen von Pfarrer Christian Kurze, eine Hilfe für Flüchtlinge und Christen vor Ort, die in ihrer Heimat bleiben. Auch Avedis Titizian wollte nach Armenien auswandern. »Syrien ist meine Heimat. Ich liebe dieses Land und meine Eltern brauchen mich«, sagt er. »Mein größter Wunsch ist Frieden für Syrien. Mit dem Geld möchte ich meine Seifenmanufaktur erweitern und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen. So kann ich meinem Land am besten helfen und auf Frieden hoffen.«

Wolfgang Hesse

Nähere Informationen unter E-Mail
<christiankurzke@web.de>

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Baubeginn mit Ben und Lilli

20. November 2017 von redaktionguh  
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Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg

Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung.

Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.

Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg     Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung. Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.  Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.  Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde. Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.  Diana Steinbauer

Erste Schippen Sand für das Projekt: Ben und Lilli mit OB Andreas Bausewein (li.) und Andreas Weigel und Christian Meyer-Landrut vom Landesvorstand der Johanniter. Foto: Diana Steinbauer

Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.

Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde.

Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.

Diana Steinbauer

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Eine evangelische Maria

14. November 2017 von redaktionguh  
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Kirche in Ebenheim bekommt den Namen der Mutter Christi

Das Gotteshaus in Ebenheim (Kirchenkreis Gotha) hat 500 Jahre nach der Reformation und 416 Jahre nach der Kirchweihe endlich einen Namen bekommen: Marienkirche. Und das Bemerkenswerte daran: Die Kirchengemeinde des Dorfes entschied sich in dieser Zeit nicht für eine typisch reformatorische, sondern für eine rein christliche Namensgebung. »Das«, so befand die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Ilse Junkermann, »ist ein wunderbarer Beitrag für die Ökumene, weil es das Verbindende und nicht das Trennende sucht.«

Maria, eine zentrale Gestalt der katholischen Kirche, finde auch bei den evangelischen Christen Verehrung, machte die Landesbischöfin in ihrer Predigt zur Namenswidmung deutlich. Luther habe die Mutter Christi hochgeschätzt. Doch in der Reformation verlor Maria an Aufmerksamkeit. Lediglich in der Weihnachtszeit spiele sie eine Rolle. Doch die Ebenheimer, so Ilse Junkermann, wollen »die ganze Maria und sie wollen sie übers Jahr und nicht nur eine kurze Spanne.«

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Verbunden mit der Namenswidmung war die Enthüllung des Marien­fensters, das Pater Meinrad aus der Abtei Münsterschwarzach im fränkischen Schwarzach am Main geschaffen hatte. Es zeigt Maria auf der Hochzeit zu Kana, die mit dem Zeigefinger auf ihren Sohn weist, der ebenfalls Gast der Gesellschaft ist. Ihr zu Füßen stehen jene Weinkrüge, deren Wasser Jesus zu Wein verwandelte. Pater Meinrad hat dafür und für den Hintergrund leuchtende Farben verwendet, die im Ostfenster im Sonnenaufgang besonders zu Geltung kommen. Die Figur Marias hingegen hielt er in Glasfarbe, durchscheinend und klar. »Es ist eine evangelische Maria«, bekannte der Pater aus Münsterschwarzach.

Pfarrer Christian Schaube erinnerte daran, dass Pater Meinrad beim ersten Kontakt mit ihm Meister Eckehart zitiert habe. Jedes Menschen Seele ist Maria, so soll der Mystiker gesagt haben. Für den Gemeindepfarrer ist klar, mit der Namensgebung geht eine intensive Beschäftigung mit der biblischen Gestalt der Maria einher. Sinnbildlich stehe dafür das Fenster, das den Kirchenraum prägt.

Die Landesbischöfin erklärte in ihrer Predigt, der Bezug zur Hochzeit von Kana im Marienfenster mache deutlich, dass Jesus nicht nur einfach Wasser in Wein wandelte, sondern in eben jenen Wein, der Durst nach Leben zu löschen vermag. Ebenso vermittle das Bild das grenzenlose Vertrauen, das die Mutter in den Sohn hat.

Warum die Kirche in Ebenheim so lange ohne Namen blieb, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Warum aber sich die Kirchengemeinde für Marienkirche entschied, ist nachvollziehbar. Auf den drei Bronzeglocken im Kirchturm wird die Mutter Jesu erwähnt. »Was also lag näher, als sich auch im Reformationsjahr für diesen Namen zu entscheiden«, bekannte Pfarrer Schaube. Das sah auch Superintendent Friedemann Witting so. Er hatte zur Namenswidmung nach Ebenheim die neue Altarbibel mit-
gebracht.

Mit der Marienkirche in Ebenheim gibt es im Landkreis Gotha nun vier Gotteshäuser, die den Namen der Mutter Jesu tragen, weitere stehen in Crawinkel, Ingersleben und Mechterstädt.

Klaus-Dieter Simmen

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