Wo Luther nicht war: Samswegen

24. Juli 2017 von redaktionguh  
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Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt wird zu Fuß erkundet

An Martin Luther kommt 2017 keiner vorbei. Selbst in den Regionen, die der Reformator nachweislich nicht besucht hat, wie dem heutigen Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt. Unter dem Motto »Wo Luther nicht war …« wird der Kirchenkreis seit Juni erwandert.

»Wir haben zwar keine Lutherstätten, aber doch immerhin Reformationsstätten«, sagt Superintendent Uwe Jauch augenzwinkernd, »deshalb musste Luther im Motto der Wanderungen auch vorkommen.« Ein augenzwinkernder Reformator ist deshalb auf dem extra für die Wanderungen gedruckten Andachtsheft abgebildet.

Zwischen der Landesgrenze zu Niedersachsen im Westen und der Elbe im Osten, Colbitz-Letzlinger Heide im Norden und der Autobahn 2 im Süden erstreckt sich der Kirchenkreis. Einmal im Monat lädt eine Kirchengemeinde ein, um ihren Gästen lokale Sehenswürdigkeiten zu zeigen, um bei einer Wanderung die Landschaft zu entdecken und um anschließend gemeinsam zu feiern und Gemeinschaft zu erleben.

Kirche in Colbitz: Wanderer und Radler erreichten am Nachmittag ihr Tagesziel. Foto: Thorsten Keßler

Kirche in Colbitz: Wanderer und Radler erreichten am Nachmittag ihr Tagesziel. Foto: Thorsten Keßler

Waren beim Auftakt entlang des alten Grenzweges in Beendorf schon rund 30 Gäste an die Westgrenze des Kirchenkreises gereist, so kamen am 15. Juli zur zweiten Etappe von Samswegen über Lindhorst nach Colbitz schon doppelt so viele an die Sankt-Sebastian-Kirche nach Samswegen.

Über so viel Zuspruch freut sich Gisela Neumann aus Lindhorst. Sie gehört zum siebenköpfigen Ausschuss »Kirchliches Leben«, der die Routen erarbeitet, Lieder und Gebete ausgesucht und daraus das Andachtsheft erstellt hat. »Die Wanderidee hat sich aus unseren Regionalgottesdiensten entwickelt, bei denen drei bis vier Orte gemeinsam feiern«, erzählt sie strahlend. »Mit den Wanderungen wollten wir den Gemeinschaftsgedanken auf den Kirchenkreis übertragen.«

Inzwischen verteilt Pfarrer Dieter Kerntopf aus Colbitz als Gastgeber der Tour die Andachtshefte unter den 60 Teilnehmenden. Weil Sankt Sebastian gerade renoviert wird, beginnt die Etappe vor der Kirche mit einem Lied, »Vertraut den neuen Wegen«. Dann machen sich die Wanderer, Fahrradfahrer und zwei Kremser auf den Weg.

Viele Wege führen durch den Lindhorst-Ramstedter Forst von Samswegen nach Colbitz. Wege, die für viele der Pilgernden auch wirklich neu sind, denn einige haben den Blick hinaus über den eigenen Kirchturm gewagt. Aus Groß Ammensleben, Beendorf, Flechtingen oder Wieglitz haben sich die Christen auch auf den Weg gemacht.

Die Idee, über die eigene Kirchengemeinde auf Kirchenkreisebene etwas zu initiieren, kommt gut an. »Die Gemeinschaft ist toll«, sagt Marita Pasemann aus Groß Ammensleben, und Hans-Helmut Huchel aus Wieglitz freut sich, »mit anderen ins Gespräch zu kommen und neue Leute und Regionen kennenzulernen«.

In Lindhorst, einen Kilometer vor Colbitz, begegnet einem dann übrigens doch noch Martin Luther. Direkt neben der Kirche wurde 1933 ein Lutherstein aufgestellt. Zum Gedenken an den 450. Geburtstag des Reformators. Auf unterschiedlichen Wegen und teils auf neuen Wegen landen Wanderer, Radfahrer und die beiden Kremser am Nachmittag an der Colbitzer Pauluskirche, wo Dieter Kerntopf persönlich am Grill steht und die Pilgernden versorgt.

Die Wanderungen durch den Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt sind bis in den Mai 2018 schon geplant. Danach gehe es weiter, freut sich Pfarrer Kerntopf. »Es gibt schon weitere Gemeinden, die die Wanderungen im nächsten Jahr fortsetzen wollen.« Eine Fortsetzung passt zu den vielen Feiern rund um das Reformationsjubiläum. Luthers Thesenanschlag war schließlich auch nur der Auftakt zu einer umfassenden Bewegung. Der nächste Weg, auf dem Luther nicht war, führt am 19. August aber erst einmal von Elbeu nach Wolmirstedt.

Thorsten Keßler

19. August, 15 Uhr, Kirche in Elbeu: Wanderung zur Katharinenkirche in Wolmirstedt

Pavillon auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen

19. Juli 2017 von redaktionguh  
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Landesgartenschau 2018: Unter dem Motto »Aus der Quelle erfrischt« feilen die Kirchen in und um Burg am Programm

Behütet durch Gottes Wort, und zwar im Wortsinn, können sich Besucher der Landesgartenschau 2018 (Laga) in Sachsen-Anhalt fühlen. So jedenfalls stellen sich die Planer den Beitrag der Kirchen zur Laga vor. »Unser Motto heißt ›Aus der Quelle erfrischt‹ und meint mit Quelle natürlich Gottes Wort. Wir wollen einen Pavillon bauen, dessen Dach an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. Es wird unterspannt mit einem Gewebe, auf dem Bibelverse stehen«, beschreibt Nicol Speer.

Nicol Speer organisiert die Aktivitäten der Kirchen auf der Landesgartenschau 2018 in Burg. – Foto: Renate Wähnelt

Nicol Speer organisiert die Aktivitäten der Kirchen auf der Landesgartenschau 2018 in Burg. – Foto: Renate Wähnelt

Die 41-Jährige hat bereits viel Erfahrung im Projektmanagement gesammelt und sucht immer wieder neue Aufgaben, bei denen sie Menschen kennenlernt. Jetzt hat sie ein Büro in der Superintendentur des Kirchenkreises Elbe-Fläming in Burg bezogen und kümmert sich um den Beitrag der Kirchen auf der Laga.

Die Gartenschau wird sich durch die Burger Altstadt ziehen. Bestandteil sind die Ihlegärten, ein Grünzug entlang des Flüsschens, für den keine Eintrittskarte nötig ist. Hier, auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen, wird der Kirchenpavillon stehen. Frei zugänglich. Nicol Speer freut sich über die Chance, Vorüberkommende so einfach ansprechen zu können.

Was genau in der Zeit vom 21. April bis 7. Oktober 2018 die Gäste hier erleben können, steht noch nicht fest. »Wir haben für jede Woche Verantwortliche definiert, die das Programm gestalten. Die Kolping-Familie ist mit der Planung schon fertig; die meisten sind noch längst nicht so weit«, erzählt die studierte Gymnasiallehrerin, der die Kommunikationsmöglichkeiten an einer Schule zu überschaubar waren.

So ist Nicol Speer fasziniert und begeistert, wie viele Menschen sie in Burg bereits um das Kirchen-Programm herum kennenlernte. Vor allem, weil sie hier eine große, bunte Ökumene erlebt. »Die Unterschiede werden als Bereicherung empfunden«, schwärmt sie. Und so sind sowohl die evangelischen Gemeinden als auch katholische dabei, der gastgebende Kirchenkreis und benachbarte aus der Altmark, katholisches Bistum, die Reformierte Gemeinde in Burg, die Neuapostolische und die Adventgemeinde. »Jeder trägt nach seinen Möglichkeiten etwas bei. Das ist ein ganz starkes Netzwerk«, freut sich Nicol Speer.

Fest steht bisher, dass es täglich um 12 Uhr eine Andacht gibt, sonntags einen Gottesdienst. Konzerte, Spielangebote für Kinder, Diskussionen – ein buntes Programm soll entstehen, das die Flaneure neugierig macht auf den Glauben. Was Nicol Speer und die Gemeinden vor Ort noch nicht wissen: Können sie die Kirchen in Burg offen halten? Die sind nur wenige Schritte von der Gartenschau entfernt. Es wäre schade, wenn Neugierige oder Stille Suchende vor verschlossener Tür stehen.

Renate Wähnelt

Direkter Draht zu Gott

10. Juli 2017 von redaktionguh  
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Kreiskirchentag: Luthers große reformatorische Erkenntnis ist ein Thema in Herzberg/Elster

Am Rande liegt der Kirchenkreis Bad Liebenwerda nur auf den ersten Blick. Sicher, die Region ist der östlichste Zipfel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Doch in Anbetracht des Lutherjahres liegt der Kirchenkreis fast mittendrin: »Historisch gehörten wir zum sächsischen Kurkreis mit Wittenberg als Zentrum«, verdeutlicht Superintendent Christof Enders. Luther selbst habe sich oft in der Gegend aufgehalten, so beim Streitgespräch mit dem päpstlichen Nuntius von Miltitz in Liebenwerda und auch mehrmals in Herzberg/Elster, wo auch Melanchthon wirkte. »Dass wir quasi zum Kernland der Reformation gehören, ist Auswärtigen oft mehr bewusst als den Einheimischen«, weiß der Superintendent. Mit dem Reformationsjubiläum scheint sich daran mittlerweile etwas zu ändern.

Glocken läuten am 16. Juli, 10 Uhr, in allen 87 Kirchen des Kirchenkreises Bad Liebenwerda, anschließend werden Andachten gehalten. Die Kerzen, die Superintendent Christof Enders präsentiert, sollen schon einen Tag vorher leuchten. – Foto: Karsten Bär

Glocken läuten am 16. Juli, 10 Uhr, in allen 87 Kirchen des Kirchenkreises Bad Liebenwerda, anschließend werden Andachten gehalten. Die Kerzen, die Superintendent Christof Enders präsentiert, sollen schon einen Tag vorher leuchten. – Foto: Karsten Bär

Ein Grund mehr, den Kreiskirchentag, zu dem der Kirchenkreis Bad Liebenwerda am 15. Juli nach Herzberg einlädt, auch thematisch ins Lutherjahr einzugliedern. »Der Kreiskirchentag ist der wichtigste Beitrag des Kirchenkreises zum Reformationsjubiläum in der Region«, so Enders. »Mein direkter Draht« heißt das Motto. »Dass Gott gnädig ist und jeder einzelne Mensch sozusagen einen ›direkten Draht‹ zu ihm hat, ist die große Erkenntnis, mit der Luther die Reformation in Gang setzte«, erklärt er. Das Motto wird seinen Ausdruck finden unter anderem im Gottesdienst mit Bischof a. D. Axel Noack (14 Uhr, Stadtkirche St. Marien) und in einem Vortrag des Wittenberger Luther-Experten Dr. Martin Treu (ab 15.30 Uhr, Gemeindehaus). Zudem wird Bernhard Naumann, der Wittenberger Luther-Darsteller, Reden und Aussprüche des Reformators vortragen (17 Uhr, Bühne). Natürlich gibt das Programm weit mehr her: Workshops, Konzert oder »Action« für Kinder und Jugendliche etwa.

Teil des Kreiskirchentags ist auch das Reformationsspiel der Stadt Herzberg. »Mein Licht. Der Aufbruch der Anna zu Herzberg« heißt das Stück, an dem sich die evangelische Gemeinde beteiligt, und es passe hervorragend zum Motto des Kirchentages, sagt Chris­tof Enders. Nicht zuletzt sorgt es für Berührungspunkte zwischen Kirche und dem säkularen Teil der Gesellschaft. »Dieses gemeinschaftliche Agieren im Lutherjahr ist bemerkenswert«, ist der Superintendent zufrieden. »Das Thema Reformation interessiert auch viele nichtreligiöse Menschen.«

In Bad Liebenwerda gibt es beispielsweise immer wieder gemeinsame Projekte von Gemeindekantorei und Grundschule. Zuletzt führten die Schüler der fünften und sechsten Klassen das Reformationsmusical »Mönsch Martin« in der Nikolaikirche auf.

Sorgt Zusammenarbeit wie diese auch dafür, dass wieder mehr Menschen den direkten Draht zu Gott finden? Zu hoffen wäre dies angesichts eines prognostizierten demografisch bedingten Rückgangs der Mitglieder im Kirchenkreis von derzeit 17 000 auf 13 000 im Jahr 2025. Das Bedürfnis nach Glauben und Religion meint Enders durchaus zu spüren. Nicht zuletzt spricht die seit Jahren steigende Resonanz für den – im Bundesland Brandenburg fakultativen – Religionsunterricht dafür. In 15 Grundschulen und Gymnasien unterrichte man derzeit rund 750 Schüler in 64 Lerngruppen. Etwa die Hälfte der Schüler sei kirchlich nicht gebunden, entscheide sich aber bewusst für den Religionsunterricht.

»Die großen Fragen der Menschen bleiben ja, da können wir als Kirche Antworten geben und einen Schatz in die säkularisierte Gesellschaft tragen«, meint Enders. Diesem bestehenden Bedürfnis könne man aus seiner Sicht offensiver entgegengehen. »Da sollten wir weitere Angebote schaffen.«

Karsten Bär

Programm des Kreiskirchentags unter www.kirchenkreis-badliebenwerda.de

Mariendistel und Judasbaum

2. Juli 2017 von redaktionguh  
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Ein märchenhafter Ort, der die Fantasie beflügelt, ist der Kirchgarten der Ehringsdorfer Marienkirche (Kirchenkreis Weimar). Dort gedeihen Pflanzen mit Kirchenbezug.

Es ist ein Refugium der besonderen Art, das die Kirchgartenmauer in Ehringsdorf schützend umgibt, verstecken aber will es sich auf gar keinen Fall. Das große Tor an der Straße lässt sich immer öffnen. Gleich am Eingang wird der Besucher vom »Roten Kardinal« begrüßt, die »Heilige Elisabeth« zeigt jetzt ihre ganze Schönheit, die Engelstrompete wartet noch auf ihren Einsatz und die Gottesaugen blicken freundlich drein. An die 50 Blumen und Gehölze mit Kirchenbezug wurden hier seit 2013 mit Sachkenntnis und Hintersinn zusammengetragen und wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Gärtnernde Theologin: Christine Lässig (links) fachsimpelt mit Regina Diez inmitten der Blütenpracht. – Foto: Thomas Schäfer

Gärtnernde Theologin: Christine Lässig (links) fachsimpelt mit Regina Diez inmitten der Blütenpracht. – Foto: Thomas Schäfer

Gepflegt hat die Gemeinde das Umfeld ihrer uralten Marienkirche immer, »aber die Zeit für eine Neubepflanzung war dann doch gekommen«, blickt Christine Lässig zurück. Im Ruhestand wohnt die ehemalige Chefredakteurin von »Glaube+Heimat« keine 100 Meter vom Kirchgarten entfernt. Wer ihr Buch »Dem großen Gärtner auf der Spur« kennt oder schon einmal im Weimarer Herdergarten lustwandelte, dessen Rekonstruktion sie einst mit Energie betrieb, weiß, dass bei ihr Gestaltungsfreude und Recherchelust reich blühen. Es sei nicht schwer gewesen, andere für das Vorhaben zu begeistern.

Sieben gartenkundige Frauen zwischen 40 und über 80 Jahren sind von Anfang an dabei, teilen sich nach einem festen Plan im 14-tägigen Rhythmus in die damit verbundene Arbeit und bringen ihre Ideen und Kompetenzen ein. Zu ihnen gehört Regina Diez. Die Kirchenälteste ist gekommen, um nach dem Kerzen-Kreuzkraut zu schauen, das sich nicht so prächtig wie im letzten Jahr entwickeln will. »Ich habe es mal gedüngt, vielleicht braucht es mehr Nährstoffe.« Sie freut sich sehr über das Erreichte und die gute Resonanz. Direkt gezählt würden die Besucher nicht, aber der Kasten mit den Faltblättern, in denen alle Pflanzen aufgelistet und teilweise mit ihrem Bezug zur Bibel erklärt werden, müsse oft nachgefüllt werden.

»Die ›Glora Dei‹ war die erste Rose, jetzt sind es vier. ›Martin Luther‹ steht pünktlich im Jubiläumsjahr in Knospe, und im Herbst bekommt er ›Katharina von Bora‹ wieder an seine Seite«, meint Christine Lässig schmunzelnd. Das Pfaffenhütchen gegenüber fühle sich derzeit nicht so wohl. Der Teufelsstrauch gleich daneben gedeiht gut und gehöre eben auch zur Kirche. »Wir haben ihn mit Christrosen unterpflanzt, um die Sache etwas zurechtzurücken«, so die gärtnernde Theologin. Links vom Eingang zur Marienkirche duftete auch in diesem Jahr die Pfingstnelke zuverlässig an den Feiertagen in Nasenhöhe der Besucher, und auf Augenhöhe gleich rechts verspricht die Hauswurz »Sempervivum« ewiges Leben.

Seit drei Jahren beteiligt sich die evangelische Kirchengemeinde Oberweimar/Ehringsdorf mit diesem kleinen, speziellen Kirchgarten an der Aktion »Open gardens«. Dann kommen einige Hundert Menschen, um über die Pflanzen mit Kirchenbezug zu staunen, Kirchenkekse und Kräuterlimonaden zu probieren oder sich über Kirchenkräuter und ihre Verwendung in Riechsträußchen zu informieren. Stündlich gibt es schöne Musik und jeweils eine kleine Ausstellung für diesen Tag in der Kirche. Im vergangenen Jahr waren es Werke von Elly-Viola Nahmmacher und in diesem Jahr Darstellungen der Kirchen Ehringsdorf und Oberweimar in Kopien oder Originalen. Die reichten von der Goethezeichnung über Werke von Karl Buchholz, Lyonel Feininger, Christian Rohlfs, Alexander Olbricht oder des Grafikers Alfred Pretzsch bis hin zum Laienkünstler und Schwiegervater Walter Diez.

Überhaupt: Bei allem botanischen Interesse ist es das Hauptanliegen der engagierten Damen, ihre Dorfkirche in den Blick und die Herzen der Bewohner zu pflanzen. Das scheint zu klappen, denn gern werden inzwischen Gäste in dieses Paradies vor der Haustür geführt und sind überrascht, genauso wie jener Besucher, der gerade durch die Pforte tritt. Begeistert liest er die Namen auf den Pflanzschildern und stellt mit schwäbischem Dialekt fest: »Wer das so liebevoll pflegt, muss es von Herzen tun.«

Uta Schäfer

Die Stadt wird zum Spielplatz

27. Juni 2017 von redaktionguh  
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Kinderkulturnacht in Eisenach ließ Kinder Luthers »liebe Stadt« entdecken

Wer kürzlich nichtsahnend durch Eisenachs Straßen lief, staunte nicht schlecht über den Anblick, der sich bot: Kinder allen Alters liefen mit Eltern oder Großeltern durch die Straßen, lachten und rannten mit anderen um die Wette oder widmeten sich konzentriert einem der über 50 Angebote, die bis in die Nacht auf sie warteten.

Zur diesjährigen Kinderkulturnacht gestaltete die Stadt bereits zum 13. Mal mit vielen Partnern ein aufwendiges Programm für ihre jüngsten Bewohner. In der Innenstadt boten verschiedene Geschäfte, Institutionen und Einrichtungen jede Menge zum Sehen, Hören und Ausprobieren an.

Straßenmusiker Tom erklärt dem Schaf Lotta die 95 Thesen. Humorvoll erzählen die Schauspieler Barbara und Christoph Gottwald vom Fuldaer Theater »Mittendrin« aus Luthers Leben. – Foto: Mirjam Petermann

Straßenmusiker Tom erklärt dem Schaf Lotta die 95 Thesen. Humorvoll erzählen die Schauspieler Barbara und Christoph Gottwald vom Fuldaer Theater »Mittendrin« aus Luthers Leben. – Foto: Mirjam Petermann

Genau 3,75 Sekunden brauchte beispielsweise Marcus, um den kleinen Zettel mit einer von Luthers 95 Thesen an einen Baumstamm zu schlagen. Damit war er einer der Schnellsten beim Thesen-Wettnageln des CVJM. Am Stand der Dualen Hochschule Eisenach-Gera gestaltete Sophie mithilfe eines Computerprogramms einen Einkaufschip. Ein 3D-Drucker brachte anschließend unter vielen neugierigen Blicken das kreierte Werk zum Vorschein.

Dass auf dem Einkaufschip auch die Lutherrose eingeprägt war, ist kein Zufall. Denn die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. »Mit Martin (Luther) seine liebe Stadt entdecken…« lautete das Motto. So gab es neben den obligatorischen Angeboten von beispielsweise Feuerwehr, Technisches Hilfswerk oder Polizei viele kindgerechte Aktionen rund um den Reformator.

Im Bachhaus fragte man, was wäre, »Wenn Martin Sebastian getroffen hätte …«, und ein weiteres Erlebnis der besonderen Art bot die Eisenacher Logopädische Praxis »Sprachecke«. Lucas Cranachs Gemälde von Luther und seiner Frau waren so präpariert, dass die Kinder ihren Kopf hindurchstecken und den beiden historischen Persönlichkeiten ihr Gesicht leihen konnten. Das davon entstandene Foto konnte anschließend in einen selbstbemalten Bilderahmen geklebt und mit nach Hause genommen werden. »Wir wollten dem Luther ein frisches Gesicht geben«, sagte Logopädin Sarah Thomas am Abend. Ihre Kollegin Katrin Kaschel ergänzte: »Und wir wollten eine Möglichkeit schaffen, durch die sich die Kinder mit Martin und Ka­tharina identifizieren können.« Der Plan ist sichtlich aufgegangen. Viele kleine und große Kinder nutzten die Gelegenheit einer fotografischen Erinnerung an diesen ereignisreichen Abend.

Mirjam Petermann

Aus besonderem Holz geschnitzt

19. Juni 2017 von redaktionguh  
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Lutherbuche: Steinbacher Kirchengemeinde ist stolz auf hölzerne Sitzgelegenheit

Dass die Steinbacher überzeugte Lutheraner waren, beweist die Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1533, der fast alle Häuser und die Kirche vernichtete, war es das Gotteshaus, das die Bewohner als erstes wieder errichteten und schon 1536 einweihen konnten. Michael Leyh wurde als Maler erkoren, der die außergewöhnliche Wand- und Deckenmalerei entwarf und die Engel mit frohen Gesichtern und den Leidensweg Christi anders darstellte als in den meisten Kirchen üblich.

Außergewöhnlich wie die Kirche, das sind auch die Steinbacher. Einer davon ist Franz Malsch, der als »Mann für alle Fälle« auch über den Ruhestand hinaus von Ideen und geschichtlichem Wissen nur so sprudelt. Er ist es auch, der allen Zweiflern entgegentritt, die über den tatsächlichen Ort der Gefangennahme Luthers immer wieder neue Thesen entwerfen.

Die Buche nämlich, an der Martin Luther im Auftrag von Friedrich des Weisen zum Schein gefangen und dem Schlosshauptmann der Wartburg übergeben wurde, stand genau dort, wo wir Thüringer sie immer vermuteten. An dem Ort, an dem 1983 eine Nachfolgerin gepflanzt wurde und gedeiht. Der für Luther verhängnisvolle Baum fiel am 18. Juli 1841 einem orkanartigen Sturm zum Opfer, der mit einer Sonnenfinsternis einherging. Aus dem Holz entstanden Gebrauchsgegenstände, und dank des damaligen Pfarrers Johannes Ortmann stehen heute noch unterhalb der Burg in Bad Liebenstein lauter kleine Lutherbuchen. Er hatte nämlich vorausschauend Samen gesammelt und daraus Setzlinge wachsen lassen, die er dort pflanzte.

Franz Malsch zeigt die Orginialbelege zum Verbleib des Holzes der Luther­buche, dahinter zu sehen die Stühle für die Konfirmanden, die aus der Lutherbuche gefertigt worden waren. Foto: Susanne Reinhardt

Franz Malsch zeigt die Orginialbelege zum Verbleib des Holzes der Luther­buche, dahinter zu sehen die Stühle für die Konfirmanden, die aus der Lutherbuche gefertigt worden waren. Foto: Susanne Reinhardt

Andreas Malsch, genannt »Spitzersch Ress«, ein Steinbacher Naturbursche und Schreiner, hatte die Buche bereits 1760 gekauft, um sie vor der Verarbeitung zu Brennholz zu retten. Seine Erben galten als Retter der Lutherbuche. Es war ein Fest, als sie das nun getrocknete Holz unter großen Brimborium nach Steinbach brachten, wo es im Sägewerk zu langen Bohlen verarbeitet wurde. Anschließend kamen diese zum Trocknen auf den Schulboden und ein Teil auf den Kirchboden. Fünf Klafter Holz und dreißig Wellen Reisig blieben von dem einst riesigen Baum übrig. Aus den Bohlen wurden 1842 von einheimischen Handwerkern für die damals sieben Konfirmanden Stühle gemacht, die bis heute in der Sakristei der Kirche stehen.

Den Nachweis für die Echtheit, dass die Stühle wirklich aus der Lutherbuche entstanden sind, findet man an den Unterseiten der Sitze. Dort erkennt man deutlich den entsprechenden Vermerk und das Steinbacher Kirchensiegel aus der Zeit von 1842. Die Konfirmanden fertigten Lutherbilder an, die an den Rücklehnen aufgedruckt und nach wie vor gut erhalten sind. Auch Becher, Butterformen, Leuchter, Schneiderellen, Nadelbüchsen und Salzstreuer wurden aus der Lutherbuche gefertigt. Der damalige Pfarrer Ortmann hatte alles bis aufs Kleinste schriftlich festgehalten. Franz Malsch ist es nun zu verdanken, dass diese Briefe, Rechnungen und Listen nicht in Vergessenheit geraten. Mit Unterstützung der 93-jährigen Lydia Herrmann aus Schweina wurden die in Sütterlin geschriebenen Aufzeichnungen säuberlich übersetzt und gemeinsam mit allen Dokumenten in einer kleinen Ausstellung zum Nachlesen und Anschauen untergebracht.

Susanne Reinhardt

Farbe, Duft und Licht

12. Juni 2017 von redaktionguh  
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Wie Blumen den Kirchenraum verändern, erfahren Ehrenamtliche in Merseburg

Kirchen riechen oft etwas muffig. Sie werden staunen, wie sich das verändert, wenn wir Blumen und Grün in das Gotteshaus bringen.« So begrüßt Floristin Bianca Uebe rund 20 ehrenamtliche Helferinnen aus dem Kirchenkreis Merseburg. Allesamt schmücken sie zum Teil bereits seit Jahrzehnten die Kirche in ihrem Heimatort.

Zum Beispiel die 61-jährige Ursula Knappe aus Steigra. »Ich habe einen eigenen großen Garten. Da wird jede Woche ein Strauß gepflückt, um ihn frisch auf den Altar zu stellen«, schildert sie. »Ich mache das gern. Die Kirche wirkt durch die Farbenpracht der Blumen freundlicher und feierlicher.« Eingeladen zur Floristikfortbildung hat der Kirchenkreis Merseburg. »Uns ist es wichtig, dass sich Ehrenamtliche in Fortbildungen austauschen können, Neues mit auf den Weg bekommen und voneinander lernen – und das bestenfalls an andere weitergeben. Gute Fortbildungen verstehe ich als eine Möglichkeit der Wertschätzung für die teilweise jahrelange treue ehrenamtliche Arbeit«, sagt Lydia Schubert, Kreisfachreferentin für die Arbeit mit Ehrenamtlichen. Bereits im Frühjahr widmeten sich die Hobbyfloristen dem Blumenschmuck, damals zum Thema Ostern und Taufe. Diesmal lautet das Thema »Sommer und Hochzeit«.

»Wir schmücken die Kirche für das Ja, das die Menschen zueinander sagen. Und wir schmücken die Kirche für das Ja, das Gott zu uns Menschen sagt«, beginnt Schubert die Floristik-Fortbildung mit einer Andacht. »Die Gemeinschaft mit Gott feiern wir jeden Sonntag. Und zu solch einem Fest gehören Blumen.«

Nach der Andacht schickt Bianca Uebe, die einen Blumenladen in Merseburg betreibt, die Helfer zunächst ins Grüne, um ausreichend Blattwerk heranzuschaffen. Für Blumen hatte die 40-Jährige selbst gesorgt. Ihre Liebe zur Kirche und zur Natur ist der werdenden Mutter anzumerken. Sie lacht. »Ja, ich bin selbst sehr gläubig. Ich genieße die Stille in der Kirche. Und wenn dann durch Blumen etwas Farbe, Duft und Licht hinzukommen, geht es mir gut.« Mit dem Altarschmuck, so findet sie, gebe man der Gemeinde einen Gruß und Dank zurück. »Leider werden es immer weniger, die unsere Kirchen ehrenamtlich schmücken. Und die, die es machen, werden immer älter.«

Mit vollen Körben kommen die Frauen in die kleine Altenburger Kirche St. Viti in Merseburg zurück. Nun werden die Ranken von Wein, Efeu und Clematis sowie die unterschiedlichen Blätter und Gräser sortiert. Dann geht es ans Werk, soll doch Altarschmuck, ein Bodengesteck und eine Ranke um das Eingangsportal entstehen. Es gilt, das Gestühl für das Brautpaar, die Kirchenbänke und die Festtafel zu dekorieren.

Da wird gewunden, geflochten, gesteckt – und auch gestöhnt. Denn das Schmücken mit Geschmack ist kein leichtes Ding. Wie windet man den Buchs um die gepolsterten Stühle und warum fliegt der Bankschmuck immer wieder nach unten? Schließlich dürfen die kleinen Hochzeitskränze nicht mit Reißzwecken ans Holz gepinnt werden. Bianca Uebe hilft ganz ohne Pinnnadeln und verrät so manchen Kniff, wie Zweige, Blüten und Blätter am rechten Fleck bleiben und noch imposanter wirken.

Nach drei Stunden angestrengter Arbeit in fröhlicher Frauenrunde ist es geschafft. Das Gotteshaus strahlt in sommerlicher Frische. Die Tür kann aufgehen für das Hochzeitspaar. Mit wenigen Mitteln, wie dem Grün aus der Natur, etwas Bindeband und Draht, ist ein imposanter Schmuck entstanden. Zeit, um an der festlich geschmückten Tafel Platz zu nehmen und gemeinsam zu speisen.

Im November lädt der Kirchenkreis wieder zur Fortbildung ein. Dann geht es winterlich zu. Das Thema heißt Advent und Weihnachten. Leuchtet die St. Viti jetzt im Frühsommer hellgrün und weiß, wird sie dann in Burgund und Dunkelgrün erstrahlen.

Petra Wozny

Beten mit Hashtag

5. Juni 2017 von redaktionguh  
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Twittergottesdienst: »Bitte das Handy nicht ausschalten!«

In diesem Gottesdienst heißt es: »Bitte lassen Sie ihr Handy an!« Wer dann auf sein Smartphone blickt, tippt und schnell mal etwas twittert, ist nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens in der Magdeburger Wallonerkirche – und das ist ausdrücklich erwünscht. Anlässlich des Kirchentages auf dem Weg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« gibt sich die Kirche modern und will mit neuen Formaten andere Zielgruppen erreichen.

Erstmals wird dort am Freitagabend ein Twittergottesdienst gefeiert. Unter dem Hashtag #twigo kann sich die Gemeinde über Twitter, aber auch über andere Social-Media-Kanäle, sofort einbringen. Zahlreiche Neugierige sind gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Ralf Peter Reimann, Pfarrer und Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat bereits Erfahrung mit Twittergottesdiensten: »Es ist ein Mitmach-Gottesdienst, bei dem die Gemeinde aktiv dabeisein kann.« Er gestaltet den Gottesdienst in der Wallonerkirche gemeinsam mit Pfarrer Christoph Breit von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Bereich Social Media und Networkmanagement. Breit sagt: »Das Setting bleibt klassisch: Es gibt zwei Pfarrer und es gibt die Gemeinde.« Nur sei man mit allen Inhalten eben noch bei Twitter vertreten. Dazu ist allerdings auch einige Technik und Hilfe nötig und natürlich Internet.

Wer in diesem Gottesdienst Technik benutzte, war nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens beim Twittergottesdienst in der Wallonerkirche in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/epd

Wer in diesem Gottesdienst Technik benutzte, war nicht etwa abwesend und unhöflich, sondern Teil des Geschehens beim Twittergottesdienst in der Wallonerkirche in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/epd

Eine große Leinwand ist aufgebaut, auf der das Ganze verfolgt werden kann. Zu Beginn twittern die Teilnehmer, woher sie kommen: Schönebeck, Magdeburg, Erfurt, Hamburg, Frankfurt am Main oder »aus der schönen Rhön«. Der Gottesdienst wird auch auf Bibel TV übertragen. Auf der »Social Media Wall« in der Wallonerkirche laufen die Tweets für alle Gottesdienstbesucher sichtbar ein, springen aber auch etwas unruhig von einer Leinwand-Ecke in die nächste. Man braucht schon Konzentration, um gleichzeitig den Gottesdienst zu verfolgen, die Tweets zu lesen und selbst mitzumischen.

»Das, was diese Form des Gottesdienstes stark macht, ist die Beteiligung«, sagt Reimann. So können Fürbitten getwittert werden. »Wir sollten diese Chance nutzen, die die Digitalisierung uns ermöglicht.«

Dabei können sich nicht nur Menschen über Twitter beteiligen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Kirche kommen könnten, so Reimann. Sondern es sei auch ein Angebot für Menschen, denen die Kirche fremd sei und natürlich für die jüngeren Generationen. Hier werde ein »niedrigschwelliger Zugang« geboten. Zudem sei die Kommunikation direkter. Normalerweise störten Rückfragen bei der Predigt, seien nicht vorgesehen. Per Twitter seien diese möglich. »Ein Twittergottesdienst wird den Gemeindegottesdienst nicht ersetzen, aber er kann Kirche für andere Zielgruppen erlebbar machen.«

Es gibt aber auch Menschen wie die ältere Frau, die in die Wallonerkirche kommt und sagt: »Ich weiß eigentlich gar nicht, was Twitter ist.« Für sie und andere Besucher werden Karteikarten verteilt, auf denen sie etwas aufschreiben können. Die jungen Helfer, die am Rande mit ihren Laptops sitzen, basteln daraus Tweets. So werden Glaubensbekenntnisse getwittert, gute Geschichten und eben Fürbitten: »Es ist ein großes Glück, glauben zu dürfen.« – »Ich glaube an die Sonne.« – »Jesus lebt. Er zeigt uns den way.« – »Gott ist immer da.« – »Segne alle, die unterwegs sind zu dir.« Und manchmal geht es auch nur um den Akkustand des eigenen Handys.

Romy Richter (epd)

Gute Nachrichten und ein Halleluja

24. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Programmhöhepunkte in Erfurt, Jena/Weimar, Magdeburg und Halle-Eisleben


Kirche-vO-ErfurtErfurt (G+H) – Ein buntes Glaubensfest inmitten der historischen Altstadt:

  • Eingeläutet werden die Veranstaltungen am Christi Himmelfahrtstag mit der Gloriosa. Sie ruft zum Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf den Domplatz
  • Konzert: »Nerly BigBand goes Gospel«, 25. Mai, 20 Uhr, Domplatz
  • Den Guss einer Glocke kann man am 25. Mai erleben, ab 14 Uhr Präparieren der Gussform, ab 17 Uhr Schmelzen der Glockenbronze. Guss: 21.30 Uhr bis 22 Uhr, Domplatz
  • »Geblitzt! Mit Luther von Stotternheim nach Erfurt«. Laufend, pilgernd oder radelnd von Stotternheim zum Augustinerkloster. 26. Mai, 11.30 Uhr, Stotternheim
  • Zum internationalen Festmahl »Erfurt tafelt« sind die Besucher am 26. Mai eingeladen: 16.30 Uhr, Domplatz

Kirche-vO-Jena-WeimarJena/Weimar (G+H) – Die Gretchenfrage wird in Jena und Weimar bewegt.

  • Am 25. Mai findet in Weimar ab 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Markt statt. Anschließend gibt es ein Fest in der Innenstadt.
  • Zum Fulldome Gottesdienst im Planetarium Jena sind Besucher am 26. Mai ab 22 Uhr eingeladen.
  • Am 26. Mai findet um 18 Uhr ein Abendgottesdienst in der Jenaer Stadtkirche St. Michael mit Texten und Liedern des 2015 verstorbenen Jenaer Theologen und Dichters Klaus-Peter Hertzsch statt.
  • Zum Thementag »Scham, Gewalt, Liebe« am 26. Mai sind in der Weimarhalle in Weimar verschiedene Veranstaltungen von 11 Uhr bis 22.30 Uhr vorgesehen.
  • Unter dem Motto »Grenzenlos frei« steht das Konzert am 27. Mai um 19 Uhr auf dem Markt in Jena.

Kirche-vO-MagdeburgMagdeburg (G+H) – Wer sich zum Besuch des Kirchentages auf dem Weg in Magdeburg unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« entschließt, kann aus rund 400 Angeboten wählen. Bei vielen spielen die Themen Elbe, Frieden sowie Medien einst und heute eine große Rolle.

  • So wird am 26. Mai (18.30 Uhr) in die Wallo­nerkirche zu einem Twittergottesdienst eingeladen, an dem auch Landesbischöfin Ilse Junkermann teilnimmt.
  • Am Freitagabend ist das Elbufer am Petriförder der Treffpunkt. Um 20 Uhr starten die rudernden und paddelnden Flussfahrerinnen und Flussfahrer ihre Prozession. Um 21 Uhr beginnt am Petriförder die Welturaufführung des Stückes »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Licht- und Soundeffekten, Chören und die Schiffsprozession auf der Elbe. Rund 200 Mitwirkende erzählen die Geschichte Magdeburgs als ein Zentrum der Reformation.
  • »Treffpunkt Hafen« heißt es am 27. Juni von 10 bis 22 Uhr am Wissenschaftshafen mit zahlreichen Angeboten zum Zuhören, Zusehen und Mitmachen. Im Podium »Fluss und Mensch« (14 Uhr) geht es um die Nutzung der Elbe als Transportweg, in einer Lesung um »Die Elbe – Europas Geschichte im Fluss« (17.30 Uhr). Auch das Musikprogramm ist passend zum Ort gewählt.
  • Einer der Höhepunkte im Zentrum Kinder, Familie, Jugend und Sport im Rotehornpark ist am Sonnabend das Konzert »HalloGrüßGottGutenTag« des Liedermachers Gerhard Schöne (11 Uhr). Im Park und in der Stadthalle gibt es am Freitag und Sonnabend knapp 130 Angebote.
  • Als Einziger hat der Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg am 27. Mai ab 11 Uhr einen Thementag »Männer« mit zahlreichen Workshops im Programm. Treffpunkte sind die katholische Petrikirche und das Petri-Gemeindehaus daneben. Mit dazu gehört ein außergewöhnliches Konzert von Lutz Krajenski und den Hannover Harmonists (14.30 Uhr).

Kirche-vO-HalleHalle/Eisleben (G+H) – Zum Kirchentag auf dem Weg tun sich Halle und Eisleben unter dem Motto »Zwei Städte für ein Halleluja« zusammen. Hier steht die Musik im Mittelpunkt, und zwar in all ihren Ausprägungen. Die Top 5 der Veranstaltungen und ein Extra-Tipp:

  • Eröffnungsgottesdienst mit Nicklas Baines, Bischof von Leeds, Stadtsingechor sowie Bigband und Jugendchor der Paulusgemeinde am 25. Mai, 18.30 Uhr, auf dem Marktplatz Halle
  • Sola scriptura et musica: Johannesevangelium trifft auf Klavierimpro am 27. Mai, 10 Uhr, in der Petri-Pauli-Kirche in Lutherstadt Eisleben
  • Gospelworkshop und Abschlusskonzert: Chris Lass mit Band und Laiensänger proben für und feiern ein gemeinsames Open-Air-Konzert, 27. Mai, 10.30 Uhr in der Georgenkirche Halle (Workshop) und 20 Uhr Marktplatz (Konzert)
  • »Luthers Kampf gegen die Juden«, Vortrag mit Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, 27. Mai, 16 Uhr, in St. Andreas zu Eisleben
  • »luthERleuchtet«, audiovisuelle Performance von und mit Lichtkünstler Ingo Bracke, 27. Mai, 22 Uhr, Marktkirche Halle

Teil des Kirchentags auf dem Weg ist zudem die Kirchennacht am 26. Mai. Auf einer Gesamtstrecke von 50 Kilometern schlängeln sich 81 Gottes- und Gemeindehäuser den Lutherweg entlang. Am nördlichen Rand der Weinregion Saale-Unstrut verbindet das »Band der offenen Kirchen« Eisleben mit Halle und in Nord-Süd-Richtung den Petersberg mit Merseburg. Bei der flächenmäßig größten zusammenhängenden Kirchennacht Deutschlands werden bis zu 10 000 Besucher erwartet. Beginn ist in Halle um 19 Uhr. Außerhalb der Saalestadt öffnen bereits um 18 Uhr die Türen der Gotteshäuser. Auf dem Programm stehen 57 Konzerte, Führungen, Ausstellungen, Lichtinstallationen, Vorträge oder Lesungen. Erstmalig wird eine Fahrradrundfahrt angeboten. Um 18 Uhr startet auf dem Eislebener Marktplatz eine 30 Kilometer lange Tour zu den Kirchen rund um den Süßen See.

Vertrautheit trotz Barrieren

21. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Am Tansaniasonntag, 21. Mai, ist die Kollekte für die Republik in Ostafrika bestimmt. In Mühlhausen pflegt man seit Langem gute Kontakte dorthin.

Die deutschen Jugendlichen sind konzentriert bei der Sache. Schnellstmöglich wollen sie den Tanz lernen, den ihre Gäste aus ihrem Heimatland mitgebracht haben. »Zeigt uns die Schritte«, bitten sie auf Englisch. »Schritte? Welche Schritte? Wir zählen nicht, wir tanzen«, kommt es von den Tansaniern zurück. Und, auch wenn es die Deutschen nicht für möglich gehalten hätten, so ohne »Gebrauchsanweisung«, kurz darauf tanzen alle unbeschwert und harmonisch miteinander. Es sollen noch viele derartige Momente folgen in den 15 gemeinsamen Tagen, Augenblicke, in denen sich Hemmungen, Barrieren in Sprache und Kultur, in Luft auflösen. Der Besuch von sieben jungen Menschen und ihrem Jugendpfarrer aus Tandala in Tansania ist das Ergebnis eines lang geplanten Austausches mit dem Kirchenkreis Mühlhausen.

Die Anfänge liegen 30 Jahre zurück, als der heutige Referent für Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, Micha Hofmann, bei der Diakonen-Ausbildung in der Evangelischen Stiftung Neinstedt zwei Tansanier kennenlernte. »Wir besuchen euch mal«, sagte man sich zum Abschied, wohl wissend, dass die politischen Umstände dies damals unmöglich machten. 1991 folgte der erste Besuch in dem ostafrikanischen Land. Der Kontakt blieb über die Jahre bestehen – und der gemeinsame Traum, einen Jugendbegegnungsaustausch ins Leben zu rufen.

2016 ein erneuter Besuch in Tansania, am Palmsonntag dieses Jahres schließlich landeten sieben Tansanier im Alter von 18 bis 25 Jahren und ihr Betreuer, um die folgenden gut zwei Wochen mit sieben gleichaltrigen Deutschen in Mitteldeutschland zu verbringen.

Miteinander essen, reden und beten: Die gemeinsame Zeit beim Jugendbegegnungsaustausch machte schnell aus Fremden Freunde. Foto: Micha Hofmann

Miteinander essen, reden und beten: Die gemeinsame Zeit beim Jugendbegegnungsaustausch machte schnell aus Fremden Freunde. Foto: Micha Hofmann

»Es war für uns alle überwältigend, wie schnell die anfängliche Scheu und Unsicherheit verflogen waren, wir locker und offen miteinander umgingen. Schon als wir uns am ersten Abend zum Feedback um den Altar versammelten, fühlte es sich so an, als ob wir schon eine Woche zusammen wären«, erzählt Teilnehmer Benedikt Nitsch. Und das, obwohl neben der Sprachbarriere – die Verständigung lief auf Englisch, mit Gesten, Händen und Füßen – kulturelle Unterschiede offenkundig wurden.

Da war zum Beispiel die Geschichte eines Tansaniers, Anfang 20, der Labortechniker werden will, auch das Zeug dazu hat, in seiner Heimat aber als Eierverkäufer arbeitet, um seiner jüngeren Schwester die Schulausbildung mit zu finanzieren. Oder die einer jungen Näherin, zweifache Mutter, die das Schicksal vieler junger Tansanierinnen teilt, vom Mann verlassen im gesellschaftlichen Ansehen weit unten zu stehen. »Es sind nicht nur Annehmlichkeiten wie fließendes warmes Wasser, die nach solchen Begegnungen das eigene Leben in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen«, sagt Teilnehmerin Elisabeth Dauphin. Und auch zum Nachdenken über die Art, den christlichen Glauben zu leben, regten die Begegnungen an.

Vieles wurde angestoßen, in den Teilnehmern beider Seiten bewegt. »Nun besteht die Herausforderung, dass es im Alltag nicht gleich wieder flöten geht. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir den Kontakt weiter pflegen«, sagt Benedikt Nitsch.

Nachhaltig soll der Austausch sein: Ein Gegenbesuch ist bereits geplant und zwei der deutschen Teilnehmerinnen werden sich sogar für ein freiwilliges soziales Jahr in Tansania beim Leipziger Missionswerk bewerben.

Anke Pfannstiel

www.lmw-mission.de

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