Im Zeichen der Taube

18. Juni 2018 von redaktionguh  
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10. Altmark-Kirchentag: Diskussionen um Frieden in Bismarcks Geburtsort

Blaue Plakate gaben von allen Seiten die Richtung vor: Auf ihnen eine weiße Taube mit wachem Blick, Kreuz um den Hals, vollgepacktem Rucksack und Wanderschuhen an den Füßen, mit denen sie wacker ausschreitet. Unter dem doppeldeutig gewählten Motto »Frieden geht.« ging am 9. und 10. Juni in Schönhausen im Kirchenkreis Stendal der zehnte ökumenische Altmark-Kirchentag über die sprichwörtliche wie die ganz reale Bühne. Diese war neben der 800-jährigen Kirche St. Willebrord aufgebaut und ein Treffpunkt der großen Festgemeinde – ganz gleich, ob am Sonnabend beim Kindermusical »Lydia, die Purpurhändlerin« und am Abend beim Konzert von Sarah Kaiser und Band oder am Sonntag zum Eröffnungs- und zum Abschlussgottesdienst.

Bühne frei: Gottesdienste, wie hier der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagmorgen, und Konzerte zogen viele Besucher an. So mancher suchte Schutz unter den Schatten spendenden Eichen. – Foto: Angela Stoye

Bühne frei: Gottesdienste, wie hier der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagmorgen, und Konzerte zogen viele Besucher an. So mancher suchte Schutz unter den Schatten spendenden Eichen. – Foto: Angela Stoye

Am Geburts- und Taufort des späteren deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815–1898), sechs Jahrzehnte nach der Zerstörung des Bismarckschen Familienschlosses in Schönhausen und auf den Tag genau fünf Jahre nach der Elbe-Flut 2013, als im benachbarten Fischbeck der Deich brach und das Umland überschwemmte, ging es beim Kirchentag um den Frieden. Ob »Frieden geht.« im Sinne von: Er ist möglich. Oder ob »Frieden geht.« im Sinne von: Er ist bedroht und könnte fortgehen.

Im Eröffnungsgottesdienst betont Heinrich Bedford-Strohm, bayrischer Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender, dass das Motto nicht naiv sei: »Denn Gott hat eine Saat gesät, die auch die härtesten Kampfstiefel nicht mehr austreten können!« Viele Menschen hätten aus diesem Geist heraus die Welt verändert. Und Jesus selber habe das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (Markus 4) erzählt, das gerade dann zähle, wenn Menschen nicht mehr tun könnten.

Unter dem Donnerschlag eines aufziehenden Gewitters startete Punkt 13 Uhr eine Podiumsdiskussion zu Friedens- und Europafragen. Darin verwies Andrea Hopp, Leiterin der Otto-von Bismarck-Stiftung Schönhausen, auf die Rolle des Reichskanzlers in der europäischen Politik. Bismarck könne nur in einer kombinierten Betrachtung von Person und Zeit verstanden werden. Kultische Überhöhung wie früher dürfe es nicht geben. Hopp verwies auf das preisgekrönte Projekt »Kunst für Demokratie« in Schönhausen, das sich in diesem Jahr Jahrestagen widme, beginnend mit 1618. Der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz sagte mit Blick auf die schwierige Verfassung Europas – Brexit und erstarkender Nationalismus –, dass die kirchlichen Stimmen in Europa für den Frieden viel zu leise seien. Dies bedauerte auch Pfarrerin Eva Hadem, Leiterin des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums. In der EKM gebe es Überlegungen, wie man zu einer Kirche des gerechten Friedens werden könne. Jedoch könne jeder in persönlichen Begegnungen etwas an der Basis verändern. Reverend Bruce Reinstra aus der Diözese Worcester sagte: »Wir haben ein Recht auf Frieden, andere haben es auch. Wir in Europa denken, dass den Fremden unter uns nicht zu vertrauen ist. Das ist schade. Denn Jesus hat vertraut und wir sollten es auch tun.«

In der Predigt im Schlussgottesdienst ging der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige der Frage nach, wie Frieden zu erreichen sei: Jeder könne im Alltag lernen, mit den Augen des anderen zu sehen. Und mit anderen in offenen Dialog treten und damit zu rechnen, nicht recht zu behalten. Das Bemühen um Frieden bedeute jedoch nicht, um des lieben Friedens willen zu kuschen. »Versöhnung muss immer wieder erkämpft werden.« Christen könnten im Vertrauen leben, »das der göttliche Frieden unter uns begonnen hat«.

Das Schlusswort hatte der Superintendent des Kirchenkreises Stendal, Michael Kleemann. Er dankte allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und besonders der Neuapostolischen Kirche, die zum ersten Mal bei einem Altmarkkirchentag dabei war. Sodann verkündete er den Austragungsort des 11. Altmärkischen Kirchentages am 14. Juni 2020: Es ist Kalbe an der Milde im Kirchenkreis Salzwedel.

Angela Stoye/Renate Wähnelt

Mit dem Klangfrosch zur Arche

11. Juni 2018 von redaktionguh  
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Ein Kinderspiel: Mit Musik, Geschichten und Bewegung für den Glauben begeistern – in der »Klangwerkstatt« gelingt das. Das Projekt im Kirchenkreis Eisenberg wurde von der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland ausgezeichnet.

Großer Trubel im Schlöbener Pfarrhaus. Wie an jedem Mittwochnachmittag kommen Mütter und Väter mit ihren Kindern zur »Klangwerkstatt« von Gemeindepädagogin Almut Elsässer. Während sich die Eltern zum Kaffee zurückziehen, treten die Drei- bis Sechsjährigen durch einen bunten Reifen singend in den Raum: »He, schön, dass du da bist.« Sie nehmen im Kreis Platz, dürfen dann die Seidentücher lüften, die in der Mitte liegen. Die Instrumente, die zum Vorschein kommen, sind schnell verteilt: Trommeln, Schellen, eine Kuhglocke, Triangel und Klangfrosch erklingen sogleich. Dann tritt der »schöne Hans« auf, eine Marionette. Aus der Tasche holt er eine Figur, die alle Kinder sofort als Noah erkennen. Mit Trommelschlägen beginnt der Bau der Arche, an dem sich alle beteiligen. Der Rhythmus verändert sich. Immer schneller werden die Bretter zusammengefügt, bis die Tiere paarweise an Bord gehen können.

Abmarsch zur Arche: Die Kinder »singen« die Tiere zu ihrem selbstgebauten Boot. Almut Elsässer begleitet den musikalischen Zug mit der Gitarre. – Foto: Doris Weilandt

Abmarsch zur Arche: Die Kinder »singen« die Tiere zu ihrem selbstgebauten Boot. Almut Elsässer begleitet den musikalischen Zug mit der Gitarre. – Foto: Doris Weilandt

»Ich wollte ein Projekt machen, das alle erreicht, unabhängig von der reli­giösen Prägung«, erzählt Almut Elsässer. »So wachsen die Kinder langsam in die Kinderkirche hinein.« Zumeist werden biblische Geschichten durch Lieder, instrumentale Begleitung und Tänze erzählt. Die Kinder beteiligen sich aktiv an jeder Szene, erfassen spielend den Inhalt und sind auch Teil des Geschehens. Das macht die »Klangwerkstatt« so attraktiv. Obwohl die Gruppen groß sind, gelingt es Almut Elsässer, die Aufmerksamkeit zu erhalten. Selbst die Kleinsten sind konzentriert dabei, den Dauerregen in der Noah-Geschichte auf dem Tamburin von einem Nieseln zur Sintflut zu steigern.

Musik und Bewegung sprechen die Kinder an, egal, ob sie eine ausgesprochene Begabung haben oder nicht. Jeder fühlt sich als Teil der Gemeinschaft, die Almut Elsässer mit dieser Form von »Elementarer Musikpädagogik« herstellt. Durch dieses Angebot wächst in Schlöben und den umliegenden Dörfern eine Gemeinschaft zusammen, die über das Kinderprojekt zueinander gefunden hat. Höhepunkt ist das Kinderwochenende im August mit Übernachtung im Zeltlager.

Für die »Klangwerkstatt für Kinder« erhielt die Gemeindepädagogin den zweiten Preis für innovative Gemeindearbeit von Kirchen und Religionsgemeinschaften, den die Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland vergibt.

Aus dem Kirchenkreis Jena und den Kirchengemeinden im Saale-Holzland-Kreis wurden 14 Projekte eingereicht. Der erste Preis ging an das Projekt »Heimatspuren. (Spät)Aussiedler in Jena« des Kirchgemeindeverbandes Jena-Lobeda. Über 50 Spätaussiedler waren eingeladen, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Abschließend wurden in einer Ausstellung Gegenstände aus der Heimat präsentiert und Zeitzeugenberichte verlesen. Den dritten Preis teilen sich die Projekte »Kofferraumkirche« des Kirchgemeindeverbandes Magdala und »Besondere Gelegenheiten« der Kirchgemeinde Beutnitz-Golmsdorf.

Doris Weilandt

Sparkassenstiftungspreis für innovative Gemeindearbeit
2017 hat die Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland bereits zum elften Mal den Stiftungspreis für innovative Gemeindearbeit von Kirchen und Religionsgemeinschaften ausgeschrieben. Der jährliche Wettbewerb steht unter dem Motto »Gemeinschaft fördern – Andere einladen«.Gesucht werden Konzepte, die zur Stärkung des Gemeindezusammenhaltes beitragen und auch glaubensferne Menschen einbeziehen. Die Wettbewerbssieger werden mit einem Preisgeld gewürdigt.

www.s-jena.de/stiftung

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»Nicht meckern, mitmachen!«

4. Juni 2018 von redaktionguh  
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Halle-Wittenberg: Gemeinden im Gespräch mit Bischöfin

Mehr als ein Dutzend Orte im Propstsprengel Halle-Wittenberg hat Landesbischöfin Ilse Junkermann nach Pfingsten besucht. In der Fachwerkkirche von Altherzberg im Kirchenkreis Bad Liebenwerda startete die sechstägige Tour durch sieben Kirchenkreise. In ihrer Predigt zum Pfingstmontag forderte die Landesbischöfin jeden auf, nach seiner persönlichen Gabe zu forschen.

In Bad Liebenwerda informierten die Haupt- und Ehrenamtlichen über die offene Kirche. Seit einem Jahr ist St. Nikolai verlässlich geöffnet. Dirk Gebhardt, Erwin Rohleder, Pfarrer Torben Linke und weitere Gemeindeglieder berichteten von den wenigen, notwendigen Umbaumaßnahmen. Im Vordergrund standen vor allem die positiven Erfahrungen.

Den Abschluss bildete ein Gespräch mit Gemeindekirchenräten und Mitarbeitern in der »Arche« in Lauchhammer. Eindrucksvoll berichteten die Versammelten von ihrem Engagement in Kita, Hort und Schulsozialarbeit, dem Projekt »Jugend forscht«, der »Mädchenbude« und dem Engagement für die Orgel der Schlosskirche von Lauchhammer-West.

Ebenfalls eine »Arche« steht in Eilenburg im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch. Junkermann war beeindruckt ob des lebendigen Treibens im einstigen Treff, der zum Mehrgenerationenhaus gewachsen ist und allen Menschen offen steht – unabhängig von Alter, Herkunft oder Glauben. Das Haus wird vom Bund gefördert und neben Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Diakonie von der Stadt unterstützt. Junkermann hörte im Gespräch mit Arche-Leiterin Yvonne Pötzsch, Super­intendent Mathias Imbusch, Fördervereinsmitgliedern, Kirchenältesten und Diakonie-Mitarbeiterin viel über die Kinder- und Jugendarbeit, erfuhr aber auch, dass es die klassische Christenlehre nicht gibt. Die »Arche« könne dabei vieles bewirken, ersetzen aber nicht.

Die Landesbischöfin im Gespräch mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Kirchenkreis Bad Liebenwerda, Pfarrer Torben Linke (2. v. li.), Pfarrer Michael Seiffert (4. v. li.). Foto: Karsten Bär

Die Landesbischöfin im Gespräch mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Kirchenkreis Bad Liebenwerda, Pfarrer Torben Linke (2. v. li.), Pfarrer Michael Seiffert (4. v. li.). Foto: Karsten Bär

Auch die Vakanz der Pfarrstelle beklagen die Eilenburger. Superintendent Imbusch erzählte von der Idee, dass ein Pfarrer Eilenburg und Bad Düben betreut. Eilenburg stehe dem offener gegenüber als Bad Düben. Doch vorerst wird die Pfarrstelle Authausen um Düben erweitert und Eilenburg wird von der Sprottaer Pfarrerin mitbetreut. Das Hin und Her geht an der Gemeinde nicht spurlos vorüber. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht darauf angesprochen werde, sagt Kirchenälteste Martina Colditz. Sie versuche, die Menschen mitzunehmen: »Nicht nur meckern, mitmachen.« Kirchenältester Torsten Pötzsch ergänzt: »Ehrenamtler brauchen Rückkopplung. Uns fehlt das Feedback, wo man sich abstimmen kann, was müssen wir in welchem Bereich machen. Die Vakanzregelung ist für viele zu abstrakt.« Die kontinuierliche Arbeit fehle.

Auch in Bad Düben traf die Landesbischöfin auf eine Gemeinde mit Zukunftssorgen. In der Evangelischen Grundschule bekam sie einen Eindruck, wie Kirche neue Wege geht, aber auch an Grenzen stößt. Denn vieles steht und fällt mit dem Personal. »Sie sehen hier viele engagierte Christen, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, dass Kirche schrumpft«, sagte Wolfgang Rieger, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. Deshalb habe man nach anderen Möglichkeiten gesucht und den Förderverein der Gemeinde gegründet. Mit Spenden wolle man versuchen, die verbliebene halbe Pfarrstelle aufzustocken. Junkermann sympathisierte zwar mit der Idee, eine erhoffte Anschubfinanzierung wird es aus Magdeburg indes nicht geben. Stattdessen will die Bischöfin prüfen lassen, ob Bad Düben als Erprobungsraum in Frage kommt.

(G+H)

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Im Himmel: Hochzeit unterm Kunstwerk

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Text/Foto: Veit Rösler

Text/Foto: Veit Rösler

Bis kurz vor der Trauung stand über dem Altar der Dorfkirche Gröden (Kirchenkreis Bad Liebenwerda) ein Baugerüst. Die ersten, die die kunstvolle Deckenbemalung zu sehen bekamen, waren Christin und Rico Forbrig am Tag ihrer Trauung und der Taufe ihres einjährigen Sohnes Oscar. »Ich hätte nie gedacht, was sich unter der alten Farbschicht verbirgt«, staunte selbst der ordinierte Prädikant René Herrmann. Die St.-Martins-Kirche wurde erstmals 1378 schriftlich erwähnt und mehrfach umgebaut. Bei der jetzigen Sanierung sollten nur Sondierungsschnitte gemacht und der Innenraum weiß gestrichen werden. Die zutage getretenen Mosaiksteinchen ließen jedoch mehr erwarten. Millimeter für Millimeter legten die Restauratoren Evelin Waldmann und Ralf Schirrwagen die Kostbarkeiten frei. Die barocke Malerei wird Christian Schilling zugeschrieben und auf die Zeit von 1701 bis 1704 datiert. Sie blieb unter der vermutlich um 1850 aufgetragenen Übertünchung erhalten. Für die Hochzeitsgäste nicht sichtbar, verbirgt sich hinter dem Altar ein Sondierungsschnitt, der weitere Schätze erahnen lässt.

Text/Foto: Veit Rösler

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Wie Phönix aus der Asche

21. Mai 2018 von redaktionguh  
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Walldorf an der Werra: Vor sechs Jahren zerstörten die Flammen die Kirche der Kirchenburg. Seitdem baut die Gemeinde sie neu auf.

Eines stellt Pfarrer Heinrich von Berlepsch gleich klar: »Über Geld und Termine reden wir nicht.« Statt dessen wolle man lieber »über Gott und über unseren Glauben reden«. Vielleicht steckt dahinter neben der löblichen Absicht, über Inhalte zu sprechen, auch die Erfahrung, dass Neid zuweilen als höchste Form der Anerkennung erfahrbar ist. Denn wer sich an die Bilder der rauchenden Trümmer der Kirchenburg in Walldorf an der Werra erinnert, die 2012 durch die Medien gingen, der ahnt, dass hier richtig viel Geld investiert wurde. Und noch immer wird: Denn abgeschlossen ist der Bau »unserer Kirche«, wie von Berlepsch betont, noch lange nicht.

»Unsere Kirche« ist für den Pfarrer nicht nur eine Floskel. Was heute und in Zukunft die Walldorfer Kirchenburg ausmacht, ist in einem langen Prozess zwischen Pfarrer, den Kirchenältesten, den Gemeindemitgliedern und den Bewohnern Walldorfs entstanden. Und natürlich in Gemeinschaft mit den Architekten, die sich auf diese Art eines »Bauens im Team« eingelassen haben.

Der Glaube, über den von Berlepsch gern reden möchte, wurde freilich auf eine harte Probe gestellt, als am 3. April 2012 die Flammen aus dem Kirchenschiff der gerade fünf Jahre zuvor vollständig sanierten Kirche schlugen. Von Berlepsch erinnert sich, wie er vor den Trümmern saß und die Frage stellte: »Warum hat Gott das zugelassen?« Seine zweite Frage war dann schon der erste Schritt in die Zukunft: »Was will Gott uns damit sagen?«

Für von Berlepsch war klar, dass die Kirche auf jeden Fall wieder aufgebaut werden muss. Auch wenn manche Formen im Blick auf Gemeindeaufbau im 21. Jahrhundert fragwürdig sind und neue Wege gesucht werden müssen: »Ohne Bindung an die Tradition gibt es auch keine Zukunft«, ist der Pfarrer überzeugt. Für ihn und die im wahrsten Sinn des Wortes weinend vor ihrer Kirche stehenden Gemeindemitglieder wurden ausgerechnet die Dohlen zum Sinnbild für Hoffnung und Neubeginn: Auch ihre Nester im Dachstuhl waren ein Raub der Flammen. Doch schon zwei Tage später fingen sie an, neues Geäst als Nistmaterial in die Trümmer zu tragen. »Seht«, sagte der Pfarrer seiner Gemeinde, »genauso wie die Dohlen machen wir es auch. Wir bauen wieder auf!« Und deshalb zeigt eines der neuen Buntglasfenster des Leipziger Künstlers Julian Plodek eine Dohle, die mit einem Zweig im Schnabel auf einem verkohlten Balken sitzt.

Kleinod über dem Werratal: Die Kirchenburg Walldorf bei Meiningen in Südthüringen erstand nach dem Brand im Jahr 2012 in ihrer ursprünglichen äußeren Form, aber in veränderter Innenausstattung. Fotos: Harald Krille

Kleinod über dem Werratal: Die Kirchenburg Walldorf bei Meiningen in Südthüringen erstand nach dem Brand im Jahr 2012 in ihrer ursprünglichen äußeren Form, aber in veränderter Innenausstattung. Fotos: Harald Krille

Überhaupt Tiere und Pflanzen: Sie haben seit jeher ihren Platz auf der Kirchenburg. Und so wurde auch beim Neuaufbau darauf geachtet, dass Dohlen ihre Nester bauen können, ein seit Jahren im Gemäuer lebender Bienenschwarm seinen Platz behalten hat, dass Nisthöhlen für Meisen und Kleiber, Fluglöcher für Fledermäuse und ein Nistplatz für Störche entstanden.

Vor allem aber soll die Kirche für Menschen offenstehen. Als Radwegekirche am Werra-Radweg, als Kinder- und Jugendkirchenburg für die junge Generation, die auf dem Areal Möglichkeiten für Zeltlager und sportliche Betätigung findet, für Gottesdienste und fröhliche Feste, für Begegnungen aller Art. »Das ist unser großes Thema: Begegnung. Wir wollen als Christen Menschen begegnen, auch denen, die mit Kirche vielleicht nichts am Hut haben«, so von Berlepsch. Denn Begegnung verwandelt Menschen – auch die, die schon zur Gemeinde gehören.

Eine Terminaussage lässt sich Pfarrer von Berlepsch dann doch noch abringen: Ab 1. Juli des kommenden Jahres sei er im Ruhestand. Und davor werde die Kirche offiziell wieder eingeweiht. Manches wird bis dahin vielleicht noch nicht komplett sein. Aber ein Altartisch und eine Christusfigur werden dann den Innenraum schmücken. Ein Bildhauer wird sie bis dahin gestalten. Entstehen sollen sie aus dem Holz der angekohlten Balken, die seit der Beräumung der Brandtrümmer auf der Kirchenburg lagern.

Harald Krille

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Den Weg zum Glauben

11. Mai 2018 von redaktionguh  
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Bad Köstritz: Juliane Schlenzig ist seit April Pfarrerin in der Schütz-Stadt

Ein Idyll ist das hier«, schwärmt Juliane Schlenzig. Das Pfarrhaus frisch renoviert, die St. Leonhard-Kirche in Blickweite und der Schlosspark für die Laufrunde am Abend direkt um die Ecke. Im April ist die 30-Jährige mit ihrer Familie von Jena nach Bad Köstritz gezogen. 36 Jahre war Michael Eggert hier Pfarrer. Als er 2015 in den Ruhestand ging, war die Stelle ein Jahr vakant. Ein bisschen froh ist Juliane Schlenzig schon, dass es kein nahtloser Übergang war: »Abstand ist wichtig nach einer so langen Zeit. Während der Vakanz hat sich die Gemeinde viel selbst organisiert und ist zusammengewachsen. Das hat mir einen unkomplizierten Start bereitet«, berichtet die neue Pfarrerin.

Vier für Köstritz: Juliane Schlenzig mit Ehemann Benjamin und den Kindern Jorik (4) und Ada (3). Foto: privat

Vier für Köstritz: Juliane Schlenzig mit Ehemann Benjamin und den Kindern Jorik (4) und Ada (3). Foto: privat

Der Weg ins Pfarramt war der gebürtigen Zeitzerin, die aus einem nicht-christlichen Haushalt stammt, nicht in die Wiege gelegt. Auf eigenen Wunsch hat sie den Konfirmandenunterricht besucht, sich taufen lassen. Als Jugendliche besuchte sie später Taizé und erlebte eine Spiritualität, von der sie sich angesprochen fühlte, wie sie sagt. Die französische Gemeinschaft, vielleicht eine Schlüsselerfahrung, die sie schließlich zum Theologiestudium nach Jena führte. »Mich beeindruckt, dass es Menschen gibt, in denen etwas brennt, die sich für andere einsetzen.« Auch in ihrem neuen Pfarrbereich, zu dem die Gemeinden Gleina, Hartmannsdorf, Pohlitz und Roben gehören, gibt es viele davon. »Das ist gut, denn alles kann ich nicht abdecken. Ansprechpartner möchte ich sein, die Menschen zusammenbringen und die Räume nutzen, in denen ich gestalten kann.« Ein Projekt hat sie schon ausfindig gemacht: Zwar gäbe es eine gut aufgestellte Kinder- und Jugendarbeit, aber noch keine Junge Gemeinde. »Die möchte ich gerne aufbauen«, sagt Juliane Schlenzig, die sich während des Vikariats in Jena besonders für die Familienarbeit eingesetzt hat.

Auch, dass in Bad Köstritz die Zusammenarbeit von politischer Gemeinde und Kirchengemeinde sehr gut funktioniere, begrüßt die Pfarrerin: »Eine Gemeinde bleibt nur lebensfähig, wenn sie sich öffnet. Nur darf darüber nicht vergessen werden, dass wir eine Botschaft haben.«

Beatrix Heinrichs

Einführungsgottesdienst: 13. Mai, 15 Uhr, St. Leonhardt, Bad Köstritz

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Das Kloster im Fünfgeschosser

6. Mai 2018 von redaktionguh  
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Lobeda: In Jenas Trabantenstadt leben drei katholische Ordensfrauen. Das Engagement für die Ökumene ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Ein kontemplatives, Gott zugewandtes Leben im Plattenbau mit Leichtbauwänden – wie geht das? »Viel Zeit verbringen wir nicht in der Wohnung«, erzählt Christine Romanow. Die Schwester vom Orden der Missionarinnen Christi teilt mit Maria-Elisabeth Goldmann und Ruth Stengel von den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel zwei Wohnungen in Jena-Lobeda. Der berufliche Alltag der Frauen ließe ein klassisches Klosterleben auch nur schwer zu. Maria-Elisabeth Goldmann arbeitet als Sozialpädagogin in der Caritas Beratungsstelle, Ruth Stengel ist Gemeindereferentin an der katholischen Pfarrei »St. Johannes Baptist«, Christine Romanow leitet die Beratungsstelle der Missionarinnen und gibt Religionsunterricht an einer Jenaer Grundschule. »Dennoch, das morgendliche Gebet ist unser Fundament«, sagt Maria-Elisabeth Goldmann entschieden.

Gottes WG in der Platte: (von links) Christine Romanow, Ruth Stengel und Maria-Elisabeth Goldmann. Foto: Beatrix Heinrichs

Gottes WG in der Platte: (von links) Christine Romanow, Ruth Stengel und Maria-Elisabeth Goldmann. Foto: Beatrix Heinrichs

Regelmäßige Gebetszeiten und Besinnungsnachmittage bietet Christine Romanow auch in der Beratungsstelle im Stadtzentrum an. »Willkommen sind alle – ob mit oder ohne Religion«, sagt Christine Romanow, die sich als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Jena für die Ökumene im Kirchenkreis engagiert. »Für mich ist es positiv zu sehen, wie die Beziehungen zu anderen Christen und anderen Kirchen wachsen können – ich spüre da viel Verbindendes. Wo ich herkomme, hätte ich das so nicht erlebt«, erklärt die gebürtige Münchnerin, die vor ihrem Eintritt in die Kommunität als Grundschullehrerin in Eichstätt tätig war.

»In Jena ist die Ökumene auf einem guten Weg«, erklärt Pfarrerin Maria Krieg, Ökumene-Beauftragte im Kirchenkreis. Neben ökumenischen Gottesdiensten zu den hohen Festen im Kirchenjahr gibt es Segnungsfeiern für Schwangere und am Valentinstag auch für Verliebte. Auch die Friedensgebete im Rahmen des interreligiösen Dialogs seien stets gut besucht. Die ökumenischen Abendandachten, die während der Sommermonate in der Lobedaer Peterskirche stattfinden, gestalten Christine Romanow und Maria Krieg im Wechsel. »Jeder setzt in seiner Geistlichkeit andere Akzente«, so die Pfarrerin. »Diese Vielfalt bereichert das Christsein und den individuellen Blick auf unseren Glauben.«

»Wir selbst sind Ökumene pur«, sagt Ruth Stengel. Allzu oft käme es nicht vor, dass Schwestern unterschiedlicher katholischer Ordensgemeinschaften eine Kloster-WG teilen.

Beatrix Heinrichs

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Pfarrer auf Rädern

30. April 2018 von redaktionguh  
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Kirchenkreis Salzwedel: Johannes-Michael Bönecke ist Pfarrer für Vertretungsdienste

Viel Land, wenig Menschen, kaum Städte, dafür aber fast in jedem Dorf eine Kirche – dabei hat der Kirchenkreis Salzwedel mit etwa 25 Prozent für sachsen-anhaltische Verhältnisse eine recht hohe Dichte an evangelischen Christen. Wegen des demographischen Wandels auch hier mit rückläufiger Tendenz. Doch nun werden auch die Pfarrer knapp – und Neuzugänge sind kaum zu finden.

Insgesamt vier Stellen hatte der Kirchenkreis jüngst ausgeschrieben – zwei Pfarrer, zwei ordinierte Gemeindepädagogen. Und weil in immer mehr Gemeinden Pfarrer fehlen – sei es durch Vakanz oder Krankheit – gibt es dort seit vorigem Sommer die Kreispfarrstelle für Vertretungsdienste. Etwas, was Superintendent Matthias Heinrich zunächst überhaupt nicht wollte. Doch die Not sei einfach zu groß. Wenn Stellen nicht besetzt werden, könnten bestimmte Arbeiten einfach nicht mehr gemacht werden. Es sei schwer, für eine Amtshandlung wie eine Beerdigung eine Vertretung zu bekommen. Dann muss man erst eine Weile telefonieren, bis man jemanden hat. »Weil die Nachbarn alle so große Stellen haben, dass sie die freien Gebiete nicht mehr mit vertreten können«, erklärt Heinrich. In der Altmark gehören im Schnitt 20 Dörfer zu einer Pfarrstelle. Der Superintendent hatte zunächst Befürchtungen, ein Vertretungspfarrer wäre nicht ausgelastet. Doch das, sagt er, sei derzeit mitnichten der Fall – eher im Gegenteil.

Mobil: Johannes-Michael Bönecke springt im Kirchenkreis immer dort ein, wo gerade eine Pfarrstelle vakant ist. Foto: Doreen Jonas

Mobil: Johannes-Michael Bönecke springt im Kirchenkreis immer dort ein, wo gerade eine Pfarrstelle vakant ist. Foto: Doreen Jonas

Das kann Johannes-Michael Bönecke nur bestätigen. Gottesdienste, Hochzeiten, Seelsorge, Beerdigungen – er sei immer dort, wo »es brennt« und eben kein anderer Pfarrer da ist. Deshalb bezeichnet er sich schmunzelnd auch als »Feuerwehrpfarrer«. Wo Stellen vakant sind, springt er als Vertretungspfarrer ein. Bönecke: »Die Gemeinden kriegen meine Nummer und wissen, dass sie mich anrufen können.« Das heißt schon mal morgens 50 Kilometer Richtung Westen zum Religionsunterricht und nachmittags 50 Kilometer gen Osten zur Seelsorge. Das Navi braucht Bönecke dabei kaum, mit der Altmark ist er vertraut.

Er war lange Pfarrer in Klötze, bis er sich voriges Jahr auf die Stelle des »Vertretungspfarrers« beworben hat. »Das passt so was von für mich«, sagt er begeistert. Natürlich könne er nicht fünf Pfarrer ersetzen. Aber wenn er in den Gemeinden sei, spüre er die Freude darüber, dass da jemand ist, den man ansprechen kann, dass es wieder einen Gottesdienst gibt. »Die sind dann oft mit vollem Haus, das macht es mir leichter«, sagt der Vertretungspfarrer.

Um die Aufgabe der Vertretung zwischen den Gemeinden hinzubekommen bedarf es einer guten Selbstorganisation, Disziplin und einer festen Struktur. Und, fügt Bönecke hinzu, »natürlich auch Kirchenälteste in den Dörfern, auf die man sich verlassen kann.«

Seine Stelle als »Vertretungspfarrer« ist zunächst auf drei Jahre befristet, allerdings ist für ihn jetzt schon klar: Gebraucht werden wird sie wohl noch länger.

Doreen Jonas

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Wie eine zweite Familie

21. April 2018 von redaktionguh  
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Porträt: Ingeburg Brunner hält seit über 50 Jahren dem Dom und dem 1. FC Magdeburg die Treue

Wenn Ingeburg Brunner ihre Schätze auf dem Tisch ausbreitet, leuchten die Augen. Doch es sind keineswegs Schmuckstücke oder edle Kleider, für die sie sich begeistert, sondern alte Eintrittskarten, Programme und Plakate des 1. FC Magdeburg. Die imposante Sammlung enthält zahlreiche Zeugnisse aus der großen Zeit des Clubs in den 1970er- Jahren, als Magdeburg im Europacup große Erfolge feierte, gegen den FC Bayern, Schalke 04 oder PSV Eindhoven und Racing Lens antrat, in der Oberliga zu den besten Mannschaften zählte und es Ingeburg Brunner mit ihrem fußballbegeisterten Mann und den Söhnen regelmäßig ins Stadion zog.

»Auf diesen Beutel ist sogar der FCM scharf«, erzählt sie mit einem Schmunzeln und deutet auf die schon leicht verblichene blau-weiße Tasche. Darin bewahrt sie einen Wimpel vom letzten Europacupspiel des 1. FCM gegen Girondins Bordeaux auf. Zuletzt hatte sie den Beutel mit im Magdeburger Stadion, als im Januar eine Filmaufnahme des echten Domgeläutes in der Arena seine Premiere erlebte.

Weil Domprediger Jörg-Uhle Wettler um die Fußballbegeisterung der 87-Jährigen wusste, hat er sie mitgenommen. »Das hat mir schon gefallen, nach langer Zeit mal wieder im Stadion zu sein«, sagt die zierliche Frau mit einem verschmitzten Lächeln. Am liebsten würde sie am nächsten Wochenende gleich wieder in die Arena ziehen.

Fußball ist nicht die einzige Leidenschaft der gebürtigen Magdeburgerin. Sie ist auch seit mehr als 50 Jahren mit dem Magdeburger Dom eng verbunden. Als die Familie 1962 von Buckau in den Schatten der Domtürme zog, wechselte sie auch die Gemeinde. Seither spielt die Kathedrale eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Über die Jahre ist die Gemeinde »zu einer zweiten Familie geworden«, wie sie selbst sagt. Sie hat die verschiedenen Kreise besucht – war im Mütter- und im Frauenkreis aktiv. Nur in den Seniorenkreis wollte sie erst nicht. »Da habe ich mich noch zu jung gefühlt.« Bis ihr Mann sie schließlich doch überzeugen konnte mitzugehen. Außerdem hat sie 15 Jahre am Kartentisch im Dom ihren Dienst versehen, war im Herbst 1989 bei den Friedensgebeten dabei und hat bei der Sanierung der Turmstufen 2010/2011 auch eine Stufe gestiftet.

Schätze in der guten Stube: Stolz präsentiert Ingeburg Brunner ein Plakat des vielfachen DDR-Pokalsiegers 1. FC Magdeburg. Die 87-Jährige ist seit Jahrzehnten Fußball-Fan. Foto: Martin Hanusch

Schätze in der guten Stube: Stolz präsentiert Ingeburg Brunner ein Plakat des vielfachen DDR-Pokalsiegers 1. FC Magdeburg. Die 87-Jährige ist seit Jahrzehnten Fußball-Fan. Foto: Martin Hanusch

Dass der Glaube und die Kirche eine solche große Rolle in ihrem Leben spielen würden, ist der langjährigen Mitarbeiterin in der Kinderbibliothek keineswegs in die Wiege gelegt worden. »Ich komme gar nicht aus einem christlichen Elternhaus und bin auch nicht so erzogen worden.« Für ihren Vater, Maschinist im Buckauer Wasserwerk, sei es sogar ein Schock gewesen, als sie den Weg in die Kirche gefunden habe. Im Kirchenchor lernt sie auch ihren Mann kennen. Viel später wird ihr der Glaube zur großen Stütze. »Als mein Mann 2006 an Krebs erkrankt ist und es mir selbst schlecht ging, hat der Glaube mir Kraft gegeben, das alles durchzustehen«, erzählt sie.

Daneben ist für sie die Familie überaus wichtig. Stolz erzählt sie von ihren drei Söhnen, den sieben Enkeln und vier Urenkeln, die zum Teil ihre Leidenschaft für den 1. FCM teilen. Bei einer Enkelin, die es nach Norwegen verschlagen hat, werde sogar bei den Heimspielen des FCM die Fahne gehisst. Einen Wunsch hat sie in diesem Zusammenhang auch: »Ich möchte es noch erleben, dass der 1. FCM in die 2. Liga aufsteigt.«

Die Chancen stehen nicht schlecht, aktuell befindet sich der Club auf dem 2. Tabellenplatz. Auch die Verantwortlichen des Vereins haben bereits signalisiert, Ingeburg Brunner gerne wieder im Stadion zu begrüßen. Schließlich zählt sie zu den ältesten und treuesten Anhängern.

Martin Hanusch

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An der Schnittstelle von Himmel und Erde

16. April 2018 von redaktionguh  
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Im Kloster Drübeck kommt vom 12. bis 14. April die Synode der EKM zu ihrer Frühjahrstagung zusammen. Porträt eines besonderen Ortes.

Die Sonne strahlt über dem Harz. Zwischen den grünenden Obstbäumen lugt der Turm der romanischen Klosterkirche St. Vitus hervor. Autos schießen vorüber, während eine Gruppe Wanderer am Ortseingang von Drübeck einen Reisesegen spricht.

Der Ilsenburger Ortsteil liegt am Weg. Doch an welchem? Farbige Tafeln verweisen auf den Klosterwanderweg, die Straße der Romanik, den HarzerKlosterSommer und auf das Netzwerk »Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt«. Seit einem Vierteljahrhundert zählt das Kloster zur Straße der Romanik, seit zehn Jahren pilgern Menschen vom niedersächsischen Wöltingerode über Ilsenburg und Drübeck bis ins Kloster Wendhusen in Thale.

Doch was sind schon Jahreszahlen? Das Evangelische Zentrum im Kloster Drübeck wirkt mit seinen 22 Jahren fast wie ein Jungspund, hat aber für viele die Sicht auf klösterliches Leben verändert. »Wir verfügen mit unserem Zentrum über ein großes Pfund. Da behütet die knapp 300-jährige Linde jene, die unter ihrem Laub Schutz suchen, es geht familiär zu, hier finden Gäste Ruhe und Besinnung, in unserer Anlage werden Paare getraut und Hochzeiten gefeiert«, beschreibt Geschäftsführer Karl-Heinz Purucker.

Bereits im 10. Jahrhundert beherbergte die Klosteranlage Benediktinerinnen. Frühmesse bei Tagesanbruch, dann zur Arbeit in Küche, Garten, Wald, auf die Felder – die Benediktsregel bestimmte den Tagesablauf der Ordensfrauen. In den Turbulenzen der Reformationszeit und des Bauernkrieges wurden die Nonnen vertrieben. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Kloster durch kurfürstliches Edikt dem Grafen zu Stolberg-Wernigerode übereignet. Nach umfangreicher Sanierung errichtete der Graf ein Damenstift. Das Diakonische Amt der Kirchenprovinz Sachsen übernahm auf Bitte der letzten Äbtissin Magdalena 1946 das Kloster und führte es als Erholungsheim fort.

Labyrinth unter Apfelblüten: Gäste können im Kloster Drübeck – im Hintergrund die Kirche St. Vitus – verschiedene Gärten erkunden und genießen. Fotos: Frank Drechsler

Labyrinth unter Apfelblüten: Gäste können im Kloster Drübeck – im Hintergrund die Kirche St. Vitus – verschiedene Gärten erkunden und genießen. Fotos: Frank Drechsler

Ein historischer Plan von 1737 aus dem Archiv der Evangelischen Kirche zeigt die von Mauern umschlossenen fünf Gärten der Stiftsdamen. Die Gartenhäuschen nutzten die Stiftsdamen als Ort der Entspannung und der Besinnung. Heute sitzen die Besucher darin und genießen die wahrlich himmlische Ruhe. Wer genau über die Beete schaut, erkennt am Gärtnerhaus die Kletterrose »Juliana zu Stolberg-Wernigerode«, die einen »FrauenOrt« markiert. Davon gibt es in Sachsen-Anhalt mehr als 30; sie erzählen Geschichte und Geschichten von Frauen. Zur Romantischen Nacht im Kloster erleben die Gäste jährlich ein Wandelfest: Mit Einbruch der Dämmerung verzaubert sich der Garten, rund 1 000 Windlichter erleuchten die Anlage mit der angrenzenden Streuobstwiese und holen aus dem Dunkel, was tagsüber unscheinbar und nebensächlich scheint.

Der Quedlinburger Pfarrer Christoph Carstens, Gründungsmitglied des Klostersommer-Vereins, sieht »an der Schnittstelle von Himmel und Erde« eine Dreieinigkeit. »Wir wollen uns als Kloster zeigen, Kultur entstehen lassen und zum Finden und Wiederfinden beitragen«, erklärt er. Hier treffen christliche Welt und Beherbergung zusammen: Pastoralkolleg, Pädagogisch-Theologisches Institut, Haus der Stille und Medienzentrum. Die Anlage scheint im dauernden Wandel, davon sprechen der Neubau des Eva-Heßler-Hauses, die Rekonstruktion der Gärten und der Gebetshäuschen, der Ausbau der Domänenscheune und die neue Rezeption, die Architektin Margrit Hottenrott unter dem Motto »Hinter Klostermauern die Dinge im neuem Licht sehen« geplant hat.

Für den Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Christoph Meyns, verströmt Drübeck spirituelle Dichte. In »Zeiten der geistigen Trockenheit«, in denen sich Menschen verlassen und verzweifelt fühlen, sei es ein Ort der Gotteserkenntnis. Es gelte für die Kirche und in den Klöstern Halt zu geben, Haltung zum Leben und Verhaltensregeln zu vermitteln. »Ohne Gottesdienste gleichen Klöster leeren Schneckenhäusern.« Drübeck sei so ein magischer Ort, »der mehr hat, als wir mit unseren Sinnen erfassen können.« Nicht ohne Grund zählt das Kloster zu den touristisch erschlossenen »Kraftorten im Landkreis Harz«.

Wichtig sei, dass sich die Menschen auf den Weg machten. Und verweilen. Die achte Engelsbank auf dem Klosterweg zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt steht dafür in Drübeck. Der Pastor für Führungskräfte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Peer-Detlev Schladebusch, meinte bei einem Kloster-Seminar, »hier findet man die Ruheinsel, dieses uralte Verbinden von ›ora et labora‹, hier atme ich christliche Spiritualität.«

Wer in den geschmackvollen Zimmern nächtigt, fühlt sich deshalb bestens aufgehoben. Nicht nur, weil die Klosterküche lecker ist, geführt von einem Koch, der einen Teil seiner Kräuter selbst zieht und dem Kloster seit anderthalb Jahrzehnten die Treue hält. Nur am Morgen fühlt man sich zu früh aus den Träumen gerissen. Man setzt auf Tradition: Die Glocke ruft erstmals um sechs Uhr.

Uwe Kraus

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