Eine evangelische Maria

14. November 2017 von redaktionguh  
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Kirche in Ebenheim bekommt den Namen der Mutter Christi

Das Gotteshaus in Ebenheim (Kirchenkreis Gotha) hat 500 Jahre nach der Reformation und 416 Jahre nach der Kirchweihe endlich einen Namen bekommen: Marienkirche. Und das Bemerkenswerte daran: Die Kirchengemeinde des Dorfes entschied sich in dieser Zeit nicht für eine typisch reformatorische, sondern für eine rein christliche Namensgebung. »Das«, so befand die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Ilse Junkermann, »ist ein wunderbarer Beitrag für die Ökumene, weil es das Verbindende und nicht das Trennende sucht.«

Maria, eine zentrale Gestalt der katholischen Kirche, finde auch bei den evangelischen Christen Verehrung, machte die Landesbischöfin in ihrer Predigt zur Namenswidmung deutlich. Luther habe die Mutter Christi hochgeschätzt. Doch in der Reformation verlor Maria an Aufmerksamkeit. Lediglich in der Weihnachtszeit spiele sie eine Rolle. Doch die Ebenheimer, so Ilse Junkermann, wollen »die ganze Maria und sie wollen sie übers Jahr und nicht nur eine kurze Spanne.«

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Landes­bischöfin Ilse Junkermann nahm in ihrer Predigt Bezug auf die Szene des neugeschaffenen Marienfensters hinter dem Altar. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Verbunden mit der Namenswidmung war die Enthüllung des Marien­fensters, das Pater Meinrad aus der Abtei Münsterschwarzach im fränkischen Schwarzach am Main geschaffen hatte. Es zeigt Maria auf der Hochzeit zu Kana, die mit dem Zeigefinger auf ihren Sohn weist, der ebenfalls Gast der Gesellschaft ist. Ihr zu Füßen stehen jene Weinkrüge, deren Wasser Jesus zu Wein verwandelte. Pater Meinrad hat dafür und für den Hintergrund leuchtende Farben verwendet, die im Ostfenster im Sonnenaufgang besonders zu Geltung kommen. Die Figur Marias hingegen hielt er in Glasfarbe, durchscheinend und klar. »Es ist eine evangelische Maria«, bekannte der Pater aus Münsterschwarzach.

Pfarrer Christian Schaube erinnerte daran, dass Pater Meinrad beim ersten Kontakt mit ihm Meister Eckehart zitiert habe. Jedes Menschen Seele ist Maria, so soll der Mystiker gesagt haben. Für den Gemeindepfarrer ist klar, mit der Namensgebung geht eine intensive Beschäftigung mit der biblischen Gestalt der Maria einher. Sinnbildlich stehe dafür das Fenster, das den Kirchenraum prägt.

Die Landesbischöfin erklärte in ihrer Predigt, der Bezug zur Hochzeit von Kana im Marienfenster mache deutlich, dass Jesus nicht nur einfach Wasser in Wein wandelte, sondern in eben jenen Wein, der Durst nach Leben zu löschen vermag. Ebenso vermittle das Bild das grenzenlose Vertrauen, das die Mutter in den Sohn hat.

Warum die Kirche in Ebenheim so lange ohne Namen blieb, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Warum aber sich die Kirchengemeinde für Marienkirche entschied, ist nachvollziehbar. Auf den drei Bronzeglocken im Kirchturm wird die Mutter Jesu erwähnt. »Was also lag näher, als sich auch im Reformationsjahr für diesen Namen zu entscheiden«, bekannte Pfarrer Schaube. Das sah auch Superintendent Friedemann Witting so. Er hatte zur Namenswidmung nach Ebenheim die neue Altarbibel mit-
gebracht.

Mit der Marienkirche in Ebenheim gibt es im Landkreis Gotha nun vier Gotteshäuser, die den Namen der Mutter Jesu tragen, weitere stehen in Crawinkel, Ingersleben und Mechterstädt.

Klaus-Dieter Simmen

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Luther war wohl nie hier

6. November 2017 von redaktionguh  
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Museums-Kleinod: Das Lutherhaus am Marktplatz in Neustadt an der Orla trägt zwar den Namen des Reformators, aber er selbst hat es vermutlich nie betreten.

Martin Luther war zweimal in Neustadt: 1516 zu Gast im Augustinerkloster als Schlichter in einem Streit und noch einmal 1524 – da soll er in der Stadtkirche St. Johannis gepredigt haben. Vermutlich hat er bei diesem Anlass im Gästehaus des Klosters übernachtet, das der Legende nach am Neustädter Markt, mit Blick auf das heutige Lutherhaus, existiert haben soll.

Erst 1986 hat die Stadt das Gebäude gekauft und ein Nutzungskonzept erarbeitet. Das frühere, vor 1450 errichtete Gerberhaus – in dem Luther wohl nie gewesen ist – war später Wohnhaus und stand seit Ende der 1980er-Jahre leer. Bald war klar, es soll ein Schaudenkmal werden, damit das Gebäude mit seinem steilen Dach und dem schön gestalteten Erker nicht nur von außen zu bewundern ist.

Im Inneren zeugen die Bohlenstube, spätmittelalterliche Wandmalereien sowie zahlreiche kunsthistorische und architektonische Besonderheiten dieser Zeit vom Reichtum, der dort zuweilen geherrscht haben muss. Ob es Zufall war oder das Ergebnis einer perfekten Planung, dass dieses Gebäude am schönen Neustädter Marktplatz genau am 31. Oktober 2016 eröffnet werden konnte, verraten die Neustädter nicht. Es passt auf jeden Fall zum Namen Lutherhaus und in diese Reformationstage. »Wer zu uns kommt, den erwarten 500 Jahre Haus-, Stadt- und Reformationsgeschichte«, schwärmt der Volkskundler und Lutherhaus-Mitarbeiter Michael Rahnfeld. Sein besonderes Interesse gilt den Neustädter Stadtgeschichten und den Geschehnissen der Reformationszeit.

Der Volkskundler Michael Rahnfeld vor der Gesprengefigur des Heiligen Martin vom Cranach-Altar in Neustadt. Während der Altarrestaurierung  sind mehrere Skulpturen im Lutherhaus ausgestellt. Foto: Sandra Smailes

Der Volkskundler Michael Rahnfeld vor der Gesprengefigur des Heiligen Martin vom Cranach-Altar in Neustadt. Während der Altarrestaurierung sind mehrere Skulpturen im Lutherhaus ausgestellt. Foto: Sandra Smailes

Im zweiten Obergeschoss sind diesem Thema mehrere informativ gestaltete Räume gewidmet: Tumult auf dem Marktplatz, flüchtender Pfarrer, ängstliche Mönche, empörte Bürger – zur Reformationszeit ging es hoch her in Neustadt. Schließlich gelangt der Besucher in die »Gute Stube«, dem wohl prächtigsten, mit üppigen, spätmittelalterlichen Wandmalereien verzierten Raum des Hauses. Im Erker sind zwei Lutherrosen eingefasst. Dazwischen thront eine, erst vor wenigen Monaten angekaufte, übergroße Lutherbüste aus Ton. Der Rundgang endet in einem Zimmer, in dem vor- und nachreformatorische Kirchenmusik zu hören ist.

Wer durch die derzeit im Lutherhaus ausgestellten Gesprengefiguren des Neustädter Cranach-Altars neugierig wurde, kann im Anschluss noch die Stadtkirche St. Johannis besuchen, auf dem Weg die mittelalterlichen Fleischbänke, den Marktbrunnen, die Postdistanzsäule oder den Marktstock ansehen und damit außergewöhnliche, mittelalterliche Sehenswürdigkeiten entdecken – das lohnt nicht nur in den Hochtagen des Reformationsjubiläums.

Sandra Smailes

Öffnungszeiten: Di., Do., Fr., Sa. 10 bis 17 Uhr, So. 14 bis 17 Uhr

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Gottes Wort verschenken

1. November 2017 von redaktionguh  
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Mission: In Bad Blankenburg wird die Bibel verteilt

Geschenke sind an besonderen Festen keine Seltenheit. Doch was schenkt man den Menschen zum 500. Reformationtag? Ganz klar: Gottes Wort. Und dieses zu den Menschen zu bringen, das haben sich in diesen Tagen die »Jugend mit einer Mission« (JMEM) in Bad Blankenburg, die Kirchgemeinden vor Ort, die Evangelische Allianz, die Deutsche Bibelgesellschaft und das Zinzendorf Institut vorgenommen.

 Laura Guiste aus den USA übergibt Bob Emberly in Bad Blankenburg eine Bibel. Kostenlos und Segen inklusive. Fotos: JMEM

Laura Guiste aus den USA übergibt Bob Emberly in Bad Blankenburg eine Bibel. Kostenlos und Segen inklusive. Foto: JMEM

10000 Bibeln der neuen Lutherausgabe von 2017 verteilen junge Menschen aus Kanada, Neuseeland, Indien, Bahrain, Puerto Rico, Brasilien, Kachastan, England, Russland, USA und natürlich auch viele junge Menschen aus Deutschland in den nächsten vier Wochen in Bad Blankenburg und 36 umliegenden Dörfern. Dazu bieten sie auch immer an, jedes Haus und jede Familie zu segnen.

Die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche durch Martin Luther hat die damalige Gesellschaft verändert, u. a. die Entwicklung einer allgemeinen deutschen Sprache angestoßen und auch das Bildungssystem, die Kunst, die Architektur, die Wissenschaften nachhaltig beeinflusst.

Die Aktion der JMEM hat in der vergangenen Woche in Zeigerheim und Oberwirbach begonnen. Mit keinem schlechten Ergebnis, berichtete Susanne Chmell vom JMEM. Genau 50 Prozent der Menschen, die sie angesprochen hatten, haben eine Bibel angenommen.

Keinen Katalog, sondern die Lutherbibel bringt Daniel Kalensee aus Bad Blankenburg Steffi Kliesch in Großgölitz. Foto: JMEM

Keinen Katalog, sondern die Lutherbibel bringt Daniel Kalensee aus Bad Blankenburg Steffi Kliesch in Großgölitz. Foto: JMEM

»Es gab Menschen, die erst kein Exemplar wollten, weil sie nicht zur Kirche gehören, aber dann positiv überrascht waren, dass sie trotzdem ein Exemplar kostenlos bekommen. Ein Mann fragte, ob da wirklich nicht noch eine Rechnung nachkommen wird«, berichtet Chmell. Alle Leute, die eine Bibel annahmen, freuten sich auch über die Möglichgkeit von den jungen Menschen gesegnet zu werden.

Wie bedeutend die Aktion ist, zeigen die Begegnungen, die Susanne Chmell und ihre Mitstreiter in den ersten Tagen hatten: »Ein Mann freute sich riesig, weil er geschäftlich viel unterwegs ist und in den Hotels immer mal in den Bibeln liest, die dort auf den Nacht­tischen liegen. Selbst gehört er aber keiner Kirche an. ›Nun hab ich endlich mal eine eigene Bibel zu Hause. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Das finde ich klasse‹, sagte er«, berichtet Susanne Chmell. Eine Frau, so Chmell, sei erst sehr abweisend gewesen und meinte, dass in ihrer Situation ihr niemand helfen könne, auch keine Bibel. Sie berichtete, sie habe einen bösartigen Krebs und kaum Hoffnung.

»Wir haben ihr erzählt, dass die Psalmen Gebete sind, die Menschen in tiefster Not gebetet haben und die einem viel Kraft geben können, wenn man verzweifelt ist«, so Susanne Chmell. Gespräche wie diese verändern. »Am Ende nahm sie doch eine Bibel und eine CD für ihre Enkel und bedankte sich sichtlich bewegt, dass wir gekommen sind.«

Ein Mann sagte: » Mit Glauben hab ich nichts am Hut. Was ist, wenn ich das nicht will?« Darauf erklärten ihm die jungen Menschen, dass sie dann einfach weitergehen würden. Sie empfahlen dem Mann die Bibel dennoch sehr. Man wüsste ja nie, wie diese mal helfen könne.

(G+H)

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Landesbischöfin: »Die Kirche ist am Ende«

23. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Podium: Junkermann unterstreicht Notwendigkeit, neue Formen zu erproben

Erreicht Sie unsere Verzweiflung aus den Gemeinden – wir haben kein Personal. Wer soll sich um die Arbeit mit Kindern kümmern?«, brach es aus einer Kirchenältesten heraus. Sie war zu Festandacht und anschließender Podiumsdiskussion »Der Weg der Kirche nach 2017« mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und der Ostbeauftragten Iris Gleicke gekommen, mit der die Torgauer Gemeinde am 5. Oktober der Einweihung der Schlosskapelle durch Martin Luther im Jahr 1544 gedachte.

Die Frauen hatten in Vorträgen skizziert, dass sich Christen und Kirche politisch einmischen dürfen und sollen. Die Landesbischöfin wertete die Erfahrung der Kirchentage auf dem Weg aus, bei denen Menschen vor allem zu den kostenlosen Angeboten unter freiem Himmel kamen. Verkündigung müsse durch alle geschehen, nicht nur durch die Hauptamtlichen, und mit neuen Formen, schlussfolgerte sie.

Wie jedoch soll das Neue – das Herausgehen aus den Kirchen auf die Straßen und Plätze – mit immer weniger Personal gelingen? »Die Kirche ist in der Krise! Luther würde missionieren«, sagte ein Zuhörer. Ein anderer kritisierte, er sei im Gottesdienst nicht als Mitgestalter gefragt.

Weder Staats- noch Volkskirche

»Ja, wir sind am Ende mit unseren Modellen und Vorstellungen, wie Kirche und Gemeinde sein soll. Das ist die Krise der Kirche – seit hundert Jahren. Wir sind nicht mehr Staatskirche und auch nicht mehr Volkskirche«, sagte Ilse Junkermann. Wie sie mit dieser Erkenntnis umgeht, kleidete sie in Fragen: Wie kann es gelingen, dass wir Abschied nehmen von festen Gemeindebildern und neue Formen annehmen? Wie können wir den Blick weiten für das, was da ist? Offenbar möchten Menschen ihre eigenen Ideen umsetzen und nach dem Ende eines Projekts gehen können, sagte sie. »Wir brauchen neue Ideen, auch wenn es Eintagsfliegen sind«, warb sie für Mut zum Ausprobieren. Begeistert ist die Landesbischöfin vom Theaterstück »HerrInnen Käthe«, das Torgauer Gymnasiasten schrieben und aufführten. Es zeige die Gleichwertigkeit aller Menschen. Auf die Frage, wie viele der Jugendlichen konfirmiert seien, erwiderte sie trocken: »Sehen Sie, das ist Ihr altes Gemeindebild.«

Die Kirche befinde sich in einem ähnlich umwälzenden Prozess wie zur Reformationszeit. Kirche und Gemeinde müssten viel mehr von dem her gestaltet werden, was da ist und nicht nach Wunschbildern, wie es sein sollte. »Sendung ist ein offener Prozess«, sagte die Landesbischöfin in zweifelnde Gesichter.

Renate Wähnelt

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Unterstützung in der Stadt

16. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Hospiz für die Lutherstadt soll in einem halben Jahr fertig sein

Das Ende des Wartens auf ein statio­näres Hospiz in der Lutherstadt rückt näher: Am 16. Oktober nehmen nach Auskunft von Werner Weinholt die ersten Handwerker ihre Arbeit auf. Zum Ende des ersten Quartals 2018 ist mit der Fertigstellung zu rechnen: Dann könnten die ersten Schwerstkranken in die Räume auf dem Gelände des evangelischen Krankenhauses Paul Gerhardt Stift in Wittenberg einziehen.

Stationäres Hospiz: Im einstigen Bettenhaus des Paul Gerhardt Stifts sollen die neuen Räumlichkeiten entstehen, zeigt Werner Weinholt. Foto: Thomas Klitzsch

Stationäres Hospiz: Im einstigen Bettenhaus des Paul Gerhardt Stifts sollen die neuen Räumlichkeiten entstehen, zeigt Werner Weinholt. Foto: Thomas Klitzsch

Weinholt ist leitender Theologe der Paul Gerhardt Diakonie, die auch den Löwenanteil der Kosten trägt. Diese sind – entsprechend der Veränderungen in der ursprünglichen Planung – gestiegen: von 750 000 Euro auf 1,3 Millionen. Denn statt der geplanten acht sollen zehn Gästezimmer eingerichtet werden, dazu ein Wohlfühlbad, ein Raum der Stille, eine Wohnküche für Angehörige und Gäste. Zudem sei ein halbes Stockwerk hinzugekommen in eben jenem einstigen Bettenhaus, in dem das stationäre Hospiz entsteht. Nicht steigen soll laut Weinholt der Eigenanteil von 250 000 Euro. Um den aufzubringen, war mit Bekanntgabe der Hospizpläne für Wittenberg eine Spendenkampagne gestartet worden. Aktuell sei ein »Spendenvolumen von 200 000 Euro überschritten«. Weinholt sagt, die Beträge kamen von Privatpersonen ebenso wie von Vereinen und Firmen und lagen zwischen 2,50 Euro und 50 000 Euro. Die stattliche Großspende stammt von dem Wittenberger Chemieunternehmen SKW Piesteritz; die Firma unterstützt immer wieder örtliche Einrichtungen, zum Teil mit Beträgen in Größenordnungen.

Erstaunt zeigt sich Werner Weinholt indes auch über die vielen Gespräche, die sich ergeben haben, wenn es um das Hospiz und damit um die Erweiterung bereits vorhandener ambulanter Angebote in Wittenberg ging. Beeindruckend ist die Tatsache, wie schnell man seit den ersten Überlegungen im Jahr 2015, ein stationäres Hospiz in Wittenberg zu etablieren, über die Gründung eines Freundeskreises im Februar 2016 unter der Schirmherrschaft des inzwischen verstorbenen Propstes Siegfried T. Kasparick bis zum Start der Kampagne im März vorigen Jahres dem Spendenziel schon nahegekommen ist.

Die Spendenaktion soll 2018 fortgeführt werden. Nächster Termin ist jetzt erst einmal eine Veranstaltung zum Baubeginn: Dazu wird am 14. Oktober ins Foyer des Paul Gerhardt Stifts eingeladen. Von 11 bis 15 Uhr kann sich die interessierte Öffentlichkeit informieren lassen, es besteht die Möglichkeit, die Räume des künftigen Hospizes anzuschauen. Der feierliche Baustart mit Versenkung einer Zeitkapsel ist für 12 Uhr anberaumt.

Corinna Nitz

www.pgdiakonie.de

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Damit der Himmel offen bleibt

9. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Begegnungsort: Von der Ruine zur Sonnenkirche, die Peter-und-Paul-Kirche in Neunheilingen

Gospel-Konzert, Astrid-Lindgren-Lesenachmittage für Kinder, Adventsmärkte und die über den Ort hinaus bekannt-berüchtigte Blechmusik mit dem Paukenschlag – vielfältig und bisweilen unkonventionell sind die Veranstaltungen, die mit schöner Regelmäßigkeit für »volles Haus« in der »Peter-und-Paul-Kirche« in Neunheilingen (Kirchenkreis Mühlhausen) sorgen – wobei der Begriff »Gotteshaus« in diesem Falle nicht ganz treffend ist, fehlt doch dafür ein wichtiger Bestandteil: das Dach.

Anziehungspunkt: Die Sonnenkirche ist ein Magnet für die Neunheilinger Bürger. Nicht nur – wie hier – zum »Luther­sommer«. Foto: Anke Pfannstiel

Anziehungspunkt: Die Sonnenkirche ist ein Magnet für die Neunheilinger Bürger. Nicht nur – wie hier – zum »Luther­sommer«. Foto: Anke Pfannstiel

Seit vier Jahrzehnten schon ist »Peter und Paul« eine Ruine. Zwar mangelte es nicht am Willen der Bewohner, den Verfall der Kirche zu stoppen. Doch widrige Umstände der Zeit und nicht zuletzt die Tatsache, dass es mit der kleinen Friedhofskapelle noch einen anderen nutzbaren Raum gibt, besiegelten – vorläufig – ihr Schicksal: 1976 musste die Gemeinde das Dach abnehmen lassen und einen Teil des Inventars, unter anderem den Altar, verkaufen.

Doch weil die Neunheilinger »Peter und Paul« dennoch nie ganz aufgaben, sollte der letzte Gottesdienst unterm Kirchendach zur Konfirmation im Jahr 1968 nicht der letzte gewesen sein:

30 Jahre später, am 31. Mai 1998, um 14 Uhr, feierte die Gemeinde hier erstmals wieder Pfingstgottesdienst. Statt über steinernen Fußboden liefen die Menschen nun über frisch gemähtes Gras, das Jugendliche ein Jahr zuvor ausgesät hatten. Und der Blick nach oben endet nicht am Deckengewölbe, sondern geht unversperrt gen Himmel.

Es ist dieses besondere Ambiente, das neben dem Engagement der Neunheilinger dafür sorgt, dass »Peter und Paul« eine Wiederbelebung als »Sonnenkirche« erfährt. Doch das, was die Sonnenkirche so besonders macht, ist zugleich ihre größte Bedrohung: Wind und Wetter nagen ungehindert an ihrer verbliebenen Substanz. Das Mauerwerk, das seit dem Deckenabriss freiliegt, nimmt zusehends Schaden.

Doch dieses Mal wollen die Neunheilinger den weiteren Verfall verhindern, gründeten deshalb im Jahr 2014 den Verein »Sonnenkirche«. Über 30 Mitglieder fanden sich rasch zusammen; von Anfang 30 bis 80 sind alle Altersklassen vertreten, verschiedenste Berufsgruppen und Einstellungen zum christlichen Glauben ebenso. Was sie eint, ist der Wunsch, »Peter und Paul« zu bewahren, weil die Kirche zum Dorf und dessen Geschichte gehört.

Die Idee, die sie für die »Sonnenkirche« entwickelten, soll zwei Aspekte verbinden: Der Charakter der Offenheit, die Durchlässigkeit nach oben, soll trotz schützender Elemente erhalten bleiben, zugleich die Energie der Sonne genutzt werden. Eine Überdachung mit Sonnenkollektoren schwebt ihnen vor.

Die Möglichkeit, die Ideen als Projekt der »Internationalen Bauausstellung Thüringen« (IBA) zu konkretisieren und voranzubringen, ergibt sich nicht, weil andere Vorhaben den Zuschlag erhalten haben. Arbeiten von Architektur-Studenten der Fachhochschule Erfurt, die mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erstellt wurden, lieferten interessante Anregungen. Einen Durchbruch können auch sie nicht bringen. »Uns als Verein hat all das nicht entmutigt, sondern eher noch mehr zusammengeschweißt«, sagt der Sonnenkirchen-Vorsitzende Raimund Schmidt.

So sind sie weiterhin frohen Mutes, ihre Sonnenkirche voranzubringen und für die Nachwelt zu bewahren – und für den Weg dahin haben sie noch reichlich Ideen und Tatendrang im Gepäck, um »Peter und Paul« das zu geben, was sie verdient: Ein vielfältiges Gemeindeleben, geteiltes Leid und vor allem frohe gemeinsame Stunden mit Blick in den Himmel.

Anke Pfannstiel

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Landwirte wünschen sich mehr Anerkennung

2. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Bilanz: Landwirtschaftsministerin und Bauernverband beklagen durchwachsene Ernte

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen die harte Arbeit der Landwirte zu schätzen wissen. Gleiches gilt auch für den Wert der Waren: Lebensmittel dürfen nicht verramscht werden.« Das erklärte Thüringens Landwirtschaftsministerin Birgit Keller bei der diesjährigen Erntepressekonferenz in der Agrargesellschaft Pfiffelbach (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt).

Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Thüringer Bauernverbandes, Lars Fliege, stellte Keller die Ergebnisse des Ernteertrages 2017 vor.

Diese sind eher durchwachsen. Starker und langer Frost im Frühjahr und viel Regen im Spätsommer hatten die Erwartungen auf die Ernte schon im Vorfeld stark gedämpft. Nun steht fest, dass die Erträge für Winter- und Sommergerste durchaus gut sind, der Winterraps sich jedoch schlecht entwickelt hat.

Thüringens Landwirte hatten bereits Anfang Juli begonnen, auf einer Fläche von etwa 350000 Hektar Getreide und auf 120 000 Hektar Winterraps zu ernten. Zuerst wurde die Wintergerste eingebracht, die vor allem als Futter für Schweine und Rinder dient. Der Winterweizen, die dominierende Fruchtart auf den Feldern, folgte Ende Juli.

Geliebte Paradiesfrucht: Der Apfel ist die Nummer eins der in Thüringen angebauten Obstsorten. Foto: epd-bild

Geliebte Paradiesfrucht: Der Apfel ist die Nummer eins der in Thüringen angebauten Obstsorten. Foto: epd-bild

Nun ist die Obsternte im Gange: Die Obstbauern hatten es in diesem Jahr besonders schwer. Dem Frost im Frühjahr fielen viele Blüten zum Opfer; es kam zu zahlreichen Ausfällen beim Obstbau. In Nordthüringen hat zudem Hagel die Erträge geschmälert.

Äpfel sind mit mehr als 1 000 Hektar die Hauptkultur im Obstbau im Freistaat. Hier belaufen sich laut Landwirtschaftsministerin Birgit Keller die Verluste auf rund 40 Prozent. Noch deutlicher sind die Einbußen bei der Süßkirschenernte. Deren Ertrag liegt sogar 60 Prozent unter dem des Vorjahres. Thüringen steht mit diesen Ergebnissen nicht allein. Auch die Landwirte in anderen Gebieten der Bundesrepublik beklagen Ernterückgänge, wenn nicht sogar -ausfälle. Ein Anstieg der Preise für die beliebten Paradiesfrüchte und viele andere Obstsorten ist daher wohl zu befürchten.

Die Landwirtschaft ist in Thüringen ein wichtiger Wirtschaftszweig. Laut dem Thüringer Landesamt für Statistik gab es im Jahr 2015 3 500 landwirtschaftliche Betriebe im Freistaat.

Neben dem Anbau von Getreide und Obst ist auch die Forstwirtschaft von großer Bedeutung.

Die EKM ist einer der größten Landbesitzer in Deutschland und verpachtet einen Großteil ihrer Flächen an Landwirte. Im Oktober soll ein neues Pachtvergabeverfahren in Kraft treten.

(G+H)

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Kreuze sorgen für Aufsehen

25. September 2017 von redaktionguh  
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Ökumenisches Projekt: Seit einigen Tagen stehen bunte Kreuze in der Innenstadt von Mühlhausen. Sie sollen die Menschen zum Nachdenken bringen – über Gott und die Reformation.

Hinschauen, Nachdenken, Diskutieren, Innehalten. Der Mühlhäuser Steinweg hat sich vor einigen Tagen in einen Kreuzweg verwandelt. 37 Laternen haben nun ein Kreuz, an dem man nicht einfach vorübergehen kann. Jedes Holzkreuz ist 1,80 Meter groß und sehr individuell gestaltet: mit Fotos, Textilem, Patchwork, Bibelsprüchen, Malereien und auffälliger Dekoration. Gefertigt wurden sie von Kindergärten, Schulen, Familienkreisen, Kirchenämtern und Hilfsorganisationen der Stadt. Die Aktion ist nicht neu. 2006 hat der Mühlhäuser Stadtdechant Andreas Anhalt sie in Suhl, seiner damaligen Pfarrstelle, angeregt. Zwölf Jahre später machen 37 Mühlhäuser Gruppen mit. Platz wäre für 44 gewesen – so viele Laternenpfähle gibt es am Steinweg.

Individuell und bunt: Lilli, Marie, Yvaine, Smilla und Ida (v.l.) vor einigen der Holzkreuze. Das Kreuz mit dem Weinreben motiv wurde vom Ökumenischen Hainich Klinikum gestaltet.  Fotos: Claudia Götze

Individuell und bunt: Lilli, Marie, Yvaine, Smilla und Ida (v.l.) vor einigen der Holzkreuze. Das Kreuz mit dem Weinreben motiv wurde vom Ökumenischen Hainich Klinikum gestaltet. Fotos: Claudia Götze

»Den Höhepunkten dieses Jubeljahres wollen wir einen zum Nachdenken anregenden Kontrapunkt entgegensetzen, denn schließlich ist eine Folge der Reformation das Kreuz der Trennung, unter dem evangelische und katholische Christen seitdem leiden«, erklärt Pfarrer Anhalt. »Kreuze sind allgegenwärtig«, sagt Pfarrer Marc Pokoj bei der Andacht zu Beginn der Aktion. Angesichts 37 sehr individuell gestalteter Kreuze weist er die Gestalter darauf hin, dass sie auch mit Vandalismus und Verschwinden ihrer Kunstwerke rechnen müssen. Das »Kreuz mit dem Kreuz« könne ohnehin vielschichtig interpretiert werden. Vor allem stehe es als das Symbol für Leid, Krankheit und Tod. Doch bei einem kurzen Innehalten an jedem Kreuz heißt es: »Kreuz ist Heil, Leben, Hoffnung.«

»Wir wollen einfach schauen, was passiert, wie sich der Anblick der Kreuze im öffentlichen Raum auswirkt«, sagt Pfarrer Pokoj. Wichtig sei zugleich, dass sich die Gestalter Gedanken gemacht haben, was im Nachgang mit den Kreuzen passiert. Die Religionsschüler der Mühlhäuser Nikolai-Grundschule wollen das farbenfrohe Kreuz mit den Bienen in ihrem Unterrichtsraum aufhängen. 70 Religionskinder haben ein »Kreuz voller Leben« mit »Fleiß und Zusammenhalt des Bienenvolkes« dargestellt. Das Deutsche Rote Kreuz will es bei seinen Aktionen dabei haben, auch die Notfallseelsorge der Diakonie hat schon einen Platz reserviert.

Auch im sozialen Netzwerk hat die Aktion Diskussionen ausgelöst: Da gehörten Kreuze nicht hin, und Religion habe im öffentlichen Raum nichts zu suchen. »Was wohl die Neubürger dazu sagen werden?«, fragte ein Nutzer. Die Kreuze stehen natürlich auch vor einem türkischen Imbiss und einem arabischen Lebensmittellädchen. In einem weiteren Fall sorgt die gut lesbare Botschaft des Kreuzes »Ihr Kinderlein kommet« für ein Schmunzeln. Das Kreuz steht vor einer Schülerhilfe.

Claudia Götze

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Gottes Gartenhaus auf Reisen

18. September 2017 von redaktionguh  
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Bilanz: Kirche auf der Thüringer Landesgartenschau in Apolda

Ein frischer Septemberwind holt das erste Laub von den Bäumen. Auf den Wegen an der Herressener Promenade sind die Gärtner nun mit Rechen und großen Weidenkörben unterwegs. Auch in Gottes Gartenhaus kündigt sich der Herbst an: Die Rebe neben dem Altar trägt volle, weiße Trauben – fast wie gemalt.

Seit im April die 4. Thüringer Landesgartenschau in Apolda ihre Pforten öffnete, ist die kleine Lichtung zwischen Friedensteich und Herressener Bach für viele Besucher zu einem »Lieblingsort«, einer Insel der Ruhe geworden. Die Seiten im Gästebuch der Glaskirche sind gefüllt mit Dank –für die Möglichkeit zum Innehalten, für gute Gespräche, die kleine Auszeit vom Alltag.

Lichtzauber im Park: Auch am Abend war Gottes Gartenhaus für viele Gartenschau-Besucher ein Anziehungspunkt. Foto: Harald Krille

Lichtzauber im Park: Auch am Abend war Gottes Gartenhaus für viele Gartenschau-Besucher ein Anziehungspunkt. Foto: Harald Krille

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Apolda-Buttstädt hat gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen, der katholischen Kirchengemeinde, diakonischen Einrichtungen und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Unter dem Motto »ganz nah« wurden Vorträge, Konzerte, Theater, Musical und Meditation geboten. Dreimal täglich wird geläutet, zu Andachten und sonntags zum Gottesdienst. An den Hochbeeten vor Gottes Gartenhaus konnten die Besucher von Pfarrer Johannes Schmidt Wissenswertes über die biblische Pflanzenwelt erfahren und sehen, dass Gottes Geschichte mit den Menschen in einem Garten beginnt und in einem Garten endet.

Möglichkeit für eine kleine Auszeit vom Alltag

»Unsere Veranstaltungen waren durchweg sehr gut besucht«, berichtet Superintendentin Bärbel Hertel. Ende August zählte die Landesgartenschau den 300 000. Besucher und erreichte damit schon vor ihrem Ablauf das geplante Mindestziel der Organisatoren. »Es kam nicht selten vor, dass wir noch zusätzliche Stühle vor dem Gartenhaus aufstellen mussten«, erinnert sich Bärbel Hertel. »Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen.«

Das gute Gelingen sei auch den engagierten Gästebegleitern zu verdanken, sagt Bärbel Hertel. »Die Ehrenamtlichen sind hier mit viel Begeisterung und Einsatzbereitschaft im Dienst.« Einer von ihnen ist Ulrich Köstli. Der evangelische Christ ist eigens aus dem Erzgebirge angereist, um in Apolda mitzuhelfen. »Ich bin ein großer Gartenschau-Fan, ich helfe gern und finde es spannend, mit so vielen unterschiedlichen Menschen an Gottes Gartenhaus ins Gespräch zu kommen«, erzählt er. Vielleicht nimmt er bald einen der transparenten Plastikstühle aus dem Gartenhaus-Inventar mit nach Hause.

Gartenstühle als Andenken reserviert

Die Stühle hätten sich schon einige der Gästebegleiter als Andenken reservieren lassen, weiß Bärbel Hertel. Auch für die Gartenbänke, die Bibelpflanzen und Hochbeete werden Nachnutzer gesucht. Ein Interessent für den Kirchenpavillon sei schon gefunden, verrät die Superintendentin. »Sehr wahrscheinlich tritt unsere schöne Glaskirche bald eine Reise nach Süddeutschland an.«

Wenn nämlich am 24. September, nach 149 Tagen, die 4. Thüringer Landesgartenschau endet, muss der Standort wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Das 15 Hektar große, aufwendig sanierte Parkareal mit der denkmalgeschützten Herressener Promenade und den beiden Teichen, soll ab 2018 mit dem Abbau des umlaufenden Zauns wieder frei zugänglich sein. »Vielleicht kann das Steinfundament von Gottes Gartenhaus erhalten bleiben«, sagt Bärbel Hertel. »Für alle, die sich hier eingebracht haben, wäre das ein schöner Treffpunkt, ein Erinnerungsort.«

Beatrix Heinrichs

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Gottesdienst als Heimat

11. September 2017 von redaktionguh  
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Die Melodien und Rhythmen, die Intensität und Ernsthaftigkeit setzen sich dauerhaft im Gedächtnis fest, wenn man einmal Sonntagmorgen einen Gottesdienst eritreischer Christen besucht hat.

Es ist anders. Andächtiger, intensiver, aber auch ausgelassener feiern Eritreer Gottesdienst. Teame Beraki ist der Diakon der kleinen eritreischen Gemeinde. Aus seinem Heimatland ist er wegen des Militärdienstes geflohen. Für ihn als Christ war das keine Option. »Ich kann nicht zurück«, sagt er. Die deutsche Sprache fällt ihm noch schwer, vor allem was das theologische Vokabular angeht.

Sein Schicksal – die Flucht vor dem Militärdienst – teilt er mit einigen der anderen. Fünf oder sechs Eritreer sind noch minderjährig. Seit Anfang April treffen sie sich regelmäßig in Eisenachs Kirchen und Gemeinderäumen zum Gottesdienst. Den ersten Kontakt suchten sie in der zentralen Georgenkirche am Markt. Küster Andreas Börner lud sie für den nächsten Sonntag zum Gottesdienst ein. Doch da verstanden sie recht wenig und fragten nach der Möglichkeit, im Anschluss ihren eigenen Gottesdienst feiern zu können. Das war zunächst kein Problem. Doch mit dem Frühling kamen auch mehr Touristen, die das Gebet, den Tanz und den Gesang der dunkelhäutigen Männer und Frauen nicht für voll nahmen und trotzdem durch den Altarraum liefen. Danach begann für die Eritreer eine kleine Odyssee durch Eisenachs Kirchenräume.

Ins Gebet versunken: Eritreische Christen feiern ihre Gottesdienste in Eisenachs Kirchengemeinden. Unwissenheit und Vorurteile führen oft dazu, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe und der Kopftücher der Frauen für Muslime gehalten werden. Foto: Mirjam Petermann

Ins Gebet versunken: Eritreische Christen feiern ihre Gottesdienste in Eisenachs Kirchengemeinden. Unwissenheit und Vorurteile führen oft dazu, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe und der Kopftücher der Frauen für Muslime gehalten werden. Foto: Mirjam Petermann

Ihr nächster Treffpunkt wurde die weniger frequentierte Nikolaikirche, bis ein weiteres Problem zur Sprache kam: Eritreische Christen essen bis zum Gottesdienstende nichts. Wenn also ihr Gottesdienst frühestens 10.30 Uhr nach dem deutschen Gottesdienst beginnt und dieser zwei Stunden und länger dauert, war der Hunger groß und die Konzentration am Ende. Also wurden weitere Lösungen gesucht und über Umwege auch gefunden. Ein Andachtsraum im Schulgebäude des Diakonischen Bildungsinstituts, etwas außerhalb der Stadt. Ruhe und Zeit haben die 20 bis 25 eritreischen Christen hier, aber für ihre Vorstellungen eben keine »richtige« Kirche, sagt Andreas Börner.

Der Diakon ist die einzige Schnittstelle zwischen den Christen aus Eritrea und Eisenachs Kirchengemeinde. Teame Beraki sagt, »er ist ein guter Mann«. In der eigenen Gemeinde wird Börner als Eritrea-Beauftragter bezeichnet – ein Job für den eigentlich keine Kapazitäten da sind. Es ist für ihn unverständlich, dass die Geflüchteten weder auf staatlicher noch auf kirchlicher Seite für solche religiösen Angelegenheiten einen Ansprechpartner haben. »Wenn es Christen sind, muss sich die Kirche auch kümmern«, findet er. Die Kontaktaufnahme der Kirchengemeinde »läuft leider nicht so, wie ich es mir wünsche«, sagt er.

Woran das liegt, dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze für Pfarrer Stephan Köhler, stellvertretender Gemeindekirchenratsvorsitzender. Konkrete Wünsche um Kontakte über die kirchliche Verbundenheit hinaus habe er von anderen Geflüchteten schon vernommen, jedoch nicht von den Eritreern. »Ich habe nicht das Gefühl, dass weiterer Anschluss gesucht wird«, so Köhler. Für ihn liegt der Grund dafür in der geschlossenen Gemeinschaft, die sie bilden. »Es wird in den Gottesdiensten spürbar, dass es für sie ein Stück Zuhause ist«, sagt er. Dafür spreche auch die Regelmäßigkeit und große Zahl der Gottesdienstbesucher. Sein Ziel ist es, die Eritreer zu ökumenischen Veranstaltungen einzuladen und das Miteinander in ähnliche Bahnen wie mit der katholischen Kirche oder den Freikirchen der Stadt zu lenken.

Köhler bemerkt aber auch, dass die Kirchengemeinde dieses Jahr aufgrund des Reformationsjubiläums sehr beansprucht sei. Wegen der zahlreichen Besucher und Veranstaltungen sind kaum noch Reserven vorhanden. Das zeigt sich auch am Freundeskreis Asyl der Kirchengemeinde. Der befindet sich derzeit »in einer Umorientierungsphase und es gab längere Zeit keine Treffen«, so der bisherige ehrenamtliche Verantwortliche Stefan Brinkel. Seit dem 1. Juli gibt es eine Stelle für kirchliche Sozialarbeit im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen. Den Posten übernahm Maike Röder, bis dato Migrationsberaterin bei der Diakonie. Für sie könnte der Kontakt mit den Eritreern ein Bestandteil ihrer Arbeit werden. Inwieweit das ausbaufähig sei, müsse man schauen, so Röder.

Mirjam Petermann

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