Fürbitten mit der Zwiebelmarktkönigin

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Mit Lisa Hoehnke (Foto) wirkte zum ersten Mal eine Zwiebelmarktkönigin beim mittlerweile 19. Zwiebelmarkt- Gottesdienst von Falk-Verein und Kirchengemeinde auf der Bühne am Herderplatz mit. Die 25-Jährige engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde in Weimar-Nord. Sie hat in Jena Sozialwesen studiert und arbeitet derzeit in einem Weimarer Cafe. Der Freiluft-Gottesdienst konnte bei strahlendem Sonnenschein gefeiert werden. Die Predigt hielt Stadtkirchen-Pfarrer Sebastian Kircheis. Für die Musik sorgten der Posaunenchor der Kreuzkirche unter der Leitung von Brigitte Kliegel und der Gospelchor »Jakob Singers«. Moderiert wurde der Gottesdienst vom MDR-Journalisten und Falk-Vereins-Vorsitzenden Paul Andreas Freyer. Die Kollekte ist für das Projekt »Tafel plus« gedacht.

Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

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Paradies im Sperrgebiet

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Bad Colberg: Vor der Wende nur mit einer Sondererlaubnis erreichbar, zieht der Kurort im südlichen Thüringen heute zahlreiche Gäste an. Mit der restaurierten Kirche St. Katharina ist er nun um ein Glanzstück reicher.

Bad Colberg dürfte der unbekannteste Kurort Thüringens sein. Wer den ausgewiesenen Weg von der A 73 nimmt, kommt zunächst im Freistaat Bayern an und greift irritiert zur Landkarte. Der malerische Ort ist Coburg viel näher als Hildburghausen. Diese Halbinsellage im äußersten Süden prägte und ließ während der Zeit der innerdeutschen Teilung das Leben anders gehen und hinterließ Narben. Unmittelbar hinter einigen Häusern verlief die Selbstschussanlage der Grenze.

Wunderschön ist hier die Landschaft. Kurbetrieb gibt es seit 1910. Die moderne Terrassentherme der Median-Klinik mit ihren warmen Mineralquellen bietet Badefreude für jedermann. Einige der schmucken Fachwerkhäuser haben Ferienwohnungen, und das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg (2016 eröffnet) sorgt für überregionale Aufmerksamkeit.

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Ein »Paradies von sieben mal neun Metern«: So nannte Superintendent Johannes Haak die Bad Colberger Kirche in seiner Festpredigt zur Wiedereinweihung. Foto: Thomas Schäfer

Seit dem vergangenen Wochenende hat sich nun ganz offiziell ein weiteres lohnendes Ziel hinzugesellt: die St. Katharina Kirche in Bad Colberg. Superintendent Johannes Haak nannte sie in seiner Festpredigt am 29. September zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten ein »Paradies von sieben mal neun Metern«. Aus der Wegkapelle, erstmalig 1528 erwähnt, wird im 17. und 18. Jahrhundert eine kleine Kirche, mal zu den Hennebergern gehörend, mal zu den Wettinern, aber immer wertgeschätztes Gotteshaus einer lebendigen Gemeinde.

Uwe Voit, Kirchenältester seit 2007, fasst es so zusammen: »Unsere Eigenständigkeit ist uns wichtig, damit wir über unser Gemeindeleben auch selbst bestimmen können.« 80 der 127 Einwohner gehören zur evangelischen Kirchengemeinde, Ort und Kirche sind eng verbunden und ehrenamtliche Arbeit ist selbstverständlich. Die permanente Mobilität erschwere jede Organisation, doch die Heimatverbundenheit bleibe. Die Kirmes wird beispielsweise mit allem Drum und Dran gefeiert, es gibt immer ein Krippenspiel, meist auch ein Osterspiel und Feiertage ohne Gottesdienst sind undenkbar.

Seit Pfarrerin Sylvia Graf von Heldburg her sieben Gemeinden zu versorgen hat, ist nur noch aller vier Wochen regulärer Gottesdienst. Dass die Kirche an den Wochenenden geöffnet und mit frischen Blumen geschmückt wird, ist Herzensangelegenheit von Marga Müller und Rosa Ameiß-Becker. »Wo Gottes Wort gepredigt wird, muss der Anblick auch würdig und passend sein«, so ihre Meinung.

Das Engagement der Gemeinde für ihre Kirche schätzt auch Ingo Kronacher vom Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld. Er half bei der Vorbereitung und Organisation der Kirchenrestaurierung. »Wenn Gemeinden sich kümmern, bin ich gern dabei und unterstütze.« Die ersten restauratorischen Untersuchungen liefen 2007 an, 2014 folgte die Fertigstellung der Bauhülle und zwei Jahre später die Innenrestaurierung, für die gut 27 000 Euro zusammengetragen werden mussten. Geholfen haben neben kirchlichen und staatlichen Stellen auch viele Einzelspender. Zu ihnen gehört jetzt auch Lothar Hoffmann. Der Tierarzt aus Heldburg überraschte die Gemeinde am Einweihungstag spontan mit 700 Euro. Er wolle damit als Jagdpächter den Colbergern für ihr Vertrauen danken und helfen, Kirchen als »Zeichen unseres Glaubens und unserer Lebensart« zu erhalten.

Uta Schäfer

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Neue Gemeinde gewachsen

7. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Landesgartenschau Burg: Bilanz nach 170 Tagen Kirchenpavillon

Nach 170 Tagen schließt am 7. Oktober der Kirchenpavillon auf der Landesgartenschau (Laga) in Burg – für die Kirchen in der Stadt könnte, angestoßen durch die Laga, aber ein neues Kapitel beginnen. Von April bis Oktober haben sie gezeigt, was es heißt, Christ zu sein. Evangelische, katholische, reformierte, adventistische und neuapostolische Christen haben mit Unterstützung vieler Partner aus Kirche und Diakonie nicht nur die Vielfalt des Glaubens gezeigt, sondern sich vor allem Zeit genommen für die Menschen, die den Kirchenpavillon besucht haben.
Kirche-vor-Ort-2-40-2018»Da ist über die Grenzen der Gemeinden hinweg eine Art neue Gemeinde gewachsen«, bilanziert Nicol Speer, Projektkoordinatorin des Kirchenkreises Elbe-Fläming für die Kirchen auf der Landesgartenschau. Diese ökumenische Gemeinschaft sowie deren Stärke und Dynamik wolle man nutzen, zum Gewinn für die Stadt. Dabei ist das Konzept der Kirchen für die Laga so simpel wie wirkungsvoll gewesen: »Wir schenken den Menschen Zeit, ohne Bedingung, ohne Hemmschwelle«, sagt Nicol Speer. Rund 100 Ehrenamtliche schenkten den Gästen der Gartenschau ihre Zeit, luden zu Kaffee und Gesprächen ein, hörten zu und sprachen vom Glauben.

Der Kirchengarten auf der Laga in Burg. Foto: Nicol Speer

Der Kirchengarten auf der Laga in Burg. Foto: Nicol Speer

Viele ließen sich einladen, verweilten länger als geplant. Täglich feierten die Menschen miteinander Andachten, dazu kamen regelmäßig 20 bis 30 Gäste.

Die Debatten darüber, wie dies fortgesetzt werden kann, auch wenn der Kirchenpavillon in den Ihlegärten abgebaut ist und wieder Alltag herrscht in Burg, haben gerade begonnen: »Gottesdienst plus« oder Gesprächsangebote während des Wochenmarkts sind erste Ideen. Eine Erfahrung ist: Um über Gott und die Welt zu sprechen, muss man nicht zwangsläufig in einem Kirchengebäude sitzen, sondern kann auch dorthin gehen, wo die Menschen sind. Dass dies auf der Laga gelungen ist, ist auch dem Ort zu verdanken: In den frei zugänglichen Ihlegärten wurde der Kirchenpavillon, der einer aufgeschlagenen Bibel gleicht, aufgebaut. »Nah genug dran an der Stadt, aber doch eine Oase«, sagt Laga-Koordinatorin Speer.

Auch die Kooperation mit der Laga GmbH lobt der evangelische Kirchenkreis. Vom Anfang bis Ende war man eingebunden, auch auf der Hauptbühne, wo am Wochenende der große Erntedankgottesdienst gefeiert wurde. Zum Abschluss gibt es an diesem Sonntag noch einmal einen ökumenischen Gottesdienst unter katholischer Leitung, Musik, eine Versteigerung – und natürlich viel Zeit für gute Gespräche.

(G+H)

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Basecap und Talar

1. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Jennifer Scherf ist 32 Jahre und damit die jüngste Pfarrerin im Merseburger Kirchenkreis

Am liebsten trägt Jennifer Scherf Sportschuhe, Jeans und Basecap. Hat sie frei, spielt sie Squash oder geht an der Saale joggen. Neulich war sie in Berlin auf einem Konzert der Rocksängerin Pink. Selbst schlägt sie sanftere Töne auf dem Klavier, der Gitarre und Trompete an. Ist sie im Dienst, trägt sie Talar. Jennifer Scherf ist seit April vergangenen Jahres Pfarrerin in Leuna und dem Unteren Geiseltal. Sie ist mit ihren 32 Jahren die jüngste von 17 Pfarrerinnen und Pfarrern im Kirchenkreis Merseburg, wo der Altersdurchschnitt bei über 50 Jahren liegt.

Leuna statt Wolfsburg: Dafür hat sich die junge Theologin Jennifer Scherf entschieden. Privat sieht man die Pfarrerin mit Basecap, Jeans und Turnschuhen. Foto: Petra Wozny

Leuna statt Wolfsburg: Dafür hat sich die junge Theologin Jennifer Scherf entschieden. Privat sieht man die Pfarrerin mit Basecap, Jeans und Turnschuhen. Foto: Petra Wozny

»Ich möchte keinen anderen Beruf und ich möchte hier auch so schnell nicht wieder weg«, sagt sie entschieden. Jennifer Scherf ist im Glauben fest verankert. Mit zehn Jahren trat sie gemeinsam mit Oma Elsa in den kirchlichen Posaunenchor ein. Den Auslöser, Pfarrerin zu werden, gab ihr Religionslehrer auf dem Gymnasium. »Man darf im Glauben nicht nur denken, man soll sogar denken. Das hat mich neugierig auf die Kirchengeschichte, die Bibelarbeit und christliche Ethik gemacht«, schildert sie. Die junge Frau stammt aus Wolfsburg, wo man eigentlich beim Automobilhersteller VW arbeitet. So wie ihre Eltern, die die Tochter dort gern gesehen hätten. Theologie studierte sie acht Jahre unter anderem in Göttingen und Leipzig. Nach dem Gemeindepraktikum habe sie gewusst, dass die Arbeit im Gemeindepfarramt die richtige für sie ist. »Hier sehe ich, wie die christliche Botschaft ins Leben übergeht«, sagt sie. Nach dem Vikariat standen viele Fragen im Raum: Gehe ich wieder zurück in die Heimat, bleibe ich in Sachsen oder nehme ich ein neues Ziel ins Visier? Sie entschied sich für Leuna in Sachsen-Anhalt – Chemiestandort und Gartenstadt.

Als sich Jennifer Scherf im Gemeindekirchenrat vorstellte, über ihre Ausbildung, Arbeit und ihre angetraute Frau Denise offen sprach, spürte sie schnell: Hier stimmt die Chemie. »Ich war beeindruckt, wie offen die Menschen mir entgegen kamen und wie gut strukturiert die Kirchenarbeit ist, die von vielen engagierten Ehrenamtlern getragen wird. Ich wurde gut aufgenommen.« Zum Gotteshaus in der Stadt Leuna kommen weitere zwölf in den umliegenden Dörfern dazu. Etwa 1 000 Kirchenmitglieder zählt man in diesem Gebiet. Das sind etwa sieben Prozent der Bevölkerung. »Ich hatte etwas Bedenken, dass ich zum Gottesdienst vor zwei bis drei Leuten stehe. Das war jedoch nie der Fall. Überall sind es meist bis zu 20 Personen«, erzählt Jennifer Scherf. Erst stellten sie sich aus Neugier ein, aber nun haben sich die Besucherzahlen etabliert. Der Predigtstil der Neuen komme an. Viele moderne Kirchenlieder hatte sie im Gepäck. Das habe jedoch nicht jeden gefreut. Nun einigte sich die Gemeinde auf mehrheitlich altes Liedgut, wobei Jennifer Scherf immer auch ein neues Lied singt und spielt.

Beziehungen aufzubauen, Menschen zu besuchen – das ist ihr wichtig. Da komme es auch vor, dass die 32-Jährige eine 90-Jährige trösten muss, die vor ihr zu weinen beginnt. Stark angestiegen ist die Zahl der kirchlichen Beerdigungen. Zeitfressend sei die Verwaltungsarbeit. An fast allen Kirchen müsste etwas gemacht werden. Mal ist es die Orgel, mal das Dach. Gerade wird das Leunaer Pfarrhaus samt Sakristei saniert.

Wie gut Jennifer Scherf der Gemeinde tut, ist an den steigenden Zahlen bei Trauungen und Taufen zu spüren: Fünf Trauungen und elf Taufen gab es in einem Jahr, acht weitere sind angemeldet. Natürlich freut das die Pfarrerin, die sich in der Jugendarbeit stärker einbringen will. Da gebe es noch viel zu tun. Aber wie sagt Jennifer Scherf: »Ich habe Zeit. Ich will hier so schnell nicht weg.«

Petra Wozny

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Erste Berührung mit dem Glauben

20. September 2018 von redaktionguh  
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Evangelische Grundschule Hettstedt wirkt seit 15 Jahren in der Bergbaustadt

Für das neue Schuljahr hat die evangelische Grundschule in Hettstedt schon jetzt 29 Anmeldungen. Geht es so weiter, wird es auch im kommenden Jahr zwei erste Klassen geben. Derzeit lernen 94 Mädchen und Jungen in dem Schulgebäude aus DDR-Zeiten. Vor 15 Jahren startete die »Martin Luther«-Schule mit acht Kindern.

Hettstedt war und ist geprägt vom Bergbau. Die Schule im Neubaugebiet ist für viele der erste Berührungspunkt mit Kirche überhaupt. Dies als Chance zu erkennen, ist der Verdienst der Elterninitiative, die 2003 die Schule gründete, ebenso wie von Schulleiterin Kerstin Müller und ihrem Team. Mit Unterstützung des Kirchenkreises wurde die Schule zur »Gemeinde auf Zeit«. Anerkannt und gewürdigt wurde dieser Einsatz mit der Aufnahme der Schulgemeinde in die »Erprobungsräume« der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Schulanfänger mit ihrer Lehrerin Anne Zacharias. Foto: Katja Schmidtke

Schulanfänger mit ihrer Lehrerin Anne Zacharias. Foto: Katja Schmidtke

Die Schulgemeinde feiert regelmäßig Gottesdienste und Andachten. Oft, aber nicht immer, ist Schulpfarrerin Dörte Paul dabei. Auch Lehrer und die Erzieher des Schulhorts »Noahs Vielfalt«, Eltern und Kinder bringen sich in das geistliche Leben ein. Tischgebete gehören zum Alltag. Im »Raum der Stille« ist das Vaterunser kunstvoll an die Wand gemalt. »All dies, das tägliche Leben hier, prägt unsere Schüler«, sagt Kerstin Müller. Auch jene Kinder, die aus konfessionslosen Elternhäusern kommen. In jedem Jahr gibt es Anfragen, Kinder, aber auch Eltern taufen zu lassen. Am Anfang hat Schulleiterin Müller für jedes Kind, das keinen Christen in der Familie hat, selbst das Patenamt übernommen. Mit der Zeit wurde das immer schwieriger, lacht die Lehrerin.

Von Schulpfarrerin Paul stammte die Idee, die Kirchengemeinden und die Schulgemeinde zusammenzubringen – und so werden heute auch junge Menschen, die gerade ihre Konfirmation gefeiert haben, dazu ermutigt, Paten für Grundschüler zu werden. Besonders aus den Heimatgemeinden der Schüler sollen sich Christen finden, damit die Kinder nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule nicht aus der christlichen Gemeinschaft heraus-, sondern in sie hineinwachsen. Um den Kontakt zu stärken, sind Hettstedts Pfarrer Sebastian Bartsch sowie Superintendent Andreas Berger im Schulkuratorium, die Schulleiterin nimmt in Abständen an den Sitzungen des Gemeindekirchenrats teil, zum Martinstag gibt es einen gemeinsamen Umzug, und der erstmals gefeierte Familiengottesdienst stieß auf eine so gute Resonanz, dass er wiederholt werden soll. Die Kantorin leitet einen Schulchor und das Kinder- und Jugendpfarramt der EKM half, eine Vater-Kind-Freizeit zu organisieren.

Zusammenzuarbeiten ist Schulleiterin Müller wichtig: auch im Team, das mit sechs Lehrern und vier Erziehern, von denen zwei als pädagogische Mitarbeiter im Unterricht dabei sind, gut besetzt ist. Ein eigenes Lehrerzimmer gibt es nicht, Lehrer und Hortner teilen sich einen Pausen- und Arbeitsraum. Alle wirken gleichberechtigt mit. Ganzjährig gibt es Angebote in den Ferien, die auch die Lehrer mitgestalten.

Nun warten alle sehnsüchtig auf eines: Den Fördermittelbescheid für die umfassende Sanierung der Schule, die sich seit 2010 in Trägerschaft der Schulstiftung befindet.

Gefeiert wird der 15. Schulgeburtstag am 21. September im Kolping-Berufsbildungswerk in Hettstedt. Die Vorführungen der Kinder stehen unter dem Thema »Das Leben ist so bunt wie ein Regenbogen«.

Katja Schmidtke

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»Alles, was in meinem Leben wichtig war«

17. September 2018 von redaktionguh  
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Taufe, Konfirmation und Trauung: In Goldschau im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz sind die Menschen mit ihrem Gotteshaus verbunden. Fast jeder Dritte im Dorf ist Kirchenmitglied.

Goldschau – die 300-Seelen-Gemeinde ist der letzte Ort Sachsen-Anhalts vor der thüringischen Grenze. Viel ist nicht los, sagen die Leute. Einen Bäcker, einen Fleischer oder einen Tante-Emma-Laden gibt es schon lange nicht mehr. Buslinien in die Stadt sind selten geworden. Doch mitten im Ort steht die Kirche. Auf die sind die Goldschauer stolz. Als einer der ganz wenigen sakralen Bauten des Bundeslandes hat sie einen Turm aus Holz, was dem Dorf den Spitznamen »Bretter-Goldschwe« einbrachte.

Karl-Heinz Zaumseil kann sich ein Leben ohne die kleine Kirche nicht vorstellen. Seine Großeltern waren 1923 vor den Altar getreten, um das Ehegelübde abzulegen. Seine Eltern hatten sich 1952 trauen lassen. Er selbst wurde 1956 hier getauft. 1970 entstand das Foto von seiner Konfirmation. 1993 heiratete er. Auch beide Kinder erhielten im Goldschauer Gotteshaus die Taufe. »So etwas verbindet. Hier hat sich ja alles abgespielt, was in meinem Leben wichtig war«, sagt er.

Brigitte Knauth kann das nachvollziehen. Von Kindesbeinen an ist sie mit dieser Kirche, in der sie getauft und konfirmiert wurde, verbunden. Heute trägt die 82-Jährige die Gemeindebriefe im Dorf aus. Das sind nicht wenige, denn jeder Dritte des Ortes ist Kirchenmitglied. Auch der 88-jährige Rudi Gröbe, dessen Haus einen Steinwurf vom Gotteshaus entfernt steht, hat seine Erinnerungen an die »Bretter-Kirche«. Vor 66 Jahren heiratete er hier seine Gerda. Die Frau starb im vergangenen Jahr. Seine Hochzeitsschuhe hat er immer noch.

Die 500 Jahre alte Kirche in Goldschau ist dank des Engagements vieler Dorfbewohner in einem guten Zustand. Ein Leben ohne die Kirche kann sich Karl-Heinz Zaumseil nicht vorstellen. 1970 wurde er in Goldschau konfirmiert, das Konfirmationsbild zeigt ihn vorm Portal. Fotos: Petra Wozny

Die 500 Jahre alte Kirche in Goldschau ist dank des Engagements vieler Dorfbewohner in einem guten Zustand. Ein Leben ohne die Kirche kann sich Karl-Heinz Zaumseil nicht vorstellen. 1970 wurde er in Goldschau konfirmiert, das Konfirmationsbild zeigt ihn vorm Portal. Fotos: Petra Wozny

Die spätgotische Saalkirche wurde laut einer Inschrift am Chor 1518, also vor 500 Jahren, auf den Mauern einer romanischen Kapelle errichtet. Etwa 130 Menschen haben in ihr Platz. Nicht nur der barocke Altar fällt ins Auge, sondern auch die Orgel, eine blaue Kassettenholzdecke, die Patronatsloge und eben der hölzerne Turm. Geld für Steine muss es damals nicht gegeben haben, vermuten die Dorfbewohner. Doch so dumm ist das mit den Balken nicht, wissen sie. Der Wind bläst durch die Ritzen, weshalb es im Goldschauer Gotteshaus nie muffig riecht.

Solch ein Schmuckstück, als das sich das Goldschauer Gotteshaus heute präsentiert, war es nicht immer. Den letzten Anstrich hatte es 1927 bekommen. Auch Reparaturen an der Orgel lagen Jahrzehnte zurück, erinnert sich Karl-Heinz Zaumseil. Unterm Strich: Es musste viel gemacht werden.

Dafür spannt sich seit Jahrzehnten Iris Winckelmann vor den Karren und schart im Kirchenkreis viele Gleichgesinnte wie Zaumseil und Knauth um sich. Die heute 60-Jährige wuchs in einer christlichen Familie auf. »Von meinem Kinderzimmer aus blickte ich auf die Kirche. Die Glocken zu läuten, war meine Pflicht.«

1982 zog sie nach Goldschau. Logisch, dass drei ihrer vier Kinder in der Kirche getauft sowie zwei auch konfirmiert wurden. »Die Kirche hatte es mir sofort angetan. Mich dafür einzusetzen, dass sie im Dorf bleibt, wurde für mich zu einer anspruchsvollen Arbeit«, erzählt die Kirchenälteste. Sie ist es, die nicht locker lässt im Klinkenputzen und nicht müde wird, Förderanträge zu stellen, passende Stiftungen zu suchen und immer wieder die Goldschauer zu motivieren.

Etwa 120 000 Euro seien in den letzten drei Jahrzehnten verbaut worden. So ist das Kirchenschiff neu eingedeckt und die Wetterfahne gesetzt worden. Die Patronatsloge wurde 2003 zum Gemeinderaum umgestaltet. Drei Jahre später bekam die Kirche einen frischen Außenputz. Ein weiteres Jahr darauf wurde die Glockenanlage repariert, 2009 die Innenwände gemalert und die Decke saniert. 2011 erfolgte die Restaurierung des Altars. Vor drei Jahren konnte die Orgel repariert werden.

Immer und immer wieder galt es Geld zusammenzubringen. »Da lässt du Zeit und auch Nerven«, gibt Iris Winckelmann zu. Doch egal, wen sie angesprochen habe, jeder habe mitgeholfen, ob beim Saubermachen oder mit einem Geldschein. Jedes Mal, wenn eine Etappe geschafft ist, freut das die engagierte Frau. »Wir spüren schon, dass die Taufen, Trauungen und auch Trauerfeiern in unserer Kirche zunehmen. Lesungen und Konzerte locken darüber hinaus die Leute an.«

Glücklich sei sie mit ihren Ehrenamtlern gewesen, als das Gotteshaus 2016 »Kirche des Monats« der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler wurde.

Gegenwärtig wird wieder Geld gesammelt. Die Tauf- und Abendmahlsgeräte müssen repariert werden. Das ist nach Aussage des rührigen Trios sündhaft teuer.

Und dann sind ja da noch die Fenster … Entmutigen lassen sich die Goldschauer nicht. »Da haben wir schon ganz andere Hürden genommen«, meint Iris Winckelmann.

Petra Wozny


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Am Montag war nichts wie früher

3. September 2018 von redaktionguh  
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Mattstedt: Hunderte demonstrierten friedlich nach Verbot des Rechtsrock-Konzerts

Seit diesem Wochenende gilt Mattstedt als »das Dorf, das die Neonazis vertrieb«, wie die Lokalzeitung titelte. Das als politische Versammlung angemeldete Rechtsrock-Festival wurde abgesagt. Grund war ein gerichtlich bestätigtes Betretungsverbot für das Festivalgelände. 3 000 Rechtsextreme aus Deutschland und Europa wurden im Weimarer Land erwartet.

Von Erleichterung zu sprechen, fällt Diana Schuchardt dennoch schwer. Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas, Bürgermeister des 500-Seelen-Ortes, organisierte sie den Protest. »In den letzten Wochen haben wir gebetet und gesungen ›Heiland, reiß die Himmel auf‹. Als uns die Nachricht vom Verbot erreichte, haben wir uns gefreut, aber gejubelt haben wir nicht«, erinnert sich die Gemeindepädagogin. Denn was dem Dorf jetzt bevorsteht, ist, was Diana Schuchardt diplomatisch einen »langen Prozess« nennt.

Bunte Meile: Aus dem Protest gegen die Neonazi-Veranstaltung machte das Bürgerbündnis ein Fest für die Demokratie. Foto: Maik Schuck

Bunte Meile: Aus dem Protest gegen die Neonazi-Veranstaltung machte das Bürgerbündnis ein Fest für die Demokratie. Foto: Maik Schuck

Der begann schon mit Bekanntwerden des angemeldeten Rechtsrock-Konzerts. »Nach einer kurzen Schockstarre sind wir aktiv geworden und haben in Mattstedt alle Familien besucht, mit ihnen gesprochen, mit jedem einzelnen.« Vier Familien aus dem Dorf organisierten schließlich den Protest, über 30 Bewohner sagten dem Bürgermeister und seiner Frau ihre Unterstützung zu. Beistand und Solidarität erfuhren die Mattstedter auch von den Bürgerbündnissen aus Themar und Kloster Veßra.

In den Gesprächen mit den Dorfbewohnern sei ihr viel Frust und Enttäuschung entgegengeschlagen, erinnert sich Diana Schuchardt. »Wir haben den Menschen versichert, dass wir ihre Meinung akzeptieren. Aber viele haben gefragt: Warum lasst ihr euch so davon aufreiben? Das ist doch die Sache der Politik. Und warum lassen die uns damit allein?« Nicht jedem hätten sie begreiflich machen können, erzählt sie, dass es wichtig sei, sich dagegen zu stellen.

Und da wird sichtbar, welcher Gestalt dieser »lange Prozess« ist, von dem Diana Schuchardt spricht. »Solch eine Situation bedeutet eine eindeutige Positionierung – egal, ob man sich engagiert oder zu Hause bleibt.« Es verlange den Menschen viel ab, ihre Meinung in Handeln umzusetzen. Zudem, meint sie, sei die Beteiligung an einem zivilgesellschaftlichen Protest für viele neu gewesen. »Ich vermute, es gibt nur wenige Mattstedter, die schon mal bei einer Demo waren. Und dann ist da noch die Angst.« Diana Schuchardt berichtet, dass viele Familien entschieden hätten, über das Wochenende zu verreisen.

Trotz der Absage fanden in Mattstedt die Proteste gegen das angekündigte Neonazi-Treffen statt. Etwa 500 Menschen beteiligten sich laut Polizei, die mit Kontrollen und Straßensperren Mattstedt für anreisende Rechtsextremisten gesperrt hatte. Zum Friedensgottesdienst und dem anschließenden Demonstrationszug durch den Ort waren auch der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und andere Politiker angereist.

Inzwischen haben die Einsatzkräfte, die Politiker und Journalisten das Dorf längst verlassen. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach Normalität – und ein Streifenwagen, der in Mattstedt seine Runden dreht. Vor der Unsicherheit, der Frage, wie man jetzt dem Nachbarn begegnet, wie mit ihm redet, biete das keinen Schutz. »Es wird Risse geben«, sagt Diana Schuchardt. Sie wisse von Mattstedtern, bei denen die unterschiedliche Positionierung zu diesem Wochenende die eigene Familie spalte. »Einige meinten: Wenn es erst Montag ist, wird alles wie früher. Aber so einfach ist das nicht«, sagt Diana Schuchardt.

Mit Unterstützung der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT) will sie weiter aufklären, vor allem die ländliche Jugend. »Schauen Sie nach Themar, nach Kloster Veßra oder jetzt ganz aktuell nach Chemnitz. Es geht gar nicht um Mattstedt. Es geht um die Verharmlosung solcher Situationen, wie wir sie hier hatten. Dadurch wird das Gefahrenpotenzial der rechten Szene, der Konzerte und Aufmärsche, mit denen sie den ländlichen Raum unterwandern, völlig außer Acht gelassen.«

Beatrix Heinrichs

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Sommerfreude pur vor der Stadtkirche

24. August 2018 von redaktionguh  
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Aktion: Merseburger laden zu Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen ein

Eine bunte Wimpelkette hängt zwischen den Ästen der alten Linde, die direkt vor der Merseburger Stadtkirche St. Maximi steht. Im Schatten des mächtigen Baumes sind auf dem Buckelpflaster Gartentische aufgestellt, hübsch dekoriert mit gelber Goldrute. Am Eingang des Gotteshauses laden Liegestühle zum Lümmeln ein. Ein Saxofonspieler steht auf der Kirchentreppe und entlockt seinem Instrument weiche Töne: Sommerfreude pur.

Einladend: Ehrenamtliche Helfer schmücken den Platz vor der Stadtkirche. Foto: Petra Wozny

Einladend: Ehrenamtliche Helfer schmücken den Platz vor der Stadtkirche. Foto: Petra Wozny

Das Wetter ist seit Wochen perfekt und die Zutaten stimmen. Das nahezu mediterrane Flair lockt, genau dies zu tun: Freude am Sommer zu haben, frisch gebackenen Kuchen zu essen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Die 90-jährige Gerda Walther macht das. »Ich gehe regelmäßig in die Kirche. Nur ist im Sommer hier in der St. Maximi kein Gottesdienst. Da kommt doch diese Aktion gerade richtig. Hoffentlich lassen sich viele von ihr anstecken«, meint die rüstige Rentnerin.

Anbieten, was bisher gefehlt hat

»Wir haben versucht aufzubauen, was uns und anderen in Merseburg gefehlt hat«, schildert Pfarrerin Susanne Mahlke. Zudem habe der Gedanke die Organisatoren beseelt, einen Farbtupfer zu setzen und der Stadt etwas Gutes zu tun. Gemeinsam mit Lydia Schubert, Fachreferentin für die Arbeit mit Ehrenamtlichen, wurde die Idee der »Sommerfreude zwischen Kirche und Linde« geboren. Nicht nur ein Wochenende, nein, gleich 21 Tage lang an je drei Terminen in jeder Woche luden die Organisatoren aus dem Kirchspiel zusammen mit dem Kirchenkreis dazu ein, kurzweilig das Leben zu genießen.

Für das Gute-Laune-Projekt wurden mehr als 20 ehrenamtliche Helfer, von Jugendlichen bis Senioren, gewonnen. Pro Aktionstag werden etwa drei Kuchen gebacken, aber auch Waffeln angeboten und herzhafte Snacks zubereitet. Und es wurden Unternehmer in der Region gefunden, die die »Sommerfreude« unterstützen.

Das Open-Air-Projekt mit Kaffee, kalten Erfrischungen und guten Gesprächen erlebt jetzt seine dritte und damit letzte Woche. Am 24. August ist der vorletzte Tag. Zum großen Abschlussfest mit vielen Überraschungen wird am 26. August zwischen 15 und 22 Uhr eingeladen. »Kommen Sie vorbei und sommerfreuen Sie sich mit«, lädt Lydia Schubert Merseburger und Gäste der Stadt ein. Und sie fügt hinzu: »Es ist wichtig, solche Projekte auszuprobieren. Vielleicht fragen sich dann andere im Kirchenkreis und darüber hinaus: Wäre das nicht auch etwas für uns?«

Pfarrerin Susanne Mahlke hält es nach der bisherigen guten Resonanz auf die »Sommerfreude« für denkbar, dass die Aktion auch im kommenden Jahr den Sommer verschönt. »Ich habe gesehen, dass sie den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert«, sagt sie.

Petra Wozny

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Ältester Maulbeerbaum Deutschlands wird gefeiert

19. August 2018 von redaktionguh  
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Vorschau: Schildaus Kirchengemeinde steckte den ganzen Ort mit ihrer Fest-Idee an


Von eigener Seide hat vielleicht der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise geträumt. Jedenfalls soll auf seine Anordnung hin anno 1518 auf dem Kirchhof des Städtchens Schildau ein Maulbeerbaum gepflanzt worden sein, damit die Seidenraupen Futter haben. So hat es Gerhard Schollmeyer in »Der Heimatbote« im Jahr 2002 geschrieben. Der Baum im Schatten der Kirche gilt als ältester Maulbeerbaum Deutschlands. Den 500. Baumgeburtstag nahm die Kirchengemeinde zum Anlass, im Ort mit der Idee eines Maulbeerbaum-Festes zu werben. Nun wird vom 24. bis zum 26. August gefeiert.

»Wir wollen uns als Kirche öffnen, sowohl das Gebäude als auch als Gemeinde in die Kommune hinein. Ich freue mich sehr, dass das so gut funktioniert«, sagt Pfarrerin Hanna Jäger. Und meint damit sowohl die eigenen Aktivitäten als auch deren Annahme im nichtkirchlichen Bereich. Die Idee fand in dem Städtchen nämlich großen Widerhall. Die Vereine gehören ebenso zu den Organisatoren des Festes wie die Stadt selbst. Seit dem vorigen Oktober trifft sich die bunt gemischte und ständig gewachsene Projektgruppe, erzählt Hanna Jäger.

500. Geburtstag: Vor einem Baum, der einem Schatten spendet, solle man sich verneigen, fand schon Martin Luther. Schildau widmet seinem Maulbeerbaum ein Fest. Foto: Matthias Schulze

500. Geburtstag: Vor einem Baum, der einem Schatten spendet, solle man sich verneigen, fand schon Martin Luther. Schildau widmet seinem Maulbeerbaum ein Fest. Foto: Matthias Schulze

Es gibt nämlich nicht nur den Baum zu feiern. Gleich neben dem Pfarrhaus an der Kirche steht die Schule, die an dem Wochenende ihr 160-jähriges Bestehen begeht. Und auf der anderen Seite des Pfarrhauses entstand in den vergangenen Monaten ein neuer Hort. »Die Bürgermeisterin Eike Petzold fragte mich, ob wir dessen Eröffnung nicht gleich mit feiern«, erinnert sich Hanna Jäger. So begehen Kirchen- und politische Gemeinde gemeinsam Höhepunkte, über die sich die ganze Stadt freuen kann.

Kirche und Kirchhof sind neben Schule und Schulhof Veranstaltungsorte für unterschiedliche Angebote. Ein eher geistliches Konzert am Freitagabend, ein Vortrag über Schildau zur Zeit des Maulbeerbaum-Pflanzens von Gerhard Schollmeyer, eine Darbietung der Torgauer Geharnischten und vieles mehr sind zu erleben. Den Abschluss des Festwochenendes bildet ein Mitbring-Picknick unter dem Maulbeerbaum, das sich an den Festgottesdienst anschließt.

Übrigens steht im Pfarrgarten ein weiterer Maulbeerbaum, ein Morus nigra, also einer mit schwarzen Früchten, im Unterschied zu dem auf dem Kirchhof. »Das ist ein weißer, ein Morus alba. Die beiden sollen als Martin und Katharina gepflanzt worden sein. Luther war hier in der Gegend, und der Lutherweg geht direkt durch unser Festgelände. Aber dass Luther etwas mit den Bäumen zu tun hat, ist wohl eher eine Mär«, erzählt die Pfarrerin. Der Festfreude der Schildauer tut das freilich keinen Abbruch.

Renate Wähnelt

www.belgernschildau.de/veranstaltungen

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Herz und Hand von St. Salvator

10. August 2018 von redaktionguh  
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Stadtroda: Kirchenältester Antonio Navarra engagiert sich während Vakanzzeit

Die Gemeinde von St. Salvator in Stadtroda stand im vorigen Jahr vor einer enormen Herausforderung: Im Mai verließ Pfarrer Tobias Steinke die Kirchengemeinde, im Juni wurde Pfarrer Ingolf Rothe in den Ruhestand verabschiedet. Schon im März hatte Pascal Salzmann die Kantorei der Regionalgemeinde Artern-Wiehe übernommen, nachdem feststand, dass die Kantorenstelle nicht wieder besetzt würde. Und die Frage: Wie sollte so Gemeindeleben noch möglich sein?

Gottesdienste, Konzerte, Kirchen-Kaffee: Dank Antonio Navarra war all das auch während der Vakanz möglich. Foto: Elke Rode

Gottesdienste, Konzerte, Kirchen-Kaffee: Dank Antonio Navarra war all das auch während der Vakanz möglich. Foto: Elke Rode

Es war möglich, denn es gab einen, der die Fäden während der über einjährigen Vakanzzeit in der Hand hielt: Antonio Navarra. Mit ihm hatte ein Ehrenamtlicher die Verantwortung für die Gemeinde übernommen und es vollbracht, die Gemeinschaft mit seiner engagierten Arbeit aufrecht zu erhalten. Auch ohne Pfarrer und Kantor fanden jeden Sonntag Gottesdienste statt, es gab Konzerte, Andachten und Kirchenkaffee-Nachmittage. Weil Antonio Navarra die Kirchenmusik sehr am Herzen liegt, stand er den Musikern des Posaunen-, Gospel- und Kirchenchors mit Rat und Tat zur Seite, so bei der Suche nach einem neuen Chorleiter.

Im November 2017 wurde Antonio Navarra mit der Geschäftsführung der Kirchengemeinde betraut, nachdem die Vakanzvertretung die Region verlassen hatte. Engagiert und aufgeschlossen übernahm der Ehrenamtliche nicht nur diese Aufgabe. Als im Sommer 2017 der Traktor der Kirchengemeinde vom Friedhof gestohlen wurde, dem Kinderchor das Aus drohte und die Wohnung für den neuen Pfarrer grundlegend renoviert werden musste, suchte Antonio Navarra nach Wegen und Möglichkeiten – und fand sie. Seine Kraft schöpft der Kirchenälteste aus seinen Erlebnissen auf verschiedenen Pilgerwegen in den vergangenen Jahren. Seither, sagt er, sei es ihm ein tiefes Anliegen, sein Wirken uneigennützig in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Dankbar sei er besonders für das gute Miteinander unter den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates und anderen Ehrenamtlichen.

Nun heißt es für den Kirchenältesten loslassen. Anfang August übernimmt Pfarrer Benjamin Neubert die Pfarrstelle in Stadtroda und damit die Geschäftsführung. Antonio Navarra möchte als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates den neuen Pfarrer bei seinem Amtsantritt und darüber hinaus begleiten.

Elke Rode

Einführungsgottesdienst Pfarrer Benjamin Neubert: 12. August, 14 Uhr, St. Salvator, Stadtroda

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