Die Zukunft ist sein Land

21. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Bei uns liegt er in der Schublade an der Garderobe, unser Gemeindebrief. Eine unverzichtbare Informationsquelle. Fast jede Kirchengemeinde hat einen. Die Reichweite beträgt weit über 80 Prozent. Etwa 650 000 Gemeindeglieder kommen theoretisch in den Genuss ihres Kirchenblättchens. Das ist eine unglaubliche Quote, die keine andere kirchliche Publikation erreicht. Die ehrenamtlichen Redaktionsteams in den Kirchengemeinden machen ihre wichtige Arbeit effektiv und nahezu geräuschlos.

Vor drei Jahren haben wir im Rahmen der EKM-Erprobungsräume mit der Entwicklung eines Gemeindebriefportals im Internet begonnen. Die Idee, Kirchenzeitung und Gemeindebriefe zusammenzubringen, hatte vor einigen Jahren Ralf-Uwe Beck, der Pressesprecher der EKM. Dank der Weitsicht der Landessynode, die damals die Projektfinanzierung beschlossen hat, kann das Redaktionsportal jetzt an den Start gehen.

Vier Gemeindebrief-Redaktionen aus Elbingerode, Naumburg, Kapellendorf und Erfurt haben ihre erste Pilot-Ausgabe im Portal erstellt. Am Sonnabend werden sie die Ergebnisse bei einem Fachtag im Landeskirchenamt vorstellen. Dazu haben sich über 100 Interessierte aus unserem Verbreitungsgebiet angemeldet. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Deshalb wollen wir im neuen Jahr für alle, die nicht dabei sein können, einen weiteren Fachtag anbieten.

Als Kirchenzeitung unterstützen wir die Gemeindebrief-Redaktionen. Auch »Glaube+Heimat« soll demnächst im Portal entstehen. Die Inhalte stehen dann sowohl gedruckt als auch im Internet zur Verfügung. Das ist neu und aufregend. Wir sind zuversichtlich: Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wir sind mehr

14. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Es war wieder mal so weit. Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit haben die Welt­erklärer hüben und drüben den Ist-Zustand der Gesellschaft aus ihrem Blickwinkel beschrieben. Der Osten habe bis heute Demokratiedefizite, heißt es auf der einen Seite. Das sei ein Stereotyp, resultierend aus der Ignoranz und Arroganz des Westens, auf der anderen.

Dazu gesellt sich immer wieder die Behauptung, der Osten sei die gottloseste Region der Welt. Eine Studie aus dem fernen Chicago sollte dazu 2012 den Beweis liefern. Der ehemalige Ministerpräsident von Bayern, Günther Beckstein, sprach jüngst an der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Westseite) davon, dass der Osten Deutschlands »weitgehend entchristlicht« sei. Woraus speist sich die Erkenntnis des früheren Synodalen und CVJM-Mitglieds? Woran will man eine gottlose, gottvolle oder bigotte Region erkennen?

Die Zahlen besagen anderes: Jeden Sonntag werden in unserem Verbreitungsgebiet weit über 1 000 evangelische Gottesdienste mit insgesamt durchschnittlich etwa 40 000 Besuchern gefeiert. Knapp 80 000 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in ihrer Kirchengemeinde vor Ort. Am Wochenende verbanden sich drei Kirchenkreise miteinander, um gemeinsam in Apolda ein friedliches Zeichen gegen Hass und für Feindesliebe zu setzen. Basis waren ein ökumenischer Gottesdienst und Andachten. Das war ein öffentliches Glaubensbekenntnis, wie es Christen bereits in Themar, Mattstedt, Köthen oder anderswo abgelegt haben. So etwas geschieht, Gott sei Dank, in Ost und West und nicht nur sonntags.

Ich bin froh, dass wir Christen im Osten immer noch mehr sind, als viele glauben. Und dass unser Herr auch über dem vermeintlich »kleinen Häuflein« seine schützenden und segnenden Hände hält.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Nur die Kohle zählt

7. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Kaum ist der extreme Hitzesommer vergangen, scheint auch die Klima­frage wieder aus dem Blick zu geraten. Die bra­chial durchgesetzte Rohdung des Hambacher Forstes oder die bevorstehende Opferung von Pödelwitz in Sachsen samt seiner alten Kirche für den Kohletagebau scheinen die eigentlichen Prioritäten wieder zurechtzurücken: Nur die Kohle zählt. Allen Warnungen zum Trotz, dass unsere Erde in Kürze wegschmilzt – auch und vor allem dank des Klimakillers CO2 –, scheint ein schneller Kohleausstieg derzeit einfach nicht machbar. Wenn nur noch Marktgesetze zählen, gehen andere Werte unter. Das ist das Gesetz des Kapitalismus, dem wir derzeit so erschreckend beim Funktionieren und Zerstören zuschauen können.

Dagegen erinnert der Schöpfungstag am 4. Oktober an eine andere Wahrheit: alles Leben ist heilig und würdig und zu verteidigen. Der Heilige Franziskus, dessen an diesem Tag gedacht wird, hat die Priorität im Namen Gottes wieder zurechtgerückt: Nicht das Geld, sondern das Leben steht an oberster Stelle. Er sprach von den Tieren und Pflanzen als von seinen Geschwi­stern und von der »Mutter Erde«.

Diese Ehrfurcht vor dem Leben ist tief christlich – und leider durch den jahrhundertelangen Kapitalismus weitgehend erodiert. Dabei ist diese Schöpfungsehrfurcht der einzige Ausweg aus der akuten ökologischen Krise unseres Planeten.

Doch wer tritt für sie ein? Der Kirche könnte hier eine Aufgabe zuwachsen, ohne dass sie umständlich nach Profilierungsmöglichkeiten suchen müsste. Der Erntedank und der Aufschrei für die geschundene Schöpfung gehören untrennbar zusammen. Denn nur eine bewahrte Erde kann eine fruchtbare sein. Wer dagegen zerstörerisch Hand an die »Mutter Erde« legt, sündigt.

Stefan Seidel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Lieb und teuer

30. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Endlich! Fünf Jahre nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab einem Jahr, hat die Bundesregierung erkannt, dass Masse nicht Klasse schlägt. Nachdem in den vergangenen Jahren viele neue Krippen und Kindergärten entstanden sind, soll nun bei der Qualität nachgebessert werden.

Mit dem »Gute-Kita-Gesetz« stellt der Bund den Ländern in den kommenden vier Jahren 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Sie sollen das Geld in eine bessere Betreuung investieren: Mehr Personal einstellen, die Öffnungszeiten ausweiten oder die Gebühren senken, bis hin zur kostenlosen Kita. Letzteres ist ein fatales Zeichen. Was ist etwas wert, das nichts kostet? Kindergärten sind nicht wertlos. Sie sind wertvoll und im besten Fall voller Werte – als Orte der Bildung, der Integration oder des Glaubens.

Es ist vollkommen richtig, dass Menschen, die Hartz IV oder Wohngeld erhalten, keine Elternbeiträge zahlen müssen. Aber nicht immer entscheiden finanzielle Gründe über den Besuch eines Kindergartens: Schon jetzt zeigen Studien, dass weniger Kinder aus armen Familien oder solchen mit Migrationshintergrund in einen Kindergarten gehen. Wenn nun allen Eltern die Gebühren erlassen werden, ist das ein Wahlgeschenk, von dem nur Besserverdiener profitieren.

Das Geld, das einige Bundesländer in die Abschaffung der Gebühren investieren, steht den Erziehern zu. Der Betreuungsschlüssel muss vor allem im Osten verbessert werden. In Sachsen-Anhalt kümmert sich eine Erzieherin um 6,4 Kleinkinder, in Baden-Württemberg sind es drei. Wir brauchen mehr Erzieher, gut ausgebildete und gut bezahlte Erzieher. Erzieher, die in einem starken Kollegium tätig sind, das mit den Belastungen, die dieser Beruf mit sich bringt, umgehen kann. Das sollte uns lieb und teuer sein.

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wie wir leben wollen

23. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Vor mehr als einer Woche stirbt ein junger Mann in Köthen. Vorangegangen ist ein Streit, an dem auch Asylbewerber beteiligt sind. Die Todesursache wird forensisch geklärt. Doch der zutiefst bedauernswerte Tod dieses jungen Menschen wird schnell instrumentalisiert, um Grundsatzfragen zur Asylpolitik in Parolen auf die Köthener Straßen zu bringen.

Die Kirchengemeinden vor Ort reagieren umgehend mit Friedensgottesdiensten und Gebeten. Längst geht es dabei um mehr: Wie wollen wir in unserem Land zusammenleben? Die Situation von Flüchtlingen ist dabei nur ein Aspekt. Zu beobachten ist ein völliger Verlust von Respekt vor Institutionen – und eine noch größere Respektlosigkeit im Umgang mit anders Denkenden.

Im friedlich wiedervereinigten Deutschland kann es indes keine belastbare Gemeinschaft geben ohne einen respektvollen Umgang miteinander. Natürlich müssen ganz offen die Gründe für die Wut der Menschen auf der Straße ergründet werden. Möglicherweise ist aber die tiefgreifende Spaltung unserer Gesellschaft zu lange unterschätzt worden. Ein schlichtes »Weiter so« ist dabei ebenso untauglich wie Wut oder Hass es sind. Nicht zuletzt die Kirchen haben 1989 das Instrument des Runden Tisches als bleibenden Beitrag für den Ausgleich unterschiedlicher Interessen initiiert.

Es wird viele lokale und regionale Runde Tische brauchen, um der Spannung in unserer Gesellschaft auf die Spur zu kommen und einen Beitrag zur Lösung der Konflikte zu leisten. Jetzt ist die Zeit dafür. Die Erfahrungen der friedlichen Revolution lassen hoffen, es möge erneut gelingen.

Joachim Liebig

Der Autor ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts und Vorsitzender des Evangelischen Presseverbandes in Mitteldeutschland (EPVM).

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wissen hilft

16. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Antijudaistische Klischees, nationalsozialistisches Gedankengut und Import des Nahost-Konflikts sind die Basis neuen Hasses und neuer Gewalt gegen Juden. Jüdische Friedhöfe geschändet, Jude wird als Schimpfwort geduldet, unser Rabbiner wird auf der Straße verbal angegriffen, Juden werden aufgefordert, ihr Judentum zu verschweigen, Drohbriefe werden böser, jüdische Schüler werden im Stich gelassen.

Außerhalb Thüringens werden Symbole des Judentums ungehindert verbrannt, jüdische Kinder aus der Schule gemobbt, Kippa-Träger körperlich angegriffen und Anti-Israel-Demonstrationen enden in primitivstem Antisemitismus. Die Mitte der Gesellschaft bleibt weitgehend gleichgültig. Demokraten in den Kirchen, Organisationen, Parteien und Bürgerbündnissen engagieren sich. Ihnen gilt unser Dank, aber sie sind zu wenige. Was tun?

Beharrliche Wissensvermittlung von Kindergarten über Schule bis zur Berufs- und Hochschulausbildung ist vonnöten. Ob Stammtisch-Aktivisten, Pegida- und AfD-Mitläufer oder rechtsextreme junge Straftäter: wir müssen ihnen mit Argumenten begegnen. Meine Gefängnisgespräche empfinden ich und auch die Häftlinge hilfreich. Wissen, nicht Hass ist die Antwort auf Hass.

Wissen über jüdische Geschichte schließt die jüdische Tragödie ein. Aber vor allem muss an den Beitrag der Juden an deutscher Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft sowie an die Perioden erfolgreicher christlich-jüdischer Zusammenarbeit erinnert werden. Wer die Leistungen der jüdischen Minderheit kennt, deren Anteil an der deutschen Bevölkerung stets weniger als ein Prozent betrug, wird sich jenen entgegenstellen, die heute das Wort Jude als Schimpfwort verwenden. Die Zeit drängt.

Reinhard Schramm

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Die Tür zum Glauben

9. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Hin und wieder höre ich von Eltern, die der Kirche angehören, ihren Nachwuchs aber nicht in den Religionsunterricht schicken und auch nicht an christliche Tradition heranführen: »Mein Kind soll später einmal selbst entscheiden, ob es zur Kirche gehören will oder nicht.« Ich halte diese Einstellung für falsch, weil Eltern damit ihren Kindern einen wertvollen Schatz vorenthalten. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass sie im Erwachsenenalter ihren Weg zu Gott finden – dafür gibt es etliche Beispiele. Dennoch – vermute ich – ist es leichter in eine Beziehung mit Gott hineinzuwachsen und daran festzuhalten, wenn frühzeitig dafür der Samen gelegt wird.

Meine Eltern ließen mich zwar taufen, aber im Alltag spielte Glauben und Kirche kaum eine Rolle. Zum Glauben gekommen bin ich in der 1. Klasse durch die Christenlehre. Wie wahrscheinlich die meisten Kinder in diesem Alter, nahm ich meine Umwelt sehr genau wahr und war keineswegs mit allem einverstanden, was ich in Schule und Hort erlebte.

Die Christenlehre bot mir dazu eine Alternative, ein Kontrastprogramm. Die biblischen Geschichten faszinierten. Wenn die Pfarrfrau, die uns als Katechetin unterrichtete, von Jesus erzählte, wie er mit den Menschen umging, staunte ich und dachte: So also kann man auch leben. Das waren Geschichten, an denen ich mich orientieren konnte.

So entschied ich mich als Christ zu leben. In dem Moment schon von Glauben zu sprechen, wäre übertrieben, der ist im Laufe des Lebens gewachsen. Aber ich weiß nicht, ob ich ohne dieses Aha-Erlebnis als Kind später noch den Weg zu Gott gefunden hätte. Deshalb bin ich überzeugt, dass es gut ist, Kindern so früh wie möglich die Tür zum Glauben zu öffnen.

Sabine Kuschel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Gebet und Gottvertrauen

2. September 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Euer Mut, euer Gottvertrauen, ach tät das gut!« singt Konstantin Wecker gerichtet an Sophie und Hans Scholl. Viel Gottvertrauen gehörte auch zu den Protesten 1989 dazu, auch damit diese friedlich verlaufen konnten. Vielleicht ist es das Gottvertrauen derer, die den friedlichen Prostest in Mattstedt organisiert haben, das mich am meisten beeindruckt hat. Die Mutter aus Mattstedt, die offen auch von ihren Ängsten erzählte. Aber trotzdem musste ja etwas geschehn!

Ein Rechtsrockkonzert war geplant und vorbereitet worden in diesem Örtchen im Weimarer Land. Leider gibt es auch die, die lieber schweigen, oder wegschauen. Oder noch schlimmer die, die verharmlosen, was auf solchen Konzerten für Texte gesungen werden. Gewaltbereit und Gewalt verherrlichend ist das. Wer das verharmlost, klein redet, der macht sich mitschuldig, wenn solche Reden wieder salonfähig werden!

Das Konzert in Mattstedt wurde abgesagt. Dafür danke ich Gott! Leider ist es nicht aus den Gründen abgesagt, die es bräuchte, damit solche Veranstaltungen an keinem Ort mehr erlaubt werden können; zum Beispiel in Themar. Aber es gibt sie auch dort, die Mutigen, die alles daran setzen, dass nationalsozialistisches Gedankengut keine Chance auf Verbreitung mehr hat. Auch ihnen gelten mein Respekt und meine Gebete. Ich bete darum, dass Mattstedt der erste Schritt auf dem richtigen Weg war, für Thüringen.

»Denn die Menschlichkeit, man kann’s verstehn, ist hierzuland eher ungern gesehn und beschloss deshalb auszuwandern.« So singt Konstantin Wecker weiter. Gott sei Dank hat er da nicht recht, auch dank der Aufrechten in Mattstedt und ihrer Unterstützer an vielen Orten.

Dorothea Knetsch

Die Autorin ist Klinikseelsorgerin in Weimar.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Transparenz für gutes Geld

26. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Haben Sie Ihren Bankberater gefragt, ob der Ihren Notgroschen »nachhaltig« anlegt? Nein? Sollten Sie aber tun. Auch in Ihrer Kirchengemeinde lohnt eine Nachfrage nach deren Geldanlage. Diese sollte nachhaltig und nach ethischen Kriterien geschehen – das heißt: die Zerstörung unserer zukünftigen Lebenswelt stoppen! Ausgeschlossen sind beispielsweise Geldanlagen in Rüstungsproduktion, Glücksspiel oder Unternehmen, die die Umwelt belasten oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bieten. Unsere Kirche betont, ihr Geld nachhaltig anzulegen. So tut es die EKM und auch die Evangelische Kirche in Deutschland.

Mein Eindruck von der Offenlegung der kirchlichen Finanzen im Internet: Angesichts der 12,29 Milliarden Euro Einnahmen aller evangelischen Kirchen ist der Medienauftritt sehr bescheiden. Warum nicht selbstbewusster begründen, was mit dem Geld der Kirchenmitglieder an Gutem bewirkt wird – weit über Pfarrgehälter, Kirchenerhaltung und Seniorenhilfe hinaus? Mir fehlt in der Darstellung der Kirchliche Entwicklungsdienst. Die Landeskirchen trugen 2017 dafür mit 54 Millionen Euro zur Überwindung weltweiter Not bei. Ist das nichts?

Unsere Kirchen sollten sich an positiven Beispielen orientieren: am evangelischen Hilfswerk »Brot für die Welt« oder auch an Oikocredit, der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft. In deren Jahresberichten gibt es Klarheit bis zu den Gehältern ihrer Vorstände. Dabei sind unsere Kirchen und auch die evangelischen Banken mittlerweile führend in nachhaltigen Geldanlagen. Ich wünsche mir von meiner evangelischen Kirche mehr Mut zur Transparenz in Sachen Geld!

Wilfried Steen

Der Autor ist Oberkirchenrat i. R. und war Referent für Entwicklungspolitik im Kirchenamt der EKD.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Teufelszeug

18. August 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer es ist, davon loszukommen, wenn man wie ich schon in der Pubertät begonnen hat«, sagt die drogenabhängige Tochter zu ihrer Mutter. Suchtkranke Menschen sind in einem Teufelskreis gefangen. Aus diesem herauszukommen ist nicht aussichtslos, etliche schaffen das. In der Aussage der 35-jährigen Frau indes schwingt Verzweiflung mit. Denn sie bemüht sich seit Jahren, von den Drogen loszukommen, hat mehrere Therapien hinter sich, nimmt Beratung und Hilfe in Anspruch – und schafft es doch nicht, dauerhaft abstinent zu leben.

Die Hirnforschung erkennt in der Sucht eine Fehlsteuerung des Belohnungssystems unseres Gehirns. Dieses wird aktiviert, etwa wenn wir ein gutes Essen genießen oder im Beruf Lob und Anerkennung ernten. Unser Gehirn schüttet Botenstoffe aus, einen chemischen Cocktail, der für gute Laune sorgt.

Es gibt einen kurzen, allerdings verhängnisvollen Weg, dieses Belohnungssystem zu aktivieren: Zigaretten, Alkohol oder eine Dosis Heroin. Diese Suchtmittel – über längere Zeit regelmäßig konsumiert – verändern das Belohnungssystem. Um glücklich zu sein, verlangt das Gehirn nach einer immer stärkeren Dosis an Suchtmitteln. So gerät der/die Suchtkranke in eine zerstörerische, abwärtsführende Spirale.

Die medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Vorgänge in unserem Gehirn mögen eine Leitlinie in der Therapie darstellen und Verständnis für suchtkranke Menschen wecken.

Die drogensüchtige junge Frau glaubt, dass rechtzeitige Aufklärung und Prävention dem Teufel das Handwerk legen können. Ihre Erfahrungen jedoch zeigen bitter und schmerzlich, dass in unserer Welt auch der Teufel am Werk ist, mit dem Betroffene einen harten Kampf führen.

Sabine Kuschel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »