Ökumene passiert

16. Juni 2018 von redaktionguh  
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Wir leben fröhliche Ökumene, sagt seit Jahren die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming. Genauso präsentieren sich die Christen der Region seit April auf der Landesgartenschau an ihrem Kirchenpavillon. Fröhlich, gemeinsam einladend und organisierend, so dass auch die vielen nichtreligiösen Besucher gern verweilen, der täglichen Mittagsandacht lauschen.

In Köthen hat sich ein ökumenischer Gottesdienst im Sommer zu Ehren des Apostels Jakobus etabliert. Hier und in vielen anderen Orten gibt es ökumenische Kirchennächte. Fröhlich-ökumenisch sind seit Jahren die Christen in der Altmark unterwegs. Gerade haben sie wieder einen Kirchentag miteinander erlebt. Podiumsdiskussion, Stühle trockenwischen, Bibelarbeit, Informationsstände aufbauen, singen, Gottesdienst feiern.

Es gibt noch mehr Beispiele; Ökumene passiert einfach. Die Akteure glauben an denselben Gott und vertrauen alle auf Jesus Christus. Dieses Gemeinsame zählt. Über unterschiedliche Meinungen lässt sich streiten. Sie auszuhalten ist anstrengend. Anstrengender aber ist, partout den eigenen Standpunkt durchsetzen zu wollen. Schmerzhaft, wenn Unterschiede dauerhaft ausgrenzen. Wie beim Abendmahl, wenn einander Liebende nicht überall gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen dürfen.

Dass die Ökumene an der Basis einfach gelebt wird, ist für mich ein deutliches Zeichen an Kirchenobere jeder Konfession: Nehmt die Theorie nicht zu wichtig. Jesu Nachfolge besteht im Handeln. Wenn freilich die Bedeutung der Theorie im tagtäglichen Tun schwindet, dann womöglich auch Macht und Einfluss der Leitenden. Ob hier die – sehr menschliche – Hürde für eine noch tiefere Ökumene liegt?

Renate Wähnelt

Soli Deo Gloria

10. Juni 2018 von redaktionguh  
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Wir sind umgezogen. Sie erreichen Ihre Kirchenzeitung seit 1. Juni in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 1 a in Weimar. Telefonnummern, Internet-Adresse und E-Mail-Kontakte sind geblieben. Das ist der vierte Umzug von »Glaube + Heimat« innerhalb der Klassikerstadt seit 1956. Räumlich haben wir uns verkleinert, dafür haben wir jetzt im 4. Stock den Überblick. Sie können sich gern persönlich davon überzeugen.

Der Straßenname passt bestens zur Mitteldeutschen Kirchenzeitung. Fünf der sieben bekannten Bachstädte liegen in unserem Verbreitungsgebiet. Weimar ist eine davon. Zweimal arbeitete er hier. Als Bach von Lüneburg zurückkam, versuchte er sich ein halbes Jahr als Musiker am Hofe des Herzogs. Nachdem ihm Mühlhausen zu teuer und der Streit der Kirchenoberen zu heftig wurde, begann er in Weimar am Hofe von Johann Ernst von Sachsen-Weimar seinen Dienst.

Musikalisch stellt Weimar den Höhepunkt von Johann Sebastian Bachs Orgelkompositionen und Kantaten dar. Die Kinder Catharina Dorothea, Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel werden hier geboren. Weil er nicht Kapellmeister werden durfte, unterschrieb Bach einen Arbeitsvertrag in Köthen. Der Herzog wollte ihn nicht ziehen lassen. Das erboste den Hoforganisten derart, dass er zum Ende seiner neunjährigen Tätigkeit wegen »Halsstarrigkeit« das Weimarer Gefängnis kennenlernen musste.

Wir wünschen uns mindestens so viele Jahre wie Bach in Weimar, in unserem neuen Domizil. In der Lisztstraße war das Evangelische Medienhaus immerhin fast 20 Jahre ansässig. Johann Sebastian Bach überschrieb seine Werke mit »J.J.«, die Kurzform für Jesu Juva (lat. »Jesus, hilf«). Am Ende unterzeichnete er mit »S.D.G.«, Soli Deo Gloria, Gott allein die Ehre. Das soll auch über unserem Neuanfang stehen.

Willi Wild

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Personal Karussell

3. Juni 2018 von redaktionguh  
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Der Bischofswahlausschuss der Nordkirche hat sich Mühe gegeben: Mit Karl-Heinrich Melzer und Kristina Kühnbaum-Schmidt werden der Landessynode zwei gute Kandidaten vorgeschlagen, die ohne jede Frage die nötige Erfahrung und die für das Amt des Landesbischofs erforderlichen Kompetenzen mitbringen.

Gespannt sein darf man darauf, wie die Synode mit dem Fakt umgeht, dass hier ein Mann gegen eine Frau kandidiert. Denn Geschlechtergerechtigkeit hat in der Nordkirche fast schon Bekenntnisrang. Und unter den Bischöfen der Nordkirche gibt es mit der Hamburgerin Kirsten Fehrs nur eine Frau, der mit Stand von heute vier Männer gegenübersitzen. Kühnbaum-Schmidt hat deswegen guten Karten – wiewohl ein Wahlsieg im Norden auch ein Verlust für die mitteldeutsche Kirche wäre. Der Landeskirche ginge eine überregional profilierte Theologin verloren – und davon hat sie derzeit ohnehin nicht allzuviele …

Dazu passt, dass auf der Liste wieder einmal ein profilierter Ostdeutscher fehlt. Die fünf Jahre, die Kristina Kühnbaum-Schmidt in Mitteldeutschland verbrachte, gleichen das nur wenig aus. Deutschlandweit werden kirchliche Leitungsämter fast nur noch von Westdeutschen wahrgenommen, das hätte die aus Ost und West bestehende Nordkirche durchaus ändern können.

In der EKM dreht sich einstweilen das Personal-Karussell. Ab Herbst wird ein Nachfolger für den Regionalbischof des Sprengels Weimar-Gera , Diethard Kamm, gesucht. Und vielleicht ist auch eine neue Pröpstin für den Sprengel Meiningen-Suhl vonnöten. Bis 2019 muss der Bischofswahlausschuss der Synode Kandidaten für das Amt der Landesbischöfin vorschlagen. Eine mögliche Kandidatin ist dann unter Umständen nicht mehr darunter.

Benjamin Lassiwe

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2017 war ein Segen

27. Mai 2018 von redaktionguh  
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Wer über die Reformationsjubiläen früherer Jahrhunderte liest, weiß, sie waren immer Spiegel ihrer Zeit. Was also wird bleiben von 2017? Sicher war nicht alles perfekt. Aber ich bin überzeugt, vier Punkte werden es schaffen in die Memoiren. Zum einen war da die ausgestreckte ökumenische Hand. 500 Jahre nach den trennenden Auseinandersetzungen haben die Christen in Deutschland sehr klar gemacht, wie bewusst ihnen ist, dass sie mehr verbindet als sie trennt. Die Formel kommt so glatt daher, aber im Jahr des Reformationsjubiläums hat sie ihre Lebendigkeit bewiesen. Hier wurde nicht abgegrenzt und gegeneinander gefeiert, sondern, wie Kardinal Lehmann sagte: »Das war ein Kairos der ökumenischen Bewegung!«

Zum anderen: Dieses Fest war international. Wir haben in Wittenberg mit Menschen aus aller Welt gefeiert. Themen der Welt waren auf der Tagesordnung. Und in aller Welt haben Christen mit uns bedacht, was Reformation heute bedeutet. Dabei wurde die Hand auch ausgestreckt zu anderen Religionen: Nie mehr Krieg im Namen von Religion!

Die große Beteiligung junger Leute war ein wichtiges Hoffnungssignal. 15 000 Konfirmanden kamen nach Wittenberg, dazu 4 200 Pfadfinder. Und am »500 schools day« haben sich evangelische Schulen in aller Welt vernetzt. Das war zukunftsweisend, so können wir die Medien unserer Zeit nutzen, um das Evangelium weiterzugeben.

Schließlich: Dies war ein Reformationsjubiläum im säkularen Kontext. Wir haben neue Formen erprobt. Wie rede ich vom Glauben in einem Umfeld, das keinen Glauben kennt? Dabei haben auch die Kirchen aus dem Westen Deutschlands viele wichtige Erfahrungen machen können. 2017 war ein Segen – wir dürfen dafür dankbar sein!

Margot Käßmann

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Ein Lob auf gute Nachbarn

20. Mai 2018 von redaktionguh  
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In der Siedlung, in der meine Großeltern nach dem Krieg bauten, gibt es die Tradition der sechs engsten Nachbarn. Das sind die Nachbarn, die jederzeit füreinander da sind. Sie helfen mit Eiern oder Mehl aus. Sie laden einander zu Feiern ein. Sie stehen einander bei in Krankheit und Trauer.

Als wir Anfang der 1970er-Jahre in ein kleines ostwestfälisches Dorf zogen, war es für meine Mutter selbstverständlich, dieses Denken mitzunehmen und zu leben. So händigte sie der äußerst verblüfften Nachbarin einen Schlüssel zu unserer Wohnung aus, damit sie im Notfall auch nachts für ihren kranken Vater den Arzt anrufen könnte. Das hat sie ihr nie vergessen und so wurden aus Nachbarn Freunde.

Meine Kinder- und Jugendjahre verbrachte ich »in guter Nachbarschaft«. Besonders im Sommer wurde unsere Terrasse zum Treffpunkt. Lag sie doch auf dem Weg zum Friedhof, wo bei heißem, trockenen Wetter regelmäßig gegossen wurde. Auf dem Rückweg kam es zu Austausch, Plaudereien und nicht selten zu spontanen Grillpartys.

Heute lebe ich in der Stadt in einem Mehrparteienhaus. Alle arbeiten ganztags, selten kommt es im Treppenhaus zu Plaudereien. Doch in Zeiten der Not erfuhr ich auch hier gute Nachbarschaft und Hilfe.

Wer seine Nachbarn besser kennenlernen will, hat am 25. Mai Gelegenheit dazu. Die nebenan.de- Stiftung hat erstmals einen »Tag der Nachbarn« ausgerufen.

Übrigens hat es der Nachbar auch ins Gesangbuch geschafft. Dort (Nr. 482) heißt es in einem meiner Lieblingsverse von Matthias Claudius:
»Verschon uns, Gott! mit Strafen, Und lass uns ruhig schlafen! Und unsern kranken Nachbarn auch!«.

Elke Stricker

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Wochenzeitung »Unsere Kirche« in Bielefeld.

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Unsichtbar, dennoch da

13. Mai 2018 von redaktionguh  
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Als ich die Recherchen meiner Kollegen zu Glocken mit NS-Symbolen in Mitteldeutschland verfolgte, schnürte sich mir die Kehle zu. Unsere Kirche empfiehlt den betroffenen Gemeinden, an Glocken die Flex anzusetzen. Durch Abschleifen sollen die in Metall gegossenen Bezüge zum Nationalsozialismus verschwinden.

Das ist gut gemeint, aber alles andere als gut gemacht. Verschwindet mit dem Hakenkreuz oder mit den Inschriften auch der historische Bezug, das Gedankengut, unsere gegenwärtige Verantwortung? Im Gegenteil! Das Symbol ist abgeschliffen, aber durch die sichtbaren Folgen ist der Nazi-Bezug, vor allem aber unser Umgang damit präsenter als zuvor. Hitler ist weg und doch weiß jeder, der so eine Glocke sieht, dass er da war. Die Glocke wird immer die Glocke bleiben, die zur Zeit ihres Gusses das Empfinden und die Gesinnung einer Gemeinde ausgedrückt hat.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde es abscheulich, dass in Kirchen der EKM Glocken mit Hakenkreuzen hängen und läuten. Glocken läuten nicht fürs Vaterland, nicht für Adolf Hitler, nicht für nationale Erhebungen, nicht für den Nationalsozialismus. Glocken läuten zum Gebet, zu Gottes Ehre.

Aber was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, ist geschehen. Diese Glocken sind da. Sie sollten weder beschliffen noch zerstört werden. Sie sollten konserviert werden. Sie erinnern uns schmerzlich an unsere Geschichte, an die Verstrickungen der evangelischen Kirche mit der Diktatur. Aber sie gehören vom Glockenstuhl genommen, sie sollten in den Türmen aufbewahrt und kommentiert werden. Diese Glocken läuten dann zwar nicht mehr zu Gott, aber sie bringen unsere Verantwortung als Christenmenschen zum Klingen.

Katja Schmidtke

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Rettet den Kindergarten

6. Mai 2018 von redaktionguh  
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Die Idee des Kindergartens verdankt die Welt dem Thüringer Pädagogen Friedrich Fröbel. Für seine 1840 in Bad Blankenburg eröffnete Einrichtung, in der die Trias von Bildung, Erziehung und Betreuung verwirklicht wurde, sah er im Garten als geschützten und gestalteten Lebensraum die passende Assoziation. So unterschiedlich die pädagogischen Konzepte bei der Betreuung von Kindern inzwischen auch sind, der Dreiklang von Bildung, Erziehung und Betreuung hat Gültigkeit bis heute. Und: In vielen Sprachen der Welt wurde neben dem Inhalt auch der Begriff Kindergarten wortwörtlich übernommen.

In seinem deutschen Ursprungsland allerdings gehört das Wort inzwischen zur aussterbenden Art. Im öffentlichen Sprachgebrauch, auch in Kirche und Diakonie, zunehmend verdrängt von dem technisch-bürokratischen Sammelbegriff Kindertageseinrichtung. Oder, noch schlimmer, vom Kürzel »Kita«.

Dass sich nun eine Kampagne des Thüringer Fröbel-Kreises zum Ziel gesetzt hat, das Wort Kindergarten wieder in den offiziellen Sprachgebrauch zurückzuholen, ist sicher mehr als löblich (siehe Seite 2), und trifft etwa auch bei den »Kita«-Fachberatern der Diakonie Mitteldeutschland und Sachsen durchaus auf Sympathie. Dennoch verweisen diese zu Recht darauf, dass der in den entsprechenden Gesetzestexten verwendete sperrige Begriff der Kindertageseinrichtung kaum ersetzt werden kann. Umfasst dieser doch neben dem Kindergarten für die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen auch die vorgelagerte Kinderkrippe, den Schulhort oder die Kindertagespflege.

Doch zumindest da, wo von einer Einrichtung für die entsprechende Altersgruppe die Rede ist, gilt: Wo Kindergarten drin ist, sollte auch Kindergarten draufstehen.

Harald Krille

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Nachhall: Das geht so nicht!

29. April 2018 von redaktionguh  
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Für die Evangelische Kirche in Deutschland ist das eine Blamage, die Konsequenzen haben muss. Der Vertreter der EKD im Beirat des Musikpreises Echo hat für die Zulassung der Skandalrapper Farid Bang und Kollegah zur Preisverleihung gestimmt – trotz übelster antisemitischer Texte auf ihrem Album »Jung, Brutal, Gutaussehend 3«.

Eigentlich ist das unvorstellbar. Denn hatte sich die EKD nicht gerade im Vorfeld des Reformationsjubiläums auf ihr besonderes Verhältnis zu Israel und dem jüdischen Volk besonnen? Hatte man nicht in unzähligen Erklärungen Luthers Antisemitismus und die christliche Judenmission verurteilt? Wie kann es sein, dass ein Mitarbeiter des EKD-Kulturbüros dann trotzdem so ein Votum abgibt? Eines ist klar: Die bescheidenen Erklärungsversuche, die der Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen gegenüber dieser Zeitung abgab, überzeugen nicht. Denn ist es nicht gerade die Aufgabe eines Kirchenvertreters in einem Ethik-Gremium, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen und die Grenzen der Kunstfreiheit zu markieren? Und wieso sitzt eigentlich ein Mitarbeiter und nicht der Kulturbeauftragte selbst in diesem Echo-Beirat?

Der Rat der EKD und die Mitglieder der Kirchenkonferenz jedenfalls wären gut beraten, auf ihren nächsten Sitzungen über eine grundlegende Neuorganisation ihrer Kulturarbeit nachzudenken. Denn klar ist doch: Ohne große Not wurden hier Grundüberzeugungen des deutschen Protestantismus – zu denen nun einmal auch das entschiedene Eintreten gegen jede Form von Antisemitismus gehört – einer bequemen Mehrheitsmeinung geopfert. Und die EKD wurde von ihren Mitarbeitern öffentlich blamiert. Das geht so nicht! Und es darf auf keinen Fall so weitergehen.

Benjamin Lassiwe

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Eine Frage der Zeit

22. April 2018 von redaktionguh  
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Die Enttäuschung ist groß. Eine eindeutige Zustimmung und trotzdem verloren. Nur eine Stimme fehlte zur Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung zur Änderung der Kirchenverfassung in geschlechtergerechte Sprache. Gefühlt stand sich dabei für die Befürworter die Verfassung wohl selbst im Weg. Die jahrelange Vorarbeit, der Einsatz an Zeit, Geld und Energie, alles umsonst? Auf der anderen Seite sind die Hürden für eine Verfassungsänderung mit Bedacht so hoch gewählt.

Häme oder Schadenfreude sind fehl am Platz ebenso wie Schuldzuweisungen. Auch wenn diesmal die erforderliche Mehrheit für die Änderungen knapp verfehlt worden ist, wird sich die gesellschaftliche Entwicklung auf Dauer auch in der EKM nicht aufhalten lassen. In vielen Bundesländern ist die Verwendung der geschlechtergerechten Sprache im öffentlichen Dienst bereits vorgeschrieben. Das generische Maskulinum ist nicht mehr der allgemeine Sprachgebrauch.

Der Vorschlag des Jugendsynodalen Philipp Huhn, nach zehn Jahren Maskulinum nun zehn Jahre Femininum zum Ausgleich zu verwenden, lockerte die streckenweise verfahrene Diskussion vor der Abstimmung auf. Der Hinweis, dass keiner aus seiner Kirchengemeinde die Verfassung je gelesen habe, macht das Dilemma deutlich. Auf der einen Seite sollen Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen und sichtbar gemacht werden, will man die Identifikation und Akzeptanz auch von Rechtstexten erhöhen. Andererseits fehlt mitunter per se der Bezug zu den oft schwer verständlichen Verfassungswerken.

Wie geht es nun weiter? Der Landeskirchenrat wird darüber beraten. Die Abstimmung hat gezeigt, dass die Verfassungsänderung nur noch eine Frage der Zeit ist.

Willi Wild

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Bedauerlich

15. April 2018 von redaktionguh  
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Es könnte ein Meilenstein in der Ökumene sein: Als Deutschlands katholische Bischöfe in Ingolstadt den Entwurf einer Handreichung beschlossen haben, wonach auch protestantische Ehepartner unter streng geregelten Voraussetzungen und im pastoralen Einzelfall zur Eucharistie gehen könnten, haben sie den Wunsch vieler Menschen an der Gemeindebasis erfüllt.

Deswegen ist es leicht, das Schreiben der sieben Bischöfe nun als konservative Rolle rückwärts zu verurteilen. Aber das wäre zu einfach. Die Deutsche Bischofskonferenz muss das Kirchenrecht der katholischen Weltkirche im Blick haben. Deswegen ist es in Ordnung, wenn dieser Entwurf von Rom noch einmal überprüft wird – zumal die Bischöfe an dieser Stelle nicht auf tönernen Füßen stehen. Mit Reinhard Kardinal Marx und dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige haben schließlich zwei Theologen an dem Entwurf gearbeitet, die nicht nur bekennende Ökumeniker sind, sondern auch ihr Kirchenrecht ziemlich genau kennen. Und die wissen, dass es der Linie von Franziskus entspricht, den seelsorgerlichen Einzelfall bei wichtigen Entscheidungen in den Blick zu nehmen.

Nein, was wirklich bedenklich ist, ist das Bild, den dieses Schreiben auf die inneren Zustände in der Bischofskonferenz wirft: Ganz offensichtlich gelingt es Kardinal Marx nicht, einen beträchtlichen Teil seiner Amtsbrüder bei wichtigen Entscheidungen mitzunehmen. Und das ist das, was auch aus evangelischer Sicht nachhaltig zu bedauern ist: Denn in Zeiten kleiner werdender Gemeinden kann sich keine Kirche neue Konflikte leisten. Wer in der Öffentlichkeit zerstritten wirkt, schadet immer auch dem Partner in der Ökumene – und war es nicht schon Jesus selbst, der die Jünger einstmals aufforderte, alle eins zu werden?

Benjamin Lassiwe

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