Trauer und Erlösung

26. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

So war das nicht gedacht. Mein Kommentarthema sollte die Aktion von Aldi-Süd sein: Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern? Doch in der vergangenen Nacht ist meine Mutter gestorben. Mein Herz ist voll Trauer und wehmütiger, guter Gedanken an sie. Zwei Jahre nach meinem Vater ist sie gegangen. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie waren Vorbilder im Glauben, haben mich in Höhen und Tiefen begleitet, mir unglaublich viel Gutes mitgegeben und waren da, wenn ich sie brauchte.

Ganz ehrlich, zu Jesu Tod und Auferstehung hatte ich bislang keine emotionale Beziehung. Die Passionszeit gehörte zum Kirchenjahr, war Tradition. Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, habe ich zwar gehört, aber stark berührt hat mich das nicht. Jetzt merke ich, dass es eine dunkle Vorstellung wäre, sollte mit dem Tod alles aus sein. Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden. Das hat er seinen Jüngern gesagt, erfahre ich auch aus der Osterbroschüre für Kinder von Aldi. Und weiter heißt es da: »Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche. Christen auf der ganzen Welt feiern die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.«

Heute nehme ich Abschied von meiner Mutter. Ich bin mir sicher, es wird kein Abschied für immer sein. Wir sehen uns im Himmel oder wenn Jesus wiederkommt. Das ist eine Gewissheit, die ich spüre und die mir meine Mutter am Kinderbett vorgesungen hat: »Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.«

Ich darf traurig sein, aber ich habe auch eine starke Hoffnung. Der Frühling beginnt erst. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lukas 21, Vers 28).

Willi Wild

Seelsorge im Riesenrad

19. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Seit zehn Jahren bereitet sich die Kirche auf das Reformationsjubiläum vor. Dass bei einer so langen Vorbereitung, an der sehr viele Menschen beteiligt sind, die Ideen nur so sprudeln, versteht sich von selbst. Da verwundert es nicht, wenn die Veranstalter nun einen Sommer der Superlative, das größte Fest aller Zeiten versprechen. Vorige Woche stellten sie ihr umfangreiches Programm vor.

In der kleinen Stadt Wittenberg, wo vor 500 Jahren die Reformation ihren Anfang nahm, wird die Welt zu Gast sein. Mindestens eine halbe Million Besucher werden erwartet. In 16 Wochen sind etwa 2 000 Veranstaltungen geplant. Sieben Großveranstaltungen zu sieben Themen sollen den aktuellen Bezug zur Reformation herstellen. Als teuerstes Projekt gilt die Kunstschau »Luther und die Avantgarde« im Alten Gefängnis, wo 68 national und international renommierte Künstler ihre Sicht auf die Reformation darstellen. Ein 20 Meter hohes Riesenrad soll Raum für Seelsorge bieten.

Event über Event. Die Organisatoren hatten einen großen Vorteil, der gewiss nicht alltäglich ist. Während andernorts meistens die Mittel knapp sind – in Wittenberg fließt das Geld in Strömen. Warum auch nicht! Wenn deutlich gemacht werden kann, dass die Reformation auch heute noch für Politik und Gesellschaft wie für den einzelnen Menschen von Bedeutung ist.

So schön Ideenreichtum und so einladend die Vielfalt der Projekte sein mögen – was wird bleiben? Der Augustinermönch hatte einst die befreiende Einsicht, dass Jesus Christus, die Bibel und die Gnade Gottes im Leben alles sind. Werden die Besucher in Wittenberg, wenn sie das Seelsorgeriesenrad besteigen, eine ähnlich existenzielle Erfahrung machen? Wenn ja, wäre das Jubiläum wirklich ein großes Fest.

Sabine Kuschel

Geklärte Verhältnisse

12. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Es war eine kleine Revolution für den Berufsstand der Diakone. Sie fühlen sich gestärkt und endlich ernst genommen. Aber kaum einer bekam es mit – die Not vorher nicht und den Triumph hinterher auch nicht.

Also: Was macht ein Schuldiakon, der von Eltern gebeten wird, ihr Kind zu taufen? Weil der Bezug zu ihm größer sei als zum Pfarrer der zuständigen Kirchengemeinde. Ob er das darf oder nicht, war bisher gar nicht geklärt. Auch nicht, ob er einen Gottesdienst halten, predigen oder das Abendmahl ausgeben darf. Ein Unding eigentlich in den bürokratischen Strukturen der Landeskirche. Seit vergangenem November ist klar: Sie dürfen es tun.

Mit dem neuen Gesetz hat sich noch etwas geändert: Diakon nennen darf sich nur, wer Mitglied einer diakonischen Gemeinschaft ist. Gemeinschaft leben war schon immer eng mit dem Diakonenamt verknüpft. Wenn in den letzten Jahren ganze Kurse den Gemeinschaften den Rücken kehrten, dann ging das völlig am ursprünglichen Gedanken vorbei. Sicherlich ist es aufwendig, solch eine Verbindung zu erhalten. Aber der Wert liegt tiefer und wird vielleicht auch erst später erkennbar, wie Hanno Roth, Ältester der Falk-Gemeinschaft in Eisenach, erzählt. Von vielen höre man jahrelang nichts, aber wenn sie in den Ruhestand gehen, »sind sie auf einmal da«. Dann ist es die Gemeinschaft, die sie auffängt. Dann haben sie Zeit und bringen sich ein. Und sie werden mehr denn je gebraucht. Denn die geistliche und fachliche Unterstützung der Mitglieder liegt jetzt in der
Verantwortung der Gemeinschaften.

Eine Aufwertung des Berufs ist vollzogen. Aber es liegt an den Gemeinden und Einrichtungen, für die gut ausgebildeten Menschen nun entsprechende Einsatzmöglichkeiten zu schaffen.

Mirjam Petermann

Bleibende Erinnerungen

4. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Es war ein scheinbar feierlicher Moment, als ich im dritten Schuljahr von meiner Klassenlehrerin nach vorne gebeten wurde, wo sie mich »ehrenhalber« in den Kreis der Jungen Pioniere aufnahm – ohne Rücksprache mit meinen Eltern! Mitschüler, die auf dem Heimweg zufällig meiner Mutter begegneten, erzählten ihr, dass ich »vor Freude geweint« habe – doch in Wirklichkeit waren es Tränen der Verzweiflung. Das ist eine von vielen Geschichten, die mir einfallen, wenn ich mich an mein Leben in der DDR und vor allem an Repressalien in der straff organisierten »Volksbildung« erinnere.

Oft waren es nur zwei oder drei Schüler, die sich in einer Schulklasse zu ihrem evangelischen oder katholischen Glauben bekannten. Bei mir war es nicht nur der Beruf des Vaters (Pfarrer), sondern auch der adlige Name, der Misstrauen und Hänseleien auslöste. Meine Entscheidung, nicht an der Jugendweihe teilzunehmen, verschärfte die Situation. Die Zulassung zum Abitur erfolgte erst im zweiten Anlauf und nach einer Eingabe bei Margot Honecker. Der ersehnte Studienplatz in Musikwissenschaft wurde mir verwehrt. Förderung und Schutz fand ich in der Thüringer Kirchenmusikschule in Eisenach.

Von hier aus beteiligte ich mich 1976 an einem internationalen Kompositionswettbewerb in der Schweiz und wurde mit einem vierteljährlichen Studienaufenthalt in Boswil ausgezeichnet. Nach monatelangen Disputen mit dem Staatssekretariat für Kirchenfragen durfte ich reisen. In der Schweiz angekommen, tauschte ich im westdeutschen Konsulat in Genf meinen DDR-Pass gegen einen der BRD ein. Auf einmal stand mir die Welt offen, was ich bei Exkursionen nach Köln, Brüssel und Paris kräftig nutzte, um dann reich an Eindrücken heimzukehren.

Michael von Hintzenstern

Ungeliebtes Sakrament

26. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Deine Sünden sind dir vergeben, geh hin in Frieden« – diese Worte des Pfarrers am Ende der Beichte hatten für mich stets eine befreiende Wirkung. Im Sakrament der Buße konnte ich Gottes Vergebung unmittelbar erfahren.

Aufgewachsen im katholisch geprägten ländlichen Westfalen, gehörte die Beichte in meiner Kindheit und Jugend in den 1970er-Jahren zum Alltag. Aber trotz des guten Gefühls nachher war sie mir ein Gräuel. Das begann schon damit, dass man bei der »Gewissenserforschung« (anhand des »Gewissensspiegels« im Gesangbuch) nicht recht wusste, welche Sünden denn nun erwähnenswert waren. Als Neunjährige war ich damit einfach überfordert. Theologisch gesehen müssen wir nur schwere Verfehlungen, bei denen wir ganz bewusst gegen Gottes Gebote gehandelt haben, beichten. Doch was hat man als Kind schon an Sünden zu bieten? Deshalb begann ich meistens damit, um Vergebung zu bitten dafür, dass ich länger nicht bei der Beichte war …

Hinzu kam die Beichtstuhl-Situation: Man kniete, und hinter einem vergitterten Fensterchen neigte einem der alte Pfarrer (eine durchaus gefürchtete Respektsperson) sein Ohr, in das man seine Verfehlungen hineinflüsterte. Von einem vertrauensvollen Gespräch konnte da beim besten Willen nicht die Rede sein.

Nebenbei bemerkt: Die Beichte fand immer für den ganzen Schülerjahrgang statt, und so bekam wirklich jeder mit, wie viele »Vaterunser« oder »Ave Marias« einem als
Buße »aufgegeben« wurden und folglich, ob man viel gesündigt hatte.

Viele Katholiken verbinden mit der Beichte schlechte Erinnerungen und es wundert kaum, dass sie dieses Sakrament heute ablehnen und die Einladung Gottes nach Versöhnung, wenn, dann vorzugsweise in einem Bußgottesdienst annehmen.

Adrienne Uebbing

Sorgenfresser

19. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Ich wusste gar nicht, was ein Sorgenfresser ist, als mein Patenkind sich einen solchen wünschte. Eine Plüschfigur, dessen Schlund sich mit einem Reißverschluss öffnen lässt und dem Kinder gern ihren Kummer – auf einen Zettel notiert oder aufgemalt – übergeben. Raphael ist acht Jahre alt. Er geht in die zweite Klasse. Am Ende der ersten Klasse war deutlich, dass das Lesen ihm schwerfällt. Deshalb musste er sogar im Urlaub an der Ostsee jeden Tag üben.

Ob ihm ein Sorgenfresser helfen könnte? Auf einen Zettel schrieb Raphael: »Ich muss besser lesen können« und vertraute seinen Kummer dem Fachmann für Sorgen im blau-weiß gestreiften Anzug an. Als ich mich nach einiger Zeit erkundigte, ob es Anzeichen für das erfolgreiche Wirken des Sorgenexperten gebe, wies mich Raphael zurecht: »Das geht nicht so schnell!« Natürlich, sich einzig und allein auf den kleinen Helfer zu verlassen, wäre zu kurz gedacht. Der Junge muss weiterhin täglich Lesen üben.

Eines Abends die Überraschung. Raphael rief an, um mir zu erzählen, dass das Zettelchen, auf dem er seinen Kummer notiert hatte, aus dem Bauch des Sorgenfressers verschwunden sei. Augenscheinlich aufgefressen. »Und wie geht’s mit dem Lesen?«, fragte ich zurück. »Gut«, antwortete der Junge.

Wenn ich mit meinem eigenen Latein am Ende bin, müssen noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Die kindliche Hoffnung muss nicht, aber kann religiös gedeutet werden. Gott will unsere Sorgen tilgen, denn in der Bibel steht: Alle eure Sorgen werft auf den Herrn. Nun ist dieser biblische Rat für einen Achtjährigen wahrscheinlich noch nicht nachzuvollziehen. Dafür »wirft« das Kind seinen Kummer in den Sorgenfresser und signalisiert, dass es auf eine Kraft hofft, die außerhalb seiner selbst liegt.

Sabine Kuschel

Es bleibt ein Experiment

12. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Gibt es in Deutschland genug engagierte Protestanten, um neben dem Berliner Kirchentag auch die sechs mitteldeutschen Kirchentage auf dem Weg zu einem Erfolg werden zu lassen? Mit den Posaunenchören in Leipzig, den Friedensthemen in Magdeburg oder den Umweltthemen in Dessau könnte das klappen.

Freilich – der Begriff »Erfolg« ist wie bei vielen anderen Themen auch an dieser Stelle relativ. Wer die Kirchentage auf dem Weg mit den Kirchentagen der DDR vergleicht, wird ebenso scheitern müssen wie bei einem Vergleich mit dem großen Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die Kirchentage auf dem Weg werden anders sein. Sie werden eine neue Veranstaltungsform sein, die es so im deutschen Protestantismus noch nicht gab.

Es werden Treffen sein für Engagierte, für Spezialisten, die sich abseits des großen Trubels in Berlin einem bestimmten Thema widmen wollen. Für Menschen, die vor dem großen Festgottesdienst in Wittenberg nicht die Menschenmassen der Großstadt, sondern die historischen Wirkungsstätten Luthers besuchen wollen. Für Christen aus Mitteldeutschland, die einen Kirchentag vor der Haustüre erleben.

Aber lohnt sich für so etwas der große Aufwand, wenn doch nur 5 000 Menschen nach Halle oder Dessau kommen werden? Auch das hängt davon ab, wo man den Maßstab setzt.

Wenn die 5 000 hinterher sagen, dass sie eine schöne Zeit in Halle und Eisleben hatten, und sich an diese Reise im Jahr 2017 ganz besonders gern zurückerinnern, wäre das jedenfalls ein besseres Ergebnis, als wenn 20 000 kommen, die am Ende typisch protestantisch, also grummeld unzufrieden sind. Und ansonsten dürfte es so sein wie bei allen Experimenten: Mehr wird man erst an deren Ende wissen.

Benjamin Lassiwe

Ein Geben und Nehmen

5. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Es war eine zufällige Begegnung vor wenigen Tagen; und ich vermute, dass ich sie so bewusst wahrnahm, war der Tatsache geschuldet, dass wir für diese Ausgabe der Kirchenzeitung das Thema Inklusion eingeplant hatten.

Der junge Mann im Rollstuhl hatte die Straße überquert und fuhr unmittelbar vor mir auf den Gehweg, die Kapuze angesichts der Kälte tief ins Gesicht gezogen. Eine Weile bewegten wir uns gleichauf und ich gebe zu: Ich habe meine Schritte ein wenig gebremst, um nicht so offensichtlich vorauszueilen, wie das eine junge Frau tat, die uns mit weit ausladenden Schritten überholt hatte. Ich fand das irgendwie taktlos.

Nach etwa hundert Metern ging es auf dem Gehsteig wegen einer Tagesbaustelle nicht mehr weiter; ein Schild wies darauf hin, dass Fußgänger die Straßenseite wechseln sollten. Ich sah, dass das für den Rollstuhlfahrer nicht einfach werden würde, diverse Stolperfallen wie Baumwurzeln, unbefestigter Boden und ein Bordstein versperrten den Weg.

Beide hatten wir vor dem Hindernis gestoppt. Und nun? Für einen kurzen Moment zögerte ich: Ist es »politisch korrekt«, ihn anzusprechen, oder wird er mein Hilfsangebot womöglich als herablassend empfinden, gar als Mitleidsgeste? Aber auf mein »Brauchen Sie Hilfe?« kam ein freundliches »Ja bitte!«. Und zusammen haben wir die unweg­same Stelle dann geschafft.

»In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander«, heißt es auf der Homepage von »Aktion Mensch« zur Definition des Begriffs Inklusion.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Adrienne Uebbing

Vergeben, nicht vergessen

29. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Das Alter sieht man ihm nicht an. Mit fast 90 Jahren ist Altbischof Dr. Werner Leich noch unglaublich fit und agil. Geistig rege und aufmerksam stellte er sich über eine Stunde den Fragen der Kirchenzeitungs-Redakteure. Er behauptete zwar, dass er sich danach wie eine ausgepresste Zitrone fühlte, aber anzumerken war ihm das nicht.

Ausführlich äußerte er sich zum Thema Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Er, dem der verlängerte, kriminelle Arm des Staates, die Stasi, nach dem Leben trachtete, findet, dass es Zeit sei, einen Schlussstrich zu ziehen. 25 Jahre seien eine lange Zeit, die Akteure alt und die geschichtliche Aufarbeitung bei der Stasi-Unterlagen-Behörde in guten
Händen. Außerdem sei er nicht nachtragend und lebe als Christ selbst von der Vergebung. »Vergeben ja, vergessen nicht«, meint Leich.

Das finde ich wichtig zu betonen. Damit nicht im Nachhinein aus Tätern Opfer und Opfer zu Tätern gemacht werden. So wie es der geschasste Berliner Staatssekretär Andrej Holm mit seiner »Biografie mit Widersprüchen« versuchte. Wir dürfen nicht vergessen, dass die friedliche Revolution ein Gottesgeschenk war und mutige DDR-Bürger zunächst in die Kirche und dann auf die Straße gegangen sind. Die Deutungshoheit darf darum nicht den Tätern überlassen werden.

Der Altbischof betonte, dass auch die heutige Generation aus der Geschichte lernen sollte. Dazu braucht es die öffentliche Auseinandersetzung. Ich bin dankbar für die Stimme der Zeitzeugen oder die Arbeitsgruppe Aufarbeitung und Versöhnung in der EKM. Was an uns ist, so wollen wir als Kirchenzeitung weiterhin dafür ein Podium bieten.

Willi Wild


Anmerkung:
Altbischof Leich wird an seinem Geburtstag nicht zu Hause sein. Er freut sich aber über schriftliche Glückwünsche und Gratulationen.

Gehen oder bleiben

21. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Heiligabendgottesdienst mit Krippenspiel. Neben mir sitzt eine junge Mutter mit ihrem kleinen Jungen, etwa drei bis vier Jahre alt. Als die Hirten den Gang entlang nach vorn ziehen, würdigt der Kleine sie nur mit einem kurzen Blick. Er ist anderweitig beschäftigt. Mit seinem Plüschtier. Hin und wieder ist sein Stimmchen zu vernehmen, aber ganz friedlich. Die ältere Frau allerdings neben dem Kind fühlte sich offenbar in ihrer Andacht gestört. Sie gab der Mutter zu verstehen, dass sie mit dem Kind, das so wenig Anteilnahme am Gottesdienst zeige, die Kirche verlassen müsse. Ärgerlich und energisch entgegnete die junge Frau: »Nein, Sie müssen gehen!«

Vielleicht eine etwas harsche Reaktion, aber ich stimmte der Mutter innerlich zu. Gottesdienst mit Kindern. Hier stellt sich die Frage, ob es gut ist, sie in Watte zu packen oder nicht – ein Schwerpunkt dieser Ausgabe –, auf eine ganz andere Weise. Was erwarten wir von den Jüngsten in unserer Gemeinde? Sind wir bereit, uns auf sie einzustellen, gelegentlich ein Stück zurückzustecken?

Sehr wohltuend und entlastend fand ich das Wort eines Pfarrers im Taufgottesdienst. Den Eltern, die abwechselnd mit ihrem Baby auf dem Arm in der Kirche auf- und abliefen, sagte er: »Laufen Sie ruhig hin und her, wenn das Ihr Kind tröstet. Das stört nicht!« Richtig! Das stört nicht. Anders ist es freilich, wenn ein Kind lauthals schreit und sich über längere Zeit nicht beruhigen lässt. Das ist dann ebenso störend wie ein heftiger Hustenanfall eines Erwachsenen. Wahrscheinlich ist es in dem Fall besser, den Raum zu verlassen.

Nun ist nicht jeder Gottesdienst für kleine Kinder geeignet, aber beim Krippenspiel oder bei einer Taufe gehören sie dazu. Auch wenn sie dem Geschehen noch nicht folgen können und manchmal Unruhe verbreiten. »Wehret ihnen nicht.«

Sabine Kuschel

nächste Seite »