Sonntag ist Sonntag

10. November 2017 von redaktionguh  
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Das Leben könnte so einfach sein. Der Sonntag ist arbeitsfrei. Sonntags arbeiten nur diejenigen, deren Leistung unverzichtbar ist. Also Menschen in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Polizei, bei den Ver- und Entsorgungsunternehmen, bei der Bahn, in Betrieben mit kontinuierlichen Produktionsprozessen. Und, ja bitte! Künstler und Beschäftigte in der Gastronomie sowie natürlich die Pfarrer. Denn deren Arbeit macht für die vielen anderen den arbeitsfreien Sonntag erst richtig zum Sonntag.

Die Länder haben indes mit ihren Ladenöffnungsgesetzen Regelungen geschaffen, wonach auch die Geschäfte – ausnahmsweise – sonntags öffnen dürfen. Die Händler, vorwiegend die großen Ketten und Einkaufszentren, schöpfen diese Möglichkeiten zumeist voll aus. Und nun sorgen Handelsriesen wie Aldi und Rewe für einen Paukenschlag im Zusammenhang mit dem Fakt, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt: Obwohl die meisten Ladenöffnungsgesetze unter diesem besonderen Umstand eine Öffnung erlauben würden, bleiben die Filialen mit Rücksicht auf das Familienleben der Beschäftigten geschlossen.

Bravo! Die Entscheidung könnte ein Zeichen setzen hin zum Verzicht auf noch mehr verkaufsoffene Sonntage, die in der Diskussion sind. Kirchen und Gewerkschaften sollten sich dieses Statement der Handelsriesen gut merken für die nächsten Verteidigungsrunden des arbeitsfreien Sonntags. Denn nicht nur Heiligabend freuen sich die Beschäftigten – zumeist Mütter und Hausfrauen – über Zeit, die sie mit ihrer Familie verbringen können.

Und was die Versorgung zu Weihnachten 2017 angeht: Es muss in Deutschland niemand darben, wenn die Läden drei Tage lang zu haben. Nur ein bisschen vorausschauend einkaufen.

Renate Wähnelt

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Fegefeuer Fristen Fritzen

3. November 2017 von redaktionguh  
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Meine persönliche Bilanz des Reformationsjahres? Wir bräuchten heute dringend wieder mehr Menschen wie Martin Luther! Menschen, die frischen Wind in die Kirche bringen, Wegbereiter für die innere Freiheit, für Bildung und den Mut, sich für seine Meinung einzusetzen! Für die Vorbereitung auf das Lutherjahr habe ich wieder ein bisschen mehr in der Bibel gelesen und dabei ist mir klar geworden, wie viel Luther in Bewegung gebracht hat, vielleicht mehr, als er anfangs ahnen konnte. Seine Überzeugung, dass der Mensch in der Beziehung zu Gott keine Zwischenhändler braucht und auch keine Fegefeuer-Fristen-Fritzen, war revolutionär. Ebenso der Gedanke, dass Menschen Texte, die sie angehen, in einer verständlichen Sprache lesen können sollen. Da ist die Medizin bis heute nicht drauf gekommen! Und als ich einmal das Ärztelatein für mein erstes Buch „Arzt-Deutsch“ ins Verständliche übertrug, wurde mir klar, was er da mit der ganzen lateinischen Bibel geleistet hat! Respekt.

Martin Luther hat vorgelebt, sich mit den Verhältnissen und der herrschenden Meinung nicht zu arrangieren. Das ist Zeichen einer großen inneren Freiheit. Luther hat sie „Freiheit eines Christenmenschen“ genannt. Diese Freiheit schreibt er uns 500 Jahre später immer noch ins Gebetbuch. Sie macht immun gegen Ideologien wie den Perfektionismus. „Du musst gesund sein, du musst toll aussehen, du musst der Beste sein und darfst nicht alt werden.“ Diese Ideologie muss man hinterfragen, dabei hilft Luther. Und Luther sagt auch: „Du bist okay, wie du bist!“ Wie viele Menschen fühlen sich heute schlecht und ausgebrannt und depressiv, weil sie denken, sie müssten anders sein. Doch andere gibt es doch schon genug. Das hat sich Luther natürlich nicht ausgedacht – das hat er in der Bibel gefunden, weil es der Kern der Botschaft von Jesus war. Alle Menschen sehnen sich nach einer Liebe, die einen annimmt und die bedingungslos ist. Diese Liebe kann man nicht kaufen – auch nicht, indem man der Mega-Gutmensch ist. Solche Pseudolösungen hat Luther aufgezeigt und gesagt: „Du kannst dich noch so sehr anstrengen. Letzten Endes kannst du dir Gottes Liebe weder erkaufen noch verdienen.“ Das hat eine unglaubliche therapeutische Kraft – und ich würde mir wünschen, dass viele Menschen durch das Reformationsjubiläum davon gehört haben.

Was mich als Reformationsbotschafter besonders gefreut hat, ist, wie viel Luther für Humor und Lachen übrig hatte: „Wer immer und überall lachen kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie“. „Wo Glaube ist, da ist auch Lachen.“ Und am Wichtigsten: „Woran erkennt man ein befreites Herz? Am Lachen!“

Das Reformationsjahr ist eine gute Gelegenheit uns von der Kargheit und Wortlastigkeit zu befreien und eine kleine „Gegenreformation“ starten: zu mehr Miteinander und Füreinander, mehr Humor und Lachen, mehr Sinnlichkeit und Körperlichkeit in der Kirche, und mehr Ekstase und unbändiger Freude am Leben. Ja, wir werden alle eines Tages sterben. Aber an allen anderen Tagen eben nicht! Und wenn es eine frohe Botschaft gibt, sollte man das den Menschen, die sich auf sie berufen, auch anmerken, oder?

Eckart v. Hirschhausen

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Mit Gott und Sonnenschein

29. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Siehe, wie fein und lieblich ist’s, dass Schwestern und Brüder einträchtig beieinander wohnen! (Psalm 133) Es war Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig wichtig, dass wir bei der Berichterstattung über das erste gemeinsame Interview der beiden mitteldeutschen evangelischen Bischöfe die herzliche Atmosphäre und das gute Miteinander nicht unerwähnt lassen. Landesbischöfin Ilse Junkermann schob nach, dass das natürlich auch für das Verhältnis mit den katholischen Bischöfen in Erfurt und Magdeburg gelte. Und das nicht erst im Reformationsjahr.

Die gute, fast schon geschwisterliche Zusammenarbeit zwischen Kommune und Kirche wird in Eisenach sowie in Wittenberg von beiden Seiten hervorgehoben. Nicht nur das. Die Oberbürgermeister beider Lutherstädte betonen freudig, dass in diesem Jahr das Interesse an Reformation und Kirche unter den kirchenfernen Teilen der Bevölkerung stark zugenommen habe.

Sicher, nicht alle hochgesteckten Erwartungen erfüllten sich. Aber es ist Neues entstanden und das Reformationsjahr hat Menschen zusammengebracht. Die Marktplätze und Fußgängerzonen wurden zu Begegnungsorten. Landesbischöfin Ilse Junkermann wollte, dass sich die Kirche als »gute Gastgeberin« präsentiert. Das ist an vielen Orten gelungen.

Der positive Eindruck wird nachwirken. Zu danken ist er einmal mehr den vielen engagierten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden und letztlich dem gütigen Gott, der nicht nur schönes Wetter schenkte, sondern auch, wie es am Ende des Psalms 133 heißt, der verträglichen Gemeinschaft seinen Segen und Leben bis in Ewigkeit verheißt. Das ist ein fester Grund auch für die nächsten 500 Jahre. Reformation geht weiter.

Willi Wild

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Ein Wort wird wieder Mode

22. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Das ging jetzt aber schnell. Der Heimatbegriff erlebt eine Renaissance. Unser Zeitungstitel »Glaube + Heimat« galt bis vor Kurzem noch als ewig-gestrig, revanchistisch und überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Als ich vor zwei Jahren betonte, dass für mich der Titel nicht von gestern, sondern eine aktuelle Zeitansage sei, wurde ich belächelt.

Nachdem sich Tageszeitungen landauf, landab an der Heimat abgearbeitet haben und bei der Bundestagswahl angebliche Heimatbewahrer Zulauf verzeichnen konnten, scheint der Begriff in der Politik wieder en vogue. Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt oder Linken-Vordenker Benjamin-Immanuel Hoff besorgen das Geschäft der Konservativen und publizieren neuerdings Gedanken zur Heimat.

Derzeit denken einige Politiker über ein Heimatministerium im Bund nach. Wenn diese Überlegungen nur dem Wahlerfolg der Rechtspopulisten geschuldet sind, wäre das zu kurz gegriffen. Heimat ist ein kostbares Gut. Was passiert, wenn Menschen heimatlos werden, können wir derzeit weltweit beobachten. Zu Flucht und Vertreibung können vermutlich auch einige Leserinnen und Leser leidvolle Kindheitserinnerungen beitragen. Viele Vertriebene sind bis an ihr Lebensende traumatisiert.

Heimat, der Begriff, den man in keine andere Sprache treffend übersetzen kann, hat nichts mit einigeln oder abgrenzen zu tun. Es ist das Gefühl, zu Hause zu sein, Wurzeln zu schlagen. Dieses Gefühl mit allen zu teilen, die hier leben, ist eine lohnende Aufgabe. Dazu braucht es weder die Politik noch ein Ministerium. Als Christen setzen wir uns für territorial und innerlich heimatlos gewordene Menschen ein. Weil uns der Glaube Halt und die christliche Gemeinschaft Heimat gibt.

Willi Wild

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Lebensmut am Sterbebett

15. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Vor 35 Jahren wurde in der Schweiz der Verein Exit gegründet. Sein Ziel: Unheilbar kranke Menschen sollten (und sollen) den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen dürfen. Ein Jahr später, es war 1983, wurde in Deutschland an der Uniklinik Köln die erste Palliativstation gegründet. Ihr Ziel: Unheilbar kranke Menschen sollten (und sollen) am Lebensende selbstbestimmt und ohne Schmerzen auf ihren Tod warten dürfen.

Aus den zarten Anfängen hat sich ein immer dichteres Netz von Hospizarbeit entwickelt. Deren Verdienst: Tod und Sterben sind nicht mehr die gesellschaftlichen Tabuthemen, die sie einmal waren. Zwei Drittel der Deutschen wissen, worum es bei der Hospizarbeit geht. Immer häufiger können Sterbenskranke ihre letzten Tage im Hospiz verbringen.

In Ruhe in einer vertrauten Umgebung sterben zu dürfen, ist ein Segen – 66 Prozent der Deutschen wünschen sich das. Doch nur für jeden Vierten geht dieser Wunsch in Erfüllung. 40 Prozent der Menschen sterben im Krankenhaus, 30 Prozent im Pflegeheim. Die Wartelisten der Hospize sind oft lang. Es ist dringend nötig, dass Hospizarbeit gestärkt wird.

Doch genauso wichtig ist, dass Pflegeteams in Altenheimen und Krankenhäusern mehr Zeit bekommen für die Begleitung Sterbender. Eine Nachtschwester, die im Schnitt für 52 Heimbewohner zuständig ist, hat keine Zeit, um am Bett eines Sterbenden zu sitzen.

Der Tod ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Der Hospizarbeit ist es gelungen, dem Tod wieder einen Platz im Leben der Menschen zu verschaffen. Er wird deshalb nicht zum Freund. Aber so wird für manche aus Todesangst am Ende vielleicht sogar: Lebensmut.

Susanne Schröder

Die Autorin ist Redakteurin beim Bayerischen Sonntagsblatt

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Mittendrin statt nur dabei

8. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Das war diesmal eine komische Wahl. Noch nie saß ich länger unentschlossen in der Wahlkabine. Selten zuvor hatte ich mich intensiver mit Wahlprogrammen und deren praktischer Umsetzung beschäftigt. Ja, ich habe gewählt, aber so richtig zufrieden war ich danach nicht. Und jetzt wieder vier Jahre abtauchen, bis zur nächsten Bundestagswahl.

Die Befürworter der direkten Demokratie glauben, dass mit bundesweiten Volksentscheiden mehr Mitbestimmung und Einfluss möglich sind. Auseinandersetzung mit Politik und Politikern nicht nur im Wahlkampf. Spanien ist dafür wohl kein gutes Beispiel. Der Volksentscheid in Katalonien ist gerade blutig über die Bühne gegangen. Allerdings stellt das Beharren auf das Referendum dort auch einen Verfassungsbruch dar.

Bei uns gilt ein hoch formalistisches und entschleunigtes Verfahren. Vom Antrag bis zum Entscheid können da schon zwei Jahre vergehen. Keine Chance für populistische Stimmungen oder anarchistische Auswüchse. Zumal Grund- und Minderheitenrechte eingehend im Vorfeld geprüft werden müssen. Wie es gehen kann, zeigte der Volksentscheid der Berliner zum Flughafen Tegel parallel zur Bundestagswahl. Auch wenn der Senat nicht an das Abstimmungsergebnis gebunden ist, die Meinung der Bevölkerung ist klar ersichtlich.

Der Volksentscheid ist ein demokratisches Instrument in der Hand aller Bürger und sollte es auch auf Bundesebene sein. Das gehört in den Koalitionsvertrag der neuen Regierung. Dafür können wir uns als Christen und mündige Bürger starkmachen. Für die Teilnahme und Teilhabe am demokratischen Prozess will ich keine vier Jahre warten müssen.

Willi Wild

www.volksentscheid.de

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Ein deutlicher Kontrapunkt

1. Oktober 2017 von redaktionguh  
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In den vergangenen Monaten hatten wir viele Menschen aus aller Herren Länder zu Gast in Mitteldeutschland. Die allermeisten von ihnen werden mit einem schönen Bild von Deutschland in ihre Heimat zurückgekehrt sein. Das entspricht der Wahrheit.

Allerdings setzt die Wahl vom vergangenen Sonntag einen deutlichen Kontrapunkt. Eine qualifizierte Minderheit hat offensichtlich eine andere Vorstellung davon, wie dieses Land zukünftig aussehen soll. Die Auseinandersetzung darüber wird nun im Deutschen Bundestag geführt werden. So weit ist die Wahl ein Beweis für die Funktionstüchtigkeit der Demokratie.

Als Christen sind wir Bürger unseres Landes. Daher beteiligen wir uns an dieser Diskussion. Als Kirche Jesu Christi sind wir nicht Teil des Staates. Wir predigen die Rettung der Welt in Jesus Christus, und der Staat darf uns darin nicht behindern. Im alltäglichen Leben findet das Evangelium eine ausdrückliche Entschiedenheit: Unser Glaube lässt uns eintreten für die Menschen auf der Schattenseite des Lebens – gleichgültig, ob sie aus Syrien oder einem sozialen Brennpunkt in Mitteldeutschland kommen. Wer einer vertieften Spaltung unserer Gesellschaft das Wort redet, kann sich nicht auf die Predigt Jesu berufen.

Mich schmerzen die kurzschlüssigen Deutungen über die Wählerschaft in unserer Region. Als Christenmenschen werden wir erkennbar und für das Evangelium streitbar, selbstbewusst weil gottesbewusst dienstbar sein. Auf die Frage, in welchem Land wir leben wollen, geben wir eine Antwort, die dem Bild unserer Gäste sehr nahe kommt. Für die Führung unseres Landes bitten wir um Gottes Geleit.

Joachim Liebig

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Der Autor ist Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts und Vorsitzender des Ev. Presseverbandes Mitteldeutschland.

Demokratie gestalten

24. September 2017 von redaktionguh  
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Im gemeinsamen Wort der Kirchen zur Bundestagswahl heißt es, Demokratie lebt durch Beteiligung, und nur so können Anliegen und Interessen der Menschen in eine Politik umgesetzt werden, die dem Gemeinwohl dient. Die Erinnerung daran tut not, angesichts gewachsener Aggressionen gegenüber jenen, die auf komplexe Probleme eben keine einfachen Antworten geben.

Nach wie vor gibt es soziale Probleme auch in unserem Land. Die Folgen der demografischen Entwicklung müssen gestaltet werden, um angemessene Lebensbedingungen bis ins Alter gewährleisten zu können. Die Arbeitswelt steht durch Globalisierung, Automatisierung und Digitalisierung erkennbar vor Wandlungsprozessen. Chancen und Risiken müssen aufeinander bezogen werden, um Wohlstand für alle zu fördern.

Der Prozess der europäischen Einigung wird mit stärker gewordener Skepsis betrachtet. Nationale Identitäten und gemeinsame Interessen müssen zum Ausgleich gebracht und plausibel vermittelt werden. Menschen suchen Zuflucht und Perspektive in unserem Land. Ihnen eine Heimat zu geben und sie zu integrieren, fordert uns in besonderer Weise heraus.

Wir nehmen wahr, dass sich Menschen um Identität und sozialen Frieden in unserem Land sorgen. Die Zahl derer nimmt zu, die den Eindruck haben, nicht gehört und verstanden zu werden. Darauf müssen wir Antworten finden, die zusammenführen und nicht spalten. Große Parteien stehen zur Wahl und auch kleine. Wie auch immer man wählt, es ist ein wichtiger Beitrag zur Gestaltung unseres Landes. Wir sollten ihn nicht verweigern!

Albrecht Steinhäuser

Der Autor ist Beauftragter der evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Sachsen-Anhalt.

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Plädoyer für das Leben

16. September 2017 von redaktionguh  
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Es war der berührendste Moment bei der »Wahlarena« im Fernsehen. Eine junge Frau, 18 Jahre alt, Erstwählerin, mit Downsyndrom, erklärt, dass neun von zehn Babys mit Downsyndrom in Deutschland abgetrieben werden und dass das bis wenige Tage vor der Geburt geschehen darf. Sie fragt Bundeskanzlerin Angela Merkel, wieso man Babys mit Downsyndrom bis kurz vor der Geburt abtreiben darf. »Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben!« Großer Applaus im Publikum, die Kanzlerin sichtlich bewegt. Sie verweist darauf, dass die Unionsfraktion eine verpflichtende Beratung bei Spätabtreibungen eingeführt habe. Eine Antwort auf die Frage bleibt sie schuldig.

CDU-Fraktionschef Volker Kauder gestand jüngst in einem Interview ein, dass er politisch in Sachen Abtreibung nichts mehr erreichen könne. Die Abtreibungsfrage sei entschieden. Die großen Parteien überlassen das Thema augenscheinlich der AfD. Christliche Lebensrechtsgruppen, die am Wochenende gemeinsam beim Schweigemarsch für das Leben in Berlin für den Schutz des ungeborenen Lebens demonstrieren, werden dadurch politisch in die rechte Ecke gedrängt.

Die Betroffenen, die Eltern, fühlen sich oft alleingelassen. Daran kann vermutlich auch ein Beratungsgespräch oder ein »Marsch für das Leben« nicht viel ändern. Durch den medizinischen Fortschritt ist Früherkennung möglich, aber die Überlebenschancen sind eben auch gestiegen. Geburt oder Abtreibung, wer will das entscheiden?

Die Entscheidung obliegt der Mutter. Es ist an uns, dass wir uns nicht wegducken, sondern den Betroffenen beistehen. Der Mut der jungen Frau in der Fernsehsendung ist bewundernswert. Ihr Plädoyer für das Leben hat mich beeindruckt.

Willi Wild

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Die Sonntagsfrage

10. September 2017 von redaktionguh  
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Es sind diesmal nicht die obersten kirchlichen Kreuzträger, die das Symbol der Christenheit fürs Foto abnehmen. Der Discounter Lidl lässt auf den Verpackungen seiner griechischen Spezialitäten die Kirchenkreuze der fotogenen Kulisse der Griecheninsel Santorin entfernen. Feta, Bifteki und Zaziki der Eigenmarke »Eridanous« zeigen zwar die Kuppeln der Kirchen, von denen es auf Santorin wohl 300 gibt, die Kreuze hat man wegretuschiert. »Eridanous« sieht griechisch aus und klingt auch so, ist es aber nicht. Im Englischen steht der Begriff für »erbärmlich« und das trifft auch auf die Erklärung des Konzerns zu. Das Unternehmen
respektiere die religiöse Vielfalt, deshalb habe man bewusst das Design verändert. Für Lidl sei eine religiöse Parteinahme nicht relevant.

Fast wäre auch das sogenannte Kanzlerduell ohne Kirche ausgekommen, hätte nicht Sandra Maischberger etwas unvermittelt die Sonntagsfrage gestellt: »Waren Sie heute in der Kirche?« Unvorbereitet und fast wie ertappte Konfirmanden gestanden beide Kandidaten, im Gottesdienst gefehlt zu haben. Recht viel mehr kam dann nicht mehr zu Kirche und Christentum und wurde auch nicht abgefragt. Mit knapp 60 Prozent stellen die Christen in unserem Land die größte religiöse Gruppe. Und es scheint, als werde sie von Medien und Politik wenig wahr- und vor allem ernst genommen.

Deshalb ist es gut, dass in einigen Kirchengemeinden den Bundestagskandidaten auf den Zahn gefühlt wird, wie beim öffentlichen Podiumsgespräch der evangelischen Jakobsgemeinde in Köthen. In der nächsten Ausgabe der Kirchenzeitung konfrontieren wir Bewerber für den Bundestag mit Fragen, die uns Christen bewegen. Auf die Antworten bin ich gespannt.

Willi Wild

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