In guter Gemeinschaft

21. Januar 2018 von redaktionguh  
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Ich treffe ihn nach dem Trauergottesdienst für die ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia im Dom von Mosta. Für Pater John Sammut, früher selbst Journalist, ein Herzensanliegen, der regierungskritischen Bloggerin das letzte Geleit zu geben. Pater John leitet die deutsche katholische St. Barbara Gemeinde in Maltas Hauptstadt Valetta, der Kulturstadt Europas 2018. Er erzählt vom Schatz der Kirchen, die sie in diesem Jahr öffnen wollen. Malta hat eine größere Kirchendichte als Rom, aber kein Geld für die Sanierung.

Der Pater kann viele Geschichten erzählen. Vom Kulturstreit, der bis heute andauert, von der Pauluslegende, die nur im Norden der Insel eine Rolle spielt, bis zur aktuellen Flüchtlingssituation. Seit Jahren pflegen seine kleine Gemeinde und die deutsche evangelische Andreas-Gemeinde engen Kontakt. Man kann es auch gelebte Ökumene nennen. Nach dem Gottesdienst am Sonntag gehen Kirchenältester Noel Cauchi und die Besucher der Andreas-Gemeinde in der Altstadt Valettas noch auf einen Kaffee um die Ecke in die katholische Kirche.

Gemeinsam sitzt man am Tisch bei Integrationsprojekten, den ökumenischen Gesprächen oder zum Literaturcafé. Daneben gibt es Ausflüge, Wanderungen oder Gottesdienste im Freien. Noel Cauchi kam einst mit seiner deutschen Frau zur Andreas-Gemeinde. Nach deren Tod fand er hier Trost und Hilfe. Die Andreas-Gemeinde versteht sich als ökumenische Gemeinschaft, die das Verbindende und nicht das Trennende betont.

Das können Sie vor Ort erleben, Pater John und Noel Cauchi kennenlernen, begleitet vom früheren Seelsorger der Andreas-Gemeinde, Oberkirchenrat i.R. Wilfried Steen. Reisen in guter Gemeinschaft, eben.

Willi Wild

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Auf’s Kreuz gelegt

14. Januar 2018 von redaktionguh  
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Das lege ich Jesus auf’s Kreuz« – als vor etlichen Jahren eine junge Frau, die einer Freikirche angehört, sagte, sie lege grundsätzlich alle ihre Sorgen, die kleinen wie die großen, im Glauben, dass Jesus sie trägt, auf dessen Kreuz, dachte ich im ersten Moment: Sie macht es sich sehr einfach. Kurze Zeit später wurde ich bei einer Andacht in der Passionszeit eines Besseren belehrt.

In der Kapelle lag ein großes Kreuz und die Gäste waren aufgefordert, ihre Sorgen und Probleme »Jesus auf’s Kreuz zu legen«. Ich war durchaus skeptisch und zögerte zunächst. Schließlich beteiligte ich mich an dem Ritual, kniete nieder, legte die Stirn auf das Holz und vertraute im Gebet Jesu meine Sorgen an. Die Wirkung dieser Geste war verblüffend. Als ich mich wieder aufrichtete, hatte ich tatsächlich das untrügliche Gefühl, alles, was mich zuvor bedrückt hatte, war auf dem Holzkreuz zurückgeblieben.

Eine bemerkenswerte Erfahrung und ein Beweis, wie stark Rituale wirken können. Beten, religiöse Gesten und Handlungen wollen geübt sein. Katholiken sowie Christen in Freikirchen sind diesbezüglich geübter, weil für sie Rituale eine größere Rolle spielen als für uns Protestanten. Nicht zu Unrecht wird uns vorgehalten, zu »verkopft« zu sein. In jedem Fall lohnt es sich, einen Blick auf die Glaubenspraxis von Christen anderer Konfessionen zu werfen. Dass sie weniger Schwierigkeiten haben, auf andere Menschen zuzugehen, um von ihrem Glauben zu erzählen, und ansteckend wirken, betont auch das auf der Glaubenskonferenz »Mehr« in Augsburg verfasste Manifest Mission. Es geht auf die Notwendigkeit missionarischer Aktivitäten ein und fordert auf, den Glauben neu zu entdecken, ihn klar und mutig zu verkündigen.

Sabine Kuschel

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Aus dem Hause Davids

7. Januar 2018 von redaktionguh  
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Ich muss noch einmal auf die Weihnachtsgeschichte zu sprechen kommen. Das ist nicht zu spät, früher dauerte die liturgische Weihnachtszeit bis zum 2. Februar. Hintergrund meiner Rückblende ist die Frage einer Leserin: Warum wird im Lukas-Evangelium erwähnt, dass Josef aus dem »Hause und Geschlechte« Davids war und Jesus somit der in den Weissagungen erwähnte Sohn Davids sei? Jesus ist aber doch nicht Josefs Sohn? Das stimmt!

Man ist sich heute weitgehend einig, dass »nach dem Fleisch« eindeutig die physische Abstammung meint. Dadurch kommt tatsächlich nur Marias Stammbaum in Frage. Sie stammt direkt aus dem Geschlecht Davids, aus der königlichen Linie durch Davids Sohn Salomo. Während Joseph aus einer anderen Linie kam, die bei Davids Sohn Nathan ihren Ausgang nahm.

Die Weihnachtsgeschichte, so wie wir sie heute kennen und lieben ist nicht so geschehen, wie in der Bibel überliefert. Zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten weisen die Schilderungen auf. Sie hat sich in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Geburt gewissermaßen entwickelt. Erst im zweiten Jahrhundert kommen die Könige ins Spiel. Hundert Jahre später wurden Anzahl und Namen der »Weisen aus dem Morgenland« hinzugefügt.

Wenn nun scheinbar aber nichts an der Darstellung der Geburt Jesu zusammenpasst, warum übt die Weihnachtsgeschichte auf der ganzen Welt immer noch eine derartige Faszination aus? Weil, wie ich es in einer Predigt Heiligabend gehört habe, die Weihnachtskrippe ein Sehnsuchtsort ist. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, Frieden und nach einem Retter: »Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids« (Lukas 2, Vers 11).

Willi Wild

Sehnsuchtsort Jerusalem

17. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Gibt es gerade Gewaltausbrüche in Jerusalem? Zu oft wurde mir diese Frage in den letzten Tagen gestellt, nachdem Donald Trump Jerusalem als nur israelische Hauptstadt anerkannt hat. Um es kurz zu machen: Ja, es gibt Krawalle, aber von einer dritten Intifada kann keine Rede sein, da bei den Palästinensern sich ein wachsendes Gefühl von Resignation breit macht. Die Frage beinhaltet aber folgenden Gedankengang: Wenn es Krawalle gibt, hat Trump mit seiner Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, einen Fehler gemacht; gibt es jedoch keine Krawalle, dann war seine Entscheidung richtig. Darf das wirklich die Fragestellung sein?

Meines Erachtens muss die Fragestellung doch lauten: Was dient der Stadt Jerusalem zum Dialog? Was ihr zur Versöhnung? Was ihr zum Frieden? Der Zauber Jerusalems liegt doch gerade darin, dass sie eine Stadt mit einer mindestens 4 500 Jahre alten Geschichte ist, die voller Verletzungen und Vernarbungen ist, aber auch voller Geborgenheit, Hoffnung und Tröstung. Neben den Steinen dieser Stadt sind ihre lebendigen Steine, ihre Bewohner, noch viel faszinierender: Juden, Christen, Muslime in den unterschiedlichen Strömungen machen diese Stadt zu einem vibrierenden Ort der Sehnsucht und des Gebets.

Diese Stadt ist einfach zu sensibel und zugleich so kunstvoll kompliziert, dass man sie auf keinen Fall kleinkariert nationalistisch verengen darf! Sie ist eine Stadt von universaler Bedeutung, der nur der Status einer internationalisierten Stadt, eines »corpus seperatum«, gerecht wird. Alles andere tut ihr unrecht und fügt ihren vielen Narben nur eine weitere hinzu.

Pater Nikodemus

Benediktinerpater Nikodemus Schnabel ist Abtprimas der Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg.

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Kaffee gibt’s nicht

10. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Nein, Kaffee gibt es bei uns keinen«, sagt die freundliche Kellnerin. Wir staunen und haken nach. Doch es bleibt dabei: Nur kalte Getränke! »Aber gegenüber ist ein Italiener, da bekommen Sie leckeren Cappuccino. Dann können Sie nachher ja nochmal wiederkommen!« Schmunzelnd wechseln wir die Straßenseite und genehmigen uns die Portion Koffein.

Eine Stunde später geht’s zurück zur Kneipe. Diesmal fragen wir nach der Speisekarte. Vielleicht hätten wir es schon ahnen können. Charmant, aber bestimmt, beteuert nämlich die fröhliche Frau hinter der Theke: »Bei uns gibt es nichts zu essen.« Also kein Kaffee, keine Speisen, sondern nur kalte Getränke. »Ich kann ja auch nicht gleichzeitig in der Küche und hier an der Theke stehen.« Das Argument leuchtet ein.

Aber wir haben Hunger. »Funktioniert das Konzept denn?«, frage ich nach. »Ja, hier ist total viel los. Jedenfalls donnerstags. Und ich bin ganz froh, dass es an den anderen Tagen ruhiger ist. Man muss ja auch mal aufräumen und sauber machen«, erklärt die Kellnerin plausibel.

Schließlich empfiehlt sie uns noch einige Restaurants in der Nachbarschaft. Wir gehen also weiter und sehen uns ungläubig an. Tatsächlich scheint die junge Frau vom Konzept ihrer Kneipe überzeugt zu sein. Und wenn wir mal nur ein Bier trinken wollen, kommen wir bestimmt wieder. Die Gelassenheit der Kellnerin war jedenfalls beeindruckend.

Und vielleicht kann man es in der Kirche auch hier und da entspannter nehmen, wenn Gäste mal nicht das passende Angebot finden. Oder wenn man vor Ort eben nicht alles anbieten kann. Man muss ja auch zwischendurch mal aufräumen und sauber machen.

Bernd Becker

Der Autor ist Herausgeber der Evangelischen Kirchenzeitung für Westfalen und Lippe, »Unsere Kirche«.

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Ein Gschmäckle

3. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Das war ein Paukenschlag. Normalerweise ist der Antrag auf Verlängerung der Amtszeit eines Regionalbischofs oder einer Landesbischöfin Formsache, wie das Beispiel der Amtszeitverlängerung des Stendaler Regionalbischofs Christoph Hackbeil zeigt. Umso verwunderlicher ist das Vorgehen bei der Landesbischöfin. Nicht die Tatsache, dass ihre Amtszeit nicht verlängert werden soll, verwirrt, sondern die Art und Weise sowie der Zeitpunkt der Verkündung. Aber auch die Erklärung, die Ilse Junkermann bei der Synode und im Brief an die Kirchengemeinden abgab, wirft Fragen auf. Nicht nur Synodale sind ratlos.

Wenn sich der Landeskirchenrat in geheimer Abstimmung gegen eine Amtszeitverlängerung seiner Vorsitzenden ausspricht, offenbart das – allen gegenseitigen Vertrauensbekundungen zum Trotz – einen Graben zwischen Leitungsgremium und Landesbischöfin. Über die Gründe, die dazu geführt haben, lassen beide Seiten die Öffentlichkeit im Unklaren. Und so bleibt, wie man im Schwäbischen sagt: ein Gschmäckle.

Im Jahr 2019 stehen große Veränderungen an. Die Kirchengemeinden und -kreise, auch das Landeskirchenamt müssen sparen. Wie werden die nächsten zwei Jahre gestaltet? Wie kann der geplante Umbau der Kirche gelingen? Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit sind mehr denn je gefragt. Das zeigte bei der Synode auch der emotionale Vortrag der Eingabe aus dem Kirchenkreis Elbe-Fläming und die sich anschließende engagierte Diskussion.

Es geht um die Zukunft des Verkündigungsdienstes und die der Kirchengemeinden. Die existenziellen Herausforderungen in unserer Kirche erfordern gerade jetzt Einheit und geistliche Leitung.

Willi Wild

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Der Mensch denkt …

26. November 2017 von redaktionguh  
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Als ich Montag früh nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche hörte, dass die Kanzlerin sich einen Tag zum Nachdenken ausbedungen hatte, war mein erster Impuls ein Stoßgebet: Möge ihr Gott bei ihrer Entscheidung helfen. Es ist keineswegs verwunderlich, dass die Parteien mit so extrem unterschiedlichen Positionen keinen gemeinsamen Nenner gefunden haben. Dass sie sich auf eine Gratwanderung begeben, war von Anfang an klar. Dennoch sah es so aus, als könnte der Spagat gelingen.

Was nun? Theoretisch sind vielleicht noch nicht alle Varianten für eine Regierungsbildung ausgeschlossen. Der Gedanke an Neuwahlen jedenfalls bereitet mir durchaus Kopfzerbrechen. Denn schon die Entscheidung im September war nicht leicht und würde es jetzt erst recht nicht.

»Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.« Dieser Vers 6 im 1. Korintherbrief 12 gehört zu meinen Lieblingsworten der Bibel. Aber was hat er mit der politischen Konstellation bei uns zu tun? Hier sind menschliches Verhandlungsgeschick, hohes Verantwortungsbewusstsein und politischer Weitblick gefragt. Außerdem: Gott hätte Wichtigeres zu tun. Warum sollte er sich um unser wohlhabendes, mit vielen Ressourcen ausgestattetes Land kümmern, während in anderen Regionen Menschen unfassbares Leid widerfährt? Verursacht von Menschen.

Ich weiß: Unsere Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart, sie webt sich zusammen und ist immer auch das Ergebnis des Wirkens von Menschen – verstrickt in Schuld. Und doch: Über dieser Erkenntnis und über all jenen Erfahrungen, die sich partout nicht erklären lassen, steht die Zusage: Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.«

Sabine Kuschel

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Unterm Strich

19. November 2017 von redaktionguh  
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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich verrechnet. Mindestens 12 Millio­nen Euro Defizit für das Reformationsjubiläum. Offiziell ist die Rede vom »erhöhten Zuschussbedarf«. Dahinter verbergen sich Fehlkalkulationen für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg und die Ticketverkäufe bei den Kirchentagen auf dem Weg. Die vorgesehenen 30 Millionen Euro reichen nicht aus.

Die Mehrkosten will die EKD alleine tragen, hieß es. Im Klartext bedeutet das, dass die 20 Landeskirchen, die zur EKD gehören, über die Finanzumlage nun im Nachgang die Mehrkosten übernehmen. Das hätte nicht sein müssen. Die kritischen Stimmen aus Mitteldeutschland im Vorfeld zu Konzept und Umsetzung etwa der Kirchentage auf dem Weg hat man ignoriert. Das Endergebnis ist bekannt.

Kein Wunder, dass im Nachgang bei der Synode in Bonn auf eine Bilanz der gastgebenden mitteldeutschen Landeskirchen verzichtet wurde. Vermutlich hätte man, anders als die Reformationsbotschafterin, die Finger in die Wunde gelegt. Geradezu kontraproduktiv war es, für die Kirchentage Eintritt zu verlangen, während man sich in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bemühte, alle Kirchengebäude im Reformationsjahr – kostenfrei – zu öffnen.

In der Erfolgsbilanz werden vor allem die großen Kaffeetafeln auf den Marktplätzen der Kirchentagsorte hervorgehoben. Hier sei Kirche erkennbar und mitten unter den Menschen gewesen. So war es. Die Arbeit wurde – umsonst und draußen – hauptsächlich von Ehrenamtlichen organisiert, ohne »erhöhten Zuschussbedarf«.

Wenn dieses Jahr etwas gezeigt hat, dann dies: Gespräche über Gott und die Welt gelingen eher auf öffentlichen Plätzen als hinter Bezahlschranken. Das war schon vor 500 Jahren so. Eine Binsenweisheit.

Willi Wild

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Sonntag ist Sonntag

10. November 2017 von redaktionguh  
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Das Leben könnte so einfach sein. Der Sonntag ist arbeitsfrei. Sonntags arbeiten nur diejenigen, deren Leistung unverzichtbar ist. Also Menschen in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Polizei, bei den Ver- und Entsorgungsunternehmen, bei der Bahn, in Betrieben mit kontinuierlichen Produktionsprozessen. Und, ja bitte! Künstler und Beschäftigte in der Gastronomie sowie natürlich die Pfarrer. Denn deren Arbeit macht für die vielen anderen den arbeitsfreien Sonntag erst richtig zum Sonntag.

Die Länder haben indes mit ihren Ladenöffnungsgesetzen Regelungen geschaffen, wonach auch die Geschäfte – ausnahmsweise – sonntags öffnen dürfen. Die Händler, vorwiegend die großen Ketten und Einkaufszentren, schöpfen diese Möglichkeiten zumeist voll aus. Und nun sorgen Handelsriesen wie Aldi und Rewe für einen Paukenschlag im Zusammenhang mit dem Fakt, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt: Obwohl die meisten Ladenöffnungsgesetze unter diesem besonderen Umstand eine Öffnung erlauben würden, bleiben die Filialen mit Rücksicht auf das Familienleben der Beschäftigten geschlossen.

Bravo! Die Entscheidung könnte ein Zeichen setzen hin zum Verzicht auf noch mehr verkaufsoffene Sonntage, die in der Diskussion sind. Kirchen und Gewerkschaften sollten sich dieses Statement der Handelsriesen gut merken für die nächsten Verteidigungsrunden des arbeitsfreien Sonntags. Denn nicht nur Heiligabend freuen sich die Beschäftigten – zumeist Mütter und Hausfrauen – über Zeit, die sie mit ihrer Familie verbringen können.

Und was die Versorgung zu Weihnachten 2017 angeht: Es muss in Deutschland niemand darben, wenn die Läden drei Tage lang zu haben. Nur ein bisschen vorausschauend einkaufen.

Renate Wähnelt

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Fegefeuer Fristen Fritzen

3. November 2017 von redaktionguh  
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Meine persönliche Bilanz des Reformationsjahres? Wir bräuchten heute dringend wieder mehr Menschen wie Martin Luther! Menschen, die frischen Wind in die Kirche bringen, Wegbereiter für die innere Freiheit, für Bildung und den Mut, sich für seine Meinung einzusetzen! Für die Vorbereitung auf das Lutherjahr habe ich wieder ein bisschen mehr in der Bibel gelesen und dabei ist mir klar geworden, wie viel Luther in Bewegung gebracht hat, vielleicht mehr, als er anfangs ahnen konnte. Seine Überzeugung, dass der Mensch in der Beziehung zu Gott keine Zwischenhändler braucht und auch keine Fegefeuer-Fristen-Fritzen, war revolutionär. Ebenso der Gedanke, dass Menschen Texte, die sie angehen, in einer verständlichen Sprache lesen können sollen. Da ist die Medizin bis heute nicht drauf gekommen! Und als ich einmal das Ärztelatein für mein erstes Buch „Arzt-Deutsch“ ins Verständliche übertrug, wurde mir klar, was er da mit der ganzen lateinischen Bibel geleistet hat! Respekt.

Martin Luther hat vorgelebt, sich mit den Verhältnissen und der herrschenden Meinung nicht zu arrangieren. Das ist Zeichen einer großen inneren Freiheit. Luther hat sie „Freiheit eines Christenmenschen“ genannt. Diese Freiheit schreibt er uns 500 Jahre später immer noch ins Gebetbuch. Sie macht immun gegen Ideologien wie den Perfektionismus. „Du musst gesund sein, du musst toll aussehen, du musst der Beste sein und darfst nicht alt werden.“ Diese Ideologie muss man hinterfragen, dabei hilft Luther. Und Luther sagt auch: „Du bist okay, wie du bist!“ Wie viele Menschen fühlen sich heute schlecht und ausgebrannt und depressiv, weil sie denken, sie müssten anders sein. Doch andere gibt es doch schon genug. Das hat sich Luther natürlich nicht ausgedacht – das hat er in der Bibel gefunden, weil es der Kern der Botschaft von Jesus war. Alle Menschen sehnen sich nach einer Liebe, die einen annimmt und die bedingungslos ist. Diese Liebe kann man nicht kaufen – auch nicht, indem man der Mega-Gutmensch ist. Solche Pseudolösungen hat Luther aufgezeigt und gesagt: „Du kannst dich noch so sehr anstrengen. Letzten Endes kannst du dir Gottes Liebe weder erkaufen noch verdienen.“ Das hat eine unglaubliche therapeutische Kraft – und ich würde mir wünschen, dass viele Menschen durch das Reformationsjubiläum davon gehört haben.

Was mich als Reformationsbotschafter besonders gefreut hat, ist, wie viel Luther für Humor und Lachen übrig hatte: „Wer immer und überall lachen kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie“. „Wo Glaube ist, da ist auch Lachen.“ Und am Wichtigsten: „Woran erkennt man ein befreites Herz? Am Lachen!“

Das Reformationsjahr ist eine gute Gelegenheit uns von der Kargheit und Wortlastigkeit zu befreien und eine kleine „Gegenreformation“ starten: zu mehr Miteinander und Füreinander, mehr Humor und Lachen, mehr Sinnlichkeit und Körperlichkeit in der Kirche, und mehr Ekstase und unbändiger Freude am Leben. Ja, wir werden alle eines Tages sterben. Aber an allen anderen Tagen eben nicht! Und wenn es eine frohe Botschaft gibt, sollte man das den Menschen, die sich auf sie berufen, auch anmerken, oder?

Eckart v. Hirschhausen

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