Prost, Martin!

21. Mai 2017 von redaktionguh  
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Längst ist Martin Luther zur Marke geworden. Nicht nur als »markiger Typ mit markigen Sprüchen«, sondern auch als farbiger Lutherzwerg beziehungsweise als der Renner: Luther-Playmobil – mit Ersatzteiloption.

Was ist das Verramschen dessen, was uns wichtig, vielleicht gar noch heilig ist? Ein Christusfest soll gefeiert werden? Dies feiern wir doch ohnehin zu Weihnachten und zu Ostern. Ein zündender oder das Volk bewegender Gedanke ist wahrlich bisher nicht zu erkennen, so gut gemeint das alles sein mag.

Mag sein, dass nun unsere Urenkel lernen, dass das Jubiläum von 2017 die Selbstabschaffung des Protestantismus beschleunigt hätte. So schwarz zu sehen, besteht jedoch kein Anlass, schaut man sich die redliche Bemühung an, das Jubiläum zur Selbstbesinnung zu nutzen, den Finger auf die Wunden unserer Welt zu legen und zugleich auch unser Halleluja zu singen. Das Trutzige »ein gute Wehr und Waffen« ist uns sicher nicht erst seit Aleppo vergangen. Und der ökumenische Impuls ist bei allen Vorbereitungen erkennbar.
Luther war ein begeisterter Biertrinker und davon überzeugt: wenn er mit seinem Freunde Philippus in Wittenberg abends sein Wittenbergisch Bier getrunken habe, dann sei doch das Evangelium von allein in die ganze Welt gelaufen. Also: Prost, du wunderbarer Tischgeselle Martin Luther. Doch ein Bibelwort auf einem Bierdeckel ist wohl nicht der richtige Umgang mit dem, was uns im Innersten berührt und zum Äußersten befähigt.

Wenn wir das Evangelium hören und an uns heran- und in uns hineinlassen, dann ist das Wort von Martin Niemöller noch nicht ganz vergessen: »Was würde Jesus dazu sagen?«

Friedrich Schorlemmer

Bach oder Pop?

14. Mai 2017 von redaktionguh  
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Wenn wir in diesem Jahr das 500. Reformationsjubiläum begehen, ist uns klar, dass die Kirchenmusik ein wesentlicher Wegbegleiter der Bewegung war, weil sie die Menschen unmittelbar erreichte.

Luthers »Urkantor« Johann Walter nahm dabei eine Schlüsselfunktion ein. Ob Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach: Viele haben den Wochenspruch des Sonntags Kantate überaus kunstvoll vertont: »Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder« (Psalm 98,1).

Das Motto des Thomaskantors »Soli Deo Gloria« (Gott allein zur Ehre) war dabei mit einem hohen kompositorischen Anspruch verbunden! In vielen Kirchenchören wird emsig daran gearbeitet, diese Werke aufzuführen. Doch es besteht auch die Sehnsucht nach populären Formen, die eher den Zeitgeist treffen.

Als vor 45 Jahren die US-amerikanische Sängerin Etta Cameron in der bis auf die dritte Empore voll besetzten Eisenacher Georgenkirche Gospels und Spirituals sang, zeigten sich viele Gemeindeglieder begeistert. Es folgte eine Leserdiskussion in der Kirchenzeitung, ob auch Elemente des Jazz oder Pop in die Kirche Einzug halten können. Nicht alle Versuche gelangen, sodass betroffene Kirchenmusiker mit ironischem Unterton die Aktion »Klampfen aus den Altarräumen« gründeten.

Inzwischen gibt es eine nicht geringe Zahl an Gospelchören, die ein eigenes Profil gefunden haben. Dass jetzt in Witten eine evangelische Pop-Akademie ihre Arbeit aufgenommen hat, zeugt vom Bestreben, die kirchliche Popularmusik weiter zu professionalisieren, ohne sie gegen die jahrhundertealte Musica sacra auszuspielen. Choräle waren einst auch Gassenhauer.

Und Harmonie ist Bestandteil der Musik!

Michael von Hintzenstern

Was 2017 gefeiert wird

7. Mai 2017 von redaktionguh  
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Pünktlich zur Halbzeit des Reformationsjubiläums will die EKD mit einer Broschüre für Kirchengemeinden, Presbyterien und engagierte Christen noch einmal an dessen Grundlagen erinnern. »Uns geht es darum, zu zeigen, was eine protestantische Lebenshaltung eigentlich heute heißen kann: Innere Freiheit und Hinwendung zum Nächsten, aus Gottvertrauen leben und Orientierung aus der Bibel schöpfen – demütig und wo nötig, auch kämpferisch«, sagte die stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus bei der Vorstellung. Das Büchlein ist in die Abschnitte »Erinnern«, »Vergewissern« und »Verantworten« gegliedert. Passend zu den binnenkirchlichen Reformprozessen der EKD spricht es stets von einer »reformatorisch geprägten Lebenshaltung« und von »protestantischer Theologie«.

Martin Luther kommt im Text nur im Zusammenhang mit Johannes Calvin vor. Stattdessen heißt es im Text: »Lebendige Gottesdienste und engagierte Bibellektüre, regelmäßige Gebete und Meditationen, Zeiten der Stille und des Rückzugs sind Quellen einer evangelischen Freiheit, die sich im Alltag bewährt.« Immer wieder betont der Text ferner die gesellschaftliche Bedeutung des Protestantismus. »Wir sind überzeugt: Reformatorisch geprägte Stimmen können der (Welt-)gesellschaft guttun«, heißt es darin etwa.
Die praktischen Wirkungen dieses Textes allerdings dürften wohl begrenzt bleiben. Denn das bekanntlich am 31. Oktober 2016 eröffnete Festjahr zum 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag ist schon in vollem Gange. Und eine Druckauflage von lediglich 15 000 Exemplaren führt dazu, dass – rein statistisch – für jede der rund 14 000 Kirchengemeinden in Deutschland gerade einmal ein Exemplar zur Verfügung steht.

Benjamin Lassiwe

Anspruch und Wirklichkeit

30. April 2017 von redaktionguh  
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Für diese Form der Basis-Demokratie beneiden uns katholische Christen. Die evangelische Landessynode ist nicht nur das oberste Entscheidungsorgan der EKM. Besetzt mit Laien und hauptamtlichen Vertretern aus den Kirchenkreisen, ist sie auch ein Seismograf für die Stimmung in den Kirchengemeinden.

Dass sich die Themen, die die Gemeindeglieder derzeit bewegen, nicht oder nur am Rande in der Tagesordnung wiederfinden, ist dabei nicht der Synodenleitung anzulasten. Jedes Kirchenmitglied kann Anträge über die gewählten Vertreter einbringen. Angesichts der hohen Krankenstände und Vakanzen in den Kirchengemeinden, eines scheinbar geistlichen Notstandes in den ländlichen Regionen, erwartet man anderes. Die Ächtung von Kriegswaffen, die fleischfreie Versorgung bei den Tagungen oder das Wahlkampfthema »Ehe für alle« sind ehrenwerte Debatten-Themen. Aber sollte nicht sprichwörtlich die Kirche im Dorf bleiben?

In einem Antrag heißt es, die EKM möge zur »Kirche des gerechten Friedens« werden. Doch wie ist es um den innerkirchlichen Frieden bestellt? Eine Synodale beklagt, dass die Entscheidungsträger kaum Verständnis für das Anliegen der ländlichen Kirchenkreise aufbrächten. Es fehle ihrer Meinung nach am räumlichen, emotionalen oder persönlichen Bezug zum Pfarrland.

Die Lutherstadt Wittenberg ist gut gewählt als Ort für die Synodentagung im Reformationsjahr. Hier hat man schon vor 500 Jahren heftig debattiert und dem Volk aufs Maul geschaut. Auf das Ergebnis komme es an, so der Wunsch einer Synodalen 2017: »Ich erwarte von der Tagung Austausch, Gespräche und Impulse für die Arbeit in unserem Kirchenkreis und für unsere ganze Landeskirche.«

Willi Wild

Kirche auf dem Weg

23. April 2017 von redaktionguh  
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Vor 100 Jahren endete das »landesherrliche Kirchenregiment«, das einst die protestantischen Fürsten in ihren Staatsgebieten installierten. Übrig geblieben ist ein Landeskirchentum mit 20 eigenständigen Einheiten unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Auf den Mitgliederschwund reagierte man mit Zusammenschlüssen. Anhalt hat bislang selbstbewusst widerstanden, ohne sich ökonomischen Überlegungen zu verschließen. So ist die Landeskirche Teil der Diakonie Mitteldeutschland im Verbund mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Was spräche also dagegen, auch eine landeskirchliche Verwaltungsgemeinschaft einzugehen. Die identitätsstiftende Komponente müsste dabei nicht aufgegeben werden. Vielleicht wäre es auch lohnend, über eine Landeskirche neuen Typs nachzudenken, ohne vorgegebene Strukturen. Das entspräche dem apostrophierten Laborcharakter der kleinen Kirche.

Die Herausforderungen, vor der die Landeskirche Anhalts steht, sind auch den größeren Landeskirchen nicht fremd. Die kleine Einheit könnte ein Modell sein. Das bedarf des Blickwechsels, weg von den Zahlen und Bilanzen, hin zu den Menschen. Das tut man in Anhalt bereits und ist damit auf einem guten Weg. Die Selbstständigkeit ist ein ehrenwertes Ziel, die bestmögliche Verkündigung des Evangeliums ein lohnenswertes.

Die Frage, ob die Landeskirche ohne Finanzausgleich leben könnte, ist hypothetisch. Ich glaube schon, denn Not macht erfinderisch. Das Land der Frühaufsteher, in dem Johann Sebastian Bach, der Ingenieur Hugo Junkers oder der Homöopath Samuel Hahnemann wirkten, könnte doch auch hier für eine Überraschung gut sein.

Willi Wild

Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
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Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

Aussaat im Frühjahr

9. April 2017 von redaktionguh  
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Die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden ist für die Verantwortlichen eine Herausforderung. Denn der Umgang mit pubertierenden Jugendlichen ist alles andere als einfach. Jede noch so scheinbar unverfängliche Bemerkung des Pfarrers löst bei den Teenagern Kichern aus. Und manchmal sind die Geschenke wichtiger als die Segenshandlung.

Wer an seine eigene Konfirmation vor vielen Jahren denkt, erinnert sich, dass diese Lebensphase damals nicht ganz unkompliziert war. Aber die Konfirmation gehört im Rückblick dazu und sie war zeitlich richtig platziert. Auch wenn der eine oder die andere lediglich der Tradition folgte und das bewusste Ja zum christlichen Glauben vielleicht nicht im Vordergrund stand.

Die Wege, wie Menschen zum Glauben kommen, sind sehr unterschiedlich. Manche – auch Konfirmierte – finden erst als Erwachsene einen Draht zu Gott. In einem Alter, in dem sich eine gewisse Anzahl ehemaliger Konfirmanden bereits von der Kirche verabschiedet hat. Für etliche junge Erwachsene ist die Konfirmation der letzte Kontakt zur Kirche.

Vielen Menschen bleibt der Zugang zur Religion zeitlebens verschlossen. Welch ein Glück, wenn Christen ein Leben lang aus ihrem Glauben Kraft schöpfen können. Das Gleichnis vom Sämann erzählt eindrücklich, wie es im Glauben zugehen kann. Ob der Samen aufgeht und Früchte trägt, hängt von der Beschaffenheit des Bodens und der Umgebung ab.

Den Pfarrern und Gemeindepädagogen geht es mit der Konfirmation so ähnlich wie dem biblischen Sämann. Sie säen im Frühjahr, zu einem Zeitpunkt, der bestens geeignet ist. In einer Zeit, in der die Jugendlichen nach Orientierung und Halt suchen.

Sabine Kuschel

Luther nicht verwässern

2. April 2017 von redaktionguh  
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Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr soll ein Christusfest werden; die Erinnerung an Martin Luthers legendären Thesenanschlag vor 500 Jahren soll ein Zeichen der Ökumene sein. Mit diesen Zielen sind die Organisatoren aus der evangelischen Kirche angetreten. Und die Katholiken ziehen mit. Ein ökumenischer Versöhnungsgottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und dem katholischen Bischof Ulrich Neymeyr am Sonntag im Kloster Volkenroda zeugte davon.

Aber passen Luther und Ökumene zusammen? Eigentlich ja, denn Luther wollte die christliche Kirche nicht spalten. Andererseits nein, denn seine Erkenntnisse von Gottes Gnade, der Freiheit eines Christenmenschen, dem Sakramentsverständnis sowie der Fehlbarkeit des Papstes müssen unverwässert bewahrt bleiben – solange wir uns noch evangelisch-lutherische Kirche nennen wollen.

Wenn nun namhafte Theologen ihre Kritik an der EKD äußern, das Reformationsjubiläum im Zeichen der Ökumene zu verwässern, dann lässt das aufhorchen. Wir dürfen in diesem Jahr die Vielfalt christlicher Kirchen feiern, die Luther ermöglicht hat. Wir dürfen feiern, dass wir trotzdem eine Familie sind, auf Christus bezogen.

Diesen Familiengedanken leben gerade auch viele Kirchengemeinden. Denn Lutheraner nutzen dieses Jahr für vertiefte Beziehungen zu ihren katholischen Nachbarn, laden sie zu Themen in die Gemeinde ein oder diskutieren im Kirchenvorstand mit ihnen. Das ist gelebte Ökumene, Miteinander statt Nebeneinander, das uns gut tut – auch im 500. Jahr der Reformation. Aber vergessen wir dabei nicht, was der Anlass für dieses Jubiläum ist!

Uwe Naumann

Der Autor ist Redakteur bei »Der Sonntag«, der Kirchenzeitung in Sachsen.

Trauer und Erlösung

26. März 2017 von redaktionguh  
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So war das nicht gedacht. Mein Kommentarthema sollte die Aktion von Aldi-Süd sein: Ostern einfach erklärt – Warum feiern wir eigentlich Ostern? Doch in der vergangenen Nacht ist meine Mutter gestorben. Mein Herz ist voll Trauer und wehmütiger, guter Gedanken an sie. Zwei Jahre nach meinem Vater ist sie gegangen. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie waren Vorbilder im Glauben, haben mich in Höhen und Tiefen begleitet, mir unglaublich viel Gutes mitgegeben und waren da, wenn ich sie brauchte.

Ganz ehrlich, zu Jesu Tod und Auferstehung hatte ich bislang keine emotionale Beziehung. Die Passionszeit gehörte zum Kirchenjahr, war Tradition. Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, habe ich zwar gehört, aber stark berührt hat mich das nicht. Jetzt merke ich, dass es eine dunkle Vorstellung wäre, sollte mit dem Tod alles aus sein. Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden. Das hat er seinen Jüngern gesagt, erfahre ich auch aus der Osterbroschüre für Kinder von Aldi. Und weiter heißt es da: »Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche. Christen auf der ganzen Welt feiern die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.«

Heute nehme ich Abschied von meiner Mutter. Ich bin mir sicher, es wird kein Abschied für immer sein. Wir sehen uns im Himmel oder wenn Jesus wiederkommt. Das ist eine Gewissheit, die ich spüre und die mir meine Mutter am Kinderbett vorgesungen hat: »Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.«

Ich darf traurig sein, aber ich habe auch eine starke Hoffnung. Der Frühling beginnt erst. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lukas 21, Vers 28).

Willi Wild

Seelsorge im Riesenrad

19. März 2017 von redaktionguh  
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Seit zehn Jahren bereitet sich die Kirche auf das Reformationsjubiläum vor. Dass bei einer so langen Vorbereitung, an der sehr viele Menschen beteiligt sind, die Ideen nur so sprudeln, versteht sich von selbst. Da verwundert es nicht, wenn die Veranstalter nun einen Sommer der Superlative, das größte Fest aller Zeiten versprechen. Vorige Woche stellten sie ihr umfangreiches Programm vor.

In der kleinen Stadt Wittenberg, wo vor 500 Jahren die Reformation ihren Anfang nahm, wird die Welt zu Gast sein. Mindestens eine halbe Million Besucher werden erwartet. In 16 Wochen sind etwa 2 000 Veranstaltungen geplant. Sieben Großveranstaltungen zu sieben Themen sollen den aktuellen Bezug zur Reformation herstellen. Als teuerstes Projekt gilt die Kunstschau »Luther und die Avantgarde« im Alten Gefängnis, wo 68 national und international renommierte Künstler ihre Sicht auf die Reformation darstellen. Ein 20 Meter hohes Riesenrad soll Raum für Seelsorge bieten.

Event über Event. Die Organisatoren hatten einen großen Vorteil, der gewiss nicht alltäglich ist. Während andernorts meistens die Mittel knapp sind – in Wittenberg fließt das Geld in Strömen. Warum auch nicht! Wenn deutlich gemacht werden kann, dass die Reformation auch heute noch für Politik und Gesellschaft wie für den einzelnen Menschen von Bedeutung ist.

So schön Ideenreichtum und so einladend die Vielfalt der Projekte sein mögen – was wird bleiben? Der Augustinermönch hatte einst die befreiende Einsicht, dass Jesus Christus, die Bibel und die Gnade Gottes im Leben alles sind. Werden die Besucher in Wittenberg, wenn sie das Seelsorgeriesenrad besteigen, eine ähnlich existenzielle Erfahrung machen? Wenn ja, wäre das Jubiläum wirklich ein großes Fest.

Sabine Kuschel

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