Bedauerlich

15. April 2018 von redaktionguh  
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Es könnte ein Meilenstein in der Ökumene sein: Als Deutschlands katholische Bischöfe in Ingolstadt den Entwurf einer Handreichung beschlossen haben, wonach auch protestantische Ehepartner unter streng geregelten Voraussetzungen und im pastoralen Einzelfall zur Eucharistie gehen könnten, haben sie den Wunsch vieler Menschen an der Gemeindebasis erfüllt.

Deswegen ist es leicht, das Schreiben der sieben Bischöfe nun als konservative Rolle rückwärts zu verurteilen. Aber das wäre zu einfach. Die Deutsche Bischofskonferenz muss das Kirchenrecht der katholischen Weltkirche im Blick haben. Deswegen ist es in Ordnung, wenn dieser Entwurf von Rom noch einmal überprüft wird – zumal die Bischöfe an dieser Stelle nicht auf tönernen Füßen stehen. Mit Reinhard Kardinal Marx und dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige haben schließlich zwei Theologen an dem Entwurf gearbeitet, die nicht nur bekennende Ökumeniker sind, sondern auch ihr Kirchenrecht ziemlich genau kennen. Und die wissen, dass es der Linie von Franziskus entspricht, den seelsorgerlichen Einzelfall bei wichtigen Entscheidungen in den Blick zu nehmen.

Nein, was wirklich bedenklich ist, ist das Bild, den dieses Schreiben auf die inneren Zustände in der Bischofskonferenz wirft: Ganz offensichtlich gelingt es Kardinal Marx nicht, einen beträchtlichen Teil seiner Amtsbrüder bei wichtigen Entscheidungen mitzunehmen. Und das ist das, was auch aus evangelischer Sicht nachhaltig zu bedauern ist: Denn in Zeiten kleiner werdender Gemeinden kann sich keine Kirche neue Konflikte leisten. Wer in der Öffentlichkeit zerstritten wirkt, schadet immer auch dem Partner in der Ökumene – und war es nicht schon Jesus selbst, der die Jünger einstmals aufforderte, alle eins zu werden?

Benjamin Lassiwe

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Geile Party

8. April 2018 von redaktionguh  
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Wenn neben­stehend Klaus-Rüdiger Mai die Frage stellt, ob der Kirche nun auch noch der Glaube ausgeht, dann scheint es geradezu so, als müsse man sich damit abfinden, dass er in der Gesellschaft gar nicht mehr vorkommt.

Der Titel ließ hoffen: »Das große MDR Osterfeuer« im Fernsehen. Angekündigt als »unvergessliches Osterfest«, einen ganzen Abend lang. Dabei ist den Verantwortlichen erstaunliches gelungen: In den vier Stunden aus der Glockenstadt Apolda wurde kein einziges Mal Bezug auf die Karwoche und das Osterfest genommen. Stattdessen hieß es, Ostern sei ein Fest der Familie und fände in einer Party seinen tieferen Sinn. Kabarettist Olaf Schubert erging sich in sinnlosen Deutungsversuchen von Osterbräuchen. Das Moderatoren-Duo palaverte sich durch den Abend. Inflationär sollte das Substantiv »geil« die Veranstaltung, die Stimmung und die Feiernden beschreiben.

Dabei hätte es Ansatzpunkte für die Wahrnehmung des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags gegeben. Unterhaltung und Inhalt müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Da wäre das Osterfeuer – die Osterkerze im XXL-Format – das Licht ins Dunkel bringt. Sicher hätten die Kinder vom Schulchor der Evangelischen Grundschule Erfurt auf der Bühne das Ostergeschehen erklären können. Doch nicht mal der Besuch im Apoldaer Glockenmuseum, geschweige denn das Konzert der »Rock-Legenden« in der Lutherkirche waren der Regie einen Hinweis auf die Osternächte oder die Gottesdienste und Taufen wert.

Chance vertan. Der Historiker Michael Wolffsohn schreibt in der Süddeutschen Zeitung: »Wer nicht einmal weiß, weswegen Christen Weihnachten, Ostern oder Pfingsten feiern, ist unfähig, mit Angehörigen anderer Religionen den überlebenswichtigen Dialog zu führen.«

Willi Wild

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Den Horizont weiten

30. März 2018 von redaktionguh  
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Ostern verändert den Blick. Gott lässt uns sehen: Unser Leben geht weiter, als wir es im Moment erfassen können. Maria von Magdala hat das als eine der ersten erfahren. Sie will am Ostermorgen dem Gekreuzigten einen letzten Liebesdienst erweisen und ihn salben. Sie will ihm gut tun.

Er hat sie gut angesehen, als normale Frau. Die anderen hatten sie verteufelt. Ja, er hat tiefer gesehen als alle anderen. Sein liebevoller Blick hat sie aufgerichtet. Aber nun ist alles aus. Sie weint. Und noch mehr, als sie das Grab leer findet. Was ist mit ihm geschehen? Können sie ihn nicht wenigstens im Tod zur Ruhe kommen lassen? Ihre Tränen verschleiern ihren Blick.

So erkennt sie den auferstandenen Jesus nicht, als er sie fragt: ›Was weinst Du?‹ Sie hält ihn für den Gärtner, der ihr weiterhelfen kann bei der Suche nach dem Toten. Da spricht Jesus sie mit Namen an und da – erkennt sie ihn! Nun sieht sie auf. Nun sieht sie klar. Alles, was sie mit Jesus erhofft und erlebt hat, ist nicht zu Ende. Gott will das Leben und aufrechte Menschen.

Ostern heißt: Gott steht für das Leben auf. Er durchbricht die Logik des Todes. Er öffnet unseren Horizont auf das Leben hin. Wir sehen weiter. Wir bekommen genügend schlechte Nachrichten jeden Tag frei Haus geliefert – lasst uns weitersehen: Kriege können enden. Gott will das Leben. Frieden ist möglich. Wir erleben schwere Krankheiten – lasst uns weitersehen, und forschen: Gott will das Leben. Heilung ist möglich.Wir erleben, wie Menschen anderen unversöhnlich gegenüberstehen, beispielsweise wenn einer einen anderen Pass hat. Lasst uns weitersehen: Man kann sich kennenlernen. Gott will das Leben. Zusammenleben ist möglich.

Frohe Ostertage mit weitem Horizont, das wünscht Ihnen

Ihre Landesbischöfin Ilse Junkermann

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Verfolgt

24. März 2018 von redaktionguh  
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Im aktuellen Bericht der Thüringer Landesregierung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur findet sich auch eine Arbeitsgemeinschaft mit unaussprechlichem Namen – kurz: AG Christen. Diese AG habe festgelegt, steht da zu lesen, wegen der historischen Dimension des Begriffs »Christenverfolgung«, davon Abstand zu nehmen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen.

Das verlangt, meines Erachtens, unbedingt eine Begriffsklärung. Natürlich kann man eine Christenverfolgung wie im alten Rom nicht mit der in der DDR vergleichen. Aber dennoch betrachten sich Menschen, die damals in der jungen Gemeinde aktiv waren, durchaus als Opfer, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Auch Pfarrer, die sich in den späten 50er-Jahren und Anfang der 60er aktiv für die Konfirmation und gegen die Jugendweihe starkmachten, wurden so lange schikaniert, bis sie aufgaben, in den Westen gingen oder inhaftiert wurden.

Markus Anhalt schreibt in seinem Buch »Die Macht der Kirchen brechen«, welchen starken Anteil die Staatssicherheit an der Durchsetzung der Jugendweihe hatte und wie sie diejenigen schikanierte, die sich kirchlich engagierten. Das Leid und die Repressalien von Jugendlichen, die sich für Konfirmation und gegen die Jugendweihe entschieden, lassen die untersuchten Aktentexte erahnen. Unter Tränen haben Betroffene (ehemalige Firmlinge und Konfirmanden) bei einer Diskussion über das Thema »Jugendweihe und Christen« beim Katholikentag in Leipzig geschildert, wie sie drangsaliert wurden. Ihr Leben, so sind sie sich heute sicher, wäre anders verlaufen, wenn sie sich anders entschieden hätten.

Da gibt es große Verwundungen, über die bis heute nicht gesprochen wird – auch nicht in der interministeriellen Arbeitsgruppe.

Diana Steinbauer

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Provokation

18. März 2018 von redaktionguh  
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Buona sera« – dieses schlichte »Guten Abend« waren seine ersten Worte im neuen Amt. Vor fünf Jahren stieg weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle in Rom auf: Papst Franziskus war gewählt.

Seither horche ich auf, wenn sein Name in den Nachrichten genannt wird. Er ist immer für eine Überraschung gut. Kaum war er im Amt, hat er Flüchtlinge auf Lampedusa besucht, er wäscht muslimischen Asylbewerbern die Füße, lädt Obdachlose zu sich zum Essen ein, er weist seine Leute an, Geld an die Armen zu verteilen, für Staatsbesuche nutzt er manchmal ein gebrauchtes Auto. Er prangert eine Wirtschaft an, die sich nur um Profit kümmert, und braucht dafür nur drei Worte: Diese Wirtschaft tötet. Während Europa sich einmauert und dafür das christliche Abendland bemüht wird, macht er deutlich, dass Europa gerade damit christliche Werte verrät.

Ja, diese Welt ist kompliziert, und Politik muss Kompromisse machen. Aber die christliche Botschaft ist nun einmal so einfach wie kompromisslos: »Siehe, ein Mensch«, das meint Franziskus, wenn er sich Geflüchteten zuwendet, Obdachlosen und Hungernden. So kompliziert die Dinge sein mögen: immer den Menschen sehen und ansehen. Das Elend ist keine biblische Plage. Die Ungerechtigkeiten schreien zum Himmel, aber sie sind nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen gemacht. Und was Menschen anrichten, können sie auch heilen.

Franziskus feilt den christlichen Stachel nicht schön rund, bis er nicht mehr weh tut, wie so viele, die sich auf das Christentum berufen, sondern er spitzt ihn an. So wird der christliche Glaube zu einer Provokation, die diese Welt bitter nötig hat.

Ralf-Uwe Beck

Der Autor ist ev. Pfarrer und Sprecher beim MDR – »Augenblick mal«. Nachhören: www.mdr.de/mdr-thueringen/podcast/augenblick

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Der Frieden im Kleinen

13. März 2018 von redaktionguh  
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Der Frieden ist ein schwieriges Geschäft. Umstritten ist, welche Wege zum Frieden führen oder mit welchen Mitteln er erreicht werden kann. Für Unfrieden in der Friedensbewegung sorgt die Personalie Uwe Steimle. Der prominente Dresdener Kabarettist und Schauspieler sollte Schirmherr der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade werden. Doch wenige Tage nach seiner Ernennung hatten die Initiatoren der Friedensdekade die Zusammenarbeit mit dem Humoristen aufgekündigt. Als Grund führen sie an, Steimle lasse keine eindeutige Distanz zu rechtspopulistischen Positionen beziehungsweise zur Pegida-Bewegung erkennen.

Ich vermag nicht einzuschätzen, ob Steimle, der als Kabarettist hohe Popularität genießt, die richtige Persönlichkeit für die Friedensdekade wäre. Was mir aber an dem Vorgang aufstößt, ist die Intoleranz. Hier beansprucht eine kleine Gruppe innerhalb der Friedensbewegung die Meinungshoheit. Nur weil Steimle, der von sich selbst sagt, er sei nicht rechts und habe mit beiden Stimmen links gewählt, im Verdacht steht, Sympathien für Pegida zu hegen, disqualifiziert ihn das für ein Friedensengagement.

So ist es also bestellt um die christliche Friedensbewegung in Deutschland. Nur wer hundertprozentig in das Schema passt, darf mitmachen. Wer jedoch eine Position vertritt, die nicht dem vermeintlichen Mainstream entspricht, wird ausgegrenzt. Diejenigen, die unter dem Deckmantel des Christlichen von anderen Toleranz einfordern, sind es selbst am wenigsten. Darüber sind zu Recht viele empört und üben harsche Kritik an der Friedensdekade. Der Vorgang zeigt einmal mehr – und das ist das Fatale an der Sache – dass die Toleranz auf der Strecke geblieben ist.

Sabine Kuschel

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Schwestern, traut euch!

4. März 2018 von redaktionguh  
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Als Paulus am Ende des Römerbriefes die Gemeinde grüßt, grüßt er namentlich auch Priska und Maria, Junia und Tryphosa, die Mutter des Persis und andere Frauen. Sie sind Glaubenszeuginnen, Mitgefangene, geistliche Mütter. Selbstverständlich werden sie mit und neben den Männern genannt. Dass Frauen dann im Laufe der Jahrhunderte aus leitenden und geistlichen Ämtern und Funktionen gedrängt und ausgeschlossen wurden, hatte allgemein gesellschaftliche Gründe. Was die Rückkehr zur Gleichstellung der Frauen betrifft, geht es voran. Vieles ist noch zu tun.

Nach der Gemeindekirchenratswahl in Anhalt gibt es 25 Gemeindekirchenräte, in denen ausschließlich Frauen tätig sind, sechs reine Männergremien. Die überwiegende Mehrzahl ist gemischt. Wie schön!

Demnächst sind Wahlen zur Landessynode. Da waren Frauen bisher stark unterrepräsentiert. Ich möchte die Schwestern bitten: Traut euch! Lasst euch aufstellen, leitet unsere Kirche mit! Das wird ihr gut tun. An der Gemeindebasis stehen Frauen für Beständigkeit, die anpacken, die sich anderen zuwenden und Fürsorge praktizieren, vielerorts die Mehrzahl der Gottesdienstbesucher und treue Beterinnen – gewiss nicht ausschließlich.

Ich träume von einer Kirche, in der das Geschlecht des Menschen keine Rolle spielt, wo es weder Quotenfrauen noch -männer geben muss, wo sie selbstverständlich nebeneinander stehen und handeln, eben Schwestern und Brüder sind.

Die älteste, weltweite, ökumenische Gebetsbewegung haben Frauen erfunden – den Weltgebetstag. Ich freue mich über jeden Mann, der heute mitbetet!

Christine Reizig

Die Autorin ist Landespfarrerin für Gemeindeaufbau der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

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Gott geschwärzt

25. Februar 2018 von redaktionguh  
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Die Aufarbei­tung des Archivs der DDR-Staatssicherheit scheint eine unendliche Aufgabe. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisiert Jochen Staadt, Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin, die Auskunftsbürokratie und Archivverwaltung der Stasi-Unterlagenbehörde. Auch 28 Jahre nach dem Mauerfall seien die Unterlagen noch nicht vollständig erschlossen und zugänglich gemacht.

Sachbearbeitern, die meist keine ausgebildeten Archivare seien, fehle häufig die Sachkunde über die Zusammenhänge. In seinem Erfahrungsbericht beschreibt er unter anderem sinnlose Schwärzungen, beispielsweise von Geburtsdaten bekannter Politiker, Hinweise auf Autokennzeichen oder die Anschrift der Bundespressekonferenz. Sogar der Name einer Hauskatze soll dem Schwarzstift zum Opfer gefallen sein.

Kurios: Auch Gott ist in einem Dokument unkenntlich gemacht. Ein MfS-Spitzel schrieb 1981 in einem Bericht über eine junge Christin: »X arbeitet z. Zt. in Klein Machnow als Helferin in einem Heim für Behinderte. Sie fühlt sich von Z dahin berufen«, zitiert Staadt aus der Akte. Dass die Berufene sich dabei auf Gott berief, wurde anonymisiert. Vermutlich hielt der Bearbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde andernfalls die Wahrung des göttlichen Persönlichkeitsrechts für gefährdet. Da wundert es nicht, dass die herausgegebenen Kopien von MfS-Unterlagen oft nur schwer oder gar nicht verständlich sind.

Ein Schlussstrich oder eine schnelle Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde sind keine Lösung. Vielleicht sollte, so wie Staadt das empfiehlt, über eine gemeinsame, fach- und sachkundige Aufarbeitung mit Bundes- und Landesarchiven nachgedacht werden.

Willi Wild

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Nicht ganz zeitgemäß

17. Februar 2018 von redaktionguh  
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Es sind schöne Bilder, die wir derzeit täglich aus Südkorea sehen. Das liegt neben Sonne und schneebedeckten Bergen vor allem an den tollen Ergebnissen, die die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der olympischen Winterspiele in diesem Jahr erzielen und Deutschland im Medaillenspiegel ganz oben mitspielen lassen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland unterstützt die Sportler. So hat sie gemeinsam mit der katholischen Kirche ein geistliches Büchlein erarbeitet – ein Mini-Trainingsbuch mit biblischen Texten, Gebeten und Meditationen, was sich jeder in die Tasche stecken kann. Hier finden sich auch Kontakte zu drei Seelsorgern. Sie stehen den Athleten vor Ort in Pyeongchang zur Seite – ein evangelischer Pfarrer, ein katholischer und einer für die nachfolgenden Paralympics. Drei Männer für 154 deutsche Sportlerinnen und Sportler? Ist das zeitgemäß?

Frauen sind seit 1900 bei Olympia dabei, seit 1908 starten sie auch für Deutschland. Vor allem sie stehen im Focus der aktuellen Spiele und profitieren von neuen Disziplinen. Das Internationale Olympische Komitee hat das Programm der Winterspiele 2018 neu sortiert und setzt so stark wie nie auf das weibliche Geschlecht. 2018 gibt es nach Auskunft von IOC-Präsident Thomas Bach eine Rekordzahl an Frauen-Wettbewerben und Starterinnen. Ziel ist, den olympischen Sport wieder populärer zu machen.

Über 50 Jahre nach der ersten Ordination von Frauen in Deutschland muss auch die Kirche ein wenig schneller im 21. Jahrhundert ankommen. Die Teilnahme einer Pfarrerin als Seelsorgerin wäre für die deutschen Sportlerinnen ein wichtiges Signal und würde ganz sicher auch der Kirche zu Popularität verhelfen.

Mandy Weigel

Die Autorin ist Redakteurin bei der sächsischen Kirchenzeitung »Der Sonntag«.

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Gesicht zeigen

11. Februar 2018 von redaktionguh  
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Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Ich bin ganz froh, dass nach dem Reformationsjahr um Luther etwas Ruhe eingekehrt ist. Der Reformator wurde schon arg strapaziert im vergangenen Jahr. Von seinen Thesen bis zur Nudel wurde geluthert, was das Zeug hielt. Musste sein, denn klar war: Nach der Luther-Dekade und dem Reformationsjubiläum will kaum mehr jemand etwas davon hören.

Denkste! Gleich drei Forschungseinrichtungen machen sich daran, jetzt, wo alles vorbei ist, den wahren Luther zu entdecken. Das Ziel: Am Ende will man wissen, wie der Reformator wirklich aussah. Diese Aussicht ist der Leibniz-Gemeinschaft sogar eine Million Euro wert. Es gehe darum, hieß es, zu klären, inwiefern die Gemälde ein realistisches Porträt von Luther entwarfen oder ob sie eine nachträgliche Heroisierung darstellen. Die These: Lucas Cranach der Ältere könnte Agitprop-Bilder anstatt authentischer Porträts geschaffen haben.

Damit müssen sich freilich die evangelisch-reformierten Kirchen nicht rumschlagen. Außerbiblische Elemente oder Bilder haben in den schlichten Räumen keinen Platz. Wie die Reformatoren Zwingli oder Calvin in echt ausgesehen haben, hat, glaube ich, noch niemanden wirklich interessiert.

Nach allem, was ich über Luther gelesen und gehört habe, hätte er das Projekt abgelehnt. Zeit- und Geldverschwendung. Gesicht zeigen ist etwas anderes. Mutig sein und für Überzeugungen einstehen. Glaube, Liebe, Hoffnung sichtbar machen und das wahre Gesicht des befreienden Evangeliums zu zeigen, das wäre Luther nicht nur ein Forschungsprojekt wert. Diese Erkenntnis trieb ihn an. Handelt es sich dabei nicht auch heute noch um den Kern und bei Jesus Christus um das wahre Gesicht unseres Glaubens?

Dieses Antlitz zu suchen, halte ich für eine lohnende Aufgabe!

Willi Wild

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