Eine Tür, viele Wohnungen?

13. Januar 2017 von redaktionguh  
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Wir Christen sind tolerant, rücksichtsvoll und folgen dem Gebot der Nächstenliebe. Das gilt zunächst natürlich im Umgang mit unseresgleichen unterschiedlicher Prägung. Wir können trotz Verschiedenheit miteinander beten und Gottesdienst feiern. Zum Anfang eines Jahres wird das bei der Allianzgebetswoche deutlich. Christliche Kirchen und Gemeinschaften treffen sich, lernen sich kennen.

Auch im Zusammenhang mit Juden und Muslimen werden die gemeinsamen Wurzeln der abrahamitischen Religionen betont. War es nicht Jesus selbst, der erklärte: In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen. Darauf wies auch der Weimarer Pfarrer Frieder Krannich in seiner Predigt zu Beginn der Allianzgebetswoche hin. Allerdings stehe das im krassen Widerspruch zum Absolutheitsanspruch, den Jesus in den »Ich bin«-Worten formulierte. So hatte ich die Worte bislang nicht verstanden. Ich hielt sie eher für eine Orientierung. Aber Krannich hat natürlich recht, denn Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Ein anderer Weg scheint ausgeschlossen. Das verwirrt. Was soll man da auf die Frage antworten, ob wir alle an denselben Gott glauben? Ich weiß es nicht.

Vielleicht muss ich es auch nicht wissen. »Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde«, so beginnt unser Glaubensbekenntnis und das ist, wenn ich die unterschiedlichen Statements in dieser Ausgabe lese, der größte gemeinsame Nenner. Ich muss gar nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen.

Dieser Glaube kann Berge versetzen und hat von Abraham bis heute schon vielen geholfen. Was glauben Sie? Ich freue mich auf Ihre Zuschriften: redaktion@glaube-und-heimat.de

Willi Wild

Frommer Glückskeks

8. Januar 2017 von redaktionguh  
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Als Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf vor 280 Jahren »Die Parole für den Tag« an seine Gemeinde in Herrnhut ausgab, ahnte er vermutlich nicht, dass sich daraus ein Bestseller entwickeln würde. »Die Losungen« sind heute auf der ganzen Welt verbreitet und in über 50 Sprachen erhältlich. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat sie auf dem Handy und Schlichter Matthias Platzeck las 2015 vor jeder Runde mit Bahn und Gewerkschaft den Verhandlungspartnern aus dem blauen Büchlein vor. Für einige haben sie den Status eines frommen, chinesischen Glückskekses, für andere sind sie, wozu sie gedacht waren: »Fortgesetzte Gespräche des Heilands mit der Gemeinde« (Zinzendorf).

Die Ziehung der Tageslosung geschieht im kleinen Saal des Herrnhuter »Vogtshofes«. Aus rund 1 100 nummerierten Kärtchen werden hier immer im Frühjahr die alttestamentlichen Bibelverse gezogen.

Die Jahreslosung kommt indes nicht aus der Oberlausitz. Sie wird, wie auch die Monatssprüche, von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) festgelegt. Vertreter von Kirchenverbänden bestimmen in einem Wahlverfahren die Jahreslosungen und Monatssprüche vier Jahre im Voraus. Die aktuelle Situation spielt deshalb bei der Auswahl keine Rolle. Trotzdem passt die Jahreslosung für 2017 zum Reformationsgedenken.

Um die Verwirrung komplett zu machen: Der Wochenspruch, der unserem »Wort zur Woche« zugrunde liegt, hat weder mit der ÖAB noch mit Herrnhut etwas zu tun. Er ist in der sogenannten Perikopenordnung für die Predigttexte in der evangelischen Kirche festgelegt. Nachzulesen im Evangelischen Kirchengesangbuch.

Der Ordnung halber und von Herzen: Ein gesegnetes neues Jahr!

Willi Wild

Wo ist Gott?

25. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Weihnachtsfrieden in Zeiten des Terrors

Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Vorbei die Besinnlichkeit bei Lebkuchen und Kerzenschein, der unbekümmerte Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, die heitere Gelassenheit am Glühweinstand. Alles zerstört, aus den Träumen der Weihnachtsromantik gerissen. Menschen schreien vor Schmerzen, Blut klebt an zerstörten Buden. Blaulicht und Martinshorn statt Weihnachtsstern und »Stille Nacht«. Das »O du fröhliche« bleibt im Halse stecken und »Friede auf Erden« klingt wie Hohn, angesichts des Schreckens vor der Berliner Gedächtniskirche.

Diese Kirche ist selbst ein Mahnmal, ein Ort der Erinnerung an menschliche Grausamkeit, Krieg, Zerstörung und Leid. Die Inschrift der großen Glocke lautet: »Eure Städte sind mit Feuer verbrannt.« (Jesaja 1,7) »Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird kein Ende haben.« (Jesaja 51,6). Wo sind da, bitteschön, Gerechtigkeit und ewiges Heil?

Mitten hinein wird Jesus geboren, in eine Welt voll Hass und Unfrieden. Das war vor 2 000 Jahren nicht anders als heute. »Euch ist heute der Heiland geboren« – was bedeutet das für eine Gesellschaft, die mehrheitlich nichts mehr mit dem Anlass des Weihnachtsfestes anfangen kann? Wer oder was kann trösten, Ängste nehmen, Hoffnung geben? Das hilflose Kind in der Krippe? Der gekreuzigte Christus?

Mir hilft, dass Gott uns zusagt, nahe zu sein: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, heißt es in der Jahreslosung 2016. Er steht uns bei, leidet mit uns, teilt unsere Ängste, und er will uns Hoffnung geben. Das Jesus-Baby ist ein Bild dafür. Er legt die Zukunft in unsere Hände. Wir sollen dieses zarte Pflänzchen der Liebe Gottes unter uns aufnehmen.

Gewalt eben nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe beantworten. Nur so kann Frieden werden. Gibt es eine Alternative? Alleine schaffen wir das nicht, aber: Der Herr ist nahe! Dieses Versprechen gilt, und die Gewissheit wünsche ich uns allen zum Fest und im neuen Jahr.

Willi Wild

Volksmusik und -kirche

19. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Er war der unbestrittene »King of the Kings« der DDR-Volksmusikszene: Herbert Roth wäre am 14. Dezember 90 Jahre alt geworden. Dank der Schallplatte und des DDR-Fernsehens bin ich mit ihm und seinen Liedern quasi aufgewachsen. Mein Vater war absoluter Volksmusik-Fan und der heute noch in meinem Besitz befindliche Stapel seiner Vinylscheiben bringt etliche Kilo auf die Waage. Für mich als 14-, 15-Jährigen war es vor allem peinlich, wenn aus unseren Fenstern wieder und wieder das »Rennsteiglied« oder »Kleines Haus am Wald« auf die Straße drang. Inzwischen kann ich die Lieder auf der Basis der »versöhnten Verschiedenheit« tolerieren.
Was freilich kaum jemand weiß: Der gefeierte Suhler Barde, der nicht nur Volkslieder komponierte und sang, sondern unter Pseudonym auch so manchen DDR-Schlager schuf, der Träger der »Ehrenmedaille der Nationalen Front« und des »Vaterländischen Verdienstordens der DDR« in Gold, war und blieb Zeit seines Lebens Mitglied der evangelischen Kirche, wie mir seine Tochter Karin Roth bestätigte. Und zahlte damit bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1983 auch so manches nette Sümmchen an Kirchensteuern.
Die Familie von Herbert Roth verließ allerdings nach seiner Beerdigung die Kirche. Der Anlass ist aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar: Weil die offizielle Trauerfeier in Anwesenheit von DDR-Oberen als »weltliche« Feier firmierte, verweigerte die Kirchengemeinde damals das von Roth ausdrücklich gewünschte Glockengeläut.
Wie sich manche Menschen an Musikstilen reiben, reiben sich andere an der Kirche. Das ist leider bis heute so. So erklärte erst jüngst ein prominentes Mitglied der EKM gegenüber der Landesbischöfin seinen Austritt (siehe Seite 5).

Harald Krille

Henkelkirche

10. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Neben die Kirche, so mein früherer Nachbar, gehöre im Dorf eine »Henkelkirche«. Er meinte damit die Dorfschenke für den sonntäglichen Frühschoppen. Einst ging man nach dem Gottesdienst dorthin, um die Predigt auszuwerten und die Neuigkeiten auszutauschen. Lang ist’s her.

Viele Henkelkirchen sind geschlossen oder haben schon lange keine Gottesdienstbesucher mehr gesehen. Regelmäßige Gottesdienste sind in kleinen Kirchengemeinden die Ausnahme. Nur Heiligabend, da ist alles anders. In jeder noch so kleinen Kirchengemeinde gibt es eine Christvesper oder, besser noch, ein Krippenspiel. Da ist das ganze Dorf, ob christlich sozialisiert oder nicht, auf den Beinen.

Ein Erlebnis der besonderen Art war für mich der Besuch eines Krippenspiels in einem kleinen Ort mit großem Kirchengebäude. Abgesehen von einer dem Anlass unangemessenen Geräuschkulisse wurden auf den Emporen hochprozentige Getränke durch die Reihen gegeben. Glühwein, Piccolo, Taschenrutscher – ein Sortiment an Hochprozentigem, das jedem Getränkestand auf dem Weihnachtsmarkt zur Ehre gereicht.

Der Gottesdienst? Nebensache. Ich bin irritiert. Nein, ich finde das unmöglich! Habe ich nur ein verklärtes Bild der romantisch-besinnlichen Christnacht? Warum zieht es so viele Menschen Heiligabend in die Kirche, wenn sie mit dem Geschehen so wenig anfangen können und wollen? Warum ist das Kind in der Krippe, wenn überhaupt, nur Beiwerk? Der Engel spricht: »Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.« Stimmt, von einer Auswahl des Publikums ist hier nicht die Rede. Wenn die große Freude allen gilt, sollte man da nicht froh sein, wenn alle kommen? Der Schlusssegen und »Stille Nacht« erreicht schließlich auch alle, ob sie wollen oder nicht. Selbst die auf der zweiten Empore.

Willi Wild

Nikolaus haut’s raus

4. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Ach, wie war es mit den Geschenken zur Weihnacht früher doch einfach. Ich meine ganz früher, noch zu Luthers Zeiten. Denn damals, so las ich kürzlich, brachte nur einer Geschenke, und das war der heilige Nikolaus. Auch bei Luthers war das nicht anders, wie eine Haushaltsrechnung aus dem Jahr 1535 belegen soll. Doch dann habe Luther irgendwann, vielleicht um den katholischen Heiligen etwas in den Hintergrund und das Christkind mehr in den Vordergrund zu heben, die Bescherung kurzerhand auf den 24. Dezember gelegt. Mit der Folge, dass das Christkind heute von vielen Menschen eher in der Gestalt des Paketdienstboten erwartet wird …

Für die Kinder und Enkel ist es ja oft noch einfach, etwas Passendes zu finden. Aber was schenkt man Erwachsenen, die sich doch zumeist das Erwünschte lieber selber im Internet bestellen? Gute Tipps gibt es durchaus. Zum Beispiel Zeit schenken. Ein Tag mit einer gemeinsamen Unternehmung ist für manchen Menschen sicher wertvoller als die wohlgefüllte Schachtel aus der teuren Pralinenmanufaktur oder die sprichwörtliche Krawatte.

Da wir gerade bei den Tipps sind: Wie wäre es mit einem Geschenk­abonnement der Kirchenzeitung? Für die überschaubare Summe von 61 Euro erhält der Beschenkte ein Jahr lang »Glaube+Heimat« Woche für Woche frei Haus, mit allen Informationen aus Kirche und Welt, die oftmals so nicht in anderen Zeitungen zu finden sind. Und es gibt noch ein besonderes Schmankerl: Jeder neue Abonnent und jeder Schenker kommen in den großen Lostopf und haben die Chance, zwei Karten für den längst ausverkauften Reformationsabend mit Eckart von Hirschhausen im Weimarer Spiegelzelt am 16. Mai zu gewinnen. Wenn das kein Nikolaus-Angebot ist!

Harald Krille

8 geben

26. November 2016 von redaktionguh  
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Das sieht auf den ersten Blick komisch aus: »Wir geben 8 aufs Wort«, so lautet der Slogan der Verwertungsgesellschaft Wort, die die Urheberrechte von Au­toren schützt. Achtgeben auf das geschriebene oder gesprochene Wort ist das eine, miteinander achtsam umgehen, vom anderen her denken, das andere.

Um scheinbar falsch verstandene Rücksichtnahme geht es auf unserer letzten Seite. Selten bekamen wir so viele Reaktionen auf ein Thema. Der Besuch deutscher Bischöfe auf dem Tempelberg in Jerusalem ohne ihr Bischofskreuz erhitzt die Gemüter. Fehlender Mut oder Achtsamkeit? Trotz der vielfach geäußerten Enttäuschung von der Kirchenleitung stelle ich bei den Leserbriefen einen achtsamen Umgang mit den Worten fest – im Gegensatz zu Kommentaren, die in sozialen Medien im Internet verbreitet werden.

Als Christen können und sollen wir lebhaft und kontrovers miteinander diskutieren. Jüngst erlebt, bei den Synodentagungen in Erfurt und Dessau-Roßlau. Nirgends lese ich in der Bibel, dass Christen einer Meinung sein müssen. Schon eher eines Sinnes. »Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander«, heißt es im Markus-Evangelium. Das ist die Spannung, in der wir leben. Kon­troversen respektvoll austragen, im Geist des Glaubens.

Menschen, die miteinander beten und Lieder singen, können in der Sache streiten, aber gehen meistens achtsam miteinander um. Unser Leserforum und die Herbsttagungen der Kirchenparlamente sind für mich beredte Beispiele zu unserem Adventsthema »Achtsamkeit«.

Und noch etwas gehört dazu: Landesbischöfin Ilse Junkermann begrüßt bei öffentlichen Anlässen die Anwesenden »unterschiedlicher Ehre, aber gleicher Würde«.

Bleiben Sie achtsam! Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Willi Wild

Sternstunden

20. November 2016 von redaktionguh  
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In unserm Staat sind alle gleich, doch d’Kirch ghört zum Himmelreich«, dichtete der bayerische Kabarettist Fredl Fesl. Daran wurde ich erinnert, als ich mir die Kundgebungen und Beschlüsse der EKD-Synode von Magdeburg durchlas.

Da ruft die »hohe Synode« die Menschen Europas auf: »Lasst euch keine Zäune und Mauern in Köpfe und Herzen setzen.« Allgemeinplätze zum Schwerpunktthema. Christen, so heißt es an anderer Stelle, seien nicht zur Judenmission berufen. Diese Erkenntnis galt gar als Sternstunde der Synode.

Da wurde eher der Ausgang der US-Präsidentenwahl kommentiert und mit Respekt und Bestürzung zur Kenntnis genommen, nicht aber die Tatsache, dass immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren. Stapelweise gab es Texte in Kirchensprache, die die Papiercontainer überquellen ließen. Auf der anderen Seite scheint es eine seltsame Sprachlosigkeit zu geben, wenn es um die alltagstaugliche Vermittlung von Glaubensinhalten geht.

EKD-Synodale halten im persönlichen Gespräch die Tagungen in Teilen für abgehoben und realitätsfern. Sie wähnten sich in einem Raumschiff. Ohne Zweifel ist es wichtig, dass sich Kirche Gedanken über Frieden, Aussöhnung und Gerechtigkeit in Europa macht. Aber wenn die Kundgebungen und Beschlüsse im Sitzungssaal bleiben und nicht die Kirchengemeinden vor Ort erreichen, dann stimmt etwas nicht.

Auch wenn man Synodia als Reisegesellschaft, Karawane oder Familie übersetzen kann, sollte sie nicht zuerst eine Gemeindeversammlung sein? Wie dankbar bin ich für unsere Landessynoden. Da geht es um geöffnete Kirchen, einen Gebetskalender, Gemeinde-Erprobungsräume oder das Sündenbekenntnis im Gottesdienst. Mit diesen Themen kann ich etwas anfangen.

Willi Wild

Denk mal!

13. November 2016 von redaktionguh  
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Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.«

So beschreibt die Internet-Enzyklopädie Wikipedia Sinn und Inhalt dieses Tages, den wir an diesem Sonntag begehen. Die unzähligen Toten zweier Weltkriege, an die auf vielen Denkmälern und Gedenktafeln im Lande auf Dorfplätzen, Friedhöfen und auch in Kirchen erinnert wird, sollen uns wahrlich eine Mahnung sein. Wie oft finden sich darauf Namensreihen von Geschwistern, nicht selten sogar von Vätern und Söhnen. Die gelegentliche Polemik gegen die »Kriegerdenkmäler« übersieht allzu schnell die Notwendigkeit solchen Erinnerns wie auch das legitime Bedürfnis nach dem würdigen Gedenken an die eigenen Familienangehörigen. Nichts gegen Denkmäler, solange sie uns zum Nachdenken herausfordern.

Problematisch wird es, wenn solche Denkmäler erneut zum Platz fragwürdiger Verherrlichung der Vergangenheit werden. Oder wenn ohne viel Überlegung in diesem Zusammenhang wieder vom »Ehrenmal« gesprochen wird. Nicht nur bei irgendwelchen rechten Gruppierungen, sondern beispielsweise auch im Veranstaltungsplan einer Kirchengemeinde in der Region Gera. Was, bitteschön, war ehrenvoll am Verrecken im Grabenkrieg vor Verdun, im Giftgasnebel vor Ypern? Was war ehrenvoll am Sturm der Wehrmacht durch Polen, Frankreich, Griechenland oder der Sowjetunion? Dabei braucht man noch nicht einmal nur an die Massaker zu denken, die, wie wir wissen, nicht nur von SS- und Polizeieinheiten in den besetzten Gebieten begangen wurden.

Deshalb: Ja zum Gedenken, nein zur Verehrung.

Harald Krille

Synode vor dem Spagat

6. November 2016 von redaktionguh  
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Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) steht vor einer Herausforderung: Wie geht man künftig mit dem Thema Judenmission um? Im jüdisch-christlichen Dialog hat sich eines klar herauskristallisiert: Die Juden haben ihren eigenen Weg zum Heil. Es ist nicht nötig, sie zu missionieren.

Das allerdings sehen nicht alle so. In der evangelikalen Szene gibt es eine ganze Reihe von Missionswerken, die sogenannte jüdisch-messianische Gemeinden unterstützen. Also Gruppen, die von sich selbst sagen, Juden zu sein, die an Jesus als den Messias glauben –, was sie im Grunde zu Christen macht. Sie entfalten gerade unter den aus Osteuropa zugewanderten, jüdischen Spätaussiedlern eine lebhafte, freikirchlich geprägte Mis­sionstätigkeit.

Die EKD steht nun vor einem Spagat. Dass sie sich zum Thema Judenmission verbindlich positionieren muss, ist angesichts der Auseinandersetzungen etwa um die Einladung messianischer Juden zu den Kirchentagen der letzten Jahre höchst angebracht und nachvollziehbar. Dass sie die Judenmission nicht unterstützen kann, ist angesichts der deutschen Geschichte ebenso wie angesichts des jüdisch-christlichen Dialogs mehr als nur verständlich.

Doch wie geht man mit Menschen um, die aus freien Stücken um die Taufe ansuchen? Und wie schafft man es, das eigene fromme Lager nicht völlig zu verprellen? Klar ist da im Moment da wohl nur eines: Kein Text, der in die EKD-Synode eingebracht wird, verlässt sie so, wie er hineingekommen ist – und am Ende jeder Tagung steht ein Kompromiss. Wie er aussehen wird, darüber werden die Synodenausschüsse bei ihrer Tagung in Magdeburg wohl noch in mancher Nachtsitzung beraten.

Benjamin Lassiwe

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