Ein weltlich Ding

8. Juli 2017 von redaktionguh  
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Der Bundestag hat entschieden. Insgesamt stimmten 393 Parlamentarier mit Ja, 226 mit Nein. Danach können künftig homosexuelle Paare genauso heiraten wie Mann und Frau. Eine demokratische Entscheidung des Parlaments. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begrüßt in seiner Stellungnahme das Votum. Weiter heißt es: »Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen.« Das sehen naturgemäß nicht alle Protestanten so.

Nach Luther ist die Ehe ein »weltlich Ding«. Das evangelische Eheverständnis ist davon geprägt. Von jeher versteht man darunter das geregelte Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Die Ehe ziele vor allem auf die Gründung einer Familie, ist in der Agenda einer Landeskirche zur kirchlichen Eheschließung zu lesen. »Und schuf sie als Mann und Frau«, heißt es in 1. Mose 1, Vers 27 und in Vers 28: »Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.« Dass die biblische Grundordnung kein Maßstab für die Mehrheit des Bundestages ist, erstaunt nicht. Für die EKD sollte sie das schon sein, glauben nicht nur Evangelikale.

»Versöhnen statt spalten« – dieses Motto verbindet sich mit dem politischen Leben von Johannes Rau. Das wünschen sich nicht wenige von ihrer Kirche. Mit ihrer Stellungnahme polarisiert die EKD und grenzt aus, wo sie doch genau das Gegenteil im Sinn hat. Der Rat der EKD ist die öffentliche Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 20 Landeskirchen mit insgesamt 22 Millionen Gemeindegliedern. Und die können eigentlich mehr erwarten als die uneingeschränkte Zustimmung zur »Ehe für alle«.

Willi Wild

Ins Gebet nehmen

2. Juli 2017 von redaktionguh  
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Neulich beim Italiener: »Alle guten Gaben, alles was wir haben …« – ein Tischgebet in der Öffentlichkeit ist irritierend. Damit können viele nichts anfangen. Kein Wunder. Außerhalb der Kirche gehört das Gebet nicht dazu. Einer Umfrage zufolge geben 41 Prozent der Befragten an, nie zu beten. Immerhin wollen es noch 10 Prozent angeblich täglich tun. Vermutlich im stillen Kämmerlein. Das Gebet scheint, zumindest im öffentlichen Raum, aus der Mode gekommen. Woran mag das liegen? Fehlen Anlass und Anleitung? Der Theologe Karl Barth hatte es auf eine einfache Formel gebracht: »Wie man beten soll, das steht in der Bibel, und was man beten soll, das steht in der Zeitung.«

Von der Wirkung des Gebets überzeugt scheint ein Ilmenauer Internist. Auf seiner Internetseite zitiert Dr. Gunter Müller eine US-amerikanische Studie, nach der Herzpatienten, für die im Krankenhaus gebetet worden war, weniger Rückfälle und Komplikationen hatten als die, die nicht »umbetet« wurden. Gebete seien keine Alternativ-Medizin, aber sie könnten die ärztliche Hilfe ergänzen, so der Mediziner weiter.

Können Gebete die Welt verändern? Mehr als 10 000 evangelische und katholische Schüler in Hamburg wollen es ausprobieren. Sie haben vor, dreimal an Donnerstagen vor, während und nach dem G-20-Gipfeltreffen morgens gemeinsam zu beten. Sie wollen Gott bitten, dass er die Herzen der Regierenden berühre, sodass sie entschieden für die Rechte aller eintreten. Sie beten für Frieden und Umwelt, gegen Armut und Ausgrenzung. Dabei machen sie vor der eigenen Verantwortung nicht halt: »Verändere unser Denken und lass uns mutige Boten deines Friedens sein.«

Dazu fällt mir nur noch ein Wort ein: Amen!

Willi Wild

Eine Zeit zum Spielen

24. Juni 2017 von redaktionguh  
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Ich habe einen. Einen »Finger Spinner« – zu deutsch: einen Finger-Dreher. Was das ist? Das ist ein etwa handtellergroßes Spielzeug. Zwei, doch meistens drei Flügel werden von einem Kugellager in der Mitte angetrieben. Dabei erreichen sie eine erstaunliche Geschwindigkeit.

Ich stoße einen der Flügel an, gebe dem Drehdings Schwung und versuche ihn dann auf einem Finger auszubalancieren. Wenn er ordentlich Schwung hat, dreht er sich bis zu zwei Minuten. Jugendliche schaffen zudem erstaunliche Tricks, aber den Ehrgeiz habe ich gar nicht.Wozu ist so ein Spinner nütze, fragen Sie? Zu gar nichts, ehrlich gesagt. Es ist eine dieser nutzlosen Spielereien, mit denen es sich vortrefflich »fentern« lässt. Ein »Fachbegriff«, mit dem meine Familie solch sinnloses Treiben seit jeher bezeichnet.

Aber gibt es sowas wie sinnloses Treiben wirklich? Der Prediger Salomo sagt: »Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde«. Seine Beispiele – lachen und weinen, verlieren und behalten und viele mehr – würde ich ergänzen und sagen: »Spielen hat seine Zeit und ernst sein hat seine Zeit.« Mir machen gerade diese vermeintlich nutzlosen Dinge im Leben Spaß. Sie erlauben eine Auszeit von all den Ernsthaftigkeiten des Alltags. Ich beobachte meinen Spinner, genieße das leichte Vibrieren des Kugellagers, das sich vom Finger über die Hand zum Arm fortsetzt. Oder ich verwandle die Welt in kunterbunte Muster, wenn ich durch mein Kaleidoskop schaue – auch so eine nutzlose Fenterei.

Danach habe ich den Kopf wieder frei für Ernsthaftes. Und ich freue mich auf die nächste Auszeit mit meinem neuen Spielzeug.

Elke Stricker

Die Autorin ist Redakteurin bei der Bielefelder Wochenzeitung »Unsere Kirche«.

Recht auf Sonntagsruhe

18. Juni 2017 von redaktionguh  
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Mehr verkaufsoffene Sonntage, damit Einzelhändler gegenüber dem Internethandel weniger benachteiligt sind? Das mag einleuchtend klingen, ich kann der Idee jedoch nichts abgewinnen. Der Sonntag ist nach christlichem Verständnis der Ruhetag, den Gott selbst bei der Erschaffung der Welt eingelegt hat. Es ist der Tag, an dem Menschen in den Kirchengemeinden zusammenkommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und Gott zu loben. An diesem Tag soll die Arbeit ruhen.

Hinzu kommt: Auch viele Händler bezweifeln, dass eine erweiterte Öffnung am Sonntag ihnen mehr Umsatz bringen würde. Im Gegenteil: Sie befürchten einen stärkeren Verdrängungswettbewerb, von dem nur die großen Einkaufszentren auf der Grünen Wiese profitieren würden. Doch es gibt noch viele weitere Argumente für die Sonntagsruhe. Der Sonntag gibt der Woche und damit unserem Alltag, unserem Leben, Rhythmus. Er ist der Tag, an dem Familien und Freunde zusammen ihre Freizeit verbringen können.

Einkaufen ist zu einer Freizeitbeschäftigung geworden. Die Antwort darauf liegt aus kirchlicher Sicht jedoch nicht in erweiterten Öffnungszeiten an Sonntagen. Denn unter ihnen leiden im Gegenzug Hunderttausende von Menschen, die im Einzelhandel tätig sind. Den Konsum in den Mittelpunkt von Freizeitaktivitäten zu stellen grenzt zudem jene aus, die es sich gar nicht leisten können, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Auch vor diesem Hintergrund können wir eine Erweiterung der Öffnungszeiten am Sonntag nicht befürworten. Im Gegenteil: Mehr Sonntagsschutz, als ihn die Gesetze derzeit bieten, wäre wünschenswert.

Joachim Liebig

Der Autor ist Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Meine Kirche, deine Kirche?

11. Juni 2017 von redaktionguh  
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Unsere Landeskirche ist reich an Kirchgebäuden und an Menschen, die sich dafür einsetzen. Viele helfen mit, auch Kirchenferne, wenn »ihre« Kirche ein neues Dach braucht oder das Mauerwerk trockengelegt werden muss. »Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des Herrn bauen« (Sacharja 6,15). Wie schön. Und wie anstrengend.

Zu erleben gerade in Kemberg bei Wittenberg: Mit guter Absicht hat eine private Initiative die Nachmalung eines bei einem Brand zerstörten Cranach-Altars in Auftrag gegeben. Und lässt nun nicht locker, um das Werk dauerhaft in der Kirche zu zeigen. Was allen bisherigen Absprachen widerspricht.

Es geht in Kemberg längst nicht mehr um theologische Fragen, ob es nun gut sei oder nicht, einen kopierten Altar ins Zentrum des Gottesdienstes zu stellen, oder um den künstlerischen Wert der Nachbildung. Es geht nicht einmal um Glaubensfragen.

Es geht darum, wem die Kirchen »gehören«, wer wie mitentscheiden kann. Mein Geld, meine Kirche. Mein Glauben, meine Kirche. Und es geht um Heimat. Dieses diffuse Gefühl, das sich aus Geschichte, Erinnerungen, Begegnungen und eben jenen besonderen Orten speist, wie unsere Kirchen sie nun einmal sind. Dieses Kirchturmdenken, gerade bei Konfessionslosen und Atheisten, ist erstaunlich und bemerkenswert.

Die Kirchengemeinde in Kemberg nimmt dies ernst. Sie steht zu ihrem demokratisch gefassten Beschluss, die Altar-Kopie nicht aufzustellen. Andererseits geht sie auf die anderen zu, will helfen, einen Kompromiss zu finden. Im Gegenzug darf sie Verständnis dafür erwarten, dass Kirchen für Christen mehr sind als Gebäude. Abseits der Steine ist das unser Reichtum. (siehe Seite 5)

Katja Schmidtke

Schön war’s! Was bleibt?

4. Juni 2017 von redaktionguh  
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Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der Kirchentage auf dem Weg und bin beseelt vom Gemeinschaftserlebnis beim Festwochenende mit dem Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Jetzt ist das lange vorbereitete und herbeigesehnte Ereignis schon wieder Geschichte. Eine schöne Geschichte, zumindest was die Ausführung anbelangt. Eine fröhliche Atmosphäre in den Städten, hilfsbereite Menschen mit orangen und grünen Tüchern auf den Straßen und Plätzen. Gesang, Gebete, Gottesdienste. Eine Vielfalt an Angeboten und sympathischen Festen des Glaubens.

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer und Mitwirkenden hätte es nicht geklappt. Danke! Schade, dass das Engagement an manchen Stellen mangels Besuchern ins Leere gelaufen ist. In der öffentlichen Wahrnehmung spielten die Kirchentage auf dem Weg neben Berlin eine Nebenrolle. Sie hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. In den westlichen Bundesländern waren die »kleinen« Kirchentage wenig bekannt. Für die, die kamen, war es ein Aha-Erlebnis.

Es war mutig und richtig, den Abschlussgottesdienst auf der Elbwiese vor den Toren der Lutherstadt zu feiern. Eine logistische Meisterleistung. Noch mutiger wäre es gewesen, den Kirchentag im Reformationsjahr ausschließlich den Lutherländern zu gönnen. Die Chance, eine der entkirchlichten Regionen Deutschlands ins Zentrum eines Kirchentags zu rücken, wird so schnell nicht wiederkommen.

Der Kirchentagszirkus zieht weiter. In zwei Jahren macht er in Dortmund Station. Bei den Kirchentagen traten Kirchenkreise und -gemeinden in den Austragungsorten an die Öffentlichkeit, wurden wahrgenommen. Wie das Himmelfahrtswochenende nachwirkt, dafür wird der Heilige Geist sorgen. Und: Reformation geht weiter!

Willi Wild

Du siehst mich

28. Mai 2017 von redaktionguh  
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Das ist die Losung des Kirchentags aus 1. Mose 16, Vers 13. Hagar ist eine Magd, die vor ihrer Herrin flieht, von der sie schlecht behandelt wird. Auf der Flucht, in der Wüste, begegnet sie zum ersten Mal jemandem, der sie wirklich ansieht. Ein Engel spricht zu ihr: »Du, Hagar, wo kommst du her und wo gehst du hin?« Man könnte denken, Gott sieht sowieso alles, was muss er noch fragen? Aber er lässt Hagar sich selbst erklären, selber sagen, wie es für sie ist. Der Engel hört zu – aber er greift nicht ein. Gott verändert nichts. Nichts an den Machtverhältnissen, nichts an den Unterdrückungsstrukturen, nichts an der Welt. Und doch hat sich alles geändert. Hagar ist Gott begegnet, der uns ansieht. Der mittendrin ist in dieser Welt mit seinem Geist, seiner Liebe, seiner Gegenwart. Das macht den ganzen Unterschied aus. Er ist da. Hagar kehrt sogar in das Haus zurück, aus dem sie geflohen ist. Doch sie geht zurück in der Gewissheit, dass sie zählt. Sie hat ein Ansehen. Vor Gott und deswegen auch vor den Menschen.

Hier kommen wir ins Spiel. Wir, die wir geborgen sind, weil Gott uns ansieht. Wir können diesen Blick Gottes weitergeben, können Menschen ansehen und ihnen damit ein Ansehen geben. Wenn ich dich wirklich ansehe, mir von dir sagen lasse, wer du bist, wovor du Angst hast, wonach du dich sehnst, dann lerne ich anders zu sehen als vorher. Das verändert die Welt.

Es beginnt mit dem Gott, der mich sieht. Mit den Menschen, die gesehen werden und die ihrerseits sehen lernen, geht es weiter. Gott sieht alles. Aber nicht so, dass er nicht mehr zuhört. Er lässt den Menschen sich selbst erklären. Er hört aufmerksam zu. Ohne Ansehen der Person. Du, Gott, siehst mich. Und so will auch ich den anderen sehen.

Christina Aus der Au

Die Autorin ist Kirchentagspräsidentin.

Prost, Martin!

21. Mai 2017 von redaktionguh  
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Längst ist Martin Luther zur Marke geworden. Nicht nur als »markiger Typ mit markigen Sprüchen«, sondern auch als farbiger Lutherzwerg beziehungsweise als der Renner: Luther-Playmobil – mit Ersatzteiloption.

Was ist das Verramschen dessen, was uns wichtig, vielleicht gar noch heilig ist? Ein Christusfest soll gefeiert werden? Dies feiern wir doch ohnehin zu Weihnachten und zu Ostern. Ein zündender oder das Volk bewegender Gedanke ist wahrlich bisher nicht zu erkennen, so gut gemeint das alles sein mag.

Mag sein, dass nun unsere Urenkel lernen, dass das Jubiläum von 2017 die Selbstabschaffung des Protestantismus beschleunigt hätte. So schwarz zu sehen, besteht jedoch kein Anlass, schaut man sich die redliche Bemühung an, das Jubiläum zur Selbstbesinnung zu nutzen, den Finger auf die Wunden unserer Welt zu legen und zugleich auch unser Halleluja zu singen. Das Trutzige »ein gute Wehr und Waffen« ist uns sicher nicht erst seit Aleppo vergangen. Und der ökumenische Impuls ist bei allen Vorbereitungen erkennbar.
Luther war ein begeisterter Biertrinker und davon überzeugt: wenn er mit seinem Freunde Philippus in Wittenberg abends sein Wittenbergisch Bier getrunken habe, dann sei doch das Evangelium von allein in die ganze Welt gelaufen. Also: Prost, du wunderbarer Tischgeselle Martin Luther. Doch ein Bibelwort auf einem Bierdeckel ist wohl nicht der richtige Umgang mit dem, was uns im Innersten berührt und zum Äußersten befähigt.

Wenn wir das Evangelium hören und an uns heran- und in uns hineinlassen, dann ist das Wort von Martin Niemöller noch nicht ganz vergessen: »Was würde Jesus dazu sagen?«

Friedrich Schorlemmer

Bach oder Pop?

14. Mai 2017 von redaktionguh  
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Wenn wir in diesem Jahr das 500. Reformationsjubiläum begehen, ist uns klar, dass die Kirchenmusik ein wesentlicher Wegbegleiter der Bewegung war, weil sie die Menschen unmittelbar erreichte.

Luthers »Urkantor« Johann Walter nahm dabei eine Schlüsselfunktion ein. Ob Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach: Viele haben den Wochenspruch des Sonntags Kantate überaus kunstvoll vertont: »Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder« (Psalm 98,1).

Das Motto des Thomaskantors »Soli Deo Gloria« (Gott allein zur Ehre) war dabei mit einem hohen kompositorischen Anspruch verbunden! In vielen Kirchenchören wird emsig daran gearbeitet, diese Werke aufzuführen. Doch es besteht auch die Sehnsucht nach populären Formen, die eher den Zeitgeist treffen.

Als vor 45 Jahren die US-amerikanische Sängerin Etta Cameron in der bis auf die dritte Empore voll besetzten Eisenacher Georgenkirche Gospels und Spirituals sang, zeigten sich viele Gemeindeglieder begeistert. Es folgte eine Leserdiskussion in der Kirchenzeitung, ob auch Elemente des Jazz oder Pop in die Kirche Einzug halten können. Nicht alle Versuche gelangen, sodass betroffene Kirchenmusiker mit ironischem Unterton die Aktion »Klampfen aus den Altarräumen« gründeten.

Inzwischen gibt es eine nicht geringe Zahl an Gospelchören, die ein eigenes Profil gefunden haben. Dass jetzt in Witten eine evangelische Pop-Akademie ihre Arbeit aufgenommen hat, zeugt vom Bestreben, die kirchliche Popularmusik weiter zu professionalisieren, ohne sie gegen die jahrhundertealte Musica sacra auszuspielen. Choräle waren einst auch Gassenhauer.

Und Harmonie ist Bestandteil der Musik!

Michael von Hintzenstern

Was 2017 gefeiert wird

7. Mai 2017 von redaktionguh  
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Pünktlich zur Halbzeit des Reformationsjubiläums will die EKD mit einer Broschüre für Kirchengemeinden, Presbyterien und engagierte Christen noch einmal an dessen Grundlagen erinnern. »Uns geht es darum, zu zeigen, was eine protestantische Lebenshaltung eigentlich heute heißen kann: Innere Freiheit und Hinwendung zum Nächsten, aus Gottvertrauen leben und Orientierung aus der Bibel schöpfen – demütig und wo nötig, auch kämpferisch«, sagte die stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus bei der Vorstellung. Das Büchlein ist in die Abschnitte »Erinnern«, »Vergewissern« und »Verantworten« gegliedert. Passend zu den binnenkirchlichen Reformprozessen der EKD spricht es stets von einer »reformatorisch geprägten Lebenshaltung« und von »protestantischer Theologie«.

Martin Luther kommt im Text nur im Zusammenhang mit Johannes Calvin vor. Stattdessen heißt es im Text: »Lebendige Gottesdienste und engagierte Bibellektüre, regelmäßige Gebete und Meditationen, Zeiten der Stille und des Rückzugs sind Quellen einer evangelischen Freiheit, die sich im Alltag bewährt.« Immer wieder betont der Text ferner die gesellschaftliche Bedeutung des Protestantismus. »Wir sind überzeugt: Reformatorisch geprägte Stimmen können der (Welt-)gesellschaft guttun«, heißt es darin etwa.
Die praktischen Wirkungen dieses Textes allerdings dürften wohl begrenzt bleiben. Denn das bekanntlich am 31. Oktober 2016 eröffnete Festjahr zum 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag ist schon in vollem Gange. Und eine Druckauflage von lediglich 15 000 Exemplaren führt dazu, dass – rein statistisch – für jede der rund 14 000 Kirchengemeinden in Deutschland gerade einmal ein Exemplar zur Verfügung steht.

Benjamin Lassiwe

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