Auf-Takt für neue Orgel

21. April 2018 von redaktionguh  
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Im Gedenken an Johann Walter, den »Kantor der Reformation« und »Vater der evangelischen Kirchenmusik«, soll die Margarethen-Kirche seines Geburtsortes Kahla eine neue Orgel erhalten. Der Beginn des ersten Bauabschnitts wird am 22. April mit einem Konzert und Informa­tionen zum Projekt gefeiert.

Der offizielle Start des Großprojektes, das ein finanzielles Volumen von insgesamt 750 000 Euro haben wird, erfolgte bereits im Herbst 2013. Damals getragen von der Hoffnung, das Vorhaben bis zum 500. Reformationsjubiläum realisieren zu können. Da dies nicht möglich war, müssen nun mehrere Bauabschnitte absolviert werden.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnte die Kirchengemeinde Kahla (Kirchenkreis Eisenberg) den Auftrag zum Bau des ersten Teils der neuen Johann-Walter-Orgel an die Orgelbaufirma Späth (Freiburg i. Br.) vergeben. »Die kleine Orgel, die vorne im Kirchenschiff unserer Stadtkirche ihren Platz finden soll, wird in der Werkstatt in Freiburg gebaut, bevor sie nach Kahla transportiert und in der Kirche aufgestellt wird«, ist von Maren Hellwig vom Förderkreis zu erfahren. Bei der promovierten Biologin laufen die organisatorischen Fäden des Orgelneubaus zusammen. Die Einweihung der kleinen Orgel solle im Jahre 2020 erfolgen. Zuvor müsse noch die Elektrik der Kirche komplett erneuert werden.

Wie das zukünftige Instrument aussehen wird, zeigt der abgebildete Entwurf. Der Orgelprospekt lehnt sich in Klang und Aussehen an Vorbilder aus Johann Walters Zeit an und nimmt zugleich die gotische Formensprache der Kirche auf. Farblich passt er sich an die jetzige Farbgebung des Kircheninneren an. Das »Johann-Walter-Positiv« wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Die Margarethenkirche mit ihren 440 Plätzen hat in der Region eine zentrale Rolle. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, über eine gute Orgel zu verfügen, die zu Gottesdiensten und Konzerten sowohl zum Lob Gottes als auch zur Freude der Besucher erklingt, betont Maren Hellwig weiter. Das bisherige Instrument sei mangelhaft und stark abgenutzt gewesen, was die Spielmöglichkeiten extrem eingeschränkt habe. Künstlerischen Ansprüchen wurde die Orgel nicht mehr gerecht. Reparaturen erschienen nicht mehr sinnvoll.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Den Initiatoren des Orgelprojekts sei schnell deutlich geworden, dass es zwar diverse Fördermöglichkeiten und Stiftungen für Restaurierungsarbeiten gebe, aber keine Unterstützung für Orgelneubauten. Zugleich habe man vor der Herausforderung gestanden, im Geburtsort Johann Walters ein hochwertiges Instrument in Auftrag zu geben, das umfassende Möglichkeiten zur Ausübung der Kirchenmusik bietet.

Johann Walter habe durch die Vertonung von Martin Luthers deutschen Liedtexten und die damit verbundene Förderung des Gemeindegesangs der Reformation musikalische Flügel verliehen, verweist Maren Hellwig auf historische Wurzeln. »Mit Luther setzte er sich ein für die Zusammengehörigkeit von Theologie und Musik und damit für den Erhalt der Kirchenmusik durch die Wirren der Reformationszeit. Durch seine Tätigkeit als Komponist, Dichter und Musiktheoretiker hat Walter die weitere Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik entscheidend beeinflusst. Er legte Grundlagen, auf denen Komponisten wie Bach, Händel oder Mendelssohn aufbauten. Mit Recht kann gesagt werden: Ohne Johann Walter keine evangelische Kirchenmusik!«

Dieses Erbe zu bewahren und seine Bedeutung zu würdigen, sei für Kahla eine aus der Geschichte gewachsene, besondere Verpflichtung. Der musikalischen Innovationskraft, die uns in Walter begegnet, soll in seiner Heimatstadt mit der »Johann-Walter-Orgel« ein Denkmal gesetzt werden, sind die Initiatoren überzeugt.

Die ca. 200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt sind mittlerweile zusammengekommen. Wenn dieser absolviert ist, soll auf der Westempore eine moderne, zweiflügelige Orgel mit 31 Registern errichtet werden, die das mittlere Fenster freilässt. Erst mit dieser Hauptorgel wird das geplante Instrument vollständig sein. Deshalb müssen noch viele Spendengelder gesammelt werden. Maren Hellwig wirbt deshalb für die Übernahme von Pfeifenpatenschaften. Wie man eine solche antreten kann, verrät die übersichtlich gestaltete Homepage! Hier findet sich auch das Spendenkonto.

Doch jetzt wird erst einmal der Baubeginn gefeiert, wobei Orgelbaumeister Tilmann Späth das Projekt präsentieren und Mitglieder des Förderkreises über die Rahmenbedingungen informieren werden. Die Schirmherrschaft des Großprojektes hat der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich übernommen, der einen Auszug aus seinem aktuellen Programm beisteuert. Der Jugendchor an St. Marien Greiz und die Junge Hofkapelle Greiz unter Leitung von Ralf Stiller bereichern die Veranstaltung mit weiteren Musikwerken.

Michael von Hintzenstern

22. April, 17 Uhr, Stadtkirche St. Margarethen Kahla

www.jwok.de

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Vom Preis der ewigen Jugend

14. April 2018 von redaktionguh  
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In der Dessauer Theater­predigt zum Ballett »Das Bildnis des Dorian Gray« geht es um die Verantwortung des Menschen für sein Leben.

Als der Roman 1890 in Fortsetzungen gedruckt wurde, löste er bei den Lesern im viktorianischen England Stürme der Entrüstung aus. Heute gehört »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde zu den Klassikern der englischen Literatur. Der Roman handelt von einem Mann, der seine Seele verkauft, um seine Jugend zu retten und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch das hat seinen Preis – und am Ende muss Gray dafür bezahlen. Das Anhaltische Theater Dessau hat den Roman nun auf die Bühne gebracht. Am 23. März hatte das von Tomasz Kajdanski zur Musik des russischen Spätromantikers Alexander Skrjabin inszenierte Ballett Premiere. Es ist eines der wenigen Theaterprojekte zu Oscar Wilde in den vergangenen Jahren.

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Für Kajdanski, Ballettdirektor und Chefchoreograf, ist Wildes Buch »ein Spiegel des Lebens«, das alles enthalte, was das Leben ausmacht. Am wichtigsten ist ihm, dass Wilde das Leben als etwas zeigt, »für das wir selbst verantwortlich sind«. »Deshalb geht es uns wie Dorian Gray: Wir haben nur ein Leben, das wir nutzen müssen«, so der Künstler. Für Tomasz Kajdanski stellt Dorian Gray eine Art englischen Faust dar, »der immer jung bleibt, aber einen Pakt abgeschlossen hat, dessen Bedingungen er verdrängt«.

Die Frage zur Verantwortung und zur Verfügbarkeit des Menschen über sein Äußeres und sein Leben, die im Roman gestellt wird, bietet auch theologische Ansatzpunkte. Da lag es nahe, »Das Bildnis des Dorian Gray« am 15. April in den Mittelpunkt einer Theaterpredigt zu stellen.

Letztere ist in Dessau-Roßlau inzwischen Tradition. Vor zehn Jahren wurde dazu erstmalig in die Johanniskirche eingeladen. Die damalige Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, predigte am 27. April 2008 zu einer Inszenierung von Richard Wagners »Parsifal« am Anhal
tischen Theater, im September Friedrich Schorlemmer zu Goethes »Faust«. Die Theaterpredigten sind ein Gemeinschaftsprojekt, verantwortet vom Anhaltischen Theater Dessau, der Landeskirche Anhalts und der Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Sie sollen, in der aufgeklärten Tradition Anhalts stehend, dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion dienen. Zu den Persönlichkeiten, die schon eine Theaterpredigt hielten, gehören der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig oder die hallesche Pianistin Ragna Schirmer.

Für die 21. Theaterpredigt am 15. April haben die Initiatoren den Köthener Pfarrer Wolfram Hädicke als Prediger gewonnen, der zusammen mit seiner Frau immer wieder gern Vorstellungen im Anhaltischen Theater besucht. Er findet es sehr interessant, was die Dessauer Theaterleute aus dem Stoff gemacht haben. »Ich war gespannt, wie Sprache in Bewegung übersetzt wurde, und finde es sehr gelungen«, sagt er nach dem Besuch des Ballettabends und vor seiner Predigt. »Oscar Wilde lässt Dorian Gray in seinem Roman sagen: ›Jeder trägt Himmel und Hölle in sich‹», so Hädicke. Die theologische Relevanz sei an vielen Stellen zu spüren.

In seiner Theaterpredigt wird Wolfram Hädicke den Fragen nachgehen, die jeden Menschen bewegen: Wer bin ich? Womit kämpft meine Seele? Neige ich dem Guten oder dem Bösen zu? Welche Abgründe lauern? Was vergiftet meine Seele? Fragen, die von bleibender Aktualität sind, ist sich der Pfarrer sicher.

Angela Stoye

Theaterpredigt: 15. April, 14.30 Uhr, Dessauer Johanniskirche. Die nächsten Theatervorstellungen: 22. April, 17 Uhr; 26. Mai, 19.30 Uhr; 17. Juni, 17 Uhr

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Gelebtes Erbe auf Kartons

9. April 2018 von redaktionguh  
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Deutschlandweit: Eine Marienkirche und eine Nikolaikirche pro Bundesland beteiligen sich an der Ausstellungsreihe »Bei Deinem Namen genannt: Maria und Nikolaus«, die in 32 Orten gezeigt wird.

Nach einer Präsentation im Erfurter Mariendom ist die Wanderausstellung vom 12. April bis 31. Mai in der Kirche St. Nicolai in Schmölln (Kirchenkreis Altenburger Land) zu sehen. Sie wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 gezeigt, das unter dem Titel »Sharing Heritage« (Erbe teilen) die kulturelle Vielfalt des Kontinents deutlich machen will.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, betont in diesem Zusammenhang, dass mit den Namen Maria und Nikolaus christliches Gedankengut transportiert werde. Beide Figuren stünden für ethische Prinzipien. Man knüpfe aber auch an die persönliche Identität der Besucher an, die jeweils mit ihrem eigenen Namen verbunden ist.

Unter dem Motto »Nomen est omen« (»Der Name ist ein Zeichen«) werden Sprichwörter zu verschiedensten Vornamen vorgestellt. Darüber hinaus betrachtet die Exposition den Zusammenhang von »Heimat und Person«, »Name und Erbe« sowie von »Kultur und Identität«.

Die beiden Module des in deutscher und englischer Sprache gestalteten Projektes verstehen sich in erster Linie als Impuls: Sie sind leicht überschaubar und ermöglichen eine unmittelbare Aneignung des Stoffes. Damit wollen die Kuratoren Klaus-Martin Bresgott, Johann Hinrich Claussen und Ralf Klöden einen »Anreiz zur Selbst- und Weiterbeschäftigung« schaffen.

Verpackungsmaterial als Informationsträger: Die Maria-Ausstellung war bereits in Erfurt zu sehen. Foto: Andreas Schoelzel

Verpackungsmaterial als Informationsträger: Die Maria-Ausstellung war bereits in Erfurt zu sehen. Foto: Andreas Schoelzel

Maria steht exemplarisch für einen Frauennamen. Aus der Ikonografie heraus sind alle Informationen über sie in der Farbe Blau gehalten.

Nikolaus steht für einen Männernamen, die ikonografische Farbe Rot verweist auf alles Wissenswerte über Nikolaus. Allgemeine Informationen und Einführungen sind in neutralem Weiß gestaltet.

Eine Karte der Bundesrepublik zeigt die jeweils am Projekt beteiligten Gotteshäuser, eine Karte Europas die Verbreitung der Namen und Kirchen zwischen Atlantik und Ural. So ist die Thematik auch geografisch fassbar aufbereitet. Wichtig ist den Ausstellungsmachern darüber hinaus die Verwendung ökologischen Materials – anstelle von Einwegaufstellern aus umweltfeindlichen Kunststoffen kommen 90 × 45 × 45 cm große, wiederverwendbare Mehrwegkartons zum Einsatz.

Gewöhnliches Verpackungsmaterial wird zu einem ungewöhnlichen Informationsträger. Die ästhetisch klare Form des Baukastens der Exposition orientiert sich an architektonischen Prinzipien der Romanik und des Bauhauses. »Die inhaltlichen Impulse zielen auf eine Wahrnehmung von Ort, Geschichte und Namen als Teil der eigenen Identität ab«, erläutern die Kuratoren ihre Zielstellung: »Aus der Abstraktion von Geschichte und Region werden mit der eigenen Person und dem eigenen Namen authentische Orte der eigenen Wirklichkeit, die in einen größeren Kontext eingebettet ist – regional und überregional, deutschlandweit und europäisch.«

Die Namen Maria und Nikolaus, ihre vielfältigen regionalen Formen und deren aktive Weitergabe aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft verdeutlichen dies exemplarisch und geben den Anstoß.

Die Ausstellung des Kulturbüros des Rates der EKD richtet sich an Tagesbesucher, Schulklassen und Touristen, eignet sich aber auch hervorragend für die Erwachsenenbildung. An jedem Ort können Geschichten zum je eigenen Namen hinzugefügt werden. Dadurch erweitert sich die Ausstrahlung der in 16 Marien- und 16 Nikolaikirchen gezeigten Ausstellung.

Michael von Hintzenstern

Termine in der EKM: Nikolaus: 30. 8. bis 31. 10., Ballenstedt; Maria: 6. 9. bis 2. 11., Salzwedel

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Karfreitag: Passionsmusiken in der Landeskirche

29. März 2018 von redaktionguh  
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Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Was die Oratorien in der Weihnachtszeit, sind die Passionsmusiken am Karfreitag. In sehr vielen Gemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erklingen um 15 Uhr, zur Sterbestunde Jesu, Meisterwerke der Kompositionskunst.

Vor dem verschlossenen Altargemälde von Lucas Cranach bringt der Bachchor Weimar erstmals in der Klassikerstadt das »Stabat Mater« von Joseph Haydn zu Gehör (30. März, 18 Uhr, Stadtkirche). Zu Ostern werden die Flügel des weltberühmten Kunstwerkes dann wieder geöffnet. Unser Bild entstand vor einem Jahr anlässlich einer Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Das Meisterwerk des Thomaskantors ist in diesem Jahr um 15 Uhr in der halleschen Markt­kirche »Unser lieben Frauen« zu hören. Bereits zum zehnten Mal führt die Marktkantorei unter Leitung von Irénée Peyrot das Werk auf. Zur gleichen Zeit wird in der halleschen Gesundbrunnengemeinde die »Matthäus­passion« von Johann Georg Kühnhausen für Soli, vierstimmigen Chor und Orgel zu Gehör gebracht.

Auch im nördlichen Saalkreis gedenkt man des Leidens und Sterbens von Jesus Christus musikalisch. In der St. Nikolai Kirche Wettin wird die »Matthäus-Passion« von Melchior Vulpius vom Regional-Chor Brachwitz unter Leitung von Gerlind Ullrich aufgeführt (30. 3., 15 Uhr, St. Nikolai).

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Auf den Spuren von Karl Friedrich Schinkel

26. März 2018 von redaktionguh  
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Neuheit: Musiktage vom 1. bis 3. Juni in Magdeburg rücken preußischen Baumeister und seine Zeit in den Mittelpunkt

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg will ein neues Musikfest etablieren. Mit den 1. Schinkel-Musiktagen vom 1. bis 3. Juni sollen Interessenten die Gelegenheit haben, das Wirken des preußischen Architekten und Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) in Magdeburg kennenzulernen. Für das Festival kooperieren das Kirchspiel Magdeburg Nord, die Förderkreise der Biederitzer Kantorei und des Magdeburger Gesellschaftshauses sowie der Magdeburger Musikverein. Zwei Schinkel-Bauwerke stehen im Mittelpunkt: die Kirche St. Nicolai im Stadtteil Neue Neustadt und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten. Mit einem Mix aus Konzerten, Vorträgen und Workshops für Kinder wollen die Initiatoren nicht nur die Bedeutung Schinkels hervorheben, sondern auch aufzeigen, welche Möglichkeiten die Nicolaikirche als Ort für Konzerte und andere kulturelle Angebote im Stadtteil bietet.

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Musikfest wird am 1. Juni in der dann frisch sanierten Nicolaikirche mit Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« eröffnet. Am 3. Juni wird in der Kirche ein Festgottesdienst mit der Liturgie gefeiert, wie sie zu Schinkels Lebzeiten üblich war: die von König Friedrich Wilhelm III. eingeführte preußische Agende. In einem Konzert im Gesellschaftshaus erklingen am 2. Juni Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und einigen seiner Zeitgenossen wie Nils Gade oder Robert Volkmann. Das Abschlusskonzert geben dort am 3. Juni die »Münchner Singphoniker«. Sie schlagen mit ihrem Programm einen Bogen in die Magdeburger Musikgeschichte zur vor 200 Jahren gegründeten Magdeburger Liedertafel.

Der Grundstein der heutigen Nicolaikirche in der Neuen Neustadt wurde 1821 gelegt. Ihr Vorgängerbau stand ab 1150 in der Alten Neustadt und wurde wegen Kriegszerstörung und Baufälligkeit im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Stellen insgesamt fünf Mal erbaut. Nachdem der letzte Bau den napoleonischen Truppen zum Opfer gefallen war, bekam Schinkel 1817 den Auftrag, eine neue Nicolaikirche zu entwerfen. Nach diversen Änderungen wurde schließlich die bis heute bestehende klassizistische Kirche gebaut und im Oktober 1824 eingeweiht. Sie wurde zum Vorbild für das von Schinkel entwickelte Konzept der Normalkirchen für ländliche Sakralbauten in Preußen. Die Fassadeninschrift »Mit Gott durch Königshuld« verweist bis heute darauf, dass Friedrich Wilhelm III. den Kirchenbau durch Zuschüsse unterstützte.

Der Bau des Gesellschaftshauses ist eng mit der Gestaltung des Klosterbergegartens 1824 durch den preußischen Gartendirektor und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné verbunden. Schinkel hatte dafür einen großzügigen Entwurf eingereicht. In stark reduzierter Form wurde dieser in den Jahren 1828/29 verwirklicht. Davon erfuhr Schinkel allerdings erst im Nachgang und von Dritten, worauf er mit einem verärgerten Schreiben an den Magdeburger Rat reagierte. 1896 wurde in historisierendem Stil ein Anbau aus Backsteinen errichtet. In der Kombination aus Klassizismus und Historismus besteht das vor einigen Jahren restaurierte und sanierte Gesellschaftshaus bis heute.

Angela Stoye

Programm unter

www.gesellschaftshaus-magdeburg.de

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Auftakt am 333. Geburtstag

18. März 2018 von redaktionguh  
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Thüringer Bachwochen vom 21. März bis 15. April mit 56 Konzerten im Freistaat

Die Thüringer Bachwochen werden am 21. März, dem Geburtstag des Komponisten, unter Leitung des renommierten englischen Tenors Mark Padmore in Weimar mit der Matthäuspassion eröffnet (19 Uhr, Weimarhalle).

Bis zum 15. April folgen insgesamt 56 Konzerte, die diesmal Bachs weltliches Schaffen fokussieren.

Am 23. März öffnen sich wieder zahlreiche Wohnungen in allen Regionen des Freistaates für die »Lange Nacht der Hausmusik«. Denn die Kompositionen des Thomaskantors spielen für fast jeden Musiker eine Rolle – vom Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach über die Solosuiten bis zu den Klavierwerken oder den Kantaten gehört Bach zum Repertoire von Jugendlichen wie Erwachsenen, Laien wie professionellen Musikern.

Erstmals in der Porzellankirche

Zu den Veranstaltungen des Festivals werden rund 20 000 Besucher erwartet. Erstmals finden die Thüringer Bachwochen an 15 Veranstaltungsorten im ganzen Land statt, darunter gibt es auch einige Premierenorte wie das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, die Porzellankirche der Leuchtenburg in Seitenroda oder die Villa Rosenthal in Jena.

Höhepunkte neben dem Auftakt zum Bach-Geburtstag sind die Konzerte des Bach Collegiums Japan, der Gaechinger Cantorey oder des Freiburger Barockorchesters. Als Solisten kommen die Violinistin Liza Fertschtman, der Pianist Alexandre Tharaud, die Saxophonistin Asya Fateyeva sowie der Jazz-Posaunist Nils Landgren mit seinem Ensemble erstmals ins Bachland Thüringen.

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Neben dem weltlichen Bach spielen seine sakralen Hauptwerke innerhalb des Festivals eine zentrale Rolle. Hans-Christoph Rademann und seine Gaechinger Cantorey gastieren am Ostermontag mit der h-Moll-Messe in Arnstadt.

Die Johannespassion ist schließlich in einer Kooperation von Nachwuchsmusikern mit renommierten Profis zu erleben: Für ihr Konzert in der Margarethenkirche Gotha hat die Akademie für Alte Musik Berlin die jungen Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie eingeladen (24. März, 16 Uhr). Nach den Aufführungen der Bach-Passionen, die durch die Thüringer Bachchöre in Eisenach, Erfurt und Jena noch weitere drei Mal zu hören sind, überrascht das Festival am Karfreitag mit einem höchst ungewöhnlichen Passionsprogramm: In der Georgenkirche Eisenach liest der Schauspieler Thomas Thieme die Pilatusgeschichte aus Michail Bulgakows posthum veröffentlichtem Roman »Der Meister und Margarita«.

Umrahmt wird die Lesung in dem inszenierten Konzert von Werken Bachs, Buxtehudes und Vivaldis, interpretiert vom La Folia Barockorchester und der Altistin Julia Böhme (30. März, 15 Uhr).

Es ist inzwischen eine schöne Tradition, dass die Thüringer Bachwochen neben den historischen Bachorten auch immer wieder neue Räume für Konzerte entdecken. Bereits zum dritten Mal wird das Festival im Erfurter Zughafen zu Gast sein. Zu den neuen Orten gehört weiterhin das Spa und Golf Hotel Weimarer Land in Blankenhain, wo zu einer historischen Bach-Vesper geladen wird, außerdem die Kunsthalle und die Kleine Synagoge in Erfurt.

(G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

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»Ein Schatz, der gehoben werden will«

13. März 2018 von redaktionguh  
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Chorprojekt: Passionskantaten von Georg Gebel erklingen in Rudolstadt, Bad Blankenburg, Arnstadt und Sonneberg

In einem großen Chorprojekt werden Kirchenmusiker der Propstei Meiningen-Suhl von März bis November sechs bislang wenig bekannte Passionskantaten des Rudolstädter Hof-Komponisten Georg Gebel (1709–1753) aufführen.

Die Notenhandschriften der Stücke lagern seit vielen Jahren im Thüringer Staatsarchiv in Rudolstadt. Mithilfe des Musikwissenschaftlers Maik Richter aus Halle/Saale ist dem Zentrum für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) jetzt eine Neu-Edition von insgesamt zwölf Kantaten des Rudolstädter Komponisten im Wartburg Verlag gelungen.

»Die Kompositionen von Georg Gebel sind ein Schatz, der gehoben werden will«, sagt Katja Bettenhausen, Propsteikantorin für Meiningen-Suhl. »Wenige Oratorien sind von ihm erhalten und insgesamt 144 Kantaten. Wir sind glücklich, dass wir mit der Hilfe von Maik Richter nun den Anfang gemacht haben. Es ist eine große Chance und Bereicherung, die Stücke dieses vielerorts unbekannten Komponisten in den Kirchen zum Klingen zu bringen.«

Teamwork: Martin Hütterott (Sonneberg), Christoph Böcking (Bad Blankenburg), Jörg Reddin (Arnstadt), Matthias Erler (singt in Sonneberg mit), Thomas Brandt (Oberweißbach) und Katja Bettenhausen (Rudolstadt) kümmern sich um das Chorprojekt. Foto: Solveig Grahl

Teamwork: Martin Hütterott (Sonneberg), Christoph Böcking (Bad Blankenburg), Jörg Reddin (Arnstadt), Matthias Erler (singt in Sonneberg mit), Thomas Brandt (Oberweißbach) und Katja Bettenhausen (Rudolstadt) kümmern sich um das Chorprojekt. Foto: Solveig Grahl

Bis auf einige größere Werke wie die Johannes-Passion oder das Weihnachtsoratorium von Georg Gebel sind bisher nur wenige Einzelwerke in moderner, heute lesbarer Schreibweise herausgegeben worden. Deshalb war eine Neu-Edition notwendig. Kantaten der Passionszeit boten sich als Pilotprojekt an.

»Der Orchesterpart der Kantaten ist in der Passionszeit zumeist eher schlank besetzt, im Gegensatz beispielsweise zur Advents- und Weihnachtszeit«, so Kirchenmusikdirektorin Katja Bettenhausen. »So konnten wir Kantoren-Kollegen in der Propstei gewinnen, in diesem Jahr sechs der neuedierten Kantaten aufzuführen. Und es gibt auch schon Anfragen für 2019.«

Folgende Kantaten-Aufführungen sind geplant: 11. März in Rudolstadt (10 Uhr, Lutherkirche: »Herr, ich bin bereit« und »Soll ich den Kelch nicht trinken«) und am 18. März in Bad Blankenburg (17 Uhr, Nicolaikirche: »Heiliger Vater«) unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Bettenhausen sowie am 18. November in Arnstadt und am 25. November in Sonneberg. Für 2019 ist die Aufführung von sechs weiteren Passionskantaten vorgesehen.

Georg Gebel (geboren am 25. Oktober 1709 in Brieg/Schlesien, gestorben am 24. September 1753 in Rudolstadt) war ein deutscher Komponist. Er kam nach Stationen in Breslau und Dresden nach Rudolstadt. Dort wurde er zunächst »Concert-Meister« und 1750 dann zum »Capell-Meister« berufen. Seine Werke, von denen nahezu ausschließlich die Kantaten und Oratorien erhalten geblieben sind, werden heute im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt (Schloss Heidecksburg) aufbewahrt.

(G+H)

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Drama in Rot und Schwarz

27. Februar 2018 von redaktionguh  
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Glaskunst: Max Uhlig hat mit den Fenstern für die Magdeburger Johanniskirche sein Lebenswerk vollendet.

Ein sonniger Wintertag. In der Magdeburger Johanniskirche – über die Jahrhunderte vier Mal zerstört und wieder aufgebaut, einst geweihte Kirche, heute Festsaal der Stadt – strahlt und leuchtet es. Das Sonnenlicht bricht sich in den zwölf Meter hohen Fenstern und taucht das Kirchenschiff in orangene und rote Schattierungen.

Katja Lehmann lächelt. »Wunderbar, oder?«, sagt die Schatzmeisterin des Kuratoriums zum Wiederaufbau der Johanniskirche. Das Kuratorium hat nicht nur den von der Stadt geplanten Aufbau der kriegszerstörten Kirche nach der Wende begleitet und unterstützt, sondern setzt nun einen Schlusspunkt; einen mit viel Farbe.

Das Ensemble aus sechs Langhaus- und sieben Chorfenstern ist für den Künstler Max Uhlig gleichermaßen Neuland und Spätwerk. Der 1937 in Dresden geborene Maler und Grafiker zählt zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Erstmals für die Magdeburger Johanniskirche arbeitete er mit Glas.

Ein Leuchten und Strahlen: Die Glaskunst von Max Uhlig hat der Johanniskirche, die als städtischer Fest- und Veranstaltungssaal genutzt wird, eine neue Aura verliehen. Foto: Viktoria Kühne

Ein Leuchten und Strahlen: Die Glaskunst von Max Uhlig hat der Johanniskirche, die als städtischer Fest- und Veranstaltungssaal genutzt wird, eine neue Aura verliehen. Foto: Viktoria Kühne

Max Uhlig begann als Kind zu malen. Dass er in der Nachkriegszeit zunächst nur zwei Stifte in den Farben Schwarz und Rot besaß, das sieht man seiner Kunst bis heute an. Abstrakt und ausdrucksstark arbeitet er, mit kräftigen Pinselschwüngen, immer in Bewegung. Seine Themen sind Pflanzen und Landschaften in stark abstrahierter Form. Das kräftige Rot, durchzogen von einem schwarzen Liniengeflecht, auf den Fenstern der Johanniskirche mag so manchen Magdeburger an die Luftangriffe 1944/45 erinnern, die abstrahierten Weinstöcke auf den Chorfenstern an Ruinen, auch an Stacheldraht. Diese Assoziationen sind möglich. Uhlig ist nicht festgelegt, was die Deutung seiner Kunst betrifft. Die Vorlage für die dramatischen Farbfenster ist eine holsteinische Landschaft; ein Uhlig-Gemälde, das ausgerechnet bei einem Brand verloren ging.

Das Kuratorium hat die skeptischen Stimmen der Magdeburger wohl vernommen. »Aber sie wurden leiser, je mehr Fenster eingebaut worden sind«, sagt Katja Lehmann vom Kuratorium. Das Projekt ging in Etappen voran: die erste Idee vor gut zehn Jahren, der Projektbeginn 2013 und der Einbau der letzten Fenster im vergangenen Jahr.
Vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte die Kirche farbige Fenster. Doch Fotografien oder gar Vorlagen fehlten. So entstand die Chance, etwas Neues zu schaffen und dem zumeist weltlich genutzten Raum eine geistige Aura zurückzugeben.

Max Uhlig war von Beginn an begeistert. »Schon beim ersten Besuch spürten wir diese Energie, wie es in seinem Kopf arbeitete. Noch bevor wir über Geld oder Details redeten, hatten wir die ersten Entwürfe«, erinnert sich Katja Lehmann. Uhlig ließ sich auch die Herstellung nicht aus der Hand nehmen. Das auf Glasmalerei spezialisierte Unternehmen »Derix Glasstudios« aus Taunusstein betrat dahingehend Neuland, dass nie zuvor ein Künstler derart am Schaffensprozess mitgewirkt hat. Die mundgeblasenen Glasscheiben wurden in mehreren Schritten bearbeitet und zu einem großen Ganzen zusammengesetzt. Auch die Grisaille-Fenster des Chors sind nicht einfach schwarze Malerei auf weißem Glas. Als Grisaillen (französisch gris = grau) werden in der Glasmalerei Fenster bezeichnet, die ganz oder zum größten Teil aus farblosem Glas bestehen. In das Opak- wurde Klarglas eingeschmolzen, so entstehen je nach Sonnenstand und Wetter silbern und golden funkelnde Effekte.

Rund 310 Quadratmeter Glas hat Max Uhlig gestaltet. »Das ist einmalig«, schwärmt Katja Lehmann. Das Kuratorium erhofft sich einen touristischen Effekt: Das Gesamtkunstwerk Uhligs reihe sich ein in Glas- und Raumkunstprojekte von Neo Rauch und Thomas Kuzio im Naumburger Dom, Markus Lüpertz in Gütz bei Landsberg bis zu Günter Grohs im Halberstädter Dom.

Katja Schmidtke


Stifter und Spender der Kirchenfenster

Das Magdeburger Fensterprojekt kostete insgesamt rund 1,37 Millionen Euro. Das Kuratorium sammelte rund eine halbe Million Euro an Spenden von Einzel­personen, Firmen und bei Benefizkonzerten ein. Mehr als eine dreiviertel Million Euro kamen aus Fördertöpfen. Zu den größten Einzel­stiftern zählt die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die das Vorhaben mit insgesamt 400 000 Euro unterstützte. Projekte zur Reformationsgeschichte förderte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Gebiet der EKM auch in Mühlberg, Torgau, Eisleben, Allstedt und Wieserode.

Weitere 172 000 Euro stifteten die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und 120 000 Euro die Kunststiftung Sachsen-Anhalts. Im Zuge des Reformationsjubiläums stellte das Land 82 000 Euro zur Verfügung.


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Komprimierte Darstellung eines Großereignisses

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Neuerscheinung: »Thüringen. Lutherland 2008–2017« im Wartburg Verlag veröffentlicht

Es liegt gut in der Hand, das überaus reich bebilderte Buch »Thüringen. Lutherland 2008–2017«, das auf 180 Seiten beleuchtet, mit welch thematischer Vielfalt die Reformationsdekade im Freistaat begangen wurde. In einem einleitenden Kapitel erinnert der Landesbeauftragte und promovierte Theologe Thomas A. Seidel daran, dass die erste Anregung zu einer zeitlich gestaffelten Vorbereitung des 500. Jubiläums im Jahre 2006 vom Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, ausging und vom damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Wolfgang Huber, freudig aufgenommen wurde. Dabei erwies es sich als kluge und tragfähige Entscheidung, in Themenjahren inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, die das Ereignis für Menschen heute erlebbar und erfahrbar machen. Dafür geschaffene Fördermöglichkeiten beflügelten – über die umfänglichen baulichen Maßnahmen hinaus – die Kreativität der Akteure. Thomas Seidel ist es gemeinsam mit dem Journalisten Heinz Stade gelungen, die Veranstaltungen rückblickend komprimiert zu dokumentieren (S. 4–91). In der Mitte der Publikation gibt es ein auch für die praktische Nutzung hilfreiches Kapitel »Die wichtigsten Reformationsorte in Thüringen im Überblick« (S. 92–107). Von faszinierender Farbigkeit zeugen die Lichtinstallationen (S. 108–112).

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

Einblicke in die Aktivitäten gewähren Interviews und Beiträge zum Lutherweg, zu den Petersberger Luther-Disputen oder zur Weimarer Kinderbibel (S. 114–156). Dass die Reformation weiter geht, bezeugt das Kapitel »Ausblicke«. Die nächsten Jubiläen zwischen 2021 (500 Jahre Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg) und 2046 (500. Todestag Luthers) werden genannt. Zum Schluss ziehen maßgeblich Beteiligte ihr persönliches Fazit.

Michael von Hintzenstern

Thomas A. Seidel/Heinz Stade (Hrsg.): Thüringen. Lutherland 2008–2017, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-552-2, 10 Euro

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Volles Geläut

12. Februar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Neuer Förderverein: Der Magdeburger Dom soll mit acht neuen Glocken ausgestattet werden

Der Magdeburger Dom soll sein Kathedralgeläut zurückerhalten und wieder mit zwölf Glocken ausgestattet werden. Ein neuer Förderverein will sich um die Generalsanierung kümmern, informierten Dieter Steinecke, Landtagspräsident a.D. und Gründungsvorsitzender des Vereins, sowie Martin Groß im Auftrag der Domgemeinde.

Die vier noch vorhandenen Glocken sollen durch acht neue ergänzt werden. Die Kosten für den Neuguss belaufen sich ersten Berechnungen zufolge auf rund eine halbe Millionen Euro; ohne das Geld für Glockenzier, Neubau des Glockenstuhls und sonstige Baukosten.

Fernsehgottesdienst im Mageburger Dom zur Eröffnung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2016. Foto: epd-bild

Fernsehgottesdienst im Mageburger Dom zur Eröffnung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2016. Foto: epd-bild

Landesbischöfin Ilse Junkermann, Domprediger Jörg Uhle-Wettler und Domkantor Barry Jordan haben als Mitarbeiter im Verkündigungsdienst ihre Unterstützung zugesagt, ebenso der Gemeindekirchenrat. Domprediger a.D. Giselher Quast hatte bereits 2016 bei seiner Verabschiedung für die Sanierung der Sonntagsglocke »Dominica« geworben.

Christoph Schulz, Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, hat mit Fachkollegen ein Gesamtprojekt erarbeitet. Dafür liegt die Zustimmung der Gemeinde, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege vor, informierten Dieter Steinecke und Martin Groß. Neben dem Geld hängt die Umsetzung vom Bauzustand des Doms ab. Erstmals nach rund 300 Jahren könnte der Dom wieder in beiden Türmen Glocken tragen. Hierfür sind bereits zwei schwingungsphysikalische Gutachten erstellt worden.

In einem ersten Bauabschnitt soll die »Dominica« von 1575 wieder läutefähig gemacht werden. Die wertvolle Sonntagsglocke ist an zwei Seiten ausgeschlagen und hat einen zu schweren Klöppel. Darüber hinaus fehlen zwei Henkel in der Glockenkrone, die das gesamte Gewicht halten muss. Um sie zu reparieren, muss sie aus dem Nordturm herausgehoben und im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen – der einzigen Werkstatt in Deutschland, die Glocken schweißen kann – überarbeitet werden.

In einem zweiten Abschnitt sollen Glocken neu gegossen werden, darunter ist auch eine Glocke mit 14 Tonnen Gewicht (Schlagton d°). Eine solche Glocke sei in Deutschland einzigartig und könnte als »Reformata« oder »Maxima« gegossen werden. Sie solle mit ihrer eindringlichen Stimme gegen politisch und religiös motivierte Gewalt mahnen.

Im dritten Bauabschnitt soll ein neuer Glockenstuhl in den Südturm eingebaut werden. Abschließend soll der Glockenstuhl im Nordturm erweitert werden. Die Initiatoren wünschen sich eine breite Unterstützung aus allen Bevölkerungsschichten und über weltanschauliche Grenzen hinaus. Der jährliche Vereinsbeitrag soll bei zwölf Euro jährlich liegen, »so dass möglichst viele Menschen ohne großen Aufwand sich auch ganz individuell durch eine Mitgliedschaft mit der Realisierung eines würdigen Magdeburger Domgeläutes verbinden können«.

Landesbischöfin Ilse Junkermann teilte mit, man wolle sich nicht mehr länger damit abfinden, »dass die wichtigste Stimme unseres Domes für den sonntäglichen Ruf ›des Volkes zum Lobe Gottes‹ – so steht es lateinisch auf dieser Glocke – schweigt«. In einem ehrwürdigen Geläut für den Dom seien zwölf Glocken angemessen, die das »Himmlische Jerusalem« ein wenig vorwegnehmen könnten.

Domprediger Jörg Uhle-Wettler ergänzte, Glocken weisen über das Alltägliche hinaus. Ihre Töne erreichen mehr als nur das Ohr. »Hier wurde eine bemerkenswerte Kunst erfunden, durch Klöppelschläge in einer und derselben Sekunde in unzähligen verschiedenen Herzen eine und dieselbe Empfindung zu bewirken.« (G+H)

Vereinsgründung am 10. März, 18 Uhr in der Großen Sakristei des Domes

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