»Verley uns frieden«

23. Juni 2018 von redaktionguh  
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Heinrich-Schütz-Musikfest: Die Organisatoren stellen im Jubiläumsjahr die Sehnsucht nach Frieden in den Mittelpunkt.

Vom 5. bis 14. Oktober 2018 laden die mitteldeutschen Länder zum deutschlandweit bedeutendsten Festival für Musik des 17. Jahrhunderts ein. Das Musikfest trägt den Namen von Heinrich Schütz und findet an historischen Lebensorten des Komponisten statt. Am 8. Oktober 1585 erblickte Heinrich Schütz (1585–1672) in Bad Köstritz, unweit von Gera, das Licht der Welt. Mit Beginn seiner intensiven Schaffenszeit begann im Jahre 1618 der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), der Leben und Werk des Komponisten prägen sollte.

In diesem Jahr, 400 Jahre danach, erinnert man sich nicht nur daran, sondern auch an das Ende des 1. Weltkrieges von 100 Jahren. Die fortwährende Geschichte von Kriegen und die Suche nach Frieden finden sich im 20. Jahr der Schützmusiktage unmittelbar im Programm wieder. »Verley uns frieden« aus der gleichnamigen Motette von Heinrich Schütz steht über 42 Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Die lutherische Schreibweise verrät es, der Wunsch nach Frieden ist ein uralter Menschheitstraum. Es sind die Friedenswünsche, der Ruf nach Frieden, die Forderung nach Frieden und die Friedenskonzepte, die immer wieder mahnen, dass der Krieg irgendwann aufhören muss. Daher ist es nicht ganz zufällig, dass die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft über das Festival übernommen hat, denn die Sicherung des Friedens gehört in einer Demokratie zum höchsten Gut.

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

»Es sind gerade die authentischen Orte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die das Musikfest ausmachen«, betont Dr. Christina Siegfried, Intendantin des Heinrich-Schütz-Musikfestes. »An insgesamt 26 Konzert­orten in sechs Städten werden über 400 Laien- und Berufskünstler mitwirken. Mit ganz großer Freude darf im 20. Jahr die Barockspezialistin Dorothee Mields als »artist in residence« erwartet werden. Die Sängerin hat die Berliner Lautten Compagney Berlin zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen und wird Lebenslust und Seelenschmerz in Zeiten des Krieges mit der Musik des 17. Jahrhunderts und der 1920er- und 1930er-Jahre verbinden. Dieses Programm unter dem Namen »Wenn ick mal tot bin« wird das Festival an drei Aufführungsorten eröffnen. Einer davon ist die Kirche St. Leonhard in Bad Köstritz, wo dieses hochkarätige Konzert am 6. Oktober zu erleben ist. Das Programm zum Heinrich-Schütz-Musikfest umfasst Konzerte und Wandelkonzerte, musikalische Lesungen, Jazz, Folk und Papiertheater, eine Brauhaussession, Fami­lienprogramme sowie Führungen und Gottesdienste. Alte Bekannte, wie der Dresdner Kammerchor und das Johann Rosenmüller Ensemble, treffen auf international renommierte Künstler, wie die weltbekannte Geigerin Rachel Podger. Daneben werden der Liedermacher Hans-Eckkart Wenzel, die Folkmusiker Grenzgänger und The Playfords den Bogen von Aussagen des 17. Jahrhundert bis zu brandheißen Themen unserer Zeit spannen.

Nur durch eine breite Kooperation mit Partnern und Förderern sei es letztendlich möglich, das Festival durchzuführen, betont Dr. Christina Siegfried. Neben Bund und den drei mitteldeutschen Ländern unterstützt wiederholt die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen mit der Sparkasse Gera-Greiz das Musikfest. »Kultur ist für uns Teil der demokratischen Gesellschaft«, erklärt Dr. Michael Grisko von der Stiftung und betont, dass das Festival auch ein Bekenntnis und ein ästhetischer Umgang zur Geschichte repräsentiere, somit auch ein Stück Heimat darstelle.

Friederike Böcher, als Leiterin des Heinrich-Schütz-Hauses in Bad Köstritz, ist seit Jahren mit dem Musikfest eng verbunden und freut sich auf bedeutende Konzerte in Bad Köstritz und Gera. Noch vor der offiziellen Eröffnung, am 3. Oktober als sogenannter Auftakt, erklingt das Werk »Angst der Hellen und Friede der Seelen« in der Geraer Salvatorkirche. Es handelt sich hierbei um ein Auftragswerk von Burkhard Großmann. Als Dank für seine Lebensrettung beauftragte er Schütz und weitere Komponisten seiner Zeit mit der Vertonung des 116. Psalms. Der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 und die Capella Jenensis musizieren unter Leitung von Christian K. Frank.

Wohl kaum ein Ort in Gera ist so prädestiniert für die Aufführung der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, wie die Geraer Trinitatiskirche. Sie gehört zum Wirkungskreis von Heinrich Posthumus Reuß, zu dessen Trauerfeier diese Totenmesse uraufgeführt wurde. Das Konzert am 7. Oktober wird von Cantus – und Capella Thuringia gestaltet.

Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, genauer gesagt der Dreiseitenhof, bildet eine etwas andere Konzertumgebung beim diesjährigen Musikfest. Am 12. Oktober spielt dort das Barock­ensemble The Playfords und erinnert während der Brauhaussession mit Friedensliedern, ausgelassenen Tänzen, Trinkliedern und schwermütigen Chorälen an das Leid und die Hoffnung der Menschen im Dreißigjährigen Krieg.

Eine musikalische Geschichte von Schelmen in kriegerischen Zeiten unter dem Titel »Simpel und Schweijk« wird am 13. Oktober im Köstritzer Palais erzählt. Am gleichen Tag werden in der Stadtkirche Musiker mit Gamben, Orgel und Schlagwerk unter dem Motto »in allem frieden« mit dem Vokalensemble Auditiv Vokal aus Dresden und dem Ensemble L’Art d’Echo dem Klang von Krieg und Frieden von damals bis heute nachspüren.

Wolfgang Hesse

www.schütz-musikfest.de

Weltpremiere in der Porzellankirche der Leuchtenburg

18. Juni 2018 von redaktionguh  
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Foto: Stiftung Leuchtenburg

Foto: Stiftung Leuchtenburg

Kann man mit Porzellanklängen Musik machen? Der aus Weimar stammende und an der Harvard-University in Boston wirkende Kompositionsprofessor Hans Tutschku ist fest davon überzeugt. Gemeinsam mit dem »Ensemble für intuitive Musik Weimar« (EFIM) hat er ein neues Werk für die Porzellankirche der Leuchtenburg bei Kahla konzipiert, das am 24. Juni seine Uraufführung erlebt (Beginn: 19 Uhr). In ihm entwickelt sich ein Wechselspiel von Trompete/Flügelhorn, Violoncello und Orgel mit Porzellanklängen.

Den Direktor des Studios für elektroakustische Musik der Elite-Universität fasziniert die künstlerische Neugestaltung des Architekten Michael J. Brown (Los Angeles). Durch 30 deckenhohe Porzellanlamellen ist ein optisch neuer Raum entstanden, den Tutschku mit einem mehrkanaligen Sound beleben will.

Kartenvorbestellung: Telefon (03 64 24) 71 33 00

Eine neue Stimme für Camburg

9. Juni 2018 von redaktionguh  
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Festwoche: In der Stadtkirche St. Trinitatis wird am 10. Juni Orgelweihe gefeiert. Hierfür hat die Kirchengemeinde Camburg 345000 Euro gesammelt.

Die Gesichter von Kirchenmusikerin Dorothea Greßler und Pfarrer Michael Greßler strahlen beim Betreten des Camburger Gotteshauses (Kirchenkreis Eisenberg). Orgeltöne sind zu hören, einzeln angestimmt. Auf der Empore sind Mitarbeiter der Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt damit beschäftigt, die neue Orgel aufzubauen. Das beeindruckende mechanische Instrument hat drei Manuale und das Pedalwerk. Von den mehr als 2 700 Pfeifen wurden über 2 200 restauriert und 500 neu gefertigt. In der heimischen Werkstatt in Bad Liebenwerda stand die Orgel schon in ihrer endgültigen Form. Seit März sind die Spezialisten dabei, sie in der Camburger Kirche einzubauen. Gerade werden wieder alle Hände gebraucht, um im Innern Halterungen anzubringen, die dem komplizierten Instrument dauerhafte Stabilität verleihen.

Fachgespräch: Pfarrer Michael Greßler, Kirchenmusikerin Dorothea Greßler und Orgelbauer Markus Voigt (v. l. n. r.) – Foto: Doris Weilandt

Fachgespräch: Pfarrer Michael Greßler, Kirchenmusikerin Dorothea Greßler und Orgelbauer Markus Voigt (v. l. n. r.) – Foto: Doris Weilandt

»Ich habe noch nie eine richtige Orgel hier gespielt«, erzählt Dorothea Greßler. Als sie 1991 nach Camburg kam, war die mehrfach umgebaute Orgel in St. Trinitatis bereits in einem schlechten Zustand. An der aus dem Jahr 1886 stammenden zweimanualigen Orgel der Gebrüder Poppe aus Stadtroda hatte Oskar Ladegast, der Sohn des berühmten Friedrich Ladegast, bereits 1899 einen Umbau vorgenommen. Die größten Veränderungen erfolgten jedoch 1966. Dem Zeitgeist entsprechend, wurde die dem romantischen Klangideal verpflichtete Disposition der Orgel im Sinne des Neo-Barock verändert – mit erheblichen Eingriffen ins historische Pfeifenwerk, denn nur durch Einkürzen konnte eine Aufhellung der Töne erreicht werden. Die ursprünglich beauftragte Orgelbaufirma aus Weimar brachte die Neuschöpfung nicht zu Ende. Zum Glück gab es mit Siegfried Schenke einen engagierten Tischlermeister und Kantor in der Gemeinde, der noch das Orgelbauerhandwerk erlernte. »Er hat die Orgel fertig gebaut, für die damalige Zeit eine große Leistung«, sagt Pfarrer Greßler anerkennend. Das mangelhafte Material, auf das er zurückgreifen musste, war allerdings nicht von langer Haltbarkeit.

Der Auftrag zum Bau einer neuen Orgel ging 2013 an die Firma Voigt in Bad Liebenwerda. Vorher entwickelte Dorothea Greßler zusammen mit dem Orgelsachverständigen Stefan Feig ein Konzept: Zur Wiederherstellung ihres hochromantischen Klanges sollten die 2 200 Pfeifen der Poppe-Orgel wieder ihre ursprüngliche Größe erhalten sowie dazu passende neue Register. »Wir hatten einen Grundstock, um den wir die Orgel gebaut haben. Ansonsten ist es ein technischer Neubau auf mechanischen Schleifladen«, erklärt die Kirchenmusikerin. Von den 35 klingenden Stimmen gehen mehr als Zweidrittel auf die alten Register zurück. An die angelsächsische Orgelbautradition anknüpfend errichtete man als drittes Manual ein sogenanntes Solowerk. Seine fünf Register können in verschiedenen Funktionen genutzt werden, damit stehen dem Organisten effektiv 59 Register zur Verfügung. Hinzu kommen 16 Koppel- und Nebenregister.

Seit 2010 hat die Kirchengemeinde Camburg 345 000 Euro an Spenden eingesammelt, ein erstaunlicher Betrag. Pfarrer Michael Greßler freut sich über die anhaltende Begeisterung der Camburger für dieses Orgelprojekt. Ein großer Teil kam über Spendenbriefe oder Patenschaften für Orgelpfeifen zusammen. »2011 trafen sich Frauen aus der Gemeinde, um für die Orgel zu stricken«, erzählt der Pfarrer. »Inzwischen sind in sieben Jahren über 14 000 Euro zusammen gekommen. Um den Orgelbau gab es eine Geschlossenheit, für die wir dankbar sind.« 427 000 Euro werden insgesamt gebraucht. Doch Michael Greßler ist zuversichtlich für den Endspurt der Spendenaktion, zu der auch Kirchenkreis und das Land Thüringen beigetragen haben.

Für die Intonation ist Markus Voigt, der Chef der Orgelbaufirma, zuständig. Der promovierte Kirchenmusiker und Orgelbaumeister kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken: »Die Intonation gehört zu den besonderen künstlerischen Dimensionen, die vor allem am Aufstellungsort der Orgel von zwei bis drei Mitarbeitern unserer Firma mit großer Gewissenhaftigkeit ausgeführt wird.«

Auf die Orgelweihe am 10. Juni freut sich ganz Camburg. Nach einem Festgottesdienst, in dem Dorothea Greßler endlich auf einer »richtigen Orgel« spielen kann, einer Pflanzaktion und der Orgelpräsentation lässt der Kölner Domorganist Winfried Bönig das Instrument in einem Orgelweihekonzert erklingen.

Doris Weilandt

www.orgelprojekt-camburg.de

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Programm der Festwoche in Camburg

Sonntag, 10.6., 9.30 Uhr: Festgottesdienst zur Orgelweihe; 11.30 Uhr: Baumpflanzaktion im Pfarrgarten mit Schirmherrin Christine Lieberknecht, Thüringer Ministerpräsidentin a. D.; 14 Uhr: Orgelpräsentation durch die Orgelbaufirma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt; 17 Uhr: Konzert mit Prof. Dr. Winfried Bönig, Organist am Kölner Dom

Montag, 11.6., 19 Uhr: »Starlights Live« mit Nico Wieditz

Dienstag, 12.6., 18.30 Uhr: Orgel und Saxofon mit KMD Jens Goldhartdt (Gotha) und Ralf Benschu, Saxofonist von »Keimzeit«

Mittwoch, 13.6., 19.30 Uhr: Orgel und Trompete mit dem Duo Fehse-Wilfert

Donnerstag, 14.6., 19.30 Uhr: Orgelmusik zu vier Händen und vier Füßen mit Angelika Rau-Culo und Michael Culo aus Nürtigen

Freitag, 15.6., 17 Uhr: Familienorgelkonzert: »Charly, die Orgelmaus«

Sonnabend, 16.6., 17 Uhr: Finale mit Naumburger Kammerchor und Kantorin Dorothea Greßler, Orgel

Reise in die Zeit der Ottonen

1. Juni 2018 von redaktionguh  
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Kloster Memleben präsentiert anlässlich des Jubiläums »25 Jahre Straße der Romanik« eine sehenswerte Sonderschau.

Aufgeschlagen liegt es unter Glas. Die Schrift und Bemalung sind prächtig. Das Antiphonar aus dem Jahr 1506, heute in der Bibliothek des Klosters Pforta aufbewahrt und ursprünglich aus dem Kloster Posa bei Zeitz stammend, ist eines von weiteren eindrucksvollen historischen Exponaten der aktuellen Sonderschau »Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen«. Seine Wirkung entfaltet der dicke großformatige Band nicht nur als Ausstellungsstück. Ein Knopfdruck, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Sie haben drei Titel des Antiphonars in der Krypta des Klosters Memleben eingesungen und eingespielt.

Nie war in den vergangenen Jahrhunderten seit der Herstellung des liturgischen Buches die Musik des Mittelalters so lebendig und präsent.

Multimedial: Ein Knopfdruck genügt, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Foto: Torsten Biel

Multimedial: Ein Knopfdruck genügt, und die Musiker des »montalbâne Ensembles« erscheinen auf einer Wand des Raumes. Foto: Torsten Biel

Interaktive Elemente wie dieses spielen neben den eindrucksvollen Leihgaben aus verschiedenen Museen, Archiven und Beständen eine wichtige Rolle. »Die Besucher sollen nicht merken, dass sie in der Ausstellung viel lernen«, sagt Andrea Knopik. Die Museumsleiterin und ihr Team beschäftigten sich nicht erst seit Wochen oder Monaten mit der Vorbereitung der Ausstellung. Bereits 2014 gab es die Idee, erste Notizen auf Papier. Es folgten Anträge für Fördermittel, Anfragen an potenzielle Leihgeber, die sich gefreut haben, dass das Museum Interesse zeigt, die Stücke der Öffentlichkeit zu präsentieren; darunter einige zum ersten Mal, erzählt die Museumschefin: »Das war wie eine Adelung. Wir hatten bei einigen Exponaten nie gedacht, dass wir sie erhalten.« Deshalb spielen Sicherheit und Klimatechnik, um die wertvollen Objekte zu schützen, eine wichtige Rolle, sind vier sogenannte Schatzkammern eingerichtet worden.

Das Konzept der Ausstellung erinnert an eine Zeitreise durch die Jahrhunderte – vom Mittelalter bis in die Gegenwart, von der Entstehung des Mönchtums und den ersten Klöstern in Europa, über ihre Hochzeit und die Folgen der Reformation bis hin zur
aktuellen Wiederentdeckung. Die Initiative »Kloster und Welt« mit ihren insgesamt weiteren elf Korrespondenzorten zur Ausstellung in der Region tritt den Beweis an für das neue Bewusstsein um die Geschichte, Bedeutung und das Erbe der Klosterlandschaft.

Für Kinder entstand in Zusammenarbeit mit dem Burgenlandgymnasium in Laucha ein Klosterquiz. Außerdem arbeiten die Landesschule Pforta und die Sekundarschule Freyburg eng mit dem Museum zusammen.

Mehrere Ziele verfolgt dabei die Sonderschau: Zum einen soll die historische Rolle von Memleben als Kloster und Kaiserpfalz, als Ort von Wissen und Macht, an dem Bildung und Kunst, Handwerk und Landwirtschaft gefördert wurden, anschaulich verdeutlicht und bewusst gemacht werden. »Für viele liegt das Dorf heute geografisch abseits. Aber Memleben war schon entwickelt, als Naumburg ab 1033 gerade damit begann«, sagt Andrea Knopik. Zum anderen sollen Teile der Sonderschau, die den Ostflügel auf zwei Etagen füllt, fortan als moderne Dauerausstellung in das Museum integriert werden. Eröffnet wurde die Sonderschau mit einem Festakt in der Wasserscheune, die sich auf dem historischen Gelände des Klosters befindet. An der Feier nahmen auch die beiden Schirmherren der Ausstellung, Bischof Gerhard Feige und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, teil.

Jeden zweiten Samstag im Monat laden Schüler zu einer Führung ein.

Constanze Matthes

Bis 15. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr.
Führungen durch die Anlage sonnabends 11.30 Uhr oder nach Voranmeldung.

www.kloster-memleben.de

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Erfolgsgeschichte: Pop-Oratorium »Luther« erklingt auch 2018

27. Mai 2018 von redaktionguh  
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Foto: Stiftung Creative Kirche

Foto: Stiftung Creative Kirche

Ob auf dem Klappstuhl, dicht gedrängt stehend, oder auch liegend auf der Campingdecke – ganz Wittenberg und Gäste von nah und fern versammelten sich im August 2017 in der Lutherstadt, um eine einzigartige Freiluftveranstaltung, das Pop-Oratorium Luther, zu erleben.

Bei herrlichem Sommerwetter genossen 3 500 Zuschauer an der Wittenberger Schlosskirche und damit an historischer Stätte eine beeindruckende Aufführung, die sich nicht allein wegen des starken Besucherandrangs als ein Höhepunkt des Reformationssommers erwies. Zudem war die Bedeutung der Konzertstätte als Geburtsort der Reformation bei vielen Zuschauern deutlich spürbar: die besondere Atmosphäre verstärkte die Wirkung des beeindruckenden Bühnenwerks.

Die Erfolgsgeschichte des Oratoriums, das als DVD und Blu-ray in gestochen scharfer HD-Qualität bestellt werden kann, geht 2018 weiter.

Nach Gastspielen in Hannover, Stuttgart, Düsseldorf, Mannheim, Hamburg, Brüssel und München im vergangenen Jahr wird es im Herbst Aufführungen in Süddeutschland und der Schweiz geben. Start ist am Reformationstag in Fellbach (31. 10.), es folgen Augsburg (1. 11.), St. Gallen (2. 11.) und Freiburg im Breisgau (4. 11.).

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Den Glauben zur Herzenssache machen

20. Mai 2018 von redaktionguh  
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Pietismus: Gefühlsbetonte Frömmigkeit prägte die Kirchenliedliteratur

Beim Blättern im Evangelischen Gesangbuch stoßen wir auf zahlreiche pietistische Lieder, die auch heute noch gern gesungen werden. Zu ihnen zählt Nummer 251, deren erste Strophe lautet: »Herz und Herz zusammen / sucht in Gottes Herzen Ruh. / Lasset eure Lebensflammen / lodern auf den Heiland zu. / Er das Haupt, wir seine Glieder, / er das Licht und wir der Schein, / er der Meister, wir die Brüder, / er ist unser, wir sind sein.« Was Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf da in Gedichtform gebracht hat, bringt das Anliegen des Pietismus auf den Punkt. Es ging darum, die als Erstarrung wahrgenommene Rationalisierung der Theologie aufzubrechen und Glauben wieder zur Herzenssache zu machen. Die direkte Annahme der biblischen Botschaft und ein lebendiger Umgang mit ihr standen im Vordergrund.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (Porträt von Balthasar Denner)

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (Porträt von Balthasar Denner)

Der durch persönliche Bekehrung und gefühlsbetonte Frömmigkeit geprägte Pietismus entwickelte sich seit 1670 zur bestimmenden Strömung der Kirchenliedliteratur. An die prägende Rolle des Liedes in der Reformation anknüpfend, versuchte er der Singepraxis neue Impulse zu geben. Durch neue Liedschöpfungen brachte er eigene reformerische Anliegen zum Ausdruck und zeitigte bemerkenswerte Wirkungen in Dichtung und Musik. Produktivster Autor war zweifellos Graf Zinzendorf, der etwa 3000 Lieder dichtete. Auch Joachim Neander (»Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren«, EG 316) oder Gerhard Tersteegen (»Ich bete an die Macht der Liebe«) haben bis heute beliebte Kirchenlieder geschaffen.

Die wichtigste Liedersammlung war zweifellos das 1704 in Halle erschienene »Freylinghausensche Gesangbuch«, das ungefähr 1500 Lieder umfasste. Sein Herausgeber Johann Anastasius Freylinghausen war Theologe der pietistischen Halleschen Schule und Nachfolger von August Hermann Francke als Direktor der Franckeschen Stiftungen. Im Evangelischen Gesangbuch findet sich unter EG 356 das Lied »Es ist in keinem andern Heil, kein Name sonst gegeben«, zu dem er den Text der ersten Strophe geschrieben hat.

Mit seiner 2003 in der Evangelischen Verlagsanstalt veröffentlichten Edition »Lieder des Pietismus« hat Christian Bunners bisher nur in Spezialarchiven auffindbare Quellen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit zugleich verdeutlicht, dass der Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts auch eine Singebewegung gewesen ist. Das gilt auch für spätere Ausprägungen wie den Neu-Pietismus und die Gemeinschaftsbewegung, die Impulse der amerikanischen und englischen Heiligungsbewegung aufnahmen. So fanden sich 1892 in der ersten Auflage des deutschen Reichsliederbuches (3 Millionen!) 30 Prozent aus dem Englischen übersetzte Texte! Diese sogenannten »Heilslieder« verfügten meist über einen wiederkehrenden Refrain und wurden mit In­brunst auf den neu entstandenen Großevangelisationen gesungen.

Michael von Hintzenstern

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Gemeinsam am Tisch des Herrn

7. Mai 2018 von redaktionguh  
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Ökumene: Christen haben gut lachen, findet Kirchenclown Leo aus Halle

Das Gleichnis vom Festmahl – eine andere biblische Geschichte wollten Florentine, Amanda, Pauline, Christophorus und Leo nicht erzählen. Welches Gleichnis Jesu passt auch besser zu jenen fünf Kirchenclowns, die vier verschiedenen Konfessionen angehören? Sie sind römisch-katholisch, evangelisch-uniert, evangelisch-methodistisch und freikirchlich-evangelisch – und doch folgen sie alle der großen Einladung Gottes, wie sie im Lukasevangelium (14,15ff) beschrieben wird.

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

»Das Gleichnis des Festmahls stellt alltägliche und gleichzeitig hochtheologische Fragen«, sagt Steffen Schulz alias Kirchenclown Leo aus Halle-Trotha. Da lädt ein Hausherr ein und all seine Gäste sagen ab, er aber schickt seinen Diener wieder los und lässt andere kommen, die Kranken, die Armen, die Aussätzigen. Was machen wir mit der Einladung Gottes? Nehmen wir sie aus freien Stücken an? Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch des Herrn? Erkennen wir, dass uns so viel mehr eint als trennt?

Steffen Schulz versucht das. Seit 19 Jahren steht er als Clown Leo auf der Bühne; in der ersten Zeit allein, aber zum elften Clownsgeburtstag 2010 spürte er die große Sehnsucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu spielen. So entstand das Stück »Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit!« über das Festmahl-Gleichnis. Leo, Amanda, Florentine, Pauline und Christophorus sowie Almuth Schulz am Piano haben die Bibelgeschichte adaptiert. Aus dem Hausherrn wird ein Paar, neben dem Diener spielt auch ein Hofnarr mit, es gibt Slapstick-Einlagen, das Stück ist als Nummernprogramm konzipiert. »Köstlich« spricht kleine Menschenkinder mit seinen Emotionen und große mit seinen Metaphern an.

»Humor verbindet. Humor ist vielleicht sogar ein Synonym für Ökumene«, sagt Steffen Schulz. Schmunzelnd fügt der hauptberufliche Kirchenclown an, das sei nun wahrlich eine steile These. Aber wenn der Körper lacht, kommt etwas in Bewegung, in Wallung. So wie auch in der Ökumene.

Steffen Schulz hat früh gelernt, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen alle denselben Herrn haben, dass sie einer Familie angehörigen. Er selbst wuchs nahe Halle in einer ökumenischen Familie auf, der Vater katholisch, die Mutter evangelisch. Eher aus zufälligen, pragmatischen Gründen sei er Protestant geworden; die evangelische Kirche war einfach näher am Elternhaus in Gutenberg als die katholische. Mit seinem Clownsnamen Leo besinnt er sich auf seine katholischen Wurzeln, der Name stammt vom katholischen Großvater.

»Ökumene ist für mich selbstverständlich«, sagt Steffen Schulz und freut sich über das gelungene Miteinander seiner Clowns-Kollegen. »Köstlich« ist nicht nur ökumenisch inszeniert, sondern auch ökumenisch finanziert: Neben der EKM beteiligte sich unter anderem das Bistum Magdeburg an den Kosten. Im Jahr 2016, am Vorabend des Reformationsjubiläums, war das Kirchenclown-Ensemble in Luthers Kernland unterwegs. 2018 laden die Clowns im Sauer- und Siegerland zum Festmahl ein und auch für die kommenden beiden Jahre gibt es schon Anfragen und Pläne. Danach will Clown Leo seine Hosenträger an den Nagel hängen. Steffen Schulz möchte sich auf andere Wege begeben, das Evangelium zu verkünden. Ganz sicher mit einer großen Portion fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Katja Schmidtke

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Orgelsommer geht weiter

29. April 2018 von redaktionguh  
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Kulinarik und Orgelmusik: Die 27. Ausgabe des Festivals wird vom 29. Juni bis 22. Juli unter Leitung des neuen Präsidenten KMD Theophil Heinke (Waltershausen) veranstaltet.

Was ist das Besondere an diesem Ereignis, das in alle Regionen des Freistaates ausstrahlt? Wie möchten Sie das Profil prägen?
Heinke:
Thüringer Orgelsommer – das bedeutet viele Konzerte in vielen Kirchen, besonders auf dem Lande, wo es so zahlreiche sehenswerte sakrale Räume und hörenswerte Orgeln gibt. Das ist ein echter Schatz in Thüringen. In Zeiten der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft und des Rückzugs des gesellschaftlichen Lebens aus den strukturschwächeren Regionen wollen wir auf diese Besonderheiten aufmerksam machen.

Größte Barockorgel Thüringens: Seit 1995 spielt KMD Theophil Heinke das von Tobias Gotthilf Heinrich Trost von 1724 bis 1730 erbaute, aber nicht vollendete Instrument. Foto: privat

Größte Barockorgel Thüringens: Seit 1995 spielt KMD Theophil Heinke das von Tobias Gotthilf Heinrich Trost von 1724 bis 1730 erbaute, aber nicht vollendete Instrument. Foto: privat

Dies ist die Intention, die bereits der im vergangenen Jahr verstorbene »Spiritus Rector« des Orgelsommers Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller hatte und mit großem Engagement praktizierte. Dieses Profil möchte ich gemeinsam mit dem Vorstand unbedingt beibehalten. Ein zusätzlicher Schwerpunkt soll die Förderung des »Orgelnachwuchses« werden. Es gibt zahlreiche Orgeln in gutem Zustand, aber zunehmend fehlen die Organisten, die sie bespielen. Das hat sicherlich mehrere Ursachen. Ich möchte da gern Schwellenängste abbauen helfen und wieder die Begeisterung für dieses in einigen Regionen aus der Mode gekommene Instrument wecken.

Wie erfolgt die Auswahl der Orte? Können sich Gemeinden mit einer »interessanten« Orgel bewerben?
Heinke:
Jede Gemeinde mit einer interessanten Orgel kann sich bei uns bewerben und hat gute Chancen, da uns die Nutzung solcher Instrumente am Herzen liegt. Wichtig ist uns aber auch, dass Leute vor Ort unser Festival unterstützen und die Konzerte gut bekannt machen. Denn trotz der großen Auflage unserer Werbematerialien ist das Einladen vor Ort sehr, sehr wichtig. Wir haben auch immer mindestens einen Ort dabei, wo die Orgel nicht mehr zum Hörgenuss führen kann, sich aber die Gemeinde starkmacht für deren »Wiederbelebung«. So etwas zu unterstützen, ist erklärtes Ziel des Orgelsommers.

Beim diesjährigen Festival gibt es 27 Veranstaltungen, es soll aber wieder die einstige Anzahl erreicht werden. Wie viele Konzerte waren das in etwa?
Heinke:
Der Orgelsommer hatte bisher stets über 40 Konzerte, 2017 aufgrund der Reformationsfeierlichkeiten sogar über 50. Der Tod von KMD Preller kam überraschend und wir müssen uns im Orgelsommerteam erstmal neu sortieren, daher ist für uns die Zahl von 27 zunächst die machbare Größe. Wir streben aber wieder eine der einstigen vergleichbare Größenordnung an, wobei es nicht nur um die Anzahl der Konzerte, sondern auch darum geht, in allen Landesteilen präsent zu sein, dieses Jahr kommt Ostthüringen leider zu kurz.

Zum Profil des Orgelsommers gehört es, dass die »Königin der Instrumente« in Kombination mit anderen Instrumenten, Gesangsstimmen oder Ensembles erklingt. Steckt dahinter die Erfahrung, dass auf dem Lande das Interesse an reinen Orgelkonzerten nicht so groß ist?
Heinke:
Die Kombination Orgel plus hatte in den letzten Jahren wesentlich mehr Erfolg als Orgelsolokonzerte. Die Ursachen dafür mögen vielschichtig sein. Konzerte mit weiteren Musikern, die gemeinsam oder im Wechsel mit der Orgel musizieren, sind sicherlich interessanter im Klang und im Erleben. Der reine Orgelklang kann, zumal auf kleineren Instrumenten, auf Dauer etwas Statisches oder sehr Abstraktes haben, die Zuhörer erfreuen sich unter anderem besonders an Überraschungen und Abwechslung.

Auffällig in diesem Jahr ist, dass sich der Orgelsommer auch anderen Musikformen öffnet, wie hinduistischer Tempelmusik oder dem Liedermacher Gerhard Schöne. Soll dies zu einer weiteren Horizonterweiterung und stärkeren Breitenwirkung beitragen?
Heinke:
Das Öffnen für andere Musikformen hat sich bereits bewährt. So wurden z. B. im Reformationsjahr Luther-Choräle vom »Marco-Böttger-Swingtett« verjazzt. Oder die jüdische Klarinettistin Irith Gabriely brachte hervorragenden Klezmer mit ein. Diese Experimentierfreude ist mir auch sehr wichtig und ich möchte sie fortsetzen. Wir wollen, dass unsere Konzerte eine gewisse Leichtigkeit erhalten, schließlich finden die Konzerte im Sommer statt und nicht in der Passionszeit. Gerade weil sie zum Lobe Gottes erklingen, sollen die Orgeln jubeln.

In diesem Jahr trifft der Thüringer Orgelsommer auf Thüringer Gastlichkeit. Vor oder nach einigen Konzerten gibt es Kaffee und Kuchen, einen Imbiss oder einen Weinempfang.
Heinke:
Auch das hat bereits Tradition. Ich habe in beglückender Weise oft erlebt, wie ein Orgelsommerkonzert zu einer Art Dorf- oder Gemeindefest wurde. Die Kirchen waren voll und nach dem Konzert wurde gewaltig aufgetragen. Die Dorfgemeinschaften freuen sich in Zeiten des Rückzugs der dörflichen Infrastrukturen über solche »Highlights«.

Wie wollen Sie all dies neben Ihren Aufgaben als Kreiskantor stemmen?
Heinke:
Der Orgelsommer ist in der Tat eine große Herausforderung. Um mehr Luft zu bekommen, habe ich meinen Zuständigkeitsbereich als Orgelsachverständiger auf 20 Prozent runtergefahren und meine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für die C-Ausbildung beendet. Auch meine Kirchenmusikerstelle ist auf 80 Prozent reduziert worden, was meiner Orgelsommertätigkeit zur Zeit sogar nützlich ist. Zusätzlich gibt es viele ehrenamtliche Helfer und eine Sekretärin steht mir zur Seite. Besonders hilfreich sind weiterhin der Schatzmeister Ulrich Bamberger, sowie mein Stellvertreter Andreas Conrad, Bezirkskantor in Schmalkalden, und seine Frau Anja Conrad, die große Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit einbringt.

Die Fragen stellte Michael von Hintzenstern.

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Auf-Takt für neue Orgel

21. April 2018 von redaktionguh  
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Im Gedenken an Johann Walter, den »Kantor der Reformation« und »Vater der evangelischen Kirchenmusik«, soll die Margarethen-Kirche seines Geburtsortes Kahla eine neue Orgel erhalten. Der Beginn des ersten Bauabschnitts wird am 22. April mit einem Konzert und Informa­tionen zum Projekt gefeiert.

Der offizielle Start des Großprojektes, das ein finanzielles Volumen von insgesamt 750 000 Euro haben wird, erfolgte bereits im Herbst 2013. Damals getragen von der Hoffnung, das Vorhaben bis zum 500. Reformationsjubiläum realisieren zu können. Da dies nicht möglich war, müssen nun mehrere Bauabschnitte absolviert werden.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnte die Kirchengemeinde Kahla (Kirchenkreis Eisenberg) den Auftrag zum Bau des ersten Teils der neuen Johann-Walter-Orgel an die Orgelbaufirma Späth (Freiburg i. Br.) vergeben. »Die kleine Orgel, die vorne im Kirchenschiff unserer Stadtkirche ihren Platz finden soll, wird in der Werkstatt in Freiburg gebaut, bevor sie nach Kahla transportiert und in der Kirche aufgestellt wird«, ist von Maren Hellwig vom Förderkreis zu erfahren. Bei der promovierten Biologin laufen die organisatorischen Fäden des Orgelneubaus zusammen. Die Einweihung der kleinen Orgel solle im Jahre 2020 erfolgen. Zuvor müsse noch die Elektrik der Kirche komplett erneuert werden.

Wie das zukünftige Instrument aussehen wird, zeigt der abgebildete Entwurf. Der Orgelprospekt lehnt sich in Klang und Aussehen an Vorbilder aus Johann Walters Zeit an und nimmt zugleich die gotische Formensprache der Kirche auf. Farblich passt er sich an die jetzige Farbgebung des Kircheninneren an. Das »Johann-Walter-Positiv« wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Die Margarethenkirche mit ihren 440 Plätzen hat in der Region eine zentrale Rolle. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, über eine gute Orgel zu verfügen, die zu Gottesdiensten und Konzerten sowohl zum Lob Gottes als auch zur Freude der Besucher erklingt, betont Maren Hellwig weiter. Das bisherige Instrument sei mangelhaft und stark abgenutzt gewesen, was die Spielmöglichkeiten extrem eingeschränkt habe. Künstlerischen Ansprüchen wurde die Orgel nicht mehr gerecht. Reparaturen erschienen nicht mehr sinnvoll.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Den Initiatoren des Orgelprojekts sei schnell deutlich geworden, dass es zwar diverse Fördermöglichkeiten und Stiftungen für Restaurierungsarbeiten gebe, aber keine Unterstützung für Orgelneubauten. Zugleich habe man vor der Herausforderung gestanden, im Geburtsort Johann Walters ein hochwertiges Instrument in Auftrag zu geben, das umfassende Möglichkeiten zur Ausübung der Kirchenmusik bietet.

Johann Walter habe durch die Vertonung von Martin Luthers deutschen Liedtexten und die damit verbundene Förderung des Gemeindegesangs der Reformation musikalische Flügel verliehen, verweist Maren Hellwig auf historische Wurzeln. »Mit Luther setzte er sich ein für die Zusammengehörigkeit von Theologie und Musik und damit für den Erhalt der Kirchenmusik durch die Wirren der Reformationszeit. Durch seine Tätigkeit als Komponist, Dichter und Musiktheoretiker hat Walter die weitere Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik entscheidend beeinflusst. Er legte Grundlagen, auf denen Komponisten wie Bach, Händel oder Mendelssohn aufbauten. Mit Recht kann gesagt werden: Ohne Johann Walter keine evangelische Kirchenmusik!«

Dieses Erbe zu bewahren und seine Bedeutung zu würdigen, sei für Kahla eine aus der Geschichte gewachsene, besondere Verpflichtung. Der musikalischen Innovationskraft, die uns in Walter begegnet, soll in seiner Heimatstadt mit der »Johann-Walter-Orgel« ein Denkmal gesetzt werden, sind die Initiatoren überzeugt.

Die ca. 200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt sind mittlerweile zusammengekommen. Wenn dieser absolviert ist, soll auf der Westempore eine moderne, zweiflügelige Orgel mit 31 Registern errichtet werden, die das mittlere Fenster freilässt. Erst mit dieser Hauptorgel wird das geplante Instrument vollständig sein. Deshalb müssen noch viele Spendengelder gesammelt werden. Maren Hellwig wirbt deshalb für die Übernahme von Pfeifenpatenschaften. Wie man eine solche antreten kann, verrät die übersichtlich gestaltete Homepage! Hier findet sich auch das Spendenkonto.

Doch jetzt wird erst einmal der Baubeginn gefeiert, wobei Orgelbaumeister Tilmann Späth das Projekt präsentieren und Mitglieder des Förderkreises über die Rahmenbedingungen informieren werden. Die Schirmherrschaft des Großprojektes hat der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich übernommen, der einen Auszug aus seinem aktuellen Programm beisteuert. Der Jugendchor an St. Marien Greiz und die Junge Hofkapelle Greiz unter Leitung von Ralf Stiller bereichern die Veranstaltung mit weiteren Musikwerken.

Michael von Hintzenstern

22. April, 17 Uhr, Stadtkirche St. Margarethen Kahla

www.jwok.de

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Vom Preis der ewigen Jugend

14. April 2018 von redaktionguh  
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In der Dessauer Theater­predigt zum Ballett »Das Bildnis des Dorian Gray« geht es um die Verantwortung des Menschen für sein Leben.

Als der Roman 1890 in Fortsetzungen gedruckt wurde, löste er bei den Lesern im viktorianischen England Stürme der Entrüstung aus. Heute gehört »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde zu den Klassikern der englischen Literatur. Der Roman handelt von einem Mann, der seine Seele verkauft, um seine Jugend zu retten und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch das hat seinen Preis – und am Ende muss Gray dafür bezahlen. Das Anhaltische Theater Dessau hat den Roman nun auf die Bühne gebracht. Am 23. März hatte das von Tomasz Kajdanski zur Musik des russischen Spätromantikers Alexander Skrjabin inszenierte Ballett Premiere. Es ist eines der wenigen Theaterprojekte zu Oscar Wilde in den vergangenen Jahren.

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Für Kajdanski, Ballettdirektor und Chefchoreograf, ist Wildes Buch »ein Spiegel des Lebens«, das alles enthalte, was das Leben ausmacht. Am wichtigsten ist ihm, dass Wilde das Leben als etwas zeigt, »für das wir selbst verantwortlich sind«. »Deshalb geht es uns wie Dorian Gray: Wir haben nur ein Leben, das wir nutzen müssen«, so der Künstler. Für Tomasz Kajdanski stellt Dorian Gray eine Art englischen Faust dar, »der immer jung bleibt, aber einen Pakt abgeschlossen hat, dessen Bedingungen er verdrängt«.

Die Frage zur Verantwortung und zur Verfügbarkeit des Menschen über sein Äußeres und sein Leben, die im Roman gestellt wird, bietet auch theologische Ansatzpunkte. Da lag es nahe, »Das Bildnis des Dorian Gray« am 15. April in den Mittelpunkt einer Theaterpredigt zu stellen.

Letztere ist in Dessau-Roßlau inzwischen Tradition. Vor zehn Jahren wurde dazu erstmalig in die Johanniskirche eingeladen. Die damalige Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, predigte am 27. April 2008 zu einer Inszenierung von Richard Wagners »Parsifal« am Anhal
tischen Theater, im September Friedrich Schorlemmer zu Goethes »Faust«. Die Theaterpredigten sind ein Gemeinschaftsprojekt, verantwortet vom Anhaltischen Theater Dessau, der Landeskirche Anhalts und der Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Sie sollen, in der aufgeklärten Tradition Anhalts stehend, dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion dienen. Zu den Persönlichkeiten, die schon eine Theaterpredigt hielten, gehören der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig oder die hallesche Pianistin Ragna Schirmer.

Für die 21. Theaterpredigt am 15. April haben die Initiatoren den Köthener Pfarrer Wolfram Hädicke als Prediger gewonnen, der zusammen mit seiner Frau immer wieder gern Vorstellungen im Anhaltischen Theater besucht. Er findet es sehr interessant, was die Dessauer Theaterleute aus dem Stoff gemacht haben. »Ich war gespannt, wie Sprache in Bewegung übersetzt wurde, und finde es sehr gelungen«, sagt er nach dem Besuch des Ballettabends und vor seiner Predigt. »Oscar Wilde lässt Dorian Gray in seinem Roman sagen: ›Jeder trägt Himmel und Hölle in sich‹», so Hädicke. Die theologische Relevanz sei an vielen Stellen zu spüren.

In seiner Theaterpredigt wird Wolfram Hädicke den Fragen nachgehen, die jeden Menschen bewegen: Wer bin ich? Womit kämpft meine Seele? Neige ich dem Guten oder dem Bösen zu? Welche Abgründe lauern? Was vergiftet meine Seele? Fragen, die von bleibender Aktualität sind, ist sich der Pfarrer sicher.

Angela Stoye

Theaterpredigt: 15. April, 14.30 Uhr, Dessauer Johanniskirche. Die nächsten Theatervorstellungen: 22. April, 17 Uhr; 26. Mai, 19.30 Uhr; 17. Juni, 17 Uhr

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