»Wer singt, betet doppelt«

15. Januar 2018 von redaktionguh  
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Ursprung aller Musik ist die Anbetung Gottes in Tönen

Dieser Satz wird dem alten Kirchenvater Augustinus zugeschrieben, aber auch Martin Luther soll ihn geäußert haben. Es ist zu vermuten, dass dieser ihn bereits als Augustinermönch verinnerlicht hat. Der Reformator wusste genau, was er tat, als er seine wichtigsten Botschaften in Lieder verpackte. »Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich«, beschreibt er ihre Bedeutung für Glaube und Gemüt.

Luther war ein geübter Sänger und Lautenspieler. In seinem Werk als Lieddichter und Tonschöpfer hat er die reformatorischen Glaubenssätze in einer mitreißenden Musiksprache verbreitet. Dafür sprechen »Ohrwürmer« wie der zündende Choral »Ein feste Burg ist unser Gott«. Seine Lieder sowie die seiner Wegbegleiter entfalteten große Wirkung bei der Ausbreitung der Reformation.

Traditionsreich: Seit 1925 singt der Bachchor Eisenach in der Taufkirche des großen Komponisten und Thomaskantors. Foto: Roland Kiehne

Traditionsreich: Seit 1925 singt der Bachchor Eisenach in der Taufkirche des großen Komponisten und Thomaskantors. Foto: Roland Kiehne

Die Bibel ist voll von Gesang und Musik. Ganze Bücher sind in Form von Liedern geschrieben – so etwa die Psalmen oder das Hohelied Salomos. Aus dem synagogalen Gottesdienst des Judentums stammt die Tradition, biblische Gebetstexte nicht einfach sprechend zu deklamieren, sondern singend vorzutragen. In der christlichen Praxis entstanden aus Gebetstexten immer kunstvollere Melodien. Stand am Anfang zunächst der Sprechgesang auf einem einzelnen Ton, ergaben sich in der Folgezeit aus der Betonung bestimmter Silben Melodiefloskeln, die zu ausgefeilten Melodiefolgen weiterentwickelt wurden. Ein schönes Beispiel dafür ist die im neunten Jahrhundert entstandene gregorianische Antiphon »Da pacem, Domine«, die Luther 1529 nachdichtete. Unter der Nr. 421 ist die deutsche Nachdichtung des Reformators bis heute im Evangelischen Gesangbuch (EG) zu finden: »Verleih uns Frieden gnädiglich«.

So entstanden Hunderte von Gebetsmelodien. Über einen langen Zeitraum wurden diese mündlich überliefert. Die Kantoren kannten sie auswendig und brachten sie jeweils ihren Gemeinden und Nachfolgern bei. Um ihren Fortbestand zu sichern, begann man, sie aufzuzeichnen. So entstanden die sogenannten »Neumen«. Das griechische Wort »Neuma« (deutsch: »Wink«) umschreibt, dass der melodische Verlauf mit Symbolen bzw. Handzeichen angezeigt wurde.

Mit der Entwicklung des Notenliniensystems wurde es möglich, genaue Tonhöhen zu notieren. Aus dem freien Fluss des am Sprechrhythmus orientierten gregorianischen Chorals entwickelten sich nun feste Rhythmen. So war es möglich, den Gesang einzelner Stimmgruppen oder Instrumente zu koordinieren! Damit war die Basis für mehrstimmige Musikwerke geschaffen, von denen bis heute unzählige geschaffen wurden. Dabei sollte nicht verdrängt werden: Der Ursprung aller Musik ist das gesungene Gebet.

Michael von Hintzenstern

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Logistische Herausforderung

9. Januar 2018 von redaktionguh  
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Forschungsbibliothek: Einzug im sanierten Wittenberger Schloss

Matthias Meinhardt hätte auch eine andere Stelle antreten können, aber die Chance, eine Forschungsbibliothek von Rang zu entwickeln und einzurichten, bietet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur einmal im Leben. Für Meinhardt jedenfalls ist es eine Premiere: Der Wissenschaftler, der 1969 in Braunschweig geboren wurde, in Kiel studierte und zuletzt 2015 Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main war, ist Leiter der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek in Wittenberg. Ihr Domizil hat die Einrichtung im sanierten Schloss und was vor kurzem noch sehr abstrakt war, nimmt immer mehr Gestalt an. Zwar ist mit dem Einzug der Bücher erst ab Anfang Januar 2018 zu rechnen, aber die Infrastruktur gibt es und sie vervollständigt sich zunehmend.

Abendstimmung am Wittenberger Schloss: In zwei Etagen zieht im Januar die Reformationsgeschichtliche Bibliothek mit 220 000 Büchern ein. Foto: Thomas Klitzsch

Abendstimmung am Wittenberger Schloss: In zwei Etagen zieht im Januar die Reformationsgeschichtliche Bibliothek mit 220 000 Büchern ein. Foto: Thomas Klitzsch

Insgesamt werden über zwei Etagen auf einer Gesamtfläche von 1 800 Quadratmetern 220 000 Bücher aus den Bibliotheken des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg und dem Lutherhaus Wittenberg der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammengeführt. Neben einem Magazin wird es einen öffentlichen Bereich geben mit Lesesaal und Freihandbibliothek, außerdem einen Digitalisierungsbereich. Was die Bücher betrifft, so liefen kürzlich noch die Ausschreibungen für den Umzug. Dass dieser mit großem logistischen Aufwand verbunden sein wird, liegt auf der Hand. Bücher aus dem 15. Jahrhundert, das älteste Stück stamme gar aus dem 12. Jahrhundert, oder zig Werkausgaben von viel schreibenden Reformatoren wie etwa Philipp Melanchthon, die transportiert man nicht im Pappkarton.

Zu den größten Herausforderungen gehört Meinhardt zufolge die Klimasituation in den Räumen, die so stabilisiert werden muss, dass die Kulturgüter überhaupt erst eingebracht werden können. Lange sind darum Bautrockner gelaufen, um die Räume zu entfeuchten. Auch Mitte November wurden noch Klimadaten erhoben und ausgewertet. Die Eröffnung der Forschungsbibliothek ist für Februar 2018 geplant. Dann soll auch die Homepage an den Start gehen, später werden zudem Fernleihen möglich sein. Begleitet wird Meinhardts Arbeit von einem wissenschaftlichen Beirat, in dem sich bibliothekarischer und kirchenhistorischer Sachverstand vereinen.

Was die künftigen Nutzer betrifft, so hat Meinhardt, der zurzeit mit einem Team von sieben Personen arbeitet, natürlich die nationale und internationale Forscherwelt im Blick. Aber auch für interessierte Bürger der Stadt soll die Bibliothek in Teilen nutzbar sein. Anbieten wird man zu festen Terminen kulturhistorische Rundgänge. Und man werde Veranstaltungsformate entwickeln, die sich an eine breite Öffentlichkeit richten. Und die, sagt Meinhardt, wolle nicht zuletzt »ihr Schloss« sehen.

Corinna Nitz

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Kulturerbe mit O

1. Januar 2018 von redaktionguh  
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»O du fröhliche«: Das Weihnachtslied soll in die Unesco-Liste aufgenommen werden

Das berühmte Weihnachtslied »O du fröhliche« von Johannes Daniel Falk (1768–1826) soll in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen werden. Das zumindest wünscht sich der Johannes-Daniel-Falk-Verein aus Weimar und hat eine Bewerbung bei der Thüringer Staatskanzlei eingereicht.

An dem mehrstufigen Auswahlverfahren sind die Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche Unesco-Kommission beteiligt.

Der Falk-Verein um Paul Andreas Freyer hat eine Hürde genommen: Die Bewerbung des Vereins wurde von der Thüringer Jury fachlich begutachtet und akzeptiert. Bis April kann Thüringen dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz bis zu vier Vorschläge benennen. Welche das sind, darüber soll im Januar entschieden werden.

Auf Basis der Vorschläge aller 16 Bundesländer erstellt das Sekretariat der Kultusministerkonferenz eine Liste, die einem Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission vorgelegt wird. Unabhängige Experten prüfen und bewerten die Dossiers; das soll im Sommer geschehen. Die Kultusministerkonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigen abschließend die Experten-Empfehlungen. So entsteht ein bundesweites Verzeichnis, aus dem kulturelle Ausdrucksformen bei der Unesco eingereicht werden können. Diese entscheidet dann über die Aufnahme. Wie die Entscheidung auch ausfällt: Gäbe es die Charts der deutschen Weihnachtslieder, würde »O du fröhliche« auf Platz eins stehen. Es wird in evangelischen und katholischen Kirchen gesungen, oft ist es das Abschlusslied im Heiligabend-Gottesdienst.

Ein Lied für arme Waisenkinder

Johannes Daniel Falk, geboren am 28. Oktober 1768 in Danzig, wurde in ärmlichen Verhältnissen groß. Der Stadtrat stiftete ihm ein Stipendium für ein Studium in Halle. Er soll mit den Worten verabschiedet worden sein: »Wenn dereinst ein armes Kind an deine Tür klopft, dann wisse, dass wir es sind, die alten, grauen Bürgermeister von Danzig. Weise sie nicht von deiner Tür!«

Doch zunächst widmete sich Falk der weltlichen Fröhlichkeit. Er brach das Theologie-Studium ab, dichtete Satiren und zog als Privatgelehrter nach Weimar. Dort wurde sein diplomatisches Geschick gelobt. 1813 aber wurde ein bitteres Jahr: Innerhalb weniger Wochen verlor er vier seiner sieben Kinder durch Typhus. Kurze Zeit später soll ein zerlumpter Waisenjunge vor seiner Tür gestanden haben. In diesem Moment habe er sich an die Worte des Danziger Stadtrates erinnert und nahm das Kind auf. Die gute Tat sprach sich herum, und so kamen immer mehr Kriegswaisen. Für sie dichtete er »O du fröhliche« – allerdings nur die erste Strophe. Sein Gehilfe Heinrich Holzschuher schrieb später die beiden anderen heute bekannten Strophen.

1816 soll Falk das »O du fröhliche« geschrieben haben, heißt es im Evangelischen Gesangbuch. Doch 2015 gab Paul Andreas Freyer vom Falk-Verein bekannt, dass das Lied offenbar älter ist. Der Kirchenhistoriker Herbert von Hintzenstern hatte recherchiert, dass Falk es vermutlich im Advent 1815 geschrieben hat, damit es 1816 im Lehrkalender für seine Zöglinge seiner Sonntagsschule erscheinen konnte. In Falks Jahresbericht für 1816 war »O du fröhliche« in der Liste der Lieder erwähnt, die die Kinder auswendig singen mussten. Aber die Ur-Handschrift des Textes fehlt bis heute, sagt Freyer. Der Nachlass von Falk sei in großen Teilen nicht gesichtet.

(epd/G+H)

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Hinter Gittern miteinander verbunden

27. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Rundfunkgottesdienst zu Heiligabend mit Landesbischöfin aus der Justizvollzugsanstalt Burg

Der Mann hinter der Glasscheibe bittet uns knapp, Ausweis und Handy abzugeben. Dann geht die Stahltür auf. Wir treten ein. Taschenkontrolle. Summer, Tür auf zum nächsten Flur. Tür fällt hinter uns zu. Warten. Nächste Tür geht auf. Wir gehen durch, wieder fällt sie schwer ins Schloss. Wieder warten. Landesposaunenwart Frank Plewka und ich reden etwas leiser. Warum eigentlich? Weil die Atmosphäre so drückt. Dann geht die nächste Tür auf und Gefängnisseelsorgerin Jana Büttner empfängt uns. Sie hat Schlüssel. Sie schließt uns durch bis zu einem schlichten Mehrzweckraum, der als Kapelle dient. Ein Altar, ein paar Bilder, eine Gebetswand, Stühle und Instrumente für die Band. Die Fenster: vergittert. Blick auf den Hochsicherheitstrakt.

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Knast ist ein in Zement gegossener Ausnahmezustand. Karg. Man ist bewacht auf Schritt und Tritt. Fremdbestimmt. Stacheldraht bohrt sich in die Seele. Selbst über den Sportplatz ist ein Netz gespannt, dass niemand etwa mit dem Helikopter befreit werden kann.
Und Licht scheint in der Finsternis? Ja, das glaube ich. Mit zwei Gefangenen feile ich an ihren Texten. Zum Beispiel über die Hoffnung, wieder mit der Familie vereint zu sein.

Die Musiker proben nebenan. Alles muss passen für den peniblen Regieplan. Es wird aufregend, wenn der Übertragungswagen kommt. Landesbischöfin Ilse Junkermann wird predigen über das Licht, das stärker sein wird als die Finsternisse unseres Lebens. Und die Gefangenen werden verbunden sein. Einige mit ihren Familien. Über das Radio. So kann es Weihnachten werden.

Den Gottesdienst gestalten Insassen und das ökumenische Seelsorgeteam der JVA. Sie werden unterstützt vom EKM-Bläser-Ensemble unter der Leitung von Frank Plewka.

Ulrike Greim, EKM-Rundfunkbeauftragte

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Vorerst kein Begleitheft zum Gesangbuch

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Weltliche Lieder im Gottesdienst: Was Kirchenmusiker dazu sagen

In Hessen ist es kürzlich erschienen: Das EGplus, ein Begleitheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG) mit weltlichen Liedern. Als »sehr erfreulich« und »gut gelungen« beurteilt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Buch.

Dennoch wird es in der EKM in absehbarer Zeit wohl kein ähnliches Heft geben. Ehrenwerths Vorstoß ist auf einer Tagung der Kreiskantoren gescheitert. Das EG ist nach Meinung der Musiker aus den Kirchengemeinden noch nicht ausgeschöpft. Kein Einziger hielt eine gedruckte Ergänzung für nötig, so Ehrenwerth weiter. Dabei hatte der Landeskirchenmusikdirektor gemeinsam mit Landesposaunenwart Frank Plewka und Landessingwart Mathias Gauer bereits begonnen, einen Kanon bewährter weltlicher Lieder zu sammeln und zu sichten. »Mit so vielen Gegenargumenten hatten wir nicht gerechnet«, sagt Ehrenwerth überrascht. Gegen das Votum der Kreiskantoren ein Begleitheft zu veröffentlichen, sei kein Weg, denn »sie sind es, die ein neues Buch vermitteln müssen«. Dennoch treibt das Anliegen den Landeskirchenmusikdirektor weiterhin um. »Unsere Listen wollen wir fertig stellen«, kündigt Ehrenwerth an. Er möchte das Thema auch bei der Klausurtagung der Kammer für Kirchenmusik im Januar zur Sprache bringen.

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Seiner Beobachtung zufolge zehren viele Gemeinden vom großen Angebot bereits vorhandener Liederbücher: »Durch Hohes und Tiefes«, »colours of grace« oder das zum Kirchentag erschienene »freiTöne«. Möglicherweise, so Ehrenwerth, setzen sich auch Lieder-Apps, wie sie die EKD jetzt angekündigt hat, durch.

Auch weltliche Lieder brauchen geistlichen Bezug

Selbst wenn derzeit kein Interesse an einem gedruckten Beiheft besteht, werden weltliche Lieder natürlich im Gottesdienst gesungen. Auf Nachfrage von G + H äußerten sich Kantoren teils aufgeschlossen, teils skeptisch. »Wenn englischsprachige Popsongs in ein Beiheft aufgenommen werden sollen, müsste man sehr genau hinschauen: Erzählen sie etwas über die Beziehung Gott-Mensch?«, sagt Thomas Ennenbach aus Eisleben. Überarbeitungen weltlicher Vorlagen seien kein Problem, dies habe eine lange Tradition. Aber immer sollte das Liedgut Gott verkündigen, loben, klagen. Allgemein bekannte Popsongs aus Radio, Kaufhaus und Reisebussen sieht Ennenbach als verzweifelten Versuch, sich dem Zeitgeist einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, anstatt sich auf den Kern christlicher Aussagen zu konzentrieren.

Den Gottesdienst bezeichnet Roland J. Dyck aus Salzwedel als ein Stück Himmel auf Erden. »Es ist ein bisschen wie beim Zauberportal im Märchen: Ich gehe hindurch und bin in einer anderen Welt. Wenn ich jenseits der ›schönen Pforte‹ (EG 166) aber nichts anderes vorfinde, als die mir vertraute Alltagswelt – warum soll ich mich dahin auf den Weg machen?« Vom Alltag abgehoben darf der Gottesdienst jedoch nicht sein. Beide Welten müssen in Berührung bleiben. Und was heißt das für die Musik? »Weltliche Musik in der Kirche: Ja, natürlich«, sagt Dyck. Was in Gegenwart des Gekreuzigten bestehen kann, solle auch seinen Platz in der Kirche finden. Weltliche Musik sei bei Kasualien gang und gäbe oder im Zusammenhang mit der Predigt. Mit Schmunzeln denkt der Marienkantor an eine Pfarrerin, die von der Kanzel sang: »Muss nur mal schnell die Welt retten …« und in Verbindung mit einem Bibeltext dazu predigte. »Aber weltliche Musik im Gesangbuch – als Bestandteil des regulären gottesdienstlichen Kanons? Ich sehe nicht, welchen Sinn das haben sollte – abgesehen von billigem Publikumsfang.«

Der scheidende Kantor aus Zeitz, Clemens Bosselmann, singt weltliche Lieder, die einen gewissen geistlichen Bezug haben, vor allem in Gottesdiensten mit Jugendlichen. »Ich habe wenige Berührungsängste und halte, gerade in einem Beiheft, die Einführung von solchen Songs für unproblematisch.«

Mirjam Petermann, Katja Schmidtke

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Terminreiches Jubiläumsjahr

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Auswahlchor des Posaunenwerks feierte 500 Jahre Reformation und einen runden Geburtstag

Für den Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM endet ein terminreiches Jubiläumsjahr. Nicht nur die Reformation feierte Geburtstag – auch der Auswahlchor, der seit zehn Jahren besteht. 2007 von Landesposaunenwart Frank Plewka gegründet, gestaltet der Chor Gottesdienste und Konzerte, spielt vor Synoden und Fernsehkameras. Von Beginn an dabei ist Manuela Werner aus Halle.

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Es begann mit einem Brief der Kirchengemeinde, erinnert sich Manuela Werner. Der Posaunenchor suchte Nachwuchs. Die damals Elfjährige ging zur Schnupperstunde und kam mit einem Flügelhorn zurück. Das tauschte sie erst gegen eine Trompete, diese später gegen eine Posaune ein. »Als Studentin war ich dann nur noch sporadisch in meinem Posaunenchor zu Hause, habe mir aber am Studienort einen neuen gesucht«, erzählt die gebürtige Nordhessin, die in der »Arche Nebra«, dem Museum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra, arbeitet. Mit Anfang 20 hängte sie die Posaune an den Nagel und begann Waldhorn zu lernen. »Eigentlich habe ich mir überall, wo es mich hin verschlug, einen Posaunenchor gesucht«, sagt die heute 42-Jährige.

In den Auswahlchor sei sie eher zufällig geraten. Frank Plewka hatte sie angesprochen, weil noch ein Horn fehlte und er ihr die Aufgabe zutraute. Die Aufnahme in den Auswahlchor erfolgt in der Regel nach einem Probespiel vor einer Jury. Erwartet werden neben der Mitgliedschaft in einem Posaunenchor des Posaunenwerks sowie der Bereitschaft zum Erarbeiten anspruchsvoller Literatur und intensiver Probenarbeit auch die Fähigkeit, mittelschwere Stücke vom Blatt zu spielen sowie Tonarten mit bis zu fünf Vorzeichen zu beherrschen, rhythmische Sicherheit und Kenntnisse verschiedener Stilrichtungen. »Wir sind aber kein ›Elite-Ensemble‹, sondern fest in unseren Gemeindeposaunenchören verankert«, so Manuela Werner.

Posaunenchöre – oft liebevoll »mobile Allwetter-Orgeln« genannt – sind aus der Gemeindearbeit nicht wegzudenken. Manch katholischer Pfarrer beneidet seinen evangelischen Amtsbruder darum, und vielerorts sind es evangelische Bläserchöre, die zu katholischen Anlässen lautstarke Ökumene pflegen. »Posaunenchöre haben den Auftrag, Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen musikalisch auszugestalten«, weiß Manuela Werner. »Aber sie sind auch eine besondere Gruppe innerhalb der Gemeinde. Hier machen die verschiedensten Leute zusammen Musik – Alt und Jung, Männer und Frauen, unterschiedliche soziale Gruppen. Für nicht wenige Mitglieder ist der Kontakt zur Gemeinde und zur Kirche wesentlich durch den Posaunenchor geprägt.«

Als Aushängeschild der Posaunenchorarbeit in der EKM will der Auswahlchor anderen Posaunenchören Mut machen, auch Neues auszuprobieren. In Konzerten sind deshalb neben vierstimmigen Arrangements für Blechbläser-Ensembles immer auch Stücke aus der üblichen Posaunenchorliteratur zu hören – von der modernen Choralbearbeitung bis zum klassischen Bach-Choral. Insgesamt reicht das Repertoire von Frühbarock bis Rockmusik.

In ihr Ehrenamt investieren die Mitglieder des Auswahlchores viel Zeit und nehmen für Proben und Auftritte oft weite Wege in Kauf. Aber der Chor ist in den zehn Jahren zu einer guten Gemeinschaft gewachsen. Posaunenchorarbeit ist eben nicht nur Dienst, sondern macht auch Spaß – ob »unten« an der Basis oder weiter »oben« im Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM.

Katharina Hille

Tipp: Rundfundgottesdienst mit Beteiligung des Auswahlschors am 24. Dezember, 10 Uhr, aus der Justizvollzugsanstalt Burg, Übertragung von MDR Kultur

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Weihnachten in 60 Sekunden

5. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Studenten der Bauhaus-Uni erstellen Kurzfilme über die Botschaft des Christfests

Im vergangenen Jahr hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in den Weihnachtsgottesdiensten per Postkarte zu einem elektronischen Nach-Adventskalender eingeladen. 2017 gibt es erneut die Aktion »Weihnachten geht weiter« – diesmal verbunden mit einem Wettbewerb um den besten Kurzfilm. Die Filme entstehen derzeit im Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.

Familien kommen zusammen und treffen Freunde – für Paula, Forat und Leon bedeutet Weihnachten vor allem, zur Ruhe zu kommen, sich Zeit füreinander zu nehmen, zu feiern. Die drei belegen mit 16 weiteren Studenten das Werkmodul »Christmas Shorts« bei Professor Wolfgang Kissel und Franka Sachse. Mit dem Medientheologen Karsten Kopjar haben sie seit Semesterbeginn darüber nachgedacht, welchen Kern die Weihnachtsbotschaft hat und wie sie das alltägliche Leben prägt, welche Bilder sie mit dem christlichen Fest verbinden.

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Nun arbeiten die Studenten mit Hochdruck an Drehbüchern und Storyboards. Filme von maximal 60 Sekunden Länge und aus unterschiedlichen Genres sollen entstehen und zeigen, wie Weihnachten heute weltweit wahrgenommen wird.

Das Werkmodul ist international besetzt. Forat aus Ägypten ist Muslima. Weihnachten ist in ihrer Heimat für die Familien vor allem ein Anlass für festliches Essen und gemeinsames Feiern. Sie vergleicht das Fest mit dem Fastenbrechen nach dem Ramadan und will für ihren Beitrag die Tradition des Weihnachtsstrumpfes mit den für Ägypten typischen Pantoffeln verbinden. Andere studentische Filme werden die Kommerzialisierung des Festes thematisieren.

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kosten- los und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kostenlos und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Die Ultrakurzfilme werden zunächst einer Jury gezeigt: Pfarrer und Katecheten, Jung und Alt, kirchenfern und -nah. Dem Jurypreis der EKM, der am 21. Dezember vergeben wird, folgt die Bewertung durch das Publikum. Von Heiligabend bis zum 10. Januar können die Zuschauer im Internet die Clips bewerten. Alle Informationen sowie Impulse zum Motto der Aktion sind auf den Postkarten enthalten, die in den Kirchgemeinden Heiligabend verteilt werden.

»Zu den Gottesdiensten an Heiligabend kommen viele Menschen, die sonst eher wenig Kontakt zu Kirche und Glaubensfragen haben«, sagt Karsten Kopjar, Social-Media-Koordinator der EKM. »Bereits im vorigen Jahr ist es uns über die Postkartenaktion gelungen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.« Durch die Kooperation mit der Bauhaus-Universität werde dieser Horizont erweitert, denn die meisten Studenten des Seminars haben keinen Bezug zur Kirche. So werden die Filmbeiträge für manchen Zuschauer überraschend ausfallen.

Katharina Hille

www.weihnachten-geht-weiter.de

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Gemeinsam neue Wege gehen

27. November 2017 von redaktionguh  
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Jüdisch-Israelische Kulturtage werden 2018 gemeinsam mit »Achava« ausgerichtet

Mit einem Paukenschlag endeten die 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen: Das Festival wird im kommenden Jahr neu ausgerichtet und bekommt einen Mitveranstalter. Der Förderverein für jüdisch-israelische Kultur unter Vorsitz von Pfarrer i. R. Ricklef Münnich wird 2018 erstmals mit den Achava-Festspielen unter Leitung von Martin Kranz zusammenarbeiten.

Hintergrund ist das Zerwürfnis zwischen dem Förderverein und der von ihm angestellten Projektmanagerin Caroline Fischer. »Sie hat sehr gute Arbeit geleistet. Wir hätten das gerne fortgesetzt«, betont Vereinsvorstand Ricklef Münnich und ergänzt: »Aber nach unseren Vorgaben.« Zwischen Verein und Projektmanagerin hatte es Auseinandersetzungen um Ausrichtung und Gestalt des Festivals gegeben.

Caroline Fischer wollte das Festival größer machen, mit mehr Veranstaltungen als den jetzigen 162 in 17 Thüringer Städten. Sie hält das Konzept eines Trägervereins für überholt, lieber wollte sie das »Netzwerk für jüdisches Leben« stärker einbeziehen.

Selbstkritisch merkt der Verein an, dass das Programm bislang auch einem Veranstaltungskalender glich, in den Lesungen oder Theaterproduktionen aufgenommen werden, ohne dass diese tatsächlich für die Kulturtage konzipiert worden sind. Der Verein ist unsicher, ob er mehr eigene Veranstaltungen überhaupt schultern kann und will. Und er hält an der bisherigen Struktur fest.

Mehrere Angebote, auch 2018 als Projektmanagerin zu arbeiten, hat Caroline Fischer abgelehnt, schildert Ricklef Münnich. »Am 8. November sagte sie endgültig ab«, bedauert der Vereinsvorsitzende. Und er erfährt, dass die Angestellte bereits Fördergelder für die Kulturtage 2018 beantragt hat, im Namen des Netzwerks für jüdisches Leben. »Frau Fischer hat unser Vertrauen missbraucht«, sagt Ricklef Münnich. Caroline Fischer entgegnet: Der Antrag sei keine Geheimaktion, sie habe seit Februar um Gespräche zur konzeptionellen Neuausrichtung gebeten.

Seit einiger Zeit stand seitens des Vereins eine Zusammenarbeit mit den Achava-Festspielen zur Debatte. Vereinsvorstand Münnich wollte im neuen Jahr dazu erste Schritte gehen. Nachdem nun das Tischtuch mit Fischer zerschnitten ist, kommt alles schneller: Achava-Mitbegründer und Intendant Martin Kranz schloss mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur vor wenigen Tagen einen Kooperationsvertrag. »Achava übernimmt Verantwortung, auch finanziell«, sagt Kranz.

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Beide Festivals bleiben bestehen und schärfen ihre Profile. Achava (hebräisch für Brüderlichkeit) ist interkulturell und interreligiös geprägt, es ist eine Einladung, gemeinsam über Fragen der Gegenwart nachzudenken. Den roten Faden der Jüdisch-Israelischen Kulturtage 2018 geben indes drei Jahrestage vor: 70 Jahre Staatsgründung Israels, 75 Jahre Aufstand im Warschauer Ghetto und 80 Jahre Pogromnacht. Achava-Intendant Martin Kranz verspricht, dass die Kulturtage weiterhin mit ihrer Veranstaltungsbreite und Regionalität punkten. »Gleichzeitig wollen wir die Kernidee und die Qualität garantieren«, so Kranz. Statt viele Programmpunkte anderer Vereine, Initiativen und Häuser einfach zu übernehmen, setze man selbst Schwerpunkte. So sind eigenkonzipierte Veranstaltungsreihen geplant, die durch den Freistaat touren. Auch deshalb soll das Netzwerk für jüdisches Leben ausgebaut und vor allem strukturiert werden, sagt Vereinschef Münnich.

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen mit ihren rund 800 Mitgliedern begrüßt die Zusammenarbeit zwischen Jüdisch-Israelischen Kulturtagen und Achava. »Die Festivals sind ganz wesentlich, nicht nur um die Lücke zu schließen, die der Nationalsozialismus gerissen hat, sondern vor allem als Beitrag zu einer lebendigen jüdischen Kultur in Thüringen«, sagt Vorsitzender Reinhard Schramm.

Katja Schmidtke

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Wertvolle Leihgabe für Eisenacher Lutherhaus

20. November 2017 von redaktionguh  
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Foto: Jensen Zlotowicz

Foto: Jensen Zlotowicz

Das Lutherhaus in Eisenach freut sich über ein neues seltenes Exponat. Thomas Wurzel (li.) von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen übergab dem Museum eine anti-lutherische Streitschrift von Thomas Murner aus dem Jahr 1520 als Dauerleihgabe. »Von Doctor Martin Luthers lere[n] vnd predigen Das sie argwenig seint, vn[d] nit gentzlich glaubwirdig zuhalten« sei eine wertvolle Ergänzung der reformationsgeschichtlichen Sammlung des Lutherhauses, erklärte Museumsdirektor Jochen Birkenmeier (Mitte). Thomas Murner (1475–1537) gehört zu Luthers prominentesten katholischen Kritikern.

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Erlebnis für Auge und Hand

14. November 2017 von redaktionguh  
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Neue Paramente für Erfurts Augustinerklosterkirche entstanden an der Burg Giebichenstein

Die neuen Paramente auf dem Altar und der Kanzel der Augustinerklosterkirche in Erfurt strahlen mit den Farben der prächtigen Fenster um die Wette. Sie leuchten rot, in verschiedenen Schattierungen, die man aus der Ferne als Faltenwurf wahrnimmt. Tritt man näher und berührt den Stoff, dann kann man Vieles ertasten: erhabene feste Stoffe, weiche Wolle, straffe Webfäden. Ein Erlebnis für die Wahrnehmung mit Auge und Hand.

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Zum Reformationstag wurden die ersten neuen Paramente an die Augustinerkirche in Erfurt übergeben. Studentinnen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben sie gemeinsam mit Professor Ulrich Reimkasten gestaltet. »Nachdem 2014 die restaurierten mittelalterlichen Fenster in der Kirche eingebaut wurden, entstand die Idee eines neuen Schmuckes des Altares und damit der Wunsch nach neuen Paramenten«, erklärt Augustinerpfarrerin Irene Mildenberger.

Die Idee, gemeinsam mit der Burg Giebichenstein zu arbeiten, wurde geboren und vom Freundeskreis des Augustinerklosters unterstützt – ideell und finanziell.

Die beiden roten Paramente tragen den Titel »Anfang« und schmückten beim Gottesdienst am 31. Oktober zum ersten Mal die Kirche.

»Wir wollten mit den Paramenten Kraft ausdrücken. Die Kraft der eigenen Überzeugung«, erklärt Margarita Wenzel. Sie und ihre Mitstreiterinnen haben sich lange und intensiv mit der Geschichte des Ortes und der Bedeutung liturgischer Farben auseinandergesetzt. »Rot, das ist der Glaube, der Heilige Geist, das Bekenntnis. Wir wollten der Haltung und dem Stadtpunkt Martin Luthers und dem gesprochenen Wort damit Ausdruck verleihen«, ergänzt Kommilitonin Inka Schottdorf.

70 Prozent der Garne färbten die Studenten selbst

Dazu beschäftigten sich die Studenten mit Klanggrafiken und ließen sich von diesen inspirieren. Solche Klanggrafik wurde interpretiert und malerisch so lang weiter ausgeformt, bis sich schließlich eine ganz eigene Bildsprache fand. Vom malerischen Entwurf wurde das Bild in der Technik der Jacquardweberei umgesetzt.

Eine extreme Farbenkraft sollte die Textilien prägen. Dafür haben die Studentinnen im Laufe der Arbeit fast 70 Prozent der Garne, die sie benutzten, selbst gefärbt. Alpaca-Mohair-Wolle oder Viskose-Seide sind nur ein Teil all der verschiedenen Garne, die hier zum Einsatz kamen. Flauschig, fest, hoch und tief, zeichnen sie sich als zusammengewobenes Textil ab.

Professor Ulrich Reimkasten spricht von einer großen Ehre, ein solches Projekt umsetzen zu dürfen. »Zur Ehre kam aber auch Angst, etwas zu schaffen, was der Kraft und Qualität des Ortes und der Fenster in der Kirche nicht entspricht«, erläutert er. Er hat die Hoffnung, dass mit den neuen Paramenten der religiöse Charakter des Ortes bei den vielen Besuchern, die das Augustiner­kloster vorrangig aus touristischem Interesse besuchen, noch stärkeren Eindruck macht. »Über die ästhetische Begeisterung soll die Begeisterung für die religiöse Bedeutung des Ortes geweckt werden«, so Reimkasten. Er sieht die Paramente als Antwort auf die Bildgewaltigkeit und Farbigkeit der Fenster der Augustinerkirche.

Kunsthochschule entwirft weitere Altarbehänge

Pünktlich zum Reformationsjubiläum haben die neuen rotfarbenen Paramente den Anfang gemacht und schmücken nun den Altar der Klosterkirche. Im Laufe des Kirchenjahres werden drei weitere Paramente in den Farben Weiß, Grün und Violett dazu kommen. Die Entwürfe existieren bereits.

Diana Steinbauer

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