Der »Friedenstornado«

17. August 2018 von redaktionguh  
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Bergern: Die gemalte Botschaft des Künstlers Matt Lamb feiert Jubiläum

Die kleine Kirche »Zum Kripplein Christi« steht direkt neben dem ehemaligen Rittergut in der Gemeinde Bergern bei Bad Berka im Kirchenkreis Weimar. Das Bauwerk passt sich an die Umgebung an, und auch ihr Turm erhebt sich kaum über die Dächer des Dorfes in unmittelbarer Nähe von Bad Berka. Doch beim Eintreten wird der Besucher von einer expressiven Bildwelt überrascht, die ihn ganz einnimmt. In kräftigen Farben leuchtet der Zyklus des amerikanischen Friedensaktivisten und Künstlers Matt Lamb, der Szenen aus dem Leben Jesu darstellt.

Die Erzählung beginnt hinter dem Altar mit der Entscheidung Gottes, seinen Sohn Mensch werden zu lassen. Dazwischen immer wieder der Teufel, der in unterschiedlicher Gestalt auftritt und versucht, das heilbringende Werk des Gottessohnes zu verhindern. Ein wiederkehrendes Symbol ist die Krone, die für König, Schöpfer, Gottesmutter und den Heiligen Geist stehen kann. Matt Lamb bezeichnete sein Werk als »Friedenstornado«, der durch die Kirche wirbelt.

Expressive Farbwucht: Die Ausmalung der kleinen Kirche von Bergern bei Bad Berka ist eines der letzten Großprojekte des 2012 verstorbenen Künstlers Matt Lamb. Foto: Doris Weilandt

Expressive Farbwucht: Die Ausmalung der kleinen Kirche von Bergern bei Bad Berka ist eines der letzten Großprojekte des 2012 verstorbenen Künstlers Matt Lamb. Foto: Doris Weilandt

Rolf Kirchner gehört zum Freundeskreis »Matt-Lamb-Kirche Zum Kripplein Christi Bergern«. Jeden ersten Sonntag im Monat öffnen die Mitglieder die Kirche für Besucher und erzählen dabei von ihrer Erfahrung mit einem Projekt, das ihr Zusammenleben nachhaltig verändert hat. »Die Kirche ist wieder das, was sie eigentlich sein soll: der Mittelpunkt der Gemeinde. Das Kunstwerk hat alle zusammen gebracht«, erzählt Kirchner.

Die Ausmalung ist eines der letzten großen Arbeiten des 2012 verstorbenen Künstlers. Die Verbindung zu ihm kam durch die Freundschaft einer Bergerner Familie mit Gemeindemitgliedern aus dem saarländischen Tünsdorf zustande. Dort hatte der Künstler 2003 die Friedenskapelle »Regina-Pacis-Maria Friedenskönigin« ausgestaltet und das »Matt Lamb Center of Modern Art« mitbegründet.

Auf Einladung der Bergerner präsentierte Matt Lamb den Bilderzyklus zum Leben Jesu während der Dorfkirmes 2007. Das überzeugte die Gemeinde so sehr, dass sie in der Folgezeit alles daran setzte, das Projekt zu realisieren. Nach Abstimmung mit der Pastorin und der Denkmalpflege fand sich mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen auch ein engagierter Sponsor.

2008 konnte die Ausmalung in der Kirche, die zur Erhöhung der Beständigkeit der Farbe auf vorgeblendeten Tafeln vorgenommen wurde, beginnen. Kirchner erinnert sich genau: »Es begann an einem Montag und endete Freitag. Matt Lamb hat Familien aus dem Dorf dabei ermutigt, selbst tätig zu werden und Teile im Emporenbereich auszumalen«. Zögerlich näherten sich die Bergerner dem Malgrund. Doch mit jedem Strich fassten sie Mut und kreierten eigene Bildschöpfungen im Stil des Meisters.

Als der Zyklus fertig war, hat sich die Dorfgemeinschaft zusammen gefunden, um das Gotteshaus zu restaurieren. »Fast alle haben sich beteiligt«, erzählt Kirchner mit strahlendem Lächeln. Die Einweihung war gleichzeitig der Einführungsgottesdienst von Pfarrer Ulrich-Matthias Spengler. Bis heute wirkt die Aktion nach und sorgt für einen außergewöhnlichen Zusammenhalt.

Der Freundeskreis, der das Kunstwerk zugänglich halten will, hat sich 2010 gegründet. Neben den sonntäglichen Führungen werden Musikveranstaltungen organisiert und eine Wanderausstellung zum Kunstwerk anderen Kirchgemeinden angeboten. Zum 10-jährigen Bestehen des Bildzyklus lädt er für den 18. und 19. August zu einem Festwochenende mit Gottesdiensten und umfangreichem Programm ein, bei dem am Sonnabend der Tango Argentino mit der Jenaer Band »Celina« im Mittelpunkt steht.

Doris Weilandt

www.matt-lamb-kirche-bergern.com/Veranstaltungshinweise

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Beten, Bauhaus, Krankenpflege

12. August 2018 von redaktionguh  
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Fernsehtipp: Der MDR stellt am 14. August das Diakonissenmutterhaus in Elbingerode vor


Ihre bewegte Geschichte reicht bis ins Jahr 1899 zurück: Ganz im Trend der damaligen Zeit gründete Pfarrer Blazejewski ein »Gemeinschafts-Schwesternhaus« im ostpreußischen Borken bei Bartenstein. Schon ein Jahr später zog die Lebensgemeinschaft nach Vandsburg in Westpreußen um. Als dieser Ort nach dem ersten Weltkrieg an den neugegründeten polnischen Nationalstaat fiel, zogen 300 der damals 450 Diakonissen westwärts auf der Suche nach einem neuen Ort für ihre Gemeinschaft. Über Stationen in Berlin und im sächsischen Rathen gelangten sie nach Elbingerode im Harz und gründeten dort in einem ehemaligen Kurhotel das Diakonissenmutterhaus »Neuvandburg«.

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Theologisch konservativ, architektonisch modern: Die Diakonissen entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre gerade nicht für die besonders von nationalistischen Kräften propagierte »Heimatschutzarchitektur«, sondern für einen modernen Zweckbau – ganz im Geiste des vom Bauhaus geprägten »Neuen Bauens«. Foto: MDR/Philipp Bauer

Das Domizil wurde bald zu klein, und so traf die Gemeinschaft eine wichtige Entscheidung: Ein Neubau sollte entstehen. Das besondere: Sie entschieden sich Anfang der 1930er-Jahre für einen modernen Zweckbau im Geiste des Bauhauses, das damals von nationalistischen Kräften heftig bekämpft, aus Weimar nach Dessau vertrieben und später gänzlich verboten wurde. Entstanden ist ein bis heute mustergültig funktionierendes Architektur­ensemble mit Wohn- und Gemeinschaftsräumen sowie, als Clou, einem Schwimmbad unter dem Kirchensaal.

Der spannenden Geschichte der Elbingeröder Schwesternschaft mit ihrem diakonischen Engagement in dem angeschlossenen Krankenhaus geht am Dienstag, 14. August, das MDR-Fernsehen nach. Unter dem Motto »Der Osten – Entdecke, wo du lebst« gibt es einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart des Diakonissenhauses und die Besonderheiten der Lebensgemeinschaft »evangelischer Nonnen«. Auch nach der Zukunft fragt der Film – haben die derzeit 150 hier lebenden Diakonissen doch einen Altersdurchschnitt von 78 Jahren erreicht. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dennoch ist der heutige Leiter, Pastor Reinhard Holmer, zuversichtlich, dass Elbingerode auch in Zukunft ein Ort der Nächstenliebe und Hilfe für Menschen bleibt. (G+H)

Der Osten – Entdecke wo du lebst, MDR Fernsehen, 14. August, 20.45 Uhr

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Ein Choral ist immer dabei

5. August 2018 von redaktionguh  
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Der Glockenspieler von Halle: Maik Gruchenberg ließ sich zum Carilloneur ausbilden

Mehr als 500 Jahre ist der Rote Turm in Halle alt. Er gehört zu den Wahrzeichen der Saalestadt. Hinter den dicken Mauern befindet sich in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Seit den Händelfestspielen 1999 wird es hin und wieder manuell bespielt, teils namhafte Carilloneure wurden dazu eingeladen.

Seit Kurzem erklingt es jeden Sonnabend um 15 Uhr. Möglich wurde das, weil der Förderverein des Roten Turms ein Ausbildungsprogramm für Carilloneure auf den Weg gebracht hat. Sechs Interessenten ließen sich von Diplom-Carillioneur Wilhelm Ritter ausbilden.

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Der Rote Turm auf dem halleschen Marktplatz beherbergt in 30 Metern Höhe das größte Carillon Europas. Es hat 76 Glocken und ein Gesamtgewicht von fast 55 000 Kilogramm. Das jeden Sonnabend um 15 Uhr erklingende 15-minütige Konzert ist Anziehungspunkt für oft Hunderte von Zuhörern. Foto: Stadt Halle (Saale)/Thomas Ziegler

Unter ihnen sind auch Marktkantor Irénée Peyrot und Maik Gruchenberg. Letzterer hat auch eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, die er in Halle Anfang der 1990er-Jahre absolvierte. Er schloss noch ein Gesangsstudium an und ist seit 1999 Mitglied im Chor der Oper Halle. Zudem leitet er den Thüringer Männerchor »Ars Musica« in Suhl. Der Kirchenmusik ist er aber immer treu geblieben, ehrenamtlich. Er spielt fast jeden Sonntag zum Gottesdienst Orgel in einer Kirche im Kirchenkreis Halle-Saalkreis und leitet seit 2007 die Hallesche Kantorei, mit der er wöchentlich probt und meist drei große Konzerte im Jahr gibt. Auf das Vorhaben, in Halle eigene Carilloneure auszubilden, wurde Gruchenberg vor einem Jahr durch einen Zeitungsartikel aufmerksam. »Ich habe dann gleich Irénée Peyrot angerufen und ihn danach gefragt«, blickt Maik Gruchenberg zurück. Der Marktkirchenkantor verwies ihn an den Vorsitzenden des Fördervereins des Roten Turms, Gotthard Voß. Und schon bald ging es los: Mit fünf anderen Bewerbern begann er im Herbst eine Ausbildung zum Glockenspieler. »Es ist eine total interessante Erfahrung. Ich habe nicht gedacht, wie schwer das Glockenspiel oben auf dem Turm zu spielen ist, wie unterschiedlich die Glocken angeschlagen werden müssen«, erzählt Gruchenberg.

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Maik Gruchenberg am Instrument: Hier übt er die Technik und die Stücke für seine Konzerte ein. Foto: Claudia Crodel

Das Übungsinstrument dagegen sei leicht spielbar. Dort übt er die Technik und die Stücke. »Auf dem großen Glockenspiel kann man vor dem Auftritt alles nur einmal durchspielen, man kann ja die Leute auf dem Marktplatz nicht nerven«, sagt Gruchenberg und lacht.

Für ihn ist das Glockenspiel auch deswegen faszinierend, weil Glockenklang eine Signalwirkung hat, sei es zum Läuten für den Gottesdienst oder zum Feueralarm. Dass die Glocken aber zum Instrument werden, ist eher ungewöhnlich.

Der 46-jährige Hobby-Carilloneur, der verheiratet ist und drei Kinder hat, wird vier bis fünf Mal bis zum Oktober das wöchentliche kleine Carillon-Konzert bestreiten. »Ich für mich habe mir vorgenommen, auf alle Fälle immer auch einen Choral, eine kirchliche Melodie im Programm zu haben«, erklärt er. Auch ein Konzertstück und ein Volkslied sind fester Bestandteil seiner Auftritte. Die wöchentlichen Konzerte werden bis einschließlich 27. Oktober erklingen.

Claudia Crodel

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Ein Bischof schrieb Geschichte

30. Juli 2018 von redaktionguh  
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Ausstellung: In Merseburg wird an Thietmar erinnert, den herausragenden Chronisten der Ottonen.

Gebeugt steht der schmächtige Mann an einem Pult. Die rechte Hand hält einen Federkiel. Thietmar von Merseburg (975–1018), Bischof und Historiker zugleich, blickt in die Ferne, sinniert wahrscheinlich gerade über Gott und die Welt. Im Kreuzhof des Merseburger Doms steht er als Brunnenskulptur und scheint doch lebendig wie die von ihm verfasste Chronik über das Zeitalter der Ottonen. Anlässlich des 1 000. Todestages von Thietmar in diesem Jahr widmen die Vereinigten Domstifter in Kooperation mit der Merseburger Willi-Sitte-Galerie dem wohl berühmtesten unter den Merseburger Bischöfen eine Sonderausstellung: »Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte«, heißt sie. An seiner Wirkungsstätte, dem Merseburger Dom und der Curia Nova, ist sie bis 4. November zu sehen.

Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern bietet die Ausstellung einen Gang durch jedes der acht Bücher der Thietmarschen Chronik und geht dabei auf deren Wesensmerkmale ein: die Entstehung des christlichen Europa, die Kraft der Memoria und die Bedeutung der Tugenden. Der Besucher kann eintauchen in die Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen, erlebt Kaiserkrönungen, prachtvolle Hoftage und kirchliche Feste. Geschickt webt Thietmar ganz alltägliche Szenen wie Hungersnöte oder Reisen auf dem Schiff ein, spricht über Sonnenfinsternisse und Träume. Sehr genau zeichnet der Chronist den Übergang der großen Reiche und Stämme zum Christentum auf: Slawen, Dänen, Polen, Böhmen und Ungarn. Dabei hebt er immer wieder die Leistung der Ottonenherrscher hervor.

Thietmars Welt: Markus Cottin, Kurator der Ausstellung, präsentiert stolz ein Buch aus der Chronik des Merseburger Bischofs. Foto: Petra Wozny

Thietmars Welt: Markus Cottin, Kurator der Ausstellung, präsentiert stolz ein Buch aus der Chronik des Merseburger Bischofs. Foto: Petra Wozny

»Die Chronik liest sich wie ein Who’s who einer bewegten Epoche. Wir sind heute froh über jedes Detail«, wertet Ausstellungskurator Markus Cottin die historisch wertvollen Schriften. Als Historiker habe der Bischof nicht nur eine Zeitchronik erstellen wollen. Vielmehr habe ihm die Geschichte des Bistums Merseburg am Herzen gelegen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Es sei ihm auch um das Wohl seiner Seele gegangen, das er durch fromme Werke gesichert sehen wollte.

»Es ist unser Anliegen, Thietmars Chronik zum Sprechen zu bringen«, sagt Cottin, und Domherr Hans-Hubert Werner fügt hinzu: »Diese großartige Ausstellung ist für die Domstadt Merseburg ein ausgezeichneter Werbeträger.« »Wir sind dankbar, zu Auszügen aus Thietmars Schriften insgesamt 110 prachtvolle Leihgaben aus Museen und Sammlungen Europas zeigen zu dürfen. Sie schlagen einen Bogen über ein Jahrtausend Merseburger, deutscher und europäischer Geschichte«, betont der Kurator. Darunter sind unter anderem ein Weihwassereimer aus Elfenbein und auch eine Kopie des Basler Antependiums mit einer Länge von fast zwei Metern«, betont Ausstellungskurator Markus Cottin.

Über sich selbst hat Bischof Thietmar aufs Pergament gekritzelt: »Sieh dir doch einmal den vornehmen Herrn genau an, lieber Leser! Da erblickst du ein kleines Männlein, entstellt an der linken Wange und derselben Seite, weil hier ein Eitergeschwür aufgebrochen ist, das oftmals wieder anschwillt. Ein Bruch des Nasenbeins gibt mir seit der Kindheit ein lächerliches Aussehen. Doch deshalb würde ich mich nicht beklagen, wenn ich stattdessen über irgendwelche inneren Vorzüge verfügte. Aber ich bin ein elender Kerl, jähzornig, zu störrisch, um Gutes zu tun, neidisch, spottsüchtig, obwohl ich eigentlich selbst ausgelacht werden sollte. Keinen verschone ich, wie es doch Christenpflicht wäre. Ich bin ein Schlemmer und Heuchler, ein Geizhals und Verleumder.« Und überdies ein genialer Chronist, wird der Besucher der Ausstellung bemerken, wenn er am Selbstbildnis des Bischofs am Schreibpult im Kreuzhof des Doms vorbeigeht.

Petra Wozny

www.thietmar-merseburg.de

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Kann man mit den Ohren essen?

20. Juli 2018 von redaktionguh  
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Klingende Leckerbissen: Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land

Die Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Kreis Weimarer Land stehen vom 21. Juli bis 19. August unter dem Motto »Auditive Leckerbissen zwischen Luther- und Bauhausjahr«. Die 27. Ausgabe der Veranstaltungsreihe kredenzt dabei eine reichhaltige Menükarte für jeden Geschmack. Von Oper bis Jazz, von Blues bis zum barocken Konzert ist alles dabei!

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

Gitarrenduo Katrin und Reinhard Jungrichter. Foto: Veranstalter

»Musik«, schreibt ein britischer Psychologe, »beeinflusst, wie Essen schmeckt!« Viola-Bianca Kießling, die Referentin für Musik und Heimatpflege im Landratsamt Apolda, ist deshalb überzeugt: »Auch Ohren sind in der Lage zu essen.« Und fordert die Besucher deshalb auf: »Lassen Sie sich die Musik unserer Konzerte schmecken!« Im Eröffnungskonzert laden Edwin Ilg, Verena Küllmer und das Ensemble »arcum tendere lipsiense« mit scharfen Konturen, gewürzt mit Blätterrauschen, Donner, Sturm und Jagdgeschehen, zu Antonio Vivaldis »Le Quattro stagioni« (Die vier Jahreszeiten) ein. Damit der Bogen zum Bauhausjahr schon einmal anklingt, ließ sich der Klangkörper die Fuge II für Orgel von Lyonel Feininger instrumentieren (21. Juli, 19 Uhr, Apolda-Oberroßla). Mit spanischen Spezialitäten für Gitarre bringen Katrin und Reinhard Jungrichter (Weimar) musikalische Tapas der Extraklasse zu Gehör (22. Juli, 17 Uhr, Kirche Rettwitz). Weitere Termine werden auf Seite 10 an den jeweiligen Wochenenden angekündigt.

Bisher waren 93 Städte und Gemeinden Gastgeber der Konzerte. In 118 Kirchen erklangen 66 Orgeln. Diese kostbaren Instrumente aus der Bachzeit und vor allem aus dem 19. Jahrhundert sind das Herzstück der Konzertreihe. Sie zeugen auf eindrucksvolle Weise vom Reichtum der thüringischen Orgeln. Ebenso reich ist die Tradition des Thüringer Glockengusses. Als wichtiger Bestandteil der Konzerte sind diese teilweise sehr alten Glocken in die Eröffnung der Konzerte integriert.

Auf ähnliche Weise wie die Maler und Grafiker Lyonel Feininger oder Alfred Ahner kann man sich beim Hören der Musik von der besonderen Architektur der Gotteshäuser inspirieren lassen.

(G+H)

www.weimarerland.de/kultur/dorfkirchenmusiken_2018_programm.pdf

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Weimar ist eine Bachstadt!

17. Juli 2018 von redaktionguh  
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Jubiläum: Dem Komponisten gewidmetes Festival feiert 10. Geburtstag

Die »Bach Biennale Weimar« feiert ihren zehnten Geburtstag. Vom 13. bis 15. Juli wird in neun hochkarätigen Veranstaltungen daran erinnert, dass der Komponist vor 310 Jahren sein Amt als Hoforganist und Konzertmeister angetreten und bis 1717 ausgeübt hat. Der Titel »Klingende Bach-Welt Weimar« schließt den Weimarer »Bach-Kosmos« ebenso mit ein wie den Blick auf eine klingende Zukunft und die Entwicklung des weltweit einzigen authentischen Bach-Wohnortes am Weimarer Markt. Mittlerweile »geht der Langstreckenlauf für eine klingende Bach-Welt Weimar am authentischen Ort auf die Zielgerade«, betont Festivalleiterin Myriam Eichberger. Die Professorin für Blockflöte an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« setzt sich seit Jahren für die Schaffung einer Bachgedenkstätte ein.

Am Eröffnungstag gibt es einen kulinarischen Auftakt im Herdergarten (13. Juli, 17 Uhr), dem sich unter dem Motto »Soli Deo Gloria« eine Musikalische Vesper mit Liedern aus dem »Schemelli-Gesangbuch« in der Stadtkirche (18 Uhr) und ein Konzert »Poetische Räume« mit der Tänzerin Pandora Beaumont und dem Ensemble »Viel Lärm um Nichts« im Schiesshaus (20 Uhr) anschließen. Damit präsentiert sich zugleich das neu gegründete »Junge Internationale Zentrum für Bach und Barockmusik«, das sich als »fantasievolles Konzert-Labor der Zukunft« versteht und Bachs Werk aus ungewohnten Perspektiven und in neuen Kontexten abseits der ausgetretenen Pfade zum Klingen bringen möchte.

Der Hoforganist Bach steht im Zentrum der Stadtführung zu den authentischen Weimarer Bachorten (14. Juli, 11 Uhr), die am bereits zur Bach-Zeit existierenden Turm des Stadtschlosses beginnt. Aus gegebenem Anlass endet diese mit einem halbstündigen Konzert in der Katholischen Kirche: Am 14. Juli 1708 trat Bach seinen Dienst in Weimar als Organist der Schlosskirche an, die jedoch nicht mehr existiert.

Am gleichen Tag und Ort lädt die Kinder-Bach-Biennale KIBA zu einer interaktiven Stadtführung mit Musik (11 Uhr) sowie zum Mitmach-und Malkonzert »Barocco« in die Notenbank Weimar (14 Uhr) ein. Dabei erfahren die Besucher, dass Bach nicht nur ein berühmter Musiker, sondern auch ein liebevoller Papa war und 20 Kinder hatte. Sechs davon wurden in Weimar geboren und später auch selbst bekannte Musiker: Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel Bach.

Meisterin der Barockgeige: Midori Seiler. Foto: Veranstalter

Meisterin der Barockgeige: Midori Seiler. Foto: Veranstalter

Dem Tastengenie Bach widmet sich das Cembalo-Solorezital von Echo-Klassik-Preisträger Bernhard Klapprott in der Jakobskirche (14. Juli, 16 Uhr). Es erklingen die ebenso berühmten wie selten zu hörenden, hochvirtuosen »Englischen Suiten« (4–6), von denen einige in Weimar entstanden und mit denen der junge Bach wahrscheinlich seine eigenen spielerischen Grenzen erkundete und ausreizte.

Die festliche Geburtstagsfeier des Festivals, zugleich das 310. Dienstjubiläum Bachs in Weimar, findet am Abend des 14. Juli ab 19 Uhr im ehemaligen Bauhausmuseum sowie nebenliegendem »Künstlergarten« und auf dem Theaterplatz einen würdigen Rahmen. Alle Künstler des Festivals geben sich und Bach die Ehre und bieten mit der Tänzerin und Conferenciere Berenike Heiter eine »Barocke sommerliche Lustbarkeit« mit spontan-temperamentvollen Klängen und Improvisationen, Humor – wie Anspruchsvollem, Barocktanz und Percussion, Kulinarik und weiteren »Bacchantischen« Genüssen.

Erstmals zu Gast beim Festival ist das hochdekorierte Ensemble »Diderot« aus Paris unter der Leitung von Johannes Pramsohler (Barockvioline), das soeben mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Bereits zum zweiten Mal wandert oder fährt die Festivalgemeinde mit dem Fahrrad an der Ilm entlang »Am Bach zu Bach nach Taubach«, um das Konzert der französischen Künstler »Der königliche Bach« zu erleben (15. Juli, 14 Uhr).

Das Abschlusskonzert im Schießhaus Weimar gestaltet Star-Barockgeigerin Midori Seiler mit ihrem Ensemble (15. Juli, 17 Uhr). Mit dem Programm »Bach bearbeitet sich selbst« widmen sich die Barockspezialisten spannenden Bachschen Verwandlungskünsten: das berühmte E-Dur-Violinkonzert mutiert zum Cembalowerk, Bachs d-Moll-Cembalokonzert erklingt in einer Frühfassung als Concerto für Violine.

(G+H)

www.bachbiennaleweimar.de

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Ein Jahr mit dem Stern

8. Juli 2018 von redaktionguh  
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ACHAVA Festspiele: Kunsthalle Erfurt zeigt Fotografien von Elena Kaufmann

Seit 2012 lebt und arbeitet die in St. Petersburg aufgewachsene Fotografin Elena Kaufmann in Erfurt. Hier hat sie über einen längeren Zeitraum Menschen der jüdischen Gemeinde mit der Kamera begleitet, um sie zu porträtieren und Momente zwischen Heiligkeit und Alltäglichem einzufangen. Neben stimmungsvollen Situationsaufnahmen, deren menschliche Wärme und Nähe oftmals zeitlos wirkt, wandte sie sich den Menschen auch im Porträt zu und überzeugt hier mit ihrer feinsinnigen Beobachtungsgabe. Entstanden aus einer gemeinsamen Idee, fördern die ACHAVA Festspiele Thüringen eine Ausstellung, die ab 19. Juli in der Erfurter Kunsthalle gezeigt wird, sowie ein dazugehöriges Buch.
Kultur-vor-Ort-2-27-2018Fragt man, was den besonderen Wert dieser über Wochen und Monate kontinuierlich gewachsenen Serie ausmacht, dann finden sich Antworten in der Geschichte der Fotografie und in der Intention der Fotografin, stets das Konkret-Menschliche im Fokus ihrer Arbeit zu halten, den persönlichen Ausdruck, die individuelle Erscheinung. Es geht ihr nicht vordergründig um visuelle Reize und gelungene Kompositionen. Sie spielen als Mittel zur Erreichung ihres zentralen Anliegens natürlich auch eine Rolle.

Titelmotiv der Ausstellung: Tallit. Gebetsschal. Foto: Elena Kaufmann/Achava

Titelmotiv der Ausstellung: Tallit. Gebetsschal. Foto: Elena Kaufmann/Achava

Vor allem geht es aber darum, das Menschliche und damit Verbindende in all den Szenen zu zeigen, die jüdisches Leben heute in einer kleinen Gemeinde und einer Stadt wie Erfurt charakterisieren. Hier wird nicht einfach illustriert und auf die Allgemeinverständlichkeit des Gezeigten abgezielt, wie man es von einer üblichen fotografischen Reportage erwarten könnte. Nein, weit darüber hinaus gelingt Elena Kaufmann das Sichtbarmachen fragiler zwischenmenschlicher Geflechte, subjektiver Gesten und Befindlichkeiten. Im Zentrum steht immer wieder der menschlich berührende Moment, der dem einen oder anderen Augenzeugen vielleicht entgangen ist, nicht jedoch der feinen Wahrnehmung der Fotografin, die sich dabei als eine Künstlerin ihres Fachs erweist. Im Verlauf der Arbeiten wuchs der Wunsch, die Mitglieder der Gemeinde nicht nur fotografisch zu begleiten, sondern auch direkt zu porträtieren. Dabei vertraute Elena Kaufmann ihrer Intuition, dass vor allem Sprache und Sprechen während der Porträtsitzung zu einer Situation führt, in der Anspannungen und Projektionen gelöst werden, die Porträtierten ihre Posen verlieren und gleichsam »vergessen«, dass sie fotografiert werden.

Das beobachtende Fotografieren mündet so in eine Emphase des Menschlichen und Verbindenden.

In der Erfurter Journalistin Antje-Maria Lochthofen fand Elena Kaufmann schließlich eine Autorin, die ihre fotografischen Eindrücke in Worte fassen konnte. Sie traf die Porträtierten entweder im Studio der Fotografin oder in deren Wohnungen, sprach stundenlang mit ihnen und formte aus ihren Gesprächsaufzeichnungen jene Texte, die nun im Buch und in der Ausstellung die Bildnisse begleiten – als Einladung und Schlüssel zum tieferen Verständnis der Persönlichkeiten.

Das Buch wird unter dem Titel »Ein Jahr mit dem Stern« zur Vernissage präsentiert (112 Seiten, Preis: 39 Euro).
(G+H)

20. Juli bis 30. September, Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 1. Vernissage: 19. Juli, 19 Uhr

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Ein legendärer Bach-Flüsterer

1. Juli 2018 von redaktionguh  
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Kantaten-Akademie: Gesprächskonzerte mit Helmuth Rilling

Zum fünften Mal lädt Helmuth Rilling (85) junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt nach Weimar ein. In der Stadt, in der Johann Sebastian Bach von 1708 bis 1717 als Konzertmeister und Hoforganist wirkte, werden vom 29. Juli bis 11. August drei seiner Kantaten einstudiert und aufgeführt.

Im Dienste des Thomaskantors: Der Dirigent Helmuth Rilling im Konzert. Foto: Holger Schneider

Im Dienste des Thomaskantors: Der Dirigent Helmuth Rilling im Konzert. Foto: Holger Schneider

In den vergangenen vier Jahren wurden aus zahlreichen Bewerbungen jeweils 70 Musikerinnen und Musiker aus rund 20 Ländern ausgewählt, die mit immenser Begeisterung und großem musikalischen Talent in kürzester Zeit zu einem exzellenten Chor und Orchester zusammenwuchsen. Die 5. Weimarer Bachkantaten-Akademie wird von den Thüringer Bachwochen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik »Franz Liszt« Weimar veranstaltet.

Mit den Teilnehmern sowie ausgesuchten Solistinnen und Solisten wird Helmuth Rilling nun erneut Kantaten in mehreren Gesprächs- und Abschlusskonzerten in Weimar, Eisenach und Leipzig aufführen und erklären.

Auf dem Programm stehen »Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht« (BWV 105), »Du Hirte Israel, höre« (BWV 104) und »Wir müssen durch viel Trübsal« (BWV 146). Solistisch aktiv sind Julia Sophie Wagner (Sopran), Lidia Vinyes Curtis (Alt), Martin Lattke (Tenor) sowie Tobias Berndt (Bariton). Chor und Orchester stehen unter der Leitung von Helmuth Rilling.

»Die den Proben folgenden Konzerte waren für Interpreten und Publikum in den vergangenen Jahren unvergessliche Erlebnisse«, sagt Christoph Drescher, Geschäftsführer und Festivalleiter der »Thüringer Bachwochen«. »Sie haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, welche Aufgabe ein derartiges Projekt gerade an historischem Ort erfüllen kann: Jungen Menschen den Geist Bachs und das Wesen seiner Musik zu vermitteln, so dass sie in ihrer Heimat kaum wieder Bach spielen werden, ohne an diese Erfahrung zu denken«, so Drescher.

Helmuth Rilling ist zweifelsohne einer der großen Interpreten der Musik des Thomaskantors. Über die letzten fünfzig Jahre hat er mit zahllosen Konzerten, ausgewählten Ensembles und vielerlei Projekten für Aufsehen gesorgt. Er verantwortete die erste Einspielung des Bachschen Gesamtwerkes und schlug Brücken nach Osteuropa, Asien und Amerika.

Die heute weltumspannende Präsenz der Bachschen Musik würde es ohne Helmuth Rilling kaum geben. Rilling ist Gründer und langjähriger Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Collegiums Stuttgart, der Internationalen Bachakademie Stuttgart und des Oregon Bach Festival (USA). Außerdem ist er Initiator von Bach-Akademien in aller Welt.
(G+H)

Das erste Konzerte der 5. Weimarer Bachkantaten-Akademie gastiert am 3. August, 18 Uhr, in der Stadtkirche St. Peter und Paul, Weimar.

www.thueringer-bachwochen.de

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»Verley uns frieden«

23. Juni 2018 von redaktionguh  
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Heinrich-Schütz-Musikfest: Die Organisatoren stellen im Jubiläumsjahr die Sehnsucht nach Frieden in den Mittelpunkt.

Vom 5. bis 14. Oktober 2018 laden die mitteldeutschen Länder zum deutschlandweit bedeutendsten Festival für Musik des 17. Jahrhunderts ein. Das Musikfest trägt den Namen von Heinrich Schütz und findet an historischen Lebensorten des Komponisten statt. Am 8. Oktober 1585 erblickte Heinrich Schütz (1585–1672) in Bad Köstritz, unweit von Gera, das Licht der Welt. Mit Beginn seiner intensiven Schaffenszeit begann im Jahre 1618 der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), der Leben und Werk des Komponisten prägen sollte.

In diesem Jahr, 400 Jahre danach, erinnert man sich nicht nur daran, sondern auch an das Ende des 1. Weltkrieges von 100 Jahren. Die fortwährende Geschichte von Kriegen und die Suche nach Frieden finden sich im 20. Jahr der Schützmusiktage unmittelbar im Programm wieder. »Verley uns frieden« aus der gleichnamigen Motette von Heinrich Schütz steht über 42 Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Die lutherische Schreibweise verrät es, der Wunsch nach Frieden ist ein uralter Menschheitstraum. Es sind die Friedenswünsche, der Ruf nach Frieden, die Forderung nach Frieden und die Friedenskonzepte, die immer wieder mahnen, dass der Krieg irgendwann aufhören muss. Daher ist es nicht ganz zufällig, dass die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft über das Festival übernommen hat, denn die Sicherung des Friedens gehört in einer Demokratie zum höchsten Gut.

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

Auftakt: Am 3. Oktober gastiert der Konzertchor des Geraer Goethe-Gymnasiums (Rutheneum) in der St. Salvatorkiche in Gera. Es erklingt Burkhard Großmanns »Angst der Hellen und Friede der Seelen«. – Foto: schütz-musikfest.de

»Es sind gerade die authentischen Orte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die das Musikfest ausmachen«, betont Dr. Christina Siegfried, Intendantin des Heinrich-Schütz-Musikfestes. »An insgesamt 26 Konzert­orten in sechs Städten werden über 400 Laien- und Berufskünstler mitwirken. Mit ganz großer Freude darf im 20. Jahr die Barockspezialistin Dorothee Mields als »artist in residence« erwartet werden. Die Sängerin hat die Berliner Lautten Compagney Berlin zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen und wird Lebenslust und Seelenschmerz in Zeiten des Krieges mit der Musik des 17. Jahrhunderts und der 1920er- und 1930er-Jahre verbinden. Dieses Programm unter dem Namen »Wenn ick mal tot bin« wird das Festival an drei Aufführungsorten eröffnen. Einer davon ist die Kirche St. Leonhard in Bad Köstritz, wo dieses hochkarätige Konzert am 6. Oktober zu erleben ist. Das Programm zum Heinrich-Schütz-Musikfest umfasst Konzerte und Wandelkonzerte, musikalische Lesungen, Jazz, Folk und Papiertheater, eine Brauhaussession, Fami­lienprogramme sowie Führungen und Gottesdienste. Alte Bekannte, wie der Dresdner Kammerchor und das Johann Rosenmüller Ensemble, treffen auf international renommierte Künstler, wie die weltbekannte Geigerin Rachel Podger. Daneben werden der Liedermacher Hans-Eckkart Wenzel, die Folkmusiker Grenzgänger und The Playfords den Bogen von Aussagen des 17. Jahrhundert bis zu brandheißen Themen unserer Zeit spannen.

Nur durch eine breite Kooperation mit Partnern und Förderern sei es letztendlich möglich, das Festival durchzuführen, betont Dr. Christina Siegfried. Neben Bund und den drei mitteldeutschen Ländern unterstützt wiederholt die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen mit der Sparkasse Gera-Greiz das Musikfest. »Kultur ist für uns Teil der demokratischen Gesellschaft«, erklärt Dr. Michael Grisko von der Stiftung und betont, dass das Festival auch ein Bekenntnis und ein ästhetischer Umgang zur Geschichte repräsentiere, somit auch ein Stück Heimat darstelle.

Friederike Böcher, als Leiterin des Heinrich-Schütz-Hauses in Bad Köstritz, ist seit Jahren mit dem Musikfest eng verbunden und freut sich auf bedeutende Konzerte in Bad Köstritz und Gera. Noch vor der offiziellen Eröffnung, am 3. Oktober als sogenannter Auftakt, erklingt das Werk »Angst der Hellen und Friede der Seelen« in der Geraer Salvatorkirche. Es handelt sich hierbei um ein Auftragswerk von Burkhard Großmann. Als Dank für seine Lebensrettung beauftragte er Schütz und weitere Komponisten seiner Zeit mit der Vertonung des 116. Psalms. Der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 und die Capella Jenensis musizieren unter Leitung von Christian K. Frank.

Wohl kaum ein Ort in Gera ist so prädestiniert für die Aufführung der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, wie die Geraer Trinitatiskirche. Sie gehört zum Wirkungskreis von Heinrich Posthumus Reuß, zu dessen Trauerfeier diese Totenmesse uraufgeführt wurde. Das Konzert am 7. Oktober wird von Cantus – und Capella Thuringia gestaltet.

Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, genauer gesagt der Dreiseitenhof, bildet eine etwas andere Konzertumgebung beim diesjährigen Musikfest. Am 12. Oktober spielt dort das Barock­ensemble The Playfords und erinnert während der Brauhaussession mit Friedensliedern, ausgelassenen Tänzen, Trinkliedern und schwermütigen Chorälen an das Leid und die Hoffnung der Menschen im Dreißigjährigen Krieg.

Eine musikalische Geschichte von Schelmen in kriegerischen Zeiten unter dem Titel »Simpel und Schweijk« wird am 13. Oktober im Köstritzer Palais erzählt. Am gleichen Tag werden in der Stadtkirche Musiker mit Gamben, Orgel und Schlagwerk unter dem Motto »in allem frieden« mit dem Vokalensemble Auditiv Vokal aus Dresden und dem Ensemble L’Art d’Echo dem Klang von Krieg und Frieden von damals bis heute nachspüren.

Wolfgang Hesse

www.schütz-musikfest.de

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Weltpremiere in der Porzellankirche der Leuchtenburg

18. Juni 2018 von redaktionguh  
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Foto: Stiftung Leuchtenburg

Foto: Stiftung Leuchtenburg

Kann man mit Porzellanklängen Musik machen? Der aus Weimar stammende und an der Harvard-University in Boston wirkende Kompositionsprofessor Hans Tutschku ist fest davon überzeugt. Gemeinsam mit dem »Ensemble für intuitive Musik Weimar« (EFIM) hat er ein neues Werk für die Porzellankirche der Leuchtenburg bei Kahla konzipiert, das am 24. Juni seine Uraufführung erlebt (Beginn: 19 Uhr). In ihm entwickelt sich ein Wechselspiel von Trompete/Flügelhorn, Violoncello und Orgel mit Porzellanklängen.

Den Direktor des Studios für elektroakustische Musik der Elite-Universität fasziniert die künstlerische Neugestaltung des Architekten Michael J. Brown (Los Angeles). Durch 30 deckenhohe Porzellanlamellen ist ein optisch neuer Raum entstanden, den Tutschku mit einem mehrkanaligen Sound beleben will.

Kartenvorbestellung: Telefon (03 64 24) 71 33 00

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