Wir müssen reden

13. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Über die »Ehe für alle« gibt es in der Landeskirche Gesprächsbedarf

Die Ehe ist ein weltlich Ding – und birgt doch eine geistliche Dimension, ganz besonders die im Sommer vom Bundestag beschlossene »Ehe für alle«. Eine kirchliche »Ehe für alle« wollte die Jugend der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bereits im Frühjahr auf den Weg bringen. Doch dazu kam es nicht. Die Synodalen baten stattdessen um Geduld und beauftragten den Landeskirchenrat, ein Format zu finden, um weiter über die Gleichstellung der Ehe zu sprechen.

Dieser Prozess ist nun in Gang gesetzt, sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann. Auch der Ausschuss für Theologie und Gemeindeaufbau müsse sich damit beschäftigen, ob dem veränderten staatlichen Gesetz ein verändertes kirchliches Handeln folgt oder nicht. Aktuell liegt die Entscheidung über die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares bei Pfarrer und Gemeinde.

Kern der Debatte ist für Junkermann die unterschiedliche Schriftauslegung und der Umgang damit. Die »Ehe für alle« kann zu einer schweren Gewissensbelastung werden, wenn auch für eine Minderheit. Darf sich eine Mehrheit darüber hinwegsetzen? Wieweit können sich Christen belasten, wo müssen sie akzeptieren, unterschiedlicher Meinung zu sein? Auch die Frage, warum Trauung und »Gottesdienst anlässlich der Eheschließung« unterschieden werden, will die EKM diskutieren.

Die Landesbischöfin betonte: »Ich bin froh, dass es die Segnungen gibt. Ich bin auch froh, dass die rechtliche Gleichstellung in unserer Gesellschaft möglich ist.« Ordnung gibt der Freiheit Raum, zitierte die Bischöfin Martin Luther. Alles andere sei Willkür. »Aber wir sollten andere ernst nehmen, deren Gewissen belastet ist, und das nicht per Mehrheitsbeschluss übergehen«, sagte Junkermann. Die Bischöfin hat die Sorgen jener im Blick, die die Gefahr einer Kirchenspaltung sehen.

Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts, begrüßte die ordnende, rechtliche Klarstellung durch die »Ehe für alle«. Für die Kirche sei es aber nicht nötig, alle staatlichen Beschlüsse geistlich nachzuvollziehen.

Ob homosexuelle Paare gesegnet werden, entscheiden in Anhalt Gemeinde und Pfarrer gemeinsam. Sind sie dazu nicht bereit, ist der Oberpfarrer aufgefordert, eine Lösung zu finden. »Wir hatten bisher, soweit ich sehen kann, einen einzigen Fall. Und da gab es keinen Konflikt«, sagte Liebig. Als Kirchenpräsident sei er sehr zufrieden mit der derzeitigen Situation. Der für Anhalt gefundene Modus trage das neue Gesetz mit. Deshalb rechne er nicht damit, dass sich die Synode in absehbarer Zeit mit dem Thema befassen muss.

In seiner Zeit als Gemeindepfarrer hat Liebig auch Anfragen homosexueller Paare bekommen: »Ich habe das nicht machen können.« Aber es gehöre zur innerkirchlichen Toleranz und Einheit, anders getroffene Entscheidungen von Kirchenältesten und Pfarrern zu akzeptieren. Es sei verheerend, diese Grundsatzfrage als Mittel zur Kirchenspaltung zu verwenden: »Das ist furchtbar. Das ist entsetzlich. Und das darf auf keinen Fall passieren.«

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Etwas, das bleibt, dauerhaft verbindet und einfach schön ist

6. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Paramente als Geschenk für alle Gemeinden des Kirchenkreises Eisenach-Gerstungen – ein Gemeinschaftswerk von 15 ehrenamtlichen Schneiderinnen

Am Reformationstag wurde in jeder noch so kleinen Gemeinde des Kirchenkreises Eisenach-Gerstungen in der eigenen Kirche um 10 Uhr ein Gottesdienst gefeiert, vornehmlich von Ehrenamtlichen gehalten. Für den Superintendenten Ralf-Peter Fuchs ist klar: »Wir machen damit mit einem der großen Programmpunkte der Reformation Ernst: nämlich dem Priestertum aller Gläubigen.«

Darüber hinaus sollte in den einzelnen Gemeinden durch verschiedene Elemente im Gottesdienst die Verbundenheit mit den über 60 anderen Gemeinden sichtbar und erfahrbar werden. Zentral ausgearbeitet und vorgeschlagen waren dabei Gebete, Lieder, Lesungen, die Predigt und Liturgie. Außerdem konnten die Gemeinden die Gottesdienstform an ihre jeweiligen Gegebenheiten vor Ort anpassen. Die Liturgie konnte auch ohne Orgelunterstützung und große Vorbereitungszeiten geleitet werden. Alle vorgeschlagenen Lieder und Musikstücke standen den Gemeinden auf CD zur Verfügung, sodass auch bei wenig Singstimmen oder fehlender Begleitung nicht auf die musikalische Gestaltung verzichtet werden musste. Variable Elemente waren zudem beispielsweise die Feier eines Kindergottesdienstes oder eines Agapemahls.

Verbindendes Element: Den Gemeinden des Kirchenkreises wurden am Vortag des Reformations­tages in der Eisenacher Georgenkirche die Paramente und Brot für die Feier des Agapemahls am Reformationstag überreicht. Fotos: Mirjam Petermann

Verbindendes Element: Den Gemeinden des Kirchenkreises wurden am Vortag des Reformations­tages in der Eisenacher Georgenkirche die Paramente und Brot für die Feier des Agapemahls am Reformationstag überreicht. Fotos: Mirjam Petermann

Eine Besonderheit der Gottesdienste: Anstelle der biblischen Epistellesung wurde jeweils ein Briefgruß einer anderen Kirchengemeinde des Kirchenkreises verlesen. »Die Gemeinden haben sich gegenseitig Briefe geschrieben, in denen sie ein bisschen von sich erzählen, aber auch sagen, was ihnen am Glauben heute wichtig ist, verbunden mit einem kleinen Segensgruß«, erläuterte Superintendent Fuchs. Die Idee fand auch über die Gemeinden hinaus großes Interesse. »In Gerstungen haben die Katholiken gesagt: ›Das ist eine schöne Idee. Wir schreiben euch auch einen Brief zum Gottesdienst zum Reformationsjubiläum‹«, berichtete Fuchs.

Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit und etwas, das die Kirchengemeinden über den Reformationstag hinaus an das Jubiläumsjahr 2017 erinnert, ist ein neues Parament für ihre Gotteshäuser: 15 ehrenamtliche Schneiderinnen haben die über 70 identischen Schmucktextilien in den vergangenen Monaten genäht, gebügelt und transportsicher verpackt. Unterstützung erhielten sie dabei von den Mitarbeiterinnen und dem Förderverein der Eisenacher Paramentenwerkstatt. »In einigen Kirchen wird das ein Parament zum Wechseln sein. Aber für manche kleine Kirche, die sich seit vielen Jahren kein neues leisten konnte, wird das Parament etwas sein, was wirklich schmückt«, sagt Fuchs über das besondere Geschenk: »Es ist etwas, das einfach schön ist, das Herzen, Seele und Geist zu etwas anrühren soll.« Besonders ist das Parament auch, weil es in Anlehnung an das Wartburg-Parament gestaltet wurde und das Motto der Eisenacher Feierlichkeiten lautete »Von der Wartburg in die Welt«. »Die Gemeinden haben eine Geschichte dazu, die sie erzählen können, die sie mit der Wartburg und mit der Geschichte des Reformationsjubiläums verbindet«, sagt Fuchs über den ideellen Wert.

Mirjam Petermann

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Denkwege zu Luther

30. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Jugendbildungsprojekt der Reformationsdekade beendet


Sie sollten eine Verbindung schaffen zwischen den Problemstellungen der Reformationszeit und dem, was junge Menschen heute umtreibt. Die »Denkwege zu Luther« waren das einzige Jugendbildungsprojekt der Lutherdekade in ganz Deutschland. Am vergangenen Freitag fand die letzte Präsentation in der Eisenacher Nikolaikirche statt.

Dafür kamen Gymnasiasten aus Bayern und Thüringen in den Tagen zuvor in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg zusammen, um sich gemeinsam dem Motto »Entscheide dich! Die Qual der Wahl – Schwierigkeiten mit der Freiheit« zu stellen. Ihnen wurde Zeit und Raum gegeben um über ihre Lebenserfahrungen zu reden, die der anderen zu verstehen und eigene Texte zu verfassen.

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Die Resultate ihrer Gedankengänge präsentierten die Schülerinnen und Schüler vor einem kleinem Publikum – ihren Mitschülern und ausgewählten Gästen, die allesamt Unterstützer und Verbündete des Projekts waren. »Wer bin ich?«, »Wer will ich sein?«, »Bin ich frei?«; das waren Einstiegsfragen einer Gruppe von Elf- und Zwölf-Klässlern, die sie zu Martin Luthers Zitat »Nur wer sich entscheidet, existiert« führte. Weiter gingen ihre philosophischen Betrachtungen mit der Frage, was unsere Entscheidungen prägt, wie es um Luthers Entscheidungen stand und wie sie persönlich überhaupt sinnvoll Entscheidungen treffen können – beispielsweise die Berufswahl – ohne überhaupt alle Folgen erahnen zu können. Die Quintessenz ihres gedanklichen Diskurses lautete schließlich: »Wir sind frei in Entscheidungen, aber gezwungen sie zu treffen.«

Bereits seit drei Jahren kooperieren das Ernestinum Gotha und das Casimirianum Coburg im Rahmen der Denkwege als »Ost-West-Tandem-Projekt«, um gemeinsam voneinander zu lernen. Dreimal trafen sich dabei, zumeist wechselnde, Schülerinnen und Schüler zu einer Projektwoche. Das bundesweite Jugendbildungsprojekt »Denkwege zu Luther« wurde von den Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums in der Lutherdekade 2009 gestartet. In philosophischen und theologischen Gesprächen, durch kulturell-künstlerische Themenzugänge, beim thematischen Geocaching oder in Musik- und Schreibwerkstätten erschlossen sich Jugendliche Grundfragen der religiösen Dimension menschlichen Daseins und erarbeiten sich ein Grundverständnis für den bis heute wirkungsvollen historischen Aufbruch der Reformationszeit. Seit dem Projektbeginn wurden 430 Seminartage mit insgesamt 3 400 Jugendlichen und 2 100 Multi­plikatoren realisiert. Ab 2011 konnte das Projekt in größeren Dimensionen umgesetzt werden, da es seitdem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde.

»Es war ein Leuchtturmprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), mit dem wir uns oft geschmückt haben«, sagte die Projektleiterin der Lutherdekade Christiane Schulz nach den Projektvorstellungen der Schüler am Freitag in Eisenach. Da die Förderung im Dezember 2017 endet, wird das Projekt seine Arbeit einstellen. Ähnliche Jugendbildungsprojekte soll es dennoch auch in Zukunft in der EKM geben.

Mirjam Petermann

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Wittenberg: Was bleibt?

23. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Endspurt: Am 31. Oktober geht in Wittenberg mit einem Fest das Reformationsjahr zu Ende. Der sogenannte Reformationssommer hinterlässt bleibende Spuren in der Lutherstadt.

Die Christen in Wittenberg haben das Reformationsjahr als Ermutigung erlebt«, bilanziert Wittenbergs Superintendent Christian Beuchel. Volle Kirchen, manchmal sogar zu voll, Gottesdienste, Konzerte, Ausstellungen – all dies habe die Christen gestärkt und jenen 85 Prozent konfessionslosen Wittenbergern ein positives Bild von Kirche vermittelt.

Lange, das verhehlt der Superintendent nicht, haben die Kirchen in der Stadt damit gerungen, welche Aufgabe sie im Jubiläumsjahr eigentlich spielen. Die so einfache wie sinnvolle Antwort: »Wir wollen gute Gastgeber sein«, mit Sonntags- und Themen-Gottesdiensten, mit Andachten und Gebeten. »Es hat der Stadt gut getan, dass an so vielen Orten und zu so vielen Zeiten gebetet wurde«, sagt Christian Beuchel und erinnert, dass in den letzten Wochen der Weltausstellung bis zu 400 Menschen die »Church@Night« der Lichtkirche besuchten. Die Idee möchten die Wittenberger fortsetzen. Jeden zweiten Freitag im Monat, 21.30 Uhr, soll die Stadtkirche in ein besonderes Licht getaucht werden. Als greifbares Erbe der Weltausstellung verbleibt zudem ein Taizékreuz in der Christuskirche, wo es regelmäßig Taizéandachten gibt.

Der Kirchenladen gegenüber dem Asisi-Panorama sei leider nicht so gut besucht worden und auch seien weniger Gemeindegruppen in die Stadt gekommen als erhofft. Beuchel berichtet auch davon, dass es anfangs schwierig gewesen sei, mit in das große Boot der EKD zu steigen. »Immerhin ist nicht nur die Stadt Wittenberg, sondern sind auch die Kirchen der Stadt Gastgeber gewesen.«

Der Verein r2017, der den Reformationssommer auf die Beine stellte, nimmt indes Abschied. Die Weltausstellung ist abgebaut, viele Mitarbeiter sind zurück in Berlin oder auf ihren vorherigen Arbeitsplätzen, ein Großteil der Volunteers hat den Freiwilligendienst beendet und der Ausverkauf von Technik, Büro- und Werbematerial läuft. »Aber: Es bleiben aus fast jedem Torraum Installationen in Wittenberg«, sagt Johanna Matuzak von r2017. Die Spiegel-Stege auf dem Bunkerberg waren von Beginn an als bleibende Installation geplant, und zu weiteren Ausstellungsstücken hat der Stadtrat jüngst einen Beschluss gefasst.

Die Erdkugel bleibt auf dem Marktplatz, auch wenn der Countdown-Zähler zur Weltausstellung Reformation längst abgelaufen ist. Foto: epd-bild

Die Erdkugel bleibt auf dem Marktplatz, auch wenn der Countdown-Zähler zur Weltausstellung Reformation längst abgelaufen ist. Foto: epd-bild

Demnach gehen das Flüchtlingsboot auf dem Schwanenteich, die Weltkugel auf dem Marktplatz, das House of One im Luthergarten, die Schaukel am Bahnhof und die Europaallee des Stationenwegs in städtisches Eigentum über. Zudem wird geprüft, auf dem Fundament des inzwischen abgebauten Bibelturms eine Radstation zu errichten.

Das Asisi-Panorama bleibt noch vier weitere Jahre geöffnet, danach plant die Stadt, Wohnungen auf dem Grundstück zu errichten. Die Kletterkirche des YoungPointReformation zieht nach Magdeburg um. Die alte Schule, die als r2017-Hauptquartier diente, soll ab dem zweiten Schulhalbjahr 2017/2018 wieder als Gymnasium genutzt werden. »Wir von r2017 werden voraussichtlich Ende November ausziehen, in kleinere Büros in die Fleischerstraße«, sagt Johanna Matuzak. Ende des Jahres hören dann auch die letzten Volunteers auf.

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


»Hier bleibe ich keine 14 Tage«

16. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Porträt: Axel Kramme, Rektor der Stiftung Sophienhaus

Es ist ein trüber, nebeliger Novembertag 1975, an dem Axel Kramme das erste Mal – damals als Krankenpflegeschüler – das Weimarer Sophienstift betritt. Als er den dunklen, spärlich beleuchteten Gang entlanggeht, denkt er: »Hier bleibe ich keine 14 Tage.« Doch aus den 14 Tagen sind inzwischen 42 Jahre geworden. In dem Raum, in dem er einst als Krankenpflegeschüler begann, sitzt er noch heute – als Rektor und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sophienhaus Weimar, 1875 gegründet.

Die verzweigte Einrichtung ist nicht leicht zu überschauen. Der Rektor erklärt: »Die Stiftung hat zwei Töchter, das Sophien- und Hufelandklinikum und die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein.« Die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein besteht seit 2009. Sie zählt zu den größten Diakonieträgern in Thüringen. Mehr als 120 Einrichtungen bieten »alle Dienste von der Wiege bis zur Bahre«, wie es Kramme umschreibt, also zu ihr gehören unter anderem Kindertagesstätten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Schulen und Altenheime. Partner der Stiftung Sophienhaus Weimar sind die Evangelische Stiftung Christophorushof in Altengesees, das Michaelisstift Gefell und die Diakonie Stetten.

Die Stiftung Sophienhaus Weimar ist eine anerkannte diakonische Einrichtung, ein großes Unternehmen. »An dieser Entwicklung hat Axel Kramme großen Anteil«, betont Henrich Herbst, Superintendent im Kirchenkreis Weimar. Anerkennenswert sei, dass aus dem Sophienhaus ein modernes Versorgungskrankenhaus geworden ist, das größte konfessionelle in Thüringen, so Herbst. In der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein sind 2 200 Mitarbeiter beschäftigt, im Krankenhaus arbeiten etwa 1 000 Menschen.

Die Geschichte der Stiftung Sophienhaus ist eine von Wachstum und Expansion, die Axel Kramme maßgeblich mitgestaltet hat. Ein Meilenstein war 1998 die Zusammenführung des städtischen und diakonischen Krankenhauses in Weimar, bei der es galt, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden. Einige Jahre später jedoch verkauft die Stadt ihre Anteile und steigt aus dem Projekt Krankenhaus aus. Um das Haus als evangelisches weiterführen zu können, wird das Marienstift Arnstadt zu 50 Prozent Mitinhaber. Auf dem Gelände des Sophienhauses entstehen ein Altenhilfezentrum und eine Schule für geistig behinderte Kinder, die Johannes-Landenberger-Schule.

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Rektor Axel Kramme in seinem Büro. Vor über 40 Jahren saß er hier erstmals, als Krankenpflegeschüler. Foto: Sabine Kuschel

Axel Kramme ist 1957 in Friedrichroda geboren. Im Jugendalter prophezeite ihm ein Theologe, dass er später Pfarrer würde. Damals denkt Kramme: »Der spinnt.« Er wird Diakon. Bei diesem Beruf schwebt ihm ein Mann vor, der mit Gitarre, langhaarig und Pfeife rauchend unterwegs ist – ein Gegenbild zur FDJ. Voraussetzung für die Diakonenausbildung ist ein »handfester« Beruf, also entscheidet er sich für die Krankenpflege. Weil er den Wehrdienst verweigert, kommt er im Herbst 1975 an das evangelische Sophienhaus Weimar. Nach der Krankenpflegerausbildung leistet er Wehrersatzdienst als Bausoldat, danach studiert er an der Predigerschule in Erfurt Theologie. Nach einer kurzen Station im Pfarramt kehrt er zurück ins Sophienhaus. Seit 1996 ist er Rektor und Vorstandsvorsitzender.

»Es gab immer Menschen, die es mir zugetraut haben, eine größere Aufgabe zu übernehmen«, sagt er. Und an jeder Entwicklungsstufe habe er vor dem »Kairos« gestanden, dem günstigen Zeitpunkt für Entscheidungen. Als Leiter eines großen Unternehmens gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Zugute komme ihm in dieser Position, dass er sehr lange und mit viel Geduld zuhören und schweigen könne.

Irgendwann ist es dann Zeit, auf den Punkt zu kommen. Er schätzt sich als entscheidungsfreudig ein, nach entsprechender Bedenkzeit zögert er nicht, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.

Fehlentscheidungen? Gibt es nach seinen Worten. Geht es ums Personal, sei es nicht immer leicht, die richtige Wahl zu treffen. Wenn sich jedoch herausstellt, dass eine Stelle falsch besetzt wurde, bemühe er sich konsequent, den Schritt rückgängig zu machen.

Was sind die Herausforderungen der nächsten Jahre? Der Geist der diakonischen, der christlichen Einrichtung soll spürbar bleiben. Bei den Mitarbeitern, die keinen kirchlichen Hintergrund haben, gehe es nicht darum, zu missionieren, wohl aber, ihnen die christlichen Grundlagen und Werte nahezubringen. Unabhängig davon, ob sie der Kirche beitreten oder nicht, »sollen sie positive Erfahrungen mit dem Christentum machen«.

Sabine Kuschel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Chaotisch, kreativ und spannend für Jung und Alt

9. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Gemeindewerkstatt: Wenn Kirchengemeinden ungewöhnliche neue Wege gehen

Etwas ausprobieren, was es sonst nicht gibt. Das versuchen seit 2016 immer mehr Gemeinden in der EKM. Sie machen sich Gedanken darüber, was Kirche und Gemeinde heute für Menschen attraktiv machen könnte.

»Es gibt überall Menschen, die schon lange versuchen, etwas in Bewegung zu setzen, das in Verbindung mit Gott steht«, erklärt Andreas Möller, Referent für die sogenannten Erprobungsräume in der EKM. Möller weiß, dass oft Menschen, die sich für Glauben interessieren, der Weg in eine klassische Gemeinde zu weit oder die Hürden zu hoch sind. »Diese Menschen müssen ihre Angst davor aufgeben, irgendwie kompatibel für die Kirche zu sein«, erklärt er. Für sie seien Modellprojekte wichtig, die ihnen Kirche eröffnen, ohne dass sie sich dazu überwinden müssten. Es gehe auch darum, den Verhaltenskodex im Gottesdienst zu umgehen, der Außenstehenden fremd sei. Genau hier würden die Ideen aus den Erprobungsräumen ansetzen.

Schulgemeinde Hettstedt: Christen, Nichtchristen, Schüler, Lehrer und Eltern bilden die Gemeinde. Sie treffen sich, z. B. zur Morgenandacht im Raum der Stille (Foto). Foto: ekm  Erprobungsräume

Schulgemeinde Hettstedt: Christen, Nichtchristen, Schüler, Lehrer und Eltern bilden die Gemeinde. Sie treffen sich, z. B. zur Morgenandacht im Raum der Stille (Foto). Foto: ekm Erprobungsräume

Unterstützung finden die Ideengeber seit 2014 mit und in den Erprobungsräumen. Von Dezember 2016 bis zum Juni dieses Jahres lief die zweite Ausschreibungswelle. 31 Gemeinden stellten in Anträgen ihre Ideen vor. Daraus wurden 14 Projekte ausgewählt. Fünf davon, wie der Mehrgenerationenhof Burtschütz in der Region Nördliches Zeitz, die virtuelle Online-Kirche oder »Wir sind Nachbarn …« der Kirchengemeinde Nöbdenitz im Altenburger Land werden als Modellprojekte umfangreich beraten, bekommen finanzielle Unterstützung und eine dauerhafte Begleitung durch die Fachabteilung im Landeskirchenamt.

Andreas Möller freut sich über den Ideenreichtum, der auch in der zweiten Ausschreibungsphase zum Ausdruck gekommen sei. »Die Anträge kommen nun aus allen Regionen der EKM und auch der ländliche Bereich ist stärker vertreten als bisher«, erklärt Möller. Thomas Schlegel, Leiter des Referats Gemeinde im Landeskirchenamt, stellt fest: »Alles ist bunter geworden. Stadt- und Landgemeinden, verschiedene Generationen, Gründerzentren für Künstler, verschiedene Andachtsformen und –räume sind dabei.« Mit der »Messy-Church« gibt es eine ganz freie Form von Kirche. Kirchliche Gemeinschaft soll bei diesen Angeboten anders als gewöhnlich erlebbar sein. Chaotisch, kreativ und spannend, für Jung und Alt, heißt es in der Beschreibung. Diese Form scheint für größere Städte geeignet. Im ländlichen Bereich gehe man eher der Frage nach, mit welchen Ideen man Orte wieder beleben könnte. »Gemeinden machen sich heute schon mutiger darüber Gedanken, wie sie ihr Profil schärfen«, so Schlegel.

Möller und Schlegel wissen, viele Antragsteller haben sich schon vor Beginn der Erprobungsräume damit beschäftigt, individuelle Ideen für ihre Kirchengemeinde zu entwickeln. Die Erprobungsräume seien vielfach nur das Dach, unter das sie geschlüpft sind. Schlegel hofft nun, dass aus den Erprobungsräumen eine Bewegung entsteht. Andreas Möller betont: »Bei dem, was wir bisher erlebt haben, bin ich optimistisch für die Zukunft der Kirche, die mancherorts wirklich sehr ungewöhnliche Wege geht.«

Diana Steinbauer

www.erprobungsraeume-ekm.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Dank und Würde

1. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Landesbischöfin zu Wahl und Erntedank

Landes­bischöfin Ilse Junkermann. Foto: EKM

Landes­bischöfin Ilse Junkermann. Foto: EKM

Landesbischöfin Ilse Junkermann ruft im Zusammenhang mit dem Erntedankfest dazu auf, nicht einfach nur gedankenlos zu konsumieren. »Was für ein Wunder, dass wir täglich genug und Gutes zu essen haben! Schätzungen zufolge werfen wir genauso viel weg wie wir essen. Hier kann jeder in seinem Alltag etwas verändern: Bewusster einkaufen, bewusster essen, denn weniger ist oft mehr«, gibt die Landesbischöfin zu bedenken.

Junkermann äußerte sich auch zum Ergebnis der Bundestagswahl. Zwar freue sie sich, dass die Wahlbeteiligung gestiegen sei. Für Demokraten sei es aber unerträglich, dass rechtsextreme und -populistische Positionen so große Unterstützung fänden. Aber ganz offenbar »fühlt sich ein nicht unerheblicher Teil der Menschen hier nicht genügend wahr- und mitgenommen«. Mit ihnen müsse man im Gespräch bleiben. »Dabei muss eines deutlich bleiben: Die Menschenwürde darf nie infrage gestellt werden, sie gilt, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion.«

(G+H/epd)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Kirche ist spannend

25. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Porträt: Julia Braband – Studentin und Mitglied der Kirchenleitung

Für einen Urlaub fehlt Julia Braband im Reformationsjubiläumsjahr 2017 die Zeit; aber stillsitzen und dem süßen Nichtstun nachhängen – das ist eh nichts für sie. Bereits als Schülerin des Erfurter Ratsgymnasiums begann sie, sich ehrenamtlich zu engagieren, heute hat sie für ihr junges Alter erstaunlich viele Ämter inne. Im Mai wurde sie sogar in den Rat des Lutherischen Weltbundes gewählt.

Engagement für andere, die Arbeit in Gremien und Synodensitzungen: all das klingt wenig attraktiv und nicht sonderlich spannend für Jugendliche – nicht so für Julia Braband: »Es ist natürlich schwer, alles unter einen Hut zu bekommen, aber es macht mir unheimlich viel Spaß, mich zu engagieren. Ansonsten könnte ich es nicht machen und hätte auch keine Lust, wieder
nach Magdeburg zu fahren oder nach Halle oder mal eben nach Namibia. Man braucht Freude an dem, was man tut.«

Julia Braband bei der Tagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia. Seit Mai gehört die Theologiestudentin dem Rat des LWB an. Foto: privat

Julia Braband bei der Tagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia. Seit Mai gehört die Theologiestudentin dem Rat des LWB an. Foto: privat

Alles begann mit der Vakanzvertretung in der Elxleber Gemeinde. »Der Stadtjugendpfarrer von Erfurt war bei uns und fragte, ob ich nicht mitkommen wolle zum Stadtjugendrat? Ich hab es mir mal angesehen.« Dann ging es gleich weiter in den Landesjugendkonvent, dem sie mittlerweile vorsteht.

Heute ist sie aus dem Kreis derer, die in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsent sind, nicht mehr wegzudenken. »Klar sind Sitzungen einerseits echt langweilig, aber man lernt so viele Menschen kennen und das ist unheimlich wertvoll, gerade auch international. Das ist besser als jedes Auslandsstudium für mich, weil ich so viele verschiedene Kulturen erlebe. Das ist sozusagen der positive Mehrwert der ganzen Arbeit.«

Der Glaube gibt ihrem Leben seit jeher ein festes Fundament. Trotzdem war der Weg zur Theologie alles andere als vorprogrammiert. »Eigentlich wollte ich immer Medizin studieren«, sagt sie und lächelt. »Ich hatte schon einen Studienplatz«, so die 24-Jährige. Doch zunächst entschied sie sich für eine Ausbildung zur Krankenschwester. Bei ihr wuchs jedoch das Interesse für Theologie und irgendwann stand sie am Scheideweg. Theologie oder Medizin. Sie entschied sich für Theologie.

Die Praxis, für die Menschen vor Ort und ganz konkret da zu sein, das ist es, was sie will. In diesem Zusammenhang kritisiert sie, dass das Theologiestudium ein rein wissenschaftliches Studium sei und es nur ein verpflichtendes Praktikum gebe. Darum plädiert sie dafür, vor dem Studium eine Ausbildung zu absolvieren. »Ich finde, man sollte mal in das ganz normale Leben reingeschnuppert haben, sonst studiert man fernab der Realität und vergisst, wofür man die Ausbildung macht.«

Julia Braband will etwas bewegen. Das heißt aber nicht, dass sie alles Althergebrachte umschmeißen möchte. Gerade die Liturgie empfindet sie als wertvoll. Es fehle ihr oftmals aber der Mittelweg zwischen klassischen Elementen und modernen Formen: »Einerseits loslassen von alten Dingen, die überhaupt keiner versteht, und andererseits neue Dinge einbringen.«

Was sie schätzt und bewundert ist, dass anderswo die Christen ihren Glauben sehr offen leben, sich nicht des Evangeliums schämen. »Der eigene Glaube ist kein populäres Thema. Manchmal wird man sogar ausgelacht. Gerade Jugendliche erleben das ja, wenn sie sagen, ich bin getauft und glaube an Gott. Das ist ein Problem unserer Gesellschaft«, sagt sie.

Ein Bibelvers trägt Julia Braband seit zehn Jahren. Es ist ihr Konfirmationsspruch aus Psalm 73: »Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.« Diesen Vers hat sie sich damals selbst ausgesucht. »Es ist interessant zu sehen, was der Spruch in meinem Leben bedeutet«, sagt sie.

Julia Braband hat einen klaren Fahrplan. Noch vor dem 30. Geburtstag möchte sie ordiniert werden. Wohin es sie verschlagen wird, das weiß sie nicht, aber in der EKM möchte sie bleiben.

Diana Steinbauer

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Durchweg positive Einträge

18. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Bugenhagenhaus: Bilanz der EKM-Themenwochen – Botschaften zum Abschluss übergeben

Im Wittenberger Bugenhagenhaus präsentierten sich während der Weltausstellung Reformation Kirchenkreise und Initiativen aus der EKM. Mit der Projektverantwortlichen Adelheid Ebel sprach Willi Wild.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?
Ebel:
Es war ein toller Sommer. Im Bugenhagenhaus habe ich viele wunderbare Menschen aus unserer Landeskirche kennengelernt. Unsere Kirche lebt, da ist viel Kreativität und Engagement. Der Austausch war wirklich sehr wertvoll. Ein Höhepunkt für mich waren »Luthers Freunde« aus dem Südharz, die mit einer dreieinhalb Meter großen Lutherpuppe durch die Innenstadt gezogen sind und Besucher auf die Angebote im Bugenhagenhaus aufmerksam gemacht haben.

Wie war die Resonanz?
Ebel:
Wir haben die Erfahrung gemacht, wenn wir rausgehen, Menschen einladen und auf die Angebote aufmerksam machen, dann wirkte sich das auf die Resonanz im Haus aus. Nach dem Kirchentag hatten wir allerdings erst mal Flaute. Aber in der Urlaubszeit, im Juli und August, wurde es dann immer besser. Ich glaube, auch für die beteiligten Kirchenkreise war es eine schöne Erfahrung, wenn die Teams eine Woche gemeinsam hier in Wittenberg verbracht haben.

Welche Kommentare haben die Besucher im Gästebuch hinterlassen?
Ebel:
Die Kommentare sind durchweg positiv. Da heißt es dann: Vielen Dank für den einladenden Raum, für die Gestaltung, für den freundlichen Empfang, für interessante Ausstellungen, für gute Begegnung und gute Ideen, für eine tolle Zeit und tolle Gespräche. Ein Kind hat geschrieben: »Ich hab Kostüme angezogen, ich hab alte Schrift ausprobiert. Es hat mir gefallen.«

Ein Schatzkästchen mit Botschaften übergab Adelheid Ebel (rechts) an Reformationsbotschafterin Margot Käßmann (links). Foto: Thomas Klitzsch

Ein Schatzkästchen mit Botschaften übergab Adelheid Ebel (rechts) an Reformationsbotschafterin Margot Käßmann (links). Foto: Thomas Klitzsch

Der Kirchenkreis Mühlhausen hatte Kostüme mitgebracht. Damit konnte man sich fotografieren lassen. Ein weiterer Eintrag, der mich bewegt hat: »Ich wünsche der EKM den Mut eines Luthers, für Überzeugung Kopf und Kragen zu riskieren.« Diese Botschaft verstehe ich als Anregung für unsere Arbeit: Den Mut zu haben, Dinge zu lassen, wo wir wissen, das funktioniert nicht mehr. Stattdessen gemeinsam zu schauen, wo entsteht etwas Neues.

Reformation geht weiter – was bleibt von der Weltausstellung?
Ebel:
In der vergangenen Woche wurden die Zukunftsprojekte der EKM thematisiert. Die sogenannten Erprobungsräume stießen dabei auf großes Interesse auch von Mitgliedern anderer Landeskirchen. Dabei wurde gezeigt, welche Ideen und neuen Formen von Kirche in den Regionen erprobt werden und welche Auswirkungen sie haben. Da passiert Reformation ganz praktisch vor Ort. Sich darüber auszutauschen, das kam sehr gut an und geht weiter. Das war eine Art Zukunftswerkstatt mit regionalen Bezügen.

Die Weltausstellung Reformation ist zu Ende. Gilt das auch für die Aktivitäten des Kirchenkreises?
Ebel:
Nein, wir bleiben natürlich gute Gastgeber und es gibt weiterhin eine Reihe von Angeboten. Beispielsweise werden die ökumenischen Themengottesdienste in der Stadtkirche, gleich neben dem Bugenhagenhaus, jeden Mittwoch um 20.17 Uhr, bis zum 25. Oktober fortgesetzt. Im Reformationssommer haben wir gelernt, dass wir uns nicht verstecken brauchen. Wir wollen als Kirche auf vielfältige Weise erkennbar sein und uns dazu mutig auf den Marktplatz stellen.

www.kirchenkreis-wittenberg.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Um Schimmels willen! – Mysteriöser Pilzbefall an Orgeln

11. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Vor zwei Jahren ist in der EKM eine Online-Umfrage zum Schimmelbefall an historischen und neuen Orgeln gestartet worden. Bei der Befragung ging es zum einen um die Gefährdung der Instrumente, aber auch um gesundheitliche Risiken. Über das Ergebnis sprach Michael von Hintzenstern mit Christoph Zimmermann, dem Orgelreferenten im Landeskirchenamt.

Ungefährlich: Was wie Staub aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Schimmelpilz, von dem aber keine Gefahr ausgehen soll.  Foto: Christoph Zimmermann

Ungefährlich: Was wie Staub aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Schimmelpilz, von dem aber keine Gefahr ausgehen soll. Foto: Christoph Zimmermann

Wie viele Gemeinden haben sich beteilig und welche Ergebnisse konnten ermittelt werden?
Zimmermann:
Unser Online-Fragebogen wurde für ca. 400 Instrumente aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgefüllt. Das hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen und freut uns sehr. Es handelt sich dabei um Instrumente mit und ohne Schimmelbefall. Die Umfrage war Teil eines durch die EKM initiierten Forschungsprojektes zu den Ursachen des zugenommenen Schimmelbefalls an Orgeln. Im Ergebnis dieser Befragung wurden etwa 50 Orgeln besichtigt und untersucht. Daraus wurden noch einmal 20 Instrumente für eine vertiefte Untersuchung ausgewählt. Ziel des Forschungsprojektes ist zunächst die Untersuchung der Ursachen für diesen Befall.

Welche Ursachen gibt es?
Zimmermann:
Klar ist, dass die Klimaverhältnisse in der Kirche und speziell in der Orgel eine große Rolle spielen. Wieweit auch die Beschichtungen auf den Oberflächen eine Rolle spielen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Was sollen Kirchengemeinden unternehmen, deren Orgeln von Pilzen befallen sind?
Zimmermann:
Grundsätzlich sind die zuständigen Orgelsachverständigen erste Ansprechpartner zu den Fragen der Orgel. Unser Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen. Wir empfehlen zunächst, möglichst keine Eingriffe (Reinigung nur wegen Pilzbefall, Behandlung mit Fungiziden o.ä.) vorzunehmen, sondern die Projektergebnisse abzuwarten. Sinnvoll ist aber, geeichte Messgeräte (Datenlogger) in den betroffenen Instrumenten und Kirchenräumen auszulegen. Die Temperatur- und Feuchtedaten von wenigstens einem Jahr sind für eine Bewertung der örtlichen Klimasituation sehr hilfreich.

Kann man nach dem jetzigen Forschungsstand gesundheitliche Gefährdungen ausschließen?
Zimmermann:
Es hat sich bei unseren untersuchten Instrumenten herausgestellt, dass fast ausschließlich Pilze der Aspergillus-glaucus-Gruppe anzutreffen sind. Von diesen geht im Normalfall keine Gesundheitsgefahr aus. Auch wirken sie nicht holzzerstörend. Bei einer anstehenden Reinigung durch Fachleute sollten diese sich trotzdem mit entsprechendem Schutz ausrüsten, um im Einzelfall eine mögliche allergische Reaktion auszuschließen.

Wie soll in Zukunft – auch bei Baumaßnahmen – mit drohendem Pilzbefall umgegangen werden?
Zimmermann:
Im November findet im Rahmen des Forschungsprojektes ein Kolloquium in Erfurt statt. Dabei werden die bis dahin ausgewerteten Ergebnisse Orgelsachverständigen, Orgelbauern und Kirchenbaureferenten vorgestellt und diskutiert. Dies wird uns hoffentlich in einigen Punkten Klarheit bringen und die Grundlage sein, auf der wir in einem Folgeprojekt auf konkrete Handlungsmuster hoffen.

nächste Seite »