Landesgartenschau: Freier Zutritt zum Kirchenpavillon

15. April 2018 von redaktionguh  
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Die aufgeschlagene Bibel als Dach. So präsentiert sich der Kirchenpavillon auf Sachsen-Anhalts Landesgartenschau in Burg, die am 21. April beginnt.

Foto: Renate Wähnelt

Foto: Renate Wähnelt

Eine Gemeinschaft der Kirchen aus der Stadt und der Region laden 170 Tage lang unter dem Motto »Aus der Quelle erfrischt« zu Mittagsandachten und Sonntagsgottesdiensten ein, bieten Lesungen, Musik, Spiele für Groß und Klein und eine Oase der Ruhe, sagte Ute Mertens. Die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, der das Kirchenprogramm in den eintrittsfreien Ihlegärten koordiniert, präsentierte gut zwei Wochen vor dem Startschuss den Pavillon und dankte der Lotto-Gesellschaft für die finanzielle Unterstützung von 9 700 Euro sowie allen Organisatoren und Helfern.

Die Kirchenzeitung ist Medienpartner der LAGA Burg 2018.

Wenn im Pfarrhaus kein Licht mehr brennt

Gemeinde: Probleme und Chancen für Regionalpfarrämter. Ein Beispiel aus dem Kirchenkreis Elbe-Fläming.

Im Pfarrhaus ist das Licht ausgegangen. Erlischt damit das Licht der Kirche? Wie viele Hauptamtliche braucht eine Gemeinde, um Kirche zu sein? Wem ist es zuzumuten, sonntags über die Dörfer zu reisen: dem Pfarrer oder den Kirchgängern?

Es sind Fragen wie diese, mit denen sich die Christen im Kirchenkreis Elbe-Fläming seit einigen Jahren auseinandersetzen. Weil die Zahl der Gläubigen zurückgeht, kann der Kirchenkreis weniger Geld für Mitarbeiter ausgeben und muss Stellen abbauen. Entwürfe zum Stellenplan wurden seit 2016 diskutiert, im September 2017 beschloss die Kreissynode auf einer Sondersitzung mit zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen, die Vorgaben der Landeskirche umzusetzen. Der Stellenplan sieht vor allem die Einrichtung von Regionalpfarrämtern vor.

In Tucheim, einem Ort an der brandenburgischen Grenze, ist die Pfarrstelle seit anderthalb Jahre vakant.

Tucheim ist Zentrum des gleichnamigen Pfarrbereichs mit sechs Predigtstellen gewesen und bildet nun ein Regionalpfarramt mit Wollin, Wusterwitz und Ziesar. Weil sie »ihre« Pfarrstelle erhalten wollen und aus Protest gegen das Regionalpfarramt ist der Tucheimer Gemeindekirchenrat (GKR) im Herbst geschlossen zurückgetreten. Es folgten eine hitzige Debatte in der Lokalzeitung und eine emotionale Gemeindeversammlung im Januar.

Die Gemeinde wird seitdem vom Kreiskirchenrat geleitet; das Regionalpfarramt hat seine Arbeit aufgenommen. Für die sechs Kirchspiele und eine Kirchengemeinde sind zwei Pfarrer, ein ordinierter Gemeindepädagoge, eine Gemeindepädagogin und ein Kirchenmusiker zuständig. Die drei ordinierten Mitarbeiter teilen sich die Seelsorge, dafür sind Bezirke festgelegt worden. Der für Tucheim zuständige Pfarrer Thorsten Minuth hat seine Dienstwohnung im Wolliner Pfarrhaus.

In der Region gibt es vier Pfarrhäuser. Bei drei ordinierten Mitarbeitern ist klar, dass immer ein Haus leer stehen wird. Zurzeit ist das Tucheim. »Die Gemeinde lebt nicht davon, dass ein Pfarrer im Pfarrhaus wohnt. Die Gemeinde lebt von den Christenmenschen vor Ort«, betont Superintendentin Ute Mertens.

Das Schrumpfen der Kirche lässt die jahrhundertealte Tradition einer pfarrerzentrierten Gemeinde wanken. Das schmerzt nicht nur in Tucheim, sondern auch anderswo. Mancherorts sind Einschnitte in den Gottesdienstrhythmus zu verkraften, andere verlieren den Pfarrer, den sie einmal gewählt haben, weil sie nun einem anderen Seelsorge-Bezirk zugeordnet werden, heißt es im Wusterwitzer Gemeindebrief.

Doch in der Krise liegen Chance und Freiheit. Denn es fehlen Vorgaben, wie ein Regionalpfarramt gestaltet werden soll. Das Zusammenwachsen wird vom EKD-Zentrum »Mission in der Region« begleitet. Im Gespräch sind ein Zentrum für Kinder und Jugend oder ein Regionalbüro. Schon heute gibt es einen Regionalchor. »Gerade in der Musik bricht ein zartes Pflänzchen auf«, hat Superintendentin Mertens beobachtet. Sie benennt auch die Schwierigkeiten: die Verlustängste, die Ungewissheit und ganz praktische Sorgen. Das Regionalpfarramt erstreckt sich über zwei Bundesländer. Organisiert die Kirche Kinderfreizeiten, müssen die Ferientermine von Sachsen-Anhalt und Brandenburg zueinanderpassen.

Das Zusammenwachsen erfordert Mut, einige Dinge zu lassen und andere auszuprobieren. Es wird zudem Gelassenheit, Neugier und Zeit brauchen. Der Kreiskirchenrat und die
Superintendentin laden alle ein, die sich darauf einlassen wollen und können. Eine Zukunftswerkstatt hat gerade begonnen. Egal, wie unterschiedlich die Vorstellungen von Kirche auch sein mögen: Die Basis haben alle Christen gemeinsam. Ute Mertens ist sicher: »Wir brauchen viel Gottvertrauen.«

Katja Schmidtke

Antrag an die Synode

Die Tagung der Landessynode widmet sich den Gemeinden. Ein Grund ist der Antrag, den der Kirchenkreis Elbe-Fläming im Herbst einbrachte. Darin heißt es, die Gewichtung der Kriterien für die Berechnung der Stellen mögen überdacht werden. Sie zementierten das Ausbluten kirchlichen Lebens auf dem Land.

»Die Landessynode möge klar sagen, wie sie sich in Zukunft Kirche vorstellt: als flächen­deckende Institution, die auch in kleinen Dörfern missionarische Arbeit leistet, oder als Kirche von geistlichen Zentren, die ›weiße Flecken‹ in der Fläche zulässt.«


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Was ist Kirche?

9. April 2018 von redaktionguh  
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Abriss oder Aufbau: In vielen Kirchengemeinden in der EKM stellt sich die Frage, wie sie mit ungenutzten Gebäuden umgehen und wie sich das Gemeindeleben organisieren lässt. Eine Betrachtung zur Zukunft von Gemeinde.

Riesengroß ist die Kirche in Dahlenwarsleben. Hundertausende Euro sind allein nötig, damit sie nicht weiter Schaden nimmt. Um ein zukunftsweisendes Konzept zu realisieren, wenigstens eine Million. Doch die Gemeinde in dem Bördedorf zählt nicht einmal 100 Köpfe, zum Gottesdienst kommt eine Handvoll Leute. Ist die Investition zu rechtfertigen?
Pfarrer Johannes Könitz, der die Gemeinde im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt betreut, erntete mit dieser Frage auf der jüngsten Kreissynode nicht etwa einen Sturm der Entrüstung, eher ratloses Schweigen. Denn aus der Verantwortung könne man sich nicht stehlen, erwiderte Pfarrer Thomas Wolter. »Wenn Sie eine Kirche retten wollen, setzen Sie das Gerücht in die Welt, dass sie abgerissen werden soll«, merkte Superintendent Uwe Jauch an. Wie wahr – und wie seltsam.

Kleine Gemeinden und große Baulasten. Das Warten betagter Menschen am Geburtstag auf den Pfarrer oder die Pfarrerin. Die aber viele Besuche in vielen Gemeinden zu bewältigen hätten. So kommt »nur« ein Prädikant oder Lektor. Das ist ein anderes Lebensgefühl, als wenn der Pfarrer vorbeischaut – gerade auf dem Land. Unzulänglichkeiten, Unzufriedenheit, wohin man schaut.

Zukunftswerkstätten sind eine Antwort auf die zunehmende Diskrepanz zwischen sinkenden Zahlen an Gemeindemitgliedern und den gleich bleibenden Erwartungen an »die Kirche«. Sie resultieren aus der Erkenntnis, dass geringer werdenden Mitgliederzahlen und Geldern und der damit sinkenden Zahl an Stellen nicht ewig mit Strukturveränderungen – sprich: größeren Pfarrbereichen – beizukommen ist.

Baulast: Die evangelische St.-Lamberti-Kirche in Dahlenwarsleben im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt. Foto: Reise Reise, CC BY-SA 3.0

Baulast: Die evangelische St.-Lamberti-Kirche in Dahlenwarsleben im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt. Foto: Reise Reise, CC BY-SA 3.0

Aber wie dann? Was ist die Aufgabe der Pfarrer, was die der engagierten Laien? Diese Frage versuchten die Synodalen im Kirchenkreis Südharz während ihrer jüngsten Tagung zu beantworten. Es war ein Auftakt für ihre Zukunftswerkstatt, die mit Treffen in allen Regionen jetzt Fahrt aufnehmen soll. Eingeladen sind nicht nur Menschen der Kirche sondern alle, die sich für ihren Ort, ihre Region engagieren. Damit nicht die jungen Leute wegziehen, die Alten bleiben und irgendwann niemand mehr im Dorf wohnt. Lebensmittelladen, Post, Sparkasse, Kneipe sind schließlich schon weg. Die Kirche bleibt stehen – leer?

Bei aller Arbeitsbelastung der Hauptamtlichen, bei aller Sorge – dass so überraschend viele Menschen Zeit, Kraft und Geld in den Erhalt der Kirchengebäude stecken, wie Uwe Jauch unterstrich, sollte man optimistischer sein. Dieses Mittun ist handfester Beleg für eine allgegenwärtige Tendenz: Für konkrete Projekte mit (vermutlich) überschaubarem Zeithorizont finden sich Engagierte. Wenn sie nicht Mitglied der Kirchengemeinde sind, aber dennoch dabei sind – wirkt da nicht der Heilige Geist? Landesbischöfin Ilse Junkermann hatte in einer Diskussion viel Skepsis geerntet mit ihrer Ermunterung, nicht so sehr auf die Kirchenmitgliedschaft zu schauen, sondern einfach das Wirken von Menschen anzunehmen, sie die Kirchengebäude mit Leben füllen lassen.

Ihr Plädoyer, sich von der pfarrerzentrierten Kirche zu verabschieden, klingt ebenso befremdlich. Denn noch immer ist es so, dass das Bild der Kirche in erster Linie durch den Pfarrer geprägt wird, stellte Sabine Heger fest. Die Synodale im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt sieht ebenfalls, dass sich Ehrenamtliche wie sie mehr als »Kirche« fühlen und präsentieren sollten und wünscht sich dafür mehr Anleitung. »Es muss doch nichts perfekt sein. Wir können eigentlich nichts falsch machen. Wenn wir vor Ort etwas tun, dann prägen wir das Bild von Kirche«, ermunterte sie zu offensiverem Agieren.

Trotzdem ist es etwas anderes, wenn der Pfarrer zum Gratulieren kommt und nicht »nur« der Nachbar. Enttäuschte Erwartungen werden auch die innovativsten Zukunftswerkstätten nicht vermeiden können.

Renate Wähnelt

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Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!

2. April 2018 von redaktionguh  
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Foto: Veit Rösler

Foto: Veit Rösler

Der Kuchen wird kleiner

Tafeln: Vor den Feiertagen erleben die Ausgabestellen einen großen Ansturm. Über die Situation in Mitteldeutschland sprach Willi Wild mit der Seminarleiterin der Tafelakademie, Beate Weber-Kehr.

Ist die von der Essener Tafel geschilderte Situation ein Einzelfall?
Weber-Kehr:
Der Umgang mit den Tafelbesuchern und die Bewältigung des Ansturms ist bei jeder Tafel ein Thema. Bei Menschen mit Migrationshintergrund geht es vor allem darum, zu erklären, was es mit den Tafeln auf sich hat. Viele denken, die Tafeln seien staatliche Stellen. Wir versuchen aufzuklären, dass es sich um ehrenamtliche Einrichtungen und gemeinnützige Vereine handelt, die kein Zweig des Sozialstaates sind. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Tafelversorgung. Gleichwohl stehen die Einrichtungen allen Bedürftigen offen.

Wie gehen die Tafeln mit dem Ansturm vor Feiertagen um?
Weber-Kehr:
Da hat jede Tafel für sich ein System entwickelt, um die Besucherströme zu kanalisieren. Hier geht es vor allem um eine gerechte Verteilung. Oft werden Nummern vergeben, damit niemand vergeblich in einer Warteschlange steht. Oder aber es gibt ein genaues Zeitfenster, in der eine Familie oder Einzelpersonen zur Ausgabestelle bestellt werden. Im Grunde ist alles eine Frage der Organisation und des Verteilsystems.

Was bekommen die, die zu spät dran sind?
Weber-Kehr:
In den Tafel-Statuten steht eindeutig, dass jeder Bedürftige etwas bekommt. Wir wollen allen helfen, die Hunger haben. Es spielt für uns keine Rolle, welche Hautfarbe, Herkunft oder sexuelle Ausrichtung ein Mensch hat.

Beate Weber-Kehr, Weimar, ehem. stellv. Bundes­vorsitzende der Tafeln in Deutschland. Foto: privat

Beate Weber-Kehr, Weimar, ehem. stellv. Bundes­vorsitzende der Tafeln in Deutschland. Foto: privat

Wie gehen Sie mit Rassismus-Vorwürfen um?
Weber-Kehr:
Der Bundesverband hat sich sehr früh eine Carta gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung gegeben. Klar ist aber auch, wenn immer mehr Menschen zu den Tafeln kommen, müssen wir uns überlegen, wie wir den Ansturm bewältigen können. Wir sind auf Spenden angewiesen und auf ehrenamtliche Hilfe. Unter Umständen muss für den Einzelnen der Kuchen kleiner gemacht werden. Das Gratis-Essenspaket hat einen Wert von 40 bis 50 Euro und wird für einen Obulus abgegeben. Wenn es in der bisherigen Größe nicht mehr reicht, muss es eben auch mal mit weniger gehen, damit alle etwas davon haben.

Wie empfinden Sie die Aufmerksamkeit, die den Tafeln in der letzten Zeit zu Teil wurde?
Weber-Kehr:
Es ist wichtig, dass der Fokus auf diese ehrenamtliche Arbeit und die spezifischen Probleme gelenkt worden ist. Immerhin engagieren sich 60 000 Menschen bei den Tafeln in Deutschland. Auf einmal hat jeder etwas dazu zu sagen, allerdings oft mit gefährlichem Halbwissen. Wenn das Ergebnis ist, dass sich die Situation verbessert, dann hat der vermeintliche Skandal in Essen durchaus etwas gebracht.

Wie ist die Situation bei den Tafeln in Mitteldeutschland?
Weber-Kehr:
Die Situation ist ähnlich zu der in anderen Regionen. Der Ausländeranteil ist sehr hoch. Wir merken, dass dadurch andere, ich will sie jetzt mal als die traditionellen Tafelbesucher bezeichnen, wegbleiben. Manche Tafeln haben nicht mehr so ein großes Angebot. Mittlerweile kalkulieren die Märkte einfach besser.

Der Bundesverband hat reagiert und vermittelt über Logistikunternehmen bundesweit die Lebensmittel, so dass die Tafeln zusätzlich Spenden verteilen können.

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»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
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Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

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Die letzte Diakonisse von Genthin

18. März 2018 von redaktionguh  
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Porträt: Heutzutage gehe es nicht mehr ums Dienen, glaubt Schwester Dorothea. Deswegen seien Diakonissen eine aussterbende Spezies.

Die Meisen picken emsig Körner aus dem Futterspender auf der kleinen Terrasse. Griffbereit steht das Fernglas. Dorothea Graumann möchte auch die Vögel genau beobachten können, die sich nicht so nah heranwagen. Vögel füttern, Blumen gießen, Andachten halten – inzwischen leider meistens nur für sich allein. Die Tage der Diakonisse sind noch immer ausgefüllt, zumal die 84-Jährige inzwischen mehr Zeit für die alltäglichen Verrichtungen braucht als früher. Sie hat sich zur Ruhe gesetzt. Schwester Dorothea ist die letzte Diakonisse in Genthin, wo einst die Frauen in Tracht das Straßenbild prägten und ein Stück weit »Kirche« repräsentierten.

»Die Rosen waren bei mir kürzer.« Schwester Dorothea betrachtet dankbar, aber auch kritisch den Garten am Mutterhaus. Früher hat sie ihn gepflegt, doch das lassen die Knie nicht mehr zu. Foto: Renate Wähnelt

»Die Rosen waren bei mir kürzer.« Schwester Dorothea betrachtet dankbar, aber auch kritisch den Garten am Mutterhaus. Früher hat sie ihn gepflegt, doch das lassen die Knie nicht mehr zu. Foto: Renate Wähnelt

So gewohnt und unspektakulär ihr Alltag ist, so groß war ihre Überraschung, dass sie den Bürgerpreis 2017 der Stadt Genthin erhielt. Hätte sie das gewusst, wäre sie bestimmt gar nicht zum Neujahrsempfang der Stadt gegangen, sagt sie entschieden. Sowieso hatte sie nur dem Drängen von Freunden nachgegeben. Als sie dann plötzlich im Mittelpunkt stand, flossen ihr die Tränen. »Da klatschten 200 Menschen im Saal«, erinnert sie sich noch immer bewegt. »Ich habe gesagt, dass ich den Preis auch im Namen meiner Mitschwestern annehme.« Mit dieser Interpretation kann sich Schwester Dorothea arrangieren. »Ich stehe nicht gern im Vordergrund und habe immer andere vorgeschoben.«

Ob diese Rollenverteilung stets ganz freiwillig war? Als Jüngste unter den Diakonissen in Genthin, wo sie im Johanniter-Krankenhaus 1956 ihre Ausbildung begann, als Jüngste im Krankenhaus Jüterbog, wo sie sieben Jahre lang aufgrund ihrer »Jugend« Mädchen für alles war, und dann weiter als Jüngste bei ihrer Rückkehr nach Genthin war sie wohl doch so manches Mal in den Hintergrund geschoben worden. Doch eine Diakonisse dient eben, und das tut Schwester Dorothea aus vollem Herzen.

Geprägt hat sie die Pflegemutter in dem Waisenhaus, in dem sie in Niedersachsen aufwuchs. Ihr Bild hängt an der Wand. »Unsere Pflegemutter war durch und durch Christin. Es gab keine Mahlzeit ohne Gebet. Ich wollte etwas von dem weitergeben, was ich erlebt habe. Anderen Menschen helfen um Christi willen.« Eine Anstellung im Krankenhaus, während sie die todkranke Pflegemutter betreute, hatte dann den konkreten Weg bereitet.

Dienen aus vollem Herzen, für Menschen da sein – auch wenn es schlaflose Nächte kostete in den 60er Jahren, weil sie als Küchenschwester nicht wusste, wie sie die notwendigen Zutaten besorgen kann. Oder weil die Diakonissen nachts die Windeln wuschen statt zu schlafen. Es bekümmert sie, dass Pflege heute nach Zeit bemessen wird, das es ums Geld geht und nicht genug um den Menschen. Schwester Dorothea hatte das Glück, dass sie das Dienen und eigene Interessen viele Jahre vereinbaren konnte. Gern wäre sie Gärtner oder Förster geworden – unter ihren Händen blühte der Patientengarten und überbrückte wohl auch so manchen Versorgungsengpass in der Klinikküche. Bis vor wenigen Jahren hat sie sich auch am Mutterhaus um den Garten gekümmert. Das lassen die Knie nun nicht mehr zu. »Die Rosen dort waren bei mir kürzer«, weist sie auf eine Rabatte. So ganz hat sie sich mit dem Nachlassen der eigenen Möglichkeiten noch nicht abgefunden.

Mit der Tatsache, dass Diakonissen aussterben, kann sie inzwischen umgehen. Könnte sie sich vorstellen, dass heutzutage Frauen Diakonissen werden? »Nein.« Schweigen. »Ich könnte nicht glauben, dass das ehrlich gemeint ist. Es geht nicht mehr ums Dienen.« So gern sie selbst früher manchmal einfach Feierabend hätte machen wollen und damit Aufgaben ablehnen – sie hat es nicht getan. »›Diakonissen gerne sich fügen‹, war so ein Spruch. Aber das war nicht immer ›gern‹«, gibt sie zu.

Im Laufe der Jahre arbeiteten immer mehr Nicht-Diakonissen im Johanniter-Krankenhaus Genthin. Trotzdem: »Wir waren ein gemütliches Haus und haben viel miteinander gefeiert.« Wirtschaftlich veränderte sich dadurch jedoch etwas: »Wir mussten die Entbindungsstation schließen, denn für eine Diakonisse als Hebamme, die Tag und Nacht da war, hätten drei andere eingestellt werden müssen«, erinnert sie sich an ein Detail. Im vorigen Jahr mussten die Johanniter das Genthiner Krankenhaus ganz schließen. Es ging wirtschaftlich nicht mehr.

Das macht Schwester Dorothea traurig. Noch mehr aber bekümmert sie, dass im Mutterhaus so wenige Christen leben. Die Mutterhaus-Glocke im Garten hat sie lange Zeit dreimal täglich zum Gebet geläutet. Jetzt nur noch gelegentlich, zum Gottesdienst. Allerdings passt Trübsal nicht zu ihr. Verschmitzt erzählt sie, dass der Hausmeister ihr ein ewiges Leben wünscht, da sie das Haus so gut kenne. Andererseits: »Ich bin nun nicht mehr Aufpasser für alle«, stellt sie resolut fest.

Renate Wähnelt

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Die Gemeindepioniere

13. März 2018 von redaktionguh  
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Werkstatt: Unter dem Motto »Inspiration durch Vernetzen – Weiterkommen durch Impulse« trafen sich Mitte Februar Akteure der 33 Projekte, in denen neue Formen von Gemeinde ausprobiert werden.

An seinem Ort ist man mit dem eigenen Projekt allein. Ich bin hierhergekommen, um zu hören, was die anderen umtreibt, vor welchen Herausforderungen sie stehen und wie sie damit umgehen.« So wie Tino Schimke vom Erprobungsraum »Stadtteilleben« in Gotha-Siebleben äußerten viele Teilnehmer den Wunsch nach Austausch und nach neuer Inspiration.

Erprobungsraum: Das kooperative Spiel ließ die Beteiligten im Workshop »Wie werde ich ein Kirchenpionier?« spüren, wie sehr Teammitglieder aufeinander angewiesen sind, damit die gestellte Aufgabe zum Ziel kommt: Gelingt es, dass sich alle mit der Hand am Seil auf den Boden setzen, ohne die Füße zu bewegen? Foto: Denzel Thys

Erprobungsraum: Das kooperative Spiel ließ die Beteiligten im Workshop »Wie werde ich ein Kirchenpionier?« spüren, wie sehr Teammitglieder aufeinander angewiesen sind, damit die gestellte Aufgabe zum Ziel kommt: Gelingt es, dass sich alle mit der Hand am Seil auf den Boden setzen, ohne die Füße zu bewegen? Foto: Denzel Thys

Für inhaltliche Impulse sorgten vor allem Bob und Mary Hopkins, die seit Jahrzehnten »frische Ausdrucksformen von Kirche« (Fresh Expresssions of Church) in England begleiten und Gemeinden in diesen Prozessen beraten. Sie haben beobachtet, welche Faktoren wichtig für die Menschen sind, die neue Gemeindeprojekte ersehnen und umsetzen. Ihre Erfahrungen sind auch hilfreich für die Erprobungsräume in Mitteldeutschland – so der Tenor vieler Werkstattteilnehmer. Zu den Faktoren gehört der Fokus auf das geistliche Leben, aus dem das Projekt hervorgeht, es unterstützt und trägt. Konkret empfiehlt sich das regelmäßige Gebet für das Projekt und alle, die daran beteiligt sind.

Weiterhin ist das Bemühen um ein gesundes Team zentral. Wie bei einer Fußballmannschaft braucht es dabei einen Coach, der tiefes Vertrauen in die Begabungen seines Teams hat. Entscheidend ist dabei die Art der Kommunikation: »Oft erlebt man den Hang zur Kontrolle. Aber Innovation passiert in einer Kultur des Freisetzens und der Risikobereitschaft«, so Bob Hopkins. Gerade diesen Aspekt, dass es auch eine Offenheit für Fehler gibt, findet der Gemeindepädagoge Jörn Bischoff aus Wernigerode entscheidend im Blick auf die Erprobungsräume: »Die Gemeinden, die sich auf etwas Neues einlassen, sind nicht zum Erfolg verdammt. Sie können auch scheitern. Das macht es zögerlichen Gemeinden leichter.«

In der Erfahrung der Hopkins spielt es weiterhin eine wichtige Rolle, die Bedürfnisse der Gemeinde und des Umfelds wahrzunehmen. Auch dazu ein Bild aus dem Sport – bezogen auf die Tradition des Sonntagsgottesdienstes. »Wir wollen nicht wie Kugeln beim Billard zusammenstoßen und einfach so wieder auseinander gehen.« Zentral ist nicht das Event, sondern die Gemeinschaft. Dem kann auch Simon Roppel, Jugendreferent des Kirchenkreises Südharz, zustimmen. »Viele denken, dass wir in der Jugendkirche Nordhausen eine Eventkirche sind. Aber das stimmt nicht. Der Schwerpunkt liegt auf der Kleingruppenarbeit, die unter der Woche in den vielen Dörfern ringsum stattfindet.«

Andreas Möller, Referent für die Erprobungsräume, blickt am Ende des Tages zufrieden zurück: »Diejenigen die schon länger in einem Projekt unterwegs sind, konnten sich durch den Austausch versichern, dass sie nicht verrückt sind, sondern das Gleichgesinnte mit ihnen auf dem Weg sind.«

Kirchengemeinden, die sich mit dem Gedanken tragen, selbst eine neue Gemeindeform zu erproben, bekommen in der zweiten Hälfte dieses Jahres noch einmal die Gelegenheit, ein Projekt zu beantragen.

Katharina Freudenberg

www.erprobungsraeume-ekm.de

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Willkommen am Stand der EKM

1. März 2018 von redaktionguh  
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Noch bis Sonntag begrüßen Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen die Besucher der Thüringen Ausstellung auf dem Messegelände in Erfurt. Anne Haertel (li.) und Sabine Kappelt (re.) informierten über die Angebote des Kinder- und Jugendpfarramts der EKM.

Schaufensterpuppen sollen auf kirchliche Trauungen, Taufen und Konfirmation aufmerksam machen.

Die Kirchenzeitung ist mit den aktuellen Ausgaben vor Ort.

Der Stand der EKM ist nicht zu übersehen. Am Übergang von der Halle 1 zur Halle 4, direkt beim Messecafé, werden die Gäste von 10 bis 18 Uhr willkommen geheißen.

Neben der Landeskirche präsentieren sich auch diakonische Einrichtungen wie das Arnstädter Marienstift.

www.thueringen-ausstellung.de

Foto: Willi Wild

Foto: Willi Wild

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Von »Milchglasnost« und anderen Wundern

26. Februar 2018 von redaktionguh  
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Kirchenpresse: Es ist überaus spannend, im Jahrgang 1988 der evangelischen Wochenzeitungen »Glaube und Heimat« und »Die Kirche« zu blättern.

Während die eine für die Leser der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen bestimmt war, erschien die andere in der Landeskirche Berlin-Brandenburg und verfügte unter anderem über eine Magdeburger Ausgabe für die Kirchenprovinz Sachsen. Bei der Lektüre fällt auf, dass sich die Chefredakteure Gottfried Müller und Gerhard Thomas oftmals an der Grenze des Machbaren bewegten – und diese gelegentlich überschritten. Immer im Bestreben, brennende gesellschaftliche Themen anzusprechen, die in der offiziellen SED-Presse und den Zeitungen der Blockparteien nicht vorkamen, aber die Menschen bewegten.

So findet sich im gebundenen Jahrgang 1988 der Magdeburger Ausgabe die Eintragung, dass fünf Nummern nicht erscheinen konnten. »Glaube und Heimat« war davon zweimal betroffen.

Chefredakteur Gerhard Thomas (li.) und Superintendent Christof Ziemer während des Abschlußgottesdienstes der 3. Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Dresdner Kreuzkirche am 30. April 1989. Fotos (2): epd-bild

Chefredakteur Gerhard Thomas (li.) und Superintendent Christof Ziemer während des Abschlußgottesdienstes der 3. Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Dresdner Kreuzkirche am 30. April 1989. Foto: epd-bild

Deutlich zu erkennen ist das Bestreben, an Diskussionsprozessen teilzunehmen und eigene Positionen einzubringen. So beklagt sich beispielsweise im Dezember 1987 Gottfried Müller, dass beim DDR-Schriftstellerkongress die Kirchenpresse nicht akkreditiert wurde und nur die »volkseigenen Medien« sowie Funk- und Presseleute westlicher Redaktionen vertreten waren. Dabei habe sich gezeigt, dass auf östlicher und westlicher Seite spezifische Formen von »Milchglasnost« gepflegt wurden. »Auf diese Weise«, so der Kommentator, »ereignete sich das physikalische Wunder, dass erst die Addition von Milchglasnost und Milchglasnost die volle Glasnost ergab.« Und er spricht die Hoffnung aus, »dass wir uns in einem halben Jahrzehnt, wenn man zum nächsten Kongress rüstet, auf solches Zusammenfügen von publizistischen Halbheiten nicht mehr einzulassen brauchen«.

In Nr. 1/1988 verweist er darauf, dass Volksbildungsministerin Margot Honecker in einem Interview mit der »Jungen Welt« Verständnis für junge Leute bekundet hat, »wenn sie unausgewogene, ja zugespitzte Fragen stellen«. Sie habe damit ein Problem berührt, das weit über den Schulbereich hinaus reiche. »Auch im Betrieb, in den gesellschaftlichen Organisationen, in den Massenmedien und nicht zuletzt in der Kirche sollte jederzeit Raum für Fragen sein, selbst wenn diese von den Verantwortungsträgern nicht immer als angenehm empfunden werden. Fragen dürfen ist so etwas wie ein Menschenrecht.«

Gottfried Müller, Chefredakteur »Glaube und Heimat« von 1981 bis 1990. Foto: Willi Wild

Gottfried Müller, Chefredakteur »Glaube und Heimat« von 1981 bis 1990. Foto: Willi Wild

»Die Kirche« bringt in Nr. 4 auf Seite 2 einen Beitrag von Bausoldaten, die einen »Zusatzmonat« im Umweltschutz und Sozial- und Gesundheitswesen leisteten, um ein Zeichen für zivilen Wehrersatzdienst zu setzen.

In Nr. 6 berichtet »Glaube und Heimat« von einer Fürbittandacht am 30. Januar, in der sich die Berliner Kirchenleitung für die Freilassung der am Rande der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration Festgenommenen einsetzte. Ab Nr. 7 wird der Boden für die »Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« bereitet, die vom 12. bis 15. Februar in Dresden tagt und an deren Vorbereitung sich engagierte Christen mit über 10 000 Vorschlägen beteiligten.

Michael von Hintzenstern

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Die blühende Ökumene

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Bundesgartenschau 2021 Kirchen in Erfurt dabei

Der Land- und Gartenbau hat in Thüringens Landeshauptstadt eine lange Tradition. Vor über 150 Jahren gab es dort bereits eine erste Internationale Gartenbauausstellung. Die Kirchen planen jetzt eine Teilnahme bei der Buga2021. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Gemeindedezernats im Landeskirchenamt der EKM gibt Auskunft:

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Wie will sich die EKM bei der Buga in Erfurt präsentieren?
Fuhrmann:
Die Kirchenpräsenz auf der Buga2021 wird ökumenisch sein. Auf dem Petersberg ist ein Pavillon der Kirchen geplant. Ob es uns gelingen wird, einen Ort der geistlichen Besinnung in direkter Nähe des Ega-Geländes anzubieten, ist noch offen.

Wie ist der aktuelle Stand?
Fuhrmann:
Bunt wie die Blumen ist unsere ökumenische Gemeinschaft. Wir hoffen, dass von dieser manches aufblühen wird. Vertreter aus dem Bistum Erfurt, dem Kirchenkreis Erfurt und der EKM bilden eine Steuerungsgruppe. Im März wird die Stelle der Projektkoordinierung im Augustinerkloster besetz werden.

Welche Bedeutung hat die Gartenschau für die Landeskirche?
Fuhrmann:
Als Christen unterschiedlicher Konfessionen erzählen wir von unserem Glauben. Gott hat uns die Welt zur verantwortlichen Gestaltung anvertraut. Natur begegnet uns heute in Europa fast ausschließlich als »Kulturlandschaft«. Was heißt es, dass wir als Menschen gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft für unseren Planeten stehen? Wir wollen alle Gäste der Buga2021 einladen, bei uns etwas zu entdecken. Wir freuen uns aber genauso auf Anregungen und neue Impulse durch unsere Gäste.

Mitteldeutsch-2-07-2018Was versprechen Sie sich vom Engagement und der Dauerpräsenz?
Fuhrmann:
Mit unserer ökumenischen Präsenz sind wir Kirchen auf dem Markt. Eine tolle Chance. Wir sind ein Marktstand unter anderen. Ich glaube, dass die bewusste Gestaltung dieser Situation für uns als Gemeinden im 21. Jahrhundert neue Erfahrungen mit sich bringt.

Wie teuer soll und darf es werden?
Fuhrmann:
Wir gehen von bis zu 450 000 Euro Gesamtkosten aus. Das Geld kommt aus unterschiedlichen Quellen. Als EKM sparen wir unseren Anteil über Jahre an. Für die Reformationsdekade mit dem Festjahr 2017 war es uns gelungen, unseren Anteil realistisch zu planen und zu steuern. Es war kein zusätzlicher Griff in Rücklagen nötig. Das wird uns hoffentlich wieder gelingen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Angriffe nicht angemessen

12. Februar 2018 von redaktionguh  
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Landesbischöfin nimmt Landeskirchenrat in Schutz

Nach der persönlichen Erklärung des Stendaler Superintendenten Michael Kleemann zur verweigerten Verlängerung der Amtszeit der Landesbischöfin äußert sich Ilse Junkermann jetzt in einem Statement. Darin bekräftigt sie noch einmal, dass sie »die Entscheidung des Landeskirchenrats voll und ganz respektiere«. Der Landeskirchenrat (LKR) habe im Rahmen des Bischofswahlgesetztes gehandelt, so Junkermann. Darin steht, dass die Amtszeit bis zu fünf Jahre vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze einmalig um bis zu fünf Jahre verlängert werden kann. Dazu muss der Landeskirchenrat mit Zustimmung der Landesbischöfin einen entsprechenden Antrag an die Landessynode stellen.

Landesbischöfin Ilse Junkermann  bei der Herbstsynode in Erfurt. Foto: Willi Wild

Landesbischöfin Ilse Junkermann bei der Herbstsynode in Erfurt. Foto: Willi Wild

In ihrer Stellungnahme verteidigt Junkermann den Landeskirchenrat gegen öffentliche Kritik. Sie halte die Angriffe weder für angemessen noch für begründet, so die Landesbischöfin, die dem Leitungsgremium vorsteht. »Dass Personalberatungen der Vertraulichkeit unterliegen, legt zugleich allen Beteiligten eine Last auf, die Last, dass die Beratungen und Entscheidungen von außen nur sehr begrenzt nachvollziehbar sind. Dies kann verständlicherweise manche Phantasien und Mutmaßungen befördern«, so Junkermann weiter.

Von Anfang an sei ihr bewusst gewesen, dass das Amt für eine befristete Zeit übertragen worden sei. »Ich selbst habe auf eine Beratung und Entscheidung, wie sie das bereits zitierte Gesetz vorsieht, großen Wert gelegt – gerade auch angesichts der Möglichkeit, dass der LKR sich gegen einen Antrag auf Amtszeitverlängerung aussprechen kann. Niemand hat mich mit diesem regulären Vorgang ›ins Messer laufen‹ lassen.« Sie habe auch von den Aspekten der Beratungen, die vor der Entscheidung in geheimer Abstimmung zusammengetragen worden seien, Kenntnis erhalten. Es liege in der Natur der Sache, so die Bischöfin weiter, dass nicht alle Gründe für sie nachvollziehbar seien.

»Besonders gefreut habe ich mich über die ausdrückliche Erklärung und Bitte des Landeskirchenrats um eine gute und konstruktive Zusammenarbeit bis zum Ende meiner Amtszeit im Sommer 2019.« Sie sei zuversichtlich, dass das auch gelinge.

Zur Kritik Kleemanns an der Form der Veröffentlichung der Entscheidung des Landeskirchenrats will sich die Landesbischöfin nicht öffentlich äußern. Das brauche eine interne Klärung, teilte sie mit.

(G+H)

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