Wild beten und fromm tanzen

17. Juni 2018 von redaktionguh  
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Evangelisches Jugendfestival »Kannste glauben« vom 22. bis 24. Juni in Volkenroda

Im Flur des Kinder- und Jugendpfarramtes in Magdeburg hängt an einem Holzbalken ein Tippschein: 402, 520, 453 und andere Zahlen. Wir sind zwar nicht unter die Zocker gegangen, aber wir tippen, wieviel Jugendliche zum Evangelischen Jugendfestival ins Kloster Volkenroda kommen werden. Ich habe optimistisch 679 geschätzt. Etwa 450 Meldungen liegen uns schon vor.

Das zeigt ein wenig die Herausforderungen heutiger Jugendveranstaltungen. Langfristige Zusagen sind schwer zu bekommen. Die Welt ist schneller geworden, gerade die Jugendwelt. Lange Anmeldevorläufe widersprechen den Möglichkeiten der Sofortkommunikation. Binnen Sekunden können sich die Jugendlichen über WhatsApp & Co verabreden: »Morgen Festival. 40 Euro. 3 Musikbühnen. Zelt mitbringen! Kommste?« Darin steckt natürlich die Chance, dass sich einige noch spontan entscheiden. Letztes Mal waren über 700 Jugendliche dabei.

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Ergraute Ex-Jugendliche denken jetzt zurück an alte Zeiten: Landesjugendsonntage und Petersbergtreffen – das waren noch Massen! Tausende. Ohne Smartphone, dafür Ormig-Abzüge: »Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch.« Die Zeiten sind anders geworden, das wissen wir alle. Nicht so genau wissen wir, wie wir darauf reagieren sollen. Man fährt nicht etwa zum Evangelischen Jugendfestival, weil das für junge Christen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eben dazugehört. Man fährt dorthin, wo es Spaß macht, wo man Freunde trifft, wo es cool ist. Gute Musik, nette Leute, kein Stress. Kirche kann – muss nicht sein.

Und dann soll’s ja auch evangelisch zugehen. Jugendliche aus den Jungen Gemeinden der EKM, aus Anhalt und von den Jugendverbänden wie dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), Entschieden für Christus (EC), Pfadfinder (VCP), die sich unter dem Dach des Bundes evangelische Jugend in Mitteldeutschland zusammenfinden, fühlen sich für das Festival verantwortlich. Eine tolle Gelegenheit trotz aller Unterschiedlichkeit miteinander was auf die Beine zu stellen.

Genau das macht das Festival aus. Leute mit unterschiedlicher Frömmigkeit feiern gemeinsam. Das ist Herausforderung und Bereicherung zugleich. Da ist Sarah, die selbstverständlich über vielerlei Geschlechtlichkeit in der Schöpfung streitet und Tim, der das deutlich in Frage stellt. Und beide sind Christen. Die können streiten und dann auch miteinander tanzen. Denn es gibt Hip-Hop von »2schneidig«, christliche Lobpreisbands, Punk-Rock und Blues sowie Jugendbands mit tollem handgemachtem Sound. Und damit auch Körper und Seele aktiv dabei sind, gibt’s den Songwriter-Workshop, Glasritzkurse und Infos über Jugendarbeit in Kolumbien. Man kann sich als Poetry-Slammer probieren, Jugendlichen aus Polen, Schweden und der Slowakei begegnen. Eine Gruppe geflüchteter Jugendlicher ist auch dabei. Auf dem Programm stehen Impro-Theater, politische Diskussion, Gespräche über Gott und das Leid. Fröhlich wird es beim Lach-Yoga und in der Silent-Disco. Es wird fromm gebetet und wild getanzt. Und auch wild gebetet und fromm getanzt.

Vieles ist möglich im Kloster Volkenroda. Unter dem Motto »Kannste glauben!« wird von der Eröffnung am Freitagabend bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag ein abwechslungsreiches Programm geboten. Schon am Mittwoch, 22. Juni, kommen etwa 60 Jugendliche zum Vor-Camp. Da werden Zelte aufgebaut und das Moderieren trainiert, Beleuchtung und Tontechnik installiert, Abläufe besprochen, Teams eingeteilt und Andachten gehalten. Damit alles gut wird. Ja, ich bin optimistisch, dass ich spontan doch noch gewinne mit meinem Tipp. Denn es lohnt sich.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der EKM

www.evangelischesjugendfestival.de

Klingende Verkündigung: Landesposaunenfest im Harz

12. Juni 2018 von redaktionguh  
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Foto: Jürgen Meusel

Foto: Jürgen Meusel

Mehrere hundert Besucher hörten zu beim großen Bläserkonzert am 2. Juni im Ballenstedter Schlosspark unter der Leitung des Landesposaunenwartes Steffen Bischoff. Es gehörte zum Programm des anhaltischen Landesposaunenfestes, zu dem am ersten Juniwochenende rund 100 Bläserinnen und Bläser in Gernrode zusammengekommen waren. Das Fest endete am Sonntag mit einem Bläser-Gottesdienst in der Stiftskirche, wo auch an das 60-jährige Bestehen des Posaunenwerkes Anhalts erinnert wurde. Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius zeichnete Frauen und Männer für ihre zehn- bis zu mehr als 60-jährige Mitgliedschaft in einem Bläserchor mit Ehrennadeln oder -urkunden aus. Zudem wählten die Mitglieder der Bläserchöre den neuen Vorstand des Posaunenwerkes. Außerdem hat das Posaunenwerk jetzt einen neuen Landesobmann. Andreas Janßen (Dessau-Roßlau), jüngst zum Pfarrer im Ehrenamt ordiniert, löste den Zerbster Pfarrer Albrecht Lindemann in dem geistlichen Amt ab. In seiner Predigt hob er den Signalcharakter der Posaunen von alter Zeit bis in die Gegenwart hervor. Und: »Sie verkündigen die Hoffnung, auf die hin wir leben.«

(G+H)

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Citypfarrerin als Scharnier zwischen Stadt und Kirche

9. Juni 2018 von redaktionguh  
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Premiere: Neue Kreispfarrstelle an der Marktkirche in Halle unterstützt Gemeindepfarrerin

Beim Fototermin scherzen Ulrike Scheller und Simone Carstens-Kant und lächeln so viel, dass sie zwischendurch die Gesichtsmuskeln lockern müssen. Keine Frage: Zwei fröhliche Christinnen werden im Gottesdienst am 10. Juni als neue Pfarrerinnen für die Marktkirche in Halle eingesegnet (Beginn: 14 Uhr).

Die 53-jährige Simone Carstens-Kant, die als Pfarrerin im Eisleber Zentrum Taufe mit einer eher projektbezogenen Stelle betraut war, kehrt in Halle in den klassischen Gemeindedienst zurück und wird Marktkirchenpfarrerin. Sie folgt auf Sabine Kramer, die zum Jahresanfang als Direktorin an das Predigerseminar Wittenberg gewechselt war. Ulrike Scheller (42), die Gemeindepfarrerin in Bad Lauchstädt im Kirchenkreis Merseburg gewesen ist, wird Citypfarrerin.

Fröhliches Duo: Citypfarrerin Ulrike Scheller (li.) und Marktkirchenpfarrerin Simone Carstens-Kant. Am 10. Juni werden sie eingesegnet. – Foto: Katja Schmidtke

Fröhliches Duo: Citypfarrerin Ulrike Scheller (li.) und Marktkirchenpfarrerin Simone Carstens-Kant. Am 10. Juni werden sie eingesegnet. – Foto: Katja Schmidtke

Die Kreispfarrstelle für Cityarbeit ist neu geschaffen worden und auf sechs Jahre befristet. Für Halle und die Landeskirche soll sie einzigartig sein, sagt Superintendent Hans-Jürgen Kant. »Die Citypfarrstelle ist das Scharnier zwischen Stadt und Kirche«, erklärt er. Weil die Marktkirche als die Kirche der Stadt gilt und es viele Schnittpunkte zur nicht-kirchlichen Öffentlichkeit gibt, trennt der Kirchenkreis die innergemeindlichen und die nach außen strahlenden Aufgaben auch personell.

Noch gleichen die konkreten Aufgaben eher einem weißen Blatt Papier und Citypfarrerin Scheller meint, dass sie darauf zunächst mehr Fragen als Antworten notieren wird. Sie will sich auf die Suche nach neuen Formen abseits des klassischen Gottesdiensts begeben, sie will wissen, was die Menschen der Kirche zu sagen haben. Ein Ausschuss aus Wissenschaftlern, evangelischen und katholischen Pfarrern, Kirchenältesten und Vertretern sozialer Einrichtungen und der Stadt Halle will die Arbeit der Citykirchenpfarrerin begleiten.

Die Marktkirchengemeinde ist mit 3 800 Gliedern, darunter Hunderte Studenten, die größte und eine der jüngsten Gemeinden in Halle. Zudem profitiert sie von der Entwicklung, dass die Menschen wieder ins Zentrum der Stadt ziehen. Die Gemeinde wächst. Diese Argumente überzeugten letztlich auch die Kreissynode, die Citykirchen-Stelle mit einem Umfang von 75 Prozent einzurichten. Pfarrerin Carstens-Kant freut sich über engagierte Ehrenamtliche in der Gemeinde. So kümmern sich Gemeindekirchenrat und Förderverein um die millionenschweren Bauarbeiten zur Sicherung des Kirchengewölbes.

Carstens-Kant möchte sich den drei gemeindeeigenen Kindergärten und den im Bereich der Kirche liegenden Altenheime widmen, sie in die Gemeinde einbinden und gemeinsam neue Formate entwickeln. Die Marktkirche, ergänzt Kirchenältester Ulrich Maurach, werde oft nur als Gebäude wahrgenommen. Dass sie mehr ist als eine Sehenswürdigkeit, dass Kirche aus Menschen besteht, dies klar zu machen, sei eine der wichtigsten Aufgaben.

Katja Schmidtke

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Kompromisslos für den Frieden

1. Juni 2018 von redaktionguh  
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Bürgerinitiative: Die Offene Heide kämpft seit 25 Jahren für die zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg. Der 300. Friedensweg am Sonntag wird nicht die letzte Demonstration sein.

Sie wandern für den Frieden, unermüdlich und unbeirrbar – jeden ersten Sonntag im Monat, seit nunmehr 25 Jahren. Für die Mitstreiter der Bürgerinitiative Offene Heide sind die Termine für die Friedenswege rund um die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt fest im Kalender verankert. Waren es in den Anfangsjahren noch mehrere hundert Demonstranten, kommen nun meist bis zu 40 oder 50 Teilnehmer zusammen, mal mehr, mal weniger, die immer noch ein Ziel eint: eine ausschließlich zivile Nutzung der Heide. Doch dieses Ziel scheint mittlerweile fern: Denn dort befindet sich auf 23 000 Hektar einer der europaweit modernsten Truppenübungsplätze, das Gefechtsübungszentrum Heer der Bundeswehr. Auch an einer riesigen, künstlichen Stadt mit Namen Schnöggersburg wird noch gebaut – für militärische Übungszwecke. Tausende Soldaten werden dort jährlich ausgebildet, trainieren für Auslandseinsätze.

Protest: Auf den Tag der offenen Tür im Gefechtsübungszentrum Colbitz-Letzlinger Heide im August 2017 reagierte die Initiative Offene Heide bei ihrem 291. Friedensweg mit entsprechenden Plakaten. Foto: Edgar Kürschner

Protest: Auf den Tag der offenen Tür im Gefechtsübungszentrum Colbitz-Letzlinger Heide im August 2017 reagierte die Initiative Offene Heide bei ihrem 291. Friedensweg mit entsprechenden Plakaten. Foto: Edgar Kürschner

Für die Köpfe der Bürgerinitiative – den aus Haldensleben stammenden und mittlerweile in Berlin lebenden Helmut Adolf wie auch für Malte Fröhlich und Joachim Spaeth – war ihr langer Weg vor 25 Jahren nicht absehbar. Am 3. Juni steht nun der 300. Friedensweg an. Er wird an diesem Tag an die Barriere Zienau zwischen Letzlingen und Gardelegen führen, jener Ort, an dem die Aktivisten am 1. August 1993 zu ihrem ersten Friedensweg aufbrachen. Müde sind sie nicht – im Gegenteil, die aktuelle weltpolitische Lage verpflichtet sie zum Weitermachen. Das Ziel ist noch nicht erreicht, so Fröhlich. Wie sehr ihn das Thema umtreibt, ist zu merken, wenn er von einer Sehnsucht nach Frieden spricht, dabei aber die militärischen Übungsszenarien auf dem heutigen Bundeswehrgelände mit Sorge und auch Wut betrachtet.

Das Gelände in der Colbitz-Letzlinger Heide, einst ein kaiserliches Jagdgebiet, wird bereits seit den 1930er-Jahren militärisch genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm es die Rote Armee. Nach dem Ende der DDR sollte – nach dem zwischen Bund und Land geschlossenen Heidekompromiss – zumindest ein Teil zivil genutzt werden. Doch die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt änderten sich. Das Militärgelände blieb Militärgelände. Aber auch die Bürgerinitiative blieb und demonstrierte immer wieder, hartnäckig.

Anklagen und Aachener Friedenspreis
Ihr Anliegen wird bei jedem ihrer Friedenswege deutlich. Auf Transparenten und Kundgebungen stellen die Friedensaktivisten klar, dass sie sich »niemals an Kriege gewöhnen werden«. Nicht immer führen die »Wanderwege« dabei nur über ziviles Gelände. Juristische Auseinandersetzungen scheuen die Demonstranten nicht, Formen des zivilen Ungehorsams gehören dazu.

Weil sie beispielsweise auch die noch im Bau befindliche Übungsstadt Schnöggersburg betreten haben, mussten sich einige Mitglieder der Offenen Heide schon wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht verantworten. »Den Rechtsbrüchen des Staates müssen Rechtsbrüche der Zivilgesellschaft entgegen gesetzt werden«, ist Adolf überzeugt. Jede Form des friedlichen Widerstands sei wichtig. Daher werde die Bürgerinitiative auch künftig weiter Präsenz zeigen. Mit Blick auf den 300. Friedensweg sagt er, die Welt sei in den 300 Monaten nicht friedlicher geworden, ganz im Gegenteil. Die Bundeswehr treibe in der Colbitz-Letzlinger Heide immer noch ihr Unwesen. Dennoch ist er stolz darauf, dass die Bürgerinitiative 25 Jahre zusammengehalten hat.

Für diese Beharrlichkeit und ihren Mut bekamen die Aktivisten vor zwei Jahren eine Anerkennung: Sie wurden mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Auch wenn es dieser Motivation sicher nicht bedurft hätte, so war es doch eine Bestätigung für ihren Einsatz. Rolf und Brigitte Sonnet stießen vor einigen Jahren dazu. Bei der Magdeburger »Meile der Demokratie« informierten sie sich bei einem Stand der Bürgerinitiative über deren Anliegen. »Ich stand eigentlich auf der anderen Seite«, sagt Rolf Sonnet, der beruflich mit Munitionsbergung befasst war. Die Begegnungen mit den Aktivisten und eine Reise in das kriegsgeschädigte Kroatien hinterließen Spuren. Seitdem ist das Paar bei den Friedenswegen dabei, immer wieder.

Romy Richter (epd)

www.offeneheide.de

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»Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen«

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Mein Rückblick auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg – Mai 2017.

Fünf Uhr. Gebet zum Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung bin ich noch etwas müde nach dem Himmelfahrtsabend, der mich so begeistert hat. Ökumenischer Gottesdienst und Willkommensabend liefen mit mehr als 3 000 Besuchern ansteckend fröhlich in wunderbarer Kirchentagsstimmung ab. Die Kirchengemeinden haben eingeladen, liebevoll waren die Tische gedeckt und vielfältiges Essen zubereitet. Jetzt im Rosengarten am Elbufer zähle ich gerade 12, da kommt noch eine Gruppe Konfirmanden aus Meiningen. Sie haben sich aus dem einzigen Gemeinschaftsquartier in der Stadt so früh auf den Weg gemacht. Ich bin echt gerührt. Danach frühstücken mein Frau und ich auf der Schifferkirche mitten in der Elbe. Großartig, die sind extra aus Hamburg gekommen. Sie freuen sich über die gute Resonanz.

Im Kulturhistorischen Museum begrüße ich wenig später den Rabbiner Sajatz, der eine engagierte Bibelarbeit hält. Rückfragen sind bei den etwa 35 Teilnehmern leicht möglich. Gespräche entwickeln sich. Klasse – denke ich – dass die Stadt und die Museen, Kunst- und Kulturleute den Kirchentag unterstützen. Mit dem Fahrrad fahre ich zum Orga-Team. Herr Günther und die Ehrenamtlichen dort haben sich extra Urlaub für diese Tage genommen. Bloß der Kartenverkauf vor Ort ist mager – 20 000 war einfach zu hoch angesetzt. Wir beraten die Sicherheitslage. Die Polizei wird am Abend die Leute, die zur Inszenierung kommen werden, nur per Kontrolle ans Elbufer lassen. 6 000 werden es dann sein, die einen beeindruckenden Abend mit Licht, Musik, Schiffen und Schauspiel aus Magdeburgs Geschichte erleben werden.

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Ich fahre zum Dom, ein Reporter vom Deutschlandradio will mich dort sprechen. Im Dom wird gerade zum Thema Frieden diskutiert. Ein Manifest entsteht, das streitbar Beachtung finden wird.

Gesprächstermin: Er habe Kunden im Alleecenter gefragt, was sie vom Kirchentag mitbekommen: Nichts. Und warum wir das Thema Kinderarmut übergehen. Ich erkläre ihm, dass ein Kirchentag davon lebt, dass sich Menschen einbringen mit ihren Themen. Warum nicht zu Kinderarmut? Würde gehen. Aber zum Kirchentag auf dem Weg anlässlich des Reformationsjubiläums haben sich bei uns die Themen Frieden und neue Medien angeboten. Sie haben einen Bezug zu Magdeburg als »Unsers Herrgotts Kanzlei« und als in zwei Kriegen zerstörte Stadt: 1631 und 1945. Ja, schade, dass weniger kommen als gedacht. Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen. Das ist mühsam und Tickets sind auch nicht hilfreich. Im Übrigen würde ich jetzt los wollen, um mit der Ökumenischen Bigband vor dem Allee­center ein bisschen Straßenmusik zu machen. Meine Antworten hat er nicht gesendet.

In der nachmittäglichen Hitze fahre ich dann mit dem Rad zur Jugend. In den Zelten und im Schatten sind einige Kinder und Jugendliche. Es wirkt ein bisschen zu still, ich spüre Enttäuschung bei den Mitwirkenden. Einige Konfis aus der Altmark berichten aber auch von einem coolen Graffiti-Workshop, den sie besuchten – der war voll.

Zurück in der Oase der Seelsorger an der Wallonerkirche, werde ich wieder etwas aufgebaut. Dort höre ich auch von dem interessanten Projekt »Twittergottesdienst«. Ich schaue mir auf Youtube gleich mal einige TwiGo-Ausschnitte an: Ach, so funktioniert das. Ein Kirchenältester kommt vorbei und ruft mir zu: Den Willkommensabend – den machen wir doch wieder. Ich antworte lachend: Da hängt aber ein ganzer Kirchentag dran. Aber probieren können wir’s ja mal. Vielleicht in zwei Jahren? 2019! – Dankbar bin ich für solch engagierte Haupt- und Ehrenamtliche.

An zahlreichen Helfern vorbei und durch die Polizeikontrolle gehe ich abends ans Elbufer: Ich spüre, wie die Menschen mitgenommen werden in die Geschichte der Reformation vor 500 Jahren. Gut, denke ich, dass es heute anders ist: Ohne konfessionellen Kampf – dafür ökumenisch und weltoffen.

Stephan Hoenen

Der Autor ist Superintendent in Magdeburg.

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Das stimmt mich hoffnungsvoll

19. Mai 2018 von redaktionguh  
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Jubilar: Roland Hoffmann war von 1992 bis 2001 Landesbischof in Thüringen. Der Altbischof feierte am Montag seinen 80. Geburtstag. Willi Wild hat den Jubilar in seinem Garten in Jena getroffen.

Wie verbringen Sie Ihren Ruhestand?
Hoffmann:
Das Schönste im Rentnerdasein ist der Vormittagsschlaf. Wenn da mal jemand klingelt, kann mich keiner einen »faulen Hund« schimpfen. Ich bin Rentner, ich darf vormittags schlafen. Ansonsten haben wir, meine Frau und ich, Arbeitsteilung. Im Garten ist meine Frau für das Anlegen und Pflanzen zuständig, da ich schlecht Gänseblümchen von Pfingstrosen unterscheiden kann. Ich gieße, schneide die Hecke oder zimmere das Hochbeet zusammen.

Daneben werden Sie regelmäßig
zu Gottesdiensten und Veranstaltungen eingeladen. Wie oft ist das der Fall?
Hoffmann:
Im vergangenen Jahr waren es über 50 Gottesdienste. Aber seit diesem Jahr trete ich deutlich kürzer. Mit 80 Jahren muss und kann ich nicht mehr alles annehmen, auch wenn es mir nach wie vor Freude macht.

»Wenn der weiße Flieder wieder blüht« ist der Geburtstag von Altbischof Hoffmann nicht mehr weit. Seit 55 Jahren sind Brigitte und Roland Hoffmann verheiratet. Foto: Willi Wild

»Wenn der weiße Flieder wieder blüht« ist der Geburtstag von Altbischof Hoffmann nicht mehr weit. Seit 55 Jahren sind Brigitte und Roland Hoffmann verheiratet. Foto: Willi Wild

Wie erleben Sie heute die Landeskirche, die ja nicht mehr die ist, der Sie damals als Bischof vorstanden?
Hoffmann:
Ich erlebe unsere Kirche vorwiegend in den Gemeinden und kann mich da bloß freuen. Kürzlich war ich im Thüringer Wald im Pfarramt Oberhain zu einem Abend für die Ehrenamtlichen. Der Pfarrer hat 13 Kirchen in seinem Kirchspiel. Ins Dorfgemeinschaftshaus kamen etwa 90 Frauen und Männer. Das hat mich sehr erstaunt. In Zeiten, in denen das Ein-Mann-System des Pfarrerseins zusammenbricht, kommen Jung und Alt, um ehrenamtlich in ihrer Gemeinde mitzuarbeiten. Das ist doch ein Aufbruch! Das stimmt mich hoffnungsvoll. Das hat mir gezeigt, dass auf der Gemeindeebene Kirche nicht am Ende ist.

Vor zehn Jahren gab es die Fusion der Thüringer Landeskirche mit der Kirchenprovinz Sachsen zur EKM. Wie sehen Sie heute den Zusammenschluss?
Hoffmann:
Meine Absicht war schon damals, die Kirchengebiete in Thüringen zu einigen und die Propsteien Nordhausen, Erfurt und Suhl in unsere Landeskirche einzubinden. Daraus ist dann die Fusion geworden.

Das Bußwort des Landeskirchenrates schlägt hohe Wellen. Wie sollte Ihrer Meinung nach die Aufarbeitung und Versöhnung im Bezug auf die DDR-Zeit aussehen?
Hoffmann:
Das Wenn und Aber zum Bußwort zeigt doch, dass der Weg zur Versöhnung zu schmal angelegt ist, wenn man ihn nur auf die Stasi bezieht. Man kann unsere Vergangenheit aber nicht nur darauf beschränken. Mein Vorschlag war damals, ein Trauerjahr in unserer Landeskirche einzulegen. Aber das wurde weitgehend abgelehnt. Man wollte nicht mehr rückwärts, sondern nur noch nach vorne schauen. Ich bereue es bis heute, dass ich mich damals nicht durchgesetzt habe.

Was sollte da betrauert werden?
Hoffmann:
Zum einen das, was wir in der alten Ära verloren haben, nicht nur 40 Jahre unseres Lebens und Arbeitens, sondern auch das, was wir gewollt haben. Aber auch anzuschauen, was wir nicht geschafft haben. Wir haben gearbeitet bis zum Umfallen und trotzdem sind unsere Gemeinden kleiner geworden. Oder aber die Frage zu stellen, was wir in der geistlichen Arbeit verpasst und falsch gemacht haben. Ich rede nicht von Schuldzuweisung, sondern davon, einfach zu analysieren, was wir jetzt vorfinden. Damit hätten wir die gesamte Breite des Erinnerns gehabt und nicht nur die Engführung, diese Schmalspur-Verarbeitung in Sachen Stasi. Wir kommen bis heute nicht vorwärts, weil uns die Vergangenheit zurückzieht, denke ich.

Sie haben einmal gesagt, dass unserer Landeskirche eine Erweckung gefehlt habe. Ist das ein Grund, warum es mit der Vergangenheitsbewältigung nicht so richtig vorwärtsgeht?
Hoffmann:
Wir hatten in Thüringen nie eine Erweckung. Der erste Schritt bei einer Erweckung ist immer die Buße, also die Änderung der inneren Haltung, eine Bekehrung. Wir haben es nie gelernt, Buße zu tun und Buße zu leben. Vielleicht ist das ein Manko in der Geschichte unserer Kirche, dass wir so eine Stelle der Umkehr nicht benennen können. Dafür braucht es eine geistliche Qualifikation, die man nicht aus Büchern hat.

Was wünschen Sie sich im Bezug auf die Landeskirche?
Hoffmann:
Ich wünsche mir, dass wir bei allem, was wir tun und tun müssen, fröhlicher sind, weniger klagen und hoffnungsvoller das tun, was jeden Tag nötig ist.

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Kirche als Impulsgeber

13. Mai 2018 von redaktionguh  
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Theologe Domsgen zur Zukunft der Institution

Die Thesen zur Zukunft der Kirche, die der Professor für Evangelische Religionspädagogik in Halle, Michael Domsgen, auf der Landessynode entwickelte, machen ihn zum begehrten Gesprächspartner. Renate Wähnelt traf ihn als Referent auf der Kreissynode in Delitzsch.

Welche Diagnose stellen Sie der Institution Kirche?
Domsgen:
Die Bedeutung der Kirche als Institution nimmt tendenziell ab. Diese Entwicklung trifft übrigens nicht nur die Kirchen. Auch bei anderen Institutionen lässt sich das beobachten. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass sie regional bzw. nationalstaatlich agieren, die Probleme jedoch, die sie bewältigen müssen, eine kosmopolitische Dimensionen haben. Zudem hat sich das Lebensgefühl geändert. Unser Leben ist immer weniger von Selbstverständlichkeiten geprägt. Man geht zur Kirche, wenn man sie braucht. Die Vorstellung vom Glied am Leib Christi, aus der dann eine lebenslange Mitgliedschaft folgt, spielt kaum noch eine Rolle. Man ist Mitglied – oder eben nicht.

Die Reaktion auf sinkende Mitgliederzahlen sind Vergrößerungen der Pfarrbereiche. Sie sagen, Kirche dürfe sich nicht selbst zum Hauptthema machen. Wie aber auf die Diagnose reagieren?
Domsgen:
Ich fürchte, der Aktionismus verdrängt die Frage, ob die Kirche überhaupt auf dem richtigen Weg ist. Es ist ja nicht so, dass da draußen die böse Welt ist und wir hier drinnen auf dem richtigen Weg sind. Nein, wir müssen uns auch verändern. Kirche ist wichtig als Unterstützerin der Menschen, die als Christ leben wollen. Sie muss sich vom Einzelnen und seiner Lebenswelt her denken und ihm helfen, sein Verhältnis zu Gott, zu anderen und zu sich selbst zu gestalten.

Was heißt das konkret?
Domsgen:
Wie die Kirche der Zukunft aussieht, weiß keiner! Ich sehe Kirche als Impulsgeberin, damit Menschen sich vom Leben, Wirken und Geschick Jesu in ihrem Leben anregen und bestimmen lassen. Das wird regional unterschiedlich aussehen. Das Evangelium gibt es nicht an sich, sondern immer nur in einem Kontext. Unverzichtbar dafür ist die Kommunikation. Bereits vor 50 Jahren hat Ernst Lange vorgeschlagen, von der Kommunikation des Evangeliums zu sprechen, um das Dialogische zu betonen. Dem schließe ich mich gern an.

Ist eine Institution Kirche überhaupt noch nötig?
Domsgen:
Ich denke schon. Es braucht neben den Neuaufbrüchen und Veränderungen immer auch das Moment der Verstetigung. Gerade in der Kooperation mit anderen Institutionen ist Verlässlichkeit wichtig. Der schulische Religionsunterricht beispielsweise ist nur dadurch möglich. Es wäre fahrlässig, diese Möglichkeiten aus der Hand zu geben. Aber in der Summe wird nüchtern zu prüfen sein, wo die momentane institutionelle Gestalt von Kirche die Kommunikation des Evangeliums fördert und wo nicht.

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Langjährige Verbindung: Ministerpräsidentin a. D. feiert mit der Kirchenzeitung
Foto: Paul-Philipp Braun

Foto: Paul-Philipp Braun

Zu ihrem 60. Geburtstag am 7. Mai lud die Ministerpräsidentin a. D. Christine Lieberknecht (CDU) nach Ramsla (Kirchenkreis Weimar). Unter den Gratulanten auch drei Chefredakteure von »Glaube + Heimat« (v. re.): Dr. Gottfried Müller, Jubilarin Christine Lieberknecht, Dietlind Steinhöfel und Willi Wild. Die Theologin ist der Kirche und der Kirchenzeitung seit ihrer frühesten Jugend verbunden. Ihr Vater war seinerzeit Superintendent in Apolda. Sie und ihr Mann waren im Pfarrdienst im Weimarer Land, bevor Lieberknecht in der Wendezeit in die Politik ging. Anstelle von Blumen und Geschenken bat die Jubilarin um Spenden zur Sanierung der Peternell-Orgel in der St.-Nikolai-Kirche in Buttelstedt (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt).

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Glocken mit Nazi-Symbolen

3. Mai 2018 von redaktionguh  
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Braunes Geläut: In etwa zwei Dutzend deutschen Kirchen hängen Glocken mit Bezug zum Nationalsozialismus, berichtet der Spiegel. Mindestens sechs Exemplare finden sich in Mitteldeutschland.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) teilte auf Anfrage mit, dass bis März dieses Jahres über 90 Prozent der Glocken in ihren rund 4 000 Kirchen erfasst wurden. Unter den Glocken befinden sich nach derzeitigem Stand sechs mit Nazi-Symbolen.

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Die EKM gebe grundsätzlich die Namen der Kirchen oder Orte nicht bekannt, in denen diese Glocken hängen, so Pressesprecher Ralf-Uwe Beck. In den meisten Kirchengemeinden seien ehrenamtliche Mitarbeiter für die Kirchen zuständig, die mit Anfragen von außen völlig überfordert seien. Außerdem solle einem rechten Glockentourismus vorgebeugt werden. Neonazis könnten sich Zugang zu den Glocken verschaffen, diese fotografieren oder die Kirche anderweitig für ihre Zwecke nutzen.

Drei der anstößigen Glocken kommen aus der Apoldaer Glockengießerei »Franz Schilling und Söhne« und stammen aus den Jahren 1935 und 1937. Eine trägt etwa die Inschrift »Gegossen im zweiten Jahre der nationalen Erhebung unter dem Fuehrer und Kanzler Adolf Hitler« daneben finde sich ein gebundener Kranz mit Hakenkreuz. Eine andere etwa erinnert an die »Heimkehr des Saarlandes« 1935. Andere Glocken tragen Eiserne Kreuze oder Hakenkreuze.

Auf Anfrage teilte die Landeskirche Anhalts mit, dass in ihren Kirchen keinerlei Glocken mit Nazi-Symbolik zu finden seien. Auch in den drei katholischen Bistümern – Erfurt, Magdeburg und Dresden-Meißen – gäbe es keine Kirchen mit Glocken, die einen Bezug mit Inschrift oder Symbolen zur NS-Zeit hätten, ergab eine G+H-Umfrage.

Die mitteldeutsche Landeskirche bietet ihren betroffenen Kirchengemeinden an, die Inschriften und Symbole mit Bezug zur Nazi-Zeit auf Kosten der Landeskirche durch Abschleifen entfernen zu lassen. Zerstört werden sollen die Glocken nicht. Entfernung auf Kosten der EKM deshalb, damit den Gemeinden keine finanziellen Aufwendungen entstehen. »Die Entscheidung hierüber liegt allerdings bei dem jeweiligen Gemeindekirchenrat, da die Kirchengemeinde Eigentümerin der Kirche ist«, teilte die EKM weiterhin mit.

In einer Kirchengemeinde seien die Nazi-Symbole bereits entfernt worden, so die EKM: Auf einer Bronzeglocke aus dem Jahr 1934, die Brustbilder von Adolf Hitler und Martin Luther auf der Flanke trug, sei das Hitler-Bildnis bereits unkenntlich gemacht worden. Die anderen Glocken würden bis zur Zerstörung der Nazi-Symbole nicht öffentlich zugänglich sein. Die Kirchengemeinden sollten sich dazu beraten lassen, empfiehlt die EKM. Weder Konfirmanden- noch Besuchergruppen sollen die Glocken zugänglich gemacht werden, heißt es in der Stellungnahme.

Angela Stoye

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Frauen in Führungspositionen

1. Mai 2018 von redaktionguh  
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Evangelische Frauen: EKM-Werk fordert mehr Familiensinn


Zehn Jahre sind ins Land gegangen, so manche Themen sind geblieben. Mit geschlechtergerechter Sprache beschäftigten sich die Evangelischen Frauen bereits auf der ersten Frauenversammlung des geeinten Werkes. Im Jahr 2008 war das, kurz nach dem Zusammenschluss der provinzsächsischen und thüringisch-landeskirchlichen Frauenwerke zu den Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM).

Carola Ritter, Leitende Pfarrerin der EFiM, ist enttäuscht über die Entscheidung der Frühjahrstagung der Landessynode, geschlechtergerechte Sprache nicht in die EKM-Verfassung aufzunehmen. Die Aussage des halleschen Kirchenrechtlers Michael Germann, die Sprache werde zu einer geschlechtsfixierten, weist Ritter zurück. »Es geht um das Sichtbarmachen von Wirklichkeit in einer Kirche des Wortes«, sagt sie.

Carola Ritter. Foto: EKM Frauenwerk

Carola Ritter. Foto: EKM Frauenwerk

Laut dem EKD-Gleichstellungsatlas ist die EKM eine Kirche, in der gleichberechtigt Männer wie Frauen engagiert sind. In Gremien seien Frauen gut vertreten, wenngleich ihre Beteiligung in leitenden Positionen einer Pyramide gleich nach oben abnimmt. Auch wenn gegenwärtig die oberste Kirchenleitung weiblich ist, sind vor allem in der mittlere Ebene, also in den Superintendenturen oder Referatsleitungen der Verwaltungen, Frauen unterrepräsentiert. Das müsse kontinuierlich beseitig werden, so Ritter. Sie wünscht sich dafür ein Umdenken in Sachen Arbeitskultur. »Reden wir von Familienfreundlichkeit, denken wir zunächst an die Phase der Familiengründung. Aber in den nächsten Jahren wird uns immer mehr beschäftigen, dass Mitarbeitende ihre Angehörigen pflegen wollen oder müssen«, sagt Carola Ritter. Sie plädiert dafür, dass Leitungspositionen geteilt wahrgenommen werden können, dass es verlässliche Möglichkeiten gibt, von Voll- auf Teilzeit und zurück zu wechseln und dass es in Berufsbiografien Raum für Weiter- und Fortbildungen gibt. Als Erfolg habe sich in den vergangenen Jahren das Mentoringprogramm in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten erwiesen, das Frauen auf Führungspositionen vorbereitet.

Neue Kompetenzen zu vermitteln, ist auch für Ehrenamtliche wichtig. 70 Prozent jener, die sich in der Kirche ehrenamtlich engagieren, sind Frauen, so Carola Ritter. Sie werden in Weiterbildungen gestärkt und finden in Frauennetzwerken Austausch und Unterstützung.
Bislang gibt es nicht in allen Kirchenkreisen Beauftragte für die Arbeit mit Frauen, und wo es sie gibt, so nur im Neben- oder Ehrenamt. »Wir müssen uns von flächendeckenden Angeboten verabschieden. Heute arbeiten wir schwerpunktmäßig«, berichtet Carola Ritter. Im Großen und Ganzen zieht sie eine positive Bilanz: »Da sind wirklich zwei Werke unterschiedlicher Prägung und Arbeitsform zusammengewachsen.«

Katja Schmidtke

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Aufbruchsignal für Gemeinden

23. April 2018 von redaktionguh  
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Frühjahrstagung: Landessynode sucht im Kloster Drübeck Perspektiven

Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat sich auf ihrer dreitägigen Frühjahrstagung im Kloster Drübeck auf neue Impulse für die Gemeindearbeit verständigt. Unter dem Motto »Evangelisch – Ein Kreuz für die Welt« wurden zu sechs Thesen (untenstehend), die bereits auf der Herbstsynode 2017 vorgestellt wurden, Anregungen und erste Handlungsempfehlungen für die Gemeinden und Kirchenkreise erarbeitet. Unter anderem geht es darum, wie auch konfessionslose Menschen mit dem Evangelium erreicht werden und wie Glaubensinhalte verständlich kommuniziert werden können sowie um die Zukunft der Gemeindearbeit. Die Rede war von einem Aufbruchsignal, das daraus entstehen sollte.

Fotos: Willi Wild/Collage: Adrienne Uebbing

Fotos: Willi Wild/Collage: Adrienne Uebbing

Die Umschreibung der EKM-Verfassung in eine geschlechtergerechte Sprache verfehlte am Samstag indes die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit knapp. Für das Gesetz wären von den abgegebenen und gültigen 70 Stimmen genau 47 Stimmen notwendig gewesen. Da aber nur 46 Synodale dafür stimmten, scheiterte das Vorhaben. 22 Synodale stimmten mit Nein, bei zwei Enthaltungen. Die textlichen Änderungen, die vorgesehen waren, sahen vor allem den Zusatz der weiblichen Form wie etwa Pfarrerin, Bischöfin und Mitarbeiterin zu den männlichen Formulierungen vor.

Zum Auftakt der Tagung hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann die Kirchengemeinden ermuntert, positive Erfahrungen aus dem Reformationsjubiläum 2017 mitzunehmen und neue Formate auszuprobieren. Die Bischöfin beklagte aber auch frustrierende Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Verantwortlichen des Reformationsjubiläums. Kulturunterschiede zwischen Ost und West dürften nicht einfach übergangen, sondern müssten viel häufiger und bewusster reflektiert werden, so Junkermann.

Die Landessynode besteht aus 80 gewählten, berufenen und solchen Mitgliedern, die ihr von Amts wegen angehören. In der Regel tritt die Landessynode zweimal im Jahr zusammen. Zu den Aufgaben der Kirchenparlamentarier, der Synodalen, gehören unter anderem die Kirchengesetzgebung und der Beschluss über den Haushaltsplan. Die Synode nimmt Berichte der Landesbischöfin, des Landeskirchenrates und des Landeskirchenamtes entgegen und kann ihnen Aufträge erteilen. Die nächste Tagung ist vom 21. bis 24. November in Erfurt geplant.
(epd)

Losgehen statt stehenbleiben

Die Verfassungsänderung ist knapp gescheitert. Eine Stimme fehlte der Kirchenverfassung in geschlechtergerechter Sprache. Kirchenrätin Dorothee Land, Gleichstellungs­beauftragte der EKM, ist trotzdem zuversichtlich.

Haben Sie mit diesem Ergebnis bei der Abstimmung gerechnet?
Land:
Ich finde gut, dass wir in der Synode so offen und kontrovers diskutiert haben. Denn auch da gilt, was nicht in der Sprache ist, ist nicht in der Wirklichkeit. Es war zu erwarten, dass es eine enge Abstimmung wird. Dass nur eine Stimme gefehlt hat, ist schade, zeigt mir aber auch, dass eine Mehrheit die Veränderung will. Und, dass einige die eigenen Bedenken zurück gestellt haben zugunsten derer, für die wir das tun.

Dorothee Land. Foto: privat

Dorothee Land. Foto: privat

Frauen und Männer, die in geschlechtergerechter Sprache ein Zeichen sehen, dass Kirche bereit ist, gewohntes Terrain zu verlassen, auch ohne letzte Sicherheit, wo sie der Weg hinführt. Das ist für mich eine gut evangelische Haltung. Das steht uns gut zu Gesicht, wenn wir Kirche für Andere sein wollen.

Wie gehen Sie als Gleichstellungsbeauftragte jetzt damit um?
Land:
Zuallererst werde ich auch weiter meinen eigenen Umgang mit geschlechtergerechter Sprache sensibel wahrnehmen und darauf achten, so zu sprechen, dass Frauen und Männer in meiner Sprache sichtbar werden. Wir müssen alle lang eingeübte Gewohnheiten verändern. Das fällt niemandem leicht. Ich will, dass wir im Gespräch bleiben und nicht durch Abwertung oder Distanzierung das Gespräch abbrechen. Darauf werde ich achten und mich auch entsprechend äußern.

War die ganze Vorarbeit umsonst und sind die Änderungen damit Makulatur?
Land:
Auf gar keinen Fall. Die hohe Intensität und Emotionalität der Debatte hat gezeigt, dass es mitnichten um ein Randthema unserer Kirche geht. Wir sind eine Kirche des Wortes. Wir fragen, wie wir sprachfähig werden, so dass Menschen verstehen, dass Kirche und Glaube eine Relevanz für ihr Leben haben. Kirchliche Arbeit wird in vielen Bereichen unserer Kirche von Frauen getragen. Was vergeben wir uns, wenn sich das auch sprachlich abbildet?

Wie jeder und jede Einzelne spricht, ist weder vorzugeben, geschweige denn zu diktieren. Der Fokus liegt darauf, die zu unterstützen, die durch Sprache oder auch durch unser Tun in der Entfaltung ihrer Lebensmöglichkeiten beschränkt werden. Wir tun dies selbstverständlich, wenn es um Fragen ungerechter Wirtschaftssysteme, um soziale Ungerechtigkeiten, um die Folgen unseres Lebensstils geht. Warum also nicht auch, wenn wir die Wirkung unserer Sprache diskutieren? »Ich brauche das nicht«, ist in diesem Zusammenhang ein Argument, mit dem ich die Perspektive derer ausblende, für die gendergerechtes Sprechen existentiell bedeutsam ist.

Die zentralen Punkte sind für mich: Öffnung statt Abgrenzung. Wahrnehmen statt Bewerten. Losgehen statt Stehenbleiben. Und in allem: Gottvertrauen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

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