Wie sich die EKM entwickelt hat

13. August 2018 von redaktionguh  
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Nach dem Rückblick auf den Brief aus Halle zur Kirchenfusion (Nr. 27, S. 5) wollte Leserin Christiane Paul wissen, wie sich die Vereinigung der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Thüringen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in den vergangenen 15 Jahren entwickelt hat. Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes der EKM, und der Leiter des Finanzdezernates, Oberkirchenrat Stefan Große, antworten.

Hat sich das Zusammenlegen von zwei Kirchen auch innerhalb der EKD ausgewirkt?
Andrae:
Der Prozess des Zusammenschlusses der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche ist innerhalb der EKD mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Das hing sicher auch damit zusammen, dass eine Vereinigung von Landeskirchen ein eher seltener Vorgang ist.

Außerdem schlossen sich zwei Kirchen zusammen, die nach Gemeindegliederzahlen annähernd gleich groß waren sowie unterschiedlichen Konfessionen und damit unterschiedlichen konfessionellen Zusammenschlüssen (UEK und VELKD) angehörten. Die EKM ist die einzige Landeskirche innerhalb der EKD, die Mitglied beider konfessioneller Zusammenschlüsse ist. Innerhalb dieser, wie auch innerhalb der EKD, hat die EKM eine wichtige Stimme.

Wie zeigt sich das?
Andrae:
Ich nenne einige Beispiele: Unsere Kirchenverfassung gilt als eine der modernsten innerhalb der EKD und war Vorbild für andere Kirchenverfassungen wie die der Nordkirche 2012. Unsere Erfahrungen im praktischen Umgang mit verschiedenen Bekenntnisgrundlagen werden immer wieder nachgefragt.

Wir haben eine Vereinheitlichung wichtiger rechtlicher Regelungen innerhalb der EKD angeregt. So ging der Anstoß, ein EKD-weit einheitliches Pfarrdienstgesetz zu schaffen, von der damaligen, aus beiden Vorgängerkirchen bestehenden Föderation aus.

Die Bischofskirche: Der Magdeburger Dom ist die Predigtkirche der Landesbischöfin. Gleich daneben, der Bischofssitz und Teilbereiche des Landeskirchenamtes. Im Erfurter Collegium maius ist das Landeskirchenamt beheimatet. Foto: epd-bild

Die Bischofskirche: Der Magdeburger Dom ist die Predigtkirche der Landesbischöfin. Gleich daneben, der Bischofssitz und Teilbereiche des Landeskirchenamtes. Im Erfurter Collegium maius ist das Landeskirchenamt beheimatet. Foto: epd-bild

Zu nennen sind auch unsere innovativen Vorhaben und Projekte wie die Erprobungsräume, das Pachtvergabeverfahren, für das die EKM 2015 den 1. Preis beim Wettbewerb »BodenWertSchätzen« der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Rates für Nachhaltigkeit erhielt, oder das erst kürzlich preisgekrönte Projekt »Vereinheitlichung und Optimierung des Personalmanagements nach dem Zusammenschluss der evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland«. Diese Beispiele wären ohne die mit dem Zusammenschluss gewonnenen Ressourcen so nicht möglich gewesen. Nachgefragt werden auch unsere praktischen Erfahrungen als Kirche in einem stark säkularisierten Umfeld von anderen Landeskirchen. Die Ausgestaltung und weitere Entwicklung der EKM wird daher nach wie vor mit Interesse verfolgt. Gelegentlich machen wir dabei die Erfahrung, dass unsere Stimme, wie die anderer östlicher Landeskirchen auch, nicht ausreichend gehört wird. Es bleibt also eine wichtige Aufgabe, auf unsere spezielle kirchliche und gesellschaftliche Situation immer wieder hinzuweisen.

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Brigitte Andrae. Foto: epd-bild

Konnte die vereinigte Kirche stärker ausstrahlen?
Andrae:
Das gerade Gesagte möchte ich mit dem Hinweis ergänzen, dass die EKM ein wichtiger Player im Dialog mit staatlichen Stellen auf Landes- und kommunaler Ebene und mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft ist. Auch dafür einige Beispiele:

So nehmen Landesbischöfin Ilse Junkermann und andere Leitungsverantwortliche auf allen Ebenen unserer Landeskirche regelmäßig zu wichtigen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens Stellung. Die EKM, ihre Kirchenkreise und Gemeinden öffnen mit ihren Veranstaltungen Räume für den öffentlichen Diskurs. Das gilt beispielsweise auch für das Landeskirchenamt in Erfurt, das seit 2011 zusammen mit zwei Kooperationspartnern zu der Reihe »Collegium maius Abende« einlädt. Und mit der Übernahme der Trägerschaft für die Opferberatung »ezra« (für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) 2012 hat die EKM ein wichtiges Signal gesetzt.

Wurden die Hoffnungen auf Einsparungen erfüllt? Oder wurden diese durch Mehrausgaben an anderer Stelle nicht erreicht?
Große:
Der Zusammenschluss der beiden ehemaligen Teilkirchen zur EKM hatte einen wichtigen Kernprozess: die Strukturanpassung im übergemeindlichen Bereich. Ziel war es, die Explosion der Ausgaben oberhalb der Gemeinden zu vermeiden, Einsparungen nachzuweisen, Doppelstrukturen zu überprüfen sowie innovative Ansätze und eine qualitätsvolle Arbeit im Landeskirchenamt sowie den unselbstständigen Werken und Einrichtungen zu ermöglichen.

Stefan Große. Foto: EKM

Stefan Große. Foto: EKM

Mit Beschluss der Landessynode vom 10. November 2010 wurde dieser flächendeckende Prozess abgeschlossen. Die Ziele wurden erreicht. Die Kostendisziplin im Landeskirchenamt und den unselbstständigen Werken und Einrichtungen wurde befördert. Das gilt insbesondere für den anschließenden Prozess der Organisationsentwicklung im Landeskirchenamt.

Welche Veränderungen gibt es?
Große:
Mit dem Haushalt 2014 haben wir Finanzbudgets eingeführt, die sich an der Organisationsstruktur des Landeskirchenamtes orientieren. Damit steht den Dezernaten und der Landesbischöfin für ihre Bereiche ein Gesamtbetrag (Budget) zur Verfügung, mit dem alle anfallenden Ausgaben zu decken sind. Damit wird die Eigenverantwortung der Dezernate gestärkt, sie werden zu einer sparsamen Haushaltsführung motiviert und die laufende Bewirtschaftung wird durch die Deckungsfähigkeit der Personal- und Sachkosten auf der Ebene des jeweiligen Budgets erleichtert.

Was bedeuten die Veränderungen für die Kirchenkreise und -gemeinden?
Große:
Mit der Neufassung des Finanzgesetzes konnten wir eine bessere Umsetzung der Vorgaben aus der Verfassung erreichen. Es gewährleistet den solidarischen, sparsamen, wirtschaftlichen und transparenten Einsatz aller kirchlichen Mittel und setzt auf das eigenverantwortliche Handeln der Kirchenkreise und Kirchengemeinden gemäß der jeweils eigenen spezifischen Situation.

Besonders hervorzuheben ist, dass verbindlich geregelt ist, dass der Löwenanteil der kirchlichen Mittel zur Finanzierung der Aufgaben der Kirchengemeinden und Kirchenkreise einzusetzen ist. Das passiert in den jährlichen Haushaltsplänen, mit denen in den vergangenen Jahren stets der Nachweis geführt wurde, dass diese Regelung mit durchschnittlich 77 Prozent der Plansumme strikt eingehalten wird. Ganz besonders erwähnenswert ist auch, dass die EKM im Finanzgesetz die Finanzierung des Verkündigungsdienstes der Kirchengemeinden und Kirchenkreise in den Mittelpunkt rückt. Veränderungen dort bedeuten automatisch die gleichen Veränderungen im Bereich der Landeskirche. Das ist auch der Grund dafür, dass im Etat 2019 die Kürzungen im Verkündigungsdienst im gleichen Verhältnis den landeskirchlichen Anteil an der Plansumme betreffen.

Ich betone: Ohne die Kirchenfusion wären derartige Regelungen zugunsten der Kirchengemeinden und Kirchenkreise nicht gelungen, ganz abgesehen davon, dass die jeweilige Teilkirche für sich drastischer hätte einsparen müssen und die Qualität ihrer Werke und Dienste wie auch der landeskirchlichen Verwaltung nicht hätte halten oder gar ausbauen können.

Benötigt die EKM weiterhin drei Leitungsebenen, wo doch die Gemeinden zum Fusionieren aufgefordert werden, um Personal zu sparen? Käme die Landeskirche nicht mit Bischof oder Bischöfin und Superintendenten aus?
Andrae:
Was ist das für ein merkwürdiges Kirchenbild? Als Juristin verweise ich auf unsere Kirchenverfassung. Die Grundbestimmungen heben hervor, dass die EKM in den vielfältigen Formen von Gemeinden und Diensten lebt und die verschiedenen Rechtsformen (Ebenen) als Zeugnis- und Dienstgemeinschaft eine innere und äußere Einheit bilden. Innerhalb dieser Einheit nehmen die verschiedenen Ebenen ihre jeweiligen Aufgaben eigenverantwortlich wahr.

Oder ist gemeint, dass es keine Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe mehr in der EKM geben soll? Dem würde ich widersprechen. Das regionalbischöfliche Amt hat eine wichtige Scharnierfunktion zwischen der landeskirchlichen Ebene und den Kirchenkreisen und Gemeinden. Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe haben Anteil an der geistlichen Leitung der EKM, sie begleiten die Mitarbeitenden in ihrem Dienst, repräsentieren Kirche auch gegenüber staatlichen Stellen und der Gesellschaft.

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Simsons Kraft kehrt zurück

5. August 2018 von redaktionguh  
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Das älteste Dienstfahrzeug der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland steht bei Pfarrer Gunter Barthel in Heyerode im Kirchenkreis Mühlhausen.

Dass es für zwei Oldtimer des Suhler Simson Werkes im Eichsfeld eine unverhofftes Wiedererstarken und somit ein zweites Leben auf den Landstraßen geben konnte, haben diese sinnigerweise einem Geistlichen zu verdanken. Und dies durch wahrhaft himmlische Fügungen und in ökumenischer Eintracht. Dem inzwischen in den Ruhestand gegangenen evangelischen Pfarrer Gunter Barthel aus Heyerode hatte über viele Jahre ein Moped SR 1 zu Diensten gestanden, bis es eines Tages jedoch den Geist aufgegeben hatte und dem Verschrotten nahe war.

Zweiradfreunde: Falls eine der beiden Mopeds des pensionierten Pfarrers Gunter Barthel (l.) einmal streiken sollte, steht ihm der Schlosser Ronny Döring zu Diensten. Foto: Reiner Schmalzl

Zweiradfreunde: Falls eine der beiden Mopeds des pensionierten Pfarrers Gunter Barthel (l.) einmal streiken sollte, steht ihm der Schlosser Ronny Döring zu Diensten. Foto: Reiner Schmalzl

Vor etwa zehn Jahren begegnete dem Pfarrer dann ein Engel, ein sachkundiger Oldtimerfan und Experte des SR 1 aus Falken, der ihm das Moped vom Baujahr 1956 wieder aufgebaut und ihm frisches Leben eingehaucht hatte. Für Gunter Barthel ein Geschenk und Glück zugleich. »Mit meiner ersten Dienststelle in Frankenroda und Ebenshausen habe ich 1988 auch das Dienstmoped meines Amtsvorgängers übernommen«, erinnert sich der 66-Jährige an die Anfänge seines Wirkens im benachbarten Wartburgkreis. Damit verbunden ist die Liebe zu dem ans Herz gewachsenen alten Zweirad.

So kann Gunter Barthel nun behaupten, dass es sich bei dem einst von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen angeschafften Moped mit jetzt 62 Jahren vermutlich um das älteste Dienstfahrzeug der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland handelt. Denn ab und an wird der Heyeröder Pfarrer zu einem Gottesdienst oder einer Hochzeit gerufen. »Das Schöne an dem SR 1 ist das Motorgeknatter«, schwärmt er von seinem Zweirad in Originalpatina und mit Zweitakt-Duft.

Falls das Moped einmal nicht fahrbereit sein sollte, steht ihm mit einem »Spatz« noch ein weiterer Simson-Oldtimer bereit. Dieser wurde der Familie einst durch einen katholischen Priester überlassen. Nachdem jenes Moped jahrelang in der Garage gestanden hatte, konnte Gunter Barthel »den Schrotthaufen nicht mehr sehen«. Da kam ihm schließlich ein Fachmann wie gerufen. Nämlich der Kfz-Handwerksmeister Georg Mühr aus Faulungen, der sich auf die Reparatur und Restaurierung der legendären Simson-Zweiräder aus Suhl spezialisiert hat. Er hat den »Spatz« grundhaft restauriert und in diesem Frühjahr in einstiger Schönheit erstrahlen lassen.

Und sollte es plötzlich einmal gravierende Probleme mit einem seiner beiden Zweirad-Oldtimer geben, kann Pfarrer Barthel auf einen weiteren »Schrauber« zählen. Denn als gelernter Landmaschinenschlosser und Tischler steht ihm quasi als Nothelfer Ronny Döring zur Seite. Auch für ihn gilt das verlässliche Handwerkermotto »Geht nicht, gibt’s nicht!«.

Das SR 1 war das erste Moped der DDR. Das S stand für Suhl und das R für Rheinmetall.

Reiner Schmalzl

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Radeln und Rasten

30. Juli 2018 von redaktionguh  
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Radwegekirchen in Mitteldeutschland

Die mitteldeutschen Radwegekirchen erleben aktuell ihren Saisonhöhepunkt. Insgesamt laden auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) 59 und in der Landeskirche Anhalts 7 Radwegekirchen zur Einkehr ein. Die Gotteshäuser liegen unmittelbar an den zahlreichen Radwegen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen und sind an entsprechenden Hinweisschildern als Radwegekirchen erkennbar. Geboten werden meistens ein Rastplatz oder Garten mit Tischen und Bänken sowie ein Zugang zu Toiletten und Trinkwasser.

Am Mulderadweg zwischen Eilenburg und Bad Düben liegt in dem kleinen Ort Gruna (Kirchenkreis Torgau-Delitzsch) eine Radwegekirche. Foto: epd-bild

Am Mulderadweg zwischen Eilenburg und Bad Düben liegt in dem kleinen Ort Gruna (Kirchenkreis Torgau-Delitzsch) eine Radwegekirche. Foto: epd-bild

Thüringen zählt bei den Radfahrern zu Deutschlands beliebtesten Gegenden. Unter den 171 Regionen der Rad­reiseanalyse 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) habe es das Land mit Platz sieben in die Top 10 geschafft, teilte die Thüringer Tourismus Gesellschaft (TTG) mit. Der 403 Kilometer lange Saale-Radweg von Sparnberg bis Kaatschen sei laut ADFC besonders populär. Insgesamt verfüge Thüringen über 1 500 Kilometer an Radfernwegen.

Die Radwegekirchen in der EKM und der Evangelischen Landeskirche Anhalts stehen Besuchern von Ostern bis zum Reformationstag am 31. Oktober zum Ausruhen und Innehalten offen. Viele Gemeinden bieten zusätzlich Kirchenführungen und Seelsorgegespräche an. In einigen Radwegekirchen finden während des Sommers auch Konzerte und Festivals statt. Vom Elbe-Radweg aus lohnt sich auch ein Abstecher zur Landesgartenschau in Burg in Sachsen-Anhalt. In Anhalt bekam 2008 die Kirche in Steckby bei Zerbst am Elberadweg den Titel Radwegekirche. Weitere Beispiele sind die Kirche in Dessau-Großkühnau und Klieken (Elbe), St. Georg und Pankratius in Hecklingen (Bode) oder die Kirche im Ballenstedter Stadtteil Opperode im Harz.

Mit 76 Prozent fahren drei von vier Deutschen Rad, 51 Prozent davon nutzten es für Ausflüge und Reisen, ermittelte der ADFC in seiner Analyse. Besonders der Bereich der Tagesausflüge nehme weiter zu. Mehr als jeder Zweite radele ins Grüne, was rund 167 Millionen Tagesausflügen entspreche. Auch in den Ferien würden sich die Deutschen gerne aufs Rad schwingen. Statistisch kämen so 99 Millionen Ausflüge im Urlaub zusammen, errechnete der Fahrradclub.

In Mitteldeutschland stehen etwa 4 000 evangelische Kirchen und Kapellen. Das sind rund 18 Prozent aller evangelischen Kirchen Deutschlands. Eine Karte mit allen Radwegen und Radwegekirchen deutschlandweit sowie Informationen zu den Öffnungszeiten der Kirchen und ihrer Geschichte gibt es im Internet. Auch die Geodaten der Radtouren stehen zum Download bereit. Das Signet »Radwegekirche« wird von der Landeskirche nach Prüfung der Kriterien verliehen.

(epd/G+H)

www.radwegekirchen.de

Veranstaltungen an und in Radwegekirchen:

• Für einen Besuch der Landes­gartenschau Burg lohnt sich ein Abstecher vom Elbe-Radweg: Der Kirchen-Pavillon ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Er befindet sich in den Ihlegärten und ist auch ohne Eintrittskarte zugänglich. Neben anderen Programmpunkten gibt es tägliche Mittagsandachten (12 Uhr) und jeden Sonntag einen Gottesdienst (12 Uhr).

www.kirchen-landesgartenschau-burg.de

• Orla-Radweg-Festival: 8. bis 23. September in den Kirchen Krölpa (Eröffnungskonzert mit »Saitenverkehrt«, Cello und Klavier), Lausnitz (Orgelkonzert), Ranis (Kindertheater THEATERTA), Jüdewein (Konzert mit dem Pößnecker Posaunenchor), Oppurg (Saxophonkonzert mit der Gruppe »Taktlos«), Birkigt (Gospelkonzert mit »Voices of life«) und im Schützenhaus Pößneck (Chorsinfonisches Konzert mit der Pößnecker Kantorei). Weitere Informationen: Helmut Krauß, (01 57) 52 42 72 09
• St.-Concordia-Kirche Ruhla (Rennsteig-Radwanderweg): Sommerkonzert Gahabka & Grüger (18. August, 17 Uhr) mit Werken von Beethoven, Bernstein, Strauß u. a.

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Meininger Tafelrunde im Schatten von Kaiser Heinrich II.

22. Juli 2018 von redaktionguh  
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Foto: Antje Kanzler

Foto: Antje Kanzler

Mit einer Andacht und Bläsermusik zum Heinrichstag startete das sommerliche Picknick am Heinrichsbrunnen in Meiningen. Der Kirchenkreis, die evangelische und die katholische Kirchengemeinde luden auf den Marktplatz, um gemeinsam mit Ur-Meiningern, Zugezogenen und Gästen Zeit und Essen miteinander zu teilen. Kaiser Heinrich II. gilt als Schutzpatron Meiningens. Der Überlieferung nach soll er den Bau der Stadtkirche »Unserer lieben Frauen«, auch St. Marien Kirche genannt, vor über 1 000 Jahren veranlasst haben.

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Von Frommen und Heiligen

17. Juli 2018 von redaktionguh  
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Moral: Auch wenn an uns Christen oftmals hohe Erwartungen gestellt werden, müssen wir keine Heiligen sein, um gerettet zu werden.

In der DDR-Zeit sprach man über die Kirchgänger bisweilen etwas abschätzig von den »Heiligen«. »Du bist wohl auch heilig?«, konnte dann schon einmal ein Konfirmand von seinen Mitschülern gefragt werden, wenn er der Einzige in der Klasse war, der zum Konfirmandenunterricht ging.

Gemeint war: Benimmst du dich im Alltag anders als die Anderen? Betest du regelmäßig? Gehst du regelmäßig zum Gottesdienst? Glaubst du an Gott? Hältst du die zehn Gebote ein? Dahinter steht die Erwartung, wer sich Christ nennt, der muss sich auch anders verhalten, moralisch besser und untadelig leben.

Unbewusst wird hier die alttestamentarische Forderung zur Heiligung des täglichen Lebens erwartet: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott« (3. Mose 19.2ff, vgl. 1. Petrus 1,16). Dieser hohe Anspruch konnte im Laufe der Geschichte immer wieder dazu führen, dass Menschen versuchten, vollkommen zu sein. Heilig zu sein beschreibt dabei einen Zustand, in dem jemand oder etwas getrennt von jeder Art Verunreinigung ist. Das Heilige oder der Heilige ist demnach auf Grund seiner Reinheit vom gewöhnlichen Gebrauch oder von der Masse der Anderen getrennt. Dies führte einerseits oft zur Überheblichkeit von Menschen, die sich auf Grund ihres Verhaltens für etwas Besseres hielten und andererseits zur Entwicklung einer Heiligenverehrung, bei der die Heiligen eine Stellvertreterfunktion einnahmen und einer Idealisierung zum Opfer fielen.

Evangelische Heilige: In der Wittenberger Schlosskirche stehen die Reformatoren im Kirchenschiff links und rechts auf dem Sockel. Foto: epd-bild

Evangelische Heilige: In der Wittenberger Schlosskirche stehen die Reformatoren im Kirchenschiff links und rechts auf dem Sockel. Foto: epd-bild

In Anlehnung an die Märtyrer-Verehrung des frühen Christentums entstand die Überzeugung, dass die Heiligen, wenn sie ihr Leben für den Glauben gelassen hatten, sofort in den Himmel aufgenommen und dort bei Gott Fürsprache halten und für hilfesuchende Menschen eintreten würden. Die Reformatoren lehnten in Berufung auf Paulus (1. Timotheus 2,5) solch eine Mittlerfunktion der Heiligen kategorisch ab, hielten es aber dennoch für nützlich, der Heiligen als Vorbildern und guten Beispielen zu gedenken, »damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist.« (Augsburger Bekenntnis, Artikel 21).

Gut reformatorisch ist auch der Gedanke, dass es keines Heiligseins bedarf, um gerettet zu werden. Gottes Gnade kann nicht durch eine moralische Leistung erkauft werden, sondern sie ist die Bedingung und Voraussetzung für ein geheiligtes Leben. Heiligsein heißt demnach voller Gnade sein. Nicht begnadigt wie ein Verbrecher oder begnadet wie ein Künstler, sondern gnädig geliebt wie ein Kind. Wenn ich meine Mitmenschen mit den Augen der Liebe und mit Verständnis ansehe, dann kann ich in jedem Menschen etwas Heiliges entdecken. Jeder Mensch lebt von einer Akzeptanz, einem Wohlwollen, einer Wertschätzung, die ihm ohne Vorbedingung gelten muss, die weder erkämpft, erlitten, noch erarbeitet worden ist. Dies ist besonders in unserer Welt wichtig, die oft so gnadenlos und auf Leistung orientiert ist.

Die Erwartungen an uns Christen sind zum Teil so hoch, dass sich viele von der Kirche abwenden, wenn etwa wieder ein Skandal unter den kirchlichen Mitarbeitern durch die Medien bekannt wird. Da kann man nur sagen: Skandale müssen aufgedeckt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber andererseits stimmt auch: Wir sind keine Heiligen, die alles richtig machen und fehlerfrei sind. Wer solches erwartet, muss enttäuscht werden. Vielmehr sind wir Christen Menschen, die sich immer wieder heiligen und heilen lassen. Das ist ein Unterschied.

Wenn die Bibel vom Heiligen Geist spricht, dann kann man auch übersetzen: der Geist, der heil macht, der Heil bewirkt. Um wieder heil zu werden, bedarf es aber einer Gemeinschaft. Allein heil zu werden ist eher ein Geschäft für Einsiedler, Mönche und Asketen. Heil werden in der Gruppe, geheilt werden durch die Gemeinschaft mit anderen, aber ist etwas, das allen Menschen gut tut. Es gibt immer mehr einsame Menschen in unserer Gesellschaft.

Und wir tun gut daran dem entgegenzuwirken, indem wir in Kirche und Gesellschaft Gruppen anbieten, in denen man sich treffen kann, wo jeder so angenommen ist, wie er ist und in denen ein heilender Geist wirkt, der Geist der Offenheit, der Zuwendung und der gegenseitigen Achtsamkeit. Es ist eine zentrale und überlebenswichtige Aufgabe unserer Zeit, dass wir uns der inneren Zerrissenheit der Gesellschaft annehmen, unseren Mitmenschen zuhören und ihre Nöte ernst nehmen. Denn nur so können seelische Wunden heilen und gesellschaftliche Gräben überwunden werden.

Es gilt, dem Unheil unserer Tage durch Liebe und Versöhnung zu begegnen. Das ist Heiligung des täglichen Lebens. Wir wissen, dass Geduld, emotionale Wärme, Zuwendung und Liebe für uns Menschen lebensnotwendig sind. Wenn wir dies uns selbst und unseren Mitmenschen gewähren, dann gelingt uns auch ein heiles Leben, das in aller Unvollkommenheit dennoch geheiligt ist.

Friedhelm Kasparick

Der Autor ist Pfarrer der Paulusgemeinde in Halle und Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Halle.

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Gesprengte Hoffnung

9. Juli 2018 von redaktionguh  
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Die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat Magdeburg für immer verändert. Damit nicht genug. Nach 1945 wurden Bauwerke, die nicht in den Zeitgeist passten, einfach beseitigt.

Pfingsten 1951 muss für die Magdeburger Christen voller Hoffnung gewesen sein: Hoffnung darauf, dass wieder etwas gut würde in der Stadt, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört worden war. Ein altes Foto zeigt: Dicht gedrängt saßen die Magdeburger in der Heilig-Geist-Kirche und feierten den Gottesdienst zu deren Wiedereinweihung mit. Die mittelalterliche Kirche, Taufkirche des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann, war ebenso zur Ruine geworden wie die anderen Kirchen im Zentrum. Doch mit Hilfe aus dem Ausland konnte sie als erste evangelische Kirche wieder aufgebaut, ab 1950 genutzt und im Jahr darauf eingeweiht werden. Der Dom zum Beispiel wurde erst 1955 mit der Amtseinführung von Bischof Johannes Jänicke eröffnet. Hoffnung auf wiedererstehende Kirchen also, die sich in den nächsten Jahren zerschlagen sollte.

Einsatz: Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine (vermutlich die Katharinenkirche) beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen in der DDR vom 15. bis 30. Juli 1962 in Magdeburg. Foto: epd-bild

Einsatz: Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine (vermutlich die Katharinenkirche) beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen in der DDR vom 15. bis 30. Juli 1962 in Magdeburg. Foto: epd-bild

Dass in der DDR fast 60 Kirchen dem sozialistischen Stadtumbau weichen mussten, war Thema eines Gesprächsabends der Landeszentrale für politische Bildung Ende Juni in Magdeburg. Nicht ohne Grund, denn in der Elbestadt wurden zehn kriegsbeschädigte Kirchen »Einfach weggesprengt«, so das Motto des Abends. Außer der Heilig-Geist-Kirche wurden bis 1964 gesprengt oder abgerissen: St. Ulrich und Levin, St. Katharinen, St. Jakobi, die Martinskirche, die Lutherkirche, die Deutsch-Reformierte und die Französisch-Reformierte Kirche sowie zwei säkularisierte Kirchen: das Zeughaus (ehemals St. Nikolai) und die Evangelische Schule (ehemals Franziskanerkloster).

»Die meisten Kirchen hätten gerettet werden können«, sagte Christian Halbrock, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin. Doch das sei bei der sozialistischen Umgestaltung der Städte nach dem Vorbild der Sowjetunion – zum Beispiel mit Magistralen für Aufmärsche – nicht vorgesehen gewesen. »Die Kirchengebäude und das Wächteramt der Kirchen störten bei der Umerziehung zum ›neuen Menschen‹«, so Halbrock. Der Historiker sagte, dass im Fall, dass eine Stadt zur Bezirksstadt wurde, dies oft nichts Gutes für historische Bauten bedeutete. Und: »Verfall und Abriss von Dorfkirchen sind überhaupt noch nicht aufgearbeitet.«

Der Magdeburger Architekt Michael Sußmann verwies in seinem Vortrag »Vom Vergehen der Gotteshäuser in der Stadt Magdeburg« auf die Schwierigkeit, über eine Zeit zu urteilen, die man selber nicht miterlebt habe. Die Ergebnisse der beiden Architekturwettbewerbe, die noch in den 1940er Jahren für den Wiederaufbau Magdeburgs ausgeschrieben wurden, verzeichneten noch alle Kirchen. Erst ab 1950 und mit den »16 Grundsätzen des Städtebaus« habe sich das geändert. »In den Wiederaufbauplänen, die die Tageszeitung Volksstimme am 1. Mai 1953 veröffentlichte, fehlten die Kirchen.« Und ein im Zentrum geplantes, aber nie gebautes »Haus des Schwermaschinenbaus« sollte mit seinem 110 Meter hohen Turm den Dom überragen. Zwar war laut Beschluss der Evangelischen Kirche in Deutschland Magdeburg 1956 zur Stadt des kirchlichen Wiederaufbaus erklärt worden. Aber das habe nichts genützt. Ebenso wenig wie Verhandlungen der Kirchenvertreter mit der Stadt und Proteste, zuletzt 1964 durch Bischof Johannes Jänicke, gegen die Beseitigung der Ruine der Katharinenkirche, deren Erhalt nach dem Abriss der Heilig-Geist-Kirche 1959 zugesagt worden war.

Mit Kirchen gingen auch ihre Kunstschätze verloren. Einige gerettete Steinmetzarbeiten fanden Platz in und an der wieder aufgebauten Wallonerkirche. Sie lassen ahnen, was da verloren ging.

Angela Stoye

Zum Weiterlesen: Berichte der Magdeburger Kirchenleitung zu den Tagungen der Provinzialsynode 1946–1989, herausgegeben von Harald Schultze. Vandenhoeck & Ruprecht, 2005, Seite 133 und Seiten 206/207

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Frühjahrsputz beim Datenschutz

2. Juli 2018 von redaktionguh  
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Die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat in fast allen Bereichen für erhöhten Arbeitsaufwand gesorgt. Welche Auswirkungen hat das in den Kirchengemeinden? Sabine Kuschel sprach darüber mit Kirchenrechtsrat Thomas Brucksch, Leiter des Referats für Allgemeine Rechtsfragen im Landeskirchenamt der EKM.


Was ändert sich mit der DSGVO für die Kirchengemeinden?
Brucksch:
Zunächst möchte ich erwähnen, dass es Datenschutz auch schon vor dem 24. Mai gab. Seit den 1970er Jahren existieren Datenschutzgesetze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie waren dem staatlichen Datenschutzrecht nachgebildet. Mit einem eigenen Datenschutzrecht können kirchliche Besonderheiten besser abgebildet werden.

Wichtig ist, dass der Artikel 91 der neuen DSGVO festlegt, dass die Kirchen weiterhin ihr Recht anwenden können, wenn sie es mit der Datenschutzverordnung in Einklang bringen. Dafür steht das neue Datenschutzgesetz der EKD, das innerhalb der evangelischen Kirche und der Diakonie zur Anwendung kommt. Bei den inhaltlichen Vor­aussetzungen für die Datenverarbeitung hat sich fast nichts geändert. Das meiste, was zuvor datenschutzrechtlich zulässig war, ist geblieben. Was zuvor unzulässig war, ist es jetzt auch.

Wenn sich wenig ändert, bleibt dann für die Gemeinden alles beim Alten?
Brucksch:
So weit würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Das Problem ist, viele wussten gar nicht, was datenschutzrechtlich zulässig ist oder nicht. Datenschutzrecht ist aufwendig, das ist ein Problem. Viele fragen sich jetzt, dürfen wir das. Die Frage inhaltlich zu klären, ist aufwendig.

Thomas Brucksch. Foto: EKM

Thomas Brucksch. Foto: EKM

Ich vergleiche die Situation mit einem Frühjahrsputz beim Datenschutz. Es ist zu fragen, was die Gemeinden dazu auf ihren Webseiten sagen, wie sie mit Fotos im Gemeindebrief und Internet umgehen und welche Daten im Gemeindebrief veröffentlicht werden. Verändert hat sich die »Bürokratie« um die eigentliche Datenverarbeitung herum. Eingeführt wurde beispielsweise eine sogenannte Rechenschaftspflicht. Datenverarbeitende Stellen sollen umfassend darüber Auskunft geben können, was sie mit personenbezogenen Daten machen. Auf kirchengemeindlicher Ebene passiert da aber nicht so viel, weil in den neuen kirchlichen Regelungen Schwellenwerte für bestimmte Pflichten eingebaut wurden.

Heißt das, dass die Kirchengemeinden mit etwas Sorgfalt eigentlich nichts falsch machen können?
Brucksch:
Wahrscheinlich erfüllt man nie alle Vorgaben des Datenschutzes. Fatal wäre, wenn wir deshalb darauf überhaupt nicht achten würden. Ein Großteil der Fragen löst sich schon mit gesundem Menschenverstand. Wenn man sich kundig macht und zu einem verantwortlichen Umgang kommt, hat man seinen Teil erfüllt.

Gibt es eine Aufsicht?
Brucksch:
Der Datenschutzbeauftragte der EKD ist auch in der EKM die unabhängige Datenschutzaufsicht und nicht der staatliche Datenschutzbeauftragte.

Bieten Sie den Kirchengemeinden Hilfe an?
Brucksch:
Ja, seit Mitte Mai nehmen wir erheblichen Nachfragebedarf wahr. Wir bieten verschiedene Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen im Landeskirchenamt an, geben Einführungen in den Kirchenkreisen. Informationen, Termine und Ansprechpartner finden sich auf unserer Website.

Bei der EKM-Archivtagung war der Datenschutz Thema. Welche Relevanz hat das neue Gesetz für die Archive?
Brucksch:
Grundsätzlich gilt: Datenschutzrecht schützt lebende Personen aus Fleisch und Blut. Auch im staatlichen Recht. Die Archive betrifft das neue Gesetz deshalb nur eingeschränkt. Was in den Akten der Archiven steht, sind Sachverhalte, die so lange her sind, dass man zumeist davon ausgehen kann, dass die betreffenden Personen verstorben sind. Damit sind die Angaben datenschutzrechtlich nicht mehr relevant. Mit dem Tod endet die Anwendbarkeit des Datenschutzrechtes. Der Verstorbene ist nicht rechtlos, aber es greifen andere rechtliche Kategorien.

Kirchenbücher aus dem 18. Jahrhundert unterliegen nicht mehr dem Datenschutzrecht, sondern dem Archivgesetz.

www.ekmd.de/kirche/themenfelder/datenschutz.html

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Fakten und gefühlte Wirklichkeit

24. Juni 2018 von redaktionguh  
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Ein Riss geht durch die Gesellschaft, deshalb müsse man miteinander sprechen. So wird allenthalben gefordert. In Gera redet man regelmäßig. Auch mit der AfD.

Das Lutherhaus in Gera: Die Luft ist schwül, der typischen Geruch eines kirchlichen Gemeindesaales steigt in die Nase. Mit rund 70 Personen ist der Raum gut gefüllt. An der Seite ein Kruzifix, vorn eine Bühne, deren roter Vorhang zugezogen ist. Davor an drei Tischen mit weißem Tischtuch auf Augenhöhe zum Publikum die Kontrahenten. Zur Linken: Stefan Möller, seines Zeichens Rechtsanwalt und Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Zur Rechten: Rainer Kreuter, Polizeibeamter, Gewerkschafter und Landtagsabgeordneter der Partei Die Linke. Dazwischen, als »Fakten-Checker«, der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sowie Pfarrer Frank Hiddemann als Gastgeber und Moderator.

Es ist der mittlerweile dritte Gesprächsabend zu Politikfeldern der AfD, zu dem die Ökumenische Akademie Gera unter der Überschrift »Deutschland zuerst?« eingeladen hat. Der Abend widmet sich dem Thema »Ruhe und Ordnung! Innere Sicherheit oder äußere Freiheit?«. Besondere Brisanz erhält das Thema durch den aktuellen Mordfall an der 14-jährigen Susanna F. in Wiesbaden. Gerade kam die Nachricht, dass der tatverdächtige Iraker in seinem Heimatland von kurdischen Sicherheitskräften verhaftet wurde.

Den ersten Part hat der Kriminologe. Eloquent stellt der medienerprobte Pfeiffer die statistischen Fakten dar. In praktisch allen Bereichen der Kriminalität hat es von den 1990er-Jahren an einen Anstieg bis in die 2000er-Jahre hinein gegeben. Also in einer Zeit, in der es noch keine »Asylantenflut« in Deutschland gab. Seither verzeichnet die Kriminalstatistik eine deutliche Abnahme. Und selbst einer leichten Erhöhung im Jahr 2016, die man mit dem Zustrom fremder Menschen in Verbindung bringen kann, steht eine erneute deutliche Abnahme im Jahr 2017 gegenüber. So sank etwa Anzahl der polizeilich erfassten Sexualmorde von 39 im Jahr 1992 über 27 Fälle im Jahr 2002 und 19 im Jahr 2012 auf acht im Jahr 2017.

Doch Fakten sind das Eine. Das andere ist die mentale Wahrnehmung, die gefühlte Lage. Und die ist bestimmt von einigen grauenvollen Morden der letzten Monate, bei denen die Täter Ausländer, Asylbewerber waren. Selbiges gilt für andere Gewaltverbrechen. Pfeiffer nennt es die »deutlichere Sichtbarkeit von Flüchtlingsgewalt«, verbunden damit, dass gegenüber Ausländern auch bei geringeren Delikten die Anzeigebereitschaft höher liege.

Der Konflikt zwischen den realen Zahlen und der gefühlten Wirklichkeit zieht sich durch die ganze anschließende Diskussion im Podium wie später auch mit dem Publikum. Möller versteht es, das Empfinden der Menschen auf den Punkt zu bringen. Und immer wieder Zweifel an der Aussagekraft der Statistiken zu wecken.

Beispiel: Einbruchdiebstähle. Eine von ihm durchgeführte Umfrage unter Betrieben und Unternehmen im Umkreis von Erfurt habe ergeben, dass viele Betroffene inzwischen eine Anzeige für sinnlos hielten, weil die Aufklärungsquote äußerst gering sei. Viele Fälle würden somit überhaupt nicht in der Statistik auftauchen.

Pfeiffer wie Kreuter widersprechen. Verweisen darauf, dass die Statistiken der Versicherungsunternehmen die gleiche Tendenz aufzeigten. Und weil eine Anzeige Voraussetzung für eine Schadensregulierung ist, sei der Vorwurf unhaltbar.

Einig ist man sich links und rechts, dass mehr Polizisten und eine bessere Struktur sowie Ausrüstung der Polizei nötig sind. Während Pfeiffer in der Bildung einer der wichtigsten Säulen der Gewaltprävention sieht, ist Möller um markige Vorschläge nicht verlegen. So neben der ständig wiederholten Forderung, endlich die Grenzen zu schließen und zu kontrollieren, auch der Vorschlag, gewaltbereite Ausländer ohne Umstände in speziellen bewachten Lagern unterzubringen. Applaus ist ihm von einem Teil der Gäste sicher. Die Frage, wie solche Lager und Einweisungen ohne Gerichtsurteil mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbar sind, bleibt freilich offen.

Die Diskussion wird stellenweise polemisch, von Hiddemann aber immer wieder energisch auf die Ebene der Argumente gebracht. Unmut macht sich unter etlichen Besuchern bemerkbar, als Pfeiffer auf die enorm wachsende Computerkriminalität verweist, auf Cyberangriffe auf Wirtschaft und Verwaltung, oder auf die wachsende Verbreitung unsäglicher Kinderpornografie im Netz. »Das ist nicht unser Thema«, ruft ein Mann im Publikum. Und Möller bestätigt: »Cyberkriminalität ist nicht das, was uns Angst macht.« Das seien vielmehr die spektakulären Tötungsdelikte der vergangenen Monate.

Ja, die Angst. Die ist es, die von Seiten der AfD aufgegriffen wird und die damit den Nerv vieler Menschen trifft. Das wird an diesem Abend deutlich. Aber auch, wie wichtig es ist, dieser Angst Tatsachen entgegenzustellen. Und wie wichtig es ist, nicht nur in Sonntagsreden das Gespräch über die politischen Gräben der Gesellschaft hinweg zu fordern, sondern es endlich zu führen. Der nächste Diskussionsabend in Gera steht fest: Am 24. August geht es um das Thema »Ehe natürlich! Zurück zur Familie oder Vielfalt der Lebensformen?«.

Harald Krille

www.oek-akademie-gera.de

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Wild beten und fromm tanzen

17. Juni 2018 von redaktionguh  
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Evangelisches Jugendfestival »Kannste glauben« vom 22. bis 24. Juni in Volkenroda

Im Flur des Kinder- und Jugendpfarramtes in Magdeburg hängt an einem Holzbalken ein Tippschein: 402, 520, 453 und andere Zahlen. Wir sind zwar nicht unter die Zocker gegangen, aber wir tippen, wieviel Jugendliche zum Evangelischen Jugendfestival ins Kloster Volkenroda kommen werden. Ich habe optimistisch 679 geschätzt. Etwa 450 Meldungen liegen uns schon vor.

Das zeigt ein wenig die Herausforderungen heutiger Jugendveranstaltungen. Langfristige Zusagen sind schwer zu bekommen. Die Welt ist schneller geworden, gerade die Jugendwelt. Lange Anmeldevorläufe widersprechen den Möglichkeiten der Sofortkommunikation. Binnen Sekunden können sich die Jugendlichen über WhatsApp & Co verabreden: »Morgen Festival. 40 Euro. 3 Musikbühnen. Zelt mitbringen! Kommste?« Darin steckt natürlich die Chance, dass sich einige noch spontan entscheiden. Letztes Mal waren über 700 Jugendliche dabei.

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Volles Programm: An drei Tagen gibt es unter anderem Grenzerfahrungen in luftiger Höhe, einen Vaterunser-Gebetsparcours oder praktische Tipps, wie man den Glauben im Schulalltag leben kann. – Foto: Matthias Sengewald

Ergraute Ex-Jugendliche denken jetzt zurück an alte Zeiten: Landesjugendsonntage und Petersbergtreffen – das waren noch Massen! Tausende. Ohne Smartphone, dafür Ormig-Abzüge: »Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch.« Die Zeiten sind anders geworden, das wissen wir alle. Nicht so genau wissen wir, wie wir darauf reagieren sollen. Man fährt nicht etwa zum Evangelischen Jugendfestival, weil das für junge Christen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eben dazugehört. Man fährt dorthin, wo es Spaß macht, wo man Freunde trifft, wo es cool ist. Gute Musik, nette Leute, kein Stress. Kirche kann – muss nicht sein.

Und dann soll’s ja auch evangelisch zugehen. Jugendliche aus den Jungen Gemeinden der EKM, aus Anhalt und von den Jugendverbänden wie dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), Entschieden für Christus (EC), Pfadfinder (VCP), die sich unter dem Dach des Bundes evangelische Jugend in Mitteldeutschland zusammenfinden, fühlen sich für das Festival verantwortlich. Eine tolle Gelegenheit trotz aller Unterschiedlichkeit miteinander was auf die Beine zu stellen.

Genau das macht das Festival aus. Leute mit unterschiedlicher Frömmigkeit feiern gemeinsam. Das ist Herausforderung und Bereicherung zugleich. Da ist Sarah, die selbstverständlich über vielerlei Geschlechtlichkeit in der Schöpfung streitet und Tim, der das deutlich in Frage stellt. Und beide sind Christen. Die können streiten und dann auch miteinander tanzen. Denn es gibt Hip-Hop von »2schneidig«, christliche Lobpreisbands, Punk-Rock und Blues sowie Jugendbands mit tollem handgemachtem Sound. Und damit auch Körper und Seele aktiv dabei sind, gibt’s den Songwriter-Workshop, Glasritzkurse und Infos über Jugendarbeit in Kolumbien. Man kann sich als Poetry-Slammer probieren, Jugendlichen aus Polen, Schweden und der Slowakei begegnen. Eine Gruppe geflüchteter Jugendlicher ist auch dabei. Auf dem Programm stehen Impro-Theater, politische Diskussion, Gespräche über Gott und das Leid. Fröhlich wird es beim Lach-Yoga und in der Silent-Disco. Es wird fromm gebetet und wild getanzt. Und auch wild gebetet und fromm getanzt.

Vieles ist möglich im Kloster Volkenroda. Unter dem Motto »Kannste glauben!« wird von der Eröffnung am Freitagabend bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag ein abwechslungsreiches Programm geboten. Schon am Mittwoch, 22. Juni, kommen etwa 60 Jugendliche zum Vor-Camp. Da werden Zelte aufgebaut und das Moderieren trainiert, Beleuchtung und Tontechnik installiert, Abläufe besprochen, Teams eingeteilt und Andachten gehalten. Damit alles gut wird. Ja, ich bin optimistisch, dass ich spontan doch noch gewinne mit meinem Tipp. Denn es lohnt sich.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der EKM

www.evangelischesjugendfestival.de

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Klingende Verkündigung: Landesposaunenfest im Harz

12. Juni 2018 von redaktionguh  
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Foto: Jürgen Meusel

Foto: Jürgen Meusel

Mehrere hundert Besucher hörten zu beim großen Bläserkonzert am 2. Juni im Ballenstedter Schlosspark unter der Leitung des Landesposaunenwartes Steffen Bischoff. Es gehörte zum Programm des anhaltischen Landesposaunenfestes, zu dem am ersten Juniwochenende rund 100 Bläserinnen und Bläser in Gernrode zusammengekommen waren. Das Fest endete am Sonntag mit einem Bläser-Gottesdienst in der Stiftskirche, wo auch an das 60-jährige Bestehen des Posaunenwerkes Anhalts erinnert wurde. Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius zeichnete Frauen und Männer für ihre zehn- bis zu mehr als 60-jährige Mitgliedschaft in einem Bläserchor mit Ehrennadeln oder -urkunden aus. Zudem wählten die Mitglieder der Bläserchöre den neuen Vorstand des Posaunenwerkes. Außerdem hat das Posaunenwerk jetzt einen neuen Landesobmann. Andreas Janßen (Dessau-Roßlau), jüngst zum Pfarrer im Ehrenamt ordiniert, löste den Zerbster Pfarrer Albrecht Lindemann in dem geistlichen Amt ab. In seiner Predigt hob er den Signalcharakter der Posaunen von alter Zeit bis in die Gegenwart hervor. Und: »Sie verkündigen die Hoffnung, auf die hin wir leben.«

(G+H)

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