Unter Gottes freiem Himmel

24. Mai 2017 von redaktionguh  
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Wittenberg: So wird das Festwochenende zum Abschluss der Kirchentage

Am Sonntag feiern Menschen aus aller Welt den Festgottesdienst des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags vor den Toren Wittenbergs auf den Elbwiesen bei Pratau. Für viele ist es der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Dazu werden die Besucher der sechs regionalen Kirchentage auf dem Weg in Mitteldeutschland und des zentralen Protestantentreffens in Berlin zum Ausgangspunkt der Reformation in der Lutherstadt erwartet.

Bereits am Samstagabend gibt es einen Predigt-Slam auf der Bühne vor der Schlosskirche (18.30 Uhr), um 21 Uhr beginnt das Programm auf den Elbwiesen südlich der Altstadt mit der »Nacht der Lichter«. Das Gebet zum Sonnenuntergang feiern die Besucher mit der Gemeinschaft von Taizé. Wer möchte, kann im Anschluss auf der Wiese unter freiem Himmel übernachten. Zelte und Gepäckstücke sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) präsentiert sich in Wittenberg mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen aus den Kirchenkreisen im Bugenhagenhaus direkt hinter der Stadtkirche St. Marien. Zum Festwochenende ist dort die Ausstellung »500 Kirchen. 500 Ideen – Querdenker für Thüringen« zu sehen. – Foto: Willi Wild

Der Sonntag beginnt um 4.30 Uhr mit einer Andacht zum Sonnenaufgang (5.19 Uhr). Für 12 Uhr ist der Abendmahlsgottesdienst unter dem Titel »Von Angesicht zu Angesicht« angesetzt. Im Mittelpunkt steht die Bibelstelle 1. Korinther 13. Predigen wird der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba.

Im Anschluss (13.30 Uhr) werden Grußworte von Politikern wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sowie kirchlicherseits von Magdeburgs Bischof Gerhard Feige erwartet, der auch den Vorsitz der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz innehat.

Zu einem Reformationspicknick ab 14.30 Uhr laden rund 600 Gemeinden ein. Nach 16.30 Uhr mündet das gemeinsame Essen und Trinken in das Konzert »Live 17« mit Künstlern wie Konstantin Wecker, »Bell Book and Candle«, Judy Bailey und CITY.

Sonderzüge mit einem Fassungsvermögen von je 900 Passagieren fahren aus Berlin, Leipzig und Magdeburg im 10- bis 15-Minuten-Takt. Für Reisebusse, Pkw und Fahrräder sind Parkplätze mit einem Shuttle-Service zur Festwiese geschaffen. Im Falle eines schweren Unwetters würde das Festprogramm abgesagt.

Die Kirchenzeitung finden Sie im Bugenhagenhaus hinter der Stadtkirche St. Marien oder im Mediencafé in der Neustraße 10 gegenüber der Geschäftsstelle vom Trägerverein r2017.

(epd/G+H)

Ideen aus den Kirchenkreisen

22. Mai 2017 von redaktionguh  
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Bugenhagenhaus: EKM auf der »Weltausstellung Reformation«

Mit Ausstellungen, Vorträgen und Filmvorführungen ist auch die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands auf der »Weltausstellung Reformation« präsent. Vom
20. Mai bis 10. September sind Kirchenkreise und Werke der EKM Teil des Reformationssommers, sagte Adelheid Ebel vom EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum in Wittenberg. Im Bugenhagenhaus neben der Stadtkirche stellt sich die Landeskirche vor.

»Die Idee eines Ausstellungsorts für die EKM geht auf Propst Siegfried Kasparick zurück«, erinnert Adelheid Ebel an den im vergangenen Jahr verstorbenen Ökumene- und Reformationsbeauftragten der mitteldeutschen Landeskirche. Gemeinsam mit Christiane Schulz, Leiterin der landeskirchlichen Geschäftsstelle für die Lutherdekade, hat Adelheid Ebel diese Idee umgesetzt. Das Programm ist angelehnt an die 16 Themenwochen der »Weltausstellung Reformation«, die mittwochs beginnen und bis Montag dauern; dienstags ist die Weltausstellung geschlossen.

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Den Auftakt in der Festwoche vom 20. bis 29. Mai macht die von Landesbischöfin Ilse Junkermann zum Reformationsjubiläum angestoßene Initiative »Offene Kirche« sowie das Querdenker-Projekt von Kirche und Internationaler Bauausstellung in Thüringen. In der sich anschließenden Europa-Woche rücken die Beziehungen der EKM zu ihren europäischen Partnern in den Fokus. In der Ökumene-Woche ab 7. Juni präsentiert sich das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zen­trum, und der Kirchenkreis Bad Liebenwerda wird schildern, wie Ökumene im Elbe-Elster-Land gelebt wird. Mitte August heißt die Themenwoche »Bibel und Bild«: Dann werden im Bugenhagenhaus der Kirchenkreis Weimar mit seiner Kinderbibel, die Kunstgutbeauftragte der EKM und die Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen das Programm gestalten. In den Blick genommen werden dabei Kinderbilder des Reformationszeitalters.

Auch die Evangelischen Frauen, die Evangelische Erwachsenenbildung, die Schulstiftung, viele Kirchenkreise aus Nord und Süd sowie die Erprobungsräume stellen sich im Verlauf der Weltausstellung im Bugenhagenhaus vor. »Die vielen Ideen zeugen von der Fülle unserer Landeskirche«, freut sich Adelheid Ebel über die Vielfalt der kommenden Wochen.

Katja Schmidtke

Probesitzen für die Tischgesellschaften am Himmelfahrtstag

15. Mai 2017 von redaktionguh  
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Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Das Organisationsteam zu Gast bei Tischlermeister Bernhard Hirte (Mitte). Über Religion kann man überall ins Gespräch kommen. Gretchen fragte es den Faust – der Kirchentag fragt es Menschen in Weimar: »Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?« Am Himmelfahrtsabend sollen solche Gespräche möglich werden. Und wo geht das besser als am Küchentisch, finden die Organisatoren. »Was uns helfen kann, ist das offene Gespräch. Und eine offene Hand ist tausendmal besser als eine drohende Faust«, findet Ulrike Greim (rechts) vom Kirchentags-Programmausschuss. Am Himmelfahrtstag kann im Internet geschaut werden, wo sich Tischgesellschaften gebildet haben und wo man hinkommen kann.

www.tischgesellschaften-weimar.de

Jugend verschaffte sich Gehör

8. Mai 2017 von redaktionguh  
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EKM-Kirchenparlament tagte in Lutherstadt Wittenberg

Der kirchliche Nachwuchs dominierte mit Themen und Eingaben die Frühjahrstagung der Landessy­node der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Das mündete am Ende in einen Beschluss zum Aufbau einer Jugendsynode. Dafür wird eine Vorbereitungsgruppe aus Synodalen, Mitgliedern des Landesjugendkonventes sowie dem Kinder- und Jugendpfarr­amt gebildet. An der Jugendsynode sollen bis zu 80 junge Menschen bis einschließlich 27 Jahre teilnehmen und ihre Perspektive auf Gegenwart und Zukunft der Kirche einbringen.

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke

Synoden-Präses Dieter Lomberg mit der Sitzungsglocke. Foto: Willi Wild

Mit ihrem Vorstoß, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter dem Begriff Trauung einer kirchlichen Ehe-Segnung gleichzustellen, konnten die Jugendlichen allerdings nicht landen. Die Einbringung wurde von der Synode abgelehnt und das Thema vertagt. Dem ging eine heftige emotionale Debatte voraus.

»Mit großem Respekt« würdigte die Landessynode das Engagement der Ehren- und Hauptamtlichen in Gemeinden und Kirchenkreisen bei der Vorbereitung des 500. Reformationsjubiläums in diesem Jahr. Man sei »dankbar, dass das Jubiläum als gesamtgesellschaftliches Ereignis wahrgenommen wird«.

Landesbischöfin Ilse Junkermann bekräftigte in ihrem Bericht die Einladung zu den »Kirchentagen auf dem Weg« und dem Festwochenende in Wittenberg Ende Mai.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage nach der Einrichtung einer halben landeskirchlichen Stelle für das Arbeitsfeld Kindergottesdienst. Der Ausschuss Kinder, Jugend und Bildung hatte angeregt, dass »eine fundierte und qualitativ hochwertige Arbeit« mit Kindern auch finanzielle und personelle Ressourcen brauche. Mit Blick auf »erhebliche finanzielle Kürzungen im Jahr 2019, an denen viele landeskirchliche Stellen hängen«, sei die Einrichtung einer solchen Stelle »unsolidarisch«, hielten mehrere der Synodalen dagegen. Andere gaben zu bedenken, dass in der Arbeit mit dem Nachwuchs die Zukunft der Gemeinden liege und es kein gutes Licht auf die Kirche werfe, wenn in diesen Bereich zu wenig investiert werden solle.

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Jugendsynodale (v. l.) Lea Klischat, Felix Kalbe, Philipp Huhn, Henriette Barth. Foto: Willi Wild

Die EKM setzt künftig auf E-Mobilität. Das haben die Synodalen mehrheitlich entschieden. Mit der Umstellung auf eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung im Straßenverkehr solle auch die Attraktivität des Pfarrdienstes in den ländlichen Räumen erhöht werden, hieß es zur Begründung. Es werde nun geprüft, ob der Überschuss an Ökostrom der EKM-eigenen Windkraftanlagen für die Ladestationen der Elektrofahrzeuge genutzt werden könne. 2018 werde ein Zwischenstand mit ersten Erfahrungen in puncto E-Mobilität bekannt gegeben. Die Herbstsynode ist für den 22. bis 25. November in Erfurt geplant.

Willi Wild/epd

Berufsziel erreicht

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Nachwuchs: 29 frisch ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) werden in diesem Jahr insgesamt 29 Theologen, 19 Frauen und 10 Männer, zu Pfarrern und Gemeindepädagogen ordiniert. Damit übertrage ihnen die EKM das Recht, öffentlich in Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen das Evangelium zu verkündigen und die Sakramente – Taufe und Abendmahl – zu spenden, teilte die mitteldeutsche Kirche mit. Diese Beauftragung gelte auf Lebenszeit.

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

In Eisenach wurden zur Pfarrerin oder zum Pfarrer ordiniert: Anne Boel­ter (Kirchenkreis Schleiz), Johannes Burkhardt (KK Erfurt), Kathrin Hollax (KK Haldensleben-Wolmirstedt), Hanna Jäger (KK Torgau-Delitzsch), Inga Mergner (KK Eisleben-Sömmerda), Conrad Neubert (KK Arnstadt-Ilmenau), Christina Petri (KK Gotha), Jürgen Reifarth (KK Erfurt), Ann-Sophie Schäfer (KK Torgau-Delitzsch), Jennifer Scherf (KK Merseburg) und Stefanie Schwalbe (KK Schleiz). Conrad Krannich erhält als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle einen Predigtauftrag in der Reformierten Domgemeinde. In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Oberin Annegret Bachmann (KK Eisenach-Gers­tungen), Dr. Gabriel Gatzsche (KK Arnstadt-Ilmenau), Ernest Goldhahn (KK Waltershausen-Ohrdruf), Anita Meinig (KK Arnstadt-Ilmenau) und Mirko Weisser (KK Altenburger Land).

Am Sonntag werden in Wittenberg zur Pfarrerin beziehungsweise zum Pfarrer ordiniert: Susanne Entschel (Sondervikariat in Melbourne/Australien), Constanze Greiner (KK Henneberger Land), Martina Grigutsch (KK Egeln), Ina Lambert (KK Haldensleben-Wolmirstedt) und Torben Linke (KK Bad Liebenwerda). In ihren Dienst als Ordinierte Gemeindepädagogin wird ordiniert Rebekka Prozell (KK Elbe-Fläming). In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Angela Göbke (KK Magdeburg), Ga­briele Grothe (KK Elbe-Fläming), Birgit Kamprath (KK Altenburger Land), Michaela Möbius (KK Stendal) und Reiner Sporer (KK Halberstadt). Ramón Seliger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erhält mit seiner Ordination einen Predigtauftrag in Weimar.

Die Ernennung und Einsegnung erfolgte in Eisenach durch Landesbischöfin Ilse Junkermann und den Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, Christian Stawenow. In Wittenberg wird neben der Landesbischöfin der Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, Christoph Hackbeil, mitwirken.

(G+H/epd)

… noch ein Apfelbäumchen pflanzen

24. April 2017 von redaktionguh  
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Der Luthergarten ist Wittenbergs lebendigstes Denkmal der Reformation. Auf einem Terrain, das einst vom Militär genutzt wurde, wachsen heute Bäume. 500 sollen es bald sein.

Noch sehen sie alle gleich aus, karg und zerbrechlich: der Rotdorn, die Kugelesche, die Traubenkirsche oder Mehlbeere. Aus einem Grünstreifen zwischen Rathaus­parkplatz und Straße ragen die jungen Bäume in den klaren Frühlingshimmel. Kleine Knubbel an ihren Ästen lassen erahnen, dass bald die ersten Blätter sprießen. Sobald sie blühen, werden die Baumkronen so vielfältig sein wie die 91 Länder, aus denen ihre Paten kommen – Christengemeinden aus der ganzen Welt.

Bald wieder in voller Blüte: Die Parkanlage aus der Vogelperspektive im August 2016. In diesem Jahr sollen 500 Bäume auf dem ovalen Gelände wachsen. In der Mitte eine stilisierte Lutherrose mit dem »Himmelskreuz«. Im Hintergrund die Altstadt von Wittenberg mit der Schlosskirche, dem Ausgangspunkt der Reformation. Foto: epd-bild

Bald wieder in voller Blüte: Die Parkanlage aus der Vogelperspektive im August 2016. In diesem Jahr sollen 500 Bäume auf dem ovalen Gelände wachsen. In der Mitte eine stilisierte Lutherrose mit dem »Himmelskreuz«. Im Hintergrund die Altstadt von Wittenberg mit der Schlosskirche, dem Ausgangspunkt der Reformation. Foto: epd-bild

An drei Standorten der Altstadt entsteht seit acht Jahren der »Luthergarten«. Sein Konzept geht auf den Landschaftsarchitekten Andreas Kipar zurück, der für sein grünes Engagement in deutschen und italienischen Stadtprojekten 2007 das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. »In Vorbereitung auf das diesjährige Reformationsjubiläum entschied der Lutherische Weltbund (LWB), dass wir nicht nur den Reformator Martin Luther feiern wollen«, erklärt Hans Kasch, Direktor des LWB-Zentrums Wittenberg. »Wir möchten ein lebendiges, wachsendes Denkmal der Ökumene setzen und veranschaulichen, dass die Reformation auch außerhalb Wittenbergs Impulse bekommen hat.«

Zur Erstbepflanzung im November 2009 kamen Katholiken, Orthodoxe, Anglikaner, Reformierte, Methodisten und Lutheraner in den südlichen Wall­anlagen nahe dem Schloss zusammen. Mittlerweile sind dort und am neuen Rathaus 360 Bäume in den Boden gesetzt worden, sagt Kasch. Ihre Paten sind neben Kirchen auch kirchliche Einrichtungen und Gemeindegruppen.

Die Royals aus dem protestantischen Skandinavien haben hier ebenfalls Wurzeln geschlagen: Die Blumenesche der dänischen Königin Margrethe II. steht gleich neben dem Trompetenbaum des schwedischen Königspaares Carl XVI. Gustaf und Silvia. 60 weitere Pflanztermine für 2017 stehen schon. Im nächsten Jahr sollen die letzten Bäume neben dem Lutherhaus gesetzt werden. »Damit können wir zeigen, dass es auch nach dem Ende der Weltausstellung zur Reformationsfeier noch weitergeht«, sagt der LWB-Direktor.

20 Pfarrer aus Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes haben sich um einen der Bäume vor dem Rathaus versammelt. Auf seinem Kennschild steht »Amberbaum. Liquidambar styraciflua«. Seine Paten sind die »Katholische Kirche Holy Rosary und die Lutherische Hoffnungskirche in Bozeman, Montana, USA«. Audrey Rydbom darf den Stamm stellvertretend für ihre Schwestergemeinde in den Staaten mit frischer Erde berieseln und eingießen. Die Pastorin spricht ein paar Worte, gemeinsam singen sie die Luther-Hymne »Ein feste Burg ist unser Gott« auf Englisch und beten, jeweils in ihren Muttersprachen, das Vaterunser.

»Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen«, soll Luther gesagt haben. Audrey macht dieses Motto des Luthergartens Hoffnung: »Es ist ein Gefühl von Zuversicht auf ein friedliches Miteinander der Konfessionen«, sagt sie mit feuchten Augen. Als sie die Einladung nach Wittenberg bekommen hat, habe sie diese einmalige Chance kaum fassen können, sagt sie. »Das Mädchen aus dem 300-Seelen-Dorf in Montana fährt nach Wittenberg, um dort mit Pfarrern aus der ganzen Welt zu sein und einen Baum einzusegnen. Das ist so aufregend!«

Zwischen den Alleen an der südlich gelegenen Andreasbreite sind Streuobstwiesen mit 80 Obstbäumen entstanden. Schüler der evangelischen Melanchthonschule ernten die Äpfel, Pflaumen und Quitten, verwerten sie zu Marmelade und verkaufen diese beim Adventsmarkt, erzählt Direktor Kasch. »So profitierten auch die Kinder Wittenbergs von den Bäumen.« An den drei Standorten des Luthergartens sollen demnächst viersprachige Informationsterminals Besuchern ermöglichen, ganz einfach den Baum ihrer Heimat zu suchen und zu finden.

Christina Özlem Geisler

Frühjahrsmesse mit Gottesdienst

17. April 2017 von redaktionguh  
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Foto: Uli Lücke

Foto: Uli Lücke

Die Schaustellersaison in Mitteldeutschland ist eröffnet. Auf der Magdeburger Frühjahrsmesse feierte Conrad Herold (Foto), Landespfarrer für Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), einen Gottesdienst auf dem Autoscooter der Familie Engelbrecht. Beteiligt waren die evangelische Kirchengemeinde St. Briccius und Immanuel und die Trinitatisgemeinde.

Bereits Ende März ist die Saison beim »Erfurter Altstadtfrühling« mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Domplatz eingeläutet worden. »Mit dem Frühling kommen die Schausteller aus der langen Winterpause zurück. Zum Start in die neue Saison ist für viele dieser Gottesdienst wichtig. Mit Gottes Segen fühlen sie sich getragen und gehen gestärkt die neuen Aufgaben an«, so Pfarrer Herold. Er begleitet Zirkusleute, Schausteller und Marktkaufleute seelsorgerisch.

Der Pfarrer im E-Auto

11. April 2017 von redaktionguh  
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Fachtag: Kirchenmitarbeiter diskutierten über Elektromobilität im ländlichen Raum

Ich hab’s getan!«, überschrieb Pfarrer Dieter Kerntopf aus Colbitz seinen Testbericht beim Fachtag »E-Mobilität im Verkündigungsdienst in ländlichen Räumen« am 30. März in Magdeburg. Er berichtete von einem zweiwöchigen Test-Einsatz eines fünftürigen Elektroautos im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt ausschließlich im Gemeindedienst. 90 Kilometer ist eine Tour durch alle seine Orte lang, beispielsweise um Schaukästen zu bestücken. »Es gab keine Einschränkungen. Ich habe Frauen und Kinder zu den Veranstaltungen gebracht, Beamer, Laptop, Kaffee und Kuchen für 25 Leute passen in den Kofferraum«, erzählte er. Nachts lud er das Auto an der heimischen Steckdose auf. »Wir fahren immer mit halbwarmen Motoren, also besonders umweltschädlich. Das Elektroauto ist da günstiger – und macht uns ein weniger schlechtes Gewissen.«

Anschauungsobjekt: Beim Fachtag Elektromobilität fachsimpeln (von links) Matthias Porzelle, Dieter Kerntopf und Hans-Joachim Döring vor dem Magdeburger Dom. Foto: Renate Wähnelt

Anschauungsobjekt: Beim Fachtag Elektromobilität fachsimpeln (von links) Matthias Porzelle, Dieter Kerntopf und Hans-Joachim Döring vor dem Magdeburger Dom. Foto: Renate Wähnelt

Fahren, viel fahren, gehört für kirchliche Mitarbeiter zum Beruf. Dass die Kirche damit einen großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt, machte Hans-Joachim Döring, Umweltbeauftragter der EKM, deutlich. Ob der kleiner werden kann durch Elektroautos, wie deren wirtschaftlicher Einsatz möglich ist, welche kirchenrechtlichen und weiteren Rahmenbedingungen zu beachten sind, sollte der Fachtag ausloten. Er wurde als Reaktion auf einen Antrag an die Landessynode organisiert, in dem Präses Dieter Lomberg ein Pilotprojekt zum Einsatz von E-Autos angeregt hatte.

Der Kirchenkreis Egeln, ebenfalls ländlich geprägt, gab im vorigen Jahr eine Machbarkeitsstudie zur Einführung von Dienstfahrzeugen mit Elektroantrieb im Verkündigungsdienst in Auftrag. Fazit: Es kann sich rechnen.

Dass sich die Landeskirche finanziell mit einer Tausende Euro schweren Anschubfinanzierung hinter ein solches Projekt stellt, verneinte Torsten Bolduan beim Fachtag. Der für die »Mittlere Ebene« zuständige Finanzer aus dem Landeskirchenamt kann sich jedoch vorstellen, dass – ungeachtet rechtlicher und steuerlicher Hürden – die Landeskirche sich mit einer befristeten Erhöhung des Kilometergeldes von 30 auf 40 Cent beteiligen könnte. Die zahlreichen Praktiker, die zum Fachtag gekommen waren, bemängelten dieses Angebot als zu gering.

»Die Unterstützung der Landeskirche kann ja auch darin bestehen, Initiativen und Informationen zu bündeln, beispielsweise über günstige Leasingverträge«, wies Präses Dieter Lomberg auf nicht vordergründig finanzielle Hilfe hin.

Pfarrer Kerntopfs Erfahrungen, die Notwendigkeit, ländliche Pfarrstellen attraktiver zu machen beispielsweise durch Dienstwagen, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und die Überzeugung, dass die Kirche in Sachen Bewahrung der Schöpfung Vorbild sein muss, bestärken den Egelner Superintendenten Matthias Porzelle: »Ich bin wild entschlossen, E-Autos als Dienstwagen anzuschaffen. Gerade lasse ich mir ein Leasing-Angebot machen.«
Die Frühjahrssynode wird sich erneut mit dem Thema Elektromobilität im Verkündigungsdienst befassen.

Renate Wähnelt

Nicht gegeneinander feiern

3. April 2017 von redaktionguh  
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Ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Volkenroda

Katholische und evangelische Christen vor allem aus Thüringen haben am Sonntag im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Vor dem Hintergrund des 500. Reformationsjubiläums stellten die Bischöfe des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, in ihren Predigten das Verbindende zwischen beiden Konfessionen heraus. Der Gottesdienst war Teil des sogenannten »Healing of Memories«-Prozesses (»Heilung der Erinnerung«), mit dem beide Kirchen gemeinsam Wege der Versöhnung gehen möchten.

 Gemeinsam:  Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

Gemeinsam: Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

In der Vergangenheit hätten die Feiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft, sagte Landesbischöfin Junkermann. »Wir feiern es in diesem Jahr nicht gegeneinander, Gott sei Dank!« Es sei das besondere Glück des 500. Reformationsjubiläums, »dass wir es als Christusfest feiern«.

Beide Kirchen stünden im Dienst der Versöhnung, unterstrich Junkermann. Gemeinsam stellten sie sich »klar gegen alle Angstmacherei vor Fremden, auch vor einer anderen Religion, gegen Vereinfachungen und Rückfall in Nationalismen«. Sie setzten sich ein für den Vorrang des Zivilen vor dem Militärischen, für Schlichten und Vermitteln.

Bischof Neymeyr sagte, inzwischen könnten evangelische und katholische Christen beim Gedenken an den Beginn der Reformation 1517 auch gemeinsam die schwierigen und bedauerlichen Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte vor Gott tragen. Der Erfurter katholische Bischof ging in seiner Predigt auch auf den Ort des Gottesdienstes ein, die Klosterkirche Volkenroda. Sie stehe beispielhaft für den Niedergang eines äußerst vielfältigen klösterlichen Lebens in Thüringen – und seiner Wiedergeburt.

Neymeyr erinnerte an die 23 Ordensgemeinschaften mit ihren 206 Klöstern, die es in Thüringen zu ihren Blütezeiten gegeben habe. Die Gründe für ihren Untergang seien »natürlich nicht nur bei der Reformation zu suchen«, sagte er. Manche der Klöster hätten auch »ihre geistliche Lebendigkeit verloren«.

Zurzeit gebe es wieder 28 Klöster und Ordensniederlassungen im Land. Das Kloster Volkenroda sei heute durch die Präsenz und das Wirken der Jesus-Bruderschaft ein Ort des Aufbruchs und der Hoffnung aus dem Geist des Evangeliums und der Ökumene. »Es ist ein guter Ort, um dort gemeinsam einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zu feiern«, betonte der Bischof.

(epd)

So zeitgemäß kann Kirche sein

20. März 2017 von redaktionguh  
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Photovoltaik auf dem Dach, Godspot im Turm und E-Bike-Tankstelle am Eingang – die Johanniskirche in Frömmstedt (Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda) ist in vieler Hinsicht ein Unikum.

Der kleine weiße Kasten an der Wand der Frömmstedter Kirche blinkt geschäftig. Er fängt das Signal auf, das vom Pfarrhaus hierher in die Kirche gesendet wird, damit die Besucher der Sankt Johanniskirche dieses nutzen können. »Die Testphase ist abgeschlossen«, erklärt Pfarrer Jens Bechtloff stolz. Er hat sich schon eingeloggt ins Godspot-Netz. Nur noch kleine Feinheiten müssen nun erarbeitet werden, damit alles reibungslos läuft.

Sonnenenergie vom Kirchendach: St. Johannis versorgt auch den Ort Frömmstedt mit umweltfreundlichem Strom. Foto: Jens Bechtloff

Sonnenenergie vom Kirchendach: St. Johannis versorgt auch den Ort Frömmstedt mit umweltfreundlichem Strom. Foto: Jens Bechtloff

Die Godspot-Kirche ist nur eine der verschiedenen Facetten einer unglaublichen Wandlung, die die Frömmstedter Kirche seit 20 Jahren erlebt. Von der baufälligen Ruine zur Solar- und offenen Radfahrerkirche und eben nun auch zur Godspot-Kirche. Eine Entwicklung, die in der EKM und sogar deutschlandweit ihresgleichen sucht.

»Godspot« nennt sich das freie WLAN der evangelischen Kirche. Ohne Passwort oder andere Berechtigungen können sich Nutzer hier einloggen und das World Wide Web nutzen. Internet und Kirche, Websites und Gottesdienst: verträgt sich das? Pfarrer Bechtloff meint dazu: »Godspot ist sicherlich nicht für jede Kirche geeignet, doch Frömmstedt ist eine offene Kirche, eine Radfahrerkirche neuerdings auch mit Solartankstelle, die als Ort des Verweilens, der Einkehr und der Suche genutzt und geschätzt wird«, so Bechtloff. Und von daher biete sich diese Kirche an als Ort, der seinen Besuchern alle Möglichkeiten bietet, mit Gott und der Kirche in Kontakt zu kommen. Eben auch virtuell.

Seit zehn Jahren ist die St. Johanniskirche von Frömmstedt auch eine Solarkirche, die mit ihrer Photovoltaikanlage auf dem Dach durchschnittlich 9 000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt. Dieser fließt in das örtliche Stromnetz, kann aber auch über die im August 2016 installierte E-Bike-Tankstelle von Besuchern genutzt werden. Dieses Angebot besteht seit der Radsaison 2016. »Es sind schon einige hier im Pfarrhaus vorbeigekommen und haben gefragt, wo sie tanken können«, berichtet Katrin Ortmann, Mitarbeiterin des Seniorenbüros im ehemaligen Pfarrhaus von Frömmstedt. Pfarrer Bechtloff ist zuversichtlich, dass das Angebot in diesem Frühjahr und Sommer noch stärker als bisher angenommen wird. Der Bedarf bei immer mehr Radfahrern sei da. Außerdem kann der Anschluss auch anderweitig genutzt werden: »Ich habe schon Leute gesehen, die während der Grabpflege auf dem Friedhof rund um unsere Kirche den Stromanschluss zum Aufladen der Handys genutzt haben. Das finde ich gut und richtig«, so Bechtloff. Er hofft, dass E-Bike-Tankstelle und auch Godspot vor allem auch von der Jugend noch stärker angenommen werden und einen Denkanstoß dafür geben, wie Kirche auch sein kann.

Frömmstedt ist ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig kirchlicher Raum nutzbar gemacht wird. »Alles, was Kirche für Menschen tun kann, damit gemeinsam Leben eröffnet wird, das wollen wir tun und ›Godspot‹ trägt zum Miteinander bei«, ist Pfarrer Bechtloff sicher. Auch die Frömmstedter sind sich dessen bewusst geworden. Sie alle hoffen, dass im Reformationsjahr noch mehr Pilger auf dem Lutherweg vorbeikommen. Solartankstelle, Godspot und Übernachtungsmöglichkeiten: Frömmstedt ist gut vorbereitet für das Reformationsjahr.

Diana Steinbauer

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