Bedeutende Grablege in Mitteldeutschland

Der erste von 19 Kindersarkophagen aus der Merseburger Fürstengruft ist restauriert zurückgekehrt.

Nur sechs Monate lebte Prinzessin Hedwig Eleonore, die 1693 in der Merseburger Fürstengruft beigesetzt wurde. Der restaurierte Sarkophag mit den Überresten des Mädchens kehrte Ende Februar als erster von 19 Kindersarkophagen in die Domstadt zurück. 	Foto: Peter Wölk

Nur sechs Monate lebte Prinzessin Hedwig Eleonore, die 1693 in der Merseburger Fürstengruft beigesetzt wurde. Der restaurierte Sarkophag mit den Überresten des Mädchens kehrte Ende Februar als erster von 19 Kindersarkophagen in die Domstadt zurück. Foto: Peter Wölk

Nur wenige Stunden waren August Heinrich vergönnt. Gustava Magdalene lebte einen Tag, der kleine August einen Monat. Andere Kinder starben nach einem halben Jahr, mit drei oder vier Jahren. Die 19 Kindersarkophage aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, die in der Fürstengruft des wettinischen Herzogtums Sachsen-Merseburg (1656–1738) im Merseburger Dom erhalten geblieben sind, zeugen davon, dass Kinderleben damals vielen Gefahren ausgesetzt waren und schnell endeten.

Im Mittelalter erreichte Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte aller Kinder das 14. Lebensjahr nicht. Ein grundlegender Wandel setzte erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein. Die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit traf arme wie reiche Familien gleichermaßen. Die Standesunterschiede zeigten sich erst wieder beim Begräbnis.

Von 17 der 19 Prinzen und Prinzessinnen in der Merseburger Gruft sind  Namen sowie Geburts- und Sterbetag überliefert. Geboren wurden sie zwischen 1662 und 1699, sie starben zwischen 1664 und 1699 – die meisten im Säuglings- und Kleinkindalter, nur einer starb im Alter von 14 Jahren. Ihre Überreste ruhen in Holzsärgen, die mit Samt bespannt und mit Spitzen verziert wurden. Diese wurden in aufwendig gearbeitete Zinnsarkophage eingesetzt. »Sie waren einst spiegelblank poliert«, erläutert Diplomrestauratorin Mandy Reimann am 25. Februar in Merseburg bei der Rückkehr des ersten restaurierten Kindersarkophages in den Dom. Davon und von den Farben der gegossenen Applikationen sei nichts mehr beziehungsweise kaum noch etwas zu sehen.

Feuchtigkeit, Verschmutzung und Vandalismus in den 1960er und 1970er Jahren setzten den Kinder- sowie den 18 Sarkophagen von Erwachsenen in der Gruft stark zu. Letztere werden derzeit in der Werkstatt für  Metallrestaurierung Haber & Brandner in Berlin vor dem Verfall gerettet – dank der Hilfe der Kulturstiftung des Bundes, der Kulturstiftung Länder sowie der Hermann-Reemtsma-Stiftung.

Hier werden die Deformationen an den aufgebrochenen und durchwühlten Sarkophagen gerichtet, sie werden statisch gesichert, die Oberflächen gereinigt und entsalzen, mit Wachs konserviert, die Zinnverzierungen werden restauriert, die verwendeten Textilien dokumentiert. Details wie Bilder, Monogramme oder Inschriften werden wieder sichtbar. »Wir nehmen aber nicht die Patina weg«, sagt Reimann, »die Farbfassungen werden nicht ergänzt, sondern im Erhaltungszustand konserviert.«

Die Restaurierung der Erwachsenensarkophage kostet rund eine halbe Million Euro. Für die Instandsetzung der Gruft sind rund 100.000 Euro veranschlagt. Die Kindersarkophage können lediglich notgesichert werden. Rund 90.000 Euro wären für ihre Restaurierung und ihre dauerhafte Sicherung erforderlich. Eine Summe, die die Vereinigten Domstifter Merseburg, Naumburg und des Kollegiatstiftes Zeitz nicht aufbringen können. Deshalb freut es deren Dechanten, Georg Graf von Zech, dass der im September vergangenen Jahres gestartete Spendenaufruf für die Kindersarkophage erste Ergebnisse zeigt. Aber rund  60.000 Euro fehlen noch.

Für 2011 ist die Wiedereröffnung der Gruft, die eine der bedeutendsten Grablegen Mitteldeutschlands ist, vorgesehen. »Um dieses Ziel zu erreichen, hilft jeder Euro«, so der Dechant.

Angela Stoye

Neuer Superintendent für Halle-Saalkreis

Pfarrer Hans-Jürgen Kant tritt sein Amt Mitte Juni an

Hans Juergen Kant, Foto: Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Hans Juergen Kant, Foto: Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Der künftige Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis heißt Hans-Jürgen Kant. Die Synode des Kirchenkreises wählte den Wernigeröder Pfarrer bei ihrer Sondertagung am 19. Februar in Halle. Im dritten Wahlgang setzte er sich mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit gegen drei Mitbewerber durch.

Hans-Jürgen Kant nahm die Wahl an. Nun muss der Landeskirchenrat der mitteldeutschen Kirche zustimmen. Sein neues Amt wird der Pfarrer voraussichtlich am 15. Juni antreten. Die Amtseinführung ist für den 20. Juni vorgesehen.

Vorgestellt hatte sich Kant den Christen aus Halle und Umgebung in einem Gottesdienst am 27. Januar in der Marktkirche. Grundlage seiner Predigt bildete der 1. Brief des Paulus’ an die Korinther, in dem der Apostel die dortige Gemeinde zu gemeinsamer Kraftanstrengung auffordert. Mit Blick auf die heutige Situation sagte Pfarrer Kant: »Dieses gemeinsame Wollen brauchen wir immer wieder in unseren Kirchenkreisen und Gemeinden. Und besonders jetzt auch in unserer Landeskirche, die … zu etwas Neuem zusammenwächst.« Da sehe er noch manches Trennende. Wichtig sei jedoch der gemeinsame Blick »auf das uns verbindende Ziel«. »Es ist nötig, sich für gemeinsame Regelungen einzusetzen und Erfahrungen miteinander zu teilen, die unserem Zeugnis als Christen förderlich sind«, so Kant.

Hans-Jürgen Kant stammt aus dem Ostseebad Kühlungsborn. Er lernte Apothekenfacharbeiter, studierte nach seiner Bausoldatenzeit von 1981 bis 1987 Theologie in Leipzig und wurde anschließend Vikar im mecklenburgischen Neustrelitz. Von 1989 bis 1997 war Kant Pfarrer in Röcken im heutigen Kirchenkreis Merseburg, von 1997 bis 2000 Superintendent des Kirchenkreises Wernigerode und Pfarrer in Wernigerode. Seit 1994 spricht er Andachten im Rundfunk. Zudem hat er eine klinische Seelsorgeausbildung absolviert. Hans-Jürgen Kant ist mit der Pfarrerin Simone Carstens-Kant verheiratet. Das Paar hat drei Töchter.

(mkz)

Treffpunkt Tangermünde

18. Februar 2010 von redaktionguh  
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Sternfahrt der Gemeinden zum »Altmärkischen Kirchentag« geplant

Wappen_Tangermuende

Stadtwappen von Tangermünde, Quelle: Wikipedia

Zum sechsten »Altmärkischen Ökumenischen Kirchentag« laden die Kirchen aus dem Norden von Sachsen-Anhalt am 5. und 6. Juni nach Tangermünde ein. Unter dem Motto »Zeig mir den Himmel« sind in der Innenstadt Konzerte, Gottesdienste, Bibelarbeiten, Podiumsdiskussionen und die Aufführung eines Kindermusicals geplant, teilten die Organisatoren am 10. Februar in Stendal mit. Auf dem »Markt der Möglichkeiten« würden sich zudem etwa 50 Kirchengemeinden, Sozialvereine und kirchliche Bildungsinitiativen präsentieren.

Zu Beginn des Programms am 6. Juni soll mit einer Sternfahrt-Aktion deutlich gemacht werden, dass die große Anzahl von historischen Kirchen in der Altmark keine Last für die Gemeinden, sondern ein »Alleinstellungsmerkmal« bedeuteten, hieß es weiter. Geplant ist, in jeder Kirche zwischen 8 und 9 Uhr die Kirchenglocken zu läuten, eine Andacht zu feiern und danach nach Tangermünde zu reisen. Dazu soll jeweils ein Mauerstein aus den einzelnen Kirchen mitgebracht werden. Die Altmark weist laut Organisatoren mehr als 450 evangelische Kirchengebäude auf.

Das Kirchentagsmotto solle zu einer Auseinandersetzung darüber anregen, wie weit der »Blick in den Himmel« als religiöses Symbol reiche und welche Zukunftsperspektiven der christliche Glaube damit eröffnen könne. Verbunden sei mit dem Leitwort aber auch der Hinweis auf persönliches Engagement für den Erhalt des »realen Himmels« zum Beispiel in Fragen der Energiepolitik. Dazu ist unter anderem ein Gesprächsforum geplant.

Mit dem Fest wollen sich die Ende der 90er Jahre aus sechs kleineren Kreisen hervorgegangenen Kirchenkreise Salzwedel und Stendal auch nach außen hin als Einheit präsentieren. Die regionalen Kirchentage in der Altmark, an denen sich auch die katholische Kirche beteiligt, finden seit 2000 alle zwei Jahre statt, zuletzt 2008 in Salzwedel.

(epd)

Aktivisten geben nicht auf

Bürgerinitiative lädt zum 200. »Friedensweg« durch die Colbitz-Letzlinger Heide ein

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. 	Foto: Karsten Wiedener

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. Foto: Karsten Wiedener


Bei eisiger Kälte stehen 50 Demonstranten an der Bundesstraße 189 in Colbitz (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt). Sie hören geduldig den Rednern zu, die auf dem glatten Fußweg zum Mikrofon rutschen und sich kritisch über den militärischen Einsatz in Afghanistan und den Übungsbetrieb der Bundeswehr in der Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg äußern. Bei dem 199. »Friedensweg« der Bürgerinitiative Offene Heide am 7. Februar werden zudem die Flugblätter für die 200. Auflage der Wanderungen am 7. März verteilt.

Auch bei der Jubiläumstour wird die Bürgerinitiative – wie seit ihrer Gründung vor mehr als 16 Jahren – gegen die Panzer und Soldaten in der Heidelandschaft protestieren. Dabei legen die Friedensaktivisten stets Wert darauf, humanistisch gesinnte Vereine, Parteien und andere Initiativen sowie Gewerkschaften und Kirchen einzubeziehen. Ein besonders gelungenes Beispiel von Ökumene kommt in Colbitz zum Ausdruck. Nach der Kundgebung, mit denen die »Friedenswege« traditionell beginnen, führt die Route bei Minusgraden in die katholische Kapelle des Dorfes, in der es kaum weniger kalt ist. Zu der Kirche Sankt Nikolaus von der Flüe wurde mit Unterbrechungen von 1955 an eine alte Scheune ausgebaut. Die Weihe erfolgte vor 50 Jahren.

Die Christen seien gerufen, Ordnung zu schaffen auf dieser Welt und Frieden zu stiften, sagt der evangelische Pfarrer Karl-Heinrich Schroedter aus Stendal in einer Andacht dort. »Gott geht auch mit uns durch die Heide. Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«, betont der 81-jährige Ruheständler.

»Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«

Im Anschluss wandert die Bürgerinitiative zum evangelischen Gemeindehaus, in dem der »Friedensweg« mit der Vorführung eines Films über das Projekt eines zivilen Friedensdienstes im Krisengebiet von Israel und Palästina beendet wird. Zuvor mahnt Pfarrer Dieter Kerntopf als Gastgeber an, bei der Kritik an der bei Colbitz geplanten Trasse für die Nordverlängerung der Autobahn 14 auch die Colbitzer Bevölkerung und nicht nur die Natur zu sehen. Wegen des Verkehrs auf der Bundesstraße 189, die durch das Dorf führt, könnten die Anwohner kaum noch schlafen. Jede Verzögerung beim Bau einer Ortsumgehung oder der Autobahn würde für die Einwohner weitere Einschränkungen in ihrer Lebensqualität bedeuten.

Die 60.000 Hektar umfassende Heide gilt als eine der größten unbesiedelten Flächen in Deutschland. Auf rund einem Drittel davon betreibt die Bundeswehr einen hochmodernen Gefechtsübungsplatz. Auf ihm trainieren auch Truppen anderer Staaten vor allem für Auslandseinsätze zum Beispiel in Afghanistan. Die Bürgerinitiative war mit dem ersten »Friedensweg« und einem Zeltlager am 1. August 1993 entstanden. Mit den Wanderungen soll die Heide »Stück für Stück« symbolisch in zivilen Besitz genommen werden. Rund 1.000 Kilometer wurden bereits zurückgelegt.

Auch wenn seitdem so gut wie nichts Zählbares gegen den Truppenübungsplatz zu verzeichnen ist, denken die Aktivisten nicht ans Aufgeben. So sind für dieses Jahr neben den monatlichen »Friedenswegen« ein Ostermarsch sowie die Teilnahme an Kirchentagen und am Sachsen-Anhalt-Tag im August in Weißenfels vorgesehen.

Karsten Wiedener

Großes Fest im Stadtpark

Dessau ist am ersten Juniwochenende Gastgeberin des Anhaltischen Kirchentages

Die Anhaltischen Kirchentage gibt es seit 1996 – und zwar aller zwei Jahre in wechselnden Orten. In den Anfangsjahren hießen sie Anhaltisches Gemeindefest. Die Aufnahme zeigt das Fest im Jahr 2002 in Dessau, das damals neben dem Rathaus »über die Bühne« ging. 2006 fand der Anhaltische Kirchentag zusammen mit dem Zerbster Spargelfest statt, 2008 mit dem Köthener Töpfermarkt.  Foto: Lutz Sebastian

Die Anhaltischen Kirchentage gibt es seit 1996 – und zwar aller zwei Jahre in wechselnden Orten. In den Anfangsjahren hießen sie Anhaltisches Gemeindefest. Die Aufnahme zeigt das Fest im Jahr 2002 in Dessau, das damals neben dem Rathaus »über die Bühne« ging. 2006 fand der Anhaltische Kirchentag zusammen mit dem Zerbster Spargelfest statt, 2008 mit dem Köthener Töpfermarkt. Foto: Lutz Sebastian

Der achte Anhaltische Kirchentag findet unter dem Motto »Wie im Himmel so auf Erden« am 6. Juni in Dessau-Roßlau statt. Erwartet werden dazu rund 2500 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Landeskirche. Schon am 5. Juni leitet der renommierte schwedische Sänger und Komponist Joakim Arenius eine Gospelnacht in der Johanniskirche. Prominente Gäste beim Kirchentag sind unter anderem Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), der sachsen-anhaltische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz und der Dessau-Roßlauer Oberbürgermeister Klemens Koschig.

Zum Motto des Kirchentags »Wie im Himmel so auf Erden«, das dem Vaterunser entnommen ist, sagt Kirchenpräsident Joachim Liebig: »Christen stehen mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber wir wissen: Unsere Zukunft liegt im Himmel. Wir sind realistisch und zugleich von der Hoffnung auf ein gelingendes Leben getragen.« Diese Zuversicht solle trotz aller alltäglichen und globalen Probleme beim Kirchentag besonders zum Ausdruck kommen. Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch freut sich auf Gäste nicht nur aus der Landeskirche. »Wir freuen uns auch auf Menschen aus der ganzen Region, die der Kirche bislang weniger verbunden waren.«

Familien-Mitmachkonzert und Frauen-Theaterstück
Zum Auftakt des Kirchentags am 6. Juni sind in der Johannis- und der Marienkirche Andachten geplant. Es schließen sich Bibelarbeiten mit Bischöfin Junkermann und Kultusminister Olbertz an. Danach wird das Fest im Dessauer Stadtpark offiziell eröffnet. Den Abschluss bildet ein Freiluftgottesdienst um 15.15 Uhr, in dem Kirchenpräsident Liebig die Predigt hält.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden Angebote für Kinder und Familien, unter anderem ein Mitmachkonzert mit dem Liedermacher Daniel Kallauch, aber auch Kletter- und Spielangebote sowie ein Zentrum »Beten mit Kindern«. Spiritualität und Einkehr stehen beim »Forum Beten« im Mittelpunkt. Auf der großen Bühne im Stadtpark wird ein Theaterstück von Pfarrer i. R. Armin Assmann aufgeführt, das unter dem Titel »Dem Himmel und der Erde nah« Frauenpersönlichkeiten aus der anhaltischen Geschichte vorstellt. Passend zum Motto des Kirchentages wird im Stadtpark unter anderem ein überdimensionales Himmelbett aufgestellt werden.
Auf dem »Markt der Möglichkeiten« können sich Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen, aber auch andere interessierte Anbieter präsentieren. Eine besondere Rolle wird bei dem Christentreffen die Kirchenmusik spielen.

Dabei wirken nicht nur zahlreiche Posaunenbläser mit. Bereits am 4. und 5. Juni findet in der Johanniskirche ein Gospelworkshop mit Joakim Arenius statt, dessen Ergebnisse bei der Gospelnacht am 5. Juni präsentiert werden.

(mkz)

Lottogeld und Fußballspiel

28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Viele halfen, damit die Orgel in Magdeburg-Ottersleben wieder erklingen kann

Im Auftrag von Lotto Sachsen-Anhalt übergab Hans-Georg Moldenhauer (l.), Vizepräsident des Deutschen Fußball-  Bundes, der Sankt-Stephani-Gemeinde im Magdeburger Stadtteil Ottersleben einen Scheck. Willi Polte (2. v. l.), Schirmherr der Aktion »Orgelsanierung«, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Alexander Pott, und Pfarrer Dietmar Andrae (r.) freuen sich darüber, dass Orgelrestaurierung gesichert ist. Foto: Klaus-Peter Voigt

Im Auftrag von Lotto Sachsen-Anhalt übergab Hans-Georg Moldenhauer (l.), Vizepräsident des Deutschen Fußball- Bundes, der Sankt-Stephani-Gemeinde im Magdeburger Stadtteil Ottersleben einen Scheck. Willi Polte (2. v. l.), Schirmherr der Aktion »Orgelsanierung«, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Alexander Pott, und Pfarrer Dietmar Andrae (r.) freuen sich darüber, dass Orgelrestaurierung gesichert ist. Foto: Klaus-Peter Voigt

Vor gut einem Jahr erklang die Orgel in der Magdeburger Sankt-Stephani-Kirche zum letzten Mal. »Dann mussten wir das Instrument stilllegen«, erzählt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Alexander Pott. Der Verfall des Instrumentes war zu weit fortgeschritten. Während zwischen 1990 und 1995 die gesamte, aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche instandgesetzt wurde, blieb die Orgel ein Sorgenkind.

Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert. »Unsere Gemeinde entwickelte Entschlusskraft und Risikobereitschaft«, bringt es Pfarrer Dietmar Andrae auf den Punkt. In den vergangenen Monaten wurde das Geld für eine aufwendige Sanierung der »Königin der Instrumente« zusammengetragen. Fast 200.000 Euro kamen in kurzer Zeit zusammen. Ein eigens gegründeter Orgelbeirat begleitete die vielen Aktion. Der Magdeburger Alt-Oberbürgermeister Willi Polte übernahm die Schirmherrschaft. Jede Menge Ideen waren von Erfolg gekrönt.

Die Finanzierungslücke von 60.000 Euro – das andere Geld stammt unter anderem von Unternehmen, der Sparda-Bank, Stiftungen und aus Zuschüssen des Kirchenkreises sowie der Landeskirche – schloss sich schnell. Ein Spendenbrief an die Bürger des Stadtteils Ottersleben, die Versteigerung alter Orgelpfeifen und ein Kuchenbasar gehörten zu den vielen Aktionen, die die Kasse füllten.

Zudem lockte ein Fußballspiel der Traditionsmannschaft des 1. FC Magdeburg gegen eine Prominentenauswahl des Deutschen Fußball-Bundes gut 1.000 Zuschauer an. Der Erlös kam in den großen Spendentopf. Letzter »Baustein« für die Arbeiten an der Orgel war der Fördermittel-Scheck in Höhe von 45.000 Euro von Lotto Sachsen-Anhalt. Er wurde am 24. Januar während eines Gottesdienstes der Gemeinde übergeben.

Seit dem Herbst vergangenen Jahres kümmert sich die Halberstädter Firma Dutschke um die Wiederherstellung des wertvollen Instrumentes. Es ist ein spätbarockes Werk des Orgelbauers Johann David Hamann aus Schönebeck. 1806 errichtet, ist es heute die älteste spielbare Orgel in ganz Magdeburg. Ein Teil der Prospektpfeifen wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Ihre Nachfolgerinnen aus Zink korrodierten im Laufe der Zeit.

Doch die Zeit ohne Orgel wird in der Stephanikirche bald vorüber sein. Im Herbst dieses Jahres soll das Instrument wieder erklingen.

Klaus-Peter Voigt

Mit Einfallsreichtum gegen den rechten »Trauermarsch«

21. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Ein »Band der Demokratie« knüpften die Teilnehmer am Sonnabend in Magdeburg (Fotos: Uli Lücke)

Ein »Band der Demokratie« knüpften die Teilnehmer am Sonnabend in Magdeburg (Fotos: Uli Lücke)

Kirchen beteiligten sich mit Programm an der Meile der Demokratie in Magdeburg

An der Kirchenbühne lagen Sitzbänke schräg an der Seite, weil wohl kaum jemand bei dem Schnee und dem kalten Winterwetter darauf Platz genommen hätte. Dennoch wurde das ökumenische Programm bei der »Meile der Demokratie« am 16. Januar in Magdeburg genauso gut besucht wie die Aktion gegen den zeitgleichen Aufmarsch von 1.000 Neonazis selbst. Das Magdeburger »Bündnis gegen Rechts« zählte bei der zwei Kilometer langen »Meile« auf beiden Seiten des Breiten Wegs 5.000 Besucher. Anlass für den »Trauermarsch« der Neonazis war der 65. Jahrestag des schweren Luftangriffs auf die Stadt.

Die »Meile«, an der sich 115 verschiedene Initiativen beteiligten, erfuhr nach Januar 2009 ihre zweite Auflage. Auf der Kirchenbühne wurde ein Programm geboten, bei dem Unterhaltung genauso wie Diskussionen sowie die Interessen aller Altersgruppen ihren Raum erhielten. So traten die junge Musikgruppe »Norbeat« der katholische St.-Norbert-Gemeinde sowie die Oldie-Band »Charlies Crew« auf. Für Humor sorgten Kabarettisten. Einen multikulturellen Beitrag lieferte eine deutsch-bulgarische Kindertanzgruppe, die im Eine-Welt-Haus probt. Von der evangelischen Nikolai-Gemeinde kam der Jugendchor »Gospelexpress«.

Auf der Kirchenbühe standen Jan-Hendrik Olbertz (re.) und Bischöfin Ilse Junkermann (3.v.l.) Rede und Antwort.

Auf der Kirchenbühe standen Jan-Hendrik Olbertz (re.) und Bischöfin Ilse Junkermann (3.v.l.) Rede und Antwort.

»Nur Idioten brauchen einen Führer«

Am Podium gruppierten sich Stände, unter anderem des Christlichen Vereins Junger Menschen, der Malteser, der Diakonie und der Katholischen Jugend. Den Bereich hatten die Akteure auch mit Einfallsreichtum gestaltet. Zum Beispiel wehte am Pavillon des Evangelischen Kirchenkreises in Bezug auf Neonazis ein Stoffplakat, auf dem fünf Männer gemalt waren, die sich an den Händen gefasst haben und mit verbundenen Augen auf einen Abgrund zugehen. Neben der Zeichnung stand der Schriftzug »Nur Idioten brauchen einen Führer«.

Auf der Hauptbühne an der Goldschmiedebrücke rief Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Dieter Steinecke (CDU) zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Ursache des Zweiten Weltkrieges auf. Innenminister Holger Hövelmann (SPD) erneuerte dort seine Forderung, die rechtsextreme NPD zu verbieten. Für die Kirchenbühne konnten ebenfalls prominente Redner gewonnen werden. Dort diskutierten Schüler des Ökumenischen Domgymnasiums unter dem Motto »Toleranz in Köpfen und Herzen!« mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos).

Zur Vermittlung von Toleranz müssten unterschiedliche Generationen und Kulturen in einen Dialog gebracht werden, mahnte Junkermann an. Kirchengemeinden und auch Kindertagesstätten hätten eine »große Chance«, solche Begegnungen zu schaffen. Olbertz betonte, aus dem Wissen über die »Geschichte und das Elend« des 20. Jahrhunderts ließe sich folgern, dass sich die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht wiederholen dürften.

Bei vielen Besuchern auch der Kirchenbühne wird vermutlich als besonders beeindruckend von der »Meile« in Erinnerung bleiben, wie mehrere Hundert Menschen von der Danzstraße bis weit hinter den Alten Markt mit bunten Tüchern und Seilen und an den Händen gefasst ein »Band der Demokratie« bildeten.

Karsten Wiedener

Es wird jede Hand gebraucht

15. Januar 2010 von redaktionguh  
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Regina Schröder (r.) und Christa Kruschbersky von der Magdeburger Bahnhofsmission warten auf dem Hauptbahnhof auf die Ankunft eines Zuges. Bei der widrigen Witterung sind vor allem ältere und behinderte Reisende auf Unterstützung beispielsweise beim Umsteigen angewiesen. Foto: Klaus-Peter Voigt

Regina Schröder (r.) und Christa Kruschbersky von der Magdeburger Bahnhofsmission warten auf dem Hauptbahnhof auf die Ankunft eines Zuges. Bei der widrigen Witterung sind vor allem ältere und behinderte Reisende auf Unterstützung beispielsweise beim Umsteigen angewiesen. Foto: Klaus-Peter Voigt

Magdeburg: Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission haben jetzt doppelt zu tun

Regina Schröder und Christa Kruschbersky ziehen sich in diesen Tagen besonders dick an. Unter der blauen Jacke der Mitarbeiter der Magdeburger Bahnhofsmission stecken Pullover oder Strickjacke. Das extreme Winterwetter geht an den beiden Frauen nicht spurlos vorbei. Auf den Bahnsteigen ist mehr zu tun als an anderen Tagen.

»Die Züge haben jetzt oft Verspätung. Da heißt es oft warten, denn die Reisenden sollen auf unsere Unterstützung nicht verzichten müssen«, sagt Christa Kruschbersky. Bei den Temperaturen weit unter null Grad Celsius und auf den zugigen Bahnanlagen sei das alles andere als angenehm. Für die Anstrengung entschädigen die dankbaren Blicke gerade der älteren und behinderten Reisenden. Die glatten Fußwege erfordern Aufmerksamkeit. Jeder Schritt kann nach dem Schneefall gefährlich sein.

Regina Schröder unterstützt ihre Kollegin ehrenamtlich. Das ist notwendig, denn in der Bahnhofsmission wird gerade in solchen Extremsituationen jede Hand gebraucht. Vor zwei Jahren fand sie eher durch Zufall den Weg in die ökumenische Einrichtung auf dem Hauptbahnhof. Damals vermittelte das Jobcenter den Arbeitsplatz auf Zeit. Als die Maßnahme auslief, blieb die junge Frau der Aufgabe treu. Sie kommt einmal in der Woche, um zu helfen. Gerade die Beschäftigung mit Leuten ohne festen Wohnsitz mache zudem Freude, räumt sie ein.

Für Adelheid Bornhold, die Leiterin der Bahnhofsmission in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt, sind Ehrenamtliche für das Funktionieren der Angebote unverzichtbar. »Allein mit den regulären Angestellten könnten wir nur einen Bruchteil der notwendigen Hilfe leisten«, berichtet sie. Die Nachfrage nach den Diensten der Mission ist da – und wird zunehmend gesucht.

Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der betreuten Menschen gegenüber dem Jahr 2008 um mehr als 20 Prozent auf 32.000 an. Am kalten Wetter liegt es, dass gegenwärtig statt der durchschnittlich 30 bis 40 Kontakte auf den Bahnsteigen täglich das Doppelte erreicht wird. Für hilfebedürftige Reisende bringen die Mitarbeiter Koffer zum Anschlusszug, zur Straßenbahn oder zum Taxi. Rollstuhlfahrer vertrauen auf zusätzliche Unterstützung beim Verlassen der Waggons und den weiteren Wegen.

Das morgendlichen Szenario in der Bahnhofsmission hat sich dagegen kaum verändert. Frauen und Männer mit sozialen Problemen, teilweise obdachlos, sind froh, bei diesem Wetter einen Anlaufpunkt zu haben. Wichtig ist es für sie, sich aufwärmen oder heiß duschen zu können. Sie bleiben jetzt länger unter dem gastlichen Dach. Aber auch das Netz von Offerten anderer Einrichtungen greift. Adelheid Bornhold nennt die Teestube der Evangelischen Stadtmission und das Sozialzentrum »Mutter Theresa« der Caritas als Beispiele.

Die sozial Schwachen haben die Räume auf dem Bahnsteig 6 längst angenommen. 40 Prozent aller von der Bahnhofsmission Betreuten gehören dieser Gruppe von Menschen an. Sie bekommen ein warmes Getränk, einen kleinen Imbiss und – sehr wichtig – menschliche Zuwendung. Private Spender wie Bäcker und Fleischer tragen mit Lebensmittelspenden dazu bei, dass der Tisch gedeckt ist. Das, so Liane Bornholdt, hat in den fast 18 Jahren des Bestehens der Bahnhofsmission immer gut geklappt.

Klaus-Peter Voigt

Dienstleisterin für Gemeinden und Pfarrer in Anhalt

Als Leiterin des Landespfarramtes für Gemeindeaufbau ist Christine Reizig auch für die Missionsdekade zuständig

Christine Reizig war über neun Jahre Pfarrerin in Nienburg an der Saale. Foto: Engelbert Pülicher

Christine Reizig war über neun Jahre Pfarrerin in Nienburg an der Saale. Foto: Engelbert Pülicher

»Ich sehe mich als Dienstleisterin für Gemeinden und Kollegen«, beschreibt Christine Reizig ihre neue Aufgabe. Seit dem 1. September ist die Pfarrerin Leiterin des in Dessau-Roßlau angesiedelten Landespfarramtes für Gemeindeaufbau der Landeskirche Anhalts. Zuvor war sie mehr als neun Jahre Pfarrerin in Nienburg im Kirchenkreis Bernburg. Ihre ersten 100 Tage in dem Amt, in das sie für sechs Jahre berufen ist, waren im Dezember um. Die Bestandsaufnahme in der Eine-Frau-Dienststelle liegt hinter ihr und sie weiß, worauf sie aufbauen kann.

Auf die gesamte Lektorenarbeit zum Beispiel. »Wir in Anhalt haben einen Stamm guter Leute, die einsatzbereit sind, um Gottesdienst zu feiern. Sie sind ein ganz großer Schatz«, sagt Reizig mit Blick auf die Aufbauarbeit ihrer Vorgängerin im Amt, Gudrun Discher, die im August in den Ruhestand gegangen war. Die neue Leiterin plant im ersten Quartal nun je einen »Impulsabend« für Lektoren in jedem Kirchenkreis, wo sie die Aktiven kennenlernen will und zu denen jeder hinzukommen kann, der ehrenamtliche Gottesdienste in seiner Gemeinde halten will. »Sollte es genug Interessenten geben, kann ich Lektorenkurse planen«, hofft sie.

Neu auf ihrem Schreibtisch liegen Aufgaben, die mit der in Anhalt 2009 begonnenen Missionsdekade zusammenhängen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden aus verschiedenen Ämtern der Landeskirche ist sie dabei, den Themenkatalog dieser Dekade dem der deutschlandweiten Lutherdekade bis 2017 anzugleichen und die Arbeitshilfe für dieses Jahr schnell fertigzustellen. »Herauskommen sollen praktische Modelle zum Jahresthema für die Kollegen«, so Reizig, »bei denen aber immer der missionarische Gedanke im Vordergrund stehen muss.« Anregungen holt sie sich durchaus in anderen Landeskirchen. »Aus den vielen guten Sachen, die vielerorts gemacht werden, wählen wir für uns passende aus.« Künftig sollen die Arbeitshilfen vor dem Beginn des neuen Jahres vorliegen, damit Gemeinden besser planen können. »Alles muss einen Wert für die Gemeinden haben, sonst hat es keinen Sinn«, unterstreicht die Pfarrerin.

Konsens besteht in der Landeskirche darüber, mit Bildungsangeboten Menschen erreichen zu wollen. »Sie könnten ein wesentlicher Zugang zu denjennigen sein, die nicht gegen Kirche sind, denen sie aber nicht zu fehlen scheint.« Für Gemeindeglieder soll es Kurse geben, mit der sie ihre Sprachfähigkeit über den Glauben stärken können. Partner bei all dem sind die Evangelische Erwachsenenbildung (eeb) und die Johann-Arndt-Gesellschaft. Kürzere Wege werden die Zusammenarbeit stärken helfen. So ziehen im ersten Halbjahr die eeb, der Gemeindeaufbau, die Frauen- und Familienarbeit, das Büro der Bibelgesellschaft und das für spirituellen Tourismus unter ein Dach: in das frühere Haus der Diakonie in der Johannisstraße.

Christine Reizig wird künftig häufiger auch dann außerhalb Dessau-Roßlaus unterwegs sein, wenn es nichts mit ihrem Dienst im Gemeindeaufbau zu tun hat. In der Parochie Quellendorf übernahm die Pfarrerin einen Predigtauftrag und knüpfte Kontakte zu den Ältesten. »Ich will Bodenhaftung haben über meinen Wohnort hinaus«, sagt sie.

Angela Stoye

Steinernes Gleichnis

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen am Magdeburger Dom restauriert

In ihren Gesichtern spiegelt sich Freude. Strahlend lächeln sie auf die Betrachter herab. Der Fall ihrer Gewänder deutet den Schwung an, mit dem die fünf klugen Jungfrauen Jesus entgegengehen. Ihre als töricht bezeichneten Schwestern gegenüber blicken nachdenklich bis traurig drein. Zwei haben die Umhänge vor das Gesicht gezogen, um hinter ihnen die Tränen über ein großes Versäumnis zu verbergen. Weil sie vergaßen, sich rechtzeitig Öl für ihre Lampen zu kaufen, konnten sie dem Bräutigam in der Dunkelheit nicht entgegengehen. Das im Matthäusevangelium nachzulesende Gleichnis thematisiert die Vorbereitung des Menschen auf das kommende Reich Gottes. Zu Stein geworden ist es am Magdeburger Dom.

Diplomrestaurator Thomas Groll vor den Skulpturen der törichten Jungfrauen in der Paradiesvorhalle des Magdeburger Domes. Mit Hilfe von Lasern, wie sie auch Mediziner verwenden, wurden von ihnen und ihren fünf klugen Schwestern die jahrhundertealten Schmutzkrusten entfernt. (Foto: Viktoria Kühne)

Diplomrestaurator Thomas Groll vor den Skulpturen der törichten Jungfrauen in der Paradiesvorhalle des Magdeburger Domes. Mit Hilfe von Lasern, wie sie auch Mediziner verwenden, wurden von ihnen und ihren fünf klugen Schwestern die jahrhundertealten Schmutzkrusten entfernt. (Foto: Viktoria Kühne)

Zehn Jahre mussten die Magdeburger auf den Anblick der berühmten mittelalterlichen Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen verzichten. Pünktlich vor dem Weihnachtsfest sind sie in die Paradiesvorhalle an der Nordseite des gotischen Domes zurückgekehrt. Denn die Restaurierung der Kunstwerke, die stilistisch zwischen den berühmten Fürstenfiguren aus den Domen in Bamberg und Naumburg stehen, ist abgeschlossen.

»Sehen Sie«, sagt Diplomrestaurator Thomas Groll, der mit seinem Team die Arbeiten an den etwa 120 Zentimeter hohen und rund 180 Kilogramm schweren Figuren vornahm, »die Reste der Farbfassung sind noch gut zu erkennen.« Was vor Jahrhunderten leuchtendes Blau, Rot oder Gold war, liegt als dunkler Rest auf Teilen des Sandsteins, aus dem die Jungfrauen um 1240 gefertigt wurden. Erkenntnisse, die während der Restaurierung zutage traten, sind dokumentiert.

Fest steht, dass der Sandstein für die Skulpturen aus der Nähe von Bernburg kam. Wo der Steinbruch liegt, ist nicht zu beantworten. Wer die Jungfrauen schuf und wo sie sich einst im Dom befanden, konnte ebenso wenig ermittelt werden. Sie, die zum bedeutendsten Inventar des Domes zählen, wurden um 1310 an den Platz versetzt, an dem sie bis heute stehen. »Wir können nur sagen, dass die Skulpturen einmal vor Säulen gestanden haben müssen, denn sie sind alle mit einer Kehle am Rücken gearbeitet«, so Thomas Groll. Für ihren jetzigen Standort in den Nischen der Paradiespforte sind sie nicht gemacht. Mit eigens angefertigten Werkzeugen wurden sie aus dem Mörtel gelöst und für die Arbeiten herabgenommen.

»Der Zahn der Zeit hat an den Figuren genagt, dass die Restaurierung dringend notwendig war«, betonen Dombauleiterin Lilli Sußmann und Ralf Lindemann, Bauleiter der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt, die Eigentümerin des Domes ist. Die rund 250.000 Euro, die die Arbeiten an der Vorhalle und den Skulpturen kosteten, stammen aus Stiftungs- und Lottomitteln sowie privaten Spenden. Verwendet wurde das Geld auch, um die jahrhundertealte Kruste aus Staub und Ruß zu entfernen. Damit eine solche Schicht nicht wieder wächst, bleibt die Vorhalle künftig zu. »Die Öffnungen der Vorhalle werden mit Holztüren verschlossen, die Gitter bleiben von außen sichtbar«, sagt Architektin Sußmann.

Voraussichtlich bis 10. Januar können Besucher die Paradiesvorhalle betreten. Danach werden die noch ausstehenden Arbeiten an den Türen und am Fußboden fortgesetzt.

Angela Stoye

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