Licht, Cello, Orgel und »Bach pur«
27. August 2010 von redaktionguh
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Zweite Magdeburger Domfestspiele starten im September.
Die Magdeburger Domgemeinde und der Marketingverein »Pro Magdeburg« laden vom 17. bis 19. September zu den zweiten »Domfestspielen« ein. Schirmherr ist Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Den Auftakt des Programms bildet am 17. September eine »Licht- und Musiknacht« mit Illumination, Musik sowie Meditation. »Vorbild ist die ›Nacht der Lichter‹ im Dom«, sagte Domprediger Giselher Quast am 17. August bei der Vorstellung des Programms. Man setze jedoch auf stärkere Lichteffekte.

Bei den Magdeburger Domfestspielen soll wieder mit besonderen Lichteffekten gearbeitet werden. (Foto: Archiv)
Erstmals hatte es im vergangenen Jahr als ein Höhepunkt des 800-jährigen Domjubiläums Festspiele gegeben. Die mehrtägige Kulturreihe soll künftig immer im September stattfinden. Zum weiteren Programm gehört am 18. September ein Konzert des Kammerorchesters des Magdeburger Konservatoriums Georg Philipp Telemann unter dem Motto »Bach pur«.
Zudem ist eine Aufführung in der bundesweiten Reihe »Das Goldene Konzert« der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation vorgesehen, die eher unbekannte Kompositionen vorstellt. Hier steht Musik für Violincello solo im Mittelpunkt, die Professor Guido Schiefen aus Luzern interpretiert.
Das Programm des Sonntags beginnt mit einem Festgottesdienst. Zudem erinnert die Gemeinde mit ihrem traditionellen »Mauritiusfest« im Kreuzgang an einen der Schutzpatrone des Domes, den heiligen Mauritius. Die »Domfestspiele« schließen mit einem Konzert des Organisten Ulrich Walther, der unter anderem Werke von Reger, Schönberg oder Duruflé interpretiert.
(epd/mkz)
Preise: 30 Euro für die Festivalkarte, 20 Euro für die Tageskarte am 18. September,
Einzelpreise je nach Konzert von 8 bis 18 Euro.
Weitere Informationen und Kartenverkauf am Kartentisch im Dom täglich von 10 bis 18 Uhr.
Von Heuschrecken und Entdeckern
26. August 2010 von redaktionguh
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Kirchenkreis Merseburg feierte mit auf dem Sachsen-Anhalt-Tag in Weißenfels.
Was haben Küchensiebe und Flaschenkorken mit der Bibel zu tun? Oder gar mit Heuschrecken? Die Antwort auf diese Frage lieferten die Gemeindepädagoginnen am vergangenen Sonnabend im Kirchendorf des Sachsen-Anhalt-Tages in Weißenfels (Kirchenkreis Merseburg). Sie luden beim Kreiskirchentag, der unter dem Motto »Suchet der Stadt Bestes«, stand, zur Bibelolympiade ein, bei der sich die Kinder mit verschiedenen biblischen Geschichten auseinander- setzten. »So auch mit der Heuschreckenplage«, erklärte Anja Becker, die den Stand mitbetreute. Nachdem die Kinder von der Geschichte hörten, sollten sie mit den Sieben die Korken fangen, die die Heuschrecken symbolisierten. »Wer die meisten hat, gewinnt«, fasste es Becker zusammen.
Mit dem ungewöhnlichen Spiel wollten die Gemeindepädagoginnen den Kindern auf heitere Art Wissen vermitteln und sie animieren, sich zu bewegen. Gleichzeitig aber auch auf Entdeckungsreise mit den Kindern durch die Bibel gehen, fügte Gudrun Wisch an und machte zugleich auf das Familiencafé aufmerksam. Ein Zelt, in dem zu Kaffee und Kuchen eingeladen wurde und wo die Besucher vor allem ein wenig entspannen konnten von all dem Festtagstrubel. Das ließen sich viele nicht zweimal sagen und nahmen gerne Platz, tranken einen Kaffee, während die Kinder im Sandkasten spielten oder bastelten, bevor es weiterging durchs Kirchendorf.
Und zu sehen gab es eine Menge an den Ständen, die an der Kirche und in der Marienstraße aufgebaut waren. In der Marienkirche zum Beispiel gab es zwei Ausstellungen. In der einen informierte die Hospizbewegung Burgenlandkreis über ihre Arbeit. In der zweiten wurde die Entwurzelung des Menschen in der Gesellschaft thematisiert. Viele Blicke zog auch ein Kirchenmodell an, das in der Gemeinde Zorbau entstanden ist. Ehrenamtliche bauten zusammen mit Kindern die Kirche im eigenen Ort nach, das Projekt nannte sich »Kirche selbst gestalten«. In einer Art Gästebuch hinterließen die Besucher lobende Worte für ihre tolle Arbeit, ihr buntes Modell und wünschten viel Glück und Elan, sich weiter zu engagieren.
Ganz vielfältig zeigte sich der Kirchenkreis zum Sachsen-Anhalt-Tag, gab einen Einblick in die Arbeit verschiedener Gemeindegruppen und machte es den Besuchern leicht, das Beste in der Stadt zu entdecken. Superintendentin Christiane Kellner zeigte sich denn auch zufrieden mit der Resonanz. »Unser Konzept, einen eigenen Kirchentag beim Sachsen-Anhalt-Tag zu feiern, ist voll aufgegangen.«
Auch musikalisch waren viele vom sehr regional geprägten Programm angetan. »Bei all den anderen Bühnen ist es doch irgendwie gleich. Hier wird einfach was anderes geboten, da bleibe ich gerne stehen und höre zu«, sagte Maria Hötzel an der Kirchenbühne. Sie wollte das Familienprogramm mit Gerhard Schöne verfolgen und am Abend noch zum Ensemble »Blaues Einhorn«, das Lieder, Chansons und Folklore mitbrachte.
Claudia Petasch
Glocken in Laucha läuteten gegen rechte Gewalt
26. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mit einem »Tag der Mitmenschlichkeit« protestierte ein Bündnis aus Kirche und Vereinen gegen NPD-Kundgebung.
Die Glocken läuteten am 18. August eindringlich in Laucha (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz). Das war wohl das deutlichste Zeichen, mit dem auf den ersten »Tag der Mitmenschlichkeit« aufmerksam gemacht wurde. In und vor der Kirche waren Stände aufgebaut. 14 ortsansässige Vereine beteiligten sich. Der Karnevalisten- und der Heimatverein präsentierten sich ebenso wie der Schützenverein. In der Kirche wurde das Programm mit Liedern, Musik, einer Andacht und Gesprächsrunden gestaltet.
»Laucha ist bunt und nicht braun«, stand auf einem Transparent geschrieben. Der Tag sollte den Protest gegen die angekündigte NPD-Aktion in Laucha zeigen. Der Ort war in den vergangenen Wochen in die Negativschlagzeilen geraten. Wirbel hatte es um den entlassenen Fußballtrainer und Bezirksschornsteinfeger Lutz Battke (NPD) gegeben. Verschärft wurde es durch einen Überfall auf einen jugendlichen Israeli im April. NPD-Stadtratsmitglied und Kreistagsmitglied Battke hatte trotz Kritik bis vor kurzem die F-Jugend beim BSC 99 Laucha trainiert. Dem Verein gehört auch der mutmaßliche Täter des Überfalles an.
Der Angriff, der Trainer, aber auch die mediale Außenwirkung seien Anlass gewesen, intensiver über das Thema nachzudenken, erklärte Bürgermeisterin Jana Grandi. »Heute ist ein Tag, um kritisch mit der Vergangenheit umzugehen«, sagte David Begrich, Rechtsextremimus-Experte vom Verein »Miteinander«. Laucha müsse sich seiner Verantwortung stellen, auch dann, wenn das Medieninteresse abgeflaut sei.

Großes Medieninteresse: »Tag der Mitmenschlichkeit« kontra NPD-Aktion. (Foto: Andrea Hamann)
Es gäbe mittlerweile eine Spannung zwischen Laucha und seiner Außenwelt, sagte Pfarrerin Anne-Christina Wegner. Sie selber sei entsetzt gewesen, als sie bemerkt habe, dass die Leute des Ortes plötzlich alle wie braune Bestien erscheinen. Daraufhin habe sie bei den Menschen Frust bemerkt und dann aber die Erkenntnis, dass gezeigt werden müsse, dass es anders ist. »Auch Jugendliche wollen heute nach der Schule herkommen und zeigen, dass sie gegen Rechts sind«, sagte sie. Der Druck von außen und die Dynamik der Ereignisse hätten dazu geführt, dass in Laucha die Erkenntnis zu reifen beginnt, dass Politik und Lebenswelt, Politik und Sport sich nicht trennen lassen. »Man muss den Finger in die Wunde legen, den Menschen zeigen, mit wem sie es zu tun haben«, so Begrich.
Aber es wurde nicht nur geredet auf dem »Tag der Mitmenschlichkeit«. Insgesamt 2000 Euro sammelten Vereine und Kirchengemeinde für die Flutopfer in Pakistan. Am 25. August übergab Gemeindekirchenrat Günter Röder den Scheck an Detlef Harland, Regionalchef für die Diakonie Katastrophenhilfe.
Andrea Hamann
Auf Seitenpfaden unterwegs
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Auch an der Reppichauer Kirche stehen Skulpturen, die den historischen Malerein im Sachsenspielel nachempfunden wurden (Foto: privat)
Fritz Matthei heißt die Pilger willkommen. Vor dem Start der dritten Etappe des »Pilgerns auf dem Lutherweg 2010« führt er das Dutzend Gehwillige, welches sich am 14. August versammelt hat, durch die romanische Nikolaikirche in Aken. Gekonnt zeigt Matthei Wege auf, die von der einst wohlhabenden Elbeschifferstadt in die Welt führten. Nach Österreich zum Beispiel, wo Theodor von Sickel Karriere machte. Der Sohn einer Akener Pfarrersfamilie stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Diplomatik (Urkundenlehre) auf neue Grundlagen.
Nach kurzer Andacht gehen die Pilger auf das 20 Kilometer entfernte Köthen zu. Zwar sind im Spätsommer die Wälder noch nicht bunt, aber die Stoppelfelder hier gelb. Halb verwilderte Obstbäume säumen den Weg. Pflaumen und Äpfel müssen noch reifen, aber die Mirabellen schmecken bereits.
Hinter Wäldchen, Wiesen, Pferdekoppeln kommt Reppichau in Sicht. Das Dorf präsentiert sich als Freilichtmuseum. Überlebensgroße Figuren, die der örtliche Kunstschmied Frank Schönemann anfertigte, stehen am Dorfteich und anderswo. Wandmalereien an Häusern stammen von Steffen Rogge aus Köthen. Alle sind nach historischen Vorlagen geschaffen: den bebilderten Handschriften des Sachsenspiegels, des wichtigsten deutschen Rechtsbuches des Mittelalters.
Sein Autor, Eike von Repgow (um 1180 bis um 1135), gilt als Sohn des Dorfes. Tatsache ist: Aus dem Jahr 1159 sind der Ortsname Ripechove und die Brüder Marquard, Eico und Arnold überliefert. Ob es sich bei Eico wirklich um den Verfasser des Sachsenspiegels handelt, ob der berühmte Eike überhaupt mit der in Reppichau ansässigen Familie verwandt war, bleibt aufgrund der Quellenlage umstritten. Trotzdem: Die Kunstwerke und das Informationszentrum in Form einer Burg mit Zinnen und Türmchen machen das Dorf unverwechselbar.
Die Dorfkirche besteht aus einem fast völlig von Efeu umschlungenen romanischen Turm und dem 1823 fertiggestellten Schiff. Hier ist Zeit für die nächste Andacht, danach für eine Kaffeepause unter den alten Bäumen des Kirchgartens und dem kritischen Blick Eike von Repgows, für den ein Denkmal seit 1934 an der Turmmauer steht.
Von Reppichau aus wird der Lutherweg entlang eines Radweges über Elsnigk nach Osternienburg geführt, dann mit der Straße nach Sibbesdorf und Zehringen bis Köthen. Was für Radler ideal ist – feste, glatte Fahrbahnen – erfreut nicht unbedingt den Fußgänger. Die Gruppe schlägt deshalb bei Reppichau eine schmale Straße nach Kleinzerbst und dann einen Weg an den Rustteichen vorbei nach Osternienburg ein. Später geht sie auf Nebenstraßen über Pißdorf und Elsdorf nach Köthen weiter.
Mit jedem Schritt werden die Türme der Jakobskirche, die irgendwann am Horizont auftauchen, größer. Die Pilger durchqueren die Schlossanlage und erreichen schließlich die Noch-Baustelle Jakobskirche, wo Pfarrer Wolfram Hädicke die Andacht übernimmt. Dankbar lässt sich die Gruppe auf den staubigen Kirchenbänken nieder und betrachtet das fast fertig restaurierte Kirchenschiff. Bis zum Beginn der Bachfesttage am 1. September wird auch das letzte Stäubchen verschwunden sein.
Angela Stoye
Letztes »Pilgern auf dem Lutherweg 2010« am 4. September von Köthen nach Bernburg. Anmeldungen diesmal an Sonja Hahn, E-Mail sonja.hahn@gmx.net
Start in Hedersleben und Gnadau
13. August 2010 von redaktionguh
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Sachsen-Anhalt: Evangelische Sekundarschulen im ländlichen Raum nehmen Unterrichtsbetrieb auf.

In Hedersleben begann die Schule für 19 Kinder, Gnadau ging mit 18 Schülerinnen und Schülern an den Start. Foto: Jürgen Meusel
Herzlich willkommen geheißen wurden 19 Schüler und Schülerinnen in der evangelischen Sekundarschule in Hedersleben (Kirchenkreis Halberstadt) von ihrem Klassenlehrer Oliver Rintz. Die Schule startete am 6. August mit einer fünften Klasse. Gemeinsam mit der Christlichen Sekundaschule in Gnadau (Kirchenkreis Egeln) wurden damit zwei weitere evangelischen Sekundarschulen der Johannes-Schulstiftung eröffnet. Sie sind die ersten ländlichen Schulen ihrer Art auf dem Gebiet der EKM.
Beide Schulen erhalten im ersten Jahr noch keine staatlichen Zuschüsse, sondern werden über den Träger, Beihilfen der Kirchenkreise, Spenden und Schulgeld finanziert. Die Johannes-Schulstiftung ist inzwischen Träger von acht Schulen in Sachsen-Anhalt. Neben den Sekundarschulen in Haldensleben, Magdeburg, Hedersleben und Gnadau unterhält sie vier Grundschulen. Drei davon – Burg, Gardelegen und Wernigerode – sind ebenfalls mit Beginn des neuen Schuljahres an den Start gegangen.
(mkz)
Verweile doch, du bist so schön
13. August 2010 von redaktionguh
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Über 2500 Besucher sahen bei der »Romantischen Nacht« die Drübecker Klosterkirche ...
Romantische Nacht im Kloster Drübeck zog wieder Tausende Besucher in ihren Bann.
Sankt Vitus ist in ein warmes Licht getaucht. Langsam füllt sich der Platz am Westwerk der Klosterkirche mit Besuchern, die auf den Beginn der Lichtinstallation warten. Auch die Gäste, die an den Tischen beim Essen sitzen oder die die mit zahlreichen Kerzen erleuchteten Wege entlangspazieren, wenden sich der Kirche zu. »Das ist schon eine tolle Atmosphäre hier«, schwärmt einer der Besucher aus Goslar. Pünktlich um 22.15 Uhr erscheint auf dem Mauerwerk der Schriftzug »Drübeck 1050« und ein Rundgang durch die Geschichte des Klosters beginnt.
Doch das ist nur ein kleiner Teil dessen, was die »Romantische Nacht« bietet. Die Verbindung von Kultur, kulinarischen Köstlichkeiten und Kunsthandwerk mit der einmaligen Atmosphäre der Klosteranlage bei Nacht machen den Charme aus. Insgesamt mehr als 30 Angebote stehen zur Auswahl: Konzerte von mittelalterlicher Musik mit den “Freyburger Spielleyten” in der Klosterkirche über Filmmusik in der Domänenscheune bis hin zu Klezmer und Folk, Lesungen und Flamenco unter freiem Himmel. Bereits zum neunten Mal hat das Kloster an diesem 7. August zu Fest und Begegnung eingeladen. »Es ist schon beeindruckend, das zu erleben«, meint Norbert Dolge, der extra aus Magdeburg gekommen ist. Besonders angetan zeigt er sich von der Streuobstwiese, die wie alle Gärten mit Lichtern und Fackeln illuminiert ist.

... und den Klosterhof mit der uralten Linde in ganz neuem Licht.
Schon nach Beginn um 18 Uhr füllt sich das Klosterareal, ohne dass es wirklich beengt zugeht. Durch die weitläufige Anlage und die vielen liebevoll geschmückten Plätze und Gärten rund um die Kirche verteilt sich der Besucherstrom und hebt sich so wohltuend vom üblichen Geschiebe auf Großveranstaltungen ab. »Wir wollen den Menschen zeigen, dass das Kloster offen für alle ist, und dabei etwas von dem besonderen Charakter bewahren«, sagt Geschäftsführer Christoph Carstens. Auch Leute, die sonst Berührungsängste hätten, ließen sich gerne ansprechen.
Rundum zufrieden zeigt er sich ebenfalls mit der Resonanz. Erneut haben etwa 2.500 Besucher den Weg nach Drübeck gefunden. Und wie schon in der Vergangenheit sei das Vorhaben nur möglich gewesen, weil alle mitgezogen hätten: die Mitarbeiter des Klosters, Vertreter des Fördervereins, der freiwilligen Feuerwehr sowie des Vereins »Gartenträume«.

Das Duo »Zweyerley Pfeifferey« (li.) musizierte in einem der Gärten der Stiftsdamen.
Zugleich liegt in diesem Jahr aber auch ein Schatten über der Nacht. Die langjährige Geschäftsführerin und Verwaltungsleiterin Brunhilde Langelüddecke, die das Projekt vor acht Jahren mit angestoßen hat, ist im Juni nach schwerer Krankheit verstorben. So spielt das Andenken an sie immer wieder eine Rolle. Es sei gut, dass der Abschied auf diese Weise und in so einem würdigen Rahmen mit aufgenommen worden ist, findet Carstens.
Eine weitere Besonderheit stellt die Verbindung mit der 1050-Jahr-Feier Drübecks dar. Gleich neben dem Äbtissinnenhaus verkaufen Vertreter der Kommune an einem Stand die Festschrift. Seit Ende Mai laufen die Feierlichkeiten bereits. »Wenn wir das Kloster nicht hätten, wären wir nicht so bekannt«, sagt der stellvertretende Bürgermeister Berthold Abel. Letztlich seien beide Nutznießer.
Nutznießer sind an diesem Abend jedoch vor allem die Besucher, die aus ganz Sachsen-Anhalt und auch aus Niedersachen kommen. Längst hat sich das besondere Angebot herumgesprochen. Iris Brachmann ist aus dem benachbarten Wernigerode nach Drübeck gekommen. Sie lebe zwar schon über 40 Jahr hier, sei jedoch das erste Mal dabei, erzählt sie. »Dass es so zauberhaft ist, hätte ich nicht gedacht.«
Martin Hanusch / Fotos: Jürgen Meusel
Streitfall Flussausbau
6. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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An der Fußgängerbrücke, die in Höhe des Magdeburger Domes über das Schleinufer zur Elbe führt, mahnt dieses Transparent, die Pläne zum Bau des Saale-Elbe-Kanals aufzugeben. Foto: Klaus-Peter Voigt
Protest gegen bevorstehendes Planfeststellungsverfahren für Saale-Elbe-Kanal
Der Zeitpunkt war bewusst gewählt. Fünf vor zwölf starteten am 30. Juli in Magdeburg etwa 30 Umweltaktivisten ihre Protestaktion gegen den Saale-Elbe-Kanal. Denn noch hat das Planfeststellungsverfahren für dieses seit langem umstrittene Verkehrsprojekt nicht begonnen.
Weil nach Ansicht der Flussschützer die Frachtschifffahrt auf Saale und Elbe »mangels Wasser ein Auslauf-
modell ist«, sei der Kanal nutzlos. Der Klimawandel würde die Extremwasserstände verschärfen. Ohnehin hätten die Transporte auf dem Wasser ein historisches Tief erreicht. Stattdessen forderten sie, den Flusstourismus stärker zu entwickeln. Die Protestierenden waren Teilnehmer des 18. Elbe-Saale-Camps, das in jedem Sommer an der Mündung der Saale in die Elbe bei Barby stattfindet. Das Aktionsbündnis Elbe-Saale, welches seit Anfang der 1990er Jahre gegen den Bau einer Staustufe in der Saale bei Klein Rosenburg und die Vertiefung der Elbe protestiert, richtet es aus.
Nach der Jahrhundertflut 2002 wurden zwar die Baupläne zunächst gestoppt. Doch in Sachsen-Anhalt wächst der Druck, mit dem Bau des schätzungsweise 100 bis 150 Millionen teuren Kanals zu beginnen. So hatte die Landtagsfraktion der FDP bei der Sitzung des Parlamentes am 19. Februar dieses Jahres die zügige Eröffnung eines Planfeststellungsverfahrens gefordert. Auch die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung will den Ausbau, damit die Region Halle – wie seit langem von dort ansässigen Firmen gefordert – an das internationale Wasserstraßennetz angeschlossen werden könne. Im Mai meldeten sich die rund 300 Teilnehmer des 56. Schiffertages in Alsleben zu Wort. Sie sprachen sich ebenfalls dafür aus, dass der Kanal gebaut wird.
Aber es gibt auch andere Meinungen. So warnt beispielsweise das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Berlin) vor den erheblichen Folgen derartiger Eingriffe in das einzigartige Ökosystem der Elbe. »Die an einem natürlichen Fließgewässer oder Strom vorhandene Dynamik von Hoch- und Niedrigwasser … schließt sich mit den Anforderungen der heutigen Binnenschifffahrt, die möglichst gleichbleibende Fahrwasserverhältnisse beansprucht, weitgehend aus«, heißt es.
Das Streitobjekt Saale-Elbe-Kanal soll etwa zehn Kilometer lang sein und von Calbe westlich der Saale bis zu ihrer Mündung in die Elbe verlaufen. Mit ihm soll erreicht werden, dass Großmotorschiffe und Schubverbände den Fluss bis zum bereits für 31 Millionen Euro ausgebauten und bislang kaum genutzten Hafen Halle befahren können. Dies ist bisher nicht möglich, weil der untere Saalelauf noch weitgehend natürlich und damit zu schmal, zu flach und zu gewunden ist.
Noch am Freitagnachmittag warf der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Frank Scheurell, den Protestierenden »mangelnden ökonomischen Sachverstand« vor. Die »Errichtung leistungsfähiger Wasserstraßen zum Hamburger Hafen sei für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes entscheidend«. Der Bund der Steuerzahler Sachsen-Anhalt hingegen fordert einen Planungsstopp und ein »Machtwort« von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der Sache. Das »unsinnige, unwirtschaftliche und verschwenderische Investitionsvorhaben« solle angesichts des größten Haushaltsdefizits aller Zeiten aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen werden.
Angela Stoye
Der Einsatz lohnt sich
6. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Romanik in Reinkultur: Die Stiftskirche in Beuster ist verlässlich für Besucher geöffnet. Foto: Förderverein
Volker Stephan ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Fördervereins der Stiftskirche in Beuster.
Hoch im Norden Sachsen-Anhalts, am Rande der Wische und direkt hinterm Elbdeich liegt das verträumte Dörfchen Beuster. Trotz der geografisch ruhigen Lage kann der Ort mit einem architektonischen Schatz wuchern wie nur wenige andere: In Beuster steht die wohl älteste Backsteinkirche nördlich der Alpen. Bauforscher haben nachgewiesen, dass der Chor des Gotteshauses 1172 fertiggestellt wurde.
»Und diese Kirche ist in ihrer ursprünglichen Form, also als dreischiffige Basilika, so wunderbar unverfälscht erhalten, dass es ein großartiger Eindruck ist, in diese Kirche hineinzugehen. Das hat mich immer schon besonders angesprochen.« Kein Wunder, dass Volker Stephan nicht lange überlegte, als vor zehn Jahren der Förderverein Sankt-Nikolaus-Kirche gegründet und ein Vorsitzender gesucht wurde. Schließlich kennt er die Kirche schon seit Jahrzehnten: »Das liegt weit zurück, in tiefen DDR-Zeiten. Da war diese Kirche in einem sehr traurigen Zustand«, erinnert er sich. »Drinnen roch es muffig, weil die Wände nass waren. Die Kirchengemeinde hatte damals einfach nicht die Kraft, sich um dieses, für ein Dorf viel zu große Bauwerk zu kümmern.« Zumal Beuster mit Sankt Marien noch eine zweite, kleinere Kirche hatte, die für die Gottesdienste im Dorf völlig ausreichte.
Erst 2001 beschloss der Gemeindekirchenrat, gemeinsam mit einem Förderverein die romanische Stiftskirche zu retten. Das Dach war zu dem Zeitpunkt gerade gedeckt worden. Erstes Projekt für den Förderverein: die Wände trockenlegen. Und die Fehler der Ahnen korrigieren. Denn 1902 hatten die Beusteraner einfach die feuchten Innenwände mit Teer angestrichen, doch die Nässe kam dann oberhalb des Anstrichs durch das Mauerwerk. Die rettende Idee: Das Erdreich rund um Sankt Nikolaus wurde abgetragen und auf das ursprüngliche romanische Fußbodenniveau abgesenkt. »Wir sind jetzt also einen Meter tiefer als noch in den 1990er Jahren. Das ist immer ulkig, wenn man an die Westpforte herankommt, dann sieht man da einen Fußabstreifer und der ist jetzt auf Hüfthöhe«, erklärt der Stendaler Tierarzt lachend.

Dr. Volker Stephan arbeitet auch als ehrenamtlicher Ortskurator für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Foto: Kerstin Kinszorra
Dafür immer wieder Spender zu gewinnen und an Fördermittel zu gelangen, ist mühsam. Schließlich geht der Förderverein davon aus, dass erst die Hälfte der benötigten Bausumme verbaut ist. Doch es lohnt sich. Beuster ist seit 2007 der nördlichste Punkt der »Straße der Romanik« in Sachsen-Anhalt – und für seinen Einsatz wurde Volker Stephan mit dem Romanikpreis 2009 in Silber ausgezeichnet.
Kerstin Kinszorra
»Diese Arbeit wird mich nicht so schnell loslassen«
30. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Nach 20 Jahren wird Gefängnisseelsorgerin Hanna Haupt in Halle verabschiedet

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Hanna Haupt in der JVA Halle wichtige Projekte angestoßen. Foto: Martin Hanusch
Dort, wo zu DDR-Zeiten die Stasi eine Untersuchungshaftanstalt unterhielt, hat sie nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung ein neues Arbeitsfeld aufgebaut. Am Anfang habe es auf beiden Seiten große Unsicherheiten gegeben. Heute, erzählt die Pfarrerin mit der Kurzhaarfrisur, gehöre Kirche in der Justizvollzugsanstalt (JVA) ganz selbstverständlich dazu. Am 30. Juli wird die Gefängnisseelsorgerin nach 20 Dienstjahren aus ihrem Amt verabschiedet – natürlich im »Roten Ochsen«.
Dabei ist ihr Lebensweg keineswegs in dieser Richtung vorgezeichnet. Als drittes von acht Kindern wächst Hanna Haupt in Erfurt auf, der Vater ist Garten- und Landschaftsarchitekt. »Eigentlich«, sagt sie, »hätte ich gerne Jura studiert.« Doch weil sie aus einem »frommen Elternhaus« stammt, weder bei den Pionieren ist noch in die FDJ eintritt, kommt das kaum infrage. Stattdessen studiert sie nach dem Abitur Bibliothekswissenschaften in Leipzig.
Danach nimmt sie 1969 ein Theologiestudium an der Kirchlichen Hochschule auf, geht anschließend nach Erfurt und Blankenhain. 1989 folgt der Wechsel nach Halle. Hanna Haupt wird Katechetin an der Paulusgemeinde und ab 1990 ehrenamtliche Gefängnisseelsorgerin. 1994 legt sie das zweite Theologische Examen ab – im Alter von 46 Jahren – und übernimmt nun hauptamtlich die Gefängnis- und Ausländerseelsorge.
Vor allem in der JVA durchlebt sie spannende Zeiten und zahlreiche Veränderungen. Von den »Wendewirren« mit gerade einmal elf inhaftierten Frauen bis zu riesigen Haftzahlen habe sie alles mitgemacht, erzählt sie. Erst im vergangenen Jahr sind die Umstrukturierungen zu Ende gegangen. »Auch deshalb ist es ein guter Zeitpunkt, jetzt aufzuhören«, ist Hanna Haupt überzeugt.
Trotzdem hat sie allen Grund, dankbar auf die vergangenen 20 Jahre zurückzublicken. »Ich konnte viele Menschen für die Arbeit im Gefängnis sensibilisieren.« Aber auch in der JVA hinterlässt sie Spuren. Sie hat hier einige wichtige Projekte angestoßen – die Konzertreihe »Musik hinter Gittern« etwa, Theaterprojekte und Malgruppen. Dass der Kirchsaal im »Roten Ochsen« wieder zum Kirchsaal geworden ist, nennt sie selbst einen schönen Erfolg. Jetzt sei er wieder die »Seele der Anstalt«.
Das gilt möglicherweise noch viel mehr für ihr Wirken in der Justizvollzugsanstalt selbst. Denn besonders die Gespräche mit den Inhaftierten und den Bediensteten liegen ihr in all den Jahren am Herzen. Gerade bei familiären Problemen und bei Schwierigkeiten im Knastalltag sei sie gerne in Anspruch genommen worden. »Diese Arbeit hat mir Spaß gemacht und wird mich wohl nicht so schnell loslassen«, schätzt Hanna Haupt.
Doch jetzt freut sie sich erst einmal auf mehr Zeit für sich sowie die vier Kinder und fünf Enkelkinder. Zudem will sie mit ihrer Stadtratsarbeit weitermachen, solange es ihr gut geht. Hier engagiert sich die Pfarrerin ebenso wie in der Bürgerinitiative Paulusviertel, deren Vorsitzende sie seit 1990 ist. »Schließlich«, sagt sie mit einem Lächeln, »besteht das Leben ja nicht nur aus dem Knast.«
Martin Hanusch
»buch_haltung« aus vier Jahrhunderten
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Neue Literatur über Halle und die Marienbibliothek können Besucher erwerben - am Besten nach einer der montäglichen Führungen. Foto: Frieder Weigmann
Halle: Kabinettausstellung gewährt Einblicke in älteste evangelische Kirchenbibliothek
Was kennzeichnet eigentlich laut Ausstellungstext die »Lebenswelt einer evangelischen Kirchenbibliothek«? Zumal, wenn es die älteste historisch-wissenschaftliche Kirchenbibliothek in Deutschland ist, 1552 in Halle gegründet? Erst einmal handelt es sich um eine ziemliche leblose Sammlung von mehrheitlich sehr alten und meist wertvollen Büchern. Natürlich hat jedes Buch eine Geschichte, die mal durch den Inhalt lebendig wird, manchmal aber mehr noch durch frühere Eigentümer, Gebrauchsspuren oder Randnotizen. Jedes Buch, jede Handschrift, Urkunde oder jedes Register gibt Einblicke und entfaltet eine eigene Lebenswelt. Und mit der Aufbewahrung, Sammlung und Ordnung der Bestände – in der Marienbibliothek in Halle sind es reichlich 30000 Bände – entsteht so eine eigene Lebenswelt, die eine mehr als 450 Jahre alte Kirchenbibliothek von jedem anderen Ort der Buchsammlung unterscheidet.
»buch_haltung« heißt die kleine Kabinettausstellung, die Shirley Brückner zusammengestellt hat. Die junge Historikerin ist seit gut einem halben Jahr Bibliothekarin in der Marienbibliothek. Sie bietet inzwischen immer montags um 18 Uhr Führungen durch die Kirchenbibliothek an. »Früher gab es die Führungen einmal im Monat. Das ließ sich aber schwer kommunizieren. Wöchentliche Führungen lassen sich leichter weitersagen«, sagt Brückner. Zwar gibt es deshalb noch keine Besucheranstürme, dennoch ist die Bibliothekarin mit der Resonanz zufrieden. Mit der Ausstellung setzt sie den Anfangspunkt für künftige thematische Ausstellungen, die sich aus den verschiedenen Sammlungen im Bestand erarbeiten lassen. Künftig soll Besuchern also regelmäßig mehr als der häufig nachgefragte Taufeintrag von Georg Friedrich Händel im Kirchenregister der Marktgemeinde gezeigt werden. Unter Familienforschern ist die umfangreiche Kirchenbuchsammlung aus der Region schon lange ein Geheimtipp. »Familienforschung als Schwerpunkt wird dieser Bibliothek aber überhaupt nicht gerecht.« Jetzt will Shirley Brückner stärker ein wissenschaftliches und historisch interessiertes Publikum ansprechen. Einige Sammlungen, die vor Jahren in die Marienbibliothek aufgenommen wurden, sind noch gar nicht richtig erschlossen. Andere Bestände wurden in den letzten Jahren in die elektronische Datenbank der Uni-Bibliotheken aufgenommen. Auch hier gibt es noch viel zu tun.
Die Ausstellung »buch_haltung« gibt unter dem doppeldeutigen Titel nicht nur Einblick in die Bibliothekskultur, sondern knüpft auch an die Anfänge des Schreibens überhaupt an: die ersten Schriftzeugnisse früher Zivilisationen waren Abrechnungen und kaufmännische Listen. Deshalb zeigt die Kabinettausstellung, die noch bis 31. Oktober zu sehen ist, auch Kataloge, Register, Verzeichnisse und Listen aus vier Jahrhunderten kirchlicher Verwaltung.
Frieder Weigmann




