Eine Form von Zwangsarbeit
23. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Buch über den Einsatz von Bausoldaten im Chemiedreieck vorgestellt
Bis heute prägt das Chemiedreieck zwischen Leuna, Buna und Wolfen-Bitterfeld Industrielandschaft und Regionalbewusstsein im Süden Sachsen-Anhalts. Kein Wunder bei einer 100-jährigen Geschichte und wirtschaftlich starken Gegenwart. Doch gibt es auch dunkle Kapitel in der Vergangenheit. Eines davon stellte Justus Vesting auf der Leipziger Buchmesse vor. Rund 50 Besucher waren zur Premiere seines Buches »Zwangsarbeit im Chemiedreieck – Strafgefangene und Bausoldaten in der Industrie der DDR« in die Runde Ecke gekommen.
So freute sich Verleger Christoph Links eingangs auch über die Aufmerksamkeit für dieses zeitgeschichtliche Thema. Im Blick auf die Bausoldaten in den 1980er Jahren stellte er fest: In Prora hätte man trotz harter Arbeit wenigstens gute Luft und den Blick aufs Meer gehabt. Dagegen sei die Gefährdung durch schädliche Substanzen in der maroden Chemieindustrie höher gewesen.
Warum aber setzte man Menschen überhaupt solchen Gefahren aus? Vestings Antwort lautete: Die Arbeitsbedingungen im Chemiedreieck waren selbst für DDR-Verhältnisse extrem schlecht. Deshalb konnten die Betriebe auch mit hohen Löhnen nie genügend Arbeitskräfte gewinnen. So griff man auf Menschen zurück, die nicht Nein sagen konnten. Beim Einsatz von Strafgefangenen und Bausoldaten handelte es sich deshalb um eine Form von Zwangsarbeit, die mit Diskriminierung und bewusster Inkaufnahme gesundheitlicher Folgeschäden einherging.
Bausoldaten, die seit 1986 in der Region arbeiten mussten, hätten sich mit Eingaben zur Wehr gesetzt. Darin sei von Furcht um die Gesundheit durch Staub und Gase sowie von menschenunwürdigen Zuständen die Rede. Gezielt würden die Verantwortlichen im ZK der SED angefragt, wie sich diese Arbeitsbedingungen mit der Ethik und Moral eines sozialistischen Staates vertrügen.
Härter noch hatte es ab 1968 die Bitterfelder Strafgefangenen im dortigen Chemischen Kombinat getroffen, unter ihnen viele wegen Republikflucht verurteilte. Vesting berichtete von aggressiven Reaktionen auf Arbeitsverweigerung von Einzel- und Dunkelarrest über Schläge mit dem Gummiknüppel bis hin zu quälenden Fesselungen.
Anfangs als »Erziehung durch Arbeit« gedacht, habe sich der Einsatz von Gefangenen letztlich als »reine Ausbeutung« erwiesen. Vestings Vortrag endete mit einem sprechenden Bild. Auf einer Mauer der Strafvollzugseinrichtung Bitterfeld stand in Großbuchstaben zu lesen: »Die Gesellschaft und deine Familie wartet auf Dich: Denkst Du immer daran?«
Zwei Todesfälle von Häftlingen durch Quecksilbervergiftung zu DDR-Zeiten sind aktenkundig. Noch heute leiden ehemalige Gefangene an Zahnausfall, Leber- und Nierenschäden. Ein Zusammenhang mit ihrer Arbeit im Chemischen Kombinat Bitterfeld lässt sich schwer nachweisen. Deshalb steht ihre Entschädigung für gesundheitliche Folgeschäden oft noch aus. Vesting hofft, dass sein Buch nicht nur historisches Interesse weckt, sondern ebenso zur Sensibilisierung der Behörden beiträgt.
Sebastian Kranich
Justus Vesting: Zwangsarbeit im Chemiedreieck – Strafgefangene und Bausoldaten in der Industrie der DDR, Ch. Links Verlag, 224 S., ISBN 9783861536758, 24,90 Euro
Von Polen bis nach Santiago
20. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Beim Pilgertreffen in Magdeburg ging es um die Wege in der Oderregion
Die Entwicklung der Jakobs-Pilgerwege östlich und westlich der Oder stand im Mittelpunkt des Pilgertreffens 2012 der Sankt-Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt am 10. März in Magdeburg. Als Referenten hatte der Präsident der Gesellschaft, der Hettstedter Pfarrer Sebastian Bartsch, Professor Ulrich Knefelkamp eingeladen. Der Historiker leitet an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder seit 2005 ein Projekt, das die Erforschung und Revitalisierung der historischen Jakobswege in der Oderregion sowie die Vernetzung regionaler Akteure zum Ziel hat.
In seinem Vortrag blickte Knefelkamp in die über tausendjährige Geschichte des Pilgerns zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im Norden Spaniens, die immer eine Bewegung innerhalb Europas war, bevor das Interesse am Pilgern mit Ausgang des Mittelalters stetig abnahm. Dass das Interesse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Jakobsweg wieder stieg, hat mehrere Auslöser: 1987 wurde dieser Weg zur ersten Kulturstraße Europas ernannt und 1993 setzte die Unesco ihn auf die Weltkulturerbeliste.
»Das hat in Europa viele Impulse gegeben«, so Knefelkamp. Ein deutscher Impuls war Hape Kerkelings Buch »Ich bin dann mal weg« über seine Erfahrungen als Jakobspilger. Insgesamt ist die Zahl der Pilger in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Hunderttausende lassen sich in jedem Jahr an der Kathedrale in Santiago registrieren – auf dem ersten Platz liegen die Spanier, gefolgt von Deutschen, Franzosen und Italienern.
Ulrich Knefelkamp verwies in seinem Vortrag auf das europäische Kulturerbe, welches die Pilgerwege darstellten, und darauf, dass sie eine Region bekannter machen und touristische Impulse auslösen können. Er verschwieg auch nicht die Schwierig»Wer pilgert, kommt auch ins Gespräch über Europa«
keiten, bis die wiederbelebten Wegverläufe beschildert, mit Informationstafeln versehen und an andere Pilgerwege angeschlossen sind. 2010 gründete sich die Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion, bei der viele Fäden für Erforschung, Betreuung und Widerbelebung der Wege in Brandenburg und Westpolen (Stettiner und Lebuser Jakobsweg) zusammenlaufen: interdisziplinär und grenzüberschreitend.
In der Diskussion verwies Christfried Boelter vom Referat Offene Kirchen beim Gemeindedienst der mitteldeutschen Kirche darauf, wie wichtig es sei, die verschiedenen Wege – Jakobsweg, Lutherweg, Elisabethpfade – miteinander zu vernetzen. Zudem seien geistliche Stationen unterwegs nötig. Kirchengemeinden sollten motiviert werden, ihre Kirchen für Pilger offen zu halten.
Dazu will auch die 2005 gegründete Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt beitragen, die heute 42 Mitglieder zählt. Sie lädt in diesem Jahr wieder zum Samstagspilgern auf dem 370 Kilometer langen Jakobsweg ein, der von der brandenburgischen zur thüringischen Grenze führt. Doch Pfarrer Bartsch wirbt nicht nur für das Mitpilgern. Er ermutigt ebenfalls dazu, dass die Orte mit Jakobustradition diese wiederentdecken, auch wenn sie nicht am Jakobsweg liegen.
Der katholische Pfarrer Willi Kraning, der im Vorstand der Sankt-Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt mitarbeitet und regelmäßig pilgert, erinnerte an eine besondere Pilgerschaft. Sie verbindet Magdeburg und Gniezno (Gnesen) in Polen miteinander. Im Jahr 1000 pilgerte Otto III. dorthin zum Grab seines Freundes, des Heiligen Adalbert. Für Kraning steht nicht nur deshalb fest: »Wer pilgert, kommt auch ins Gespräch über Europa.«
Angela Stoye
www.jakobswege-viadrina.de
www.jakobusweg-sachsen-anhalt.de
Mit einer großen Portion Offenheit
14. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ingrid Sobottka-Wermke ist neue Superintendentin des Kirchenkreises Naumburg-Zeitz
Noch plagt die neue Naumburger Superintendentin ein kleines Handicap. Ingrid Sobottka-Wermke hat gerade ein Fuß-Operation hinter sich und hinkt noch etwas. Das sei zwar kein Drama, findet sie, »aber ich bin dadurch schon ein bisschen eingeschränkt «. Denn eigentlich hat die 53-Jährige mit den kurzen Haaren und dem gewinnenden Lächeln ein anderes Lebenstempo und ein eher überschäumendes Temperament. Möglicherweise ist die erzwungene Entschleunigung jedoch ganz nützlich. »Ich muss hier erst die gelebten Situationen kennenlernen«, sagt sie.
Viel Zeit für die Umstellung bleibt indes nicht. Am 1. März hat Ingrid Sobottka-Wermke, die im Oktober als Superintendentin gewählt worden ist, ihren Dienst angetreten und schon die ersten Termine hinter sich. Am Anfang werde es für sie vor allem darum gehen, die Mitarbeiter und Gemeinden kennenzulernen sowie den Kontakt nach außen zu suchen. Denn die Umstellung von Winsen/Luhe, wo sie fast zehn Jahre Superintendentin war, nach Naumburg ist beträchtlich.
Das weiß die 53-jährige Theologin, die aus der Nähe von Hameln stammt und auf dem elterlichen Hof früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Nach dem Studium an der Freien Universität in Berlin und in Göttingen übernimmt sie 1990 ihre erste Pfarrstelle im niedersächsischen Peine.
Der Umzug nach Naumburg ist für Ingrid Sobottka-Wermke aber auch eine Art Familienzusammenführung. Ihr Mann, Michael Wermke, hat kurz nach ihrem Amtsantritt in Winsen eine Professur für Religionspädagogik an der Universität in Jena übernommen. Durch den Wechsel in den Kirchenkreis Naumburg-Zeitz rücken die beiden nun auch räumlich wieder zusammen. Die drei Kinder gehen inzwischen eigene Wege. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Theologin auf die Stelle beworben hat.
Der Naumburger Dom und die schönen Kirchen in der Region haben es ihr schon früh angetan. Zudem habe sie nach knapp zehn Jahren in Winsen eine neue Herausforderung gesucht, erzählt sie.
Jetzt freut sie sich auf eine neue Aufgabe und ist gespannt darauf, wie sich das kirchliche Leben hier gestaltet. Künftig wird sie für 20 Pfarrerinnen und Pfarrer in 76 Gemeinden und insgesamt gut 20 000 Mitgliedern zuständig sein (zum Vergleich: in Winsen waren es 45 000 Gemeindeglieder in 16 Gemeinden). Angesichts einer Kirchenmitgliedschaft von zehn bis 20 Prozent gelte es, neue Zugänge zum Glauben zu schaffen, ist die Superintendentin überzeugt.
Ein paar Ideen, eine große Portion Offenheit und Leitungserfahrung bringt Ingrid Sobottka-Wermke dazu mit. Patentrezepte hat sie freilich keine im Gepäck. Aber sie möchte die Kirche gerne »von unten bauen« und als »Begegnungsraum « über den Sonntag hinaus etablieren. In den zahlreichen Kirchengebäuden sieht sie gute Anknüpfungspunkte, die auch Identität stiften.
»Dazu müssen wir möglichst viele Wege suchen, um nahe bei den Menschen zu sein.« Wenn ihr Fuß verheilt ist, will sie mit ganzer Kraft ihren Beitrag dazu leisten.
Martin Hanusch
Der Einführungsgottesdienst am 11. März in der Naumburger Wenzelskirche beginnt um 17 Uhr.
Ins gebührende Licht gerückt
Landeskirche Anhalts hat ihre »heiligen Geräte« inventarisiert
Dieser kleine Kelch und dieser Teller aus vorreformatorischer Zeit stehen für das gemeinsame Abendmahl«, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig am 29. Februar in Dessau-Roßlau. In der Georgenkirche stellte die Landeskirche das Ergebnis der Erfassung aller »vasa sacra« – der heiligen Geräte – in Anhalt vor.
Die Abendmahlskelche und -kannen, Patenen, Oblatendosen, Taufkannen und -becken und andere Gegenstände seien »ein wichtiges Kontinuum für unsere Gemeinden«, so der Kirchenpräsident. Die zum Teil über Jahrhunderte hinweg benutzten Geräte seien »erst durch die systematische Erfassung ins gebührende Licht gerückt«.

Kirchenpräsident Joachim Liebig, Pfarrer Martin Günther und der Ingenieur Dieter Maess (von li.), der die liturgischen Geräte erfasst hat, lesen eine Widmung auf einer Abendmahlskanne. Fotos: Lutz Sebastian
Als erste evangelische Landeskirche in Deutschland hat die Landeskirche Anhalts sämtliche Abendmahls- und Taufgeräte in ihren Gemeinden erfassen lassen. Beginnend im Jahr 2009 wurden 1535 Objekte in 200 Kirchen, 144 Gemeinden und 47 Pfarrämtern aufgenommen. Erfasst wurden das Material, die Datierung, Maße, Inschriften, Marken und Stempel sowie das Gewicht und der Hersteller der Geräte. Mit dieser ehrenamtlichen Aufgabe hatte die Landeskirche den Bauingenieur Dieter Maess beauftragt, der jetzt im Ruhestand ist und zuvor unter anderem als Kultur- und Schuldezernent im Landkreis Bitterfeld tätig war.
So manchen Rat für seine anspruchvolle Aufgabe holte er sich bei der Fachreferentin für kirchliches Kunstgut in der mitteldeutschen Kirche, Bettina Seyderhelm (Magdeburg).
Unterstützt wurde und wird Maess seit einem Jahr von Karin Utikal, die im Landeskirchenamt Anhalts im Rahmen einer vom Arbeitsamt geförderten Projektstelle alle Daten in eine Datenbank eingibt, die per Intranet genutzt werden kann. Gegenwärtig erfolgt die Übernahme in eine neue Datenbank, die auch Fachleuten zu Forschungszwecken offen stehen soll. So lassen sich, wo sie fehlen, vielleicht noch Lebensdaten von Silberschmieden und Kunsthandwerkern ermitteln. Die Pfarrämter haben für jedes Stück ihres Inventars ein Objektblatt mit Beschreibung und Foto erhalten.
Dieter Maess hat viele vorreformatorische Kelchen und Patenen vorgefunden sowie sehr schöne klassizistische und barocke Kelche. Besonders bemerkenswert findet er den Bestand an Messingtaufschalen aus dem 17. Jahrhundert, so genannte Beckenschlägerschalen. Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende fast industrielle Produktion der »vasa sacra« wurde ab 1960 wieder von in Handarbeit hergestellten Stücken abgelöst.
Ein Beispiel dafür hat Martin Günther mit in die Georgenkirche gebracht: ein Köfferchen, welches alle Geräte enthält, die für ein Abendmahl am Krankenbett benötigt werden. Sie sind aus Messing gefertigt und von zeitloser Schönheit. »Abendmahls- und Taufgeräte sind von großem kunsthistorischen Wert und doch selbstverständlicher Teil unseres kirchlichen Lebens«, sagte der Pfarrer der Kirchengemeinden St. Georg und Jakobus-Paulus.
»Sie sind wie ein Kuss Gottes, mit dem wir bei den ganz zentralen Handlungen Taufe und Abendmahl in Berührung kommen.«
Angela Stoye
Das »Kirchenparlament« wird gewählt
6. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Wahlkonvente entscheiden über die Mitglieder der Landessynode
In den fünf Kirchenkreisen der Landeskirche Anhalts werden in den kommenden Tagen die Mitglieder der neuen Landessynode gewählt. Dazu finden Wahlkonvente statt, bei denen Vertreter der Kirchengemeinden sowie Pfarrerinnen und Pfarrer über die vorgeschlagenen Kandidaten für die 23. Legislaturperiode abstimmen. Im Rahmen der Wahlversammlungen wird auch jeweils ein Gottesdienst gefeiert.
Den Auftakt machte der Kirchenkreis Ballenstedt, dessen Wahlkonvent am 29. Februar in der Ballenstedter Schlosskirche zusammentrat. Am 3. März werden in der Bernburger Martinskirche und im Wolfgangstift in Köthen die Synodalen für die Kirchenkreise Bernburg beziehungsweise Köthen gewählt. Am Sonntag schließlich entscheiden die Kirchenkreise Dessau und Zerbst, wer sie künftig im »Parlament« der Landeskirche vertreten wird. Versammlungsorte der Wahlkonvente sind die Auferstehungskirche in Dessau-Roßlau und die Trinitatiskirche in Zerbst.

Zwei Drittel sollen Nichttheologen sein
Die Landessynode ist das »Kirchenparlament« und neben dem Landeskirchenrat sowie der Kirchenleitung eines der drei landeskirchlichen Leitungsgremien. Die Synode kann im Rahmen der Kirchenverfassung über alle Angelegenheiten der Landeskirche beraten und beschließen.
Die anhaltische Landessynode besteht aus 33 gewählten Mitgliedern, sechs weitere Synodale werden von der Kirchenleitung berufen. Sie setzt sich sowohl aus ehrenamtlichen Vertretern der Kirchengemeinden wie auch aus haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitenden zusammen. Zwei Drittel der Synodalen sollten Nichttheologen, ein Drittel Theologen sein. Die neue Landessynode kommt am 27. April zu ihrer konstituierenden Tagung in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau zusammen. In der Regel finden Synodaltagungen zweimal jährlich statt, dazwischen arbeitet die Synode in Ausschüssen.
Bei der letzten Tagung der 22. Legislaturperiode im November vergangenen Jahres in Bernburg hatte Präses Alwin Fürle nach 17 Jahren seine Tätigkeit als oberster Vertreter der Landessynode beendet. »Wir tragen eine hohe Verantwortung für die Menschen, die zu dieser Kirche gehören, und sicher auch für die darum herum«, hatte der frühere Ärztliche Direktor am Bernburger Klinikum in seiner Bilanz gesagt. Aufgabe sei es, Menschen für Christus zu gewinnen.
»Es bleibt also auch für die nächste Synode noch viel zu tun.«
(mkz)
Ein Kreuz für die Pauluskirche
2. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Berliner Künstlerin gestaltet Bronzeplastik für hallesche Gemeinde
Eine Kirche ohne Kreuz? Eigentlich ist das nur in reformierten Gemeinden möglich, doch auch in der evangelischen Paulusgemeinde in Halle war dies seit 1973 Realität. Bei Sanierungsarbeiten fiel damals das ursprüngliche Kruzifix herunter und wurde schwer beschädigt.
»Womöglich entsprach es auch nicht mehr dem Zeitgeschmack«, so Pfarrer Christoph Eichert. Nun soll die Kirche ein neues, modernes Bronze-Kreuz erhalten – die 62-jährige Berliner Bildhauerin und Architektin Anna Franziska Schwarzbach hat einen Wettbewerb gewonnen, den die Kirchengemeinde ausgeschrieben hat.
Noch bis zum 7. April sind alle sechs eingereichten Entwürfe im Gemeindehaus zu sehen – und in einem Gästebuch können Besuchern Lob und Kritik loswerden, ebenso ihre Meinung dazu, ob die Entscheidung der Jury und des Gemeindekirchenrates die richtige war. Parallel dazu finden Gottesdienste zu den fünf weiteren Entwürfen statt.

Die Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach und ihr Entwurf für das neue Kreuz der Pauluskirche . Foto: Jens Schlüter
Unterschiedlicher hätten die Ideen zu dem neuen Großkreuz nicht sein können: Anna Franziska Schwarzbach hat ein filigranes Metallkreuz entworfen, an dem ein schwacher, zerbrechlicher Christus in Lebensgröße auf einem Podest steht. »Der Tod ist eine Wunde, das Kreuz sein Zeichen«, sagt die Künstlerin. Sie bezieht sich in ihrem Entwurf auf den Vers aus dem Johannes-Evangelium »In der Welt habt ihr Angst, ich habe die Welt überwunden«. Gäbe es keinen Tod, so Schwarzbach, gäbe es auch kein Leben. Die Bronzeplastik ist derzeit in ihrer Werkstatt in Arbeit und soll in einem Festgottesdienst am 7. Oktober übergeben werden.
Radikalere Entwürfe fanden keine Zustimmung
Alle anderen Entwürfe, so der Vorsitzende der Jury und gleichzeitig Vorsitzender des halleschen Kunstvereins, Hans-Georg Sehrt, wären durchaus auch in der 1903 eingeweihten und farbenfroh sanierten Kirche denkbar gewesen. Doch sie alle überzeugten die Jury nicht restlos: So imponiert zwar die Idee der Volkenrodaer Künstlerin Petra Arndt, die Jesus als Korpus ohne Arme in bunter Keramik gestaltet hat – doch hier fehle die Raumwirkung, so die Jury.
Weder der eiserne und freischwebende Christus von Thomas Duttenhöfer aus Darmstadt, noch das schlichte gleichseitige Kreuz des Domnitzer Bildhauers Jörg-Tilmann Hinz, noch der Entwurf des halleschen Bildhauers Rainer Henze, der das Kreuz vor statt hinter Christus anordnet, konnten die Favoritenrolle bei der Jury einnehmen. Als zu radikal wertete die Jury das Kruzifix des Metallgestalters Thomas Leu aus Halle, der das Kreuz in patiniertem Kupfer in seine Einzelteile zerfallen lässt. Bereits vor einigen Jahren hatte sich der Gemeindekirchenrat – damals ohne Wettbewerb – gegen einen ebenso radikalen Entwurf des halleschen Burg-Professors Bernd Göbel entschieden: Er hatte die Christusfigur kopfüber am Kreuz gestaltet.
Allerdings muss die Paulusgemeinde noch eine Hürde überwinden: Bislang unterstützt die Kunststiftung der Sparkasse das insgesamt 34000 Euro teure Projekt mit 5000 Euro. »Weitere Stiftungsgelder sind beantragt«, sagt Pfarrer Eichert. Mit Spenden und Sammlungen in der Gemeinde sollen die restlichen Mittel zusammen kommen.
Silvia Zöller
10.000 Euro für die Predigtkirche Luthers
28. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Evangelische Minderheitskirchen aus aller Welt unterstützen Sanierung der Stadtkirche in Wittenberg
Die weltweite Verbundenheit, die diese Spende ausdrückt, macht sie für mich besonders wertvoll«, sagt der Wittenberger Pfarrer Johannes Block. Die Freude kommt nicht von ungefähr. Am 17. Februar überreichten der Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes (GAW), Pfarrer Enno Haaks, und Pfarrer Armin Pra, GAW Kirchenprovinz Sachsen, Vertretern der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg einen Scheck in Höhe von 10000 Euro.

Bei der Sanierung der Wittenberger Stadtkirche ist Hilfe willkommen. Hier haben Pfarrer Armin Pra, Vorsitzender des GAW in der Kirchenprovinz, Alzbeta Matejovska, Jörg Bielich, Pfarrer Johannes Block und GAW-Chef Enno Haaks allen Grund zur Freude. – Foto: Thomas Klitzsch
Ein Großteil dieser Spende stammt aus dem Ausland. Mit Kollekten haben sich daran Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werks beteiligt, beispielsweise Lutheraner aus Chile, Österreich und Italien, aber auch die Reformierte Kirche aus Ungarn. Für Christen in aller Welt ist die Kirche, in der Martin Luther gepredigt hat, eine Art evangelische Pilgerstätte.
Das GAW hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis 2017 in Deutschland und in den über 40 Partnerkirchen insgesamt 70000 Euro Spenden für die Renovierung der Stadtkirche in Wittenberg zu sammeln. Angesichts der Sanierungskosten von mindestens 7,8 Millionen Euro ist es eine wichtige Unterstützung für die Stadtkirche.
Jörg Bielig, Mitglied des Gemeindekirchenrats, informierte darüber, dass durch eine Veränderung der Förderbedingungen des Landes Sachsen-Anhalt der Eigenanteil der Gemeinde an den Sanierungskosten nun auf 30 Prozent steigen soll – auf insgesamt 2,3 Millionen Euro.
Ein gewaltiger Unterschied für eine Gemeinde, die in einer extremen Diasporasituation mit einem Anteil von nur zwölf Prozent evangelischen Christen in der Lutherstadt wirkt. Bielig zeigt sich gerührt von dem Gedanken, dass die Spende des GAW zum Teil aus Ländern kommt, wo die finanzielle Situation der Menschen wesentlich schwieriger ist als in Deutschland: »Sie haben doch selber wenig und geben trotzdem für uns.«
(mkz)
Seitenwechsel für eine Woche
21. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Frieda Nehry (li.) ist 79 Jahre alt geworden. Norbert Bischoff (2. v. li.) bringt ihr ein Geburtstagsständchen, Erika Becker und Schwester Katrin Mangott hören mit zu. Foto: Uwe Kraus
Der Mann im grauen Kapuzenshirt greift zur Gitarre. Frieda Nehry hat Geburtstag. Er bringt ihr ein Ständchen zum 79. Der Mann könnte ein »Bufdi« sein, wie die Nachfolger der Zivildienstleistenden heißen. Der Praktikant aber, der das Musikinstrument hält, heißt Norbert Bischoff und ist der Arbeits- und Sozialminister Sachsen-Anhalts. Unwichtig für die Frauen und Männer, die die Tagespflege im Seniorenzentrum Nord des Halberstädter Cecilienstifts besuchen, er ist ihr »Gitarrenmann«. Den Minister ließ er in der Landeshauptstadt.
Er war schon einmal offiziell in der diakonischen Einrichtung, einer der Politikerbesuche, die nach dem Abrauschen der Dienstwagen auf beiden Seiten schnell vergessen sind. Doch der SPD-Politiker hatte versprochen, bei den demenzkranken Frauen und Männern mal mitzuarbeiten, privat, ehrenamtlich und im Urlaub.
»Hier zählt nicht, wer ich bin, sondern das, was ich mache«
Nun löste er sein Versprechen ein. Reihte sich ein in das Heer der Praktikanten: 2011 waren es immerhin 77, davon 28 in der Behinderten- und 19 in der Altenhilfe des Cecilienstifts. Nicht, weil Bischoff den Beruf ausprobieren oder weil er sich zum Erzieher, zum Heilerziehungspfleger oder Altenhelfer qualifizieren will, sondern um als Praktikant die Seiten zu wechseln. Genauso behandelten ihn die Mitarbeiter des Diakonissenmutterhauses Cecilienstift auch, ganz ohne Minister-Bonus.
»Hier zählt nicht, wer ich bin, sondern das, was ich mache.« Bischoff half in der Tagespflege bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. In der stationären Pflege erlebte er das Wecken, Waschen, Windeln, Anziehen und das Essen als Haltepunkte des Tages. Er hat keine Pflegeerfahrung außerhalb der Familie und steht zu seiner Unsicherheit.
»Es ist das Spannungsfeld von Nähe und Distanz. Es gibt keine Rückmeldung, das innere Leben dieser Menschen spielt sich anders ab, als wir es kennen«, so Bischoff. »Die Mitarbeiter hier tun alles, um ihnen ein Stück Lebensqualität zu bewahren. Davor habe ich nun eine noch größere Hochachtung.« Er hat gelernt, mit den zu Betreuenden auf Augenhöhe zu reden, auf sie einzugehen. Drei Frauen werden immer gefüttert. Bischoff hält sich zurück. »Füttern ist für mich eine sehr private Sache.«
Der Minister-Praktikant hat Respekt vor den Pflegekräften, die schon an die 30 Jahre im Altenzentrum Nord arbeiten, aber doch nicht in Routine verfallen. Pflegekraft, das gilt noch zu oft als »Randberuf«. Die Wertschätzung dafür sei nicht oder meist zu wenig gegeben.
»Es ist etwas anderes, als wenn man nur etwas vorgeführt bekommt«
Er hat miterlebt, wovon Christine Becker, die Bereichsleiterin Altenhilfe, erzählt. Angehörige bringen morgens die demenzkranken Familienmitglieder in die Tagesbetreuung, gehen zur Arbeit und holen sie nachmittags wieder ab. »Das ist Pflege-Dauereinsatz. Man verliert Freunde, kommt kaum noch aus dem Haus, die Familie nimmt Schaden.« Pflegedienstleiterin Gabi Leitel stellt Norbert Bischoff ein gutes Zeugnis aus. »Er stieg voll ein und brachte die abgeforderte Leistung als Praktikant.«
So ein Seitenwechsel schafft Kompetenz. »Es ist etwas anderes, als wenn man nur davon liest oder als Minister mal kurz reinschaut und etwas vorgeführt bekommt.« Todtraurig war es manchmal, dann wieder lustig. Er habe sich als einer von vielen gefühlt, die mitarbeiten, damit es Bewohnern und Tagesgästen im Seniorenzentrum Nord möglichst gut geht. »Hier ist man mit Haut und Haaren bei einer Sache«, so Norbert Bischoff.
Wenn es um das Pflegereformgesetz geht, kann der Minister künftig auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Schließlich hat er die Bürokratie miterlebt und rät jenen, die die ellenlangen Aufzeichnungsbögen erfinden, praktisch in der Pflege zu arbeiten. »Professionelle Pflege und Betreuung müssen sich mit intensiver menschlicher Zuwendung paaren. Aber Menschliches wird in den ganzen Bögen nicht abgefragt.«
Der Praktikant Bischoff hat seinen Arbeitsurlaub im Stift beendet. Am Montag darauf fragen einige Bewohner etwas enttäuscht: »Kommt denn der ›Gitarrenmann‹ heute nicht zu uns?«
Uwe Kraus
Baubeginn in diesem Jahr
11. Februar 2012 von redaktionguh
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Stiftung KiBa hilft bei der Sanierung der Bonfatiuskirche in Großwirschleben.

Renate Lisock, Pfarrerin für Großwirschleben und Plötzkau, vor der Bonifatiuskirche.
Foto: Engelbert Pülicher
Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) hat als »KiBa-Kirche des Monats Februar« die Dorfkirche St. Bonifatius in Großwirschleben (Kirchenkreis Bernburg) vorgestellt. Gegenwärtig ist das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt. Ein Teil der Decke der unter Denkmalschutz stehenden Kirche ist eingebrochen, Gottesdienste kann die Gemeinde dort seit Jahren nicht feiern. Das soll sich nun ändern. Die Stiftung KiBa beteiligt sich an den in diesem Jahr beginnenden Sanierungsmaßnahmen mit 15000 Euro.
St. Bonifatius liegt in rund 30 Meter Höhe auf einem Felsplateau direkt über dem Ufer der Saale. Der aus Natursteinen bestehende, einschiffige und im Kern spätromanische Bau wurde 1352 erstmals urkundlich erwähnt. Erst zwischen 1859 und 1863 wurde er um den schiefergedeckten Turm an der Westfront ergänzt. Die kunsthistorisch bedeutsame Innenausstattung ist im Stil des Barock gehalten – ein besonderes Merkmal ist die schlichte, derzeit allerdings schwer beschädigte Stuckdekoration der Decke.
Ende der 1990er Jahre waren Turm und Kirchenschiff neu gedeckt worden; bis dahin hatte Regen an vielen Stellen in das Innere eindringen können. »Die Feuchtigkeit hat den teilweisen Einsturz der Decke verursacht«, sagt Renate Lisock, Pfarrerin der Kirchengemeinde Plötzkau und Großwirschleben. Vordringlich sei nun die Sicherung und Sanierung des Dachtragwerkes und der Decke. »Wir hoffen, dass die Kirche Ende des Jahres zumindest in Teilen wieder genutzt werden kann.«
Die Mitte des Jahres beginnenden Arbeiten sind indes nur der Anfang: Insgesamt plant die Gemeinde drei Bauabschnitte. Bis 2014 sollen auch der Putz und das Mauerwerk saniert, die wertvolle Stuckdecke restauriert sowie Innenraum und Turm instand gesetzt sein.
Neben den Mitgliedern des örtlichen Fördervereins der Gemeinde engagieren sich viele Mitglieder anderer Vereine, berichtet Pfarrerin Lisock. Fast alle Bewohner Großwirschlebens hoffen auf eine erweiterte Nutzung von St. Bonifatius: Unterhalb der Empore soll ein 38 Quadratmeter großer Gemeinderaum in die Kirche eingebaut werden. »Damit hätten Gemeinde und Vereine endlich den lang ersehnten Raum für gemeinschaftliche Veranstaltungen«, so Renate Lisock. »Und deshalb helfen alle mit.« Finanzielle Hilfe hat auch Lotto Toto Sachsen-Anhalt in Aussicht gestellt.
Die Stiftung Kiba hat seit 1999 über 900 Förderzusagen in Höhe von rund 22,9 Millionen Euro geben können. In Anhalt bekamen in den vergangenen Jahren Kirchen in Coswig, Gernrode, Güsten, Harzgerode, Klieken, Köthen, Neeken, Piethen, Pißdorf, Plötzky, Rieder und Steckby Hilfe von der Stiftung. Übrigens: Großwirschleben ist zwar keine Station des »Lutherweges«, aber wer im Sommer auf diesem Weg zwischen Bernburg und Alsleben im Saaletal unterwegs ist, kann kann sich die Kirche trotzdem anschauen.
(mkz)
Porta Fidei – Tür des Glaubens
8. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Fotoausstellung zur berühmten Nowgoroder Bronzetür in Osterwieck

Der Magdeburger Gießer Riquin (li.) und sein jugendlicher Gehilfe Waismuth durften sich auf der Bronzetür zusammen mit ihren bischöflichen Auftraggebern als Figuren mit eingegossenen Namen darstellen. Die zu erkennenden Schäden rühren daher, dass die Tür immer wieder begehrte Kriegsbeute war und deshalb mehrmals demontiert und sogar vergraben wurde. Fotos: Veranstalter
Wer die berühmte Bronzetür der Sophienkathedrale in Nowgorod sehen möchte, muss nicht unbedingt nach Russland reisen. In Form von über 50 großformatigen Farbdrucken kommt sie vom 26. Februar bis 15. April in die Stephanikirche in Osterwieck bei Halberstadt. Die Fotos stammen von Professor Richard Knapinski, Kunsthistoriker an der Katholischen Universität Lublin in Polen.
Die Nowgoroder Bronzetür ist kunst- und kulturhistorisch mit dem Namen Wichmann von Seeburg verbunden, der von 1152 bis 1192 einer der bedeutendsten Magdeburger Erzbischöfe war. Sie ist eines der berühmtesten Kunstwerke der Romanik und wurde gleich nach dem Amtsantritt des Bischofs in der schon von seinem Vorgänger Friedrich von Wettin begründeten Bronzegusshütte geschaffen. Bischof Alexander von Plock hat sie vermutlich auf der Durchreise zur Krönung des ersten staufischen Königs Friedrich Barbarossa in Aachen für seine Bischofskirche an der fernen Weichsel in Auftrag gegeben. 1152 bis 1154 wurde sie gegossen.
Besteht aus 46 einzeln gegossenen Teilen
Ebenso wie die beiden Bischöfe haben sich darauf der Magdeburger Gießer Meister Riquin und sein jugendlicher Gehilfe Waismuth darstellen dürfen. Im 15. Jahrhundert kam noch das Relief Meister Abrahams dazu. Denn er war es, der die Tür, die schon im 13. Jahrhundert in Plock zur Kriegsbeute geworden war, nach mehreren Zwischenstationen im 15. Jahrhundert für das westliche Portal der orthodoxen Sophienkathedrale in Nowgorod-Welikij wieder zusammengefügt hat.
Möglich war dies alles nur, weil die Tür aus 46 einzeln gegossenen Teilen besteht, die auf einer Unterlage aus Holz befestigt und von Pflanzenrankenbordüren umrandet sind. Die meisten der dargestellten Szenen weisen eingegossene lateinische Inschriften auf, wogegen die eingeritzten russischen Inschriften aus dem 15. Jahrhundert stammen. So konnte die Tür mehrmals demontiert, sogar in der Erde vergraben und dann wieder zusammengesetzt werden.
Dies hat sicherlich die ursprüngliche Anordnung zerstört. Auf dem in Nowgorod befindlichen Original sind viele beschädigte Stellen und Risse zu erkennen, die auf wenig sorgfältige Wiederherstellungen und Reparaturen der Tür zurückzuführen sind.
Die Anordnung, in der die Tafeln heute aus Szenen des Alten und Neuen Testaments, historischen Figuren und sinnbildlichen, allegorischen Darstellungen zusammengesetzt und aneinandergereiht sind, macht deutlich, dass der ›Schlüssel‹ für das Verständnis des Kunstwerks dabei verlorengegangen ist.
Denn auf der Tür, die in Magdeburg für die Kathedrale in Plock an der Grenze der damaligen christlichen Welt gegossen worden war, ging es thematisch vorrangig nicht um das ›Leben Jesu‹ sondern um die Verkündung des christlichen Glaubens durch die ›Zwölf Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses‹, von denen jeder der Apostel nach der Überlieferung bei der Aussendung durch Christus selbst einen Satz formulierte und mit auf den Weg genommen hat (Divisio Apostolorum).
Verlorene Anordnung erschwert Deutung
Die Deutung des Programms hat Richard Knapinski schon ab 1980 umgetrieben, als er noch Diözesankustos in Plock war. Sie war das Thema seiner Doktorarbeit im Jahr 1988. Vor zwei Jahren konnte er erstmals digitale Fotografien für Farbkunstdrucke erarbeiten, deren Qualität es ermöglichte, die Tür in allen Einzelheiten zu studieren.
Bronzetüren sind schon seit der Antike bekannt, jedoch sind nur sehr wenige erhalten geblieben. Zu denen, die aus dem Mittelalter überkommen sind, gehören die Bernwardstür im Hildesheimer Dom, die um das Jahr 1000 entstand, und die Bronzetür des Ausgburger Domes von 1065.
(mkz)
Eröffnung und Einführung in die Ausstellung am 26. Februar um 16 Uhr durch Professor Richard Knapinski aus Lublin
»Der Mythos Anhalt lebt«
28. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus

Das 800-jährige Anhalt lässt sich auch gut mit dem Rad erkunden und viele alte Kirchen stehen zur Besichtigung offen. Ein besonderes Angebot für Pedalritter ist die erst im vergangenen September Jahr eröffnete, künstlerisch gestaltete Radfahrerkapelle in einem Nebenraum der Kirche in Opperode im Harz. Foto: Jürgen Meusel
Landeskirche plant zum Jubiläum »800 Jahre Anhalt« ein vielfältiges Programm.
Knapp zwei Wochen vor dem offiziellem Eröffnungsfestakt in Dessau-Roßlau hat die anhaltische Landeskirche ihren Beitrag zum 800. Gründungsjubiläum der historischen Region Anhalt präsentiert.
Bei der Fülle von Programmpunkten wird deutlich, dass die Organisatoren in möglichst jedem Winkel der fünf Kirchenkreise die Geschichte der acht Jahrhunderte erfahrbar machen wollen. Schließlich gebe es ein eigenes vitales Interesse daran, dass der »Traditionsraum« wiederentsteht, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig am 23. Januar in Dessau-Roßlau. So sei die gleichnamige Evangelische Landeskirche die einzige noch bestehende öffentlich-rechtliche Institution in den alten Grenzen – und werde dies auch bleiben.
Auch gegenüber früheren Kritiken, es handele sich bei dem Jubiläum um eine »rein retrospektive Veranstaltung mit Nostalgie«, zeigte sich Liebig optimistisch. »Zum Ende dieses Jahres werden wir sagen können: Das meiste hat ganz vorzüglich funktioniert.« Häufig sind weitere Träger wie etwa Kommunen und Vereine einbezogen. Jeder der Kirchenkreise hat eigene Programm-Ideen entwickelt.
Als Höhepunkt des landeskirchlichen Beitrages zum Jubiläum gilt der neunte Anhaltische Kirchentag im Juni in Ballenstedt. »Er soll kein innerkirchliches Fest werden, sondern nach dem Anspruch der gesamten Landeskirche für alle Menschen offen stehen«, so Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich. Unter dem Motto »Ein’ feste Burg« sind unter anderem eine Diskussion mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sowie dem Magdeburger katholischen Bischof Gerhard Feige und dem evangelischen Bischof Friedrich Weber aus der Braunschweiger Landeskirche geplant.
Vorbereitet wird auch ein »Ökumene-Dorf«, bei dem sich Kirchen aus dem Harz präsentieren. Ballenstedt befindet sich nur wenige Kilometer von der Burgruine Anhalt entfernt, die dem Gebiet seinen Namen gab. Der Burgberg soll Ende Juni von Ministerpräsident Haseloff als »Gedenkort« ausgewiesen werden. »Der Mythos Anhalt lebt«, wirbt Dittrich.
Im Kirchenkreis Köthen wird zu zwei Radtouren unter dem Motto »Grenzerfahrung« eingeladen. Sie führen entlang der noch heute durchaus »absonderlichen« Grenzen Anhalts, wie Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter einräumte. Zu einem Konzert »800 Takte für Anhalt 800« im September in der Dessauer Petruskirche erwartet der Kirchenkreis mehr als 1000 Chorsänger aus Gemeinden der ganzen Landeskirche.
Gewissermaßen wie ein roter Faden zieht sich durch das Jahr die 2011 in Bernburg als erste Station gestartete Wanderausstellung »Von der Wiege bis zur Bahre – gelebter Glaube in Anhalt«. Sie ist aktuell in Zerbst zu sehen und soll nach Köthen, Ballenstedt und Coswig weiterziehen.
Anhalt war 1212 nach dem Tod von Herzog Bernhard selbstständiges Territorium geworden. Das Gebiet, das die Bezeichnungen Fürstentum und später Freistaat sowie Land führte, wurde Ende 1945 aufgelöst.
Karsten Wiedener










