Neugierig auf Kirche und Glauben
11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mission: Glaubenskurse sind auch in Mitteldeutschland im Kommen.
Christsein wird nicht mehr selbstverständlich in den Familien gelebt und über Generationen weitergegeben.
Die Entkirchlichung über Jahrzehnte hat das Ihre dazugetan. Glaubenskurse sind ein Angebot für Suchende und Interessierte – kirchennahe und kirchenferne Menschen.

Der Weg zum Glauben ist mit Zweifeln und Staunen gepflastert. Foto: epd-bild/Rainer Oettel
Das hätte sie sich nie träumen lassen: Seit einigen Jahren ist Simone Schütze in der evangelischen Kirche engagiert, getauft und organisiert nun in Aschersleben den Alpha-Glaubenskurs mit. Durch eine Freundin war sie zuerst zum Kirchenchor gekommen, nahm am ersten Alpha-Kurs vor sechs Jahren teil und ist inzwischen mit anderen Ehrenamtlichen eine große Stütze für Pfarrer Georg Warnecke. Die 49-jährige Physiotherapeutin war in einem atheistischen Umfeld aufgewachsen und hatte keinen Kontakt zur Kirche. Es habe sich langsam entwickelt, sagt sie. Zuerst waren da viele Fragen, die mit dem Singen von Oratorien in der Kantorei auftauchten.
Dass eine christliche Sozialisation im Elternhaus nicht Voraussetzung für den Weg zum Glauben ist, hat eine Studie der Universität Greifswald bestätigt. Von 500 Befragten, die in den letzten 13 Jahren den Weg zur Kirche gefunden haben, waren 20 Prozent in nichtkirchlichen Familien aufgewachsen, von den ostdeutschen sogar rund die Hälfte. Mit 66 Prozent nehmen Glaubenskurse auf diesem Weg einen wichtigen Platz ein. »Nicht jeder Glaubenskurs passt überall. Alpha zum Beispiel funktioniert gut in ostdeutschen Stadtgemeinden«, findet der Aschersleber Pfarrer Georg Warnecke. »Man braucht einen langen Atem und viel Liebe für die Menschen.« Den Kurs hatte die Gemeinde durch die Partnergemeinde in Großbritannien kennengelernt. Alpha wie A – wie Anfangen.
Auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) finden Interessierte zahlreiche Kurse für Erwachsene und Jugendliche. Dass ein Bedarf besteht, zeigen Glaubenskurse in vielen Gemeinden der mitteldeutschen Kirche: In Jena hat im Februar das Seminar »Christ werden – Christ bleiben« mit einer Teilnehmerzahl von 30 Personen begonnen. In Lützensömmern bei Bad Tennstedt (Kirchenkreis Mühlhausen) trifft sich eine Gruppe zum Emmauskurs. Die Teilnehmer kommen am 4. März trotz Schneetreiben zum Rittergut: 18 Frauen und Männer, darunter drei Mädchen und ein Junge im Konfirmandenalter. Gemeindepädagogin Katrin Herwig richtet Obst und Gebäck auf einem Tisch. Stühle werden im Kreis aufgestellt. Manche fassen mit zu, andere plaudern.
Es ist der dritte Kurs im Kirchspiel. Es kommen Leute, die sich taufen lassen wollen oder die neugierig sind. »Wir machen auch Werbung im Gemeindekirchenrat – als Bildungsangebot«, sagt Pfarrerin Magdalena Wohlfarth. Eine der Kirchenältesten ist Margitta Bergmann. Die gelernte Chemikerin ist getauft und konfirmiert. »Man muss das Wissen von der Konfirmandenzeit auffrischen. Auf viele Fragen weiß man keine Antwort«, gesteht die 57-Jährige. Im Gemeindekirchenrat geht es vor allem um Verwaltung. Da fehle ihr die Glaubensbildung. Sie schätzt die ganz andere Gemeinschaft bei »Emmaus«, die persönlichen Verbindungen. »Ich erlebe Trost und Zuspruch.« Jetzt würde sie auch mal zu Hause die Bibel in die Hand nehmen.
Auch beim Alpha-Kurs in Aschersleben ist die Gemeinschaft wichtig. Dort haben vor allem die Ehrenamtlichen für die richtige Atmosphäre gesorgt. Der Kurs beginnt mit einem gemeinsamen Essen, Liedern. Die Teilnahme ist unverbindlich, was viele als angenehm empfinden. »Niemandem wird hinterhertelefoniert«, sagt Simone Schütze. Geduld, Fingerspitzengefühl und Authentizität sind wichtige Stichworte, die Georg Warnecke nennt. Inzwischen hat sich in Aschersleben ein Nachfolgeangebot entwickelt. »Kreuz und Quer« ist für Menschen, die weitermachen wollen.
Sowohl in Aschersleben als auch in Lützensömmern wurden die Angebote modifiziert. Andere Gemeinden »stricken« sich ihren Glaubenskurs selbst. Für Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau in Anhalt, sind die über die AMD angebotenen Kurse auf westdeutsche Verhältnisse zugeschnitten, wo in der Regel noch ein Minimum an Grundkenntnissen vorhanden sei. Deshalb gäbe es ihres Wissens zurzeit keine in Anhalt.
Die AMD hat genau aus diesem Grunde eine Befragung in ostdeutschen Kirchen durchgeführt und lädt am 15. März zu einem Workshop nach Leipzig ein, wo die Befragung ausgewertet und über ein Kursmodell für die neuen Bundesländer diskutiert werden soll.
Dietlind Steinhöfel
»Afrika im Kleinen«
5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Weltgebetstag: Frauen aus Kamerun haben die diesjährige Gottesdienstordnung vorbereitet.
Der Weltgebetstag ist längst zu einem echten spirituellen Netzwerk geworden, das weltweit und ökumenisch Christen in über 170 Ländern verbindet. Aber er ist kein Selbstläufer, sondern braucht jedes Jahr neu engagierte Menschen.

Hat ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet: Octavie Djiugoue aus Kamerun. Foto: privat
Hörend, sehend und schmeckend an einem Abend ein fremdes Land bereisen und sich dabei eingebunden fühlen in eine weltweite Gebetsgemeinschaft – dieses Angebot des Weltgebetstages ist einmalig und hat auch im 52. Jahr seine Faszination nicht verloren. In den meisten Gemeinden stellt der erste Freitag im März einen Höhepunkt im Veranstaltungskalender dar und ist erst recht zu einer ökumenischen Plattform geworden, die vor Ort mit Freude und Engagement gepflegt wird.
Die diesjährige Liturgie zum Gottesdienst, der am Freitag, 5. März, gefeiert wird, haben Frauen aus Kamerun vorbereitet. Sie wählten das Motto: »Alles, was Atem hat, lobe Gott.« Die Menschen in diesem zentralafrikanischen Land, das wegen seiner geografischen, klimatischen, ethnischen und kulturellen Vielfalt auch »Afrika im Kleinen« genannt wird, haben in ihrem Alltag mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch in ihren Notsituationen fragen sie nicht: »Warum tut Gott mir das an?« Dieses Denken sei den Kameruner Frauen fremd, konnte Pfarrerin i. R. Gertrud Tschäpe bei der Beschäftigung mit der Liturgie feststellen und ist davon beeindruckt. »Sie sagen vielmehr: ›Ich lobe Gott, weil ich Atem habe und lebe‹ – wohl wissend, dass damit nicht die Probleme beseitigt sind, sondern sie jetzt handeln müssen.«
Gertrud Tschäpe gehört seit 2003 zum Leitungsteam, das jährlich im Huberhaus Wernigerode dreitägige Vorbereitungstreffen für all jene Frauen anbietet, die sich in ihren Gemeinden für den Weltgebetstag engagieren. In den letzten Jahren hat sie beobachtet, dass sich neben dem wichtigen Stamm der Weltgebetstagsbewegten auch mehr und mehr junge Frauen hinzugesellen. Eine erfreuliche Entwicklung, die Zukunft verheißt. Die Vorbereitungen beginnen bereits Wochen oder Monate vor dem eigentlichen Datum. Erstmalig gab es als Auftakt bereits im November einen Informationstag in Halle. Studientage quer durch das Gebiet der mitteldeutschen Kirche, beispielsweise in Stendal, Wittenberg, Herzberg und Merseburg, aber auch in Waltershausen, Gefell und Goldbach, boten eine nächste Informationsquelle.
In Thüringen öffnete das Friedrich-Myconius-Haus in Tabarz im Januar seine Türen für ein zweitägiges Vorbereitungstreffen. Gleich drei gab es im Hedwig-Pfeiffer-Haus in Weimar, das sich seit Jahrzehnten als Tagungsort bezüglich des Weltgebetstages bestens eingeführt hat. Hier konnte sogar die Kamerunerin Octavie Djiugoue willkommen geheißen werden. Mit Temperament und Begeisterung habe sie ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet, sagt Eva Lange, Referentin der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland. Auch sie beobachtete überrascht eine Verjüngung der Teilnehmerinnen und hebt deren große Offenheit hervor.
Überhaupt sind die Vorbereitungstreffen sehr intensive Tage, von denen jede Teilnehmerin und deren Gemeinde nur profitieren kann. Manche engagierten Frauen sind anfangs Alleinkämpferinnen, die erst einen Kreis um sich sammeln müssen. Hier können sie sich gegenseitig Mut machen, Kraft tanken und mit vielen Anregungen nach Hause fahren. In über 1800 der insgesamt 3300 Gemeinden in der EKM wird zum Weltgebetstag eingeladen, und 90 Prozent der Vorbereitung erfolgt ehrenamtlich. Ähnlich sieht es in der anhaltischen Landeskirche aus. Hier gibt es in den 150 Kirchengemeinden zahlreiche Gottesdienste und Veranstaltungen in den Tagen rund um den 5. März.
Einige Gemeinden haben auch eigene Traditionen zum Weltgebetstag entwickelt. In Meiningen beispielsweise gibt es seit Jahren am Wochenende zuvor einen Gemeindenachmittag zum jeweiligen Land. In der Vorbereitungsgruppe seien Mütter und Väter um die 40 gemeinsam und äußerst kreativ tätig, hebt Pfarrerin Cornelia Hädicke hervor. »Es gelingt uns, dieses Angebot generationsübergreifend zu gestalten, denn es kommen dann auch ältere Gemeindeglieder und Großeltern mit ihren Enkeln.« Am vergangenen Sonntag gab es ein fröhliches afrikanisches Fest mit vielen Gästen, darunter mehr als 25 Kinder.
Übrigens: Auch wenn umgangssprachlich häufig vom »Weltgebetstag der Frauen« gesprochen wird – die Protagonistinnen freuen sich, wenn auch Männer ihrer Einladung folgen.
Uta Schäfer
In evangelischer Freiheit
26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kirchenjahr: Warum ich den Reformatoren zu Ehren während der Fastenzeit nicht faste

Vor der Wahl: Evangelische Christen können während der Passionszeit fasten, müssen es aber nicht. Der Protestantismus kennt hier aus guten Gründen keine Verpflichtung. Foto: epd-bild
Konsumrausch ist out, Fasten ist in. Doch niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich nicht daran beteiligt.
Ich lebe in einer Stadt, in der man jeden Evangelischen mit Handschlag begrüßen könnte: Von den insgesamt rund 730.000 Einwohnern Krakaus sind ungefähr 150 bis 200 evangelisch. Das heißt: Statistisch gesehen muss man mindestens 4.000 Menschen begegnen, um auf einen Protestanten zu treffen. Da fast alle der einstmals über 60.000 Juden Krakaus von den Nationalsozialisten ermordet wurden, ist das religiöse Leben in der Stadt nahezu exklusiv katholisch.
Nun ist zwar die Gleichung »polnisch = katholisch« inzwischen nicht mehr ohne Abstriche gültig, denn vor allem junge Leute tummeln sich lieber auf dem Markt der esoterischen Möglichkeiten als unter einem barocken Kruzifix. Die Zahl der Gottesdienstbesucher hat sich seit 1989 halbiert. Doch die katholischen Traditionen stehen weiterhin auf festem und jahrhundertealtem Grund. Und eine dieser Traditionen ist das Fasten.
Wer freitags zum Beispiel ein Schnitzel isst, der erregt Anstoß – wie zum Beispiel neulich in der Kantine der Krakauer Musikakademie, als mich der vorwurfsvolle Blick eines meiner Tischgenossen traf, eines rheinischen Katholiken: Wie ich es denn wagen könne, an einem Freitag ein Schweineschnitzel zu essen! Zu meiner Überraschung stimmten die polnischen Freunde in seinen Vorwurf ein – sie waren mir bisher nicht als sonderlich glaubensstreng aufgefallen. Tradition ist Tradition, hieß es irgendwann, und Traditionen seien dazu da, um eingehalten zu werden.
Nun hat wieder eine Fastenzeit begonnen, und sie dauert gleich 40 Tage. Es ist alte katholische Tradition – vermutlich schon seit dem vierten Jahrhundert –, dass die Gläubigen in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern sich des Genusses von Fleisch und anderer Speisen enthalten sollen. Die Evangelischen sind irgendwann auf diesen Zug aufgesprungen und mit der Aktion »Sieben Wochen ohne« auch sehr erfolgreich: Mittlerweile nehmen über zwei Millionen an der Aktion teil, die in diesem Jahr unter dem Motto »Sieben Wochen ohne Scheu« steht. Andere verzichten freiwillig auf Schokolade, Fernsehen oder das abendliche Glas Wein, manche schließen sich zu Fastengruppen zusammen und teilen ihren Verzicht miteinander. Konsumrausch, so könnte man sagen, ist out, Fastenrausch ist in.
Nun habe ich wahrlich nichts gegen das Fasten oder den Verzicht an sich. Schon Hippokrates hatte einst gesagt: »Heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.« Allerdings: Wenn ich an die mit viel Aufwand beworbenen und quasi halbamtlichen kirchlichen Fastenaktivitäten denke, grummelt es mir doch im Magen. Ich bin sicher: Unsere Reformatoren würden sich nicht daran beteiligen.
Martin Luther hätten gelegentliche Fastenkuren gewiss nicht geschadet: Er war bekanntermaßen nicht normalgewichtig, litt unter Bluthochdruck und chronischer Verstopfung. Er lehnte das Fasten auch nicht grundsätzlich ab, doch er sah eine große Gefahr, auf die er unermüdlich und mit drastischen Worten hingewiesen hat: Das zur Schau gestellte Fasten könne als Werk missbraucht werden, um Gott zu gefallen, es diene also der Selbstgerechtigkeit. Von »sauerdreinsehenden Heiligen mit Heuchelei und Schein eines asketischen Lebens« hielt Luther überhaupt nichts.
Radikaler noch als er war der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli: Am 9. März 1522, dem ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit, nahm er im Hause des Züricher Druckers Christoph Froschauer an einem demonstrativen und provokativen Wurstessen teil – ein Skandal, der zu einem großen Aufruhr führte. Zwingli begründete den Tabu- und Gesetzesbruch mit der Bibel und sagte in seiner Predigt: »Kein Christ ist zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, verpflichtet. Er darf also zu jeder Zeit jegliche Speise essen.«
Luther, Zwingli und all die anderen Reformatoren haben vor einem halben Jahrtausend unter unermesslichen Mühen Traditionen gebrochen und gegen große Widerstände das erkämpft, was wir heute »evangelische Freiheit« nennen. Ihnen zu Ehren werde ich – egal ob in Polen oder in Deutschland – dankbar während der Fastenzeit mein Schnitzel essen und mich aller Fastenaktionen enthalten. Fasten kann ich auch nach Ostern.
Uwe von Seltmann
Der Autor war Chefredakteur der sächsischen Kirchenzeitung »Der Sonntag« und lebt heute als freier Journalist in Krakau.
Lust aufs Predigen wecken
18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Theologie: Am Freitag startet in Wittenberg offiziell das neue Zentrum für Predigtkultur

Die Zuhörer im Visier: Traugott Giesen, ehemaliger Pfarrer in Keitum, hat mit seiner Art zu predigen viele angesprochen. Sein Erfolgsrezept waren Predigten als Gespräch und ein Augenzwinkern dabei. Foto: epd-bild
Der Predigt kommt in der evangelischen Kirche vonjeher eine zentrale Bedeutung zu. Damit das auch künftig so bleibt, hat die EKD ein Zentrum eingerichtet, das neue Impulse für die Predigtkultur entwickeln soll.
Was macht eine gute Predigt aus? Alexander Deeg, Leiter des Zentrums für Predigtkultur der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), muss ein wenig überlegen. »Vermutlich«, sagt der promovierte Theologe, »ist es vor allem die Leidenschaft für die Worte und Bilder der Bibel.« Dazu kämen die Liebe zur deutschen Sprache, der Mut, etwas Neues auszuprobieren, und nicht zuletzt das Vertrauen in die Hörer. Doch zugleich weiß der Pfarrer auch um die Grenzen. »Bis an die Ohren kann ich kommen, aber nicht ins Herz hinein, das macht Gott«, zitiert er Martin Luther.
Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat das Predigtzentrum, das im Rahmen des EKD-Reformprozesses ins Leben gerufen wurde, seinen Betrieb in Wittenberg aufgenommen. Die Entscheidung für die Lutherstadt kommt nicht von ungefähr. »Es ist der Ort, der sich zentral mit der evangelischen Predigt verbindet«, so der Leiter, der als ausgewiesener Experte in der Predigtlehre gilt. Schließlich hat die Wortverkündigung seit Martin Luther in der evangelischen Kirche eine besondere Bedeutung. Schon der Reformator sah das Predigtamt »als das höchste Amt« in der Kirche an. Kein Wunder also, dass die EKD mit dem Zentrum an den Ursprungsort der Reformation zurückkehrt.
Selbst der Zeitpunkt für die offizielle Eröffnung unmittelbar vor dem Sonntag Invokavit ist mit Bedacht gewählt. An jenem Sonntag 1522 war Martin Luther von der Wartburg nach Wittenberg zurückgekehrt, weil die von im angestoßenen Reformen zu tumultartigen Zuständen geführt hatten. Durch die Reihe der sogenannten Invokavit-Predigten sei es ihm gelungen, die gewaltsamen Umsturzversuche zu beenden, erklärt Alexander Deeg den Hintergrund.
Aufgabe des Zentrum ist es nun, Freude und Lust an der Predigt zu wecken – bei denen, die zu predigen haben, aber auch bei denen, die sie hören. »Aber wir sind weder eine Gesellschaft für Predigtsprache noch sind wir eine Qualifizierungsmaschine«, schränkt Rhetorikreferent Dietrich Sagert ein. Der Theologe und promovierte Kulturwissenschaftler gehört ebenfalls zum Team. Mit konkreten Anweisungen wollen sich die Mitarbeiter jedoch zurückhalten. Allenfalls einen Rat kann sich Sagert, der auch Theaterregisseur ist, nicht verkneifen: »Heute muss man vor allem kürzer predigen und auch frecher.«
Dass der Wunsch nach ansprechenden Predigten groß ist, belegen auch die Zahlen der letzten EKD-Umfragen. Demnach meinen 63 Prozent der Kirchenmitglieder im Westen und sogar 72 Prozent der evangelischen Christen im Osten, dass die Predigt das wichtigste Element im Gottesdienst ist. »Die Menschen, die hierher kommen, erwarten etwas von der Verkündigung«, ist Alexander Deeg überzeugt. Auch deshalb findet er es eigentlich »komisch«, dass es angesichts der Bedeutung der Predigt bislang noch kein solches Zentrum gegeben hat. »Wir wollen die Predigt in der kulturellen Landschaft der Gegenwart verankern«, unterstreicht sein Kollege Sagert.
»Heute muss man vor allem kürzer predigen und auch frecher«
Zwar existieren bereits Predigerseminare und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pfarrerinnen und Pfarrer. Doch eine Einrichtung, die sich speziell mit der Weiterentwicklung der Predigkultur beschäftigt, ist tatsächlich neu. Diese Rolle soll nun das Wittenberger Zentrum übernehmen.
Neben der Aus- und Fortbildung werden sich die drei Mitarbeiter vor allem um die Vernetzung der in der Predigtlehre Tätigen kümmern, didaktische Modelle der Predigtlehre und neue Formen der Predigtrede entwickeln. Auch Seminare und Workshops soll es hier geben. Allein in diesem Jahr sind zwölf Angebote vorgesehen. So geht es unter anderem um die politische Dimension der Predigt. Die jüngsten Auseinandersetzungen um die Neujahrspredigt der EKD-Ratsvorsitzenden hätten gezeigt, wie aktuell dieser Ansatz ist, findet Deeg. Im Herbst steht die Frage im Mittelpunkt, ob evangelische Predigt auch als Bildungsereignis verstanden werden kann.
Wie die Angebote angenommen werden, wissen die Mitarbeiter zwar noch nicht. Aber die Türen des Zentrums stehen weit offen. »Wenn es uns gelingt, Pfarrern und Prädikanten neue Impulse zu geben«, hofft der Leiter des Zentrums,»wäre schon viel gewonnen.«
Martin Hanusch
Auge, Mund, Herz, Kopf und Leib
11. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Vorgestellt: Angela Kunze-Beiküfner will mit Clownerie im Gottesdienst Emotionen wecken

Ein Clown ist kein Kasper: die Theologin Angela Kunze-Beiküfner als Clown Tünde. Foto: Frank Drechsler
Die Gute Nachricht lässt sich auf viele Weise weitererzählen – auch ohne Worte und mit Humor. Kirchenclowns haben eine besondere Art zu predigen.
Für Angela Kunze-Beiküfner ist der Clown eine konträre Projektionsfigur. Menschen verbinden mit ihm Humor und Traurigkeit. Er steht für die eigenen Wünsche und Erwartungen und ist manchmal der Einzige, mit dessen Hilfe es gelingt, das Innerste nach Außen zu kehren. »Die Figur des Clowns ist schon immer voller Widersprüche gewesen«, sagt sie. Sehr gegensätzlich wirkt zunächst auch die Verbindung von Kirche und Clown. Passt das zusammen? Kann jemand beides sein? Angela Kunze-Beiküfner kann es. Sie ist Theologin, Dozentin und Clown. »Die Kirche war für mich immer etwas Vertrautes«, sagt die 45-Jährige. »Und die Clownerie war mein Traum.«
Seit etwa acht Jahren verknüpft sie Vertrautheit und Traum in mitreißenden Predigten. Sie schlüpft als Pfarrerin in die Rolle des lustigen Gesellen Tünde und des melancholischen Weißgesichts. »Ich bin ein Clown, aber kein Kasper«, sagt Kunze-Beiküfner. »Ich kokettiere mit Situationskomik, aber ich bin ganz weit von der Lächerlichkeit entfernt.« Als Pantomimin gelingt es der dreifachen Mutter, die Liturgie des Gottesdienstes in die Herzen der Anwesenden zu tragen. »Ich will Kommunikation«, sagt sie. Von der Kanzel herab – da ist sie sich sicher – gelingt das fast nicht. »Die Sprache verpufft, aber Mimik, Gestik und Ausdruck bleiben.« Es sei Zeit, dass die Kirche auf die Menschen zugeht, sie mit dem Wort Gottes begeistert und es lebendig macht. »Wir sind mehr als Ohr und Verstand«, sagt die Pfarrerin. »Wir sind auch Auge, Mund, Kopf, Herz und Leib.«
Darum ersetzt Angela Kunze-Beiküfner die klassische Predigt durch eine andere Form der Verkündigung. Eine Form, für die sie viel weiße Theaterschminke, einen knallroten Lippenstift, schwarze Kleidung und ein Paar schneeweiße Handschuhe benötigt. Nicht selten wird sie während des Gottesdienstes von der Pfarrerin zur Pantomimin. Dann legt sie ihren Talar ab und verwandelt sich vor den Augen der Gemeinde in wenigen Minuten in eine biblische Figur. Sie ist der Zöllner Zachäus oder Elia am Horeb – aber sie ist stumm. »Mir liegt es, Texte des Alten und Neuen Testaments pantomimisch auszudrücken. Biblische Texte werden so ganz anders verinnerlicht.« Dafür setzt die drahtige, zierliche Frau ihren ganzen Körper ein. »Ich spiele alles mit viel Leidenschaft und manchmal ist sogar ein bisschen Akrobatik dabei.« Ihre Erfahrungen als Zirkusclown kommen der Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck zugute. »Ich war einige Jahre freischaffender Clown in Berlin. Erst nach der Wende habe ich mein Abitur nachgeholt und in Leipzig und Indien Theologie studiert.«
Heute absolviert sie etwa ein Dutzend dieser besonderen Gottesdienste im Jahr. Sie reist viel, wurde schon von Fernsehteams begleitet und bietet Kurse an, denen sie den Titel »Entdecke den Clown in dir!« gab. »Zusammen mit den Kursteilnehmern komme ich den Clownstugenden vor allem durch den körperlichen Ausdruck auf die Spur«, sagt sie und lacht herzlich. Wie immer, wenn sie von ihrer Passion spricht. Die gebürtige Potsdamerin, die heute in Halberstadt lebt, wirkt ausgelassen. Sie weiß, dass ihre Sicht auf die klassische Predigt viele Kritiker auf den Plan ruft. »Mein Ziel ist es, einen Kirchenraum lebendig zu machen. Es geht mir darum, Emotionen zu wecken.«
Auch Steffen Schulz aus Halle ist ein Kirchenclown. Einer, wie man ihn sich vorstellt: mit lustigen Hosenträgern, einem geschminkten Gesicht und einer roten Nase. Als Clown Leo kann man ihm in Kirchen begegnen. Der damalige Bischof Axel Noack hat ihn einmal als »Kirchenmitarbeiter im Verkündungsdienst« bezeichnet, als »jemand, der bei Kindern und Erwachsenen in einer anschaulichen und praktischen Weise die Freude am Evangelium weckt«. Ein Kompliment.
Im Herbst hat Steffen Schulz zu einer bundesweiten Versammlung in seine Heimatstadt geladen. Vom 22. bis 24. Oktober wird es in der Kirche St. Laurentius um Clownerie, Kirche, Glauben und Humor gehen. Es soll eine Art Qualitätsstandard für die Kunstform Kirchenclownerie erarbeitet werden. Angela Kunze-Beiküfner wird dabei sein – als weißgesichtige Pantomimin und Clown Tünde.
Sabrina Gorges
Im Visier von Neonazis
4. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Viele Christen und Gemeinden engagieren sich gegen die Aufmärsche rechtsextremer Gruppen – wie hier in Altenburg. Aber es gibt auch die Kehrseite, dass rechte Parolen in der Kirche auf Zustimmung stoßen. Foto: dpa/Jan-Peter Kasper
Initiative: Eine bundesweite kirchliche Arbeitsgemeinschaft gegen Rechtsextremismus wird am 12. Februar gegründet
Angriffe mit rechtsextremem Hintergrund auf christliche Einrichtungen nehmen zu. Aber auch Christen sind nicht gefeit gegen rechte Einstellungen.
Es dürfte ein Novum in der Geschichte der christlichen Kirchen in Deutschland sein: Am 12. Februar 2010 wird in Dresden die Bundesarbeitsgemeinschaft »Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus« gegründet. Sie will »ein Forum schaffen, das den Austausch und die Zusammenarbeit ermöglicht und als Basis gemeinsamer politischer Interventionen dienen kann«, wie es im Gründungsaufruf heißt. Den hat unter anderem die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) initiiert. Schon jetzt haben ihn zahlreiche Vertreter verschiedener evangelischer Landeskirchen und Einrichtungen aus ganz Deutschland unterzeichnet, darunter auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und Anhalt.
»Kirche kann in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus nicht abseits stehen und muss hier stärker als bisher präsent sein«, betont aus diesem Anlass ASF-Geschäftsführer Christian Staffa, denn: »Zunehmend geraten kirchliche Jugendgruppen und engagierte Pfarrer ins Visier von Neonazis.«
Dafür gibt es handfeste Beispiele: In Wernigerode demonstrierten die »Jungen Nationaldemokraten« vor dem Haus eines Pfarrers, der sich seit Jahren gegen Neonazis engagiert. Dem Weltladen »Schrankenlos« in Nordhausen wurden zu Jahresbeginn die Scheiben eingeworfen. Zuvor hatten Neonazis mehrfach vor dem Haus provoziert. In Pretzien bei Schönebeck wurde im vergangenen Jahr der Pfarrer von betrunkenen Rechtsradikalen tätlich angegriffen. Drei Jahre zuvor hatten dort Neonazis das »Tagebuch der Anne Frank« öffentlich verbrannt. Der Pfarrer war anschließend einer der wenigen, die eine offene Auseinandersetzung mit den Tätern forderten. Und der Superintendent von Hildburghausen wurde 2009 in Gegenwart einer Konfirmandengruppe von drei »Sieg Heil!« brüllenden Neonazis zusammengeschlagen.
Doch nicht nur deshalb habe es »schon lange ein klares Bedürfnis von den Gemeinden an der Basis« nach einer Bundesarbeitsgemeinschaft gegeben, wie Heike Kleffner, ASF-Pressesprecherin, betont. Gleich mehrere Studien hätten teils deutliche rechtsextreme Einstellungen auch bei Kirchenmitgliedern ermittelt. Eine Beobachtung, die auch die EKD auf ihrer Herbstsynode 2009 bestätigte – ebenso wie Christian Liebchen, Referent im Kinder- und Jugendpfarramt der EKM in Magdeburg: »Bestimmte fragwürdige Einstellungen sind im Kirchenchor genauso anzutreffen wie im Karnevalsverein.« Aufgabe der Kirche müsse es deshalb sein, den Leuten die – gerade im ländlichen Raum weit verbreitete – Angst vor der pluralen Lebenswelt zu nehmen, jedoch: »Welche Vokabeln wähle ich da, ohne jemanden zu verprellen?«
Auf einen weiteren Aspekt weist Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung in Sachsen-Anhalt, hin: Gerade konservativ eingestellte Gemeindeglieder seien anfällig für rechtsextreme Parolen. Hier müsse Kirche in gebotener Feinfühligkeit fragen: »Was ist gut konservativ, was gleitet ins Rechtsextreme ab?« Denn die rechte Szene wisse ihre demagogischen Losungen immer besser zu verpacken und trete zugleich »immer offensiver und gut abgestimmt« auf.
Diese Beobachtung hat auch Pfarrer Peter Kube (Nordhausen) gemacht. »Die rechtsextremen Populisten sind die größte Gefahr für die Demokratie.« Gute Aufklärungsarbeit sei gefragt, gerade auch im konservativen Lager, denn: »Eine sich selbst absichernde politische Mitte existiert nicht.« Er sei schon froh, dass CDU und FDP in Nordhausen das »Bürgerbündnis gegen Rechts« mittrügen; in anderen Orten sei nicht einmal das der Fall.
Gerade in solchen Initiativen bestehe eine einmalige Chance für Kirche, wie auch Reinhard Hotop aus dem südthüringischen Schleusingen bestätigt, der sich seit Jahren im »Bürgerbündnis gegen Rechts« engagiert. Nach seinen Erfahrungen wird die Kirche vom gesamten demokratischen Parteienspektrum als Moderator akzeptiert und geschätzt: »An dieser Stelle haben wir eine Riesenverantwortung.« Von der zu gründenden Bundesarbeitsgemeinschaft erhofft er sich einen Vernetzungs- und Lerneffekt bei den einzelnen Initiativen. Der scheint auch dringend geboten, denn die Rechtsextremen sind da offenbar schon weiter. Dem sollte Kirche nicht tatenlos zusehen.
Rainer Borsdorf
Ein Raum und Weg zu Gott
28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Themenjahr: Auch in Mitteldeutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, zur Stille zu finden
Kirchen, Gemeinden und Verbände haben 2010 zum »Jahr der Stille« ausgerufen. Eine konfessionsüber-
greifende Initiative will Menschen die Gelegenheit bieten, Stille als wichtigen Aspekt des Alltags neu zu entdecken.

Auch im Kloster Volkenroda – hier eine Detailaufnahme des Kreuzganges am Christuspavillon, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert – gibt es Einkehrzeiten. Foto: Harald Krille
»Stille ist kein Selbstzweck, sondern der Weg, um tiefer in die Beziehung zu Gott und sich selbst zu kommen.« Brigitte Seifert muss es wissen. Seit knapp drei Jahren ist die promovierte Theologin Leiterin des »Hauses der Stille« im Kloster Drübeck bei Wernigerode. Vielfach spürten die Menschen, dass der »blanke Materialismus« ihnen nicht weiterhilft, sagt die Seelsorgerin. Nicht zuletzt deshalb lägen Einkehrzeiten wieder voll im Trend.
Auf die besondere Dimension der Stille aufmerksam machen will nun eine konfessionsübergreifende Initiative aus Verbänden, Kirchen und Gemeinden. Sie hat deshalb ein ganzes Themenjahr ausgerufen. Ziel sei es, persönlich das Leben wieder bewusst auf Gott auszurichten und durch die Stille körperlich und seelisch aufzutanken, heißt es. Dabei wollen die Organisatoren um den Leiter des »Hauses der Stille« im pommerschen Weitenhagen, Wolfgang Breithaupt, naturgemäß keine großen Aktionen oder lautstarke Veranstaltungen bieten. Vielmehr gehe es darum, »Stille gezielt ins Bewusstsein zu rufen und Gottes ausgewogenen Lebensrhythmus neu zu entdecken«. Getragen wird das Themenjahr von mehr als 90 Partnern – christlichen Bewegungen, Gemeinden und Verbänden.
Auch hierzulande beteiligen sich etliche Einrichtungen daran. Die Communität Casteller Ring (CCR) etwa, die in Erfurt eine Außenstelle unterhält, zählt ebenso zu den Unterstützern wie die Christusbruderschaft Selbitz, die einen Ableger auf dem Petersberg bei Halle hat. »Allerdings müssen wir keine besonderen Angebote machen«, sagt Schwester Katharina Schridde von der CCR. Kurse für Meditation, Exerzitien und Einkehrtage gehörten ohnehin zum Programm im Erfurter Augustinerkloster. Zudem ist Stille für sie noch kein Wert an sich, sondern vielmehr ein Raum und ein Weg, zu sich selbst und zu Gott zu finden. Bruder Lukas Haltiner von der Brüderkommunität auf dem Petersberg bei Halle geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach seiner Erfahrung müssten Menschen erst wieder lernen, die Stille auszuhalten. »Das ist für viele das Schwerste überhaupt«, hat er beobachtet.
Dennoch suchen angesichts von Lärm und Hektik im Alltag immer mehr Menschen nach einer Alternative. Allein im Kloster Drübeck ist die Zahl der Teilnehmer, die Einkehr- und Besinnungstage besucht haben, von 215 im Jahr 2007 auf zuletzt 321 gestiegen. Auch bei den »Ruhetagen«, die sich insbesondere an haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter richten, verzeichnet Brigitte Seifert eine Zunahme von 95 auf 128 im Jahr 2009.
Einen Boom erlebt auch die Kommunität auf dem Petersberg. »Die Nachfrage ist enorm«, berichtet Bruder Lukas. Hier kommen jährlich mehr als 1.200 Besucher, um die Rückzugsmöglichkeiten des Klosters mit seinen Angeboten zu nutzen. »Inzwischen müssen wir sogar Interessenten absagen, damit auch andere Gruppen und Schulklassen kommen können«, berichtet er. Für diese verstärkte Nachfrage nach Stilleangeboten gibt es nach Ansicht der Verantwortlichen ganz unterschiedliche Beweggründe. Manche Teilnehmer suchten einfach »stille Oasen«. Andere durchlebten eine Krise in Ehe bzw. Beruf oder wollten ihren Glauben vertiefen. »Es sind häufig Schwellensituationen und Überlastungen, die die Menschen in die Stille führen«, so Bruder Lukas.
Diese Beobachtung kann auch Ulrike Köhler vom Kloster Volkenroda unterstreichen. Hier ist es vor allem das »Kloster auf Zeit«, das immer größeren Zuspruch findet. Der Gegensatz von hektischer Betriebsamkeit im Alltag und dem Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft sei ein echter Anziehungspunkt, erklärt die für geistliche Angebote zuständige Mitarbeiterin. Das Kloster will diesen Bereich deshalb künftig weiter ausbauen. Zudem gibt es hier ein besonderes Pil-gerangebot und Einkehrzeiten. »Auch wenn das nicht unser Schwerpunkt ist«, wie Ulrike Köhler betont.
Dass der Bedarf nach solchen Angeboten groß ist, wissen alle Beteiligten. Sie erlebe die Kirche sehr aktions- und wortlastig, meint Brigitte Seifert. Doch es brauche auch die Gegenseite, die Kontemplation und die Stille. »Wer sich darauf einlässt«, ist sie überzeugt, »hat einen wirklichen Gewinn davon.«
Martin Hanusch
Kleiner Mann ganz groß
21. Januar 2010 von redaktionguh
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Ausblick: In diesem Jahr dreht sich bei der Reformationsdekade alles um Philipp Melanchthon und die Bildung
Er war einer der engsten Mitstreiter Martin Luthers und ein Vordenker der Reformation: Philipp Melanchthon (1497–1560). Vor allem in der Bildung hat er Spuren hinterlassen. Das schlägt sich auch im Programm des Themenjahres nieder.
Wenn auf eure Veranlassung hin die Jugend richtig unterrichtet wird, wird sie der Schutz der Stadt sein, denn kein Bollwerk und keine Befestigung macht eine Stadt stärker als gebildete, kluge und mit anderen Tugenden begabte Bürger«. Solche Sätze, zugegeben in modernerer Sprache, hört man heute oft. Dieses Zitat aber stammt von Philipp Melanchthon – aus dem Jahr 1526!

Im Foyer des Rathauses seiner Geburtsstadt Bretten können die Besucher zu einer Gipsstatue des Gelehrten und Reformators Philipp Melanchthon aufblicken. (Foto: epd-bild)
2010 wird an den 450. Todestag jenes Mannes erinnert, der als Philipp Schwartzerdt am 16. Februar 1497 in Bretten geboren wurde, mit 21 Jahren Professor für Griechisch war und der in Wittenberg zum wichtigen Wegbegleiter Martin Luthers wurde. Im Rahmen der Lutherdekade zum Reformationsjubiläum 2017 soll nun zur Auseinandersetzung mit jenen Bildungsimpulsen eingeladen werden, die ohne Melanchthon nicht zu denken wären.
Er gründete in Nürnberg das erste humanistische Gymnasium auf deutschem Boden, unzählige Lehrbücher hat er verfasst und Lehrpläne erstellt. Schüler- und Studententheater gehen auf seine Initiative zurück, stets überfüllt waren seine Vorlesungen an der Wittenberger Universität. Seine Lebensleistung sollte ihm schließlich den Beinamen »Praeceptor Germaniae« eintragen; für Luther, der den Gefährten wegen dessen schmächtiger Statur auch »mein kleines Griechlein« nannte, wurde er zum »Außenminister der Reformation«.
Vielerorts im Land wird also an diesen (Vor)Denker in diesem Jahr erinnert. Unter dem Motto »Staat, Religion, Bildung – reformatorisches Erbe vor der Herausforderung einer säkularen Gesellschaft« firmiert eine hochkarätig besetzte Tagung, zu der vom 19. bis 20. April in den Thüringer Landtag eingeladen wird.
In Wittenberg, Melanchthons Hauptwirkungsort, gibt es Tagungen und Vorträge mit Schreibwerkstätten für Schüler. Christian Lehnert von der Evangelischen Akademie startet seine Melanchthon-Tage der Gegenwartsliteratur. Die Cranach-Stiftung diskutiert über kulturelle Bildung als »Humus« für die Entwicklung von Kindern … Wenn das kein Déjà-vu ist. Auch das Evangelische Predigerseminar hat seine Sonntagsvorlesungen 2010 dem Bildungsreformer gewidmet, und bereits diesen Sonntag hält der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, die Eröffnungsvorlesung, bei der es um Melanchthon als Bürger Wittenbergs geht.
Ebenfalls lange vor dem Festmarathon im April wird am 16. Februar, Melanchthons 513. Geburtstag, der Garten hinter seinem einstigen Wohnhaus seine ursprüngliche Größe erhalten. 1860 wurde das Idyll geteilt, nun werden die Gartengrundstücke wiedervereinigt, weshalb das Melanchthonhaus an diesem Tag auch vorübergehend geschlossen ist. Was die baulichen Aktivitäten angeht, so kommt in diesem Jubiläumsjahr einiges auf Rheins Stiftung zu: Das Nachbarhaus zum Melanchthonhaus wird abgerissen; an dessen Stelle entsteht ein neues Ausstellungsgebäude, über das man später ins Museum gelangt. Zudem wird zusätzliche Ausstellungsfläche geschaffen, die es ermöglicht, in der neuen Dauerausstellung eine größere Themenvielfalt zu präsentieren.
Einen kleinen Vorgeschmack auf diese Exposition gibt es am 16. April, wenn im Melanchthonhaus eine Interimsausstellung eröffnet wird, in der vorab einige zentrale Exponate gezeigt werden. Die Stiftung konnte in den letzten Jahren zahlreiche neue Objekte erwerben, darunter Melanchthons Antrittsvorlesung sowie zahlreiche Büsten und Gemälde. Im Übrigen soll das ansonsten leere Gebäude auch als Raum erfahrbar gemacht werden. Dazu wird den Besuchern am 17. April eine theatralische Lektion erteilt, die unter dem Titel »Herzkammer und Hirnkasten« in die Anatomie des Hauses einführt. Eingebettet ist diese Veranstaltung in die lange Melanchthon-Nacht, deren Motto »Kleiner Mann ganz groß« lautet.
Danach geht es zum offiziellen Festakt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Am 19. April, Melanchthons Todestag, werden sich Persönlichkeiten aus Kirche, Staat und internationaler Ökumene in Wittenberg treffen. Es heißt, dass ebenso bei Bundeskanzlerin Angela Merkel angefragt wurde. Vielleicht ist dann auch wieder die Rede von der Bildung als Voraussetzung für eine erfolgreiche Gesellschaft.
Corinna Nitz
Predigen mit den Händen
15. Januar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Abgelegt unter Titelseite
Die Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge hat in der Kirche an Bedeutung gewonnen
Gehörlose und Schwerhörige brauchen andere Formen der Kommunikation. In der Evangelischen Kirche in
Mitteldeutschland kümmern sich ausgebildete Seelsorger um die Betroffenen und ihre Belange.

Gebärdensprachdolmetscherin Andrea Michelmann zeigt die Gebärde für das Verbundensein mit Gott. Foto: Viktoria Kühne
Elisabeth Strube singt mit der Gemeinde ein Lied. Ihr Mund formt Buchstaben und Laute, die Hände machen Zeichen in der Luft. Alle singen ohne Worte. Es ist die Gebärdensprache, die an diesem Sonntag im Januar die Gemeinde in Halberstadt zusammenkommen lässt. Zwölf Gemeindemitglieder sind versammelt, um gemeinsam den Gottesdienst in der Gebärdensprache zu feiern. Einige haben ihre hörenden Angehörigen mitgebracht. Der grelle Polylux sorgt dafür, dass der Liedtext an der Wand abgebildet wird.
»Ich zeige damit auch Bilder«, sagt Elisabeth Strube, die seit Oktober als Pfarrerin für Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge der EKM in Halberstadt arbeitet. Man braucht die 52-Jährige nur ein Weilchen zu beobachten, und der Funke der Begeisterung springt über. »Ich liebe diese Sprache«, sagt sie und lacht. Nach dem Gottesdienst gibt es Kaffee und Kuchen. »Alle haben sich einen Monat nicht gesehen und sich viel zu erzählen«, sagt die Pfarrerin, die sich um den Norden der EKM kümmert.
In den vergangenen Jahren hat Gottes Wort in der Welt der Stille immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die kommunikative Grenze zwischen der Welt der Hörenden und der Schwerhörigen und Gehörlosen wurde erfolgreich aufgeweicht. Die Botschaft Jesu Christi ist längst in der Welt der Gebärdensprachler angekommen. »Glaube und Kirche sind inzwischen nicht mehr nur ein Gut der Hörenden«, sagt Andreas Konrath, EKM-Landespfarrer für Gehörlose und Schwerhörige, aus Saara.
Die genaue Zahl der Gehörlosengemeinden in der EKM ist ebenso vage bis unbekannt wie die Zahl der Betroffenen. Im Jahr 2006 wurde für die ehemalige Kirchenprovinz Sachsen eine Zahl von 5.000 gehörlosen Menschen angegeben. Die Zahl der Schwerhörigen liegt im Dunkeln. »Leider kann es nicht genau beziffert werden, weil sie in ihren Ortsgemeinden angemeldet sind«, weiß Seelsorger Konrath. Gottesdienste in Gebärdensprache werden seinen Angaben zufolge derzeit in 18 Orten der EKM angeboten. »Die Seelsorger und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter erreichen immer mehr Gläubige. Das macht uns froh.«
Zusammen mit Elisabeth Strube hat Konrath eine Fachtagung vorbereitet, die vom 11. bis 14. Januar in Neudietendorf veranstaltet wurde. Ihr Ziel: Glaube soll nicht nur durch die »gesprochene« Predigt die Menschen erreichen, sondern auch durch einen Wink oder ein Handzeichen. Das viertägige Treffen diente dem Erfahrungsaustausch und der Weiterbildung der Pfarrer und Mitarbeiter der Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge. Das Tagungsmotto bildete ein Zitat von Dr. Helen Keller, selbst gehörlos und blind: »Nicht-Sehen trennt von den Dingen, Nicht-Hören trennt von den Menschen.«
»Schwerhörige sind davon abhängig, dass die kirchlichen Mitarbeiter ihnen die Teilhabe am Gemeindeleben ermöglichen«, erklärt Pfarrer Konrath. »Oft fühlen sie sich jedoch im Nachteil, weil sie nur partiell informiert werden.« Gerade bei Gruppenveranstaltungen würden sie schnell ins Hintertreffen geraten. Die Folge sind Missverständnisse, Kommunikationsprobleme und Einschränkungen der persönlichen Lebensqualität. Schätzungsweise 15 Millionen Menschen in ganz Deutschland hören schwer, vorwiegend sind es Ältere.
Für Gehörlose ist die Gebärdensprache etwas Vertrautes, ein Mittel, mit dem sie aus ihrer »Parallelwelt« nach draußen kommunizieren. Seit acht Jahren ist diese Form der Sprache gesetzlich anerkannt. Und auch wenn schon viel erreicht ist, geht die Arbeit für Landespfarrer Konrath und seine Kolleginnen und Kollegen weiter. »Taubblinde sind besonders ausgegrenzt und die Gemeinden können nur ganz selten mit ihnen richtig umgehen«, sagt er. Auch ihren Problemen wollen sich die Tagungsteilnehmer zuwenden. »Wir müssen schauen, was die Betroffenen wollen und wie wir ihnen als Partner begegnen können.«
Elisabeth Strube hat den letzten Gottesdienstteilnehmer an diesem Sonntagnachmittag verabschiedet – mit einer netten Geste. Sie ist zuversichtlich, dass sich Schwerhörige und Gehörlose in Zukunft nicht mehr ausgegrenzt fühlen müssen. »Ich bin geduldig und sicher, dass auf dem Gebiet etwas Großes wachsen wird.«
Sabrina Gorges
»Ganz unten angekommen«
7. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Titelseite

Bei der gegenwärtigen Kälte greifen Obdachlose noch häufiger zur verhängnisvollen Flasche. Foto: Maik Schuck
Hilfsangebot: Diakonie Mitteldeutschland bietet Notunterkünfte und Beratungsdienste für Obdachlose
Rund 20.000 Menschen leben bundesweit auf der Straße. Im Winter bleiben ihnen oft nur die Notunterkünfte. Die Einrichtungen der Diakonie verzeichnen hierzulande allerdings noch keine gestiegene Nachfrage.
»Es ist ein Stigma, wenn man ›Ettersburger Straße 74‹ im Ausweis stehen hat, da wird jedes Gespräch sofort abgebrochen«, erzählt Ronald St. von seinen Erlebnissen beim Blutspenden, bei der Suche nach einer Wohnung oder nach Arbeit. Hinter der Ettersburger Straße 74 in Weimar verbirgt sich das Obdachlosenheim der Stadt. Ronald St. ist 29 und Alkoholiker, saß schon im Knast, weil er im Suff handgreiflich wurde. Die Schule, mehrere Ausbildungen und Entzugstherapien hat er abgebrochen. Seit etwa vier Monaten wohnt er im Obdachlosenheim, seine Freundin ebenfalls. »Man wird für doof gehalten« – diese Erfahrung musste er, einmal ganz unten angekommen, immer wieder machen.
Die Sozialbetreuung des Heims in Weimar verantworten Diakonie und Caritas gemeinsam. Vier Sozialarbeiter stehen bereit, sie teilen sich das Kontingent von 55 Wochenstunden. »Eigentliche Sozialarbeit und Einzelfallhilfe können wir unter diesen Bedingungen gar nicht leisten«, so Tonio Manser, Leiter der Einrichtung. In den Notwohnungen kommen bis zu 80 Personen unter, 27 finden im Übernachtungsheim einen Schlafplatz. Aber nur etwa die Hälfte der Plätze ist belegt, mit sinkender Tendenz.
Das ist laut Manser eine der erfreulicheren Folgen von Hartz IV, da seitdem die Mieten direkt über das Arbeitsamt bezahlt werden können, wodurch viele Schulden wegfallen. Die meisten der Bewohner sind in Arbeitsmaßnahmen beschäftigt. So gibt es enge Verbindungen zur »Neuen Arbeit«. In dieser Einrichtung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein bekommen schwer Vermittelbare wie Obdachlose in verschiedenen Projekten vom Fahrradrecycling über gesunde Ernährung bis zur Denkmalpflege befristete Ein-Euro-Jobs und werden dabei sozial betreut. Eine Wiedereingliederung auf dem offenen Arbeitsmarkt sei aber für die meisten der Beschäftigten utopisch, so die stellvertretende Bereichsleiterin Christiane Englert.
Die Magdeburger Stadtmission kümmert sich besonders darum, Obdachlosigkeit mit umfangreichen Beratungsangeboten vorzubeugen. »Die Ursachen sind komplex, und wenn man Schulden hat, ist die Gefahr sehr groß, obdachlos zu werden«, sagt Schwester Erika Tietze, 1. Vorstand der Magdeburger Stadtmission. Das Projekt »Prävention Obdachlosigkeit«, eine unabhängige Schuldenberatung, finanziert sich ausschließlich über Spenden. Der Bedarf ist groß: »Wir könnten unendlich beraten, aber wir haben nur Geld für eine Stelle«, so Tietze. Bis zum 6. Januar wurden dafür während der Advents- und Weihnachtszeit mit der »Aktion Bäckercent« in knapp 30 Bäckereien Spenden gesammelt. In den letzten Jahren lag der Erlös zwischen 300 und 500 Euro.
Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in Deutschland insgesamt etwa 227.000 Menschen wohnungslos, rund 20.000 leben ohne Unterkunft auf der Straße. Für Betroffene bietet auch die Diakonie Mitteldeutschland in Erfurt, Weimar, Genthin, Sangerhausen, Wittenberg und Saalfeld Übernachtungsmöglichkeiten an. Darüber hinaus können Obdachlose oder Gefährdete in zahlreichen Einrichtungen wie Wärme- und Teestuben sowie Beratungsstellen Hilfe finden. Allerdings gibt es im Winter nicht mehr Anfragen als sonst auch.
In der Wärmestube Mühlhausen, wo sich Obdachlose und andere Hilfsbedürftige treffen, um sich aufzuwärmen und bei einem Kaffee miteinander zu plaudern, sind das ganze Jahr über zwischen 15 und 20 Besucher da. Auch die Übernachtungsangebote der Diakonie in Wittenberg sind im Winter nicht besonders ausgelastet. Sylvia Voigt, Leiterin des »Hauses Zuflucht« der Stadtmission Erfurt, kann das bestätigen: »Das habe ich in den ganzen Jahren noch nicht erlebt, dass der Zulauf im Winter größer ist. Wann und warum die Leute kommen, da gibt es kein System.« In Erfurt werden die Bewohner des Hauses auch von den anderen Bürgern gut versorgt: mit Handschuhen, gestrickten Mützen und dicken Socken.
Der freie Verein Streetwork Gera öffnet schon seit zehn Jahren von November bis April ein Nachtasyl mit neun Plätzen für obdachlose Jugendliche. In den vergangenen beiden Monaten gab es 28 Übernachtungen, etwas mehr als in den letzten Jahren. Vereinsvorsitzender Andreas Heimerdinger erklärt: »Prinzipiell kommen sie immer irgendwo unter. Im Winter gibt es nicht mehr Obdachlose als sonst, aber es wird stärker bewusst.«
Jonathan Steinert




