Marktgerecht und wertorientiert
2. März 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Wirtschaftsethik: Unternehmertum und Verantwortungsbewusstsein müssen keine Gegensätze sein.

Auch die Ausbildung des Nachwuchses gehört in dem Haldenslebener Unternehmen zum verantwortlichen wirtschaftlichen Handeln dazu. Foto: IFA
Neben ökonomischem Sachverstand werden Werte in der Wirtschaft immer wichtiger. Die Kirche ist dabei ein geschätzter Partner.
Heinrich von Nathusius kann zufrieden sein. Der Hauptgesellschafter der IFA Rotorion in Haldensleben hat sein Unternehmen innerhalb von 20 Jahren an die Spitze geführt. »Als ich den Betrieb 1992 übernommen habe, lag der Umsatz bei zwei Millionen D-Mark, heute sind es 415 Millionen Euro.«
Hatte das Unternehmen anfangs 80 Mitarbeiter und damit ein Zehntel der Belegschaft aus DDR-Zeiten, arbeiten heute weltweit 1500 Menschen für die Unternehmensgruppe, die sich auf die Produktion von Gelenkwellen für Allradfahrzeuge spezialisiert hat. Inzwischen beliefert das Unternehen alle wichtigen deutschen Automarken.
Dass von Nathusius den ehemaligen DDR-Betrieb IFA Gelenkwelle vor 20 Jahren übernommen hat, ist kein Zufall gewesen. Der Manager hatte zuvor bei Thyssen und Krupp gearbeitet und betriebswirtschaftliche Erfahrungen gesammelt. Zugleich gab es immer Beziehungen nach Haldenleben, weil die Familie hier ihren Stammsitz hat. Heute steht die Firma nicht nur für diese Tradition, sondern auch für Zukunftstechnologien in der Automobilindustrie. Im Tochterunternehmen ifc Composite wird beispielsweise eine Blattfeder für Transporter aus einem Glasfaser-Verbundwerkstoff hergestellt. »Hier«, sagt von Nathusius stolz, »sind wir technologischer Weltmarktführer.«
Doch bei allem wirtschaftlichen Erfolg fühlt sich der Unternehmer in besonderer Weise auch ethisch verpflichtet. »Mein wichtigstes Anliegen war es stets, das Unternehmen sozial auszurichten, und da ist man schnell bei christlichen Werten«, sagt er. Gewinne werden nicht abgezogen, sondern reinvestiert, auch um Arbeitsplätze zu sichern. Aus seiner Sicht ist christliche Unternehmensführung nicht damit verbunden, die Mitarbeiter mit Gehältern zu beschenken, die der Betrieb nicht zahlen kann.
»Wenn ich nichts habe, kann ich auch nichts geben.« Aber er empfindet es als unsozial und unchristlich, wie mit Leiharbeitern und Mindestlöhnen umgegangen wird. Kritisch beurteilt der Gesellschafter das Verhalten der Finanzwirtschaft. »Dass wir heute über eine Begrenzung von Bankergehältern reden müssen, ist doch abenteuerlich«, empört sich von Nathusius. Er selbst setzt sehr stark auf Vorbildwirkung – im Unternehmen und darüber hinaus.
Auch der frühere Bischof Axel Noack, der im Auftrag der EKD den Kontakt zu Unternehmen und Handwerkern pflegt, weiß um die Bedeutung solchen Handelns. Wer Orientierung geben wolle, dürfe sich nicht scheuen, Vorbild zu sein, sagt er. Das gelte für Handwerksmeister genauso wie für Mittelständler und Politiker. »Orientierung geht nur von Orientierten aus.« Der Kirchen empfiehlt er, mehr als bisher auf Unternehmer zuzugehen und sie darin zu bestärken, dass man »nicht unbedingt ein Schwein sein« müsse in dieser Welt.
Dass Bedarf nach solcher Orientierung da ist, zeigt der Zuspruch bei den Kongressen für christliche Führungskräfte, dessen 8. Auflage im nächsten Jahr in Leipzig geplant ist. Daran beteiligt ist auch der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU), der sich als Bindeglied zwischen Kirche und Wirtschaft versteht und dem 620 Mitglieder angehören. Zwar sei Mitteldeutschland derzeit noch ein »ziemlich weißer Fleck«, bedauert AEU-Geschäftsführer Stephan Klinghardt. Aber es gebe Überlegungen, in Erfurt eine Regionalgruppe zu etablieren und den Standort Halle-Leipzig zu stärken.
Für Heinrich von Nathusius gehört die Mitgliedschaft im AEU selbstverständlich dazu. »Natürlich müssen wir wirtschaftlich und marktgerecht arbeiten.« Jedoch dürfe der christlich-soziale Aspekt nicht zu kurz kommen. Die wirtschaftkritischen Töne der evangelischen Kirche hält der Unternehmer nicht für schädlich. »Kirche hat eben einen anderen Auftrag als der Arbeitgeberverband.« Letztlich weiß von Nathusius um die Bedeutung eines ethischen Grundgerüstes. »Mitunter ist es eine große Hilfe, Richtlinien zu haben, an denen man sich einfach festhalten kann.«
Martin Hanusch
»Was machen wir mit der Kreatur?«
23. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Fasten: Aktion wirbt für einen bewussten Umgang mit dem Tier als Geschöpf
Die Fastenzeit ist auch eine Zeit des Nachdenkens. Das will sich die »Aktion Kirche und Tiere« zunutze machen.
Es ist Passionszeit und damit für Pfarrer Ulrich Seidel aus Brandis bei Leipzig auch Aktionszeit. Zu diesen Aktionen gehört die Aufforderung des Pfarrers – oder »das Anstoßen«, wie er sagt – nachzudenken und innezuhalten: »Kinder fragen oft: Kommen Tiere in den Himmel? Warum tun wir das nicht, wir Erwachsene? Und warum tun sich viele mit der Antwort so schwer?« Damit ist Seidel bei seinem Thema: Fastenzeit ohne Tierleid.
Seidel hat natürlich eine Antwort: »Ich zitiere hier gerne Peter Ustinov. Der soll gesagt haben, dass er sich bei seinen Gedanken an das Jenseits fragt: Stehen am Himmelstor all die Tiere, die man in seinem Leben gegessen hat? Und schauen die einen dann vorwurfsvoll an?« Und nach einer kleinen Pause hat Seidel eine Antwort: »Das stell ich mir ungemütlich vor.« Seidel ist Vorsitzender der Aktion Kirche und Tiere (AKUT) und hat gemeinsam mit den rund 350 Mitgliedern für die Fastenzeit dazu aufgerufen, den Verzicht mit Fürsorge zu verbinden.

Auch an der Haltung lässt sich ablesen, welche Wertschätzung die Tiere als Mitgeschöpfe erfahren. Foto: Guido Thomasi/Fotolia.com
Das Gefühl, das der Schauspieler und Autor Peter Ustinov beschrieben hat, sich ungemütlich zu fühlen oder zumindest zu zweifeln, wenn er Fleisch – genauer: viel Fleisch – isst, das will Seidel wecken. Und dafür ist die Passionszeit die richtige Zeit: »Die Fastenzeit ist auch die Zeit des Nachdenkens. Viele sehen diese Zeit als eine Art Prüfung, die dazu dient, den Körper zu bändigen.« Aber vielleicht, so wirft der Pfarrer vorsichtig ein, muss man die körperliche Herausforderung lieber beiseite lassen: »Es geht darum, dem Körper etwas Gutes zu tun.« Wer dabei konsequent sei, müsse auch dahin kommen, nicht länger wegzuschauen, wie unwürdig mit Tieren umgegangen werde.
Allerdings will Seidel auch keine »Kampagnen«. Das Umdenken, so erklärt der Pfarrer, müsse aus Überzeugung passieren. »Hier hat insbesondere die Kirche einen hohen Nachholbedarf. Die Kirche hat sich um das Tier als Mit-Geschöpf bisher nicht gekümmert.« Und dies dürfe nun auch nicht mit neuen Verboten, Regeln oder Anordnungen geschehen. »Aber durch Nachdenken und die Anregung dazu.«
Am wirkungsvollsten ist das Nachdenken, das Überdenken und Inzweifelziehen, so die Überzeugung Seidels. »Wir müssen uns klarmachen, dass es ein Gewinn ist, wenn man sich für die Kreatur einsetzt.« Dieser Einsatz ist meist verbunden mit einem Eingriff in den Konsum, in das Freizeitverhalten und in den Beruf: »Angeln und Jagen und natürlich die Tierhaltung. Was machen wir hier mit der Kreatur?«
Dieses Nachdenken über das Verhältnis zur Kreatur ist dabei nach Seidels Einschätzung geradezu ein interreligiöser Prozess. »Die größten Berührungspunkte und einen sehr guten Ansatz sehe ich hier bei den Adventisten, die ein sehr großes ökologisches Bewusstsein haben, vegane oder vegetarische Lebensformen fördern und damit – wie ich finde – dem Paradiesgedanken am nächsten sind.«
Zu dieser Auseinandersetzung über den Umgang mit dem Tier bei der Ernährung, bei der Haustierhaltung und im Umgang mit der Umwelt gehört nach Seidels Einschätzung auch eine Geschichtskorrektur, die sich aus unseren aktuellen Erkenntnissen ergibt: »Das Tier wurde oft dämonisiert und darum gering geschätzt, gefürchtet oder gar bekämpft.«
Eine Korrektur dieser überholten Haltungen gehöre mit zu unserer Verantwortung: »Ich habe gestaunt, was sich mir erschlossen hat mit der vegetarischen Küche.« Dieser Verzicht sei kein Verlust gewesen, sondern ein Gewinn. Die Aussicht auf Einsichten ist dabei natürlich nichts Neues, wie Seidel betont: »Der bewusste Umgang mit der Kreatur ist biblisch, ganz einfach!«
Stefan Ruwoldt
www.aktion-kirche-und-tiere.de
Mehr als Vater, Mutter, Kind
16. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Thema: Sozialwissenschaftliches Institut sieht Defizite bei kirchlichen Angeboten für Familien
Der Abschied vom traditionellen Familienbild eröffnet auch neue Möglichkeiten.
Vater, Mutter, Kind – wer »Familie« sagt, hat in der Regel dieses Bild vor sich. Doch Familie ist vielfältig und vielschichtig, nicht erst seit heute. Kirchengemeinden gehen allerdings allzu oft vom Traditionellen aus. »Da werden mit viel Engagement Veranstaltungen für Kinder geplant und vorbereitet. Und die Organisatoren wundern sich, dass keine Kinder kommen«, sagt Gudula Bomm, die im Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf für Soziales, Bildung und Familie zuständig ist. Folgerichtig wurde vor einigen Jahren damit begonnen, über andere Wege nachzudenken. Dabei hätten sie nicht gefragt, was sie selbst tun könnten, sondern nach dem »Bedarf, der uns vor den Füßen liegt«.
Inzwischen ist in Waltershausen in Trägerschaft des Kirchenkreises ein Mehrgenerationenhaus entstanden. Hier gibt es Hausaufgabenbetreuung, Ferien- und kleine Bildungsangebote für die Familien. Verknüpft sei das Begegnungszentrum mit den traditionellen Angeboten der Kirchengemeinden. »Die Herausforderung besteht darin, das christliche Profil sichtbar zu machen, aber keine Hürden aufzubauen«, betont die Pfarrerin.
Der Kirchenkreis Wittenberg begann schon 2005 mit dem Prozess »Paradigmenwechsel vom Kind zur Familie«. Grund sei gewesen, dass die Christenlehre kaum noch angenommen wurde, ist von Superintendent Christian Beuchel zu erfahren. Mit dem Prozess verbunden war, den Mitarbeitern Mut zu machen, auch die Eltern einzubinden. Zudem bedurfte es einer fachlichen Weiterbildung der Gemeindepädagogen.
Und als drittes waren die Kirchenmusiker, Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch die Gemeindekirchenräte zu überzeugen. Inzwischen sind zwei Familienzentren, davon eins auf dem Dorf und eins in Wittenberg, sowie ein Haus der Begegnung entstanden. »Innerhalb des Prozesses ist uns auch manches zugeflogen, wie die Vernetzung mit nichtkirchlichen Einrichtungen«, sagt Beuchel. Da gäbe es inzwischen eine große Offenheit.
Längst ist das Thema überfällig. Das machte der Fachtag des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Eisenach am 2. und 3. Februar zum Thema »Familien stärken in evangelischer Perspektive« deutlich. »Das Beständige an Familie ist ihre Wandlungsfähigkeit«, brachte es Barbara Thiessen, Professorin an der Hochschule Landshut, auf den Punkt. Sie lenkte den Blick auf die veränderten Lebensbedingungen der letzten Jahrzehnte: wachsende Berufstätigkeit von Frauen, späte Familiengründung, die neue Bedeutung der Väter oder die sinkende Attraktivität der Ehe.
Dass die Kleinfamilie keineswegs biblischen Ursprungs ist, führte Bernhard Mutschler aus, Professor der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Familie in der Bibel sei ein größerer Verband – generationenübergreifend und in verschiedener Form. Vor allem sei sie Solidar- und Wirtschaftsgemeinschaft. Der Theologe warnte vor einer Vereinfachung und Idealisierung der bürgerlichen Kleinfamilie.
Im Laufe der Gespräche wurde deutlich, dass Menschen, die andere Formen lebten, von der christlichen Gemeinde kaum etwas erwarteten, weil hier oft Familie mit Ehe verbunden würde. Kritisiert wurde zudem der sehr enge Blick innerhalb der Kirche, der vor allem auf Familien mit kleinen Kindern gerichtet sei.
Die sozialen Systeme Familie und Kirchengemeinde würden durchaus miteinander konkurrieren und deren Verbindung könne ein riskantes Unternehmen sein, stellte der Religionspädagoge Michael Domsgen fest. Die Gemeinde müsse familiäres Leben als eigenständigen Wert respektieren, sagte der Theologieprofessor aus Halle. Ziel könne nur die Stärkung der Beziehungen in Familien sein. Wobei es unerheblich sei, ob ein Paar verheiratet ist. »Das Entscheidende ist die Qualität der Beziehung«, so der Theologe.
Dietlind Steinhöfel
Eine neue Welt im Alter
10. Februar 2012 von redaktionguh
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Thema: Die aktiven Senioren wollen mehr, als sich für andere aufopfern.
Die kirchliche Altenarbeit löst sich langsam vom Kaffee-und-Kuchen-Image. Alternativen werden allerdings noch zu wenig bedacht.
Den Bastel- und Gesprächskreis der Kirchengemeinde Jena-Lobeda, den Regina Scheibner seit mehr als 20 Jahren besucht, möchte sie auch im Ruhestand nicht missen. Die einstige Lehrerin an der Fachschule für Augenoptik suchte jedoch für die nachberufliche Lebensphase nach größeren Herausforderungen und fand sie über den Kontakt zum Jenaer Seniorenbüro. Ein Bündel Briefe, geschrieben von ihr und ihrem Bruder in den 1940er Jahren an den Vater an der Front, führte zu einem Projekt im Offenen Hörfunkkanal, das sie mit Kindern einer zweiten Klasse gestaltete. Die Sendung wurde 2010 mit einem Rundfunkpreis ausgezeichnet.
Was davon blieb, ist nicht nur eine warmherzige Beziehung zwischen der 75-Jährigen und den Kindern, sondern ein völlig neues Betätigungsfeld für die Seniorin. Seitdem geht sie in den Studios des Hörfunks ein und aus und hat zahlreiche Features produziert. Recherche, Texte schreiben, Musikauswahl, Sprecher suchen – das sei zwar sehr arbeitsintensiv, bekennt sie, aber damit habe sich ihr im Alter eine neue Welt erschlossen.

Frauen und Männer erwarten im Rentenalter noch einmal eine neue und aktive Phase für ihr Leben.
Foto: Yuri Arcurs/Fotolia.com
Wir leben länger und sind länger gesund als unsere Vorfahren, haben somit beim Ausstieg aus dem Berufsleben noch eine große Lebensspanne vor uns, die gestaltet werden will. Das belegen zahlreiche demografische Studien. Bezüglich der Altersstruktur führt die evangelische Kirche den Trend sogar an. Man rechnet, dass im Jahr 2040 bereits 36 Prozent der Kirchenmitglieder 65 Jahre und älter sein werden, das sind 14 Prozent mehr als in der Gesamtgesellschaft. Viele Menschen wollen auch dann noch ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen.
Diesem Potenzial Wirkungsmöglichkeiten zu erschließen, ist das Feld von Seniorenarbeit in Kirche und Kommunen für das sogenannte dritte Lebensalter, also die Jahre zwischen 60 und 80. Neben Begegnungs- und Betreuungsangeboten gilt es, Mitwirkungsmöglichkeiten zu finden, die Verantwortung und Kreativität erfordern und das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden.
Wie sich die Seniorenarbeit langsam vom Kaffee-und-Kuchen-Image löst, so löst sich ehrenamtliches Engagement immer weiter von altruistischen Idealen – also der Rolle des aufopferungsvollen Wirkens. Wer tätig ist, möchte auch selbst etwas davon haben. Solchen Bedürfnissen kommen einzelne Angebote bereits nach – wie in Jena die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB). Hier organisieren die Teilnehmer selbst den wöchentlichen Mittwochkreis und seit zehn Jahren jährliche Seniorenbegleiter-Kurse, die eine facettenreiche Ausbildung vermitteln. Projekte, die die Ressourcen des Alters nutzen, gibt es jedoch insgesamt noch zu wenig.
Die Frage, wie die »jungen Alten« in den Blick genommen werden können, ist nicht erst 2012, im aktuellen Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen präsent. Sie findet sich in der Veröffentlichung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) »Im Alter neu werden können« ebenso wie in den vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD erarbeiteten Studien »Religiosität und kirchliche Bindung im ›dritten Alter‹« und »Wie die Kirche ältere Menschen wahrnimmt«.
Diese Frage wurde auch beim zweiten Treffen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Altenarbeit der mitteldeutschen Kirche (EKM) Ende Januar in Halle erörtert. Silke Luther von der EEB konkretisierte: Beim Thema »Altersbilder im Wandel« ging es darum, wie Menschen eigenverantwortlich Aufgaben in der Kirchengemeinde übernehmen können, die ihren Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten gerecht werden. Zudem sei wiederum deutlich geworden, das eine Struktur für die Arbeit mit älteren Menschen in der EKM erforderlich ist, um Austausch und Impulsgebung zu gewährleisten.
Reinhild Rubin
Den Generationenkonflikt aushebeln
2. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Europäisches Jahr: Zwei 19-jährige Hallenserinnen organisieren Generationengespräche in den Franckeschen Stiftungen
Die Europäische Kommission hat 2012 zum »Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen« ausgerufen. Ein Projekt in Halle bringt die Generationen bereits seit Jahren an einen Tisch.

Für Peggy Herfurth (li.) und Sarah Wießner sind die Generationengespräche ein Herzensanliegen. Foto: Günter Bauer
Alt und Jung an einem Tisch zusammenzubringen, das liegt Peggy Herfurth und Sarah Wießner am Herzen. Die beiden 19-jährigen Hallenserinnen organisieren seit letztem Jahr im Familienkompetenzzentrum der Franckeschen Stiftungen Generationengespräche. Themen wie Sterbehilfe, Demokratieverständnis oder auch einfach nur Hobbys und Lieblingsbücher werden dabei einmal im Monat von Senioren, Schülern und Studenten gemeinsam beleuchtet.
»Wir wollen den Generationenkonflikt aushebeln – es ist nicht alles nur schwarz-weiß«, sagt die Abiturientin Peggy Herfurth mit Nachdruck. Oft sei das Ergebnis, dass die Meinungen gar nicht gegeneinander laufen, sondern sehr eng beieinander liegen, so die Erfahrung von Sarah Wießner, die Archäologie studiert.
Genau das ist das Anliegen der Generationengespräche, die die Sichtweisen und Potenziale der Generationen deutlich machen wollen: Problembewusstsein und Solidarität füreinander sollen hier gefördert werden. Die Idee stammt von zwei Studentinnen, die die Reihe bereits vor Jahren initiiert hatten – schon damals haben Peggy und Sarah als begeisterte Sechstklässler des Landesgymnasiums Latina teilgenommen.
Im vergangenen Jahr übernahm das Duo schließlich die Organisation und kann auf einen Kern von gut acht Senioren und vier bis sechs Jugendliche vertrauen, die regelmäßig zu den Treffen kommen. »Was uns fehlt, sind Teilnehmer mittleren Alters, also zwischen 25 und 45 Jahren«, bedauern die beiden. Doch über eine neue Internetseite und via Facebook wollen sie künftig noch kräftiger die Werbetrommel rühren, um weitere Interessenten für die Gesprächsrunden zu finden.
Spannend für beide Seiten war etwa ein Themennachmittag zur Wende 1989. Dafür hatten Peggy Herfurth und Sarah Wießner auch Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen interviewt – er hatte ihnen über seine Erlebnisse aus dieser Zeit, die Montagsdemos in Leipzig und den Verfall der Stiftungen während der DDR berichtet. »Wir waren ja damals noch gar nicht geboren«, bringt Peggy Herfurth den springenden Punkt an der Sache zur Sprache.
Im Generationengespräch berichteten sie von dem Interview und lösten so eine heftige Diskussion aus. Denn während die Jüngeren, die in einer Demokratie aufgewachsen sind, sich sehr froh über die Wiedervereinigung zeigten, gab es von den Älteren neben Pro- auch Kontrastimmen, berichtet Sarah Wießner. Dass etwa ein Kindergarten- und ein Ausbildungsplatz in der DDR sicher waren, hätten einige als positiv angesehen.
Überrascht waren die beiden dagegen, dass sich Alt und Jung beim Gespräch über Sterbehilfe sehr einig waren. Hier hatte Sarah ein Beispiel aus ihrem eigenen Lebensumfeld angebracht: Ein Todkranker war in die Schweiz gefahren, um die dort legale Sterbehilfe für sich in Anspruch zu nehmen. »Sterben ist die eigene Entscheidung«, war sich damals die Diskussionsrunde einig, berichtet sie.
Sowohl die Jungen als auch die Alten hätten die Meinung vertreten, dass ein Leben, das nur mit Geräten erhalten wird, für sie selbst nicht akzeptabel wäre. »Oft reichen bei solchen Diskussionen die geplanten eineinhalb Stunden nicht«, freuen sich die beiden über die regen Gesprächsrunden.
Silvia Zöller
Zum Auftakt des Themenjahres gibt es am 6. Februar eine Fachkonferenz mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und einen Markt der Möglichkeiten in Berlin. Das nächste Generationengespräch in den Franckeschen Stiftungen in Halle befasst sich am 9. Februar, 16 Uhr, mit dem Thema »Kirche heute«. Treffpunkt ist das Familienkompetenzzentrum im Haus der Generationen.
Neue Lehrer braucht das Land
27. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Die Rabbiner Alina Treiger und Konstantin Pal, der die jüdische Landesgemeinde Thüringen betreut, sind Absolventen des liberalen Abraham-Geiger-Kollegs. Foto: epd-bild/Tobias Barniske
Thema: In Mitteldeutschland sind die jüdischen Gemeinden in den letzten Jahren stark gewachsen. Nun soll Erfurt eine Jüdische Fakultät bekommen. Thüringer begrüßen das Bemühen der Landesregierung, hier ein jüdisches Zentrum zu errichten.
Dass es in Mitteldeutschland wieder jüdische Gemeinden gibt, grenzt für den evangelischen Theologen Ricklef Münnich aus Erfurt an ein Wunder. Münnich engagiert sich schon lange in der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen und in der überregionalen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Er verfolgt mit Interesse das Bestreben, in Erfurt eine Jüdische Fakultät zu installieren.
Immerhin, so ist vom jüdischen Landesvorsitzenden Wolfgang Nossen zu erfahren, gäbe es in Deutschland 115 jüdische Gemeinden. In Sachsen-Anhalt und Thüringen leben 2410 gläubige Juden, davon gehören 850 zu den Gemeinden in Thüringen, 650 in Halle, 530 in Magdeburg und 380 in Dessau. Zudem habe es im Mittelalter ein berühmtes Rabbinerkolleg in Erfurt gegeben, so Nossen.
»Als Landesvorsitzender in Thüringen begrüße ich die Bemühungen natürlich, in Erfurt ein jüdisches Zentrum zu errichten«, betont er. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hatte während ihrer Israelreise im Dezember geäußert, Erfurt zum Zentrum für Jüdische Studien werden zu lassen.
»Erfurt bietet mit seiner Universität nicht nur die strukturellen Voraussetzungen dafür; vielmehr ist in Erfurt das jüdische Erbe – mit dem Jüdischen Schatz, der Alten Synagoge – so vielfältig präsent, dass wir dies für die wissenschaftliche Forschung nutzen müssen«, sagte sie. Und bekräftigte dies noch einmal anlässlich ihres Besuches der Mikwe und des Steinernen Hauses in Erfurt am 17. Januar.
Wolfgang Nossen sieht in einer Jüdischen Fakultät großes Potenzial für die Synagogengemeinde. »Unsere Gemeinde besteht zu 50 Prozent aus über 60-Jährigen. Die meisten kommen aus Russland und sprechen kein Deutsch. Die Jungen verlassen Thüringen, gehen zum Studium und danach in die alten Bundesländer oder ins Ausland.«
Das Abraham-Geiger-Kolleg, das seit 1999 an der Universität in Potsdam Rabbiner und Kantoren ausbildet und im letzten Jahr fünf Rabbiner ordinieren konnte, hat den Thüringer Vorschlag mit Interesse zur Kenntnis genommen. Das Land Brandenburg hatte ja signalisiert, dass kein Geld mehr da sei.
»Jetzt sind sie plötzlich aufgeschreckt«, kommentiert der 80-jährige Nossen dessen Bemühungen, das Geiger-Kolleg doch zu behalten. Dem Geschäftsführer des Kollegs, Walter Homolka, Rabbiner und Professor, sei das letztlich egal. »Sein Herz schlägt für das Abraham-Geiger-Kolleg. Und er geht dorthin, wo ihm seine Arbeit ermöglicht wird.«
Das sieht auch Ricklef Münnich so. »Das Kolleg vertritt ein liberales Judentum. Und das ist gut.« Er erläutert: »Wer hier nach orthodoxen jüdischen Vorschriften leben will, muss einen riesigen Aufwand betreiben.« Weil es zum Beispiel kein koscheres Fleisch gibt. Das müsse man sich aus Frankfurt am Main schicken lassen. Zudem sei durch die Verfolgung in der Nazizeit jegliche Tradition weggebrochen. Die russischen Juden konnten ihren Glauben kaum leben. Sie wissen nicht viel darüber.
»Sie müssen erst einmal ihre Identität finden«, ist Münnich überzeugt. Das Geiger-Kolleg gehe bei seiner Ausbildung von der Situation der Menschen aus. Die Rabbinerinnen und Rabbiner von dort könnten den Juden ein Glaubensleben nahebringen. Die Jüdischen Hochschule in Heidelberg, deren Prorektor Johannes Heil in einer Tageszeitung abfällig von »Bonsai-Fakultät« sprach, sei keine Alternative. Sie bilde keine Rabbiner aus.
»Wir brauchen aber für die jüdischen Gemeinden Lehrer«, bekräftigt Ricklef Münnich. Der Ort sei zunächst ein Politikum. »Als Thüringer bin ich natürlich für Erfurt. Es wäre gut für die jüdische Landesgemeinde, für die Stadt, das jüdische Kulturerbe, aber auch für den Freistaat.« Aus der Thüringer Staatskanzlei ist zu erfahren, dass die Sache jetzt im Wissenschaftsministerium weiterverfolgt wird.
Für das jüdische Leben in Thüringen erhofft sich auch Wolfgang Nossen eine Belebung durch solch eine Fakultät in der Landeshauptstadt.
Dietlind Steinhöfel
Gemeinsam Akzente setzen
20. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ökumene: Bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen wird in Köthen eröffnet.

In der sanierten Stadtkirche St. Jakob in Köthen startet am 22. Januar die Gebetswoche zur Einheit der Christen mit einem Gottesdienst. Foto: Heiko Rebsch
Nach der öffentlichen Aufmerksamkeit durch den Papstbesuch im vergangenen Jahr folgen nun wieder die Mühen der Ebene. Die regionalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen setzen auf die Zusammenarbeit vor Ort.
»Lasst das Trennende beiseite und sucht das Gemeinsame!« Der Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter gibt den Vertretern der katholischen Pfarrei St. Maria, der Alt-katholischen Gemeinde, der Baptisten sowie des Kirchenkreises bei der Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köthen einen guten Rat mit auf den Weg. Gerade auf dem flachen Land sei die kirchliche Situation oft schwierig. »Hier müssen wir sehen, wie wir vor Ort Ökumene leben können.« Angesichts von mehr als 80 Prozent Nichtchristen liegt dem evangelische Theologen daran, in den Dörfern etwas voranzubringen. »Da lässt sich durchaus etwas machen«, ist er überzeugt.
Der Zusammenschluss zur lokalen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Ende vergangenen Jahres kommt aber auch sonst gerade rechtzeitig. An diesem Sonntag wird zumindest die Ökumene in Deutschland auf die Kleinstadt in Anhalt blicken. Dann startet dort mit einem Gottesdienst die bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen.
Nicht nur der Chef der ACK Sachsen-Anhalt, der Ballenstedter Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich, verspricht sich davon eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Ökumene vor Ort. »Minderwertigkeitskomplexe brauchen wir hier nicht zu haben.« Tatsächlich besteht die ACK in Sachsen-Anhalt seit mehr als 30 Jahren. Zuletzt hat die Arbeitsgemeinschaft von zwölf Mitgliedskirchen und drei Gastmitgliedern vor knapp drei Jahren eine engere Zusammenarbeit beschlossen.
Auch in Thüringen loben die Verantwortlichen die guten Beziehungen der zehn Mitgliedskirchen untereinander. »Die Situation der Ökumene vor Ort ist in den letzten Jahren eigentlich immer gut gewesen«, befindet die Meininger Pröpstin Marita Krüger, die Geschäftsführerin der ACK Thüringen ist. Das kann auch Pfarrer Heinz Gunkel, Ökumenereferent im Bistum Erfurt, bestätigen. Selbst die Differenzen nach dem Papstbesuch haben aus seiner Sicht in der regionalen ACK keine Rolle gespielt. »Das war bei uns nicht das Thema.« Außerdem habe Benedikt XVI. den Kirchen damit eine Aufgabe vor die Füße gelegt, findet Gunkel.
Aus seiner Sicht geht es im Augenblick darum, die Zuständigkeiten zwischen der EKM und den Bistümern Erfurt und Magdeburg neu auszutarieren. Zudem habe es in der Vergangenheit immer theologische Gespräche gegeben – zum Amt oder über das Thema Mission. Auch der Ballenstedter Kreisoberpfarrer setzt auf die gemeinsame theologische Arbeit. Zuletzt ist in der ACK Sachsen-Anhalt eine Verständigung über das Taufverständnis angestoßen worden.
Neben diesen Gesprächen setzen schließlich gemeinsame Aktionen Akzente. Der wiederkehrende Ökumenetag in Sachsen-Anhalt etwa gehört ebenso dazu wie das Miteinander bei den Kirchen- und Katholikentagen. »Ökumene in der Mitte« lautet das Motto des bundesweit einmaligen Standes von zwei Landeskirchen und zwei Bistümern zu solchen Veranstaltungen. Dazu kommen die aktuellen Fragen im Blick auf die Lutherdekade und was die Kirchen hier zusammen angehen können.
»Was uns in Thüringen im Moment bewegt, ist der Rückgang der Mitgliedszahlen«, erklärt die Meininger Regionalbischöfin. Die Kirchen müssten deshalb fragen, wie sie in einer säkularen Gesellschaft gemeinsam ihre Anliegen vertreten könnten. Das ist auch ganz im Sinn des ACK-Vorsitzenden in Sachsen-Anhalt, der auf die 2001 von den Europäischen Kirchen unterzeichnete Charta Oecumenica verweist. Danach sollen sich die Kirchen schon jetzt zu mehr Gemeinsamkeiten verpflichten. Leider sei das aber noch nicht überall angekommen, bedauert Dittrich. »Aber eigentlich müssten wir begründen, wenn wir etwas nicht zusammen machen.«
Martin Hanusch
Sonntag, 22. Januar
Köthen, Sankt Jakob, 14 Uhr: »Wir werden alle verwandelt« – Bundesweiter Auftaktgottesdienst der Gebetswoche für die Einheit der Christen mit dem Vorsitzenden der ACK, dem Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber, Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich (Harzgerode), Bischof Gerhard Feige (Magdeburg), Kirchenpräsident Joachim Liebig und Regina Claaß vom Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeiden in Deutschland. Musik: Bach-Chor Köthen. Leitung: KMD Martina Apitz
Zeit und Geduld sind gefragt
12. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Auch Rechnen will gelernt sein, gerade im Blick auf die Finanzen. Foto: bilderbox.com
Geld: Seit dem 1. Januar gilt in der mitteldeutschen Landeskirche das neue Finanzgesetz.
Die Kirchengemeinden und Kirchenkreise der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland – vor allem die in Thüringen – müssen sich auf mehr Eigenverantwortung einstellen.
Wenn Günter Meyn vor Kirchenältesten die Zahlen und Grafiken erläutert, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Der promovierte Bauingenieur aus Weimar kennt sich aus im neuen Finanzsystem der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), das die Synode 2011 verabschiedete und seit 1. Januar gilt. Er weiß, was sich vor allem für die Thüringer verändert und kennt ihre Sorgen.
»Die Gemeindekirchenräte sind dankbar für die Informationen. Wenn die Bilanz jedoch negativ ausfällt, gibt es skeptische Mienen«, sagt der 71-Jährige, der selbst seit Jahren in Kreissynode und im Gemeindekirchenrat ist. Er sieht manches durchaus positiv. »Die Transparenz ist für mich das wichtigste Anliegen«, betont er. Nach der neuen Verordnung könne man die eigene Finanzkraft besser einschätzen. Zudem gebe es nun für einige Jahre Planungssicherheit. Das sei ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Vom Solidarprinzip profitierten die Thüringer, denn es fließe mehr Geld in die Kassen. Ungewohnt sei natürlich die Eigenverantwortung, die nun übernommen werden muss, vor allem bei der Verwaltung der Personalkosten. Da gibt es große Einschnitte. So sei zum Beispiel der Kirchmeister in Weimar, der vor allem Baufragen bearbeitet, bisher überwiegend für die Stadtkirchen zuständig gewesen.
Jetzt müsse er zum einen den neuen Baulastfonds, der von 15.000 auf 170.000 Euro angestiegen ist, verwalten und sich auch um die Dörfer kümmern. Zudem bekommt der Kreiskirchenrat eine höhere Verantwortung bei Finanzentscheidungen. »Große Kirchen können das gut schaffen, bei kleineren wird es schwieriger«, gibt Günter Meyn zu bedenken.
Ebenso in Apolda wird es Veränderungen geben. Die Kirchengemeinde habe zwei Mitarbeiter, für die eine Lösung gefunden werden muss, sagt Superintendentin Bärbel Hertel. »Es gibt drei Möglichkeiten«, zählt sie auf: Die Kirchengemeinde kann die Mitarbeiter übernehmen, muss sie entlassen oder sie werden von allen Kirchengemeinden finanziert. Dann erwarteten diese auch eine Gegenleistung.
Der Küster Robert Bergmann zum Beispiel solle nun 26 Stunden für Apolda arbeiten und den Rest für die Dörfer. »Die normalen Küsterdienste können in Apolda Ehrenamtliche übernehmen, wie das in den Dörfern schon längst gang und gäbe ist. Herr Bergmann muss nicht mehr jeden Handgriff selbst erledigen.« Menschlich sei das schon schwierig, räumt Bärbel Hertel ein. Deshalb müssen die Aufgaben klar geregelt werden. »Auch so eine Arbeit muss sich umstrukturieren lassen«, ist sie sicher. Doch die Superintendentin kann noch gar nicht so richtig einschätzen, wie sich alles entwickelt, und beklagt, dass Informationsveranstaltungen im Vorfeld nicht gut besucht waren. Auch deshalb gäbe es noch viel Unsicherheit.
Im Norden der EKM ändert sich weniger. Michael Kleemann, Superintendent in Stendal, sieht die Finanzlage seines Kirchenkreises stabil. »Das neue Finanzsystem bringt im Augenblick keine erruptionsartigen Veränderungen«, sagt er. Doch als Kleemann vor 14 Jahren als Superintendent anfing, wurde die finanzielle Eigenständigkeit gerade eingeführt. »Das war ein langer Lernprozess«, erinnert er sich.
Inzwischen diskutiere niemand mehr, dass von Pachteinnahmen 80 Prozent an den Baulastfonds abgeführt werden müssen. Und die Gemeinden sehen, dass dadurch auch für sehr kleine Gemeinden manches möglich ist, die das sonst nie gestemmt hätten. Zudem würden die Leute ganz anders Geld einwerben, auch weil sie wissen, was damit passiert.
Dass die Länderunterschiede bei der Finanzierung des Religionsunterrichts zum Beispiel in Thüringen mehr Probleme bereiten, macht Günter Meyn Kopfzerbrechen. Es wird einige Jahre dauern, bis Lösungen gefunden sind und das gemeinsame Finanzsystem in allen 37 Kirchenkreisen gleichermaßen akzeptiert wird.
Dietlind Steinhöfel
Labsal für die Menschen
6. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Lutherdekade: Eisenach steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des Themenjahres »Reformation und Musik«

Gründe zum Singen gibt es viele, in diesem Musik-Themenjahr vielleicht besonders zahlreiche – auch bei den Konzerten in Eisenach und anderswo. Foto: epd-bild
Das Thema »Reformation und Musik« ist nicht nur eine klingende Hommage an den Reformator. Es rückt zugleich auch den reichen Schatz der protestantischen Kirchenmusik neu ins Bewusstsein.
»Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes, sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.« So sah Luther die Bedeutung der Musik für die Menschen, für ihr Gemüt, ihren Glauben. Der Reformator war selbst ein Musizierender, hat viel Wert auf die Musik während der Gottesdienste gelegt. Das einfache Volk sollte nicht nur die Worte der Kirche, sondern auch die Musik im Gotteshaus verstehen und mit dem Glauben verbinden.
In der Sonderausstellung »Luthers Bilderbiografie« auf der Wartburg, die am 4. Mai eröffnet wird, werden die Stationen des Reformators auf Leinwandbildern gezeigt. Diese hatte Großherzog Carl Alexander 1872 in Auftrag gegeben und damit drei einstige Wohngemächer des Reformators herrichten lassen. Die Ausstattungen wurden nach 1952 zerstört, die aus 18 Leinwandbildern bestehende Luther-Bilderbiografie konnte jedoch gerettet werden und wird nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Ansonsten steht Eisenach ganz im Zeichen des Themenjahres »Reformation und Musik«. Bereits am Reformationstag des vergangenen Jahres war es in der Georgenkirche – in der Kirche, wo einst Martin Luther predigte und Johann Sebastian Bach getauft wurde – eröffnet worden. »Reformation und Musik« ist nicht nur eine klingende Hommage an den Reformator, sondern erinnert an den reichen Schatz der protestantischen Kirchenmusik und rückt ihn ins Bewusstsein.
Mit einer Fülle an Musikveranstaltungen, Kantaten-Gottesdiensten, Ausstellungen, Konzerten, Workshops wird man in Eisenach dem Themenjahr mehr als gerecht. Bis heute ist die Stadt am Fuße der Wartburg eng mit Musik und bedeutenden Komponisten verbunden. Im Mittelpunkt des musikalisch geprägten Themenjahres stehen neben Martin Luther auch Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, die ebenso wie der Reformator eng mit der Wartburgstadt verbunden waren.
So schöpfte Johann Sebastian Bach, der 1685 in Eisenach geboren wurde, beim Komponieren tief aus seinem protestantisch geprägten Glauben. Mit zahlreichen Konzerten und Gottesdiensten im Rahmen der Thüringer Bachwochen (30. März bis 22. April) rückt das Schaffen des Komponisten in den Mittelpunkt.
Bach selbst vertonte 30 der 38 Kirchenlieder, die von Luther verfasst wurden, er beschäftigte sich auch mit theologischen Schriften Luthers. »Bach als Lutheraner« heißt deshalb ein Symposium mit Vorträgen, Konzerten, Gottesdiensten und Ausstellungen vom 24. bis zum 28. Februar, zu dem die mitteldeutsche Landeskirche und die Friedrich-Schiller-Universität Jena einladen.
Eisenach verfügt mit Wartburg, Lutherhaus, Bachhaus und Georgenkirche über bedeutende historische Stätten, die Reformation und Musik verflechten. Gerade die Georgenkirche – das bedeutende geistliche Zentrum der Stadt – wird immer wieder Veranstaltungsort sein. Hier werden unter anderen Kantaten zu Gehör gebracht, die Georg Philipp Telemann in seiner Eisenacher Zeit geschrieben hat.
Im Rahmen des Symposiums im Februar werden im Lutherhaus unter anderem Telemanns Kantaten-Textbücher ausgestellt. Der Komponist weilte von 1708 bis 1712 in der Stadt und schrieb während dieser Zeit ganze Zyklen von Kantaten, die in der Georgenkirche uraufgeführt wurden. Mit zahlreichen Veranstaltungen werden die 15. Eisenacher Telemann-Tage vom 7. bis 15. Juli in das Themenjahr der Lutherdekade eingebettet sein. Kantatengottesdieste, Telemann für Kinder, Konzerte, Literarisches zu Telemann werden in dieser besonderen Woche geboten.
Zu den hochkarätigen Veranstaltungen im Themenjahr »Reformation und Musik« gehören aber auch Aufführungen des Südthüringer Staatstheaters auf der Wartburg und im Landestheater Eisenach, Gottesdienste auf der Burg und die Wartburgkonzerte von Deutschlandradio Kultur.
Silvia Rost
Nach ganz anderen Regeln
29. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Die Regeln sind klar: Wer die Macht hat, setzt sich durch! Groß ist besser als klein! Gesund ist besser als krank! Reich ist besser als arm!
Wer will dem widersprechen?
Von Joachim Liebig
Gott widerspricht dem! Gottes Regeln sind vollständig anders. In der Jahreslosung 2012 werden sie in der kürzest möglichen Form zusammengefasst: Gott ist in den Schwachen mächtig. Es ist ein Zitat des 2. Korintherbriefes.
Die konfliktreiche Situation der Gemeinde in Korinth veranlasst Paulus, zwei Briefe zu schreiben. Gegen Ende des zweiten Briefes verweist er noch einmal auf seine eigene Situation. Er leidet unter einer chronischen Krankheit. Er nennt sie einen »Pfahl im Fleisch«. Die scheinbar immer wiederkehrende Schwäche veranlasst Paulus zu einer interessanten Deutung.
Die tiefe Erkenntnis der Barmherzigkeit Gottes einerseits korrespondiert für ihn mit dem Leiden andererseits. Auf diese Weise, so Paulus, lässt sich sein missionarischer Erfolg gewiss nicht auf ihn selbst, sondern allein auf Gott zurückführen. Gott ist in den Schwachen mächtig.
Jahreslosung 2012
Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
2. Korinther 12, Vers 9
Die Jahreslosung eröffnet nun verschiedene Ebenen. An der Oberfläche liegt das Offenkundige. Die Regeln Gottes unterscheiden sich fundamental von den Regeln dieser Welt! Andersherum gewendet: Wer die Regeln dieser Welt für Gottes Regeln erklärt, irrt in jedem Fall.
Die darunterliegende Ebene findet sich vor allem in der Seelsorge. Bei schwerem Leiden und tiefer Not rufen Menschen scheinbar zu Gott, warum er sie so strafe.
Dahinter steht der alte Gedanke der Prophetie: Wenn Israel in die Irre geht, straft Gott. In Jahrzehnten der eigenen Seelsorge sind mir jedoch nur selten Menschen begegnet, die tatsächlich mit Gott hadern. Vielmehr ist es häufiger die selbstverliebte Frage: Ich habe doch alles richtig gemacht, warum geht es mir dennoch schlecht?
Wäre es tatsächlich ein Hadern mit Gott, wäre die paulinische Deutung häufiger anzutreffen. In der Schwäche zeigt sich Gottes Kraft in besonderer Weise.
Das Kokettieren mit der eigenen Schwäche beschreibt eine dritte Ebene der Jahreslosung.
Die Kirche in der Diaspora, kleine Gemeinden, Anfechtungen jeder Art – wir wollen als Kirche lieber im Windschatten der Gesellschaft bleiben und still unseren Dienst tun, so mag diese Ebene abgekürzt beschrieben werden. Die Schwäche wird dann zu einer Ausrede für mangelndes Selbstbewusstsein oder dem tiefen Wunsch, Vertrautes nicht verlassen zu wollen. Gott wird damit zu einem Bewahrer des Bestehenden, Kleinen und Unscheinbaren. Die Macht Gottes im Schwachen wird damit geleugnet.
Aus der kleinsten Stadt Israels erwächst der Mensch gewordene Herr aller Universen. Die kleingläubige Selbstbeschränkung ist nicht Thema der Jahreslosung 2012.
Nicht auf eigene Stärke zu vertrauen, sondern alles auf Gott zu setzen; nicht sich selbst, sondern immer nur Gott zu loben; Gott alles zuzutrauen – dazu leitet uns das Motto des Jahres 2012 an. Damit können wir trotz aller Krisen in gelassenem Selbstbewusstsein und freudiger Erwartung das neue Jahr beginnen.
Der Autor ist Kirchenpräsident der anhaltischen Landeskirche und Vorsitzender des Evangelischen Presseverbandes in Mitteldeutschland.







