Ein frühes Liebesbekenntnis
29. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Lass uns in deiner Liebe und Kenntnis nehmen zu, dass wir am Glauben bleiben.
Evangelisches Gesangbuch 67,3
Manche Dinge ändern sich wohl nie. Der Ruf nach der Bestärkung im Glauben zählt ganz sicher dazu. Die junge Elisabeth Cruciger, Verfasserin unseres Wochenliedes, war die erste evangelische Lieddichterin.
Geboren um 1500 als Elisabeth von Meseritz, wuchs sie in einer pommerschen Adelsfamilie auf; wie damals nicht unüblich, kam sie schon als Kind in das Prämonstratenserinnenkloster Marienbusch bei Treptow an der Rega. Dort lernt sie Johannes Bugenhagen kennen, der, begeistert von der neuen Lehre Luthers, im nahegelegenen Männerkloster unterrichtet.
Viele Menschen zieht er in seinen Bann, so auch Elisabeth von Meseritz. Als er Pommern verlässt, folgt ihm Elisabeth nach Wittenberg. Dort wird sie von der Familie Bugenhagens aufgenommen. Sie findet in ihrem Glauben an Jesus Halt in dieser schweren Zeit, die sie als entlaufene Nonne durchmacht. Sie sucht gemäß der neuen Lehre einen direkten Zugang zu Gott – ohne Umweg über Priester und Heilige.

Laura Schildmann, Kirchenmusikerin in Bad Frankenhausen
In dieser Zeit entsteht der Text des Liedes. Gott hat Jesus aus Liebe zu uns Menschen gesandt, und in dieser Liebe sollen die Menschen Jesus erkennen und ihn lieben, seine »Süßigkeit im Herzen« schmecken. Er soll ihr Liebster sein, nach dem sie sich stets verzehren sollen. Mit diesem Liebesbekenntnis schrieb Elisabeth das erste Jesuslied der evangelischen Kirche.
Martin Luther ist von dem Lied so angetan, dass er es 1524 im Wittenberger Chorgesangbüchlein, einem der ersten evangelischen Liederbücher, veröffentlicht – anonym, denn es ist noch nicht üblich, dass sich Frauen zu religiösen Themen äußern. Elisabeth verlässt 1524 die Familie Bugenhagen und heiratet den Theologen und Lutherschüler Caspar Cruciger, mit dem sie zwei Kinder haben wird. Als sie 1535 stirbt, ist sie eine der Mütter der Reformation.
Laura Schildmann
Kirchenmusikerin in Bad Frankenhausen
Was lässt den Funken überspringen?
22. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde.
Evangelisches Gesangbuch 293,1
Auch die Heiden? Das Lied für diese Woche gehört mit seinen zwei Strophen nicht gerade zu den Zeitblockern im Gottesdienst. Das ist kein Wunder: Der Psalm 117 ist der kürzeste des Psalters, von Joachim Sartorius 1591 meisterhaft nachgedichtet. Ich habe das Lied schon als junger Mensch gern gesungen. Das macht die schwungvolle Melodie von Melchior Vulpius, dem wir auch den Satz »Hinunter ist der Sonnen Schein« zu verdanken haben.
Bei den oben erwähnten Heiden muss ich an die Christenlehrezeit zurückdenken, an jenen demütigen Afrikaner auf der Spendendose, den ein Vers darauf als »armen Heidensohn« bezeichnete und der nickte, wenn ein Geldstück eingeworfen wurde. Der Psalmbeter meinte wohl mit Heiden alle Nichtjuden, unser Textautor alle Ungetauften – also die »noch nicht dazugehören«. Das sind in meiner Stadt über 90 Prozent der Menschen. Aber warum sollen die Gott aus Herzensgrunde loben?

Christoph Noetzel ist Kreiskantor im Kirchenkreis Merseburg.
Davon singt die zweite Strophe: Barmherzigkeit, Wahrheit, Gnade und Gütigkeit sind Dinge, die Gott allen, nicht nur uns Insidern, bis in alle Ewigkeit überreichlich erweist – damals wie heute. Begreifen wir das? Da fällt mir jenes Video auf Youtube ein, wo eine Frau in einem amerikanischen Konsumtempel laut Händels »Halleluja« ins Handy singt und viele mit einstimmen. Warum tun die das? Weil Händels Musik so cool ist? Was lässt hier den Funken überspringen? Ich kann mir so eine Situation bei uns kaum vorstellen. Trotzdem wäre es genau das, wovon wir im Wochenlied singen.
Andererseits: Haben wir als Insider das Gotteslob gepachtet oder was tut der Männerchor (deren Sänger ich vor 25 Jahren als erklärte Atheisten kennenlernte), wenn er in der Adventszeit »Kommet ihr Hirten« singt? Es ist wohl so, dass die Mission weniger im Gottesdienst oder in den innerkirchlichen, oft mit Aufwand und Liebe vorbereiteten Veranstaltungen passiert, sondern da, wo wir es kaum erwarten. Sollen wir dann auch noch »Halleluja« singen? Gerade dann!
Christoph Noetzel
Kreiskantor im Kirchenkreis Merseburg
Den Glauben hinausposaunen in die Welt
15. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Gottes Sohn ist kommen uns allen zu Frommen hier auf diese Erden.
Evangelisches Gesangbuch 5,1
Gottes Sohn ist kommen; ja, er kam, wie alle Menschen: Nackt, unschuldig, wehrlos lag er da in der Krippe, uns allen zu Frommen. Nein, er kam nicht nur für die Frommen; nicht nur für die Juden; er kam für alle Menschen. Sowohl Hirten als auch Weise aus dem Morgenland kamen zu dem neugeborenen Kind. Die, die sich aufmachten, um dem predigenden Jesus nachzufolgen, waren Fischer, Zöllner, einfaches Fußvolk, keine studierten Theologen.
Wer das Kind in der Krippe recht erfassen will, muss zuvor arm werden. In unserem Leben gibt es viel zu viel unnützes, profanes, Zeug, das wir für das eigentliche Leben gar nicht brauchen und was uns abhält, unsere Beziehung zu Gott noch inniger werden zu lassen.
Gott hat uns durch Jesus von der Sünde entbunden. »Heut schließt er wieder auf das Tor zum schönen Paradeis«, singen wir zu Weihnachten. Wir sind erlöst, frei. Leben wir es? Können wir, kann das unser Verstand fassen? Welche (Berge versetzende) Kraft müsste durch solchen Glauben entstehen. Wir müssten viel mehr jubelnd durch diese Welt laufen, um andere Menschen anzustecken von dem neuen Leben, das Jesus uns schenkt.

Hartmut Meinhardt, Stadtkantor in Bad Salzungen
Ich habe den Eindruck, dass Gottes Geist in der Kirche in Europa gar nicht recht zur Entfaltung kommen kann, weil wir es verhindern. Wir nehmen uns zu wenig Zeit für (gemeinsame) Gebete, das Bibellesen, den Gottesdienst. Von 168 Stunden in der Woche bleibt nur eine Stunde für den Gottesdienst. Aber die Klöße müssen um 12 Uhr auf dem Tisch stehen! Wann erzählen Christen untereinander von den Erlebnissen mit Gott?
Wie das Lied der vorigen Woche, so ist auch dieses Lied der Böhmischen Brüder ein Glaubensbekenntnis. Sie sangen ihre Lieder einstimmig a-capella im Stehen. Wir müssen wieder lernen, beim Singen in unseren Gottesdiensten aufzustehen, damit die Stimme ordentlich klingen kann und wir unseren Glauben hinausposaunen in diese Welt!
Hartmut Meinhardt
Stadtkantor in Bad Salzungen
Wie ein Gruß aus ferner Zeit
8. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

O süßer Herre Jesu Christ, der du unser Erlöser bist, nimm heut an unsre Danksagung – aus Genaden!
Evangelisches Gesangbuch Nr. 68
Ein wirklich uraltes Lied … und dann noch »süßer« Jesus – wo wir doch gerade erst die zuckerigen Lieder »Stille Nacht« oder »Süßer die Glocken nie klingen« hinter uns gelassen haben! Und doch: Ich liebe dieses Lied mit seiner schwebenden Melodie, seiner unbeholfenen Silbenzählung und dem ausdrucksstarken Text: »süßer«, nicht »lieber« muss es heißen!
In acht kurzen Strophen dichtete der Böhmische Bruder Michael Weiße (1488–1534) ein nachweihnachtliches Lied, welches den Dank für die Menschwerdung Christi mit dem Ausblick auf seinen Leidensweg und die Existenz der Kirche auf Erden und im Himmel verbindet – und das alles echt reformatorisch: »aus Genaden«.

Martina Apitz, Kirchenmusikdirektorin in Köthen
Die Melodie ist ein altkirchlicher Hymnus. Würde man sich dazu bewegen, käme ein Schreiten und Hüpfen heraus, eine Wendung und Verbeugung vor dem Licht, das in die Welt gekommen ist. Als Organistin mag ich die Bearbeitung dieses Liedes von Volker Bräutigam in seinen »Präludien über Weihnachtslieder«, die dieses schwebende Metrum aufnimmt, Motive des Chorals spielerisch verändert und schließlich die Bodenhaftung herstellt.
Eines von 157 Liedern des »Böhmischen Gesangbuches«, des umfangreichsten reformatorischen Liederbuches, grüßt uns da aus fernen Zeiten, die uns durch die Besinnung auf das anstehende Reformationsjubiläum wieder nähergebracht werden. Weiße hat Kontakt zu Martin Luther gepflegt. Nachweislich kannte Luther seine Lieder und übernahm einige in sein Wittenbergisches Gesangbuch.
Ich möchte mir vorstellen, dass er unser Lied zur Lautenbegleitung im Kreise seiner Familie und Schüler in der weihnachtlichen Stube sang – mit dankbarem Herzen für die Geburt Jesu, des süßen (nicht süßlichen) Christkindes. Lassen wir uns vom Danken für unsere Erlösung anstecken und das neue Jahr mit Freude und in Freiheit beginnen!
Martina Apitz
Kirchenmusikdirektorin in Köthen
Damit wir sicher schreiten
30. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.
Evangelisches Gesangbuch 64,1
Eigentlich kann man hier nicht Schluss machen mit dem Text von Jochen Klepper, der uns zum Jahreswechsel entgegenkommt, denn Gedichte sind keine Steinbrüche, sie müssen bis zum Ende gelesen, Lieder erst recht zu Ende gesungen werden. Welche Melodie klingt in Ihnen beim Lesen dieses Textes? Die aus dem alten EKG aus reformatorischer Zeit, die noch immer viel gesungen wird, oder die 1960 von Siegfried Reda eigens zum Text komponierte aus dem aktuellen Gesangbuch?
Obwohl Klepper eigentlich schon verboten war, konnte sein 1937 entstandenes Gedicht am Neujahrstag 1938 in der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« abgedruckt werden. Unendlich weit entfernt scheinen wir und unsere »Lasten« von denen der ausgehenden 1930er Jahre. Oder kann man Lasten nicht gegeneinander aufwiegen? Was drückt uns?
Die persönlichen Sorgen um die Liebe(n) im Familien- oder Bekanntenkreis, das Unerledigte des vergangenen Jahres, Bruchstückgebliebenes, alles, was so anders werden sollte, aber da standen die Zwänge dagegen – von den Lasten unserer Welt, Gewalt, Katastrophen, Klimawandel, Wohlstandssucht, Gier gar nicht erst anzufangen …
Die Zeile »und wandle sie in Segen« ist bei Reda ein Melodoiezitat: »Ich bitt, erhör mein Klagen« singen wir genauso in EG 343. Sicher kein Zufall. Unsere Lasten dürfen Gott geklagt, bei ihm abgeladen werden.
»Du« ist das am häufigsten verwendete Wort im Klepper-Text, du, der Ewige, du, der Schöpfer unseres Lebens, du, der Gnade verleiht, du, der Vollender.
Unsere Zwiesprache mit Gott, unser Gebet, unsere Bitte für 2012 »und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten«.
Dietrich Ehrenwerth
Mitbewohner und nicht nur Festtagsgast
25. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Es steht vor der Tür – das Wort. Es klopft leise an – das Wort. Es will gehört werden – das Wort. Ich öffne, bin erwartungsvoll, vorbereitet und dann doch sehr überrascht.Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14a
Zu Weihnachten wird es häufig an unseren Türen klopfen oder klingeln. Besuch steht vor der Tür. Erwarteter Besuch nach langer Zeit. Vielleicht kommt aber auch ein ganz überraschender Gast. Bin ich vorbereitet? Was erwartet mich? Wie wird die Begegnung verlaufen? Kommen gute Gespräche zustande oder wird es anstrengend? Ich lasse meinen Besuch gern ein, gebe ihm Wohnung auf Zeit, meiner Familie, denen aus der Ferne und den Freunden aus der Nähe.
Tischgemeinschaft, neue Nachrichten, natürlich auch Geschenke und gutes Essen. Aber da klopft es noch einmal an der Tür – das Wort – es klopft leise, es will gehört werden – das Wort – ich öffne und lasse seine Botschaft ein: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lukas 2,10–12)
Das Wort nimmt Gestalt an. Gott wird begreifbar, wird einer von uns, lebt mitten unter uns und lässt sich spüren. Er kommt in unsere Zeit, in unsere Welt und ist doch höher als unsere Vernunft und unser Begreifen. Wir können seine Herrlichkeit sehen.
Er will bei uns wohnen, nicht nur als Festtagsgast, sondern als unser Mitbewohner. Lassen wir ihn ein, wenn er klopft, ganz leise, und gehört werden will. Geben wir ihm Raum, Herberge, Wohnung in uns.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest mit vertrauten Menschen und auch überraschenden Gästen. Vor allem wünsche ich Ihnen gute Begegnungen mit Gottes Wort, das unter uns und in uns wohnen will.
Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg
Große Erwartungen im Advent
19. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Philipper 4, Verse 4.5
»Und wenn ich jetzt gleich alle Türchen aufmache, dann ist morgen schon Weihnachten«, stellt unser Jüngster strahlend fest. Das ist Naherwartung!
Jeden Tag so zu leben, als wäre morgen der da, auf den wir warten im Advent. Mir fällt das nicht so leicht, leider. Ich brauche meine Zeit, um anzukommen. Und ich bin dankbar für jeden Tag, den die Adventszeit durch eine günstige Kalenderkonstellation länger ist.
Was möchte ich noch alles schaffen in dieser Woche! Auf dem Schreibtisch stapeln sich die Briefe, neben dem Tisch die Kleinigkeiten, die ich verschicken möchte. Die Fotokalender für die Großeltern warten. Herr N. im Pflegeheim erhofft meinen Besuch. Die Kostüme für das Krippenspiel liegen zum Bügeln bereit. Von den gottesdienstlichen Vorbereitungen einer Pfarrerin einmal ganz abgesehen …. Nein, warum gibt es nur keinen fünften Advent! »Weil du dann noch mehr an Vorbereitungen in diese besonderen Tage packen würdest«, antwortet Paulus. Ich fühle mich ertappt.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin und Persönliche Referentin der Präsidentin des Landeskirchenamtesin Erfurt.
»Freut euch!«, sagt Paulus und ich antworte: »Hast du eine Ahnung!« »Freut euch!« Sein Ruf wird drängender und ich wage nicht, zu widersprechen.
Da schaut mich mein Dreijähriger wieder an. Sein Gesicht ist vor Anstrengung ganz rot. Die Finger bohren sich gerade in Türchen Nummer 21. Er strahlt. »Gleich habe ich es geschafft!«
Lebe ich wirklich so, als wäre Er nahe? Erwarte ich ihn – mit meinem Leben, meinen Gedanken, dem Tun? Wäre ich nicht vielmehr fassungslos, wenn er wirklich käme? Paulus hat seine Gemeinde in Philippi mit starken Imperativen auf das Wichtigste hingewiesen: »Lebt so, dass Jesus jederzeit wiederkommen könnte. Freut euch, wie die Kinder auf Weihnachten, auf das Kommen Gottes. Er bleibt nicht aus. Er wird da sein.«
Danke Gott! Auch dafür, dass es nur vier Adventssonntage gibt.
Friederike F. Spengler
Pfarrerin und Persönliche Referentin der Präsidentin des Landeskirchenamtes in Erfurt
Als Märchenfiguren getarnt?
11. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.
Jesaja 40, Verse 3.10
Kurz vor der Adventszeit ist in der Lokalzeitung zu lesen: »Angekommen sind auf dem Markt neben dem Weihnachtsbaum auch die ersten Märchenfiguren.« Dazu ein Foto: Auf dem Marktplatz steht ein kleiner Lastwagen mit Figuren. Alle aus Holz geschnitzt, fast mannshoch und bunt angemalt. Beim zweiten Hinschauen erkenne ich: Das sind doch Maria und Josef, Hirten, ein paar Schafe, dazu die drei Weisen aus dem Morgenland in bunten Gewändern. Angezeigt als Märchenfiguren.
500 Jahre vor Christi Geburt. Nach dem Fall Jerusalems sind viele Israeliten nach Babylon weggeführt. Sie haben sich fern der Heimat den neuen Verhältnissen angepasst oder schauen resigniert auf die vergangenen Zeiten zurück: Da galten wir noch was! Aber jetzt?
Die Zahl derer, die sich noch zu Gott halten, sinkt. Unsere Gottesdienste sind zu öffentlichen Klagefeiern geworden: »Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen« (Jesaja 49,14b). Da kann nur eines trösten: ein Wort, das die Befreiung und die Nähe Gottes ankündigt. Der Prophet bringt dieses Trostwort. Von fernher. »Gott wird kommen«, verheißt er. »Ich kann euch sagen, in der Wüste wird für ihn ein Weg bereitet.«

Hans-Jürgen Kant ist Superintendent in Halle.
Nicht mein Tun ist gefragt. Der Himmel selbst ist hier am Werk. Ihn drängt es auf die Erde. In meine Wüsten, in meine Fragen angesichts von Krieg und Leid, in meine Traurigkeiten.
Adventszeit. Ich will einen Schritt langsamer gehen, aufmerksam sein. Vielleicht kann ich die Zeichen der Ankunft Gottes bei uns entdecken. Die Wege, die sich auftun in Musik und Wort, durch eine helfende Hand, ein offenes Herz. Vielleicht auch in den Gestalten seiner Heilsgeschichte – getarnt als Märchenfiguren.
Am Ende werden sie doch offenbar. Im späten Adventslicht stehe ich auf dem Marktplatz neben staunenden Kindern: »Schau mal! Maria und Josef. Die Krippe mit dem Kind. Die Könige. Ist das schön!«
Hans-Jürgen Kant
Superintendent in Halle
Es lohnt sich, die Blickrichtung zu ändern
4. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21, Vers 28

Michael Kleim, Stadtjugendpfarrer in Gera
Vieles drückt uns nieder und lastet auf unserem Haupt.
Manche Menschen sind geradezu in dieser gebeugten Haltung gefangen. Ängste, Traumata oder Depressionen lähmen die eigene Wahrnehmung. Und nun diese Aufforderung, die unserem Schutzreflex entgegensteht: »Seht auf und erhebt eure Häupter!« Was wird uns da schon wieder zugemutet? Denn es bedarf des Mutes, mit erhobenem Blick in die Welt zu schauen.
Doch hinter diesem Satz steht in Wirklichkeit und zugleich eine Verheißung. Es gibt einen Grund, aufzublicken und aufrecht zu stehen, »weil sich eure Erlösung naht«.
Es ist die Botschaft der Adventszeit: Gott ist nahe! Und Gottes Nähe dringt durch alle, auch durch die sichersten Absperrungen hindurch.
Gottes Nähe durchdringt die Mauern um unsere Herzen, all die Mauern aus Enttäuschung, Verletzung, Angst, Depression oder Hass; all die Mauern aus Schuld und Versagen.
Gott lockt uns immer wieder heraus aus unserer Enge. Er zeigt uns Möglichkeiten, mit Verletzungen und Schwierigkeiten zu leben. Er führt uns in die offene Weite. Gott sagt: »Seht auf, erhebt eure Häupter, denn das Leben erwartet euch. Die Tür zum Leben steht offen.«
Gottes Licht scheint durch den wirren Nebel unserer Probleme hindurch. Wir dürfen es schauen.
Gott ist uns nahe. Deshalb lohnt es sich auch, die Blickrichtung zu ändern.
Michael Kleim
Natürlich hat sich etwas geändert
27. November 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
Sacharja 9, Vers 9
Angesichts der wunderlichen Wendungen unserer Weltgeschichte ist schon mancher auf die Idee gekommen, Gott leiste sich hier ein grandioses Possenspiel auf Kosten der Menschen. Auch die letzten Monate waren voller Überraschungen. Regierungen fielen oder sie entstanden aus vormals unversöhnlichen Gegnern.
So manche Majestät hat die Welt kommen sehen. Gebieter von eigenen Gnaden oder vom Volk bejubelt. Darunter auch welche, die für sich in Anspruch nehmen, berufen zu sein, und andere, die gerne in die eigene Tasche wirtschaften. Und so manche Majestät hat ihren Platz nicht am Tische der Mächtigen, sondern in der häuslichen Küche. Zuweilen staune ich, mit welcher instinktiven Sicherheit der kleinste Zipfel an Einfluss für letztlich egoistische Ziele genutzt wird. Da hat sich wohl nichts geändert.
Doch halt! Natürlich hat sich etwas geändert. Könige kommen und gehen. Gott aber bleibt. Oder besser gesagt: Gott wird. Er wird ein Kind. Das wird Jesus genannt. Der Name bedeutet: Gott ist ein Helfer.

Stephan Buchenau ist Pfarrer in Lauchhammer.
Damit verbindet sich die Erwartung, dass Gottes Liebe in der Welt wirksam sei. Sie nimmt den Gewalttätern die Macht. Deren Werk löst sich auf. Alles unheilvolle Handeln wird nicht von Dauer sein. Aber Gott führt weiter. Zur Zeit des Propheten Sacharja begannen die Menschen deshalb, die vormals zerstörte Heimat mit der Hauptstadt Jerusalem wieder aufzubauen.
Ich denke, wenn Menschen sich daran machen, die vom Krieg verbrannte Erde wieder zu bewirtschaften, wenn sie den Mut haben, zerstörte Beziehungen wieder herzustellen und sich auf den Weg zum Feind von gestern machen, dann geschieht genau das: Sieh doch, dein König kommt zu dir. Gerechtigkeit für die Menschen folgt ihm auf dem Fuß.
Für den beginnenden Advent dürfen wir uns das also in einer sehr existenziellen Weise sagen lassen. Gott sucht dich und mich auf, damit uns Frieden und Gerechtigkeit widerfahren.
Stephan Buchenau
Pfarrer in Lauchhammer








