Klasse statt Masse: Christus zielt immer auf den Einzelnen

21. April 2018 von redaktionguh  
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Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, Vers 17

Nein, nicht alles ist neu geworden. Dieses Versprechen steht noch aus: »Siehe, ich mache alles neu!«, sagt erst der, der in der Offenbarung auf dem Thron sitzt (Offb. 21,5). Die Welt ist noch die alte, und wir merken es mit zunehmendem Erschrecken. Auch 2 000 Jahre Christentum haben daran nichts geändert: Was Christen Positives in dieser Zeit geleistet haben, wurde durch Unglaubwürdigkeit, Machtmissbrauch und Verbrechen wieder negiert. Die Kirche Jesu Christi hat einen skandalösen Anteil daran. Wen wundert es, wenn immer wieder alles beim Alten bleibt?

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Neu werden kann nur der Einzelne: »Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.« Mehr sagt der Wochenspruch gar nicht. Christus zielt immer auf den Einzelnen, auf das Herz, nicht auf die Masse. Mit zunehmender Zeit habe ich gelernt: Ich kann nicht für alle sprechen, nicht für die Kirche, nicht für die Deutschen oder für meine Generation. Ich kann nicht einmal immer gutheißen, was ›die Kirche‹, ›die Deutschen‹ ›die Christen‹ tun. Ich kann nur für mich selbst Verantwortung übernehmen, für mein eigenes Versagen und für mein Neuwerden, für mein Zeugnis, für meine Art Christ zu sein.

»In Christus sein« ist das Kriterium des Neuwerdens, das österliche, das lebendige Kriterium. In Christus sein heißt für mich, in seinen Worten sein, mit ihnen identisch sein: den Worten der Bergpredigt, die die Maßstäbe der Welt auf den Kopf stellen, die die Gebote radikalisieren und der kleinen Kraft eine ungeheure Wirkung zutrauen. In Christus sein heißt für mich, in seinen Taten sein: in seiner bedingungslosen Liebe zu den Ungeliebten, in seiner streitbaren Auseinandersetzung mit der Unglaubwürdigkeit, in seinem Urvertrauen auf Gottes Führung. In Christus sein heißt für mich, in seinem Leiden sein: in der Gewaltlosigkeit, mit der er sich ausliefert, in der Opferbereitschaft, die allein die Welt verändern kann.

Nur wenn ich in dem allen bin, werde ich neu werden und mit ihm auferstehen. Ach, wenn ich es doch nur wäre!

Giselher Quast, Domprediger em., Magdeburg

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Einsamer Wolf oder folgsames Schaf

14. April 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannes 10, Verse 11, 27, 28

Schutzbedürfnis oder Autonomie – welches ist der wichtigere Wert in unserem Leben? Uns anvertrauen oder frei sein, ein einsamer Wolf sein oder ein folgsames Schaf? Unser Schutzbedürfnis ist nicht zu verleugnen: Wir fürchten uns vor Ungerechtigkeit, Gewalt und Verletzungen. Seit wir als schutzlose Menschenkinder auf die Welt gekommen sind, haben wir ein Gespür dafür, wie verletzlich das Leben ist, welch hohe Verantwortung wir für die Unversehrtheit des Lebens haben: »Bleib behütet!«, ist nicht nur ein frommer Wunsch beim Verabschieden. Nach einer starken Ordnungsmacht rufen wir angesichts von Kriminalität und Terrorismus. In unserem Eintreten für Gerechtigkeit kämpfen wir für den Schutz der Ohnmächtigen und Leidenden.

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

Andererseits aber wird der Ruf nach Freiheit und Unabhängigkeit immer lauter. Autoritäten und Führungsgestalten werden mehr und mehr hinterfragt. Man konsumiert wohl noch Kirche, aber man tritt eher aus. Man lebt in einer Partnerschaft, aber heiratet nicht. Bindungen werden gescheut, Abhängigkeiten vermieden. Und wer aus der »Diktatur des Proletariats« kommt, weiß um die Gefahren von Gängelung und Überwachung. Wer gar noch den »Führer« erlebt hat, dem ein ganzes Volk von Schafen willig gefolgt ist, kann nicht mehr ohne Scham an diese Zeit unserer Geschichte zurückdenken.

Auf Jesu Stimme hören und ihr folgen – ist das Gehorsam oder Freiheit, Abgabe von Autonomie oder eine neue Qualität von Sicherheit? Ich habe durch die Bindung an Jesus beides gewonnen: eine ungeheure Freiheit der Entscheidung, eine Unabhängigkeit von Systemen und Ideologien, Autoritäten und Bevormundungen – und gleichzeitig eine Preisgabe an die Folgen dieser Entscheidungen, die mein Leben nicht immer leicht gemacht hat; nur – dass mir das keine Angst mehr macht! Ich habe einen Hirten und bin doch mehr als ein Schaf. Ich habe nur ein Leben, und ich werde es nicht verlieren.

Pfarrer i. R. Giselher Quast, Magdeburg

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Die Hoffnung ist nicht totzukriegen

7. April 2018 von redaktionguh  
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Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petrus 1, Vers 3

Manchmal möchte man die Hoffnung umbringen. Denn nur wenn sie wirklich tot und begraben ist, kann doch etwas Neues beginnen. Sagen manche. Das haben sie auch zu den Frauen gesagt, die Ostern zum Grab wollten: Lasst es sein. Das bringt doch nichts. Da kommt nichts mehr. Die Frauen sind aber trotzdem nochmal losgegangen.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Und dann fanden sie ein offenes Grab. »Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben.« Die Hoffnung lässt sich nicht begraben. Kein Grab ist tief, kein Stein schwer genug für sie. Gott lässt nicht zu, dass die Frauen einen Kult der begrabenen Hoffnung feiern. Es geht wieder los.

Wie ein Kind aus dem Schoß seiner Mutter kommt, so bricht die Hoffnung in die Welt ein. Die Frauen am Grab wissen bestimmt, was »geboren« heißt. Einige von ihnen haben es schon einmal erlebt. Unter »wiedergeboren« könnten sie sich deswegen etwas vorstellen. Noch einmal alles überwältigend neu, ganz von vorne, jeden Tag ein Stück wachsend. So ist das Leben der Christen seit Ostern, seit die Frauen von dem leeren Grab weggelaufen sind, erschreckt und verwirrt, mit gemischten Gefühlen aus Furcht und großer Freude.

Das ist erst eine Woche und schon 2 000 Jahre her. Und die Hoffnung ist nicht totzukriegen. Sie ist lebendig unter Christen. Wir sind selbst erschreckt und verwirrt. Wir können es nicht erklären oder beweisen. Aber wir glauben daran. Gegen alle Hoffnungslosigkeit, gegen die ewige Leier aus »Lass es sein-Das bringt doch nichts-Da kommt nichts mehr« sagen wir: Im Gegenteil. Nochmal von vorne.

Ganz neu. Jeden Tag ein bisschen mehr.« Unser Glaube ist kein Friedhof, auf dem wir andächtig herumstehen. Unser Glaube ist eine lebendige Hoffnung, jeden Tag.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

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Schlüsselgewalt: Wer den Tod aus der Welt sperren kann

31. März 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Wie schließt man eigentlich die Hölle zu? Und wie sperrt man den Tod ein? Manchmal denke ich, die Fernbedienung für den Fernseher könnte so ein Schlüssel sein. Einfach keine Nachrichten mehr gucken. Denn um 20 Uhr vor der Tagesschau muss man den Eindruck bekommen, irgendjemand habe die Hölle aufgeschlossen und den Tod freigelassen. Krieg und Gewalt an jedem Abend. Die Hölle von Ost-Ghuta in Syrien, in Afrin, in Libyen und auf dem Mittelmeer, um nur einige Orte zu nennen. Politiker, an deren Geisteszustand man berechtigte Zweifel hegen kann. Aber – auch das sehe ich jeden Abend – niemand nimmt ihnen den Stift weg, mit dem sie sich selbst wiederwählen oder ihre lächerlich protzige Unterschrift unter ihre Dekrete setzen. Stifte, Schlüssel, Atomknöpfe, all das möchte ich ihnen wegnehmen und wegschließen, so wie ich es bei meinen Kindern gemacht habe, wenn sie mit gefährlichen Gegenständen unverständig herumhantiert haben. Aber das kann ich leider nicht.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

Jesus schließt die Hölle zu und sperrt den Tod ein. Die Menschen, die das im Buch der Offenbarung aufgeschrieben haben, litten unter Verfolgung und Unterdrückung. Und zwar nicht vor dem Fernseher, sondern im richtigen Leben. Ihr Bild von Jesus ist deswegen sehr kämpferisch. Jesus ist für sie einer mit Schlüsselgewalt.

Doch die Hölle zuschließen, das geht nicht mit Gewalt. Jesus hat die Hölle erst zugeschlossen, nachdem er selber darin war. Und er war mit dem Tod in einem Grab eingesperrt, bis von außen der Stein weggerollt wurde. Gott hat diesen Weg gewählt, um uns zu zeigen, wie Hölle und Tod an ihr Ende kommen. Jesus musste ihn gehen. Gewalt und Macht sind der falsche Weg. Gewaltlosigkeit und Machtverzicht sind der einzige Weg. Lächerlich, sagen alle, mit Jesus und seiner Bergpredigt kann man doch keine Politik machen. Ich sage: Ohne sie erst recht nicht.

Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg

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Ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit

24. März 2018 von redaktionguh  
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Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, Verse 14 b und 15

Es ist eine der viel zu seltenen Nächte, wo Menschen zusammenfinden und man sich bei verglimmender Kerze alles sagt. Wirklich alles. Da bleibt nichts mehr offen. In dieser Nacht war es sogar Gott selbst und der Mensch, die da zusammenkommen. Auch das ist viel zu selten. Jesus ist in tiefer Nacht im tiefen Gespräch mit einem Menschen.

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Die Bibel nennt den Menschen einen »Oberen«. Er ist ansonsten einer, der anderen was zu sagen hat. Heute aber ist er gekommen um zuzuhören. Heute ist er gekommen um zu verstehen. Wir kennen den Namen des Menschen. Er heißt Nikodemus. Im Dunkel der Nacht kam Gott selbst in Jesus Christus in die Welt. Im Schutz der Dunkelheit wird Schweres leichter ausgesprochen. Da kommt es aufs Hören und nicht aufs Sehen an.

Jetzt, in dieser Nacht, spricht dieser Jesus Christus von seinem nahen Tod. Das ist schon schwer genug, aber was für ein Tod: Er wird gefoltert und hingerichtet. Qualvoll. Erniedrigend. Schmerzhaft. Er kommt ans Kreuz. Das Kreuz wird für alle sichtbar auf dem Hügel draußen vor der Stadt aufgerichtet. Erhöht eben. Den Blicken ausgesetzt, so dass alle zugucken. Da fällt dann dieser Satz aus dem Mund Gottes.

Es ist ein Satz für die Ewigkeit und über die Ewigkeit: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Wer es mit Jesus Christus zu tun bekommt, weiß, dass da manches genau andersrum ist. Anders als sonst üblich. Es bleibt eben nicht beim alten »das war schon immer so«.

Da, wo man mit ihm zu tun hat, da werden die Letzten die Ersten, sein. Wo man mit ihm zu tun hat, ist das Kleine gaaaaaanz groß. Wo man mit ihm zu tun hat, haben Tote das ewige Leben. Kein Wunder, dann ist die Erhöhung eine Erniedrigung. Das muss so sein. Und doch bleibt es auch nicht dabei.

Das sehen wir dann schon in einer Woche. Dann feiern wir nämlich Ostern. Ich freu mich drauf!

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

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So tickt Jesus: Der Andere zuerst!

17. März 2018 von redaktionguh  
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Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Matthäus 20, Vers 28

Die Auseinandersetzung, die die Jünger führen, ist nicht besonders originell, noch unmodern geworden. Schon immer wurde sie so geführt: Wer hat das Sagen? Wer ist Erster? Wer ist groß? Schon in unseren Kinderzimmern kann man das prima beobachten – und leider auch an mir selbst ist es zu sehen. Von Kindesbeinen an achte ich penibel darauf, nicht zu kurz zu kommen. Ich erkenne ganz genau, wo ich glaube, zu kurz zu kommen. Das finde ich dann ungerecht und tue was dagegen.

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

Jesus zeigt in eine ganz andere Richtung. Ihm geht es nicht um sich, ihm geht es um den Anderen. Eigentlich genau andersrum als sonst. Er sagt es auch mit einem tadelnden Blick auf seine Jünger und also auch auf uns. Da gibt es Rangeleien um die besten Plätze. Da will jeder vorne sein. Dagegen setzt er sein: »nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.« Wer es mit diesem Menschensohn, mit diesem Jesus Christus zu tun haben will, bei dem soll es zumindest ähnlich sein.

Das ist wohl die entscheidende Spielregel bei ihm. Der Andere zuerst! Das klingt, als könnte ich dabei nur verlieren. Es ist aber anders: Ich kann dabei nur gewinnen, denn so bekomme ich den Anderen in den Blick. So gucke ich nicht immer nur auf mich selber. Sondern werde frei von mir selber. Weil ich damit den Blick von mir selbst weglenke, wenn ich gucke, was dem Anderen gut tut. Ich bleibe nicht nur bei mir und meinen eigenen Wünschen und Wollen.

Ich weiß nicht mehr, wer es so auf den Punkt brachte: »Die Sorge um mein tägliches Brot ist eine materielle Frage. Die Sorge um das Brot meines Bruders ist eine geistliche Frage.« Jesus Christus heilt Menschen, gibt ihnen Brot zu essen, schenkt ihnen Leben. Er geht noch weiter: Er gibt sein Leben. So kommt Gott zu uns. Daran erinnern wir uns in der Passionszeit. Er gibt nicht etwas von sich, er gibt sich selbst.

Er gibt sich für Dich und auch für mich. So lässt sich leben. Nur so.

Jan von Campenhausen, Direktor der Ev. Wittenbergstiftung

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Vom Gärtner in der gemütlichen Hütte lernen

10. März 2018 von redaktionguh  
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Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Johannes 12, Vers 24

Auf diesen Moment wartet er Jahr für Jahr. Wochenlang ist nichts zu sehen außer brauner Erde. Und dann, ganz leise und zaghaft, gräbt sich ein kleines Grün hindurch und beginnt sich langsam zu strecken. So oft hat er es in den vergangenen dreißig Jahren schon gesehen, und doch ist es jedes Mal eine kleine Sensation, wie aus diesem kleinen Saatkorn solch eine imposante Pflanze wird. Er bemüht sich, dass die kleinen Triebe einen guten Start haben.

Und doch klappt es nicht immer. Besonders die Möhren tun sich in seiner Erde mitunter schwer und er muss sie ein zweites Mal aussäen, bevor sich das erste Grün zeigt. In den ersten Jahren hat er sich noch darüber geärgert und sich gefragt, ob er etwas falsch macht. Mittlerweile weiß er, dass das Gelingen nicht nur in seiner Hand liegt. Wenn ihm ein Nachbar zuraunt: »Mensch, was du wieder für tolle Kartoffeln gezogen hast«, dann ist es ihm ein Bedürfnis zu sagen: »Ich habe versucht, gute Bedingungen zu schaffen, aber ich kann die Pflanze nicht selbst in die Höhe ziehen und ihre Früchte formen. Das tut ein anderer.«

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

Im Laufe des Jahres kommen auch die Kinder aus der Kirchengemeinde gerne zu ihm. Sie nennen ihn den »Gärtner mit der gemütlichen Hütte«, denn dort hat er meist eine Kleinigkeit für sie vorbereitet. Oft erzählt er ihnen eine Geschichte aus der Bibel und dann dürfen sie etwas im Garten mitmachen. Die Kinder fühlen sich wohl bei dem alten Gärtner, der immer noch darüber staunen kann, wie seine Pflanzen wachsen. Sie spüren sein Gottvertrauen. Er versucht nicht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Er lässt den Kindern Platz für Gedanken und Fragen und bereitet damit einen guten Boden für ihr Glaubens-Samenkorn. Der Wochenspruch ermutigt uns, es dem Gärtner gleichzutun: von der eigenen Person abzusehen, das innere Streben nach Ehre sterben zu lassen und stattdessen mitten in unserem aktiven Tun auf Gottes Wirken zu vertrauen.

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthalleben

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Das haben wir schon immer so gemacht. Neues wagen!

3. März 2018 von redaktionguh  
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Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, Vers 62

Jeder kennt sie, die kleinen und großen Furchen. Der Blick in den Spiegel offenbart sie, die Falten im Gesicht. Manche verlaufen geradlinig, manche gebogen, andere verzweigen sich. Einige dieser Furchen finden sich dort seit vielen Jahren, andere sind kürzlich erst dazugekommen. Sie alle erzählen auf ihre Weise von einem Stück Lebensgeschichte.

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

An die glücklichen Momente erinnern die Lachfalten. Manche Linien auf der Stirn zeigen Verwunderung, Erstaunen oder auch Zweifel. Über der Nasenwurzel verraten die zur Stirn aufsteigenden Fältchen angestrengtes Nachdenken und vielleicht auch so manchen von Wut geprägten Augenblick. All diese Emotionen und Erinnerungen haben sich uns tief eingeprägt. Sie sind entstanden aus den Begegnungen mit anderen Menschen – Eltern und Geschwistern, Freunden, Kollegen auf Arbeit, dem Tankwart, der Friseurin, der Pfarrerin, dem Arzt, der Lehrerin. Sie alle sind Teil unserer persönlichen »Furchengeschichte«, die unser Tun im Hier und Jetzt beeinflusst.

Der Wochenspruch warnt uns davor, unseren Blick zu stark auf die geprägten Linien unseres Lebens zu richten und uns davon gefangen nehmen zu lassen. Wie schnell ist man dabei zu sagen: »Ich bin eben so, daran ändert sich nichts mehr« oder »Das haben wir schon immer so gemacht, das bleibt so.« Wenn man auf den eingetretenen Wegen läuft, ist man scheinbar auf der sicheren Seite. Eine neue Furche zu graben, erfordert Mut und letztlich tiefes Vertrauen. Das Reich Gottes wird uns in der Bibel als etwas Dynamisches beschrieben – ein Baum, der aus einem Senfkorn erwächst, ein Schatz oder eine Perle, für die man alles verkauft. Da gibt es viele Überraschungen und ungewohnte Wege. So sind wir eingeladen, unsere Augen und unser Herz weit zu machen – erwartungsvoll, wie Gott sein Reich mit uns und durch uns gestalten möchte. Der Blick für das Neue geht nach vorn – hin zu den neuen Furchen, die wir als Teil von Gottes Reich mitgraben und dadurch auch selbst verändert werden.

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

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Das Versprechen gilt: Gott hat sich auf unsere Seite gestellt

24. Februar 2018 von redaktionguh  
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Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5, Vers 8

Dass wir Menschen unsere Liebe denen erweisen, die uns ebenso lieben, das ist normal. Kommt aber leider auch nicht immer vor. Dass wir Menschen unsere Liebe denen erweisen, die gegen uns sind, das ist ganz und gar nicht normal. Und doch gibt es jemanden, der so etwas Verrücktes tut: unser Gott.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Er liebt uns von Anfang an. Von dem Zeitpunkt an, an dem er sich uns ausgedacht hat, über Zeugung und Geburt hinaus bis dahin, wo wir seine Liebe ihm endlich auch erwidern. Und von da an bis in alle Ewigkeit. Denn Gott hatte diese Sehnsucht schon immer. Dass die Menschen, die er doch so sehr liebt und die sich doch alle erst einmal von ihm abwenden, dass seine geliebten Geschöpfe sich ihm in einem freien Akt der Liebe wieder zuwenden und dadurch zu Kindern Gottes werden. Und dafür hat er etwas auf sich genommen. Aus Liebe. Er hat seinen Sohn Jesus ein großes Opfer bringen lassen. Für uns. Für jeden einzelnen von uns.

Als wir noch Sünder waren, als wir noch auf der Gegenseite des Bösen gestanden haben, da hat Gott schon einen genialen Rettungsplan entwickelt und dann auch in die Tat umgesetzt. Das Geniale an diesem Plan ist, dass unser Gott für unsere Rettung nicht von uns Opfer erwartet, wie die Götter vieler anderer Religionen. Unser Gott opfert sich lieber selbst. Er riss sich ein Stück aus seinem Herzen heraus, seinen geliebten Sohn, und sandte ihn auf diese Erde. Er ließ ihn leiden für uns und litt dabei selber unsäglich mit. Aus Liebe heraus. Und zu unserem Heil. Dadurch hat sich dieser Gott ganz auf unsere Seite gestellt, er hat damit alle Liebe geltend gemacht, er hat seine Gnade eingesetzt und sein Leben für uns hingegeben.

Allen, die seine Erlösung nun persönlich für sich annehmen und dadurch auf seiner Seite stehen, denen sichert er zu, dass nichts und niemand sie wieder aus seiner Hand reißen kann. Auch in Not- und Krisenzeiten, auch wenn wir schuldig werden, auch da gilt sein Versprechen: Ich liebe dich! Ich habe dich erlöst – du bist mein!

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

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Auch wenn es noch nicht sichtbar ist: Das Böse hat verloren

17. Februar 2018 von redaktionguh  
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Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Ist der Teufel eine personale Macht? Auf diese Frage habe ich vor einigen Jahren eine für mich stimmige Antwort gefunden, die auch sehr gut zu dem biblischen Befund passt: Das Böse in dieser Welt, in all seinen Spielarten, tritt viel zu planmäßig und gesteuert auf, als dass es nur als die Summe aller bösen Taten verstanden werden könnte. Da muss ein zielgerichteter Wille dahinterstehen, und damit eine Person. Wie diese Person, die die Quelle alles Bösen darstellt, konkret aussieht, darüber sollten wir nicht spekulieren. Und diese Macht ist der Gegenspieler unseres Gottes, der ein Gott der Liebe ist.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Die Werke des Teufels bestehen darin, uns Menschen zu verleiten, nicht den Willen Gottes zu tun, der uns zum Leben dienen soll. Deswegen hat Gott seinen Sohn Jesus gesandt, damit er durch sein Leben, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung die Werke des Teufels zerstören soll. Aber noch sehen wir leider nicht viel davon in unserer Welt. Noch sind Unfriede und Ungerechtigkeit, Trennung und Tod allgegenwärtig.

Trotzdem hat die Rettungstat von Jesus schon etwas bewirkt. Der Böse hat kein Recht mehr an uns, wir sind freigekauft. Aber er hat in dieser gefallenen Schöpfung noch eine gewisse Macht. Und doch ist Jesus jetzt schon der Sieger. Und wir dürfen aus diesem Sieg von Jesus heraus in der Kraft seines Heiligen Geistes leben. Leben als von Gott geliebte Kinder. Wir leben dadurch in einem spannungsvollen Zwischenzustand bis zur Wiederkunft Jesu. Aber in der Gegenwart von Jesus dürfen wir jetzt schon ein Leben führen, in dem Gottes Liebe und sein übernatürliches Wirken sichtbar werden können. So breitet sich das Reich Gottes aus, seine Gegenwart und die Kraft seiner Liebe. Und ich denke, dieses Leben aus der übernatürlichen Gegenwart Gottes heraus ist auch die einzige Chance, die wir haben, unsere christlichen Gemeinden geistlich zu beleben, die Werke des Teufels einzudämmen und damit auch einladend zu werden für Menschen, die in diese göttliche Bewegung des Segens noch nicht eingebunden sind.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

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