Wenn der Schirmherr Schutz und Sicherheit bietet

20. Januar 2018 von redaktionguh  
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Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60, Vers 2

Pass auf! Über dir!« – So schnell kann ich gar nicht den Kopf drehen, da höre ich, wie rechts von mir ein dumpfer Gegenstand auf den Boden knallt. Ein Glück – der Duck-Reflex hat funktioniert! Der Ball hat mich nicht erwischt! Das ging nochmal gut, denn ein Basketball hat durchaus Schmerzpotenzial … »Entschuldigung«, ruft es von links, und ich schaue noch etwas verdattert, aber freundlich zu den Sportlern hinüber. Den Ball habe ich wirklich nicht kommen sehen! Was über mir ist, spielt ja auch selten eine wichtige Rolle.

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Recht sicher ist es dieser Tage von oben, hier in meiner Stadt. Ich achte auf andere Dinge, wenn ich unterwegs bin: Wenn ich gehe, will ich die Bordsteinkante sehen, und den Pfeiler vor mir auch. Und natürlich freue ich mich, wenn ich bekannte Gesichter entdecke beim Unterwegssein.

Von oben kommt selten etwas, was mich betrifft. Ich richte meinen Blick gern auf das, was mich im Hier und Jetzt wirklich angeht. Auf das Gesicht meines Gegenübers, auf den Terminkalender und das, was ansteht, die Sorgen, Nöte und Freuden des Lebens. So hat jeder Tag seine Farbe, wie es in einem Buch heißt. Mal aktiv rot, mal fröhlich gelb, mal traurig schwarz, mal übermütig orange.

Im Buch des Propheten Jesaja hören wir von vielen dunklen Tagen. Da fehlt so gut wie nichts, was beschwerliches Leben ausmacht! Von A wie Angst bis Z wie Zweifel kennt Jesaja alles. Auch wenn links und rechts um ihn herum keine Möglichkeit auf Besserung aufscheint, von oben wird das Gute kommen. Darauf vertraut Jesaja ganz fest und sagt: »Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.«

Das ist unerschütterlicher Glaube! Eine herrliche Hoffnung: Gott, der Herr, ist über uns und wird unser Leben und unsere Dunkelheit hell machen! Dass der Herr und seine Herrlichkeit bei den Menschen sein will, dürfen wir wissen!

Jesus Christus sei Dank!

Kind – Krippe – Engel – Weihnachten, Sie wissen schon … Da rufe ich doch gern glatt selbst: »Pass auf! Über mir!«

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

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Gnade über Gnade: Gott offenbart sich in Jesus Christus

13. Januar 2018 von redaktionguh  
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Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

Johannes 1, Vers 17

Der Wochenspruch steht am Anfang des Johannesevangeliums in einem großartigen Lobpreis auf Gottes schenkendes Wirken in der Schöpfung, in der Geschichte mit dem Gottesvolk Israel und in Jesus Christus. In poetischer Sprache, mit Wiederholungen, Variationen und in schrittweiser Enthüllung wird Gottes gnädiges Wirken von allem Anfang an gepriesen. Dieses Loblied am Anfang des Johannesevangeliums sieht in Jesus Christus den »Eingeborenen, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist« (Johannes 1,18). Dieser Jesus Christus ist schon vor aller Schöpfung ganz bei Gott, er ist Teil der Heilsmacht Gottes. Er wirkt von Beginn an geheimnisvoll die Erschaffung der Welt. Er wirkt lichtvoll in seiner Schöpfung, in seinem »Eigentum« (Johannes 1,11), dem Volk Gottes. Und er schenkt Gottes Gnade in seiner Fleischwerdung (1,14), seiner Verkündigung (1,18) sowie Tod und Auferstehung. Dabei schenkt Jesus Christus nicht etwas außerhalb seiner selbst, sondern er schenkt sich selbst: Er ist lebendiges Wasser, lebenspendendes Brot, Weg, Wahrheit und Leben.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

In diesem Zusammenhang ist auch der Wochenspruch zu verstehen. Die beiden weitgehend parallel gebauten Sätze sind nicht als Gegensatz gemeint. Dann spräche dieser Vers von zwei entgegengesetzten, sich ablösenden Heilsepochen: der ersten als »Zeit des Gesetzes ohne Gnade« und der zweiten als »Zeit der Gnade ohne Gesetz«. In der Kirchengeschichte ist diese Auslegung leider oft führend geworden. Dieser Auslegung widerspricht der Johannesprolog als ganzer gründlich: Es gibt nur den einen unsichtbaren Gott, der seine Schöpfung von allem Anfang an ins Leben ruft, ihr fortwährend Licht und Leben schenkt, sein Gottesvolk beruft und immer neu sammelt. Er offenbart sich zuletzt und abschließend in Jesus Christus. In ihm begegnen wir Gottes Gnadenfülle, Gott höchstpersönlich. Er ruft uns in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

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In und aus Beziehungen leben

6. Januar 2018 von redaktionguh  
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Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Römer 8, Vers 14

Als Glaubende, Hoffende und Liebende sind wir dazu berufen, als »Gottes Kinder« zu leben. Kinder leben elementar in und aus Beziehungen zu ihren Eltern, zu ihrer Familie (Geschwister, Großeltern, Verwandte) und Freunden. Dieses Lebensgesetz gilt für jeden Menschen – unabhängig von seiner Lebenssituation. Freilich vergessen wir das gerne: Wer vor Vitalität und Energie nur so sprüht, mag schnell glauben, dass ihm die ganze Welt zu Füßen liegt.

Wer sein gutes Recht auf Selbstbestimmung missversteht, landet unversehens im Drehen um sich selbst und macht sich selbst zum Nabel der Welt. Solcher Narzissmus macht krank. Paulus vertritt im Römerbrief ein einladendes Gegenbild: Christen sind berufen, als Kinder Gottes in einer großen Familie zu leben – gleichrangig und mit einem gemeinsamen Vater im Himmel (»Abba, lieber Vater!«; Römer 8,15). Zu den zwischenmenschlichen Beziehungen tritt also eine weitere Beziehung hinzu: die zu Gott. In und aus dieser Gottesbeziehung können und sollen Christen leben. Diese Beziehung braucht wie alle anderen auch Pflege, Vertrauen, spürbare Nähe, Schutz, Freude aneinander, Rituale.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Da wir Menschen einigermaßen schwach sind, sendet Gott uns einen Brückenbauer, der uns zu Hilfe kommen möchte: Gottes heiliger Geist stiftet Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, zwischen Gott und Mensch. Er belebt und stärkt unsere Beziehungen. Er stellt uns an den richtigen Platz in der Gemeinschaft der Kinder Gottes. Er kann uns in heilsame Unruhe versetzen und manches Mal überrascht er uns auch.

An uns ist es, sich für Gottes Geist zu öffnen. An uns ist es, seine zarte Stimme aus den vielen Stimmen herauszuhören, seine Zeichen in der schieren Übermacht der Sinneseindrücke wahrzunehmen. Dafür gibt es einen besonderen Ort: das Gebet. Im Gebet öffne ich mich für Gott, seine Nähe, seinen Willen, seinen Trost und seine väterlich-mütterliche Korrektur.

Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

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Meinetwegen: Wenn Gott zu Silvester den grünen Knopf drückt

31. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.

Psalm 103, Vers 8

Wittenberg 2017. Ich laufe durch die Ausstellung »Unheilige Bilder – Cartoons zu Kirche und Religion heute«. Erfrischend, auch mal über sich selbst lachen zu können. Ich schaue mir die Karikaturen an. Ich schmunzle, ich lache laut los, ich verstumme. Von witzig über provozierend bis hin zu grenzwertig ist alles dabei. Eine schöne Ausstellung. Es tut gut, nicht immer alles so ernst nehmen zu müssen.

»Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte« – in meinem Kopf entsteht ein weiteres Bild, welches seinen Platz in der Karikaturenausstellung hätte finden können. Zu sehen: Gott – klischeehaft stilisiert mit weißem Gewand, goldenem Dreieck auf dem Kopf, fünf Fingern an jeder Hand und einem weißen Rauschebart. Er sitzt an seinem Schreibtisch, vor ihm zwei Knöpfe. Ein Roter, mit der Aufschrift: »Mir reichts!« und ein Grüner mit »Meinetwegen!«.

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Gott guckt auf den Kalender: Silvester 2017. Gott lässt das Jahr Revue passieren, seufzt einmal tief, fasst sich mit der linken Hand an die Stirn und drückt mit der rechten Hand den Knopf: Grün! Puh! Noch einmal Glück gehabt, denke ich mir. Gott sei Dank!

Ich sitze am Schreibtisch. Doch vor mir sind keine zwei Knöpfe, sondern mein Laptop: Was lief gut im letzten Jahr? Was war unerfreulich? Über wen habe ich mich geärgert, mit wem vertragen, und wem habe ich bis jetzt noch nicht verziehen? Frust und Müdigkeit breiten sich in mir aus. Wenn ich es schon nicht schaffe, mit meinen Schwächen, ja mit meiner eigenen Schuld umzugehen, wie schafft es Gott dann, den grünen Knopf zu drücken? »Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte«.

Ich sitze am Schreibtisch. Ich schließe meinen Laptop und schaue auf den Kalender: 31. 12. 2017. Ein neues Jahr beginnt. Das Zurückliegende kann und darf ich nicht vergessen. Aber ich konzentriere mich auf das Neue. Gott sei Dank! Lassen sie uns mit uns selbst ein Stück barmherziger, gnädiger, geduldiger und gütiger werden. Gott ist es mit uns schon lange.

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

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Vom Friede-Freude-Eierkuchen-Landkreis »Heile Welt«

24. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Philipper 4, Verse 4-5

Willkommen in Friede-Freude-Eierkuchen-Landkreis Heile Welt. Das gelbe Ortsschild markiert den Eingang. Der Weg hinein in das perfekte Dorf, die perfekte Stadt, das perfekte Haus. So, wie jeder und jede es mag: mit ohne Spitzendeckchen, mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche« … Landkreis »Heile Welt«. Harmonie, Liebe und Frieden erfüllen jedes Haus. Der Duft von Eierkuchen erreicht die Nasen der Kinder.

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Das gelbe Ortsschild thront nicht an einem festen Ort, aber das heißt nicht, das es nicht real ist. Wie oft steht es vor einzelnen Häusern – offensiv zur Schau gestellt, vielleicht durch leuchtende Rentiere oder einen reich geschmückten Weihnachtsbaum. Wie oft ist das Schild klein, unauffällig auf den Tisch gelegt – neben den gestärkten Servietten, bescheiden, aber sichtbar. Freuet euch – es ist der heilige Abend. Weihnachten ist da! Es ist das Fest des Friedens, der Freude, der Eierkuchen. Abermals sage ich: Freuet euch!

Ich fahre im Auto und sehe die Rückseite des gelben Schildes: Friede-Freude-Eierkuchen – durchgestrichen mit einer dicken roten Linie. Ja, hier endet sie, die »Heile Welt«. Hier beginnt die Normalität. Der nächste Ort? Ramsin – Roitzsch – Holzweißig. Ganz normal – mit ohne Spitzendeckchen, mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche«.

Nicht immer so, wie jeder und jede es mag, sondern vermag. Landkreis »Unheile Welt«. Am ersten Weihnachtsfeiertag flimmern einige Lichter des Rentieres; die ersten Kugeln des geschmückten Weihnachtsbaumes sind zerbrochen; die Servietten im Wäschekorb. Der Friede währte nur kurz, die Freude ist weniger geworden, die Eierkuchen verbrannt. Ich fahre durch die Orte. Der Herr ist nahe – heute, hier in diesem Haus; in den Orten des Landkreises »Unheile Welt«. Heute ist der heilige Abend. Mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche«. Willkommen in der heilen unheilen Welt. Freuet euch, ihr in der unheilen Welt: Der Herr ist nahe!

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

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Auch das noch: In all der Hektik Gott empfangen

16. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.

Jesaja 40, Verse 3 und 10

Advent – das bedeutet: Gott kommt zu mir! Dieser Spruch für die neue Woche in diesem Advent ist für mich wie ein Stolperstein. Hoppla, was gilt denn jetzt? Kommt Gott zu mir oder was muss ich tun, um Gott nahe zu sein? Im Laufe des Jahres stelle ich mir diese Frage immer wieder. Aber jetzt, gerade im Advent, kommt mir immer wieder die Botschaft zu Ohren, dass Gott mir auf besondere Weise nahe ist.

Dieses Wort des Propheten Jesaja ist eine Aufmunterung an uns Menschen: Bereitet dem Herrn den Weg! Da frage ich mich, wie mir das gelingt. Ich spüre einen hohen Anspruch. Ob ich dem gerecht werden kann? Ich gehe durch den Alltag mit vielen Terminen im Kalender und vielem, was ich noch nicht erledigt habe, weil ich es zeitlich einfach nicht geschafft habe. Und jetzt soll ich dem Herrn auch noch den Weg bereiten! Bin ich dazu überhaupt in der Lage oder ist das eine viel zu hohe Anforderung?

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Gott kommt zu mir! Gott ist mir nahe! Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass durch die Begegnung mit anderen Frauen, Männern und Kindern Gott auf besondere Weise präsent ist. Zum Beispiel dann, wenn ich in ein interessantes Gespräch verwickelt werde. Wir reden über Gott und die Welt – dann ist Gott nahe. Oder, wenn ich jemandem einen kleinen Gefallen tun konnte – dann ist Gott nahe. Wenn Türen aufgeschlossen werden, damit sich Menschen begegnen können – dann ist Gott nahe. Wenn sich Frauen oder Männer zur Taufe entscheiden, wenn sie ihren Glauben wechseln, weil ihnen das jetzt wichtig ist, in dieser Kultur zu leben und mit ihr vertraut zu sein – dann ist Gott nahe. Wenn Frauen, Männer und Kinder ein Krippenspiel einüben, um es am Heiligen Abend aufzuführen – dann ist Gott nahe. Dann öffnen sich verschlossene Türen. Jesus hat einmal gesagt: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. (Johannes 10,9)

Ich glaube, wir können dem Herrn den Weg bereiten und machen dabei eindrückliche Erfahrungen. Ich wünsche Ihnen gesegnete Wege, auf denen Sie Gott spüren.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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Sie haben eine neue Nachricht: Zeit für einen Blickwechsel

9. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, Vers 28

lles leuchtet und glänzt. Wenn wir durch die Orte und Städte gehen, dann sehen wir überall Weihnachtssterne und Lichterketten. Das ist gar nicht zu übersehen. Und das ist auch gut so, denn wir sind eingeladen in dieser Adventszeit, uns auf die Geburt Jesu und sein Kommen in unsere Welt vorzubereiten. Der Wochenspruch muntert uns dazu auf.

In der Regel erfahren unsere Sinne eine Flut von Reizen. So viel nehmen wir wahr, wenn wir durch den Alltag gehen. Dort dudelt Musik, da läuft das Radio, die Smartphones sind ständig in Betrieb. Achtung: Es könnte eine Nachricht kommen! Das setzt mich zeitweise ziemlich unter Druck. Ich traue mich zuweilen gar nicht, mein Handy auch einmal auszuschalten. Aber ich glaube, jeder Mensch braucht Zeiten, sich zurückzuziehen, um zu tun, wozu uns der Wochenspruch ermuntert: Auf den zu sehen, der uns erlöst hat – Jesus Christus. Diese Zeit des Advents ist eine schöne Zeit, weil wir uns auf Weihnachten vorbereiten, weil wir auf das Kind in der Krippe schauen können, weil wir es bewundern dürfen, weil wir auf unseren Herrn schauen, der uns ein ganz neues Leben ermöglicht.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Wie oft kommen wir im Alltag an unsere Grenzen. Der Beruf, die Familie fordert uns heraus. Immer wird voller Einsatz erwartet. Und deshalb brauchen wir andere Zeiten. Ich freue mich über den Adventskalender, über Worte, die ich jeden Tag lese, um mich auf meinen Glauben zu besinnen. Deshalb tut es mir gut, woanders hinzuschauen als auf den Schreibtisch oder auf den Terminkalender, der voll ist und abgearbeitet werden will. Ich sehe auf zu meinem Gott, der mir seinen Sohn geschenkt hat. Zu ihm sehe ich auf, weil er mir die Augen öffnet und mir eine neue Welt zeigt.

Ich freue mich deshalb über das Adventsliedersingen, über die Gottesdienste im Advent, auf das Leuchten der Lichter, die mich an dieses eine Licht erinnern, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

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Die Fortsetzung: Schluss mit dem Dunkel!

2. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Sacharja 9, Vers 9

Es ist dem ein Ende gemacht, was uns beschwert. Schluss mit dem Dunkel! Die dritte Tür, der dritte Dezember, erster Advent, erstes Licht.

Licht! Ja, es vertreibt das Dunkel. Der Trost leuchtet auf. So lasst die Lichter brennen. In den Fenstern, auf den Kränzen. Die Ketten und Kerzen, knipst sie an in den Häusern, ja, meinetwegen auch die elektrischen Teelichter auf den Tischen, solange es uns an das erinnert, was wir ersehnen.

Spart nicht, ausnahmsweise mal nicht, nein, verschwendet Licht. Entzündet das Feuer des Anfangs für die Hoffnung auf Licht. Und wir kramen es raus, all das, was dazugehört, und stellen es hin: gut sichtbar für die Menschen in den Häusern und für die, die draußen vorbeigehen: die Schwippbögen, Sterne und Laternen.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Licht, Licht, machet Licht für unsere Seelen, und lasset die Lichter brennen, denn es ist der Anfang. Wir entzünden die Lichter der Hoffnung für die Zeit des Aufbruchs. Und die Lichter brennen, wir sehen sie im Dunkeln leuchten, ja, auch immer noch auf den Friedhöfen, in den Kirchen, ewige Lichter für das ewige Licht. Die Vielen zeigen das eine: Lichter, entzündet an Orten des Abschieds und Gedenkens für das erneute Willkommen.

Er kommt, der Eine und Einzige. Wenn wir sonst so oft sagen, dass andere ihm entgegengegangen sind, so sehen wir jetzt: Er kommt. Und wir dürfen ihn willkommen heißen.

Zeigt ihm, wie hell es leuchtet, wenn wir die Kerzen anzünden, die Lichter des Glaubens, angesteckt am Licht der Gewissheit.

Er kommt, er ist da, Gott, der Herr, der das Licht der Welt ist und dessen Strahlen wir im Kleinen abbilden, wenn wir es leuchten lassen. Zündet sie an, die erste, die zweite Kerze, jedes nur findbare Licht in euch und gebt es weiter. Spart nicht, teilt Hoffnung, Glaube, Liebe, Zuversicht, Willkommen und Mitgefühl, teilt Licht.

Das ist Advent, das ist Erinnern, das ist Licht. So gedenken wir des Anfangs.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

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Der Tod ist nicht das Ende – Fortsetzung folgt

25. November 2017 von redaktionguh  
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Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

Lukas 12, Vers 35

So gedenken wir des Endes. Und es sind so viele Kerzen in diesem Jahr. Wir nennen die Namen, den Geburtstag, den Sterbetag, und wir entzünden eine Kerze für jeden. Für jeden einzelnen Menschen, der von uns gegangen ist, für jeden, der Licht in unser Leben gebracht hat als Ehefrau, Vater, Kind, Freund.

Beim Entzünden kommen die Erinnerungen. An die Menschen auf den Fotos neben ihrem eigenen Sarg, ihrer Urne, sie lachen, sind am Höhepunkt ihres Lebens. Junge Menschen, so wie sie vor vielen Jahren aussahen, in schwarz-weiß, oder noch keine zehn Jahre her, im Urlaub, den Arm um den Mann gelegt oder auf die Schulter der Kinder, im Kreis der Freunde. Alte Menschen bei Jubelfeiern, stolz an der Stirnseite des Tisches bei ihrem 80sten Geburtstag, oder bei der Diamentenen Hochzeit, frische Frisuren, noch einmal mobilisierte Kräfte. Wir halten inne, lassen das Licht wirken. Dann die nächste Kerze, der nächste Name. Bilder vom Moment des Abschiedes, trauernde Angehörige, Tränen, Trost. Es ist ein Ende.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Aber lasst die Lichter brennen! Entzündet das Licht des Erinnerns am Licht der Ewigkeit! So oft haben wir eine Kerze in unseren Gottesdiensten dieses Jahr angezündet. Wenn Gott einen Menschen aus unserer Mitte heimgerufen hat. Wir kündigen ihn ab, wir beten für ihn und die Angehörigen, und wir entzünden schon hier, mitten im Kirchenjahr, eine Kerze für ihn. Entzünden das Licht der Trauer am Licht der Auferstehung! Das rote Licht begleitet uns im Gottesdienst, steht unter dem Kreuz auf dem Altar, nimmt unsere Gedanken, den Trost, den gemeinsamen Gesang, Gottes Segen in sich auf. Bei den letzten Tönen der Orgel geben wir es den Angehörigen mit nach Hause.

Dieses Licht der Gemeinschaft und des Mitfühlens, entzündet für die Stunden der Einsamkeit und der Dunkelheit. Ein Leben ging zu Ende. Ein Leben beginnt. Hier fühlen wir uns mit Schwärze umhüllt, dort, so lassen wir es uns zusagen, ist reines Licht. Unser Leben fängt Feuer am Licht der Auferstehung. Es ist ein Anfang, denn … (Fortsetzung folgt)

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

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Das ist meine Hoffnung: Gottes Gnade hat das letzte Wort

18. November 2017 von redaktionguh  
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Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

2. Korinther 5, Vers 10

Es gibt so Tage, aus denen könnte man bequem zwei machen. Alles rauscht an mir vorbei, und ich habe kaum Gelegenheit innezuhalten und mich zu fragen, ob das, was ich da gerade tue, wirklich gut ist – gut für mich und gut für andere. Manchmal holt mich das ein paar Tage später wieder ein, wenn mich jemand anspricht und fragt, warum ich neulich so schroff war. Dann bin ich oft überrascht und auch ein wenig erschrocken über mich selbst.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Dass das an einem hektischen Tag passieren kann, ist mir schon klar, und es ärgert mich nichts so sehr wie der Umstand, dass ich es offenbar selbst nicht mal gemerkt habe. Und dann frage ich mich, wie viele Menschen ich an diesem hektischen Tag wohl noch vor den Kopf gestoßen oder ihnen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet habe, die sie verdienen. Ich nehme mir viel zu oft viel zu wenig Zeit, um zurückzuschauen auf das, was ich so den Tag über getan habe. Abends lege ich dann alles in mein abendliches Vaterunser. Dennoch bleibt das Gefühl, dass da zu viel unter meinen persönlichen Teppich gekehrt wird. Abhaken und weitermachen lautet die Devise.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. – Was im ersten Moment wie eine Drohung klingt, birgt für mich auch eine Hoffnung. Die Hoffnung, dass nichts vergessen ist. Dass ich irgendwann vor meinem Herrn stehe und wir gemeinsam auf all das schauen, was in diesen hektischen Zeiten meines Lebens untergegangen und zu kurz gekommen ist. Ich glaube, es gibt dann einiges zu beweinen, sicher etwas zu lachen, viel zu bereuen und manches zu wundern.

Ich habe keine Angst vor diesem jüngsten Tag, weil ich glaube und hoffe, dass das Wort der Gnade das letzte Wort ist, das über mich gesprochen wird. Dieser Glaube gibt mir die Kraft in hektischen Zeiten. Wenigstens die Kraft für ein Stoßgebet und das Vertrauen darauf, dass es gehört wird. Um dann in knappen Worten all meine Schuld aussprechen zu dürfen und darauf zu vertrauen, dass irgendwann Zeit ist, zu trauern und zu bereuen und offenbar zu werden.

Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

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