Glauben ganz praktisch: Wir sind Teil in Gottes Handeln

25. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Johannes 12, Vers 24

Was es mit dem Weizenkorn auf sich hat, erklärt Jesus selbst seinen Jüngern und damit uns: »Der Same ist das Wort Gottes.« (Lukas 8,11) Welchen wunderbaren Weg dieses Wort geht, können wir bei Jesaja nachlesen: Gleichwie der Regen vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein. »Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.« (Jesaja 55,10.11) Was für ein Wort! Gott spricht und so geschieht es. Wie bei der Schöpfung. Von unserem Mitwirken ist überhaupt nicht die Rede. Es geschieht einfach, weil Gott es so will! Dieses Wort kann aber auch ganz anders: »Es ist wie ein Feuer, wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt.« (Jeremia 23,29) Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert, das scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein. (Hebräer 4,12) Warum zähle ich das auf? Diese Beispiele aus der Bibel zeigen, wie gefährlich Gottes Wort sein kann und welche Macht es hat. Zurück zum Weizenkorn und dem zarten Wachstum.

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Das Weizenkorn ist schließlich Jesus selbst, weil es das fleischgewordene Wort ist. Zu unserem Glück begegnet er uns nicht mit seiner Macht, sondern mit seiner Liebe. Das Korn stirbt nicht einfach, es »erstirbt«. Malcolm, ein gebürtiger Brite, hat mir erklärt, dass dieses deutsche Wort eher einen Vorgang beschreibt als einen Zustand. Deswegen ist dieses eher ungebräuchliche Wort auch in der neuen Lutherübersetzung stehen geblieben. Das gefällt mir. Denn dadurch kommen wir doch noch ins Spiel. In diesen Vorgang sind wir nämlich selber mit hineingebunden. Denn dieser Wochenspruch begleitet uns nicht zufällig ausgerechnet in der Passionszeit:

Jesus stirbt, damit wir leben können. Indem wir unseren Glauben leben, sind wir die Frucht, die Gott sehen will. Sonst wäre das Weizenkorn ja umsonst gestorben. Wäre doch schade um die Saat!

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Vor den Kopf gestoßen: Frohe Nachricht sieht anders aus

18. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, Vers 62

Das Evangelium am Sonntag ist gar kein Evangelium. Frohe Nachricht sieht anders aus. Dreimal stößt Jesus wohlmeinende Menschen vor den Kopf! Der Erste kommt von sich aus. Großartig! Willkommen! Da will einer gern nachfolgen. Aber Jesus wehrt ihn ab: »Wenn du mir nachfolgen willst, weißt du überhaupt, auf was du dich da einlässt?« Ein Zweiter, den Jesus anspricht, will erst seinen Vater begraben. Verständlich. Und was knallt ihm Jesus vor den Kopf? »Lass die Toten ihre Toten begraben.« Na, ob der jetzt noch gewillt ist? Wer seine eigenen Eltern beerdigen musste, kann hier nur erschrecken, das ist nahezu unmenschlich. Der Dritte kommt wieder von sich aus und will Jesus folgen. Aber er will sich erst von seiner Familie verabschieden. Einfach wegrennen gehört sich nicht. Diesem antwortet Jesus mit dem Wochenspruch. Will heißen: wenn du mir folgen willst, geht das nur, wenn du alle Brücken, alle bisherigen Beziehungen hinter dir lässt.

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Mal ganz ehrlich: könnten Sie das? Oft bewundern wir unseren Herrn in den Berichten des Neuen Testaments oder freuen uns über seine Gleichnisse und Verheißungen. Aber diesmal gehören wir zu denen, die er abweist! Können Sie Heimat, Familie, Bindungen einfach aufgeben? Oder ich frage anders: wer ist denn gern heimatlos, bindungslos, rücksichtslos?

Der kommende Sonntag ist überschrieben: bereit zum Verzicht. Aber auf was wir hier verzichten sollen! Wer hier »frohe Botschaft« suchen will, braucht die ganz große Lupe. Aber eine weichgespülte Version kann ich nicht anbieten, nach dem Motto: das hat unser Herr Jesus bestimmt nicht so gemeint. Doch, hat er! Wir merken: es ist Leidenszeit, Passionszeit und das Evangelium ist ein »skandalon«, ein Ärgernis, ein Stein des Anstoßes. Es wird Ihnen und mir vor den Kopf gestoßen. Was kann ich Ihnen Frohmachendes mitgeben? Der Sonntag »Okuli« bedeutet: Meine Augen sehen stets auf den Herrn (aus Psalm 25,15). Behalten Sie diesen Herrn trotz des Unverständnisses an diesem Wochenende im Auge!

Martin Lieberknecht, Pfarrer i. R., Ramsla

Im siebten Himmel – ein Liebesschloss für Gott

11. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5, Vers 8

Da sind zwei Menschen. Sie reisen gern. Wir kennen ihre Namen nicht. Wir wissen nur, sie waren einmal in einer großen deutschen Stadt. Einer mit Fluss. Einer mit großer Brücke über den Fluss. Und da waren diese Schlösser. Kleine Vorhängeschlösser. Dutzende, Hunderte, Tausende. In allen Farben. In allen Größen. Schlösser über Schlösser. An Geländern. Schlösser der Erinnerung.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Da sind zwei Menschen. Sie mögen sich. Jetzt sind sie wieder in Bad Liebenstein. Wir kennen ihre Namen nicht. Wir kennen nur die Initiale. P. und A. schlendern Arm in Arm durch den Kurpark. Den neuen, der klein-mondän daliegt. Mitten im Ort. Da ist auch eine Brücke. Sie sind sich ganz sicher. Jetzt. Hier soll es sein! Hier wollen sie ihre Herzen zusammenschließen. Sie nehmen das Schloss, öffnen es, geben sich dankbar einen langen Kuss und dann lassen sie es zuschnappen. »P+A« steht darauf. Ein Schloss der Erinnerung.

Da ist ein Mensch. Seinen Namen kennen wir. Paul heißt er. Und Single ist er. Paul läuft durch den Kurpark in Bad Liebenstein. Denn Paul reist gern. Und Paul beobachtet gern. Er biegt auf die Brücke ein. An den Geländern links und rechts: Bald zwanzig, bald dreißig kleine Vorhängeschlösser. Die umschließen die Eisenrohre der Geländer. Und tragen kleine Aufschriften. »Kim & Mirko«, »P+A«, »Für meine Göttin«, »D. ILD M.« Und überall sind kleine Herzen darauf.

Paul denkt gern. Was diese Schlösser wohl bedeuten? Er kennt das mit den Liebesschlössern nicht. Da zuckt es ihm durch den Kopf. Da strahlt er übers ganze Gesicht. Er ist sich ganz sicher! Ja! So muss es sein! Er hat das doch vor Jahren schon mal aufgeschrieben: »Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.«

Tags drauf kommt er wieder. Er nimmt das Schloss, spricht ein Dankgebet und graviert: »P. & Gott. Danke JC«. Dann lässt er es zuschnappen, das Schloss der Erinnerung.

Friedemann Sommer, Vikar in Bad Liebenstein und Gumpelstadt

Leicht macht es uns der Herrgott heutzutage nicht

5. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Dieses Bibelwort klingt dramatisch. Der große Kampf zwischen Gut und Böse. Wenn es darum geht, ob der Teufel oder Jesus Christus in dieser Welt regiert, da kann es doch nur eine Antwort geben: Natürlich stehen wir auf der Seite des Guten.

WzW-2017-09

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Ich fürchte freilich, dass die Wortgewalt dieses Bibelwortes die Wahrheit unserer Gegenwart eher verschleiert als erhellt. Denn das Böse kommt heute ziemlich banal und mit mancherlei »einleuchtenden Argumenten« daher. Als Kneipenwitz über Muslime oder Osteuropäer, von denen man sich nicht den Mund verbieten lassen will, oder als selbstherrliches Parteiprogramm, das aus eigenen Defiziten heraus den Anspruch formuliert, wichtiger als der Rest der Welt zu sein, oder in längst alltäglich gewordener Gewalt in Kriegen und Anschlägen, durchgeführt von all denen, die meinen, das Recht auf Leben anderer mit Füßen treten zu dürfen. So sehen die Werke des Teufels heute aus und schwappen über unsere Fernseher, Computer und Kantinengespräche in unsere Köpfe und Herzen.

Haben wir Christen der Wirklichkeit in der Welt nichts als Ratlosigkeit entgegenzusetzen? Sollen wir für das Gute noch lauter brüllen als andere für ihren Egoismus? Ist Gottes Sohn Jesus Christus abgetreten von der Bühne der Welt?

In all den Diskussionen in uns und um uns herum drohen wir Christen die Mitte dessen, was Jesus uns ist, fast zu vergessen. Die Antwort auf das Böse um uns ist unbequem, herausfordernd und provozierend. Jesus bietet keine faulen Kompromisse für unsere egoistische Ängstlichkeit. Gottes Wort gegen die Werke des Teufels heute ist die Bergpredigt, ist die Seligpreisung der Friedfertigen, Sanftmütigen und Barmherzigen, ist das Verbot, zu töten mit Worten und Waffen, ist die Forderung, auch Feinde zu lieben.

In ernsten Zeiten wie heute spüren wir wirklich, was Jesu Mahnung, Gott zu vertrauen, bedeutet. Leicht macht es uns der Herrgott nicht. Doch ratlos sind wir Christen auch nicht.

Die Frage ist, wollen wir auf Jesus hören oder lieber nicht?

Andreas Müller

Glauben ist anders: Ohne Vertrauen geht nichts

25. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Lukas 18, Vers 31

Auf gehts, lasst uns gehen – ob die Jünger gewusst haben, was da alles auf sie zukommt? Wenn sie die Erzählungen der Propheten kannten, hatten sie sicher eine Ahnung von dem, was in Jerusalem passieren würde. Natürlich: Aus heutiger Sicht sind wir schlauer; aber die Jünger konnten es damals gewiss nicht begreifen und verstehen. Wie auch.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Denn ihr Jesus war schon immer ganz anders. Sein Leben eröffnete ihnen neue Welten. Er wendete sich denen zu, die keiner sehen wollte. Sie hörten ihm zu und folgten ihm. Alles an ihm war anders. Und dennoch, oder vielleicht genau deswegen, hatte er diese ganz bestimmte Anziehungskraft. Möglicherweise war es das, was sie spürten: Von diesem Mann geht mehr aus, als sie je begreifen konnten.

Auf gehts, lasst uns gehen – was würdest du tun, würde dir das heute jemand sagen? Vermutlich würde ich erst einmal wissen wollen, wo es hingehen soll. Ich möchte mich doch absichern. Nichts ist anstrengender, als einen Weg zweimal zu gehen. Dann möchte ich wissen, was es für einen Sinn hat, das Ganze.

Einfach etwas zu tun, ohne zu wissen, wofür und weshalb, ist das nicht Zeitverschwendung? Also, ohne Erklärungen und genauen Plan kommt in meinem Leben vieles nicht so schnell in Gang. Mein Leben habe ich gern selbst in der Hand.

Mein Glaube ist da ganz anders. Mit ihm gehe ich Wege, die ich vorher noch nicht kannte. Ich begebe mich auf ungewöhnliche, manchmal auch schwierige Pfade, mit einer tiefen inneren Gewissheit, dass genau das jetzt das Richtige ist. Das fühlt sich gut an und tut gut. Vielleicht ist es dieses Gefühl, das mich an meinem Glauben festhalten lässt, egal wann und wo, egal wie hoch der Berg oder wie tief das Wasser ist. Ich kann ihn nicht erklären, aber er bewegt etwas in mir und um mich, das ich nicht in der Hand habe und das gut so ist!

Dafür laufe ich gern los.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin, Merseburg

Schweres Gepäck einfach mal abstellen

18. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.

Hebräer 3, Vers 15

Für gewöhnlich sind Herzen rot. Leuchtende, pulsierende Herzen. Sie zieren die Notizblöcke verliebter Teenager oder schmücken dieser Tage die Schaufenster der Blumengeschäfte zum Valentinstag. In meiner Vorstellung sind Herzen meist rot, und medizinisch betrachtet trägt das Organ ebenso eine rote Farbe. Doch wie sehen sie wirklich aus, unsere Herzen, und was treibt sie um?

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Manch einer hat ein gutes Gespür dafür, was sein eigenes Herz im übertragenen Sinne so beschäftigt. Es gibt sie, diese Herzensmenschen, die mit Liebe und Leidenschaft durch ihr buntes Leben streifen und sich und anderen Freude bereiten. Das kommt der Vorstellung der rot-pulsierenden Herzen am nächsten.

Doch ich wage zu behaupten, es gibt auch andere Herzen. Die, die kaum beweglich sind. Herzen, die ihre Vergangenheit als Narben mit sich tragen. Herzen, die hart geworden sind, weil Erinnerungen sie erstarrt haben. Menschen mit solchen Herzen gibt es. Oft verschließen sie sich all dem, was das Herz im Innersten angehen könnte. Nur verständlich, denn viel zu schmerzhaft sind die Narben.

Es gibt sie, die Menschen mit starren Herzen. Manchmal kann ich ihre Lebensweise verstehen, und doch drängt es mich oft, sie wachzurütteln. Ich wünschte, ich könnte sie trösten, ihnen etwas Angemessenes sagen. Ich wünschte, sie würden wach werden. Ich wünschte, sie würden hören, damit sich ihre Erstarrung löst. Damit sie das Leben, was vor ihnen liegt, wahrnehmen können, ohne Wenn und Aber. Einmal unbeschwert nach vorn schauen können, ohne Last.

Sicher, es gibt immer ein Aber, und was morgen kommt, das liegt nun mal viel zu oft eben nicht in unseren Händen oder Worten. Und ja, viele Erinnerungen tragen wir als schweres Gepäck mit uns. Doch wie wäre es, den Rucksack einmal abzustellen? Vielleicht nicht gleich für den ganzen Weg, vielleicht erstmal nur für ein paar Schritte. Erst einen, dann zwei. Wer weiß, was wir dann sehen – wenn wir nach vorn schauen.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin, Merseburg

Selbstvertrauen ist gut – Gottvertrauen ist besser

11. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Daniel 9, Vers 18

Der Weihnachtsfestkreis mit der Epiphaniaszeit liegt hinter uns. Was bleibt? »Alles hat seine Zeit« (Prediger 3,1), auch die Feste und das Feiern. Der Alltag des Kirchenjahres hat uns wieder. Und Alltag heißt Arbeit, Engagement, Tätigsein. So sehr wir die Feierzeit und freie Zeit auch genießen, gibt uns der Alltag doch unsere eigentliche Bestätigung: das Gebrauchtsein, die Anerkennung, die Selbstverwirklichung, den Erfolg. Aber das Weihnachtsfest wie das ganze Kirchenjahr erinnert uns daran, dass unser Leben, unser Erlöstsein, unsere Zukunft nicht in unseren eigenen Kräften liegt, nicht alltäglich, nicht Ergebnis unserer Bemühungen ist, sondern reines Geschenk, Gnade, Barmherzigkeit! Unsere Weihnachtsgeschenke waren ein kleiner Widerschein dieser großen Gnade: alles umsonst, aus lauter Liebe, unverdient!

Wohin wir mit unseren eigenen Kräften kommen, zeigt die gesellschaftliche, politische und globale Gegenwart deutlich genug. Und im Privaten sieht es oft nicht viel verheißungsvoller aus. Deswegen liegen wir »vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit«. Selbstvertrauen ist gut – Gottvertrauen ist besser.

Giselher Quast, Pfarrer i. R., Magdeburg

Giselher Quast, Pfarrer i. R., Magdeburg

Die gegenwärtige Entwicklung hin zum Selbstvertrauen der Protestbürger, die zwar wenig politische Kultur und Einsicht haben, dafür aber die Macht der Masse erkennen, das Selbstbewusstsein von Politikern, die jetzt Drohung, Egoismus und Geschäft an die Stelle des Wohles aller setzen, spricht Bände über den Verfall des Gottvertrauens. »Wir aber vertrauen auf deine große Barmherzigkeit.«

Wir, das sind Menschen, die keineswegs sich selber nichts zutrauen, aber deren Motivation nicht aus der Machbarkeit der Dinge kommt, sondern aus der Kraft, die Gott gibt – unverdient, umsonst, aus lauter Liebe. An der Gerechtigkeit scheitern wir mit schöner Regelmäßigkeit. An der Barmherzigkeit können wir nur wachsen – hin zu Kräften, die nicht resignieren, und zu einer Dankbarkeit, die alles gibt.

Giselher Quast Pfarrer i.R., Magdeburg

Ein kleines Licht überstrahlt die Mächtigen

4. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60,2

Geht es nicht auch ein bisschen niedriger? Oben das Licht, fern in Himmelshöhen, und hier unten das Chaos, das uns in den letzten Jahren mehr und mehr umtreibt? Wo ist das Licht unter uns, die Herrlichkeit Gottes erlebbar auf Erden?

Giselher Quast, Pfarrer i. R., Magdeburg

Giselher Quast, Pfarrer i. R., Magdeburg

Über uns sind schon so viele Sonnen aufgegangen – sie haben immer mehr versprochen, als sie gehalten haben: der Strahlenkranz der FDJ zu DDR-Zeiten, Hammer und Sichel auf der Sowjetflagge im Licht der aufgehenden Sonne, die Sonnen-Rune des Dritten Reiches und der Neonazis; selbst im letzten Actionfilm Hollywoods triumphiert der einsame Held noch im Licht eines neuen Morgens. Und doch scheint es immer dunkler zu werden, treiben uns die politischen Ereignisse immer mehr um, hat sich der ersehnte Frieden nach dem Ende der Weltenteilung, nach dem Ende des Eisernen Vorhangs niemals eingestellt.

Hat auch der dritte Jesaja, der Heilsprophet, am Ende so eine Siegergeste verkündet? Er hat das Ende des großen babylonischen Exils erlebt, den Wiederaufbau Jerusalems und die Tempelweihe – große Hoffnungen, eine leuchtende Zukunft. Aber den Mühen der Berge folgten die Mühen der Ebenen, den politischen Höhenflügen immer die Ernüchterung!

Die Epiphaniaszeit mit ihrer Lichtthematik geht jetzt zu Ende. Noch drei Wochen Übergang, dann beginnt die Passionszeit, die Zeit des Gottes, der nicht als Siegergestalt gekommen ist. Vom Kind in der Krippe, verfolgt von den Mächtigen, über den einfachen Handwerker in Nazareth bis zum Märtyrer am Kreuz zeigt er uns ein anderes Gottesbild: ein Gottesbild, das Donald Trump ebenso wenig gefallen kann wie Wladimir Putin oder den Deutschen, die ihren Wohlstand abschotten wollen und nach einem starken Staat rufen.

Das Licht ist anders über uns aufgegangen, als viele es erhofft haben. Und es gibt nur eine Möglichkeit, die Herrlichkeit aus der Höhe auf das Dunkel Erde zu holen: indem wir Spiegel sind und das Licht einfangen, das Licht des anderen Gottes, in unzähligen kleinen Lichtern der Welt.

Giselher Quast, Pfarrer i. R., Magdeburg

Mit Gottes Gaben für gute Nachrichten sorgen

28. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Psalm 66,5

Meine Damen und Herren – die Nachrichten!« Der Fernseher läuft und ich schaue die Nachrichten an, aber kann nicht alles erfassen. Zu viele Neuigkeiten aus aller Welt. Nach 15 Minuten sind sie vorbei. Ich mache den Fernseher aus und denke über das Gehörte und Gesehene nach. Wieder nur negative Schlagzeilen. Kriege, Anschläge, Tote, Verfolgte, Aufstände, Fake news, Social Bots, Rassismus, Hass und Hetze. Das Wetter lässt auch zu wünschen übrig. Wieder eine Sturmflut. Die einzige positive Meldung: Die Queen hat sich von einer schweren Grippe erholt.

Gute Nachrichten gibt es kaum noch. Und wenn doch, dann werden sie nur sehr kurz angerissen. Ich habe das Gefühl, dass es nur noch Negatives in der Welt gibt. Aber jetzt fehlt mir die Zeit, um weiter darüber nachzudenken. Ich habe noch eine Andacht vorzubereiten. Ich schlage den Wochenspruch auf –Psalm 66. Sofort schießt mir die Melodie eines Liedes aus dem Gesangbuch in den Kopf. »Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren« – so häufig singen wir es im Gottesdienst. Es beinhaltet den Text des Psalms. Dazu könnte ich wunderbar eine Andacht gestalten.

Und dann kommen mir doch wieder die Nachrichten von eben in den Sinn. Denn der Blick für die schönen, wertvollen, aber auch kleinen Dinge geht immer mehr verloren. Vielleicht sollte ich über mein Nachrichtenerlebnis erzählen, um dann über Gottes Werk zu sprechen? Denn seine Werke bestehen nicht aus negativen Nachrichten. Er tut so viel Gutes an uns. An jedem von uns. Und das begann schon mit der Schöpfung. Zu so vielem sind wir befähigt und so viele Gaben hat er uns geschenkt. Den Verstand, die Liebe, die Hoffnung, die Sprache und den Glauben. Durch all diese Zuschreibungen können wir uns für die Armen, Kranken, Diskriminierten und Verfolgten einsetzen. Wir können unsere Stimme für Frieden und Gerechtigkeit erheben. Und wenn wir die guten Werke Gottes nutzen, hören wir wieder öfter: »Und nun kommen wir zu den positiven Nachrichten des Tages.«

Julia Braband, Theologiestudentin in Jena und Mitglied der EKM-Kirchenleitung

Wir können miteinander und tun es auch

22. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Lukas 13,29

In weniger als vier Monaten ist es so weit: Der Lutherische Weltbund lädt Mitte Mai zu seiner 12. Vollversammlung nach Namibia ein. Ich kann es kaum erwarten, denn eine solche Vollversammlung findet nur alle sieben Jahre statt. Delegierte aus Japan, Chile und Kanada, ebenso wie Delegierte aus Island, Lettland und Madagaskar werden kommen. Wir machen uns auf aus 145 Mitgliedskirchen und über 90 verschiedenen Ländern. Von Osten und von Westen, von Norden und von Süden kommen wir, um uns in Namibia zu treffen. Einige werden einen längeren Weg vor sich haben, andere einen kürzeren. Aber alle verbindet die gleiche Absicht – ein Treffen, um miteinander zu reden, zu debattieren, sich auszutauschen und gemeinsam zu beten.

Julia Braband, Theologiestudentin und Mitglied der EKM-Kirchenleitung – Foto: Adrienne Uebbing

Es wird strittige Themen, aber auch viele gemeinsame Punkte geben. Und doch werden wir alle gemeinsam Gottesdienst und Abendmahl feiern. Wir sind eingeladen, gemeinsam am Tisch Platz zu nehmen, gemeinsam auf Gottes Wort zu hören. Die Gemeinschaft leben und die frohe Botschaft verstehen, trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen – denn wir alle glauben an den einen Gott und sind uns gewiss, dass wir nicht nur in Namibia gemeinsam am Tisch sitzen werden, sondern auch im Reich Gottes.

Wir werden uns über all die Erlebnisse und Geschichten austauschen, die die Vollversammlung mit sich gebracht hat. Und wir werden nicht allein, als Protestanten, am Tisch sitzen, sondern auch unsere katholischen und orthodoxen Geschwister werden Platz nehmen.

Aber müssen wir wirklich auf ein zukünftiges Zusammentreffen im Reich Gottes warten, um wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen? Bricht das Reich Gottes nicht schon in Namibia an? Begegnet es uns nicht schon lange in gemeinsamen Gottesdiensten und im Abendmahl? Vielleicht erahnen wir es noch nicht, doch überall sind kleine Hinweise versteckt. Wir sollten die Augen offen halten für Gottes Reich.

Julia Braband

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