Hoffnungszeichen für die Region

28. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Neubau des Allianzhauses in Bad Blankenburg eröffnet

Umbau und Erweiterung haben die Infrastruktur der Häuser verändert und ­geben Raum für die zukünftige Arbeit der Evangelischen Allianz. Foto: Andreas Abendroth

Umbau und Erweiterung haben die Infrastruktur der Häuser verändert und ­geben Raum für die zukünftige Arbeit der Evangelischen Allianz. Foto: Andreas Abendroth

Das größte Bauvorhaben in der 124-jährigen Allianz-Geschichte konnte am 20. Mai abgeschlossen werden. Mit einem Bauvolumen von vier Millionen Euro und nach einer fast 19-monatigen Bauzeit wurde die Erweiterung des Allianzhauses in Bad Blankenburg eingeweiht und zur Nutzung übergeben.

Generalsekretär Hartmut Steeb bezeichnete die Einweihung als großes Geschenk Gottes. »Wir hoffen, dass hier – genau wie in der Vergangenheit – auch in der Zukunft Menschen zum lebendigen Glauben an Gott finden.« Zahlreiche Gäste, darunter Vertreter von Kirchen und Freikirchen, aus Kommune und Landkreis, ehemalige und jetzige Mitarbeiter, Beter und Spender, Dienstleister sowie Freunde und Förderer hatten den Weg in die Kurstadt gefunden und wurden mit Brassklängen der Thüringer Blechbläser begrüßt. Zu den Ehrengästen gehörte auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, und in Vertretung der Thüringer Ministerpräsidentin kam Johanna Arenhövel, Gleichstellungsbeauftragte des Freistaates Thüringen.

In den Festansprachen ging der Vorsitzende der Deutschen Evange­lischen Allianz, Jürgen Werth, im Besonderen auf die derzeitige Lage der Nation ein. »Wir befinden uns in einer Zeit, geprägt von Ratlosigkeit und Hilflosigkeit. In vielen Bereichen des Lebens, der Gesellschaft, sitzt man wie auf einem Pulverfass. Manchmal mag man nicht in die Zukunft blicken. Doch da Christen Boten der Hoffnung sind, war es richtig, ­dieses Projekt des Neubaus und der Sanierung der Allianzhäuser anzugehen«, führte Jürgen Werth aus. Er sei darüber froh, dass sie es gewagt hätten zu bauen, und froh, dass sie im Vorfeld nicht ­alles gewusst hätten. Die Arbeit der Evangelischen Allianz möge ein Hoffnungszeichen sein gegen politische Resignation und wirtschaftliche Unsicherheit.

Mit dem neu errichteten Haus wird die bauliche Infrastruktur des Tagungszentrums deutlich verbessert. Hier befinden sich die Rezeption, der große Speisesaal, die Cafeteria, ein Andachtsraum sowie verschiedene Gruppen- und Funktionsräume. Die anderen beiden Häuser wurden von Grund auf saniert und behindertengerecht ausgebaut. Gästehäuser, die sich sehen lassen können. Finanziert wurde der Bau durch öffentliche Mittel der Stadtsanierung (800.000 Euro), Zuschüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland und der EKM (je 200.000 Euro), aber auch aus Spenden der Freunde der Evangelischen Allianz und des Allianzhauses. Rund eine Million Euro stehen noch aus und wurden über ein Darlehen finanziert.

Bischöfin Ilse Junkermann fand in ihrer Ansprache die treffende Worte für die Einweihung der Allianzhäuser. »Möge hier die Heimat für eine Gemeinschaft sein. Gastlichkeit und Freundlichkeit den Ton angeben.« Sie sieht hier ein Hoffnungszeichen für die Region, in der Christen eine Minderheit darstellen, und hofft, »dass die Menschen in diesem Haus in Zukunft Neues hören, Verborgenes wiederentdecken und es so zu einem Ausrufezeichen« für Thüringen und die Kirche werde.

Andreas Abendroth

»Es darf in der Kirche kein Klima des Vertuschens geben«

26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

EKM-Personaldezernent Christian Frühwald über den Umgang mit Missbrauchsfällen

9-fruehwald-christianHerr Frühwald, die katholische Kirche wird derzeit durch das Bekanntwerden immer neuer Missbrauchsfälle erschüttert. Sind Sie überrascht, wie viel da jetzt an die Öffentlichkeit gelangt?
Frühwald:
Erst mal bin ich froh, dass es überhaupt ans Licht kommt. Bei aller ökumenischen Verbundenheit, darf es keine Räume in unserer Schwesterkirche geben, in denen dieses schwere Verbrechen geduldet wird. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen.
Zweitens zeigt die große Anzahl von Fällen, dass nicht nur Aufklärung, sondern vor allem eine offene Debatte in der Römisch-Katholischen Kirche Not tut. Die Ausbildung, die Rolle und die Lebensweise der Priester muss ebenso zur Diskussion gestellt werden wie das scheinbar in bestimmten katholischen Einrichtungen herrschende Klima der Angst, Fehler und Nöte zu offenbaren.

Gab oder gibt es aktuell in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Missbrauchsfälle? Wie viele sind Ihnen bekannt?
Frühwald:
Es gab in der Vergangenheit vereinzelte Fälle in der EKM, allerdings sind mir aus den letzten sieben Jahren nur zwei bekannt. In diesen Fällen haben wir klar und konsequent gehandelt und die Täter aus dem kirchlichen Dienst entfernt. Häufiger sind leider in den letzten Jahren Straftaten im Kontext der Kinderpornografie entdeckt worden, die ich für genauso menschenverachtend und bestrafenswert halte.

Ist die evangelische Kirche eher vor sexuellen Übergriffen auf Schutzbefohlene gefeit?
Frühwald:
Auch wir sind nur ein Querschnitt der Gesellschaft, das heißt es kann auch uns passieren. Gerade in den Bereichen, wo Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam leben und arbeiten, müssen wir aufmerksam sein und für Aufklärung und Stärkung der Kinder sorgen. Unsere Konferenz der Mitarbeitenden in der Jugendarbeit hat dazu gerade eine Handreichung beschlossen, die wir als Kirchenamt in den nächsten Monaten jetzt in Handlungen, also Fortbildungen und Schulungen umsetzen werden.

In der katholischen Kirche sind in der Vergangenheit die Fälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt worden. Jetzt versucht der Jesuitenorden dem Verdacht entgegenzuwirken, hier werde etwas vertuscht. Wie muss Kirche angemessen reagieren, wenn ein Verdacht aufkommt?
Frühwald:
Da gibt es nur eine Antwort: in Klarheit und Konsequenz. Die Beschuldigten müssen sofort suspendiert werden, um auch sie und ihre Familien zu schützen. Denn auch in diesem Bereich gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis der Schuld. Es muss alles getan werden, um den Opfern den Raum zu eröffnen, den sie brauchen. Vor allem aber müssen kompetente und geschulte Juristen, wenn nötig sogar der Staatsanwalt, die Untersuchungen durchführen. Es darf kein Klima des Vertuschens durch die Führungskräfte erzeugt werden.

Die Opfer geraten bei der Diskussion schnell aus dem Blick. Was kann die Kirche für sie tun?
Frühwald:
Wir müssen Ansprechpartner benennen. Mit unserer Gleichstellungsbeauftragten Katja Albrecht haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie öffnet Männern wie Frauen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können. Sie kann sie gezielt unterstützen, die Vorwürfe überprüfen zu lassen. Durch ihre Stellung außerhalb der kirchlichen Hierarchie ist diese Funktion der Gleichstellungsbeauftragten unersetzlich für ein offenes und vertrauensvolles Klima in unserer Kirche. Darüber hinaus müssen auch die Leitenden aus Kirchenamt und Bischofskonvent offen sein für Gespräche mit den Betroffenen. Ihre Geschichte und die Bearbeitung muss uns ein Anliegen sein und von uns unterstützt werden.

Die Fragen stellte Martin Hanusch.

Mehr weibliche Führungskräfte angemahnt

»Forum  Gleichstellungsarbeit« diskutierte in Halle über konkrete Schritte

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv

An der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) stehen Frauen: eine Bischöfin und eine Kirchenamtspräsidentin. Das spiegelt jedoch nicht die Situation in der Landeskirche wider. So werden im Landeskirchenamt lediglich zehn der 29 Referate von Frauen geleitet. Noch weniger weibliche Führungskräfte finden sich auf der mittleren Ebene. Nur acht Superintendentinnen werden in den 38 Kirchenkreisen ­gezählt. Thomas Claus vom Gender Institut Sachsen-Anhalt (GISA) aus Magdeburg stellte am 23. Januar beim »Forum  Gleichstellungsarbeit« in Halle erste Ergebnisse einer Auswertung vor, welche die Geschlechtergerechtigkeit in der EKM untersucht.

Rund 30 Teilnehmerinnen – Männer eingeschossen – diskutierten das Thema. Die Studie habe bisher gezeigt, so Claus, dass zwar in der EKM die Geschlechtergerechtigkeit für richtig gehalten werde, doch es gebe keine strukturelle Verankerung. Gleichstellung müsse einmal durch Führungspersönlichkeiten und zum anderen durch das stetige Bewusstmachen vermittelt werden.

Silke Kösel vom Diakonischen Werk der EKD rollte das Thema ­biblisch-theologisch, historisch und strukturell auf. Frauen hätten zwar viel angestoßen, aber »Frauen in der Kirche hatten immer schon mehr Dienst als Einfluss«. Kirche und Diakonie bewegten sich gerade in der Gleichstellungsfrage zu langsam. »Wir sind keine Heißsporne des Wandels«, verwies die promovierte Theologin auf die Trägheit der Institutionen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion und den Arbeitsgruppen ging es um konkrete Schritte. Die Gleichstellungsarbeit müsse aus der »Frauenecke« raus, denn sie sei nicht nur eine Geschlechterfrage, sondern beträfe auch Menschen mit Behinderungen oder Migranten. Einig waren sich die Teilnehmerinnen, dass die Gleichstellungsarbeit nicht alleinige Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sein könne.

Katja Albrecht, die dieses Amt in der EKM innehat, war mit dem Ergebnis des Tages zufrieden. Die Teilnehmerinnen hätten sehr konzentriert gearbeitet und konkrete Ziele benannt, unter anderem: EKM-Verfassung in gerechter Sprache, Begleitung von Frauen in Führungsämtern, Fortführung des Mentorings. Katja Albrecht hofft, dass die Kreativität und die Energie dieses Forums in die EKM ­hineinwirkt. Sie wertete es als positives Zeichen, dass die Landeskirche eine Gender-Studie in Auftrag geben hat mit dem Ziel, den Frauenanteil unter den hauptamtlichen Mitarbeitern zu erhöhen. In der EKD sei solch eine Untersuchung bisher einmalig.

Dietlind Steinhöfel

Lange Tradition gewürdigt

24. Dezember 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Beauftragter für Menschen mit Behinderungen besuchte das Arnstädter Marienstift

Paul Brockhausen umringt von fröhlichen Krippenspielkindern. (Foto: Berit Richter)

Paul Brockhausen umringt von fröhlichen Krippenspielkindern. (Foto: Berit Richter)

Der Thüringer Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Paul Brockhausen, hat am 16. Dezember das Arnstädter Marienstift ­besucht. Nach Gesprächen mit den Leitern verschiedener Arbeitsbereiche besichtigte er die Werkstatt am Kesselbrunn und schaute sich das Krippenspiel in der Himmelfahrtskirche an. Zwei Tage zuvor war mit der Eröffnung des Ersatzneubaus für den Förderbereich der Behindertenwerkstatt das bislang letzte große Bauvorhaben der diakonischen Einrichtung abgeschlossen worden. Damit wurden ideale Voraussetzungen für das Leben von zwölf schwerstbehinderten Menschen geschaffen. Die Investition hierfür betrug eine halbe Million Euro.

Zu den neuen Errungenschaften gehören großzügig gestaltete Arbeitsbereiche, behindertengerechte Sanitäranlagen inklusive einer großen ­Dusche, angepasste Erholungsinseln zum Entspannen und ein Computerraum. Bisher in einem landwirtschaftlichen Gebäude mit niedrigen Decken untergebracht, bieten die neuen Räume bestmögliche Bedingungen. Zum Wohlfühlen werden zukünftig eine große Terrasse und die grüne Umgebung beitragen.

Paul Brockhausen, welcher selbst im Rollstuhl sitzt, bezeichnete die ­Arbeit der Behindertenwerkstätten als eine »Erfolgsgeschichte«. Im Anschluss an die Aufführung des Krippenspiels durch die Bewohner des Heimes im Jonastal brachte er seine Begeisterung zum Ausdruck, »dass Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderte so etwas auf die Beine stellen und alle so gut miteinander arbeiten können«.

Das Amt des Thüringer Beauftragten für Menschen mit Behinderungen ist noch jung. Es wurde im August 2004 mit der Absicht geschaffen, Menschen mit Behinderungen einen Ansprechpartner und einen Anwalt ihrer Interessen zur Seite zu stellen. Paul Brockhausen bezeichnete es als seine Aufgabe, »die Anliegen Behinderter innerhalb der Thüringer Landesregierung, aber auch in der Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen und konkrete Verbesserungen zu erreichen«. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sei 2005 das Landesgleichstellungsgesetz gewesen, das die Behörden in Thüringen umfassend zum Abbau von Benachteiligungen und zu Verbesserung der alltäglichen Situation Behinderter verpflichtet.

Gemeinsam mit den Betroffenen gelte es, positive Veränderungen im Leben zu erreichen. Jeder Behinderte müsse lernen, seine Behinderung anzunehmen und mit ihr umzugehen. »Aber auch seine Familie, die Menschen seiner Umgebung« seien dabei in gleicher Weise gefordert.

Sein erster Besuch im vor 105 Jahren gegründeten Marienstift habe dem Ziel gedient, die Bewohner und Mitarbeiter kennenzulernen, »die in einer solch langen Tradition stehen und sich so ihrer Mitmenschen annehmen«.

Michael von Hintzenstern

Kontakt: Dr. Paul Brockhausen, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen, W.-Seelenbinder-Straße 6, 99096 Erfurt, Telefon (0361) 37-98761