Tradition und Moderne

24. Mai 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Magdeburg: Reformierte Gemeinde bezieht Neubau im gotischen Kirchenschiff

Endlich eine eigene Küche! Klingt profan und könnte der Stoßseufzer eines jungen Paares sein. Doch so freuen sich Mitglieder der Reformierten Gemeinde Magdeburg, die nach 40 Jahren am Pfingstmontag »nach Hause« kommt. Am 25. Mai nimmt sie mit einem Gottesdienst den Neubau im Langhaus der Wallonerkirche in Dienst.

Andreas Lindemann, Thomas Böttcher, Andreas Böttcher und Uwe Thal, alles Mitglieder des Presbyteriums der Reformierten Gemeinde, sowie Pfarrer Helge Hoffmann (von li.) freuen sich über das neue Gemeindezentrum. Foto: Viktoria Kühne

Andreas Lindemann, Thomas Böttcher, Andreas Böttcher und Uwe Thal, alles Mitglieder des Presbyteriums der Reformierten Gemeinde, sowie Pfarrer Helge Hoffmann (von li.) freuen sich über das neue Gemeindezentrum. Foto: Viktoria Kühne

Die gotische Hallenkirche des ehemaligen Augustinerklosters gehört der Reformierten Gemeinde, doch nutzte sie bislang ziemlich versteckt liegende Räume der Altstadtgemeinde auf demselben Grundstück. Gottesdienst feierten die heute etwa 150 Gemeindeglieder aus Magdeburg und Umgebung in einer kleinen gotischen Kapelle. Barrierefrei sind all die bisherigen Räume nicht, doch waren sie seinerzeit die beste Lösung. Inzwischen wünschten sich viele Gemeindeglieder andere Voraussetzungen, um sich versammeln und Gottesdienst feiern zu können, um das Café Wallonie zu genießen, ohne die Gastfreundschaft und Küche der Altstadtgemeinde in Anspruch zu nehmen. Die Idee wurde geboren, in der eigenen Kirche ein Gemeindehaus zu bauen, barrierefrei, groß genug und leicht zu finden. Steinblock-Architekten aus Magdeburg realisierten das Vorhaben mit großen Glasflächen für Ein- und Ausblicke ins Kirchenschiff.

Das Vorhaben ist sichtbarer Ausdruck der Gemeindeentwicklung. »Baubegleitend haben wir uns in einem Gemeinde-Entwicklungsprojekt verständigt, wer wir sind und sein wollen. Wir wollen nach außen wirken und sichtbar werden und zu Veranstaltungen einladen«, berichtet Pfarrer Helge Hoffmann. Der Neubau eröffne dafür neue Möglichkeiten, die gleich mit einer Festwoche ausprobiert werden.

Nachbarschaft pflegen

Deren Programm steht für die Pläne der Gemeinde. So gehört die Indienstnahme des Neubaus zum Kirchenkreisfest des Reformierten Kirchenkreises (25. 5., 11.30 Uhr). Ein Café Wallonie extra lädt am 27. Mai ein, ehe am Abend die Lautten Compagney mit »Handel with Care« im Langhaus auftritt (19.30 Uhr). Und wer sich an den schlichten, ja kargen Wänden des Gemeindehauses stört, durch dessen große Fenster allerdings die majestätische Wallonerkirche zu sehen ist, kann sich am 28. Mai von Pfarrer Martin Filitz über reformierte Kirchenräume informieren lassen (19.30 Uhr). Eine digitale Hoffrichter-Orgel steht im Saal des Gemeindehauses; hier wird Domkantor Barry Jordan am 29. Mai spielen (17 Uhr). Ein Abendmahlsgottesdienst beschließt am 31. Mai die Festwoche (11 Uhr).

Natürlich gab es Skeptiker und Gegner des Projekts. In der eigenen wie in der Altstadtgemeinde, mit der die Nutzung der Räumlichkeiten neu verhandelt werden mussten. Die meisten Kritiken sind angesichts des Neubaus verstummt. Und auch wenn die Reformierten nicht mehr die Küche mitnutzen müssen, »die Nachbarschaft pflegen wir weiter, sie entwickelt sich recht gut«, sagt Thomas Böttcher, Vorsitzender des Presbyteriums. Und meint damit sowohl die Synergieeffekte der Nachbarschaft als auch das Zwischenmenschliche.

Es gab Vorbehalte, wegen des demografischen Wandels und schwindender Bindung an die Kirche, den Neubau zu wagen, erinnern sich Pfarrer Hoffmann und Böttcher lebhaft. »Uns hat das Martinszentrum in Bernburg Mut gemacht, Neues zu wagen. Vielleicht machen wir ja auch anderen Mut«, ist Hoffmann zuversichtlich. Finanziert hat die Gemeinde das 550 000 Euro teure Vorhaben mit Hilfe der EKM aus dem Altvermögen der Kirchenprovinz, des Kirchenkreises Magdeburg und durch Spenden. »Unser Spenden-Ziel haben wir gut zur Hälfte erreicht und freuen uns über weitere Zuwendungen«, sagt Thomas Böttcher, der fast täglich auf der Baustelle war und nach dem Rechten sah.

Bereits am 17. Mai nahm die Gemeinde Abschied von ihren bisherigen Räumen. »Der Abschied von der gotischen Kapelle fällt schwer, ansonsten spüre ich in der Gemeinde keinen Abschiedsschmerz«, sagt Pfarrer Hoffmann. »Wir kommen nach Hause in unsere Kirche.«

Renate Wähnelt

Gottesdienstbeginn am 25. Mai: 14 Uhr

www.ekmd-reformiert.de