Geschenk jüdischer Tradition an den christlichen Gottesdienst

10. Juni 2017 von redaktionguh  
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Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!

Jesaja 6, Vers 3

Manchmal beginnt es fulminant, das Dreimalheilig, mit Pauken und Trompeten, strahlender Höhepunkt eines großen Werkes der Kirchenmusik. Manchmal baut es sich zart auf. Da ist dann nur die einfache Melodie, die ich sonntags beim Abendmahl mitsinge, begleitet oder unbegleitet: Heilig, heilig, heilig ist Gott … Mich berühren diese Klänge jedes Mal tief, ob sie nun kunstvoll oder schlicht ausgeführt werden. Es ist, als öffneten sich verborgene Tore, als würden Erde und Himmel durchlässig füreinander: Sie sind seiner Ehre voll. Das höre ich, das fühle ich, in und mit der Musik. Und ich staune. Nicht nur Himmel und Erde verbinden sich, sondern geheimnisvoll mischen sich die Stimmen der Toten in die der Lebenden: »Wir preisen dich mit allen, die uns vorausgegangen sind, und singen das Lob deiner Herrlichkeit.« Was für ein Trost. Es ist nicht nur wie im Himmel. Ich bin im Himmel – für dieses eine Lied. Frieden breitet sich aus. Denn wer staunt, kann nicht zerstören.

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Dieses Lied mit seiner Melodie und seinem Text ist ein großes Geschenk der jüdischen Tradition an den christlichen Gottesdienst. Oder genauer: Mit diesem Lied werden wir eingepfropft in die Gotteserfahrung Israels. Die meist in unserem Gottesdienst gesungene Melodie geht über verschiedene Formen auf einen jüdischen Ursprung zurück. Und mit dem Text werden wir hineingenommen in die Berufungsvision des Propheten Jesaja: »Jesaja, dem Propheten das geschah, dass er im Geist den Herren sitzen sah, auf einem hohen Thron …« Und der ganze Thronsaal ist erfüllt vom Gesang der Himmlischen: Heilig, heilig, heilig …

Staunen will ich auch weiter. Und dabei ehrlich bleiben. Am Sonntag Trinitatis wird mir dieser Wochenspruch zu einer Anregung, dem Geheimnis Gottes nachzuspüren. Der dreimal heilige Gott kommt mir dreifach nah, als Vater, Sohn und Geist. Aber ich will nicht vergessen, wo dieser Satz seinen Ursprung hat, und dafür deutlich »Danke!« sagen. Für dieses Lied aus jüdischer Tradition, mit dem auch ich leben und sterben kann.

Dr. Hanna Kasparick, Direktorin des Ev. Predigerseminars in Wittenberg

Zehn Diakone eingesegnet

27. Februar 2017 von redaktionguh  
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Foto: Mirjam Petermann

Foto: Mirjam Petermann

Landesbischöfin Ilse Junkermann und Diakon Hanno Roth haben am Sonntag sieben Diakoninnen und drei Diakone aus verschiedenen Landeskirchen in der Eisenacher Nikolaikirche für ihren zukünftigen Dienst eingesegnet. Die zweieinhalbjährige, berufsbegleitende Ausbildung absolvierten sie am Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk (DBI) in Eisenach. Die Absolventen arbeiten beispielsweise als gemeindepädagogische Mitarbeiter, als Erzieherinnen, in der Altenpflege oder der Stadtmission und engagieren sich ehrenamtlich in unterschied­lichen Bereichen.

Als Diakone sind sie nun auch zur Verkündigung und Gottesdienstleitung sowie zum Spenden der Sakramente Taufe und Abendmahl berechtigt. Zurzeit gibt es rund 440 Diakoninnen und Diakone, die in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eingesegnet wurden (mehr zu diesem Thema in Ausgabe Nummer 10).

Bitte nicht schütteln

18. Juli 2016 von redaktionguh  
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Ich gebe gerne die Hand. Das hat man mir so beigebracht. Die schöne Hand natürlich, obwohl ich Linkshänder bin. Die linke Hand geben nur Pfadfinder zur Begrüßung. Der Händedruck ist ein Friedenszeichen. Nach dem Abendmahl reichen wir uns die Hand, verbunden mit einem Friedensgruß. Bislang kannte ich nur einen, der mir den Handschlag verweigerte. Mein Hautarzt. Er hat vermutlich die Studie gelesen, nach der Händeschütteln der wichtigste Übertragungsweg für Infektionen sein soll.

Bei der ersten interkulturellen Begegnung zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Thüringer Staatskanzlei habe ich allen zur Begrüßung die Hand gegeben. Eine Muslima und eine Jüdin entgegneten die Geste auf ihre Weise. Die ausgestreckte Hand wurde nicht ergriffen. Stattdessen haben die Frauen ihre Hand auf ihr Herz gelegt und sich leicht vor mir verbeugt.
In islamischen Gesellschaften wird das Händeschütteln zwischen Männern und Frauen zum Teil abgelehnt. Der Überlieferung nach habe der Prophet Mohammed gesagt, dass er Frauen nicht die Hand gebe. Liberalere Gelehrte halten den Händedruck für zulässig, solange kein Verlangen oder Zärtlichkeit damit verbunden ist. In Teilen des orthodoxen Judentums wird der Händedruck zwischen den Geschlechtern aus diesen Gründen ebenfalls häufig vermieden. Manche sehen darin eine intime Handlung, die Verheirateten vorbehalten ist.

Ich verstehe und gestehe, dass ich auch nicht von allen gedrückt werden will, die mich heutzutage an ihren Busen ziehen. Einheitliche Begrüßungsrituale sind Zeichen geschlossener Gruppen. Zu einer offenen Gesellschaft passen unterschiedliche Formen, vom Winken über den angedeuteten Handkuss bis zur innigen Umarmung.

Willi Wild

Josephine teilt Brot und Traubensaft

22. Mai 2016 von redaktionguh  
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Gottesdienst: Kirchengemeinden diskutieren über das Abendmahl mit Kindern

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland versteht sich als einladende Kirche und als Kirche mit Kindern – auch beim Abendmahl.

Bestimmt erklärt die sechsjährige Josephine: »Ich bin Jesus und sitze natürlich in der Mitte.« Ihre Kindergartenfreunde betrachten nun noch einmal das Bild von Leonardo da Vinci, das ihnen Lilian Schlögl, die Leiterin des evangelischen Kindergartens Sankt Johannes in Erfurt-Hochheim, mitgebracht hat. Es heißt »Das letzte Abendmahl«. Nun platzieren sich die »Jünger« rund um Josephine und nehmen ihre Plätze ein. Dann wird das Brot verteilt. »Jesus hat auch Brot geteilt«, weiß Eleonore. Am Gründonnerstag hat sie mit den anderen Kindern und ihrer Erzieherin Brot gebacken und dieses mit Traubensaft auf eine festlich geschmückte Tafel gestellt. »Wir haben darüber gesprochen, was Jesus getan hat, und dieses Brot erinnert uns an ihn«, sagt Benjamin.

Das Brot ist verteilt, die Becher sind gefüllt und die Kinder essen gemeinsam. Sie genießen diese gemeinsame Mahlzeit sichtlich. »Gemeinschaft haben, zusammen sein und auch untereinander teilen, das ist ganz wichtig für unsere Kinder«, erklärt Lilian Schlögl. »Und im Zusammenhang mit dem Abendmahl entsteht im Unterbewusstsein der Kinder ein Gemeinschaftsgefühl, das sie mit sich tragen.« Schlögl leitet auch den Kindersingkreis ihrer Gemeinde. Oftmals kamen die Kinder nach dem Gottesdienst zu ihr und fragten, was macht ihr da am Altar? Was esst und trinkt ihr und warum? Damals habe sie mit dem Pfarrer über die Fragen der Kinder gesprochen und seither habe man die Kinder mehr und mehr auch am Abendmahl beteiligt. »Sie erhalten die Hostie und den Segen. Den Kelch erhalten sie erst mit der Konfirmation«, erklärt Schlögl.

Das erste Abendmahl im St. Johanneskindergarten, nach der Bildbetrachtung des »Letzten Abendmahls« von Leonardo da Vinci. Foto: Diana Steinbauer

Das erste Abendmahl im St. Johanneskindergarten, nach der Bildbetrachtung des »Letzten Abendmahls« von Leonardo da Vinci. Foto: Diana Steinbauer

»Ich war schon mit allen vorn am Altar«, berichtet Eleonore mit feierlichem Ernst. Sie gehört zu den Kindern, die schon am Abendmahl teilgenommen haben. »Wir haben uns im Kreis aufgestellt und es war ganz festlich. Der Pfarrer hat jedem eine Hostie gegeben und es war schön, zusammen zu sein«, erklärt die Sechsjährige.

»Kinder verstehen Essen und Trinken als Teilhabe«, erklärt Gemeindepädagoge Konrad Ludwig. Er bereitet derzeit einen Versteh- und Erlebnistag zum Thema Abendmahl in der Erfurter Predigerkirche vor. Immer wieder hat er die Erfahrung gemacht, dass sich Eltern und Gemeindemitglieder die Frage stellen, ab wann Kinder einen direkten persönlichen Zugang zum Abendmahl bekommen sollen und wollen. Er plädiert dafür, sich intensiv mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und Kinder früh einzubinden.

In einem kürzlich herausgegebenen Impulspapier ermutigt die EKM die Gemeinden, das Gespräch dazu vor Ort zu führen. »Die Kirche hat sich positioniert, aber entscheiden müssen die Gemeinden«, betont Pfarrer Ralf Schultz. Er ist im Erfurter Süden Pfarrer der Kirchspiele Bischleben, Egstedt und Hochheim-Schmira mit insgesamt zehn Gemeinden. »Wir diskutieren derzeit in den Gemeinden über das Abendmahl auch für Kinder. Es gibt Zustimmung, aber auch Vorbehalte. Wir haben im Gemeindekirchenrat unsere Erfahrungen zum Abendmahl zusammengetragen und uns darüber ausgetauscht, was es uns ganz persönlich bedeutet«, so Schultz. Kein leichtes Thema, denn die Frage nach dem Abendmahl berührt den Menschen in der Tiefe seines Glaubens. Schultz mahnt daher an, behutsam umzugehen und auch die Bedenken ernstzunehmen. Gerade auf den Dörfern berühre auch die Frage um die Konfirmation eine feste Gedankenwelt. Sein erklärtes Ziel ist es, die Gemeinden in einen Diskurs-Prozess mitzunehmen.

In Gesprächen werde häufig das Argument vorgebracht, Kinder könnten das Abendmahl noch nicht verstehen. »Das Abendmahl ist eine geistliche Größe, die sich mit dem Verstand nicht vollständig begreifen lässt«, argumentiert Gemeindepädagogin Friederike Hempel. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Kinder im Grundschulalter viel offener für religiöse Fragen sind und sich sehr ernsthaft mit dem Abendmahl beschäftigen. »Wenn ich selbstverständlich dabei bin, wachse ich hinein in die Glaubenspraxis«, so Hempel. »Religion lernt man von außen nach innen«, formulierte es der Religionspädagoge Fulbert Steffensky, und auch Pfarrer Schulzt betont: »Wenn wir den Menschen das Abendmahl näherbringen wollen und es einen festen Platz im Leben haben soll, dann müssen wir früher damit anfangen.« Das glaubt auch Konrad Ludwig: »Kinder im Grundschulalter haben einen unkomplizierten Zugang zu Ritualen. Sie beobachten, erfragen und haben eine hohe Bereitschaft, Dinge mitzumachen und einzuüben«, so Ludwig. Das sei für die religiöse Beheimatung günstig. Jugendliche aber fühlten sich bei rituellen Dingen schnell unwohl oder ironisierten. »Beheimatung in gelebter religiöser Praxis passiert nicht in der Pubertät. Das muss schon früher, vor der Konfirmation beginnen«, erklärt er.

Die Frage des Abendmahls ab wann und für wen sei eine existenzielle Frage. »Die Diskussion muss weiterlaufen und zwar nicht nur als Gespräch über die Kinder, sondern in der Frage, was bedeutet uns das Abendmahl, als Gemeinde. Gemeinsam im Kontext muss dies besprochen und entschieden werden, eingebettet in die Abendmahls­praxis der jeweiligen Gemeinde.«

Diana Steinbauer

Passionsgeschichte mit Lego

27. März 2016 von redaktionguh  
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Pfarrer Michael Weber aus Egeln erzählt Ostern gern auf unkonventionelle Art und Weise

Es bedurfte nicht erst des sensationellen Erfolges eines inzwischen 400 000-mal verkauften Playmobil-Reformators, um zu konstatieren, dass sich religiöse und biblische Themen durchaus mittels Kinderspielzeug vermitteln lassen.

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Ein Tisch, zwölf Männer, ein freier Platz: Das letzte Abendmahl einmal anders interpretiert. Fotos: Thorsten Keßler

Schon lange wird in der kirchlichen Bildungsarbeit auch mit Lego gearbeitet. Durchschnittlich einmal im Monat setzt zum Beispiel der evangelische Pfarrer Michael Weber aus Egeln das zeitlose Spielzeug in seiner Arbeit ein. »Ob mit Kindern oder mit Erwachsenen: Lego ist eine schöne Möglichkeit, um ins Gespräch zu kommen«, sagt Weber. Er macht Kirchenführungen und baut im Anschluss mit den Teilnehmern das Gebäude nach. Oder er erzählt biblische Geschichten mithilfe der Kunststoff-Steine.

So wie jüngst in der Kneipp-Kita »Rappelkiste« in Etgersleben. Auf farbigen Samttüchern hat Michael Weber sieben Stationen der Ostergeschichte aufgebaut. Zehn Kinder und zwei Erzieherinnen scharen sich um die erste Station: Jesu Einzug nach Jerusalem. Während Pfarrer Weber die Geschichte erzählt, rupft der fünfjährige Henry die Plastikpalmen und legt die Blätter auf den Weg. Auf seinem Esel zieht der Lego-Jesus in Jerusalem ein und begleitet die Gruppe zur nächsten Station.

Hier versammeln sich Figuren um einen Tisch. Frieda zählt: Es sind zwölf Männchen. Dazu gesellt sich jetzt der vom Esel abgestiegene Jesus und feiert das letzte Abendmahl, ehe es nebenan im Garten Gethsemane weitergeht.

Einige Bausteine sind wie geschaffen für die Ostergeschichte. An anderen Stationen muss Michael Weber kreativ sein, seiner Fantasie freien Lauf lassen und Teile aus anderen Welten zweckentfremden. »Für Golgatha habe ich den Hügel aus einer Lego-Weltraumplatte gebaut.« Nahezu alle Elemente der Geschichte lassen sich mit den Steinen darstellen, einzig bei der Dornenkrone musste der Pfarrer mit Draht tricksen.

Die bunten Kunststoff-Steine begleiten den Pfarrer seit der Kindheit. Inzwischen lagern einige Hunderttausend der Mini-Klötzchen fein sortiert im Pfarrhaus. Weber öffnet eine der Boxen mit Kleinteilen. »Hier habe ich günstig 400 Oberkörper ersteigert.« In der nächsten Box sind Arme und Hände. Die passenden Köpfe lagern eine Box weiter. Bevor Michael Weber eine Geschichte erzählt, muss er die Figuren zusammensetzen. »Es gibt Leute mit Bart, mit Brille. Die Jünger Jesu hatten wahrscheinlich oft einen Bart. Der Petrus war Fischer, also bekommt er einen gestreiften Oberkörper.« Zwar lege Lego gelegentlich auch religiöse Figuren auf, die meisten Requisiten für eine biblische Geschichte müsse man aber selbst entwickeln.

Michael Weber ist nicht der einzige »Lego-Pfarrer«. So gibt es einen amerikanischen Künstler, der die wichtigsten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament nachgestellt hat, und wer eine Internetsuchmaschine mit den richtigen Begriffen füttert, landet schnell auf Seiten mit richtig professionell gestalteten Fotostrecken.

Die Ostergeschichte in Etgersleben dauert rund 30 Minuten. Gebannt und aufmerksam haben nicht nur die Kinder gelauscht. »Spannend und auch für uns Erwachsene Neues«, findet Gabriela Meyer, die stellvertretende Leiterin der »Rappelkiste«. Wiederholung durchaus erwünscht.

Thorsten Keßler

Dessauer Cranach-Gemälde nachgestellt

13. Oktober 2015 von redaktionguh  
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Johannisgemeinde feierte den 500. Geburtstag des Malers mit Gottesdienst, Theater, Musik und Mahl

Mit einem Gottesdienst, Theater, Musik und rustikalen Speisen hat die Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien am Sonntag den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren gefeiert. Die Predigt hielt Ortspfarrerin Geertje Perlberg. Die Dessauer Kantorei unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund und das Ensemble »Broken Consort Dessau« übernahmen die musikalische Gestaltung.

In der Johanniskirche hat sich eine Abendmahlsgesellschaft versammelt – frei nach Cranach im Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger. Foto: Esther Killyen

In der Johanniskirche hat sich eine Abendmahlsgesellschaft versammelt – frei nach Cranach im Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger. Foto: Esther Killyen

In der Johanniskirche befinden sich drei Gemälde von Lucas Cranach, Vater und Sohn, die aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Marienkirche stammen. Im Jubiläumsjahr 2015 für den lange unterschätzten jüngeren Cranach steht besonders das »Dessauer Abendmahl« aus dem Jahr 1565 im Fokus, das Jesus Christus beim letzten Abendmahl im Kreise wichtiger Reformatoren zeigt. Sie nehmen die Plätze der Jünger Jesu ein, während Fürst Joachim von Anhalt – dessen Andenken das Bild gewidmet ist – im Vordergrund kniet und Cranach selbst als Mundschenk auftritt. Es ist die einzige sicher verbürgte Selbstdarstellung des Meisters.

Dem Abendmahlsbild war auch das Theaterstück »Cranachs Maßnahme« von Andreas Hillger gewidmet, in dem Cranach mit Wittenberger Freunden seinen 50. Geburtstag begeht und gemeinsam mit diesen das Konzept für das aus Dessau bestellte Gemälde entwirft. Den Cranach spielte Tizian Steffen vom Anhaltischen Theater, der zugleich Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der Johannisgemeinde ist. Die weiteren Rollen übernahmen Dessauer Kirchenvertreter und Freunde der Gemeinde sowie Pfarrerin Geertje Perlberg. Als zur Vervollständigung des lebendigen Tableaus Gottesdienstbesucher in den Chorraum gebeten wurden, nahmen unter anderem auch Dessau-Roßlaus Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck und der frühere Oberbürgermeister Klemens Koschig in der Abendmahlsrunde Platz.

Vor dem Gottesdienst war eine Spendentafel der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stadtsparkasse Dessau enthüllt worden, die die Restaurierung der Cranach-Tafeln im Frühjahr unterstützt haben. In der Johanniskirche befinden sich außer dem »Abendmahl« das Gemälde »Christus am Ölberg« von Lucas Cranach dem Jüngeren (1553) und eine Darstellung der Kreuzigung Jesu von Lucas Cranach dem Älteren (um 1515). Im Cranachjahr 2015 ist die Präsentation der Bilder in St. Johannis Teil des Projektes »Cranach-Kirchen in der Region«, in Korrespondenz zur Landesausstellung »Cranach der Jüngere«.
(mkz)

Reformator und Superintendent in Altenburg: Georg Spalatin

14. Januar 2014 von redaktionguh  
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Im Gespräch mit Pfarrer Reinhard Kwaschik

Herr Pfarrer Kwaschik, Sie eröffnen am 17. Januar, dem 530. Geburtstag Georg Spalatins, das Themenjahr »Reformation und Politik« des Kirchenkreises Altenburger Land. Wieso ausgerechnet Altenburg?
Kwaschik:
Georg Spalatin war ab 1525 Pfarrer, drei Jahre später Superintendent in Altenburg und gehört zu den ganz wichtigen Reformatoren. Das ist weitgehend vergessen. Deshalb wollen wir ihn jetzt ins Licht rücken. Wir sind dankbar, dass wir das Themenjahr »Reformation und Politik« haben. Nicht nur, weil der Zeitgenosse Luthers Jurist und Diplomat war. Er hat Luthers Ideen umgesetzt und stand hinter dem Reformator, hat ihm den Rücken freigehalten. Ich halte an der These fest, dass Spalatin maßgeblichen Anstoß gegeben hat, dass der Kurfürst Luther nach dem Wormser Reichstag in Schutzhaft auf die Wartburg geholt hat. Zudem nutzte Luther Spalatins lateinische Bibelübersetzung, die dieser ihm auslieh.

Georg Spalatin, Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., 1537. Foto: Picure-Alliance/akg

Georg Spalatin, Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., 1537. Foto: Picure-Alliance/akg

Spalatin hatte großen Einfluss im Fürstenhaus, war Berater und Beichtvater des Kurfürsten Johann Friedrich. Das bedeutete, er war eingebunden in die weltliche Macht und in geistliche Dienste. Es ist sehr interessant, dass Spalatin den Kurfürsten bewogen hat, Luther zu unterstützen. Er sagt von sich: »Wäre ich nicht gewesen, wäre Luthers Sache gescheitert.« Das zeugt von großem Selbstbewusstsein.

Welche Rolle spielte er in und für Altenburg?
Kwaschik:
Altenburg gehört zur Frühreformation. Schon 1523, also bevor Spalatin nach Altenburg kam, wurde hier das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht. Spalatin hat in der Superintendentur die ersten evangelischen Pfarrer eingesetzt und eine eigene Visitationsordnung erarbeitet und Visitationen vorgenommen. In den ersten Jahren war er recht ungeduldig, hat schnell zwei Klöster aufgelöst und säkularisiert. So wurde das Franziskanerkloster neben der Brüderkirche eine Schule, die bis in die 1990er Jahre hinein als Schule bzw. Ausbildungsstätte für DDR-Lehrer geführt wurde. Das Magdalenenkloster wurde ebenso geschlossen, die Nonnen davongejagt. Nur für das Augustinerchorherrenstift ließ er sich 20 Jahre Zeit. Hier wurde eine friedliche Lösung gefunden und die Mönche bis ans Lebensende versorgt.

Georg Spalatin war einer der ersten, der eine Mädchenschule gründete. Zudem setzte er sich für einen Sozialfonds zur Bildungs- und Armenpflege ein, den sogenannten Gemeinen Kasten.

Und was planen Sie außer der Festveranstaltung am 17. Januar in der Brüderkirche zu Altenburg?
Kwaschik:
Wir werden in diesem Jahr Foren und Vorträge anbieten. Ab Mai wird eine große Spalatin-Ausstellung im Schloss und in St. Bartholomäi zu sehen sein. Zudem wird der Spalatinweg eröffnet. Für Kirchengemeinden erarbeiten wir ein Programm zu Reformation und Politik. Gemeindegruppen können sich anmelden und bekommen eine besondere Führung und Einblicke in die Reformationsgeschichte in unserer Stadt und zu Spalatin.

Die Fragen stellte Dietlind Steinhöfel.

www.suptur-abg.de

Fast paradiesisch

30. September 2013 von redaktionguh  
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Mitteldeutscher Kirchentag: Jena war am 21. und 22. September für 6000 Christen ein guter Gastgeber

Der 2. Mitteldeutsche Kirchentag war ein fröhliches Fest der Christen.

Stolz zeigt der zwölfjährige Christoph aus Eisenberg eine Reihe Buttons an seiner Jacke. Er hat sie alle eigenhändig geprägt auf dem Markt der Möglichkeiten. Aus seinem Rucksack zieht er einige Blätter. »Wir durften uns einen Bibelspruch aussuchen und ihn selbst drucken«, erzählt er begeistert vom Bibelmobil, wo eine Druckerpresse stand. Zudem konnte er dort erfahren, dass sein Vorname aus der Bibel kommt und was er bedeutet. Der Kirchentag war für ihn, seine Schwester und die Eltern ein fröhlicher Tag. »Ich liebe die kleineren Kirchentage«, sagt Christophs Mutter. »Da ist es übersichtlicher.«

Abschlussgottesdienst auf dem Jenaer Eichplatz. Foto: Jürgen Scheere

Abschlussgottesdienst auf dem Jenaer Eichplatz. Foto: Jürgen Scheere

Rund 6000 Menschen feierten am vergangenen Wochenende das große Fest der Evangelischen Kirche in ­Mitteldeutschland (EKM), für das die Zeiss-Stadt Jena ein guter Gastgeber war. Mit einem sehr fröhlichen und emotionalen Gottesdienst in der übervollen Stadtkirche war der Kirchentag am Sonnabend eröffnet worden. »Wir sind eingeladen, ins Paradies zu kommen«, begrüßte Wolfgang Musigmann vom Kirchentagsausschuss die Gottesdienstbesucher, »damit Jesus Platz findet bei uns.«

Das Thema »Mit einem Fuß im ­Paradies« bot reichlich Anknüpfungspunkte. So zeigten Konfirmanden im Eröffnungsgottesdienst auf, was heute alles mit »Paradies« verbunden wird: vom Kinderparadies bis zum Steuerparadies. Auch bei Clown Leo ging es paradiesisch zu, genauso wie bei afrikanischen Rhythmen. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, bezeichnete in ihrer Predigt das ­Paradies als »tiefe Quelle liebevollen, angstfreien Umgangs miteinander«. Und sie forderte auf, die syrischen Flüchtlinge freundlich aufzunehmen. »Verschenkt euren Glauben, eure Liebe, verschenkt eure Hoffnung!«, rief sie den Kirchentagsbesuchern zu.

Der Kirchentag spannte einen ­Bogen vom Sonnabend bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag, wo der anglikanische Pfarrer und ehemaliger Domkapitular und Leiter des Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry, Paul Oestreicher, in der Predigt den Faden aufnahm. Der Friedensaktivist erinnerte daran, dass Jesus uns auffordere, unsere und seine Feinde zu lieben. »Das ist ein hartes Brot«, bekannte er, aber es sei unsere Aufgabe als Christen. »Es kommt nicht auf unsere Zahlen an, sondern auf unsere Liebe.«

Während der beiden Tage trafen sich junge Leute zu ihrem Jugendtag, feierten Christen aller Generationen die Nacht der Kirchen, fanden sich am Morgen zu Bibelarbeiten zusammen und hatten einen Tag mit interessanten Angeboten zur Auswahl. Integriert war zudem die Gehörlosengemeinde. Mehrere Gebärdendolmetscher standen bereit. Im Podium »Schöpfungsbewahrend anders leben« forderte Landesbischöfin Ilse Junkermann zu einem Wandel auf: vom Wachstumsideal zum Bebauen und Bewahren, von einem radikalen Individualismus und Egoismus hin zu einem Ja zu Beziehungen und Eingebunden-Sein in ein größeres Ganzes, ohne dabei die Individualität aufzugeben. Die Landesbischöfin zeigte sich zufrieden mit dem Kirchentag in Jena. Besonders habe sie sich gefreut, dass sie viele Menschen getroffen habe, die sich für Gerechtigkeit und Veränderung einsetzen wollen. Und die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren.

Nicht wenige von ihnen bestritten den Kirchentag und ermöglichten die Feier des Abendmahls. Aus Kirchentagspapphockern bauten Ehren- und Hauptamtliche gemeinsam über den gesamten Platz Abendmahlstische, holten Brot und Traubensaft aus dem Rucksack, manche hatten Kelche aus der eigenen Kirchengemeinde mitgebracht. Fröhliche Musik des Projektchors aus Apolda, der gerade sein ­Jesus-Musical vorbereitet und daraus einiges darbot, sowie der Auswahl-­Posaunenchor der EKM bereicherten das Fest. Insgesamt wirkten 700 Menschen an der Vorbereitung und an den beiden Festtagen mit.

Auf die Frage, ob sie denn ein Stück Paradies gespürt habe, antwortete eine Kirchentagsbesucherin ohne zu zögern: »Ja!«

Dietlind Steinhöfel