Das geistige Erbe der Welt

25. April 2016 von redaktionguh  
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UNESCO-Welterbe: Deutsche Orgeltradition soll in den Kanon des immateriellen Welterbes aufgenommen werden

Das Schönste, was Mensch und Natur uns hinterlassen haben – das möchte die UNESCO in ihren Welterbe-Listen aufführen. Jüngst nominiert: Orgelbau und Orgelmusik.

Kurz nach Ostern war es geschafft. Die fünfte Stufe in einem sechsstufigen und vieljährigen Verfahren. Jetzt fehlen nur noch ein Schritt und wieder zwei Jahre Geduld, dann könnten Orgelbau und Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt werden. Es wäre der zweite deutsche Eintrag in das internationale Verzeichnis. Oder sogar der erste, falls die »Idee und Praxis der Organisation gemeinsamer Interessen in Genossenschaften« nicht überzeugen sollte. Über diesen ersten deutschen Vorschlag entscheidet der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe Ende November bei seiner Beratung in Äthiopiens Hauptstadt Addis-Abeba.

Orgelbau und Orgelmusik stehen ein Jahr später zur Debatte. 2014 waren sie in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Dieses zählt derzeit 34 Einträge, darunter auch das Choralsingen, das Sternsingen und die Passionsspiele Oberammergau. Das Choralsingen als eine spezifische Form des Chormusizierens ist seit 2015 Teil des bundesweiten Verzeichnisses. Seit den 1520er Jahren hat es in den protestantischen Kirchengemeinden weite Verbreitung gefunden: Das Singen war nicht länger nur den Priestern vorbehalten, sondern wurde von den Gemeindemitgliedern in der für jeden verständlichen deutschen Muttersprache praktiziert. Die alten musikalischen Formen des Chorals sind dank einer umfangreichen schriftlichen, vor allem aber einer lebendigen mündlichen Tradierung bis heute bekannt und werden weiterhin ausgeübt.

Adäquate Listen führen auch andere Mitgliedsstaaten der UNESCO. So weist beispielsweise Österreich das 1818 komponierte »Stille Nacht, heilige Nacht« als immaterielles Kulturerbe aus. Bei diesen nationalen Listen – die ausdrücklich keine UNESCO-Verzeichnisse sind – handelt es sich um Bestandsaufnahmen der kulturellen Traditionen der Länder. In Deutschland wächst das Verzeichnis seit Dezember 2014, unabhängig davon pflegen Bayern und Nordrhein-Westfalen zusätzliche eigene Verzeichnisse.

»O du fröhliche« wäre ein Aspirant. Foto: Maik Schuck

»O du fröhliche«. Foto: Maik Schuck

Mit der Aufnahme einer Tradition in ein Verzeichnis ist weder eine finanzielle noch eine sonstige Unterstützung verbunden. Gewährt wird lediglich die Verwendung eines einheitlichen Logos für nicht kommerzielle Zwecke. Der Vorteil liegt, wie es die UNESCO treffend formuliert, in der »Ökonomie der Aufmerksamkeit«. Was damit gemeint ist, lässt sich gut am Beispiel von Friedrich Fröbels Kindergarten-Idee zeigen. Dieser Thüringer Vorschlag für die nationale Liste war im Dezember 2014 von der Kultusministerkonferenz in Berlin abgelehnt worden. Dennoch war Fröbel wie lange nicht Thema der Berichterstattung, mögliche touristische Effekte nicht ausgeschlossen.

Der Antrag der »Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands« (VOD) zu Orgelbau und Orgelmusik war 2014 erfolgreich. Seine überzeugende Argumentation: »Deutschland hat mit etwa 50 000 Orgeln, 400 Orgelbaubetrieben mit 1 800 Mitarbeitern und 180 Lehrlingen sowie 3 500 hauptamtlichen und Zehntausenden ehrenamtlichen Organisten eine auch im europa- und weltweiten Vergleich herausragende Orgelkultur, die sich in der Vielzahl der Ausbildungsmöglichkeiten an Hochschulen und kirchlichen Einrichtungen ebenso widerspiegelt wie im großen Reichtum an Kompositionen und Aufführungspraktiken.«

Susann Winkel

Das sechsstufige Verfahren in Deutschland
1. Ausschreibung auf Bundesländerebene; die Bewerbungsunterlagen müssen nach einem Kriterienkatalog eingereicht werden. Nach einer Sichtung leitet jedes Bundesland vier Vorschläge an die Kultusministerkonferenz weiter.
2. Der Kulturausschuss der Kultusministerkonferenz berät über die Vorschläge der Bundesländer (maximal 64). Die ausgewählten Vorschläge werden an das Expertenkomitee der Deutschen UNSECO-Kommission weitergeleitet.
3. Das Expertenkomitee bewertet die Vorschläge nach festgelegten Kriterien und schlägt Aufnahmen in das bundesweite Verzeichnis vor.
4. Diese Vorschläge werden wieder an die Kultusministerkonferenz überwiesen; ebenso an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur staatlichen Bestätigung.
5. Die deutschen Vorschläge zur Einschreibung in eine der drei Listen des immateriellen Kulturerbes der UNESCO (»Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit«, die »Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes« und das »Register guter Praxis-Beispiele«) werden immer im März an die UNESCO weitergeleitet.
6. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO entscheidet immer Ende November über Aufnahmen in die internationalen Listen beziehungsweise das Register.

Intensivere Partnerschaft

3. März 2015 von redaktionguh  
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Kirchenpräsident Joachim Liebig aus Äthiopien und Südafrika zurück

Kirchenpräsident Joachim Liebig hat sich nach einem Besuch in Äthiopien beeindruckt von der Arbeit der Christen in der dortigen Partnerkirche »Mekane Yesus« gezeigt. Die mit Anhalt verbundene Kirchenregion der »Western-Wollega-Bethel-Synode« mit dem Zentrum Dembi Dollo befindet sich im äußersten Westen Äthiopiens. »Hier haben sich auf einer Fläche, die nur doppelt so groß ist wie einer unserer Landkreise, in den vergangenen Jahren 120 000 muslimische Flüchtlinge aus dem Südsudan niedergelassen.« Sie zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuleben sei eine große Herausforderung für die christlichen Gemeinden.

Kinder in Äthiopien betrachten ihre Bilder für die Kinderbibel in Deutsch und Oromisch. Foto: Friederike Seim

Kinder in Äthiopien betrachten ihre Bilder für die Kinderbibel in Deutsch und Oromisch. Foto: Friederike Seim

Im Verlauf seiner zehntägigen Reise nach Afrika kam Liebig auch mit leitenden Vertretern der über fünf Millionen Mitglieder zählenden Mekane-Yesus-Kirche in Addis Abeba zusammen. Gemeinsam mit ihm reiste unter anderem Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerkes, das von der Landeskirche Anhalts mitgetragen wird. »Die Situation der Christen in Äthiopien ist natürlich in vielen Bereichen ganz anders als bei uns, doch die Herausforderung, sich in einem Umfeld behaupten zu müssen, das die christliche Religion anfragt, vereint uns.«

Die Partnerschaft zwischen der anhaltischen Landeskirche und der 400 000 Mitglieder zählenden »Western-Wollega-Bethel-Synode« besteht seit 2005 und ist in den vergangenen Jahren intensiver geworden. Höhepunkt ist eine zweisprachige Kinderbibel in Deutsch und der äthiopischen Landessprache Oromisch mit Zeichnungen von Kindern aus Anhalt und Äthiopien. Sie wird am Palmsonntag in einem Gottesdienst in der Wörlitzer Petrikirche offiziell übergeben (29. März, 14 Uhr). Zahlreiche der 6 000 Exemplare werden der Mekane-Yesus-Kirche zur Verfügung gestellt. Am 29. März werden drei Lehrer einer Schule aus Dembi Dollo anwesend sein.

Auch Gespräche mit der Kirchenleitung in Addis Abeba standen im Programm von Joachim Liebig, ebenso ein Besuch des Theologischen Seminars und der Kirchenmusikschule sowie ein Treffen mit der Gudina-Tumsa-Stiftung. Diese will das theologisch-geistliche Erbe des 1979 ermordeten Generalsekretärs der Mekane-Yesus-Kirche bewahren und verbreiten, die seit 1959 selbstständig ist. Ihre Wurzeln liegen in der Arbeit lutherischer und reformierter Missionsgesellschaften aus Skandinavien, Nordamerika und Deutschland. Mit 5,28 Millionen Mitgliedern ist sie die zweitgrößte lutherische Kirche Afrikas und die drittgrößte weltweit. Unter dem Motto »Dem ganzen Menschen dienen« sorgt sie für Seele und Leib durch Verkündigung und Entwicklungsarbeit, unter anderem mit landwirtschaftlichen Projekten, Schulen, Krankenhäusern, Alphabetisierung sowie Aufklärung über Geburtenkontrolle und gegen die Genitalverstümmelung von Frauen.

Eine Gemeindepartnerschaft mit Äthiopien pflegt die Hoffnungsgemeinde Zieko bei Coswig. Sie unterstützt unter anderem die junge Theologiestudentin Workinesh Nagassa, die ohne diese Hilfe ihr Studium nicht finanzieren könnte. Bei seinem Besuch übergab Kirchenpräsident Liebig der Theologin einen Laptop für ihre zukünftige Arbeit als Pfarrerin.

Im zweiten Teil seiner Reise war Joachim Liebig zu Gast im südafrikanischen Kapstadt. Er hielt dort einen Gottesdienst in der Kirche St. Martini, die zur ältesten lutherischen Gemeinde auf dem afrikanischen Kontinent gehört. Die Frau des früheren dortigen Gemeindepfarrers stammt aus Raguhn. Weiterhin besuchte der Kirchenpräsident das diakonische Zentrum Themba Labantu, das seit 30 Jahren unter anderem aidskranke Menschen versorgt, aber auch Möglichkeiten zur Berufsausbildung und eine Suppenküche bietet. Es finanziert sich weitgehend aus Spenden.

(mkz)

Jordanwasser in Äthiopien

3. Januar 2015 von redaktionguh  
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Kirchenjahr: Epiphanias ist mehr als Dreikönigstag


Epiphanias ist ein Fest mit vielen Motiven: Jesu Geburt, Jesu Taufe, Jesu erstes Wunder. Weltweit wird dieser Tag mit unterschiedlichen Bräuchen begangen.

Gonder in Äthiopien, eine Großstadt gut 700 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abeba. Es ist die Zeit des Epiphanias-Festes, das hier Timkat heißt. Gläubige drängen in großer Zahl zum Fasilidas-Bad, einem im 17. Jahrhundert erbauten Wasserbassin. 50 Meter ist es lang und 30 Meter breit. An einer Seite steht ein zweigeschossiges Haus. Es bilden sich in der Menge kleine Gruppen zu Tanz und Gesang. Die Stimmung ist ausgelassen am höchsten Feiertag der äthiopischen Kirche. Dann ziehen die Priester und Diakone zum Bad. Musik liegt in der Luft. Die Priester tragen Kopfbedeckungen, die wie Baldachine aussehen. Es sind Tabots, in kostbares Tuch eingeschlagene Kopien der Gesetzestafeln Moses. Der Überlieferung der äthiopischen Kirche zufolge liegt die Bundeslade im eigenen Land, in Aksum. In der Lade liegen, so die Legende, die originalen Gesetzestafeln. Jede Kirche des Landes hat eine eigene Nachbildung davon, die nur der Priester sehen darf und die nur selten zur Schau getragen wird. Timkat oder Epiphanias ist ein solcher Anlass.

Die äthiopoische Kirche feiert Epiphanias, das hier Timkat heißt. Im Bild: Priester mit Tabots. – Foto: epd-bild/Christoph Püschner

Die äthiopoische Kirche feiert Epiphanias, das hier Timkat heißt. Im Bild: Priester mit Tabots. – Foto: epd-bild/Christoph Püschner

Zum Höhepunkt des Festes lässt der Bischoff, ganz in goldene Kleider gehüllt, ein kreuzförmiges Flechtwerk in das Bassin hinab. Darauf stehen einige Kerzen. Das Binsengefäß saugt sich mit Wasser voll und versinkt, die Kerzen erlöschen. Erst dann steigt der Bischof zum Wasserbassin hinab, nimmt das Kreuz und weiht das Wasser. Aus der trüben Brühe in Gonder wird durch die Weihe der Jordan, der heilige Fluss. Was folgt, ist ein heiteres Planschen und Spritzen mit dem nun zum Taufwasser Jesu gewordenen Nass. In Erinnerung an die Taufe durch Johannes.

Bis heute feiern äthiopische Gläubige Epiphanias so und erinnern eindrücklich an die Taufe des Herrn. Wenn wir als evangelische Christen in Deutschland Epiphanias feiern, dann tun wir dies meist im Gedenken an die Weisen aus dem Morgenland: Dreikönigstag. Doch Epiphanias, weit älter als Weihnachten, ist mehr als Caspar, Melchior und Balthasar. Es wurzelt tief in heidnischer Tradition und hat viele Motive an sich gezogen, die alle um ein Thema kreisen: die Erscheinung der Göttlichkeit in der Welt. Denn Epiphanias heißt: erscheinen, sich zeigen.

Im hellenistischen Ägypten wurde am 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion gefeiert, verbunden mit dem Schöpfen heiligen Nilwassers. Im hellenistischen Osten des Römischen Reiches formte sich ein Fest, in dem das Erscheinen des göttlichen Kaisers gefeiert wurde. Epiphanias meinte damals nichts anderes als das glückbringende Kommen des gottgleichen Herrschers bei seinen Untertanen.

Schon sehr früh, spätestens im zweiten Jahrhundert, formte die alte Kirche ein eigenes Epiphanie-Fest, das bis zum vierten Jahrhundert den alten Kaiserkult überlagerte. Das Erscheinen des Gottessohnes hatte also eine politische, eine subversive Kraft. Das Erscheinen Gottes bei den Menschen, das meint Christi Geburt, die Anbetung der Weisen, die Taufe im Jordan und sein erstes Wunder auf der Hochzeit zu Kana. Momente, in denen sich Himmel und Erde auf wundersame Weise berühren. Alle diese Motive wurden und werden mit Epiphanias verbunden. Lange Zeit war das Fest im Osten des Römischen Reiches das Geburtsfest Jesu, in der armenischen Kirche ist es bis heute so.

Auch in vielen orthodoxen Kirchen, zum Beispiel der russischen und serbischen, ist der 6. Januar noch der Tag der Geburt Christi – weil sie sich liturgisch am julianischen und nicht am gregorianischen Kalender orientieren. Epiphanias aber, die Erinnerung an Jesu Taufe, feiern Russen und Serben am 19. Januar. Im Mittelpunkt steht das Wasser: Zur »Großen Wasserweihe« wird ein goldenes Kreuz ins Wasser getaucht. Damit wird das Kreuz und mit ihm die ganze Schöpfung gesegnet. Ein eindrückliches Symbol: Im erinnernden Nachvollziehen der Taufe Jesu wird die Schöpfung unter Gottes Segen gestellt. Das ist weit mehr als Erinnerung, sondern Hoffnung auf eine Welt, die seit dem Erscheinen Christi – auch gegen den Augenschein – eine andere, eine gewandelte Welt ist.

Stefan Körner

Christen auf dem »Dach Afrikas«

25. Juli 2014 von redaktionguh  
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G+H-Leserreise 2014 nach Äthiopien – manchmal auch abseits der Touristenpfade

Zwölf Leserinnen und Leser der Kirchenzeitung reisten gemeinsam mit Pfarrer Hanfried Victor nach Äthiopien. Hans-Christoph Schulz aus dem thüringischen Birkigt hat seine Eindrücke vom Leben auf dem »Dach Afrikas« aufgeschrieben:

Eine Herausforderung war es, sich in Äthiopien einige amharische Wörter einzuprägen und halbwegs verständlich auszusprechen, wie »batam amesegenallu« (vielen Dank). Wer sich redlich mühte, wurde mit einem freundlichen und verständnisvollen Lächeln der Gastgeber belohnt. Bilder und Begegnungen, die nicht mit der Digitalkamera festgehalten werden können, haben sich während der Reise tief ins Gedächtnis eingeprägt. So der Besuch bei Afrikas »Mutter Theresa«, der 80-jährigen Abebech Gobena. Angesichts der Hungerkatastrophe in den 1980er Jahren gründete sie unter großem persönlichem Einsatz ein Waisenhaus in Addis Abeba. Inzwischen sind Kindergärten, Schulen und Ausbildungswerkstätten hinzugekommen, in denen mehr als 12 000 Kinder aus den Armenvierteln in verschiedenen Projekten betreut werden. Ziel dieses von der UNICEF geförderten Konzeptes ist es, nicht nur Waisenkinder von der Straße zu holen, sondern Frauen und Mütter in Trainingsprogrammen zu stärken, damit sie selber für ihre Kinder sorgen können. In dem Gespräch erfuhren wir, dass bis heute allein in der Hauptstadt monatlich 20 Kinder verlassen und ausgesetzt werden und Millionen Kinder in Äthiopien auf der Straße leben.

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Abebech Gobena (re.) gilt als Mutter Theresa von Äthiopien. Sie gründete in den 1980er Jahren unter großem persönlichen Einsatz ein Waisenhaus. Die Reisegruppe informierte sich über die Entwicklung, die die Arbeit mit armen Kindern und Jugendlichen seither genommen hat. – Foto: Hans-Christoph Schulz

Ein anderes Bild: Unser äthiopischer Reiseführer Teketayi zeigte uns mit Hingabe und Herzblut sein Heimatland. Er führte uns nicht nur zu den touristischen Sehenswürdigkeiten in Addis Abeba, Axum, Gondar, Bahar Dar, Lalibela und den Simien-Nationalpark, sondern auch spontan zu Menschen. Während der Fahrt auf »Naturstrecke« nach Lalibela ging er mit uns in ein nahe gelegenes Dorf mit fünf Wohnhütten. Eine junge Frau zeigte uns ihre Rundhütte von sechs Metern Durchmesser, in der sie, ihr Mann, ihre drei Kinder, ihre Kuh und ihr Schaf leben. Wir sahen Lehmfußboden, eine kleine offene Kochstelle in der Mitte, Vorratssäcke an der Seite, ein Hochbett für die Kinder über den Tieren, eine Sitzgelegenheit als Ehebett. Wasser muss die junge Frau, die bald ihr viertes Kind erwartet, in einem 25-Liter-Kanister holen. Das bedeutet für sie eine halbe Stunde Fußweg bergauf, zurück in ihre Hütte. Bei aller äußeren Armut strahlt sie Fröhlichkeit aus. Ihre Haltung zeugt von einem Stolz auf das Land und seine kulturhistorische Geschichte.

Wie die meisten Menschen im nördlichen Hochland Äthiopiens trägt die junge Frau ein Kreuz: Ich gehöre zu Christus, ich bin sein Eigentum und trage seinen Namen, bedeutet das. Andere Menschen tragen ein Kreuz als Tattoo auf der Stirn. In Addis Abeba erlebten wir die Feier der Osternacht mit: Das Trommeln und rituelle Tanzen der Mönche, die große Andacht der Gläubigen waren so ganz anders als gewohnt, aber sehr beeindruckend.