»Afrika im Kleinen«

5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Weltgebetstag: Frauen aus Kamerun haben die diesjährige Gottesdienstordnung vorbereitet.

Der Weltgebetstag ist längst zu einem echten spirituellen Netzwerk geworden, das weltweit und ökumenisch Christen in über 170 Ländern verbindet. Aber er ist kein Selbstläufer, sondern braucht jedes Jahr neu engagierte Menschen.

Hat ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet: Octavie Djiugoue aus Kamerun. Foto: privat

Hat ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet: Octavie Djiugoue aus Kamerun. Foto: privat

Hörend, sehend und schmeckend an einem Abend ein fremdes Land bereisen und sich dabei eingebunden fühlen in eine weltweite Gebetsgemeinschaft – dieses Angebot des Weltgebetstages ist einmalig und hat auch im 52. Jahr seine Faszination nicht verloren. In den meisten Gemeinden stellt der erste Freitag im März einen Höhepunkt im Veranstaltungskalender dar und ist erst recht zu einer ökumenischen Plattform geworden, die vor Ort mit Freude und Engagement gepflegt wird.

Die diesjährige Liturgie zum Gottesdienst, der am Freitag, 5. März, ­gefeiert wird, haben Frauen aus ­Kamerun vorbereitet. Sie wählten das Motto: »Alles, was Atem hat, lobe Gott.« Die Menschen in diesem zentralafrikanischen Land, das wegen seiner geografischen, klimatischen, ethnischen und kulturellen Vielfalt auch »Afrika im Kleinen« genannt wird, ­haben in ihrem Alltag mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch in ihren Notsituationen fragen sie nicht: »Warum tut Gott mir das an?« Dieses Denken sei den Kameruner Frauen fremd, konnte Pfarrerin i. R. Gertrud Tschäpe bei der Beschäftigung mit der Liturgie feststellen und ist davon beeindruckt. »Sie sagen vielmehr: ›Ich lobe Gott, weil ich Atem habe und lebe‹ – wohl wissend, dass damit nicht die Probleme beseitigt sind, sondern sie jetzt handeln müssen.«

Gertrud Tschäpe gehört seit 2003 zum Leitungsteam, das jährlich im Huberhaus Wernigerode dreitägige Vorbereitungstreffen für all jene Frauen anbietet, die sich in ihren Gemeinden für den Weltgebetstag engagieren. In den letzten Jahren hat sie beobachtet, dass sich neben dem wichtigen Stamm der Weltgebetstagsbewegten auch mehr und mehr junge Frauen hinzugesellen. Eine erfreuliche Entwicklung, die Zukunft verheißt. Die Vorbereitungen beginnen bereits Wochen oder Monate vor dem eigentlichen Datum. Erstmalig gab es als Auftakt bereits im November einen Informationstag in Halle. Studientage quer durch das Gebiet der mitteldeutschen Kirche, beispielsweise in Stendal, Wittenberg, Herzberg und Merseburg, aber auch in Waltershausen, Gefell und Goldbach, boten eine nächste Informationsquelle.

In Thüringen öffnete das Friedrich-Myconius-Haus in Tabarz im Januar seine Türen für ein zweitägiges Vorbereitungstreffen. Gleich drei gab es im Hedwig-Pfeiffer-Haus in Weimar, das sich seit Jahrzehnten als Tagungsort bezüglich des Weltgebetstages bestens eingeführt hat. Hier konnte sogar die Kamerunerin Octavie Djiugoue willkommen geheißen werden. Mit Temperament und Begeisterung habe sie ihre Heimat vorgestellt und die Herzen geöffnet, sagt Eva Lange, Referentin der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland. Auch sie beobachtete überrascht eine Verjüngung der Teilnehmerinnen und hebt deren große Offenheit hervor.

Überhaupt sind die Vorbereitungstreffen sehr intensive Tage, von denen jede Teilnehmerin und deren Gemeinde nur profitieren kann. Manche engagierten Frauen sind anfangs Alleinkämpferinnen, die erst einen Kreis um sich sammeln müssen. Hier können sie sich gegenseitig Mut machen, Kraft tanken und mit vielen Anregungen nach Hause fahren. In über 1800 der insgesamt 3300 Gemeinden in der EKM wird zum Weltgebetstag einge­laden, und 90 Prozent der Vorbereitung erfolgt ehrenamtlich. Ähnlich sieht es in der anhaltischen Landeskirche aus. Hier gibt es in den 150 Kirchengemeinden zahlreiche Gottesdienste und Veranstaltungen in den Tagen rund um den 5. März.

Einige Gemeinden haben auch eigene Traditionen zum Weltgebetstag entwickelt. In Meiningen beispielsweise gibt es seit Jahren am Wochenende zuvor einen Gemeindenachmittag zum jeweiligen Land. In der Vorbereitungsgruppe seien Mütter und Väter um die 40 gemeinsam und äußerst kreativ tätig, hebt Pfarrerin Cornelia Hädicke hervor. »Es gelingt uns, dieses Angebot generationsübergreifend zu gestalten, denn es kommen dann auch ältere Gemeindeglieder und Großeltern mit ihren Enkeln.« Am vergangenen Sonntag gab es ein fröhliches afrikanisches Fest mit vielen Gästen, darunter mehr als 25 Kinder.

Übrigens: Auch wenn umgangssprachlich häufig vom »Weltgebetstag der Frauen« gesprochen wird – die Protagonistinnen freuen sich, wenn auch Männer ihrer Einladung folgen.

Uta Schäfer