Das Traditionsheim in Köthen wird 70

22. April 2018 von redaktionguh  
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Jugendhilfe: Die »Arche« gibt Mädchen und Jungen ein neues Zuhause

Im Foyer der Jugendstilvilla hängt ein aus Holz gesägter Schlüssel. Vor fast 25 Jahren gelangte er in das stattliche Haus an der Köthener Bärteichpromenade, das seit Jahrzehnten als Kinder- und Jugendheim dient. Der damalige Köthener Pfarrer Albrecht Lepetit, ein gelernter Tischler, fertigte ihn an und übergab ihn 1994, als das Heim von der Trägerschaft des Landkreises in die der Jakobsgemeinde wechselte. Seit 1998 trägt es den Namen »Arche«. Anfang Mai feiert das Heim sein 70-jähriges Bestehen mit einem Festakt und einem Ehemaligentreffen auf dem Heimgelände sowie einem Gottesdienst in der Jakobskirche. Unabhängig von diesem festlichen Höhepunkt schaut Pfarrer Wolfram Hädicke als Mitglied des Heimkuratoriums mehrmals in der Woche im Haus vorbei.

Die »Arche«, eine über 100 Jahre alte, sanierte Villa, umgibt ein großes Freigelände. Foto: Heiko Rebsch

Die »Arche«, eine über 100 Jahre alte, sanierte Villa, umgibt ein großes Freigelände. Foto: Heiko Rebsch

»Wir sind das Traditionsheim in Köthen«, sagt Martin Dreffke. Der promovierte Pädagoge leitet das Haus seit 1992. Als es am 30. April 1948 in der ehemaligen Bürgermeistervilla eröffnet wurde, zogen als erstes 25 Kriegswaisen hier ein. Ab Mitte der 1950er Jahre wurden dann Kinder aufgenommen, für die der Staat Erziehungshilfe leisten musste.

Kollektiverziehung und strenge Regeln prägten ihr Leben, so Dreffke, aber nie habe ihm einer der Ehemaligen etwas von Schikanen berichtet. In den DDR-Jahrzehnten lebten im Heim bis zu 50 Kinder, heute wohnen hier 20 in zwei alters- und geschlechtsgemischten Gruppen, für die jeweils vier Erzieher zuständig sind. Die Tatsache, dass der Bedarf höher ist als die vorhandenen Heimplätze, findet der Pädagoge bedenklich. Aufgenommen werden Kinder von drei bis 18 Jahren, zurzeit ist das jüngste Kind acht, das älteste 17.

In den vergangenen Jahrzehnten ist das Haus nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich den neuen Erfordernissen angepasst worden. Neben der Umstellung auf Wohngruppen gehört seit 1996 das betreute Jugendwohnen in der Stadt dazu, um junge Menschen gut vorbereitet ins selbstständige Leben als Erwachsene entlassen zu können, wenn eine Rückkehr ins Elternhaus nicht möglich ist. Zudem ist die »Arche« heilpädagogisch-integrativ ausgerichtet. Inzwischen bietet das Heim auch »Flexible Elternhilfe« für alleinstehende junge Mütter an, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. »So wird vermieden, dass Kinder von ihrer Mutter getrennt werden müssen«, sagt Martin Dreffke. Und in der Not gibt es im Heim eine Schutzstelle für den Fall, dass ein Kind sehr schnell aus seiner Familie in die Obhut des Jugendamtes übernommen werden muss. Seit 2015 sind Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit heute insgesamt 14 Plätzen hinzugekommen. Aktuell plane man, die Zahl der Mitarbeiter aufzustocken. Insgesamt ist die »Arche« Arbeitgeber für 23 Frauen und Männer auf den Gebieten Erziehung, Hauswirtschaft und Verwaltung.

»Bei uns gibt es keinen Stillstand«, sagt Martin Dreffke. »Es wird immer wieder neu geschaut, was aktuell gebraucht wird, und ein klassisches Kinderheim wird immer gebraucht.«

Angela Stoye

5. Mai, Arche, 15 Uhr: Treffen ehemaliger Bewohner und Mitarbeiter

6. Mai, St. Jakob

11 Uhr: Fest- und Familiengottesdienst

www.arche-kh.de

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Vom Preis der ewigen Jugend

14. April 2018 von redaktionguh  
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In der Dessauer Theater­predigt zum Ballett »Das Bildnis des Dorian Gray« geht es um die Verantwortung des Menschen für sein Leben.

Als der Roman 1890 in Fortsetzungen gedruckt wurde, löste er bei den Lesern im viktorianischen England Stürme der Entrüstung aus. Heute gehört »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde zu den Klassikern der englischen Literatur. Der Roman handelt von einem Mann, der seine Seele verkauft, um seine Jugend zu retten und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch das hat seinen Preis – und am Ende muss Gray dafür bezahlen. Das Anhaltische Theater Dessau hat den Roman nun auf die Bühne gebracht. Am 23. März hatte das von Tomasz Kajdanski zur Musik des russischen Spätromantikers Alexander Skrjabin inszenierte Ballett Premiere. Es ist eines der wenigen Theaterprojekte zu Oscar Wilde in den vergangenen Jahren.

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Für Kajdanski, Ballettdirektor und Chefchoreograf, ist Wildes Buch »ein Spiegel des Lebens«, das alles enthalte, was das Leben ausmacht. Am wichtigsten ist ihm, dass Wilde das Leben als etwas zeigt, »für das wir selbst verantwortlich sind«. »Deshalb geht es uns wie Dorian Gray: Wir haben nur ein Leben, das wir nutzen müssen«, so der Künstler. Für Tomasz Kajdanski stellt Dorian Gray eine Art englischen Faust dar, »der immer jung bleibt, aber einen Pakt abgeschlossen hat, dessen Bedingungen er verdrängt«.

Die Frage zur Verantwortung und zur Verfügbarkeit des Menschen über sein Äußeres und sein Leben, die im Roman gestellt wird, bietet auch theologische Ansatzpunkte. Da lag es nahe, »Das Bildnis des Dorian Gray« am 15. April in den Mittelpunkt einer Theaterpredigt zu stellen.

Letztere ist in Dessau-Roßlau inzwischen Tradition. Vor zehn Jahren wurde dazu erstmalig in die Johanniskirche eingeladen. Die damalige Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, predigte am 27. April 2008 zu einer Inszenierung von Richard Wagners »Parsifal« am Anhal
tischen Theater, im September Friedrich Schorlemmer zu Goethes »Faust«. Die Theaterpredigten sind ein Gemeinschaftsprojekt, verantwortet vom Anhaltischen Theater Dessau, der Landeskirche Anhalts und der Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Sie sollen, in der aufgeklärten Tradition Anhalts stehend, dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion dienen. Zu den Persönlichkeiten, die schon eine Theaterpredigt hielten, gehören der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig oder die hallesche Pianistin Ragna Schirmer.

Für die 21. Theaterpredigt am 15. April haben die Initiatoren den Köthener Pfarrer Wolfram Hädicke als Prediger gewonnen, der zusammen mit seiner Frau immer wieder gern Vorstellungen im Anhaltischen Theater besucht. Er findet es sehr interessant, was die Dessauer Theaterleute aus dem Stoff gemacht haben. »Ich war gespannt, wie Sprache in Bewegung übersetzt wurde, und finde es sehr gelungen«, sagt er nach dem Besuch des Ballettabends und vor seiner Predigt. »Oscar Wilde lässt Dorian Gray in seinem Roman sagen: ›Jeder trägt Himmel und Hölle in sich‹», so Hädicke. Die theologische Relevanz sei an vielen Stellen zu spüren.

In seiner Theaterpredigt wird Wolfram Hädicke den Fragen nachgehen, die jeden Menschen bewegen: Wer bin ich? Womit kämpft meine Seele? Neige ich dem Guten oder dem Bösen zu? Welche Abgründe lauern? Was vergiftet meine Seele? Fragen, die von bleibender Aktualität sind, ist sich der Pfarrer sicher.

Angela Stoye

Theaterpredigt: 15. April, 14.30 Uhr, Dessauer Johanniskirche. Die nächsten Theatervorstellungen: 22. April, 17 Uhr; 26. Mai, 19.30 Uhr; 17. Juni, 17 Uhr

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Posaunen und Trompeten verkündigen

10. April 2018 von redaktionguh  
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Musik: Das nächste Landesposaunenfest Anhalts wird vom 1. bis 3. Juni in Gernrode gefeiert. Über den Stand der Vorbereitungen und die Blasmusik sprach Angela Stoye mit Steffen Bischoff, der seit 2004 Landesposaunenwart ist.

Herr Bischoff, Sie stecken mitten in den Vorbereitungen. Wie viele Bläserinnen und Bläser werden in Gernrode erwartet?
Bischoff:
Es werden etwa 100 Bläser aus Anhalt plus Gäste aus unserer Partnerkirche der Pfalz anreisen.

Auf welche Musikstücke und -stile dürfen sich die Besucher des Festes freuen?
Bischoff:
Auf eine große Vielfalt an Stilrichtungen. In der Festwoche vom 28. Mai bis 1. Juni spielen verschiedene Posaunenchöre aus Anhalt in den Orten um Gernrode Abendserenaden. Am 2. Juni, einem Sonnabend, gibt es um 14 Uhr im Schlosspark zu Ballenstedt eine Serenade mit einem sommerlichen Programm. Da spielen wir auch Lieder zum Mitsingen. Ebenfalls am Sonnabend geben der Landesjugendposaunenchor »Youth in Brass« und der Bläserkreis der Landeskirche Anhalts um 17 Uhr in der Stiftskirche St. Cyriakus zu Gernrode ein Konzert mit mehrchöriger Musik aus verschiedenen Epochen. Am Sonntag sind alle Bläserinnen und Bläser um 10.30 Uhr im Festgottesdienst in Gernrode zu einem großen Chor vereint.

Sie selber spielen seit Ihrem zehnten Lebensjahr Trompete. Wieso ist es gerade dieses Instrument geworden?
Bischoff:
Ganz einfach: Dahin bin ich durch Zuhören gekommen. Ich bin in Gnadau aufgewachsen. Zum Gemeindeleben gehörte ein Posaunenchor, da spielte ich dann eines Tages mit. Später habe ich nach meiner Lehre und der Arbeit als Autoschlosser Musik mit den Abschlüssen Diplom-Musikpädagoge und musikalische Früherziehung studiert. Letzteres hilft mir heute sehr bei meiner Arbeit mit den Jugendlichen.

Sie meinen sicher das 2009 in Bernburg gestartete Projekt »Klassenmusizieren« in der Schule. Wie hat sich das entwickelt?
Bischoff:
Sehr gut. Am Bernburger Martinszentrum haben wir seitdem stets konstante Teilnehmerzahlen und seit 2014 einen eigenen Posaunenchor, der aus teilnehmenden Kindern hervorgegangen ist.
In Zerbst gibt es das »Klassenmusizieren« seit 2010 an der Bartholomäi-Gemeinde, in Dessau seit dem vorigen Jahr – jeweils in der dritten und vierten Klasse. Im Moment befinden sich etwa 70 Kinder in sechs Gruppen an drei Schulen und in fünf Folgegruppen an den örtlichen Posaunenchören.

Das klingt gut …
Bischoff:
Ja, finde ich auch. Es ist ein Erfolgskonzept, das auf jeden Fall weitergeführt und ausgebaut werden sollte. Die Kinder werden in den dritten Klassen der evangelischen Grundschulen in den oben genannten anhaltischen Städten jeweils abgeholt und bis zur siebenten Klasse in die Posaunenchöre geführt. Haben die Mädchen und Jungen einmal Freude am Musizieren im Posaunenchor gefunden, bleiben sie auch. Nur sehr wenige von ihnen verlassen uns wieder.

Konzert: Wo Bläserinnen und Bläser musizieren – ob im kleinen Chor oder einem ganz großen wie beim Kirchentag auf dem Weg 2017 in Dessau-Roßlau – hören die Menschen gerne zu. Foto: Johannes Killyen

Konzert: Wo Bläserinnen und Bläser musizieren – ob im kleinen Chor oder einem ganz großen wie beim Kirchentag auf dem Weg 2017 in Dessau-Roßlau – hören die Menschen gerne zu. Foto: Johannes Killyen

Somit begleiten wir die Kinder und Jugendlichen direkt in das aktive Gemeindeleben, lassen sie durch die Musik, durch Andachten in den Chören und Mitwirkung in Gottesdiensten aktiv an der Verkündigung des Evangeliums mitwirken. Diese Prägung wird die Jugendlichen ihr ganzes Leben begleiten.

Wie viele Bläserchöre gibt es in der anhaltischen Landeskirche?
Bischoff:
Zurzeit sind es 14 Chöre mit insgesamt 280 Mitgliedern.

Wie sehen Sie die fernere Zukunft der Bläserchöre in der Landeskirche?
Bischoff:
Die Zahl der Bläserinnen und Bläser in den Posaunenchören Anhalts steigt stetig und das »Klassenmusizieren« in den Schulen ist, wie gesagt, ein Erfolgskonzept. Offenbar schätzen die Bläserinnen und Bläser die Generationen übergreifende Gemeinschaft in den Chören und setzen sich gerne dafür ein.
Mit Blick auf das geplante »Anhaltische Verbundsystem« schätze ich, dass es Spielraum eröffnet, um das Personal besser an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Zurück in die nahe Zukunft. Was erhoffen Sie sich vom Gernröder Landesposaunenfest?
Bischoff:
Ein solches Fest ist immer ein Höhepunkt im Leben der gastgebenden Kirchengemeinde sowie für die Bläserinnen und Bläser. Und wenn, wie bei zurückliegenden Anlässen, ein großes Publikum kommt, sich von der Musik berühren lässt und mit ihr mitgeht, ist das einfach nur schön.

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Auf den Spuren von Karl Friedrich Schinkel

26. März 2018 von redaktionguh  
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Neuheit: Musiktage vom 1. bis 3. Juni in Magdeburg rücken preußischen Baumeister und seine Zeit in den Mittelpunkt

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg will ein neues Musikfest etablieren. Mit den 1. Schinkel-Musiktagen vom 1. bis 3. Juni sollen Interessenten die Gelegenheit haben, das Wirken des preußischen Architekten und Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) in Magdeburg kennenzulernen. Für das Festival kooperieren das Kirchspiel Magdeburg Nord, die Förderkreise der Biederitzer Kantorei und des Magdeburger Gesellschaftshauses sowie der Magdeburger Musikverein. Zwei Schinkel-Bauwerke stehen im Mittelpunkt: die Kirche St. Nicolai im Stadtteil Neue Neustadt und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten. Mit einem Mix aus Konzerten, Vorträgen und Workshops für Kinder wollen die Initiatoren nicht nur die Bedeutung Schinkels hervorheben, sondern auch aufzeigen, welche Möglichkeiten die Nicolaikirche als Ort für Konzerte und andere kulturelle Angebote im Stadtteil bietet.

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Team: Die ersten Magde­burger Schinkel-Musiktage organisieren (v. l.) die Konzertdramaturgin Charlotte Bittner, der Leiter des Gesellschafts­hauses, Carsten Gerth, Kirchenmusikdirektor Michael Scholl und Pfarrer Joachim Möcker. Foto: Gesellschaftshaus/Kathrin Singer

Das Musikfest wird am 1. Juni in der dann frisch sanierten Nicolaikirche mit Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« eröffnet. Am 3. Juni wird in der Kirche ein Festgottesdienst mit der Liturgie gefeiert, wie sie zu Schinkels Lebzeiten üblich war: die von König Friedrich Wilhelm III. eingeführte preußische Agende. In einem Konzert im Gesellschaftshaus erklingen am 2. Juni Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und einigen seiner Zeitgenossen wie Nils Gade oder Robert Volkmann. Das Abschlusskonzert geben dort am 3. Juni die »Münchner Singphoniker«. Sie schlagen mit ihrem Programm einen Bogen in die Magdeburger Musikgeschichte zur vor 200 Jahren gegründeten Magdeburger Liedertafel.

Der Grundstein der heutigen Nicolaikirche in der Neuen Neustadt wurde 1821 gelegt. Ihr Vorgängerbau stand ab 1150 in der Alten Neustadt und wurde wegen Kriegszerstörung und Baufälligkeit im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Stellen insgesamt fünf Mal erbaut. Nachdem der letzte Bau den napoleonischen Truppen zum Opfer gefallen war, bekam Schinkel 1817 den Auftrag, eine neue Nicolaikirche zu entwerfen. Nach diversen Änderungen wurde schließlich die bis heute bestehende klassizistische Kirche gebaut und im Oktober 1824 eingeweiht. Sie wurde zum Vorbild für das von Schinkel entwickelte Konzept der Normalkirchen für ländliche Sakralbauten in Preußen. Die Fassadeninschrift »Mit Gott durch Königshuld« verweist bis heute darauf, dass Friedrich Wilhelm III. den Kirchenbau durch Zuschüsse unterstützte.

Der Bau des Gesellschaftshauses ist eng mit der Gestaltung des Klosterbergegartens 1824 durch den preußischen Gartendirektor und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné verbunden. Schinkel hatte dafür einen großzügigen Entwurf eingereicht. In stark reduzierter Form wurde dieser in den Jahren 1828/29 verwirklicht. Davon erfuhr Schinkel allerdings erst im Nachgang und von Dritten, worauf er mit einem verärgerten Schreiben an den Magdeburger Rat reagierte. 1896 wurde in historisierendem Stil ein Anbau aus Backsteinen errichtet. In der Kombination aus Klassizismus und Historismus besteht das vor einigen Jahren restaurierte und sanierte Gesellschaftshaus bis heute.

Angela Stoye

Programm unter

www.gesellschaftshaus-magdeburg.de

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Gemeindediakonat – ein Dienst für alle Menschen im Ort

26. März 2018 von redaktionguh  
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Ideen: Wie ein neues Arbeitsgebiet im »Anhaltischen Verbundsystem« aussehen kann

Im Zusammenhang mit dem Zukunftsprojekt des »Anhaltischen Verbundsystems« soll das Gemeindediakonat eine besondere Rolle spielen. Die Landessynode beauftragte Landesdiakoniepfarrer Peter Nietzer, eine Konzeption dafür zu erarbeiten. Den Synodalen dienen seine Beobachtungen und Überlegungen als Basis für die Weiterarbeit.

»Der in vielen Kirchengemeinden übliche Besuchsdienst wendet sich fast ausschließlich an Gemeindeglieder«, beschreibt Nietzer den Ist-Stand. Die Besuchten sollten weiter am Gemeindeleben teilhaben können. Gelegentlich würden Hausabendmahle oder Andachten verlangt, sehr selten Verkündigung oder Glaubensunterweisung. »Darüber hinaus gibt es aufsuchende ehrenamtliche diakonische Dienste, die sich nicht ausdrücklich an Gemeindeglieder wenden«, so der Pfarrer. Dazu gehörten etwa einfache Hilfen in Haus und Hof oder die Begleitung bei Arztbesuchen.

Nietzer verweist auf die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD, in der es auch um Neuansätze der Gemeinwesen-Diakonie ging. In Dörfern und Stadtteilen werde das diakonische Handeln der Kirchengemeinden mit dem Ziel, Gottes Liebe aller Welt auszurichten, besonders erkennbar.

Anhalt mit seinen vielen Dörfern sei vom Rückgang sozial unterstützender Infrastruktur geprägt; junge Menschen zogen und ziehen fort. »Alte Menschen und Menschen mit besonderem Hilfebedarf bleiben zurück.« Die Folge ist: »Immer mehr Menschen sind vom selbstbestimmten Leben abgeschnitten, wenn sie nicht unterstützt und begleitet werden.« Viele Aufgaben würden Frauen und Männer ehrenamtlich wahrnehmen. Diese benötigten und benötigen Begleitung durch hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche.

Vielseitig Mitarbeitende werden benötigt

Der Mitarbeiter, der im künftigen Verbundsystem die Planstelle des Gemeindediakonats besetzt, sei zuständig, die niedrigschwellige sozialdiakonische Arbeit wahrzunehmen, zu organisieren und zu begleiten, heißt es in dem Papier. Er sollte einen Abschluss als Sozialarbeiter oder -pädagoge und eine diakonische Zusatzausbildung haben, um auch Andachten und Gottesdienste halten zu können. »In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass die körperliche Pflege kranker und alter Menschen allein nicht ausreicht«, begründet Pfarrer Nietzer. Die Gepflegten und ihre Angehörigen benötigten auch geistlich-seelische Hilfen. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Arbeitsgebiete Pflege und Hauswirtschaft organisatorisch, finanziell und nach Mitarbeitern getrennt worden. Von wem das Gemeindediakonat im Verbundsystem künftig getragen und finanziert werden soll, bedürfe gründlicher Überlegungen. In einer Sache ist sich Peter Nietzer aber sicher: »Die Gemeindeschwester wie früher – mit der Thermoskanne voller Suppe an einem Fahrradlenker und der Tasche mit Blutdruckmessgerät und Verbandmaterial am anderen – wird es nicht wieder geben.«

Angela Stoye

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»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
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Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

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Gemäßigt zukunftsfroh

5. März 2018 von redaktionguh  
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Landessynode: Umbau zum »Anhaltischen Verbundsystem« beschlossen

Veränderungen«, so Kirchenpräsident Joachim Liebig, »lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Bei den einen Angst, bei anderen Zustimmung in der Art: Veränderungen sind mein täglich Brot.« Bei der am 24. Februar in Dessau-Roßlau tagenden Landessynode Anhalts, der letzten in der 23. Legislaturperiode, ging es als Schwerpunkt genau darum. »Veränderungen stehen uns als Kirche bevor«, sagte Liebig. Das liege zwar auch in den »protestantischen Genen«, habe doch Luther darauf verwiesen, dass sich eine Kirche ständig zu reformieren habe. Der Landeskirche jedoch würden mit dem Umbau zum »Anhaltischen Verbundsystem« Veränderungen von Grund auf bevorstehen (siehe dazu Nr. 8, S. 9). »Es gibt bei uns niemanden, der sagt: Es läuft alles wunderbar.« Der Theologe erinnerte an Jurek Beckers Erzählung »Ansprache vor dem Kongreß der Unbedingt Zukunftsfrohen«. Wozu gehört Anhalt? Zu den unbedingt oder den gemäßigt Zukunftsfrohen, oder gar zum Verband der Hoffnungslosen?

Blick ins Plenum: Am vergangenen Sonnabend in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau. Foto: Johannes Killyen

Blick ins Plenum: Am vergangenen Sonnabend in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau. Foto: Johannes Killyen

Tatsache sei, so Liebig, dass in Anhalt bis 2025 etwa 30 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Zu den schmerzlichen Erfahrungen gehöre die Tatsache, dass immer weniger Menschen der Kirche angehören: »Wir schaffen es nicht, Menschen in ausreichender Zahl für das Evangelium zu begeistern.« Die Zahl der Kirchenaustritte seien zwar nicht überbordend, aber trotzdem schmerzlich. Und schmerzlich sei auch, dass aus gesellschaftlichen Ursachen Generationen von Menschen in der Kirche fehlen. »Das alles trägt enormes Frustrationspotenzial in sich.«

Anhalt habe nun mehrere Optionen. Die erste sei: Alles bleibt wie es ist. »Dann läuft es noch eine Weile so weiter, aber wir beachten die Rahmenbedingungen nicht«, so Liebig. Zweitens: Beim Weiterarbeiten mit weniger Personal drohe Überforderung. »Unsere Option ist aber eine andere«, so der Kirchenpräsident. »Wir verändern das Verhältnis der Berufsgruppen zueinander.« Zurzeit sei es so: Alle Berufsgruppen in der Landeskirche fühlten sich allein gelassen. Daher gehe es künftig um mehr gemeinsames Arbeiten. Zudem werde man andere Zugänge für Menschen zu Kirche finden müssen – über die bisher bestehenden hinaus. »Unser Ziel ist nicht weniger als eine andere Landeskirche«, so Joachim Liebig. In Ermangelung eines anderen Wortes werde man bei dem Wort »Verbünde« bleiben, in denen weiterhin selbstständige Gemeinden existieren sollen. »Die Veränderungen aber«, so der Kirchenpräsident, »werden weitreichende Folgen haben bis hin ins Landeskirchenamt.« Mit Blick auf die eingangs erwähnte Erzählung Jurek Beckers sagte er: »Ich persönlich sortiere mich bei den gemäßigt Zukunftsfrohen ein.«

Präses Andreas Schindler hatte in seiner Rede zum Beginn der Tagung darauf verwiesen, dass das, »was wir an Ideen entwickelten, in die Hände der neuen Landessynode übergeben« werden soll. Diese tritt am 25. und 26. Mai zur ersten Tagung der 24. Legislaturperiode zusammen. Für die Umstellung auf das »Anhaltische Verbundsystem«, das die Synodalen am Sonnabend mehrheitlich beschlossen, müssten Übergangsregelungen gefunden werden, weil der bestehende rechtliche Rahmen noch nicht jeden neuen Schritt absichert. Die Reaktionen in den Gemeinden auf das Projekt seien zwar vielfältig. »Die nächste Landessynode muss es schaffen, eine große Breite der Wahrnehmung des ›Anhaltischen Verbundsystems‹ in der Landeskirche herzustellen.«

Angela Stoye

www.landeskirche-anhalts.de/landeskirche/synode

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Ein Hinhörer mit Fantasie und Humor

26. Februar 2018 von redaktionguh  
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Kirchenpräsident Joachim Liebig zum 60. Geburtstag

In der Hand halte ich die Einladung zum 60. Geburtstag von Kirchenpräsident Joachim Liebig. Und als erstes lese ich »Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.« (Römer 1,16). Ja, es stimmt, wir haben in Anhalt einen »un-verschämten« Kirchenpräsidenten. Und das ist ein Segen. Solche Menschen wie ihn brauchen wir hier in unserer Gegend. Die bereit und auch in der Lage sind, sich vorne hin zu stellen und anzusagen, was ihr Glaube ist und was dieser ihnen bedeutet. In dieser Hinsicht habe ich Joachim Liebig nie in Verlegenheit gesehen. Ganz im Schleiermacherschen Sinne hat er jederzeit das Gespräch über den christlichen Glauben mit den Gebildeten unter dessen Verächtern gesucht. Vielleicht hat er sich auch deshalb zum Vorsitzenden der Anhaltischen Goethe-Gesellschaft wählen lassen.

Ein gutes Team: Kirchenpräsident Joachim Liebig (links) und der Präses der Landessynode Anhalts, Andreas Schindler. Foto: Jürgen Meusel

Ein gutes Team: Kirchenpräsident Joachim Liebig (links) und der Präses der Landessynode Anhalts, Andreas Schindler. Foto: Jürgen Meusel

Es scheint mir eine seiner großen Begabungen zu sein, in versandete oder abgebrochene Gespräche neues Leben zu bringen. Und das nicht als einer, der alles schon weiß, sondern als einer, der erst einmal genau hinhört. Er verfügt über zwei wichtige Schmierstoffe für das Gespräch: Fantasie und Humor. Gerade letzterem fühle ich mich selbst sehr verbunden. Ich möchte nur zwei Beispiele nennen: Er hat das Con­tainerprojekt »Anhalt kompakt« mit einer mobilen Ausstellung in Übersee­containern erfunden; zuerst belächelt, später auch ganz klar bewundert. Und bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters hat er in der Predigt einmal gesagt, dass dieser dem Heiligen Geist nicht im Weg gestanden sei. Wie ich finde, ein hohes Lob für einen Pfarrer, aber nicht von allen so verstanden.

Und auch ich möchte sagen, Joachim Liebig ist ein Mensch, ein Zeuge, der dem Heiligen Geist nicht im Weg steht, sondern versucht, ihm freie Bahn zu lassen. Dafür kann er gerne mal zur Seite treten, denn sein Humor kennt auch die Selbstironie und das heißt ja nichts anderes als: Er kennt auch seine Grenzen.

Joachim Liebig wurde am 1. März 1958 in Hildesheim geboren. Er studierte evangelische Theologie in Bethel und Hamburg und absolvierte sein Vikariat in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, damals die kleinste Landeskirche der EKD. Noch zu DDR-Zeiten leistete er ein Praktikum in Reinhardtsgrimma im Osterzgebirge und sammelte Auslands­erfahrung in England und Frankreich. 1987 wurde Liebig die Pfarrstelle in Frille nahe Minden übertragen. Daneben hatte er eine Reihe von Beauftragungen inne: Pressesprecher der Landeskirche, Landesjugendpastor, Super­intendent des Kirchenbezirks West, bis 2007 Präsident der Landessynode und bis Ende 2008 Präsident der Synode der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Am 14. November 2008 wurde Joachim Liebig von der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts zum Kirchenpräsidenten gewählt. Er ist Mitglied im Vorstand des Anhaltischen Heimatbundes, Vorsitzender der Anhaltischen Landschaft e.V., Vorsitzender des Evangelischen Presseverbandes in Mitteldeutschland, stellvertretender Vorsitzender im Berliner Missionsrat und Mitglied im Aufsichtsrat des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP). Er engagiert sich im Petersburger Dialog und hat mittlerweile auch den Arbeitsbereich Diakonie in sein Dezernat integriert. Heute nun ist er im Osten wieder in der kleinsten Landeskirche Deutschlands angekommen. Und er steht dazu.

Joachim Liebig ist mit der Gemeindepädagogin und Arzthelferin Andrea Liebig verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Einer seiner Söhne wird zum Geburtstagsempfang in einer Feldküche einen Eintopf kochen. Auch ein Einfall Liebigs. Ich wünsche allen Gästen guten Appetit und ihm Gottes Segen für weitere Jahre im Amt und in Anhalt. In Dessau wird gerade die Bodenplatte für sein eigenes Haus betoniert. Auch das ein deutlicher Hinweis darauf, dass er in Anhalt angekommen ist.

Manfred Seifert, Oberkirchenrat i.R.

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Der Anstoß zur Veränderung kommt rechtzeitig

Die Landeskirche Anhalts will auf ihrem Weg in die Zukunft Neues ausprobieren. Was muss sich ändern? Was soll bleiben? Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Als Bedenkenträger ist Albrecht Lindemann in seiner Landeskirche bislang nicht bekannt. Doch mit Blick auf das geplante Anhaltische Verbundsystem ist er nachdenklich geworden. Zwar sieht der Zerbster Pfarrer positiv, dass nach dem Perspektivpapier von 2008 einstmals ein landeskirchlicher Impuls zur Zukunft auf dem Tisch liegt. Und er sieht auch, dass die finanzielle Situation der Landeskirche es noch erlaubt, einen Prozess zur Veränderung einzuleiten, der nicht als Reaktion auf eine Krise wahrgenommen werden muss. Aber die fehlende Definition für die geplanten Verbünde und die damit einhergehenden Veränderungen sieht er kritisch.

Einer seiner Kritikpunkte ist die weitere Schwächung der Präsenz von Gemeindepfarrern. Diese lasse nach aktuellen Studienergebnissen kaum andere Perspektiven offen als den Niedergang des gemeindlichen Lebens bei gleichzeitigem Verlust an gesellschaftlicher Relevanz. »Die Stärken des landeskirchlichen Protestantismus sind eng mit der Kompetenz akademisch gebildeter Pfarrerinnen und Pfarrer verbunden«, sagt er. Ein Problem sieht er auch darin, dass die Verantwortlichkeit für das Agieren der Kirchengemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft im Verbundmodell nicht geklärt ist. Mitarbeitenden auf den Gebieten der Kirchenmusik und Gemeindepädagogik und ihren Qualifikationen würde man nicht gerecht, wenn man sie als Alternative zu Pfarrpersonen sähe. Zudem fehle jegliche Aussage darüber, wie groß ein solcher Verbund sein soll und wie viele es in Anhalt davon geben soll. Albrecht Lindemann wünscht sich vor so grundlegenden Veränderungen zunächst eine gründliche Analyse der Situation einschließlich der mit den Teampfarrämtern gemachten Erfahrungen. Dazu einen Diskurs über die Frage, was für eine Kirche Anhalt sein will. »Dieser Diskurs muss mit den Gemeinden geführt werden«, fordert er.

Verantwortung übernehmen

Seit Sebastian Saß Kirchenmusik studierte, begleitet ihn intensiv die neutestamentliche Geschichte vom sinkenden Petrus (Mt 14,22–32) in Verbindung mit dem Choral »In allen meinen Taten« (EG 368). Seit er in Anhalt ist, fasziniert ihn zudem der Satz: »Die Landeskirche baut sich auf der Gemeinde auf.« Deshalb sieht der Bernburger Kreiskirchenmusikwart alle Überlegungen zur Zukunft der Landeskirche mit diesem Satz als Basis und mit dem Bild vom sinkenden Petrus als »Geländer«. Er findet, dass jeder Versuch, anderen die Verantwortung zuzuschieben – im Sinne von »die da oben« – ins Leere laufen muss. Ebenso, sich hinter Althergebrachtem zu verkriechen oder Althergebrachtes abzuschreiben, ohne Alternativen aufzeigen zu können. »Das gilt auch für mich selbst«, sagt er.

Zu erwarten, für die eigene Arbeit Vorgaben aus Dessau zu bekommen, stehe dem Selbstbewusstsein einer anhaltischen Kirchengemeinde schlecht an. Insgesamt überwiegt bei Sebastian Saß das Gefühl, dass der Anstoß zur Veränderung rechtzeitig kommt. »Die überaus große Chance besteht in meinen Augen darin, Gemeinden geistliches Leben zu ermöglichen und sie nicht weiter in Fürsorge und Versorgung durch das Erfüllen von Erwartungen zu ersticken.« Dass es Probleme geben wird, wenn alte Verhältnisse und traditionelle Erwartungen auf Neuerungen treffen, sieht er aber auch. »Was das Wesentliche ist, muss jede Gemeinde für sich herausfinden.« Das könne durchaus schmerzhaft sein. »Ich denke, einzig die Frage ›Was bedeutet mir und uns das Evangelium?‹ kann Licht ins Dunkel bringen.«

Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, sieht das Vorhaben Anhaltisches Verbundsystem positiv. Sie erinnert an das Pastorale Zukunftsgespräch des Bistums Magdeburg vor einigen Jahren. Als Folge davon seien Pfarreien zusammengelegt worden. In jeder dieser vergrößerten Pfarreien würden neben dem Priester verschiedene Gemeindereferenten – für Jugendarbeit, Musik, Verwaltung – tätig sein. »Jeder kann das machen, wofür er gut ausgebildet ist«, sagt sie. In Anhalt werde es keine Rundumversorgung in jedem kleinen Ort geben. »Aber unser Kerngeschäft wie Gottesdienste, Andachten, Seelsorge, Bibelkreise soll für jeden erreichbar sein. Dafür müssen die von Verwaltungsaufgaben entlasteten Pfarrer Zeit haben.«

Auch im Kirchenkreis Ballenstedt stand das Thema »Verbundsystem« im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung des Pfarrkonvents, der Kreissynode und der Gemeindekirchenräte. »Bei der konstituierenden Sitzung der Kreissynode im Januar 2018 haben wir einen Ausschuss gebildet, der das Vorhaben begleiten will«, sagt Kreisoberpfarrer Theodor Hering. Die Mitarbeit darin sei auf großes Interesse gestoßen. Der promovierte Theologe gehört der Steuerungsgruppe an, die sich mit dem Vorhaben seit 2015 befasst, und er hat ein theologisches Papier in die Diskussion eingebracht, das die Möglichkeiten der Bewegung »Fresh X« für Anhalt auslotet: Mit »Fresh expressions« (frische Ausdrucksformen) werden neue kirchliche Gruppen bezeichnet, die sich seit 1990 in der Church of England entwickelt haben. Die Bewegung zielt darauf ab, die Menschen in ihrem Alltag zu erreichen. Denn traditionelle Ausdrucksformen der Kirche, so die These, seien für einen Großteil der britischen Bevölkerung uninteressant geworden. In Deutschland setzt sich Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald, für die Aufnahme dieser Idee in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland ein (Quelle: Wikipedia).

Für mehr Vielfalt

»Anhalt ist auch Mitglied im Fresh-X-Netzwerk in Deutschland«, so Theodor Hering. Für ihn geht der Impuls für eine Umgestaltung der Landeskirche von der Formulierung im Glaubensbekenntnis aus: »die eine heilige, christliche und apostolische Kirche«. Diese könne sehr unterschiedliche Gemeindeformen haben – neben der Parochie zum Beispiel die Schulgemeinde, die Hauskirche oder Milieugemeinde, in denen Beziehungen gelebt werden. »Ich bin dafür, mehr Vielfalt zuzulassen«, sagt er. »Wir müssen ein betende und eine hörende Kirche sein: hören auf Gott und die Menschen, die um uns leben.« Bei »Fresh X« heißt es dazu: »Es ist nicht die Kirche Gottes, die einen missionarischen Auftrag in der Welt hat. Vielmehr hat ein missionarischer Gott eine Kirche in der Welt.«

Angela Stoye

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Barbara und Katharina sind zurück

12. Februar 2018 von redaktionguh  
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Restaurierung: Zwei spätgotische Schnitzfiguren stehen wieder in der Wörbziger Kirche

Freudentag für die Kirchengemeinde Wörbzig: Ende Januar kehrten zwei spätgotische Schnitzfiguren in die Kirche im Kirchenkreis Köthen zurück. Diplom-Restauratorin Theresa Bräunig aus Dresden hatte sich der zerbrechlichen und teilweise zerbrochenen Kunstwerke angenommen. Nun stehen die Heilige Barbara und die Heilige Katharina auf eigens angefertigten Podesten an der Wand des Kirchenschiffes.

Als Tobias Wessel im Jahr 2000 als Pfarrer im Entsendungsdienst nach Wörbzig kam, lagen die beiden Kunstwerke seit Jahrzehnten stark beschädigt im Pfarrhaus. Dabei sollte es zunächst bleiben, bis der Pfarrer zu seinem 50. Geburtstag vor über drei Jahren um Spenden für die Restaurierung bat und damit den Prozess anstieß, der jetzt mit Unterstützung der Landeskirche ein gutes Ende fand.

Ende 2015 folgte ein Ortstermin in Wörbzig. Daran nahmen neben dem Pfarrer und der Restauratorin die Leiterin des Kirchlichen Bauamtes, Konstanze Förster Wetzel, und Karoline Danz vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt teil und begutachteten die beiden Flachreliefs. Dokumentiert wurde neben diversen Bruchschäden – so fehlt bei Katharina in voller Länge der seitliche Figurenabschluss – alter Befall mit Holzschädlingen. Durch die umfangreichen Fraßschäden sei »die Holzsubstanz sehr desolat und extrem bruchgefährdet«, hieß es. Die Figuren sollten möglichst nicht mehr bewegt und nur liegend aufbewahrt werden.

Ganz vorsichtig: Diplom-Restauratorin Theresa Bräunig aus Dresden und ihr Helfer Edgar Boczek sind dabei, die beiden kostbaren Figurenreliefs auf das Anbringen in der Wörbziger Kirche vorzubereiten. Sie bekommen auf eigens angefertigten Podesten einen Platz an der Wand des Kirchenschiffes. Foto: Heiko Rebsch

Ganz vorsichtig: Diplom-Restauratorin Theresa Bräunig aus Dresden und ihr Helfer Edgar Boczek sind dabei, die beiden kostbaren Figurenreliefs auf das Anbringen in der Wörbziger Kirche vorzubereiten. Sie bekommen auf eigens angefertigten Podesten einen Platz an der Wand des Kirchenschiffes. Foto: Heiko Rebsch

Die Überlieferung zu den beiden Schnitzfiguren ist spärlich. Sie stammen wohl ursprünglich aus einem Flügelaltar, den der Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, auf die Zeit um 1520 datiert. Von 1514 bis 1520 ließ Kirchenpatron Heinrich von Beltzig die Wörbziger Marienkirche umbauen. Damals bekam sie einen spätgotischen Ziergiebel. Die untere Turmhälfte und der Westteil des Schiffes stammen noch aus spätromanischer Zeit.

Barbara und Katharina gehörten zu einem Kanzelalter, der dann Mitte der 1960er Jahre im Zuge einer Innenraumsanierung zusammen mit der hufeisenförmig umlaufenden Empore aus der Kirche entfernt wurde. Aus alten Akten ließ sich zudem entnehmen, dass der Köthener Bildhauer Robert Propf (1910–1986) im Jahr 1964 den dunkelbraunen Öl-Anstrich, den die beiden Heiligen irgendwann erhalten hatten, entfernte. Darunter kam die weitgehend originale Farbfassung zum Vorschein. Zudem brachte Propf die Figuren 1965 zur Begutachtung in die Restaurierungswerkstatt des Instituts für Denkmalpflege in Halle.

Werkstattleiter Konrad Riemann veranlasste, dass noch vorhandene Reste der Übermalung entfernt und das Holz mit einem Mittel zur Stabilisierung getränkt wurde. 1966 kehrten Barbara und Katharina nach Wörbzig zurück.

Was macht die beiden Figuren für Anhalt heute so wertvoll? Antwort gibt ein Blick in die Kirchengeschichte, in der es schon im Mittelalter immer wieder zu Streitigkeiten über das mosaische Bilderverbot kam. In der Reformationszeit lebte dieser Streit wieder auf, ausgefochten von Luther, Zwingli, Calvin und anderen.

In Anhalt führte er im Zuge der so genannten Zweiten Reformation ab dem Ende des 16. Jahrhunderts zu massiven Kirchenberäumungen. Zum Beispiel verlor die Zerbster Nicolaikirche auf diese Weise ihre mittelalterliche Ausstattung. Zugleich aber gab es in Anhalt viele Dorfkirchen, über die örtliche Adelsfamilien das Patronat ausübten. Diese Familien gingen den Weg der calvinistisch geprägten Zweiten Reformation nicht mit. So blieben viele Ausstattungsstücke erhalten (siehe Wochenkalender »Kirchenkunst in Anhalt«, 2018).

Die Kirchengemeinde Wörbzig, so Pfarrer Tobias Wessel, will die Rückkehr der beiden Figuren in einem Gottesdienst feiern. Der Termin steht zwar noch nicht fest, aber Ostern könnte passen.

Angela Stoye

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Stollen für Bibeln

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Aktion: Backwerk aus Zieko soll mithelfen, dass Bücher nach Äthiopien kommen

Als in anderen Orten noch der Abschluss des Reformationsjubiläums gefeiert wurde, wurde im Pfarrgarten von Zieko wieder einmal der alte Backofen geheizt. Seit 2006 agiert in dem Dorf im Kirchenkreis Zerbst mehrere Male im Jahr ein Back-Team um den Kirchenältesten und Konditormeister Andreas Nestmann. Wurden in den Anfangsjahren Speckkuchen und Brote für Gemeindefeste gebacken, war es Ende Oktober wieder Weihnachtsgebäck: Genau hundert je ein Kilogramm schwere Stollen, die das Team aus den gespendeten Rohstoffen der Wikana Keks- und Nahrungsmittel GmbH herstellte, verließen den Backofen – und gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. »Wer einen Stollen haben will, muss vorbestellen«, sagt Pfarrer Martin Bahlmann. Gebacken wird immer für einen guten Zweck. Konfirmanden zum Beispiel buken hier schon Brote für »Brot für die Welt«. In diesem Jahr fließt der Erlös der Stollen in den Versand von etwa 2 000 deutsch-oromischen Kinderbibeln nach Äthiopien. 790 Euro sind schon für die Transportkosten gespendet worden.

Dass sich die Hoffnungsgemeinde Zieko für Äthiopien engagiert, ist einer Frau zu verdanken, die heute nicht mehr in dem Ort lebt: Gerit Kostolnik (heute verheiratete Decke) reiste 2001 mit dem Berliner Missionswerk und der Evangelischen Erwachsenenbildung nach Äthiopien. Daraus entwickelte sich eine Partnerschaft Anhalts zur Western-Wollega-Bethel-Synode der Mekane-Yesus-Kirche im Rahmen des Berliner Missionswerkes. Sie wurde mit Beschluss der anhaltischen Kirchenleitung vom 22. Juni 2005 besiegelt und entwickelte sich unter Bahlmanns Vorgänger Dankmar Pahlings weiter. So wurden unter anderem Stipendien für Theologie-Studierende finanziert oder das Aufbaustudium für einen äthiopischen Pfarrer. Besuchsreisen kamen in größeren Abständen zustande. »Und jedes Mal, wenn Äthiopier zu Gast im Berliner Missionswerk sind, kommen sie auch nach Zieko«, berichtet Pfarrer Bahlmann.

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Ein großes Projekt war die im März 2015 vorgestellte Kinderbibel in der äthiopischen Sprache Oromisch und in Deutsch. Hierfür hatten Kinder aus Gemeinden beider Kirchen Bilder zu 14 Geschichten aus dem Neuen Testament gemalt. Zudem stellt das Buch auch Glauben und Leben in der jeweils anderen Kirche vor. Die Idee, so etwas in Anhalt zu machen, hatte Pfarrer Bahlmann, nachdem er vor Jahren eine viersprachige Kinderbibel gesehen hatte, die der Synodalverband IV der Evangelisch-reformierten Kirche zusammen mit der Presbyterianischen Kirche von Ghana und der Norddeutschen Mission herausgegeben hatte.

Von der deutsch-oromischen Kinderbibel wurden drei Paletten gleich im Frühjahr 2015 nach Äthiopien geliefert. Die Bücher sind zum Beispiel in Sonntagsschulklassen im Einsatz. Von den in Deutschland befindlichen Bibeln können noch Exemplare an Interessenten verkauft werden. Das nächste Partnerschaftsprojekt ist schon geplant. »Wir wollen Geld für eine Getreidemühle sammeln, die die Menschen im Kirchenkreis Alaku dringend benötigen«, so Pfarrer Bahlmann.

Angela Stoye

Kinderbibel-Preis: 10 Euro. Bestellung: Pfarrer Torsten Neumann, Anhaltische Bibelgesellschaft, E-Mail <bibel@kircheanhalt.de>

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