Auf Spurensuche und in vorurteilsfreier Gemeinschaft

25. August 2014 von redaktionguh  
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Fünftes internationales Sommerlager der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Bernburg

In fröhlicher Runde sitzen die Teilnehmer des fünften Sommerlagers der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) am 14. August am Ufer der Saale beim Abendessen. Da liegen rund zehn Tage gemeinsamer Arbeit und Spurensuche hinter dem internationalen Team. Diesen Tag verbrachten sie in Magdeburg, wo sie an einem Geocaching der »Zeitreise-Manufaktur« teilnahmen. Anhand GPS-geführten und themenorientierten Suchens nach historischen Orten und aktuellen Sehenswürdigkeiten erschloss sich die ASF-Gruppe die Stadt und ihre Geschichte. Mit großer Begeisterung berichten sie am Abend über ihre Erlebnisse. In Halle hatten sie in der Woche zuvor die jüdische Gemeinde und die Synagoge besucht. Hier erfuhren sie aus erster Hand etwas über die Bedeutung und Tradition jüdischer Friedhöfe. Wie in den Jahren zuvor verbrachte das ASF-Team auch 2014 viele Stunden auf dem jüdischen Friedhof in Bernburg, um bei dessen Pflege und Erhalt zu helfen. Das war immer ein Schwerpunkt der Arbeit in Bernburg.

Dascha Lukaschuk, Falk Gattert und Lisa Melech, Teilnehmer des Workcamps, halfen in der Gedenkstätte Bernburg beim Renovieren. Foto: Engelbert Pülicher

Dascha Lukaschuk, Falk Gattert und Lisa Melech, Teilnehmer des Workcamps, halfen in der Gedenkstätte Bernburg beim Renovieren. Foto: Engelbert Pülicher

Während die Gruppenleiterinnen Anne Rothärmel (Deutschland) und Hanna Lichtenwagner (Österreich) bereits zum wiederholten Male im Sommerlager in Bernburg weilten, waren die vier Teilnehmerinnen aus Weißrussland zum ersten Mal in Deutschland. Zu Hause studieren sie deutsche Literatur und Kultur. Sie erhofften sich von der Tour vor allem auch eine Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse. Aus Meran in Südtirol war Laurin in die Saalestadt gereist. Er hat das Down-Syndrom und erhoffte sich eine gute und vor allem vorurteilsfreie Gemeinschaft. Denn bekannt ist die ASF auch für ihr Bestreben nach Inklusion, das heißt, dass besonderer Wert auf die Integration von Menschen mit verschiedensten Einschränkungen gelegt wird.

Die jährlichen 20 bis 25 europäischen Workcamps sind ein fester Bestandteil der Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. In den internationalen Sommerlagern leben und arbeiten Menschen im Alter von 16 bis 99 Jahren zusammen, um die Geschichte und die aktuelle Situation der verschiedenen Projektorte kennenzulernen. Gärtnern, Bauen und Archivieren sind nur Beispiele für die unterschiedlichen Tätigkeiten, die Teil der Sommerlager sind. Auf die Teams warten auch Arbeiten, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Projektpartner orientieren.

In Bernburg ist das neben dem jüdischen Friedhof vor allem die Gedenkstätte für die Opfer der NS-«Euthanasie«, die sich in den Kellerräumen der ehemaligen NS-Tötungsanstalt befindet, in der mehr als 14 000 Menschen ermordet wurden. An diese Last der Geschichte zu erinnern, um daraus für die Gegenwart und die Zukunft zu lernen, ist ein Ziel der Aktion.

In diesem Jahr gab es für die Besucher zum ersten Mal intensivere Begegnungen mit den Bernburgern selbst. So besuchte das Team einen Gottesdienst, stellte dort sein Projekt vor und lud danach zum Brunch mit internationalen Spezialitäten ein. Auch das Medieninteresse war diesmal besonders hoch. Neben Interviews für Zeitungen und einem Radiosender wurde ein kleiner Film gedreht. Bei dem vom Bundesverband evangelischer Behindertenhilfe ausgelobten »mitMenschPreis« kam die Gruppe nämlich unter die fünf besten Bewerber und gewann einen Imagefilm. Ein Kameramann begleitete sie mehrere Tage. Das Material über ihr gemeinsames Leben und Arbeiten wird er zu einem kleinen Film zusammenschneiden.

Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist für die ASF Motiv und Verpflichtung für das Handeln heute. Sie will für die Folgen, die bis in unserer Gegenwart reichen, sensibilisieren und den aktuellen Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten. Möglichst viel Öffentlichkeit kann deshalb hier nur von Vorteil sein.

Petra Franke