Auferstehung in Rösa

15. April 2017 von redaktionguh  
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Rösa hat eine beeindruckende, doch bislang namenlose Dorfkirche. Zur Osternacht ändert sich das: Das Gotteshaus wird zur Auferstehungskirche. Im Reformationsjahr erhalten weitere Kirchengebäude einen Namen.

Christus kommt zu uns auf Wegen, die wir nicht immer nachvollziehen können. Keiner weiß, welche verschlungenen Pfade die geschnitzte Christus-Figur genommen hat, bis sie eines Tages im Pfarrhaus von Pouch bei Bitterfeld gefunden wurde, nach Rösa kam, restauriert wurde und nun an der Südseite der Apsis in der kleinen, aber mächtigen Dorfkirche hängt. Christus ist ein Torso, die Arme sind verloren gegangen. Ein Geschundener. Auf den ersten Blick. »Denn steht man vor ihm, merkt man: Ihm fehlt nichts«, sagt Pfarrer Albrecht Henning. »Er ist schon hindurch. Ostern ist erkennbar, spürbar.«

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Die kleine Dorfkirche von Rösa im Frühlingslicht. Zur Osternacht wird dem bislang namenlosen Gotteshaus der Name »Auferstehungskirche« gegeben. Foto: Thomas Klitzsch

Besonders in Rösa. Die Gemeinde gehört zum Pfarrbereich Krina im Kirchenkreis Wittenberg. Von neun Kirchen hatte bis auf die Barockkirche Burgkemnitz keine einen Namen. Welchem Heiligen das Gebäude einst gewidmet wurde, lässt sich nicht belegen. Das Landeskirchenamt fand keine Zeugnisse, auch nicht aus vorreformatorischer Zeit. Während also im nahen Wittenberg das 500. Reformationsjubiläum mit viel Aufwand und Hunderten Veranstaltungen gefeiert wird, starten die Christen im Pfarrbereich Krina ihre eigene Erneuerungsbewegung: Sie geben ihren namenlosen Kirchen Namen.

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Der Christus-Torso im Chorraum (re.) gab den Anstoß für Namenswahl und künstlerische Ausgestaltung. Fotos: Thomas Klitzsch, Katja Schmidtke

Zu Ostern wird Rösa zur Auferstehungskirche. Der Gottesdienst am Karsamstag beginnt um 22.30 Uhr. Bereits zum dritten Mal wird die Auferstehung Jesu auf diese Weise so in Rösa gefeiert. In diesem Jahr werden zwei Kinder getauft – und die Kirche erhält ihren Namen. Eine Woche später bekommt dann die Kirche in Krina den Namen Trinitatiskirche. Die bisherige Barockkirche Burgkemnitz wird am 25. Mai wegen ihres Deckengemäldes umbenannt in Barockkirche Christi Himmelfahrt. Mit einem Wandelkonzert am 19. August feiert die Gemeinde die Benennung der Kirche Gröbern als Elisabethkirche.

Und zum Tag des offenen Denkmals wird die Dorfkirche Schwemsal zur Erlöserkirche – hier gibt es ein modernes Gemälde, das auf die Himmelsleiter anspielt. Zu Erntedank am 30. September erhält die Marienkirche Schlaitz ihren Namen. Noch offen sind Termine zur Namensgebung der Christuskirche in Schköna und der Dornbuschkirche in Hohenlubast. Bereits ihren Namen erhalten hat die Christophoruskirche in Gossa. Die beiden historischen Ritzzeichnungen ergänzte Jochem Poensgen mit einem Glasfenster.

»Auferstehungskirche« – damit verbindet Hans-Ulrich Eckardt auch die jüngste Geschichte des Gebäudes. Rösa liegt im Braunkohlengebiet; zu DDR-Zeiten gab es Pläne, das Dorf zu überbaggern, die Kirche war ruinös. Erst Ende der 1980er-Jahre genehmigte der Staat eine Sanierung. »Aber nur mit eigenen Mitteln«, erinnert sich Hans-Ulrich Eckardt. Von 1988 bis 1993 arbeiteten die Rösaer an ihrem Gotteshaus. Eine auferstandene Kirche.

Die Auferstehung Jesu greift im Kircheninneren nicht nur der Christus-Torso auf. Ausgehend von ihm hat der Künstler Sven Göttsche ein Apsisfenster sowie ein Altarkreuz und zwei Leuchter geschaffen. Sven Göttsche erinnert sich noch wie heute, wie er die Figur zum ersten Mal sah. Eigentlich hatte der Druckgrafiker, Bildhauer und Glaskünstler, der direkt gegenüber der Kirche wohnt, gerade den Entwurf für das Fenster vorgestellt, Pfarrer und Gemeinde waren zufrieden. Dann sah Göttsche den Christus. »Das war für mich als Künstler ein Schock, weil mein Fenster-Entwurf mit dieser Figur nicht zusammenging. Andererseits war dieser Christus beeindruckend. Das war kein Korpus am Kreuz. Seine Armlosigkeit hat etwas Raketenhaftes. Er hat mich zum Gespräch herausgefordert«, erinnert sich der Künstler.

Er verwarf seinen ersten Entwurf, begann die Arbeit neu – mit dem Christus-Torso als Leitmotiv. Die Umrisse der spätgotischen Schnitzerei sind im Fensterbild zu erkennen, ebenso wie im Altarkreuz. Auch hier ist Jesus nicht der Leidende, das Kreuz kein Marterwerkzeug, sondern Hoffnungszeichen. Die Kerzenleuchter hat Sven Göttsche als stilisierte Hände gestaltet, die das Licht bringen. Auch sie sind vom Kreuz gelöst.

Der Künstler lädt dazu ein, Kreuz und Leuchter zu erkunden, Anfassen ausdrücklich erwünscht. Das hilft, Ostern zu begreifen. Das große Geheimnis der Auferstehung, das, so sagt Pfarrer Albrecht Henning, so schwer in Worte zu fassen ist.

Katja Schmidtke

Kirchennamen – woher sie kommen

95 Prozent der Kirchen erhielten ihren Namen im Mittelalter, berichtet Dr. Bettina Seyderhelm, Kirchenkonservatorin im Referat Kunst- und Kulturgut bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die Benennung ging meist mit Reliquienbesitz einher.

Auch regionale Besonderheiten spielen eine Rolle: So gibt es im Kirchenkreis Halberstadt viele Gotteshäuser, die dem Heiligen Stephanus geweiht sind. Eine detaillierte Statistik hat die EKM nicht, aber die »Hitliste« der Kirchennamen führen St. Nicolai, St. Johannis, St. Michaelis und Maria sowie Dreifaltigkeitskirche an.

Kultur im ländlichen Raum

9. August 2016 von redaktionguh  
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Jubiläum: 20. Grenzgänger-Festival in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Das Kleinkunstfestival »Grenzgänger« der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wird in diesem Jahr zum 20. Mal veranstaltet. Bis zum 31. Oktober sind gut 100 Veranstaltungen an mehr als 80 Orten in Sachsen-Anhalt und Thüringen geplant. Aufführungsorte sind überwiegend Kirchen und Pfarrhäuser im ländlichen Raum. Das Programm reicht von klassischer Musik über Gospel bis hin zu Folk und Jazz. Es gibt musikalische Lesungen, Puppenspiel und Theater.

»Der Kirschgarten« von Anton Tschechow wird von der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt am 6. August um 20 Uhr in der Klosterruine von Stadtroda aufgeführt. Foto: Veranstalter

»Der Kirschgarten« von Anton Tschechow wird von der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt am 6. August um 20 Uhr in der Klosterruine von Stadtroda aufgeführt. Foto: Veranstalter

Anliegen des Grenzgänger-Festivals ist es, die vorhandenen kirchlichen Räume nicht nur für gottesdienstliche Zwecke, sondern auch kulturell zu nutzen. Das Festival soll zudem regional beheimateten Künstlern eine Plattform bieten und ihre Programme einem breiten Publikum zugänglich machen. »Kirchliches Leben hat schon immer die Nähe zu darstellender Kunst und Musik gesucht. Kirche und Kunst verbindet, dass sie das Bewusstsein für ideelle Werte fördern wollen«, erklärt Michael Madjera, der Vorsitzende von »Grenzgänger – Verein zur Förderung von Kunst in Kirche und Gesellschaft«. »Wir bieten Künstlern eine Bühne, wollen die Kunst fördern und gleichzeitig auf die Kirchen aufmerksam machen.«

Zum Programm gehören »Tänze der Orgelmusik« mit Ingo Reimann in der Kirche in Vierzehnheiligen. Ralf Siedhoff wird in der Barockkirche in Niederroßla den Stummfilm »Faust – eine deutsche Legende« von 1926 auf der Orgel begleiten. Und die True Note Big Band bringt die Kirche St. Laurentius in Kirchheim zum Klingen. Unter dem Titel »Die heiteren Verse des Eugen Roth« lädt das Cantaton Theater zu einer Begegnung mit dem Lyriker in die evangelische Kirche in Wieglitz ein. »Tough & Tender« titelt das Akkordeonkonzert von Cathrin Pfeifer, bei dem sie in der evangelischen Kirche in Schernebeck Geschichten aus dieser und anderen Welten erzählt. Und die Clownin Frieda lädt in ihrem Theaterstück im Pfarrgarten in Dähre zu einer Suche nach Gott ein.

Zur Präsentationsveranstaltung des Kleinkunstfestivals wird am 26. August (19 Uhr) in die Magdeburger Pauluskirche eingeladen. Unter dem Motto »Nostalgische Impressionen« trägt die Damengruppe »Aquabella« aus Berlin Welthits a cappella vor. Liedermacher Olaf Stellmäcke singt zusammen mit seiner Band Balladen. Den klassischen Rahmen liefert das Rossini-Quartett.
(G+H)

www.grenzgaengerfestival.de


www.kleinkunst-ekm.de

»Liebe Kirche, ich verlasse dich nicht«

13. April 2015 von redaktionguh  
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Die Barockkirche in Burgkemnitz ist architektonisches Kleinod und kulturelles Zentrum

Thomas Kunath war 1987 zum ersten Mal in der kleinen Barockkirche von Burgkemnitz (Kirchenkreis Wittenberg). Der damals stellvertretende Direktor der Dessauer Musikschule gab hier ein Orgelkonzert, war begeistert von der Atmosphäre und entsetzt angesichts des baulichen Zustandes des 1722 erbauten Gotteshauses. »Von draußen rieselte Flugasche ins Haus, drinnen rieselten Farbschollen vom bemalten hölzernen Tonnengewölbe der Decke.« Auch Karin Spelzig, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, hatte es das Kirchlein mit dem anmutigen »Burgkemnitzer Himmel« sofort angetan, als sie 1977 in die Gemeinde zog. »Es war Liebe auf den ersten Blick«, bekennt sie. Als dem Dachstuhl das Schicksal drohte, nicht mehr gerettet werden zu können, habe sie geweint – und dem Gebäude ein Versprechen gegeben: »Ich verlasse dich nicht.«

Blick in den Himmel der Burgkemnitzer Barockkirche. Foto: Stefanie Hommers, Förderverein Barockkirche Burgkemnitz

Blick in den Himmel der Burgkemnitzer Barockkirche. Foto: Stefanie Hommers, Förderverein Barockkirche Burgkemnitz

Dass die Kirche, ein selten gewordenes Beispiel ländlicher barocker Innenarchitektur, heute wieder in heiteren Farben erstrahlt und darüber hinaus ein lebendiges sakrales wie auch kulturelles Zentrum geworden ist, dessen Anziehungskraft weit über die Region hinausreicht, ist nicht zuletzt der Initiative und dem Engagement dieser beiden Menschen zu verdanken. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des bereits im Oktober 1990 ins Leben gerufenen Kuratoriums zur Erhaltung der Barockkirche Burgkemnitz, aus dem zwei Jahre später der heutige Förderverein hervorging.

Rund 690 000 Euro sind in die Sanierung geflossen, 90 000 Euro davon hat der Förderverein erbracht. 150 Konzerte, zahlreiche Orgelvespern, insgesamt 270 musikalische Aufführungen stehen in der Bilanz des Vereins. Matthias Eisenberg war schon mehrfach zu Gast und auch als Korrespondenzstandort der Zerbster Fasch-Festtage kann die Kirche punkten. »Wir wollen mit der Musik große Kunst bieten«, unterstreicht Kunath. Neben namhaften Solisten öffne das Gotteshaus dem Nachwuchs Tür, Tor und Orgelempore. Immer zum Tag der Deutschen Einheit, ebenso zu Weihnachten hole man alles zusammen, »was Beine und Instru­mente hat«, beschreibt Karin Spelzig lächelnd das große Spektrum. Manche Künstler könnte man freilich nicht für einen Auftritt gewinnen; »dazu ist der Raum mit seinen 200 Plätzen zu klein«, bedauert Thomas Kunath.

Gleichwohl können die Fördervereinsmitglieder mit Fug und Recht behaupten, dem Schicksal mancher kleinen Kirche nicht nur entronnen zu sein, sondern die Gegenwart klangvoll gestaltet zu haben. »Das Haus sollte nicht traurig, kalt und leer bleiben«, meint Thomas Kunath, »wir wollten eine lebendige Kirche haben. Das ist eindrucksvoll gelungen. Wer sich davon überzeugen will, sollte sich den 19. April vormerken (15 Uhr). Unter dem Titel »Die Hoboen thun eine treffliche Wirkung« erklingt Kammermusik für Holzbläser, Streicher und Basso continuo im Rahmen der 13. Internatio­nalen Fasch-Festtage Zerbst mit dem Ensemble »Capell und Taffel-Music« unter Leitung von Ludger Rémy.

Stefanie Hommers

Barockkirche in Altenfeld

12. November 2013 von redaktionguh  
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Die Barockkirche im südthüringischen Altenfeld (Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau) ist Kirche des Monats November der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa). Mit dem Titel verbunden ist eine Förderung von 13 600 Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Daches, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover mit. Charakteristisch für den 1741 geweihten Sakralbau sei der graue Schiefer als Dacheindeckung und Verblendung von weiten Teilen der Fassade.

(Bild: Wikipedia/Wikswat – Kirche in Altenfeld)

(Bild: Wikipedia/Wikswat – Kirche in Altenfeld)

Inzwischen weise die Holzkonstruktion im Dach Schäden auf, weil sie überwiegend noch aus der Entstehungszeit der Kirche stamme. An Baukosten sind den Angaben zufolge insgesamt 185 000 Euro veranschlagt. Die Sanierungsarbeiten sollen im Jahr 2016 zum 275. Weihe-Jubiläum der Kirche ­abgeschlossen sein. Um das Geld dafür aufzubringen, lädt die Gemeinde regelmäßig zu Benefizkonzerten und Festen ein. Zudem soll von Mitte November an ein selbst verfasstes Theaterstück aufgeführt werden.

»Seit fast sechs Monaten arbeiten wir an den Texten, den Kostümen und dem Bühnenbild für das aktuelle Stück«, sagt Uwe Guttwein, Vorsitzender des örtlichen Fördervereins »Freunde der Kirche Altenfeld«. Ab Mitte November wird es auf der Bühne gezeigt werden, Titel: »Alles für die Katz!« Ein Name, so Guttwein, der sich »ganz sicher nicht« auf den Erfolg der Sanierungsbemühungen in Altenfeld bezieht.

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland ist eine Stiftung der EKD und der evangelischen Landeskirchen. Seit 1999 hat sie mehr als 1 000 Förderzusagen für Sanierungsvorhaben in Höhe von über 24,8 Millionen Euro geben können. 2013 förderte die KiBa bisher 95 Projekte in ganz Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 1,25 Millionen Euro. Mehr als 2 700 Mitglieder engagieren sich bundesweit im Förderverein der Stiftung KiBa.

(epd/mkz)

www.stiftung-kiba.de