Glocken in Laucha läuteten gegen rechte Gewalt

26. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mit einem »Tag der Mitmenschlichkeit« protestierte ein Bündnis aus Kirche und Vereinen gegen NPD-Kundgebung.

Die Glocken läuteten am 18. August eindringlich in Laucha (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz). Das war wohl das deutlichste  Zeichen, mit dem auf den ersten »Tag der Mitmenschlichkeit« aufmerksam gemacht wurde. In und vor der Kirche waren Stände aufgebaut. 14 ortsansässige Vereine beteiligten sich. Der Karnevalisten- und der Heimatverein präsentierten sich ebenso wie der Schützenverein. In der Kirche wurde das Programm mit Liedern, Musik, einer Andacht und Gesprächsrunden gestaltet.

»Laucha ist bunt und nicht braun«, stand auf einem Transparent geschrieben. Der Tag sollte den Protest gegen die angekündigte NPD-Aktion in Laucha zeigen. Der Ort war in den vergangenen Wochen in die Negativschlagzeilen geraten. Wirbel hatte es um den entlassenen Fußballtrainer und Bezirksschornsteinfeger Lutz Battke (NPD) gegeben. Verschärft wurde es durch einen Überfall auf einen jugendlichen Israeli im April. NPD-Stadtratsmitglied und Kreistagsmitglied Battke hatte trotz Kritik bis vor kurzem die F-Jugend beim BSC 99 Laucha trainiert. Dem Verein gehört auch der mutmaßliche Täter des Überfalles an.

Der Angriff, der Trainer, aber auch die mediale Außenwirkung seien Anlass gewesen, intensiver über das Thema nachzudenken, erklärte Bürgermeisterin  Jana Grandi. »Heute ist ein Tag, um kritisch mit der Vergangenheit umzugehen«, sagte David Begrich, Rechtsextremimus-Experte vom Verein »Miteinander«. Laucha müsse sich seiner Verantwortung stellen, auch dann, wenn das Medieninteresse abgeflaut sei.

Großes Medieninteresse: »Tag der Mitmenschlichkeit« kontra NPD-Aktion. (Foto: Andrea Hamann)

Großes Medieninteresse: »Tag der Mitmenschlichkeit« kontra NPD-Aktion. (Foto: Andrea Hamann)

Es gäbe mittlerweile eine Spannung zwischen Laucha und seiner Außenwelt, sagte Pfarrerin Anne-Christina Wegner. Sie selber sei entsetzt gewesen, als sie bemerkt habe, dass die Leute des Ortes plötzlich alle wie braune Bestien erscheinen. Daraufhin habe sie bei den Menschen Frust bemerkt und dann aber die Erkenntnis, dass gezeigt werden müsse, dass es anders ist. »Auch Jugendliche wollen heute nach der Schule herkommen und zeigen, dass sie gegen Rechts sind«, sagte sie. Der Druck von außen und die Dynamik der Ereignisse hätten dazu geführt, dass in Laucha die Erkenntnis zu reifen beginnt, dass Politik und Lebenswelt, Politik und Sport sich nicht trennen lassen. »Man muss den Finger in die Wunde legen, den Menschen zeigen, mit wem sie es zu tun haben«, so Begrich.

Aber es wurde nicht nur geredet auf dem »Tag der Mitmenschlichkeit«. Insgesamt 2000 Euro sammelten Vereine und Kirchengemeinde für die Flutopfer in Pakistan. Am 25. August übergab Gemeindekirchenrat Günter Röder den Scheck an Detlef Harland, Regionalchef für die Diakonie Katastrophenhilfe.

Andrea Hamann