Kriegslogik?

15. Januar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Dr. Margot Käßmann, Vorsitzende des Rates der EKD (Foto Monika Lawrenz/ LVH)

Dr. Margot Käßmann, Vorsitzende des Rates der EKD (Foto Monika Lawrenz/ LVH)

Eigentlich könnte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zufrieden sein. So viel Aufmerksamkeit wie nach der Kritik der Ratsvorsitzenden Margot Käßmann am Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist ihr lange nicht zuteil geworden. Endlich wird über den Krieg am Hindukusch und friedensethische Fragen intensiv diskutiert. Nach den ersten massiven Reaktionen auf die Bedenken der Bischöfin hat sich die Aufregung inzwischen wieder etwas gelegt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die EKD-Ratsvorsitzende haben sich zu einem klärenden Gespräch getroffen. Soweit scheint es ein völlig normaler Vorgang.

Nicht normal sind dagegen die Unterstellungen, die Ratsvorsitzende könne nicht für die gesamte evangelische Kirche sprechen, übe »populistische Fundamentalkritik« und falle noch dazu mit ihren Äußerungen den Soldaten in den Rücken. Hier gibt es offensichtlich einigen Klärungsbedarf, was Aufgabe der Kirche ist. Die Rechtfertigung eines Krieges kann es jedenfalls nicht sein. Natürlich hat eine EKD-Ratsvorsitzende das Recht und die Pflicht, sich zu einem Bundeswehreinsatz zu äußern, der viel zu lange verharmlost worden ist.

Die Politik hat sich zuletzt um eine Diskussion über Ziele und Länge des Engagements in Afghanistan gedrückt – wohl auch aus Sorge vor der öffentlichen Meinung. Nun wagt es endlich jemand, offen zu sagen, dass die Logik des Krieges durchbrochen werden muss. Vermutlich sind die Reaktionen deshalb so heftig ausgefallen. Zudem herrscht bei manchen Politikern augenscheinlich das fatale Missverständnis vor, die Kirchen seien allein für die inneren Werte zuständig.

Doch der christliche Glaube hat auch ganz praktische Konsequenzen. Vor wenigen Wochen erst ist die mutige Rolle der Kirchen in der DDR gefeiert worden. Damals haben sich die Protestanten deutlich positioniert – auch politisch. Was früher richtig war, kann jedoch nicht plötzlich falsch sein, nur weil es der eigenen Position widerspricht.

Martin Hanusch