Gut gemeint

26. August 2010 von redaktionguh  
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Ursula-von-der-Leyen_Chip-KarteWie kann der Bildungsbedarf von Kindern aus Hartz-IV-Familien nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes künftig besser abgedeckt werden? Soll das über Sachleistungen oder über höhere Geldzahlungen erfolgen? Über diese Fragen streiten derzeit Politik und Sozialverbände, wobei die Fronten quer durch Parteien und Verbände verlaufen. Ausgangspunkt ist der Vorstoß von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), bis Mitte nächsten Jahres in einigen Regionen Bildungs-Chipkarten für Hartz-IV-Kinder einzuführen. Diese könnten für Schulmaterialien, Nachhilfe oder Vereine eingesetzt werden.

Ganz sicher ist das Vorhaben der Ministerin aller Ehren wert. Schließlich gibt es landauf und landab die Klage, dass im deutschen Bildungssystem die Chancen ungleich verteilt sind. Wenn es mit der Chipkarte gelingt, auch Kinder aus sozial schwachen Familien zu fördern und ihnen neue Chancen zu eröffnen, wäre viel gewonnen. Damit greift Ursula von der Leyen letztlich auch eine Forderung der Kirchen auf, mehr für die Benachteiligten und am Rande der Gesellschaft Stehenden zu tun.

Natürlich gibt es Unwägbarkeiten und eine Menge ungeklärter Fragen. Doch ein Aspekt wird in der Debatte bislang zu wenig berücksichtigt. Selbst wenn die Ministerin will, dass die Förderung »unmittelbar bei den Kindern« ankommt, ist es noch keineswegs gesagt, dass diese davon Gebrauch machen können. Denn die Auswahl bei der Freizeitgestaltung liegt in der Regel bei den Familien. In welchen Sportverein die Kinder gehen, ob sie die Bibliothek nutzen oder die Musikschule besuchen, entscheiden die Eltern.

Der Staat kann das weder vorschreiben noch erzwingen. Genau hier liegt die Crux mit dem Vorschlag. Manchen Eltern ist es schlicht egal, was aus ihrem Nachwuchs wird. Schon jetzt scheitert der Zugang zur Bildung nicht allein am Geldmangel. Eine solche Verweigerungshaltung kann auch die gut gemeinte Chipkarte nicht abstellen. Dafür braucht es mehr als Geld und gute Worte.

Martin Hanusch