Gläubige in Gefahr
26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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EKD ruft zur Fürbitte für verfolgte und bedrängte Christen im Irak auf

Fühlen sich jetzt endlich in Sicherheit: Zuhaira Aqarwi und ihre Tochter Rita Toshe aus Mossul. Foto: Viktoria Kühne
Der Grund für ihre Flucht ist durchaus nachvollziebar: Als Christin musste die alleinerziehende Mutter zuletzt um Leib und Leben fürchten. »Entführungen und Morde sind in Mossul an der Tagesordnung«, erzählt sie. Zuletzt habe die 13-jährige Tochter angesichts der Anschläge nicht mehr zur Schule gehen können. Es seien vor allem die Christen, die unter der Gewalt zu leiden haben, erklärt die 51-Jährige. Niemand wisse, woher der Terror komme, und eine staatliche Gewalt, die für Recht und Ordnung sorge, sei nicht vorhanden. »Das ganze Land ist unsicher geworden.«
Dass sie mit ihrer Tochter nach Deutschland kommen konnte, verdankt sie auch dem Einsatz der Kirchen. »Ohne die Unterstützung der evangelischen Kirche und von Nele Allenberg, juristische Referentin beim Bevollmächtigen in Berlin, hätten wir es nicht geschafft«, sagt Zuhaira Aqarwi. Dank ihrer Hilfe konnten die beiden Irakerinnen zunächst nach Jordanien fliehen und von dort aus nach Deutschland einreisen.
Doch dabei soll es nicht bleiben: Erstmals hat die EKD in diesem Jahr bundesweit zu einem »Tag der verfolgten Christen« aufgerufen. Am 28. Februar soll besonders an die bedrängten Gläubigen im Irak mit einer Fürbitte erinnert werden. Der Grund ist klar: In weiten Teilen des Iraks werden Christen aus ihren Häusern vertrieben und umgebracht, ihre Kirchen und Einrichtungen seien Zielscheiben von Anschlägen, so die EKD.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge wurden im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins über 700 Christen ermordet. Allein in der vergangenen Woche sind nach Angaben des katholischen Hilfswerkes »Kirche in Not« vier Christen in Mossul Anschlägen zum Opfer gefallen. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt. Der katholische Erzbischof Amil Shamaaoun Nona vermutet eine politische Gruppierung, »die einen Nutzen vom Verschwinden der Christen hat«.
Von den einst 1,5 Millionen Christen im Irak vor 2003 leben heute noch schätzungsweise 500.000 im Land. Die meisten haben es in Richtung Syrien oder Jordanien verlassen. Etliche Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr über das europäische Programm zur Neuansiedlung irakischer Flüchtlinge in die Bundesrepublik gelangt, so wie Zuhaira Aqwarwi und ihre Tochter.
Die beiden hoffen jetzt, hier eine neue Heimat und Anschluss an eine christliche Gemeinde zu finden. Sie gehören zwar zur orthodoxen Kirche, sind aber offen für andere Gemeinden. Die Mutter absolviert derzeit einen Deutschkurs, und ihre Tochter besucht eine Sekundarschule. Noch sei die Sprache das größte Hindernis. »Aber wenn ich Deutsch kann, will ich wieder arbeiten«, sagt Zuhaira Aqarwi, die bis 1997 als Maschinenbauingenieurin und Betriebsleiterin im Irak tätig war. Die Tochter soll nach Möglichkeit Medizin studieren und Ärztin werden. »Aber das Wichtigste ist«, sagt ihre Mutter, »dass die Angst endlich vorbei ist.«
(mh)






