Ein Leuchter als Gastgeschenk

25. Februar 2011 von redaktionguh  
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Pfarrer Thomas Meinhof hielt die Andacht im Rohbau der Kapelle. (Foto: H.-Dietrich Kunze)

Pfarrer Thomas Meinhof hielt die Andacht im Rohbau der Kapelle. (Foto: H.-Dietrich Kunze)

 
In der Kapelle Mark Zwuschen wurde jetzt erstmals Gottesdienst gefeiert.
 

Das Bauwerk ist zwar noch nicht ganz fertig und der Wind zieht durch die zahlreichen Ritzen. Doch das tat der feierlichen Stimmung keinen Abbruch. Erstmals feierte Pfarrer Thomas Meinhof aus Seyda am 13. Februar in der kleinen Kapelle in Mark Zwuschen (Kirchenkreis Wittenberg) einen Gottesdienst, zu dem rund 40 Besucher gekommen waren. Für etwas Wärme sorgte ein Gasstrahler. Vorbereitet hatten den Gottesdienst Mitglieder der Vereine Kapelle Mark Zwuschen und von »Landimpuls« sowie Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Mark Zwuschen.

Besonders herzlich begrüßte der Pfarrer katholische Gäste aus Heiligenstadt im Eichsfeld. Es waren neun Sänger, die sich als Männerschola formiert haben. Als Gastgeschenk brachten sie einen schmiedeeisernen Standleuchter mit, den sie selbst angefertigt hatten. Er besteht aus einer quadratischen Achse, die einmal an einem Wagen die Räder trug.

Die Leuchterschale, die für eine Kerze bestimmt ist, wurde ebenfalls in Handarbeit geformt. »Diese schwierige Arbeit haben wir einem katholischen Priester aus Sonneberg übertragen«, berichtete Chormitglied Peter Anhalt. Der Priester Andreas Anhalt ist sein Bruder und eigentlich gelernter Schmied, bevor er das Theologiestudium aufnahm. Gelernt hatte er den Beruf in der Schmiede seines Vaters in Heiligenstadt.

Peter Anhalt erklärte auch, wie die Kontakte zur evangelischen Gemeinde entstanden sind. Pfarrer Thomas Meinhof stammt nämlich aus Heiligenstadt. Sein Vater war dort Pfarrer. Bereits vor fünf Jahren waren Heiligenstädter Katholiken erstmals zu Besuch in Seyda. Damals erfuhren sie von den Plänen zum Neubau der Kapelle.

Nach Gründung des Vereins unter Leitung von Heiko Meißner ging es ziemlich rasch voran. Im September 2009 war Baubeginn, zahlreiche Sponsoren unterstützten das Vorhaben seitdem. Auch viele Gemeindeglieder halfen ehrenamtlich mit.

Doch der Bau des kleinen Gotteshauses ist nicht ganz unumstritten. Kritisch sieht den Neubau etwa der Wittenberger Superintendent Christian Beuchel. »Wir haben mit 162 Gotteshäusern genug Kirchen im Kirchenkreis.« Der Bau sei deshalb nicht erforderlich gewesen, meint der Superintendent. Außerdem läge der Standort ziemlich abseits. Für ihn sei und bleibe es eine »Privatkapelle«.

Die Vereinsmitglieder sowie Pfarrer Thomas Meinhof sind trotz solcher Vorbehalte mit Leib und Seele dabei. Einen Termin für die endgültige Fertigstellung gibt es zwar noch nicht. Aber sie hoffen, dass sie »den Rest« auch noch stemmen werden.

H.-Dieter Kunze

Gesamtkonzept für die ganze Familie fehlt

2. Dezember 2010 von redaktionguh  
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Umgeschaut: Wie familienfreundlich sind die kirchlichen Angebote wirklich?

Gute Vorsätze nicht nur für das neue Jahr (Foto: Bilderbox.com)

Gute Vorsätze nicht nur für das neue Jahr (Foto: Bilderbox.com)

Zu mehr Gelassenheit und weniger Zeitdruck beim Umgang mit Kindern hat die Weimarer Erziehungswissenschaftlerin Berit Scholwin Eltern ermutigt.

»Gespräche und gemeinsames Tun sind die Geheimnisse einer echten, lebendigen Kindheit«, brachte die promovierte Wissenschaftlerin das Thema bei einem Vortrag Ende November in der Weimarer Johanneskirche auf den Punkt. Mit übermäßigem Medienkonsum seien hingegen sowohl Kinder als auch Eltern überfordert.

Die Veranstaltung war gleichzeitig der Auftakt für eine Reihe »Mut zum Wachsen, Zeit zum Werden«, die vom Kirchenkreis Weimar und der Kreisstelle für Diakonie organisiert wird. Pfarrerin Dorothea Knetsch, eine der Initiatorinnen, meinte dazu: »Einerseits gibt es eine Fülle von Erziehungsratgebern, andererseits sind viele Eltern auch verunsichert, was den Umgang mit ihren Kindern betrifft.« Man wolle sie deshalb stärken, ihnen Wissen vermitteln und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch anbieten.

 
»Auch die Frage des Gotttesdienstbeginns darf kein Tabu sein«
 

Die Reihe sei keine Konkurrenz zum »Team F – neues Leben für Familien«, das von den evangelischen Freikirchen getragen werde. Vielmehr solle damit eine Lücke geschlossen werden, denn kirchliche Angebote für Familien nähmen zwar zu, aber bei praktischen Details wie Fortbildungen  mit paralleler Kinderbetreuung oder familienfreundlichen Veranstaltungszeiten hapere es noch, so die Einschätzung von Dorothea Knetsch. Auch der sonntägliche Gottesdienst stehe bei Eltern oft im Spannungsfeld zwischen Ruhe, Besinnung und dem Wunsch, die Kinder möglichst viel daran teilhaben zu lassen.

Das kann auch Klaus Roes, Geschäftsführer der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen  Sachsen-Anhalt, bestätigen: »Familien tauchen bei kirchlichen Angeboten überall auf, aber sie werden nicht als Ganzes gesehen.« Zwar gäbe es teilweise Familienfreizeiten, aber regelmäßige wöchentliche Angebote für die ganze Familie suche man vielerorts vergebens. »Es fehlt ein Gesamtkonzept zur Frage ›Wie können wir Familien als Familien erreichen?‹« Und wenn sich herausstelle, dass für viele Familien der Sonntagvormittag die einzige gemeinsame Zeit in der Woche sei, dann dürfe auch die Frage des Gottesdienstbeginns kein Tabu mehr sein.

In der Lutherstadt Wittenberg hat man dieses Problem offenbar schon vor Jahren erkannt: In der Stadt selbst entstand das Familienzentrum »Menschenskind« und im ländlichen Raum das »Haus der Begegnung Globig«. Beide werden sehr gut angenommen, bestätigte Wittenbergs Superintendent Christian Beuchel. »Kirche geht damit auf andere zu.«

Rainer Borsdorf

Luther vom Sockel geholt

13. August 2010 von redaktionguh  
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Lutherdekade: An den Wittenberger »Lutherzwergen« scheiden sich die Geister.

Platzhalter: Am vergangenen Montag hat der Aktionskünstler Ottmar Hörl mit der Installation für die umstrittenen »Lutherzwerge« auf dem Wittenberger Marktplatz begonnen.

Platzhalter: Am vergangenen Montag hat der Aktionskünstler Ottmar Hörl mit der Installation für die umstrittenen »Lutherzwerge« auf dem Wittenberger Marktplatz begonnen.

Der Countdown läuft: Bis Sonnabend sollen auf dem Wittenberger Marktplatz 800 ein Meter große Lutherfiguren aufgestellt werden. Bereits im Vorfeld hatte das Vorhaben des Aktionskünstlers Ottmar Hörl für einiges Aufsehen gesorgt.

Luther bunt und im Zwergenformat 800-fach auf dem Wittenberger Marktplatz – das polarisiert. In einem Internetforum der regionalen Tageszeitung sehen die Kommentatoren die Sache zunächst positiv. »Frischer Wind«, urteilt »Lizzy« und hofft auf mehr Touristen in Wittenberg. Was sie und auch »Wolfgang 63«, »K61«, »Sabine« und »Langhaarfan« bisher wohl noch nicht gehört haben: dass die Inszenierung auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitverantwortet wird. Sie will mit den offiziell »Luther-Botschafter« genannten Figuren protestantische Inhalte vermitteln.

Werbeexperten zweifeln aber daran, dass die evangelische Botschaft ankommt. »Luther würde mit dem Tintenfass nach den Initiatoren werfen«, sagt der PR-Berater und frühere VW-Kommunikationschef Klaus Kocks. Die Aktion sei »peinlich und kontraproduktiv«, wettert er wie vor ihm der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer.

Kocks ist überzeugt, dass »Form und Art des Auftritts« im Widerspruch zu Luther und seiner Lehre stehen und dass die Aktion daher keine Werbung für Protestantismus machen kann. Die Kirche sollte sich gerade bei  öffentlichkeitswirksamen Aktionen eher auf das Wort zurückbesinnen und Inhalte vermitteln, sagt der Politik- und Unternehmensberater. »Man muss sich mal vorstellen, der Platz vor dem Petersdom wäre mit Papstfiguren übersät«, sagt Kocks, der selbst der evangelischen Kirche angehört. »Was will man denn damit aussagen?«

Die Hamburgerin Eva Jung, die selbst Werbung für christliche Inhalte unter anderem für die Deutsche Bibelgesellschaft macht, bleibt ebenfalls skeptisch. »Das ist ein komischer Umgang mit Luther.« Die Kirche schaffe es nicht, aus ihren alten Gemäuern herauszukommen. »Zur entscheidenden Zeit war doch Luther ein junger Rebell«, sagt sie. Wenn der Reformator aber wie auf dem Wittenberger Denkmal, das Hörl für seine Aktion ins Miniaturformat kopierte, wieder als alter Mann gezeigt werde, führe dies auf die falsche Fährte.

Das wiederum findet der Wittenberger Superintendent Christian Beuchel überhaupt nicht. Die Aktion rege vielmehr dazu an, neu über Luther nachzudenken und über die Frage, welche Bedeutung er heute noch habe. »Ihn dazu vom Sockel zu holen, halte ich für eine gut Idee.«

Andere stößt dagegen ab, dass Luther im Anschluss der Aktion wie eine Heiligenfigur verkauft wird. Tatsächlich sollen die Figuren nach dem Abbau Mitte September für 250 Euro pro Stück veräußert und Hörls Kunstaktion dadurch refinanziert werden. PR-Berater Klaus Kocks spricht gar von einer »Kommerzialisierung des Glaubens« und »Tingeltangel mit Ablass«.

Prälat Stephan Dorgerloh, als EKD-Beauftragter in Wittenberg für die Aktionen in der Reformationsdekade bis 2017 verantwortlich, hört all die Kritik nicht zum ersten Mal. Er sagt, dass sich die Kirche, auch wenn sie das Projekt unterstütze und begleite, bei provozierender Kunst auch zurücknehmen müsse. »Und wo findet moderne Kunst schon hundertprozentige Zustimmung?« Schließlich sei die EKD auch finanziell nicht an der Aktion beteiligt. Der Künstler nehme das ganze Risiko auf sich, so Dorgerloh.

Der Beauftragte ist überzeugt, dass die Aktion bereits jetzt einen großen Teil des mit Hörl abgemachten evangelischen Auftrags erfüllt habe. So wird der Kirchenkreis Wittenberg gemeinsam mit dem Predigerseminar täglich viertelstündige Lesungen von Luthertexten auf dem Marktplatz veranstalten. Jeweils werktags von 17.45 Uhr lesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche, aber auch des Predigerseminars und der Evangelischen Akademie unter dem Motto »O-Ton Luther« Texte des Reformators vor. Sonntags beginnt die Lesung bereits um zwölf Uhr, dann kommt zudem Live-Musik dazu. »Das Kunstwerk ist also Anlass, sich inhaltlich mit Luther zu beschäftigen«, freut sich Dorgerloh.

Ob es gelingt, »wenigstens nachträglich dem ganzen Sinn zu verleihen«, sieht hingegen der ehemalige Superintendent Albrecht Steinwachs skeptisch. Auch Werbeexpertin Eva Jung bleibt zurückhaltend. Es gelte abzuwarten, worüber in Wittenberg mehr geredet wird: Über die Figuren oder über Luther. »Wenn die Diskussion sich mehr um die Zwerge dreht, ist sie eigentlich den Atem nicht wert.«

Corinna Buschow (epd/mkz)