Christus hat alle Zeit der Welt
6. November 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
2. Korinther 6, Vers 2

Unsere großen Kinder sind gerade dabei auszuziehen und ihr Leben selbst zu verantworten. Was erwartet sie? Was wird ihnen gelingen? Als ich in ihrem Alter war, war die Welt ziemlich eng. Ich aber hatte große Träume. Heute, im Rückblick, staune ich, wie sich Träume und Realität mischten. Sangen wir Mitte der 1980er Jahre trotzig »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit«, wurde ich wenig später Zeuge, wie die Staatsmauern eingedrückt wurden.

Christian Dietrich ist Pfarrer in Nohra.
Als ich jung war, wollte ich bedeutend sein. Nun bin ich einer unter sieben Milliarden Menschen. Auf Gesundheit und Elan hoffte ich. Heute fühle ich mich »mitten im Leben vom Tode umfangen«. Seit einem Autounfall steht mir deutlicher vor Augen, was für ein Wunder es ist, dass ich lebe. Damals war ich zu schnell unterwegs. Inzwischen entdecke ich, wo wir überall zu schnell sind, ob bei den Strukturveränderungen in unserer Kirche oder beim Ausgeben der angeblich letzten Fördermittel.
In den Medien wird reflektiert, wie die Beschleunigungsprozesse auf den Finanzmärkten alle Akteure überfordern. So hieß es in der FAZ: »Wir leben in einer Zeit, in der Politiker die Unwahrheit sagen müssen, weil sie die Erwartungen von Finanzmärkten nicht beeinflussen wollen, die aber selbst nur wieder Abbilder von Algorithmen hochkomplexer Computersoftware sind.«
Die Beschleunigung geht offensichtlich an die Substanz unseres Zusammenlebens. Das kann schon Angst machen. Ich mache jedoch die Erfahrung: Bei wem Christus ins Leben tritt, der kann sich auch diesen Herausforderungen stellen: unbekannt und doch bekannt, sterblich und doch am Leben, gedemütigt und doch aufrecht, trauernd und doch fröhlich, arm und doch mit vielen teilend. Mit Christus wechseln die Horizonte. Er macht frei und seine Revolution hat alle Zeit der Welt. So verstehe ich den Apostel mit seinem emphatischen Satz: »Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!«
Christian Dietrich
Pfarrer in Nohra
Loben zieht nach oben
14. August 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Wort zur Woche
Die sollen loben den Namen des Herrn, denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht so weit Himmel und Erde ist.
Psalm 148, Vers 13

Christian Dietrich, Pfarrer in Nohra
Wie ist das, Gott über alles loben – mitten im Chor der Schöpfung – und wer darf das? Am Ende des Psalmbuches im Psalm 148 finden sich zehn Hallelujas als Pendant zu den Zehn Geboten. Da heißt es zu allem, was es in dieser Welt gibt: »Die sollen loben den Namen des Herren; denn er gebot, da wurden sie geschaffen.« Loben sollen die Mineralien und das Erdöl, die Eisbären und der »Große Fuchs«, das Korallenriff und der Eichenwald, der Sternenhimmel und die, die dies alles entdecken und erforschen.
Doch diese Einladungen zum Lobpreis sind nicht als ökologische Gebote zu verkürzen. Nicht wir bewahren die Schöpfung, sondern sie bewahrt uns vor der Selbstüberschätzung. Wer im Staunen über die Wunder Gottes den Mund zum Halleluja formt, wird Teilhaber (Hebräer 12,10), Teil der Schöpfung der Zukunft. Wer das Morgenlied der Amsel vergisst, das Summen der Bienen am Lavendel, das Rauschen des Bächleins, wer das nicht hört, der soll sich nicht wundern, wenn sein Herz das Singen verlernt. Und ein alter Spruch sagt: »Loben zieht nach oben.«
Gott loben begeistert und die Gemeinde gründet in diesem Lobpreis. Als naiv und weltfremd, introvertiert oder reaktionär wurde und wird diese Geborgenheit bespöttelt und gar bekämpft. Doch solange der Schöpfer seine Schöpfung am Leben hält, wird auch sein Oratorium erklingen: Des Herrn Name allein ist hoch, sein Lob geht, soweit Himmel und Erde ist und wer sein Lob singt, der hat Teil an seinem ewigen Reich.
Christian Dietrich, Pfarrer in Nohra






