Mit Herz und Teamgeist

16. Dezember 2014 von redaktionguh  
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Petra Hegt managt die Evangelische Stadtmission Erfurt

Alle Jahre wieder am Nikolaustag öffnet in der Erfurter Allerheiligenstraße das »Restaurant des Herzens«. Es hält für Menschen bis Mitte Januar täglich kostenlos ein warmes Mittagessen, Kaffee und Kuchen bereit. An den Wochenenden wird den Gästen – Bedürftigen und Einsamen – zudem Kulturelles geboten. Dass die umfangreiche Arbeit der Evangelischen Stadtmission Erfurt, die in der Advents- und Weihnachtszeit das »Restaurant des Herzens« betreibt, auf festem Grund steht, ist auch Geschäftsführerin Petra Hegt zu verdanken. Sie übernahm vor zehn Jahren die Verantwortung. 2004 habe der Kirchenkreis einen Mitgesellschafter für die Stadtmission gesucht, sagt die zierliche Frau. Denn das Sozialunternehmen sei permanent von Insolvenz bedroht gewesen.

Die diakonische Einrichtung Marienstift Arnstadt konnte gewonnen werden. Und Petra Hegt, die beim Marienstift als Kaufmännischer Vorstand tätig ist, wurde nun auch die Geschäftsführung in Erfurt übertragen. Einen Tag pro Woche ist sie in ihrem schlichten Büro in der Allerheiligenstraße. Seit Kurzem hat sie einen neuen Mann vor Ort, der sie als zweiter Geschäftsführer unterstützt: Christoph Knoll, Pfarrer an der Thomasgemeinde. Im Herbst war sein Vorgänger Andreas Lindner in den Ruhestand verabschiedet worden.

Die erste Zeit sei nicht leicht gewesen, bekennt die 53-Jährige. Doch die Kolleginnen und Kollegen hätten alle an einem Strang gezogen. »Das hat uns in kurzer Zeit zusammengeschweißt«, sagt sie. Die Netzwerkerin versteht es, Sponsoren anzusprechen, Menschen zu sensibilisieren, weil sie selbst mit ihrer Person hinter der sozialen Arbeit steht. 200 000 Euro Bargeldspenden brauchen sie jedes Jahr, um schwarze Zahlen zu schreiben. Da ist ihr Talent für Netzwerkarbeit und ihre offene und gewinnende Ausstrahlung ein großes Plus. »Wir wollen die Arbeit mit Herz machen, denn es geht ja um Menschen. Da können wir nicht technokratisch und bürokratisch handeln«, betont sie. Die Evangelische Stadtmission betreibt unter anderem das Obdachlosenheim »Haus Zuflucht«, das »Café des Herzens«, ein Suchthilfezentrum, das Frauenhaus, offene Sozialarbeit und anderes. Dass diese wichtige Arbeit weitergehen kann, dafür setzt Petra Hegt gern Kraft, Zeit und Talent ein.

Petra Hegt. Foto: Dietlind Steinhöfel

Petra Hegt. Foto: Dietlind Steinhöfel

Als »Managerin mit Herz« wurde sie deshalb im Herbst mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Doch sie winkt ab. Natürlich habe sie sich gefreut, aber sie sei ja nicht allein. »Ich habe kluge und engagierte Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit vorbildlich leisten.« Rund 60 Festangestellte und zahlreiche Ehrenamtliche stehen ihr zur Seite. Die Arbeit mache viel Freude, sagt Mitarbeiterin Doris Winkler, die für die Spendenerfassung zuständig ist. »Bei so einer tollen Chefin!«

Das Team ist Petra Hegt wichtig – ebenso wie die Vertragspartner: die Stadt Erfurt, der Freistaat, Vereine, Organisationen, auch Einzelpersonen spenden regelmäßig. Sie lobt das soziale Engagement der Thüringer Landeshauptstadt, in der die Unterstützung überparteilich funktioniert. Dass die Bankkauffrau und studierte Ökonomin strukturiert arbeiten muss, versteht sich. Ihre Arbeitswoche hat mindestens 60 Stunden. Wie sie dann neben dem Beruf auch noch in Aufsichtsräten, im Gemeindekirchenrat und der Kreissynode tätig sein kann, scheint ein Rätsel. Die Arbeit mache ihr Spaß. Das ist wohl das Geheimnis. »Meine Kraft hole ich bei meiner Familie«, sagt Petra Hegt. Dazu gehören ihr Mann, zwei Kinder und ein Enkel. Zudem treibe sie viel Sport, liest auf dem Ergometer Bücher und hört Musik beim Autofahren. Und Kuchen backt sie auch gern.

Priorität habe jedoch bei ihr immer, »wenn einer vor der Tür steht und ein Problem hat«.

Dietlind Steinhöfel

So schön kann Taufe sein

9. Juli 2013 von redaktionguh  
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Der Kirchenkreis Meiningen feierte ein großes Tauffest

Sie sah schon bedrohlich aus in diesem Jahr. Noch keinen Monat ist es her, als die Werra auch in Meiningen anschwoll und die Blicke auf die Pegelstände bange wurden. An Sonntag aber floß sie gleichmäßig durch den Schlosspark. Und obendrein noch sehr sauber, wie Pfarrer Christoph Knoll den vielen hundert Besuchern im weißen Festzelt am Fluss versicherte. Eben hatte er ihr Wasser geschöpft und es in die Krüge von vier Taufhelfern umgefüllt. Dann wurde es abermals umgefüllt in vier Taufschalen. Mehr als 40 Täuflinge waren mit ihren Eltern, Paten und Angehörigen aus dem gesamten Kirchenkreis zu diesem besonderen Familiengottesdienst angereist. Zu einem Tauffest, wie es an der Werra erstmals gefeiert wurde.

Die christliche Gemeinschaft, in die Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene aufgenommen wurden, sie war weithin sichtbar, auch für jene, die ein Spaziergang zufällig
in den Park führte. Groß ist diese ­Gemeinschaft, fröhlich und bunt, mit vielen jungen Mitgliedern. Darunter Mütter und Väter, bei denen die Anregung zu einer gemeinsamen Taufe Neugier geweckt und überzeugt hatte.

»Schön, dass Ihr gekommen seid«, eröffnete Superintendentin Beate Mar­wede gegen 14 Uhr das Fest, das nicht allein der Taufe galt, sondern auch zu einem mehrstündigen Beieinandersein bei Kaffee, Kuchen und Spielen einlud. Einen jungen Ahorn hatte die Superintendentin mitgebracht, zart noch, fast zu klein für den Blumentopf, in den sie ihn am Morgen gepflanzt hatte. An seinem ursprünglichen Standpunkt nahe an ihrem Wohnhaus hätte er nicht wachsen können. Er wird einen neuen erhalten, an dem ihn keine Hindernisse verkümmern lassen. »Auch der Mensch braucht Licht, Raum und Nahrung für Körper und Geist zum Wachsen«, betonte Marwede. Damit er später gefestigt sei wie ein Baum, den die Stürme des Lebens nicht umwerfen können.

TH-27-2013

Gut 40 Täuflinge wurden am Sonntag in die christliche Gemeinde aufgenommen. Foto: Susann Winkel

Beim Wachsen, genauer beim Erwachsenwerden wollen fortan auch die Paten beistehen. Ihre Patenbriefe und die schön verzierten Taufkerzen füllten neben jeder Taufschale einen kleinen Tisch. Der leerte sich langsam, während Christoph Knoll, Beate Marwede, Pfarrer Gerhard Richter aus Bibra, sein Vachdorfer Kollege Michael Wendel und Pastorin Hanna Freiberg aus Obermaßfeld tauften. Ein erst ­wenige Wochen altes Baby ebenso wie eine 53-jährige Meiningerin. Und viele Kleinkinder, die verdutzt bis ängstlich reagierten ob des Werrawassers, mit dem ihr Kopf benetzt wurde.

Während der Meininger Posaunenchor und der Meininger Gospelchor spielten, führten die Taufhelfer eine Familie nach der anderen nach vorn. Dass dabei auch nach beinahe einer Stunde noch eine würdevoll-fröhliche, im besten Sinne also feierliche Ruhe für jeden Täufling bewahrt wurde, ist wohl eine Bravourleistung dieses ersten Tauffestes des Meininger Kirchenkreises. Das ebenso durch ­besonnene Planung auffiel. Ein unaufgeregtes, heiteres Familienfest, bei dem nach dem Gottesdienst Bänke aus dem Zelt heraus und dafür Tische hineingetragen wurden. Wer nicht mehr sitzen wollte, ging spazieren im Schlosspark oder tobte auf der Hüpfburg. »So schön kann Feiern sein, so schön kann Taufen sein, so schön kann Gottesdienst sein«, bemerkte Pfarrer Knoll treffend. Und so schön kann es in der großen Gemeinschaft der Christen nicht nur an einem warmen Sonntag im Juni an der Werra sein.

Susann Winkel