Grundstein, Gedenkstein, Meilenstein
2. September 2011 von redaktionguh
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Thüringens Kultusminister Christoph Matschie und Landesbischöfin Ilse Junkermann während der Grundsteinlegung. (Fotos: Maik Schuck)
Für das Herderkirchzentrum in Weimar erfolgte jetzt der Baustart.
Der Grundstein ist gelegt – im Falle des neuen Herderkirchzentrums müsste diese Feststellung allerdings treffender lauten: Wir haben den Grundstein gesehen. Voller Freude präsentierte ihn Weimars Superintendent Henrich Herbst am 25. August vor einer großen Gemeinde auf der Baustelle neben der Stadtkirche.
Versehen mit Hammerschlägen von viel Prominenz aus Kirche und Politik, verschwand die Steinplatte aus gespachteltem Muschelkalk aber nicht im Unterbau. Sie wird einen Ehrenplatz im Foyer des neuen Zentrums erhalten und so zum Gedenkstein werden. »Licht, Liebe, Leben – 25. August 2011«, ist darauf zu lesen.
Henrich Herbst möchte, dass Herders Wahlspruch und das Datum der Grundsteinlegung der Gemeinde und den zukünftigen Besuchern des Hauses stets vor Augen seien.
Am 267. Geburtstag des einstigen Generalsuperintendenten von Weimar begannen die Bauarbeiten für das rund vier Millionen teure Vorhaben offiziell und festlich. Es wird eine Kombination aus Neubau, Ergänzungsbau sowie Instandsetzung und Restaurierung historischer Häuser sein, die eine Seite des Herderplatzes zusammenbindet, notwendigen Funktionen Raum gibt, modernen Ansprüchen genügt und Gäste wie Gemeinde einlädt hereinzukommen.
Landesbischöfin Ilse Junkermann wünschte dem Werk gutes Gelingen und stellte das Haus und die daran Arbeitenden unter den Schutz Gottes. »Sie wollen hier mit dem Anvertrauten wuchern, damit es den Menschen diene«, sagte sie in ihrer Andacht zu Lukas 12,48.
Thüringens Kultusminister Christoph Matschie hob in seinem Grußwort hervor, dass Weimar ein internationaler Ort des Dialogs der Kulturen sei und wegen der Authentizität eine große Strahlkraft entfalte. Das Bauvorhaben sei ein Meilenstein.
Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf freut sich »von Herzen« auf dieses neue Gemeindezentrum am Herderplatz. In Zusammenhang mit der Umgestaltung des historischen Platzes mit der Stadtkirche Sankt Peter und Paul im Zentrum werde hier einer der attraktivsten Verweilorte der Klassikerstadt entstehen.
Im Anschluss an die Grundsteinlegung lud die Herderglocke der Stadtkirche zur Festveranstaltung in das Gotteshaus ein. Landesbischöfin Ilse Junkermann sprach zum Thema »Kirche auf dem Markt«. Zudem erhielt der Ohrdrufer Kantor Marco Lemme den Herder-Förderpreis für Studierende.
Uta Schäfer
Gemeinsam unterwegs zum Reformationsjubiläum
26. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Wollen in Sachen Luther 2017 intensiver zusammenarbeiten: die Kultusminister Stephan Dorgerloh aus Sachsen-Anhalt und Christoph Matschie aus Thüringen (v.l.). In Wittenberg wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. (Foto: Thomas Klitzsch)
Thüringen und Sachsen-Anhalt wollen ihre Zusammenarbeit auf dem Weg nach 2017 verstärken.
Unter dem alten Apfelbaum im Garten des Wittenberger Lutherhauses war eine große Kaffeetafel aufgebaut. Harmonisch sollte es aussehen, als Thüringens Kultusminister Christoph Matschie und sein Magdeburger Amtskollege Stephan Dorgerloh am Montagnachmittag eine Pressekonferenz zur Zusammenarbeit der mitteldeutschen Länder in der Reformationsdekade gaben. Denn künftig will man, allen bisherigen medialen Unkenrufen zum Trotz, gemeinsam auf den 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag zugehen.
»Ab sofort beteiligen sich auch Sachsen und Thüringen an der Finanzierung der Geschäftsstelle Luther 2017«, erklärte Stephan Dorgerloh. 65000 Euro pro Jahr wollen die beiden Länder künftig für das zentrale Koordinierungsbüro zur Verfügung stellen, das bislang vor allem von Sachsen-Anhalt getragen wurde. »Wir zeigen damit, dass wir zusammen mehr erreichen wollen«, betonte Matschie. »Thüringen steht zu seiner Verantwortung für die Reformationsdekade.«
Dazu unterzeichneten der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, und der Burghauptmann der Wartburg, Günter Schuchardt, eine Kooperationsvereinbarung. Obwohl beide Einrichtungen schon lange und erfolgreich zusammenarbeiten, werde so noch einmal »festgestellt, dass es auf dem Weg nach 2017 weitere gemeinsame Projekte geben wird«, sagte Dorgerloh.
Zu den Höhepunkten der künftigen Kooperation soll vor allem das Cranach-Jahr 2015 zählen: »Die Wartburg hat einen wunderbaren Bestand an Cranach-Werken«, so Dorgerloh. Sie sollten in das Programm des Cranach-Jahres ebenso eingebunden werden wie die Bestände in Gotha, Weimar, Jena und der anhaltischen Gemäldegalerie. Und das kommende Jahr der Reformationsdekade, das sich schwerpunktmäßig dem Thema Reformation und Musik widmen wird, soll in Eisenach eröffnet werden.
»Kein Land kann alleine die Arbeit der Reformationsdekade bewältigen«, sagte Matschie. Daher wolle man die bisherige Zusammenarbeit der Bundesländer in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Von außen sei Mitteldeutschland sowieso als Lutherland wahrnehmbar. »Da spielen Ländergrenzen keine Rolle.«
Benjamin Lassiwe
Der lange Weg zu Luther
25. März 2011 von redaktionguh
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Auch die Wartburg soll eine besondere Rolle im Rahmen der Lutherdekade spielen. Foto: Jürgen Weidner/Fotolia.com
Reformationsdekade: Luther-Forum stellte Thüringens Vorbereitungen auf das 500-jährige Jubiläum des Thesenanschlags vor.
Wird 2017 lediglich ein Event oder gewinnt die Vorbereitungsphase auf das Jubiläum geistliche Tiefe? Mitte
März kamen Kirchenleute, Touristiker, Vereine und Politiker zu einem Luther-Forum in Erfurt zusammen.
Pilgerer zum Erfurter Augustinerkloster? Zunehmender Bedarf an Übernachtungsstätten? Lothar Schmelz war vor Jahren noch skeptisch: »Da kommt doch keiner!« Der Kurator sollte sich irren, und er tat es gern. Menschen zwischen 20 und 80 Jahren seien es, immer mehr, hat er erfahren, die sich auf den Weg ins Kloster, zu Luther, letztlich zu sich selbst machten. Ab Mai nun stehen ihnen in der Georgenburse – Luthers Studenten-Domizil – elf neue Pilgerschlafplätze entlang des Lutherweges zur Verfügung.
Es ist dies nur ein kleiner von inzwischen Dutzenden Bau- bzw. Pflastersteinen auf Thüringens Weg zum großen Reformationsjubiläum 2017. Von einem Weltereignis, anlässlich dessen viele auf Deutschland schauen würden, sprach Christoph Matschie, Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, in der vergangenen Woche beim Luther-Forum im Erfurter Augustinerkloster. Einberufen worden war es als »Schaufenster für die Aktivitäten rund um die Reformationsdekade«, so Thomas A. Seidel. Bei ihm als Beauftragtem der Thüringer Landesregierung für »Luther 2017« laufen seit einem halben Jahr diverse Fäden zusammen, und so war das »Schaufenster« schon recht gut bestückt:
Von dem Vorhaben, Spalatin als »Steuermann der Reformation« in seiner Stadt per Ausstellung und mittels eines Spalatin-Weges stärker ins Bewusstsein zu rücken, berichtete der Altenburger Pfarrer Reinhard Kwaschik. Ein Lutherspiritual mit virtuellen Kulissen schwebt den Apoldaern in ihrer Lutherkirche vor. In Eisenach stehen besonders zwei Stätten im Mittelpunkt der Bemühungen um Luthers Erbe: Zum einen erhält das 1526 entstandene Lutherhaus einen neuen Anbau und wird sich 2015 mit der Ausstellung »Bibel und Bibelübersetzng« neu präsentieren. Zum anderen, so Superintendentin Martina Berlich, habe die Georgenkirche eine Innensanierung »bitter nötig«.
Eigentlich sei man zwischen Eisenach und Erfurt mit seinen vielen Lutherstätten ja nur ein »B-Standort«, bedauerte augenzwinkernd Superintendent Michael Lehmann für seine Stadt Gotha. Und doch haben die Gothaer einen Schatz gehoben: eine herzogliche Gesangbuchsammlung mit über 3.000 Büchern, anhand derer die Traditionsgeschichte reformatorischen Liedguts nachgezeichnet werden könne. Die Themen der denkwürdigen Dekade in die Gemeinden zu bringen – bei Reformationsgeschichte vor Ort weiß Gott nicht nur deren strahlende Seite zu beleuchten – dies war Christiane Schulz vom Landeskirchenamt eminent wichtig.
Vor »Superstar-Veranstaltungen« warnte der Wittenberger Propst Siegfried Kasparick: »Wir dürfen mit den Dampfwalzen der Großevents nicht die kleinen Pflänzchen vor Ort kaputt machen.« Tatsächlich ginge es nicht nur um Museales für Gäste und Einheimische auf dem langen Weg zu Luther, sondern auch um geistige Tiefe. Genannt seien als Beispiel dafür die »Denkwege zu Luther«, die die Evangelische Akademie Thüringen jungen Leuten anbietet, aber auch die derzeitigen Augustinergespräche im Erfurter Kloster rund um »Reformation und Freiheit«. Vieles, so wurde deutlich, wird zu verknüpfen sein bis zum Jahr 2017: Impulse aus Gemeinden und Kommunen, länderübergreifende Projekte, Finanzierungsfragen. Immerhin sagte Matschie beim Forum schon 3,4 Millionen Euro seitens seiner Landesregierung zu.
Ganz im Sinne Luthers gab Kasparick den Thüringer Akteuren mit auf den Weg, einen Erfolg der Dekade auf keinen Fall erzwingen zu wollen. Bei aller Dynamik sei die Reformation vor 500 Jahren auch eine Bewegung gegen die »Beherrschbarkeit und Machbarkeit der Dinge« gewesen. Ihre geistliche Dimension münde in eine schlichte Erkenntnis: Wir vermögen nichts allein aus eigener Kraft.
Kathrin Schanze
Einstieg ins Zwei-Klassen-Schulsystem?
10. Dezember 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Bildung: Thüringer Landesregierung hält trotz der Kritik an den Kürzungsplänen für freie Schulen fest.

Der Weimarer Pfarrer Hardy Rylke (li.) schlüpfte am 6. Dezember in die Rolle des heiligen Nikolaus und bescherte den Kindern kleine Gaben. Eine ganz andere Bescherung droht den freien Schulen in Thüringen am 10. Dezember. Dann entscheidet der Landtag über die künftige Finanzierung. (Foto: Maik Schuck)
Lange haben sich Kirche und Schulstiftung gegen die geplanten Einschnitte bei den freien Schulen in Thüringen gewehrt. Jetzt wird es ernst. Am Freitag hat der Landtag die Kürzung beschlossen.
Auf das Bildungsministerium ist Marco Eberl derzeit gar nicht gut zu sprechen. Der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland weiß, was von der anstehenden Abstimmung über das Gesetz für die freien Schulen im Thüringer Landtag abhängt. Schon jetzt seien die Schülerinnen und Schüler freier Schulen im Vergleich zu denen an staatlichen Schulen deutlich schlechter gestellt. Durch die geplanten Kürzungen, die am 10. Dezember mit dem Gesetz beschlossen werden sollen, würden die Unterschiede sogar noch vergrößert. Mit Bildungsgerechtigkeit habe das nichts mehr zu tun, ist der Stiftungschef überzeugt. »Ein Zwei-Klassen-Bildungssystem kann weder im Interesse des Landes noch der Kirche sein.«
Seit Wochen tobt inzwischen der Streit um den Gesetzentwurf des Ministeriums. Anfang Dezember hat der Bildungsausschuss die Neufassung abschließend beraten – ohne allerdings auf die Kritik aus Kirche und Diakonie als große Schulträger zu reagieren. Enttäuscht vom Ergebnis der Beratungen zeigt sich auch der Bildungsdezernent der mitteldeutschen Kirche, Christhard Wagner. »Dies«, so der Oberkirchenrat, »ist ein schwarzer Tag für Thüringen.«
Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Eberhard Grüneberg, sieht sogar die Förderschullandschaft im Freistaat »grundsätzlich gefährdet«.
Die Befürchtungen kommen nicht von ungefähr. Zwar hat das Bildungsministerium immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um »moderate« Kürzungen handeln soll. Die Qualität und Vielfalt der Bildung an den freien Schulen in Thüringen seien gesichert, wird Kultusminister Christoph Matschie nicht müde, die Einschnitte zu verteidigen.
Doch die vorgelegten Zahlen der freien Träger sprechen eine andere Sprache. Allein im Regelschulbereich gebe es bereits im nächsten Jahr Kürzungen in Höhe von 417 Euro pro Schüler, so Wagner. Im Jahr darauf werde sich der Trend noch verschärfen. Dann könnten im Vergleich zu 2010 insgesamt 531 Euro pro Schüler (9,6 Prozent) in den Schulhaushalten fehlen. »Dieses Gesetz mutet den Schwächsten der Gesellschaft eine deutliche Mehrbelastung zu.« Für die Eltern sei eine Erhöhung des Schulgeldes um mehr als 500 Euro im Jahr nicht zu schultern. Marco Eberl sieht die Schulen schon jetzt an einer Grenze angekommen. Eine derartige Situation habe es in Thüringen noch nicht gegeben, so der Stiftungschef, der für insgesamt 18 der 40 evangelischen Schulen im Land verantwortlich ist, aber für alle spricht.
EKM-Bildungsdezernent Wagner hat den Landtag aus diesem Grund aufgefordert, den Gesetzesentwurf nicht einfach passieren zu lassen. Die Chancen stehen allerdings eher schlecht. So haben die Oppositionsparteien zwar Widerstand angekündigt. Die Bildungspolitiker der Regierungskoalition wollen jedoch an den geplanten Einschnitten festhalten.
Die Entscheidung in Erfurt dürfte auch außerhalb Thüringens mit Interesse beobachtet werden. Schon jetzt stimmen sich die ostdeutschen Länder untereinander ab. Zuletzt hat es am 8. September ein Treffen auf Arbeitsebene im brandenburgischen Kultusministerium gegeben, um ein gemeinsames Vorgehen im Blick auf die Schulen in freier Trägerschaft zu beraten.
Nun befürchtet der Chef der Schulstiftung einen Dominoeffekt. Wenn Thüringen die Schülerkostensätze kürze, werde das in Sachsen-Anhalt nicht ohne Folgen bleiben. Ganz von der Hand zu weisen, sind solche Sorgen nicht. Im März stehen die sachsen-anhaltischen Landtagswahlen an. »Danach«, befürchtet Eberl, »könnte dort die gleiche Diskussion losgehen.«
Martin Hanusch
Weniger staatliche Förderung für Thüringens freie Schulen
Erfurt (epd). Die freien Schulen in Thüringen erhalten in den nächsten fünf Jahren deutlich weniger staatliche Zuschüsse. Im Erfurter Landtag verabschiedete die Mehrheit der Regierungskoalition von CDU und SPD am 10. Dezember ein neues Gesetz, nach dem die nichtstaatlichen Schulträger für ihre allgemeinbildenden Schulen und Förderschulen künftig nur noch 80 Prozent der Schülerkostensätze an staatlichen Schulen erhalten. Bisher lag der Anteil noch bei 85 Prozent.
Vor der namentlichen Abstimmung war der Gesetzentwurf der Landesregierung von der Opposition heftig kritisiert worden. Die FDP wies die Kürzungen als “einseitig und ideologisch motiviert” zurück. Freie Schulen seien in der Thüringer Bildungslandschaft kein zusätzliches Angebot, sondern ein fester Bestandteil, sagte die FDP-Abgeordnete Franka Hitzing. Nach Einschätzung von Michaele Sojka (Die Linke) geht es bei den Kürzungen auch “um eine grundlegende Strategie” gegen freie Schulen.
Astrid Rothe-Beinlich von den Bündnisgrünen kündigte eine Verfassungsklage an, weil von den Reduzierungen nur die freien und nicht auch die staatlichen Schulen betroffen sind. Die freien Träger halten nach dem neuen Gesetz eine Erhöhung des Schulgeldes in ihren Einrichtungen für unausweichlich. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland als größter nichtstaatlicher Schulträger rechnet mit einem jährlichen Anstieg um 530 Euro. Die Diakonie sieht wegen des höheren Finanzbedarfs für behinderte Kinder die Förderschulen grundsätzlich in Frage gestellt.
Dagegen verteidigte Kultusminister Christoph Matschie (SPD) die Reduzierungen als eine “auskömmliche und verlässliche Finanzierungsgrundlage”, die den freien Trägern “Planungssicherheit verschafft”. Um eine Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Familien durch erhöhtes Schulgeld auszuschließen, müssten nunmehr die Träger ihre Einsparmöglichkeiten ausschöpfen. Zugleich müssten sie dafür sorgen, dass die Elternbeiträge sozial gestaffelt werden.
Der Freistaat stellt im Landeshaushalt für 2011 mit 129 Millionen Euro für freie Schulen die gleiche Summe zur Verfügung wie in diesem Jahr. Die Absenkung auf 80 Prozent der Schülerkostensätze wird erst mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 voll wirksam. Der am Vortag verabschiedete Landesetat 2011 umfasst bei den Ausgaben von 9,5 Milliarden Euro etwa 300 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr. Die Neuverschuldung liegt bei 470 Millionen Euro.
Transparenz gefordert
8. Oktober 2010 von redaktionguh
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Diskussion um Thüringer Schulgesetz geht weiter.
Der Sprecher des Arbeitskreises freier Schulträger in Thüringen, Winfried Weinrich, formulierte klar: »Wir erwarten eine Gleichbehandlung von freien und öffentlichen Schulen.« Das derzeitige Soll-Kosten-Modell des Bildungsministeriums sei nicht transparent, kritisierten die Schulträger auf einer Pressekonferenz am 4. Oktober in Erfurt.
Planungssicherheit, wie Staatssekretär Roland Merten vergangene Woche versicherte, sehen die freien Schulträger nicht. So kenne man zwar die Von-Hundert-Sätze, jedoch nicht, was das in Euro bedeute.
Die Finanzierung pro Schüler soll von 85 auf 80 Prozent gegenüber staatlichen Schulen gekürzt werden. Aber, so der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, Marco Eberl, dieser Prozentsatz müsse im Gesetz verankert sein. Nach jetzigem Stand könne das Land je nach Kassenlage über die Zuschüsse jährlich verhandeln. Die freien Schulen erhalten diese für Personal- und Sachkosten. Für die Erhaltung ihrer Gebäude sind die Träger allein verantwortlich, anders als öffentliche.
Einige Schärfen, so Weinrich, seien im Zuge des Anhörungsverfahrens jedoch inzwischen gemildert. So gäbe es für freie Schulen nun doch keine »Landeskinderklausel«, nach der nur Thüringer Kinder an freien Schulen hätten aufgenommen werden können. Das hätte die Existenz von Einrichtungen an den Ländergrenzen bedroht. Zu klären sei die Förderung von Neugründungen. Bisher wurden Schulen von anerkannten Trägern von Anfang an gefördert. Nun sollten sie erst drei Jahre ihre Förderfähigkeit unter Beweis stellen. Das könne nicht akzeptiert werden. Ein nächster Gesprächstermin im Ministerium sei jedoch zugesagt.
Im Interview mit der Kirchenzeitung hatte Minister Christoph Matschie Einsparungen angemahnt. »Eine Aufforderung, bei den Kosten zu sparen, ist auch eine Aufforderung, die Lehrergehälter zu kürzen«, betonte dagegen Marco Eberl. »Das kommt für uns nicht infrage.« Andere Bundesländer zahlen keine Tariflöhne. Deshalb sei ein Vergleich hier nicht möglich. Es müsse ein nachvollziehbarer Rechnungsweg vorgelegt werden, damit das ab 2011 gültige Gesetz kein »Schulverhinderungsgesetz« wird. Denn – so Eberl: »Ein freies Land braucht freie Schulen.«
Dietlind Steinhöfel
Bildung und Gerechtigkeit
20. August 2010 von redaktionguh
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Die Sparpläne des Thüringer Bildungsministeriums im Bereich der freien Schulen sind bei den Kirchen auf heftige Kritik gestoßen. »Glaube+Heimat« befragte Minister Christoph Matschie dazu.

Christoph Matschie (SPD), Diplom-Theologe, seit 2009 Thüringer Kultusminister und stellvertretender Ministerpräsident
Herr Minister Matschie, bisher hat es den Anschein, dass Ihr Ministerium vor allem im Bereich der freien Träger spart. Ist das nicht der Weg des geringsten Widerstandes?
Matschie: Wir stehen in Thüringen vor einer dramatischen Haushaltssituation. Im Landesetat klafft nächstes Jahr zwischen den prognostizierten Einnahmen und Ausgaben eine Lücke von 1,2 Milliarden Euro. An den notwendigen Einsparungen muss sich auch mein Haus beteiligen. Dabei stellen wir alle Bereiche auf den Prüfstand, auch die staatliche Förderung der Thüringer Schulen in freier Trägerschaft. In diesem Bereich liegen wir über dem Bundesdurchschnitt, insbesondere bei den Regelschulen, wo wir bundesweit am meisten fördern. Hier ist es möglich zu sparen, ohne die Qualität zu gefährden. Wichtig ist: Es wird keine Schule in freier Trägerschaft in ihrem Bestand gefährdet.
Die Evangelische Schulstiftung beklagt die fehlende Kommunikation im Vorfeld. Haben die freien Träger noch Einfluss auf den Gesetzentwurf innerhalb eines Stellungnahmeverfahrens?
Matschie: Die freien Träger waren über die anstehende Novellierung informiert. Einige freie Träger haben dem zuständigen Fachreferat in meinem Hause Änderungsvorschläge übergeben, die im Rahmen der Erstellung des Gesetzentwurfs geprüft wurden und in vielen Punkten auch Berücksichtigung fanden. Aktuell führen wir das Anhörungsverfahren durch und geben allen freien Schulträgern Gelegenheit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Berechtigte Hinweise werden wir natürlich berücksichtigen.
Wenn evangelische Schulen und andere freie das Schulgeld anheben müssen, steht dann nicht die Bildungsgerechtigkeit auf dem Spiel? Kann das Ihr Ziel sein?
Maschie: Die Bildungsgerechtigkeit ist nicht gefährdet. Unser Schulgesetz bestimmt, dass Schulen in freier Trägerschaft nur dann staatlich gefördert werden, wenn sie Regelungen gegen eine soziale Selektion vorsehen. Im Übrigen sollte eine Erhöhung des Schulgelds immer nur die letzte Möglichkeit sein. Zunächst geht es auch für die freien Träger darum, alle Effizienzreserven voll auszuschöpfen und genau wie das Land alle Ausgaben exakt zu prüfen.
Wenn wir über Gerechtigkeit sprechen, gehört allerdings auch folgender Gedanke dazu: Die Tatsache, dass es aufgrund eines Gerichtsurteils Lehrerüberhänge an staatlichen Schulen gibt, darf nicht zu höheren Zahlungen für die Schulen in freier Trägerschaft führen, wie es gegenwärtig noch ist.
Fürchtet der Staat als Schulträger die Konkurrenz der freien Schulen?
Matschie: Ich will Thüringen zum Bildungsland Nummer eins machen. Dazu gehören auch die Schulen in freier Trägerschaft, die zur vielfältigen Bildungslandschaft beitragen. Sie sind eine gesunde Konkurrenz. Ihre Arbeit schätze ich sehr.
Entsetzen über Kürzungspläne
13. August 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen
Thüringer Bildungsministerium will weniger für freie Schulen zahlen.
Die Novelle des Gesetzes über Schulen in freier Trägerschaft hat das Thüringer Kabinett im ersten Durchgang passiert, informierte das Bildungsministerium am späten Dienstagnachmittag. Minister Christoph Matschie (SPD) bekräftigte noch einmal: »Für den Landeshaushalt 2011 muss alles auf den Prüfstand. Dazu
gehören auch die Ausgaben für die Schulen in freier Trägerschaft.« Nach Angaben seines Ministeriums würden pro Schüler Fördersätze gezahlt, die über dem Bundesdurchschnitt liegen. »Mit 5.178 Euro pro Schüler nimmt Thüringen bei Regelschulen einen Spitzenplatz ein.«
Dass die Kosten in den einzelnen Bundesländern nicht vergleichbar sind, hatte der Bildungsdezernent der EKM, Christhard Wagner, bereits vor einigen Wochen bei einem Hintergrundgespräch in Erfurt geäußert. Die Parameter, die der Berechnung zugrunde liegen, seien zu unterschiedlich. Auf Nachfrage der Kirchenzeitung im Ministerium, wie denn der Vergleich zwischen freien Trägern und staatlichen Schulen innerhalb des Freistaates sei, informierte Pressesprecher Gerd Schwinger: Im Durchschnitt erhielten die Schulen in freier Trägerschaft pro Schüler 85 Prozent des Zuschusses.
Die Evangelische Schulstiftung in Mitteldeutschland reagierte entsetzt auf die Kürzungspläne. »Bildungsgerechtigkeit zeigt sich auch daran, dass Kinder an freien Schulen die gleichen Bedingungen haben wie an staatlichen«, sagte Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung. Als Trägerin von 17 Schulen mit 2.900 Schülern will die Stiftung Kürzungen zu Lasten der Schulqualität vermeiden, zumal gerade im evangelischen Bereich auf integrative Bildung Wert gelegt wird. Da ist eine intensive Betreuung notwendig. Eine Anhebung des Schulgeldes leiste einer sozialen Entmischung Vorschub.
»Ich erwarte, dass es jetzt ein Gespräch gibt«, betonte Eberl. »Wir haben noch keine Informationen über konkrete Zahlen und von den Kürzungsabsichten aus der Zeitung erfahren. Außerdem habe ich vor, den Bildungsminister einzuladen, damit er sich unsere Schulen und ihre Konzepte mal ansieht. Ich erwarte, dass aus dem aktuellen Prozess der Zeitdruck rausgenommen wird, damit wir in Ruhe mit den Schulen schauen können, welche Konsequenzen wir ziehen müssen. Zeitdruck kann für alle Beteiligten nicht gut sein. Immerhin stehen 20 Jahre erfolgreiche Schulentwicklung auf dem Spiel.«
Dietlind Steinhöfel






