Kirche ist kein Verein, sondern ein Stück Himmel auf Erden

12. Mai 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, Vers 32

Wozu ist die Kirche da? Wozu weht der Heilige Geist durch unsere Institutionen und durch unsere Köpfe und lässt sich trotz aller Gottlosigkeit der Welt nicht zum Schweigen bringen? »Wir sind Kirche für Andere«, so heißt eine beliebte zeitgemäße und allgemein verständlich scheinende Antwort der Christen, die wir sehr rasch in den Mund nehmen, vielleicht auch um uns vor der Welt zu rechtfertigen.

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Im Wochenspruch aus dem Johannes-Evangelium höre ich etwas anderes. Da geht es zunächst nicht um die Anderen, sondern um uns selbst. Wir Christen haben es mit unserem Glauben und Hoffen alltäglich schwer genug. Damit wir uns Glauben und Hoffnung bewahren, brauchen wir Abstand, brauchen wir immer wieder den Blick des auferstandenen Herrn von oben herab auf unser Leben, auf unsere Erde. Denn die letzten Rätsel unseres Daseins lösen sich nicht im erfolgreichen oder erfolglosen Engagement in unserer weltlichen politischen Gesellschaft. Die Fragen nach dem Woher und Wohin, nach Schuld und Vergebung, beantwortet mir das Glaubensbekenntnis. Es sagt mir, dass ich Gottes geliebtes Kind bin und bleibe.

Ohne diese Zusage, ohne den Trost des Heiligen Geistes, bin auch ich als Christ und Kirchenmitglied in der Welt so umhergetrieben, orientierungslos und um mich selber kreisend wie jeder andere. Nur, wer seinen Kopf wieder und wieder nach dem Himmel streckt, kann hier auf Erden engagiert und voller Nächstenliebe politisch handeln. Unsere Kirche ist darum kein »Verein«, sondern eine durch Wort und Sakrament getragene Gemeinschaft, in der wir, weil Gott gegenwärtig ist, Halt und Trost finden dürfen.

So erstaunlich das klingt, unsere Kirche ist schon ein kleines Stückchen des Himmels auf Erden. Wenn Christen in ihr Trost und Halt finden, können sie gar nicht anders, als sich für Bedrohte, Ausgegrenzte und Fremde einzusetzen. Sie können auch gegen den Strom schwimmen, weil Gott ihnen hilft, den Kopf über Wasser zu halten.

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

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Das Versprechen gilt: Gott hat sich auf unsere Seite gestellt

24. Februar 2018 von redaktionguh  
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Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5, Vers 8

Dass wir Menschen unsere Liebe denen erweisen, die uns ebenso lieben, das ist normal. Kommt aber leider auch nicht immer vor. Dass wir Menschen unsere Liebe denen erweisen, die gegen uns sind, das ist ganz und gar nicht normal. Und doch gibt es jemanden, der so etwas Verrücktes tut: unser Gott.

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

Er liebt uns von Anfang an. Von dem Zeitpunkt an, an dem er sich uns ausgedacht hat, über Zeugung und Geburt hinaus bis dahin, wo wir seine Liebe ihm endlich auch erwidern. Und von da an bis in alle Ewigkeit. Denn Gott hatte diese Sehnsucht schon immer. Dass die Menschen, die er doch so sehr liebt und die sich doch alle erst einmal von ihm abwenden, dass seine geliebten Geschöpfe sich ihm in einem freien Akt der Liebe wieder zuwenden und dadurch zu Kindern Gottes werden. Und dafür hat er etwas auf sich genommen. Aus Liebe. Er hat seinen Sohn Jesus ein großes Opfer bringen lassen. Für uns. Für jeden einzelnen von uns.

Als wir noch Sünder waren, als wir noch auf der Gegenseite des Bösen gestanden haben, da hat Gott schon einen genialen Rettungsplan entwickelt und dann auch in die Tat umgesetzt. Das Geniale an diesem Plan ist, dass unser Gott für unsere Rettung nicht von uns Opfer erwartet, wie die Götter vieler anderer Religionen. Unser Gott opfert sich lieber selbst. Er riss sich ein Stück aus seinem Herzen heraus, seinen geliebten Sohn, und sandte ihn auf diese Erde. Er ließ ihn leiden für uns und litt dabei selber unsäglich mit. Aus Liebe heraus. Und zu unserem Heil. Dadurch hat sich dieser Gott ganz auf unsere Seite gestellt, er hat damit alle Liebe geltend gemacht, er hat seine Gnade eingesetzt und sein Leben für uns hingegeben.

Allen, die seine Erlösung nun persönlich für sich annehmen und dadurch auf seiner Seite stehen, denen sichert er zu, dass nichts und niemand sie wieder aus seiner Hand reißen kann. Auch in Not- und Krisenzeiten, auch wenn wir schuldig werden, auch da gilt sein Versprechen: Ich liebe dich! Ich habe dich erlöst – du bist mein!

Jürgen Hofmann, Pfarrer in Pratau

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Wenn der Schirmherr Schutz und Sicherheit bietet

20. Januar 2018 von redaktionguh  
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Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60, Vers 2

Pass auf! Über dir!« – So schnell kann ich gar nicht den Kopf drehen, da höre ich, wie rechts von mir ein dumpfer Gegenstand auf den Boden knallt. Ein Glück – der Duck-Reflex hat funktioniert! Der Ball hat mich nicht erwischt! Das ging nochmal gut, denn ein Basketball hat durchaus Schmerzpotenzial … »Entschuldigung«, ruft es von links, und ich schaue noch etwas verdattert, aber freundlich zu den Sportlern hinüber. Den Ball habe ich wirklich nicht kommen sehen! Was über mir ist, spielt ja auch selten eine wichtige Rolle.

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

Recht sicher ist es dieser Tage von oben, hier in meiner Stadt. Ich achte auf andere Dinge, wenn ich unterwegs bin: Wenn ich gehe, will ich die Bordsteinkante sehen, und den Pfeiler vor mir auch. Und natürlich freue ich mich, wenn ich bekannte Gesichter entdecke beim Unterwegssein.

Von oben kommt selten etwas, was mich betrifft. Ich richte meinen Blick gern auf das, was mich im Hier und Jetzt wirklich angeht. Auf das Gesicht meines Gegenübers, auf den Terminkalender und das, was ansteht, die Sorgen, Nöte und Freuden des Lebens. So hat jeder Tag seine Farbe, wie es in einem Buch heißt. Mal aktiv rot, mal fröhlich gelb, mal traurig schwarz, mal übermütig orange.

Im Buch des Propheten Jesaja hören wir von vielen dunklen Tagen. Da fehlt so gut wie nichts, was beschwerliches Leben ausmacht! Von A wie Angst bis Z wie Zweifel kennt Jesaja alles. Auch wenn links und rechts um ihn herum keine Möglichkeit auf Besserung aufscheint, von oben wird das Gute kommen. Darauf vertraut Jesaja ganz fest und sagt: »Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.«

Das ist unerschütterlicher Glaube! Eine herrliche Hoffnung: Gott, der Herr, ist über uns und wird unser Leben und unsere Dunkelheit hell machen! Dass der Herr und seine Herrlichkeit bei den Menschen sein will, dürfen wir wissen!

Jesus Christus sei Dank!

Kind – Krippe – Engel – Weihnachten, Sie wissen schon … Da rufe ich doch gern glatt selbst: »Pass auf! Über mir!«

Anne Puhr, Vikarin in Weimar

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Aus dem Hause Davids

7. Januar 2018 von redaktionguh  
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Ich muss noch einmal auf die Weihnachtsgeschichte zu sprechen kommen. Das ist nicht zu spät, früher dauerte die liturgische Weihnachtszeit bis zum 2. Februar. Hintergrund meiner Rückblende ist die Frage einer Leserin: Warum wird im Lukas-Evangelium erwähnt, dass Josef aus dem »Hause und Geschlechte« Davids war und Jesus somit der in den Weissagungen erwähnte Sohn Davids sei? Jesus ist aber doch nicht Josefs Sohn? Das stimmt!

Man ist sich heute weitgehend einig, dass »nach dem Fleisch« eindeutig die physische Abstammung meint. Dadurch kommt tatsächlich nur Marias Stammbaum in Frage. Sie stammt direkt aus dem Geschlecht Davids, aus der königlichen Linie durch Davids Sohn Salomo. Während Joseph aus einer anderen Linie kam, die bei Davids Sohn Nathan ihren Ausgang nahm.

Die Weihnachtsgeschichte, so wie wir sie heute kennen und lieben ist nicht so geschehen, wie in der Bibel überliefert. Zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten weisen die Schilderungen auf. Sie hat sich in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Geburt gewissermaßen entwickelt. Erst im zweiten Jahrhundert kommen die Könige ins Spiel. Hundert Jahre später wurden Anzahl und Namen der »Weisen aus dem Morgenland« hinzugefügt.

Wenn nun scheinbar aber nichts an der Darstellung der Geburt Jesu zusammenpasst, warum übt die Weihnachtsgeschichte auf der ganzen Welt immer noch eine derartige Faszination aus? Weil, wie ich es in einer Predigt Heiligabend gehört habe, die Weihnachtskrippe ein Sehnsuchtsort ist. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, Frieden und nach einem Retter: »Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids« (Lukas 2, Vers 11).

Willi Wild

Macht es wie die Schafe – Vertrauen braucht kein Verständnis

29. April 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
Johannes 10, Verse 11.27.28

Es ist schon mal gut zu wissen, dass Jesus kein Präsident ist, kein Bundeskanzler oder Minister für Soziales. Aber es wird nicht verständlicher, wenn er sich als Hirte vorstellt. Es ist schon mal gut zu wissen, dass diejenigen, die zu ihm gehören, nicht wegen ihrer besonderen Gelehrsamkeit bekannt sind. Aber es macht es nicht einfacher, wenn er die Seinen als Schafe vorstellt. Denn nun bleibt, was er sagt, unverstanden, eine gebrabbelte Melodie. Und die, die die Stimme hören, bleiben im Unwissen darüber, was er sagt. Das Eigentümliche des Verhältnisses zwischen Hirten und Schafen ist, dass er spricht und sie nur hören. Die Worte entfalten für die Schafe keinen Sinn. »Sag es doch, wenn du der Messias bist.« »Ich bin der Hirte«, sagt Jesus, »ihr seid die Schafe.« Er kennt sie, sie aber kennen ihn nicht. Sie hören ein Rauschen von Stimme. Der Hirte ruft die Schafe mit Namen. Sie hören, aber verstehen nicht und folgen doch. Vertrauen braucht kein Verständnis.

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Es ist nicht viel. Es ist keine Wortgewalt, keine Predigt, keine gelehrte Tiefsinnigkeit, keine theologische Extravaganz. Ich weiß nicht, was es ist, was die Schafe in der Stimme wiedererkennen. Vielleicht die Erinnerung an eine Melodie. Vielleicht bloß ein Rauschen, ein Säuseln, ein Klang, ein Pfeifen. Die Schafe erinnern sich jedenfalls und gewinnen die Ewigkeit. Die Schafe verstehen die Stimme des Hirten nicht. Was er ruft, bleibt unverstanden. Die Schafe folgen aber, wenn seine Stimme erklingt. Vertrauen braucht kein Verstehen. Die Schafe haben Erinnerung genug, einer Stimme zu folgen. Was Jesus dem Einzelnen zuruft, bleibt ein Geheimnis. Es verstehen zu wollen, bleibt aussichtslos. Dass er uns ruft, bedeutet alles. Es bedeutet ewiges Leben. Wer will da nicht gemacht sein zu Schafen seiner Herde und unverständig aus der Wolle schauen. Der Hirte ist ihr Herr, wovor sollten sie sich fürchten und wozu sollten sie die Stimme verstehen? Sein Stab führt sie zum frischen Wasser und zu saftigen Auen. Mehr braucht es nicht.

Dipl.-Theol. Samuel Hüfken, Halle

Die Schlüsselfrage ist geklärt: Der Himmel steht offen

16. April 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Der Schlüssel ist übergroß, sein geschmiedeter Bart wird durch ein Kreuz geziert. Wer den Schlüssel in die Hand bekommt, weiß sofort: Hiermit kann nur eine Kirchentür geöffnet werden. Die mächtige Holztür knarzt beim Schließen. Ich lausche auf das Geräusch des Schlüssels im altertümlichen Schloss. »Ach, wie schön«, sage ich zum neben mir stehenden Küster, »noch keine Schließanlage, deren Schlüssel sich an meinem Bund von keinem einer Bürotür unterscheidet!« Der Mann schmunzelt »Braucht es auch nicht, Frau Pfarrer, solch ein Schloss ist schwerer zu knacken als ein Sicherheitsschloss. Die Alten haben gewusst, was sie taten!« Er hält mir die Tür auf und vergräbt den Schlüssel wieder tief in seiner Manteltasche. Sicher ist sicher.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Die Schlüsselfrage ist eine Machtfrage. Wer den Schlüssel hat, erhält ungehindert Eintritt, muss nicht andere um Erlaubnis fragen. Wer den Schlüssel hat, bestimmt, wer drin ist und wer draußen bleiben muss. Wer den Schlüssel hat, kann einsperren und befreien.

Zu Ostern wird die Schlüsselfrage ein für alle Mal geklärt: Er, der Christus Gottes, überlebt den Tod und geht durch die Hölle. Den Schlüssel hält er fest in seiner Hand. »Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?« singt uns das Brahms’sche Requiem aus der vagen Hoffnung der Totenmesse in die feste Gewissheit der Osternacht hinüber.

Im Buch der Heilpflanzen von Hildegard von Bingen wird die Schlüsselblume beschrieben. Sie blüht als eine der ersten Frühlingsblumen und ergießt ihr Sonnengelb zu Ostern in Wälder und über Wiesen. Hildegard beschreibt die wohltuende Wirkung der Pflanze, von der man alle Teile nutzen kann. Sie preist die Blume als Wunder der guten Schöpfung Gottes und tauft sie »Himmelschlüssel«. Mit ihren Blüten, in deren Anordnung man einen Schlüsselbund erkennen kann, erinnert sie uns daran:

Seit Ostern steht uns der Himmel offen. Die Schlüsselfrage ist geklärt!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Christus kommt zu uns

14. April 2017 von redaktionguh  
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Das Wunder von Ostern: Eine Geschichte über engagierte Kirchenretter, ein entstaubtes Fundstück und glückliche Fügungen.

Karsamstag im Jahr 1993. Geschafft! Ich atme durch. Dicht gedrängt stehe ich mit unzähligen Menschen in der Jerusalemer Grabeskirche. Die orthodoxe Lichtfeier beginnt jeden Augenblick. In ihr geschieht das »Wunder des heiligen Feuers«. Der Patriarch betritt das Heilige Grab. Überall ein Rumoren, keine wirkliche Stille, aber auch kein Lärm. Vielmehr ein Jubel, der nur noch mühsam zurückgehalten werden kann. Als dann der Patriarch mit dem Licht erscheint, bricht der Jubel los. Und in Windeseile wird das Feuer, die Flamme, das Licht weitergegeben. Alle haben eine Kerze – auch ich. Die Luft wird dünn. Das Atmen fällt schwer. Ein Flammenmeer. Auch das Herz ist entflammt. Glückseligkeit. Auferstehung!

Im selben Jahr an einem ganz anderen Ort feiert ein Dorf – Rösa in der Dübener Heide. Die romanische Kirche war einst dem Verfall preisgegeben, da im Schoß der Erde Braunkohle schlummert. Überbaggerungsgebiet! Eine Baugenehmigung für die marode Kirche wurde nicht erteilt. Doch die Gemeinde reichte Antrag um Antrag ein. Dann endlich die frohe Botschaft: ihr dürft sanieren – aber auf eigene Kosten. 1988 ging es in Feierabendarbeit los. Viele aus dem Dorf halfen mit. Und auch die Wende kam zur rechten Zeit. 1993 ist das Ziel erreicht, die Kirche gerettet. Ein ruinöses Gotteshaus erstrahlt in neuem Glanz und erzählt durch seine bloße Präsenz vom Glauben. Auferstehung!

Er hat keine Arme mehr. Überall Beschädigungen. Und dennoch diese Kraft! Diese emporstrebende Wucht! Lange verborgen im Gestrüpp des Vergessens, unter dem Staub eines Pfarrhausbodens: ein spätgotischer Christus-Torso (um 1510) – lebensgroß.

Weg mit dem Staub! Ihm wurden die Wangen gestreichelt, der Mund getupft, die Augenlider berührt. Konservierung als Akt des Glaubens. Die Restauratorin durfte tun, was den Frauen einst am Morgen des dritten Tages verwehrt worden war. Nicht einbalsamiert, aber gereinigt und berührt kam dieser Christus-Torso 2009 in unsere Kirche, belebt sie und uns. Auferstehung!

»Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, sind das die schönsten Farben! Dann kommt Jesus durch das Fenster in unsere Kirche, zu mir«, sagt die Kirchenälteste Renate Eckardt aus Rösa zum Osterfenster des Künstlers Sven Göttsche in der Rösaer Auferstehungskirche. Foto: Thomas Klitzsch

»Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, sind das die schönsten Farben! Dann kommt Jesus durch das Fenster in unsere Kirche, zu mir«, sagt die Kirchenälteste Renate Eckardt aus Rösa zum Osterfenster des Künstlers Sven Göttsche in der Rösaer Auferstehungskirche. Foto: Thomas Klitzsch

Gegenüber der Kirche ein Künstler – was für eine Fügung! Den Grafiker und Bildhauer beauftragten wir, für und mit uns zu denken und zu gestalten. Zuerst das Fenster in der Apsis. Gen Osten. Von dort das Licht. Von dort das Leben. Ostern. Ein Geflecht aus dunklen Linien erzählt vom Scheitern im Leben, von der Zerrissenheit der menschlichen Existenz, vom Tod. Das haben wir immer vor Augen, wenn wir zum Altar schauen. In der Mitte des Fensters jedoch ein Lichtspalt. Die Stricke des Todes zerreißend tritt er in unsere Mitte – Christus. Jede Andacht, jeder Gottesdienst, jeder Blick nach vorn lässt uns nicht ohne diese Kraftquelle sein.

Und die Erzählung geht weiter. Denn da steht ja das bronzene Kreuz auf dem Altar. Der Künstler des Fensters ist auch hier am Werk. Wir sehen den Spalt, der das Kreuz bersten lässt. Christus tritt siegreich als Lichtgestalt hindurch. In den beiden Spaltteilen entdecken wir möglicherweise zwei Menschen, die sich begegnen, einander zuwenden und trösten (Christus und Maria?). Und wir sehen die beiden dazugehörigen Leuchter. Stilisierte Hände halten, tragen das Licht. Auferstehung!

An irgendeinem Tag. Unsere Küsterin hat in der Kirche zu tun, macht sauber, steckt eine Blumenpracht zusammen, gönnt sich eine Pause. Sie setzt sich auf eine Bank und schaut nach vorn. Ganz still ist es.

Und sie ist allein hier. Wirklich? Neulich, auf die Frage hin, was für sie Auferstehung bedeutet, überlegt sie eine ganze Weile und erzählt sinngemäß: »Wenn ich dann so sitze und schaue, habe ich das Gefühl, dass Jesus von dort vorn in die Kirche eintritt und da ist. Bei allen Sorgen, die so auf einem lasten, ist das sehr tröstlich. Und es gibt Hoffnung.« Auferstehung!

Am 15. April um 22.30 Uhr beginnt unsere Osternacht. Vor der Kirche das Feuer. Die Kirche im Dunkel. Wir gehen hinein. Später das Licht der Osterkerze – auch bei uns das »Wunder des heiligen Feuers«. Wir hören die Worte der Schrift, taufen zwei kleine Kinder, feiern das Heilige Mahl und empfangen den Segen. Und noch etwas geschieht: wir geben unserer Kirche einen Namen. Mit dieser Nacht heißt sie »Auferstehungskirche«. So wie die Kirche in Jerusalem, die zwar nach westlichem Verständnis »Grabeskirche« heißt, in der östlichen Tradition (orthodoxen Kirche) aber als »Auferstehungskirche« bezeichnet wird. Anastasis! Auferstehung!

Albrecht Henning

Der Autor ist Pfarrer in Krina (Kirchenkreis Wittenberg), zu dem auch die Gemeinde Rösa gehört.

Glauben alle an denselben Gott?

16. Januar 2017 von redaktionguh  
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Ja

Christen glauben an den einen, dreieinigen Gott. Dieser Glaube hat sich uns durch Jesus Christus eröffnet und wird durch den Heiligen Geist gewirkt und erhalten. Es ist der Glaube an Gott den Schöpfer, den Erbarmer und den Richter – und diesen Glauben an den einen Gott teilen wir mit den Juden und den Moslems. Für das Judentum ist aus christlicher Sicht unbestritten, dass wir denselben Gott meinen. Gleichwohl gehen Juden und Christen unterschiedliche Wege und suchen auf dieser Basis die Versöhnung.

Wie steht es mit den Muslimen? Der Islam kam später und hat vielfältige Impulse aus beiden Religionen aufgenommen. Mohammed war schon vor seinen Offenbarungen ein »Hanif«, ein Monotheist. Darin sah er sich in der Nachfolge Abrahams. Und er sah auch in den Christen und Juden solche Anhänger des einen Gottes.

Prof. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Foto: medio.tv /schauderna

Prof. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Foto: medio.tv /schauderna

Strittig ist daher auch von islamischer Seite aus nicht die Frage nach Gott, sondern die Frage nach dem Weg. Das mag dem einen oder der anderen als Haarspalterei erscheinen. Doch es macht einen Unterschied, ob ich in der Begegnung mit Muslimen ihnen den Glauben an Gott abspreche und sie zu »Götzendienern« erkläre (was die Konsequenz wäre) oder ob ich mit ihnen darüber nachdenke, was dieser Glaube an den einen Gott bedeutet. Damit ist die Frage nach der Erlösung durch Christus noch gar nicht gestellt – und schon gar nicht in Frage gestellt! Ein zentraler Begriff aber ist in allen drei Religionen »Barmherzigkeit«: Darin ist eine gemeinsame Glaubenserfahrung zu erkennen.

Für uns Christen hat sich der dreieinige Gott in Jesus Christus offenbart, im Heiligen Geist aber darüber hinaus in vielfältigen Zeugnissen auch aus den »Völkern«, in denen wir die gute Botschaft wiedererkennen. Das war schon immer eine zentrale Lehre des Christentums. Man denke nur an die Rede des Apostels Paulus in Athen (Apg. 17). Auch für die römisch-katholische Lehre steht das völlig außer Frage. Man lese die entsprechenden Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils!

Wir können als Christen in dem, was im Islam von der christlichen Botschaft erhalten und bewahrt wird, so etwas wie ein Echo, eine Spur oder einen Schatten des Wortes Gottes erkennen und daran auch anknüpfen. Das heißt doch nicht, dass wir uns damit verleugnen! Ganz im Gegenteil: Wir machen ernst mit dem Auftrag der Versöhnung, wir machen ernst mit dem Glauben an den einen Gott.

Die Gemeinsamkeiten sind groß: der Glaube an den einen, barmherzigen Gott, die Bedeutung Abrahams, die hohe Wertschätzung Jesu und seiner jungfräulichen Mutter Maria, das Jüngste Gericht und die allgemeine Auferstehung von den Toten, die Unsichtbarkeit Gottes und die Wirksamkeit seines Wortes.

Was uns trennt, ist die Auslegung! Und hier sage ich deutlich: Wenn der Islam uns Christen vorwirft, wir würden »drei Götter« anbeten, dann möchte ich, dass dieses Vorurteil islamischerseits ernsthaft überprüft wird. Hier ist der Punkt, wo die theologische Auseinandersetzung mit dem Islam gesucht werden muss! Gerade wenn wir von einem christlichen Bekenntnis herkommen, das sich des barmherzigen Gottes gewiss ist, sollte es uns nicht schwerfallen, auch im islamischen Bekenntnis zu dem einen Gott den gemeinsamen Gott zu erkennen – »wie in einem dunklen Bild« (1.Korinther 13,9).

Inzwischen stehen wir vor einer Herausforderung, vor der weder Christentum, Judentum noch Islam bislang je standen: Wir haben es gemeinsam mit einer Welt zu tun, die Gott nicht wahrhaben will, und mit Fanatikern, die Gott für ihre Interessen missbrauchen.

An der Entdeckung der Gemeinsamkeiten wird sich vieles entscheiden!

Nein

Die romantische Vorstellung, Menschen unterschiedlicher Religionen würden letztlich doch alle an denselben Gott glauben, findet sich bereits in der Antike. In der Gegenwart nährt sie die Hoffnung, dass die Gegensätze zwischen den Religionen so groß doch nicht seien, ja nicht sein dürfen, und irgendwie friedlich gelöst werden müssen. Es gibt mehrere Gründe, warum diese Hoffnung trügt.

Religionen sind immer Deutungen religiöser Erfahrungen und schon insofern notwendigerweise verschieden. In das Judentum, das Christentum und den Islam sind sehr verschiedene religiöse und kulturelle Traditionen eingeflossen, die ein je eigenes Gottesbild und eine je eigene Ethik hervorgebracht haben. Es gibt Überschneidungen, aber auch grundlegende Unterschiede.

Prof. Udo Schnelle lehrt evang. Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: Jörg Hammerbacher

Prof. Udo Schnelle lehrt evang. Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: Jörg Hammerbacher

Die entscheidende Differenz besteht darin, dass die Christen eine besondere Form des Monotheismus bekennen: den dreieinigen Gott. Was ist damit gemeint? Zuallererst geht es um das besondere Verhältnis Gottes zu Jesus von Nazareth, das sich exemplarisch in der Auferweckung des gekreuzigten Jesus von den Toten durch Gott zeigt. Speziell dieses Geschehen verstanden die frühen Christen als Bestätigung der Gottesauslegung Jesu und folgerten daraus, dass er in einem ganz besonderen Verhältnis zu Gott steht. Weil Gott sich bis in den Tod am Kreuz mit diesem Jesus von Nazareth identifizierte, muss er mehr als ein Prophet oder Gesandter des Vaters sein, nämlich sein Sohn. Die Gottheit des Sohnes ist somit von der Gottheit des Vaters her zu verstehen, die Gottheit des Vaters wird auf den Sohn ausgeweitet.

Der Sohn hat nicht nur am Wesen des Vaters teil, sondern er ist vom Wesen des Vaters. In diesem Schritt liegt die eigentliche Neudefinition Gottes im frühen Christentum: Gott ist so, wie Jesus von Nazareth ihn ausgelegt hat und deshalb gebührt ihm der göttliche Status des Sohnes. Das Neue Testament insistiert damit auf der göttlichen Würde Jesu, ohne das Bekenntnis zu dem einen Gott Israels damit zu schmälern. Hinzu kommt eine weitere Erkenntnis: Gott wurde in Jesus von Nazareth nicht nur Mensch, sondern er lässt sich bleibend im Leben der Menschen erfahren: durch den Heiligen Geist.

Gottes Wirklichkeit weist eine erfahrbare Wirksamkeit auf. In frühchristlichen Gemeinden wie Korinth (1.Korinther 12) oder Rom (Römer 12) wurden intensive Geisterfahrungen als Gottes­erfahrungen interpretiert und führten zu einer zweiten Innovation des Gottesbildes: Gott wirkt bleibend durch den Geist in der Geschichte und im Leben der einzelnen Menschen. In der Geisterfahrung ist Gott somit selbst gegenwärtig und nicht nur eine andere untergeordnete Größe. Das frühchristliche Gottesbild ist somit nicht zuallererst an einem prinzipiell jenseitigen und primär herrschenden Gott interessiert, der Gesandte aussendet oder Schriften verfasst, die den Menschen seinen Willen kundtun. Vielmehr geht es um den Gott, der sich auf die Welt zubewegt und in die Welt eingeht. Der Gott der Christen ist ein naher Gott; ein kommunizierender und lebendiger Gott, der aus Liebe für die Welt und die Menschen eintritt.

Dieses Modell eines nahen dreieinigen Gottes wurde von Anfang an vom Islam bekämpft. Es gilt als Ausdruck der Verfälschung des Wesens des einen allmächtigen Gottes. Die Christen sind Lügner und zu bekämpfende »Polytheisten« (Sure 9,29-33) und werden ermahnt: »O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er zu Maria hinunterbrachte, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei. Hört auf, das ist besser für euch.« (Sure 4,171; Sure 112)

Der entscheidende Gegensatz bleibt: Jesus von Nazareth ist mehr als ein Prophet, er ist Sohn Gottes und verkündet einen anderen Gott als der Koran! Den liebenden, nahen, leidenden und gekreuzigten Gott; einen Gott, der in die Welt eingeht und bei den Menschen sein und bleiben will.

Fazit: Jesus ist der Unterschied und macht den Unterschied zu jeder anderen Religion!

Drei Religionen, ein Haus:  Das »House of One« ist ein interreligiöses Gebäude, das voraussichtlich ab 2018 am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte entstehen soll. Das Gebäude wird unter seinem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen. Die Baukosten des Gebäudes, die mit 43,5 Millionen Euro beziffert werden, sollen vor allem durch eine Spenden-Kampagne erbracht werden. Träger des Projektes »House of One« ist seit dem 8. September 2016 eine Stiftung. Sie ist aus dem Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin hervorgegangen. Im Vorstand des Vereins wird die jüdische Seite vertreten durch das Abraham-Geiger-Kolleg sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die christliche Seite durch die evangelische Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien und die muslimische Seite durch das Forum für Interkulturellen Dialog. Illustrationen aus dem »House of One«-Bastelbogen

Drei Religionen, ein Haus: Das »House of One« ist ein interreligiöses Gebäude, das voraussichtlich ab 2018 am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte entstehen soll. Das Gebäude wird unter seinem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen. Die Baukosten des Gebäudes, die mit 43,5 Millionen Euro beziffert werden, sollen vor allem durch eine Spenden-Kampagne erbracht werden. Träger des Projektes »House of One« ist seit dem 8. September 2016 eine Stiftung. Sie ist aus dem Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin hervorgegangen. Im Vorstand des Vereins wird die jüdische Seite vertreten durch das Abraham-Geiger-Kolleg sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die christliche Seite durch die evangelische Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien und die muslimische Seite durch das Forum für Interkulturellen Dialog. Illustrationen aus dem »House of One«-Bastelbogen

Klar. Verständlich. Hörbar. – Der stille Übersetzer

28. Mai 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Christus spricht zu seinen Jüngern: »Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.«

Lukas 10, Vers 16

Kennen Sie das Spiel »Stille Post«, bei dem einer dem anderen ein Wort ins Ohr flüstert und das dann in einem Kreis von der einen Person zur nächsten immer weitergegeben wird? Kleine Kinder können herzhaft darüber lachen, wenn aus einem Wort am Ende ein ganz anderes geworden ist.

Ramón Seliger, Vikar in Weimar

Ramón Seliger, Vikar in Weimar

Und wir Großen können dabei erkennen, wie schwierig es um das gegenseitige Verstehen bestellt ist. Hören und Verstehen ist eben kein Kinderspiel. Nicht alles, was ich sage, kommt beim anderen auch so an, wie ich es meine. Eine alltägliche Erfahrung.

Was aber heißt das für unsere Rede von Gott? Im Spruch für diese Woche sendet Christus seine Jünger, sendet er uns in die Welt, in alle Welt, wie es am Ende des Matthäusevangeliums heißt: Wer euch hört, der hört mich. Ein Zuspruch, aber auch ein Anspruch. Wie bei der Stillen Post gilt es, seine Botschaft von der Liebe Gottes weiterzugeben. Christus traut uns eine Menge zu.

Wie muss mein Reden beschaffen sein, damit mich die Menschen in einem weitgehend säkularisierten Umfeld verstehen können? Worin liegt meine Verantwortung für ihr Hören? Meine Rede von Christus muss hörbar sein. Sie muss verständlich sein und ausgehen von den Fragen und Nöten der Menschen in ihren verschiedenen Lebenslagen. Keine Fremdsprache, keine Antworten auf Fragen, die keiner stellt.In Christus ist Gott in unsere Welt gekommen. Er will hörbar sein. Um unseretwillen. Er hat sich nicht abgegrenzt, sondern ist zu den Zöllnern und Sündern und Ungläubigen gegangen. Hat ihre Sprache gesprochen, um gehört zu werden. Christi Auftrag ist Zuspruch und Anspruch. Als Christ habe ich einen Auftrag in dieser Welt: den Menschen die Liebe Gottes zu verkündigen. Klar. Verständlich. Hörbar. Dafür braucht es als stillen Übersetzer den Heiligen Geist und manchmal auch den Mut, sich nicht mit dem eigenen Reden zu begnügen, sondern auf das Hören und Verstehen des Gegenübers zu achten. Damit, wer uns hört, Christus hört.

Ramón Seliger, Vikar in Weimar

Ein ganz besonderes Geschenk

9. April 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannes 10, Vers 11.27.28

Eine Schachtel steht vor dir. Sie glänzt golden und sieht alt aus – auch ein wenig geheimnisvoll. Wie ein Geschenk. Bist du neugierig? Nimm den Deckel ab und schau hinein! Darin ist das ganze Leben: Groß und weit liegt es vor dir. Grün und frisch wie der Frühling. Saftiges Gras, blühende Bäume und duftende Blumen. Wege, die du gehst und Arbeit, die du tust. Kühles Wasser zum Ausruhen und Kraft schöpfen. Auch holprige Steine sind da und dunkle Schluchten, durch die du hindurchmusst. Und schließlich: ein sicherer Ort, an dem du geborgen bist. All dies ist in deiner goldenen Schachtel.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

Es lebt ein Mensch, der so besondere Dinge tut, dass die anderen ihn fragen: Wer bist du? Und einmal antwortet er ihnen: Ich bin der gute Hirte. Ich kümmere mich um die Schafe. Ich führe sie aus dem Stall auf die Weide und zeige ihnen das frische Wasser. Und ich führe sie nach Hause und bringe sie in Sicherheit. Ich kenne meine Schafe und sie hören meine Stimme und folgen mir nach.

Auch dieser besondere Mensch gehört zu deiner goldenen Schachtel. Und wenn du dich manchmal fragst, warum das alles so sein muss, dann frag ihn! Frag den Menschen, der so besonders ist, dass wir immer wieder fragen: Wer bist du? Und dann antwortet er: Ich bin dein guter Hirte. Wenn eines meiner Schafe verloren geht, wenn es sich verirrt zwischen den Steinen oder in den Schluchten, dann suche ich es. Ich gehe los und suche dich solange, bis ich dich gefunden habe. Und dann bringe ich dich nach Hause.

Steht die goldene Schachtel noch vor dir? Nimm sie mit und räum ihr einen Ehrenplatz ein in deinem Herzen. Sie ist ein Geschenk! Ein ganz besonderes, denn du kannst es nicht einfach im Laden kaufen. Es hat schon auf dich gewartet. Es war schon immer da. Schon bevor du geboren wurdest. Für dich. Und der Deckel steht offen.

Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda

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