Inklusion? Das ist doch ganz normal!

5. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Maximilian Zabel aus den Werkstätten der Stadtmission Halle trainiert mit Nichtbehinderten bei Turbine Halle und ist dort völlig gleichberechtigt.

Maximilian Zabel dreht gern kleine Videos mit dem Handy, bringt Hund Enna Kunststücke bei und bolzt mit Bruder Jonas auf der Wiese vor dem Haus. Seine größte Leidenschaft aber ist das Speed-Skating. Er hat bereits erstaunliche Erfolge in der Sportart auf den schnellen Rollen erzielt, Medaillen, Pokale und Urkunden eingeheimst. Jede Woche trainiert er zweimal bei Turbine Halle mit Marvin und Noel aus dem Elisabeth-Gymnasium, mit Annika, Julia, Moritz und weiteren Jugendlichen. Doch während die anderen morgens zur Schule gehen, fährt Max – wie alle ihn nennen – mit dem Behindertentransport nach Oppin im Saalekreis in die Behindertenwerkstätten der Stadtmission Halle. Der 19-Jährige, der zuvor eine Schule für Geistigbehinderte in Halle besucht hat, ist dort seit Anfang September tätig.

Nur eine Auswahl seiner Medaillen zeigt der junge Sportler Maximillian Zabel, der in den Werkstätten der Halleschen Stadtmission arbeitet. Foto: Claudia Crodel

Nur eine Auswahl seiner Medaillen zeigt der junge Sportler Maximillian Zabel, der in den Werkstätten der Halleschen Stadtmission arbeitet. Foto: Claudia Crodel

Die Behindertenwerkstätten der Stadtmission legen viel Wert auf Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Zum Beispiel gibt es jährlich ein integratives Fußballturnier und das Open Air Festival »Rock an der Halde« in Johannashall. Doch während dort Nichtbehinderte zu den Behinderten kommen, um gemeinsam etwas zu erleben, ist das bei Max’ sportlicher Betätigung etwas anders.

Das Speed-Skating hatte Max im Alter von elf Jahren für sich entdeckt. Seine Pflegemutter ging damals auf Trainerin Petra Strüver zu und fragte, ob sie auch Kinder wie Maximilian unter ihre Fittiche nehmen würde. Für Petra Strüver war das kein Problem. »Bei uns kann jeder mitmachen, ob er dick ist oder dünn, egal wo er herkommt, aus welchen sozialen Verhältnissen er stammt oder was auch immer«, so lautet die Devise der Trainerin. Für sie ist am Sport wichtig, dass er verbindet und man in der Gruppe voneinander lernt. Jeder wird als Person gesehen und ist gleichberechtigt. »Max war der Erste mit einer geistigen Behinderung bei uns. Mittlerweile sind noch zwei Mädchen dazugekommen. Mandy, die mit in der Gruppe von Max trainiert, und Emilia, die in einer anderen Trainingsgruppe untergekommen ist«, erläutert die engagierte Trainerin. Natürlich sei es so, dass diese Jugendlichen bestimmte Dinge nicht wissen, taktische Sachen nicht kalkulieren können und dass man vieles anders erklären muss, aber das sei kein Problem.

Und was sagen die anderen aus Maximilians Trainingsgruppe? »Inklusion?«, fragt der 14-jährige Noel und schaut skeptisch. »Dass Max mit uns trainiert, das ist doch ganz normal!«, findet er. »Wir wissen, dass Max ein bisschen anders tickt. Aber es funktio­niert ja. Wenn wir ihm etwas sagen, dann macht er das auch, bei der Staffel beispielsweise. Umgekehrt sagt Max auch, wenn er was will. Und mit den anderen Jungs unterhält er sich auch über ganz alltägliche Sachen«, meint die 18-jährige Annika, die schon im Verein war, als Max vor acht Jahren dazustieß.

Maximilian hat sportlich viel drauf, ist so gut in seiner Sportart, dass er bei Special Olympics, den Sportwettkämpfen für geistig behinderte Menschen, auf nationaler Ebene allen voraus ist. International – er war sogar bei der Weltmeisterschaft in Los Angeles – hat er natürlich mehr Konkurrenz. Doch auch von dort kam er mit zwei Medaillen zurück. Zudem ist Maximilian Athletensprecher des Landes Sachsen-Anhalt bei Special Olympics. Und auch an Wettkämpfen mit Nichtbehinderten nimmt er erfolgreich teil, in der Breitensport- und Fitnessklasse. »Oftmals wissen die anderen Teilnehmer dort gar nicht, dass Max behindert ist«, sagt Trainerin Petra Strüver.

Claudia Crodel

Theaterstück »Das Ehrenmal«

6. Mai 2015 von redaktionguh  
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Gütz: Schüler erinnern an Pfarrer Karl Hüllweck, der vor 110 Jahren geboren wurde

Wenn die Kirche in Gütz bei Landsberg (Kirchenkreis Halle-Saalkreis) am 9. Mai zu einem Gottesdienst aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs einlädt, dann ist das nicht nur auf dieses historische Datum bezogen, sondern auch noch in anderer Hinsicht etwas Besonderes. Erinnert wird zugleich an einen Pfarrer, der in Gütz predigte und dessen Geburtstag sich nur wenige Tage später, am 13. Mai, zum 110. Mal jährt. Dabei handelt es sich um Karl Hüllweck (1905–1994), der 1939 nach Gütz kam und dort bis 1945 Pfarrer war, bevor er eine Pfarrstelle an St. Jakob in Köthen übernahm, die er bis zum Ruhestand 1970 innehatte.

Schülerinnen der neunten Klassen des Landsberger Gymnasiums bei einer Probe. Foto: Claudia Crodel

Schülerinnen der neunten Klassen des Landsberger Gymnasiums bei einer Probe. Foto: Claudia Crodel

Karl Hüllweck begann seine Laufbahn als Pfarrer 1932. Im Jahr darauf kam mit dem Nationalsozialismus auch die Zeit des Kirchenkampfes. Hüllweck trat der Bekennenden Kirche bei, eine Haltung, die typisch für seinen von Grund auf ehrlichen Charakter war. In Gütz wohnte er mit seiner Frau Lisbeth und den vier Töchtern im Pfarrhaus. »In dieser Zeit genoss er wohl den Schutz des damaligen Landsberger Superintendenten«, sagt Friedrich Brinkmann vom Förderkreis Gützer Kirche.

Der Kirchenförderverein entdeckte Hüllweck jetzt wieder und das aus einem bestimmten Grund: »Hüllweck begann in seiner Köthener Zeit auch zu schreiben«, erzählt Brinkmann. Im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit Kriegserlebnissen, der Schuldfrage und den menschlichen Leiden entstand ein Antikriegsdrama mit dem Titel »Das Ehrenmal«, das sich mit dem Barlach-Mahnmal im Magdeburger Dom beschäftigt. Dieses wiederentdeckte Drama wird im Gottesdienst am 9. Mai aufgeführt (13 Uhr). Schüler aus dem Religionskurs der neunten Klassen des Landsberger Gymnasiums um Lehrerin Konstanze Gey sowie einige Schüler aus anderen Klassenstufen studieren es ein und erfahren so auf besondere Weise etwas über die Schrecken des Krieges und das Leiden der Menschen. Statt normalem Unterricht im Fach Religion steht seit Ende Februar zum Teil die Arbeit am Theaterstück auf dem Stundenplan.

Am 1. April nahmen die Gymnasiasten die Kirche, in der Hüllweck einst tätig war und in der sie das Stück aufführen werden, in Augenschein. Wo soll die Leinwand aufgestellt, wo der Beamer platziert und wie soll die Soundtechnik eingesetzt werden? Wie treten die mitspielenden Personen auf? Schnell merkten die jungen Leute, dass der Altarraum als Bühne ganz anders ist als der Klassenraum, in dem sie bislang probten. Alle sind jedoch voll bei der Sache und entwickeln schnell eigene Ideen. Während die Jungen die technischen Probleme zu lösen versuchen, proben die Mädchen Szenen.

Rosa Bertz hat eine Hauptrolle übernommen. Sie spielt den Tod. »Ich habe mir diese Figur ausgewählt, weil ich dachte, die sei besonders anspruchsvoll«, sagt das Mädchen. Auch die anderen wie Lena Knopf und Helene Kleiber, die nur kleine Rollen spielen und die Gestaltung des Programmhefts in der Hand haben, finden die Arbeit am Stück sehr interessant, vor allem weil es von einem Pfarrer stammt, der mehrere Jahre in Gütz war und stets seine ehrliche Haltung bewahrte. Junge Musiker der Kreismusikschule »Carl Loewe« gestalten den Gottesdienst am 9. Mai aus. Zudem werden Nachkommen Karl Hüllwecks erwartet, die weitere Texte und Gedichte des Pfarrers vortragen werden.

Claudia Crodel

In Magdeburg gibt es am 10. Mai einen musikalisch-literarischen Gottesdienst zum 110. Geburtstag Karl Hüllwecks (St. Briccius in Cracau, 10 Uhr), in dem das Stück zum Barlach-Mahnmal im Mittelpunkt steht.

Verstärkung im Kloster

14. November 2012 von redaktionguh  
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Auf dem Petersberg leben jetzt auch Schwestern der Communität Christusbruderschaft

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden Ende Oktober im Kloster Petersberg die neuen Bewohner der Communität Christusbruderschaft Selbitz willkommen geheißen. Genauer gesagt, handelt es sich um Bewohnerinnen, denn die Schwestern Christa Grau, Edith Ries und Martha Fischer haben den früheren Gästeblock bezogen und bilden einen eigenen Konvent. Zudem führte der Regionalbischof des Sprengels Halle-Wittenberg, Johannes Schneider, Bruder Johannes Wohlgmuth in das Amt des Priors ein.

Bisherige Bewohner der Communität und neue Bewohnerinnen im Garten an der Stiftskirche (von li.): Bruder Markus, Schwester Edith, Schwester Martha, Bruder Johannes und Schwester Christa Foto: Claudia Crodel

Bisherige Bewohner der Communität und neue Bewohnerinnen im Garten an der Stiftskirche (von li.): Bruder Markus, Schwester Edith, Schwester Martha, Bruder Johannes und Schwester Christa Foto: Claudia Crodel

Über die Verstärkung im Kloster ist Bruder Johannes Wohlgemuth sichtlich froh. Dort war es in den vergangenen Wochen stiller geworden. Denn Bruder Lukas Haltiner wechselte nach Thüringen. In der diakonischen Einrichtung »Heimstätte Kloster Zella« bei Mühlhausen, die Altenpflege und betreutes Wohnen anbietet, besteht jetzt auch ein Projektkonvent der Communität Christusbruderschaft. Bruder Lukas lebt dort zusammen mit vier Männern, die sich in einem »Kloster auf Zeit« neu orientieren wollen. Und Bruder Andreas Ding hat den Petersberg in Richtung Selbitz verlassen, wo er das Noviziat leiten wird.

Die Neuankömmlinge sind erst kurze Zeit im Kloster Petersberg, doch haben sie schon viele Eindrücke gewonnen. »Es hat mich sehr beeindruckt, wie viele Menschen auf den Petersberg kommen, obwohl der ja ein wenig abgelegen ist. Sie suchen diesen Berg auf und die Stiftskirche, um die Atmosphäre zu spüren und zu Gott zu finden«, sagt Schwester Edith Ries. Dieses große Interesse war für sie überraschend. Im Hunsrück aufgewachsen, hat sie über die Jugendarbeit in Stuttgart und ein freiwilliges Jahr bei der Communität Christusbruderschaft in Selbitz zu ihrer Berufung gefunden. In den vergangenen Jahren lebte sie im Konvent in Magdeburg, der aufgelöst ist. Ihr ist es ein großes Anliegen, für Menschen da zu sein.

Gastfreundschaft leben

Darauf freut sich auch Schwester Christa Grau. »Gastfreundschaft leben«, möchte sie auf dem Petersberg. Aber nicht nur das. Auch die Seelsorge ist ihr ans Herz gewachsen und die geistliche Begleitung. Vor 40 Jahren, mit 22, sei sie zur Communität gekommen. Aus Erlangen stammend, hatte sie zunächst ein Studium der Sozialpädagogik begonnen. »Das war in den 1970er Jahren. Die damaligen politischen Unruhen, haben bei mir sehr die Frage nach dem Sinn des Lebens aufgeworfen«, blickt sie zurück. So habe sie Gottes Führung als das Wichtigste in ihrem Leben erkannt. Bevor sie auf den Petersberg kam, war sie viele Jahre im Gästehaus in Selbitz tätig.

Ebenfalls direkt aus Selbitz, allerdings vom Ordenshaus, ist Schwester Martha Fischer in den Saalekreis gekommen. Mit 26 eingetreten, ist sie bereits 46 Jahre Mitglied in der Communität. Sie hatte einst über eine Rüstzeit für Mädchen die Christusbruderschaft kennengelernt und »einen inneren Anruf von Gott gespürt«.

Alle drei Schwestern wollen mit den beiden Brüdern weiterführen, was vor 13 Jahren mit dem Einzug der Communität auf dem Petersberg begann: Gottesdienste feiern und zu Einkehrtagen einladen, um nur einiges zu nennen. Da sie zudem gern wandern, wollen die Schwestern im nächsten Jahr Pilgertage mit täglichen Wanderungen anbieten. Überdies sind ihnen zu den Tagzeitengebeten Gäste herzlich willkommen.
Claudia Crodel