Auf dem Weg des Zusammenwachsens

25. November 2014 von redaktionguh  
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Nachgefragt: Drei Mitglieder der ersten EKM-Synode ziehen am Ende der Legislatur Bilanz

Vom 19. bis 22. November kommt die erste Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zu ihrer letzten Tagung zusammen. »Glaube + Heimat« befragte drei Synodale, was sie vor sechs Jahren motivierte, Mitglied des gemeinsamen »Kirchenparlaments« zu werden, auf welche Entwicklungen und Erfahrungen sie zurückblicken und worauf die Landeskirche künftig ihre Kraft und ihr Engagement richten sollte.

Ich bin seit 23 Jahren Pfarrerin in der Altmark. Als die Anfrage für die Mitarbeit in der Landessynode kam, habe ich mich gern zur Wahl gestellt und bin als Vertreterin des pfarramtlichen Dienstes gewählt worden. Ich habe meine Erfahrungen aus der Gemeindearbeit und auch aus kreiskirchlichen Verantwortungen in die Landessynode eingebracht.

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg, Kirchenkreis Stendal.

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg, Kirchenkreis Stendal.

Sehr gespannt war ich auf die Synodalen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen und aus den doch ganz verschiedenen Regionen unserer Landeskirche von Arendsee bis Sonneberg. Der Dialog mit ihnen hat auch meine Arbeit vor Ort bereichert. Ich denke, wir sind in den vergangenen sechs Jahren ein gutes Stück zusammengewachsen, auch wenn es ganz unterschiedliche Traditionen gibt. »Als Gemeinde unterwegs« zog sich wie ein Leitgedanke durch unsere Tagungen. Auf diesem Weg haben wir ermutigende, manchmal auch enttäuschende Erfahrungen gemacht. Manche Entscheidungen wurden mühsam errungen, andere einstimmig getroffen. Besonders die Tätigkeit im Theologischen Ausschuss war mir wichtig. Mit unseren unterschiedlichen Hintergründen haben wir miteinander diskutiert und einen gemeinsamen Weg gesucht. Das war trotz aller Geschwisterlichkeit nicht immer einfach.

Die Arbeit der Gemeinden vor Ort im Blick zu behalten, sehe ich als eine besonders wichtige Aufgabe auch für die neue Landessynode, der ich allerdings nicht mehr angehören werde. Die gemeinsame Zeit war für mich eine sehr stärkende Erfahrung.

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Ulrike Rynkowski-Neuhof ist Professorin für Gesang und Stimmbildung an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Ulrike Rynkowski-Neuhof ist Professorin für Gesang und Stimmbildung an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Das war damals keine leichte Entscheidung, und ich habe mich im Vorfeld mit Freunden, Kollegen und sogar mit einigen meiner Studierenden beraten. Sie haben mir alle zugeredet, mich auf diese Weise zu engagieren. Und für mich war es in erster Linie ein Gefühl von Verantwortlichkeit für »meine Kirche«, in die ich mich trotz sehr knapper Freizeit nach Kräften einbringen wollte. Als Professorin der Musikhochschule schlägt natürlich mein Herz in besonderem Maße für die Kirchenmusik in unserer Landeskirche.

Ich zolle den vielen ehrenamtlichen Gemeindegliedern meinen besonderen Respekt für ihr großes und un­eigennütziges Engagement, ohne das Gemeindeleben gar nicht zu denken wäre. Und ich habe allerdings auch erfahren, dass für mich selbstverständliche Dinge »bei Kirchens« manchmal länger dauern.

Worauf die Landeskirche ihre Kraft und ihr Engagement setzen sollte, lässt sich schwer so verkürzt darstellen. Die Basis ist erst einmal eine gute, es beginnen die früheren Landeskirchen Thüringen und die Kirchenprovinz Sachsen in einer gemeinsamen mitteldeutschen Kirche zusammenzuwachsen. Es wird weiter der Anpassung bedürfen, ohne zu sehr zu vereinheitlichen. Qualitätvolle Kirchenmusik in unterschiedlichster Form, Jugendarbeit, Ökumene, die Thematik der Gleichstellung, die Darstellung oder besser noch die deutliche Positionierung unserer Kirche in der Gesellschaft, das wären einige der Zielrichtungen, die ich mir denken könnte.

Als ich 2002 in die zehnte und letzte Thüringer Landessynode gewählt und nach meiner Motivation gefragt wurde, nannte ich gegenüber »Glaube + Heimat« – schon mit Blick auf eine Föderation mit der damaligen Kirchenprovinz Sachsen – drei mir wichtige Schwerpunkte: die Gemeindesicht, das Bekenntnis und die Ökumene. Alle drei Themen sind mir weiter wichtig geblieben, und es gab Zeiten, da war mal mehr das eine, mehr das andere dran. Für mich gehören die drei Felder aber zusammen.

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Sabine Bujack- Biedermann ist Redakteurin bei der Ostthüringer Zeitung in Saalfeld.

Sabine Bujack- Biedermann ist Redakteurin bei der Ostthüringer Zeitung in Saalfeld.

Wirklich zufrieden wäre ich, wenn es uns gelungen wäre, den Gemeinden die Notwendigkeit und die Vorteile der Fusion zur EKM besser zu verdeutlichen. Leider wird sie dort mehr als Sparrunde und Bürokratie wahrgenommen, denn als Chance, mit weniger Gemeindegliedern und weniger Mitteln Neues zu gestalten. Der Gemeindekongress in Halle, der aus unserem Synodenthema »Als Gemeinde unterwegs« erwachsen ist, hat dazu ermutigende, kreative Möglichkeiten gezeigt.

Als Gemeindeglied aus dem Süden der EKM wünsche ich mir, dass es weiter solche Begegnungsmöglichkeiten für die gesamte Landeskirche wie zum Gemeindekongress gibt. Auch Bildung sollte unser ureigenes protestantisches Thema bleiben – mit einem klaren Profil. Außerdem halte ich es für unser christliches, ökumenisches Gebot, uns bei der Betreuung der Flüchtlinge zu engagieren, uns für Frieden ohne Waffen einzusetzen, unseren Reichtum nicht auf Kosten unserer Nachkommen und nicht so wohlhabenden Nachbarn zu mehren, sondern zu teilen.

Mitbewohner und nicht nur Festtagsgast

25. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14a

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg.

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg.

Es steht vor der Tür – das Wort. Es klopft leise an – das Wort. Es will gehört werden – das Wort. Ich öffne, bin erwartungsvoll, vorbereitet und dann doch sehr überrascht.

Zu Weihnachten wird es häufig an unseren Türen klopfen oder klingeln. Besuch steht vor der Tür. Erwarteter Besuch nach langer Zeit. Vielleicht kommt aber auch ein ganz überraschender Gast. Bin ich vorbereitet? Was erwartet mich? Wie wird die Begegnung verlaufen? Kommen gute Gespräche zustande oder wird es anstrengend? Ich lasse meinen Besuch gern ein, gebe ihm Wohnung auf Zeit, meiner Familie, denen aus der Ferne und den Freunden aus der Nähe.

Tischgemeinschaft, neue Nachrichten, natürlich auch Geschenke und gutes Essen. Aber da klopft es noch einmal an der Tür – das Wort – es klopft leise, es will gehört werden – das Wort – ich öffne und lasse seine Botschaft ein: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lukas 2,10–12)

Das Wort nimmt Gestalt an. Gott wird begreifbar, wird einer von uns, lebt mitten unter uns und lässt sich spüren. Er kommt in unsere Zeit, in unsere Welt und ist doch höher als unsere Vernunft und unser Begreifen. Wir können seine Herrlichkeit sehen.

Er will bei uns wohnen, nicht nur als Festtagsgast, sondern als unser Mitbewohner. Lassen wir ihn ein, wenn er klopft, ganz leise, und gehört werden will. Geben wir ihm Raum, Herberge, Wohnung in uns.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest mit vertrauten Menschen und auch überraschenden Gästen. Vor allem wünsche ich Ihnen gute Begegnungen mit Gottes Wort, das unter uns und in uns wohnen will.

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Das Gebet als Lebenshaltung

18. Februar 2011 von redaktionguh  
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Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9, Vers 18

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Was muss ich denn noch alles machen, damit es endlich besser wird? Mir geht die Luft aus. Ich packe das nicht mehr. Die Anforderungen zerreißen mich. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe keine Kraft mehr.

So oder ähnlich geht es nicht wenigen Menschen neben uns und manchmal auch uns selbst. Und dann der Ruf: Ich hebe meine Augen auf zu den ­Bergen, woher kommt mir Hilfe? Der Beter des 121. Psalms kennt die Antwort: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Doch wie kann ich diese Erkenntnis für mich selbst gewinnen. Woher kommt mir Hilfe?

Der Prophet Daniel nimmt dafür eine für uns sehr vertraute Lebenshaltung ein: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet. Das Gebet als Lebenshaltung kann uns selbst unseren Weg zeigen. Ob nun im ­Liegen oder Stehen, im Sitzen oder Gehen, gebeugt, erschüttert, begeistert, allein oder in der Gemeinschaft, auf dem Weg, in einer Kirche oder an ­welchem Ort auch immer.

Diese Lebenshaltung kann für uns der Weg zum Leben sein. Sie bringt unsere Bitten vor den, der uns hält und uns trägt. Diese Lebenshaltung fordert nicht irgendeine Leistung von uns. Das Gebet braucht nur uns selbst, unser Vertrauen auf den, der uns führt.

Die Wege, auf die wir dann gelangen, sind nicht unsere, sondern Seine Wege. Sie sind manchmal überraschend, manchmal erstaunlich, aber zuweilen auch schmerzlich, denn Seine Wege sind höher als unsere Vernunft, als unser Begreifen und übersteigen zuweilen auch unsere Vorstellungskraft.

Wir können uns Ihm überlassen und werden Wege geschenkt bekommen, von denen wir heute nicht einmal träumen.

Wege zum Leben, geschenkte Wege, die wir nicht selbst ebnen müssen, sondern die uns der Barmherzige schenkt. Gott sei Dank.

Claudia Kuhn

Und großes Staunen erfüllt die Seele

23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Psalm 48,11

Zum Gotteslob in seiner ganzen Größe sind wir gerufen. Einzustimmen in den Lobpreis bis an der Welt Enden. Haben Sie das in diesem Sommer vielleicht auch schon an einem besonderen Ort ­getan? Auf dem Gipfel eines Berges, wo man sich dem Himmel ein Stück näher fühlt, die Wolken zu fassen sind und die sonst so großen Dinge klein ­erscheinen.

Oder standen Sie am Meeresufer mit dem Blick über die Weiten des Wassers und am Horizont das scheinbare Ende, Weitblick ohne Ablenkung, und der Wind bläst einem ins Gesicht. Die Gedanken werden frei. Unser menschliches Auge scheint die Grenzen der Erde zu erfassen und großes Staunen erfüllt die Seele.
Gott, du erfüllst das All. Wo ich sitze oder stehe, wo ich liege oder gehe, bist du, Gott, bei mir, wo auch immer ich bin. Auf dem Gipfel der Berge oder am Rand des großen Meeres. Ich brauche solche Momente in den Engen des Alltags, in den Engen meiner Gedanken.

Claudia Kuhn

Claudia Kuhn

Und dann trete ich ein in einen großen Dom, ­einen Ort, an dem meine Gebete zu dir aufsteigen können. Einen Ort, an dem schon Menschen über Generationen deine Nähe gesucht haben und ­suchen und wo Himmel und Erde sich berühren. ­Einen Ort, wo dein Wort erklingt und mir deine Größe und Gerechtigkeit immer wieder aufs Neue vor Augen führt und eine große Sehnsucht wach wird nach deiner Gerechtigkeit in einer Welt voller Grenzen, voller Enge, voller Kleinheiten.
Die Sehnsucht, einen Weg mit Ihm zu gehen,  sich von Ihm begeistern zu lassen oder wie es der Psalm 48 am Ende ausdrückt: Ziehet um Zion herum und umschreitet es, zählt seine Türme; habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt: Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg