Mitbewohner und nicht nur Festtagsgast

25. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14a

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg.

Claudia Kuhn ist Pfarrerin in Osterburg.

Es steht vor der Tür – das Wort. Es klopft leise an – das Wort. Es will gehört werden – das Wort. Ich öffne, bin erwartungsvoll, vorbereitet und dann doch sehr überrascht.

Zu Weihnachten wird es häufig an unseren Türen klopfen oder klingeln. Besuch steht vor der Tür. Erwarteter Besuch nach langer Zeit. Vielleicht kommt aber auch ein ganz überraschender Gast. Bin ich vorbereitet? Was erwartet mich? Wie wird die Begegnung verlaufen? Kommen gute Gespräche zustande oder wird es anstrengend? Ich lasse meinen Besuch gern ein, gebe ihm Wohnung auf Zeit, meiner Familie, denen aus der Ferne und den Freunden aus der Nähe.

Tischgemeinschaft, neue Nachrichten, natürlich auch Geschenke und gutes Essen. Aber da klopft es noch einmal an der Tür – das Wort – es klopft leise, es will gehört werden – das Wort – ich öffne und lasse seine Botschaft ein: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lukas 2,10–12)

Das Wort nimmt Gestalt an. Gott wird begreifbar, wird einer von uns, lebt mitten unter uns und lässt sich spüren. Er kommt in unsere Zeit, in unsere Welt und ist doch höher als unsere Vernunft und unser Begreifen. Wir können seine Herrlichkeit sehen.

Er will bei uns wohnen, nicht nur als Festtagsgast, sondern als unser Mitbewohner. Lassen wir ihn ein, wenn er klopft, ganz leise, und gehört werden will. Geben wir ihm Raum, Herberge, Wohnung in uns.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest mit vertrauten Menschen und auch überraschenden Gästen. Vor allem wünsche ich Ihnen gute Begegnungen mit Gottes Wort, das unter uns und in uns wohnen will.

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Das Gebet als Lebenshaltung

18. Februar 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9, Vers 18

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg

Was muss ich denn noch alles machen, damit es endlich besser wird? Mir geht die Luft aus. Ich packe das nicht mehr. Die Anforderungen zerreißen mich. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe keine Kraft mehr.

So oder ähnlich geht es nicht wenigen Menschen neben uns und manchmal auch uns selbst. Und dann der Ruf: Ich hebe meine Augen auf zu den ­Bergen, woher kommt mir Hilfe? Der Beter des 121. Psalms kennt die Antwort: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Doch wie kann ich diese Erkenntnis für mich selbst gewinnen. Woher kommt mir Hilfe?

Der Prophet Daniel nimmt dafür eine für uns sehr vertraute Lebenshaltung ein: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet. Das Gebet als Lebenshaltung kann uns selbst unseren Weg zeigen. Ob nun im ­Liegen oder Stehen, im Sitzen oder Gehen, gebeugt, erschüttert, begeistert, allein oder in der Gemeinschaft, auf dem Weg, in einer Kirche oder an ­welchem Ort auch immer.

Diese Lebenshaltung kann für uns der Weg zum Leben sein. Sie bringt unsere Bitten vor den, der uns hält und uns trägt. Diese Lebenshaltung fordert nicht irgendeine Leistung von uns. Das Gebet braucht nur uns selbst, unser Vertrauen auf den, der uns führt.

Die Wege, auf die wir dann gelangen, sind nicht unsere, sondern Seine Wege. Sie sind manchmal überraschend, manchmal erstaunlich, aber zuweilen auch schmerzlich, denn Seine Wege sind höher als unsere Vernunft, als unser Begreifen und übersteigen zuweilen auch unsere Vorstellungskraft.

Wir können uns Ihm überlassen und werden Wege geschenkt bekommen, von denen wir heute nicht einmal träumen.

Wege zum Leben, geschenkte Wege, die wir nicht selbst ebnen müssen, sondern die uns der Barmherzige schenkt. Gott sei Dank.

Claudia Kuhn

Und großes Staunen erfüllt die Seele

23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Psalm 48,11

Zum Gotteslob in seiner ganzen Größe sind wir gerufen. Einzustimmen in den Lobpreis bis an der Welt Enden. Haben Sie das in diesem Sommer vielleicht auch schon an einem besonderen Ort ­getan? Auf dem Gipfel eines Berges, wo man sich dem Himmel ein Stück näher fühlt, die Wolken zu fassen sind und die sonst so großen Dinge klein ­erscheinen.

Oder standen Sie am Meeresufer mit dem Blick über die Weiten des Wassers und am Horizont das scheinbare Ende, Weitblick ohne Ablenkung, und der Wind bläst einem ins Gesicht. Die Gedanken werden frei. Unser menschliches Auge scheint die Grenzen der Erde zu erfassen und großes Staunen erfüllt die Seele.
Gott, du erfüllst das All. Wo ich sitze oder stehe, wo ich liege oder gehe, bist du, Gott, bei mir, wo auch immer ich bin. Auf dem Gipfel der Berge oder am Rand des großen Meeres. Ich brauche solche Momente in den Engen des Alltags, in den Engen meiner Gedanken.

Claudia Kuhn

Claudia Kuhn

Und dann trete ich ein in einen großen Dom, ­einen Ort, an dem meine Gebete zu dir aufsteigen können. Einen Ort, an dem schon Menschen über Generationen deine Nähe gesucht haben und ­suchen und wo Himmel und Erde sich berühren. ­Einen Ort, wo dein Wort erklingt und mir deine Größe und Gerechtigkeit immer wieder aufs Neue vor Augen führt und eine große Sehnsucht wach wird nach deiner Gerechtigkeit in einer Welt voller Grenzen, voller Enge, voller Kleinheiten.
Die Sehnsucht, einen Weg mit Ihm zu gehen,  sich von Ihm begeistern zu lassen oder wie es der Psalm 48 am Ende ausdrückt: Ziehet um Zion herum und umschreitet es, zählt seine Türme; habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt: Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.

Claudia Kuhn, Pfarrerin in Osterburg