Szene einer Kindheit

20. April 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Mansfeld: Beim Fest »Luthers Einschulung« wurden neue Kirchenfenster eingeweiht

Am vergangenen Sonnabend sah die Grafenloge in der Mansfelder Kirche St. Georg viele Besucher. Nach dem Gottesdienst zum Fest »Luthers Einschulung« rückten sie an, um die beiden neuen, gerade in den Dienst der Gemeinde gestellten Fenster dort aus der Nähe anzusehen. Die Motive sind Stadtgeschichte, eines bezieht sich auf Martin Luther: Nicolas Oemler trägt 1488 den kleinen Martin auf seinen Schultern in die von ihm so gefürchtete Schule. Im Hintergrund ist die feste Grafenburg zu sehen. Das zweite Bild zeigt Mansfelder Persönlichkeiten: den Naturforscher Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864), die Diakonisse Berta Israel, die von 1952 bis 1977 in der Stadt wirkte, und den Pfarrer und Chronisten Cyriakus Spangenberg (1528–1604), der 1562 die Mansfelder Luthermemoria initiierte. Der Künstler Julian Plodek (Leipzig) gestaltete sie in einem speziellen Rasterverfahren. Von Thomas Kuzio (Sommersdorf) stammen die beiden abstrakten, farbigen Fenster im Altarraum der Kirche.

Mädchen und Jungen der Evangelischen Grundschule Hettstedt gestaltetet den Gottesdienst zu »Luthers Einschulung« mit einem Anspiel aus.Foto: Karsten Georgi

Mädchen und Jungen der Evangelischen Grundschule Hettstedt gestaltetet den Gottesdienst zu »Luthers Einschulung« mit einem Anspiel aus.Foto: Karsten Georgi

Seit 2004 wird in Mansfeld an den ersten Schultag Martin Luthers im Frühjahr 1488 erinnert. Die Kirchengemeinde und Partner richten das Fest aus. Neben Bühnenprogramm und Markttreiben gehören viele Angebote für Kinder dazu. Pfarrer Matthias Paul dankte allen, die über Monate an den Vorbereitungen beteiligt waren, aber nicht auf der Bühne stehen. Auch sie hätten wie die Künstler mit dazu beigetragen, dass Mansfeld allmählich aus dem Schlaf erwacht. Der Superintendent des Kirchenkreises Eisleben-Sömmerda, Andreas Berger, meinte, dass der junge Luther nicht habe ahnen können, wie prägend er später für die Schulen in Deutschland werden sollte. Berger nutzte die Gelegenheit, im Juni zu einem Schülerkirchentag nach Mansfeld einzuladen.

Die Predigerin im Gottesdienst am 11. April war die Luther-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann. Sie gratulierte der Kirchengemeinde zu den neuen Kunstwerken, von denen sie besonders das Fenster mit Martin und Nicolas berühre. »Es geht darum, dass Menschen uns tragen und begleiten im Leben. So kann Vertrauen wachsen statt Angst.« Wer einmal erlebt habe, dass andere großzügig mit einem umgehen, könne auch selber großzügig sein. Eine solche Erfahrung mache frei. »Ich muss mich gar nicht so sehr darum scheren, was andere von mir denken! Ich kann mich Gott anvertrauen. Gott weiß, wer ich bin.«

Angela Stoye