Gebet und Stärkung

26. August 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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500 chaldäische Christen bei Jugendkongress im Kloster Volkenroda

Abwun d´bwaschmaya ist Aramäisch und heißt »Vater unser im Himmel«. Vom 11. bis 16. August treffen sich jeden Abend 500 chaldäische Christen in einem Zelt oder im Christus-Pavillon, um dieses Gebet zu sprechen und Gottesdienst zu halten. Die jungen Frauen und Männer sind zum chaldäischen Jugendkongress ins Kloster Volkenroda (Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen) gekommen. Es ist die zweite derartige Zusammenkunft der jungen Chaldäer, deren Heimatland der Irak ist. Vor zwei Jahren trafen sie sich das erste Mal im Kloster Benediktbeuern in Oberbayern. In diesem Jahr kommen sie aus Holland, Frankreich, Belgien, England, Schweden, Österreich und Dänemark und aus den chaldäischen Gemeinden in Stuttgart, München und Essen. Younia Hilbert, Subdiakonin in der chaldäischen Gemeinde in Stuttgart, hilft, wo sie kann, als Dolmetscherin. Die Irakerin lebt seit 28 Jahren in Deutschland. Sie erzählt, dass die Jugendlichen eine ganze Woche lang im Kloster verbringen, um gemeinsam zu beten, thematisch zu arbeiten und aktuelle Themen zu besprechen. Die jungen Leute hatten zunächst Schwierigkeiten mit der Kultur und den fremden Sprachen in Europa. »Heute sind die meisten sehr gut integriert«, so Hilbert. Unter den Kongressteilnehmern sind auch zwölf Pfarrer, mehrere Diakone und Bischof Ramzi Garmo. Der Geistliche, der seit 37 Jahren seinen Bischofssitz in der iranischen Hauptstadt Teheran hat, ist der apostolische Visitator für die Chaldäer in Europa.

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Die jungen chaldäischen Christen und ihre Pfarrer fühlen sich wohl im Kloster Volkenroda. Fotos (2): Gregor Mühlhaus

Der höchste Würdenträger der chaldäischen Christen weltweit, Patriarch Luis Raphael I. Sako, ist im Irak geblieben. »Wegen der unbeschreiblich entsetzlichen Situation im Norden des Landes«, wie Younia Hilbert sagt. Er will seinen Glaubensschwestern und -brüdern dort Mut machen und Hoffnung geben.

Und das hat seinen besonderen Grund. Seit Monaten gehen schwer bewaffnete radikale Fundamentalisten in der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul brutal gegen Christen vor. »Die Islamisten, der IS (Islamischer Staat) haben schon mehr als 100 000 chaldäische Christen vertrieben«, sagt Hilbert. »In der Stadt Mossul herrscht wieder ein Kalif.« Die islamistischen Fundamentalisten geben den Christen in Mossul ein Ultimatum von zwölf Stunden, um zum Islam zu konvertieren. Dann könnten sie in ihrer Heimat bleiben. »Eine zweite Möglichkeit besteht darin«, erläutert Younia Hilbert, »dass sich die Christen bereit erklären, einen Tribut zu zahlen, eine Art Sondersteuer. Weigert man sich, auf eine der beiden Möglichkeiten einzugehen, wird man durch das Schwert geköpft.«

Sie erzählt von schrecklichen Fotos, auf denen die Fundamentalisten die Köpfe an Wänden aufgehängt hätten. »Der restliche Teil der Leiche wird hinter Autos hergezogen. Christen werden in den Augen des IS als Sünder angesehen.« Die Menschen, die auf der Flucht sind, haben alles verloren. Die Mütter und Väter haben nur ihre Kinder bei der Hand genommen und ohne Hab und Gut ihre Heimat verlassen. Im Irak ist im Moment Hochsommer. Dort sind es nicht selten 50 Grad im Schatten.

Madian Kabro wohnt heute in Nürnberg und hat noch viele Verwandte im Irak. »Meine Eltern sind aus Mossul geflüchtet. Ich telefoniere oft mit ihnen. Meine siebzehnjährige Schwester Mirna ist mit auf der Flucht. Sie wollte vor Kurzem ihr Abitur machen. Das ist nun aber nicht möglich«, denkt die junge Frau an die letzten Wochen, die, wie sie sagt, »so schwer sind«.

Rabee Jacob gehört auch zu den Teilnehmern des Kongresses. Er hat gerade in Freiburg sein Theologiestudium abgeschlossen. »Die Milizen des IS im Irak kennzeichnen die Häuser der chaldäischen Christen mit einem arabischen Zeichen, das dem deutschen Buchstaben N entspricht. Das N bedeutet Nazarener und steht für Jesus von Nazareth. Wenn solch ein Zeichen an einem Haus prangt, müssen sich die Bewohner in kürzester Zeit entscheiden.«

Das Gespräch endet vorerst, weil es Abendessen gibt. Fünfzehn Frauen haben es für die 500 Jugendlichen vorbereitet. Gekocht haben sie ein beliebtes irakisches Gericht: Biryani – Reis, Gemüse, Hühnchen, Nudeln und Hackfleisch, abgeschmeckt mit irakischen Gewürzen. Auf dem Freigelände des Klosters, auf dem sich alle zum Essen niederlassen, steht ein großes Holzkreuz. »Das Kreuz hat einen sehr hohen Stellenwert bei uns«, sagt Younia Hilbert. »Jede Braut bekommt vor der Verlobung von der Familie des Bräutigams ein goldenes Kreuz geschenkt.«

Am Mittwoch feiern die jungen Chaldäer einen Gottesdienst im Christus-Pavillon, den Diözesanjugendpfarrer Timo Gothe aus Erfurt mit drei weiteren Priestern leitet. Der Erfurter Geistliche zeigt sich bestürzt und besorgt ob der aktuellen Situation im Nordirak. Volkenroda sei in diesen Tagen ein Ort der Freude, der Hoffnung und des Lebens für die Jugendlichen, so Gothe.

Gregor Mühlhaus

Stichwort: Chaldäisch-katholische Kirche

Der Jünger Jesu und Apostel Thomas gilt als Missionar im Iran. Er begründete der Legende nach die chaldäische Kirche, die demzufolge eine 2 000 Jahre alte Tradition aufzuweisen hat.

Die chaldäische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus. Bis heute ist Aramäisch, die Sprache Jesu, die Liturgiesprache.

Der chaldäisch-katholischen Kirche gehören etwa 3,5 Millionen Christen an (Stand 2010). Von den rund 200 Priestern wirken etwa die Hälfte im Irak, 20 betreuen die rund 160 000 katholischen Chaldäer in den USA. Etwa 18 000 leben in Frankreich.

Im ersten Jahrtausend waren die Christen die Mehrheit im Irak. Noch 2003 lebten hier 1, 5 Millionen Christen, 5 Prozent der Bevölkerung. Heute sind es nur noch 400 000.

Unzählige Christen sind momentan auf der Flucht vor der terroristischen IS-Miliz.


Das helle Licht der Hoffnung am Horizont

8. Februar 2014 von redaktionguh  
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Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Jesaja 60, Vers 2

Eine Zusage, die gut tut! Gott wird vom Propheten Jesaja mit seinem Glanz angekündigt. Gottes Nähe und seine Herrlichkeit ist bei den Menschen. Sie geht auf wie ein heller Schein.

In der vergangenen Woche, an einem Urlaubstag in Dänemark, hat mich früh die Sonne geweckt. Trotz des trüben Wetters in den letzten Tagen war es plötzlich leuchtend hell in dem kleinen Schlafraum. So konnte ich beim Blick aus dem Fenster einen traumhaften Sonnenaufgang ansehen und fotografieren.

Der rotglühende Himmel mit einem leuchtend gelben Sonnenstreifen ist ein Bild, das ich aus diesem Urlaub mitnehme. Die Erde ist noch von Dunkelheit umgeben. Das helle Leuchten hat den schwarzen Erdboden noch nicht erreicht. Von diesem Kontrast berichtet auch Jesaja. »Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker«, so heißt es weiter im Bibeltext. In der Geschichte Israels wechseln Gerichtsankündigungen und Heilszusagen. Nach Unheil und Gerichtspredigt wird immer wieder Gottes Verheißung verkündigt.

Horst Leischner, Pfarrer an der Jakobskirche in Köthen

Horst Leischner, Pfarrer an der Jakobskirche in Köthen

Irdische Geschichte und das himmlische Jerusalem bilden Gegensätze, die wir auch heute spüren und unter denen wir leiden. Oft verstehen wir die Welt nicht und können Unheil und Krieg nicht aufhalten.

Der Prophet Jesaja möchte mit seiner Heilsankündigung der Hoffnungslosigkeit seines Volkes und unserer entgegenwirken. Mit Herrlichkeit und Licht beginnt er seine Vision, mit der er dem Volk Israel neue Hoffnung geben möchte.

Für Gottes Zuwendung und seine Herrlichkeit brauchen wir Bilder. Gottes Herrlichkeit ist weit umfassender als ein Sonnenaufgang. Doch ein unerwartetes Leuchten kann uns an Gottes Größe erinnern. Darauf dürfen wir vertrauen, »dass Gott über uns aufgeht«. Mit seinem Licht und Glanz macht er unser Leben hell. Die Zusage von Gottes Herrlichkeit dürfen wir für uns in Anspruch nehmen. An dunklen und hellen Tagen in unserem Leben.

Horst Leischner, Pfarrer an der Jakobskirche in Köthen

Europas Spuren in Salomonsborn

20. August 2013 von redaktionguh  
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Bettel-Männer sammelten vor 275 Jahren für den Kirchenneubau

Vor 275 Jahren zogen aus dem winzigen Dorf Salomonsborn zwei Männer in die Welt. Als Bettel-Männer mit einer unterzeichneten Urkunde des Rates der Stadt Erfurt machten sie sich auf den Weg, um Spenden für den Kirchenbau in ihrem Ort zu sammeln. Innerhalb von vier Jahren durchquerten sie nicht nur Deutschland, sondern gelangten bis ins heutige Polen, nach Dänemark und schließlich an den schwedischen Königshof.

Dieser geschichtsträchtigen Baufinanzierungsaktion wird nun vom ­Förderverein »St. Dionysius-Kirche Salomonsborn« noch einmal Leben eingehaucht. In alle von den Männern durchwanderten Länder werden Spendenbittbriefe verschickt. »Europa half beim Bauen, hilft Europa auch beim Restaurieren?«, so das Motto. Aktuell wird der Kanzelaltar von 1747 instand gesetzt. Der amtierende Vorsitzende des Fördervereins, Klaus Töpfer, weiß um die Mühen der Anfangszeit des Restaurationsvorhabens. 2008 konnte mit reichlich Aufwand zunächst die einsturzgefährdete Decke erneuert werden, berichtet der ­katholische Christ und pensionierte Schulleiter, der sich mit ganzem Herzen für das evangelische Gotteshaus engagiert. Seitdem ist eine Menge geschafft worden, vor allem dank großer Unterstützung, auch von Bundes- und Landesprominenz.

Der pensionierte Schulleiter Klaus Töpfer (links) engagiert sich mit ganzer Kraft für die evangelische Kirche in ­Salomonsborn. Er ist Katholik und schätzt wie Pfarrer Ricklef Münnich das gute ökumenische Zusammengehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Der pensionierte Schulleiter Klaus Töpfer (links) engagiert sich mit ganzer Kraft für die evangelische Kirche in ­Salomonsborn. Er ist Katholik und schätzt wie Pfarrer Ricklef Münnich das gute ökumenische Zusammengehen. Foto: Dietlind Steinhöfel

Besonders stolz sind Ricklef Münnich, Pfarrer in Marbach und Salomonsborn, und Klaus Töpfer auf die noch originalen Fußbodenfliesen, die sich vom Kirchenschiff bis zum Altarbereich ziehen. Die neuen, erst im Winter 2013 eingesetzten Kirchenfenster aus Antikglas erzeugen eine frische Helligkeit im Inneren des Raumes. Friedemann Boelicke, Leiter des Bauausschusses des Gemeindekirchenrates, habe hierbei sein ganzes Organisationstalent bewiesen.

Die zunehmende Attraktivität der Kirche ist keinem bloßen Lokalpatriotismus geschuldet. Taucht man tiefer in ihre spannende Historie ein, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Hinter dem früher weiß gestrichenen Holztonnengewölbe kam ein farbenfrohes Deckengemälde, ein Jesusbild, zum Vorschein, von dessen Existenz man lange nichts wusste. Zudem soll eine Vielzahl französischer Soldaten während der Schlacht bei Jena und Auerstedt in ­Salomonsborn verweilt haben. Auch über die Beziehungen zu Schweden gibt es noch Geheimnisse zu lüften. Immerhin hatte im Dreißigjährigen Krieg 1631 Gustav II. Adolf von Schweden mit viel Ehrerbietung in Erfurt Quartier bezogen.

Eine 1942 demontierte Glocke kehrte 1950 zurück; unversehrt hatte man sie unter dem Trümmerschutt Hamburgs gefunden. Durch die Aufschrift »Gottes Segen über Salomonsborn« konnte die Eigentümerin schnell ermittelt werden. Für Klaus Töpfer ist das ein wunderbares Zeichen für die Zukunft.

Gerade ist ein Antrag gestellt worden, St. Dionysius als Radwegekirche aufnehmen zu lassen. Aufgrund des großen Interesses Durchreisender, wie Pfarrer Münnich beifügt. Aus der einst stark baufälligen Kirche entsteht ein offenes Gotteshaus. Im Eingangsbereich wird ein Kirchencafé eingerichtet. Der ist durch eine Glastrennwand vom Kirchenschiff abgeteilt, sodass die Besucher jederzeit das interessante Innere bewundern können. Zurzeit werden regelmäßig Benefizkonzerte für die Arbeiten gegeben; die Kultur in der Kirche Salomonsborn ­jedoch soll nach der Fertigstellung weitergeführt werden – Musik, Literatur oder Vorträge.

Dass das Interesse der Menschen für ihre Kirche mit den Bauarbeiten gestiegen ist, zeigt die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher in dem 150 evangelische Christen zählenden Ort. Doch nicht nur sie kommen ­regelmäßig. Etwa die Hälfte der rund 20 Gottesdienstbesucher seien katholisch, betont Töpfer. So wird hier eine gute Ökumene gepflegt. Und auch Pfarrer Münnich freut sich über das wachsende Gemeindeleben.
Ulrike Unger

Infos und Spenden über:

www.foerderverein-kirche-salomonsborn.de