Geöffnet an 365 Tagen im Jahr

16. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Jubiläum: Die Evangelische Stadtmission in Dessau ist seit 100 Jahren ein Anlaufpunkt für Bedürftige

Was in der Stadt fehlen würde, wenn es sie nicht gäbe? »Unsere Besucher hätten keinen festen Anlaufpunkt, wo sie ein günstiges Mittagessen bekämen und vor allem auch der Einsamkeit ausweichen könnten«, sagt Marlies Hartmann, die seit 1999 Vorsitzende der Evangelischen Stadtmission Dessau ist. 100 Jahre gibt es die Einrichtung schon. Am 6. April wurde das mit einem Gottesdienst und einer Festveranstaltung mit Mitgliedern und Besuchern der Evangelischen Stadtmission sowie mit zahlreichen Gästen, unter anderem aus der Landeskirche Anhalts, der Politik sowie der Stadtverwaltung gefeiert. Eine Suppenküche betreibt die Stadtmission seit 1995. Zusätzlich ist die Einrichtung im Jakobushaus in der Steneschen Straße in Dessau eine Begegnungsstätte. Mit anderen Besuchern und dem Personal der Stadtmission können sich die Gäste austauschen. Bei Bedarf wird auch Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und bei anderen Behördenangelegenheiten gegeben.

Miteinander: Nach dem Jubiläumsgottesdienst feierten die Besucher bei Kaffee und Kuchen weiter. Foto: Lutz Sebastian

Miteinander: Nach dem Jubiläumsgottesdienst feierten die Besucher bei Kaffee und Kuchen weiter. Foto: Lutz Sebastian

Geöffnet ist an 365 Tagen im Jahr. Täglich gibt es ein Mittagessen aus der Küche der Anhaltischen Diakonissenanstalt für 90 Cent pro Mahlzeit. Bis zu 30 Besucher nehmen die Angebote der Stadtmission regelmäßig in Anspruch. Das Profil der Einrichtung hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens mehrfach gewandelt. Angefangen hat es am 1. April 1918 mit der Betreuung junger Mädchen vom Lande, die vor allem zum Arbeiten in den Dessauer Munitionsfabriken in die damals aufstrebende Industriestadt kamen. »Da sie mit ihren 14, 15 Jahren meist unbedarft waren, lauerten in der großen Stadt viele Gefahren«, resümiert Marlies Hartmann. Das wollte Charlotte Weiland damals ändern. Mit großer Hartnäckigkeit warb sie beim Herzog und den Kirchenoberen um ihr Projekt, die Mädchen betreuen zu können. Mit Erfolg. Schwester Weiland wurde so zur ersten Dessauer Stadtmissionarin. Das Luiseninstitut, unweit der Johnanniskirche im Dessauer Zentrum gelegen, blieb bis 1945 der erste Sitz der Dessauer Evangelischen Stadtmission.

Häufige Umzüge und wechselnde Aufgabengebiete

Als das Institut in der Bombennacht des 7. März 1945 vollständig zerstört wurde, brauchte es für die Bedürftigen eine neue Begegnungsstätte. Am Bahnhof wurde dafür eine Baracke gekauft. Oft zog die Stadtmission nach 1945 um. Aufgaben kamen, blieben und gingen. Eine Weile gehörte die Bahnhofsmission zum Aufgabengebiet.

Schwere Zeiten: Nach 1945 diente der Stadtmission im zerstörten Dessau eine Baracke als Domizil. Foto: Stadtarchiv Dessau-Roßlau

Schwere Zeiten: Nach 1945 diente der Stadtmission im zerstörten Dessau eine Baracke als Domizil. Foto: Stadtarchiv Dessau-Roßlau

Die Sinnesgeschädigten-Seelsorge wurde 1971 mit einem Neubau in der Georgenstraße etabliert, in Dessau-Kleinkühnau ein Haus für Mehrfachbehinderte eingerichtet und eine Missions-Buchhandlung betrieben.

Nach der Wende wurden viele Aufgabenbereiche an andere kirchliche Einrichtungen übertragen. 1995 erhielt die Evangelische Stadtmission mit der Suppenküche und dem Anlaufpunkt für sozial Schwache ihr aktuelles Profil. Seit 1999 ist das Jakobushaus in der Steneschen Straße die feste Adresse der Stadtmission. Drei Ein-Euro-Jobber und bis zu drei Minijobber unterstützen die Vorsitzende bei der Arbeit. 22 Mitglieder zählt die Stadtmission, die als Verein geführt wird. Ein harter Kern von sechs Leuten hilft ebenso nach Kräften, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Stadt Dessau-Roßlau steuert dafür pro Jahr 6 000 Euro bei. Der Rest wird aus Patenschaften und Spenden finanziert.

Wenn die 61-jährige Vorsitzende zum Jubiläum drei Wünsche frei hätte, dann wäre das zum einen den Bekanntheitsgrad der Einrichtung in der Stadt weiter zu erhöhen, sich um die Finanzierung weniger Sorgen machen zu müssen und in drei Jahren den Vorsitz an jemand Jüngeren abgeben zu können.

Danny Gitter

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Vom Preis der ewigen Jugend

14. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

In der Dessauer Theater­predigt zum Ballett »Das Bildnis des Dorian Gray« geht es um die Verantwortung des Menschen für sein Leben.

Als der Roman 1890 in Fortsetzungen gedruckt wurde, löste er bei den Lesern im viktorianischen England Stürme der Entrüstung aus. Heute gehört »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde zu den Klassikern der englischen Literatur. Der Roman handelt von einem Mann, der seine Seele verkauft, um seine Jugend zu retten und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch das hat seinen Preis – und am Ende muss Gray dafür bezahlen. Das Anhaltische Theater Dessau hat den Roman nun auf die Bühne gebracht. Am 23. März hatte das von Tomasz Kajdanski zur Musik des russischen Spätromantikers Alexander Skrjabin inszenierte Ballett Premiere. Es ist eines der wenigen Theaterprojekte zu Oscar Wilde in den vergangenen Jahren.

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Dramatisch: Dieses Szenenbild zeigt Vincent Tapia als Dorian Gray und Daisuke Sogawa als den Maler Basil Hallward.Foto: Anhaltisches Theater/Claudia Heysel

Für Kajdanski, Ballettdirektor und Chefchoreograf, ist Wildes Buch »ein Spiegel des Lebens«, das alles enthalte, was das Leben ausmacht. Am wichtigsten ist ihm, dass Wilde das Leben als etwas zeigt, »für das wir selbst verantwortlich sind«. »Deshalb geht es uns wie Dorian Gray: Wir haben nur ein Leben, das wir nutzen müssen«, so der Künstler. Für Tomasz Kajdanski stellt Dorian Gray eine Art englischen Faust dar, »der immer jung bleibt, aber einen Pakt abgeschlossen hat, dessen Bedingungen er verdrängt«.

Die Frage zur Verantwortung und zur Verfügbarkeit des Menschen über sein Äußeres und sein Leben, die im Roman gestellt wird, bietet auch theologische Ansatzpunkte. Da lag es nahe, »Das Bildnis des Dorian Gray« am 15. April in den Mittelpunkt einer Theaterpredigt zu stellen.

Letztere ist in Dessau-Roßlau inzwischen Tradition. Vor zehn Jahren wurde dazu erstmalig in die Johanniskirche eingeladen. Die damalige Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, predigte am 27. April 2008 zu einer Inszenierung von Richard Wagners »Parsifal« am Anhal
tischen Theater, im September Friedrich Schorlemmer zu Goethes »Faust«. Die Theaterpredigten sind ein Gemeinschaftsprojekt, verantwortet vom Anhaltischen Theater Dessau, der Landeskirche Anhalts und der Dessauer Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien. Sie sollen, in der aufgeklärten Tradition Anhalts stehend, dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion dienen. Zu den Persönlichkeiten, die schon eine Theaterpredigt hielten, gehören der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig oder die hallesche Pianistin Ragna Schirmer.

Für die 21. Theaterpredigt am 15. April haben die Initiatoren den Köthener Pfarrer Wolfram Hädicke als Prediger gewonnen, der zusammen mit seiner Frau immer wieder gern Vorstellungen im Anhaltischen Theater besucht. Er findet es sehr interessant, was die Dessauer Theaterleute aus dem Stoff gemacht haben. »Ich war gespannt, wie Sprache in Bewegung übersetzt wurde, und finde es sehr gelungen«, sagt er nach dem Besuch des Ballettabends und vor seiner Predigt. »Oscar Wilde lässt Dorian Gray in seinem Roman sagen: ›Jeder trägt Himmel und Hölle in sich‹», so Hädicke. Die theologische Relevanz sei an vielen Stellen zu spüren.

In seiner Theaterpredigt wird Wolfram Hädicke den Fragen nachgehen, die jeden Menschen bewegen: Wer bin ich? Womit kämpft meine Seele? Neige ich dem Guten oder dem Bösen zu? Welche Abgründe lauern? Was vergiftet meine Seele? Fragen, die von bleibender Aktualität sind, ist sich der Pfarrer sicher.

Angela Stoye

Theaterpredigt: 15. April, 14.30 Uhr, Dessauer Johanniskirche. Die nächsten Theatervorstellungen: 22. April, 17 Uhr; 26. Mai, 19.30 Uhr; 17. Juni, 17 Uhr

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Posaunen und Trompeten verkündigen

10. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Musik: Das nächste Landesposaunenfest Anhalts wird vom 1. bis 3. Juni in Gernrode gefeiert. Über den Stand der Vorbereitungen und die Blasmusik sprach Angela Stoye mit Steffen Bischoff, der seit 2004 Landesposaunenwart ist.

Herr Bischoff, Sie stecken mitten in den Vorbereitungen. Wie viele Bläserinnen und Bläser werden in Gernrode erwartet?
Bischoff:
Es werden etwa 100 Bläser aus Anhalt plus Gäste aus unserer Partnerkirche der Pfalz anreisen.

Auf welche Musikstücke und -stile dürfen sich die Besucher des Festes freuen?
Bischoff:
Auf eine große Vielfalt an Stilrichtungen. In der Festwoche vom 28. Mai bis 1. Juni spielen verschiedene Posaunenchöre aus Anhalt in den Orten um Gernrode Abendserenaden. Am 2. Juni, einem Sonnabend, gibt es um 14 Uhr im Schlosspark zu Ballenstedt eine Serenade mit einem sommerlichen Programm. Da spielen wir auch Lieder zum Mitsingen. Ebenfalls am Sonnabend geben der Landesjugendposaunenchor »Youth in Brass« und der Bläserkreis der Landeskirche Anhalts um 17 Uhr in der Stiftskirche St. Cyriakus zu Gernrode ein Konzert mit mehrchöriger Musik aus verschiedenen Epochen. Am Sonntag sind alle Bläserinnen und Bläser um 10.30 Uhr im Festgottesdienst in Gernrode zu einem großen Chor vereint.

Sie selber spielen seit Ihrem zehnten Lebensjahr Trompete. Wieso ist es gerade dieses Instrument geworden?
Bischoff:
Ganz einfach: Dahin bin ich durch Zuhören gekommen. Ich bin in Gnadau aufgewachsen. Zum Gemeindeleben gehörte ein Posaunenchor, da spielte ich dann eines Tages mit. Später habe ich nach meiner Lehre und der Arbeit als Autoschlosser Musik mit den Abschlüssen Diplom-Musikpädagoge und musikalische Früherziehung studiert. Letzteres hilft mir heute sehr bei meiner Arbeit mit den Jugendlichen.

Sie meinen sicher das 2009 in Bernburg gestartete Projekt »Klassenmusizieren« in der Schule. Wie hat sich das entwickelt?
Bischoff:
Sehr gut. Am Bernburger Martinszentrum haben wir seitdem stets konstante Teilnehmerzahlen und seit 2014 einen eigenen Posaunenchor, der aus teilnehmenden Kindern hervorgegangen ist.
In Zerbst gibt es das »Klassenmusizieren« seit 2010 an der Bartholomäi-Gemeinde, in Dessau seit dem vorigen Jahr – jeweils in der dritten und vierten Klasse. Im Moment befinden sich etwa 70 Kinder in sechs Gruppen an drei Schulen und in fünf Folgegruppen an den örtlichen Posaunenchören.

Das klingt gut …
Bischoff:
Ja, finde ich auch. Es ist ein Erfolgskonzept, das auf jeden Fall weitergeführt und ausgebaut werden sollte. Die Kinder werden in den dritten Klassen der evangelischen Grundschulen in den oben genannten anhaltischen Städten jeweils abgeholt und bis zur siebenten Klasse in die Posaunenchöre geführt. Haben die Mädchen und Jungen einmal Freude am Musizieren im Posaunenchor gefunden, bleiben sie auch. Nur sehr wenige von ihnen verlassen uns wieder.

Konzert: Wo Bläserinnen und Bläser musizieren – ob im kleinen Chor oder einem ganz großen wie beim Kirchentag auf dem Weg 2017 in Dessau-Roßlau – hören die Menschen gerne zu. Foto: Johannes Killyen

Konzert: Wo Bläserinnen und Bläser musizieren – ob im kleinen Chor oder einem ganz großen wie beim Kirchentag auf dem Weg 2017 in Dessau-Roßlau – hören die Menschen gerne zu. Foto: Johannes Killyen

Somit begleiten wir die Kinder und Jugendlichen direkt in das aktive Gemeindeleben, lassen sie durch die Musik, durch Andachten in den Chören und Mitwirkung in Gottesdiensten aktiv an der Verkündigung des Evangeliums mitwirken. Diese Prägung wird die Jugendlichen ihr ganzes Leben begleiten.

Wie viele Bläserchöre gibt es in der anhaltischen Landeskirche?
Bischoff:
Zurzeit sind es 14 Chöre mit insgesamt 280 Mitgliedern.

Wie sehen Sie die fernere Zukunft der Bläserchöre in der Landeskirche?
Bischoff:
Die Zahl der Bläserinnen und Bläser in den Posaunenchören Anhalts steigt stetig und das »Klassenmusizieren« in den Schulen ist, wie gesagt, ein Erfolgskonzept. Offenbar schätzen die Bläserinnen und Bläser die Generationen übergreifende Gemeinschaft in den Chören und setzen sich gerne dafür ein.
Mit Blick auf das geplante »Anhaltische Verbundsystem« schätze ich, dass es Spielraum eröffnet, um das Personal besser an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Zurück in die nahe Zukunft. Was erhoffen Sie sich vom Gernröder Landesposaunenfest?
Bischoff:
Ein solches Fest ist immer ein Höhepunkt im Leben der gastgebenden Kirchengemeinde sowie für die Bläserinnen und Bläser. Und wenn, wie bei zurückliegenden Anlässen, ein großes Publikum kommt, sich von der Musik berühren lässt und mit ihr mitgeht, ist das einfach nur schön.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Gemäßigt zukunftsfroh

5. März 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Landessynode: Umbau zum »Anhaltischen Verbundsystem« beschlossen

Veränderungen«, so Kirchenpräsident Joachim Liebig, »lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Bei den einen Angst, bei anderen Zustimmung in der Art: Veränderungen sind mein täglich Brot.« Bei der am 24. Februar in Dessau-Roßlau tagenden Landessynode Anhalts, der letzten in der 23. Legislaturperiode, ging es als Schwerpunkt genau darum. »Veränderungen stehen uns als Kirche bevor«, sagte Liebig. Das liege zwar auch in den »protestantischen Genen«, habe doch Luther darauf verwiesen, dass sich eine Kirche ständig zu reformieren habe. Der Landeskirche jedoch würden mit dem Umbau zum »Anhaltischen Verbundsystem« Veränderungen von Grund auf bevorstehen (siehe dazu Nr. 8, S. 9). »Es gibt bei uns niemanden, der sagt: Es läuft alles wunderbar.« Der Theologe erinnerte an Jurek Beckers Erzählung »Ansprache vor dem Kongreß der Unbedingt Zukunftsfrohen«. Wozu gehört Anhalt? Zu den unbedingt oder den gemäßigt Zukunftsfrohen, oder gar zum Verband der Hoffnungslosen?

Blick ins Plenum: Am vergangenen Sonnabend in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau. Foto: Johannes Killyen

Blick ins Plenum: Am vergangenen Sonnabend in der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau. Foto: Johannes Killyen

Tatsache sei, so Liebig, dass in Anhalt bis 2025 etwa 30 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Zu den schmerzlichen Erfahrungen gehöre die Tatsache, dass immer weniger Menschen der Kirche angehören: »Wir schaffen es nicht, Menschen in ausreichender Zahl für das Evangelium zu begeistern.« Die Zahl der Kirchenaustritte seien zwar nicht überbordend, aber trotzdem schmerzlich. Und schmerzlich sei auch, dass aus gesellschaftlichen Ursachen Generationen von Menschen in der Kirche fehlen. »Das alles trägt enormes Frustrationspotenzial in sich.«

Anhalt habe nun mehrere Optionen. Die erste sei: Alles bleibt wie es ist. »Dann läuft es noch eine Weile so weiter, aber wir beachten die Rahmenbedingungen nicht«, so Liebig. Zweitens: Beim Weiterarbeiten mit weniger Personal drohe Überforderung. »Unsere Option ist aber eine andere«, so der Kirchenpräsident. »Wir verändern das Verhältnis der Berufsgruppen zueinander.« Zurzeit sei es so: Alle Berufsgruppen in der Landeskirche fühlten sich allein gelassen. Daher gehe es künftig um mehr gemeinsames Arbeiten. Zudem werde man andere Zugänge für Menschen zu Kirche finden müssen – über die bisher bestehenden hinaus. »Unser Ziel ist nicht weniger als eine andere Landeskirche«, so Joachim Liebig. In Ermangelung eines anderen Wortes werde man bei dem Wort »Verbünde« bleiben, in denen weiterhin selbstständige Gemeinden existieren sollen. »Die Veränderungen aber«, so der Kirchenpräsident, »werden weitreichende Folgen haben bis hin ins Landeskirchenamt.« Mit Blick auf die eingangs erwähnte Erzählung Jurek Beckers sagte er: »Ich persönlich sortiere mich bei den gemäßigt Zukunftsfrohen ein.«

Präses Andreas Schindler hatte in seiner Rede zum Beginn der Tagung darauf verwiesen, dass das, »was wir an Ideen entwickelten, in die Hände der neuen Landessynode übergeben« werden soll. Diese tritt am 25. und 26. Mai zur ersten Tagung der 24. Legislaturperiode zusammen. Für die Umstellung auf das »Anhaltische Verbundsystem«, das die Synodalen am Sonnabend mehrheitlich beschlossen, müssten Übergangsregelungen gefunden werden, weil der bestehende rechtliche Rahmen noch nicht jeden neuen Schritt absichert. Die Reaktionen in den Gemeinden auf das Projekt seien zwar vielfältig. »Die nächste Landessynode muss es schaffen, eine große Breite der Wahrnehmung des ›Anhaltischen Verbundsystems‹ in der Landeskirche herzustellen.«

Angela Stoye

www.landeskirche-anhalts.de/landeskirche/synode

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Jetzt weltweit einzusehen

5. Februar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Digitalisierung: Die ersten 150 Kirchenbücher aus Dessauer Gemeinden sind online

Bei der Verfilmung und Digitalisierung ihrer Kirchenbücher kann die Landeskirche Anhalts Fortschritte verzeichnen. Im Kirchenbuchportal www.archion.de stehen jetzt die ersten 150 Bücher von Dessauer Kirchengemeinden weltweit Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung. Die ältesten stammen aus dem späten 16. Jahrhundert. In den Büchern sind die Trauungen, Taufen, Beerdigungen und – später – auch Konfirmationen in einer Kirchengemeinde festgehalten. Da gerade in früheren Jahrhunderten so gut wie alle Menschen Kirchenmitglieder waren, sind Kirchenbücher als Quellen der Familiengeschichte wie der Gemeindegeschichte überaus wertvoll.

»Wir haben noch einen langen Weg vor uns«, so Jan Brademann vom Archiv der Landeskirche Anhalts. »Zunächst werden die weiteren Kirchenbücher in unserem Magazin und dann die in den Pfarrämtern verfilmt und digitalisiert. Aber der erste große Schritt ist getan«, so der promovierte Historiker. Nicht nur, dass die ersten knapp 30 000 Bilddateien aus 150 Kirchenbüchern nun vorliegen: Die komplexen Arbeitsabläufe, die für die Verfilmung und Digitalisierung erdacht werden mussten, stehen und haben sich erstmals bewährt. Zu berücksichtigen waren dabei archivische, technische und rechtliche Aspekte: Jedes Kirchenbuch muss in eine Datenbank eingetragen und für den Transport vorbereitet werden. Die zu produzierenden Dateien brauchen einheitliche Namen und Ablagestrukturen sowie eine Fülle von klar zuzuordnenden weiteren Informationen. Schließlich sind vor jeder Veröffentlichung Schutzfristen, vor allem hinsichtlich personenbezogener Daten, zu prüfen.

Fundgrube für Forscher: Kirchenbücher aus der Gemeinde St. Johannis und St. Marien in Dessau. Foto: Landeskirche Anhalts

Fundgrube für Forscher: Kirchenbücher aus der Gemeinde St. Johannis und St. Marien in Dessau. Foto: Landeskirche Anhalts

»Die nächsten Digitalisierungen werden uns bestimmt leichter von der Hand gehen«, sagt Jan Brademann, »und auch hinsichtlich der Kirchenbücher, die in den Gemeinden liegen, bin ich optimistisch.« 2018 wird die Digitalisierung in den Kirchenkreisen Dessau und Zerbst fortgesetzt. Eine nächste größere Charge soll Anfang 2019 folgen. Die Verfilmung auf Silberhalogenid-Mikrofilmen sichert dieses wichtigste Kulturgut der Kirchengemeinden. Die Zugänglichkeit im Netz entlastet zugleich Mitarbeitende in den Gemeinden, die zahlreiche genealogische Anfragen beantworten müssen.

Grundsätzlich bilden Trau-, Tauf- und Totenregister für die familiengeschichtliche Forschung die wichtigste Quellengattung. Sie haben vielfach eine den staatlichen Personenstandsregistern vergleichbare rechtliche Aussagekraft. Die Gemeinden der Landeskirche Anhalts verfügen über 3 000 bis 3 500 Kirchenbücher. Die Kosten der Digitalisierung trägt die Landeskirche, die Mitgesellschafterin der Kirchenbuchportal GmbH ist, welche das Portal www.archion.de betreibt.

Die Einsichtnahme in die Digitalisate ist für Nutzer kostenpflichtig – für private Nutzer zwischen 19,90 und 178,80 Euro (gestaffelt nach Zeiträumen und Downloads).

(G+H)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Der Traum soll wahr werden

22. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Neue Synagoge: Jüdische Gemeinde zu Dessau will in diesem Jahr den Grundstein legen

Es war eine große Überraschung«, erzählt Alexander Wassermann, wenn er an den Februar 2014 zurückdenkt. Zur Eröffnung des 22. Kurt-Weill-Festes im Anhaltischen Theater regte die Kurt-Weill-Gesellschaft den Neubau einer Synagoge in Dessau an. In der Pogromnacht 1938 brannte der mächtige Kuppelbau mit dem goldenen Davidstern als einer der ersten im Deutschen Reich. Nach dieser Nacht verschwand mit der Synagoge auch schnell das jüdische Gemeindeleben. Die Familie Weill war für ein paar Jahre Teil der Gemeinde. Den Vater des berühmten Komponisten zog es einst mit seiner Familie aus dem Badischen für eine Anstellung als Kantor nach Dessau. Kurt Weill wurde hier geboren. Noch vor der Pogromnacht kehrte die Familie der Stadt den Rücken.

Rundbau: Der Entwurf des Architekten Alfred Jacoby zeigt, wie die neue Synagoge einmal aussehen soll. Repro: Lutz Sebastian

Rundbau: Der Entwurf des Architekten Alfred Jacoby zeigt, wie die neue Synagoge einmal aussehen soll. Repro: Lutz Sebastian

Was die Dessauer Fürsten durch ihre Toleranzpolitik über Jahrhunderte zur Blüte brachten, vernichteten die Nationalsozialisten in kurzer Zeit. Es sollte bis Anfang der 1990er-Jahre dauern, bis sich wieder jüdisches Gemeindeleben in Dessau etablierte. Heute haben die rund 300 Gemeindemitglieder ein Haus in der Kantorstraße als Anlaufpunkt, das dort steht, wo einst die Synagoge stilprägend war. Der bestehende Gemeindesaal ist oft zu eng für größere Veranstaltungen, weshalb immer Räume etwa im Georgenzentrum oder im Hotel »Fürst Leopold« gemietet werden müssen.

Eine Stele erinnert daran, was der Stadt im Jahr 1938 genommen wurde. Deshalb elektrisiert der Gedanke eines Neubaus einer Synagoge seit fast vier Jahren die Gemeinde. Doch erst jetzt besteht Hoffnung, den großen Traum auch tatsächlich zu realisieren. »Wenn alles klappt, wie wir uns das vorstellen, dann könnte am 9. November der Grundstein für eine neue Synagoge gelegt werden«, sagt Alexander Wassermann. Es hätte Symbolcharakter. Genau 80 Jahre nach der Zerstörung der einstigen Synagoge würde damit gezeigt, dass zwar etwas unwiederbringlich verloren ging, aber Hoffnung und Toleranz auf lange Sicht menschenfeindliche Ideologien überwinden. Um diesen Traum, der in Form eines Anbaus an das bestehende Gemeindehaus wahr werden soll, wurde in den vergangenen Jahren hart gerungen.

Schwierige Suche nach Spendern und Förderern

Längst hat man sich von Visionen verabschiedet. Eine komplett neue Synagoge, wie sie sich die Kurt-Weill-Gesellschaft vorstellte, scheiterte am zu hohen Preis. 2,5 Millionen Euro hätte das Projekt gekostet. »Wir haben wirklich alles versucht, dieses Geld aufzubringen«, sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Dessau. Fast 30 Briefe habe sie an große, namhafte Unternehmen geschrieben und darum gebeten, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Sie habe versucht, Verwandte von Kurt Weill ausfindig zu machen und um Unterstützung zu bitten. Doch alles war vergebens. Der beauftragte Architekt Alfred Jacoby, der unter anderem an der Hochschule Anhalt lehrt, der jüdischen Gemeinde in Offenbach am Main vorsteht und schon mehrere Synagogen in Deutschland und den USA entwarf und realisierte, reduzierte seinen Neubau auf einen Anbau. Die Kosten wurden damit auf 1,2 Millionen Euro gesenkt. Gleichzeitig reichte das Dessauer Architekturbüro Bankert/Sommer, das unter anderem das Dessauer Diakoniezentrum realisierte, einen Wettbewerbsbeitrag ein, der in der Realisierung rund eine Million Euro gekostet hätte. Doch ein elfköpfiges Kuratorium, das unter anderem aus Vertretern der jüdischen Gemeinde, der Stadt Dessau-Roßlau und der Landeskirche Anhalts besteht, entschied sich Ende 2017 doch für den Entwurf von Alfred Jacoby. Der Rundbau, der den zukünftigen Gemeindesaal beherbergen soll, ähnelt einer Tora-Rolle.

Ein Drittel der Kosten, rund 400 000 Euro, sind bisher gesichert. Die Stadt Dessau-Roßlau bezuschusst das Vorhaben mit 100 000 Euro. Der Rest sind Gelder des Zentralrats der Juden, der Dessauer jüdischen Gemeinde und Spenden. Für die restlichen 800 000 Euro soll es unter anderem Gespräche mit der Landesregierung und Stiftungen geben. Großspender sollen im Anbau namentlich verewigt werden.

Danny Gitter

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Freude im Advent: Festliche Musik in der Dessauer Marienkirche

27. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Foto: Johannes Killyen

Foto: Johannes Killyen

Zum traditionellen Adventsblasen lädt das Anhaltische Posaunenwerk am 23. Dezember, 18 Uhr, in die Marien­kirche in Dessau-Roßlau ein – hier ein Foto vom Konzert des vorigen Jahres. Wegen des stets großen Besucherandrangs ist die Generalprobe um 14 Uhr am gleichen Tag öffentlich. Unter der Leitung des Dessauer Kreis­posaunenwartes Andreas Köhn vereinen sich zu diesem Konzert rund 90 Trompeter, Posaunisten, Hornisten, Tenorhornspieler, Tubisten und andere Bläser aus Posaunenchören in Anhalt und darüber hinaus. Zu hören sind vor allem Weihnachtslieder, von denen manche in einem ungewöhnlichen Gewand präsentiert werden.

Die Zuhörer sind bei etlichen Liedern auch zum Mitsingen eingeladen. Andachtsworte und Texte zur Advents- und Weihnachtszeit wird Andreas Janßen, Reformations­beauftragter der Landeskirche, lesen. In der anhaltischen Landeskirche gibt es 15 Bläserchöre mit rund 240 Mitgliedern – Tendenz steigend.

Licht in die Welt tragen

Christnachtsingen: Tradition in Wolfen-Nord

Auf dem Markt von Wolfen-Nord, wo unter der Woche mit Obst, Gemüse und anderen Waren gehandelt wird, geht es in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember besinnlich zu. Seit 1995 laden die evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinde zum Christnachtsingen ein. »Ein ökumenischer Arbeitskreis bereitet das Singen vor«, so Pfarrer Matthias Seifert. Zum etwa 40-minütigen Programm ab Mitternacht gehört Bläsermusik zur Eröffnung, die der Posaunenchor aus Raguhn nebst Gästen spielt, und Worte zur Christnacht, die abwechselnd einer der Pfarrer spricht. Unter Bläserbegleitung werden dann gängige Gemeindeweihnachtslieder gesungen. Dazu gehören »Macht hoch die Tür« ebenso wie »Zu Bethlehem geboren«, »Ich steh an deiner Krippen hier« oder »Es ist ein Ros entsprungen«. Für diejenigen, die nicht textsicher sind, gibt es ein Liedblatt, und eine gute Tontechnik sorgt dafür, dass auch die gesprochenen Worte von jedem gehört werden können.

In Wolfen-Nord, das 1960 als Wohnstadt für die Arbeiter in den umliegenden Chemiebetrieben erbaut wurde, sollten nach Plan einmal rund 50 000 Menschen wohnen. Diese Zahl wurde jedoch nie erreicht. 1989 hatte die Plattenbausiedlung rund 34 500 Einwohner; Tendenz seitdem fallend. »Zurzeit wohnen hier noch rund 7 000 Menschen.« Das mache sich auch bei den Teilnehmern am Christnachtsingen bemerkbar. »In unseren besten Zeiten kamen etwa 2 500 Besucher«, so Pfarrer Matthias Seifert. Derzeit seien es etwa 200.

Das Christnachtsingen endet mit dem Lied »Tragt in die Welt nun ein Licht«. Danach können sich die Sängerinnen und Sänger das Friedenslicht aus Bethlehem mit nach Hause nehmen. Es wurde am 17. Dezember in Sachsen-Anhalt verteilt und wird seitdem auch in der Friedensgemeinde in Wolfen-Nord gehütet.
(ast)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Miteinander verbindlich den Glauben leben

27. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Neu in Anhalt: Die Geistliche Weggemeinschaft trifft sich seit einigen Monaten regelmäßig in Köthen

Christine Reizig ist Landespfarrerin für Gemeindeaufbau. Foto: Landeskirche Anhalts

Christine Reizig ist Landespfarrerin für Gemeindeaufbau. Foto: Landeskirche Anhalts

Am 2. Dezember tritt die neue Geistliche Weggemeinschaft in Anhalt ins Licht der Öffentlichkeit. Kirchenpräsident Joachim Liebig wird mit den Mitgliedern eine Andacht mit Abendmahl feiern. Darüber, was die Gemeinschaft ist und was sie bewirken will, sprach Angela Stoye mit der Landespfarrerin für Gemeindeaufbau, Christine Reizig.

Neben den Kirchengemeinden in Anhalt nun noch eine Geistliche Weggemeinschaft. Wozu?
Reizig:
Auf gar keinen Fall soll die Geistliche Weggemeinschaft eine Konkurrenz zu den traditionellen Kirchengemeinden und ihrer Arbeit sein, sondern eine Ergänzung.

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig in ihrer geistlichen Entwicklung stärken und voranbringen wollen. Das geschwisterliche Miteinander einer solchen Gemeinschaft ist geprägt von offenem Austausch, Vertraulichkeit und Verschwiegenheit – zum Beispiel auch über persönliche Anliegen, Fragen und Zweifel.

Hat die Weggemeinschaft Vorbilder?
Reizig:
In konkreter Gestalt nicht, denn dazu sind die bestehenden Geistlichen (Weg-)Gemeinschaften viel zu unterschiedlich. Wir haben uns Rat bei Mitgliedern der Evangelischen Geschwisterschaft e.V. geholt. Wir sind mit dieser Gemeinschaft darin gleich, dass wir ohne ein geistliches Zentrum über das Land verteilt gemeinsam verbindlich Glauben leben wollen.

Wie sieht die Weggemeinschaft in Anhalt aus?
Reizig:
Es ist eine Gruppe, aber kein Verein mit Eintrittserklärung und Statut, auch kein Orden mit Gelübden. Wir haben auch kein festes Gebäude. Allerdings haben wir Grundlagen für unsere Weggemeinschaft erarbeitet. Eine ist das Gebet. Wir beten füreinander, für die Landeskirche Anhalts und ihre Gemeinden. Jede und jeder kann die gesamte Gruppe oder einzelne in konkreten Anliegen um besondere Fürbitte ersuchen. Wem es möglich ist, der soll sich immer dienstags um 7.15 Uhr an seinem Wohnort in das Gebet für die Evangelische Landeskirche Anhalts einfügen, das zu diesem Zeitpunkt im Landeskirchenamt in Dessau gehalten wird.

Welche weiteren Schwerpunkte gibt es?
Reizig:
Die Mission, aber nicht in Form von Aktionen. Unser Ansatz ist das persönliche Vorbild. Jeder soll sich in seinem privaten Umfeld zuerst um ein tägliches geistliches Ritual bemühen. Und mit dem eigenen entwickelten geistlichen Leben soll jeder Angehörige der Weggemeinschaft in seine jeweilige Umgebung ausstrahlen. Denn als Christinnen und Christen sind wir unserem Umfeld das Zeugnis über unseren Glauben schuldig.

Aber ganz ohne Treffen geht es nicht ab, oder?
Reizig:
Auch wenn Gebete über große Entfernungen verbinden, geht es doch nicht ohne Zusammenkünfte. Die bisher 16 Mitglieder aus verschiedenen Orten Anhalts treffen sich verbindlich am jedem 2. Samstag eines geraden Monats – zum Bibellesen, zum Austausch über Fragen des Glaubens und die persönliche Glaubenspraxis. Bei diesen Treffen teilen wir uns mit, welche Rituale uns gut tun und schenken uns Ideen.

Und wir arbeiten daran, unsere Geistliche Weggemeinschaft weiterzuentwickeln – für uns und für unsere Landeskirche.

2. Dezember, Köthen, Christliche Medienbibliothek, Goethestr. 34, 15 Uhr; Abendmahlfeier: 17 Uhr. Telefon (03 40) 25 26 11 03

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ausgezeichnet: Religion macht Geschichte

2. Oktober 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Archiv der Landeskirche unterstützte Schüler bei Wettbewerb des Bundespräsidenten

Vier der diesjährigen Landessieger aus Sachsen-Anhalt im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten kommen aus Dessau und wurden vom Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts unterstützt.

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stand 2016/17 unter dem Motto »Gott und die Welt. Religion macht Geschichte«. Auf Initiative von Renate Schulze, Geschichtslehrerin im Philanthropinum, beteiligten sich sechs Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 a und 10 c daran.

»Als Frau Dr. Schulze auf uns zukam, zögerten Landeskirchenarchivar Günter Preckel und ich keine Sekunde«, sagt Jan Brademann vom Kirchenarchiv. Gemeinsam habe man ein Thema gesucht, das zum Motto passt, auf neue Erkenntnisse abzielt und dabei für Schüler zu bewältigen ist. Zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 haben die Kollegen des kirchlichen Archivs die Schüler intensiv betreut.

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

Junge Geschichtsforscherin: Paula Eichler vom Gymnasium Philantropinum Dessau wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff ausgezeichnet. Foto: Körber-Stiftung

»Wir lasen uns gemeinsam ein, sichteten Quellen und überlegten eine passende Fragestellung. Regelmäßig kamen die drei Arbeitsgruppen zu uns ins Archiv. Dort arbeiteten sie sich durch Literatur und vor allem Quellen, wie Akten, Kirchenboten, Zeitungsartikel und manches mehr.«

Aus Scheu wird Faszination

Die anfängliche Scheu vor der merkwürdigen Sprache und der noch schwierigeren Schrift sei bald der Faszination gewichen. Religion war sehr präsent im Leben der Menschen, und die Kirche war aufs Engste mit Gesellschaft und Politik verwoben – im 17. wie auch noch im 20. Jahrhundert. Unter verschiedenen Perspektiven beleuchteten die jungen Leute aktuelle Fragen historisch: etwa die nach der Toleranz gegenüber Lutheranern im reformierten Anhalt-Dessau im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert; nach der vermögensrechtlichen Trennung von Staat und Kirche in der Weimarer Republik und nach dem Verhältnis von Religion und Politik in der Dessauer Paulusgemeinde zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Arbeiten von Kim Kamenik und Moritz Gärtner »Vom schwierigen Weg in ein säkulares Deutschland: Der Prozess der Evangelischen Landeskirche Anhalts gegen den Freistaat Anhalt 1924 bis 1930« sowie von Paula Eichler und Jasmin Sahit »Toleranz schafft eine Kirche – die Entstehung der Johanniskirche zu Dessau« wurden Landessieger in Sachsen-Anhalt. Die Preise wurden im September im Kulturhistorischen Museum Magdeburg von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verliehen.

Gottes Weg durch die Zeit

Aus Sicht eines Historikers sei der Wert dieses Wettbewerbs als sehr hoch einzuschätzen, so Jan Brademann. Der Wettbewerb helfe jungen Menschen, sich zu befähigen, sie umgebende Erinnerungsorte zu erschließen und mit Sinn zu versehen; sie lernen, einen kritischen Blick auf bestehende Geschichtsbilder zu entwickeln und schließlich üben sie, überhaupt Argumente aus Tatsachen zu entwickeln. »Für uns Christen ist die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte immer auch eine Möglichkeit, den Weg Gottes durch die Zeit nachzuvollziehen und so für die eigene Glaubenssuche Impulse zu bekommen«, so Brademann weiter.

Der Wettbewerb wird von der Körber-Stiftung ausgeschrieben, die 550 Geldpreise auf Landes- und Bundes­ebene auslobt, und fand zum 25. Mal statt. Bundesweit beteiligten sich dieses Mal 5 064 Kinder und Jugendliche, von Erstklässlern bis zu jungen Studierenden und Berufsschulabsolventen, mit insgesamt 1 639 Beiträgen. Die Vielfalt der Arbeiten und Projekte ist groß. Rund 700 Tutoren begleiteten die jungen Spurensucher bei ihrer Forschungsarbeit.

Die Landessieger haben jetzt noch Chancen auf eine Auszeichnung auf Bundesebene.

(G+H)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Mit »Paulus« schließt sich der Kreis

25. September 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Jubiläum: Zum Reformationsfest 1917 gründete sich der Dessauer Lutherchor. Er gewährte Sängern und Zuhörern Zuflucht vor den Härten des Alltags.

Was vom Reformationsjubiläum 2017 in Dessau über dieses Jahr hinaus bleibt, wird die Geschichte zeigen. Das Reformationsjubiläum 1917 jedenfalls hat bis heute seine Spuren in der Stadt hinterlassen. Vor 100 Jahren gründete sich in der damaligen Residenzstadt des Herzogtums Anhalt ein Reformationschor, der seit 1946 über die Grenzen Dessaus hinaus als Lutherchor bekannt ist.

Als Reformationschor gegründet, als Lutherchor heute bekannt: Die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund beim Konzert in der Dessauer Johanniskirche. Foto: Doreen Ritzau

Als Reformationschor gegründet, als Lutherchor heute bekannt: Die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Matthias Pfund beim Konzert in der Dessauer Johanniskirche. Foto: Doreen Ritzau

Mit aktuell 82 Sängerinnen und Sängern, vom jungen Erwachsenen bis zum Senior, ist er einer der größten Laienchöre der Stadt. Jeden Dienstagabend wird in der Petruskirche geprobt. Aktuell für die drei Jubiläumsaufführungen. Am 24. September, 17 Uhr, erklingt in der Dessauer Johanniskirche ein A-cappella-Konzert. Am 29. Oktober kommt um 10 Uhr im Festgottesdienst am selben Ort die Kantate »Schmücke dich, o liebe Seele« von Johann Sebastian Bach zu Aufführung. Passend zum Reformationstag erfüllt akustisch, um 17 Uhr, das Oratorium »Paulus« von Felix Mendelssohn Bartholdy die Räume der Johanniskirche. Damit schließt sich ein Kreis.

Denn mit »Paulus« von Mendelssohn Bartholdy hat vor 100 Jahren alles angefangen. Der Dessauer Landeskirchenmusikdirektor Gerhard Preitz suchte zum 400-jährigen Reformationsjubiläum 300 Sänger, die in einem Reformationschor den »Paulus« zum Besten gaben. 600 hatten sich beworben. »Das ist angesichts der damaligen Umstände erstaunlich«, resümiert Matthias Pfund, der aktuelle Landeskirchenmusikdirektor der Anhaltischen Landeskirche und Leiter des Lutherchors. 1917 war ein schweres Jahr. Der »Hurra-Patriotismus«, mit dem 1914 und 1915 unter jubelndem Beifall der Bevölkerung junge Männer verabschiedet wurden, um an den Fronten des Ersten Weltkrieges für das Kaiserreich zu kämpfen, wich einem ernüchternden Realismus. Der Kaiser und seine Untertanen standen kurz davor, den Krieg zu verlieren. Immer mehr Versehrte und Traumatisierte kehrten heim. Der Kriegsalltag war von harten Entbehrungen geprägt. Feierlaune mag bei den wenigsten aufgekommen sein.

Und doch war das bevorstehende Konzert zum 400-jährigen Reformationsjubiläum so etwas wie ein kleines Aufbäumen gegen die Umstände, ein Licht in der Tristesse, mag der Beobachter anno 2017 vermuten. So probten die Laiensänger intensiv für die öffentliche Aufführung des »Paulus« und sollten nach dem Konzert eigentlich wieder auseinandergehen. Doch die Mitstreiter fanden so viel Gefallen daran, dass das Jubiläum zwar verging, aber der Reformationschor blieb. Viele gesellschaftliche Umbrüche hat er in seinen 100 Jahren miterlebt.

Seine Funktion als Zufluchtsort vor den Härten des Alltags zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Stets war er seinen Mitstreitern und Zuhörern ein persönlicher Halt. Die unruhigen Zeiten in der jungen Demokratie der Weimarer Republik, inklusive Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise, ließ er bei Proben und Konzerten wenigstens für ein paar Stunden vergessen. In der NS-Zeit pausierte er von 1939 bis Kriegsende. 1946 wurde seine Neugründung, diesmal unter dem Namen »Lutherchor«, förmlich herbeigesehnt. Hier konnte man sich mittels der Musik gegen die Unfreiheit in der Sowjetzone und später der DDR ein wenig auflehnen.

Seit der Wende ist der Lutherchor »ein Brückenbauer zwischen der Kirche und der säkularen Gesellschaft«, wie Matthias Pfund betont. Was sich am besten beim jährlichen Weihnachtsoratorium beobachten lässt, wenn Nichtchristen und Christen in trauter Eintracht lauschen.

Danny Gitter

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


nächste Seite »