Humanitäre Hilfe unter eigenem Dach

13. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Familie Nahlik hat einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aufgenommen

Sie konnten es damals, im Sommer 2015, noch nicht ahnen, dass die Bilder von den verzweifelten Menschen auf dem Mittelmeer auch ihr Leben stark beeinflussen würde. In ihrem heimischen Wohnzimmer im Dessauer Stadtteil Siedlung saßen Constanze und Tobias Nahlik mit ihren Kindern vor dem Fernseher und verfolgten die allabendlichen Nachrichten. »Über all die Unglücke und Katastrophen, die regelmäßig über den Bildschirm flimmerten, konnten wir mit unseren Kindern reden«, sagt Constanze Nahlik. »Doch als wir die Bilder von den überfüllten Booten auf dem Mittelmeer sahen, fehlten uns die Worte«, ergänzt Tobias Nahlik. Kollektiv haben sie mit vier ihrer fünf Kinder, vom Kleinkind bis zum fast erwachsenen Jugendlichen geweint, erinnert sich das Ehepaar. Die älteste Tochter war zu diesem Zeitpunkt nach dem Abitur gerade in Buenos Aires für ein soziales Jahr.

Constanze und Tobias Nahlik berichteten vor Kurzem bei einem Gemeindeabend von ihren Erfahrungen. Foto: Lutz Sebastian

Constanze und Tobias Nahlik berichteten vor Kurzem bei einem Gemeindeabend von ihren Erfahrungen. Foto: Lutz Sebastian

Die Tränen waren kaum getrocknet, da beschlossen die Psychiaterin und der Pädagoge, der beim Eine-Welt-Netzwerk Sachsen-Anhalt arbeitet, zusammen mit ihren Kindern gegen das Elend, was sie da täglich in den Nachrichten sahen, etwas zu tun. Die ersten Aktionen liefen auch in Dessau-Roßlau an. In seiner katholischen Gemeinde genauso wie in ihrer evangelischen. In der Ökumene vereint haben sie dennoch beschlossen, sonntäglich als Familie komplett in den katholischen Gottesdienst zu gehen. Der Propst predigte es eindringlich von der Kanzel, angesichts dieser humanitären Katastrophe aktiv zu unterstützen, wo es einem persönlich möglich ist. Geld- und Kleiderspenden, Deutschunterricht und Ausflüge mit den Geflüchteten kamen der Familie im ersten Moment in den Sinn. Das alles machte sie nicht wirklich glücklich.

Ein stärkeres Zeichen wollten sie setzen. Einem unbegleiteten Minderjährigen wollten sie in ihren eigenen vier Wänden ein Obdach geben. Die älteste Tochter, die gerade in Argentinien weilte und deren Zimmer frei war, gab nach einem Anruf sofort grünes Licht dafür. Auch Bekannte in Berlin ermutigten die Familie, das zu tun. Schließlich gab es in der Bundeshauptstadt schon einige Menschen, die einem unbegleiteten Minderjährigen ein Zuhause statt einer Massenunterbringung in einem Heim oder einer Wohngruppe gaben. Doch Dessau ist nicht Berlin. Das spürte Familie Nahlik schnell. Zwar unterstützten die Mitarbeiter des Jugendamtes ihr Begehren nach Kräften. Doch viele bürokratische und rechtliche Hürden mussten überwunden werden. Fast neun Monate dauerte es, bis sie den Anruf vom Jugendamt bekamen, dass möglicherweise ein Kind für die Pflegschaft gefunden wurde.

Seit Pfingsten 2016 lebt ein 15-jähriger Junge aus Äthiopien bei ihnen. Er geht in eine Willkommensklasse. In einem Fußballverein trainiert er regelmäßig. Seit Neuestem lernt er Klavier. Er ist der Einzige von 38 Unbegleiteten in Dessau, der eine Pflegefamilie gefunden hat. Ob ihn das glücklich macht, wissen sie nicht. Wohin die Reise mit ihm geht, auch nicht. Nur eins wissen sie ganz bestimmt. »Wir würden es wieder tun«, sagt Constanze Nahlik voller Überzeugung.

Danny Gitter

Tolle Tage im Namen Luthers

8. März 2017 von redaktionguh  
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Mit über 150 Veranstaltungen wird die Dessauer Innenstadt ab dem Himmelfahrtstag zur Festmeile


Stell dir vor, es ist Reformationsjubiläum und keiner geht hin. Diese Sorge machen sich die Organisatoren des Dessau-Roßlauer Kirchentages auf dem Weg nicht. Mögen über 80 Prozent der Bewohner der Doppelstadt zwischen Elbe und Mulde auch keiner christlichen Kirche angehören, dass die drei tollen Tage von Christi Himmelfahrt bis Samstagabend und mit dem großen zentralen Abschluss am Sonntag in der Lutherstadt Wittenberg ein großer Erfolg werden, daran zweifelt niemand. 5 000 Gäste aus nah und fern erwartet die Bauhausstadt zu ihrem Kirchentag auf dem Weg. Ein amerikanischer Studentenchor hat bereits seinen Besuch angekündigt. Die Kirchengemeinden der Stadt haben Mitglieder ihrer Partnerkirchen, unter anderem aus den Niederlanden und Tschechien, eingeladen. Aber auch viele Einheimische und Individualtouristen aus allen Teilen der Welt werden in Dessau-Roßlau erwartet.

Die Organisatoren des Kirchentages auf dem Weg in Dessau- Roßlau mit dem Vorstand der Anhaltischen Philharmonie Dessau (von links): Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Bernbruch, Orchestermusiker Ekkehard Neumann, Generalintendant Johannes Weigand, Reformationsbeauftragter Andreas Janßen, Maren Springer-Hoffmann (Verein Reformationsjubiläum 2017), Orchestermusiker Jens Uhlig, Kulturamtsleiter Steffen Kuras und Orchestermusiker Lukas Fichtner. Foto: Landeskirche Anhalts/Johannes Killyen

Die Organisatoren des Kirchentages auf dem Weg in Dessau- Roßlau mit dem Vorstand der Anhaltischen Philharmonie Dessau (von links): Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Bernbruch, Orchestermusiker Ekkehard Neumann, Generalintendant Johannes Weigand, Reformationsbeauftragter Andreas Janßen, Maren Springer-Hoffmann (Verein Reformationsjubiläum 2017), Orchestermusiker Jens Uhlig, Kulturamtsleiter Steffen Kuras und Orchestermusiker Lukas Fichtner. Foto: Landeskirche Anhalts/Johannes Killyen

Sie alle wollen und sollen auf über 150 Veranstaltungen die Reformation feiern. Gemäß dem Motto »Forschen.Lieben.Wollen.Tun.« des in Dessau geborenen jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, der Lessing zu »Nathan der Weise« inspiriert haben soll, zeigt die Stadt sich von ihrer besten Seite. »Wir haben durchaus Gastgeberqualitäten«, ist Steffen Kuras, Kulturamtsleiter von Dessau-Roßlau, fest überzeugt. Bereits vor fünf Jahren bewies die Stadt, dass sie große Formate erfolgreich stemmen kann. Der Sachsen-Anhalt-Tag machte 2012 zum Jubiläum »Anhalt 800« Station in der Dessauer Innenstadt. Jetzt ist es das Reformationsjubiläum, das einiges an logistischer Herausforderung, Einfallsreichtum und Organisationsgeschick verlangt. Doch die Mission ist auf dem Weg, eine ziemlich erfolgreiche zu werden.

»Da ist für wirklich jeden was dabei, unabhängig von Konfession und Glaube«, sagt Andreas Janßen, der Reformationsbeauftragte der Landeskirche Anhalts. Bibelarbeiten, wie es sich für einen Kirchentag gehört, wird es geben, auch mit Prominenten, wie dem ehemaligen sachsen-anhaltischen Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, einem studierten Erziehungswissenschaftler, im Audimax der Hochschule Anhalt. Zahlreiche Gottesdienste, Andachten, Ausstellungen, Vorträge und Gesprächsrunden werden geboten. Aber auch Formate, die es unter den acht mitteldeutschen Städten mit ihrem Kirchentag auf dem Weg nur in Dessau-Roßlau gibt. Nach dem Eröffnungsgottesdienst am 25. Mai wird das Anhaltmahl, eine 500 Meter lange Tafel in der Zerbster Straße, zum gemeinsamen Speisen, Gedankenaustausch und Verweilen einladen. Die Hälfte der rund 250 geplanten Tische hat schon Paten gefunden, die als Gastgeber Speis und Trank reichen.

Zeitgleich haben alle städtischen Museen bis Mitternacht geöffnet. Es sind zahlreiche Angebote, die am Freitag und Samstag entdeckt werden wollen. Der Dessauer Marktplatz wird zur Freiluft-Bibliothek mit Bücherregalen, diversen Lesungen und Leseecken. Im Anhaltdorf kann in Kultur und Geschichte der Region abgetaucht werden. Die Auferstehungskirche lädt dazu ein, sich im Hochseilgarten getragen zu fühlen. Zum krönenden Abschluss am Abend des 27. Mai setzt die Anhaltische Philharmonie mit Dessauer Chören mit »Preisen.Singen.Jubilieren« auf dem Marktplatz einen musikalischen Höhepunkt.

»Es ist schön, wenn auch die Musik Vertreter aller Religionen und Nichtchristen zusammenbringt«, erläutert Johannes Weigand, der Generalintendant des Anhaltischen Theaters, was für ihn den Kirchentag ausmacht.

Danny Gitter

www.r2017.org

Anhalt schrieb Reformationsgeschichte

27. Februar 2017 von redaktionguh  
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Die Welt blickt 2017 zumeist auf Wittenberg. Aber auch andernorts wurde evangelische Kirchengeschichte geschrieben. In Anhalt-Bernburg zum Beispiel, wo Reformierte und Lutheraner schiedlich-friedlich zusammenlebten.

Zwar war das kleine und immer wieder erbgeteilte Fürstentum Anhalt eines der ersten, das sich der Wittenberger Reformation anschloss. Aber im Laufe der Jahrhunderte ging es eigene Wege und leistete sich zwei Konfessionen im Land. Bei einer Tagung unter dem Thema »Von der Reformation zur Union« am 18. Februar in Bernburg stand diese besondere evangelische Kirchengeschichte vom 16. bis 19. Jahrhundert in Mittelpunkt.

Der Historiker Justus Vesting (Halle) zeigte am Beispiel des Fürsten Wolfgang von Anhalt-Köthen (1492–1566) auf, dass Anhalt durchaus Weltpolitik mitschrieb. So war der Fürst überall vertreten, wo in Sachen Reformation Bedeutsames geschah: von 1521 beim Reichstag in Worms bis 1547 bei der Schlacht von Mühlberg, die ihm die Reichsacht einbrachte. 1525 führte Wolfgang mit Luthers Hilfe in Anhalt-Köthen und 1526 in Anhalt-Bernburg die Reformation ein.

Bis 1942 gab es auf dem Bernburger Markt einen Wolfgangsbrunnen zur Erinnerung an den Fürsten Wolfgang den Bekenner. Die Brunnen-Bestandteile aus Metall wurden kriegsbedingt eingeschmolzen, der Rest abgetragen. Das Schlossmuseum widmet dem anhaltischen Fürsten zurzeit eine kleine Ausstellung, in der sich Silke Sielmon und Kerstin Wienecke auch das Brunnenmodell ansehen. Foto: Engelbert Pülicher

Bis 1942 gab es auf dem Bernburger Markt einen Wolfgangsbrunnen zur Erinnerung an den Fürsten Wolfgang den Bekenner. Die Brunnen-Bestandteile aus Metall wurden kriegsbedingt eingeschmolzen, der Rest abgetragen. Das Schlossmuseum widmet dem anhaltischen Fürsten zurzeit eine kleine Ausstellung, in der sich Silke Sielmon und Kerstin Wienecke auch das Brunnenmodell ansehen. Foto: Engelbert Pülicher

In Anhalt-Dessau nahmen die Fürsten 1534 erstmals das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Der gebildete und geschickte Georg III. (1507–1553) war mit Luther befreundet, aber eher Melanchthons Lehren verbunden. »Das Dessauer Abendmahlsbild von 1666 enthält dazu deutliche politische und theologische Aussagen«, so Vesting. In der nachfolgenden Generation, als ganz Anhalt vom Fürsten Joachim Ernst (1536–1596) regiert wurde, war die Spaltung des evangelischen Lagers in Deutschland in Genesiolutheraner (Bewahrer von Luthers Erbe) und Philippisten (Anhänger Philipp Melanchthons) in vollem Gange. Anhalt öffnete sich der reformierten Tradition aus der Kurpfalz. Durch Ämter – Fürst Christian I. wurde 1595 kurpfälzischer Statthalter – und Eheschließungen kam die sogenannte Zweite Reformation mit den Lehren Johannes Calvins auch nach Anhalt. In der Folge wurden Bilder aus den Kirchen entfernt, im Abendmahl gab es Brot statt Oblaten, 1589 fiel der Exorzismus bei der Taufe weg. Gegen die Veränderungen regte sich vor allem in kleinen Orten Widerstand. Am 14. Dezember 1599 legte eine theologische Kommission unter dem Zerbster Theologen Wolfgang Amling dem Herrscherhaus eine neue Kirchenordnung vor. Eindeutig legte sie fest: Brot und Wein beim Abendmahl zeugen nicht von der Realpräsenz Christi, sondern beim Mahl würde – nach dem Verständnis Calvins – der Heilige Geist die Christen untereinander und mit Christus im Himmel verbinden. Zwar trat diese Ordnung nicht in Kraft, aber der Calvinismus setzte sich in Anhalt durch.

Die anderthalb Jahrhunderte nach dem Dreißigjährigen Krieg beleuchtete der Historiker Jan Brademann (Dessau-Roßlau) in seinem Vortrag über die Unterschiede von Lutheranern und Reformierten im 17. und 18. Jahrhundert. Der Landesherr hatte weiterhin das Recht, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen. Die Zerbster Linie des Fürstenhauses kehrte 1642 zum Luthertum zurück. In Anhalt-Bernburg hatten sich »lutherische Inseln« um die Patronatskirchen Rathmannsdorf und Hohenerxleben gebildet. Auch in anderen Orten bekannten sich viele Menschen zum Luthertum. »Die konfessionelle Spaltung zog sich durch jedes Kirchspiel und viele Familien«, so Brademann. Es habe zwar Toleranz gegeben, aber keine Gleichberechtigung. Lutheraner mussten mit ihren Anliegen entweder zum reformierten Ortspfarrer oder weite Wege in Kauf nehmen. So wurde das »Auslaufen« zum lutherischen Abendmahl in Gemeinden außerhalb Anhalts üblich, was die Lutheraner zusammenschweißte. »Obwohl sie keine eigenen Pfarrer und keine Organisationsstrukturen hatten, verschwand die konfessionelle Zuordnung nicht«, so Brademann.

Zwar vereinte ab 1728 das Bernburgische Gesangbuch reformierte und lutherische Lieder, doch erst ab dem Ende des 18. Jahrhunderts durften lutherische Einwohner in ihren reformierten Ortskirchen das Abendmahl auf lutherische Weise empfangen. Die »Scheidewand«, wie es der Theologe und ab 1812 Generalsuperintendent von Anhalt-Bernburg, Friedrich Adolf Krummacher (1767–1843), bezeichnete, war dünner geworden.

Die Theologin Claudia Drese (Halle) sprach über die »Reconstruction des Protestantismus« in Anhalt-Bernburg unter dem regierenden Herzog Alexius Friedrich Christian. Nachdem er 1812 die Union angeregt hatte, bat Hofprediger Krummacher die Pfarrer um ihre Meinung. Nach einigem Hin und Her und Bedenken tagte am 26. September 1820 in Bernburg die Unionssynode mit Krummacher als Präses, bei der 46 Prediger die Kirchenunion für Anhalt-Bernburg beschlossen.

Die Trennpunkte Abendmahlsverständnis und Prädestination seien, so Friedrich Adolf Krummacher, dem Glauben und der Erkenntnis des Einzelnen zu überlassen. Die Bezeichnungen »lutherisch« und »reformiert« wurden abgeschafft und durch »evangelisch-christlich« ersetzt. Die Teilnahme an der Kommunion nach dem neuen Ritus blieb für die Erwachsenen weiterhin freiwillig, für Konfirmanden war sie verpflichtend. Warum der Herzog zu diesem Zeitpunkt die Kirchenunion wollte, habe sich ihr leider nicht erschlossen, so Claudia Drese. Ob aus persönlichen Gründen oder ob er Preußen entgegenkommen wollte, »darüber findet sich nichts in der schriftlichen Hinterlassenschaft«.

Angela Stoye

Für wen sind die Kirchentage gedacht?

13. Februar 2017 von redaktionguh  
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Interview: Im Mai finden in acht Städten Mitteldeutschlands die Kirchentage auf dem Weg statt. Benjamin Lassiwe sprach dazu mit dem Marketingchef des Trägervereins
für das Reformationsjubiläum, Christof Vetter.

Herr Vetter, wann sind die Kirchentage auf dem Weg eigentlich ein Erfolg?
Vetter:
Ich glaube, da muss man unterscheiden – zwischen dem inhaltlichen Erfolg und dem Zahlenerfolg. Der inhaltliche Erfolg wird dann eintreten, wenn wir es schaffen – und die Programme sehen so aus, als könnten wir das schaffen –, für die Region Mitteldeutschland Impulse zu setzen. Für die Menschen, die dort leben und für die Menschen, die dort bleiben, wenn wir wieder weg sind.

Und was ist mit dem Erfolg in Zahlen?
Vetter:
Wir haben Planzahlen, die insgesamt, für alle Kirchentage auf dem Weg, bei 80 000, der Größenordnung eines Kirchentags, liegen. Ob wir diese Planzahlen erreichen, ist eine kritische Frage, die man im Endeffekt erst danach beantworten kann.

Es wird Menschen geben, die sagen, zum Berliner Kirchentag gehe ich nicht – der ist mir zu groß. Für diese Menschen sind die Kirchentage auf dem Weg genau das Richtige. Kleiner, überschaubarer, intimer. Dazu kommen die Besucher aus der Region: Bei den letzten Kirchentagen in Dresden und in Stuttgart kamen unglaublich viele Menschen aus der unmittelbaren Umgebung.

Wofür lohnt es sich, eine Eintrittskarte zu kaufen? Viele Veranstaltungen finden doch im Freien statt?
Vetter:
Die Eintrittskarte lohnt sich zunächst mal unter dem Aspekt der Ehrlichkeit. Auch ein Kirchentag kostet Geld. Mit der Eintrittskarte trägt man sein Scherflein zum Gelingen der Veranstaltung bei. In den geschlossenen Räumen wird es, wie bei jedem anderen Kirchentag auch, Einlasskontrollen geben – die Open-Air-Veranstaltungen werden aber, wie bei jedem Kirchentag üblich, kostenfrei besuchbar sein. Wir freuen uns ja auch über Menschen, die nur eine Stunde oder eine halbe Stunde dabei sein können.

Und: Es gilt die traditionelle Kirchentagsregel – wer sich eine Eintrittskarte wirklich nicht leisten kann, kann sich beim Teilnehmendenservice melden, und dann finden wir eine Lösung.

Die Programme sind bei den Kirchentagen auf dem Weg unterschiedlich umfangreich. In Leipzig findet fast ein eigener Kirchentag statt. In kleineren Orten, wie Halle oder Dessau, wird es da nicht schwierig mit der Resonanz?
Vetter:
Ich glaube nicht, dass es in Dessau schwierig wird. Dort ist die anhaltische Landeskirche zu Hause – und diese Kirche ist wieder einmal hoch motiviert.

Illustration: Daniel Leyva, r2017

Illustration: Daniel Leyva, r2017

Und Leipzig war ja schon Gastgeber für einen normalen Kirchentag und einen Katholikentag im letzten Jahr: Dort gibt es eine besondere Tradition – und in diesem Jahr noch einen besonderen Anreiz. Menschen, die miteinander Posaune, Trompete oder Tuba spielen, und im Festgottesdienst am 28. Mai in Wittenberg spielen, können sich dort schon einmal treffen und ein Konzert geben. Das ist natürlich ein Höhepunkt, den andere Städte nicht bieten können.Aber jeder Kirchentag hat ein eigenes, regional vorbereitetes Programm – und deswegen unterscheiden sich die Programme vor Ort auch.

Was ist aus Ihrer Sicht der Höhepunkt? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Vetter:
Der Höhepunkt ist natürlich der große Festgottesdienst in Wittenberg, wo die Besucher aus Berlin, von den Kirchentagen auf dem Weg und aus ganz Ostdeutschland zusammenkommen werden. Denn Wittenberg liegt gar nicht so weit weg, wie man immer denkt.

Von Braunschweig oder Hannover ist das eine normale Tagesreise. Da kann man früh morgens losfahren und zum Gottesdienst in Wittenberg dabei sein.

Faszinierend finde ich die öffentliche Darstellung der »Lichtgeschichte der Reformation« in Leipzig, das Theater auf der Elbe in Magdeburg, es gibt da ganz vieles …

Wer steckt denn eigentlich hinter dem Verein für das Reformationsjubiläum?
Vetter:
Das ist ganz einfach zu erklären: Hinter dem Trägerverein stecken der Deutsche Evangelische Kirchentag und der Rat der EKD. Beide haben den Verein gegründet. Heute gibt es dort knapp 100 hauptamtliche Mitarbeiter.

Manche machen gern Großveranstaltungen, andere lieben den Kirchentag und wieder andere haben Lust, bei etwas ganz Großem dabei zu sein.Und dann sind da die 180 Volunteers – die jungen Freiwilligen, die mit uns leben und arbeiten. Und die sind ganz stark dabei, die bringen ganz viele kreative Ideen mit ins Spiel.

Sprechen wir über den Festgottesdienst. Da gab es immer wieder einmal die Frage nach dem Sicherheitskonzept – wie steht es darum?
Vetter:
Da sind wir derzeit wenige Wochen vor der Fertigstellung. Es gibt einen klar definierten und mit den Behörden des Landes Sachsen-Anhalt, des Landkreises Wittenberg, der Stadt und den Bundesbehörden abgesprochenen Zeitrahmen.

Es war klar, es muss bis Ende Februar ein Organisationskonzept vorliegen. Dann wird man es mit den Behörden, mit denen man das entwickelt hat, noch einmal genau anschauen. Und dann werden wir die entscheidenden Teile, die die Menschen wirklich betreffen, auch in angemessener Form bekanntgeben und kommunizieren, sodass jeder, der vom Kirchentag auf dem Weg zum Abschlussgottesdienst kommt, der einen Tagesausflug dorthin macht oder der in Wittenberg selbst lebt, rechtzeitig erfährt, wie es für ihn ganz persönlich funktioniert.

www.r2017.org

Es bleibt ein Experiment

12. Februar 2017 von redaktionguh  
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Gibt es in Deutschland genug engagierte Protestanten, um neben dem Berliner Kirchentag auch die sechs mitteldeutschen Kirchentage auf dem Weg zu einem Erfolg werden zu lassen? Mit den Posaunenchören in Leipzig, den Friedensthemen in Magdeburg oder den Umweltthemen in Dessau könnte das klappen.

Freilich – der Begriff »Erfolg« ist wie bei vielen anderen Themen auch an dieser Stelle relativ. Wer die Kirchentage auf dem Weg mit den Kirchentagen der DDR vergleicht, wird ebenso scheitern müssen wie bei einem Vergleich mit dem großen Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die Kirchentage auf dem Weg werden anders sein. Sie werden eine neue Veranstaltungsform sein, die es so im deutschen Protestantismus noch nicht gab.

Es werden Treffen sein für Engagierte, für Spezialisten, die sich abseits des großen Trubels in Berlin einem bestimmten Thema widmen wollen. Für Menschen, die vor dem großen Festgottesdienst in Wittenberg nicht die Menschenmassen der Großstadt, sondern die historischen Wirkungsstätten Luthers besuchen wollen. Für Christen aus Mitteldeutschland, die einen Kirchentag vor der Haustüre erleben.

Aber lohnt sich für so etwas der große Aufwand, wenn doch nur 5 000 Menschen nach Halle oder Dessau kommen werden? Auch das hängt davon ab, wo man den Maßstab setzt.

Wenn die 5 000 hinterher sagen, dass sie eine schöne Zeit in Halle und Eisleben hatten, und sich an diese Reise im Jahr 2017 ganz besonders gern zurückerinnern, wäre das jedenfalls ein besseres Ergebnis, als wenn 20 000 kommen, die am Ende typisch protestantisch, also grummeld unzufrieden sind. Und ansonsten dürfte es so sein wie bei allen Experimenten: Mehr wird man erst an deren Ende wissen.

Benjamin Lassiwe

Unterwegs nach Wittenberg

10. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

In Mitteldeutschland gibt es zeitgleich mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag die Kirchentage auf dem Weg.

Die Bläser treffen sich in Leipzig. Wer gerne Schiff fährt, kommt nach Magdeburg. Und für Gospelfans sind Halle und Eisleben eine gute Wahl. Bis zu 100000 Menschen werden erwartet, wenn parallel zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg vom 25. bis 28. Mai in den acht Städten Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena und Weimar, Dessau-Roßlau sowie Halle und Eisleben insgesamt sechs Kirchentage auf dem Weg stattfinden sollen. In der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin wurde jüngst das rund 2000 Veranstaltungen umfassende Programm dieser Treffen vorgestellt.

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

»Kirchentage auf dem Weg gibt es nur im Jahr des Reformationsjubiläums«, sagte der Abteilungsleiter Marketing des Vereins Reformationsjubiläum 2017, Christof Vetter. Im Unterschied zu dem zeitgleich stattfindenden Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Potsdam böten sie etwas intimere Veranstaltungen, »wer nicht zum großen Kirchentag nach Berlin fährt, weil ihm das zu groß ist, fährt vielleicht nach Mitteldeutschland«.

Dabei werden die Kirchentage auf dem Weg schon von der Teilnehmerzahl her höchst unterschiedlich aussehen: In Halle und Dessau werden von den Veranstaltern jeweils nur 5000 Menschen erwartet. Leipzig dagegen, wo im vergangenen Jahr der Katholikentag stattfand, wird mit 50000 erwarteten Besuchern in die Nähe eines klassischen Kirchentags kommen. Denn dort treffen sich schwerpunktmäßig die Posaunenchöre, proben für den großen Festgottesdienst in Wittenberg und veranstalten am Tag zuvor ein großes Festkonzert auf dem Marktplatz.

In Magdeburg wird das Zentrum Frieden angesiedelt sein, in Jena und Weimar finden sich Samba-, Capoeira- und Folk-Bands aus allen Teilen Deutschlands ein, darunter auch Musiker von Rio Reisers Protestband »Ton, Steine, Scherben«.

Und in Dessau steht wegen des dort ansässigen Umweltbundesamtes die Bewahrung der Schöpfung ganz oben auf dem Kirchentagsprogramm. »Wir streiten und fragen, feiern und singen, beten und schweigen nicht allein in Berlin beim 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag«, sagt Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au.

Man veranstalte Kirchentage auch dort, »wo die reformatorischen Ideen groß wurden, von wo aus sie verbreitet und weitergedacht wurden«. Dabei wolle man auch nicht verkennen, in welchem Umfeld die Veranstaltungen stattfänden: »Nichts, was mit Religion und Glauben zu tun hat, ist in Berlin und Mitteldeutschland selbstverständlich.«

Selbstverständlich bei einem Kirchentag ist dagegen der Auftritt der EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann. Während sie am Donnerstag auf dem Berliner Kirchentag zu Gast ist, wird sie am Freitag und Samstag der Kirchentagswoche vor allem bei den »Kirchentagen auf dem Weg« präsent sein. »Die Kirchentage auf dem Weg nehmen auf, dass die Region Mitteldeutschland für die Reformationszeit prägend war«, sagt Käßmann. »Sie laden ein, Orte der Reformation kennenzulernen und den Menschen in diesen Orten zu begegnen.« Weil die Veranstaltungen kleiner sind als die des großen Kirchentags in Berlin, sind auch die Eintrittskarten etwas günstiger: Die Dauerkarte in Dessau oder Leipzig kostet 59 Euro, während sie in Berlin mit 99 Euro zu Buche schlägt. Für das gesamte Projekt der Kirchentage auf dem Weg, das wie der Berliner Kirchentag auch in den großen Festgottesdienst in Wittenberg mündet, haben die Veranstalter Kosten von 12,5 Millionen Euro kalkuliert: Zwei Millionen Euro werden dabei von den gastgebenden Kommunen aufgebracht – entweder als Bargeld oder als geldwerter Vorteil. »Die Stadt Dessau hat uns beispielsweise angeboten, dass ihr Bauamt unsere Bühne gleich selbst konstruiert«, sagt der Geschäftsführer des Reformationsjubiläums, Hartwig Bodmann. »So brauchen wir keinen Architekten mehr, und die Bühne ist auch gleich genehmigt.«

Und die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützen die Veranstaltungsreihe mit 4,8 Millionen Euro. Den Rest will der Kirchentag über Teilnehmerbeiträge, Spenden, Sponsoring und die Unterstützung der beteiligten Landeskirchen selbst aufbringen.

Benjamin Lassiwe

Advent heißt Ankunft

27. Dezember 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Kirche am Gleis: Die Bahnofsmission in Halle wird 25 Jahre

Die Bahnhofsmission in Halle feierte in diesen Tagen ihren 25. Gründungstag. Seit 1991 haben die Haupt- und Ehrenamtlichen über 900 000 Mal Menschen geholfen.
Der Wind pfeift eisig durch die Bahnsteighalle. Bellal zieht die schwarze Mütze weiter über die Ohren, strafft die Handschuhe. Es ist ein kalter Dienst an jenem trüben, diesigen Sonntagvormittag im Dezember auf dem Hauptbahnhof von Halle.

»Wir schauen, wer Hilfe braucht«

Bellal ist seit drei Monaten immer wieder hier – er ist ehrenamtlicher Helfer bei der Bahnhofsmission. Der junge Afghane ist an diesem Tag mit Steffen Hoehl, dem stellvertretenden Leiter der Mission, auf den Bahnsteigen, der Kuppelhalle und der Unterführung unterwegs. »Wir schauen, wer Hilfe braucht«, sagt Steffen Hoehl. Als die S-Bahn aus Leipzig mit Verspätung einfährt, ist es zum Beispiel eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Schweres Gepäck aus dem Zug wuchten, bei den Fernzügen älterer Modelle den Reisenden helfen, die Stufen unfallfrei herunterzukommen, alleinreisende Kinder und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen begleiten, Wege weisen, Orientierung geben, ein Lächeln schenken, aufmerksam sein. Das ist ein Aufgabenfeld der Bahnhofsmission, die vor 25 Jahren gegründet worden ist.

Mehr als 900 000 Mal im Einsatz für Menschen

Die Einrichtung zählt damit zu den ältesten ihrer Art in Sachsen-Anhalt. Sie wurde am 20. Dezember 1991 von der katholischen und evangelischen Kirche ins Leben gerufen. Seitdem wurden mehr als 900 000 Kontakte gezählt. Inzwischen ist der evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis der alleinige Träger. Er finanziert zwei Stellen: Heike Müller als Leiterin und Steffen Hoehl als ihr Stellvertreter sind zwei Hauptamtliche unter rund 20 Ehrenamtlichen. Unterstützung kommt auch von der Stadt Halle, sie finanziert die Frühstücksversorgung – das zweite Aufgabenfeld der Bahnhofsmission.

Einen Schritt schneller sein – das ist das Leitbild der Haupt- und Ehrenamtlichen der Hallenser Bahnhofsmission. Sie haben einen wachen Blick dafür, wo die Menschen beim Ein-, Aus- und Umsteigen Hilfe benötigen. Hier sind Steffen Hoehl und der junge Afghane Bellal beim Außendienst an Gleis 2. Foto: Katja Schmidtke

Einen Schritt schneller sein – das ist das Leitbild der Haupt- und Ehrenamtlichen der Hallenser Bahnhofsmission. Sie haben einen wachen Blick dafür, wo die Menschen beim Ein-, Aus- und Umsteigen Hilfe benötigen. Hier sind Steffen Hoehl und der junge Afghane Bellal beim Außendienst an Gleis 2. Foto: Katja Schmidtke

Denn die Räumlichkeiten im hinteren Seitenflügel des Bahnhofs sind auch Anlaufpunkt für sozial benachteiligte und einsame Menschen. Draußen auf der Fensterbank stehen Blumenkästen mit Heidekraut, im Fenster hängt weihnachtlicher Schmuck, drinnen sind die Tische sauber und liebevoll eingedeckt, mit Blumen und Deckchen, die Kaffeemaschine blubbert, es ist gemütlich warm. »Wir sind bemüht, hier mit jedem verantwortungsbewusst und respektvoll umzugehen. Das fängt bei einem ordentlich gedeckten Tisch an«, sagt Heike Müller. Sie leitet die Bahnhofsmission seit 17 Jahren.

Was hat sich in dieser Zeit verändert? Es kommen viel mehr psychisch kranke Menschen, bilanziert die ausgebildete Sozialarbeiterin. Lange Arbeitslosigkeit, aber auch der Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen mache die Menschen krank. Es sind hauptsächlich Männer. Die meisten müssen mit einer schmalen Rente auskommen, aber es gibt auch andere Fälle. Bedürftigkeit ist heute ein vielschichtiges Problem, es betrifft längst nicht nur alte oder obdachlose Menschen. »Im Moment kommen auch viele junge Erwachsene, die haben oft schon abgeschlossen, können nicht, wollen nicht. Das macht nachdenklich«, sagt Heike Müller. Ihr Team will den Besuchern mehr als eine Stulle und einen heißen Kaffee mitgeben. Es soll hier auch um Mitmenschlichkeit gehen, um Höflichkeit, Respekt, um Regeln und Rituale. Hilfe zur Selbsthilfe. »Aber ohne Zeigefinger.«

Jeder Tag beginnt mit einer Geschichte aus dem immerwährenden Kalender »Blätter, die uns durch den Tag begleiten«. Das kann ein Gleichnis sein, ein Vers oder eine Geschichte aus der Bibel. Einmal im Monat bietet Pfarrer Karsten Müller aus der nahen Johannesgemeinde ein Bibelgespräch für die Ehrenamtlichen an. Nicht alle Helfer indes sind konfessionell gebunden oder gläubig. Dass auch zwei, die dem Glauben fernstehen, dennoch regelmäßig zum Bibelkreis kommen, empfindet Heike Müller als wohltuend und anregend. Einmal im Jahr wird, wie am 20. Dezember zur Jubiläumsfeier, in der Bahnhofshalle ein Gottesdienst gefeiert, meist im Frühling. Zudem hält Pfarrer Müller am Heiligen Abend, 13.30 Uhr, eine Andacht.

Zwei Flüchtlinge unter den ehrenamtlichen Helfern

Die Bahnhofsmission lebt von und mit ihren Ehrenamtlichen. Unter ihnen sind viele Rentner, neuestens auch zwei Flüchtlinge: neben dem jungen Mann aus Afghanistan eine aus dem Irak geflohene Christin. Beiden wolle man ein Stück Heimat geben. Heike Müller und ihr Kollege Steffen Hoehl sind zudem immer auf der Suche nach Menschen, die sich engagieren wollen, die ein bisschen Zeit schenken und die Arbeit unterstützen möchten und können. Interessenten durchlaufen fünf Probedienste, sie sollten körperlich und seelisch fit sein, eine gute Kondition bei Hitze und Kälte, treppauf, treppab mitbringen und eine schnelle Auffassungsgabe haben.

Die Bahnhofsmission Halle, die schon einmal von 1946 bis 1956 existierte, ist eine von 103 Einrichtungen deutschlandweit. In Sachsen-Anhalt existiert die »Kirche am Gleis« neben Halle auch in Magdeburg, Halberstadt, Stendal, Bitterfeld und Dessau. In Thüringen gibt es keine Bahnhofsmission. Erst vor wenigen Wochen ist ein Verein zur Förderung der Bahnhofsmissionen in Deutschland gegründet worden.

Katja Schmidtke

www.bahnhofsmission.de

In der Rolle seines Lebens

5. Dezember 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Als Nikolaus macht Gerd Norgel aus Vockerode jeden 6. Dezember zu einem besonderen Tag für Dessauer Kinder

Als Kind, in den 1950er-Jahren, war es für Gerd Norgel noch ganz einfach. Stiefel putzen, eine Nacht schlafen und sich am nächsten Morgen über eine kleine Gabe freuen. »Der Nikolaus muss ein guter Mann sein«, dachte er sich damals. Aus dem kleinen Jungen, Jahrgang 1945, ist ein Mann mit viel Lebenserfahrung geworden, der vor Jahrzehnten freilich noch nicht ahnen konnte, dass er als Nikolaus selbst einmal Kindern eine Freude bereiten wird. Schon seit 14 Jahren schlüpft der Ruheständler aus Vockerode jeden 6. Dezember in sein Kostüm und bringt den Kindern der »Alexandraschule«, dem Evangelischen Kindergarten der Dessauer Innenstadtgemeinde St. Johannis und St. Marien, die historische Figur des Nikolaus näher. »Mit einem Baumarkt-Nikolaus habe ich nichts gemein«, betont er.

Jedes Jahr im Dezember ist Gerd Norgel der Nikolaus. – Foto: Danny Gitter

Jedes Jahr im Dezember ist Gerd Norgel der Nikolaus. – Foto: Danny Gitter

Mitten in der Kinderschar gibt der Vockeroder dann den Bischof von Myra, jenen großzügigen Mann, der im dritten und vierten Jahrhundert im Gebiet der heutigen Türkei lebte und der Legende nach sein ganzes Vermögen an die Armen weitergab. »Er hätte ein komfortables Leben haben können, hat sich aber aufopferungsvoll um andere gekümmert«, erzählt der 71-Jährige darüber, was ihn so an dieser Figur fasziniert. Als guter Mann des Glaubens, in seinem historischen Bischofsgewand mit der Mitra auf dem Kopf und dem Bischofsstab in der Hand, hilft er dann noch die im Kindergarten gebackenen Nikolausstiefel zu verteilen, ehe in der »Marienschule«, einem evangelischen Kindergarten im Süden Dessaus, sein zweiter Auftritt wartet.

Von den Legenden des heiligen Nikolaus erzählt der Vockeroder dann. Derlei gibt es viele. Einst soll er einem verarmten Mann geholfen haben, wegen der fehlenden Mitgift für eine standesgemäße Heirat seiner drei jungfräulichen Töchter, diese vor der Prostitution zu bewahren. In drei Nächten hintereinander warf er Goldklumpen durchs Fenster. Auch in Not geratenen Seeleuten soll er durch stürmische See geholfen und eine Hungersnot in seiner Heimat abgewendet haben. »Ich will das nicht zu Wundern verklären. Der Mann war einfach sehr klug und seiner Zeit sehr weit voraus«, sieht es Gerd Norgel nüchtern. Doch die Rolle des Nikolaus, die er seit 14 Jahren in der Alexandraschule, seit fünf Jahren in der Marienschule und seit elf Jahren noch an jedem 7. Dezember im Kindergarten in Vockerode spielt, die gefällt ihm außerordentlich. Auch bei einer Adventsfeier für Flüchtlingskinder im Dessauer Georgenzentrum 2015 war er als Nikolaus dabei.

Als er bei einer ABM-Maßnahme in der Johanniskirche 2002 gefragt wurde, ob er für die Kinder der Alexandraschule den Heiligen aus Myra spielen könnte, zögerte Gerd Norgel keine Sekunde. »Reden liegt mir, und Dinge vermitteln, das mache ich auch gerne«, sagt er. Jahrzehntelang war das Kraftwerk Vockerode seine berufliche Heimat. Nach der Stilllegung qualifizierte er sich auch zum Gästeführer.

Jetzt, im Ruhestand, lässt er es aber keineswegs ruhig angehen. Seit elf Jahren leitet Gerd Norgel den Gemeindekirchenrat in Vockerode. »So Gott will, soll es so mit allem weitergehen«, blickt er zufrieden in die Zukunft.

Danny Gitter

Stützen ihrer Kirchengemeinden

1. November 2016 von redaktionguh  
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Anhalter Kreuz: Elf Frauen und Männer wurden in diesem Jahr mit dem Dankzeichen der Landeskirche geehrt.

Sie sind die Stützen ihrer Kirchengemeinden: Am vergangenen Sonntag zeichnete Kirchenpräsident Joachim Liebig elf Frauen und Männer mit dem Dankzeichen »Anhalter Kreuz« aus. Kirchenältester zu sein hat in der Familie Fettback Tradition. Als sein Vater in den 1970er-Jahren aus dem Gemeindekirchenrat (GKR) in der Zwölfapostelgemeinde in Kochstedt
aus Altersgründen ausscheiden musste, trat Hans-Dieter Fettback (69) an seine Stelle. Zudem gehört er der Kreissynode an. Das Gemeindeleben liegt ihm ebenso am Herzen wie die praktischen Arbeiten in der Gemeinde. Als 2012 die Kirche umgebaut wurde und für Monate nicht genutzt werden konnte, stellten er und seine Frau Barbara Privaträume für die Gottesdienste zur Verfügung. Das Ehepaar ist in der Flüchtlingshilfe aktiv.

Elf Ehrenamtliche aus Kirche und Diakonie erhielten von Kirchenpräsident Joachim Liebig das Dankzeichen »Anhalter Kreuz« in der Wörlitzer Petrikirche verliehen. Foto: Thomas Klitzsch

Elf Ehrenamtliche aus Kirche und Diakonie erhielten von Kirchenpräsident Joachim Liebig das Dankzeichen »Anhalter Kreuz« in der Wörlitzer Petrikirche verliehen. Foto: Thomas Klitzsch

Jörg Haseloff (47) war seit seiner Jugend in der Kirchengemeinde Roßlau aktiv und erwarb sich später als Dachdeckermeister besondere Verdienste um die Sanierung und Neueindeckung des Roßlauer Kirchturms. Bis zu seinem Umzug nach Meinsdorf im Januar dieses Jahres war er GKR-Vorsitzender in Roßlau. Er legt Wert darauf, alle Aktivitäten der Kirchengemeinde am Wort Gottes zu prüfen. So führte er ein, dass jede GKR-Sitzung mit einer theologischen Reflexion begann, bevor notwendige Fragen zu Verwaltung oder Bau besprochen wurden. Die Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ihm ein besonderes Anliegen.

Die gelernte Krankenschwester Ehrengard Hirndorf (82) ist seit 1956 in Dessau ehrenamtlich für die Landeskirche Anhalts und vorzugsweise für die Christusgemeinde tätig. Sie war 55 Jahre im Besuchsdienst, gehörte von 1963 bis 1993 dem Gemeindekirchenrat an und schloss 1984 erfolgreich eine Lektorenausbildung ab. Viele praktische Aufgaben im Gemeindehaus, in der Kirche und auf dem Pfarrgrundstück erledigte sie ebenso zuverlässig wie das Verteilen des Boten. In Dessau gehörte sie zu den ersten Mitarbeitern des ambulanten Hospizdienstes, aus dem sie 2014 mit dem Höchstalter ausschied. Für ihren 60-jährigen ehrenamtlichen Dienst bekam Ehrengard Hirndorf das Anhalter Kreuz – Anerkennung zum diamantenen Jubiläum eines »Diamanten« der Landeskirche.

Auf Brunhilde Mentel (74) trifft die Bezeichnung »guter Geist der Gemeinde« zu. In der Johannis- und Mariengemeinde Dessau gehört sie seit über 40 Jahren dem Gemeindekirchenrat an, arbeitet im Finanzausschuss mit, schmückt die Kirche mit Blumen, übernimmt den Lesedienst, singt im Chor und kümmert sich ganz besonders um alt gewordene und hilfsbedürftige Gemeindeglieder. Auch bei der aufwendigen Gästeversorgung bei vielen Veranstaltungen in St. Johannis ist sie zu finden.

Ihr musikalisches Können bringt Dana Moriben (44) in das Leben der Kirchengemeinde Raguhn/Jeßnitz ein. In ihrer Heimatgemeinde Grimme lernte sie als Kind das Trompetenspiel. Im Jahr 2000 erweckte sie den Raguhner Posaunenchor wieder zum Leben. Sie eröffnete Anfängergruppen für Kinder und Erwachsene; zwei- bis dreimal wöchentlich leitet sie die Proben. Das Ergebnis lässt sich hören in Gottesdiensten, Andachten und Bläsermusiken. Dana Moriben erhielt das Anhalter Kreuz dafür, dass sie »die Posaunenarbeit als unüberhörbare und freudige Form der Verkündigung zum Blühen gebracht hat«, heißt es.

Als Renate Rochhausen (60) vor über 20 Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach Bernburg zog, engagierte sie sich in der Arbeit mit Kindern. Später wurde sie Lektorin der Schlosskirchengemeinde. In besonderer Weise bemüht sie sich um neue Gemeindeglieder, den Gottesdienstbesuch und sie gestaltet Thomasmessen. Die Kirchenälteste regt die Gestaltung von gemeindlichen Festen an. Und sie ist wichtiges Bindeglied zur Arbeit mit Frauen. Im Hospizdienst der Kanzler von Pfau’schen Stiftung hat sie sich für die Begleitung von schwerst kranken und sterbenden Menschen ausbilden lassen. Ihre einmalige Art, auf Menschen zuzugehen, teilt sie mit vollen Händen aus.

Edith Rogge (79) aus Wörpen hat in ihrem Leben vielen Pfarrern zur Seite gestanden. Bis 2005 gehörte sie dem Gemeindekirchenrat an. Auf ihre Hilfe und ihren Rat haben sich die jeweiligen Pfarrer und die GKR-Mitglieder stets verlassen können. Es sind die vielen »kleinen«, aber im Miteinander so wichtigen Tätigkeiten, die ihr Engagement auszeichnen. Viele praktische Tätigkeiten in der Kirche und auf dem Friedhof gehörten dazu wie die Besuche bei alten Gemeindegliedern. So lange, wie die Martinsgemeinde Wörpen am Möllensdorfer Weihnachtsmarkt beteiligt ist, stellt Edith Rogge an allen vier Wochenenden den Teig für die »Quarkkrepel« her: vier bis sechs Eimer je Wochenende.

Karin Schönfeld (78) aus Wörlitz übernahm 1988 das Rendantenamt der Kirchengemeinde und hatte es bis Ende 2014 inne. Noch immer organisiert sie die jährlichen Partnerschafts­treffen der Wörlitzer mit der Kirchengemeinde Dornheim. Von 1993 bis 2013 war sie Kirchenälteste. Neben den Finanzen kümmerte sie sich um die offene Wörlitzer Petrikirche, die durch ihre Lage im Gartenreich und wegen des Bibelturms gut besucht ist. Zu diesem Dienst gehören die Betreuung des Büchertisches, die Sorge um Blumen und das ordentliche und ansprechende Aussehen der Kirche.

Zur Dessauer Georgengemeinde gehört Ingrid Vogts (71) seit 2005. Seitdem bringt sie treu und zuverlässig ihre Gaben ein: bei der Ausgestaltung der Heilig-Abend-Feier für Einsame und Alleinstehende, der Leitung des Seniorenkreises, der Arbeit im Besuchsdienst und seit 2011 als Lektorin. Kirchenälteste ist sie seit 2011, vertritt ihre Gemeinde in der Kreissynode und den Kirchenkreis Dessau im Seniorenbeirat der Stadt. Schon 2009 begann sie mit dem damaligen GKR-Vorsitzenden, in St. Georg Mittagsandachten zu halten. Diese hält sie – verbunden mit dem Angebot »Anhalt betet« – regelmäßig durch das Kirchenjahr.

Peter Waage (66) gehört seit Mitte der 1980er-Jahre ununterbrochen dem Gemeindekirchenrat in Oranienbaum an. Er engagiert sich im Gemeindekirchenrat sowie für Kirchbau, Bläserarbeit und die Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Ludwigshafen. Als Leiter des Bau-Ausschusses begleitete er viele Entscheidungen und setzte sie mit um. Zudem ist es ihm zu verdanken, dass zur Kirchengemeinde bis heute ein Posaunenchor gehört, der 2015 sein 125-jähriges Bestehen feiern konnte. Als Peter Waage, ein passionierter Trompeter und Tubabläser, in den 1980er-Jahren von Schkeuditz nach Oranienbaum zog, begann er, den Bläserchor wieder zum Leben zu erwecken. Mit Erfolg.

Die Diakonie ist Gernot von Wolf (65) aus Dessau ein Herzensanliegen. Der gelernte Krankenpfleger qualifizierte sich zum Fachkrankenpfleger und Heimleiter. Von 2002 bis 2015 arbeitete er ehrenamtlich im ambulanten Hospizdienst des Anhalt-Hospizes mit. Seine Erfahrungen bringt er in den Besuchsdienst der Dessauer Auferstehungsgemeinde ein, vertritt seine Gemeinde im Dessauer Christenrat und im Freundeskreis der Anhaltischen Diakonissenanstalt (ADA), wo er seit dem vorigen Jahr der Diakonischen Gemeinschaft angehört. In seiner Gemeinde wirkt er auch als Kirchenältester und Lektor.

Angela Stoye

Was an Gospel so besonders ist

9. September 2016 von redaktionguh  
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Beim 8. Internationalen Gospelkirchentag am Wochenende in Braunschweig ist auch der Chor »Heavens Sings« aus Dessau-Süd dabei. Er und weitere Ensembles setzen sich mit großem Engagement in den verschiedenen Regionen Mitteldeutschlands für diese besondere Form der musikalischen Verkündigung ein.

Obwohl es 44 Jahre zurückliegt, bleibt mir ein Konzert der farbigen Gospel-Sängerin Etta Cameron in der auf allen drei Emporen voll besetzten Eisenacher Georgenkirche bis heute in lebendiger Erinnerung. Die aus den USA stammende Sängerin, die noch mit Martin Luther King gemeinsam aufgetreten war, sang Spirituals und Gospels – und verbreitete dabei zugleich die Botschaft des gewaltlosen Widerstandes. Ihre über »Glaube+Heimat« weitergetragene Bereitschaft, auch in anderen Kirchen auftreten zu können, löste eine Welle an Einladungen zwischen Thüringer Wald und Ostseeküste aus. Immer wieder sprang der Funke ihrer Botschaft über und löste Begeisterungsstürme aus.

Bei Elke Kaduk aus Dessau war es der Reisebericht eines Freundes, der in der Time Square Church in New York einen Gottesdienst mitgefeiert und auf Video aufgezeichnet hatte, der bei ihr eine Art »Urknall« auslöste. Sie faszinierte die »Lebendigkeit, Echtheit und Emotionalität«, mit der es hier zu einer »Verbindung von Evangelium und moderner, zeitgemäßer Musik« kam. Ihren daraufhin gegründeten Chor »Heaven Sings« gibt es inzwischen 21 Jahre. Er besteht aus 40 Sängerinnen und Sängern im Alter von 20 bis 72 Jahren. Seit zehn Jahren leitet sie außerdem den Jugendgospelchor »Soul Teens Dessau«. Die studierte Musik- und Deutschlehrerin absolvierte eine kirchenmusikalische C-Ausbildung sowie den Studiengang Popularmusik an der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik.

Berge versetzen wollen die Sängerinnen und Sänger mit ihrer Musik. So lautete jedenfalls das Motto des Gospelkirchen- tages 2012 in Dortmund. In Bielefeld heißt es am Wochenende: »Welcome home« – Willkommen zu Hause. Foto: Stiftung Creative Kirche

Berge versetzen wollen die Sängerinnen und Sänger mit ihrer Musik. So lautete jedenfalls das Motto des Gospelkirchen- tages 2012 in Dortmund. In Bielefeld heißt es am Wochenende: »Welcome home« – Willkommen zu Hause. Foto: Stiftung Creative Kirche

Der 2008 von Rebecca Klukas in Altenburg gegründete Gospelchor »Colours of Soul« und die dazu gehörende Band haben sich schnell überregional einen Namen gemacht. Im Gespräch mit der Kirchenzeitung schwärmt die Schulsozialarbeiterin: »Das Wunderbare am Gospelsingen ist einerseits, dass ich als ganzer Mensch, mit dem ganzen Körper und der Seele, gefragt bin. Dass sich Improvisation mit Gebet verbindet und dadurch eine unglaubliche Authentizität, Intensität und Kraft bekommt, und zwar in beide Richtungen: von Gott zu mir und umgekehrt. Es fließen, was ich persönlich sagen kann, aus mir Dinge heraus, die ich so nicht sprechen, aber singen kann.« Gospel bedeute: »Singen von der guten Nachricht des Evangeliums, Singen, das uns als Mensch ganz meint, Groove, der unseren ganzen Körper braucht, Musik, die sehr emotional und bewegt ist, Rhythmus, dem man sich nicht entziehen kann.«

Weil es in Magdeburg keinen Gospelchor gab, wurde 2003 »Go(o)d Voices« als »singender Freundeskreis« ins Leben gerufen. »Wir wollten gern diese mitreißende Musik, zu der Bewegung und hohe Emotionalität zwingend dazugehören, für uns entdecken«, berichtet Kantorin Hedwig Geske von der Gemeinde St. Nikolai. »Als wir merkten, dass das schön klingt, was wir machen, haben wir angefangen, auch in Gottesdiensten und Konzerten aufzutreten.«
Die 20 Sängerinnen und Sänger von »black feet white voices« aus Jena haben sich dem A-cappella-Gesang verschrieben. »Wenn wir Konzerte geben und danach die Leute fröhlich, wenn nicht sogar euphorisch die Kirche verlassen, spüre ich, dass Gospelmusik in der Seele der Menschen ankommt«, freut sich die im Kirchenkreis Eisenberg tätige Diplomsozialpädagogin Almuth Elsässer. »Wir brauchen weder Strom noch Verstärker!«

Dieter Gasde, Referent für Gestaltete Verkündigung, Jugend- und Popularmusik im Kinder- und Jugendpfarramt der EKM, lobt die Eigenständigkeit der Chöre: »Sie organisieren Workshops und laden ihre Lieblingsreferenten selbst ein, beteiligen sich an Workshops, die bundesweit beworben werden, und nehmen an Gospelfestivals teil.« Zur Klientel lasse sich sagen, »dass in einem Gospelchor alle Altersgruppen vereint sind«. Doch treffe man »besonders viele junge Erwachsene, Studenten und oft Frauen ab 40 Jahre aufwärts«.

Michael von Hintzenstern

www.gospelnetzwerk.de/gospelnetz werk_choere.htm

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