Zeitzeugen erzählen

7. Oktober 2018 von redaktionguh  
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Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung im Landeskirchenamt


Sie wollten um Gottes Willen nicht schweigen. Im Mai 1934 kamen evangelische Christen aus ganz Deutschland nach Wuppertal-Barmen. Sie gründeten dort die »Bekennende Kirche«, deren Fundament die Thesen der Barmer Theologischen Erklärung waren.

Organisatorinnen: Brigitte Andrae (links) und Friederike Spengler in der Ausstellung im Landes­kirchenamt. Foto: Diana Steinbauer

Organisatorinnen: Brigitte Andrae (links) und Friederike Spengler in der Ausstellung im Landes­kirchenamt. Foto: Diana Steinbauer

Welche Grundlagen diese Erklärung hatte, welchen Weg ihre Unterzeichner während der NS-Zeit und danach gingen und welche Auswirkungen diese theologischen Thesen haben, das beleuchtet die interaktive Ausstellung »Gelebte Reformation – Barmer Theologische Erklärung«, die derzeit im Collegium maius im Landeskirchenamt in Erfurt zu sehen ist. Anhand von Bildern, Filmszenen, Dokumenten und Erfahrungsberichten bringt sie Licht in eine dunkle Zeit, in der ein eigener Standpunkt und Courage nicht selten lebensgefährlich waren. Auch für evangelische Christen.

Die Barmer Erklärung war ein Protest gegen die Gleichschaltung und Instrumentalisierung der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Anders als viele Deutsche, für die Vaterland und Kirche zusammengehörten und die später auch den Einfluss des Führers auf die Kirche nicht kritisierten, stellen sich die Verfasser der Barmer Erklärung dem entgegen. Sie betonten in erster Linie wieder die Devise der Reformation »Verbum domini manet in aeternum« – Das Wort Gottes bleibet in Ewigkeit!«

Landeskirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae sprach bei der Vernissage der Ausstellung von einer herausragenden Schau. »Vor allem in den persönlichen Zeitzeugenaufnahmen wird für mich die Zeit und ihr Umfeld lebendig«, erklärt Andrae. Vor allem an der Hörstation, an der man den Geschichten derer lauschen kann, die unmittelbar oder als Kinder oder Lebenspartner der Akteure an diesem Ereignis beteiligt waren. »Man kann hier eintauchen in ein Geschehen, und anhand der Einzelschicksale ergibt sich ein ganzer historischer Zusammenhang, ein geschichtliches Ereignis, von dessen Brisanz wir heute noch lernen und profitieren können.«

Andraes Referentin im Landeskirchenamt, Friederike Spengler, hat die Ausstellung, die als Beitrag zur Weltausstellung in Wittenberg 2017 konzipiert wurde, nach Erfurt geholt. Die Ausstellung kann und soll vor allem auch Schüler und Studenten, Konfirmanden- und Jugendgruppen ansprechen und das Lernen im Geschichtsunterricht unterstützen. Spengler ist froh, dass die Landeskirche von der Evangelischen Bank und der KD-Bank Stiftung unterstützt wird, um diese Schau zeigen zu können. »Es ist eine facettenreiche Ausstellung«, erklärt Friederike Spengler, »die hilft, den Kontext zu bebildern, die historische, ethische und religiöse Fragen zu klären versucht und die den Anstoß geben kann, den eigenen Standpunkt zu finden. Nicht belehrend, sondern anhand von Dokumenten.«

Diana Steinbauer

Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr im Collegium maius im Landeskirchenamt in Erfurt zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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»Nicht warten, bis man betroffen ist«

17. September 2018 von redaktionguh  
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Ein neuer Rabbiner steht der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen seit Anfang September vor. Alexander Nachama ist für die Gläubigen kein Unbekannter.

Es war für beide Seiten eine Premiere. Am vergangenen Sonntag feierte Alexander Nachama, der neue Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, mit den Gläubigen das jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Damit beginnt er seine Laufbahn in Erfurt mit einem wichtigen Fest im jüdischen Kalender. Die Gemeinde, die Synagoge, die verschiedenen Örtlichkeiten in Erfurt, Jena und Nordhausen, all das wird Nachama in den nächsten Tagen und Wochen näher kennenlernen. »In Thüringen gibt es ähnliche Strukturen, wie ich sie aus Dresden kenne«, erzählt Nachama, der seit 2012 die Dresdener Gemeinde leitete. »Hier wie dort kommt ein Großteil der Gemeindemitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion.« Und in beiden Gemeinden gibt es vor allem viele ältere Gläubige. Um sie will sich der neue Rabbiner besonders kümmern. Aber er hat auch die Kinder- und Jugendarbeit im Blick. »Um die Familien möchte ich mich intensiv bemühen, denn sie sind die Zukunft der Gemeinde. Die wenigen, die es gibt, möchte ich einbeziehen ins Gemeindeleben und hoffe natürlich, dass sich ihre Zahl vergrößert.« Nachama weiß, dass es viele junge Juden gibt, die aber nicht Teil der Gemeinde sind. So seien gerade in Jena viele Studenten jüdischen Glaubens. »Viele von ihnen fahren an den Feiertagen nach Hause und nehmen darum nicht an den Gottesdiensten in unseren Synagogen teil.« Nachama möchte diese jungen Menschen ansprechen, Kontakte knüpfen und ähnlich wie die Studentenpfarrer der beiden Kirchen in den Hochschulstandorten in Mitteldeutschland Ansprechpartner und Seelsorger sein.

Vorbereitung: Mit dem Studieren der Gebetstexte bereitete sich der neue Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Alexander Nachama, auf das Fest Rosch ha-Schana vor. Foto: Diana Steinbauer

Vorbereitung: Mit dem Studieren der Gebetstexte bereitete sich der neue Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Alexander Nachama, auf das Fest Rosch ha-Schana vor. Foto: Diana Steinbauer

Alexander Nachama wurde 1983 in Frankfurt am Main geboren und ist der Sohn des Historikers und Rabbiners Andreas Nachama. Sein Großvater Estrongo Nachama wurde als Berliner Oberkantor berühmt. In Berlin wuchs auch der Enkel auf. »Der Wunsch Rabbiner zu werden war eigentlich immer schon da«, erinnert sich Nachama. Bereits als Jugendlicher leitete er Gottesdienste. Zunächst absolvierte er aber eine Kantorenausbildung. Daran schloss sich ein Bachelorstudium der Judaistik an der Freien Universität Berlin (FU) an. »Der Schritt hin zu einer Ausbildung zum Rabbiner war für mich eine natürliche Entwicklung.« Nachama wurde neben dem Studium an der FU am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam ausgebildet. Ab dem zweiten Studienjahr wurde er in verschiedene Gemeinden geschickt, um die Praxis kennen zu lernen. Eines dieser Praktika absolvierte Nachama in Dresden, wo er wenig später die jüdische Gemeinde übernahm. Ordiniert wurde Nachama aber 2013 in Erfurt.

Und nun also wieder Thüringen. Neben dem Kennenlernen des neuen Aufgabenbereichs muss sich auch die Familie des 34-Jährigen neu einrichten. Eine Wohnung hat die Familie bereits, Kindergartenplätze für die Kinder müssen noch gefunden werden.

Die Leitung des Gottesdienstes gehört nicht zu den vorrangigen Aufgaben eines Rabbiners, erklärt Nachama beim Besuch der Erfurter Synagoge am Juri-Gagarin-Ring. Er habe vielmehr seelsorgerische Aufgaben, besuche Alte und Kranke, begleite die Gläubigen in Zeiten der Trauer und gebe Religionsunterricht. Der jüdische Religionsunterricht wird in Thüringen wegen der wenigen Schüler nicht in den Schulen, sondern am Nachmittag in Gemeinderäumen erteilt. Neben diesen Aufgaben möchte sich Nachama auch in Erfurt für den interreligiösen Dialog stark machen. Als Pegida sich 2015 in Dresden zu einer immer größeren Bewegung entwickelte, nahm Nachama mit Vertretern des Islam und des Christentum am interreligiösen Trialog teil. »Die Notwendigkeit war da und es war wichtig, dass es ein Forum gab, wo die Menschen ihre Fragen offen stellen konnten. Dort hatten viele die Möglichkeit, ein Urteil, das eigentlich ein Vorurteil war, zu erkennen und im Gespräch herauszufinden, dass sich vieles ganz anders darstellt als angenommen.« Nachama tritt für den Dialog ein. Und für ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus. »Man sollte nicht warten bis man selbst betroffen ist«, sagt der 34-Jährige. »Es gibt eine Entwicklung zu antisemitischen Tendenzen. Diese sind in Berlin, aber auch in anderen Städten spürbar und viele jüdische Gemeinden sind deshalb besorgt«, so Nachama. Wissen und Begegnung beuge Antisemitismus vor. Darum befürwortet Nachama auch Festivals wie Achava. Ein solches Kulturfestival sei ein positives Erlebnis für alle und trage zum Abbau von Ängsten und Vorurteilen bei.

Diana Steinbauer

Juden in Thüringen
Die jüdische Landesgemeinde in Thüringen, mit Sitz in Erfurt, hat gegenwärtig 800 Mitglieder. Zudem betreut der Rabbiner auch Gläubige in und um die Städte Jena und Nordhausen.

Jüdisches Leben gab es in Thüringen seit dem 12. Jahrhundert. Zeugen dieser Geschichte sind die alte Synagoge in der Erfurter Innenstadt, die Mikwe und der 1998 entdeckte »Erfurter Schatz«. Die wertvollen Goldschmiede­arbeiten waren wahrscheindlich während des Progroms gegen Juden 1349 vergraben worden.
In der Progromnacht 1938 wurde auch die Erfurter Synagoge zerstört. Nach  dem Kriegsende 1945 kehrten nur wenige Überlebende des Holocaust nach Thüringen zurück. 1946 wurde der Landesverband Thüringen gegründet und 1952 ein Synagogenneubau eingeweiht.

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Seelsorger braucht das Land

10. September 2018 von redaktionguh  
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Der demografische Wandel trifft die ganze Breite der Gesellschaft und damit auch den Pfarrberuf. Plagen auch die EKM Nachwuchssorgen?

Am 1. September startet traditionell nicht nur das Ausbildungsjahr im Handwerk, sondern auch der Vorbereitungsdienst für angehende Pfarrer. Vor wenigen Tagen also haben die jungen Vikare dieses Jahrgangs begonnen. Es ist nur eine kleine Schar, elf an der Zahl. »Wir haben mit weitaus mehr Bewerbern gerechnet«, sagt Michael Lehmann, Leiter des Dezernats Personal im Landeskirchenamt der EKM in Erfurt. Dennoch ist er nicht beunruhigt, was den Pfarrnachwuchs in der Landeskirche angeht. »Wir haben in den vergangenen drei Jahrgängen so viele Bewerber gehabt, dass wir mit unseren Partnerkirchen, der Landeskirche Sachsen, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Landeskirche Anhalts, mit denen wir das Predigerseminar in Wittenberg betreiben, überlegen mussten, wie wir das Platzangebot ausweiten«, erzählt Lehmann. Das dritte Jahr in Folge habe es doppelte Jahrgänge gegeben. Das letzte Mal wird 2019 einer dieser großen Jahrgänge in den Dienst kommen. »Das ist wichtig, weil auch bei uns massive Ruhestands­eintritte bevorstehen«, so Lehmann. Dennoch seien die Zahlen insgesamt noch nicht beunruhigend. Die Aufregung um einen Beitrag bei MDR Kultur, der meldete, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland könne nicht alle ihre Stellen besetzen, kann Lehmann darum nicht verstehen.

Bei einem Pressegespräch Anfang des Jahres hatte die EKM Zahlen zur Personalsituation von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie zu den Theologiestudierenden und Vikaren veröffentlicht und eine frohe Botschaft gesendet: Die Zahlen seien stabil, es gäbe genügend Personen für den landeskirchlichen Dienst. Außerdem vermeldete man, dass immer mehr Frauen sich zum Pfarrdienst berufen fühlten. An dieser Situation habe sich auch nichts geändert, betont Michael Lehmann. »In den vergangenen Jahren waren die Zahlen konstant«, erklärt der Oberkirchenrat. Derzeit gibt es 884 Stellen in der EKM. Die Vakanzquote liegt bei 3,4 Prozent, das heißt 30 Stellen können derzeit nicht besetzt werden. »Das hat verschiedene Gründe«, weiß Personaldezernent Lehmann.

Foto: epd-bild/Collage G+H

Foto: epd-bild/Collage G+H

Die Regel ist ein ganz normaler Stellenwechsel. Pfarrer A wechselt von X nach Y. Die Stelle wird frei und die Gemeindekirchenräte beantragen die Wiederbesetzung der Stelle. Der Kreiskirchenrat überlegt, ob angesichts des verabschiedeten Stellenplans die Stelle wieder ausgeschrieben werden kann. Dann wird die Stelle ausgeschrieben und es bewerben sich Pfarrerinnen und Pfarrer. Diese stellen sich in Gottesdiensten vor und werden durch Gemeindekirchenräte gewählt. Drei Monate später treten sie die Stelle an. Das bedeutet: Es gilt bei einem normalen Stellenwechsel eine Zeit von 9 bis 12 Monaten zu überbrücken, in denen diese Stelle frei bleibt.

Um aber neue Pfarrer für die Gemeinden der EKM zu gewinnen, müssen junge Menschen für ein Theologiestudium begeistert werden. »Wenn wir unsere Studenten fragen, warum sie Theologie studieren, dann sagen sie in der Regel, sie seien angeregt worden durch eine gute Gemeindearbeit. Sie haben eine kirchliche Jugendarbeit erlebt, die sie attraktiv fanden, und sie waren auch in Ehrenamtsstrukturen eingebunden«, berichtet Michael Lehmann. Es gibt aber auch eine Gruppe von Studierenden, die nicht aus kirchlichen Strukturen stammen und bei denen der Religionsunterricht das Interesse an Fragen der Theologie geweckt hat.

Der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer beschreibt seine Intention zum Theologiestudium so: »Weil ich genauer wissen wollte, was an der politisch so bescholtenen Kirche und ihrer Botschaft dran ist, und weil ich eine Möglichkeit suchte, mich meines eigenen Verstandes ohne Anleitung eines anderen – auch öffentlich – zu bedienen. Dabei wollte ich die Tradition immer als ein Sprungbrett verstehen, gebrauchen, verändern. Seither sinne ich einem Gedanken Luthers nach: ›Was Gott nicht hält, hält nicht‹.«

Schorlemmer hat damals einen klassischen Weg beschritten. Er wurde 1944 als Sohn eines Pfarrers in Wittenberge in der Prignitz (Brandenburg) geboren. Wie er wurden damals viele Pfarrerskinder wieder Pfarrer. Dafür gab es besondere Umstände, gerade in der DDR, die Pfarrerskindern oftmals kein Studium ermöglichte. Wenn ja, dann nur Theologie. »Heute können Pfarrerskinder studieren, was sie wollen, und sie tun es auch«, weiß Michael Lehmann. Das sieht er als großen Vorteil, aber damit sei auch eine Selbstverständlichkeit – wenn auch eine erzwungene – verloren gegangen.

Deshalb macht die EKM Werbung für das Theologiestudium. So beteiligt sich die Kirche an einer Zeitschrift, die Schülerinnen und Schüler in Thüringen erhalten und die bei der Berufswahl helfen soll. Zudem bieten Studienhäuser in evangelischer Trägerschaft attraktive Wohnangebote für Studenten an und die kirchliche Studierendenberatung in Halle und Jena hilft jungen Menschen, Unterstützungsangebote der Kirche, Stipendien, Büchergeld und vieles mehr nutzen zu können.

Diana Steinbauer

Hintergrund
In der EKM gibt es 884 Pfarrstellen, von denen sich 20 in der Ausschreibung befinden. Weitere Stellen werden für 23 Personen vorbereitet, die im April 2019 mit ihrem Entsendungsdienst beginnen wollen. Laut Studierendenliste der Hochschulen auf dem Gebiet der EKM haben sich 2017/18 für den Studiengang Theologie 122 Studierende eingeschrieben. Die tatsächliche Anzahl derer, die in ein Vikariat, also den Vorbereitungsdienst gehen, zeigt sich erst am Ende des Haupt­studiums. Am 1. September haben elf Vikarinnen und Vikare mit dem Vorbereitungsdienst begonnen.


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Kirche macht Schule

10. August 2018 von redaktionguh  
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Finnland liegt in Mitteldeutschland – betrachtet man die pädagogische Arbeit und die Evangelischen Schulen in Mitteldeutschland.

Es gibt die Orte, an denen Kirche wächst. Sichtbar ist das im Besonderen bei der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland und der Evangelischen Johannes-Schulstiftung. Zahlen machen das ganz nüchtern deutlich. 5 300 Schülerinnen und Schüler lernen im neuen Schuljahr an den Einrichtungen der Evangelischen Schulstiftung, 1 250 sind es bei der Evangelischen Johannes Schulstiftung.

»Wir wachsen weiter und das passiert vor allem durch neue Klassen«, erklärt Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung. »Wir haben einige Schulen, die noch größer werden, so zum Beispiel die 2014 gegründete Grundschule in Halle oder auch die Gemeinschaftsschule in Erfurt.« Vor dem quantitativen Wachstum ist Eberl aber vor allem die Qualität der evangelischen Schulen wichtig. In den Einrichtungen der Schulstiftungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen setzt man auf eine gute Lernatmosphäre, christliche Werteerziehung, gut ausgebildete Lehrer und eine hochwertige Ausstattung. »Wir wollen zuallererst gute Schule machen«, betont Eberl.

In Vergleichsarbeiten mit staatlichen Schulen auch in anderen Bundesländern schneiden die evangelischen Schulen sehr gut ab. Auch die Ergebnisse bei der PISA-Erhebung, die beispielsweise am evangelischen Gymnasium in Jena gemessen wurden, waren überdurchschnittlich. Die Schule erreichte damals ähnliche Werte wie die, die im Bildungsmusterland Finnland erreicht wurden.

Der Lehrer Deutschlands: Philipp Melanchthon (eigentlich Philipp Schwartzerdt) kam vor 500 Jahren, am 25. August 1518, um 10 Uhr in Wittenberg an. Heute verkörpert Michael Schicketanz bei seinen Stadtführungen in der Lutherstadt den leidenschaftlichen Professor. Mehr dazu auf Seite 13. Foto: Thomas Klitzsch

Der Lehrer Deutschlands: Philipp Melanchthon (eigentlich Philipp Schwartzerdt) kam vor 500 Jahren, am 25. August 1518, um 10 Uhr in Wittenberg an. Heute verkörpert Michael Schicketanz bei seinen Stadtführungen in der Lutherstadt den leidenschaftlichen Professor. Mehr dazu auf Seite 13. Foto: Thomas Klitzsch

Möglich wird das aber nur durch gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte. Dafür ist eine ausgeprägte Personalakquise nötig. Die Personalgewinnung sieht Michael Bartsch, Vorstand der Evangelischen Schulstiftung und der Evangelischen Johannes Schulstiftung, darum als die große Herausforderung im neuen Schuljahr und darüber hinaus. »Die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen locken mit Verbeamtung, darum wird die Personalgewinnung für uns nicht einfacher«, erklärt Bartsch. Deshalb müsse man in Sachen Personal am Ball bleiben und Anreize schaffen.

Im vergangenen Schuljahr ging die Evangelische Schulstiftung mit der Kampagne »Mein Montagsgefühl« an die Öffentlichkeit. Darin beschrieben Lehrer ihren Arbeitsalltag, die Lehr- und Lernatmosphäre, um junge Pädagogen für die Arbeit dort zu begeistern. Kampagnen wie diese, aber auch der Kontakt zu Universitäten und damit zu Lehramtsanwärtern soll laut Marco Eberl weiter ausgebaut werden.

Für das neue Schuljahr haben sich in Sachsen-Anhalt durch das geänderte Schulgesetz die finanziellen Rahmenbedingungen für die Sekundarstufen verbessert. »Bei den Grundschulen ist das leider nicht der Fall«, erklärt Bartsch. Dennoch geht er mit Freude und Dankbarkeit in das neue Schuljahr.

»Am 1. August haben wir die Trägerschaft für die Evangelische Grundschule in Wittenberg und die Evangelische Grundschule in Holzdorf übernommen. Das ist eine große Freude. Vor allem auch, weil wir mit Holzdorf gegen den Trend arbeiten und zeigen können, dass auch eine kleine Schule mit nur 52 Schülern Potential hat und erfolgreich arbeiten kann.« An dieser inklusiven Schule lernen nicht nur Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Hier erlernt jeder das Geige- und Cellospielen. Auch die Eltern machen dabei mit.

Bei der Evangelischen Sekundarschule Magdeburg freut sich Bartsch, dass hier die Theaterpädagogik in diesem Schuljahr weiter ausgebaut werden kann und Schauspieler gewonnen werden konnten, die die Schüler unterrichten. In Magdeburg stehen auch bauliche Veränderungen an. So werden Schüler und Lehrer zum Halbjahr ein Übergangsquartier in Magdeburg-Buckau beziehen, während die Bauarbeiten am derzeitigen Gebäude beginnen.

Große Investitionen stehen bei der Evangelischen Schulstiftung ebenfalls an. Sie will mit Fördermitteln von Kirche und Ländern, laut Eberl, an die 20 Millionen Euro investieren und damit beispielsweise den Schulstandort Gotha ausbauen sowie die Grundschule in Hettstedt sanieren. Auch am Gymnasium in Meiningen soll noch einmal gebaut werden. Und natürlich soll es an der Grundschule in Halle weitergehen.

Diana Steinbauer

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Für unlösbare Fälle

15. Juli 2018 von redaktionguh  
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Für viele Katholiken ist es selbstverständlich, ihre Anliegen der Fürsprache eines spezialisierten Heiligen anzuvertrauen. Der »Schlamperltoni« Antonius von Padua hilft oft aus, wenn die Karten kurz vorm Theaterbesuch unauffindbar sind. Der heilige Christopherus wurde zu Ferienbeginn von manch einem gebeten, die Reise zu beschirmen. Und dass die heilige Anna eine wirkmächtige Fürsprecherin ist, wenn ein Gewitter hereinbricht, na, das hat schon Martin Luther gewusst.

Auch meinem Mann riet ich einst, als er sich Sorgen um das Gelingen des Staatsexamens machte, ein solches Stoßgebet. Ich empfahl den Heiligen Judas Thaddäus. Nicht zu verwechseln mit dem »Verräter-Jünger« Judas Ischariot, soll gerade er in schweren, schier aussichtslosen Anliegen helfen. Das Examen gelang und auch mein eher rational veranlagter Mann musste zugeben: »Der Thaddäus, der kann was.«

Warum also hat Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht auch diesen Weg gewählt, um sein Anliegen einer veränderten Asylpolitik auf den Weg zu bringen? Als Katholik hätte ihm diese Möglichkeit doch vor Augen stehen müssen. Stattdessen legte der Asylstreit mit der Pfarrerstochter Angela Merkel und das Theater um Rücktritt und doch nicht Rücktritt, um Europa- und Nationallösungen das Land fast drei Wochen innenpolitisch lahm.

Heraus kam ein fader Kompromiss der Schwesterparteien und schließlich auch mit dem Koalitionspartner SPD. Da wurden alte Ideen aufgewärmt, die schon einmal ad acta gelegt worden waren. Und ob das alles wirklich so umsetzbar ist, hängt immer noch vom Einverständnis der europäischen Partner ab. Ausgang weiterhin unklar. Das hätte der Heilige Judas Thaddäus nun wirklich weitaus besser gekonnt.

Diana Steinbauer

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Verfolgt

24. März 2018 von redaktionguh  
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Im aktuellen Bericht der Thüringer Landesregierung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur findet sich auch eine Arbeitsgemeinschaft mit unaussprechlichem Namen – kurz: AG Christen. Diese AG habe festgelegt, steht da zu lesen, wegen der historischen Dimension des Begriffs »Christenverfolgung«, davon Abstand zu nehmen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen.

Das verlangt, meines Erachtens, unbedingt eine Begriffsklärung. Natürlich kann man eine Christenverfolgung wie im alten Rom nicht mit der in der DDR vergleichen. Aber dennoch betrachten sich Menschen, die damals in der jungen Gemeinde aktiv waren, durchaus als Opfer, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Auch Pfarrer, die sich in den späten 50er-Jahren und Anfang der 60er aktiv für die Konfirmation und gegen die Jugendweihe starkmachten, wurden so lange schikaniert, bis sie aufgaben, in den Westen gingen oder inhaftiert wurden.

Markus Anhalt schreibt in seinem Buch »Die Macht der Kirchen brechen«, welchen starken Anteil die Staatssicherheit an der Durchsetzung der Jugendweihe hatte und wie sie diejenigen schikanierte, die sich kirchlich engagierten. Das Leid und die Repressalien von Jugendlichen, die sich für Konfirmation und gegen die Jugendweihe entschieden, lassen die untersuchten Aktentexte erahnen. Unter Tränen haben Betroffene (ehemalige Firmlinge und Konfirmanden) bei einer Diskussion über das Thema »Jugendweihe und Christen« beim Katholikentag in Leipzig geschildert, wie sie drangsaliert wurden. Ihr Leben, so sind sie sich heute sicher, wäre anders verlaufen, wenn sie sich anders entschieden hätten.

Da gibt es große Verwundungen, über die bis heute nicht gesprochen wird – auch nicht in der interministeriellen Arbeitsgruppe.

Diana Steinbauer

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Feindlich, staatszersetzend, Christ

22. Januar 2018 von redaktionguh  
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Erinnerung: Mit dem Porträt des Kirchenhistorikers und Zeitzeugen, Professor Peter Maser, der sich in Sachen Aufarbeitung verdient gemacht hat, startet unsere Serie über »Christen in der DDR«.

Peter Maser steht im Innenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt und blickt auf den Kubus, einen dunklen Würfel, bemalt mit Comiczeichnungen, die von den aufwühlenden Tagen im Spätherbst 1989 in Erfurt erzählen. »Ich glaube, das ist das bisher einzige gelungene und überzeugende Denkmal der friedlichen Revolution, das wir haben«, erklärt er nachdenklich.

Maser ist 74 Jahre alt und seine Geschichte ist eng und untrennbar mit der Andreasstraße verbunden. Dabei hat er zu diesem Ort gar keinen persönlichen Bezug. »Ich habe hier weder eingesessen, noch kenne ich irgendwelche Familienangehörige oder Freunde, die das taten«, betont er. Aber natürlich hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen getroffen, deren Biografie auf fatale Weise mit diesem Ort verbunden ist.

Maser selbst hat auch eine DDR-Vergangenheit. Der gebürtige Berliner, der in Sachsen-Anhalt aufwuchs und heute in Bad Kösen lebt, besuchte in den 1950er-Jahren die Landesschule Pforta, ein Internatsgymnasium in Naumburg. »Das war eine sehr bekannte und traditionsträchtige Lehranstalt, die in der Zeit, als ich da zur Schule ging, gerade mit brachialer Gewalt zu einer sozialistischen Heimoberschule umgestaltet wurde.«

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Maser war aktives Mitglied der Jungen Gemeinde, die der DDR-Führung ein Dorn im Auge war. Nachdem er seine Aktivitäten nicht einschränkte, musste er nach der 10. Klasse die Oberschule verlassen. Er ging ans Proseminar nach Halle, eine der kirchlichen Hochschulen in der DDR, die auf das Theologiestudium vorbereiten durften. »Eigentlich konnten die Absolventen dieser Schulen nur an kirchlichen Hochschulen studieren, aber zu meiner Zeit war es gerade möglich, auch an staatliche Universitäten zu gehen.« So kam er nach Halle, studierte ab 1962 Theologie und machte später dort auch seinen Doktor. Und das ganz ohne Hochschulreife. Er sei wohl der einzige Professor und Direktor eines geisteswissenschaftlichen Instituts in Deutschland, der nie Abitur gemacht habe, sagt er heute nicht ohne Stolz.

Peter Maser führt durch die verschiedenen Etagen der Andreasstraße. Das Gebäude diente schon zur Kaiserzeit als Gefängnis. Die Nationalsozialisten brachten hier ihre Gefangenen unter. Später nutzte die Stasi diese Räume, um vermeintliche Gegner einzusperren.
»Haft – Diktatur – Revolution« ist die Ausstellung überschrieben. Hier wird die Geschichte des Ortes lebendig. Das wird in der Dauerausstellung, aber vor allem auf der Haftetage deutlich. Man spürt förmlich die Wirkmächtigkeit des DDR-Apparats und das Ausgeliefertsein derer, die sich nicht konform zeigten.

Dem langen Arm der Stasi konnte sich der Kirchenhistoriker nicht entziehen. Der unbeugsame junge Mann, der auch aus seinem Glauben und seinen Ansichten keinen Hehl machte, war der Stasi ein Dorn im Auge. Die Staatssicherheit ließ ihn nicht mehr aus den Fängen. Wähnte man Maser doch als das Haupt einer feindlichen, staatszersetzenden Gruppe. »Das war ich nicht«, erklärt Maser. »Natürlich waren wir kritisch. Wir haben im privaten Kreis den jungen Marx gelesen und auch über die aktuellen Verhältnisse kritisch diskutiert, aber eine feindliche Gruppe waren wir ganz sicher nicht.«

Die Übergriffe der Stasi wurden immer massiver. Maser stellte 1976 einen Ausreiseantrag und verlor daraufhin seine Stelle. »1977 reiste ich mit meiner Familie und der tatkräftigen Unterstützung der Kirchenleitung in Magdeburg, die erkannt hatte, dass es mit mir in der DDR nicht mehr lange gutgehen wird, in die Bundesrepublik aus«, so Maser.

Er wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kirchenamtes der EKD in Hannover und Lehrbeauftragter der Universität Münster. Dort habilitierte er sich 1988 in Kirchengeschichte. In all diesen Jahren verlor Maser jedoch nie den Blick für die Situation der Kirche in der DDR. Immer wieder publizierte er zu diesem Thema.

Nach der Wende berief man ihn im Bundestag als Berater zur ersten Enquete-Kommission. Es sei schon damals klar gewesen, »dass es im Grunde genommen kein Kapitel der DDR- und SED-Geschichte gab, in dem die Kirche nicht maßgeblich vorkam.«

Peter Maser vereinigt zwei Attribute. Er ist Zeitzeuge und Wissenschaftler. Einer, der sich sehr früh darüber Gedanken machte, wie dieser Teil der deutschen Geschichte aufgearbeitet und tradiert werden sollte. In die Überlegungen zur Nutzung des früheren Stasi-Gefängnisses in der Erfurter Andreasstraße bezog 1992 das Thüringer Kultusministerium Maser ein. »Daraus entwickelte sich dann über mehrere Jahre eine sehr intensive, anstrengende, aber immer spannende Mitarbeit und Zusammenarbeit in Erfurt«, so Maser. Es war von Beginn an keineswegs klar, was werden sollte. Eine aktive Gruppe, die sich im »Freiheits e.V.« zusammengeschlossen hatte und zu der viele ehemalige Häftlinge gehörten, schlug eine Gedenkstätte für die Opfer der SED-Diktatur vor.

Am Ende eines langen Prozesses stand die Entscheidung, hier einen Ort mit zweipoliger Erinnerung zu schaffen, der zwei scheinbar gegensätzliche Themen verbindet: Unterdrückung und Befreiung. Die Gedenkstätte erinnert an Haft und Repression, an DDR-Unrecht in vielfältiger Form und an das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zugleich hält sie die Erinnerung an die friedliche Revolution wach. Deren Geschichte mit der erzwungenen Öffnung der Stasi-Zentrale am 4. Dezember 1989 durch Bürgerrechtler wird hier erzählt.

Peter Masers Engagement für die Andreasstraße ist ungebrochen. An der Aufarbeitung der Geschichte von Christen in der DDR ist er ebenfalls beteiligt. Auch in der Arbeitsgemeinschaft, die die interministerielle Arbeitsgruppe in der Thüringer Staatskanzlei unterstützt, ist er dabei. Er ist zuversichtlich, was die Aufarbeitungsbemühungen anbelangt: »Dass das Thema ›Christen in der DDR‹ mit Ernsthaftigkeit und auf unterschiedlichen Ebenen behandelt wird, wirkt sich allmählich aus«, ist er sich sicher. »Also, ich kann kein Bundesland sehen, in dem das mit dieser Intensität abläuft, wie das hier in Thüringen geschieht.«

Diana Steinbauer

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Baubeginn mit Ben und Lilli

20. November 2017 von redaktionguh  
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Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg

Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung.

Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.

Spatenstich für die Andreasgärten der Johanniter am Petersberg     Es war mehr ein symbolischer Spatenstich. Am 2. November endete offiziell die planerische Phase für die Andreasgärten der Johanniter in Erfurt. Nun geht es Stein für Stein an die bauliche Umsetzung. Eine Wohnlandschaft schaffen, die sich an die wandelnden Bedürfnisse des Lebens anpasst: Das ist die Idee der Andreasgärten. Das Quartier, das die Johanniter am Erfurter Petersberg planen, ist ein ehrgeiziges Projekt. 95 Wohnungen, 300 Autostellplätze und 140 Kindergartenplätze sollen auf dem Areal in bester Lage und an historischem Ort entstehen. Seit Februar wurden die alten Gebäude auf dem Brachland abgerissen, seit Juni stehen nur noch die denkmalgeschützten Gebäude.  Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.  Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde. Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.  Diana Steinbauer

Erste Schippen Sand für das Projekt: Ben und Lilli mit OB Andreas Bausewein (li.) und Andreas Weigel und Christian Meyer-Landrut vom Landesvorstand der Johanniter. Foto: Diana Steinbauer

Schon innerhalb eines Jahres soll die Kindertagesstätte fertig sein. Zeitgleich wird an einer eingeschossigen Tiefgarage gebaut, anschließend soll das Wohnquartier errichtet werden. Für den ehrenamtlichen Landesvorstand Christian Meyer-Landrut ist das Projekt zukunftsweisend. Und nicht nur das: »Hier können christliche Werte gelebt werden und damit gesellschaftliche Relevanz erlangen«, ist er sich sicher.

Familien mit Kindern finden hier Raum, doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, habe man als Mieter die Möglichkeit, sich zu verkleinern und doch im gewohnten Areal zu bleiben. Dort, wo man beheimatet sei und wo alle nötigen Dienstleistungen vor Ort seien. Gemeinsam leben, für einander da sein, das ist der Sinn des Projektes. Was die Johanniter planen ist so einfach wie herausragend: Einen ganzen »Blumenstrauß des Lebens« – von der Kindertagesstätte bis zur altersgerechten Wohnung. Dafür werden 30,5 Millionen Euro investiert. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein lobte das Konzept und zeigte sich begeistert davon, dass mit dem Bauprojekt der Petersberg im Herzen der Stadt wieder belebt werde.

Interessenten gibt es viele – vor allem für das generationsübergreifende Wohnen. Darum waren auch zahlreiche ältere Interessenten gekommen, die den Festakt erleben und sich über die Möglichkeiten der Andreasgärten informieren wollten. Ben und Lilli und die Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte »Riethspatzen« untermalten die Veranstaltung mit fröhlichen Liedern. Auch sie wollen hier bald einziehen. Der Erstbezug ist für 2020 geplant.

Diana Steinbauer

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Erlebnis für Auge und Hand

14. November 2017 von redaktionguh  
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Neue Paramente für Erfurts Augustinerklosterkirche entstanden an der Burg Giebichenstein

Die neuen Paramente auf dem Altar und der Kanzel der Augustinerklosterkirche in Erfurt strahlen mit den Farben der prächtigen Fenster um die Wette. Sie leuchten rot, in verschiedenen Schattierungen, die man aus der Ferne als Faltenwurf wahrnimmt. Tritt man näher und berührt den Stoff, dann kann man Vieles ertasten: erhabene feste Stoffe, weiche Wolle, straffe Webfäden. Ein Erlebnis für die Wahrnehmung mit Auge und Hand.

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Zum Reformationstag wurden die ersten neuen Paramente an die Augustinerkirche in Erfurt übergeben. Studentinnen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben sie gemeinsam mit Professor Ulrich Reimkasten gestaltet. »Nachdem 2014 die restaurierten mittelalterlichen Fenster in der Kirche eingebaut wurden, entstand die Idee eines neuen Schmuckes des Altares und damit der Wunsch nach neuen Paramenten«, erklärt Augustinerpfarrerin Irene Mildenberger.

Die Idee, gemeinsam mit der Burg Giebichenstein zu arbeiten, wurde geboren und vom Freundeskreis des Augustinerklosters unterstützt – ideell und finanziell.

Die beiden roten Paramente tragen den Titel »Anfang« und schmückten beim Gottesdienst am 31. Oktober zum ersten Mal die Kirche.

»Wir wollten mit den Paramenten Kraft ausdrücken. Die Kraft der eigenen Überzeugung«, erklärt Margarita Wenzel. Sie und ihre Mitstreiterinnen haben sich lange und intensiv mit der Geschichte des Ortes und der Bedeutung liturgischer Farben auseinandergesetzt. »Rot, das ist der Glaube, der Heilige Geist, das Bekenntnis. Wir wollten der Haltung und dem Stadtpunkt Martin Luthers und dem gesprochenen Wort damit Ausdruck verleihen«, ergänzt Kommilitonin Inka Schottdorf.

70 Prozent der Garne färbten die Studenten selbst

Dazu beschäftigten sich die Studenten mit Klanggrafiken und ließen sich von diesen inspirieren. Solche Klanggrafik wurde interpretiert und malerisch so lang weiter ausgeformt, bis sich schließlich eine ganz eigene Bildsprache fand. Vom malerischen Entwurf wurde das Bild in der Technik der Jacquardweberei umgesetzt.

Eine extreme Farbenkraft sollte die Textilien prägen. Dafür haben die Studentinnen im Laufe der Arbeit fast 70 Prozent der Garne, die sie benutzten, selbst gefärbt. Alpaca-Mohair-Wolle oder Viskose-Seide sind nur ein Teil all der verschiedenen Garne, die hier zum Einsatz kamen. Flauschig, fest, hoch und tief, zeichnen sie sich als zusammengewobenes Textil ab.

Professor Ulrich Reimkasten spricht von einer großen Ehre, ein solches Projekt umsetzen zu dürfen. »Zur Ehre kam aber auch Angst, etwas zu schaffen, was der Kraft und Qualität des Ortes und der Fenster in der Kirche nicht entspricht«, erläutert er. Er hat die Hoffnung, dass mit den neuen Paramenten der religiöse Charakter des Ortes bei den vielen Besuchern, die das Augustiner­kloster vorrangig aus touristischem Interesse besuchen, noch stärkeren Eindruck macht. »Über die ästhetische Begeisterung soll die Begeisterung für die religiöse Bedeutung des Ortes geweckt werden«, so Reimkasten. Er sieht die Paramente als Antwort auf die Bildgewaltigkeit und Farbigkeit der Fenster der Augustinerkirche.

Kunsthochschule entwirft weitere Altarbehänge

Pünktlich zum Reformationsjubiläum haben die neuen rotfarbenen Paramente den Anfang gemacht und schmücken nun den Altar der Klosterkirche. Im Laufe des Kirchenjahres werden drei weitere Paramente in den Farben Weiß, Grün und Violett dazu kommen. Die Entwürfe existieren bereits.

Diana Steinbauer

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Chaotisch, kreativ und spannend für Jung und Alt

9. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Gemeindewerkstatt: Wenn Kirchengemeinden ungewöhnliche neue Wege gehen

Etwas ausprobieren, was es sonst nicht gibt. Das versuchen seit 2016 immer mehr Gemeinden in der EKM. Sie machen sich Gedanken darüber, was Kirche und Gemeinde heute für Menschen attraktiv machen könnte.

»Es gibt überall Menschen, die schon lange versuchen, etwas in Bewegung zu setzen, das in Verbindung mit Gott steht«, erklärt Andreas Möller, Referent für die sogenannten Erprobungsräume in der EKM. Möller weiß, dass oft Menschen, die sich für Glauben interessieren, der Weg in eine klassische Gemeinde zu weit oder die Hürden zu hoch sind. »Diese Menschen müssen ihre Angst davor aufgeben, irgendwie kompatibel für die Kirche zu sein«, erklärt er. Für sie seien Modellprojekte wichtig, die ihnen Kirche eröffnen, ohne dass sie sich dazu überwinden müssten. Es gehe auch darum, den Verhaltenskodex im Gottesdienst zu umgehen, der Außenstehenden fremd sei. Genau hier würden die Ideen aus den Erprobungsräumen ansetzen.

Schulgemeinde Hettstedt: Christen, Nichtchristen, Schüler, Lehrer und Eltern bilden die Gemeinde. Sie treffen sich, z. B. zur Morgenandacht im Raum der Stille (Foto). Foto: ekm  Erprobungsräume

Schulgemeinde Hettstedt: Christen, Nichtchristen, Schüler, Lehrer und Eltern bilden die Gemeinde. Sie treffen sich, z. B. zur Morgenandacht im Raum der Stille (Foto). Foto: ekm Erprobungsräume

Unterstützung finden die Ideengeber seit 2014 mit und in den Erprobungsräumen. Von Dezember 2016 bis zum Juni dieses Jahres lief die zweite Ausschreibungswelle. 31 Gemeinden stellten in Anträgen ihre Ideen vor. Daraus wurden 14 Projekte ausgewählt. Fünf davon, wie der Mehrgenerationenhof Burtschütz in der Region Nördliches Zeitz, die virtuelle Online-Kirche oder »Wir sind Nachbarn …« der Kirchengemeinde Nöbdenitz im Altenburger Land werden als Modellprojekte umfangreich beraten, bekommen finanzielle Unterstützung und eine dauerhafte Begleitung durch die Fachabteilung im Landeskirchenamt.

Andreas Möller freut sich über den Ideenreichtum, der auch in der zweiten Ausschreibungsphase zum Ausdruck gekommen sei. »Die Anträge kommen nun aus allen Regionen der EKM und auch der ländliche Bereich ist stärker vertreten als bisher«, erklärt Möller. Thomas Schlegel, Leiter des Referats Gemeinde im Landeskirchenamt, stellt fest: »Alles ist bunter geworden. Stadt- und Landgemeinden, verschiedene Generationen, Gründerzentren für Künstler, verschiedene Andachtsformen und –räume sind dabei.« Mit der »Messy-Church« gibt es eine ganz freie Form von Kirche. Kirchliche Gemeinschaft soll bei diesen Angeboten anders als gewöhnlich erlebbar sein. Chaotisch, kreativ und spannend, für Jung und Alt, heißt es in der Beschreibung. Diese Form scheint für größere Städte geeignet. Im ländlichen Bereich gehe man eher der Frage nach, mit welchen Ideen man Orte wieder beleben könnte. »Gemeinden machen sich heute schon mutiger darüber Gedanken, wie sie ihr Profil schärfen«, so Schlegel.

Möller und Schlegel wissen, viele Antragsteller haben sich schon vor Beginn der Erprobungsräume damit beschäftigt, individuelle Ideen für ihre Kirchengemeinde zu entwickeln. Die Erprobungsräume seien vielfach nur das Dach, unter das sie geschlüpft sind. Schlegel hofft nun, dass aus den Erprobungsräumen eine Bewegung entsteht. Andreas Möller betont: »Bei dem, was wir bisher erlebt haben, bin ich optimistisch für die Zukunft der Kirche, die mancherorts wirklich sehr ungewöhnliche Wege geht.«

Diana Steinbauer

www.erprobungsraeume-ekm.de

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