Vorerst kein Begleitheft zum Gesangbuch

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Weltliche Lieder im Gottesdienst: Was Kirchenmusiker dazu sagen

In Hessen ist es kürzlich erschienen: Das EGplus, ein Begleitheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG) mit weltlichen Liedern. Als »sehr erfreulich« und »gut gelungen« beurteilt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Buch.

Dennoch wird es in der EKM in absehbarer Zeit wohl kein ähnliches Heft geben. Ehrenwerths Vorstoß ist auf einer Tagung der Kreiskantoren gescheitert. Das EG ist nach Meinung der Musiker aus den Kirchengemeinden noch nicht ausgeschöpft. Kein Einziger hielt eine gedruckte Ergänzung für nötig, so Ehrenwerth weiter. Dabei hatte der Landeskirchenmusikdirektor gemeinsam mit Landesposaunenwart Frank Plewka und Landessingwart Mathias Gauer bereits begonnen, einen Kanon bewährter weltlicher Lieder zu sammeln und zu sichten. »Mit so vielen Gegenargumenten hatten wir nicht gerechnet«, sagt Ehrenwerth überrascht. Gegen das Votum der Kreiskantoren ein Begleitheft zu veröffentlichen, sei kein Weg, denn »sie sind es, die ein neues Buch vermitteln müssen«. Dennoch treibt das Anliegen den Landeskirchenmusikdirektor weiterhin um. »Unsere Listen wollen wir fertig stellen«, kündigt Ehrenwerth an. Er möchte das Thema auch bei der Klausurtagung der Kammer für Kirchenmusik im Januar zur Sprache bringen.

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Seiner Beobachtung zufolge zehren viele Gemeinden vom großen Angebot bereits vorhandener Liederbücher: »Durch Hohes und Tiefes«, »colours of grace« oder das zum Kirchentag erschienene »freiTöne«. Möglicherweise, so Ehrenwerth, setzen sich auch Lieder-Apps, wie sie die EKD jetzt angekündigt hat, durch.

Auch weltliche Lieder brauchen geistlichen Bezug

Selbst wenn derzeit kein Interesse an einem gedruckten Beiheft besteht, werden weltliche Lieder natürlich im Gottesdienst gesungen. Auf Nachfrage von G + H äußerten sich Kantoren teils aufgeschlossen, teils skeptisch. »Wenn englischsprachige Popsongs in ein Beiheft aufgenommen werden sollen, müsste man sehr genau hinschauen: Erzählen sie etwas über die Beziehung Gott-Mensch?«, sagt Thomas Ennenbach aus Eisleben. Überarbeitungen weltlicher Vorlagen seien kein Problem, dies habe eine lange Tradition. Aber immer sollte das Liedgut Gott verkündigen, loben, klagen. Allgemein bekannte Popsongs aus Radio, Kaufhaus und Reisebussen sieht Ennenbach als verzweifelten Versuch, sich dem Zeitgeist einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, anstatt sich auf den Kern christlicher Aussagen zu konzentrieren.

Den Gottesdienst bezeichnet Roland J. Dyck aus Salzwedel als ein Stück Himmel auf Erden. »Es ist ein bisschen wie beim Zauberportal im Märchen: Ich gehe hindurch und bin in einer anderen Welt. Wenn ich jenseits der ›schönen Pforte‹ (EG 166) aber nichts anderes vorfinde, als die mir vertraute Alltagswelt – warum soll ich mich dahin auf den Weg machen?« Vom Alltag abgehoben darf der Gottesdienst jedoch nicht sein. Beide Welten müssen in Berührung bleiben. Und was heißt das für die Musik? »Weltliche Musik in der Kirche: Ja, natürlich«, sagt Dyck. Was in Gegenwart des Gekreuzigten bestehen kann, solle auch seinen Platz in der Kirche finden. Weltliche Musik sei bei Kasualien gang und gäbe oder im Zusammenhang mit der Predigt. Mit Schmunzeln denkt der Marienkantor an eine Pfarrerin, die von der Kanzel sang: »Muss nur mal schnell die Welt retten …« und in Verbindung mit einem Bibeltext dazu predigte. »Aber weltliche Musik im Gesangbuch – als Bestandteil des regulären gottesdienstlichen Kanons? Ich sehe nicht, welchen Sinn das haben sollte – abgesehen von billigem Publikumsfang.«

Der scheidende Kantor aus Zeitz, Clemens Bosselmann, singt weltliche Lieder, die einen gewissen geistlichen Bezug haben, vor allem in Gottesdiensten mit Jugendlichen. »Ich habe wenige Berührungsängste und halte, gerade in einem Beiheft, die Einführung von solchen Songs für unproblematisch.«

Mirjam Petermann, Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Musiker mit Vorleserqualitäten

22. August 2016 von redaktionguh  
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In der Reihe der Sommerinterviews sprach Michael von Hintzenstern mit Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth über private Urlaube, Konzertreisen und die Zukunft der Kirchenmusik.

Herr Ehrenwerth, Sie haben Ihren Urlaub kürzlich beendet. Konnten Sie die Seele baumeln lassen und ein wenig entspannen?
Ehrenwerth:
Wie bei jedem von uns muss der Urlaub was anderes sein als der Alltag. Meine Frau und ich haben dieses Jahr eine weite Reise auf die Insel Madeira gemacht, waren ziemlich oft unterwegs, um viel kennenzulernen, es gab ausgedehnte Wanderungen, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bananen und Eukalyptusbäume wachsen sehen. Und wir haben uns mehrfach in Funchal, der Hauptstadt mit dem so vielfältigen Flair, umgetan. Es war also eher ein Aktivurlaub. Ein guter Ausgleich zum Sitzen am Schreibtisch im Erfurter Zentrum für Kirchenmusik! Wenn man den Körper bewegt, lüftet man ja Geist und Seele mit. Die Mischung aus Aktivität und Ruhe ist uns diesmal gut gelungen. Zum Entspannen im Urlaub gehört übrigens auch, dass ich meiner Frau an den Abenden Bücher vorlese (während sie strickt), die möglichst irgendetwas mit der Urlaubsgegend zu tun haben, diesmal ein historischer Roman, ein Krimi und ein angefangenes drittes Buch, das noch zu Ende gelesen werden muss! Jetzt folgt noch eine Woche Familienurlaub mit den erwachsenen Töchtern. Das ist eine Tradition seit Jahren.

Dietrich Ehrenwerth beim Sommerinterview zwischen zwei Urlauben. Foto: Mario Gentzel

Dietrich Ehrenwerth beim Sommerinterview zwischen zwei Urlauben. Foto: Mario Gentzel

Das heißt, Sie waren erst mit Ihrer Frau unterwegs und dann noch mal mit der ganzen Familie.
Ehrenwerth:
Ich habe 14 Tage wieder gearbeitet. Im Zentrum für Kirchenmusik ist es in den Sommermonaten ein bisschen ruhiger. Das Telefon klingelt eher selten. Und man genießt, dass man mal zu Dingen kommt, die sonst eher nicht möglich sind. Obwohl man natürlich dann doch nie das schafft, was man sich eigentlich vorgenommen hat.

Haben Sie bevorzugte Urlaubsziele? Manche fahren immer an den gleichen Ort. Andere wechseln lieber. Wie machen das die Ehrenwerths?
Ehrenwerth:
Unterschiedlich! Wir sind viele Jahre lang Fahrrad gefahren entlang der deutschen Flussradwege. Vor allen Dingen an den Flüssen, die man in unserer Kindheit und Jugendzeit nicht besuchen konnte, also etwa Ems, Rhein, Mosel, Main, Nahe. In den letzten Jahren waren wir öfter in Südtirol. Manchmal finden wir es aber auch angenehm, nicht so weit wegzufahren, Thüringen und das Erzgebirge spielen da schon noch eine Rolle. Man muss, glaube ich, nicht immer die ganz weiten Ziele haben.

Viele Kirchenmusiker sind im Sommer besonders aktiv, um in den nun angenehm temperierten Kirchen zu konzertieren. Wie ist das bei Ihnen?
Ehrenwerth:
Wir haben eine Konzertreihe hier im Augustinerkloster: die Sonntagskonzerte, die jeweils bis zum Ende des Schuljahres laufen. Aber die Orgelkonzerte mittwochs in der Predigerkirche gehen natürlich weiter. Wir im Augustinerkloster gehören ja zur Predigergemeinde. Dass Kirchenmusiker in den Sommermonaten besonders aktiv sind, sieht man am besten auf der Veranstaltungsseite von »Glaube + Heimat«. In diesem Jahr vielfach unter der Überschrift »Max Regers 100. Todestag«, woran dann ein oder mehrere Stücke im Programm erinnern. Es gibt eine Fülle von Angeboten, nicht nur in den Domen und Stadtkirchen, sondern auch in der Kleinstadt und auf dem Dorf.

Wie sieht es mit Konzertreisen aus?
Ehrenwerth:
Unser Andreas-Kammerorchester gastiert Ende August in Bad Salzungen, Friedrichroda und Eschenbergen. Der Augustiner-Vocalkreis gibt Anfang Oktober Konzerte in der Altmark. Und die Augustiner-Kantorei fährt im gleichen Monat für zwölf Tage nach Japan. Das ist ein Projekt, das sehr lange vorbereitet worden ist und nun tatsächlich Wirklichkeit wird. Bis vor kurzem haben alle noch ein bisschen daran gezweifelt. Aber nun ist es sicher. Es wird viele Begegnungen mit japanischen Chören geben. Und auch ungewohnte Stücke. Die Kantorei singt ja sonst eher Oratorien. Dieses Mal werden A-cappella-Kompositionen gesungen, Volkslieder und Lieder mit japanischen Chören zusammen mit japanischem Text, aber auch Stücke für Chor und Orgel, Bach und viel Mendelssohn …

Wir fahren sozusagen als Botschafter des Reformationsjubiläums. Landesbischöfin Ilse Junkermann ist Schirmherrin dieser Reise, aber auch der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Es geht hauptsächlich um kulturelle Begegnungen.

Das ist logistisch sicher nicht ganz einfach zu stemmen. Wie groß ist die »Delegation«?
Ehrenwerth:
Fast 100 Leute aus der Kantorei werden dabei sein.

Bietet der Sommer Raum, um über Perspektiven und zukünftige, auch langfristige Projekte nachzudenken?
Ehrenwerth:
Na klar. Ich will, kann da jetzt keine konkreten Ergebnisse sagen. Aber natürlich hat man im Sommer eher Gelegenheit, nachzudenken und Gespräche zu führen. Ich war jetzt mit einem Kollegen im Ruhestand vier Tage lang unterwegs. Und wir haben wandernd von morgens bis abends alle Themen rund um die Kirchenmusik behandelt. So etwas ist ganz wichtig, dass man sich mal mit jemandem austauschen kann, der die Dinge inzwischen mit ein bisschen Abstand sieht.

Sie sind ausübender Kirchenmusiker, tragen als Landeskirchenmusikdirektor (LKMD) aber auch Verantwortung für die gesamte EKM. Wo wird die Entwicklung in den nächsten zehn, 20 Jahren hingehen? Weiterer Stellenabbau, hauptamtliche Kirchenmusiker nur noch in Kernregionen? Ehrenwerth: Es ist ganz schwierig, da zu orakeln. Ich bin in diesem Amt seit 16 Jahren. In dieser Zeit hat man immer Stellenabbau befürchtet. Ich muss sagen, dass er aber eigentlich bisher gar nicht so extrem eingetreten ist. Wir haben die Zahl der Kirchenmusikerstellen erstaunlicherweise fast gehalten.

In den großen Städten gab es Abbau, in der Fläche aber auch Zuwachs. Es ist nicht so, dass wir so viel weniger geworden sind. Jetzt in der aktuellen Stellenplandiskussion erscheinen am Horizont natürlich Probleme. Wenn wir uns die Mitgliederentwicklung unserer Kirche angucken, dann wird dies nicht spurlos an der Kirchenmusik vorbeigehen. Aber ich habe doch die große Hoffnung, dass Kirchenmusik insgesamt ihren hohen Stellenwert behält.

Das wird sicher ein bisschen unterschiedlich gesehen, von Kirchenkreis zu Kirchenkreis, dort liegt ja die Verantwortung für die Stellenpläne. Aber die Menschen, die in der Kirchenmusik aktiv sind, von den Chorsängern bis zu den Bläsern, von den Kindern bis zu den Senioren, deren Anzahl in den letzten Jahrzehnten insgesamt übrigens erfreulich konstant geblieben ist, sind doch die Aktiven in der Gemeinde und sitzen oftmals in den Entscheidungsgremien. Und die werden sich hoffentlich zu gegebener Zeit zu Wort melden und sagen: Kirchenmusik ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein ganz zentrales Anliegen unserer Kirche!

In »Glaube + Heimat« werden oft goldene Amtsjubiläen von verdienten Organisten oder Chorleitern gewürdigt. Immer mehr engagierte Ehrenamtliche scheiden aus Altersgründen aus. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Ehrenwerth:
Die Situation wird schwieriger. Zumal wir überall in der Gesellschaft feststellen können, dass Menschen sich gerne eine begrenzte Zeit lang für etwas engagieren, aber nicht dauerhaft verpflichten wollen. Und gerade für potenzielle jugendliche Organistinnen oder Organisten beginnen unsere Gottesdienste am Sonntagmorgen ja doch relativ früh am Tag. Also wir können eigentlich nur versuchen, immer wieder Kursangebote zu machen.
Sommerlogo GuHWir experimentieren regional unterschiedlich! Gute Erfahrungen gibt es in letzter Zeit mit Kursangeboten für Chorleiter in zwei Propsteien im Süden, aber auch für Organisten existieren Angebote, gerade wieder in Halberstadt und in Wolmirstedt mit guter Beteiligung. Anfang September wird es in der Propstei Eisenach-Erfurt einen Fortbildungstag für Neben- und Ehrenamtliche geben, da steht z. B. Singen mit Kindern auf dem Programm. Das soll sich zugleich an Kindergärtnerinnen und Grundschullehrer wenden. Und wir bieten die C-Ausbildung in Halle und Erfurt und Konsultationstage für die D-Prüfung an. Das ist sicher alles noch nicht genug. Der Kontakt zu den Musikschulen wird intensiviert werden müssen. Jede Gemeinde muss Ausschau halten nach Menschen, die bereit sind, so einen Dienst zu übernehmen. Und dass sich der Blick nicht immer nur auf die Orgel richtet, sondern auf andere Möglichkeiten: Warum soll die Gemeinde nicht auch mal von einem Trompeter oder Gitarristen begleitet werden? Ich denke, wir brauchen noch mehr Fantasie für die Zukunft.

Stichwort Reformationsjahr 2017. Wie sind Ihre Erwartungen, wird ein Event das nächste jagen? Was geschieht danach?
Ehrenwerth:
Die Kolleginnen und Kollegen in der EKM haben eine Fülle an Aktivitäten im nächsten Jahr geplant. Zu den landeskirchlichen Schwerpunkten gehören der Deutsche Evangelische Kirchentag in Wittenberg und vor allem die »Kirchentage auf dem Weg«. Zu den acht Veranstaltungsorten gehört auch Erfurt. Die Augustiner-Kantorei hat bei dem Magdeburger Komponisten Thomas König ein Werk in Auftrag gegeben, das einzelne Lieder des Erfurter Enchiridions von 1524, eines der ersten Gesangbücher überhaupt, zur Grundlage haben wird. Er wählte dafür eine hochinteressante Besetzung: Chor und Orgel, zwei Gesangssolisten, Violoncello und Saxofon. Das Stück soll dann am Reformationstag noch einmal aufgeführt werden.

Sonne-webWeimar ist nach dem Europäischen Kulturstadtjahr 1999 in ein großes Loch gefallen und auf einmal stand alles still. Könnte das auch nach dem Lutherjahr passieren?
Ehrenwerth:
Also ich merke auch eine gewisse Müdigkeit am Ende der doch langen Lutherdekade. Hinterher mal wieder völlig frei zu sein und vielleicht zunächst mal ein, zwei Jahre zu haben, in denen man sich nicht nach einem Oberthema in der Planung richten muss, werden wir, glaube ich, alle sehr genießen. Die nächsten Landeskirchenmusiktage sind dann vermutlich 2019 dran.

Dann muss man Ende 2017 auch schon wieder anfangen zu planen.
Ehrenwerth:
Genau. Wir sind gerade dabei zu überlegen, wo die nächsten stattfinden können. Und es wird sicher wieder einen Landeskirchenchortag oder Propstei-Chortage geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir alle, wenn am 1. November 2017 der Reformationstag vorbei ist, erst mal tief Luft holen.

Harmonischer Zusammenklang

8. März 2016 von redaktionguh  
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Das »Zentrum für Kirchenmusik« in Erfurt wurde vor zehn Jahren gegründet

Ein altes Sprichwort sagt: »Gut Ding will Weile haben!« Daran musste ich denken, als ich Landeskirchenmusikdirektor (LKMD) Dietrich Ehrenwerth mit dem Schild des »Zentrums für Kirchenmusik« im Kreise seiner Mitarbeiter vor dem Treppenaufgang des Erfurter Predigerklosters stehen sah. Es soll hier anlässlich seines zehnjährigen Bestehens montiert werden.

»Der offizielle Start war am 6. März 2006«, erinnert sich der LKMD. Die Kirchenmusik nahm hiermit eine »Vorreiterrolle« im Vereinigungsprozess der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche ein, der über eine Kooperation und eine Föderation der beiden Teilkirchen im Laufe eines Jahrzehntes zur Gründung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am 1. Januar 2009 führte.

Gruppenbild mit Schild: Landesposaunenwart Matthias Schmeiß, Landessingwart Mathias Gauer, Sekretärin Marion Körner, Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth und Bibliothekar Dr. Sebastian Nickel (v. l. n. r.) Foto: Jens-Ulrich Koch

Gruppenbild mit Schild: Landesposaunenwart Matthias Schmeiß, Landessingwart Mathias Gauer, Sekretärin Marion Körner, Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth und Bibliothekar Dr. Sebastian Nickel (v. l. n. r.) Foto: Jens-Ulrich Koch

Dem Landeskirchenmusikdirektor, der als Kantor an der Augustiner- und Predigerkirche tätig ist, war nicht entgangen, dass es nach Auflösung der Erfurter Kirchlichen Werkstätten in der Nachwendezeit einen Leerstand im Predigerkloster gab und die Predigergemeinde nach einem neuen Mieter Ausschau hielt. Die Posaunenwerke der beiden Teilkirchen waren auf der Suche nach einer gemeinsamen Geschäftsstelle. So gab es viele Gründe, ab 2001 über ein schrittweises Zusammengehen einzelner kirchenmusikalischer Arbeitsbereiche und eine Grundsanierung der Räumlichkeiten nachzudenken, in der Denkmalpflege und praktische Nutzung harmonieren. Ein langwieriger Diskussionsprozess war zu absolvieren. »Doch auf einmal ging alles ganz schnell«, beschreibt Dietrich Ehrenwerth die Situation, nachdem die Synode »grünes Licht« erteilt hatte.

Seither befindet sich die Kirchenmusik in der EKM »unter einem Dach«. »Ein Glücksumstand«, bestätigen in einem Gespräch auch Landesposaunenwart (LPW) Matthias Schmeiß, Landessingwart Mathias Gauer, Musikbibliothekar Dr. Sebastian Nickel und Sekretärin Marion Körner. Geschäftsführer Dr. Jürgen Dubslaff, bei dem alle Fäden gewissermaßen zusammenlaufen, befindet sich gerade auf Malta.

Alle loben das »unkomplizierte Miteinander« und die guten Arbeitsbedingungen. Matthias Schmeiß spricht von »Flur-Diplomatie« und verweist auf das angenehme Nebeneinander von Tagungs- und Büroräumen. Mathias Gauer begrüßt alle 14 Tage beim C-Kurs am Samstag 14 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Die Suche nach Nachwuchskräften zur Betreuung der 850 Kirchenchöre sei eine wichtige Aufgabe, betont der Landessingwart. An jedem ersten Donnerstag des Monats betreut LPW Schmeiß hier vormittags eine Bläsergruppe, die sich aus Rentnern, Krankenschwestern, Schichtarbeitern und Kollegen zusammensetzt.

Viele verbinden ihre Weiterbildung und Probenarbeit mit einem Besuch in der Musikbibliothek, in der etwa 11 000 Titel zusammen mit vorhandenem Aufführungsmaterial ausgeliehen werden können. Sebastian Nickel verweist darauf, dass der Katalog auf der Homepage des Zentrums für Kirchenmusik einsehbar ist.

Wichtig in allen Disziplinen sei der »Service-Gedanke«, betont der Landeskirchenmusikdirektor. »Wir wollen die Arbeit befördern und erleichtern!«

Michael von Hintzenstern

www.kirchenmusik-ekm.de

Schätze aus 500 Jahren

25. Dezember 2012 von redaktionguh  
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Die Musik stand 2012 im Mittelpunkt des Themenjahres der Reformationsdekade. Dietlind Steinhöfel sprach mit dem Landeskirchenmusikdirektor der mitteldeutschen Kirche (EKM), Dietrich Ehrenwerth.

Herr Ehrenwerth, das Jahr »Reformation und Musik« geht zu Ende. Welche Bilanz ziehen Sie?
Ehrenwerth: Die Kirchenmusikerinnen und -musiker der EKM haben unendlich viel auf die Beine gestellt in diesem Jahr. Eine große Zahl von Konzerten und Abendmusiken hat sich am Jahresthema ausgerichtet. Und dann gab es erstmals den Propsteichortag mit etwa 3000 Sängerinnen und Sängern an fünf Orten: Gotha, Apolda, Suhl, Merseburg und Magdeburg. Die Chöre sangen miteinander auch an ungewöhnlichen Orten wie im Straßenbahndepot in Gotha oder auf den Marktplätzen. Wir hoffen, in einigen Jahren wieder zu einem solchen Chortag einladen zu können. Das ist neben dem Organisationsaufwand auch eine finanzielle Frage. In diesem Jahr wurden wir unterstützt vom Freistaat Thüringen, aus dem landeskirchlichen Luther-Fonds und aus der Kollekte des Sonntags Kantate.

Dietrich Ehrenwerth

Dietrich Ehrenwerth

Auch die sechs Wochen »Kirche klingt – 366+1« in der EKM und Anhalt mit 42 Konzerten waren ein farbiges Ereignis. Viel Engagement war da von den Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern vor Ort gefragt, in manchen Kirchenkreisen haben sie gemeinsam etwas veranstaltet. »Reformation und Musik«, so schätzt es die EKD ein, sei das bisher erfolgreichste der Themenjahre gewesen. Die große Außenwirkung hängt einfach auch damit zusammen, dass sehr viele Menschen aktiv beteiligt waren.

Die Kirchenmusik ist eine wichtige Größe in der Verkündigung. Hat sich das verstärkt – auch im Bewusstsein der Gemeinden?
Ehrenwerth: Kirchenmusik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde gewesen! Unser musikalischer Reichtum aus 500 Jahren ist mal wieder deutlich ins Bewusstsein getreten: von den alten Kirchenliedern über die Vielfalt alter und neuer Kompositionen bis hin zu Pop- und Gospelmusik. Auch die Breite unserer Arbeit: Wir haben in der EKM in 820 Chören etwa 15000 Sänger, 140 Instrumentalgruppen, dazu 240 Posaunenchöre mit rund 3000 Bläsern. Neben den etwa 190 hauptberuflichen Kirchenmusikern gibt es neben- und ehrenamtlich 1300 Organisten, 400 Chorleiter und 175 Posaunenchorleiter. Die Vielfalt wird besonders jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit deutlich.

Welche Impulse hat das Themenjahr für die Zukunft gegeben?
Ehrenwerth: Es ist wieder deutlich geworden: Reformation und Musik, Kirche und Musik gehören für ganz viele Menschen zusammen, unser gemeinsames Singen und Spielen in den Gottesdiensten und Chören ist unverzichtbar. Von dieser Erkenntnis wird sicher etwas bleiben. Und die Andachten in unserer Kirchenzeitung zum Lied der Woche haben gezeigt, dass wir Kirchenmusiker auch sprachfähig sind. Das war eine wirklich gute Idee.

»… ich kann nicht anders«

27. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Zum Abschluss des Festkonzertes in der Erfurter Thomaskirche musizierten Augustiner-Vocalkreis (Erfurt), Ensemble ­vocale (Waltershausen), Madrigalchor Weimar und Loh-Orchester Sondershausen gemeinsam. Foto: Alexander Volkmann

Zum Abschluss des Festkonzertes in der Erfurter Thomaskirche musizierten Augustiner-Vocalkreis (Erfurt), Ensemble ­vocale (Waltershausen), Madrigalchor Weimar und Loh-Orchester Sondershausen gemeinsam. Foto: Alexander Volkmann


 
In Erfurt wurde das Themenjahr »Reformation und Musik« für Thüringen eröffnet.

Mit einem Festkonzert ist am 18. Januar in der Erfurter Thomaskirche das Thüringer Jahresprogramm für das Themenjahr »Reformation und Musik« eröffnet worden, das im Freistaat insgesamt 227 Veranstaltungen umfasst. Dabei durchzog wie ein roter Faden Luthers Choral »Ein feste Burg ist unser Gott« das Programm.

Ein Lied, zu dem der Reformator 1529 nicht nur den Text, sondern auch die Melodie lieferte. Ein klingendes Bekenntnis, das vom Loh-Orchester Sondershausen unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Markus L. Frank in selten zu hörenden Adaptionen aus dem 19. Jahrhundert präsentiert wurde.

So ­erklang zu Beginn die Ouvertüre zur Oper »Die Hugenotten« von Giacomo Meyerbeer, die von der Vertreibung der französischen Protestanten handelt. Wie vielfältig Felix Mendelssohn Bartholdy das Lied variiert hat, war mit dem 3. und 4. Satz seiner »Reformations-Sinfonie« zu erleben. Und Otto Nicolais Festouvertüre über »Ein feste Burg ist unser Gott« sorgte für ein furioses Finale des Konzertes, bei dem über 100 Chorsänger gemeinsam mit dem Loh-Orchester das Gotteslob anstimmten.

Diesen schöpferischen Annäherungen aus dem 19. Jahrhundert standen vier Uraufführungen gegenüber, die aus einem frisch gedruckten Luther-Chorbuch stammen, das an diesem Abend von seinem Herausgeber, dem Weimarer Komponisten Peter Helmut Lang, der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es trägt den Titel »… ich kann nicht anders!« und ist mit 20 neuen Kompositionen vor allem für Laienchöre und Kantoreien bestimmt. Die verschiedenen Handschriften ­ihrer Schöpfer, betonte Lang, ermöglichten »20 Perspektiven auf Luther« und lieferten zugleich ein aktuelles Bild der kompositorischen »Szene«. Landesbischöfin Ilse Junkermann betonte, dass sich mit der Herausgabe des Chorbuches zeige, »wie stark die Musik im Lutherland Thüringen Identität stiftet und präsent ist«.

Der Erfurter Augustiner-Vokalkreis unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth stellte zwei Motetten gegenüber: »Die Güte des Herrn« von Alwin Friedel (*1935) und »Verleih uns Frieden« von Peter Helmut Lang (*1974). Während der emeritierte Kirchenmusikdirektor aus Arnstadt die Choräle »All Morgen ist ganz frisch und neu« und »Wach auf, wach auf, du deutsches Land« von Luthers Urkantor Johann Walter kunstvoll miteinander verflochten und in herber Polyphonie zu neuem Eigen­leben erweckt hat, wagt der Weimarer Komponist eine Neuvertonung des Luther-Chorals »Verleih uns Frieden« und konfrontiert diese mit unterschiedlich akzentuierten Texteinwürfen berühmter Politiker und Philosophen, woraus sich eine facettenreiche Klangcollage ergibt.

Von Gospel und Popularmusik geprägt ist die Motette »Ach Gott im Himmel« von Kathrin Gerth (*1966), die das »Ensemble ­vocale« aus Waltershausen unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Theophil Heinke mit der Komponistin am Klavier schwungvoll darbot.

Ludger Vollmer (*1961) verbindet in seiner Vertonung des Jesaja-Wortes »Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen« Erinnerungen an den Herbst 1989 in Leipzig mit Erlebnissen eines Jerusalem-Aufenthaltes 2010. Er greift dabei armenische ­liturgische Gesänge aus der Grabeskirche Jesu auf und entwickelt ein dichtes Geflecht aus rezitativischem Sologesang, sich eruptiv steigernden Choreinsätzen und exotisch anmutenden Orgelmotiven. Als Dirigent gelang es ihm, sein Werk mit dem Madrigalchor Weimar in höchster Intensität zu entfalten.

Michael von Hintzenstern

Damit wir sicher schreiten

30. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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klepper

Der du die Zeit in Händen hast,  Herr, nimm auch dieses Jahres Last  und wandle sie in Segen.
Evangelisches Gesangbuch 64,1

Eigentlich kann man hier nicht Schluss machen mit dem Text von Jochen Klepper, der uns zum Jahreswechsel entgegenkommt, denn Gedichte sind keine Steinbrüche, sie müssen bis zum Ende gelesen, Lieder erst recht zu Ende gesungen werden. Welche Melodie klingt in Ihnen beim Lesen dieses Textes? Die aus dem alten EKG aus reformatorischer Zeit, die noch immer viel gesungen wird, oder die 1960 von Siegfried Reda eigens zum Text komponierte aus dem aktuellen Gesangbuch?

Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor, Erfurt

Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor, Erfurt

Beide passen hervorragend zu Kleppers Gedicht, nachdenklich, ein bisschen schwermütig, beides keine »Eintagsfliegen-Melodien«. Und doch empfinde ich: Die neue Melodie ist näher dran an dem, was der Dichter zu sagen hat!

Obwohl Klepper eigentlich schon verboten war, konnte sein 1937 entstandenes Gedicht am Neujahrstag 1938 in der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« abgedruckt werden. Unendlich weit entfernt scheinen wir und unsere »Lasten« von denen der ausgehenden 1930er Jahre. Oder kann man Lasten nicht gegeneinander aufwiegen? Was drückt uns?

Die persönlichen Sorgen um die Liebe(n) im Familien- oder Bekanntenkreis, das  Unerledigte des vergangenen Jahres, Bruchstückgebliebenes, alles, was so anders werden sollte, aber da standen die Zwänge dagegen – von den Lasten unserer Welt, Gewalt, Katastrophen, Klimawandel, Wohlstandssucht, Gier gar nicht erst anzufangen …

Die Zeile »und wandle sie in Segen« ist bei Reda ein Melodoiezitat: »Ich bitt, erhör mein Klagen« singen wir genauso in EG 343. Sicher kein Zufall. Unsere Lasten dürfen Gott geklagt, bei ihm abgeladen werden.

»Du« ist das am häufigsten verwendete Wort im Klepper-Text, du, der Ewige, du, der Schöpfer unseres Lebens, du, der Gnade verleiht, du, der Vollender.

Unsere Zwiesprache mit Gott, unser Gebet, unsere Bitte für 2012 »und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten«.

Dietrich Ehrenwerth

Laufen für die Orgel

9. September 2011 von redaktionguh  
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Per Fahrrad zeigte Helmut Hochfeld, Mitglied des Kyffhäuser Berglaufvereins, den Läuferinnen und Läufern den vorgesehenen Weg durch Bad Frankenhausen. (Foto: Marcus Wiethoff)

Per Fahrrad zeigte Helmut Hochfeld, Mitglied des Kyffhäuser Berglaufvereins, den Läuferinnen und Läufern den vorgesehenen Weg durch Bad Frankenhausen. (Foto: Marcus Wiethoff)

In Bad Frankenhausen wurde zu einem Sponsorenrennen geladen. Eine Orgelpfeife gab das Startsignal.

Bad Frankenhausen hat mehr Sorgenkinder als die Oberkirche mit dem schiefen Turm. Auch in der Unterkirche braucht ein Frankenhäuser Original Hilfe. Die Große Strobel-Orgel aus dem Jahr 1886 kann nur noch eingeschränkt gespielt werden. »Die letzten Wochen habe ich mehr in der Orgel verbracht als am Spielpult«, sagt Bad Frankenhausens Kantorin Laura Schildmann. Sie gehört zu den Organisatoren des Orgellaufs.

Sportler suchen sich dabei einen Sponsor, der für jede gelaufene Runde einen Betrag zur Sanierung spendet. Rund 100 Läufer und Spaziergänger meldeten sich an. 1,2 Kilometer führte die Runde durch den Ort. Unterwegs hieß es, die Augen offen zu halten und in der ­Rosengasse das Wohnhaus und die Werkstatt des Orgelbaumeisters Julius Strobel zu entdecken.

Für Kinder und Senioren gab es auch die Möglichkeit, eine Runde um die Kirche zu laufen. Die zweijährige Mira war die jüngste Teilnehmerin und bewältigte zwei Runden. Prominente Unterstützung gab es durch ­Regionalbischof Reinhard Werneburg, der viel sportlichen Ehrgeiz zeigte.

Den Lauf eröffnete Dietrich Ehrenwerth, der Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, ganz stilecht durch den Pfiff einer Orgelpfeife.

»Uns geht es vor allem darum, mit der Aktion auf die Situation unserer Orgel aufmerksam zu machen und Unterstützer für die Sanierung zu ­gewinnen«, erklärt Laura Schildmann. Entsprechend der Sponsorenzusagen und der hohen Beteiligung rechnet sie, dass gut 3000 Euro durch den Orgellauf zusammenkommen werden.

Bis jetzt stünden etwa 20.000 Euro Eigenmittel zur Verfügung. Da die Instandsetzung aber 600.000 Euro kosten wird, ist noch viel Unterstützung nötig, um den Bau beginnen zu können. »Wir können keine auswärtigen Organisten mehr einladen, denn die Orgel könnte bei jedem Konzert den Geist aufgeben. Am Freitagabend zur langen Orgelnacht hielt sie zum Glück durch«, so die Kantorin.

Obwohl die wenigsten Menschen in Bad Frankenhausen zur Kirche ­gehören, zeigten sie Einsatz für ihre Orgel. Auch Vereine wie die »Frankenhisser Landsknechte«, der Frauenchor und die freiwillige Feuerwehr unterstützten den Lauf. Für die Organisation erhielt der Förderverein »Orgelfreunde der großen Strobel-Orgel« professionelle Hilfe durch die Sportler des Kyffhäuser Berglaufs.

Gern würde man schon im nächsten Jahr mit dem Ausbau der Orgel ­beginnen, damit sie saniert zum Kirchweihfest 2015 erklingen kann. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

Marcus Wiethoff

Wenn Musik die Botschaft trägt

20. Mai 2011 von redaktionguh  
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Kirchenmusik: Kantaten-Gottesdienste sind durchweg gut besucht.
Chor, Instrumente und Predigt werden zu einem Ganzen verwoben. Gottesdienste, in denen Kantaten Gottes Wort mit vermitteln, haben sich in der mitteldeutschen Kirche etabliert.
Das Weimarer Bachkantaten-Ensemble führte am vergangenen Sonntag unter Leitung von Johannes Kleinjung die Kantate »Was Gott tut, das ist wohlgetan« auf.  (Foto: Maik Schuck)

Das Weimarer Bachkantaten-Ensemble führte am vergangenen Sonntag unter Leitung von Johannes Kleinjung die Kantate »Was Gott tut, das ist wohlgetan« auf. (Foto: Maik Schuck)

Es ist das Beste, was man sich an Musik im Gottesdienst vorstellen kann!« Mit diesen Worten schwärmt der Kirchenmusiker Christian Stötzner von der langjährigen Eisenacher Tradition, im Gottesdienst Kantaten von Johann Sebastian Bach aufzuführen, die sich inhaltlich auf den jeweiligen Sonntag beziehen.

Den Grundstein für die Wiederbelebung dieser Praxis legte 1918 der Leipziger Thomaskantor Karl Straube, als er sämtliche Kantaten seines Amtsvorgängers aufführte und in den Gottesdiensten der Leipziger Hauptkirchen ihren festen Platz gab.

In Eisenach war es der erste Thüringer Landeskirchenmusikwart Rudolf Mauersberger, der 1925 mit der Gründung des Bachchores die Basis für regelmäßige Aufführungen seiner Werke und somit auch der Kantaten schuf. Dies wurde von den Landeskirchenmusikdirektoren Erhard Mauersberger und Herbert Peter fortgesetzt. Dennoch blieb die Aufführung einer Kantate im Gottesdienst eher eine Ausnahme.

Im Bachjahr 1985 ging Ekkehard Knechtel das Wagnis ein, mit der Einführung regelmäßiger Kantaten-Gottesdienste zu beginnen. Um dafür die Voraussetzungen zu schaffen, gründete er im selben Jahr das Ambrosius-Kammerorchester, welches bis heute »mit professionellem Anspruch, aber im Ehrenamt arbeitet!«, so Stötzner. Inzwischen steht in Eisenach der 183. Kantaten-Gottesdienst auf dem Programm.

Kirchengemeinden, die neben ihrer Kantorei über ein eigenes Kammerorchester bzw. einen Instrumentalkreis verfügen, sind dabei klar im Vorteil. Denn angesichts klammer Kassen kann sich kaum eine Gemeinde ein professionelles Orchester leisten. Nach dem Ende der DDR sind darüber hinaus mancherorts die Hemmungen von Berufsmusikern geschwunden, sich während des Gottesdienstes in einem kirchlichen Orchester zu betätigen. Zudem sind die ideologischen Hürden gefallen und damit stieg zugleich der Stellenwert kirchenmusikalischer Aufführungen.

Aus dem Programm der auch überregional wahrgenommenen Thüringer Bach-Wochen sind Kantaten-Gottesdienste nicht mehr wegzudenken. Das zeugt nicht nur von gewachsenen Möglichkeiten, sondern auch von ihrer wiedererwachten liturgischen Funktion.

Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth sieht es als ermutigendes Zeichen an, dass es seit dem Bachjahr 2000 in Erfurt Kantaten-Gottesdienste gibt, die »als gemeinsames Projekt der Erfurter Kantoren wechselweise in der Andreas-, Augustiner-, Kaufmanns-, Luther-, Michaelis-, Prediger- und Reglerkirche von den zu ihnen gehörenden Chören durchgeführt werden«. Dabei sei zu erkennen, dass Ausführende wie Zuhörer »auf der Suche nach solchen Höhepunkten« seien. Dass zeige sich auch in deutlich höheren Besucherzahlen.

Wie Ehrenwerth weiter feststellt, sind viele Chorsänger für die Mitwirkung in einem Kantaten-Gottesdienst »eher motivierbar«. Oftmals gehe es ihnen dabei um die »Intensität ganzheitlichen Erlebens«, wenn im Zusammenspiel von Pfarrer und Kirchenmusiker ein »liturgisches Gesamtkunstwerk« entstehe. Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die in Jena durchgeführten »Kantaten zum Mitsingen«.

Auf die Frage, ob es eine steigende Tendenz beim Angebot von Kantaten-Gottesdiensten in der EKM gäbe, antwortet der Landeskirchenmusikdirektor vorsichtig. Ihre Anzahl habe sich im letzten Jahrzehnt sicher erhöht und es kämen auch immer wieder neue Aktivitäten hinzu wie in der Paulusgemeinde in Halle, so Ehrenwerth. Doch unabhängig von eventuellen Tendenzen sei klar zu erkennen, dass es eine wachsende Sehnsucht nach inhaltlich und musikalisch klar durchgestalteten Gottesdiensten gebe.

Michael von Hintzenstern

Die Kirche ist kein Museum

25. November 2010 von redaktionguh  
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Reglergemeinde in Erfurt hat gleich doppelten Grund zum Feiern: Wiedereinweihung des Altars und 60 Jahre Reglersingschar.

Hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche.

Hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche.

Ein großes weißes Tuch verdeckt das hölzerne Retabel. Auch der steinerne Altartisch ist verhüllt. Die beachtliche Größe des hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche ist jedoch auszumachen. Er gehöre zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen, sagt Pfarrer Johannes Haak. Er freut sich mit der Gemeinde auf die Wiedereinweihung am kommenden Sonntag. Im Festgottesdienst werden die Hüllen fallen, und die ­Gemeinde hat nach über einem Jahr ihr Prunkstück zurück.

Der Abbau war notwendig geworden, weil Steinblöcke des Tisches, der den Hochaltar trägt, Risse aufwiesen. 2009 war mit den Arbeiten begonnen worden, Anfang dieses Jahres wurde der Altar vollständig abgebaut, die Steinblöcke in einer Werkstatt gereinigt, gesichert und konserviert. 100000 Euro waren für die Sicherung und Restaurierung des steinernen ­Altars veranschlagt. Aber auch am Retabel wurden dringende Arbeiten ausgeführt, da mussten noch mal 17000 Euro auf den Tisch. 20000 Euro hatte die Gemeinde aufgebracht.

Der Altar gehört zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen.

Der Altar gehört zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen.

Der nächste Schritt ist die Farbgebung, informiert Steffen Pauligk, Vorsitzender des Bauausschusses. Jede Woche habe Pauligk bis zu zehn Stunden ehrenamtliche Arbeit für den Altar geleistet, wirft Pfarrer Haak ein. Pauligk winkt ab und erzählt, dass die Denkmalpflege fünf verschiedene Farbbefunde entdeckte. Infrage kämen jedoch nur die beiden ältesten. »Bei aller Denkmalpflege steht für uns immer das ­lebendige Gemeindeleben im Vordergrund. Es gibt ja Denkmalpfleger, die wollen aus einer Kirche ein Museum machen«, meint Pauligk. Noch bedarf es allerhand Kreativität zur Geldbeschaffung für alle Vorhaben.

Dass auch aus diesem Grund bei allen Entscheidungen die Gemeinde mit einbezogen wird, ist für die ­Reglergemeinde selbstverständlich. Es gab seinerzeit eine Gemeindeversammlung zur Gestaltung der Außenanlagen oder ein Abstimmungsverfahren zu Antependiums-Entwürfen. Die Meinung der Ehrenamtlichen, so versichert Johannes Haak, habe Priorität. Vieles in der Gemeinde läuft so auch ganz ohne Pfarrer: Konfiarbeit, Besuchskreis, Gemeindebrief zum Beispiel.

»Der Gemeindekirchenrat legt großen Wert auf die Mitsprache der Gemeindeglieder«, versichert er. Auch deshalb haben alle mitgetragen, dass der Altarraum lange leer oder von einer Plasteplane verhüllt war.  Sie hätten trotzdem ihre Trauerfeier, Taufen und auch Trauungen in ihrer Kirche begangen.

Über die Rückkehr des Altars freuen sich alle. Aber noch ein zweiter Grund wird am ersten Advent zu feiern sein: Die Reglersingschar wird 60! Es ist ein ganz besonderer Kirchenchor, wie Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth bestätigt: Er sei seines Wissens der einzige Gemeindechor, der in jedem Sonntagsgottesdienst seinen festen Platz hat, nicht nur bei der Liturgie. Ulrich Oelze vom Musikausschuss singt seit seinem 14. Lebensjahr in der Reglersingschar. Zuvor war er im Kinderchor und glücklich, endlich im »großen« Chor mitzusingen.

»Ich hatte das Privileg, bei Erika Häußler Stimmbildung zu bekommen.« Ihr Mann, Kantor Gerhard Häußler, hatte 1950 den A-cappella-Chor aufgebaut. Heute gehören ihm 60 Frauen und Männer an. Den Altersdurchschnitt von 45 Jahren empfindet Ulrich Oelze recht hoch und wünscht sich noch mehr junge Sängerinnen und Sänger. Dass der inzwischen 44-Jährige nach 30 Jahren noch dabei ist, hat mit dem besonderen Charakter des Chores zu tun.

Reglersingschar und Gemeinde sind ihm Heimat geworden. Zu den Proben jeden Montag kämen die Berufstätigen oft geschafft von acht Stunden Arbeit. »Nach zwei Stunden Probe sind viele Sorgen einfach weg oder  nebensächlich geworden«, erfährt Oelze immer wieder. Die Gemeinschaft bedeutet mehr als das gemeinsame Singen. Ebenso sind Sänger willkommen, die nur selten mit auftreten können, Studenten zum Beispiel.

Johannes Häußler, der Sohn des Gründers und jetziger Kantor, führt die Tradition der Reglersingschar fort: Nicht das Singen, sondern die Verkündigung stehe im Vordergrund. Das wird auch am Sonntag so sein, wenn die Singschar zum doppelten Fest ­jubiliert.

Dietlind Steinhöfel

Reglerkirche: 28.11., 9.30 Uhr, Festgottesdienst, Predigt: OKR Christhard Wagner

Fundgrube für Musikfreunde

29. April 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Musik: Erfurter Kirchenmusikzentrum ist Anlaufstelle für Kantoren und Kirchengemeinden

Im Thüringischen Landesmusikarchiv in Weimar, das seit 1. März 2010 der Musikwissenschaftler Christoph Meixner ­leitet, befinden sich die restaurierten Originalbestände aus den Adjuvantenarchiven der Kirchengemeinden in Gräfenroda, Molsdorf, Thörey, Udestedt und Vogelsberg. Foto: Maik Schuck

Im Thüringischen Landesmusikarchiv in Weimar, das seit 1. März 2010 der Musikwissenschaftler Christoph Meixner ­leitet, befinden sich die restaurierten Originalbestände aus den Adjuvantenarchiven der Kirchengemeinden in Gräfenroda, Molsdorf, Thörey, Udestedt und Vogelsberg. Foto: Maik Schuck

Das Zentrum für Kirchenmusik im Erfurter Predigerkloster geht ins fünfte Jahr. Beim Zusammenwachsen der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche nahm es eine Vorreiterrolle ein. Inzwischen laufen hier die Fäden kirchenmusikalischer Arbeit in der EKM zusammen.

»Wir verstehen uns vor allem als Dienstleister für die Gemeinden«, sagt Geschäftsführer Jürgen Dubslaff in dem historischen Gebäude, in dem bereits Meister Eckart gelebt und gearbeitet hat. Da sich Posaunenwerk, die Kirchenchorwerke der einstigen Landeskirchen und der Kirchenmusikerverband unter einem Dach befinden, konnten vorhandene Kapazitäten gebündelt und eine gemeinsame Verwaltung ermöglicht werden. Durch das Zentrum werden Anträge für Orgelrestaurierungen bearbeitet und fachlich begleitet. Auch die Hefte der Kirchenmusikzeitschrift »Zwischentöne« gehen von hier an ihre 1.600 Bezieher. Die Nähe zum künftigen Kirchenamt dürfte perspektivisch für kurze Dienstwege sorgen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Landeskirchenmusiktage der EKM auf Hochtouren, die vom 25. bis 27. September in Erfurt geplant sind. Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth verweist auf das reichhaltige Programm des Musikfestes, das zehn hochkarätige Konzerte umfasst und zu dem 14 Weiterbildungsseminare angeboten werden. Mit der seit kurzem freigeschalteten Homepage sei eine gemeinsame Plattform für die Kirchenmusik in Mitteldeutschland geschaffen worden, die auch dem fachlichen Austausch der Kollegen dienen solle, führt er weiter aus.

Für die Förderung ehrenamtlicher Kirchenmusiker bietet das Zentrum in der Meister-Eckehart-Straße 1 beste räumliche Voraussetzungen. So absolvieren hier momentan 14 Teilnehmer unter der Leitung von Landessingwart Christoph Peter die C-Ausbildung.

Eine für die Gemeinden besonders wichtige Anlaufstelle stellt die Musikbibliothek dar, welche die Bestände der Notenbibliotheken des ehemaligen Konsistoriums in Magdeburg und der ehemaligen Musikabteilung in Jena umfasst und von Sebastian Nickel geleitet wird. Wie von ihm zu erfahren ist, können momentan 8.500 Titel zusammen mit vorhandenem Aufführungsmaterial ausgeliehen werden. Davon sind zurzeit etwa 75 Prozent erfasst und im Internet einsehbar (www.briseinfo.de). Die Schwerpunkte der Notenbibliothek liegen mit Kantaten, Motetten, Oratorien, Passionen und Chorbüchern in der Barockzeit und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An Gesamtausgaben können die Neue Bach-Ausgabe, die Schütz-Ausgabe und die Praetorius-Ausgabe vor Ort eingesehen werden. Hinzu kommen Nachschlagewerke, Werkverzeichnisse und Fachliteratur.

Seit Beginn des Jahres veröffentlicht das Zentrum für Kirchenmusik in Zusammenarbeit mit dem Wartburg Verlag Weimar eine ständig wachsende Zahl an Notenausgaben. Dabei handelt es sich um Erstveröffentlichungen aus dem Bestand der Adjuvantenchöre in Großfahner, Molsdorf, Thörey und anderen Orten, die seit 2008 von Detlef Schoener für den praktischen Gebrauch herausgegeben werden. Adjuvanten waren Laienmusiker, die nicht nur das Blatt-Singen beherrschten, sondern auch ein Blas- und ein Streichinstrument spielen konnten. Die von ihnen überlieferten Noten stellen eine Fundgrube an Wiederentdeckungen dar und tragen zu einer Bereicherung des Repertoires bei.
So bieten sich viele Betätigungsfelder für das Wirken der 183 Kirchenmusiker in der EKM, von denen 145 eine volle Stelle haben. Nach Angaben von Jürgen Dubslaff gibt es 750 Chöre mit 15.000 Sängern, 230 Posaunenchöre mit 3.000 Bläsern sowie 140 Flöten- und Instrumentalkreise. Im Ehren- oder Nebenamt sind 400 Chorleiter, 160 Posaunenchorleiter und 1300 Organisten tätig. In der EKM existieren 3.900 Orgeln, von denen schätzungsweise zehn Prozent nicht spielbar und ein Teil nur bedingt benutzbar ist. »Um eine flächendeckende Arbeit in den Regionen zu ermöglichen, soll in den neuen Propstsprengeln die D-Ausbildung ausgebaut werden«, betont Landeskirchenmusikdirektor Ehrenwerth mit Blick in die Zukunft.

Michael von Hintzenstern

www.kirchenmusik-mitteldeutschland.de