Gretchenfrage

14. Oktober 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

818654_96170234Seit Wochen tobt ein Streit um den Islam. Erst hat der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin mit seinen Thesen von der Integrationsunwilligkeit türkischer und arabischer Zuwanderer von sich reden gemacht. Jetzt zieht die Diskussion um die Ansprache von Bundespräsident Christian Wulf zum Tag der Deutschen Einheit mit ihrer Feststellung, dass der Islam zu Deutschland gehört, immer weitere Kreise. Dahinter steht letztlich die Auseinandersetzung, wie wir es in der Gesellschaft mit der Religion halten wollen.

In den letzten Jahren haben sich die Menschen hierzulande daran gewöhnt, dass religiöse Fragen im öffentlichen Leben kaum noch eine Rolle spielen. Nun müssen sie erkennen, dass das ein Irrtum war.

Religion ist ein wesentlicher Teil der Gesellschaft.

Nicht umsonst hat der einstige Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde festgestellt, dass der Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht schaffen kann. Doch das berücksichtigt die derzeitige Religionsdebatte kaum, hier geht es zumeist um kulturelle Unterschiede. Dazu mischt sich in die Kritik am Islam auch ein Stück Ablehnung jedweder Religiosität.

Gerade im Osten, wo die Entkirchlichung weit fortgeschritten ist, entsteht so der Eindruck, dass Glaube etwas von gestern ist. Zudem gibt es nach Ansicht der Kritiker fundamentalistische Tendenzen in allen Religionen.

Wenn sich jedoch immer weniger Menschen von den christlichen Werten angesprochen fühlen, verändert das die Gesellschaft nachhaltig. In diese Lücke scheint der Islam zu stoßen.

Die Kirchen und Christen sind deshalb gefordert, hier gegenzusteuern und öffentlich zu sagen, aus welcher Quelle sie schöpfen.

Auf den Staat darf die Kirche dabei nicht bauen. Der muss weltanschaulich neutral bleiben und allen Religionen das gleiche Recht einräumen. Er muss beides schützen: die Religionsfreiheit und sogar das Recht, an nichts zu glauben.

Die Bundesrepublik hat ihre Wurzeln ganz sicher in der abendländischen Tradition, ein christlicher Staat ist sie nicht.

Martin Hanusch

Hinterhältig

13. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

© isafmedia

© isafmedia

»Nichts ist gut in Afghanistan.« Was musste sich die damaligen EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann nach ihrer Kritik des Bundeswehreinsatzes nicht alles anhören. Ihre Sicht sei naiv und unverantwortlich gegenüber den Soldaten, hieß es nach ihrer Neujahrspredigt. Inzwischen hat sich herausgestellt, wie richtig Margot Käßmann mit ihrer Einschätzung lag. Fast täglich gibt es Meldungen über Anschläge – allein in diesem Jahr sind dabei 1325 Zivilisten ums Lebens gekommen – und getötete Soldaten. Auch der jüngste Mord an einem internationalen Ärzteteam der christlichen Hilfsorganisation »International Assistance Mission« (IAM) zeigt einmal mehr, wie unsicher die Lage am Hindukusch wirklich ist.

Ob der feige Anschlag von Kriminellen oder Taliban verübt worden ist, spielt dabei letztlich keine Rolle. Schon jetzt nimmt die Grausamkeit gegen zivile Helfer zu, weil die Islamisten überzeugt sind, auf diese Weise den Abzug aller »Ungläubigen« zu erzwingen. Zudem ist nicht erst seit dem hinterhältigen Mord an dem Ärzteteam bekannt, dass Christen in Afghanistan gefährlich leben. Da hilft es auch nichts, dass die ermordeten Helfer allenfalls Bibeln zum privaten Gebrauch dabei hatten, aber keineswegs auf Missionstour waren. Durch solche Morde wächst die Verunsicherung weiter. Genau das dürfte das Ziel der Taliban sein.

Hierzulande wird die Diskussion dadurch nicht leichter. Schon jetzt mehren sich die Stimmen derer, die einen raschen Abzug der Soldaten fordern. Zuletzt hat sich der sächsische Landesbischof Jochen Bohl in dieser Richtung geäußert und eine notwendige Verständigung über die Ziele angemahnt. Doch einfache Antworten gibt es in diesem Konflikt nicht.

Kann es uns egal sein, wenn das Land erneut im Chaos versinkt?

Sollen die afghanischen Frauen und Mädchen ihrem Schicksal überlassen bleiben?

Ein überstürzter Abzug hilft allenfalls den Taliban, nicht aber den Opfern des Terrors. Und gut wird es in Afghanistan damit auch nicht.

Martin Hanusch