Künftig zuständig für drei K

29. August 2016 von redaktionguh  
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Abschied: Der Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter geht Ende August in den Ruhestand

Ein wenig ähnelt der Abschied aus Anhalt für Dietrich Lauter und seine Familie ihrer Ankunft vor 15 Jahren. Seit Mitte August der Möbelwagen vom Pfarrhaus in Preußlitz weg in Richtung neue Heimat in Franken gefahren ist, lebt die Familie provisorisch. 2001, bei ihrer Ankunft aus der Pfalz in Köthen, war das ähnlich. Weil damals die Pfarrwohnung noch nicht fertig war, kampierte man in einem Zimmer. Nur die kleinen Kinder waren enttäuscht, als dieser Zustand endlich endete.

Dietrich Lauter vor der Kirche in Biendorf. Foto: Heiko Rebsch

Dietrich Lauter vor der Kirche in Biendorf. Foto: Heiko Rebsch

Als die Kirchenkreise Zerbst und Köthen vor Jahren einen neuen Kreisoberpfarrer benötigten, suchte der damalige Kirchenpräsident Anhalts, Helge Klassohn, auch in der Partnerkirche der Pfalz. In Dietrich Lauter, Pfarrer in Kaiserslautern, fand er einen Kandidaten. Der war kein Pfälzer, sondern stammte vom Bodensee. Er konnte sich vorstellen, erneut in eine ganz andere Gegend zu ziehen und sah sich mit seiner Frau Köthen an. Die Entwicklung in Ostdeutschland hatte er aufmerksam verfolgt und bei Dienstreisen die damals noch neuen Bundesländer auch punktuell kennengelernt. »Die Kirche im Osten ist eine andere Welt«, sagt er rückblickend. Kirchlichkeit und Glaube sind nicht mehr selbstverständlich, die Gemeinden kleiner, Berührungsängste vorhanden.

Mit dem Elan eines Neuen und dem unbefangenen Blick von außen ist er an seine Aufgabe herangegangen. »Ich gebe zu, manchmal waren es Alleingänge«, sagt er. Um schließlich doch Mitstreiter zu gewinnen. So hat er den Kirchbauverein St. Jakob gegründet, den Lutherweg-Verein und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Köthen mitgegründet, sich in der Jakobusgesellschaft ebenso engagiert wie lange in der Gewerkschaft, der er seit 40 Jahren angehört. Dass ihm die Begegnung mit allen Menschen am Herzen liegt, wurde bei der Frühjahrstagung der Landessynode im April in Zerbst deutlich. Dort trug Lauter, der seit 2011 im Synoden-Präsidium sitzt, seine Erfahrungen zu Gottesdiensten mit Nichtchristen vor. Zwar würden diese nicht in erster Linie zum Gottesdienst, sondern zu einem Familien­ereignis –Taufe, Trauung oder Beerdigung – und darüber hinaus am Heiligen Abend und zu anderen besonderen Gelegenheiten kommen. Und er sei nicht so naiv, zu meinen, dass sich diese Besucher bekehrten. Aber vielleicht könne es gelingen, bei ihnen so viel Neugier zu wecken, dass sie gern einmal wiederkämen. Die in der jüngsten EKD-Mitgliedsstudie vertretene Meinung, Kirchenferne anzusprechen sei »vergebliche Liebesmüh«, hält er für falsch und dem Auftrag, die Frohe Botschaft aller Welt auszurichten, nicht angemessen. Neu besinnen müsse man sich aber auf die Rolle, die die Christengemeinde in der Kommune und in einer weitgehend konfessionslosen Umgebung zu spielen habe.

Nicht aus dem Blick verlor Dietrich Lauter bei allem Engagement in Köthen die Dörfer. Mit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Jahr 2010 übernahm er, der bis dahin die zweite Pfarrstelle der Köthener Jakobsgemeinde innehatte, das Pfarramt Preußlitz: acht Kirchen, fünf Kirchengemeinden mit insgesamt 500 Gemeindemitgliedern, die auf zwölf Orte verteilt leben. Die Gottesdienste waren eine Angelegenheit sehr weniger. »Ich bin nicht der Mensch, der Dinge am Laufen hält, die am Aussterben sind«, sagt Lauter. So wurde im Kirchenkreis Köthen ein (2013 preisgekröntes) Gottesdienstkonzept entwickelt und erprobt, welches auf die hohe Dichte an Kirchengebäuden und die geringe Dichte an Christen zugeschnitten ist. Trotz des erheblichen Rückgangs der Zahl der Gemeindeglieder, weniger Stellen und weniger Gottesdiensten gelang es, die Besucherzahl deutlich zu steigern. »Aber es hat sich gelohnt«, so Pfarrer Lauter. Auch traditionell geprägte Gemeindemitglieder hätten gespürt, dass die Kirche, die sie lieben, wieder mehr Zuspruch erfährt, und seien bereit gewesen, die Veränderungen mitzutragen.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand wird sich das Leben von Dietrich Lauter und seiner Familie ändern. »Wir haben lange überlegt, ob wir hierbleiben«, sagt er. Doch alle Angehörigen leben im südlichen Deutschland. So rücken Lauters mit ihrem neuen Wohnsitz wenigstens ein Stück näher an sie heran. Auch die Aufgaben sind verteilt. Beate Lauter, von Beruf Sozialarbeiterin, wird arbeiten gehen. Dietrich Lauter wird sich als Hausmann um drei K – Kinder, Küche, konziliarer Prozess – kümmern: Den Töchtern helfen, falls sie Hilfe in der neuen Schule benötigen sollten, sich um die dann angereiste Gastschülerin aus Thailand kümmern, und sich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung engagieren. Und als Ruheständler mit unternehmungslustiger Familie all das genießen, was seit 2001 zu kurz kam: Verwandte besuchen, ins Theater gehen, Hobbys pflegen. Nur Nichtstun kann sich der 65-Jährige, dessen Leben immer mit Arbeit verbunden war, nicht vorstellen: »Mich hat die Arbeit noch immer gefunden.«

Angela Stoye

Gottesdienst zur Verabschiedung von Dietrich Lauter aus dem Amt des Kreisoberpfarrers am 28. August, 14 Uhr, in der Jakobskirche in Köthen. Kirchenpräsident Joachim Liebig nimmt die Verabschiedung vor.