Alles kann Gebet sein: Schweigen, singen, arbeiten

15. Januar 2018 von redaktionguh  
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Es gibt verschiedene Formen des Gebets: Kindergebete, Tischgebete, Friedensgebete, Fürbitten, stille Gebete. Keines bleibt ohne Wirkung.

Das Gebet ist ein höchst bemerkenswertes Phänomen. Für sehr viele Menschen – Christen, Juden, Muslime und Angehörige anderer Religionen – ist es fest in den Tagesablauf integriert. Ihnen gegenüber steht insbesondere in Deutschland eine hohe Zahl von Atheisten, Menschen, die nicht an Gott glauben. Doch sogar sie schicken gelegentlich, wenn sie verzweifelt sind und nicht ein noch aus wissen, ein Stoßgebet zum Himmel. Für manche Christen wiederum ist es nicht selbstverständlich, regelmäßig zu beten. Und schon Paulus merkte, »denn wir wissen nicht, was wir beten sollen« (Römer 8,26 b).

Beten will geübt sein

Selbst die vermeintlichen Profis in Sachen Gebet, die Theologen und Pfarrer, haben zuweilen ihre Schwierigkeiten damit. »Ich bin kein Gebetomat, ich lasse mich ablenken, treiben«, so Propst Christoph Hackbeil, Regionalbischof für den Propstsprengel Stendal-Magdeburg. Er hat sich für den Gebetskalender der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) starkgemacht.

Der Gebetskalender, der abonniert werden kann, lädt Einzelne und Gemeinden ein, die darin formulierten Anliegen aufzunehmen und vor Gott zu bringen. Der Gebetskalender wird jeweils für zwei Monate veröffentlicht. Gestaltet wird er reihum von den Propsteien Gera-Weimar, Stendal-Magdeburg, Eisenach-Erfurt, Meiningen-Suhl, dem Reformierten Kirchenkreis, Halle-Wittenberg und dem Landeskirchenamt.

Wie Hackbeil erklärt, sammeln die Kirchenkreise ihre Vorschläge für Gebetsanliegen, die Superintendenten beraten darüber und treffen eine Auswahl. Die Anliegen nehmen die gesellschaftliche Situation auf sowie das, was die Landeskirche und die Propsteien beschäftigt, so der Theologe. Die Resonanz sei bislang gleichbleibend, wünschenswert wäre eine größere Beteiligung.

»Gebet bleibt nie ohne Wirkung, auch wenn ich sie nicht sehe«, ist Ulrike Köhler, Seelsorgerin im Kloster Volkenroda, überzeugt.

Gebete werden erhört

Zwiesprache mit Gott: Beten in verschiedenen Religionen, an unterschiedlichen Orten, allein oder in Gemeinschaft. Fotos: epd-bild; Fotosasch – stock.adobe.com. Collage: Adrienne Uebbing

Zwiesprache mit Gott: Beten in verschiedenen Religionen, an unterschiedlichen Orten, allein oder in Gemeinschaft. Fotos: epd-bild; Fotosasch – stock.adobe.com. Collage: Adrienne Uebbing

»Das ist manchmal unheimlich«, so die Erfahrung von Kirchenrat Andreas Möller, verantwortlich für Gemeindeentwicklung in der EKM. Als ihm vor etlichen Jahren die Pfarrstelle am Lutherhaus Jena angeboten wurde, lehnten er und seine Frau zunächst ab. »Es sprach vieles dagegen«, erzählt er. »Dann haben wir alle Bedenken im Gebet ausgesprochen und Gott gebeten, wenn er will, dass wir nach Jena gehen, soll er irgendetwas tun. Wir waren bestürzt, als sich im Laufe von etwa acht Wochen alle Probleme in Luft auflösten.«

Ebenso gibt es die Erfahrung, dass Gebete nicht erhört werden. Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat. Das wäre furchtbar, denn zuweilen wenden sich Menschen mit bösen, abwegigen, irrsinnigen Erwartungen an ihn. Manchmal könne das Gebet zu einer neuen Einsicht führen, ganz banal, wie es Ulrike Köhler beschreibt. Wenn sie eine Erkältung hat und darum bittet, gesund zu werden, dies aber nicht eintritt, frage sie sich, ob sie nur etwas mehr Geduld aufbringen und einfach nur stillhalten solle.

Aber auch schwer kranke Menschen bitten vergeblich um Heilung. In solchen Fällen fordere sie die Betreffenden auf, so Köhler, näher hinzuschauen und akzeptieren zu lernen, dass unser Leben endlich ist. Aus Sicht der Seelsorgerin eine zumutbare Aufforderung, »wenn wir wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen«. Sie ist sich sicher: »Wir haben einen Gott, der Wunder tut. Aber wir können nicht darüber verfügen, dass er Wunder tut.«

Beten lernen

Wie lernt ein Mensch beten? »Ich bin noch klein, mein Herz ist rein, es soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Amen« Unzählige Mütter haben ihren Kindern dieses Gebet beigebracht. Bestenfalls geht das Ritual so im Laufe der Zeit in Fleisch und Blut über.

»Ich erinnere mich, wie die Eltern den festgelegten Gebeten freie Worte hinzufügten«, berichtet Andreas Möller. Diese freien Worte seien für ihn sehr eindrücklich gewesen, ehrlich und authentisch. Im Ferienlager, wenn er sich nach Hause sehnte, habe er sich darauf besonnen, den erlernten Gebeten freie Worte hinzuzusetzen.

Es gibt verschiedene Formen des Gebets: Kindergebete, Tischgebete, Friedensgebete, Fürbitten, stille Gebete, um nur einige zu nennen.

In bestimmten Situationen sei es für Menschen, beispielsweise für Politiker, wichtig, wenn für sie gebetet wird, betont Hackbeil. »Es gehört zu unserem Auftrag, für die Obrigkeit zu beten statt Ratschläge zu geben.« Ebenso tröste es Kranke, wenn sie wissen, dass die Seelsorgerin sie in ihr Gebet einschließe. Persönlich schätze er das Gebet als große Hilfe im Leben. Es verbinde mit anderen Menschen, mit der Schöpfung. »Und es gibt mir Kraft, Dinge auszuhalten.«

Im Kloster Volkenroda wird täglich drei Mal zum Gebet eingeladen. 7.30 Uhr steht der Morgengottesdienst auf dem Programm, mittags das Gebet für Frieden und abends Fürbitten.

In einen inneren Dialog treten, ein Stoßgebet oder Schweigen, sich Gott nur hinhalten ohne Absichten – alles ist Gebet.

»Manche sagen, Gesang ist die höchste Form des Gebets«, ergänzt Andreas Möller. Mit dem Körper zu beten, etwa die Arme zu erheben, sei ebenfalls eine Möglichkeit, sich der Gegenwart Gottes zu öffnen.

Zur hohen Schule gehört das Herzensgebet, ein immerwährendes Gebet, bei dem im Atemrhythmus der Name Jesu Christi angerufen wird: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner.

Und selbst die Arbeit könne Gebet sein, so Ulrike Köhler. Wenn ich in allem, was ich tue, Gott suche, sei das Gebet. »Ich bin Mitschöpfer, darf an Gottes Schöpfung mitgestalten.« Mit dieser inneren Ausrichtung könne das Arbeiten zum Gebet werden.

Sabine Kuschel

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Wenn der Weihnachtsmann die Fäuste schwingt

1. Januar 2018 von redaktionguh  
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Kooperation: EKM und Bauhaus-Universität Weimar initiieren Wettbewerb zum Fest der Liebe

Die Aktion »Weihnachten geht weiter« der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist auch in diesem Jahr wieder gestartet worden. Dabei soll, so die Initiatoren, zum Nachdenken über folgende Fragen angeregt werden: Was bleibt, wenn die Weihnachtsfeiertage vorbei sind? Wie prägt die Botschaft des christlichen Festes den weltlichen Alltag? Karsten Kopjar, der die Aktivitäten der EKM in den sogenannten sozialen Medien koordiniert, zur Intention der Aktion: »Wir möchten damit zeigen, dass die Weihnachts-Botschaft weit hinausgeht über die drei Feiertage im Dezember.«

Weihnachten geht weiter: Wolfgang Kissel (links), Professor für Medien-Ereignisse, hat sichtbar Vergnügen am Beitrag von Christoph Stötzer. Foto: Maik Schuck

Weihnachten geht weiter: Wolfgang Kissel (links), Professor für Medien-Ereignisse, hat sichtbar Vergnügen am Beitrag von Christoph Stötzer. Foto: Maik Schuck

Konkret bedeutet das, dass ab Heiligabend bis zum 10. Januar 14 Kurzfilme des EKM-Kooperationsprojekts »Christmas Shorts« online zu sehen sein werden. Produziert wurden die Videoclips von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar im Rahmen eines Wettbewerbs. Die Filme von 90 Sekunden Länge sollen die Botschaft von Weihnachten individuell und kritisch unter die Lupe nehmen und aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachten, so die Anforderung.

Entstanden sind kurze Dokumentar-, Spiel- und Animationsfilme. Eine Studentin beispielsweise hat am 24. Dezember Geburtstag und beschäftigt sich in ihrer Videosequenz mit den Schwierigkeiten und Konflikten, die sich daraus ergeben. In einer Kurz-Komödie geht es um den »Wahnsinn« der Weihnachtszeit oder einen prügelnden Weihnachtsmann. In einem Film fragt sich ein kleiner Junge, warum
sein Vater Weihnachten arbeiten muss.

Eine Jury der EKM bestehend aus Vertretern der Evangelischen Jugend, kirchlicher Einrichtungen, Theologen, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Journalisten hat die Kurzfilme bewertet und wird die besten drei Arbeiten auszeichnen.

Auf ihrer Internetseite präsentiert die EKM die Videos und die Zuschauer können mit abstimmen, indem sie ihren Lieblingsclip bewerten. Bekanntgegeben werden die Ergebnisse am 12. Januar 2018.

Um auf die Aktion hinzuweisen, werden Postkarten in vielen Kirchengemeinden beim Heiligabendgottesdienst
verteilt.

(G+H)

www.weihnachten-geht-weiter.de

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Hinter Gittern miteinander verbunden

27. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Rundfunkgottesdienst zu Heiligabend mit Landesbischöfin aus der Justizvollzugsanstalt Burg

Der Mann hinter der Glasscheibe bittet uns knapp, Ausweis und Handy abzugeben. Dann geht die Stahltür auf. Wir treten ein. Taschenkontrolle. Summer, Tür auf zum nächsten Flur. Tür fällt hinter uns zu. Warten. Nächste Tür geht auf. Wir gehen durch, wieder fällt sie schwer ins Schloss. Wieder warten. Landesposaunenwart Frank Plewka und ich reden etwas leiser. Warum eigentlich? Weil die Atmosphäre so drückt. Dann geht die nächste Tür auf und Gefängnisseelsorgerin Jana Büttner empfängt uns. Sie hat Schlüssel. Sie schließt uns durch bis zu einem schlichten Mehrzweckraum, der als Kapelle dient. Ein Altar, ein paar Bilder, eine Gebetswand, Stühle und Instrumente für die Band. Die Fenster: vergittert. Blick auf den Hochsicherheitstrakt.

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Baum hinter Stacheldraht: Innenhof des Gefängnisses Burg. Foto: Jana Büttner

Knast ist ein in Zement gegossener Ausnahmezustand. Karg. Man ist bewacht auf Schritt und Tritt. Fremdbestimmt. Stacheldraht bohrt sich in die Seele. Selbst über den Sportplatz ist ein Netz gespannt, dass niemand etwa mit dem Helikopter befreit werden kann.
Und Licht scheint in der Finsternis? Ja, das glaube ich. Mit zwei Gefangenen feile ich an ihren Texten. Zum Beispiel über die Hoffnung, wieder mit der Familie vereint zu sein.

Die Musiker proben nebenan. Alles muss passen für den peniblen Regieplan. Es wird aufregend, wenn der Übertragungswagen kommt. Landesbischöfin Ilse Junkermann wird predigen über das Licht, das stärker sein wird als die Finsternisse unseres Lebens. Und die Gefangenen werden verbunden sein. Einige mit ihren Familien. Über das Radio. So kann es Weihnachten werden.

Den Gottesdienst gestalten Insassen und das ökumenische Seelsorgeteam der JVA. Sie werden unterstützt vom EKM-Bläser-Ensemble unter der Leitung von Frank Plewka.

Ulrike Greim, EKM-Rundfunkbeauftragte

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Vorerst kein Begleitheft zum Gesangbuch

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Weltliche Lieder im Gottesdienst: Was Kirchenmusiker dazu sagen

In Hessen ist es kürzlich erschienen: Das EGplus, ein Begleitheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG) mit weltlichen Liedern. Als »sehr erfreulich« und »gut gelungen« beurteilt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Buch.

Dennoch wird es in der EKM in absehbarer Zeit wohl kein ähnliches Heft geben. Ehrenwerths Vorstoß ist auf einer Tagung der Kreiskantoren gescheitert. Das EG ist nach Meinung der Musiker aus den Kirchengemeinden noch nicht ausgeschöpft. Kein Einziger hielt eine gedruckte Ergänzung für nötig, so Ehrenwerth weiter. Dabei hatte der Landeskirchenmusikdirektor gemeinsam mit Landesposaunenwart Frank Plewka und Landessingwart Mathias Gauer bereits begonnen, einen Kanon bewährter weltlicher Lieder zu sammeln und zu sichten. »Mit so vielen Gegenargumenten hatten wir nicht gerechnet«, sagt Ehrenwerth überrascht. Gegen das Votum der Kreiskantoren ein Begleitheft zu veröffentlichen, sei kein Weg, denn »sie sind es, die ein neues Buch vermitteln müssen«. Dennoch treibt das Anliegen den Landeskirchenmusikdirektor weiterhin um. »Unsere Listen wollen wir fertig stellen«, kündigt Ehrenwerth an. Er möchte das Thema auch bei der Klausurtagung der Kammer für Kirchenmusik im Januar zur Sprache bringen.

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Das EGplus enthält 164 Lieder, auch aus der Popmusik. Foto: medio.tv/schauderna

Seiner Beobachtung zufolge zehren viele Gemeinden vom großen Angebot bereits vorhandener Liederbücher: »Durch Hohes und Tiefes«, »colours of grace« oder das zum Kirchentag erschienene »freiTöne«. Möglicherweise, so Ehrenwerth, setzen sich auch Lieder-Apps, wie sie die EKD jetzt angekündigt hat, durch.

Auch weltliche Lieder brauchen geistlichen Bezug

Selbst wenn derzeit kein Interesse an einem gedruckten Beiheft besteht, werden weltliche Lieder natürlich im Gottesdienst gesungen. Auf Nachfrage von G + H äußerten sich Kantoren teils aufgeschlossen, teils skeptisch. »Wenn englischsprachige Popsongs in ein Beiheft aufgenommen werden sollen, müsste man sehr genau hinschauen: Erzählen sie etwas über die Beziehung Gott-Mensch?«, sagt Thomas Ennenbach aus Eisleben. Überarbeitungen weltlicher Vorlagen seien kein Problem, dies habe eine lange Tradition. Aber immer sollte das Liedgut Gott verkündigen, loben, klagen. Allgemein bekannte Popsongs aus Radio, Kaufhaus und Reisebussen sieht Ennenbach als verzweifelten Versuch, sich dem Zeitgeist einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, anstatt sich auf den Kern christlicher Aussagen zu konzentrieren.

Den Gottesdienst bezeichnet Roland J. Dyck aus Salzwedel als ein Stück Himmel auf Erden. »Es ist ein bisschen wie beim Zauberportal im Märchen: Ich gehe hindurch und bin in einer anderen Welt. Wenn ich jenseits der ›schönen Pforte‹ (EG 166) aber nichts anderes vorfinde, als die mir vertraute Alltagswelt – warum soll ich mich dahin auf den Weg machen?« Vom Alltag abgehoben darf der Gottesdienst jedoch nicht sein. Beide Welten müssen in Berührung bleiben. Und was heißt das für die Musik? »Weltliche Musik in der Kirche: Ja, natürlich«, sagt Dyck. Was in Gegenwart des Gekreuzigten bestehen kann, solle auch seinen Platz in der Kirche finden. Weltliche Musik sei bei Kasualien gang und gäbe oder im Zusammenhang mit der Predigt. Mit Schmunzeln denkt der Marienkantor an eine Pfarrerin, die von der Kanzel sang: »Muss nur mal schnell die Welt retten …« und in Verbindung mit einem Bibeltext dazu predigte. »Aber weltliche Musik im Gesangbuch – als Bestandteil des regulären gottesdienstlichen Kanons? Ich sehe nicht, welchen Sinn das haben sollte – abgesehen von billigem Publikumsfang.«

Der scheidende Kantor aus Zeitz, Clemens Bosselmann, singt weltliche Lieder, die einen gewissen geistlichen Bezug haben, vor allem in Gottesdiensten mit Jugendlichen. »Ich habe wenige Berührungsängste und halte, gerade in einem Beiheft, die Einführung von solchen Songs für unproblematisch.«

Mirjam Petermann, Katja Schmidtke

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Christbaum aus dem Kirchenwald

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Alle Jahre wieder im Advent beginnt in den Wäldern das Schlagen von Weihnachtsbäumen. Wer selbst die Axt anlegt, wird mancherorts zu Glühwein und einem zünftigen Imbiss eingeladen.

Weihnachtsbäume aus heimischen Wäldern haben in Thüringen eine lange Tradition. Über Generationen holten sich vor allem die Bewohner der waldreichen Bergregionen ihren Christbaum selbst aus dem Wald. Damit kam zum Fest stets ein frisches Exemplar in die gute Stube. Der alte Brauch erfreue sich mittlerweile wieder zunehmender Beliebtheit, sagt Horst Sproßmann vom ThüringenForst: »In einigen Orten ist das Baumschlagen bei Glühwein und Bratwurst oft ein Event für die ganze Familie.«

Auch auf kirchlichen Waldflächen wird so manche Fichte für das Weihnachtsfest geschlagen. Mit etwa 6 000 Hektar entfällt knapp die Hälfte des Kirchenforstes in der mitteldeutschen Kirche auf Thüringen, das wiederum zu einem Drittel mit Wald bedeckt ist – insgesamt mit mehr als 550 000 Hektar. Zu den rund 800 Hektar kirchlicher Waldflächen in Ostthüringen gehören 270 Hektar des Schleizer Geistlichen Hilfsfonds, der bereits am Heiligabend 1605 errichtet wurde. Seither sind die Überschüsse aus der Waldwirtschaft des Fonds jeweils zur Hälfte für kirchliche und für schulische Aufgaben bestimmt. Gelegentlich sei er dabei gewesen, um in diesem Stiftungswald Christbäume für die Kirche zu schlagen, erinnert sich Pfarrer Andreas Göppel. Als er vor einigen Jahren aus Sachsen-Anhalt in die kleine Gemeinde Tanna im Grenzland zu Sachsen und Bayern wechselte, sei es für ihn etwas Neues gewesen, selbst die Axt mit anzulegen.

Gleichwohl seien Christbäume aus dem Kirchenwald in Kirchengemeinden oder Gemeindehäusern eher die Ausnahme, sagt Kirchenoberforsträtin Susann Biehl vom Erfurter Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Als wichtigsten Grund für die Zurückhaltung vermutet sie das Austrocknen der zumeist verwendeten Fichten in geheizten Räumen und das damit verbundene frühzeitige Verlieren der Nadeln.

Aktuelle Trends: Die Nachfrage nach kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter nimmt zu. Außerdem spielt Regionalität zunehmend eine Rolle: 30 Prozent der Bäume werden direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben gekauft, weitere 30 Prozent im Straßenhandel und der Rest in Supermärkten sowie in Garten- und Baumärkten. Fotos: by-studio – stock.adobe.com

Aktuelle Trends: Die Nachfrage nach kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter nimmt zu. Außerdem spielt Regionalität zunehmend eine Rolle: 30 Prozent der Bäume werden direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben gekauft, weitere 30 Prozent im Straßenhandel und der Rest in Supermärkten sowie in Garten- und Baumärkten. Fotos: by-studio – stock.adobe.com

Die Verwendung der Nadelbäume als Weihnachtsschmuck ist für die Kirchenwälder ohnehin nur ein Nebenaspekt. In erster Linie gehe es um eine wirtschaftliche Nutzung des natürlichen Rohstoffs Holz, um damit einen Ertrag für die Mitfinanzierung von kirchlichen Aufgaben zu erzielen, sagt die Forstfachfrau. Als Beispiele nennt sie die Pfarrerbesoldung und die finanzielle Unterstützung für den Erhalt von kircheneigenen Gebäuden.

Für die Bewirtschaftung ihrer Waldflächen hat die EKM strenge Kriterien festgelegt. Sie sollen dazu beitragen, den Wald als Teil der Schöpfung zu erhalten und zu pflegen. »Dabei hat Nachhaltigkeit die oberste Priorität«, betont Biehl. Die wichtigsten Grundsätze seien der Verzicht auf Kahlschlag und Pestizide, schonende Verfahren zur Holzernte und die ständige Einbeziehung des Naturschutzes.

Dazu gehörten neben dem Schutz von Boden- und Wasserflächen auch der Beitrag des Waldes zum Klimaschutz als Speicher für Kohlenstoff. Darüber hinaus sei der Erhalt des Waldes als Kulturgut unverzichtbar, fügt sie hinzu. Vor diesem Hintergrund sei der Waldumbau von der Monokultur zu einem Mischwald mit anderen Nadel- und Laubbäumen auch für den Kirchenwald eine besondere Herausforderung. Erste positive Veränderungen auf diesem Gebiet hat die jüngste Inventur der kirchlichen Waldflächen in Thüringen ergeben. Gegenüber der Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2002 zeige sich der Thüringer Kirchenwald heute gemischter und auch stabiler gegenüber Klimaveränderungen, resümiert die zuständige Mitarbeiterin im Erfurter Kirchenamt. Rund ein Drittel des Bestands seien Buchen, Eichen und andere Laubbäume.

Am häufigsten wachsen jedoch auf den kirchlichen Waldflächen nach wie vor Fichten. Sie haben das romantische Bild vom »deutschen Wald« seit dem 19. Jahrhundert auch in Thüringen maßgeblich geprägt. Mit dem grundlegenden Waldumbau sollen diese Bestände keineswegs verschwinden, sagt Biehl. Doch künftig werde es auch im Kirchenwald mehr andere Nadelbäume geben, die als Weihnachtsbaum langlebiger sind. Wie etwa die Weißtanne, so die Forstfachfrau.

Thomas Bickelhaupt (epd)

Wissenswertes
Das Saatgut der hierzulande als Weihnachtsbaum beliebten Nordmanntanne wird vor allem aus Georgien importiert. Zur Ernte werden die Zapfen von Bäumen oft in einer Höhe von 60 Metern von Hand gepflückt. Übrigens: Die Forschung, z. B. an der Uni Kopenhagen, sucht nach dem noch perfekteren Weihnachtsbaum mit noch schönerem Wuchs, höherer Frosttoleranz, geringerem Nadelverlust und sogar nach dem schwerer entflammbaren Baum. Auch der Online-Weihnachtsbaum­verkauf wächst kontinuierlich, bisher noch auf niedrigem Niveau. Das Angebot in diesem Jahr war bereits umfangreicher. Eine Lieferung ins Haus – sogar geschmückt – ist inzwischen möglich.


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Terminreiches Jubiläumsjahr

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Auswahlchor des Posaunenwerks feierte 500 Jahre Reformation und einen runden Geburtstag

Für den Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM endet ein terminreiches Jubiläumsjahr. Nicht nur die Reformation feierte Geburtstag – auch der Auswahlchor, der seit zehn Jahren besteht. 2007 von Landesposaunenwart Frank Plewka gegründet, gestaltet der Chor Gottesdienste und Konzerte, spielt vor Synoden und Fernsehkameras. Von Beginn an dabei ist Manuela Werner aus Halle.

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Musik verbindet: Auch im Auswahlchor des EKM-Posaunenwerks spielen Männer und Frauen, Jung und Alt, Menschen aus dem Norden und aus dem Süden der Landeskirche. Foto: Posaunenwerk der EKM

Es begann mit einem Brief der Kirchengemeinde, erinnert sich Manuela Werner. Der Posaunenchor suchte Nachwuchs. Die damals Elfjährige ging zur Schnupperstunde und kam mit einem Flügelhorn zurück. Das tauschte sie erst gegen eine Trompete, diese später gegen eine Posaune ein. »Als Studentin war ich dann nur noch sporadisch in meinem Posaunenchor zu Hause, habe mir aber am Studienort einen neuen gesucht«, erzählt die gebürtige Nordhessin, die in der »Arche Nebra«, dem Museum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra, arbeitet. Mit Anfang 20 hängte sie die Posaune an den Nagel und begann Waldhorn zu lernen. »Eigentlich habe ich mir überall, wo es mich hin verschlug, einen Posaunenchor gesucht«, sagt die heute 42-Jährige.

In den Auswahlchor sei sie eher zufällig geraten. Frank Plewka hatte sie angesprochen, weil noch ein Horn fehlte und er ihr die Aufgabe zutraute. Die Aufnahme in den Auswahlchor erfolgt in der Regel nach einem Probespiel vor einer Jury. Erwartet werden neben der Mitgliedschaft in einem Posaunenchor des Posaunenwerks sowie der Bereitschaft zum Erarbeiten anspruchsvoller Literatur und intensiver Probenarbeit auch die Fähigkeit, mittelschwere Stücke vom Blatt zu spielen sowie Tonarten mit bis zu fünf Vorzeichen zu beherrschen, rhythmische Sicherheit und Kenntnisse verschiedener Stilrichtungen. »Wir sind aber kein ›Elite-Ensemble‹, sondern fest in unseren Gemeindeposaunenchören verankert«, so Manuela Werner.

Posaunenchöre – oft liebevoll »mobile Allwetter-Orgeln« genannt – sind aus der Gemeindearbeit nicht wegzudenken. Manch katholischer Pfarrer beneidet seinen evangelischen Amtsbruder darum, und vielerorts sind es evangelische Bläserchöre, die zu katholischen Anlässen lautstarke Ökumene pflegen. »Posaunenchöre haben den Auftrag, Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen musikalisch auszugestalten«, weiß Manuela Werner. »Aber sie sind auch eine besondere Gruppe innerhalb der Gemeinde. Hier machen die verschiedensten Leute zusammen Musik – Alt und Jung, Männer und Frauen, unterschiedliche soziale Gruppen. Für nicht wenige Mitglieder ist der Kontakt zur Gemeinde und zur Kirche wesentlich durch den Posaunenchor geprägt.«

Als Aushängeschild der Posaunenchorarbeit in der EKM will der Auswahlchor anderen Posaunenchören Mut machen, auch Neues auszuprobieren. In Konzerten sind deshalb neben vierstimmigen Arrangements für Blechbläser-Ensembles immer auch Stücke aus der üblichen Posaunenchorliteratur zu hören – von der modernen Choralbearbeitung bis zum klassischen Bach-Choral. Insgesamt reicht das Repertoire von Frühbarock bis Rockmusik.

In ihr Ehrenamt investieren die Mitglieder des Auswahlchores viel Zeit und nehmen für Proben und Auftritte oft weite Wege in Kauf. Aber der Chor ist in den zehn Jahren zu einer guten Gemeinschaft gewachsen. Posaunenchorarbeit ist eben nicht nur Dienst, sondern macht auch Spaß – ob »unten« an der Basis oder weiter »oben« im Auswahlchor des Posaunenwerkes der EKM.

Katharina Hille

Tipp: Rundfundgottesdienst mit Beteiligung des Auswahlschors am 24. Dezember, 10 Uhr, aus der Justizvollzugsanstalt Burg, Übertragung von MDR Kultur

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Weihnachten in 60 Sekunden

5. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Studenten der Bauhaus-Uni erstellen Kurzfilme über die Botschaft des Christfests

Im vergangenen Jahr hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in den Weihnachtsgottesdiensten per Postkarte zu einem elektronischen Nach-Adventskalender eingeladen. 2017 gibt es erneut die Aktion »Weihnachten geht weiter« – diesmal verbunden mit einem Wettbewerb um den besten Kurzfilm. Die Filme entstehen derzeit im Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.

Familien kommen zusammen und treffen Freunde – für Paula, Forat und Leon bedeutet Weihnachten vor allem, zur Ruhe zu kommen, sich Zeit füreinander zu nehmen, zu feiern. Die drei belegen mit 16 weiteren Studenten das Werkmodul »Christmas Shorts« bei Professor Wolfgang Kissel und Franka Sachse. Mit dem Medientheologen Karsten Kopjar haben sie seit Semesterbeginn darüber nachgedacht, welchen Kern die Weihnachtsbotschaft hat und wie sie das alltägliche Leben prägt, welche Bilder sie mit dem christlichen Fest verbinden.

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Filmemacher müssen zunächst einmal ihre Ideen zu Papier bringen und viel schreiben: Leon, Forat und Paula (v.l.n.r.) arbeiten an ihren Skripten. Bis 10. Dezember sollen die Ultrakurzfilme eingereicht werden. Foto: Katharina Hille

Nun arbeiten die Studenten mit Hochdruck an Drehbüchern und Storyboards. Filme von maximal 60 Sekunden Länge und aus unterschiedlichen Genres sollen entstehen und zeigen, wie Weihnachten heute weltweit wahrgenommen wird.

Das Werkmodul ist international besetzt. Forat aus Ägypten ist Muslima. Weihnachten ist in ihrer Heimat für die Familien vor allem ein Anlass für festliches Essen und gemeinsames Feiern. Sie vergleicht das Fest mit dem Fastenbrechen nach dem Ramadan und will für ihren Beitrag die Tradition des Weihnachtsstrumpfes mit den für Ägypten typischen Pantoffeln verbinden. Andere studentische Filme werden die Kommerzialisierung des Festes thematisieren.

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kosten- los und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Um die Ecke gedacht: So sehen die Postkarten aus, die am Heiligen Abend in den Kirchen verteilt werden können. Sie sind kostenlos und können bis 6. Dezember online bei der Landeskirche bestellt werden. Foto: EKM

Die Ultrakurzfilme werden zunächst einer Jury gezeigt: Pfarrer und Katecheten, Jung und Alt, kirchenfern und -nah. Dem Jurypreis der EKM, der am 21. Dezember vergeben wird, folgt die Bewertung durch das Publikum. Von Heiligabend bis zum 10. Januar können die Zuschauer im Internet die Clips bewerten. Alle Informationen sowie Impulse zum Motto der Aktion sind auf den Postkarten enthalten, die in den Kirchgemeinden Heiligabend verteilt werden.

»Zu den Gottesdiensten an Heiligabend kommen viele Menschen, die sonst eher wenig Kontakt zu Kirche und Glaubensfragen haben«, sagt Karsten Kopjar, Social-Media-Koordinator der EKM. »Bereits im vorigen Jahr ist es uns über die Postkartenaktion gelungen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.« Durch die Kooperation mit der Bauhaus-Universität werde dieser Horizont erweitert, denn die meisten Studenten des Seminars haben keinen Bezug zur Kirche. So werden die Filmbeiträge für manchen Zuschauer überraschend ausfallen.

Katharina Hille

www.weihnachten-geht-weiter.de

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Seife der Hoffnung

27. November 2017 von redaktionguh  
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Träume, keine Schäume: Mit einem ungewöhlichen Projekt unterstützt die Kirchen­gemeinde Rüdersdorf eine Manufaktur in Syrien.

Syrien ist für kostbare Seifen in aller Welt bekannt und die Seifenmanufaktur hat eine lange Tradition. Avedis Titizian stellt seine Seife nach alten Rezepten aus reinem Lorbeer- und Olivenöl her. Sie ist frei von künstlichen Duft- und Farbstoffen und enthält keine tierischen Fette. Diese Seife gehört im Jahre 2017 zu den Aktionen innerhalb des Projektes »Hilfe für Nahost«. Seit 2014 hilft Pfarrer Christian Kurzke aus Rüdersdorf im Kirchenkreis Gera mit verschiedenen Aktionen den geflohenen Menschen, die direkt in den Gebieten Nordirak, Syrien und Libanon leben. Auf große Unterstützung konnte und kann der Organisator dabei von der Landeskirche, kirchlichen Organisationen und vielen privaten Spendern zählen. 2017 sind 80 000 Euro von der Landeskirche in das Programm von Christian Kurzke geflossen. Die Mittel wurden im Rahmen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der EKM (KED) vom Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum zur Verfügung gestellt. Diese Gelder gingen an die christlichen Organisationen CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) und an NESSL (The National Evangelical Synod of Syria and Lebanon). Damit werden Schülertransporte unterstützt. Diese bringen die Schüler aus entlegenen Dörfern zu den Bildungseinrichtungen der Hilfsorganisationen.

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Versand: Pfarrer Christian Kurzke und Konfirmandin Lea Voigt sind fleißig dabei, die Bestellungen der »Seife der Hoffnung« einzupacken. Foto: Wolfgang Hesse

Pfarrer Christian Kurzke zeigt stolz die 2017 zusammengekommene Spendensumme in Höhe von 130 000 Euro. »Unser Hilfsprojekt ist mittlerweile so bekannt, dass Spenden aus allen Teilen Deutschlands auf unserem Konto eintreffen«, sagt der Gemeindepfarrer. »Eine größere Summe ging an die Poliklinik einer Kirchengemeinde in Minyara im Nordlibanon und an die Frauenarbeit von Pfarrer Abuna Jihad Nassif aus Homs, den wir in diesem Jahr persönlich hier in Rüdersdorf begrüßen durften.«

Die Hilfe ist ganz konkret für Menschen vor Ort bestimmt, wie etwa für den Manufakturbetrieb von Avedis Titizian. Der 34-Jährige gehört zu den Kriegsflüchtlingen aus Kessab, am Fuße des Musa Dagh, unweit von Aleppo. Er ist armenischer Christ und zählt zu den Nachkommen, die den Genozid 1915 überlebten. Drei Monate plünderten dschihadistische Truppen im Frühjahr 2014 systematisch die Stadt Kessab, zerstörten Häuser und Kirchen, bevor sie vertrieben wurden. Nur wenige ehemalige Bewohner kehrten nach Kessab zurück. Zwei Drittel der vormals 6 000 Einwohner gingen ins Ausland.

Neuanfang mit Hilfe aus dem Kirchenkreis Gera

Avedis Titizian stand nach seiner Rückkehr vor dem Nichts. Seine Manufaktur gab es praktisch nicht mehr, alles war zerstört oder gestohlen und es gab keine Entschädigung vom syrischen Staat. »Mit dem Bisschen, was mir geblieben ist, habe ich wieder angefangen Seife herzustellen«, berichtet Avedis Titizian. Niemand im Bürgerkriegsland kann jedoch heute seine hochwertige Seife kaufen. Deshalb unterstützt die Hilfe für Nahost Avedis Titizian, seine Seife in Deutschland zu verkaufen. Für 500 Kilogramm Seife werden ca. 10 000 Euro an die Manufaktur zurückgehen. »Wir hatten hier 3 500 Stück Seife und in den ersten 14 Tagen haben wir über 2 000 Stück davon verkauft«, freut sich Pfarrer Christian Kurzke.

»Das gelingt uns nur durch ein feinmaschiges Vertriebsnetz und den Online-Netzwerken von Diakonie, Kirchen und Gemeinden.« Die komplette Logistik von Verpackung bis hin zum Versand liegt im Gemeindebüro Rüdersdorf. »Ohne die Hilfe der Konfirmanden, den Kindern vom Chor und deren Eltern könnte ich das alleine nicht stemmen«, bemerkt Christian Kurzke.

Die »Seife der Hoffnung« ist, wie alle Aktionen von Pfarrer Christian Kurze, eine Hilfe für Flüchtlinge und Christen vor Ort, die in ihrer Heimat bleiben. Auch Avedis Titizian wollte nach Armenien auswandern. »Syrien ist meine Heimat. Ich liebe dieses Land und meine Eltern brauchen mich«, sagt er. »Mein größter Wunsch ist Frieden für Syrien. Mit dem Geld möchte ich meine Seifenmanufaktur erweitern und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen. So kann ich meinem Land am besten helfen und auf Frieden hoffen.«

Wolfgang Hesse

Nähere Informationen unter E-Mail
<christiankurzke@web.de>

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Wohin die Kirchensteuer geht

24. November 2017 von redaktionguh  
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Unerwartet: Die Einnahmen sprudeln, dank der guten Konjunktur. Und das, obwohl die Mitgliederzahlen sinken. Was haben die Kirchengemeinden vom Geldsegen?

Bei der Herbsttagung der Landessynode geht es immer auch um die Finanzen. Oberkirchenrat Stefan Große, der Finanzdezernent der EKM, hat schon andere Zeiten erlebt. Derzeit kann er seinen Bericht gelassen angehen. Die Kasse stimmt. Wie schon im vergangenen Jahr wird auch diesmal wieder ein Überschuss ausgewiesen. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer, 54 Prozent der sogenannten Plansumme, sind in Folge höher als prognostiziert.

Die Kirchensteuer allein mache es aber nicht, so Große. »Die EKM hängt am Tropf der Westkirchen.« Ohne den Finanzausgleich, das Solidarsystem der EKD – 26 Prozent des kirchlichen Haushalts –, sähe es schlecht aus. Hinzu kommen noch die Staatsleistungen, eine Art Pachtzins für einst vom Staat enteignetes Kirchenland. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um staatliche Almosen. Sie sind Verpflichtungen nach den Verträgen mit den Bundesländern, die zu Beginn der 90er-Jahre geschlossen wurden, und werden für die Besoldung und Versorgung von Pfarrern und Kirchenbeamten eingesetzt.

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

In Summe stehen der Landeskirche 200 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Auf die 733 000 Mitglieder umgerechnet sind das 275 Euro Plansumme pro Gemeindeglied. Die Zahlen stammen aus dem Entwurf des Haushaltsplans, über den das Kirchenparlament auf der Herbsttagung berät und entscheidet.

Der überwiegende Teil des Plansummenanteils (210 Euro) steht den Kirchengemeinden und -kreisen zur Verfügung. Große betont, dass aber auch aus dem allgemeinen landeskirchlichen Anteil Aufgaben finanziert werden, die die Arbeit in den Gemeinden ergänzen und stärken. Der überwiegende Teil der Plansumme müsse sogar den Kirchenkreisen direkt oder indirekt zur Verfügung gestellt werden. Das sei im EKM-Finanzgesetz zwingend geregelt. Der Anteil für die allgemeinen Aufgaben der Landeskirche beinhalte beispielsweise Aufwendungen für die Ausbildung von Pfarrern, Gemeindepädagogen und Lektoren, für die Notfallseelsorge oder die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Öffentlichkeitsarbeit. »Von jedem eingenommenen Euro gehen etwa 76 Cent in die Kirchenkreise und Gemeinden«, so der Finanzdezernent.

Eine Regelung, die die EKM von anderen Landeskirchen unterscheidet, ist die Tatsache, dass der landeskirchliche Anteil, also die Mittel, die dem Landeskirchenamt zur Erfüllung der Aufgaben zur Verfügung stehen, an die Entwicklung der Kosten im Verkündigungsdienst gekoppelt sind. Das heißt, wenn 2019 durch Einsparungen weniger Geld in die Kirchenkreise überwiesen wird, muss auch das Landeskirchenamt im gleichen prozentualen Verhältnis sparen. Das sorge dafür, erklärt Große, dass der allgemeine landeskirchliche Anteil nicht zu Lasten der Kirchengemeinden aufgebläht werde. Diese Koppelung gelte
»in guten, wie in schlechten Zeiten«.

Insgesamt werden ab Januar 2019, wenn das geänderte Finanzgesetz in Kraft tritt, 80 bis 90 Stellen in den 38 Kirchenkreisen wegfallen. Schon jetzt sind die Kreissynoden damit beschäftigt, darüber zu beraten und Stellenpläne zu entwerfen.

Die gute Konjunktur dürfe nach Großes Worten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sinkenden Mitgliederzahlen und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren voll durchschlagen werden. Die Landeskirche und die Kirchenkreise seien jedoch vorbereitet. Große sieht eine gute Basis, »nüchtern, aber angstfrei weiterzumachen« und die Einsparziele zu erreichen.

Bei immer weniger hauptamtlichen Mitarbeitern in den Gemeinden müsse sich die inhaltliche Ausrichtung verändern, so wie das bei den »Erprobungsräumen« versucht werde. »Wir wollen Räume eröffnen, Neues denken und dabei optimistisch und fröhlich Gottes Wort verkündigen.«

Willi Wild

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Synode: Mitteldeutsche Bilanz nicht gefragt

20. November 2017 von redaktionguh  
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Drei der sechs EKM-Vertreter in der EKD-Synode (v. l. n. r.): Jan Lemke, Colleen Michler und Andreas Piontek. Foto: Willi Wild

Drei der sechs EKM-Vertreter in der EKD-Synode (v. l. n. r.): Jan Lemke, Colleen Michler und Andreas Piontek. Foto: Willi Wild

Bonn (G+H) – Die Vertreter Mitteldeutschlands bei der EKD-Synode sehen die Leistungen und Erfolge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der vielen Ehrenamtlichen bei der Bilanz des Reformationsjahres bei der EKD-Synodentagung in Bonn nicht ausreichend gewürdigt. »Die Vielen, die zum Gelingen beigetragen haben, sind unerwähnt geblieben«, sagte Andreas Piontek, Superintendent des Kirchenkreises Mühlhausen, am Rande der Synode.

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