Nächstenliebe verlangt Klarheit

26. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Populismus: EKM will die inhaltliche Auseinandersetzung befördern


Christen und Populismus in der Kirche. Darüber sprach Willi Wild mit dem Leiter des Personaldezernats, Oberkirchenrat Michael Lehmann, und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, dem Leiter des Dezernats Gemeinde in der EKM.

Haben Sie Kenntnis von rechtspopulistischen Tendenzen in der EKM?
Lehmann:
Lassen Sie mich, bevor ich auf Ihre Frage antworte, zwei Dinge sagen. Zunächst: Das Personaldezernat spürt nicht den politischen Überzeugungen der Pfarrerschaft und der kirchlichen Mitarbeiter nach. Für uns ist lediglich maßgebend, dass die Glaubwürdigkeit unserer christlichen Botschaft nicht verletzt und der Dienst nicht beeinträchtigt wird. Wir als Landeskirche vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst wissen, dass sie an alle ihre Gemeindeglieder gewiesen sind und nicht nur an diejenigen mit gleicher politischer Präferenz.

Zweitens: Die Kirche ist Teil der Gesellschaft, und gesamtgesellschaftliche Tendenzen finden sich auch in unserer Kirche wieder. Im Blick auf unsere Mitarbeitenden ist das im
Prinzip nicht anders. Allerdings sehe ich, wie viele von ihnen sich glaubwürdig gegen Verachtung und Ressentiments aussprechen und auch selbst beispielhaft handeln, indem sie etwa angesichts der Flüchtlinge vor Ort konkrete Hilfe geleistet und organisiert haben.

Nun zu Ihrer Frage: Ja, in der jüngsten Vergangenheit gab es in der EKM einen Fall: Ein Gemeindepädagoge hatte sich aktiv an einer rechtsextremistisch motivierten Demonstration beteiligt. Nach entsprechenden Personalgesprächen blieb dem Kirchenkreis keine andere Möglichkeit, als sich von diesem Mitarbeiter zu trennen. Der Fall kam vor das Arbeitsgericht, das aber hat uns klar in dieser Entscheidung bestätigt.

Fuhrmann: Auch bei ehrenamtlich in der EKM Engagierten gibt es keine Abfrage nach der Parteizugehörigkeit. Die Kirchengemeinden sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und damit gesellschaftspolitischer Positionen. Entscheidend ist für mich dabei, ob es uns gelingt, ein christlich motiviertes Gespräch mit allen hinzubekommen. Ich vermute aber, dass derzeit in den Kirchengemeinden die unterschiedlichen Positionen kaum zur Sprache kommen, weil es schwierig ist, die konträren Standpunkte zusammenzubringen.

Wie schätzen Sie auf der anderen Seite die Bedrohung von Pfarrern in der EKM ein, die sich klar gegen rechte Gesinnung wenden?
Lehmann:
Tatsächlich werden Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche Opfer von Herabwürdigung und Bedrohung im Internet. Als ein Beispiel nenne ich unsere Landesbischöfin, die leider immer wieder zum Ziel rechtsradikaler Hetze wird. Im Fall eines Thüringer Pfarrers nahm die Androhung von Gewalt gegen ihn und seine Familie solche Ausmaße an, dass wir ihm die Aufhebung der Dienstwohnungspflicht angeboten haben. Gerade wer sich für einen mitmenschlichen Umgang mit Menschen anderer Sprache und Herkunft einsetzt, merkt: Das Doppelgebot der Liebe war nicht nur zur Zeit Jesu, sondern ist auch heute für viele ein Ärgernis. Ich sehe aber gerade da, spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise, eine große Glaubensgewissheit und Klarheit in unserer Pfarrerschaft. Das beeindruckt mich sehr.

Wie begegnet die EKM populistischen Tendenzen in Kirchengemeinden?
Fuhrmann:
Aus dem Landeskirchenamt heraus können wir erst mal wenig tun. Was ich als Aufgabe sehe, ist, dass wir immer wieder Impulse setzen für das Gespräch. Wir möchten ermutigen und einladen zur Debatte. Die Initiative sollte aber aus den Kirchengemeinden kommen. Wir unterstützen Angebote der Gemeinden und Einrichtungen, wo es um Begegnung geht, und stehen gern beratend zur Seite.

www.ekmd.de/kirche/themenfelder/rechtsextremismus

Was würde Jesus tun?

24. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Populismus: Den Aussätzigen, Sündern, den Zöllnern und Ehebrecherinnen wandte sich Jesus zu. Dient das auch als Beispiel für den Umgang mit Populisten, Pegida und AfD?

Für Berlins evangelischen Bischof Markus Dröge haben Christen in der AfD nichts verloren, auf dem Katholikentag in Leipzig war die Partei unerwünscht, der Erfurter Dom wird nicht beleuchtet, sobald Björn Höcke und seine Parteifreunde auf dem Domplatz sprechen. Das Licht der Welt wird ausgeknipst, wenn die »Kinder der Finsternis« es bräuchten? Ist das die richtige Haltung, die christliche Haltung gegenüber dem Populismus von rechts? Das fragt Werner Patzelt, Politikwissenschaftler an der TU Dresden. Er gehört zu den ersten Forschern, die die Pegida-Bewegung empirisch untersuchten, er hat mit Wutbürgern und Gutmenschen gesprochen, sich die Seiten von Hell- und Dunkeldeutschland angeschaut. Auf dem ökumenischen Studientag »Christen und Populismus«, zu dem die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt und die Katholische Akademie des Bistums Magdeburg kürzlich nach Wittenberg eingeladen hatten, sagte Patzelt, die Kirchen machten es sich zu einfach, rechtspopulistische Positionen als nicht akzeptierbar und nicht vereinbar mit dem Evangelium zu bezeichnen. Da müssten schon Maßstäbe, Kriterien und Wahlprüfsteine herausgearbeitet und den Menschen dann die Entscheidung selbst überlassen werden.

Gegen Rechtsextremismus: Mitarbeiter des Landeskirchenamtes der EKM mit dem Banner, das im Onlineshop bestellt werden kann. Foto: EKM

Gegen Rechtsextremismus: Mitarbeiter des Landeskirchenamtes der EKM mit dem Banner, das im Onlineshop bestellt werden kann. Foto: EKM

Ja, mit der Gottesbildlichkeit aller Menschen und dem allgemeinen Liebesgebot für Freund und Feind als christliche Grundpfeiler können Rassismus, Hass und Gewalt nicht akzeptiert werden. Aber wir sind alle in die Welt verwickelt, wir können uns nicht aus ihr zurückziehen. So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! (Matthäus 22,21) – Christen müssten diese Bipolarität akzeptieren, auch wenn die Spannung schwer auszuhalten ist. Was also tun? »Es ist keine schlechte Idee, sich ein Vorbild am Stifter dieser Religion zu nehmen«, rät Werner Patzelt. Viele von Jesu Gleichnissen beziehen sich auf das Verhältnis von Gutmenschen zum Pack, von denen da oben zu denen da unten. Zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15,3-7): 100 Tiere, eines geht verloren – und diesem geht der Hirte nach, bringt es zurück zur Herde, feiert dann ein Fest. Die Frage, die sich uns heute stellt: Wie bringen wir die Sünder zurück in unsere Mitte, ohne ihnen selbstgerecht und moralisch überlegen zu begegnen?

»Wir müssen im Gespräch bleiben und zwar nicht unter gleichgesinnten Freunden, sondern mit jenen, mit denen wir nicht gerne reden.« Das hat im Übrigen auch die Kirche getan, sagt Professor Patzelt. Wie sonst hätte aus zwölf Aposteln eine weltumspannende Gemeinschaft werden können? Fakten kennen, Behauptungen richtigstellen, dem anderen zuhören, ihn als Menschen und nicht nur AfD-Wähler, Pegida-Demonstrant, Wutbürger wahrnehmen, und konkrete Lösungen für reale Probleme finden, selbst wenn man das Problem zuvor als Phobie abgetan hat. »Wer das Reden abbricht, stellt die Arbeit für den Erhalt unser pluralistischen Demokratie ein«, sagt Werner Patzelt. Es sei politische Feigheit, mit Gegnern unserer Demokratie, wie dem rechten Vordenker Götz Kubitschek, nicht zu reden. Man müsse es tun, gerade vor großem Publikum.

Dass solche Diskurse aber an Grenzen stoßen, berichtet Pascal Begrich, Geschäftsführer des Vereins »Miteinander«, auf dem Studientag. »Miteinander« berät in Sachsen-Anhalt Gemeinden, auch Kirchengemeinden, im Umgang mit Rechtsextremismus und Populismus. Rechtspopulismus sei nie weg gewesen, inzwischen aber in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es gebe keine Woche, in der »Miteinander« nicht irgendwo im Land eingeladen sei, um über diese Phänomene zu reden. »Reden ist nötig, aber manchmal unmöglich«, sagt Pascal Begrich. Es gelte abzuwägen, mit wem man wo spreche, welches Ziel solch ein Dialog hat, welche Motive hinter Gesprächsangeboten stecken. Geht es um den Austausch von Argumenten, um Selbstvergewisserung oder gar Ächtung des anderen?

Kirche, sagt Begrich, könne im Diskurs eine Mittlerin und Impulsgeberin sein, sie ist aber auch eine ethisch-moralische Instanz. Kirche will das verlorene Schaf zurückholen, aber auch dem Wolf klare Kante zeigen. »Toleranz findet ihre Grenze an Intoleranz. Dann ist der Dialog vielleicht nicht mehr der richtige Weg der Auseinandersetzung«, sagt Pascal Begrich. Das sieht auch Politikwissenschaftler Patzelt so: »Im Gespräch lässt sich nicht alles lösen.« Kein einziges Problem hingegen wird gelöst durch Moralisieren, Empören, Abgrenzen. Patzelt: »Nur weil ein Trennstrich gezogen ist, hören die Menschen jenseits dieses Trennstrichs nicht auf, dort zu sein.«

Katja Schmidtke

Allrounder im Auftrag des Herrn

10. März 2017 von redaktionguh  
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Diakone: Berufsbild und Ausbildung haben sich verändert. Geblieben ist die doppelte Qualifikation für das geistliche und das diakonische Amt.

Oben auf dem Gerüst werkelte Diakon Georg Harpain ganz allein. Mit einer Malerbürste strich der Chef des Altenburger Magdalenenstifts dessen Außenfassade. Damals absolvierte ich als junger Diakonenschüler ein Sommerpraktikum im Kinderhospital und besuchte nach Dienstschluss meinen Vorbild-Diakon. Denn bereits als achtjähriger Schüler fuhr ich zu einer Kinderrüstzeit, die er mit zwei anderen Jugendwarten leitete. Und seitdem wollte ich Diakon werden.

Später wechselte Harpain von Altenburg als Ältester an das Johannes-Falk-Haus nach Eisenach. Dort lebt er heute im aktiven Ruhestand. Fassaden malert er nicht mehr, engagiert sich aber weiter für diakonisch-soziale Projekte. Eine ganze Generation Diakone war wie Harpain geprägt vom Allround-Einsatz in Gemeindedienst, Krankenpflege, Verwaltung, Behindertenarbeit oder Heimleitung. Je nach Eignung gestalteten sich die Einsatzgebiete durchlässiger als heute. So übernahmen Jugend- oder Gemeindediakone in späteren Berufsphasen häufig Referenten- oder Verwaltungsstellen, gingen in missionarische Dienste oder übernahmen Pfarrstellen.

Packen gemeinsam an: Diakoninnen und Diakone beim Hauptkonvent der Schwestern- und Bruderschaft Johannes Falk 2016 im Schwarzenshof bei Rudolstadt. Der Autor des Beitrags, Eckart Behr, ist der fünfte von rechts. Foto: Willi Wild

Packen gemeinsam an: Diakoninnen und Diakone beim Hauptkonvent der Schwestern- und Bruderschaft Johannes Falk 2016 im Schwarzenshof bei Rudolstadt. Der Autor des Beitrags, Eckart Behr, ist der fünfte von rechts. Foto: Willi Wild

Heute werden in Neinstedt und Eisenach berufsbegleitende Diakonenkurse angeboten, die auf bereits vorhandenen Ausbildungen und Berufsbiografien aufbauen. Eine solche doppelte Qualifikation eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven in den Arbeitsfeldern von Kirche, Diakonie und freien Trägern. Oder genau andersrum: Aus prosperierenden diakonischen Arbeitsfeldern wird zunehmend Interesse an den Wurzeln der Diakonie signalisiert. Da werden nicht selten Bereichsleiterinnen, Sozialarbeiter, Geschäftsführer oder Erzieherinnen durch ihre Träger ermutigt, einen »D-Kurs« zu belegen. Denn eine kirchliche Sozialisation, gelebte Kirchenmitgliedschaft oder überzeugtes Glaubensleben ist bei Bewerbungen auf kirchlich-dia­konische Stellen längst nicht mehr selbstverständlich. Hier eröffnet die »Diakonenausbildung im Beruf« eine völlig neue Perspektive.

Die theologische Profilierung und berufliche Weiterentwicklung der Diakone wird durch ihre jeweilige Gemeinschaft getragen. Das Diakonengesetz der EKM fixierte unlängst ein altes Prinzip neu: Diakone müssen einer Gemeinschaft angehören und an ihrem Leben teilnehmen. Dazu gehören Konvente, fachliche Weiterbildungen, geistliche Impulse oder gemeinsame soziale Projekte. Diese positiv gemeinte »Zwangsmitgliedschaft« in einer frei gewählten Diakoniegemeinschaft unterstreicht deren Rolle fürs Tragen und Getragenwerden. Übrigens ließen diese früheren »Brüderschaften« ihre männlich geprägte Geschichte, in der die Ehefrauen einfach mitgesendet wurden, längst hinter sich und öffneten sich auch für Diakoninnen.

Nicht mehr der Allrounder mit Malerbürste, Kochkittel, Rechenmaschine und Andachtsbuch ist heute in Stellenbeschreibungen gefragt. Nötig sind Diakoninnen und Diakone, die in ihren speziellen Berufsfeldern mit doppelter Qualifikation für geistlich-diakonische Profilierung sorgen. So lässt sich Diakon nicht einfach als ein Beruf beschreiben. Sondern als eine Berufung im Beruf, gesendet und eingesegnet durch Kirche und Gemeinschaft.

Eckart Behr

Der Autor ist Krankenpfleger, Sozialarbeiter und Diakon. Er leitet seit 1982 die evang. Rehabilitationsklinik in Bad Sulza. Außerdem ist er einer der beiden Ältesten (geistliche Leiter) der J.-Falk-Gemeinschaft Eisenach.

Vom Faden bis zum Versand

8. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Landesbischöfin zu Gast bei Bauerfeind in Zeulenroda

Alles wird hier in Zeulenroda produziert? Und geht von hier aus bis nach Dubai oder noch weiter?« Landesbischöfin Ilse Junkermann war sichtlich beeindruckt bei der Besichtigung der Produktionshallen des Logistikzentrums der Bauerfeind AG in Zeulenroda. Hergestellt werden hier Bandagen, Orthesen, medizinische Kompressionsstrümpfe und orthopädische Einlagen. Und beim Anblick des überdimensional großen Konterfeis von Dirk Nowitzki in der Eingangshalle meinte Ilse Junkermann respektvoll: »Dass Sie den gewonnen haben!« Der berühmte Basketballer ist Botschafter der Marke Bauerfeind. Immerhin belieferte das Unternehmen bereits die Sportler offiziell zu Olympia und zur Fußball-WM mit seinen Produkten.

Landesbischöfin Ilse Junkermann, hier mit Inhaber Hans B. Bauerfeind und Ehefrau Marion, nahm beim Firmenrundgang  »die Beine in die Hand«. Foto: Simone Zeh

Landesbischöfin Ilse Junkermann, hier mit Inhaber Hans B. Bauerfeind und Ehefrau Marion, nahm beim Firmenrundgang »die Beine in die Hand«. Foto: Simone Zeh

Der Betrieb hat Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern, aber nur für den Vertrieb. »Produziert wird alles, vom Garn bis zum fertigen Produkt, hier in Zeulenroda«, erklärte Dörte Heyn, Mitarbeiterin von Bauerfeind, die eine Delegation am vergangenen Freitag durchs Werk führte. Zeulenroda war eine der Stationen bei der Rundreise von Ilse Junkermann durch die Propstei Gera-Weimar.

Dabei war auch Holger Lemme vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der EKM, der den Besuch der Landesbischöfin bei Bauerfeind mit organisiert hatte. Die Arbeitswelt zu sehen und wahrzunehmen, mit Menschen zu reden, das sei Ilse Junkermann wichtig gewesen. Warum man Bauerfeind gewählt habe? »Es sollte ein Betrieb in der Region sein. Bauerfeind ist ein Familienbetrieb, der die Region stärkt, weil sich in Zeulenroda der Hauptsitz befindet.« Zudem sei Inhaber Hans B. Bauerfeind sozial engagiert und in der Kirchgemeinde der Dreieinigkeitskirche aktiv. Die Kirchensanierung vor einigen Jahren hatte er unterstützt. »Er engagiert sich auch für die Kinder- und Jugendarbeit«, so Pfarrer Michael Behr.

Als besondere Ehre bewertete Hans B. Bauerfeind den Besuch der Landesbischöfin. »Ich habe mich gefreut, vor allem dass Sie im Reformationsjahr zu uns kommen«, sagte er zu ihr. Der heutige Geschäftsführer kann sich noch an seine Kindheit in Zeulenroda erinnern. Die Familie war 1949 nach Darmstadt geflüchtet, der Vater gründete dort Bauerfeind neu. In der DDR folgte die Enteignung des 1929 gegründeten Betriebes. Zuletzt in Kempen tätig, kehrte Hans B. Bauerfeind im Jahr 1991 nach Zeulenroda zurück. Es folgten der Bau einer neuen Produktionshalle, eine zweite kam später genauso hinzu wie ein modernes Logistikzentrum und der markante, weithin sichtbare Turm, der der Verwaltung dient. Das Bio-Seehotel in Zeulenroda gesellte sich dazu. 2014 wurde dann die Familienstiftung gegründet. Bis heute sieht sich Bauerfeind als Familienbetrieb.

Die Firmengeschichte beeindruckte die Landesbischöfin. »Ich möchte Ihnen meinen Respekt zollen und Danke sagen für diese bewusste Entscheidung, hier wieder neu anzufangen und zu bleiben«, sagte sie Hans B. Bauerfeind. »Das ist wirklich selten.« Auch die Anzahl der Mitarbeiter interessierte sie. Etwa eintausend sind es, die meisten kommen aus Zeulenroda und der Umgebung. Mit einigen wechselte Ilse Junkermann beim Werksrundgang einige Worte oder schaute ihnen über die Schulter.

Was sie am meisten beeindruckt hat in dem Betrieb, den sie vorher nicht kannte? »Dass hier beides geht, Serienproduktion und Maßarbeit an den gleichen Arbeitsplätzen. Und das Zusammenspiel von Mensch und Maschinen. Alles steht in einem großen Gesamtzusammenhang – vom Faden bis zum Versand – und niemand fühlt sich nur wie ein Rädchen im Getriebe. Ich habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass hier alles nachhaltig angelegt ist, mit allen Signalen, wir bleiben hier«, erklärte Ilse Junkermann. Und dass von Zeulenroda aus in die ganze Welt geliefert werde, auch das sei beeindruckend.

Ihrem Betriebsrundgang folgte eine Gesprächsrunde mit dem Vorstand und Mitarbeitern von Bauerfeind.

Simone Zeh

Zehn Diakone eingesegnet

27. Februar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Foto: Mirjam Petermann

Foto: Mirjam Petermann

Landesbischöfin Ilse Junkermann und Diakon Hanno Roth haben am Sonntag sieben Diakoninnen und drei Diakone aus verschiedenen Landeskirchen in der Eisenacher Nikolaikirche für ihren zukünftigen Dienst eingesegnet. Die zweieinhalbjährige, berufsbegleitende Ausbildung absolvierten sie am Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk (DBI) in Eisenach. Die Absolventen arbeiten beispielsweise als gemeindepädagogische Mitarbeiter, als Erzieherinnen, in der Altenpflege oder der Stadtmission und engagieren sich ehrenamtlich in unterschied­lichen Bereichen.

Als Diakone sind sie nun auch zur Verkündigung und Gottesdienstleitung sowie zum Spenden der Sakramente Taufe und Abendmahl berechtigt. Zurzeit gibt es rund 440 Diakoninnen und Diakone, die in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eingesegnet wurden (mehr zu diesem Thema in Ausgabe Nummer 10).

Überzeugungsarbeit notwendig

23. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Mitteldeutsche Landeskirche stellt Schwerpunkte
der Arbeit im Reformationsjahr vor

Zum traditionellen Kamin-Gespräch hatten die Landesbischöfin sowie die Präsidentin und die Dezernenten des Landeskirchenamtes Vertreter der Medien in Sachsen-Anhalt nach Magdeburg und einen Tag später thüringer Journalisten nach Erfurt eingeladen. Dass die Besucher ohne knisterndes Kaminfeuer auskommen mussten, lag daran, dass in Magdeburg wegen des großen Interesses das Gespräch in einen größeren Raum verlegt werden musste. In Erfurt gibt es gar keinen Kamin.

Rund 14 Millionen Euro für Lutherdekade
Die Vorbereitungen auf das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr bildeten den Schwerpunkt der Abende. Rund 14 Millionen Euro gibt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für die sogenannte Lutherdekade aus. Davon fließen acht Millionen Euro in Investitionen – wie Bau- und Restaurierungsvorhaben in den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg sowie in Mansfeld oder Weimar. Bis Ende November 2016 wurden bereits 6,66 Millionen Euro vergeben. Durch Eigenmittel der Kirchenkreise und -gemeinden sowie Drittmittel – beispielsweise von Bund, Ländern oder Stiftungen – wird hier ein Gesamtprojektvolumen von knapp 57,8 Millionen Euro erreicht.

Gut gerüstet geht die EKM ins Reformationsjahr. Die Kirchenleitung schaut aber bereits auf die Zeit nach 2017: (von links) Landesbischöfin Ilse Junkermann, Oberkirchenrätin Martina Klein, Oberkirchenrat Michael Lehmann, Präsidentin Brigitte Andrae, Oberkirchenrat Stefan Große und Kirchenrat Dr. Thomas Schlegel im Landeskirchenamt in Erfurt. – Foto: Adrienne Uebbing

Gut gerüstet geht die EKM ins Reformationsjahr. Die Kirchenleitung schaut aber bereits auf die Zeit nach 2017: (von links) Landesbischöfin Ilse Junkermann, Oberkirchenrätin Martina Klein, Oberkirchenrat Michael Lehmann, Präsidentin Brigitte Andrae, Oberkirchenrat Stefan Große und Kirchenrat Dr. Thomas Schlegel im Landeskirchenamt in Erfurt. – Foto: Adrienne Uebbing

Nachhaltige Investitionen für Kirchengemeinden
In Projektförderungen fließen knapp 1,4 Millionen Euro. Ein Beispiel hierfür ist die Ausbildung von Gästebegleitern zur Lutherdekade mit dem Titel »Lutherfinder«. Im Vorfeld der Dekade hatte die EKM eine interne Projektliste mit 55 kirchlichen Vorhaben erstellt. Kriterien waren nicht nur die reformationsgeschichtliche Bedeutung, sondern auch Standortkonzepte, Fördermöglichkeiten, Eigeninitiativen oder Folgekosten. Für die »Kirchentage auf dem Weg« in Erfurt, Halle und Eisleben, Jena und Weimar sowie Magdeburg und weitere Beiträge zum Reformationsjubiläum sind rund 3,4 Millionen Euro veranschlagt, für das EKM-Projektbüro »Reformationsjubiläum« knapp 1,3 Millionen. Landesbischöfin Ilse Junkermann sagte, dass durch die restaurierten Gebäude und Kunstwerke etwas Bleibendes in den Gemeinden entstanden sei.

Von dem im Herbst 2015 anvisierten Ziel, 2017 fast alle Kirchen und Kapellen in der EKM zu öffnen, müsse sie abrücken. »Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig«, so die Landesbischöfin. Die Entscheidung, wie lange eine Kirche geöffnet werde, fälle der jeweilige Gemeindekirchenrat. Aber das »fällt zum Teil sehr, sehr schwer«.

Ernüchterndes Ergebnis vorgestellt
Der Stand 2015: Nur etwa drei Prozent der 4030 Kirchen und Kapellen waren »verlässlich geöffnet«; weitere zwölf Prozent wurden auf Verlangen auf- und wieder zugeschlossen. Angst vor Vandalismus und Diebstahl spiele eine große Rolle. Die Rückmeldungen einer Umfrage vom Oktober 2016 (mit nur acht Prozent Beteiligung) ergaben unter anderem, dass 34 Prozent der Kirchen geöffnet sind, die Hälfte jedoch nur im Sommer. Für die Landesbischöfin ein ernüchterndes Ergebnis. Ilse Junkermann will aber weiter für die Kirchenöffnung werben und hofft hier auf eine Art »Welleneffekt«, basierend auf Überzeugungsarbeit, Beratungsangeboten und guten Erfahrungen.

Angela Stoye

Keine Sorge, die Beter sterben nicht aus

9. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Zu einer Woche des Gebetes über Konfessionsgrenzen hinweg ruft die Weltweite Evangelische Allianz zum 171. Mal in der zweiten Januarwoche auf. Harald Krille sprach darüber mit Michael Eggert, Pfarrer der EKM und Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz.

Herr Eggert, man hatte in den vergangenen Jahren manchmal den Eindruck, dass die Allianzgebetswoche so eine Art Auslaufmodell ist und die letzten treuen Beter allmählich weg­sterben …
Eggert:
Ich kann Sie beruhigen: Die Angst, dass die Beter aussterben, ist unberechtigt. Denn Gott erweckt sich stets neue Beter. Das sehen wir auch in der Allianz im Bereich von Mitteldeutschland, den ich überblicke. So gibt es beispielsweise hier in Weimar wirklich sehr viele Menschen und Gruppen, die das Gebet für die Stadt und die Gemeinde Jesu auf dem Herzen haben. Ich habe selbst erlebt, wie ein koreanischer Dirigent, der Christ ist, das erste Mal nach Weimar kam, aus dem Bahnhof trat und sagte: »Ich fühle, dass diese Stadt voller Gebet ist.«

Grafik: G+H

Die 1846 in London gegründete Evangelische Allianz verstand sich von Anfang an als konfessions- und denominationsübergreifende Einigungsbewegung. Getragen wurde und wird sie von Einzelpersönlichkeiten aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften. Eines der wichtigsten Anliegen war von Beginn an das gemeinsame Gebet, zu dem bereits bei der Gründungsversammlung aufgerufen wurde. In mindestens 71 Orten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie der anhaltischen Kirche treffen sich nach den Recherchen von »Glaube + Heimat« und der regionalen Allianzbeauftragten in der kommenden Woche Christen zum gemeinsamen Gebet. Sollte Ihr Ort nicht dabei sein, so liegt dies daran, dass er weder uns noch der Allianz bekannt war. Bitte melden Sie sich in diesem Fall in der Redaktion, Telefon: (0 36 43) 24 61-20. (Grafik: G+H)

Ich glaube, dass Gebet das entscheidende Fundament unseres Glaubens und Wirkens als Christen ist und dass deshalb auch die Allianzgebetswoche kein Auslaufmodell, sondern nach wie vor ein Zukunftsmodell ist. Es gibt meines Wissens keine andere christliche Veranstaltung, die seit 171 Jahren in dieser Weise jährlich stattfindet. Das ist einmalig und zeigt, dass hier der Kern unseres Glaubens verankert ist.

Nun ist Weimar eine größere Stadt mit internationalem Flair – aber wie sieht es in der Fläche aus?
Eggert:
Als Mitglied im Hauptvorstand der Allianz nehme ich am sogenannten »Kon-Takt-Programm« teil. Dabei geht es darum, Kontakt zu den örtlichen Allianzarbeiten in einem ganz bestimmten geografischen Bereich zu halten und sie nach Möglichkeit zu unterstützen. Und da habe ich herausgefunden, dass es den einen oder anderen Ort gibt, in dem es die Gebetswoche oder überhaupt die Allianzarbeit nicht mehr gibt, weil sie an einzelnen Familien oder Personen hing. Dafür hab ich aber andere aufgespürt, die wir bisher noch gar nicht im Blick hatten. Und dafür bin ich sehr dankbar. Die Allianzarbeit lebt, nicht nur in Weimar.

Wer trägt eigentlich die Gebetswoche in den Orten? Wer ist Allianz?
Eggert:
Die Allianz ist ja ein Netzwerk. Es gibt keine Mitgliedschaft. Es sind die, die das Gebet auf dem Herzen haben und denen die Einheit der Christen wichtig ist. In Thüringen ist es oft so, dass die Leiter oder Vorsitzenden der Landeskirchlichen Gemeinschaften in die Verantwortung eintreten und federführend sind. Aber einige Leiter sind auch in anderen Kirchen tätig. In Erfurt beispielsweise trägt der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde die Verantwortung. Und es gibt ganz viele Ehrenamtliche, die etwa die Gebetswochen organisieren.

Der Name Evangelische Allianz klingt so, als ob nur Protestanten teilnehmen können.
Eggert:
Mitmachen kann jeder, der die Grundsätze der Allianzarbeit befürwortet. In vielen Orten in Deutschland arbeiten auch katholische Christen in der Allianzarbeit mit, kommt man zu Gebetsabenden in katholischen Gotteshäusern zusammen, so auch in Weimar seit einigen Jahren. Hier ist auch die einzige russisch-
orthodoxe Gemeinde Thüringens mit dabei. Zu den Abenden der Allianzgebetswoche können wir zwar nicht in die orthodoxe Kirche, weil der historische Friedhof, auf dem sie liegt, abends verschlossen wird. Aber der orthodoxe Priester beteiligt sich seit einigen Jahren an den Abenden. Und einmal im Jahr sind wir in unserer monatlichen Reihe »Gebet für Weimar« auch in der orthodoxen Kirche zu Gast.

Wie läuft so ein Gebetsabend konkret ab? Werden da Gebete verlesen oder muss jeder frei beten?
Eggert:
Ein Gebetsabend verläuft in der Regel so, dass es nach einer Begrüßung und möglicherweise dem Grußwort des Gastgebers meistens Musik gibt, einige Lieder gesungen werden oder sich auch Chöre beteiligen. Es folgen ein kurzes Wort, also eine Andacht zu dem jeweils vorgegebenen Thema sowie Informationen zu konkreten Gebetsanliegen.

Illustration: Balintseby/Freepik.com

Illustration: Balintseby/Freepik.com

Und dann gibt es die eigentliche Gebetszeit. Die wird vollkommen unterschiedlich gestaltet. In größeren Räumen und bei vielen Teilnehmern ist es in der Regel so, dass man kleine Gruppen bildet. Da ist dann auch Raum für das freie Gebet. Doch die Verantwortlichen haben auch die Freiheit, formulierte Gebete vorzutragen, und die Gemeinde betet dann in der Stille. Es gibt da keine festen Regeln. Es gibt nur die Regel, dass man das, was der Gastgeber oder der Verantwortliche tut, mit vollzieht.

Sie sprachen von thematischen Vorgaben, wer erstellt die?
Eggert:
Diese Vorgaben werden jedes Jahr von der Deutschen Evangelischen Allianz erarbeitet, in einem Begleitheft zusammengefasst und auf Anforderung an die Gebetsorte verschickt. So kann sich jeder schon vorher über die Themen der Abende und die Gebetsvorschläge informieren. Aber es steht auch frei, eigene Schwerpunkte einzubringen. Wenn wir beispielsweise im Weimarer Rathaus oder in der Stadtverwaltung sind, beten wir natürlich auch für die Stadt, selbst wenn es an diesem Abend nicht im Heft steht.

Was ist dieses Jahr thematischer Schwerpunkt?
Eggert:
Das Oberthema in diesem Jahr heißt »Einzigartig« und greift die vier »Sola« der Reformation auf: allein Christus, allein die Bibel, allein die Gnade und allein der Glaube. Die werden in den Mittelpunkt gerückt.

Wie fromm muss man sein, um zur Allianzgebetswoche zu gehen?
Eggert:
Fromm ist ein schwieriger Begriff, der ja meist sehr unterschiedlich gefüllt wird. Ich denke: Jeder, dem es ein Anliegen ist, vor Gott für die Welt, für seine Gemeinde und für die Einheit der Christen einzutreten, der sollte kommen. Es ist ja oft so, dass Mitglieder unserer Landeskirche das freie Gebet nicht so kennen. Deshalb: Jeder kann und soll an den Abenden so beten, wie es ihm selbst gemäß ist. Gern laut, aber ebenso gern im Stillen. Wichtig ist allein, dass wir nicht nur über das Gebet reden, sondern es auch tun.

Das Christusbild in der Kunst

6. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

»Diese Ausstellung hätten viele gerne zum Reformationsjubiläum gehabt«, freut sich Hans Jürgen Giese.

Der umtriebige Geschäftsführer vom Kunsthaus Apolda Avantgarde ist stolz, dass es ihm gelungen ist, die begehrten druckgrafischen Arbeiten aus der Sammlung der Stiftung Christliche Kunst der Lutherstadt Wittenberg gleich zu Beginn des Reformationsjahres zeigen zu können.

130 der mehr als 400 Werke umfassenden Sammlung des Stifterehepaars Gisela Meister-Scheufelen und Ulrich Scheufelen sind vom 15. Januar bis 26. März in Apolda zu sehen, darunter Arbeiten von Gauguin, Corinth, Beckmann, Rouault, Dix, Beuys, Rauschenberg oder Haring.

Die Ausstellung biete damit einen umfassenden und variationsreichen Überblick über das Christusbild in der Kunst der letzten 140 Jahre, so Tom Beege, der zusammen mit Andrea Fromm die Ausstellung kuratiert. Die Grafiksammlung zu religiösen Themen mit Arbeiten international bedeutender Künstler des späten 19. Jahrhunderts bis in das 21. Jahrhundert hinein scheint ein Herzensanliegen des baden-württembergischen Stifters und Papierfabrikanten Scheufelen zu sein. »Jesus ist in all seinen Facetten Vorbild für mich«, erklärt er in der Zeitung »Die Welt«. Luther ist eine seiner Lieblingsfiguren.

Keith Haring, Untitled, 1982. Foto: Keith Haring Foundation

Keith Haring, Untitled, 1982. Foto: Keith Haring Foundation

Das würde Hans Jürgen Giese so nicht behaupten. Doch seit der Ausstellung »Vom Allmächtigen zum Leibhaftigen« mit Exponaten der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin ist er begeistert von der Vielfalt religiöser Motive im Expressionismus. Auch wenn die meisten Künstler, deren Werke bei »Jesus Reloaded« ausgestellt sind, nicht zu Gläubigen im traditionellen Sinne zählen, regen sie Christen wie Nichtchristen gleichermaßen an, sich mit der Figur des Jesus von Nazareth zu beschäftigen.

Der Kirchenkreis Apolda-Buttstädt und die Kirchengemeinde in Apolda bringen sich in Begleitveranstaltungen ein. Dabei soll eine Verbindung zwischen der künstlerischen und der christlichen Botschaft hergestellt werden. Landesbischöfin Ilse Junkermann ist nicht nur Schirmherrin der Ausstellung, sondern wird über den Impressionisten Lovis Corinth und sein Werk »Kreuztragung« sprechen. Als Kirchenzeitung präsentieren wir drei Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung. »Wort zur Woche«-Autor Alf Christophersen, der stellvertretende Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt und Studienleiter für Theologie, Politik und Kultur, widmet sich den Inkarnationsprozessen – Mensch und Gott bei Beckmann und Beuys.

Der Kulturbeauftragte des Rates der EKD, Johann Hinrich Claussen, beleuchtet das Verhältnis der modernen Kunst zum Protestantismus. Mit dem Künstler Johannes Stüttgen kommt sogar ein Meisterschüler Joseph Beuys’ nach Apolda. Stüttgen, der bei Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt, katholische Theologie studierte, hat seinen Vortrag »Joseph Beuys und Jesus Christus« betitelt.

»Jesus Reloaded«, also Jesus und seine Botschaft zu aktualisieren, die Bibel in verständlichem Deutsch zu übersetzen, darum ging es vor 500 Jahren, und das ist eine Chance im Reformationsjahr 2017. Auch die Jahreslosung könnte man dahingehend auslegen. Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Die Erneuerung von Herz und Sinn ist sowohl Wesen der Kunst als auch des Glaubens.

An öffentlicher Akzeptanz fehlt es mitunter beiden Seiten. In dem Gemälde »Der gelbe Christus« von 1889 malt sich Paul Gauguin selbst als Gekreuzigten. Er hatte das Gefühl, dass die Menschen seine Kunst, ebenso wie die Heilsbotschaft des gekreuzigten Christus, ablehnten.

Apolda steht in diesem Jahr mit einem weiteren Ereignis im Blickpunkt. Die Glockenstadt richtet die vierte Landesgartenschau in Thüringen aus. Neben dem Thüringentag und dem Weltglockengeläut wird »Gottes Gartenhaus« auf dem Landesgartenschaugelände in der Herressener Promenade ein Anziehungspunkt sein.

Vom 29. April bis 24. September präsentieren sich am Ufer des Friedensteichs die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und andere kirchliche Gruppen mit einem überkonfessionellen Angebot.

Willi Wild

www.kunsthausapolda.de

Warum der Zeh des Engels in Marias Ohr steckt

24. Dezember 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

Johannes 1, Vers 14

Die Christenlehrekinder hatten Bilder gemalt. Nun hingen die Bilder schön geordnet an der Wand im Pfarrhaus, und ich konnte sie jedes Mal sehen, wenn ich durchs Treppenhaus lief.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Eines spricht mich besonders an: Zunächst ist alles drauf, was zu einem ordentlichen Weihnachtsbild gehört. Maria und Josef stehen links und rechts neben der Krippe. Ein Engel ist dabei und über allem leuchtet der Stern und zeigt: Hier wird Gott Mensch, Christus ist geboren. Der Engel schwebt majestätisch über dem Paar, auf dem Kopf einen Heiligenschein – ein besonders heiliger Engel für einen besonders Heiligen Abend. Und … der Engel steht auf Marias Ohr. Ja! Wenn Sie das Bild sehen könnten, ach was, natürlich sehen Sie das Bild bereits vor Ihrem inneren Auge: Der Engel steht mit seinem linken Fuß direkt auf Marias rechtem Ohr. Maria hält den Kopf ein wenig schief – dem himmlischen Boten entgegen. Warum aber steckt der Engel seinen großen Zeh direkt in Marias Ohr? Sehr einfach: Er hält Maria die Ohren zu!

Wer Gottes Stimme, wer die Botschaft hören will, braucht Stille. Wer offen sein will für Gottes Willen, für sein Wort, der muss das menschliche Gelärm auch mal außen vor lassen können. Wenn Gott spricht, ist das nicht ein alles niederstreckendes Brüllen, sondern ein alles aufrichtendes Flüstern.

Gott wird Fleisch im Leisen, im Schwachen – im Kind in der Krippe. Wer ihn hören will, suche die Stille und erwarte sein Wort. Das Herz hört mitunter genauer als das Ohr. Unsere Ohren sind lärmstrapaziert – deshalb spricht Gottes Geist das Herz an. Gott kommt leise. Der Engel hält Maria das Ohr zu, damit das Herz hören kann. Be-Geistert, beseelt wird sie durch sein Wort.

Das »äußere Wort« von der Menschenfreundlichkeit Gottes wird zum »inneren Wort« der Gewissheit: »Das Wort ward Fleisch!«

Der Engel sagt es aller Welt: Solche Freude verkündige ich euch. Das Wort ist euch geschenkt. Das kann nur der hören, dem ich die Ohren zuhalten darf. Macht eure Herzen auf! Es ist Weihnachten.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin am Landeskirchenamt der EKM in Erfurt

Neuer Verband für Mitarbeiter

19. Dezember 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Interessenvertretung: In Erfurt hat sich der Verband kirchlicher Mitarbeitender in der EKM (VKM) gegründet. Damit gibt es jetzt neben dem Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretung (GAMAV) einen zweiten Arbeitnehmerverband.

Wir wollen den Einzelnen vor Ort arbeitsrechtlich vertreten und auch das Gesamtarbeitsrecht in Mitteldeutschland mitgestalten«, erklärt der Vorstandsvorsitzende Markus Böttcher. Mitglieder im neugegründeten Verband können alle Angestellten der Landeskirche sowie Mitarbeitende aller Berufsgruppen im Bereich der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Evangelischen Landeskirche Anhalts und ihrer diakonischen Einrichtungen werden. Geistliche können laut Satzung nicht Mitglied sein. Der »Verband kirchlicher Mitarbeitender« (VKM) ist kein Novum. Vorbilder hat er bereits in anderen Landeskirchen in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Hessen.

Die Diakonie Mitteldeutschland ist mit 30 000 Mitarbeitern und 1 700 Einrichtungen in Thüringen, Sachsen-Anhalt einer der größten Arbeitgeber in Mitteldeutschland. Die Wohlfahrts­organisation begrüßt die Initiative der VKM-Gründer. »Wir freuen uns über das Interesse und die Initiative, den ›Dritten Weg‹ (siehe Info-Kasten) zu stärken«, sagt Pressesprecher Frieder Weigmann. Laut Weigmann sei mit dem VKM ein potenzieller Partner in der Arbeitsrechtsetzung entstanden.

Beratungsgremium beim sogenannten Dritten Weg ist die Arbeitsrechtliche Kommission, die in der EKM aus fünf Vertretern der Dienstgeber und fünf Vertretern der Dienstnehmer besteht. Davon besetzen drei Plätze die GAMAV, und zwei Plätze sollten von einem Verband oder einer Gewerkschaft besetzt werden. Ist das nicht der Fall, übernimmt die GAMAV diese Plätze.

Der Vorstand des VKM: Robert Brandt, stellvertretender Vorsitzender, Chris Roth, Kassenwart, und Markus Böttcher, Vorsitzender (v. li.) Foto: Diana Steinbauer

Der Vorstand des VKM: Robert Brandt, stellvertretender Vorsitzender, Chris Roth, Kassenwart, und Markus Böttcher, Vorsitzender (v. li.) Foto: Diana Steinbauer

»Bisher gab es hier eine Leerstelle, weil kein anderer Verband in der Landeskirche existierte«, erklärte Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Fachgebiets Diakonie im Landeskirchenamt der EKM. Er begrüßt die Entstehung des VKM als selbstständigen Verband der Mitarbeitenden. »Meine Hoffnung ist, dass durch diesen Verband Bewegung in die arbeitsrechtlichen Verhandlungen kommt, die in der altbewährten Form oft in Frage stehen«, so Fuhrmann. Es gehe dabei nicht nur um Tarife, sondern auch um die Beteiligung der Mitarbeitenden und die inhaltliche christliche Profilbildung. »Die Vielfalt der Betrachtungsweisen ist wichtig, um die Zukunft konstruktiv anzugehen«, betont Fuhrmann.
Die arbeitsrechtlichen Verhandlungen seien, so bewertet es der VKM, in den letzten Jahren festgefahren. Die Gesamtmitarbeitervertretung GAMAV führe keine Entgeltverhandlungen, sondern strebe für die Beschäftigten eine Tariflösung an. »Tarifverträge wollen wir als VKM nicht. Da es in Ostdeutschland keinen Tarifvertrag im Bereich der Kirche gibt, der besser ist als einer, der über den ›Dritten Weg‹ zustande gekommen wäre«, erklärt Markus Böttcher. Er und seine Mitstreiter glauben, dass dieser Weg funktioniere und auch von den Mitarbeitenden gewollt sei.

GAMAV-Vorsitzende Edda Busse, bewertet dies anders: »Gerade auch durch die letzte Umfrage ist ganz klar zutage getreten, dass die Mehrheit der Mitarbeitenden eine tarifliche Lösung wünscht.

Darum bleiben wir auf diesem Weg.« Sie sieht den neugegründeten VKM nicht als Konkurrenz. »Der Gesamtausschuss ist gesetzlich gewollt und verankert. Er hat eine ganz andere Gewichtung und Akzeptanz als ein eigenständiger Verband.« Das sieht auch ihr Stellvertreter Manfred Quentel so: »Die Mitarbeitervertretung wird in einem stufenweisen demokratischen Verfahren gewählt. Sie hat besondere und festgelegte Rechte und Aufgaben. In Verhandlungen mit Arbeitgebern können wir ganz anders Einfluss nehmen, als ein Verband von außen das kann.« Er sieht die Gefahr einer Spaltung der Mitarbeiterschaft, die den Arbeitgebern nicht ungelegen sein könnte. Die Abkehr vom zweiten Weg, also der tariflichen Einigung, sei die falsche Zielsetzung.

Mindestens 300 Mitglieder braucht der neue Verband, um Vertreter in die arbeitsrechtliche Kommission der EKM schicken zu können. Eine Marke, die der Verband bis 2018, der Neubesetzung der arbeitsrechtlichen Kommission, erreichen möchte.

Diana Steinbauer

Der Dritte Weg
Das Arbeitsvertragsrecht der Kirchen, das die Grundlagen des Tarifsystems abweichend vom geltenden Tarifvertragsrecht regelt, wird als Dritter Weg bezeichnet. Anstelle einer selbstständigen Setzung durch den Arbeitgeber (Erster Weg), wie bei Beamten oder einer Übernahme des Tarifvertrags­systems (Zweiter Weg), besagt der Dritte Weg, dass die Grund­lagen des Arbeitsverhältnisses in Richtlinien von kirchlichen Gremien festgelegt werden. Diese sind paritätisch aus gewählten und weisungsungebundenen Vertretern der Mitarbeiter und Vertretern der Dienstgeber besetzt.

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