Frühjahrsputz beim Datenschutz

2. Juli 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat in fast allen Bereichen für erhöhten Arbeitsaufwand gesorgt. Welche Auswirkungen hat das in den Kirchengemeinden? Sabine Kuschel sprach darüber mit Kirchenrechtsrat Thomas Brucksch, Leiter des Referats für Allgemeine Rechtsfragen im Landeskirchenamt der EKM.


Was ändert sich mit der DSGVO für die Kirchengemeinden?
Brucksch:
Zunächst möchte ich erwähnen, dass es Datenschutz auch schon vor dem 24. Mai gab. Seit den 1970er Jahren existieren Datenschutzgesetze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie waren dem staatlichen Datenschutzrecht nachgebildet. Mit einem eigenen Datenschutzrecht können kirchliche Besonderheiten besser abgebildet werden.

Wichtig ist, dass der Artikel 91 der neuen DSGVO festlegt, dass die Kirchen weiterhin ihr Recht anwenden können, wenn sie es mit der Datenschutzverordnung in Einklang bringen. Dafür steht das neue Datenschutzgesetz der EKD, das innerhalb der evangelischen Kirche und der Diakonie zur Anwendung kommt. Bei den inhaltlichen Vor­aussetzungen für die Datenverarbeitung hat sich fast nichts geändert. Das meiste, was zuvor datenschutzrechtlich zulässig war, ist geblieben. Was zuvor unzulässig war, ist es jetzt auch.

Wenn sich wenig ändert, bleibt dann für die Gemeinden alles beim Alten?
Brucksch:
So weit würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Das Problem ist, viele wussten gar nicht, was datenschutzrechtlich zulässig ist oder nicht. Datenschutzrecht ist aufwendig, das ist ein Problem. Viele fragen sich jetzt, dürfen wir das. Die Frage inhaltlich zu klären, ist aufwendig.

Thomas Brucksch. Foto: EKM

Thomas Brucksch. Foto: EKM

Ich vergleiche die Situation mit einem Frühjahrsputz beim Datenschutz. Es ist zu fragen, was die Gemeinden dazu auf ihren Webseiten sagen, wie sie mit Fotos im Gemeindebrief und Internet umgehen und welche Daten im Gemeindebrief veröffentlicht werden. Verändert hat sich die »Bürokratie« um die eigentliche Datenverarbeitung herum. Eingeführt wurde beispielsweise eine sogenannte Rechenschaftspflicht. Datenverarbeitende Stellen sollen umfassend darüber Auskunft geben können, was sie mit personenbezogenen Daten machen. Auf kirchengemeindlicher Ebene passiert da aber nicht so viel, weil in den neuen kirchlichen Regelungen Schwellenwerte für bestimmte Pflichten eingebaut wurden.

Heißt das, dass die Kirchengemeinden mit etwas Sorgfalt eigentlich nichts falsch machen können?
Brucksch:
Wahrscheinlich erfüllt man nie alle Vorgaben des Datenschutzes. Fatal wäre, wenn wir deshalb darauf überhaupt nicht achten würden. Ein Großteil der Fragen löst sich schon mit gesundem Menschenverstand. Wenn man sich kundig macht und zu einem verantwortlichen Umgang kommt, hat man seinen Teil erfüllt.

Gibt es eine Aufsicht?
Brucksch:
Der Datenschutzbeauftragte der EKD ist auch in der EKM die unabhängige Datenschutzaufsicht und nicht der staatliche Datenschutzbeauftragte.

Bieten Sie den Kirchengemeinden Hilfe an?
Brucksch:
Ja, seit Mitte Mai nehmen wir erheblichen Nachfragebedarf wahr. Wir bieten verschiedene Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen im Landeskirchenamt an, geben Einführungen in den Kirchenkreisen. Informationen, Termine und Ansprechpartner finden sich auf unserer Website.

Bei der EKM-Archivtagung war der Datenschutz Thema. Welche Relevanz hat das neue Gesetz für die Archive?
Brucksch:
Grundsätzlich gilt: Datenschutzrecht schützt lebende Personen aus Fleisch und Blut. Auch im staatlichen Recht. Die Archive betrifft das neue Gesetz deshalb nur eingeschränkt. Was in den Akten der Archiven steht, sind Sachverhalte, die so lange her sind, dass man zumeist davon ausgehen kann, dass die betreffenden Personen verstorben sind. Damit sind die Angaben datenschutzrechtlich nicht mehr relevant. Mit dem Tod endet die Anwendbarkeit des Datenschutzrechtes. Der Verstorbene ist nicht rechtlos, aber es greifen andere rechtliche Kategorien.

Kirchenbücher aus dem 18. Jahrhundert unterliegen nicht mehr dem Datenschutzrecht, sondern dem Archivgesetz.

www.ekmd.de/kirche/themenfelder/datenschutz.html

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Personal Karussell

3. Juni 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Der Bischofswahlausschuss der Nordkirche hat sich Mühe gegeben: Mit Karl-Heinrich Melzer und Kristina Kühnbaum-Schmidt werden der Landessynode zwei gute Kandidaten vorgeschlagen, die ohne jede Frage die nötige Erfahrung und die für das Amt des Landesbischofs erforderlichen Kompetenzen mitbringen.

Gespannt sein darf man darauf, wie die Synode mit dem Fakt umgeht, dass hier ein Mann gegen eine Frau kandidiert. Denn Geschlechtergerechtigkeit hat in der Nordkirche fast schon Bekenntnisrang. Und unter den Bischöfen der Nordkirche gibt es mit der Hamburgerin Kirsten Fehrs nur eine Frau, der mit Stand von heute vier Männer gegenübersitzen. Kühnbaum-Schmidt hat deswegen guten Karten – wiewohl ein Wahlsieg im Norden auch ein Verlust für die mitteldeutsche Kirche wäre. Der Landeskirche ginge eine überregional profilierte Theologin verloren – und davon hat sie derzeit ohnehin nicht allzuviele …

Dazu passt, dass auf der Liste wieder einmal ein profilierter Ostdeutscher fehlt. Die fünf Jahre, die Kristina Kühnbaum-Schmidt in Mitteldeutschland verbrachte, gleichen das nur wenig aus. Deutschlandweit werden kirchliche Leitungsämter fast nur noch von Westdeutschen wahrgenommen, das hätte die aus Ost und West bestehende Nordkirche durchaus ändern können.

In der EKM dreht sich einstweilen das Personal-Karussell. Ab Herbst wird ein Nachfolger für den Regionalbischof des Sprengels Weimar-Gera , Diethard Kamm, gesucht. Und vielleicht ist auch eine neue Pröpstin für den Sprengel Meiningen-Suhl vonnöten. Bis 2019 muss der Bischofswahlausschuss der Synode Kandidaten für das Amt der Landesbischöfin vorschlagen. Eine mögliche Kandidatin ist dann unter Umständen nicht mehr darunter.

Benjamin Lassiwe

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Das stimmt mich hoffnungsvoll

19. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Jubilar: Roland Hoffmann war von 1992 bis 2001 Landesbischof in Thüringen. Der Altbischof feierte am Montag seinen 80. Geburtstag. Willi Wild hat den Jubilar in seinem Garten in Jena getroffen.

Wie verbringen Sie Ihren Ruhestand?
Hoffmann:
Das Schönste im Rentnerdasein ist der Vormittagsschlaf. Wenn da mal jemand klingelt, kann mich keiner einen »faulen Hund« schimpfen. Ich bin Rentner, ich darf vormittags schlafen. Ansonsten haben wir, meine Frau und ich, Arbeitsteilung. Im Garten ist meine Frau für das Anlegen und Pflanzen zuständig, da ich schlecht Gänseblümchen von Pfingstrosen unterscheiden kann. Ich gieße, schneide die Hecke oder zimmere das Hochbeet zusammen.

Daneben werden Sie regelmäßig
zu Gottesdiensten und Veranstaltungen eingeladen. Wie oft ist das der Fall?
Hoffmann:
Im vergangenen Jahr waren es über 50 Gottesdienste. Aber seit diesem Jahr trete ich deutlich kürzer. Mit 80 Jahren muss und kann ich nicht mehr alles annehmen, auch wenn es mir nach wie vor Freude macht.

»Wenn der weiße Flieder wieder blüht« ist der Geburtstag von Altbischof Hoffmann nicht mehr weit. Seit 55 Jahren sind Brigitte und Roland Hoffmann verheiratet. Foto: Willi Wild

»Wenn der weiße Flieder wieder blüht« ist der Geburtstag von Altbischof Hoffmann nicht mehr weit. Seit 55 Jahren sind Brigitte und Roland Hoffmann verheiratet. Foto: Willi Wild

Wie erleben Sie heute die Landeskirche, die ja nicht mehr die ist, der Sie damals als Bischof vorstanden?
Hoffmann:
Ich erlebe unsere Kirche vorwiegend in den Gemeinden und kann mich da bloß freuen. Kürzlich war ich im Thüringer Wald im Pfarramt Oberhain zu einem Abend für die Ehrenamtlichen. Der Pfarrer hat 13 Kirchen in seinem Kirchspiel. Ins Dorfgemeinschaftshaus kamen etwa 90 Frauen und Männer. Das hat mich sehr erstaunt. In Zeiten, in denen das Ein-Mann-System des Pfarrerseins zusammenbricht, kommen Jung und Alt, um ehrenamtlich in ihrer Gemeinde mitzuarbeiten. Das ist doch ein Aufbruch! Das stimmt mich hoffnungsvoll. Das hat mir gezeigt, dass auf der Gemeindeebene Kirche nicht am Ende ist.

Vor zehn Jahren gab es die Fusion der Thüringer Landeskirche mit der Kirchenprovinz Sachsen zur EKM. Wie sehen Sie heute den Zusammenschluss?
Hoffmann:
Meine Absicht war schon damals, die Kirchengebiete in Thüringen zu einigen und die Propsteien Nordhausen, Erfurt und Suhl in unsere Landeskirche einzubinden. Daraus ist dann die Fusion geworden.

Das Bußwort des Landeskirchenrates schlägt hohe Wellen. Wie sollte Ihrer Meinung nach die Aufarbeitung und Versöhnung im Bezug auf die DDR-Zeit aussehen?
Hoffmann:
Das Wenn und Aber zum Bußwort zeigt doch, dass der Weg zur Versöhnung zu schmal angelegt ist, wenn man ihn nur auf die Stasi bezieht. Man kann unsere Vergangenheit aber nicht nur darauf beschränken. Mein Vorschlag war damals, ein Trauerjahr in unserer Landeskirche einzulegen. Aber das wurde weitgehend abgelehnt. Man wollte nicht mehr rückwärts, sondern nur noch nach vorne schauen. Ich bereue es bis heute, dass ich mich damals nicht durchgesetzt habe.

Was sollte da betrauert werden?
Hoffmann:
Zum einen das, was wir in der alten Ära verloren haben, nicht nur 40 Jahre unseres Lebens und Arbeitens, sondern auch das, was wir gewollt haben. Aber auch anzuschauen, was wir nicht geschafft haben. Wir haben gearbeitet bis zum Umfallen und trotzdem sind unsere Gemeinden kleiner geworden. Oder aber die Frage zu stellen, was wir in der geistlichen Arbeit verpasst und falsch gemacht haben. Ich rede nicht von Schuldzuweisung, sondern davon, einfach zu analysieren, was wir jetzt vorfinden. Damit hätten wir die gesamte Breite des Erinnerns gehabt und nicht nur die Engführung, diese Schmalspur-Verarbeitung in Sachen Stasi. Wir kommen bis heute nicht vorwärts, weil uns die Vergangenheit zurückzieht, denke ich.

Sie haben einmal gesagt, dass unserer Landeskirche eine Erweckung gefehlt habe. Ist das ein Grund, warum es mit der Vergangenheitsbewältigung nicht so richtig vorwärtsgeht?
Hoffmann:
Wir hatten in Thüringen nie eine Erweckung. Der erste Schritt bei einer Erweckung ist immer die Buße, also die Änderung der inneren Haltung, eine Bekehrung. Wir haben es nie gelernt, Buße zu tun und Buße zu leben. Vielleicht ist das ein Manko in der Geschichte unserer Kirche, dass wir so eine Stelle der Umkehr nicht benennen können. Dafür braucht es eine geistliche Qualifikation, die man nicht aus Büchern hat.

Was wünschen Sie sich im Bezug auf die Landeskirche?
Hoffmann:
Ich wünsche mir, dass wir bei allem, was wir tun und tun müssen, fröhlicher sind, weniger klagen und hoffnungsvoller das tun, was jeden Tag nötig ist.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Unsichtbar, dennoch da

13. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Als ich die Recherchen meiner Kollegen zu Glocken mit NS-Symbolen in Mitteldeutschland verfolgte, schnürte sich mir die Kehle zu. Unsere Kirche empfiehlt den betroffenen Gemeinden, an Glocken die Flex anzusetzen. Durch Abschleifen sollen die in Metall gegossenen Bezüge zum Nationalsozialismus verschwinden.

Das ist gut gemeint, aber alles andere als gut gemacht. Verschwindet mit dem Hakenkreuz oder mit den Inschriften auch der historische Bezug, das Gedankengut, unsere gegenwärtige Verantwortung? Im Gegenteil! Das Symbol ist abgeschliffen, aber durch die sichtbaren Folgen ist der Nazi-Bezug, vor allem aber unser Umgang damit präsenter als zuvor. Hitler ist weg und doch weiß jeder, der so eine Glocke sieht, dass er da war. Die Glocke wird immer die Glocke bleiben, die zur Zeit ihres Gusses das Empfinden und die Gesinnung einer Gemeinde ausgedrückt hat.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde es abscheulich, dass in Kirchen der EKM Glocken mit Hakenkreuzen hängen und läuten. Glocken läuten nicht fürs Vaterland, nicht für Adolf Hitler, nicht für nationale Erhebungen, nicht für den Nationalsozialismus. Glocken läuten zum Gebet, zu Gottes Ehre.

Aber was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, ist geschehen. Diese Glocken sind da. Sie sollten weder beschliffen noch zerstört werden. Sie sollten konserviert werden. Sie erinnern uns schmerzlich an unsere Geschichte, an die Verstrickungen der evangelischen Kirche mit der Diktatur. Aber sie gehören vom Glockenstuhl genommen, sie sollten in den Türmen aufbewahrt und kommentiert werden. Diese Glocken läuten dann zwar nicht mehr zu Gott, aber sie bringen unsere Verantwortung als Christenmenschen zum Klingen.

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Gemeinsam am Tisch des Herrn

7. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Ökumene: Christen haben gut lachen, findet Kirchenclown Leo aus Halle

Das Gleichnis vom Festmahl – eine andere biblische Geschichte wollten Florentine, Amanda, Pauline, Christophorus und Leo nicht erzählen. Welches Gleichnis Jesu passt auch besser zu jenen fünf Kirchenclowns, die vier verschiedenen Konfessionen angehören? Sie sind römisch-katholisch, evangelisch-uniert, evangelisch-methodistisch und freikirchlich-evangelisch – und doch folgen sie alle der großen Einladung Gottes, wie sie im Lukasevangelium (14,15ff) beschrieben wird.

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

Ein starkes Team: (von links) Clown Christophorus, Clown Florentine, Almuth Schulz, Clown Leo, Clown Amanda, Clown Pauline. Foto: Friedbert Gruhler

»Das Gleichnis des Festmahls stellt alltägliche und gleichzeitig hochtheologische Fragen«, sagt Steffen Schulz alias Kirchenclown Leo aus Halle-Trotha. Da lädt ein Hausherr ein und all seine Gäste sagen ab, er aber schickt seinen Diener wieder los und lässt andere kommen, die Kranken, die Armen, die Aussätzigen. Was machen wir mit der Einladung Gottes? Nehmen wir sie aus freien Stücken an? Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch des Herrn? Erkennen wir, dass uns so viel mehr eint als trennt?

Steffen Schulz versucht das. Seit 19 Jahren steht er als Clown Leo auf der Bühne; in der ersten Zeit allein, aber zum elften Clownsgeburtstag 2010 spürte er die große Sehnsucht, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu spielen. So entstand das Stück »Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit!« über das Festmahl-Gleichnis. Leo, Amanda, Florentine, Pauline und Christophorus sowie Almuth Schulz am Piano haben die Bibelgeschichte adaptiert. Aus dem Hausherrn wird ein Paar, neben dem Diener spielt auch ein Hofnarr mit, es gibt Slapstick-Einlagen, das Stück ist als Nummernprogramm konzipiert. »Köstlich« spricht kleine Menschenkinder mit seinen Emotionen und große mit seinen Metaphern an.

»Humor verbindet. Humor ist vielleicht sogar ein Synonym für Ökumene«, sagt Steffen Schulz. Schmunzelnd fügt der hauptberufliche Kirchenclown an, das sei nun wahrlich eine steile These. Aber wenn der Körper lacht, kommt etwas in Bewegung, in Wallung. So wie auch in der Ökumene.

Steffen Schulz hat früh gelernt, dass Christen unterschiedlicher Konfessionen alle denselben Herrn haben, dass sie einer Familie angehörigen. Er selbst wuchs nahe Halle in einer ökumenischen Familie auf, der Vater katholisch, die Mutter evangelisch. Eher aus zufälligen, pragmatischen Gründen sei er Protestant geworden; die evangelische Kirche war einfach näher am Elternhaus in Gutenberg als die katholische. Mit seinem Clownsnamen Leo besinnt er sich auf seine katholischen Wurzeln, der Name stammt vom katholischen Großvater.

»Ökumene ist für mich selbstverständlich«, sagt Steffen Schulz und freut sich über das gelungene Miteinander seiner Clowns-Kollegen. »Köstlich« ist nicht nur ökumenisch inszeniert, sondern auch ökumenisch finanziert: Neben der EKM beteiligte sich unter anderem das Bistum Magdeburg an den Kosten. Im Jahr 2016, am Vorabend des Reformationsjubiläums, war das Kirchenclown-Ensemble in Luthers Kernland unterwegs. 2018 laden die Clowns im Sauer- und Siegerland zum Festmahl ein und auch für die kommenden beiden Jahre gibt es schon Anfragen und Pläne. Danach will Clown Leo seine Hosenträger an den Nagel hängen. Steffen Schulz möchte sich auf andere Wege begeben, das Evangelium zu verkünden. Ganz sicher mit einer großen Portion fröhlicher Ernsthaftigkeit.

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Glocken mit Nazi-Symbolen

3. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Braunes Geläut: In etwa zwei Dutzend deutschen Kirchen hängen Glocken mit Bezug zum Nationalsozialismus, berichtet der Spiegel. Mindestens sechs Exemplare finden sich in Mitteldeutschland.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) teilte auf Anfrage mit, dass bis März dieses Jahres über 90 Prozent der Glocken in ihren rund 4 000 Kirchen erfasst wurden. Unter den Glocken befinden sich nach derzeitigem Stand sechs mit Nazi-Symbolen.

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Entfernt: Unbekannte haben das Hakenkreuz auf der Kirchenglocke im niedersächsischen Schweringen weggeflext. Auch in einer EKM-Kirche ist bereits ein Hitler-Bild auf einer Glocke entfernt worden. Foto: epd-bild

Die EKM gebe grundsätzlich die Namen der Kirchen oder Orte nicht bekannt, in denen diese Glocken hängen, so Pressesprecher Ralf-Uwe Beck. In den meisten Kirchengemeinden seien ehrenamtliche Mitarbeiter für die Kirchen zuständig, die mit Anfragen von außen völlig überfordert seien. Außerdem solle einem rechten Glockentourismus vorgebeugt werden. Neonazis könnten sich Zugang zu den Glocken verschaffen, diese fotografieren oder die Kirche anderweitig für ihre Zwecke nutzen.

Drei der anstößigen Glocken kommen aus der Apoldaer Glockengießerei »Franz Schilling und Söhne« und stammen aus den Jahren 1935 und 1937. Eine trägt etwa die Inschrift »Gegossen im zweiten Jahre der nationalen Erhebung unter dem Fuehrer und Kanzler Adolf Hitler« daneben finde sich ein gebundener Kranz mit Hakenkreuz. Eine andere etwa erinnert an die »Heimkehr des Saarlandes« 1935. Andere Glocken tragen Eiserne Kreuze oder Hakenkreuze.

Auf Anfrage teilte die Landeskirche Anhalts mit, dass in ihren Kirchen keinerlei Glocken mit Nazi-Symbolik zu finden seien. Auch in den drei katholischen Bistümern – Erfurt, Magdeburg und Dresden-Meißen – gäbe es keine Kirchen mit Glocken, die einen Bezug mit Inschrift oder Symbolen zur NS-Zeit hätten, ergab eine G+H-Umfrage.

Die mitteldeutsche Landeskirche bietet ihren betroffenen Kirchengemeinden an, die Inschriften und Symbole mit Bezug zur Nazi-Zeit auf Kosten der Landeskirche durch Abschleifen entfernen zu lassen. Zerstört werden sollen die Glocken nicht. Entfernung auf Kosten der EKM deshalb, damit den Gemeinden keine finanziellen Aufwendungen entstehen. »Die Entscheidung hierüber liegt allerdings bei dem jeweiligen Gemeindekirchenrat, da die Kirchengemeinde Eigentümerin der Kirche ist«, teilte die EKM weiterhin mit.

In einer Kirchengemeinde seien die Nazi-Symbole bereits entfernt worden, so die EKM: Auf einer Bronzeglocke aus dem Jahr 1934, die Brustbilder von Adolf Hitler und Martin Luther auf der Flanke trug, sei das Hitler-Bildnis bereits unkenntlich gemacht worden. Die anderen Glocken würden bis zur Zerstörung der Nazi-Symbole nicht öffentlich zugänglich sein. Die Kirchengemeinden sollten sich dazu beraten lassen, empfiehlt die EKM. Weder Konfirmanden- noch Besuchergruppen sollen die Glocken zugänglich gemacht werden, heißt es in der Stellungnahme.

Angela Stoye

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Frauen in Führungspositionen

1. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Evangelische Frauen: EKM-Werk fordert mehr Familiensinn


Zehn Jahre sind ins Land gegangen, so manche Themen sind geblieben. Mit geschlechtergerechter Sprache beschäftigten sich die Evangelischen Frauen bereits auf der ersten Frauenversammlung des geeinten Werkes. Im Jahr 2008 war das, kurz nach dem Zusammenschluss der provinzsächsischen und thüringisch-landeskirchlichen Frauenwerke zu den Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM).

Carola Ritter, Leitende Pfarrerin der EFiM, ist enttäuscht über die Entscheidung der Frühjahrstagung der Landessynode, geschlechtergerechte Sprache nicht in die EKM-Verfassung aufzunehmen. Die Aussage des halleschen Kirchenrechtlers Michael Germann, die Sprache werde zu einer geschlechtsfixierten, weist Ritter zurück. »Es geht um das Sichtbarmachen von Wirklichkeit in einer Kirche des Wortes«, sagt sie.

Carola Ritter. Foto: EKM Frauenwerk

Carola Ritter. Foto: EKM Frauenwerk

Laut dem EKD-Gleichstellungsatlas ist die EKM eine Kirche, in der gleichberechtigt Männer wie Frauen engagiert sind. In Gremien seien Frauen gut vertreten, wenngleich ihre Beteiligung in leitenden Positionen einer Pyramide gleich nach oben abnimmt. Auch wenn gegenwärtig die oberste Kirchenleitung weiblich ist, sind vor allem in der mittlere Ebene, also in den Superintendenturen oder Referatsleitungen der Verwaltungen, Frauen unterrepräsentiert. Das müsse kontinuierlich beseitig werden, so Ritter. Sie wünscht sich dafür ein Umdenken in Sachen Arbeitskultur. »Reden wir von Familienfreundlichkeit, denken wir zunächst an die Phase der Familiengründung. Aber in den nächsten Jahren wird uns immer mehr beschäftigen, dass Mitarbeitende ihre Angehörigen pflegen wollen oder müssen«, sagt Carola Ritter. Sie plädiert dafür, dass Leitungspositionen geteilt wahrgenommen werden können, dass es verlässliche Möglichkeiten gibt, von Voll- auf Teilzeit und zurück zu wechseln und dass es in Berufsbiografien Raum für Weiter- und Fortbildungen gibt. Als Erfolg habe sich in den vergangenen Jahren das Mentoringprogramm in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten erwiesen, das Frauen auf Führungspositionen vorbereitet.

Neue Kompetenzen zu vermitteln, ist auch für Ehrenamtliche wichtig. 70 Prozent jener, die sich in der Kirche ehrenamtlich engagieren, sind Frauen, so Carola Ritter. Sie werden in Weiterbildungen gestärkt und finden in Frauennetzwerken Austausch und Unterstützung.
Bislang gibt es nicht in allen Kirchenkreisen Beauftragte für die Arbeit mit Frauen, und wo es sie gibt, so nur im Neben- oder Ehrenamt. »Wir müssen uns von flächendeckenden Angeboten verabschieden. Heute arbeiten wir schwerpunktmäßig«, berichtet Carola Ritter. Im Großen und Ganzen zieht sie eine positive Bilanz: »Da sind wirklich zwei Werke unterschiedlicher Prägung und Arbeitsform zusammengewachsen.«

Katja Schmidtke

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Rock und Pop für die Kirche

30. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Popularmusik: Im Ursprungsland der Reformation fristet sie ein Nischendasein, kritisiert Kirchenmusik-Dozent Christoph Zschunke.

Popularmusik in der Kirche, auch im Gottesdienst, ist längst eine Selbstverständlichkeit. »Eine Vielzahl neuer geistlicher Lieder und poptypischer Musizierweisen haben längst Einzug gehalten in unsere Gottesdienste und kirchenmusikalische Arbeit«, sagt Christoph Zschunke, Bundeskantor im Christlichen Sängerbund und Dozent für Chorleitung und Popularmusik an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle. Er sieht aber auch beängstigende Defizite. Denn »fast alle Landeskirchen haben diesbezüglich z. B. in den letzten Jahren ergänzende Liederbücher zum Evangelischen Gesangbuch herausgebracht«, erklärt Zschunke. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) allerdings suche man ein solches bisher vergebens. Hier setze man scheinbar auf die geplante Gesangbuchrevision.

Illustration: lisakolbasa – stock.adobe.com

Illustration: lisakolbasa – stock.adobe.com

Viele Kirchengemeinden haben heute bereits gezielte Gottesdienst- Formate, die sich vorwiegend mit Popularmusik speisen. Es gibt immer häufiger auch sogenannte Profilkirchen, wie Jugendkirchen. Wenn es dort um Musik geht, ist das meist Popularmusik. Zur qualitativen Weiterentwicklung und Verstetigung von Popularmusik im kirchlichen Alltag haben etliche Landeskirchen längst Beauftragte für Popularmusik oder haupt- und nebenberufliche Ausbildungsmodelle (kirchenmusikalische C-Kurse) für Popularkirchenmusik entwickelt. Mitteldeutschland – das Ursprungsland der Reformation – sei diesbezüglich ein weißer Fleck auf der EKD-Landkarte , ärgert sich Zschunke. »Als Kirchenmusiker haben wir kaum Kontakt in diese anderen kulturellen kirchlichen Milieus. Das ist mehr als nur schade!«

Popularmusik gehört in der EKM scheinbar nicht zum Hoheitsbereich der Kirchenmusik, sondern fristet allenfalls ein Nischendasein im Bereich kirchlicher Jugend- und Kulturarbeit. Und selbst dort wurde kürzlich eine wichtige Stelle für die Vernetzung und Angebote an die Basis nicht wieder besetzt.

Dabei wäre für Zschunke vor allem wichtig, dass Kirchenmusiker in ihrer Gesamtheit das breite musikalische Spektrum abdecken können. Er verweist dabei auf Luther, dessen reformatorisches Anliegen es war, die Christen am Gottesdienst wieder zu beteiligen. Also stellt er Fragen, wie: »Für wen machen wir wo welche Angebote? Wen erreichen wir womit? Wollen wir nicht verschiedene Menschen in ihren Hörgewohnheiten und ihrem Lebensgefühl abholen und sie in unsere spirituellen Feiern mitnehmen, sie womöglich auch aufrütteln, gar verstören?«

Im textlastigen Gottesdienst kommt ihm die emotionale Komponente oft zu kurz. Es sei sehr wohl möglich, mit Stilmitteln der Popularmusik auch liturgisch kompatibel zu musizieren. Es gibt etliche Kirchenmusiker, die das mit Überzeugung tun, authentisch, leidenschaftlich und stilsicher. »Wo das gelingt und Gemeinde sich gern beteiligt, wirkt Popularmusik selbst in streng agendarischen Gottesdiensten heutzutage nicht mehr wie ein Fremdkörper, sondern ist selbstverständlich geworden«, erklärt Zschunke.

Doch da klaffen vielerorts Lücken. Er gibt zu bedenken, dass die deutschlandweite Vielfalt an Fortbildungsangeboten in Sachen Popularmusik in der EKM noch zu wenig abgebildet wird. Wichtig wäre ihm auch, mittelfristig aus den poptypischen Milieus eigenen kirchenmusikalischen Nachwuchs generieren zu können. »Solche Profis und Quereinsteiger brauchen wir zunehmend in unserer Kirche«, findet er.

Natürlich gibt es im Bereich der EKM Kirchengemeinden, in denen man sich mit der Popmusik bestens auskennt, wie in der Paulusgemeinde in Halle. »Bei uns ist modernes Liedgut eine Selbstverständlichkeit, auch im Gottesdienst«, sagt Kirchenmusikdirektor Andreas Mücksch. Es sollte so auch anderswo ganz normal sein, dass sowohl die geistliche Musik zur Traditionspflege als auch die Popularmusik gleichermaßen eine Rolle spielen, findet er. »Das ist kein Bruch und das wird als solcher auch nicht wahrgenommen«, so seine Erfahrung. Leider seien da andere Landeskirchen viel weiter als die EKM, meint auch er.

In einigen Kirchenkreisen sollen daher Stellen für Popularmusik geschaffen werden – vorbehaltlich der Finanzierung. Auch die Hochschule für Kirchenmusik plant, den Schwerpunkt auszubauen. Zur Zeit sehen die Pläne des Bachelor-Studiums zwei obligatorische Semester in Popmusik vor, wobei die Studenten Instrument oder Fach frei wählen können. Wer Interesse hat, kann den Schwerpunkt vertiefen und sich praktisch ausprobieren, etwa im Studiochor der EHK oder im PopChor der Studentengemeinde. Geplant ist für September zudem eine Weiterbildung in Popularkirchenmusik.

Claudia Crodel

Hintergrund
Die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle (EHK) wurde am 18. April 1926 durch das Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen in Aschersleben gegründet. 1939 siedelte sie nach Halle um. 1993 wurde der Kirchenmusikschule der Status einer Hochschule verliehen. 2001 erfolgte der Umzug ins Händelkarree, im gleichen Jahr wurde die popularmusikalische Ausbildung in die Studiengänge aufgenommen. Die Künstlerischen Aufbaustudiengänge gibt es fortan für die Fächer Orgel, Konzert- und Oratoriengesang und Chor- und Orchesterleitung. Die EHK zählt aktuell 53 Studenten.

www.ehk-halle.de


Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Eine Frage der Zeit

22. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Die Enttäuschung ist groß. Eine eindeutige Zustimmung und trotzdem verloren. Nur eine Stimme fehlte zur Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung zur Änderung der Kirchenverfassung in geschlechtergerechte Sprache. Gefühlt stand sich dabei für die Befürworter die Verfassung wohl selbst im Weg. Die jahrelange Vorarbeit, der Einsatz an Zeit, Geld und Energie, alles umsonst? Auf der anderen Seite sind die Hürden für eine Verfassungsänderung mit Bedacht so hoch gewählt.

Häme oder Schadenfreude sind fehl am Platz ebenso wie Schuldzuweisungen. Auch wenn diesmal die erforderliche Mehrheit für die Änderungen knapp verfehlt worden ist, wird sich die gesellschaftliche Entwicklung auf Dauer auch in der EKM nicht aufhalten lassen. In vielen Bundesländern ist die Verwendung der geschlechtergerechten Sprache im öffentlichen Dienst bereits vorgeschrieben. Das generische Maskulinum ist nicht mehr der allgemeine Sprachgebrauch.

Der Vorschlag des Jugendsynodalen Philipp Huhn, nach zehn Jahren Maskulinum nun zehn Jahre Femininum zum Ausgleich zu verwenden, lockerte die streckenweise verfahrene Diskussion vor der Abstimmung auf. Der Hinweis, dass keiner aus seiner Kirchengemeinde die Verfassung je gelesen habe, macht das Dilemma deutlich. Auf der einen Seite sollen Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen und sichtbar gemacht werden, will man die Identifikation und Akzeptanz auch von Rechtstexten erhöhen. Andererseits fehlt mitunter per se der Bezug zu den oft schwer verständlichen Verfassungswerken.

Wie geht es nun weiter? Der Landeskirchenrat wird darüber beraten. Die Abstimmung hat gezeigt, dass die Verfassungsänderung nur noch eine Frage der Zeit ist.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Gelebtes Erbe auf Kartons

9. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Deutschlandweit: Eine Marienkirche und eine Nikolaikirche pro Bundesland beteiligen sich an der Ausstellungsreihe »Bei Deinem Namen genannt: Maria und Nikolaus«, die in 32 Orten gezeigt wird.

Nach einer Präsentation im Erfurter Mariendom ist die Wanderausstellung vom 12. April bis 31. Mai in der Kirche St. Nicolai in Schmölln (Kirchenkreis Altenburger Land) zu sehen. Sie wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 gezeigt, das unter dem Titel »Sharing Heritage« (Erbe teilen) die kulturelle Vielfalt des Kontinents deutlich machen will.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, betont in diesem Zusammenhang, dass mit den Namen Maria und Nikolaus christliches Gedankengut transportiert werde. Beide Figuren stünden für ethische Prinzipien. Man knüpfe aber auch an die persönliche Identität der Besucher an, die jeweils mit ihrem eigenen Namen verbunden ist.

Unter dem Motto »Nomen est omen« (»Der Name ist ein Zeichen«) werden Sprichwörter zu verschiedensten Vornamen vorgestellt. Darüber hinaus betrachtet die Exposition den Zusammenhang von »Heimat und Person«, »Name und Erbe« sowie von »Kultur und Identität«.

Die beiden Module des in deutscher und englischer Sprache gestalteten Projektes verstehen sich in erster Linie als Impuls: Sie sind leicht überschaubar und ermöglichen eine unmittelbare Aneignung des Stoffes. Damit wollen die Kuratoren Klaus-Martin Bresgott, Johann Hinrich Claussen und Ralf Klöden einen »Anreiz zur Selbst- und Weiterbeschäftigung« schaffen.

Verpackungsmaterial als Informationsträger: Die Maria-Ausstellung war bereits in Erfurt zu sehen. Foto: Andreas Schoelzel

Verpackungsmaterial als Informationsträger: Die Maria-Ausstellung war bereits in Erfurt zu sehen. Foto: Andreas Schoelzel

Maria steht exemplarisch für einen Frauennamen. Aus der Ikonografie heraus sind alle Informationen über sie in der Farbe Blau gehalten.

Nikolaus steht für einen Männernamen, die ikonografische Farbe Rot verweist auf alles Wissenswerte über Nikolaus. Allgemeine Informationen und Einführungen sind in neutralem Weiß gestaltet.

Eine Karte der Bundesrepublik zeigt die jeweils am Projekt beteiligten Gotteshäuser, eine Karte Europas die Verbreitung der Namen und Kirchen zwischen Atlantik und Ural. So ist die Thematik auch geografisch fassbar aufbereitet. Wichtig ist den Ausstellungsmachern darüber hinaus die Verwendung ökologischen Materials – anstelle von Einwegaufstellern aus umweltfeindlichen Kunststoffen kommen 90 × 45 × 45 cm große, wiederverwendbare Mehrwegkartons zum Einsatz.

Gewöhnliches Verpackungsmaterial wird zu einem ungewöhnlichen Informationsträger. Die ästhetisch klare Form des Baukastens der Exposition orientiert sich an architektonischen Prinzipien der Romanik und des Bauhauses. »Die inhaltlichen Impulse zielen auf eine Wahrnehmung von Ort, Geschichte und Namen als Teil der eigenen Identität ab«, erläutern die Kuratoren ihre Zielstellung: »Aus der Abstraktion von Geschichte und Region werden mit der eigenen Person und dem eigenen Namen authentische Orte der eigenen Wirklichkeit, die in einen größeren Kontext eingebettet ist – regional und überregional, deutschlandweit und europäisch.«

Die Namen Maria und Nikolaus, ihre vielfältigen regionalen Formen und deren aktive Weitergabe aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft verdeutlichen dies exemplarisch und geben den Anstoß.

Die Ausstellung des Kulturbüros des Rates der EKD richtet sich an Tagesbesucher, Schulklassen und Touristen, eignet sich aber auch hervorragend für die Erwachsenenbildung. An jedem Ort können Geschichten zum je eigenen Namen hinzugefügt werden. Dadurch erweitert sich die Ausstrahlung der in 16 Marien- und 16 Nikolaikirchen gezeigten Ausstellung.

Michael von Hintzenstern

Termine in der EKM: Nikolaus: 30. 8. bis 31. 10., Ballenstedt; Maria: 6. 9. bis 2. 11., Salzwedel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »