Von Gott können wir noch viel erwarten

2. August 2013 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.
Psalm 33, Vers 12

Ferienzeit. Ob Tunesien oder Thüringen, Afrika oder Arendsee. Im Urlaub sehne ich mich nach Abstand vom Alltäglichen, nach einer Prise Freiheit. Womöglich suche ich danach, die Räume um mich herum weit zu machen, damit ich mich selbst wieder neu finden und ausrichten kann. Eine Zeit, von der ich etwas für mich erwarten darf, in der sich für ein paar Tage hier und dort die Vorzeichen umkehren. Das tut mir gut, die Sehnsucht danach nehme ich mit ins Jahr hinein.

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau

Dass es gut tut, wenn sich die Vorzeichen umkehren, ist auch eine Erfahrung, die Menschen ­machen dürfen, wenn sie Gott und sein Wirken in ihrem Leben spüren. Für den Psalmbeter ist es wohl eine unbeschreibliche Erfahrung von Freiheit und Bewahrung, die er mit seinem Gott verbindet und die er sich über seinen eigenen Horizont hinaus für viele Menschen wünscht. Ich höre seine Worte deshalb auch als Zeugnis dafür, eigenes Erleben umzusetzen in Visionen und Hoffnungen für sich selbst und für ein ganzes Volk.

Aus dem Erfahrenen leben, hoffen, damit einander beschenken und gemeinsam Herzenswünsche träumen. Das ist wie ein kleiner Urlaub – für die Seele. Das brauche ich und ich denke, das brauchen wir wieder neu in Politik und Gesellschaft angesichts aller Herausforderungen. Vielleicht ist die ­anhaltende Fantasielosigkeit der Politik bzw. der Regierenden gerade ein Grund für die Verdrossenheit im Volk. Wenn allein Pragmatismus und Wachstumslogik das Tagesgeschäft regieren, hat die Sehnsucht es schwer, die uns mitnimmt in eine ­lebenswerte Zukunft.

Ich wünsche mir für unser Volk Menschen, die sich hineingenommen wissen in Gottes Bogen aus Zusage und Verheißung. Damit sich Räume öffnen abseits des Alltäglichen, wo mutiges Träumen möglich ist, wo angstfrei kreuz und quer gedacht werden kann. Damit gelebt und gestaltet wird aus einer Vorfreude auf Kommendes mit einem Gott, von dem ich noch etwas erwarten kann.

Daniel Senf, Pfarrer in Zschortau