Mission in der Region

23. März 2018 von redaktionguh  
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»Gehet hin und lehret alle Völker«, so lautet der sogenannte Missionsbefehl Jesu in der neuen Lutherbibel. Früher: »macht zu Jüngern alle Völker«. Mission ist möglich, nicht überall, aber immer, meint unsere Gastautorin.

Pep Guardiola hat eine, Daimler-Benz, die Sparkasse und einige andere auch: eine Mission. Bei den einen heißt das »Mission Meisterschaft«, bei den anderen »Mission Marktführerschaft« oder »Mission Finanzcheck«. Sie haben es nicht schwer mit dem Wort »Mission« und bringen damit ein Ziel, ihre Motivation, eine Zukunftshoffnung, ihren Auftrag zum Ausdruck.

In der Kirche fremdeln jedoch viele mit diesem Begriff und mit dem, was sich dahinter verbirgt. Oder was unterstellt wird, dass es sich dahinter verbirgt: zum Glauben gezwungen, bestimmte moralische oder ethische Verhaltensnormen, sonntags immer in den Gottesdienst gehen. Die Palette ist lang, auf der aufgelistet wird, warum Mission heute in der Kirche nicht mehr geht oder gehen kann.

Wir tragen ganz offenbar schwer an den Missionsstrategien unserer Vorfahren und den ganz unterschiedlichen Spielarten von eher gewaltsamen Wegen, andere zum Glauben zu bringen oder gar zu zwingen. Darf die Kirche heute noch missionieren?

Mittendrin: Im Wohngebiet am Erfurter Herrenberg steht die evangelische Gustav-Adolf-Kirche. Die Kirche wurde 1900 auf freier Flur errichtet. 1980 entstand der Plattenbau-Stadtteil, der die Kirche heute umgibt. Foto: Willi Wild

Mittendrin: Im Wohngebiet am Erfurter Herrenberg steht die evangelische Gustav-Adolf-Kirche. Die Kirche wurde 1900 auf freier Flur errichtet. 1980 entstand der Plattenbau-Stadtteil, der die Kirche heute umgibt. Foto: Willi Wild

Ja, wenn sie darunter versteht, dass das Evangelium von Jesus Christus immer eine Einladung ist, Gott kennenzulernen. Wenn klar ist, dass diese Einladung nie eine Vorladung ist und nie sein kann. Wenn jede Einladung immer auch berücksichtigt, dass glauben zu können nicht in unserer Macht steht, sondern Geschenk Gottes bleibt. Wenn ich als Einladende weiß, dass ich selbst im Dienst Gottes stehe.

Dem Gegenüber steht ein klares »Nein«, wenn missionieren bedeutet, unter Zwang gesetzt zu werden. Wenn es meint, dass als Christ zu leben die einzige Form ist, wie man – vermeintlich – richtig lebt. Wenn die Freiheit des anderen durch missionierendes Tun missachtet wird. Gott sendet Menschen aus, in der Nachfolge Jesu zu leben und in seine Nachfolge einzuladen. Als Christen sind wir in Dienst genommene Jünger. Mit Petrus und Johannes gesprochen: »Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.«
(Apostelgeschichte 4,20).

Mission »ja« oder »nein« ist also gar nicht die Frage. Mission ist kein Arbeitsfeld der Kirche, das man lassen kann oder nicht. Sie ist ein Wesenszug einer lebendigen Kirche. Eine Kirche, die nicht will, dass Menschen von Gott erfahren, Gott erleben können, eigene Wege als Nachfolger Jesu auszuprobieren – wird irgendwann aufhören Kirche zu sein. Denn sie hat sich dann von ihrer Quelle wie von ihrem Sinn entfernt. Eine »missionale« Kirche lässt sich erleben durch diejenigen, die als Jüngerinnen und Nachfolger Jesu mitten in dieser Welt unterwegs sind.

Gibt es ein Rezept für gute beziehungsweise gelingende Mission? Diese Frage höre ich gelegentlich. Und ich antworte: Erzählt einfach von eurem Leben als Christen, von Erfahrungen, von Begegnungen, von euren Fragen und Zweifeln. Lasst andere, die danach fragen, einen Blick bekommen auf die Wege, die Gott mit Menschen geht. »Lasst euch selbst als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen«, wie Petrus schreibt (1. Petrus 2,5).

Lebendige Steine, an denen sich andere orientieren können oder neugierig werden, sich nähern oder in Distanz bleiben. Mission umfasst die gesamte Breite kirchlicher Existenz in der Welt: einladende Verkündigung, diakonisches und soziales Engagement, Verantwortung für die Schöpfung wie für Gerechtigkeit. Mission, verstanden als Teilnahme an der »missio dei«, an Gottes Mission, ist sowohl Ausgangspunkt der Kirche als auch ihre erfrischende und neu belebende Quelle.

Gerade in der Kirche in Mitteldeutschland, die sich in einer der am stärksten entkirchlichten Gegenden der Welt behaupten muss, kann das Mut machen. Ihre Mitglieder dürfen sich als Teil des wandernden Gottesvolkes wissen und dabei lebendig, neugierig, offen, klar im Bekenntnis und einladend sein dürfen, ohne Angst vor neuen Wegen und mit der Kraft von Bewährtem Nachfolge gestalten.

Juliane Kleemann

Die Autorin ist theol. Referentin im EKD-Zen­trum für Mission in der Region.

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Auftakt am 333. Geburtstag

18. März 2018 von redaktionguh  
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Thüringer Bachwochen vom 21. März bis 15. April mit 56 Konzerten im Freistaat

Die Thüringer Bachwochen werden am 21. März, dem Geburtstag des Komponisten, unter Leitung des renommierten englischen Tenors Mark Padmore in Weimar mit der Matthäuspassion eröffnet (19 Uhr, Weimarhalle).

Bis zum 15. April folgen insgesamt 56 Konzerte, die diesmal Bachs weltliches Schaffen fokussieren.

Am 23. März öffnen sich wieder zahlreiche Wohnungen in allen Regionen des Freistaates für die »Lange Nacht der Hausmusik«. Denn die Kompositionen des Thomaskantors spielen für fast jeden Musiker eine Rolle – vom Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach über die Solosuiten bis zu den Klavierwerken oder den Kantaten gehört Bach zum Repertoire von Jugendlichen wie Erwachsenen, Laien wie professionellen Musikern.

Erstmals in der Porzellankirche

Zu den Veranstaltungen des Festivals werden rund 20 000 Besucher erwartet. Erstmals finden die Thüringer Bachwochen an 15 Veranstaltungsorten im ganzen Land statt, darunter gibt es auch einige Premierenorte wie das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, die Porzellankirche der Leuchtenburg in Seitenroda oder die Villa Rosenthal in Jena.

Höhepunkte neben dem Auftakt zum Bach-Geburtstag sind die Konzerte des Bach Collegiums Japan, der Gaechinger Cantorey oder des Freiburger Barockorchesters. Als Solisten kommen die Violinistin Liza Fertschtman, der Pianist Alexandre Tharaud, die Saxophonistin Asya Fateyeva sowie der Jazz-Posaunist Nils Landgren mit seinem Ensemble erstmals ins Bachland Thüringen.

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Neben dem weltlichen Bach spielen seine sakralen Hauptwerke innerhalb des Festivals eine zentrale Rolle. Hans-Christoph Rademann und seine Gaechinger Cantorey gastieren am Ostermontag mit der h-Moll-Messe in Arnstadt.

Die Johannespassion ist schließlich in einer Kooperation von Nachwuchsmusikern mit renommierten Profis zu erleben: Für ihr Konzert in der Margarethenkirche Gotha hat die Akademie für Alte Musik Berlin die jungen Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie eingeladen (24. März, 16 Uhr). Nach den Aufführungen der Bach-Passionen, die durch die Thüringer Bachchöre in Eisenach, Erfurt und Jena noch weitere drei Mal zu hören sind, überrascht das Festival am Karfreitag mit einem höchst ungewöhnlichen Passionsprogramm: In der Georgenkirche Eisenach liest der Schauspieler Thomas Thieme die Pilatusgeschichte aus Michail Bulgakows posthum veröffentlichtem Roman »Der Meister und Margarita«.

Umrahmt wird die Lesung in dem inszenierten Konzert von Werken Bachs, Buxtehudes und Vivaldis, interpretiert vom La Folia Barockorchester und der Altistin Julia Böhme (30. März, 15 Uhr).

Es ist inzwischen eine schöne Tradition, dass die Thüringer Bachwochen neben den historischen Bachorten auch immer wieder neue Räume für Konzerte entdecken. Bereits zum dritten Mal wird das Festival im Erfurter Zughafen zu Gast sein. Zu den neuen Orten gehört weiterhin das Spa und Golf Hotel Weimarer Land in Blankenhain, wo zu einer historischen Bach-Vesper geladen wird, außerdem die Kunsthalle und die Kleine Synagoge in Erfurt.

(G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

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»Glaube + Heimat«  auf der Thüringen Ausstellung

13. März 2018 von redaktionguh  
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Vom 24. Februar bis 4. März präsentierte sich die Kirchenzeitung erstmals zur Thüringen Ausstellung in Erfurt. Am Gemeinschaftsstand der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hatten Leser und Interessierte die Möglichkeit, miteinander und über die Themen der aktuellen Ausgaben ins Gespräch zu kommen. Über die Frage, ob evangelische Kirchen ihre Türen außerhalb der Gottesdienstzeiten öffnen sollten, konnte per »Bällchen-Wahl« abgestimmt werden. Thüringens größte Verbrauchermesse zog in diesem Jahr knapp 70 000 Menschen auf das Messegelände der Landeshauptstadt.

Fotos: Hannah Katinka Beck

Fotos: Hannah Katinka Beck

Willkommen am Stand der EKM

1. März 2018 von redaktionguh  
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Noch bis Sonntag begrüßen Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen die Besucher der Thüringen Ausstellung auf dem Messegelände in Erfurt. Anne Haertel (li.) und Sabine Kappelt (re.) informierten über die Angebote des Kinder- und Jugendpfarramts der EKM.

Schaufensterpuppen sollen auf kirchliche Trauungen, Taufen und Konfirmation aufmerksam machen.

Die Kirchenzeitung ist mit den aktuellen Ausgaben vor Ort.

Der Stand der EKM ist nicht zu übersehen. Am Übergang von der Halle 1 zur Halle 4, direkt beim Messecafé, werden die Gäste von 10 bis 18 Uhr willkommen geheißen.

Neben der Landeskirche präsentieren sich auch diakonische Einrichtungen wie das Arnstädter Marienstift.

www.thueringen-ausstellung.de

Foto: Willi Wild

Foto: Willi Wild

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Wegbereiter der Revolution

23. Februar 2018 von redaktionguh  
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Das Jahr 1988: Das Reformprogramm von Gorbatschow stieß in der DDR auf Widerstände. Die greisenhaft versteinerte SED-Führung witterte Gefahr, ihr Machtanspruch könnte infrage gestellt werden.

Chefideologe Kurt Hager beantwortete eine Reporterfrage nach dem Reformvorbild Sowjetunion mit der Gegenfrage: »Würden Sie, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?«

Collage: Adrienne Uebbing

Collage: Adrienne Uebbing

Die einige Monate später im Oktober 1987 in Görlitz tagende Synode des DDR-Kirchenbundes glaubte allerdings, Hager sei inzwischen überholt und der Reformzug habe auch in der DDR an Fahrt gewonnen. Man dachte vor allem an zwei Ereignisse, die im September stattgefunden hatten: die Reise Erich Honeckers nach Westdeutschland und die Veröffentlichung eines Dokumentes unter dem Titel »Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit« im SED-Zentralorgan »Neues Deutschland«. Der Text war aus einem Dialog zwischen Vertretern der SED und der SPD hervorgegangen und enthielt Aussagen wie: »Die offene Diskussion über den Wettbewerb der Systeme, ihre Erfolge und Misserfolge, Vorzüge und Nachteile, muss innerhalb jeden Systems möglich sein.«

Als die Synode, dadurch ermutigt, eine couragierte Entschließung zur Friedensfrage verabschiedete, sah die SED jedoch eine rote Linie überschritten und Hager durfte die Reformbremse wieder anziehen. Die Hoffnungen des Herbstes erwiesen sich als Illusionen. Den Kirchen und dem ganzen Land stand mit dem Übergang in das Jahr 1988 ein Winter des Missvergnügens bevor.

Alle Befürchtungen wurden Realität in den sogenannten Berliner Ereignissen. Dazu gehörte eine Stasiaktion gegen die Umweltbibliothek der Zionsgemeinde und im Januar 1988 der Einsatz von Gewalt, als Regimekritiker sich am offiziellen Luxemburg-Liebknecht-Gedenkmarsch beteiligen wollten mit Plakaten, die das Luxemburgzitat variierten: »Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!« In beiden Fällen kam es zu Mahnwachen und Solidaritätsaktionen mit den Gefangenen und Ausgewiesenen.

Jetzt zeigte sich, dass im Umfeld der Kirchen zwei schon länger bestehende Bewegungen immer mehr in die Öffentlichkeit drängten: einerseits Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, andererseits die Antragsteller auf ständige Ausreise aus der DDR. Für die Kirchenorganisationen, ihre Gemeinden und Leitungen bedeutete das, für alle da sein zu müssen, die ihrer Hilfe bedurften. Allerdings verstand nicht jeder das Bestreben, als Helfer das kirchliche Profil wahren zu wollen.

Einen überaus wichtigen Beitrag für das Gelingen der am Horizont heraufziehenden Revolution haben 19 Kirchen und kirchliche Gemeinschaften in Gestalt der »Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« geleistet, deren erster Abschnitt im Februar 1988 in Dresden begann.

In den Beratungsergebnissen, in denen sich das Versammlungsmotto spiegelte, erblickten die Aufpasser von SED und Stasi jedoch den Versuch »bestimmter Kräfte«, die »Kirche im Sozialismus« zu einer Opposition gegen den Sozialismus umzugestalten. Für den Gegenschlag wurde das staatliche Presseamt in Stellung gebracht. Das hatte der Kirchenpresse verboten, über die Ökumenische Versammlung zu berichten. Dieses Verbot war gegen den Widerstand auf Seiten der Kirchen nicht vollständig durchsetzbar.

Umso stärker wütete die Zensur in den folgenden Monaten, als in der DDR mehrere Kirchentage stattfanden, darunter ein Treffen in Erfurt. »Glaube und Heimat« erlitt sieben Eingriffe, zweimal durfte sie nicht erscheinen. Auf den Kirchentagen selbst konnte jedoch frei über die immer notwendiger werdende Umgestaltung der DDR gesprochen werden. »Umkehr führt weiter« hieß es in Erfurt.

Die SED-Oberen blieben auch in der zweiten Hälfte des Jahres 1988 bei ihrer Politik der Verweigerung. In ihrer Ablehnung jeglicher Veränderungen riskierten sie sogar den Konflikt mit dem Reformer Gorbatschow. Sowjetische Filme und Publikationen wie das beliebte Magazin »Sputnik« wurden aus dem Vertrieb in der DDR herausgenommen. Die Revolution näherte sich mit großen Schritten.

Gottfried Müller

Der Autor war von 1981 bis 1990 Chefredakteur von »Glaube und Heimat«.

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Die blühende Ökumene

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Bundesgartenschau 2021 Kirchen in Erfurt dabei

Der Land- und Gartenbau hat in Thüringens Landeshauptstadt eine lange Tradition. Vor über 150 Jahren gab es dort bereits eine erste Internationale Gartenbauausstellung. Die Kirchen planen jetzt eine Teilnahme bei der Buga2021. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Gemeindedezernats im Landeskirchenamt der EKM gibt Auskunft:

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Wie will sich die EKM bei der Buga in Erfurt präsentieren?
Fuhrmann:
Die Kirchenpräsenz auf der Buga2021 wird ökumenisch sein. Auf dem Petersberg ist ein Pavillon der Kirchen geplant. Ob es uns gelingen wird, einen Ort der geistlichen Besinnung in direkter Nähe des Ega-Geländes anzubieten, ist noch offen.

Wie ist der aktuelle Stand?
Fuhrmann:
Bunt wie die Blumen ist unsere ökumenische Gemeinschaft. Wir hoffen, dass von dieser manches aufblühen wird. Vertreter aus dem Bistum Erfurt, dem Kirchenkreis Erfurt und der EKM bilden eine Steuerungsgruppe. Im März wird die Stelle der Projektkoordinierung im Augustinerkloster besetz werden.

Welche Bedeutung hat die Gartenschau für die Landeskirche?
Fuhrmann:
Als Christen unterschiedlicher Konfessionen erzählen wir von unserem Glauben. Gott hat uns die Welt zur verantwortlichen Gestaltung anvertraut. Natur begegnet uns heute in Europa fast ausschließlich als »Kulturlandschaft«. Was heißt es, dass wir als Menschen gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft für unseren Planeten stehen? Wir wollen alle Gäste der Buga2021 einladen, bei uns etwas zu entdecken. Wir freuen uns aber genauso auf Anregungen und neue Impulse durch unsere Gäste.

Mitteldeutsch-2-07-2018Was versprechen Sie sich vom Engagement und der Dauerpräsenz?
Fuhrmann:
Mit unserer ökumenischen Präsenz sind wir Kirchen auf dem Markt. Eine tolle Chance. Wir sind ein Marktstand unter anderen. Ich glaube, dass die bewusste Gestaltung dieser Situation für uns als Gemeinden im 21. Jahrhundert neue Erfahrungen mit sich bringt.

Wie teuer soll und darf es werden?
Fuhrmann:
Wir gehen von bis zu 450 000 Euro Gesamtkosten aus. Das Geld kommt aus unterschiedlichen Quellen. Als EKM sparen wir unseren Anteil über Jahre an. Für die Reformationsdekade mit dem Festjahr 2017 war es uns gelungen, unseren Anteil realistisch zu planen und zu steuern. Es war kein zusätzlicher Griff in Rücklagen nötig. Das wird uns hoffentlich wieder gelingen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Feindlich, staatszersetzend, Christ

22. Januar 2018 von redaktionguh  
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Erinnerung: Mit dem Porträt des Kirchenhistorikers und Zeitzeugen, Professor Peter Maser, der sich in Sachen Aufarbeitung verdient gemacht hat, startet unsere Serie über »Christen in der DDR«.

Peter Maser steht im Innenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt und blickt auf den Kubus, einen dunklen Würfel, bemalt mit Comiczeichnungen, die von den aufwühlenden Tagen im Spätherbst 1989 in Erfurt erzählen. »Ich glaube, das ist das bisher einzige gelungene und überzeugende Denkmal der friedlichen Revolution, das wir haben«, erklärt er nachdenklich.

Maser ist 74 Jahre alt und seine Geschichte ist eng und untrennbar mit der Andreasstraße verbunden. Dabei hat er zu diesem Ort gar keinen persönlichen Bezug. »Ich habe hier weder eingesessen, noch kenne ich irgendwelche Familienangehörige oder Freunde, die das taten«, betont er. Aber natürlich hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen getroffen, deren Biografie auf fatale Weise mit diesem Ort verbunden ist.

Maser selbst hat auch eine DDR-Vergangenheit. Der gebürtige Berliner, der in Sachsen-Anhalt aufwuchs und heute in Bad Kösen lebt, besuchte in den 1950er-Jahren die Landesschule Pforta, ein Internatsgymnasium in Naumburg. »Das war eine sehr bekannte und traditionsträchtige Lehranstalt, die in der Zeit, als ich da zur Schule ging, gerade mit brachialer Gewalt zu einer sozialistischen Heimoberschule umgestaltet wurde.«

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Maser war aktives Mitglied der Jungen Gemeinde, die der DDR-Führung ein Dorn im Auge war. Nachdem er seine Aktivitäten nicht einschränkte, musste er nach der 10. Klasse die Oberschule verlassen. Er ging ans Proseminar nach Halle, eine der kirchlichen Hochschulen in der DDR, die auf das Theologiestudium vorbereiten durften. »Eigentlich konnten die Absolventen dieser Schulen nur an kirchlichen Hochschulen studieren, aber zu meiner Zeit war es gerade möglich, auch an staatliche Universitäten zu gehen.« So kam er nach Halle, studierte ab 1962 Theologie und machte später dort auch seinen Doktor. Und das ganz ohne Hochschulreife. Er sei wohl der einzige Professor und Direktor eines geisteswissenschaftlichen Instituts in Deutschland, der nie Abitur gemacht habe, sagt er heute nicht ohne Stolz.

Peter Maser führt durch die verschiedenen Etagen der Andreasstraße. Das Gebäude diente schon zur Kaiserzeit als Gefängnis. Die Nationalsozialisten brachten hier ihre Gefangenen unter. Später nutzte die Stasi diese Räume, um vermeintliche Gegner einzusperren.
»Haft – Diktatur – Revolution« ist die Ausstellung überschrieben. Hier wird die Geschichte des Ortes lebendig. Das wird in der Dauerausstellung, aber vor allem auf der Haftetage deutlich. Man spürt förmlich die Wirkmächtigkeit des DDR-Apparats und das Ausgeliefertsein derer, die sich nicht konform zeigten.

Dem langen Arm der Stasi konnte sich der Kirchenhistoriker nicht entziehen. Der unbeugsame junge Mann, der auch aus seinem Glauben und seinen Ansichten keinen Hehl machte, war der Stasi ein Dorn im Auge. Die Staatssicherheit ließ ihn nicht mehr aus den Fängen. Wähnte man Maser doch als das Haupt einer feindlichen, staatszersetzenden Gruppe. »Das war ich nicht«, erklärt Maser. »Natürlich waren wir kritisch. Wir haben im privaten Kreis den jungen Marx gelesen und auch über die aktuellen Verhältnisse kritisch diskutiert, aber eine feindliche Gruppe waren wir ganz sicher nicht.«

Die Übergriffe der Stasi wurden immer massiver. Maser stellte 1976 einen Ausreiseantrag und verlor daraufhin seine Stelle. »1977 reiste ich mit meiner Familie und der tatkräftigen Unterstützung der Kirchenleitung in Magdeburg, die erkannt hatte, dass es mit mir in der DDR nicht mehr lange gutgehen wird, in die Bundesrepublik aus«, so Maser.

Er wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kirchenamtes der EKD in Hannover und Lehrbeauftragter der Universität Münster. Dort habilitierte er sich 1988 in Kirchengeschichte. In all diesen Jahren verlor Maser jedoch nie den Blick für die Situation der Kirche in der DDR. Immer wieder publizierte er zu diesem Thema.

Nach der Wende berief man ihn im Bundestag als Berater zur ersten Enquete-Kommission. Es sei schon damals klar gewesen, »dass es im Grunde genommen kein Kapitel der DDR- und SED-Geschichte gab, in dem die Kirche nicht maßgeblich vorkam.«

Peter Maser vereinigt zwei Attribute. Er ist Zeitzeuge und Wissenschaftler. Einer, der sich sehr früh darüber Gedanken machte, wie dieser Teil der deutschen Geschichte aufgearbeitet und tradiert werden sollte. In die Überlegungen zur Nutzung des früheren Stasi-Gefängnisses in der Erfurter Andreasstraße bezog 1992 das Thüringer Kultusministerium Maser ein. »Daraus entwickelte sich dann über mehrere Jahre eine sehr intensive, anstrengende, aber immer spannende Mitarbeit und Zusammenarbeit in Erfurt«, so Maser. Es war von Beginn an keineswegs klar, was werden sollte. Eine aktive Gruppe, die sich im »Freiheits e.V.« zusammengeschlossen hatte und zu der viele ehemalige Häftlinge gehörten, schlug eine Gedenkstätte für die Opfer der SED-Diktatur vor.

Am Ende eines langen Prozesses stand die Entscheidung, hier einen Ort mit zweipoliger Erinnerung zu schaffen, der zwei scheinbar gegensätzliche Themen verbindet: Unterdrückung und Befreiung. Die Gedenkstätte erinnert an Haft und Repression, an DDR-Unrecht in vielfältiger Form und an das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zugleich hält sie die Erinnerung an die friedliche Revolution wach. Deren Geschichte mit der erzwungenen Öffnung der Stasi-Zentrale am 4. Dezember 1989 durch Bürgerrechtler wird hier erzählt.

Peter Masers Engagement für die Andreasstraße ist ungebrochen. An der Aufarbeitung der Geschichte von Christen in der DDR ist er ebenfalls beteiligt. Auch in der Arbeitsgemeinschaft, die die interministerielle Arbeitsgruppe in der Thüringer Staatskanzlei unterstützt, ist er dabei. Er ist zuversichtlich, was die Aufarbeitungsbemühungen anbelangt: »Dass das Thema ›Christen in der DDR‹ mit Ernsthaftigkeit und auf unterschiedlichen Ebenen behandelt wird, wirkt sich allmählich aus«, ist er sich sicher. »Also, ich kann kein Bundesland sehen, in dem das mit dieser Intensität abläuft, wie das hier in Thüringen geschieht.«

Diana Steinbauer

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Luther in 360 Grad

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Thüringer Tourismus setzt auf Geschichte und virtuelle Realität

Roboterarm Kuka nimmt auf eine virtuelle Reise durch Thüringen mit. Über die ausgewählten Orte werden Filme gezeigt. Im Hintergrund Martin Luther als Pappkamerad, der auf die Smartphone-App »Luther to go« verweist. Fotos: Willi Wild

Roboterarm Kuka nimmt auf eine virtuelle Reise durch Thüringen mit. Über die ausgewählten Orte werden Filme gezeigt. Im Hintergrund Martin Luther als Pappkamerad, der auf die Smartphone-App »Luther to go« verweist. Fotos: Willi Wild

In Erfurt ist die virtuelle Erlebniswelt »360 Grad – Thüringen Digital Entdecken« gestartet. Besucher erwartet in den Räumlichkeiten der Touristinformation direkt am Hauptbahnhof ein Thüringen-Erlebnis aus Klang, Raum und Bild, so die Geschäftsführerin der landeseigenen Tourismusgesellschaft TTG Bärbel Grönegres. Ein interaktives Thüringen-Modell unter anderem mit Roboter-Guide und Thementouren präsentiert Natur, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Leben im Freistaat. Dabei spielen auch die vielen Kirchen, sowie die Kirchengeschichte eine Rolle. Reformator Martin Luther kann man sich beispielsweise über die App »Luther to go« nähern. »Mit der virtuellen Erlebniswelt wollen wir dieses Konzept für Thüringen nutzen und so auch in der Vermarktung neue Wege gehen«, erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Ziel sei es, die touristischen Angebote stärker an den Wünschen »des heute anspruchsvolleren Publikums auszurichten und Reisemotive zu schaffen«, fügte er hinzu. Für die Einrichtung der Erlebniswelt inklusive des Umbaus der alten Touristinformation habe sein Haus etwa eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

Kopfkino: Mit Videobrille und Kopfhörer können Besucher im Erlebnisraum am Erfurter Hauptbahnhof auch Luther und die Wartburg räumlich entdecken.

Kopfkino: Mit Videobrille und Kopfhörer können Besucher im Erlebnisraum am Erfurter Hauptbahnhof auch Luther und die Wartburg räumlich entdecken.

Drei thematische Räume bilden die digitale Erlebniswelt. Herzstück ist der wie eine Waldlichtung gestaltete Raum »die Lichtung«. Hier führt ein Roboter mit den Thementouren »Orte mit Aura«, »Thüringer blau«, »Mit allen Sinnen« und »Leben und Arbeiten in Thüringen« durch den Freistaat. Im Raum »Weitblick« können Besucher in bequemen Sesseln Platz nehmen und Thüringen virtuell »360 Grad« entdecken. Der offene Raum »Der gute Rat« bietet zudem traditionelle Beratung und Information durch Broschüren und Karten sowie einen Multi-Touch-Tisch mit Informationen zu Ausflugs­zielen, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten.

(epd/G+H)

www.thueringen-entdecken.de

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Dissens offen zutage getreten

4. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Synode: Eine Chronologie der Ereignisse des späten Mittwochnachmittags bei der Herbsttagung in Erfurt, die für Ratlosigkeit und in Teilen für Unverständnis sorgten.

Damit hatte keiner der 80 Syno­dalen gerechnet, als kurz vor dem Abendbrot Synodenpräses Dieter Lomberg noch zwei Entscheidungen aus dem Landeskirchenrat angekündigte. Vermutlich hätten sich die Synodalen bei der Aussprache zum Bericht der Präsidentin des Landeskirchenamtes, Brigitte Andrae, kürzer gefasst, wenn sie geahnt hätten, was ihnen noch bevorsteht.

Amtszeitverlängerung für Propst Hackbeil

Zunächst trat Landesbischöfin Ilse Junkermann als Vorsitzende des Landeskirchenrates ans Mikrofon. Sie teilte dem Kirchenparlament mit, dass das 22-köpfige Leitungsgremium der Landeskirche beschlossen habe, bei der Landessynode einen Antrag auf die Verlängerung der Amtszeit von Propst Christoph Hackbeil, dem Regionalbischof des Sprengels Stendal-Magdeburg, zu stellen. Dass sie dabei versehentlich von einer Verlängerung »bis zum Ende seines Ruhestandes« sprach, machte ihre Nervosität deutlich. Warum die Landesbischöfin in dieser Situation angespannt war, sollte die anschließende Verlautbarung ihres Stellver-
treters, Propst Diethard Kamm, zeigen.

Keine Verlängerung für Landesbischöfin

Der Regionalbischof des Sprengels Gera–Weimar verkündete, dass der Landeskirchenrat auf seiner Sitzung am 20. Oktober beschlossen habe, keinen Antrag auf eine Verlängerung der Amtszeit von Landesbischöfin Ilse Junkermann zu stellen. Kamm wörtlich: »Der Landeskirchenrat würdigt insbesondere die Prägung des Bischofsamtes in unserer noch jungen Kirche, gerade in der Phase des Zusammenwachsens sehr unterschiedlicher geistlicher und struktureller Traditionen durch Landesbischöfin Junkermann und dankt ihr für ihren Dienst. Er hofft auf eine weitere gute gemeinsame Arbeit in den nächsten zwei Jahren bis zum Ablauf ihrer Amtszeit.« Im ausführlichen Austausch und in gründlicher Beratung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass dann andere und neue Impulse der Konsolidierung und des Aufbruchs in die Gesellschaft für die EKM wichtig seien, sagte Kamm – und ging wieder an seinen Platz.

Junkermann: »Entscheidung schmerzt mich«

Noch ehe die Synodalen so richtig fassen konnten, was da gerade ex cathedra verkündet wurde, trat die Landesbischöfin ein weiteres Mal ans Mikrofon und verlas eine vorbereitete Erklärung:

Stand nicht zur Abstimmung: Der Antrag an die Synode auf Amtszeitverlängerung der Landesbischöfin wird vom Landeskirchenrat gestellt. Im Bild heben die Synodalen ihre Stimmkarte zur Abstimmung, um einen Antrag in einen Ausschuss zu verweisen. Foto: Willi Wild

Stand nicht zur Abstimmung: Der Antrag an die Synode auf Amtszeitverlängerung der Landesbischöfin wird vom Landeskirchenrat gestellt. Im Bild heben die Synodalen ihre Stimmkarte zur Abstimmung, um einen Antrag in einen Ausschuss zu verweisen. Foto: Willi Wild

»Hohe Synode, jetzt verstehen Sie, warum ich eben so aufgeregt war. Ich möchte zu dieser Entscheidung sagen: Ich war gerne zu einer Verlängerung meiner Amtszeit bereit. Sie kennen mein Engagement und meine Begeisterung für diese Kirche. Insofern schmerzt mich diese Entscheidung. Zugleich und selbstverständlich respektiere ich sie. Zu diesem Zeitpunkt schafft dieser Beschluss Klarheit, auch für mich selbst. Ich bin gespannt, was Gott mit mir für meine restliche Dienstzeit bis zu meinem Ruhestand vorhat und was mit unserer Kirche.

Gottes guter Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit helfe uns, bei unserer Aufgabe die beiden noch verbleibenden Jahre gut und konstruktiv miteinander zu gestalten. Ich sehe meine Aufgabe insbesondere darin, in dem großen Veränderungsprozess, in dem wir uns befinden, die Gemeinden und die Verantwortlichen zu begleiten. Sei es in mancher Trauer und Ratlosigkeit, sei es in den neuen Aufbrüchen. Dafür und für die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen und mit allen Verantwortlichen in den Gemeinden in unserer Kirche will ich und werde ich weiter meine Kräfte einsetzen und natürlich auch für die Vertretung unserer Kirche nach außen.«

Vizepräses Steffen Herbst: »Erschrocken und traurig«

Die Synodalen waren sprachlos. Steffen Herbst, der 1. Vizepräses der Synode aus Königsee (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) ging ans Rednerpult und sagte nur einen Satz: »Frau Landesbischöfin, ich bin erschrocken und traurig.« Vermutlich sprach er damit vielen Delegierten aus dem Herzen. Beim anschließenden Abendbrot im Augustinerkloster und die Tage darauf war die Entscheidung und die Art der Verkündung sowie der Entgegnung Gegenstand vieler Diskussionen am Rande der Herbsttagung der Synode. Vor allem wurde nach den Gründen gefragt, die zu dieser Entscheidung geführt hätten. Da es sich aber um einen Beschluss aus einer nichtöffentlichen Sitzung handelte, blieben und bleiben die Gründe unter Verschluss.

Neuwahl vermutlich im Frühjahr 2019

Landesbischöfin Ilse Junkermann war von der Landessynode im März 2009 für eine Amtszeit von zehn Jahren gewählt worden. Das Bischofswahlgesetz lässt mehrere Amtsperioden und damit eine Wiederwahl zu. Ist das Ruhestandsalter nicht weiter als fünf Jahre entfernt, kann die Landessynode die Amtszeit per Beschluss einmalig bis zum Eintritt in den Ruhestand verlängern.

Nach der Entscheidung des Landeskirchenrats tritt nun der Bischofswahlausschuss zusammen, um der Synode vermutlich im Frühjahr 2019 Wahlvorschläge zu unterbreiten. Dem Bischofswahlausschuss gehören neben den Mitgliedern des Landeskirchenrats sechs weitere Synodale sowie je ein Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) an. Das Oberhaupt der EKM wird dann von der Landessynode gewählt.

Willi Wild

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Mehr Ökumene wagen

4. Dezember 2017 von redaktionguh  
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500 Jahre nach der Reformation ist in Erfurt eine enge Zusammenarbeit zwischen Evangelischer Reglergemeinde und katholischen Augustinermönchen entstanden. Ein Jahr nach Projektbeginn ist Zeit für eine erste Bilanz.

Am Anfang hatte ich das Gefühl: das ist eine völlig absurde Idee«, gibt Bruder Jeremias zu. Er ist einer von inzwischen vier Augustinermönchen, die im Pfarrhaus der evangelischen Reglergemeinde in Erfurt wohnen. Doch nach einem Jahr läuft das Ökumene-Projekt zwischen Protestanten und Augustinern – von Kleinigkeiten abgesehen – ziemlich reibungslos.

Alles begann damit, dass die damals drei und inzwischen vier Mönche in ihrer neuen Wirkungsstätte Erfurt ein Dach über dem Kopf gesucht haben. Da bot sich das evangelische Pfarrhaus an, in dem eine Wohnung frei geworden war. Vor gut einem Jahr ging Pfarrerin Gabriele Lipski auf die Brüder zu, bot ihnen eine Zusammenarbeit an.

Katholische Messe in der evangelischen Reglerkirche: der Augustinermönch Bruder Matthias begrüßt Teilnehmer zum Gottesdienst. Foto: Markus Wetterauer

Katholische Messe in der evangelischen Reglerkirche: der Augustinermönch Bruder Matthias begrüßt Teilnehmer zum Gottesdienst. Foto: Markus Wetterauer

Bevor es los ging, mussten trotzdem einige Steine aus dem Weg geräumt werden. »Ist sich diese Gemeinde überhaupt bewusst, dass wir jeden Tag Messe feiern wollen und es damit in der Reglerkirche öfter katholische Gottesdienste gibt als evangelische?«, war eine der Fragen. Oder: Kann es in einer evangelischen Kirche ein Tabernakel geben, in dem die Hostien aufbewahrt werden? Und: Was ist mit dem Weihwasser? Die Fragen wurden geklärt, die Bischöfe auf beiden Seiten gaben ebenfalls grünes Licht, auch in den Gemeinden gab es nur vereinzelt Kritik.

Zum Auftakt der Kooperation beging man am 1. Advent vor einem Jahr einen gemeinsamen Gottesdienst – zum Türen öffnen, so Pfarrerin Lipski. Seitdem feiern die Mönche jeden Tag ihre Messe in der Reglerkirche. Das evangelische Mittagsgebet wird gemeinsam gestaltet. So gut wie jeden Monat gibt es eine gemeinsame Aktion: Das kann ein besonderer Gottesdienst sein wie am 2. Februar zu Mariä Lichtmess, ein Gemeindefest, eine gemeinsame Wallfahrt, oder in der Passionszeit die Aktion »In 40 Tagen durch die Bibel«.

Wichtig ist gegenseitige Offenheit. Freitags treffen sich alle Mitarbeiter zu einer gemeinsamen Teambesprechung. Die Mönche sind auch zu den Sitzungen des Gemeindekirchenrats eingeladen. »Der Gedanke dabei ist: Wir lassen euch reinschauen in alles, was wir tun, weil wir unseren Weg gemeinsam gehen«, erklärt Pfarrerin Lipski. Für Bruder Jeremias hilft die Offenheit, damit Reibereien aus dem Weg geräumt werden, bevor sie zu Problemen werden.

Reibereien gibt es zum Beispiel dann, »wenn man mal wieder nicht dran denkt, dass ja da noch jemand mit in der Kirche ist und es zu Termin-Überschneidungen kommt«, sagt Jeremias. Oder, wenn die andere Seite in der Sakristei was nicht wegräumt, wie Pfarrerin Lipski feststellt. Umgekehrt wird die Zusammenarbeit einfacher, weil sie freiwillig entstand. Es gab »keinen finanziellen Druck oder, weil keine Leute mehr zu uns gekommen sind, sondern, weil wir das wollten«, sagt Bruder Jeremias. Er und seine drei Mitbrüder Pius, Jakob und Matthias versuchen, möglichst viel gemeinsam mit den Protestanten zu machen und trotzdem »unsere Identität nicht zu kurz kommen zu lassen«. Ein Satz, den Lipski unterschreiben kann:

»Sie sind nicht evangelisch geworden und wir werden nicht katholisch, sondern es geht um versöhnte Verschiedenheit. Das Wichtige ist, dass wir mit Christus verbunden sind.«

Markus Wetterauer

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