»Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen«

28. Mai 2018 von redaktionguh  
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Mein Rückblick auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg – Mai 2017.

Fünf Uhr. Gebet zum Sonnenaufgang. In der Morgendämmerung bin ich noch etwas müde nach dem Himmelfahrtsabend, der mich so begeistert hat. Ökumenischer Gottesdienst und Willkommensabend liefen mit mehr als 3 000 Besuchern ansteckend fröhlich in wunderbarer Kirchentagsstimmung ab. Die Kirchengemeinden haben eingeladen, liebevoll waren die Tische gedeckt und vielfältiges Essen zubereitet. Jetzt im Rosengarten am Elbufer zähle ich gerade 12, da kommt noch eine Gruppe Konfirmanden aus Meiningen. Sie haben sich aus dem einzigen Gemeinschaftsquartier in der Stadt so früh auf den Weg gemacht. Ich bin echt gerührt. Danach frühstücken mein Frau und ich auf der Schifferkirche mitten in der Elbe. Großartig, die sind extra aus Hamburg gekommen. Sie freuen sich über die gute Resonanz.

Im Kulturhistorischen Museum begrüße ich wenig später den Rabbiner Sajatz, der eine engagierte Bibelarbeit hält. Rückfragen sind bei den etwa 35 Teilnehmern leicht möglich. Gespräche entwickeln sich. Klasse – denke ich – dass die Stadt und die Museen, Kunst- und Kulturleute den Kirchentag unterstützen. Mit dem Fahrrad fahre ich zum Orga-Team. Herr Günther und die Ehrenamtlichen dort haben sich extra Urlaub für diese Tage genommen. Bloß der Kartenverkauf vor Ort ist mager – 20 000 war einfach zu hoch angesetzt. Wir beraten die Sicherheitslage. Die Polizei wird am Abend die Leute, die zur Inszenierung kommen werden, nur per Kontrolle ans Elbufer lassen. 6 000 werden es dann sein, die einen beeindruckenden Abend mit Licht, Musik, Schiffen und Schauspiel aus Magdeburgs Geschichte erleben werden.

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Gottesdienst am Elbufer: Etwa 200 Motorradfahrer versammelten sich vor einem Jahr am Petriförder in Magdeburg zum Bikergottesdienst. Die Kirchentage auf dem Weg waren zeitgleich in Leipzig, Jena/Weimar, Erfurt, Magdeburg, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau. Foto: epd-bild

Ich fahre zum Dom, ein Reporter vom Deutschlandradio will mich dort sprechen. Im Dom wird gerade zum Thema Frieden diskutiert. Ein Manifest entsteht, das streitbar Beachtung finden wird.

Gesprächstermin: Er habe Kunden im Alleecenter gefragt, was sie vom Kirchentag mitbekommen: Nichts. Und warum wir das Thema Kinderarmut übergehen. Ich erkläre ihm, dass ein Kirchentag davon lebt, dass sich Menschen einbringen mit ihren Themen. Warum nicht zu Kinderarmut? Würde gehen. Aber zum Kirchentag auf dem Weg anlässlich des Reformationsjubiläums haben sich bei uns die Themen Frieden und neue Medien angeboten. Sie haben einen Bezug zu Magdeburg als »Unsers Herrgotts Kanzlei« und als in zwei Kriegen zerstörte Stadt: 1631 und 1945. Ja, schade, dass weniger kommen als gedacht. Wir müssen eben raus als Kirche, hin zu den Menschen. Das ist mühsam und Tickets sind auch nicht hilfreich. Im Übrigen würde ich jetzt los wollen, um mit der Ökumenischen Bigband vor dem Allee­center ein bisschen Straßenmusik zu machen. Meine Antworten hat er nicht gesendet.

In der nachmittäglichen Hitze fahre ich dann mit dem Rad zur Jugend. In den Zelten und im Schatten sind einige Kinder und Jugendliche. Es wirkt ein bisschen zu still, ich spüre Enttäuschung bei den Mitwirkenden. Einige Konfis aus der Altmark berichten aber auch von einem coolen Graffiti-Workshop, den sie besuchten – der war voll.

Zurück in der Oase der Seelsorger an der Wallonerkirche, werde ich wieder etwas aufgebaut. Dort höre ich auch von dem interessanten Projekt »Twittergottesdienst«. Ich schaue mir auf Youtube gleich mal einige TwiGo-Ausschnitte an: Ach, so funktioniert das. Ein Kirchenältester kommt vorbei und ruft mir zu: Den Willkommensabend – den machen wir doch wieder. Ich antworte lachend: Da hängt aber ein ganzer Kirchentag dran. Aber probieren können wir’s ja mal. Vielleicht in zwei Jahren? 2019! – Dankbar bin ich für solch engagierte Haupt- und Ehrenamtliche.

An zahlreichen Helfern vorbei und durch die Polizeikontrolle gehe ich abends ans Elbufer: Ich spüre, wie die Menschen mitgenommen werden in die Geschichte der Reformation vor 500 Jahren. Gut, denke ich, dass es heute anders ist: Ohne konfessionellen Kampf – dafür ökumenisch und weltoffen.

Stephan Hoenen

Der Autor ist Superintendent in Magdeburg.

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Aufbruchsignal für Gemeinden

23. April 2018 von redaktionguh  
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Frühjahrstagung: Landessynode sucht im Kloster Drübeck Perspektiven

Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat sich auf ihrer dreitägigen Frühjahrstagung im Kloster Drübeck auf neue Impulse für die Gemeindearbeit verständigt. Unter dem Motto »Evangelisch – Ein Kreuz für die Welt« wurden zu sechs Thesen (untenstehend), die bereits auf der Herbstsynode 2017 vorgestellt wurden, Anregungen und erste Handlungsempfehlungen für die Gemeinden und Kirchenkreise erarbeitet. Unter anderem geht es darum, wie auch konfessionslose Menschen mit dem Evangelium erreicht werden und wie Glaubensinhalte verständlich kommuniziert werden können sowie um die Zukunft der Gemeindearbeit. Die Rede war von einem Aufbruchsignal, das daraus entstehen sollte.

Fotos: Willi Wild/Collage: Adrienne Uebbing

Fotos: Willi Wild/Collage: Adrienne Uebbing

Die Umschreibung der EKM-Verfassung in eine geschlechtergerechte Sprache verfehlte am Samstag indes die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit knapp. Für das Gesetz wären von den abgegebenen und gültigen 70 Stimmen genau 47 Stimmen notwendig gewesen. Da aber nur 46 Synodale dafür stimmten, scheiterte das Vorhaben. 22 Synodale stimmten mit Nein, bei zwei Enthaltungen. Die textlichen Änderungen, die vorgesehen waren, sahen vor allem den Zusatz der weiblichen Form wie etwa Pfarrerin, Bischöfin und Mitarbeiterin zu den männlichen Formulierungen vor.

Zum Auftakt der Tagung hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann die Kirchengemeinden ermuntert, positive Erfahrungen aus dem Reformationsjubiläum 2017 mitzunehmen und neue Formate auszuprobieren. Die Bischöfin beklagte aber auch frustrierende Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Verantwortlichen des Reformationsjubiläums. Kulturunterschiede zwischen Ost und West dürften nicht einfach übergangen, sondern müssten viel häufiger und bewusster reflektiert werden, so Junkermann.

Die Landessynode besteht aus 80 gewählten, berufenen und solchen Mitgliedern, die ihr von Amts wegen angehören. In der Regel tritt die Landessynode zweimal im Jahr zusammen. Zu den Aufgaben der Kirchenparlamentarier, der Synodalen, gehören unter anderem die Kirchengesetzgebung und der Beschluss über den Haushaltsplan. Die Synode nimmt Berichte der Landesbischöfin, des Landeskirchenrates und des Landeskirchenamtes entgegen und kann ihnen Aufträge erteilen. Die nächste Tagung ist vom 21. bis 24. November in Erfurt geplant.
(epd)

Losgehen statt stehenbleiben

Die Verfassungsänderung ist knapp gescheitert. Eine Stimme fehlte der Kirchenverfassung in geschlechtergerechter Sprache. Kirchenrätin Dorothee Land, Gleichstellungs­beauftragte der EKM, ist trotzdem zuversichtlich.

Haben Sie mit diesem Ergebnis bei der Abstimmung gerechnet?
Land:
Ich finde gut, dass wir in der Synode so offen und kontrovers diskutiert haben. Denn auch da gilt, was nicht in der Sprache ist, ist nicht in der Wirklichkeit. Es war zu erwarten, dass es eine enge Abstimmung wird. Dass nur eine Stimme gefehlt hat, ist schade, zeigt mir aber auch, dass eine Mehrheit die Veränderung will. Und, dass einige die eigenen Bedenken zurück gestellt haben zugunsten derer, für die wir das tun.

Dorothee Land. Foto: privat

Dorothee Land. Foto: privat

Frauen und Männer, die in geschlechtergerechter Sprache ein Zeichen sehen, dass Kirche bereit ist, gewohntes Terrain zu verlassen, auch ohne letzte Sicherheit, wo sie der Weg hinführt. Das ist für mich eine gut evangelische Haltung. Das steht uns gut zu Gesicht, wenn wir Kirche für Andere sein wollen.

Wie gehen Sie als Gleichstellungsbeauftragte jetzt damit um?
Land:
Zuallererst werde ich auch weiter meinen eigenen Umgang mit geschlechtergerechter Sprache sensibel wahrnehmen und darauf achten, so zu sprechen, dass Frauen und Männer in meiner Sprache sichtbar werden. Wir müssen alle lang eingeübte Gewohnheiten verändern. Das fällt niemandem leicht. Ich will, dass wir im Gespräch bleiben und nicht durch Abwertung oder Distanzierung das Gespräch abbrechen. Darauf werde ich achten und mich auch entsprechend äußern.

War die ganze Vorarbeit umsonst und sind die Änderungen damit Makulatur?
Land:
Auf gar keinen Fall. Die hohe Intensität und Emotionalität der Debatte hat gezeigt, dass es mitnichten um ein Randthema unserer Kirche geht. Wir sind eine Kirche des Wortes. Wir fragen, wie wir sprachfähig werden, so dass Menschen verstehen, dass Kirche und Glaube eine Relevanz für ihr Leben haben. Kirchliche Arbeit wird in vielen Bereichen unserer Kirche von Frauen getragen. Was vergeben wir uns, wenn sich das auch sprachlich abbildet?

Wie jeder und jede Einzelne spricht, ist weder vorzugeben, geschweige denn zu diktieren. Der Fokus liegt darauf, die zu unterstützen, die durch Sprache oder auch durch unser Tun in der Entfaltung ihrer Lebensmöglichkeiten beschränkt werden. Wir tun dies selbstverständlich, wenn es um Fragen ungerechter Wirtschaftssysteme, um soziale Ungerechtigkeiten, um die Folgen unseres Lebensstils geht. Warum also nicht auch, wenn wir die Wirkung unserer Sprache diskutieren? »Ich brauche das nicht«, ist in diesem Zusammenhang ein Argument, mit dem ich die Perspektive derer ausblende, für die gendergerechtes Sprechen existentiell bedeutsam ist.

Die zentralen Punkte sind für mich: Öffnung statt Abgrenzung. Wahrnehmen statt Bewerten. Losgehen statt Stehenbleiben. Und in allem: Gottvertrauen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Mission in der Region

23. März 2018 von redaktionguh  
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»Gehet hin und lehret alle Völker«, so lautet der sogenannte Missionsbefehl Jesu in der neuen Lutherbibel. Früher: »macht zu Jüngern alle Völker«. Mission ist möglich, nicht überall, aber immer, meint unsere Gastautorin.

Pep Guardiola hat eine, Daimler-Benz, die Sparkasse und einige andere auch: eine Mission. Bei den einen heißt das »Mission Meisterschaft«, bei den anderen »Mission Marktführerschaft« oder »Mission Finanzcheck«. Sie haben es nicht schwer mit dem Wort »Mission« und bringen damit ein Ziel, ihre Motivation, eine Zukunftshoffnung, ihren Auftrag zum Ausdruck.

In der Kirche fremdeln jedoch viele mit diesem Begriff und mit dem, was sich dahinter verbirgt. Oder was unterstellt wird, dass es sich dahinter verbirgt: zum Glauben gezwungen, bestimmte moralische oder ethische Verhaltensnormen, sonntags immer in den Gottesdienst gehen. Die Palette ist lang, auf der aufgelistet wird, warum Mission heute in der Kirche nicht mehr geht oder gehen kann.

Wir tragen ganz offenbar schwer an den Missionsstrategien unserer Vorfahren und den ganz unterschiedlichen Spielarten von eher gewaltsamen Wegen, andere zum Glauben zu bringen oder gar zu zwingen. Darf die Kirche heute noch missionieren?

Mittendrin: Im Wohngebiet am Erfurter Herrenberg steht die evangelische Gustav-Adolf-Kirche. Die Kirche wurde 1900 auf freier Flur errichtet. 1980 entstand der Plattenbau-Stadtteil, der die Kirche heute umgibt. Foto: Willi Wild

Mittendrin: Im Wohngebiet am Erfurter Herrenberg steht die evangelische Gustav-Adolf-Kirche. Die Kirche wurde 1900 auf freier Flur errichtet. 1980 entstand der Plattenbau-Stadtteil, der die Kirche heute umgibt. Foto: Willi Wild

Ja, wenn sie darunter versteht, dass das Evangelium von Jesus Christus immer eine Einladung ist, Gott kennenzulernen. Wenn klar ist, dass diese Einladung nie eine Vorladung ist und nie sein kann. Wenn jede Einladung immer auch berücksichtigt, dass glauben zu können nicht in unserer Macht steht, sondern Geschenk Gottes bleibt. Wenn ich als Einladende weiß, dass ich selbst im Dienst Gottes stehe.

Dem Gegenüber steht ein klares »Nein«, wenn missionieren bedeutet, unter Zwang gesetzt zu werden. Wenn es meint, dass als Christ zu leben die einzige Form ist, wie man – vermeintlich – richtig lebt. Wenn die Freiheit des anderen durch missionierendes Tun missachtet wird. Gott sendet Menschen aus, in der Nachfolge Jesu zu leben und in seine Nachfolge einzuladen. Als Christen sind wir in Dienst genommene Jünger. Mit Petrus und Johannes gesprochen: »Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.«
(Apostelgeschichte 4,20).

Mission »ja« oder »nein« ist also gar nicht die Frage. Mission ist kein Arbeitsfeld der Kirche, das man lassen kann oder nicht. Sie ist ein Wesenszug einer lebendigen Kirche. Eine Kirche, die nicht will, dass Menschen von Gott erfahren, Gott erleben können, eigene Wege als Nachfolger Jesu auszuprobieren – wird irgendwann aufhören Kirche zu sein. Denn sie hat sich dann von ihrer Quelle wie von ihrem Sinn entfernt. Eine »missionale« Kirche lässt sich erleben durch diejenigen, die als Jüngerinnen und Nachfolger Jesu mitten in dieser Welt unterwegs sind.

Gibt es ein Rezept für gute beziehungsweise gelingende Mission? Diese Frage höre ich gelegentlich. Und ich antworte: Erzählt einfach von eurem Leben als Christen, von Erfahrungen, von Begegnungen, von euren Fragen und Zweifeln. Lasst andere, die danach fragen, einen Blick bekommen auf die Wege, die Gott mit Menschen geht. »Lasst euch selbst als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen«, wie Petrus schreibt (1. Petrus 2,5).

Lebendige Steine, an denen sich andere orientieren können oder neugierig werden, sich nähern oder in Distanz bleiben. Mission umfasst die gesamte Breite kirchlicher Existenz in der Welt: einladende Verkündigung, diakonisches und soziales Engagement, Verantwortung für die Schöpfung wie für Gerechtigkeit. Mission, verstanden als Teilnahme an der »missio dei«, an Gottes Mission, ist sowohl Ausgangspunkt der Kirche als auch ihre erfrischende und neu belebende Quelle.

Gerade in der Kirche in Mitteldeutschland, die sich in einer der am stärksten entkirchlichten Gegenden der Welt behaupten muss, kann das Mut machen. Ihre Mitglieder dürfen sich als Teil des wandernden Gottesvolkes wissen und dabei lebendig, neugierig, offen, klar im Bekenntnis und einladend sein dürfen, ohne Angst vor neuen Wegen und mit der Kraft von Bewährtem Nachfolge gestalten.

Juliane Kleemann

Die Autorin ist theol. Referentin im EKD-Zen­trum für Mission in der Region.

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Auftakt am 333. Geburtstag

18. März 2018 von redaktionguh  
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Thüringer Bachwochen vom 21. März bis 15. April mit 56 Konzerten im Freistaat

Die Thüringer Bachwochen werden am 21. März, dem Geburtstag des Komponisten, unter Leitung des renommierten englischen Tenors Mark Padmore in Weimar mit der Matthäuspassion eröffnet (19 Uhr, Weimarhalle).

Bis zum 15. April folgen insgesamt 56 Konzerte, die diesmal Bachs weltliches Schaffen fokussieren.

Am 23. März öffnen sich wieder zahlreiche Wohnungen in allen Regionen des Freistaates für die »Lange Nacht der Hausmusik«. Denn die Kompositionen des Thomaskantors spielen für fast jeden Musiker eine Rolle – vom Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach über die Solosuiten bis zu den Klavierwerken oder den Kantaten gehört Bach zum Repertoire von Jugendlichen wie Erwachsenen, Laien wie professionellen Musikern.

Erstmals in der Porzellankirche

Zu den Veranstaltungen des Festivals werden rund 20 000 Besucher erwartet. Erstmals finden die Thüringer Bachwochen an 15 Veranstaltungsorten im ganzen Land statt, darunter gibt es auch einige Premierenorte wie das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, die Porzellankirche der Leuchtenburg in Seitenroda oder die Villa Rosenthal in Jena.

Höhepunkte neben dem Auftakt zum Bach-Geburtstag sind die Konzerte des Bach Collegiums Japan, der Gaechinger Cantorey oder des Freiburger Barockorchesters. Als Solisten kommen die Violinistin Liza Fertschtman, der Pianist Alexandre Tharaud, die Saxophonistin Asya Fateyeva sowie der Jazz-Posaunist Nils Landgren mit seinem Ensemble erstmals ins Bachland Thüringen.

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Die Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) bringt mit der Audi Jugendchorakademie am 24. März in der Margarethenkirche Gotha die Johannespassion zu Gehör. Foto: Thüringer Bachwochen/Uwe Arens

Neben dem weltlichen Bach spielen seine sakralen Hauptwerke innerhalb des Festivals eine zentrale Rolle. Hans-Christoph Rademann und seine Gaechinger Cantorey gastieren am Ostermontag mit der h-Moll-Messe in Arnstadt.

Die Johannespassion ist schließlich in einer Kooperation von Nachwuchsmusikern mit renommierten Profis zu erleben: Für ihr Konzert in der Margarethenkirche Gotha hat die Akademie für Alte Musik Berlin die jungen Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie eingeladen (24. März, 16 Uhr). Nach den Aufführungen der Bach-Passionen, die durch die Thüringer Bachchöre in Eisenach, Erfurt und Jena noch weitere drei Mal zu hören sind, überrascht das Festival am Karfreitag mit einem höchst ungewöhnlichen Passionsprogramm: In der Georgenkirche Eisenach liest der Schauspieler Thomas Thieme die Pilatusgeschichte aus Michail Bulgakows posthum veröffentlichtem Roman »Der Meister und Margarita«.

Umrahmt wird die Lesung in dem inszenierten Konzert von Werken Bachs, Buxtehudes und Vivaldis, interpretiert vom La Folia Barockorchester und der Altistin Julia Böhme (30. März, 15 Uhr).

Es ist inzwischen eine schöne Tradition, dass die Thüringer Bachwochen neben den historischen Bachorten auch immer wieder neue Räume für Konzerte entdecken. Bereits zum dritten Mal wird das Festival im Erfurter Zughafen zu Gast sein. Zu den neuen Orten gehört weiterhin das Spa und Golf Hotel Weimarer Land in Blankenhain, wo zu einer historischen Bach-Vesper geladen wird, außerdem die Kunsthalle und die Kleine Synagoge in Erfurt.

(G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

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»Glaube + Heimat«  auf der Thüringen Ausstellung

13. März 2018 von redaktionguh  
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Vom 24. Februar bis 4. März präsentierte sich die Kirchenzeitung erstmals zur Thüringen Ausstellung in Erfurt. Am Gemeinschaftsstand der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hatten Leser und Interessierte die Möglichkeit, miteinander und über die Themen der aktuellen Ausgaben ins Gespräch zu kommen. Über die Frage, ob evangelische Kirchen ihre Türen außerhalb der Gottesdienstzeiten öffnen sollten, konnte per »Bällchen-Wahl« abgestimmt werden. Thüringens größte Verbrauchermesse zog in diesem Jahr knapp 70 000 Menschen auf das Messegelände der Landeshauptstadt.

Fotos: Hannah Katinka Beck

Fotos: Hannah Katinka Beck

Willkommen am Stand der EKM

1. März 2018 von redaktionguh  
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Noch bis Sonntag begrüßen Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen die Besucher der Thüringen Ausstellung auf dem Messegelände in Erfurt. Anne Haertel (li.) und Sabine Kappelt (re.) informierten über die Angebote des Kinder- und Jugendpfarramts der EKM.

Schaufensterpuppen sollen auf kirchliche Trauungen, Taufen und Konfirmation aufmerksam machen.

Die Kirchenzeitung ist mit den aktuellen Ausgaben vor Ort.

Der Stand der EKM ist nicht zu übersehen. Am Übergang von der Halle 1 zur Halle 4, direkt beim Messecafé, werden die Gäste von 10 bis 18 Uhr willkommen geheißen.

Neben der Landeskirche präsentieren sich auch diakonische Einrichtungen wie das Arnstädter Marienstift.

www.thueringen-ausstellung.de

Foto: Willi Wild

Foto: Willi Wild

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Wegbereiter der Revolution

23. Februar 2018 von redaktionguh  
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Das Jahr 1988: Das Reformprogramm von Gorbatschow stieß in der DDR auf Widerstände. Die greisenhaft versteinerte SED-Führung witterte Gefahr, ihr Machtanspruch könnte infrage gestellt werden.

Chefideologe Kurt Hager beantwortete eine Reporterfrage nach dem Reformvorbild Sowjetunion mit der Gegenfrage: »Würden Sie, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?«

Collage: Adrienne Uebbing

Collage: Adrienne Uebbing

Die einige Monate später im Oktober 1987 in Görlitz tagende Synode des DDR-Kirchenbundes glaubte allerdings, Hager sei inzwischen überholt und der Reformzug habe auch in der DDR an Fahrt gewonnen. Man dachte vor allem an zwei Ereignisse, die im September stattgefunden hatten: die Reise Erich Honeckers nach Westdeutschland und die Veröffentlichung eines Dokumentes unter dem Titel »Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit« im SED-Zentralorgan »Neues Deutschland«. Der Text war aus einem Dialog zwischen Vertretern der SED und der SPD hervorgegangen und enthielt Aussagen wie: »Die offene Diskussion über den Wettbewerb der Systeme, ihre Erfolge und Misserfolge, Vorzüge und Nachteile, muss innerhalb jeden Systems möglich sein.«

Als die Synode, dadurch ermutigt, eine couragierte Entschließung zur Friedensfrage verabschiedete, sah die SED jedoch eine rote Linie überschritten und Hager durfte die Reformbremse wieder anziehen. Die Hoffnungen des Herbstes erwiesen sich als Illusionen. Den Kirchen und dem ganzen Land stand mit dem Übergang in das Jahr 1988 ein Winter des Missvergnügens bevor.

Alle Befürchtungen wurden Realität in den sogenannten Berliner Ereignissen. Dazu gehörte eine Stasiaktion gegen die Umweltbibliothek der Zionsgemeinde und im Januar 1988 der Einsatz von Gewalt, als Regimekritiker sich am offiziellen Luxemburg-Liebknecht-Gedenkmarsch beteiligen wollten mit Plakaten, die das Luxemburgzitat variierten: »Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!« In beiden Fällen kam es zu Mahnwachen und Solidaritätsaktionen mit den Gefangenen und Ausgewiesenen.

Jetzt zeigte sich, dass im Umfeld der Kirchen zwei schon länger bestehende Bewegungen immer mehr in die Öffentlichkeit drängten: einerseits Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, andererseits die Antragsteller auf ständige Ausreise aus der DDR. Für die Kirchenorganisationen, ihre Gemeinden und Leitungen bedeutete das, für alle da sein zu müssen, die ihrer Hilfe bedurften. Allerdings verstand nicht jeder das Bestreben, als Helfer das kirchliche Profil wahren zu wollen.

Einen überaus wichtigen Beitrag für das Gelingen der am Horizont heraufziehenden Revolution haben 19 Kirchen und kirchliche Gemeinschaften in Gestalt der »Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« geleistet, deren erster Abschnitt im Februar 1988 in Dresden begann.

In den Beratungsergebnissen, in denen sich das Versammlungsmotto spiegelte, erblickten die Aufpasser von SED und Stasi jedoch den Versuch »bestimmter Kräfte«, die »Kirche im Sozialismus« zu einer Opposition gegen den Sozialismus umzugestalten. Für den Gegenschlag wurde das staatliche Presseamt in Stellung gebracht. Das hatte der Kirchenpresse verboten, über die Ökumenische Versammlung zu berichten. Dieses Verbot war gegen den Widerstand auf Seiten der Kirchen nicht vollständig durchsetzbar.

Umso stärker wütete die Zensur in den folgenden Monaten, als in der DDR mehrere Kirchentage stattfanden, darunter ein Treffen in Erfurt. »Glaube und Heimat« erlitt sieben Eingriffe, zweimal durfte sie nicht erscheinen. Auf den Kirchentagen selbst konnte jedoch frei über die immer notwendiger werdende Umgestaltung der DDR gesprochen werden. »Umkehr führt weiter« hieß es in Erfurt.

Die SED-Oberen blieben auch in der zweiten Hälfte des Jahres 1988 bei ihrer Politik der Verweigerung. In ihrer Ablehnung jeglicher Veränderungen riskierten sie sogar den Konflikt mit dem Reformer Gorbatschow. Sowjetische Filme und Publikationen wie das beliebte Magazin »Sputnik« wurden aus dem Vertrieb in der DDR herausgenommen. Die Revolution näherte sich mit großen Schritten.

Gottfried Müller

Der Autor war von 1981 bis 1990 Chefredakteur von »Glaube und Heimat«.

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Die blühende Ökumene

19. Februar 2018 von redaktionguh  
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Bundesgartenschau 2021 Kirchen in Erfurt dabei

Der Land- und Gartenbau hat in Thüringens Landeshauptstadt eine lange Tradition. Vor über 150 Jahren gab es dort bereits eine erste Internationale Gartenbauausstellung. Die Kirchen planen jetzt eine Teilnahme bei der Buga2021. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, Leiter des Gemeindedezernats im Landeskirchenamt der EKM gibt Auskunft:

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Christian Fuhrmann. Foto: EKM

Wie will sich die EKM bei der Buga in Erfurt präsentieren?
Fuhrmann:
Die Kirchenpräsenz auf der Buga2021 wird ökumenisch sein. Auf dem Petersberg ist ein Pavillon der Kirchen geplant. Ob es uns gelingen wird, einen Ort der geistlichen Besinnung in direkter Nähe des Ega-Geländes anzubieten, ist noch offen.

Wie ist der aktuelle Stand?
Fuhrmann:
Bunt wie die Blumen ist unsere ökumenische Gemeinschaft. Wir hoffen, dass von dieser manches aufblühen wird. Vertreter aus dem Bistum Erfurt, dem Kirchenkreis Erfurt und der EKM bilden eine Steuerungsgruppe. Im März wird die Stelle der Projektkoordinierung im Augustinerkloster besetz werden.

Welche Bedeutung hat die Gartenschau für die Landeskirche?
Fuhrmann:
Als Christen unterschiedlicher Konfessionen erzählen wir von unserem Glauben. Gott hat uns die Welt zur verantwortlichen Gestaltung anvertraut. Natur begegnet uns heute in Europa fast ausschließlich als »Kulturlandschaft«. Was heißt es, dass wir als Menschen gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft für unseren Planeten stehen? Wir wollen alle Gäste der Buga2021 einladen, bei uns etwas zu entdecken. Wir freuen uns aber genauso auf Anregungen und neue Impulse durch unsere Gäste.

Mitteldeutsch-2-07-2018Was versprechen Sie sich vom Engagement und der Dauerpräsenz?
Fuhrmann:
Mit unserer ökumenischen Präsenz sind wir Kirchen auf dem Markt. Eine tolle Chance. Wir sind ein Marktstand unter anderen. Ich glaube, dass die bewusste Gestaltung dieser Situation für uns als Gemeinden im 21. Jahrhundert neue Erfahrungen mit sich bringt.

Wie teuer soll und darf es werden?
Fuhrmann:
Wir gehen von bis zu 450 000 Euro Gesamtkosten aus. Das Geld kommt aus unterschiedlichen Quellen. Als EKM sparen wir unseren Anteil über Jahre an. Für die Reformationsdekade mit dem Festjahr 2017 war es uns gelungen, unseren Anteil realistisch zu planen und zu steuern. Es war kein zusätzlicher Griff in Rücklagen nötig. Das wird uns hoffentlich wieder gelingen.

Die Fragen stellte Willi Wild.

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Feindlich, staatszersetzend, Christ

22. Januar 2018 von redaktionguh  
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Erinnerung: Mit dem Porträt des Kirchenhistorikers und Zeitzeugen, Professor Peter Maser, der sich in Sachen Aufarbeitung verdient gemacht hat, startet unsere Serie über »Christen in der DDR«.

Peter Maser steht im Innenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt und blickt auf den Kubus, einen dunklen Würfel, bemalt mit Comiczeichnungen, die von den aufwühlenden Tagen im Spätherbst 1989 in Erfurt erzählen. »Ich glaube, das ist das bisher einzige gelungene und überzeugende Denkmal der friedlichen Revolution, das wir haben«, erklärt er nachdenklich.

Maser ist 74 Jahre alt und seine Geschichte ist eng und untrennbar mit der Andreasstraße verbunden. Dabei hat er zu diesem Ort gar keinen persönlichen Bezug. »Ich habe hier weder eingesessen, noch kenne ich irgendwelche Familienangehörige oder Freunde, die das taten«, betont er. Aber natürlich hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen getroffen, deren Biografie auf fatale Weise mit diesem Ort verbunden ist.

Maser selbst hat auch eine DDR-Vergangenheit. Der gebürtige Berliner, der in Sachsen-Anhalt aufwuchs und heute in Bad Kösen lebt, besuchte in den 1950er-Jahren die Landesschule Pforta, ein Internatsgymnasium in Naumburg. »Das war eine sehr bekannte und traditionsträchtige Lehranstalt, die in der Zeit, als ich da zur Schule ging, gerade mit brachialer Gewalt zu einer sozialistischen Heimoberschule umgestaltet wurde.«

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden. Foto: Diana Steinbauer

Maser war aktives Mitglied der Jungen Gemeinde, die der DDR-Führung ein Dorn im Auge war. Nachdem er seine Aktivitäten nicht einschränkte, musste er nach der 10. Klasse die Oberschule verlassen. Er ging ans Proseminar nach Halle, eine der kirchlichen Hochschulen in der DDR, die auf das Theologiestudium vorbereiten durften. »Eigentlich konnten die Absolventen dieser Schulen nur an kirchlichen Hochschulen studieren, aber zu meiner Zeit war es gerade möglich, auch an staatliche Universitäten zu gehen.« So kam er nach Halle, studierte ab 1962 Theologie und machte später dort auch seinen Doktor. Und das ganz ohne Hochschulreife. Er sei wohl der einzige Professor und Direktor eines geisteswissenschaftlichen Instituts in Deutschland, der nie Abitur gemacht habe, sagt er heute nicht ohne Stolz.

Peter Maser führt durch die verschiedenen Etagen der Andreasstraße. Das Gebäude diente schon zur Kaiserzeit als Gefängnis. Die Nationalsozialisten brachten hier ihre Gefangenen unter. Später nutzte die Stasi diese Räume, um vermeintliche Gegner einzusperren.
»Haft – Diktatur – Revolution« ist die Ausstellung überschrieben. Hier wird die Geschichte des Ortes lebendig. Das wird in der Dauerausstellung, aber vor allem auf der Haftetage deutlich. Man spürt förmlich die Wirkmächtigkeit des DDR-Apparats und das Ausgeliefertsein derer, die sich nicht konform zeigten.

Dem langen Arm der Stasi konnte sich der Kirchenhistoriker nicht entziehen. Der unbeugsame junge Mann, der auch aus seinem Glauben und seinen Ansichten keinen Hehl machte, war der Stasi ein Dorn im Auge. Die Staatssicherheit ließ ihn nicht mehr aus den Fängen. Wähnte man Maser doch als das Haupt einer feindlichen, staatszersetzenden Gruppe. »Das war ich nicht«, erklärt Maser. »Natürlich waren wir kritisch. Wir haben im privaten Kreis den jungen Marx gelesen und auch über die aktuellen Verhältnisse kritisch diskutiert, aber eine feindliche Gruppe waren wir ganz sicher nicht.«

Die Übergriffe der Stasi wurden immer massiver. Maser stellte 1976 einen Ausreiseantrag und verlor daraufhin seine Stelle. »1977 reiste ich mit meiner Familie und der tatkräftigen Unterstützung der Kirchenleitung in Magdeburg, die erkannt hatte, dass es mit mir in der DDR nicht mehr lange gutgehen wird, in die Bundesrepublik aus«, so Maser.

Er wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kirchenamtes der EKD in Hannover und Lehrbeauftragter der Universität Münster. Dort habilitierte er sich 1988 in Kirchengeschichte. In all diesen Jahren verlor Maser jedoch nie den Blick für die Situation der Kirche in der DDR. Immer wieder publizierte er zu diesem Thema.

Nach der Wende berief man ihn im Bundestag als Berater zur ersten Enquete-Kommission. Es sei schon damals klar gewesen, »dass es im Grunde genommen kein Kapitel der DDR- und SED-Geschichte gab, in dem die Kirche nicht maßgeblich vorkam.«

Peter Maser vereinigt zwei Attribute. Er ist Zeitzeuge und Wissenschaftler. Einer, der sich sehr früh darüber Gedanken machte, wie dieser Teil der deutschen Geschichte aufgearbeitet und tradiert werden sollte. In die Überlegungen zur Nutzung des früheren Stasi-Gefängnisses in der Erfurter Andreasstraße bezog 1992 das Thüringer Kultusministerium Maser ein. »Daraus entwickelte sich dann über mehrere Jahre eine sehr intensive, anstrengende, aber immer spannende Mitarbeit und Zusammenarbeit in Erfurt«, so Maser. Es war von Beginn an keineswegs klar, was werden sollte. Eine aktive Gruppe, die sich im »Freiheits e.V.« zusammengeschlossen hatte und zu der viele ehemalige Häftlinge gehörten, schlug eine Gedenkstätte für die Opfer der SED-Diktatur vor.

Am Ende eines langen Prozesses stand die Entscheidung, hier einen Ort mit zweipoliger Erinnerung zu schaffen, der zwei scheinbar gegensätzliche Themen verbindet: Unterdrückung und Befreiung. Die Gedenkstätte erinnert an Haft und Repression, an DDR-Unrecht in vielfältiger Form und an das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zugleich hält sie die Erinnerung an die friedliche Revolution wach. Deren Geschichte mit der erzwungenen Öffnung der Stasi-Zentrale am 4. Dezember 1989 durch Bürgerrechtler wird hier erzählt.

Peter Masers Engagement für die Andreasstraße ist ungebrochen. An der Aufarbeitung der Geschichte von Christen in der DDR ist er ebenfalls beteiligt. Auch in der Arbeitsgemeinschaft, die die interministerielle Arbeitsgruppe in der Thüringer Staatskanzlei unterstützt, ist er dabei. Er ist zuversichtlich, was die Aufarbeitungsbemühungen anbelangt: »Dass das Thema ›Christen in der DDR‹ mit Ernsthaftigkeit und auf unterschiedlichen Ebenen behandelt wird, wirkt sich allmählich aus«, ist er sich sicher. »Also, ich kann kein Bundesland sehen, in dem das mit dieser Intensität abläuft, wie das hier in Thüringen geschieht.«

Diana Steinbauer

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Luther in 360 Grad

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Thüringer Tourismus setzt auf Geschichte und virtuelle Realität

Roboterarm Kuka nimmt auf eine virtuelle Reise durch Thüringen mit. Über die ausgewählten Orte werden Filme gezeigt. Im Hintergrund Martin Luther als Pappkamerad, der auf die Smartphone-App »Luther to go« verweist. Fotos: Willi Wild

Roboterarm Kuka nimmt auf eine virtuelle Reise durch Thüringen mit. Über die ausgewählten Orte werden Filme gezeigt. Im Hintergrund Martin Luther als Pappkamerad, der auf die Smartphone-App »Luther to go« verweist. Fotos: Willi Wild

In Erfurt ist die virtuelle Erlebniswelt »360 Grad – Thüringen Digital Entdecken« gestartet. Besucher erwartet in den Räumlichkeiten der Touristinformation direkt am Hauptbahnhof ein Thüringen-Erlebnis aus Klang, Raum und Bild, so die Geschäftsführerin der landeseigenen Tourismusgesellschaft TTG Bärbel Grönegres. Ein interaktives Thüringen-Modell unter anderem mit Roboter-Guide und Thementouren präsentiert Natur, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Leben im Freistaat. Dabei spielen auch die vielen Kirchen, sowie die Kirchengeschichte eine Rolle. Reformator Martin Luther kann man sich beispielsweise über die App »Luther to go« nähern. »Mit der virtuellen Erlebniswelt wollen wir dieses Konzept für Thüringen nutzen und so auch in der Vermarktung neue Wege gehen«, erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Ziel sei es, die touristischen Angebote stärker an den Wünschen »des heute anspruchsvolleren Publikums auszurichten und Reisemotive zu schaffen«, fügte er hinzu. Für die Einrichtung der Erlebniswelt inklusive des Umbaus der alten Touristinformation habe sein Haus etwa eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

Kopfkino: Mit Videobrille und Kopfhörer können Besucher im Erlebnisraum am Erfurter Hauptbahnhof auch Luther und die Wartburg räumlich entdecken.

Kopfkino: Mit Videobrille und Kopfhörer können Besucher im Erlebnisraum am Erfurter Hauptbahnhof auch Luther und die Wartburg räumlich entdecken.

Drei thematische Räume bilden die digitale Erlebniswelt. Herzstück ist der wie eine Waldlichtung gestaltete Raum »die Lichtung«. Hier führt ein Roboter mit den Thementouren »Orte mit Aura«, »Thüringer blau«, »Mit allen Sinnen« und »Leben und Arbeiten in Thüringen« durch den Freistaat. Im Raum »Weitblick« können Besucher in bequemen Sesseln Platz nehmen und Thüringen virtuell »360 Grad« entdecken. Der offene Raum »Der gute Rat« bietet zudem traditionelle Beratung und Information durch Broschüren und Karten sowie einen Multi-Touch-Tisch mit Informationen zu Ausflugs­zielen, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten.

(epd/G+H)

www.thueringen-entdecken.de

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