Geschichte mit Lücken
9. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen
Vor 450 Jahren wurde das Erfurter Ratsgymnasium gegründet.

Sie freuen sich auf die Festwoche: Schülersprecher Max Hütter, Schulleiter Michael Friese, Marco Eberl von der Evangelischen Schulstiftung und Bibliothekar Michael Ludscheidt. Foto: Heidrun Lehmann
Es waren die Defizite in den bestehenden Schulen der Stadt Erfurt, die den Rat einst veranlassten, ein Gymnasium für die evangelische Bevölkerung zu gründen. Nach der Reformation wurden antike Bildungsinhalte vernachlässigt, sodass Erfurter Studenten nicht mehr ausreichend die alten Sprachen beherrschten.
Das erfuhren Journalisten im Evangelischen Ratsgymnasium von Bibliothekar Michael Ludscheidt. Der promovierte Germanist und Bibliotheksleiter im Augustinerkloster ist Mitherausgeber der Festschrift zum Jubiläum der Schule. Luther, so Ludscheidt, habe dagegen interveniert, man könne das Evangelium nicht verkündigen, ohne alte Sprachen zu beherrschen.
450 Jahre nach der Gründung des Ratsgymnasiums durch die Stadt Erfurt und die Erfurter Universität am 9. Dezember 1561 wird am Freitag mit einem Festgottesdienst in der Predigerkirche die Jubiläumswoche eröffnet, in der unter anderem der renommierte Theologe Fulbert Steffensky den Festvortrag hält. Dabei sei der Geburtstag schwierig, sagt Schulleiter Michael Friese, »weil diese 450 Jahre gar nicht da sind«.
Die Geschichte des Ratsgymnasiums sei verwinkelt. Am ersten Schulstandort im Erfurter Augustinerkloster wurde erstmals im Januar 1562 unterrichtet. Den Zusatz »evangelisch« erhielt das Gymnasium erst, als es 1624 mit dem Jesuitengymnasium eine katholische Schule gab. Im 19. Jahrhundert fiel Erfurt an die Preußen, die Schule wurde 1820 geschlossen und als »Königliches Gymnasium« wiedereröffnet. Damals wurde auch die konfessionelle Trennung aufgehoben, sodass auch katholische Schüler aufgenommen wurden.
Mehrmals wechselten die Namen, bis die Bildungseinrichtung 1950 ganz geschlossen wurde. Bei der Neugründung als »Evangelisches Ratsgymnasium Erfurt« 1991/92 wurde bewusst die Bildungstradition in kirchlicher Trägerschaft festgeschrieben. Anfangs war der Träger der Kirchenkreis Erfurt, inzwischen gehört die Schule zur Evangelischen Schulstiftung. Rund 520 Schüler lernen an der dreizügigen Schule. Christentum und Humanismus sind die wichtigen Säulen des Schulkonzepts. Die Kontinuität, so der Schulleiter, sei genau hier zu finden: Das berechtigte die Schule, diesen Geburtstag zu begehen. Die Idee habe sich über die Zeit hinweg gehalten .
Von wirtschaftlichen Zwängen lasse man sich nicht unter Druck setzen, ist von Michael Friese zu hören. »Schule nimmt nicht die berufliche Ausbildung vorweg«, sagt er. Den Schülerinnen und Schülern sollten zwölf Jahre zweckfreie Bildungszeit zugestanden werden. Der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, Marco Eberl, wirft die rhetorische Frage auf, welche Kompetenz denn junge Menschen brauchten, um dem schnellen Wandel unserer Zeit gerecht zu werden?
Am Ratsgymnasium, der größten Schule der mitteldeutschen Schulstiftung, werde viel Wert auf emotionale soziale Bildung gelegt. »Unsere Schule ist breit aufgestellt«, ergänzt Max Hütter. Viele seien erfolgreich in Mathe, Physik, Sport oder Musik.
Auf die Festschrift »450 Jahre Ratsgymnasium Erfurt 1561–2011«, die am 13. Dezember präsentiert wird, darf man gespannt sein. Sie wird in großen Blöcken die bewegende Geschichte des Gymnasiums nachzeichnen.
Dietlind Steinhöfel
Festwoche 9. 12., 14 Uhr, Predigerkirche: Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann; 13. 12., 19 Uhr, Augustinerkloster: Präsentation der Festschrift; 15. 12,, 18 Uhr, Aula des Ratsgymnasiums: Vortrag Fulbert Steffensky »Brauchen Kinder Religion oder lassen wir ihnen lieber die Freiheit?«
Wir freuen uns auf weitere Schritte
28. Oktober 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Erstmals hat ein Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Erfurter Augustinerkloster einen authentischen Lutherort betreten. Foto: epd-bild
Reformationsjubiläum: Die evangelische Kirche feiert selbstbewusst und lädt die katholische Kirche ein mitzufeiern
Die Visite von Benedikt XVI. im Erfurter Augustinerkloster hat gezeigt, dass die Ökumene keine rein deutsche Angelegenheit ist. Wittenberg und Rom müssen aufeinander zugehen.
Vor einigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass ein römisch-katholischer Papst an einen Ursprungsort der Reformation kommt – Martin Luther hätte sich vermutlich die Augen gerieben. Bei seiner Deutschlandreise hat Papst Benedikt XVI. auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am 23. September auch das evangelische Augustinerkloster in Erfurt besucht.
Der Papst hat im Kapitelsaal vor den evangelischen und römisch-katholischen Gesprächspartnern betont, wie sehr die Fragen Martin Luthers nach einem gnädigen Gott ihn beeindrucken und auch seine Fragen sind – leider hat er zu den Antworten Luthers und seinen daraus gezogenen Konsequenzen dann geschwiegen. Und im anschließenden ökumenischen Gottesdienst hat Benedikt XVI. über Martin Luther kein Wort mehr verloren. Das war schade und hat manchen traurig gemacht.
Ärgerlich war seine Rede vom »ökumenischen Gastgeschenk«, das er nicht dabei habe und seine Aussage, über den Glauben könne man nicht verhandeln. Diese Unterstellung hat bei vielen Menschen, die mit ganzem Herzen um ein größeres ökumenisches Miteinander ringen, Enttäuschung hervorgerufen. Welche oder welcher Protestant wollte wohl mit dem Papst über seinen Glauben verhandeln?
Auch wenn es sich bei dieser Formulierung wohl um eine Antwort auf Hans Küng gehandelt haben mag, der ein solches Gastgeschenk an die Deutschen im Spiegel-Interview vom 19. September gefordert hatte, war dies wohl dem Ort und den dort Versammelten nicht angemessen. Insbesondere römisch-katholische Geschwister beklagen die ökumenische Enge und Unfreiheit innerhalb ihrer Kirche und fühlen sich nicht selten vom Papst vor den Kopf gestoßen.
Wir als Evangelische sind sehr gerne Gastgeberinnen und Gastgeber im Augustinerkloster gewesen! Der Papst hat mit seinem Besuch des Augustinerklosters gleichsam einen Gegenbesuch angetreten zu Martin Luthers Besuch vor genau 500 Jahren in Rom. Und wir sind auch gerne und überzeugt evangelisch!
Denn die reformatorischen Kirchen laden alle getauften Christinnen und Christen zum Abendmahl mit Brot und Wein ein und mit der Verheißung, dass in dieser Feier die volle Gegenwart des Herrn Jesus Christus zu empfangen ist, weil nicht die Kirche, sondern Christus selbst einlädt. Die reformatorischen Kirchen betreiben Ökumene zudem nicht in Abhängigkeit davon, ob ein Papst kantig oder konziliant agiert, sondern weil wir in unserem Selbstverständnis ökumenisch ausgerichtet sind. Deshalb sind wir weder beleidigt noch euphorisiert über diesen historischen Besuch.
Unsere römisch-katholischen Geschwister in Deutschland haben nach der Abreise von Benedikt XVI. deutlich gemacht, dass sie die ökumenischen Aussagen des Papstes während der Begegnung konstruktiv und perspektivreich interpretieren: Erzbischof Robert Zollitsch hat davon gesprochen, dass der Papst der römisch-katholischen Kirche in Deutschland den Schlüssel zur weiteren Gestaltung der Ökumene in die Hand gelegt habe, gerade mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017.
Wir freuen uns auf die weiteren Schritte auf dem Weg der Ökumene! Dabei werden wir deutlich benennen, wie wir gemeinsam sein wollen und wo wir verschieden bleiben können. Es bleibt aber auch unabdingbar, dass diese Ökumene keine deutsche Angelegenheit sein kann. Nicht Hannover (der Sitz des Kirchenamts der EKD) und Bonn (der Sitz der Deutschen Bischofskonferenz) müssen aufeinander zugehen, sondern Wittenberg und Rom.
Katrin Göring-Eckardt
Die Autorin ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Gedämpfte Erwartungen
1. September 2011 von redaktionguh
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Der kluge Mann baut vor, weiß der Volksmund. Das muss sich auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz gesagt haben. So hat ihr Sekretär, Pater Hans Langendörfer, nicht ganz zufällig die Erwartungen auf große Fortschritte in der Ökumene gedämpft.
Wenige Wochen vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland und dem Treffen mit der Spitze der evangelischen Kirche an historischem Ort will die katholische Seite die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen. Schon die Begegnung in Luthers Augustinerkloster sei etwas Außerordentliches, ja Ungeheuerliches, so Langendörfer.
Anderes wird, realistisch gesehen, in den paar Stunden kaum zu erwarten sein. Denn die Papstvisite gilt ja nicht in erster Linie dem deutschen Protestantismus, sondern der eigenen Kirche. Natürlich kann Benedikt XVI. bei einem Besuch im Stammland der Reformation nicht einfach an der evangelischen Kirche vorbei. Insofern ist die Begegnung im Augustinerkloster das eigentliche Ereignis.
Doch im Grunde treiben die katholische Weltkirche andere Probleme um. Das evangelisch-katholische Verhältnis ist hier eher eine Marginalie. Die Beziehungen zur Orthodoxie oder die Schwierigkeiten mit den Pfingstkirchen in Lateinamerika dürften für den Vatikan eine weit größere Rolle spielen. Dazu kommen innerkatholische Probleme mit Randgruppen oder der Priestermangel.
So wird es in Erfurt weder einen Durchbruch in der umstrittenen Frage des gemeinsamen Abendmahls geben, noch wird der Papst der evangelischen Seite einen anderen Status zuerkennen, wie mancher mutmaßt. Dafür ist der Riss zu tief und dafür sind die Lehrunterschiede zu groß. Für eine Einigung an zentraler Stelle braucht es eben mehr als eine symbolische Begegnung.
Dennoch bleibt der Besuch Benedikts in Erfurt ein wichtiges Signal. Wenn die evangelische Kirche das richtig einordnet, kann sich die Enttäuschung am Ende in Grenzen halten.
Martin Hanusch
Alle Töne der Welt über Erfurt
18. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Marie, die Tochter des Glockengießer-Zunftmeisters, im Gespräch mit Herrn van Wou. Schauspielerin Annette Seibt spielt alle Rollen selbst. (Foto: Lew Ludwig)
Wer ihren Klang noch nie gehört hat, dem ist etwas Großartiges entgangen. Das Geläut der Erfurter Gloriosa geht unter die Haut. Und wer ihre Geschichte kennt, könnte meinen, der volle Ton erzähle von diesen aufregenden Zeiten.
Für die Schauspielerin Annette Seibt sind alle Töne der Welt in ihr vereint.
Gemeinsam mit Regisseur Harald Richter, den Künstlern Coco Ruch (Kostüm), Martin Gobsch (Kulisse) und K. C. Kaufmann (Musik) erzählt sie die Geschichte der Gloriosa in einem Theaterstück, das am 14. August im Erfurter Michaeliskirchhof Premiere hatte. Natürlich würde die Gloriosa auf den Domberg gehören, meint die Akteurin, doch der Papstbesuch okkupiert den Spielort für den September.
In Erfurt hat sich die Schauspielerin mit »Heilige Anna, hilf«, »Mein lieber Herr Katharina« oder der »Weihnachtsgeschichte« und anderen Stücken einen Namen gemacht und ihr Publikum unterhalten.
Auch die Michaeliskirche hat zur größten freischwingenden Glocke des Mittelalters einen Bezug. Stiftete doch der Auftraggeber und damalige Domherr, Johannes Bonemilch von Laasphe, hier eine Kapelle.
Die Idee zu einem Theaterstück über die Gloriosa liegt schon einige Jahre zurück.
Als die Glocke im Oktober 2004 nach einer umfangreichen Reparatur wieder nach Erfurt kam, sei Annette Seibt just im Moment über den Domplatz gekommen, als das 275 Zentner schwere Kunstwerk wieder hochgezogen wurde. Viele Menschen auf dem Platz seien dem Schauspiel gefolgt und sie sei ebenso staunend stehen geblieben.
»So kam die Gloriosa im mein Leben«, meint die Schauspielerin. Sie und das Team haben Bücher gelesen, an einer Führung im Dom und im Glockenmuseum Apolda teilgenommen und sich auf diese Weise Schritt für Schritt ins Leben der Gloriosa begeben. Seit letztem Jahr wurde am Text gearbeitet.
Im Stück erzählt die »Seele der Gloriosa« deren Geschichte: Als der holländische Glockengießer Gerhard van Wou mit seinen Gesellen nach Erfurt kommt, wird er mit vielen Vorurteilen und Aberglauben konfrontiert. Denn immerhin ist es schon der sechste Versuch, diese Glocke zu gießen.
Mit genauer Recherche, aber auch mit viel Fantasie und Witz wird die Geschichte zu einem unterhaltsamen Theaterstück gesponnen. Man erfährt nicht nur etwas von den Erfurter Glockengießern, den Bürgern und der Stadt, sondern auch von der hohen Handwerkskunst.
»Mir hat das großen Spaß gemacht«, sagt die Schauspielerin, die diesmal allein in verschiedenen Rollen und mit Handpuppen agiert. »Ich hoffe, dass ich das rüberbringen kann.«
Dietlind Steinhöfel
Die nächsten Aufführungen: 20., 23., 24., und 30. August (jeweils 19.30 Uhr)
Die Arbeit geht weiter
11. Mai 2011 von redaktionguh
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Ehrenamtliche gestalten nach dem Weggang der Schwestern der Communität Casteller Ring die Stundengebete im Erfurter Augustinerkloster.
Wenn am 8. Mai die vier Schwestern der evangelischen Communität Casteller Ring (CCR) in einem Gottesdienst in der Erfurter Augustinerkirche verabschiedet werden, geht eine Ära zu Ende. »Der Weggang der Schwestern ist ein Verlust«, sagt Lothar Schmelz, Kurator des Erfurter Augustinerklosters. 15 Jahre prägten sie das geistliche Leben in der Landeshauptstadt mit den täglichen Stundengebeten, Gottesdiensten, Angeboten für geistliches Leben im Alltag und der Klosterstube, einer guten Adresse für ältere und notleidende Menschen.
Wie wird es im Augustinerkloster weitergehen, wenn sie nicht mehr da sind? Die bewährte Tradition der Gebetszeiten werde fortgesetzt, informiert Schmelz. Außer sonntags wird täglich um 12 und 18 Uhr dazu eingeladen. 27 Ehrenamtliche werden sich nun die Verantwortung für die Stundengebete teilen. »Es ist ein höchst erfreuliches Zeichen, dass sich so viele Ehrenamtliche gefunden haben«, zeigt sich auch Oberkirchenrat Christhard Wagner zufrieden. Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung ist mit dem früheren Propst Joachim Jaeger für das geistliche Leben verantwortlich, bis die neu geschaffene Pfarrstelle besetzt werden kann – möglichst zum 1. Advent.
Die Klosterstube, die bisher von Schwester Roswitha geführt wurde, wird von der Evangelischen Stadtmission Erfurt und »Gemeindedienste Erfurt« übernommen. Eine Schwester Roswitha sei zwar nicht zu ersetzen, würdigt Schmelz deren Wirken. Doch die Klosterstube bleibe eine Anlaufstelle für ältere und bedürftige Menschen. Auch die inhaltliche Arbeit soll hier weitergehen.Für die Gottesdienste im zweiten Halbjahr steht der Predigtplan fest. Bis zur Neubesetzung der Stelle sollen die bewährten Angebote möglichst fortgeführt werden, aber keine großen Veränderungen erfolgen. »Es gehört für mich zum Wesen einer Vakanz, keine bindenden neuen Formen einzuführen, die die Gestaltungsfreiheit des zukünftigen Stelleninhabers einschränken würden«, sagt Wagner. Der Pfarrer oder die neue Pfarrerin sollen die Chance haben, eigene Ideen und Projekte verwirklichen zu können.
Allerdings würde mit der Beibehaltung der genannten Elemente zugleich eine geistliche Umgestaltung, eine Neuausrichtung auf die lutherische Tradition angestrebt, so Schmelz.
Sabine Kuschel
Ansprechend und professionell
10. Mai 2011 von redaktionguh
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Erschöpft vom Gemeindebrief-Machen? Fachliche Hilfe erleichtert das Arbeiten. Foto: Jean B./Fotolia.com
Presseverband und mitteldeutsche Kirche veranstalten Gemeindebrief-Seminar am 25. Juni in Erfurt und Magdeburg.
Im Februar hat der Evangelische Presseverband, Herausgeber der Kirchenzeitung »Glaube+Heimat«, gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) einen Innovationspreis für Gemeindebriefe ausgeschrieben.
Nun sind Gemeindebriefredaktionen und Interessierte aus den Kirchengemeinden der EKM und Anhalts zu einem Gemeindebriefseminar eingeladen, das am 25. Juni von 10.30 bis 16 Uhr zeitgleich in Erfurt und in Magdeburg durchgeführt wird.
Das Thema lautet: »Gemeindebriefe ansprechend und professionell gestalten«. Die Mindestteilnehmerzahl pro Kurs liegt bei zwölf Teilnehmern. Der Unkostenbeitrag beträgt 15 Euro. Ein Anmeldeformular ist auf der Homepage der EKM oder der Kirchenzeitung zu finden.
Folgende Themen stehen auf dem Programm: Welche Gaben brauchen wir im Team? Wie soll die Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlichen aussehen? Neben Aufbau, Gestaltung und Inhalt geht es um die Frage, welche Inhalte den Gemeindebrief bereichern können, wie fremde Texte zu redigieren sind und was beim Schreiben eigener Beiträge zu beachten ist. Darüber hinaus wird erörtert, wie der Gottesdienstplan übersichtlich und aussagekräftig platziert werden kann.
Die Referenten sind: Pressesprecher Ralf-Uwe Beck, Redakteurin Dietlind Steinhöfel (Erfurt), Karin Bertheau, Geschäftsführerin Evangelischer Medienverband in Sachsen, Chefredakteur Martin Hanusch (Magdeburg).
(mkz)
Anmeldungen bis 30. Mai an:
Redaktion »Glaube+Heimat«, Gemeindebriefseminar, Lisztstraße 2a, 99423 Weimar,
E-Mail: redaktion@glaube-und-heimat.de
Historischer Besuch
16. April 2011 von redaktionguh
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Es ist eine kleine kirchenpolitische Sensation und eine große Geste dazu. Papst Benedikt XVI. will bei seinem Deutschlandbesuch im September einen deutlicheren ökumenischen Akzent setzen. So wird das Oberhaupt der katholischen Kirche in Erfurt nicht nur mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland zu einem Gespräch zusammentreffen, er will mit den EKD-Vertretern auch einen gemeinsamen Wortgottesdienst im Augustinerkloster feiern. Damit setzt er ein klares Zeichen für das Miteinander der Kirchen. Schon allein das verdient Anerkennung und Respekt.
Zudem kann der Symbolgehalt gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn mit der Begegnung und dem Gottesdienst im Augustinerkloster wird erstmals nach 500 Jahren ein Papst einen authentischen Lutherort besuchen. Zugleich kommt Benedikt XVI. damit aber auch an einen Ort, der für die gemeinsamen Wurzeln steht, schließlich hat Luther hier als Mönch gelebt. Ohnehin hätte der Papst bei seinem Besuch im »Kernland der Reformation« auch schlecht an der evangelischen Kirche vorbeigehen können. Das wäre ein deutlicher Affront.
Wunderdinge sollte freilich niemand von dem Besuch erwarten. Schließlich bleibt das ökumenische Verhältnis schwierig. Einerseits ist es auch dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation zu verdanken, dass die katholische Kirche 1999 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterschrieben hat, die die reformatorischen Kernanliegen aufgreift. Auf der anderen Seite hat Joseph Ratzinger nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die evangelische Kirche nicht als Kirche im eigentlichen Sinn anerkennt, weil sie nach seiner Ansicht im Sakraments- und Amtsverständnis »Defizite« aufweist. Das hat zu heftigen Verstimmungen geführt. Dass der Papst nun den Weg in Luthers Augustinerkloster sucht, ist zumindest eine kleine Wiedergutmachung.
Martin Hanusch
Anlaufstelle für arbeitslose Frauen
28. Januar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Die Erfurter »Klosterrunde« beging ihren 20. Jahrestag.

Mit einem großen Jubiläumskuchen feierten die Frauen der »Klosterrunde«. Foto: Markus Wetterauer
Dörthe Großkopf kann sich noch genau an die Anfänge erinnern. Dabei ist es jetzt schon zwanzig Jahre her, dass sich die Erfurterin zum ersten Mal auf den Weg zur »Klosterrunde« machte. »Viele waren damals voller Angst«, sagt sie. Auch an ihrem Arbeitsplatz im Gesundheitsamt drohten kurz nach der deutschen Einheit Umstrukturierungen und Stellenabbau. »Ich habe deshalb einen Anlaufpunkt gebraucht.«
Die »Klosterrunde« war dieser Anlaufpunkt: ein Angebot der evangelischen Kirche, sich einmal in der Woche im Augustinerkloster zu treffen, sich auszutauschen, auch auszuweinen, aber auch gegenseitig Mut zuzusprechen und einander zu helfen. Auch Dörthe Großkopf wurde arbeitslos. Da war es gut, mit den anderen Frauen reden zu können, die ein ähnliches Schicksal zu verarbeiten hatten: Arbeitslosigkeit und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Großkopf hatte Glück und bekam schließlich eine Stelle als ABM-Kraft im Frauenhaus. Als die auslief, ist sie wieder zur »Klosterrunde« gekommen und geblieben – wie viele andere auch, von denen heute, nach zwanzig Jahren, die meisten im Ruhestand sind.
Pfarrerin Sigrun Pabel hatte Anfang der neunziger Jahre als Kuratorin die Türen im Evangelischen Augustinerkloster für die Frauen geöffnet. Sie ist heute noch beeindruckt, wie sehr »die Schwellenangst vor der Kirche gesunken ist, als viele die Härten des Lebens getroffen haben«. So seien in der Anfangszeit die meisten der Frauen keine Kirchenmitglieder gewesen.
Josefa Kendzia als Mitinitiatorin von der katholischen Kirche in Erfurt erinnerte daran, dass zu Beginn der Klosterrunde sogar Kinder betreut wurden – eine Tatsache, die sich bald erübrigte, weil viele der jüngeren Teilnehmerinnen nach einiger Zeit wieder Arbeit gefunden haben.
Initiatorin Ilse Neumeister organisiert für »ihre« Runde regelmäßig ein anspruchsvolles Programm. Mal berichtet ein Pfarrer über den Islam, mal ein Minister über die aktuelle Landespolitik, mal ein Theaterregisseur über den neuen Spielplan. Das interessierte nicht nur die Erfurterinnen, sondern auch viele Frauen aus dem Westen, die zusammen mit ihren Männern nach der Wende nach Thüringen kamen und Kontakt suchten.
In einem Gottesdienst in der Reglerkirche und mit einem anschließenden Fest feierten die Frauen mit vielen Gästen den 20. Geburtstag. Senior Andreas Eras sprach in seiner Predigt von »gelungener Zeit«, die die Frauen miteinander verbracht haben. Sie hätten Freude über die oft mühsam erkämpften Erfolge miteinander teilen können. Es habe aber auch Platz gegeben für Niedergeschlagenheit und Krankheit und Versagen. Für alle gelte Gottes Zusage, dass er nicht nach menschlichen Erfolgsmaßstäben misst, sondern Menschen auch mit ihren Schwächen gelten lässt. Für Dörthe Großkopf und viele andere gilt jedenfalls: »Wir hoffen und beten, dass es noch lange weitergeht.«
Markus Wetterauer
Glaskubus in Luthers Rücken
22. Oktober 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Bau für die Zukunft: Zwischen Lutherdenkmal und der evangelischen Kaufmannskirche zu Erfurt soll ein Glaskubus – im Modell weiß – als Wirtschaftsgebäude entstehen. Die »Kirche am Markt« will offen sein für Menschen unterschiedlicher Prägung. Modell und Foto: Architekturbüro Smits & Partner, Erfurt
Markt, Geschichte und Zukunft zugewandt: Erfurter Kaufmannskirche schrieb Masterplan.
Stolz erhebt sie sich an der nördlichen Seite des Erfurter Angers, vielleicht sogar ein wenig trutzig. Immerhin ist sie das älteste Bauwerk am Platze: die Erfurter Kaufmannskirche. Luther bereits sah sie und predigte hier 1522. Die Eltern des großen Johann Sebastian Bachs traten in ebendieser Kirche 1668 vor den Traualtar. Jahrhunderte später war sie Schauplatz eines Gottesdienstes, der wegen des großen Andrangs gleich zweimal gehalten werden musste: Man schrieb den 7. Oktober 1989. Geschichte auf Schritt und Tritt. Und Zukunft? Wie eigentlich sieht so eine Kirche mitten in der Stadt im Jahr 2050 Jahren aus? Wozu wird sie dienen?
Nach der Sanierung vor fünf Jahren, erzählt der langjährige Kaufmannskirchen-Pfarrer Thomas M. Austel, stand die Frage, wie es weitergehen soll. »Zu vollgepackt« sei die Kirche heute, konstatiert der erst kürzlich in den Ruhstand verabschiedete Austel. Erstrebenswert wäre, »sakralen Raum in seiner Originalität« wiederzugewinnen. Was genau das bedeutet, beschreibt ein Masterplan mit dem ehrgeizigen Zielpunkt 2017. Vertreter aus Kirche und Verwaltung brachten ihn jetzt nach zweijährigen Beratungen gemeinsam mit dem Erfurter Architekturbüro Smits und Partner auf den Weg. Konkrete Vorhaben des anvisierten Sieben-Millionen-Projekts: Nachdem Wände und Fußboden saniert sind, sollen der wunderbare Holzaltar und die Kanzel mit ihrem mannigfaltigen Schnitzwerk restauriert werden. Die Orgel kehrt wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz, die derzeitigen grauen Kirchenbänke weichen einer flexiblen Bestuhlung.
Differenziertes Echo
Als größten Eingriff aber empfinden sicher nicht nur die rund 2200 Gemeindeglieder den Rückbau der seit-
lichen Emporen. Vor 150 Jahren erst waren sie eingezogen worden, um des damaligen Besucheransturms Herr zu werden.
»Wir werden 2050 andere Menschen haben«, blickt Thomas M. Austel in die Zukunft. »Menschen in der Säkularisierung, die ihre Religion leben.« Für genau die wolle man die Kaufmannskirche öffnen. Immer schon war sie Gemeinde- wie auch Stadtkirche und hatte ergo »Aufgaben am Markte« wahrzunehmen. Hier treffen Kontraste aufeinander: Gläubige, Bildungsreisende und Alkoholiker, die sich rund um die Kirche treffen. Keiner solle vertrieben werden. Man wolle ein Gegengewicht zur »schicken Konsummeile« sein, so Austel. Von einem »differenzierten Echo in der Gemeinde« sprechen sowohl der derzeitige Vakanzvertreter, Johannes Haak, wie auch Ursula Bretschneider.
»Gerade die älteren Gemeindeglieder sind sehr mit ihrer Kirche verwachsen«, sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, »die können sich manches nicht vorstellen.« Andererseits freut nicht nur sie sich auf eine absehbar ganzjährige Nutzung des Gotteshauses. Für »sehr gewöhnungsbedürftig« hält sie allerdings, was der Masterplan auf der heutigen Wiese an der Südseite der Kirche vorsieht: Ein modernes rechteckiges Gebäude aus durchscheinendem Glas soll im Rücken des Lutherdenkmals als Wirtschaftsgebäude dienen. Lagerräume, Teeküche und sanitäre Anlagen quasi als hinterer Bühnenraum für kulturelle Höhepunkte im Gotteshaus nebenan.
Wie zügig das Entworfene umgesetzt werden kann, wird regelmäßigen Besuchern nicht verborgen bleiben. Denn die Kaufmannskirche will ihrer Rolle als »verlässlich geöffnete Kirche« treu bleiben: Auch während des Um- und Neubaus soll hier musiziert und gebetet, getauft, gesungen und getröstet werden.
Kathrin Schanze
Ein Schuhkarton Ansichtskarten
9. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ute Banse blickt auf bewegte 20 Jahre zurück. In ihrem Laden führt sie ausschließlich christliche Bücher und Devotionalien. Foto: Uli Koch
Vor 20 Jahren begann die Erfolgsgeschichte von Ute Banse.
Rundherum Weihnachtssterne und draußen auf dem Erfurter Domplatz etwa 30 Grad Hitze. Bei ihr sei immer ein bisschen Weihnachten, sagt Ute Banse. Die 62-Jährige evangelische Christin ist seit nunmehr 20 Jahren selbstständig. Am Tag der Währungsunion, am 1. Juli 1990, habe sie mit einem Schuhkarton voll Ansichtskarten und einem alten Campingtisch angefangen. Die Idee zum mobilen Verkaufs- und Informationsstand an den Domstufen waren der gelernten Bekleidungsingenieurin gekommen, als sie als Stadtführerin arbeitete. »Die Touristen konnten nirgendwo Postkarten kaufen am Sonntag«, sagt sie. Wegen der Erziehung ihrer vier Kinder war sie lange Zeit als Hausfrau tätig gewesen. Nun suchte sie ein neues Betätigungsfeld. Sie besorgte sich eine Gewerbegenehmigung und stand nun täglich bis spät in die Nacht auf dem Domplatz.
Am 1. Juli 1990 hatte sie nur wenig DM-Wechselgeld. Aber für westdeutsche Touristen brauchte sie welches. Ihr »Startkapital« kam aus kleinen privaten Geldgeschenken von Menschen aus der Partnergemeinde. »Am ersten Tag habe ich 86 D-Mark eingenommen und war stolz wie ein Spanier«, erzählt sie. Es waren verrückte Zeiten, in denen vieles möglich war.
Die Geschäftsfrau, die inzwischen drei Angestellte hat, war bis 1996 mobil unterwegs. Später nicht mehr mit Campingtisch, sondern mit einem großen Wagen. Eines Tages kam der Evangelische Kirchenkreis auf sie zu, der den Kirchenladen »Lydia« in der Pergamentergasse betrieb. Der Kirchenkreis hatte einen Mietvertrag über zehn Jahre. Der Laden jedoch lief nicht besonders. »Sie suchten jemanden, der das auf eigene Verantwortung übernimmt«, blickt sie zurück. Zuerst meinte sie, den Laden fortzuführen sei gegen jede kaufmännische Vernunft. Doch im Gespräch mit Pfarrer Jeremias Treu kamen ihr so viele Ideen, dass sie es doch wagte. »Inzwischen bin ich zur ›Schwester Kirchenladen‹ geworden«, lacht sie. Neben dem Kirchenladen lief der mobile Stand weiter, betreut durch ihre Söhne. »Das war sicheres Geld, das ich in den Laden stecken konnte.«
Ihre kirchlichen Ehrenämter – Ute Banse war im Gemeindekirchenrat und im Kreiskirchenrat – hat sie nach ihrer Selbstständigkeit bald abgegeben. Aber ihr Glaube spielt weiterhin im Leben und Geschäft eine große Rolle. Einmal sei ein junges Mädchen in ihren Laden gekommen und habe gefragt: »Glauben Sie das alles, was in den Büchern steht?« Darauf habe sie geantwortet: »Ich glaube nicht alles, was in den Büchern steht, aber ich glaube, dass mich mein Christsein bewahrt vor Mutlosigkeit und Übermut.« Dass sich dieses Mädchen später taufen ließ, war für sie ein besonderes Erlebnis. Ihr Beruf sei eben auch Berufung.
Im Sortiment des Kirchenladens, der nun schon einige Jahre am Domplatz sein Domizil gefunden hat, sind ausschließlich christliche Literatur und Karten, zudem Kerzen für Taufe oder Trauung, Weihnachtssterne, Adventskalender – und Krippen zum Sammeln. Im Keller des Geschäftes werden die Krippen ausgestellt – von Juni bis Januar. Viele würden einzelne Krippenfiguren kaufen – das Jesuskind zum Beispiel für einen Täufling, die Heilige Familie für ein Brautpaar – und so nach und nach eine Weihnachtskrippe zusammenstellen. Zudem betreibt sie eine Kerzenverzierwerkstatt im Keller des Hauses.
Anders als in ihren »mobilen Zeiten« bleibt der Kirchenladen am Sonntag geschlossen. Der Herr habe einen Ruhetag eingelegt, auch der Mensch brauche diesen Tag, kann sie aus eigener Erfahrung sagen.
Am Jubiläumstag gab es Blumen und viel Besuch. Vor dem Haus hatte sich der Druckgrafiker Hans Otto Mempel mit einer mobilen Buchdruckmaschine postiert, auf der die Besucher Lesezeichen herstellen konnte. Auch das Lebensmotto von Ute Banse ist darauf zu lesen: »Wagen statt klagen!« So ist aus bescheidenen Anfängen ein bekanntes Fachgeschäft geworden.
Dietlind Steinhöfel







