Berühmter Bach-Botschafter

30. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Gesprächskonzerte mit Helmuth Rilling in Weimar, Erfurt und Eisenach

Bereits zum vierten Mal lädt Helmuth Rilling vom 6. bis 19. August internationale Chorsänger und Instrumentalisten nach Weimar ein, um gemeinsam mit einem Dozenten-Team an den Weimarer Kantaten Johann Sebastian Bachs zu arbeiten. In den vergangenen drei Jahren wurden aus zahlreichen Bewerbern jeweils 70 Musiker aus der ganzen Welt ausgewählt, die mit immenser Begeisterung und großem musikalischem Talent in kürzester Zeit zu einem exzellenten Chor und Orchester zusammenwuchsen.

In diesem Jahr werden 74 Musikerinnen und Musiker aus 19 Ländern mitwirken.

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Hingebungsvolle Werktreue: Helmuth Rilling beim Dirigieren einer Bach-Kantate. Foto: Holger Schneider

Mit den Teilnehmern der 4. Weimarer Bachkantaten-Akademie, die von den Thüringer Bachwochen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar veranstaltet wird, wird Rilling herausragende Werke aus Bachs Kantatenschaffen erarbeiten, um sie dann in Gesprächs- und Abschlusskonzerten in Weimar, Eisenach, Erfurt und Leipzig zu erklären und aufzuführen. Im Mittelpunkt stehen diesmal vier Kantaten zu den großen Kirchenfesten, außerdem stellen sich Solisten, Chor und Orchester jeweils mit einem eigenen Konzertprogramm vor.

Kantaten zu den Kirchenfesten

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben nachhaltig gewirkt: Die den Proben folgenden Konzerte waren für Interpreten und Publikum unvergessliche Erlebnisse. Sie haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, welche Aufgabe ein derartiges Projekt gerade an historischem Ort erfüllen kann: Jungen Menschen den Geist Bachs und das Wesen seiner Musik zu vermitteln, sodass sie in ihrer Heimat kaum je wieder diese Musik spielen werden, ohne an diese Erfahrung zu denken.

Helmuth Rilling (84) ist zweifelsohne einer der großen Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs. Über die letzten fünfzig Jahre hat er mit zahllosen Konzerten, ausgewählten Ensembles und vielerlei Projekten für Aufsehen gesorgt. Er verantwortete die erste Einspielung des Bachschen Gesamtwerkes und schlug Brücken nach Osteuropa, Asien und Amerika. Die heute weltumspannende Präsenz der Musik des Thomaskantors würde es ohne ihn kaum geben. Rilling ist Gründer und langjähriger Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Collegiums Stuttgart, der Internationalen Bachakademie Stuttgart und des Oregon Bach Festivals (USA). Der Dirigent ist darüber hinaus Initiator von Bach-Akademien in aller Welt.
Auftakt der öffentlichen Veranstaltungen in Thüringen ist am Mittwoch, 9. August, um 18 Uhr in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul mit der Kantate BWV 63 »Christen, ätzet diesen Tag«. Der Eintrittspreis beträgt 15 Euro (ermäßigt: 10 Euro).

Die folgenden Gesprächskonzerte werden ab Nr. 31 auf Seite 10 (Tipps und Termine) der Kirchenzeitung angezeigt. (G+H)

www.thueringer-bachwochen.de

Es war nicht alles schlecht

28. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Streit um Zahlen: Gefühle oder Fakten? Wovon sollte man sich bei der Bewertung der Ereignisse in diesem Jahr leiten lassen? Warum die Evaluierung, also eine fachgerechte Untersuchung, notwendig ist.

Das Nacharbeiten ist gut so. Allerdings scheint der aus der Erinnerungsarbeit bekannte Relativierungs-Effekt einzusetzen. Die Erfolge sollen gewürdigt werden, das Kritische nicht unter den Teppich gekehrt, doch auch nicht allzu deutlich benannt werden. »Es war nicht alles schlecht.« Nein. Aber Differenzierungen sind angesagt.

Dafür eignet sich der Streit um die Zahlen zu den Kirchentagen auf dem Weg gut. Wie viele Teilnehmende für wie viele Veranstaltungen waren es nun genau? Wie viel Geld ist dafür ausgegeben worden? Das sind wichtige Fragen. Natürlich sagen Zahlen nichts über die Qualität der Angebote aus. Unser Erfurter Kirchentag war eine insgesamt wunderbare Erfahrung mit vielen gelungenen, intensiven und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, von denen wir noch lange profitieren werden. Trotzdem: Dass die Medienberichte so auf Zahlen fixiert waren, ist Folge des planerischen Selbstverständnisses der Veranstalter. Wenn wir vorher von so und so vielen zahlenden Gästen reden, müssen wir uns fragen lassen, wo sie waren.

Zu viel gewollt? Im Reformationsjahr gibt es im ganzen Land unzählige Veranstaltungen und Projekte. Nicht alles läuft rund und ist so erfolgreich wie der Bibelturm (Foto) am Wittenberger Hauptbahnhof. 27 Meter ragt er in den Himmel und bietet einen Blick über die Lutherstadt. Verkleidet ist er mit der revidierten Lutherbibel. Foto: epd-bild

Zu viel gewollt? Im Reformationsjahr gibt es im ganzen Land unzählige Veranstaltungen und Projekte. Nicht alles läuft rund und ist so erfolgreich wie der Bibelturm (Foto) am Wittenberger Hauptbahnhof. 27 Meter ragt er in den Himmel und bietet einen Blick über die Lutherstadt. Verkleidet ist er mit der revidierten Lutherbibel. Foto: epd-bild

Der Veranstalter-Verein r2017 hat zu groß geplant und vorbei an den (ostdeutschen) Realitäten. Erfahrungen und Vorannahmen wurden oft nicht gründlich diskutiert. An den Zahlen als Orientierungsrahmen entlang wurde der Einsatz von Personal, Finanzmitteln und Material kalkuliert. Damit stehen wir den Geldgebern (Steuerzahlern) gegenüber in der Pflicht und all denen, die jahrelang ihre Arbeitsleistung und auch ihr Herzblut in diese Veranstaltung gesteckt haben.

Erfolg und Misserfolg müssen benannt, verstanden und vor allem: es muss daraus gelernt werden. Wir können uns nicht leisten, nach einem Großprojekt, das planerisch derart gefloppt ist, eine »Wir-hatten-doch-unseren-Spaß«-Stimmung als rückblickendes Narrativ stehen zu lassen. Es geht nicht um kleinliche Veranstalter-Schelte.

Es geht um das, was jedem Großprojekt ordentlich nachfolgt: die Evaluierung. Welche Ziele wollten wir erreichen? Welche haben wir erreicht? Wie stand der Aufwand im Verhältnis zur Wirkung? Wie haben die beteiligten Akteure zusammengearbeitet? Wie sind die anvertrauten Mittel eingesetzt worden? Dies muss diskutiert werden. In Erfurt waren schätzungsweise über 700 Haupt- und vor allem Ehrenamtliche an den Vorbereitungen beteiligt. Sie haben ein Recht auf Auswertung.

Das Projekt Kirchentage auf dem Weg beruhte im Grunde auf einer einfachen organisatorischen Idee: Alle sollten am Ende vielfältiger Kirchentagserlebnisse nach Wittenberg auf die Elbwiesen zum großen Gottesdienst kommen. Diese Idee ist nicht aufgegangen. Warum ließen sich nur wenige aus den Kirchentagsstädten dazu motivieren? Welche inhaltliche Idee oder Vision hätte sie dazu verlocken können? Gab es denn eine inhaltlich verbindende und aktivierende Idee? Oder nur eine organisatorische: eben viele Menschen zusammenzubringen? Es gab viele schöne Einzelideen, und viele wertvolle Ziele wurden benannt. Aber bitte: Welches Leitwort stand über den Kirchentagen auf dem Weg, das alle mitentwickelt und mitgetragen hätten?

Und was war, in einem Satz zusammengefasst, die gebündelte Botschaft unserer Kirchentage? Evangelisch heute ist Vielfalt – das scheint mir zu wenig. Wir müssen aus den Antworten auf diese Fragen lernen. Sonst bleibt das Reformationsjubiläum eine Sache, die schnell vergessen wird: Ja, da war mal was. Wir bleiben als Kirche stecken und geben den Unkenden Recht, die sagten: Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Strukturen und Events.

Jürgen Reifarth

Der Autor ist Beauftragter für das Reformationsjubiläum des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt.

In Stotternheim schlug es ein

5. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Schöne Legende, triste Wirklichkeit: Der Kirchentag auf dem Weg macht Station in Stotternheim. Wurde hier Weltgeschichte geschrieben? Es sieht zumindest nicht danach aus.

Schon die Anfahrt gestaltet sich holprig. Der Luthersteinweg ist eine staubige Piste. Er führt vom Bahnhof des Fleckens Stotternheim zur Deponie leicht bergan. Rechts und links blinkt das Blau von Baggerseen. Mit großen rostigen Maschinen wird geschürft. Leise rieselt der Kies vom Förderband.

Dort, wo der Weg auf die alte, inzwischen abgedeckte Müllhalde der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt trifft, biegt er scharf ab. An der Ecke steht der rote Stein. Dahinter ein Bratwurstrost, Tische für den Getränkeverkauf und für Broschüren, die vom Ort erzählen. Eine mobile Bühne, im Halbkreis ein Posaunenchor und Bierbänke, die mit über hundert Menschen besetzt sind. Einheimische sind gekommen und der Kirchenchor, dazu Leute aus der Stadt. Einige tragen den orangefarbenen Schal des Kirchentags.

Der Erfurter Kirchentag auf dem Weg macht Station in Stotternheim. »Geblitzt«, heißt hier einer von mehr als 200 Programmpunkten. Er erinnert daran, dass hier vor über 500 Jahren Weltgeschichte geschrieben wurde – zumindest wenn man denen glaubt, die später alles notierten. Die Legende geht so: Auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt gerät der Jura-
student Martin Luther in ein Unwetter. Neben ihm schlägt ein Blitz ein. Voller Angst fleht der junge Mann: »Hilf du, Sankt Anna.« Und er verspricht: »Ich will ein Mönch werden.« Genau so steht es seit 1917 in weißer Schrift auf dem großen roten Stein. »Geweihte Erde« auch und »Werdepunkt der Reformation«.

Ganz sicher ist die Sache mit dem Blitz nicht, wohl aber das Mönchsein. Zwei Wochen nach dem Gewitter, am 17. Juli 1505, klopft der 21-jährige Lu-ther an die Pforte des Erfurter Augustinerklosters. Er bleibt, mit Unterbrechungen, bis 1511, dem Jahr seines endgültigen Umzugs nach Wittenberg.

Ob zu Fuß oder per Tandem: Kirchentagsbesucher in Erfurt wollten Luthers Wege gehen und machten sich – wie einst der Reformator – vom Lutherstein in Stotternheim auf zum Augustinerkloster. Foto: Matthias F. Schmidt

Ob zu Fuß oder per Tandem: Kirchentagsbesucher in Erfurt wollten Luthers Wege gehen und machten sich – wie einst der Reformator – vom Lutherstein in Stotternheim auf zum Augustinerkloster. Foto: Matthias F. Schmidt

Blitz hin oder her, eine – wie auch immer – geartete Krise muss Luther gehabt haben. Da sind sich die Redner des kleinen Festaktes, der Erfurter Senior Matthias Rein, Stotternheims Pfarrer Jan Redeker und die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, gemeinsam sicher. Wichtig sei, dass er sich auf den Weg machte – zu seinem Glauben und zu sich selbst.

So sind denn auch die Gäste eingeladen, den Weg nach Erfurt zurück unter die Füße zu nehmen. Zwei Routen sind im Angebot: Die östliche, zwölf Kilometer lang, führt über freies Feld hinter dem Autobahnring der Landeshauptstadt bis zum Ringelberg und von dort geradeaus bis zum Augustinerkloster. Die westliche, sechs Kilometer länger, führt durch Stotternheim und Mittelhausen bis zur Gera. Immer am Flussufer entlang, ist auch hier das Kloster das Pilgerziel.

Der Schatten der Flussauen scheint anziehender zu sein. Zumindest an der ersten Zwischenstation, St. Peter und Paul in Stotternheim, lassen sich 60 Männer, Frauen und auch ein paar Kinder die 1704 erbaute Barockkirche zeigen. Mit den neuen Glasfenstern des Künstlers Gert Weber präsentiert sich das Gotteshaus schlicht und anspruchsvoll zugleich.

Ginge das nicht auch am »Werdepunkt der Reformation«? Der Kirchenälteste Karl-Eckhard Hahn bittet um Geduld und Nachsicht. Es habe sich schon viel verändert. Bald würden die jungen Bäume zur grünen Kirche he­rangewachsen sein. Noch im Sommer will die Gemeinde am Lutherstein einen Steinaltar errichten. Und irgendwann muss ja auch mal der Kies im See komplett abgebaut sein.

Dirk Löhr (epd)

Das große Christusfest

2. Juni 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Gutes Wetter, gute Atmosphäre, gutes Programm. Leider entsprach die Resonanz nicht den Erwartungen. Das trübt den ansonsten strahlenden Erfolg des Himmelfahrtswochenendes etwas ein. Der Versuch einer Bilanz:

Von unseren Korrespondenten

Weit weniger verkaufte Karten als erhofft, dennoch zufriedene Veranstalter: Der Verein Reformationsjubiläum hat zum Abschluss der sechs Kirchentage auf dem Weg in acht mitteldeutschen Städten eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Atmosphärisch seien die Veranstaltungen in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Halle/Eisleben, Jena/Weimar und Dessau-Roßlau ein voller Erfolg gewesen. Allerdings seien deutlich weniger Karten verkauft worden als erhofft, erklärte der Verein in Wittenberg.

In Leipzig zählte der Verein 15 000 Kartenverkäufe. »Wir haben auf das Dreifache der Zahlen hingearbeitet«, räumte Geschäftsführer Hartwig Bodmann ein. Bei den anderen Kirchentagen auf dem Weg sähen die Zahlen ähnlich aus. Die größte Einzelveranstaltung war mit 6 000 Besuchern die Flussinszenierung »Unseres Herrgotts Kanzlei« mit Schiffsprozession in Magdeburg.

Höhepunkt: 6 500 Bläser begleiteten den Gesang der 120 000 Teilnehmer beim Abschluss der Kirchentage in den Elbauen vor den Toren Wittenbergs. Foto: Carsten Stolze, r2017

Höhepunkt: 6 500 Bläser begleiteten den Gesang der 120 000 Teilnehmer beim Abschluss der Kirchentage in den Elbauen vor den Toren Wittenbergs. Foto: Carsten Stolze, r2017

Als sommerliches Open-Air-Vergnügen in historischer Kulisse erlebten viele Erfurter und Kirchentagsgäste den Kirchentag. Vor allem die Großveranstaltungen auf dem Domplatz zogen die Menschen an. Was bei den kostenfreien Veranstaltungen im Freien funktionierte, ging bei anderen Veranstaltungen nicht auf. Die Bilanz des Kartenverkaufs sähe schlecht aus, hieß es seitens des Veranstalters. Aus Sicht des Kirchenkreises Erfurt haben sich die langjährigen Vorbereitungen auf den Kirchentag trotzdem gelohnt. Man habe als Kirche selbstbewusst und fröhlich unter den Augen der Öffentlichkeit gefeiert, sagte Erfurts Senior Matthias Rein. Das könne als klares Angebot in die Gesellschaft hinein verstanden werden. Zudem blieben auch einige konkrete Projekte erhalten. Dazu zählte für Rein neben der vom Kirchentag in Auftrag gegebenen Komposition »Enchiridion-Echo« die Glocke für den Ortsteil Salomonsborn.

Auch in Magdeburg blieben im Gegensatz zu Dessau die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück. Trotz interessanter Themen bei Podien und Gesprächsrunden fanden sich manchmal nur eine Handvoll Besucherinnen und Besucher ein. Als Magneten erwiesen sich vor allem die Angebote am Abend, wie die Eröffnungsgottesdienste und -abende, Konzerte oder gemeinsame Mahlzeiten. Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig sieht durch die Kirchentage das Selbstbewusstsein der evangelischen Gemeinden in Ostdeutschland gestärkt. Er dankte allen Helfern und Unterstützern des Kirchentages. »Es war eine wunderbare Atmosphäre und Leichtigkeit. Die sollten wir für die kommende Zeit in unseren Alltag mitnehmen.«

»Der riesige Aufwand hat sich gelohnt«, bilanziert Simone Carstens-Kant, Pfarrerin im Zentrum Taufe Eisleben. Mit Halle und Eisleben fand ein Kirchentag in einer der am stärksten entkirchlichten Regionen Deutschlands statt. Gerade einmal jeder zehnte Einwohner von Halle gehört der evangelischen Kirche an. In Eisleben sind es noch weniger. Eine besondere Gemeinschaft erlebten kirchliche wie nichtkirchliche Teilnehmer beim Willkommensfest »Kultur in den Höfen«. Resonanz erfuhren Konzerte, wie das Kantatenprojekt »Luther«. Weitaus weniger Zuspruch auch hier bei den vielfältigen Angeboten – wie Bibelarbeiten, Vorträgen oder Workshops. Mitwirkende, Helfer und Teilnehmer zeigten sich dennoch zufrieden, lobten das intensive Miteinander und die fami­liäre Atmosphäre. Überhaupt, die Begegnungen unter freiem Himmel waren, dank des sommerlichen Wetters, das Markenzeichen der Kirchentage. Nicht nur bei den »Anna-Amalia-Tischgesellschaften« in der Weimarer Innenstadt wurde dabei die »Gretchenfrage« gestellt. Mit 2 000 Einzelveranstaltungen konnten es die Kirchentage auf dem Weg mit dem Berliner Kirchentag durchaus aufnehmen. Leider nicht mit der Besucherzahl.

(epd, G+H)

Berufsziel erreicht

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Nachwuchs: 29 frisch ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) werden in diesem Jahr insgesamt 29 Theologen, 19 Frauen und 10 Männer, zu Pfarrern und Gemeindepädagogen ordiniert. Damit übertrage ihnen die EKM das Recht, öffentlich in Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen das Evangelium zu verkündigen und die Sakramente – Taufe und Abendmahl – zu spenden, teilte die mitteldeutsche Kirche mit. Diese Beauftragung gelte auf Lebenszeit.

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

In Eisenach wurden zur Pfarrerin oder zum Pfarrer ordiniert: Anne Boel­ter (Kirchenkreis Schleiz), Johannes Burkhardt (KK Erfurt), Kathrin Hollax (KK Haldensleben-Wolmirstedt), Hanna Jäger (KK Torgau-Delitzsch), Inga Mergner (KK Eisleben-Sömmerda), Conrad Neubert (KK Arnstadt-Ilmenau), Christina Petri (KK Gotha), Jürgen Reifarth (KK Erfurt), Ann-Sophie Schäfer (KK Torgau-Delitzsch), Jennifer Scherf (KK Merseburg) und Stefanie Schwalbe (KK Schleiz). Conrad Krannich erhält als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle einen Predigtauftrag in der Reformierten Domgemeinde. In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Oberin Annegret Bachmann (KK Eisenach-Gers­tungen), Dr. Gabriel Gatzsche (KK Arnstadt-Ilmenau), Ernest Goldhahn (KK Waltershausen-Ohrdruf), Anita Meinig (KK Arnstadt-Ilmenau) und Mirko Weisser (KK Altenburger Land).

Am Sonntag werden in Wittenberg zur Pfarrerin beziehungsweise zum Pfarrer ordiniert: Susanne Entschel (Sondervikariat in Melbourne/Australien), Constanze Greiner (KK Henneberger Land), Martina Grigutsch (KK Egeln), Ina Lambert (KK Haldensleben-Wolmirstedt) und Torben Linke (KK Bad Liebenwerda). In ihren Dienst als Ordinierte Gemeindepädagogin wird ordiniert Rebekka Prozell (KK Elbe-Fläming). In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Angela Göbke (KK Magdeburg), Ga­briele Grothe (KK Elbe-Fläming), Birgit Kamprath (KK Altenburger Land), Michaela Möbius (KK Stendal) und Reiner Sporer (KK Halberstadt). Ramón Seliger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erhält mit seiner Ordination einen Predigtauftrag in Weimar.

Die Ernennung und Einsegnung erfolgte in Eisenach durch Landesbischöfin Ilse Junkermann und den Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, Christian Stawenow. In Wittenberg wird neben der Landesbischöfin der Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, Christoph Hackbeil, mitwirken.

(G+H/epd)

Die Schlüsselfrage ist geklärt: Der Himmel steht offen

16. April 2017 von redaktionguh  
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Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

Der Schlüssel ist übergroß, sein geschmiedeter Bart wird durch ein Kreuz geziert. Wer den Schlüssel in die Hand bekommt, weiß sofort: Hiermit kann nur eine Kirchentür geöffnet werden. Die mächtige Holztür knarzt beim Schließen. Ich lausche auf das Geräusch des Schlüssels im altertümlichen Schloss. »Ach, wie schön«, sage ich zum neben mir stehenden Küster, »noch keine Schließanlage, deren Schlüssel sich an meinem Bund von keinem einer Bürotür unterscheidet!« Der Mann schmunzelt »Braucht es auch nicht, Frau Pfarrer, solch ein Schloss ist schwerer zu knacken als ein Sicherheitsschloss. Die Alten haben gewusst, was sie taten!« Er hält mir die Tür auf und vergräbt den Schlüssel wieder tief in seiner Manteltasche. Sicher ist sicher.

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Die Schlüsselfrage ist eine Machtfrage. Wer den Schlüssel hat, erhält ungehindert Eintritt, muss nicht andere um Erlaubnis fragen. Wer den Schlüssel hat, bestimmt, wer drin ist und wer draußen bleiben muss. Wer den Schlüssel hat, kann einsperren und befreien.

Zu Ostern wird die Schlüsselfrage ein für alle Mal geklärt: Er, der Christus Gottes, überlebt den Tod und geht durch die Hölle. Den Schlüssel hält er fest in seiner Hand. »Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?« singt uns das Brahms’sche Requiem aus der vagen Hoffnung der Totenmesse in die feste Gewissheit der Osternacht hinüber.

Im Buch der Heilpflanzen von Hildegard von Bingen wird die Schlüsselblume beschrieben. Sie blüht als eine der ersten Frühlingsblumen und ergießt ihr Sonnengelb zu Ostern in Wälder und über Wiesen. Hildegard beschreibt die wohltuende Wirkung der Pflanze, von der man alle Teile nutzen kann. Sie preist die Blume als Wunder der guten Schöpfung Gottes und tauft sie »Himmelschlüssel«. Mit ihren Blüten, in deren Anordnung man einen Schlüsselbund erkennen kann, erinnert sie uns daran:

Seit Ostern steht uns der Himmel offen. Die Schlüsselfrage ist geklärt!

Friederike F. Spengler, Pfarrerin im Landeskirchenamt der EKM, Erfurt

Nicht gegeneinander feiern

3. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Volkenroda

Katholische und evangelische Christen vor allem aus Thüringen haben am Sonntag im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Vor dem Hintergrund des 500. Reformationsjubiläums stellten die Bischöfe des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, in ihren Predigten das Verbindende zwischen beiden Konfessionen heraus. Der Gottesdienst war Teil des sogenannten »Healing of Memories«-Prozesses (»Heilung der Erinnerung«), mit dem beide Kirchen gemeinsam Wege der Versöhnung gehen möchten.

 Gemeinsam:  Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

Gemeinsam: Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

In der Vergangenheit hätten die Feiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft, sagte Landesbischöfin Junkermann. »Wir feiern es in diesem Jahr nicht gegeneinander, Gott sei Dank!« Es sei das besondere Glück des 500. Reformationsjubiläums, »dass wir es als Christusfest feiern«.

Beide Kirchen stünden im Dienst der Versöhnung, unterstrich Junkermann. Gemeinsam stellten sie sich »klar gegen alle Angstmacherei vor Fremden, auch vor einer anderen Religion, gegen Vereinfachungen und Rückfall in Nationalismen«. Sie setzten sich ein für den Vorrang des Zivilen vor dem Militärischen, für Schlichten und Vermitteln.

Bischof Neymeyr sagte, inzwischen könnten evangelische und katholische Christen beim Gedenken an den Beginn der Reformation 1517 auch gemeinsam die schwierigen und bedauerlichen Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte vor Gott tragen. Der Erfurter katholische Bischof ging in seiner Predigt auch auf den Ort des Gottesdienstes ein, die Klosterkirche Volkenroda. Sie stehe beispielhaft für den Niedergang eines äußerst vielfältigen klösterlichen Lebens in Thüringen – und seiner Wiedergeburt.

Neymeyr erinnerte an die 23 Ordensgemeinschaften mit ihren 206 Klöstern, die es in Thüringen zu ihren Blütezeiten gegeben habe. Die Gründe für ihren Untergang seien »natürlich nicht nur bei der Reformation zu suchen«, sagte er. Manche der Klöster hätten auch »ihre geistliche Lebendigkeit verloren«.

Zurzeit gebe es wieder 28 Klöster und Ordensniederlassungen im Land. Das Kloster Volkenroda sei heute durch die Präsenz und das Wirken der Jesus-Bruderschaft ein Ort des Aufbruchs und der Hoffnung aus dem Geist des Evangeliums und der Ökumene. »Es ist ein guter Ort, um dort gemeinsam einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zu feiern«, betonte der Bischof.

(epd)

Das Programm steht

13. Februar 2017 von redaktionguh  
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Planungen der Kirchentage in Erfurt und Weimar/Jena sind auf einem guten Weg

Wer eine große Veranstaltung plant, muss vieles im Blick haben: die Zahl der Gäste, ausreichend Sitzgelegenheiten und Essen, Unterhaltungsprogramm und vieles mehr. Bei der Vorbereitung der Kirchentage auf dem Weg ist das nicht anders – nur alles eine Spur größer.

Darum trafen sich in der vergangenen Woche nicht nur der Reformationsbeauftragte Jürgen Reifarth und der Leiter des Kirchentages auf dem Weg in Erfurt, Reiner Degenhardt, auf dem Erfurter Domplatz, sondern auch Vertreter der Kulturdirektion, der Feuerwehr und Polizei, der Marktmeister und viele mehr. »Wir haben auf dem januarkalten, nassen Boden des Domplatzes eine Decke hingelegt, unsere Pläne ausgebreitet und alle technischen Details für die Nutzung des Domplatzes geklärt«, so Reifarth. Denn der Domplatz ist die größte zu bespielende Fläche in Erfurt während des Kirchentages auf dem Weg. Dort sind unter anderem ein Himmelfahrt-Familienkaffee mit musikalischer Begleitung, ein öffentlicher Schauguss einer Glocke und natürlich zwei große Gottesdienste geplant.

Vor dem Luther-Denkmal am Anger: der Reformationsbeauftragte für Erfurt, Jürgen Reifarth. Er sieht den Kirchentag als große Chance. Fotos: Diana Steinbauer

Vor dem Luther-Denkmal am Anger: der Reformationsbeauftragte für Erfurt, Jürgen Reifarth. Er sieht den Kirchentag als große Chance. Fotos: Diana Steinbauer

Das Programm steht. Die Absprachen mit der Stadt sind getroffen, nun geht es an die Details. »In diesen Tagen gehen unsere Höhepunkt-Flyer in die Post, die helfen sollen, den Erfurter Kirchentag im Propstsprengel Eisenach-Erfurt noch bekannter zu machen«, so Reifarth. Auch durch Banner und Werbeplakate soll das gelingen.

»Ich erhoffe mir, dass die Gemeinden den Kirchentag auf dem Weg als Chance begreifen, uns als Kirche öffentlich zu präsentieren, sichtbar zu machen, was wir leben und was uns wichtig ist«, erklärt Reifarth. Darum gehe man mit den Veranstaltungen bewusst nach draußen, um gemeinsam zu feiern, zu essen und sich kennenzulernen.

Doch Kirchentage kosten Geld: den Veranstalter, aber auch die Gäste. Ein Drittel der Kalkulation müssen durch Teilnehmerbeiträge gedeckt werden. Das soll aber niemanden abschrecken. »Alles, was im öffentlichen Raum stattfindet, wird keinen Eintritt kosten«, versichert Jürgen Reifarth. Bei Veranstaltungen wie Podiumsdiskus­sionen, Vorträgen oder Konzerten werde aber nach der Tages- oder Dauerkarte gefragt werden.

Andre Poppowitsch (re.) und Johannes Schleußner mit dem Programm für Weimar/Jena

Andre Poppowitsch (re.) und Johannes Schleußner mit dem Programm für Weimar/Jena

Auch in Jena und Weimar geht es jetzt an die Feinplanung. »Unsere Veranstaltungs-App ist seit heute online«, freut sich Andre Poppowitsch, Referent für die Lutherdekade im Kirchenkreis Weimar. »Wir haben für den Doppelstandort Jena-Weimar bis zu 300 Veranstaltungen geplant und sind stolz, den Gästen eine große thematische Bandbreite anbieten zu können.«

Der Blick werde im Reformationsjubiläumsjahr auch bewusst nicht nur in die Vergangenheit gelenkt, sondern ziehe – frei nach dem Faust-Motto »Sag, wie hast du’s mit der Religion?« – auch moderne Gretchenfragen in den Fokus, betont Johannes Schleußner, der Koordinator des Kirchentages in Jena. Auf aktuelle Themen wie Rüstungsindustrie, Rechtsextremismus oder eine alternde Gesellschaft, darauf setzt man in Jena und Weimar.

»Seit einigen Jahren arbeiten Stadt und Kirche, Klassikstiftung und auch die Universitäten intensiv zusammen und haben in der Region bereits ein Bewusstsein für das Reformationsjubiläum schaffen können«, erklärt Poppowitsch. Er glaubt, dass das Programm Menschen unterschiedlichster Zielgruppen anziehen und in seiner Vielfalt nachhaltig sein wird. Und das über 2017 hinaus.

Diana Steinbauer

Mehr als »1 gute Nachricht«

Elbe, Frieden und Medien sind Schwerpunkte beim Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg

Der Magdeburger Superintendent Stephan Hoenen verschickt dieser Tage besonders viel Post. Denn die Gemeinden im Propstsprengel Stendal-Magdeburg bekommen von ihm das Werbematerial für den Kirchentag auf dem Weg vom 25. bis 27. Mai Magdeburg zum Abdruck in ihren Februar-März-Ausgaben der Gemeindebriefe. Wie viele Besucher zu dem Treffen unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« in die Elbestadt kommen werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen.

Auf jeden Fall haben Hoenen und der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper Ende Januar die Privatquartierwerbung gestartet. Gästen ein Bett oder eine Couch zur Verfügung zu stellen, sei gute Tradition bei den Kirchentagen, so Hoenen. Die Privatquartiersuche steht unter dem Motto »Ich habe 1 guten Schlafplatz«.

Die Planung und Vorbereitung des Treffens läuft seit Jahren. »Die Zusammenarbeit ist beeindruckend«, sagt Anette Berger, Vorsitzende des 2013 gegründeten Programmausschusses für den Kirchentag auf dem Weg. In ihm sind die Stadt Magdeburg, die den Kirchentag zudem mit 300 000 Euro unterstützt, Kulturschaffende und der Kirchenkreis Magdeburg vertreten – rund 100 Ehrenamtliche, die in zahlreichen Untergruppen arbeiten. Über 400 Veranstaltungen sind geplant. Die Inhalte knüpfen an die Geschichte Magdeburgs an und verknüpfen sie mit der Gegenwart. Im Medienzen­trum in der Festung Mark wird daran erinnert, dass Magdeburg die erste protestantische Großstadt und als »unsers Herrgotts Kanzlei« Medienzentrum der Reformation war. Zudem gibt es Workshops, Podien und Impulse zur Rolle der Medien heute und einen Twittergottesdienst am 26. Mai aus der Wallonerkirche. Diese Kirche und die katholische Petrikirche nebenan bilden zum Kirchentag das Zentrum »Web und Spiritualität«. Im Dom und rund um den Dom ist das Thema »Frieden« angesiedelt – DAS Thema in einer Stadt, die 1631 und 1945 stark zerstört wurde, und das aktueller denn je ist. Hier wird auch Reformationsbotschafterin Margot Käßmann am 26. Mai einen Vortrag halten über das Thema »Nichts ist gut in Afghanistan«.
Kirche-vor-Ort-Logo-06-2017Um die Elbe geht es am 26. Mai beim Thementag »Dialog am Strom«, der an die bisherigen Diskussionen zur Zukunft anknüpft. Abends ist ein Elbefest geplant unter dem Motto »Magdeburg am Fluss der Reformation« – eine Welturaufführung zu eigens komponierter Musik mit spektakulären Licht- und Soundeffekten, Chören und einer Schiffsprozession an und auf der Elbe.

Im Rotehornpark ist das Zentrum Kinder, Familien, Jugend und Sport angesiedelt. Und was wäre ein Kirchentag ohne Musik? Kinderchöre aus dem Kirchenkreis Halberstadt etwa führen das Musical »Martin Luther« auf, der Magdeburger Kantatenchor plant das Mitsingoratorium »Die Schöpfung« und das Musicalprojekt Altmark »Eleazar – der 4. König«. Beethovens 9. Sinfonie erklingt auf der Theaterbühne auf dem Domplatz. Am Sonnabend heißt es ab 17 Uhr im Klosterbergegarten »Kirchentag trifft Ekmagadi«, die Magdeburger Kultursommernacht. Mit dem Reisesegen für ihre Fahrt zum Abschlussgottesdienst am Sonntag in Wittenberg werden die Besucher am Sonnabend entlassen.

Angela Stoye/epd


Unterwegs nach Wittenberg

10. Februar 2017 von redaktionguh  
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In Mitteldeutschland gibt es zeitgleich mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag die Kirchentage auf dem Weg.

Die Bläser treffen sich in Leipzig. Wer gerne Schiff fährt, kommt nach Magdeburg. Und für Gospelfans sind Halle und Eisleben eine gute Wahl. Bis zu 100000 Menschen werden erwartet, wenn parallel zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg vom 25. bis 28. Mai in den acht Städten Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena und Weimar, Dessau-Roßlau sowie Halle und Eisleben insgesamt sechs Kirchentage auf dem Weg stattfinden sollen. In der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin wurde jüngst das rund 2000 Veranstaltungen umfassende Programm dieser Treffen vorgestellt.

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

»Kirchentage auf dem Weg gibt es nur im Jahr des Reformationsjubiläums«, sagte der Abteilungsleiter Marketing des Vereins Reformationsjubiläum 2017, Christof Vetter. Im Unterschied zu dem zeitgleich stattfindenden Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Potsdam böten sie etwas intimere Veranstaltungen, »wer nicht zum großen Kirchentag nach Berlin fährt, weil ihm das zu groß ist, fährt vielleicht nach Mitteldeutschland«.

Dabei werden die Kirchentage auf dem Weg schon von der Teilnehmerzahl her höchst unterschiedlich aussehen: In Halle und Dessau werden von den Veranstaltern jeweils nur 5000 Menschen erwartet. Leipzig dagegen, wo im vergangenen Jahr der Katholikentag stattfand, wird mit 50000 erwarteten Besuchern in die Nähe eines klassischen Kirchentags kommen. Denn dort treffen sich schwerpunktmäßig die Posaunenchöre, proben für den großen Festgottesdienst in Wittenberg und veranstalten am Tag zuvor ein großes Festkonzert auf dem Marktplatz.

In Magdeburg wird das Zentrum Frieden angesiedelt sein, in Jena und Weimar finden sich Samba-, Capoeira- und Folk-Bands aus allen Teilen Deutschlands ein, darunter auch Musiker von Rio Reisers Protestband »Ton, Steine, Scherben«.

Und in Dessau steht wegen des dort ansässigen Umweltbundesamtes die Bewahrung der Schöpfung ganz oben auf dem Kirchentagsprogramm. »Wir streiten und fragen, feiern und singen, beten und schweigen nicht allein in Berlin beim 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag«, sagt Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au.

Man veranstalte Kirchentage auch dort, »wo die reformatorischen Ideen groß wurden, von wo aus sie verbreitet und weitergedacht wurden«. Dabei wolle man auch nicht verkennen, in welchem Umfeld die Veranstaltungen stattfänden: »Nichts, was mit Religion und Glauben zu tun hat, ist in Berlin und Mitteldeutschland selbstverständlich.«

Selbstverständlich bei einem Kirchentag ist dagegen der Auftritt der EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann. Während sie am Donnerstag auf dem Berliner Kirchentag zu Gast ist, wird sie am Freitag und Samstag der Kirchentagswoche vor allem bei den »Kirchentagen auf dem Weg« präsent sein. »Die Kirchentage auf dem Weg nehmen auf, dass die Region Mitteldeutschland für die Reformationszeit prägend war«, sagt Käßmann. »Sie laden ein, Orte der Reformation kennenzulernen und den Menschen in diesen Orten zu begegnen.« Weil die Veranstaltungen kleiner sind als die des großen Kirchentags in Berlin, sind auch die Eintrittskarten etwas günstiger: Die Dauerkarte in Dessau oder Leipzig kostet 59 Euro, während sie in Berlin mit 99 Euro zu Buche schlägt. Für das gesamte Projekt der Kirchentage auf dem Weg, das wie der Berliner Kirchentag auch in den großen Festgottesdienst in Wittenberg mündet, haben die Veranstalter Kosten von 12,5 Millionen Euro kalkuliert: Zwei Millionen Euro werden dabei von den gastgebenden Kommunen aufgebracht – entweder als Bargeld oder als geldwerter Vorteil. »Die Stadt Dessau hat uns beispielsweise angeboten, dass ihr Bauamt unsere Bühne gleich selbst konstruiert«, sagt der Geschäftsführer des Reformationsjubiläums, Hartwig Bodmann. »So brauchen wir keinen Architekten mehr, und die Bühne ist auch gleich genehmigt.«

Und die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützen die Veranstaltungsreihe mit 4,8 Millionen Euro. Den Rest will der Kirchentag über Teilnehmerbeiträge, Spenden, Sponsoring und die Unterstützung der beteiligten Landeskirchen selbst aufbringen.

Benjamin Lassiwe

Luther-Dekade trifft Dada-Dekade

9. Januar 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Sie ist in gewisser Weise ein ironischer Kommentar zur Luther-Dekade, die seit 2008 mit Themenjahren das 500. Reformationsjubiläum vorbereitet: die Weimarer Dada-Dekade 2012–2022.

Auch hier gibt es einen historischen Anknüpfungspunkt: den »Internationalen Kongress der Dadaisten und Konstruktivisten«, der vom 25. bis 27. September 1922 in Weimar und Jena veranstaltet wurde. Weil dieses einzigartige Treffen damals in der Klassikerstadt keine Beachtung fand, soll durch die Proklamation der Dekade sein 100. Jahrestag ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Zu den weit gereisten Teilnehmern gehörten aus dem Westen der dadaistische Freundeskreis um Hans Arp, Kurt Schwitters und Tristan Tzara und aus dem Osten die Suprematisten und Konstruktivisten um El Lissitzky und László Moholy-Nagy. Die Organisation lag in den Händen des Holländers Theo van Doesburg (1883–1931), der 1921 und 1922 Kurse im Umfeld des Weimarer Bauhauses hielt, zu den Mitbegründern der abstrakten Malerei gehörte und sich zeitweilig dem Dadaismus anschloss. Er schrieb unter dem Namen I. K. Bonset dadaistische Gedichte und veröffentlichte diese in seiner Zeitschrift »Mecano«.

Die Wärmflaschen-Ente von Reinhard von Gigantikow ist im Lügenmuseum Radebeul ausgestellt. Foto: Amac Garbe

Die Wärmflaschen-Ente von Reinhard von Gigantikow ist im Lügenmuseum Radebeul ausgestellt. Foto: Amac Garbe

Mit der »Dada-Dekade 2012–2022« geht es den Veranstaltern – der Galerie Markt 21 und dem Verein »Klang Projekte Weimar« – nicht um kollektive Denkmalpflege, sondern um eine Mobilisierung der schöpferischen Kräfte, die heute in der »freien Szene« existieren. Bei der Vorbereitung des 100. Kongress-Jubiläums setzen sie deshalb auch auf Themenjahre, die historische und lokale Querverbindungen herstellen, wie z. B. »Jena – Japan – Jenseits« (2013) oder »Hoch – Höher – HÖCH. Dada mit HANNAH aus Gotha« (2014), wobei die vor 125 Jahren in Gotha geborene erste Dadaistin und Wegbereiterin von Collage und Fotomontage im Mittelpunkt stand. Während 2015 unter dem Motto »Grachten – Kräche – Kreationen« ein 1923 durchgeführter »Dada-Feldzug« in die Niederlande mit einer Wohnwagen-Tour nach Amsterdam nachgestellt wurde, war es 2016 der 100. Geburtstag von Dada, der unter der Überschrift »Zürich – Züklon – Züankaly« auch am Gründungsort, dem »Cabaret Voltaire«, in der Schweizer Metropole begangen wurde.

Unter dem Titel »Reformation, Revolution, Reklamation« treffen in diesem Jahr beide Dekaden aufeinander. Dabei stehen jene geschichtlichen Ereignisse im Mittelpunkt, die vor 500 bzw. 100 Jahren für Furore sorgten: Luthers Thesenanschlag und die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Darüber hinaus reagieren die Initiatoren auf brisante gesellschaftspolitische Entwicklungen. Die Performance »Neujahrsempfang« zur Eröffnung des sechsten Themenjahres wird deshalb mit einer Ausstellung des »Ideenmillionärs« Richard von Gigantikow verknüpft, den »Die Zeit« als »letzten Dadaisten des wilden Ostens« bezeichnete.

Der gebürtige Erfurter, der bereits in den 1980er-Jahren mit spektakulären Kunst-Aktionen in der Ostberliner Szene am Prenzlauer Berg gegen die offizielle Kulturpolitik auftrat, ist bis heute unbequem geblieben. So intervenierte er im Juni 2016 mit der »WuKaMenta« vor der Frauenkirche in Dresden und lud 33 internationale Künstler ein. Die Idee einer Ausstellung von »Wunderkammern zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum« wird in diesem Jahr fortgesetzt und der Frage nachgehen: »Anders leben, aber wie?« Außerdem sind »Montags-Messen« auf dem Neumarkt geplant.

Richard von Gigantikows »Lügenmuseum«, seit 2012 in Radebeul beheimatet, zeigt »Reliquien einer traumatisch eingestürzten Inneneinrichtung namens DDR«. Aus seinem reichen Fundus sind in Weimar unter dem Titel »RiRaRutsch« Collagen, Installationen, Licht- und Klanginszenierungen zu sehen, wie z. B. »Die Kathedrale des Sozialismus«. Sie zeigt die Lüge der im rosa Licht erscheinenden Geschichte. »Nicht für jeden war die DDR ein Gefangenenlager mit Wachtürmen und Stacheldraht. Für viele Verweigerer, Bürgerrechtler und Künstler schon«, betont der Ausstellungsmacher. Ihre Wut und ihr erlebtes Unrecht hätten sie deshalb mit ihren Kunstwerken zum Ausdruck gebracht. »Dada ist antikünstlerische Geste, raumfüllende Ausstellungsästhetik und aufwühlende Geisteshaltung mit Biss, die in der Weimarer Galerie den befruchtenden Rahmen findet«, ist der Künstler überzeugt.

Michael von Hintzenstern

Der Autor ist Initiator der Dada-Dekade 2012–2022

13. Januar bis 22. Februar, Galerie Markt 21, Weimar, täglich 18 bis 24 Uhr, Eintritt frei; Eröffnung: Freitag, 13. 1., 21 Uhr, mit Uraufführung eines neuen Werkes durch den »Absurden Chor Weimar«

www.dadamenta.eu

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