Sträflich

6. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Achim Hepp, wikipedia

Foto: Achim Hepp, wikipedia

Jede Katastrophe wirft die Frage nach dem Warum auf. Das gilt auch im Blick auf die Opfer der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg. Aber ist das Unglück, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden, eine Strafe Gottes gewesen, wie es die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman meint? In einem Internet-Blog hatte die frühere Fernsehmoderatorin und Buchautorin die Raver-Party als »Sodom und Gomorrha« bezeichnet und die Vorkommnisse zumindest in die Nähe eines Strafgerichtes für das schamlose Treiben gerückt. Man muss die Loveparade mit ihrer Freizügigkeit gewiss nicht mögen. Aber hier ist die frühere Tagesschau-Sprecherin einmal mehr übers Ziel hinausgeschossen.

Denn ihre Unterstellung erscheint nicht nur geschmacklos im Blick auf die Hinterbliebenen, es ist auch theologisch hanebüchen, eine solche Linie zu ziehen und ­einen derart strafenden Gott zu ­bemühen. Dafür taugen weder Naturkatastrophen noch die Toten der Duisburger Loveparade. Im Übrigen gibt es genügend Beispiele in der Bibel, in denen Jesus vor einer so vereinfachten Weltsicht warnt.

Zum Glück haben Kirchenvertreter wie der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider bei der bewegenden Trauerfeier am Sonnabend die richtigen Worte gefunden und den Angehörigen sowie Helfern Trost gespendet. Nach Ansicht des katholischen Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck habe Jesus die Menschen nicht vor dem Leid der Loveparade-Katastrophe bewahrt, und er bewahre auch nicht vor vielem anderen Leid. »Und doch heilt er und ist da: für die Toten, für die Verletzten, für die Trauernden, für die Fragenden und auch für diejenigen, die sich der Verantwortung stellen müssen.« Das sind die passenden Antworten auf die kruden Vorwürfe der früheren Fernsehmoderatorin, die hinter einer vielleicht gewöhnungsbedürftigen Party nur den allgemeinen Sittenverfall sehen will. Gedankenspiele um ein Strafgericht erscheinen da nicht nur ­billig, sie sind wirklich sträflich.

Martin Hanusch